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The Games We Play von silverbird
Inhalt: Angel erfährt von Spikes Chip und fühlt sich verpflichtet, nach seinem Childe zu sehen.
Fandom(s): Buffy the Vampire Slayer / Angel the Series Pairing(s): Spike/Angel
Story-Genre: Allgemeine Story
Lnge der Story: Mehrteiler
Story-Typ: Slash - M/M
Warnungen: Keine
Challenges:
Serie: Keine
Kapitel: 8 Story vollendet: Ja Anzahl der Wörter: 25558 Wörter Gelesen: 12356 Mal Datum der Veröffentlichung: 22.07.08 Letztes Update: 22.07.08
Kommentar:
Danke an Stephie fürs Betalesen und an Indi für das wunderbare Bild.

1. Kapitel 1 von silverbird

2. Kapitel 2 von silverbird

3. Kapitel 3 von silverbird

4. Kapitel 4 von silverbird

5. Kapitel 5 von silverbird

6. Kapitel 6 von silverbird

7. Kapitel 7 von silverbird

8. Kapitel 8 von silverbird

Kapitel 1 von silverbird

Angel saß in seinem Büro, sah eine der Akten durch und blickte kurz auf, als Wesley eintrat. „Wie war es in Sunnydale?“, fragte er und widmete sich dann wieder dem Schriftstück, ohne Wes wirklich zuzuhören. Denn vermutlich würde sein Freund wieder endlose Erläuterungen von sich geben, bis er zum Punkt kam. Angel speicherte ‚Dayxoriux- Clan’ in seinem Hirn ab und beschloss Wesley erst wieder zuzuhören, wenn er genau diese Worte sagen würde, denn erst dann kam der interessante Teil. Inzwischen würde er die lästige Schreibarbeit hinter sich bringen. Angel ergänzte ein paar fehlende Worte und überflog die Zeilen noch einmal, während Wesleys Gerede an ihm vorbeirauschte.

Doch der riss den Vampir plötzlich aus seinen Gedanken, als er ihn leicht am Arm berührte. „Angel, hörst du mir zu?“

Der nickte seufzend und bemühte sich nun doch Wesleys Ausführungen zu folgen.

„Gut, also es hat sich einiges verändert in den Jahren, muss ich sagen. Rupert ist irgendwie alt geworden. Und Willow hat sich zu einer unglaublich starken Hexe entwickelt. Sie hat mich außerordentlich beeindruckt. Und sie hat eine, äh … Freundin, Tara, ist glaube ich ihr Name. Sie ergänzen sich auf eine ganz erstaunliche Weise“, begann Wesley lang und breit zu erzählen, und Angel verdrehte innerlich die Augen.

‚Was ist mit Spike?’

Nein, er meinte natürlich nicht Spike. Das war nur ein rascher Gedanke, der ihm durch den Kopf schoss und er konnte sich beim besten Willen nicht erklären, wieso er jetzt an Spike denken musste. Buffy, ihr galten natürlich seine Gedanken. Wie kam er jetzt nur auf sein Childe?

„Buffy hat einen Freund.“ Wesley beobachtete Angel genau, als er von ihr sprach, doch sein Boss zeigte keine Reaktion und so sprach er weiter.

Aber Angel hing wieder seinen eigenen Gedanken nach, denn Spike hatte sich wieder in seinen Kopf geschlichen. Er hatte ihn in den letzten Jahren kaum gesehen, oder mit ihm gesprochen.

Sie hatten einige kurze Begegnungen, die nicht wirklich erwähnenswert waren. Sie gingen sich tunlichst aus dem Weg, da sie sich sonst sowieso nur angifteten oder sich an die Gurgel gingen.

Zwischen ihnen war schon zu Darlas und Drus Zeiten eine sonderbare Verbindung, eine Art Hassliebe, die meistens dahingehend ausartete, dass er William, oder Spike wie er sich dann nannte, fast zu Tode prügelte, oder ihn auf andere Weise demütigte. Und es befriedigte ihn ungemein, wenn Spike ihn mit seinen unglaublich blauen Augen hasserfüllt anblickte, mit dem Wissen, das er gegen Angelus nicht ankam, weil er der Stärkere war. Und trotzdem reizte und provozierte er seinen Sire immer wieder mit einer fast unheimlichen Ausdauer, die Angelus irgendwie bewunderte.

Manchmal, wenn sie nach der Jagd gesättigt vor dem Kaminfeuer saßen und sich Darla über ihre Opfer lustig machte, sah er, dass Spike ihn beobachtete, und bemerkte einen sehnsüchtigen Blick in seinen Augen. Damals dachte er, es wäre aus Neid, weil er, Angelus all das war und hatte, was Spike niemals sein konnte, oder haben würde. Doch heute sah Angel das anders. Spike war der einzige Vampir, den er kannte, der sich trotz allem eine gewisse Menschlichkeit bewahrt hatte, und vielleicht war es ein mitleidiger Blick, mit dem er seinen Sire betrachtete, weil er gerade durch seine Fähigkeit zu fühlen, im Endeffekt der Stärkere war.

Angel wurde erneut aus seinen Gedanken gerissen, als er Wesley Spikes Namen sagen hörte.

„... und seitdem kann er keine Menschen mehr beißen und hilft Buffy und Giles hin und wieder Vampire und Dämonen zu jagen“, schloss der ehemalige Wächter seinen Bericht und sah Angel erwartungsvoll an.

„Wer?“, fragte Angel irritiert, da er den Teil vor dem ‚nicht beißen können’ überhört hatte.

„Na Spike, durch den Chip“, sagte Wes verständnislos. „Hast du mir etwa wieder nicht zugehört?“

„Ja, schon, nur das mit dem … Chip? Wie war das nochmal?“

Wesley seufzte und erzählte ihm die ganze Geschichte mit Spike und dem Chip ein zweites Mal. Diesmal hörte Angel genau zu und er vermutete, dass es der Chip war, der ihn dauernd an Spike denken ließ. Genauso wie ein Sire wusste, spürte, wenn sein Childe starb, sich auflöste, zu Staub wurde, war es vielleicht möglich, dass der Chip, den Spike von dieser Militär-Initiative eingepflanzt bekommen hatte, die Verbindung, die durch ihr gemeinsames Blut bestand, in irgendeiner Weise beeinflusste, oder er seinen Schmerz fühlen konnte. Vielleicht rief sein Childe nach Hilfe. Unbewusst natürlich, durch ihre dämonische Verbindung. Denn Spike würde ihn niemals um Hilfe bitten. Sire hin oder her, da war Angel sicher. Bevor das geschah, wurde sein Childe sich eher selbst pfählen.

‚Ich muss nach ihm sehen. Es ist meine Pflicht als sein Sire, mich um ihn zu kümmern. So sind nun einmal die Vampir-Gesetze, und er ist der Letzte aus unserer Familie’ , dachte Angel, um den Drang, nach seinem Childe zu sehen zu rechtfertigen. Doch mit welcher Begründung sollte er nach Sunnydale fahren?

‚Um Buffy zu besuchen?’

Aus welchem Grund bitte schön? Zwischen ihnen war alles geklärt. Endgültig.

Und auch seine Hilfe konnte er nicht anbieten, denn sie kamen gut zu Recht am Höllenschlund und es gab auch nichts Außergewöhnliches, wie einen neuen Dämonen-Bürgermeister oder Ähnliches, womit er sein Auftauchen rechtfertigen konnte. Also womit sollte er argumentieren, ohne dass auch Wesley misstrauisch wurde? Doch eben dieser kam ihm plötzlich unerwartet zur Hilfe.

„Das ist aber wirklich ärgerlich. Gerade der wichtigste Teil fehlt und ich kann ihn nirgends finden. Ah, vielleicht ist er noch im Wagen. Ich werde gleich nachsehen.“ Wes erhob sich und Angel sprang auf. „Was meinst du Wesley? Was ist im Wagen?“

„Ein besonders bedeutender Teil des Schriftstückes. Es ist nicht bei den anderen, die ich herein getragen habe. Es handelt sich um die wichtigste Stelle, die wir über die Runensteine der Kaukasen brauchen. Ich habe sie vielleicht im Wagen gelassen und werde gleich nachsehen“, erklärte er seinem Boss.

„Lass nur, dass kann ich ja machen. Du könntest inzwischen das Chaos hier ein bisschen ordnen. Ich blicke da nicht mehr durch und du würdest mir sehr damit helfen“, bat Angel während in seinem Kopf schon ein Plan heranreifte. Er eilte hinaus zum Wagen, suchte - und fand, die fehlenden Papiere. Rasch steckte er sie unter sein Hemd und zog die Jacke darüber, um die Schriftstücke zu verbergen, damit Wes nicht sah, dass er die Abschrift darunter versteckte. Dann wartete er ein Paar Minuten, bevor er zurück ins Hotel ging.

Angel setzte ein bedauerndes Gesicht auf und ging auf Wes zu. „Im Auto ist leider auch nichts. Das ist jetzt aber dumm, weil wir gerade diese Schriftstücke für unsere Recherchen so dringend brauchen, wie du sagtest“, bemerkte der Vampir bedauernd, und lobte sich selbst wegen seines schauspielerischen Talents. Gleichzeitig hatte er ein schlechtes Gewissen, Wesley auf diese Weise zu hintergehen.

Wes seufzte. “Dann hilft es nichts. Ich muss noch einmal zu Giles um neue Abschriften anzufertigen, oder vielleicht hab ich sie auch nur bei ihm liegen gelassen. Wie auch immer, fahren muss ich auf jeden Fall.“

„Ich denke du hast in letzter Zeit genug Stress gehabt, Wesley. Darum werde ich fahren. Du hast dir eine Pause wirklich verdient. Gönne dir einmal eine freie Woche. Vielleicht bleib ich ein paar Tage in Sunnydale. Und sag auch bitte Cordelia bescheid. Sie soll sich auch frei nehmen. Sollte ein Auftrag zu erledigen sein, oder Cordy eine Vision bekommen, ruft mich auf dem Handy an und ich bin in ein paar Stunden wieder da“, sagte Angel so beiläufig wie möglich.

„Du willst doch nicht zu Buffy? Du weißt es ist gefährlich wenn ihr ... also wenn…“, verlegen brach der Wächter ab.

„Nein Wes, keine Sorge. Ich werde sie nicht aufsuchen. Und ich werde auch kein Risiko eingehen. Wie du mir erzähltest, hat sie ja nun einen festen Freund und ist glücklich mit ihm. Ich liebe sie, und daher werde ich nichts tun, um ihr Glück zu gefährden. Ich hol nur die Schriften, unterhalte mich mit Giles und sehe mich ein bisschen um, um dann gleich wieder zurückzufahren. Das ist alles. Also mach dir keine Sorgen.“ Angels Stimme klang gleichgültig, aber Wesley war doch etwas misstrauisch, wie Angel sogleich bemerkte. Also sprach er weiter beruhigend auf ihn ein.

„Überleg doch mal Wes. Wir arbeiten seit zwei Jahren ununterbrochen, wir brauchen alle eine Pause, auch ich möchte einmal raus aus L.A. Einmal etwas anderes sehen als nur Wolkenkratzer. Es ist unnötig dir Sorgen zu machen. Buffy ist meine Vergangenheit und das wird sich auch nicht ändern. Wir sehen uns in einer Woche.“ Er sagte es bestimmt und Wes wusste, Angel hatte sich entschieden und war nicht mehr umzustimmen.

So nahm er die Entscheidung seines Bosses widerwillig zur Kenntnis und ärgerte sich, dass die Schriftstücke durch seinen Fehler in Sunnydale geblieben waren, oder sonst wo von ihm verschlampt wurden. Vor allem, da er eigentlich niemals etwas verlor. Schon gar keine wichtigen Papiere und dass Angel sich dadurch veranlasst sah, nach Sunnydale zu fahren.

So blieb dem ehemaligen Wächter nichts anderes mehr übrig, als sich von dem Vampir zu verabschieden und nach Hause zu gehen, um seinen *Zwangsurlaub* anzutreten.

~*~

Am nächsten Abend schloss Angel das Hotel ab und machte sich mit seinem Wagen auf den Weg nach Sunnydale. Er überlegte die ganze Fahrt über, wie er Spike dazu bringen könnte, überhaupt mit ihm zu sprechen, oder noch besser, sein Childe dazu zu bringen, mit ihm nach L.A. zu kommen. Denn er wollte ihn in seiner Nähe haben, um ihn zu beobachten und gegebenenfalls zu beschützen, wie es sich für einen Sire gehörte.

Nicht das er das wirklich wollte, aber der Gedanke, wenigstens für das letzte Mitglied seiner Vampirfamilie zu sorgen, verfestige sich immer mehr in Angel. Und als er die Stadt erreichte, hatte er einen etwas verrückten, aber perfekten Plan. So dachte er zumindest.

Angel fuhr direkt zu Giles Haus und obwohl es noch zwei Stunden bis Sonnenaufgang war, hatte er keine Hemmungen den Wächter aus dem Schlaf zu reißen. Der schlurfte auf Angels unentwegtes Klopfen zu Tür und öffnete sie einen spaltbreit. „Angel? Was ist passiert? Was machst du hier?“ Argwöhnisch betrachtete er den Vampir, unsicher, ob es nicht doch Angelus war, der da vor ihm stand.

„Lass mich schon rein Rupert. Wesley hat ein paar Schriften vergessen, die wir dringend brauchen und ich wollte ihn nicht damit belasten nochmals so weit zu fahren, daher bin ich selbst gekommen.“

„Schriften? Welche? Ich hab ihm doch alles mitgegeben.“ Giles war nicht bereit Angel, oder möglicherweise Angelus Glauben zu schenken und bat ihn daher nicht herein.

„Also gut, wenn du mir nicht glaubst, dann warte ich hier. Es geht um die Runen der Kaukasen. Wir können sie nicht finden, also brauchen wir noch eine Kopie. Aber beeil dich bitte. Ich möchte weg sein, bevor die Sonne aufgeht“, seufzte Angel.

Rupert Giles überlegte kurz, entschloss sich dann jedoch Angel zu glauben. „Nun gut, komm rein“, sagte er und trat zurück, um den Vampir eintreten zu lassen.

„Tee?“ Giles sah Angel fragend an und der nickte. ‚Engländer’, dachte er und schmunzelte verhalten.

Wenig später saßen sie bei einer guten Tasse Ceylon-Tee und Angel fragte Giles vorsichtig über Spike aus, während der Wächter seine Schriftrollen durchsuchte, um für Wesley nochmals das Gewünschte abzuschreiben.

„Spike? Ja er kommt manchmal vorbei, aber eher selten. Er verkauft mir Informationen und hin und wieder gibt er mir auch Tipps über verschiedene Dämonen. Ich bin erstaunt über sein profundes Wissen. Was er so treibt? Keine Ahnung. Wieso interessiert dich das? Ich denke ihr habt, wie soll ich sagen, kein gutes Verhältnis zueinander.“ Verwundert sah der Wächter Angel an.

„Nein, das kann man wirklich nicht behaupten. Er ist mir nur eingefallen, weil Wesley sagte, er lebe jetzt hier irgendwo.“ Angel wählte seine Worte geschickt, da er hoffte, Giles würde ihm somit verraten, wo Spike sich jetzt aufhielt. Und genau so war es dann auch.

„Ja er hat sich eine Gruft gesucht und hält sich dort auf, soweit ich weiß“, antwortete der Wächter abwesend, da er nach Schreibpapier und Stiften in der Schreibtischlade suchte.

Als es Mittag wurde, bot Giles Angel an, sich im Gästezimmer auszuruhen. „Inzwischen mache ich die Kopien fertig“, erklärte der Wächter und zeigte Angel das Zimmer.

„Danke, dann kann ich gleich wieder zurückfahren, sobald es dunkel ist.“

Angel legte sich im Gästezimmer nieder, doch er konnte keinen Schlaf finden. Ständig dachte er an Spike. Wie würde er reagieren, wenn sein Sire auftauchte? ‚Na wie wohl? Wie er immer reagiert, wenn wir zusammentreffen. Er wird mich beschimpften, er wird mich anbrüllen und letztendlich auf mich losgehen.’ Angel musste schmunzeln. Denn obwohl Spike wusste, dass er niemals gegen Angels Stärke ankam, versuchte er es immer wieder. Obwohl er wusste, dass er Prügel bezog, konnte er es nicht lassen auf seinen Sire loszugehen.

‚Doch diesmal wird es anders laufen. Und Spike wird Dinge tun müssen, die ihm sehr gegen den Strich gehen. Dinge, die ihn auf ganz andere Weise herausfordern.’ Angel hoffte, dass sein Plan funktionieren würde und er somit seine Pflicht als Sire erfüllen konnte. Und wenn Spike dann soweit war, konnte jeder wieder sein eigenes Leben führen und seiner Wege gehen.

Als der Abend anbrach, stand Angel auf und begab sich in Giles Wohnzimmer. Der bot ihm wieder eine Tasse Tee an. Der Wächter redete unablässig und Angel hatte den Eindruck, dass Giles einsam war, da er versuchte ihre Unterhaltung in die Länge zu ziehen, und sogar den Vampir als Gesprächspartner akzeptierte.

Aber Angel wollte endlich seine Mission erfüllen und so erhob er sich mit dem Vorwand noch eine weite Fahrt vor sich zu haben und verließ mit den Abschriften das Haus des Wächters.

Angels erster Weg führte ihn in eine Dämonenkneipe. Er schaute sich suchend um und stellte fest, dass sich in den Jahren nichts verändert hatte. „Immer noch der gleiche Abschaum und da ist auch schon das, was ich suche“, stellte er fest und schlenderte auf den Tresen zu. „Ich möchte dir ein Geschäft vorschlagen“, sagte Angel zu dem Batoidae - Dämon, der gerade sein Glas, welches mit einer undefinierbaren Flüssigkeit gefüllt war, an seine wulstigen Lippen setzte.

Eine halbe Stunde später fuhr Angel zum Friedhof, parkte bei einem Seiteneingang, da er nicht wollte, dass einer der Scoobies womöglich sein Auto bemerkte oder erkannte.

Das Tor öffnete sich quietschend, als Angel es aufdrückte. Er schaute sich suchend um, orientierte sich kurz und steuerte die hintere Ecke des Friedhofes an, dort wo die Gruften zu finden waren.

Als er näher kam, hörte er wie erwartet Kampfgeräusche und seine Schritte wurden schneller.

Schon vom Weiten konnte er die Flüche seines Childes vernehmen und musste unwillkürlich lächeln.

‚Ich wusste es, manche Dinge ändern sich wirklich nie’, dachte Angel und als er näher kam, sah er, dass Spike mit einem Dämon kämpfte. Der hatte spitze Stacheln und einen bläulich grünen Körper, doch Spike wich immer wieder geschickt aus. Er verspottete den Dämon ständig und versuchte das fast zwei Meter große Monster mit einer Latte am Kopf zu treffen. Bei seiner eher mittleren Größe erwies sich das als äußerst schwierig und die kaktusartigen Stacheln trugen auch nicht gerade zu Spikes Erfolg bei, da diese sich schützend aufrichteten.

Angel hatte den Eindruck, dass Spike aus rein selbstmörderischer Absicht immer wieder auf den Dämon losging und es schien ihm völlig egal zu sein, ob der sein Unleben beendete. Kurz bevor Angel sich einmischen konnte, trat Spike dem Dämon zwischen die Beine und er ging jaulend in die Knie. „Ah, du scheinst ein männlicher Batoidae - Dämon zu sein. Gut, jetzt nicht mehr, jetzt bist du eindeutig ein ... was eigentlich? Ein Eunuchen-Dämon?“ Spike kicherte über seinen eigenen Witz und holte mit seiner Faust aus, als der Dämon sich wegrollte und Spike einen Tritt in den Bauch verpasste, sodass dieser einige Meter wegflog.

Angel dachte, nun es wäre an der Zeit einzugreifen, gleichzeitig passte es zu seinem Plan und so gab er dem stacheligen Dämon einen Tritt dorthin, wo der sein Hinterteil hatte. Das Monster verlor den Halt und stürzte nach hinten und Angel achtete darauf, dass der Dämon auf ihn fiel. Doch er bemerkte nicht, dass hinter ihm ein Grabstein stand, knallte mit dem Kopf auf eine Grabeinfassung und blieb halb betäubt liegen.

Der Batoidae - Dämon raffte sich wieder auf, um sich erneut auf Spike zu werfen. Der rollte sich zur Seite, hob reaktionsschnell sein Bein und rammte die Spitze seines Stiefels dem Dämon in die Brust, genau an die Stelle, die für ihn tödlich war. „Das war also dein wunder Punkt. Wusste ich nicht, aber egal.“ Spike erhob sich schnell, doch noch bevor er sich weit genug von dem Dämon entfernen konnte, zerplatzte der zu einer bläulichen Masse. Obwohl dadurch sein geliebter Mantel jede Menge Schleim abbekam, kümmerte es ihn nicht. Er rannte zu Angel, der immer noch regnungslos dalag und Spike roch das Blut, das seinem Sire über das Gesicht lief.

Kapitel 2 von silverbird

Besorgt beugte sich Spike über Angel. „Hast du sie nicht mehr alle, Peaches? Was sollte das? Denkst du, ich kann mit so einem Stachelschwein nicht alleine fertig werden? Man, Angel, da sehe ich dich jahrelang nicht, und kaum bist du da, machst du mir Scherereien, verdammt“, murmelte der blonde Vampir und hievte Angel vorsichtig auf seine Schultern. „Und eine verfluchte Diät würde dir auch einmal ganz gut tun, du hast vielleicht ein Gewicht. Dein Glück, dass ich so stark bin, sonst müsste ich dich wie einen Sack hinter mir herschleifen, obwohl... der Gedanke reizt mich, irgendwie.“

Sich über diese Vorstellung amüsierend, schleppte Spike seinen Sire in seine Gruft. Dort kletterte er die Stufen in sein ‚Schlafzimmer’ hinunter und ließ Angel auf das Bett plumpsen.

„Bloody hell, was für eine Schinderei. Ich hätte dich liegen lassen sollen. Wie bescheuert bin ich eigentlich, dich hierher zu schleppen? Die Sonne hätte mein Problem gelöst und ich wäre dich für immer losgeworden. Manches Mal denke ich ernsthaft, ich hab sie nicht mehr alle. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, bin ich mir sogar sicher. Wenn du nicht so verdammt schwer wärst, würde ich dich wieder raus tragen. Genau, das sollte ich tun. Aber vermutlich hast du nach Buffy gesucht, und die würde mir fürchterlich in den Hintern treten, wenn sie es irgendwann heraus kriegt. Zur Hölle Poof, mach endlich die Augen auf und verschwinde aus meiner Gruft. Ich hab hier kein Asyl für Vampire, schon gar nicht für so einen wie dich.“

Langsam machte Spike sich ernsthafte Sorgen. Noch niemals war Angelus so lange bewusstlos gewesen, schon gar nicht von so einem harmlosen Sturz. Da stimmte etwas nicht.

‚Ob er das Gift des Batoidae – Dämon abgekriegt hat? Aber das ist nicht tödlich, zumindest nicht für Vampire, soweit ich weiß’, überlegte Spike und strich Angel übers Haar. Spike erlaubte sich das nur, weil sein Sire bewusstlos war und so von der zärtlichen Geste nichts mitbekam.

Doch plötzlich begannen Angels Augenlider zu flattern. Schnell zog Spike seine Hand zurück und setzte den ‚ich kann dich nicht leiden, also was tust du hier’ Blick auf.

„Mister?“, fragte Angel leise und schaute Spike unsicher an. Dieser runzelte die Stirn.

„Was soll der Scheiß, Angel?“, murrte der blonde Vampir und zog seine Augenbrauen zusammen.

„Angel? Wer ist Angel?“

„Was zur Hölle ist los mit dir? Spielst du wieder deine Spielchen, Angelus?“, knurrte Spike verärgert.

„Spielchen? Angelus? Ich weiß nicht was Sie meinen. Was ist passiert? Ich wollte ein Grab aufsuchen und da war plötzlich so ein großes grünes Ding. Er fiel auf mich, dann wurde mir schwarz vor Augen, und jetzt wache ich hier auf in dieser… Was ist das eigentlich? Wohin haben sie mich entführt?“ Angel sah so verwirrt drein, wie es ihm nur möglich war.

„Entführt? Entführt?“ Spikes Stimme kippte. „Spinnst du, oder was? Du mischt dich in meinen Kampf ein, der dich übrigens nichts anging. Lässt dich von diesem Winzling umhauen, was ich schon mehr als eigenartig finde und ich bezweifle sehr, dass du überhaupt noch so stark bist, wie du immer tust. Dann bist du so blöd und rutscht aus und ungeschickt wie du nun mal bist, knallst du mit deinem sturen Schädel auch noch auf eine Marmoreinfassung, sodass du bewusstlos liegen bleibst. Ich schleife deinen muskul... äh, deinen… na dich, dann auch noch hierher, damit die verdammte Sonne nicht zu Staub verarbeitet und du behauptest ich hätte dich entführt? DICH? Wo ich froh bin, wenn ich deinen Anblick nicht ertragen muss. Das ist ja wieder einmal typisch für dich. Mach, dass du Land gewinnst. Raus aus meiner Gruft. SOFORT“, schrie Spike und kletterte wütend die Leiter hoch.

„Was bildet der sich überhaupt ein. Bloody hell, da rettet man seinem Sire den Hintern und zum Dank kriegt man nichts als blöde Sprüche. Spielt mir einen Mann ohne Gedächtnis vor. Wieder einmal ein neues Spielchen von Angelus, Angel. Was weiß ich, wer er gerade ist. Hat wahrscheinlich wieder Lust den blöden Spike auf die Schippe zu nehmen. Aber nicht mit mir. Nie mehr. Punkt“, schimpfte er vor sich hin, ließ sich in seinen grünen Sessel fallen und fischte nach einer Zigarettenschachtel in seiner Manteltasche. Er blickte aus dem Fenster und stellte seufzend fest, dass die Sonne bereits aufging. ‚Das heißt ich muss den Poof den ganzen Tag ertragen, das überleb ich nicht.’ Spike rutschte tiefer in seinen Sessel und ärgerte sich, dass er Angel in seine Behausung gebracht hatte.

~*~

Angel sah sich inzwischen in Spikes Schlafraum um. Wie konnte Spike hier nur leben? Es war feucht und roch vermodert. Und wie der dunkelhaarige Vampir feststellte, war sein Childe immer noch so unordentlich wie eh und je. Angel war entschlossen Spike aus dieser Behausung unter allen Umständen herauszuholen. ‚Das hätte ich schon viel früher tun sollen. Es ist einfach schrecklich hier. Und wenn ich mich schon eher um ihn gekümmert hätte, wäre vieles ausgeblieben. Der Chip zum Beispiel. Und egal wie lange wir beide am Unleben sein werden, ich war und bleibe für alle Zeiten Spikes Sire. Und ob als Angelus oder nun als Angel, ich bin durchaus imstande, Spike unter Kontrolle zu halten. Meistens jedenfalls.’

Doch Angel wollte Spike nicht zwingen mit zu kommen, das würde nichts als Ärger und Streit mit sich bringen, daher hatte er sich diese List mit dem ‚Batoidae’ ausgedacht und er hoffte, dass sein Plan gelang, sodass Spike freiwillig mit ihm kam. War sein Childe erst einmal bei ihm in L.A. und würde den Komfort einer Dusche, warmen Blutes und eines anständigen, sauberen Bettes genießen, wäre es sicher leichter, ihn dazu zu bewegen zu bleiben.

Und so beschloss Angel, Spike weiterhin vorzuspielen, dass er verwirrt und ohne Gedächtnis sei, um sein Ziel zu erreichen.

„Gut Mister, da sie mich anscheinend gerettet und nicht entführt haben, danke ich Ihnen und gehe jetzt.“ Angel war die Holztreppe heraufgekommen, hielt sich den Kopf und wankte zur Tür.

Erschrocken sprang Spike auf. „Bist du verrückt, Pet? Bleib gefälligst von der Tür weg. Die verdammte Sonne scheint. Willst du zu Staub werden, oder was?“ Er riss Angel zurück und schubste ihn zu dem Sarkophag.

Angel setzte einen verwunderten Blick auf. „Wie Staub?“, murmelte er, griff sich wieder an den Kopf.

Spike baute sich vor Angel mit verschränkten Armen auf. „Hör auf mit dem Theater, denn das weißt du sehr gut. Weil du ein verdammter Vampir bist, zum Geier!“, schnauzte er Angel an. Dieser schaute Spike erst verdutzt an und brach dann in schallendes Gelächter aus.

„Ich bin was? Ein Vampir? Ich glaub SIE sind verrückt, nicht ich. Obwohl, ich erinnere mich nicht. An nichts. Nur dass ich auf einem Friedhof nach einem Grab gesucht habe und sie mit diesem stacheligen Etwas kämpfen sah. Ich kam gerade dazu, bin ausgerutscht und hingefallen. Von da an weiß ich nichts mehr. Sie haben mich Angel genannt. Ist das denn mein Name, Sir?“

„Ich bin kein verdammter Sir und ein Sire bin ich auch nicht. Ich bin Spike zur Hölle und ja, du heißt Angel, vormals Angelus. Liam war dein Name als du noch ein Mensch warst, du bist Ire, ein irischer Sturschädel um genau zu sein. Dann wurdest du von Darla zum Vampir gemacht und nanntest dich Angelus. Und weil du eine Zigeunerin ausgesaugt hast, bekamst du von ihrer Sippe eine Seele, wegen der Buße und so. Seit dem bist du Angel, hast eine Agentur, die den Hilflosen hilft. Wobei ich bemerken möchte, dass so ein bescheuerter Text nur von dir kommen kann. Und du lebst in L.A., der Stadt der Engel. Klingelt es nun endlich bei dir?“, murrte Spike und steckte sich wieder eine Zigarette an. Nun war es an Spike verwirrt zu sein. Stimmte es etwa? Hatte Angel wirklich keine Erinnerung, an irgendwas?

„Nein, und ich glaube Ihnen kein Wort. Das sind blöde Märchen. Vampire gibt es nämlich nicht.“ Nun war es Angel, der seine Arme verschränkte und Spike bockig ansah. ‚Er ist immer noch so hübsch wie früher. Wie konnte ich vergessen, wie wunderschön mein Childe ist? Sogar diese blondierten Haare sehen bei ihm gut aus. Und die Augen, diese wundervollen, tiefblauen Ozeane, in denen ich am liebsten versinken möchte. Doch ich kann die Veränderung darin sehen. Einsamkeit und Sehnsucht. Es wird schwierig werden, doch das war es mit ihm immer. Trotzdem möchte ich alles auf mich nehmen, um seine Augen wieder leuchten zu sehen, um ihn wieder lachen zu hören und um ihn in meinen Armen zu halten. Nein nicht in den Armen halten. Angelus Zeiten sind vorbei. Ich werde ihn nur helfen, aus diesem Drecksloch herauszukommen, weil ich sein Sire bin und für ihn zu Sorgen habe, mehr nicht.’

Spike riss ihn aus seinen Gedanken, indem er sagte: „Du glaubst mir nicht? Es gibt uns nicht? Schön dann beweise ich es dir.“ Spike setzte sein Gameface auf und knurrte ihn bedrohlich an. Erschrocken wich Angel zurück. „ Ihr Gesicht, was..?“

„Das, verdammt, ist unser dämonisches Ich. Wir sehen so aus wenn wir auf Menschenjagd gehen.“ Sagte Spike und wechselte sein Aussehen wieder zurück.

„Ich sehe nicht so aus und ich jage keine Menschen.“ ‚Wenigstens das ist nicht gelogen’, dachte Angel. ‚Ich jage und beiße keine Menschen. Jetzt nicht mehr.’ Er versuchte so überzeugend wie möglich auszusehen.

„Okay, du irischer Sturschädel, dann halt anders.“ Spike packte Angel an der Hand und zerrte ihn zur Tür. Er öffnete sie einen Spalt breit, und hielt Angels Finger kurz in die Sonne. Angel musste sich sehr beherrschen um seine Hand nicht schon zurückzuziehen, bevor die ersten Strahlen seine Haut trafen. Aber Spike wäre sofort misstrauisch geworden und dann wäre Angels Plan mit einem Schlag zunichte und alles wäre umsonst gewesen.

Daher hielt er still, bis seine Finger zu rauchen anfingen, schrie dann leise auf und zog seine Hand rasch zurück. Verwundert betrachtete er seine angesengten Fingerspitzen.

Spike schloss die Tür wieder und sah Angel an. “Vampir-Sonne-Staub. Capisce?

„Nicht so ganz, aber möglicherweise stimmt es, was Sie sagen“, murmelte Angel leise, bemühte sich geschockt auszusehen und rieb seine Hand.

„Na da kommt ja Freude auf. Er glaubt mir, weil ich ihn fast abgefackelt habe. Danke für dein Vertrauen, Angelus.“ Spike verdrehte die Augen und schnaubte genervt. „Hör mal, Kumpel. Sobald es dunkel wird, bringe ich dich zu Freunden, die dich kennen und die du kennst - kennen solltest. Na ja, sie sind nicht so richtig deine Freunde, aber sie kennen dich. Vielleicht fällt dir wieder ein, wer zur Hölle du bist, sobald du sie siehst. Dass du dich an mich nicht erinnern kannst, oder willst, muss daran liegen, dass du mich nie leiden konntest, und mich für immer aus deinem Gedächtnis gestrichen hast, denke ich mal. Und nun setz dich irgendwo hin. Wir müssen warten bis die Sonne untergegangen ist, sonst löst sich zu deinem bisschen Hirn, auch noch dein Körper auf. Wäre schade drum.“ Spike betrachtete verstohlen Angels wundervollen Körper, wie er so vor ihm stand. Die harten Muskeln zeichneten sich unter der Kleidung ab, sein engelsgleiches Gesicht mit dem herrlichen Mund, luden zum Küssen ein und Spike leckte sich rasch über die Lippen, bevor er Angel kurz in die samtigen, braunen Augen schaute, die ihn irgendwie anzulächeln schienen.

Da war er nun, sein Sire, und erinnerte sich nicht ein Stück an ihn. Nicht ein kleines winziges bisschen an William oder Spike, an sein Childe.

‚Verdammt was soll das? Ist doch egal, ob er sich erinnert. Er hasst mich, ich hasse ihn. Punkt. Alles was ich tun muss, ist ihn so schnell wie möglich loszuwerden, alles andere geht mich nichts an.’, dachte Spike und konnte nicht verhindern, dass sich sein totes Herz zusammenkrampfte.

Als er bemerkte, dass Angel ihn ebenfalls betrachtete, schnauzte er ihn verlegen an. „Nun setz dich schon, und nenn mich Spike, nur Spike, verstanden?“

„Gut... Spike. Wir sind also Vampire, das muss ich erst verarbeiten. Es ist zu unglaublich. Der Mythos ist keiner und alles was ich gehört oder gelesen habe stimmt. Unfassbar.

Und ich lebe in L.A. und du hier in? Wo sind wir hier eigentlich? Und warum bin ich hier?“

Angel sprach schnell und abgehackt, wobei er einen völlig fassungslosen Gesichtausdruck aufsetzte und sich haltsuchend am Sarkophag abstützte, um seinen Schock darüber, ein Vampir zu sein, deutlicher zu machen.

„Wir sind am verdammten Höllenschlund. Und was du hier willst? Wie soll ich das wissen? Du gehst mir jedenfalls tierisch auf die Nerven und wir haben noch sieben Stunden, bis wir raus können. Außer, wir gehen durch die Kanalisation. Doch das ist nicht ratsam, weil du erstens, wahrscheinlich auch nicht weißt wie man kämpft und ich für dich, na ja so etwas wie verantwortlich bin, bis deine Erinnerung wieder einsetzt. Was hoffentlich bald sein wird, weil ich sonst verrückt werde, und zweitens, muss ich den verfluchten Schleim von meinem Mantel kriegen und das wird Stunden dauern.“

Spike wusste, dass das nur eine billige Ausrede war, denn es gab kaum Vampire oder Dämonen in der Kanalisation, die ihnen gefährlich werden konnten und wenn, würde er mit ihnen spielend fertig werden. Aber so hatten sie noch sieben Stunden. Sieben ganze Stunden, die er mit Angel verbringen konnte und obwohl er sich dafür innerlich selbst verfluchte, freute er sich unerklärlicher Weise über Angels Anwesenheit. Das verwirrte ihn und machte ihn noch wütender.

Angel musste sich ganz schön beherrschen, um sich den rüden Ton seines Childes gefallen zu lassen. Aber er konnte ihn ja schlecht zurechtweisen, ohne dass seine Tarnung aufflog. Und irgendwie gefiel ihm dieses Spiel, weil Spike sich trotz seiner Abneigung ihm gegenüber verantwortlich fühlte, ihn beschützen wollte. Das war neu und ein schönes Gefühl. Und so wartete er gespannt, was Spike nun tun würde.

Dieser zog seinen Mantel aus und legte ihn auf den Sarkophag. Dann ging er zu der alten Kommode und füllte zwei Gläser mit Whisky, um eines davon Angel zu reichen.

Der nickte dankbar und nahm einen Schluck. „Wenn ich hier keine Freunde habe, warum fahre ich dann nicht zurück nach L.A.?“, sagte er leise, wie zu sich selbst, und hoffte, dass Spike darauf reagierte.

„Gute Idee und tschüss.“

„Bist wohl froh, wenn du mich los bist?“, murmelte Angel und beobachtete sein Childe durch halb geschlossene Augen.

„Das kannst du laut sagen, je früher desto besser“, lachte Spike freudlos.

Der dunkelhaarige Vampir war verwundert, als sich sein totes Herz schmerzhaft bei diesen Worten zusammenzog und er schluckte hart, bevor er meinte:„Da wir ja noch einige Stunden miteinander verbringen müssen, erzähl mir, wie ich so war oder bin, als Vampir.“ Angel setzte sich in den alten Sessel und sah Spike abwartend an. Er war gespannt darauf, was Spike ihm erzählen würde.

Automatisch, ohne es recht zu registrieren, ließ Spike sich neben ihm auf dem Boden nieder, wie er es oft bei seinem Sire Angelus gemacht hatte, und begann zu sprechen.

Angel lächelte, als Spike so mit dem Rücken vor ihm saß und fast hätte er ihm wie früher übers Haar gestrichen, doch im letzten Augenblick hielt er inne und zog seine Hand schnell zurück.

Und Spike erzählte von Liams Verwandlung in Angelus und von seiner eigenen. Von Darla und Dru. Von Vampiren und ihrer Art zu leben, zu töten und zu lieben, oder was sie unter Liebe verstanden. Spike berichtete aber auch von Angelus` Erziehungsmethoden, die für William meist sehr qualvoll waren und er verhehlte Angel nicht, wie sehr er ihn dafür heute noch hasste.

Spike sprach davon, wie Angelus seine Familie verließ, weil er von den Zigeunern eine Seele bekam und somit zu Angel wurde. Wie er, Spike, mit Dru weiter durch die Welt zog und wie froh er war, Angelus endlich los zu sein. Und das Darla zu ihrem Meister zurückkehrte, als die Familie zerbrach, weil Angel sie verlassen hatte.

Auch Sunnydale ließ Spike nicht aus. Erzählte die ganze Geschichte mit Buffy und Angel und wie er wieder zu Angelus wurde. Wie er nach seinem Tod aus der Hölle zurückkehrte und Buffy verließ, um sie nicht mehr in Gefahr zu bringen.

All das berichtete er ihm, jedoch über sich selbst, sein jetziges Leben oder den Chip verlor er kein Wort.

Er sprach darüber, dass Angel in einem alten Hotel lebte und eine Detektei gegründet hatte, um den Hilflosen zu helfen und spotte kurz darüber.

Berichtete, dass er Helfer in Los Angeles hatte, wie Cordelia, die Visionen von den Mächten bekam und sie ihre Aufträge dann ausführten. Das ihm ein ehemaliger Wächter zu Seite stand, der Wesley hieß und erklärte ihm, was ein Wächter war.

Angel hörte aufmerksam zu, sah so manches mit anderen Augen, weil Spike es aus seiner Sicht erzählte. Und Angel fragte sich bedrückt, warum Spike das alles ertragen hatte, die Zeit mit ihm, die Qualen, die Demütigungen. Und wie er all das jetzt ertrug. Das alles hier, in Sunnydale. Dieser furchtbare schmutzige Ort, den er sein Heim nannte.

Giles und die anderen, die ihn gerade so duldeten, weil er für sie nicht gefährlich und seine Informationen nützlich waren. Und ihm kam die Erkenntnis, dass er nur blieb, weil Spike nicht wusste, wohin er sonst sollte. Es gab keine Familie mehr. Darla war tot und außerdem hätte sie ihn niemals in ihrer Nähe geduldet. Sie tat es damals nur Dru zu Liebe, aber Dru hatte Spike verlassen. Und Angel, sein Sire? Auch zu dem konnte und wollte er nicht, da er auch von ihm, Spikes Meinung nach, nichts erwarten konnte, außer Spott und Hohn.

Angel wunderte sich aber genauso, wieso Spike soviel über sein jetziges Leben wusste und fragte sich, woher er all diese Informationen hatte. Von seiner Arbeit in L.A., seinen Menschen-Freunden, vom Hyperion und Cordelias Visionen.

Der dunkelhaarige Vampir nahm sich vor, das herauszufinden, bevor er sagte:

„Wenn das alles stimmt, was du sagst, mit Buffy, Giles und Jenny, was ich so alles getan habe, möchte ich eigentlich nicht zu diesen Leuten. Da wäre es besser, wenn ich nach L.A. fahren würde und versuche dort mein Gedächtnis wieder zu erlangen.“ Bedrückt sah Angel Spike in die Augen.

„Komm schon Pet, so schlimm ist es nicht, das ist schon lange her, sie haben dir verziehen...fast. Aber vielleicht hast du Recht und L.A. wäre besser für dich. Die Sonne ist bald weg und du wirst sicher mit deinem Wagen gekommen sein, also wenn du willst, fährst du eben zurück in die Stadt der Engel“, sagte Spike gleichgültig.

„Ja, schon, aber…“ Angel brach ab und sah Spike verzweifelt an, der fragend seine vernarbte Augenbraue hob. „Was hast du jetzt wieder für ein Problem?“

„Wo ist mein Wagen? Wie sieht er aus? Und wo ist L.A?“, fragte er leise.

„Na wunderbar, das wird ja immer besser. Weißt du wenigstens noch wie man Auto fährt?“

Angel überlegte schnell. Was sollte er sagen? Er beschloss letztendlich das Autofahren nicht vergessen zu haben, da er auf keinen Fall wollte, dass Spike seinen Wagen fuhr, denn sonst konnte er sich womöglich von seinem geliebten Cabrio gleich verabschieden. Also antwortete er: „Ja, ich denke, ich weiß wie man ein Auto fährt.“

„Das ist gut. Dann besorg ich dir eine Straßenkarte und du kannst in einer Stunde los. Warte hier ich bin gleich zurück. Wir suchen deine Karre sobald es dunkel ist. Ich schreib dir deine Adresse in L.A. auf und deine Menschen, mit denen du dort lebst, werden dir schon wieder auf die Sprünge helfen“, erklärte Spike entschlossen. Er sprang durch die Luke in sein ‚Schlafzimmer’ hinunter, um seine Behausung über einen Zugang ins Kanalsystem zu verlassen.

Angel stand auf und fing an hin und her zu laufen. ‚Das gehörte aber nicht zu meinem Plan. Spike hat nicht die Absicht mich zu begleiten. Damit habe ich nicht gerechnet. Gut, warum sollte er das auch tun? Er ist froh, wenn ich verschwinde, das hat er mehr als deutlich gesagt. Verdammt, das läuft gar nicht so wie ich mir das gedacht habe. Ich hätte sagen sollen, das ich mich nicht erinnere wie man ein Auto fährt, dann hätte Spike mich nach L.A. gefahren. Ein neuer Plan muss her und das rasch, denn Spike wird sicher bald zurück sein.’

Kapitel 3 von silverbird

Geld.

Er würde Spike Geld anbieten, damit er mit nach L.A. kam. Nicht viel, denn Geld war knapp bei Angel Investigations. Aber Giles sagte, Spike würde etwas Geld für seine Hilfe und Informationen bekommen, daher würde eine kleine Summe sicher reichen, damit er zustimmte. Vielleicht. Hoffentlich.

Nervös ging Angel wieder auf und ab. Wo war Spike nur so lange? Er würde doch nicht etwa Buffy oder Giles anschleppen, denn das wäre nicht gut, das würde seinen Plan nicht nur erheblich komplizieren, sondern völlig zunichte machen und...

Spike kam die Luke hoch, mit Karten und zwei braunen Papiertüten in der Hand, die er auf dem kleinen Tisch abstellte und Angel atmete erleichtert auf.

„Du musst nicht atmen, Luv. Vampire brauchen keine Luft“, kicherte Spike kopfschüttelnd. Irgendwie amüsierte es ihn, dass Angel nicht mehr wusste wer er war. Aber sofort fiel ihm ein, wie sein Sire sich ihm gegenüber verhalten würde, sobald sein Gedächtnis wieder zurückgekehrt war und Spikes Gesichtszüge wurden wieder ernst. Und nach wie vor hatte Spike das Gefühl, dass irgendetwas an der Geschichte nicht stimmte. Er kam nur nicht drauf was es war, aber er war nicht dumm, die Alarmglocken in seinem Kopf hörten nicht auf zu klingeln.

„Hier hast du eine Landkarte, die dir zeigt, wie du nach L.A. kommst. Und ich hab dir auch noch einen Stadtplan besorgt und die Route zu deinem Hotel eingezeichnet.“ Spike knallte ihm die beiden Pläne vor die Brust und wandte sich ab.

„Woher weißt du so genau, wo ich wohne? Warst du schon einmal da, bei mir, in dem … diesem Hotel, das mir gehört?“ Angel hoffte so zu erfahren, wieso Spike so genau bescheid wusste.

Spike lachte bitter. „Gott bewahre mich. Ich bei dir und deinen Menschen? Kann es etwas Schlimmeres geben? Gut, kann es, aber nicht viel. Aber nein, ich war niemals und werde sicher nie einen Fuß in dein bescheuertes Hotel setzen.“

„Oh, das ist … Also eigentlich wollte ich dich fragen, ob du mich nicht begleiten könntest. Nur bis ich wieder zu Recht komme. Ich hab keine Ahnung, was da auf mich zukommt und du bist der Einzige, den ich kenne. Na ja, nicht so richtig kenne, aber ... ich würde dich auch bezahlen. Ich hab Geld, glaube ich zumindest.“ Angel hoffte sehr, dass er glaubwürdig genug klang, sodass Spike darauf einging und mit ihm kam, denn sonst wusste er nicht, was er noch tun könnte.

„Das ist jetzt aber nicht dein Ernst. Ich soll mit nach L.A.?“ Spike dachte nach. Er würde für eine Weile rauskommen aus dem öden Nest und müsste Buffy, Giles und den verblödeten Harris eine Weile nicht ertragen. Das wäre ja schon mal was. Ein bisschen Abwechslung konnte ihm auch nicht schaden. Andererseits müsste er mit dem Poof zusammen sein, und das wäre … schrecklich ... gar nicht so schlecht ... eigentlich.

Dennoch seufzte Spike theatralisch auf. „Na gut. Wenn du ohne mich nicht zu Recht kommst, lass ich mich halt breitschlagen. Ich bring dich hin. Schließlich war ich ja schon öfter in der Stadt der Engel, widerlicher Name übrigens, für eine Stadt, aber was soll’s. Jedenfalls kenne ich mich so leidlich dort aus, zwar nicht in der Gegend in der du wohnst, aber egal. Ich bring dich hin, doch wenn deine Menschen da sind, sollen sie sich um dich kümmern. Ich bin keine verdammte Nanny, verstanden?“

Angel nickte befriedigt und war mit seinem neuen Plan äußerst zufrieden. „Das ist ausgesprochen nett von dir“, meinte er und hielt ihm zur Bekräftigung ihres Deals die Hand hin.

Spike ergriff sie und zuckte kurz zusammen, als er Angels Hand in seiner spürte. „Ich bin nicht nett. Ich bin böse, damit du es weißt. Das ist nur ein Geschäft. Ich bring dich hin, du bezahlst mich. Ende. Nicht, dass du womöglich glaubst, ich bleibe. Nur solange bis die Cheerleaderin oder der Wächter da sind, damit wir uns Recht verstehen, Angel“, meinte er mit Nachdruck.

„Ja, sicher. Sie werden ja da sein, denke ich zumindest.“

‚Gut, das ich ihnen eine Woche frei gegeben habe. Hoffentlich taucht Wes nicht auf, um irgendwelche Bücher zu holen, das würde alles ruinieren’, dachte Angel und hoffte das auch weiterhin alles so gut lief.

„Okay, dann auf nach L.A. Wir müssen noch deinen Wagen suchen. Viele Möglichkeiten gibt es ja nicht, also dürfte das kein Problem sein. Doch erst müssen wir essen. Ich hab was mitgebracht.“ Spike griff nach einer Tüte, nahm zwei Becher Blut heraus und reichte einen an Angel weiter. Dann nahm er die Zweite holte Doughnuts und Mashmallows heraus und stopfte sich einen der Doughnuts genüsslich in dem Mund, bevor er Angel aufforderte.

„Na los, trink“, als Angel zögerte, öffnete Spike seinen Becher, um das Blut in einem Zug zu leeren.

„Mach schon, wir haben nicht ewig Zeit. Ich weiß, dass du Hunger hast. Finde dich damit ab, dass du ein Vampir bist, die ernähren sich nun mal von Blut. Gut, ich mag auch Menschenessen, aber du nicht, also mach und trink.“

Spike biss in den zweiten Doughnut und sah Angel interessiert zu, wie er seinen Becher öffnete und angewidert daran roch. Doch dann setzte der dunkelhaarige Vampir seine Lippen an den Becher, trank ihn in einem Zug aus und stellte fest, dass er wirklich sehr hungrig gewesen war. Als er immer noch den Blick seines Childes auf sich spürte, schüttelte sich schnell, um seinen Widerwillen zu bekunden.

„Äh… schmeckt scheußlich“, murmelte er.

„Ja, das tut es. Menschen schmecken viel besser, aber ich kann nicht und du darfst, oder willst nicht, wie auch immer.“ Spike sah ihn immer noch prüfend an, bevor er seinen Blick abwandte und Angel hätte zu gerne gewusst, was sein Childe jetzt gerade dachte.

‚Da stimmt etwas nicht. Auch wenn er nicht weiß, wer er ist, müsste da ein unbändiger Blutdurst sein’, schoss es Spike durch den Kopf.

„Warum kannst du nicht?“, unterbrach Angel Spikes Gedanken.

„Was kann ich nicht?“ Spike hob seine vernarbte Augenbraue.

„Menschen beißen. Du sagtest vorhin, du..."

„Ich hab nen blöden Chip im Schädel, Kismet, Initiative, Pech gehabt, wie auch immer, lassen wir das, das geht dich nichts an. Ich komme zu Recht, wie ich es in dieser Hölle schon seit 100 Jahren alleine tue. Also quatsch mich nicht voll. Suchen wir lieber deinen Wagen“, knurrte Spike verärgert über sich selbst, weil er Angel etwas verraten hatte, das der eigentlich nicht wissen sollte. Er steckte sich noch die Mashmallow-Tüte in die Manteltasche, dann traten sie ins Freie und Spike schloss sorgfältig seine Grufttür ab. Angel bemerkte es lächelnd. ‚Wer will aus dieser Bruchbude schon etwas entwenden’, dachte er. Doch schlagartig wurde ihm klar, das Spike nichts anderes besaß, als die paar Dinge in dieser Gruft und das machte ihm wieder bewusst, das er als Sire vollkommen versagt hatte.

„Nimmst du nichts mit? Kleidung, oder so?“, fragte Angel verwundert.

„Warum sollte ich? Das ganze wird höchstens 24 Stunden dauern, bis dahin will ich wieder zurück sein. Schließlich fahre ich nicht in den Urlaub. Ich bringe dich nur nach L.A. … und das war's“, entgegnete Spike bestimmt und marschierte los.

Sie begaben sich zum Ausgang und umrundeten den Friedhof, in der Hoffnung Angels Auto zu finden, da Spike annahm, dass Angel nicht allzu weit entfernt geparkt hatte, als er, Spikes Meinung nach, auf der Suche nach Buffy war.

Sie wurden auch bald fündig und standen wenig später vor Angels Auto.

„Steh nicht da wie angewurzelt. Sieh in deinen Taschen nach, du musst den Wagenschlüssel eingesteckt haben, oder soll ich das Ding kurzschließen?“, grinste Spike augenzwinkernd und Angel wühlte schnell den Schlüsselbund aus seiner Manteltasche.

Zielsicher wählte er den passenden Schlüssel aus und stieg ein, während Spike auf dem Beifahrersitz Platz nahm.

Angel startete seinen Wagen und sah Spike fragend an. „Wohin?“

„Es wäre einfacher, wenn ich fahre, dann müsste ich nicht so viel reden, weil ich dir die Strecke ansagen muss.“, meinte Spike in der Hoffnung, dass Angel ihn vielleicht doch fahren ließ.

„Ich fahre gerne. Du redest gerne. Also lassen wir es besser so, wie es ist“, grinste Angel, weil er sehr wohl Spikes Taktik durchschaut hatte und fuhr dann, Spikes Anweisungen folgend, aus der Stadt.

Spike sprach allerdings nur das Notwendigste während der Fahrt, kaute aber seine Süßigkeiten und Angel dachte, dass sein Childe es vermutlich schon bereute, zugestimmt zu haben, ihn zu begleiten.

Als sie nach Stunden endlich L.A. erreichten, dirigierte Spike ihn zum Hyperion. Er benutzte dabei den Stadtplan, da er selbst noch nie in dem Hotel gewesen war und nur von Gesprächen der Scoobies von Angels zu Hause wusste. Angel hielt vor dem Haus und sah sich um.

„Das also ist es?“

„Jepp.“

„Bist du sicher?“

„Ob ich sicher bin? Zur Hölle, wie soll ich DAS denn wissen. Ich kenne den Schuppen doch nicht. Ich hab die Adresse von Red ... Willow meine ich. Sie haben in der Magic-Box von dir gesprochen und dabei auch immer wieder das Hotel erwähnt. Und in ihrem Computer hab ich die Adresse gelesen. Wir haben zwei Möglichkeiten, entweder wir bleiben hier sitzen, bis wir gegrillt werden, oder wir gehen hinein. Beim Hineingehen bin ich dabei, beim Grillen nicht. Wenn es nicht dein Haus ist, werden wir es schon merken. Da es ein öffentliches Gebäude ist, kommen wir auf jeden Fall rein, außer es gibt einen Schutzzauber. Also? Worauf wartest du?“

Spike hob fragend seine vernarbte Augenbraue und sah Angel auffordernd an.

Der zuckte mit den Schultern, stieg aus und Spike tat es ihm gleich. Sie gingen die Stufen hoch und Angel versuchte verschiedene Schlüssel, bis er einen fand, der die hohe Türe aufsperrte. Triumphierend grinste er Spike an.

Der verdrehte genervt die den Augen. „Bloody hell, Angel, du hast eine Tür aufgesperrt, was für eine phänomenale Leistung. Nun geh schon endlich rein.“

Angel trat ohne Mühe ins Haus und Spike folgte ihm. „Na endlich, wurde auch Zeit, die verdammte Sonne geht bald auf. Ich muss noch bis zum Abend hier bleiben, dann will ich mein Geld und dann verschwinde ich“, grummelte er und sah sich interessiert um. „Nette Hütte“, stellte er fest. „Düster, farblos, so richtig ... Angelus-mäßig.“

„Wie meinst du das?“ Angel war erstaunt über Spikes Aussage.

„Du liebst schöne Sachen, da hat sich nichts geändert, wie ich sehen kann. Tolle Waffensammlung“, sagte er übergangslos und betrachtete die prächtigen Waffen, die an der Wand hingen.

„Ja, ich hab sie im Laufe der Jahre gesammelt ... äh, denke ich zumindest.“ Angel machte schnell ein nachdenkliches Gesicht. Beinahe hätte er sich verplappert.

„Gibt es hier etwas zu essen? Ich habe Hunger.“ Spike sah sich um, entdeckte die kleine Küche und ging zielstrebig darauf zu. Er erspähte den Kühlschrank und machte ihn auf.

Joghurt, Salat und irgendetwas, das nach einer Obstpampe aussah war alles, was Spike entdecken konnte. „DAS ist definitiv nicht dein Kühlschrank“, stellte Spike fest, nahm allerdings einen Joghurt heraus und warf die Tür zu. Dann suchte er in den Laden ungeniert nach einem Löffel.

„Spike, komm mal, komm hier herunter.“ Angel stand an der untersten Treppe zu seiner Wohnung und wartete darauf, dass sein Childe zu ihm kam. Der durchmaß die Lobby mit schnellen Schritten, ging an Angel vorbei und betrat vor ihm die Wohnung. Er sah sich um, entdeckte die Küche und ging sofort auf den Kühlschrank zu. Nachdem er die Tür geöffnet hatte, strahlte er. „DAS ist dein Kühlschrank.

Er stellte den halbvollen Joghurtbecher weg, nahm zwei Blutbeutel heraus, wühlte im Küchenschrank, bis er zwei Tassen fand und füllte sie mit Blut. Suchend sah er sich um, erspähte die Mikrowelle und stellte die Tassen hinein.

„Warum isst du eigentlich Menschenessen? Erst die Doughnuts, dann dieses süße, klebrige Zeug und jetzt Joghurt? Ich meine, du bist ein Vampir. Vampire nehmen doch eigentlich ausschließlich Blut zu sich.“ Fragend sah er Spike an.

„Du weißt aber ganz schon über Vampire bescheid. Wie das?“, wollte Spike misstrauisch wissen.

„Äh... Anne Rice?!“, sagte Angel schnell.

„Hätte ich mir denken können, an die erinnerst du dich, typisch.“ Spike verdrehte die Augen und die beiden Vampire hingen ihren Gedanken nach.

Angel betrachtete sein schönes Childe verstohlen. Er hatte sich geirrt. Spike kam, wie es schien, überall zu Recht und brauchte ihn wahrscheinlich wirklich nicht. Andererseits, wenn er schon mal da war, hier bei ihm, könnte er ruhig eine Weile bleiben. Nur zur Beobachtung, damit er sicher wusste, dass sein Childe alles alleine zuwege brachte. Denn nach ein paar Stunden, die sie jetzt zusammen waren, konnte man das ja wirklich noch nicht beurteilen, das würde Tage, Wochen vielleicht Monate dauern, bis er absolut sicher war, das Spike alleine zu Recht kam.

Das ‚Bing’ der Mikrowelle holte die Beiden aus ihren Gedanken zurück und Spike entnahm die Tassen um eine Angel zu reichen. Sie tranken weiterhin schweigend.

Anschließend nahm Spike Angel die leere Tasse ab und spülte beide aus.

Angel unterdrückte ein Grinsen. Spike schien sich gar nicht bewusst zu sein, dass er automatisch eine fürsorgliche Rolle übernahm und Angel gefiel es, sehr sogar. Er genoss es, sich einmal um Nichts kümmern zu müssen, weder ob zu Essen da war, noch um Kleinigkeiten, wie das Ausspülen der Tassen.

Er beschloss, noch weiter ohne Gedächtnis zu bleiben, schließlich hatten sie eine ganze Woche für sich alleine. Wenn es ihm gelang, dass Spike blieb, würde vieles anders sein, als damals, bei Angelus und William. Natürlich war Spike sein Childe und somit unter seiner Befehlsgewalt, darin bestand kein Zweifel, obwohl ... mit Spike war das so eine Sache. Andererseits, gerade das mochte er an ihm. Er wollte keinen dekadenten willenlosen Lakaien an seiner Seite, sondern sein schönes, starkes, intelligentes Childe, auf das er stolz sein konnte. Nur eine Weile natürlich, bis er sicher war, dass Spike ohne ihn sein Unleben verbringen konnte.

Mehr wollte er nicht, und mehr konnte er auch nicht von ihm erwarten, denn Spikes Hass auf ihn war unverkennbar. Aber wenigstens hatte er sein Childe so gut erzogen, dass er sich seiner Familie, also seinem Sire gegenüber, verpflichtet fühlte. Das war ja immerhin etwas, also würde er versuchen, ihn hier zu behalten. Mit allen, ihm zur Verfügung stehenden Mittel. Seine Gedankengänge und die Nähe seines Childes machten ihn irgendwie nervös.

„Ich muss duschen“, sagte Angel plötzlich und Spike brach in schallendes Gelächter aus.

„Was?“, frage Angel verwirrt.

„Ach nichts, Pet. Manche Dinge ändern sich eben nie.“ Er ließ Angel ohne aufklärende Antwort stehen, ging zurück ins Wohnzimmer und pflanzte sich auf die Couch. Er entdeckte die Fernbedienung des Fernsehgerätes und schaltete es ein. „Super. Farbe und jede Menge Sender, hier lässt sich's aushalten“, murmelte er und zappte durch die Programme.

Angel lächelte zufrieden. Sein Plan schien zu funktionieren. „Ich such das Bad“, brummte er und verschwand, um sich endlich zu duschen. Spike reagierte nicht, da er ein Programm gefunden hatte, das seine ganze Aufmerksamkeit erforderte.

Inzwischen genoss Angel das heiße Wasser, schloss die Augen und Spike erschien vor seinem geistigen Auge. Seine blauen Augen strahlten ihn an und sein markantes Gesicht war von seinen feuchten Locken umrahmt. Das Wasser umfloss seinen nackten Körper und er lächelte ihn an. Angel hob die Hand um ihm über die Wange zu streicheln, doch plötzlich war Spike verschwunden.

Angel öffnete die Augen und seufzte leise, weil sein imaginärer Spike entschwunden war. Erschrocken sah er an sich herunter, als er bemerkte, dass er eine starke Erektion bekommen hatte. Angel atmete unnötig tief durch und versuchte sich in den Griff zu kriegen. War es das? War das der Grund, dass er nach Sunnydale gefahren war? Wollte er Spike wieder, um seinen sexuellen Notstand zu befriedigen? Und auch um nicht mehr einsam zu sein?

Nein, auf keinen Fall. Er wollte nur endlich seine Pflicht erfüllen und endlich für Spike Sorgen, weil... Angel erkannte, dass er sich selbst belog. Er wollte mehr von Spike, mehr als dieser ihm jemals bereit war zu geben. Sicher, er konnte es sich nehmen. Schließlich war er viel stärker als sein Childe und Spike war und blieb sein Eigentum. Er konnte ihn sich nehmen wenn er wollte, und doch …

Das war nicht das, was er sich wünschte. Das war nicht das, was er wollte. Angelus vielleicht, aber Angel … In seiner Vorstellung schmiegte sich Spike an ihn, küsste und liebte ihn aus freien Stücken. Angel lachte bitter auf. Das geschah nur in seinen Träumen. In seinen immer wiederkehrenden, von ihm verdrängten Träumen.

„Peaches, bist du endlich fertig? So dreckig kannst du gar nicht sein. Mach, sonst komm ich dich holen. Ich will auch noch duschen, verdammt.“ Spike öffnete ohne Umschweife die Tür und trat ins Bad. „Los, du bist sauber. Ich bin jetzt dran.“ Wie selbstverständlich schob er den Duschvorhang weg und grinste Angel an. Der riss ein Handtuch vom Haken, um seinen harten Ständer rasch zu verdecken.

„Was fällt dir ein? Ich war noch nicht fertig. Warte gefälligst, bis ich draußen bin“, herrschte er Spike ungehalten an und trat aus dem Wasserstrahl. ‚Hoffentlich hatte er nichts bemerkt, das wäre sehr peinlich.’

„Keine Panik, ich hab dich schon öfters nackt gesehen, und du kannst mir glauben, die Erinnerungen daran sind nicht die Besten, zumindest was du da oft mit mir gemacht hast, und nie wieder mit mir machen wirst, möchte ich betonen. Aber wenn ich darauf warte, bis du endlich aus der Dusche steigst, stehe ich morgen noch vor der Tür“, bemerkte Spike ungerührt und zog sich ohne Umschweife aus.

Angel trocknete sich ab, ganz langsam, und schielte auf sein Childe. Er sah noch besser aus, als er ihn in Erinnerung hatte, und viel besser, als in all seinen Träumen. Sein Körper bestand aus purer Muskelmasse, die Haut war makellos und glatt. In Angels Lenden pochte es verräterisch.

„Rück mal ein Stück Peaches, damit ich unter die Dusche komme.“ Spike legte ihm die Hände auf die Brust und schob Angel sanft zur Seite, wobei seine Finger, als er seine Hände wegnahm, wie unbeabsichtigt über Angels Brustwarzen strichen.

Angel erschauderte und biss sich auf die Unterlippe. Spike sah ihm kurz in die Augen, stieg dann rasch in die Duschkabine und zog en Vorhang zu.

‚Mal sehen ob ich die Erinnerung meines Sires auffrischen kann’, grinste Spike unter der Dusche und überlegte, wie er Angel so richtig aus der Fassung bringen konnte. Sein Grinsen würde breiter, als ihm einfiel wie.

Angel starrte auf den geschlossenen Vorhang, bevor er sich endlich beruhigte und rasch fertig abtrocknete.

Er ging in sein Schlafzimmer, zog sich eine Trainingshose und ein Shirt über und setzte sich auf sein Bett. Er stützte den Kopf in seine Hände und atmete tief durch. „Wie konnte ich nur auf die wahnwitzige Idee kommen, nach Sunnydale zu fahren, um Spike zu helfen. Wenn hier jemand Hilfe braucht, dann bin ich das. Ich muss gerettet werden - und zwar vor meinem schönen, unglaublich erotischen Childe, und das so schnell wie möglich, bevor ich durchdrehe und wer weiß was mache.“ Er stöhnte verzweifelt auf und ließ sich aufs Bett fallen, als Spike aus dem Badezimmer kam.

„Wo sind die Handtücher? Hab keines finden können.“ Spike stand nackt vor ihm. Wassertropfen perlten auf seiner makellosen, weißen Haut und die Muskeln spannten sich bei jeder Bewegung, als er auf Angel zuging. Der starrte sein Childe an, schluckte und deutete, unfähig zu sprechen auf den Schrank neben der Tür.

„Komisches System. Handtücher im Schrank und nicht im Bad. Typisch für dich, Poof“, murmelte Spike und drehte sich um, sodass Angel auch noch seine Rückenansicht zu sehen bekam. Seine Augen glitten über Spikes Schultern und sehnigen Arme, hinab zu dessen festen Pobacken, die seinen Blick festhielten, weil sein Childe sich hinunterbeugte und ihm seine zart-rosa Öffnung präsentierte, während er sich die Beine abtrocknete.

Spike tat es besonders langsam, in aller Ruhe und drehte sich dabei hin und her. „Bin müde“, murmelte Angel und kroch unter die Decke. Er rollte sich zusammen und drückte seine pochende Erektion an der Wurzel zusammen, um nicht auf der Stelle zu kommen. Er presste die Augen zu und dankte den Mächten, dass er nicht atmen musste, denn sonst würde er hecheln wie ein Wolf.

„Okay, ich auch. Dann schmeiß ich mich mal ein paar Stunden auf die Couch.“

„Gut“, würgte Angel heraus und wagte es nicht, sein Childe anzusehen, denn sonst würde es endgültig mit seiner Beherrschung zu Ende sein. Sonst würde er ihn küssen, auf diese wundervollen zarten Lippen, seine Zunge eintauchen in Spikes feuchten, in seinen Träumen so willigen Mund und sich in ihn rammen, bis er...

„Oh Gott.“ Angel stöhnte unterdrückt auf, weil er nur durch seine Fantasie von Spike gekommen war, ohne dass er es hatte verhindern können.

„Angel? Alles okay?“ Spike kam auf ihn zu, seine Kleider in der Hand, ein Handtuch um die Hüften und sah ihn besorgt an.

„Kopfschmerzen, nur leichte Kopfschmerzen“, murmelte Angel und versank in dem irisierenden Blau von Spikes Augen.

„Oh, ich kann sie dir vertreiben. Ich kenne da Punkte am Körper, die so gut wie alles vertreiben. Rück ein Stück.“ Spike wollte sich auf das Bett setzen.

„NEIN, da ... danke, ich meine ... es … es geht schon. Ich brauche nur Schlaf. Ich will einfach nur schlafen, bitte.“ Angel war in Panik. Wenn Spike merkte, dass er nass in seiner Hose war, weil er seinen Orgasmus nicht hatte zurückhalten können, wäre das mehr als peinlich. Außerdem war er sicher, dass sein Childe Punkte im Körper kannte, die ihm gut tun würden, mehr als gut, und die absolut nichts mit Akupressur zu tun hatten.

„Wie du meinst.“ Spike zog die Luft durch die Nase und ging vor sich hingrinsend ins Wohnzimmer, um sich auf die Couch zu legen. ‚Ich kann's immer noch. Selbst wenn er nicht weiß, wer er ist, bringe ich ihn soweit, dass er so scharf auf mich ist, dass er kommt, und ich muss ihn nicht einmal anfassen. Ich kann’s immer noch’, wiederholte Spike in Gedanken. „Aber ich lass ihn nicht mehr an mich ran, nie mehr, weil ich weiß, wohin das führt und ich will diese Art von Schmerz nicht. Nie mehr.“, grummelte Spike, bevor er einschlief.

Angel wartete, bis er sicher war, dass Spike schlief. Dann stand er auf, um sich sauber zu machen und frische Boxer-Shorts anzuziehen. Er ging zurück zum Bett und griff nach einer Decke, mit der er sich ins Wohnzimmer begab. Spike lag auf dem Rücken, den Kopf zur Seite gedreht und ein Arm hing von der schmalen Couch herunter. Das Handtuch war etwas verrutscht und gab einen Teil des Unterleibes frei. Zu wenig, wie Angel frustriert feststellte.

Schnell rief er sich zur Ordnung und breitete die Decke über Spikes erotischen Körper, bevor er sich rasch zurück in sein Schlafzimmer begab. „Ich dachte die Zeit hätte mich gelehrt mich zu beherrschen und dann sehe ich ihn und … verdammt“, murmelte Angel und verkroch sich wieder im seinem Bett.

Angel träumte. Schlimme Träume, Albträume quälten ihn, wie in so vielen Nächten. Mit einem Schrei wachte er auf und sah sich verwirrt um. Er seufzte tief, als er erkannte dass es nur ein Traum war und strich sich durch die Haare. Spike kam angerannt. Besorgt sah er seinen Sire an, setzte sich ohne zu fragen aufs Bett und nahm ihn einfach in die Arme. Er drückte Angels Kopf an seine Brust und strich ihm beruhigend über den Rücken. Und Angel genoss es einfach, so gehalten zu werden.

Kapitel 4 von silverbird

Beruhigend sprach Spike auf seinen Sire ein, der sich fest in seine Umarmung schmiegte. Spike strich ihm die verschwitzten Haare aus der Stirn, küsste ihn behutsam auf die Schläfe und schaukelte Angel hin und her. „Es war nur ein Traum, du bist jetzt wach. Keine Sorge ich bin ja da. Es war nur ein Traum“, flüsterte Spike immer wieder und drückte Angel noch fester an sich, glücklich ihn halten zu dürfen. Das einzige Wesen, nach dem er sich seit 100 Jahren sehnte, lag in seinen Armen und nichts, absolut nichts, kam jemals auch nur annähernd an dieses wundervolle Gefühl heran.

Plötzlich begann Angel an Spikes Hals spielerisch zu knabbern, bevor er wild und stürmisch die Brust seines Childes mit Küssen zu bedeckte. Angels Hände wanderten dabei über Spikes nackten Rücken und erfühlten jeden Zentimeter der makellosen weißen Haut.

Spike warf den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und biss sich auf die Unterlippe, um nicht laut aufzustöhnen. Angel war bei seiner linken Brustwarze angekommen und neckte die kleine Wölbung mit seiner Zunge, schnalzte dagegen, saugte daran um gleich darauf auf der anderen Seite dasselbe zu machen. Der Blonde riss die Augen auf, ein Schauer rieselte seine Wirbelsäule entlang und sendete kleine Stromstöße direkt in seine Hoden, die sich schmerzhaft zusammen zogen.

Der blonde Vampir umfasste Angels Gesicht und sah ihm tief in die Augen, bevor sich seine Lippen den seinen näherten und er ihn unendlich zart küsste. Seine Zunge glitt heraus und teilte bittend die Lippen seines Sires, der sie willig für ihn öffnete. Spikes Zunge drang in Angels Mund ein, erforschte jeden Millimeter, bis er schließlich dessen Zunge anstupste, spielte, tanzte mit ihr, bis Angel sie zurückdrängte um dasselbe in Spikes Mund zu tun. Er ließ sich aus Bett zurücksinken und zog sein Childe mit sich. Ihre harten Erektionen prallten aufeinander, pulsierten und pochten.

Der Kuss wurde immer intensiver, stürmischer. Plötzlich riss Spike seine Lippen von Angels, rollte sich von dessen Körper und sprang aus dem Bett. „Das ist nicht gut. Du weißt nicht was du tust und ich zur Hölle auch nicht. Das ist alles … Blödsinn, nur die verdammten Hormone, oder so. Schließlich weißt du nicht wer du bist und hast wahrscheinlich nur irgendeinen Schwachsinn geträumt. Du warst gar nicht richtig wach und ich war halt gerade da, also hat es absolut nichts zu bedeuten“, sagte Spike mehr zu sich selbst, als zu Angel.

„Spike nein, ich glaube…“

„Klappe, Peaches. Es ist wie ich sage. Sobald du wieder bei Verstand bist, wird es dir peinlich sein, oder schlimmeres. Wir hassen uns. Und das war, das war… irgendwas… ich weiß auch nicht. Also was ich sagen will: Wir hassen uns… wie ich schon sagte... du mich und ich dich. So war es schon immer und es wird nie anders sein. Du hast geträumt ich war da und deshalb ist es passiert. Es hat nichts mit uns persönlich zu tun. Und jetzt schlaf. Ich gehe hinauf und versuche irgendeinen Hinweis zu finden, wie wir einen von deinen verdammten Menschen erreichen können, damit der Schwachsinn ein Ende hat und ich endlich von hier weg kann.“

Spike wusste, er hatte Recht. Angel war nicht er selbst, sonst wäre das niemals passiert und er, Spike hätte ihn nicht provozieren dürfen, indem er sich nackt seinem Sire präsentierte. Und es war auch falsch gewesen, ihn zu halten und zu küssen.

Doch in diesem Moment hatte er vollkommen abgeschaltet. Es war ein so wundervolles Gefühl gewesen, als Angel sich an ihn geschmiegt hatte, ihn zurück küsste.

Spike war unfähig gewesen zu denken, oder sich gar zu wehren. Er wollte nur noch in den Armen seines Sires versinken, ihn für alle Zeiten halten und ewig von ihm gehalten werden. Aber er wusste, das war alles nur Wunschdenken. Angel würde ihn nie wollen. Und Angelus? Auf den konnte Spike gut und gerne verzichten. Wütend stampfte er mit dem Fuß auf. Bloody hell, verdammt, zur Hölle. Warum war Angel in Sunnydale aufgetaucht?

Spike runzelte die Stirn. ‚Wieso hatte er sein Gedächtnis verloren? Da stimmt etwas nicht’, überlegte er erneut und die Alarmglocken schrillten wieder. Er hatte noch nie davon gehört, dass ein Vampir das Gedächtnis verloren hatte. Den Verstand? Ja. Aber das er nicht mehr wusste wer, oder was er war, das war verdächtig. Irgendein Zauber musste dahinter stecken. Nur welcher? Gab es da jemand, der Angel schaden wollte? Er hatte viele Feinde, das war schon mal sicher. Und wenn es so war, konnte er seinen Sire unmöglich alleine lassen. Nicht, dass er sich Sorgen machte. Warum auch? Es konnte ihm nur Recht sein, wenn Angel der Teufel holte, oder sonst wer. Aber sie waren Familie und hatten füreinander zu Sorgen, so waren nun mal die Regeln.

Gut, er war Angels Childe und eigentlich hatte Angel für ihn zu sorgen, aber der war ja nicht bei Verstand, also war es seine Aufgabe, sich um seinen Sire zu kümmern. Keine Frage. Jedoch nur, bis er sich wieder an alles erinnern konnte, keine Sekunde länger. Pfff, das hatte ihm gerade noch gefehlt, als ob er nicht selbst genug am Hals hätte, beziehungsweise im Kopf, durch den verdammten Chip. Jetzt musste er sich auch noch um seinen vollkommen orientierungslosen Angel kümmern. Sein Unleben war wirklich total beschissen.

Es war ihm so lange gelungen das Verlangen nach seinem Sire zu verdrängen und nun war dieser blöde Poof auf ihn angewiesen und er wusste nicht, wie er damit umgehen sollte, um mit dieser verzwickten Situation fertig zu werden.

Es wäre aber auch möglich, dass Angel oder Angelus, irgendwie war das für Spike fast dasselbe, eines seiner perversen Spiele mit ihm trieb, das galt es herauszufinden.

‚Wie auch immer, ich werde das Rätsel lösen. Und ich bin gut im lösen, von allem, also krieg ich das raus, weil, ich bin gut. Genau. Und wenn dann alles geklärt ist und ich meinen Spaß hatte, dann verlasse ich dieses bescheuerte Hotel mit dem sauberen Bett, der Dusche und dem Kabelfernsehen, vor allem dem Kabelfernsehen und gehe zurück in meine gemütliche modrige Gruft, mit schwarz-weiß Fernsehen, Dusche wenn es regnet, und nervigen Scoobies, die reintrampeln wann immer es ihnen passt. Wunderbar, ich kann's kaum erwarten’, dachte Spike knurrend und sah sich in der Lobby um. Er entdeckte das Büro und trat ein.

~*~

„Was war das jetzt? Bin ich völlig verrückt geworden? Wie konnte ich Spike küssen? Ich wollte doch nur… wie es sich für einen Sire gehört… und dann war er auf einmal da… und es war wundervoll… und nun ist alles so… Verdammt!“ Stöhnend ließ Angel sich aufs Bett zurück fallen. Und was noch schlimmer war, Spike hatte ihn zurückgewiesen. Sein Childe hatte es gewagt, den Sire zurückzuweisen. Das war ungeheuerlich und dafür musste er ihn hart bestrafen. Spike hatte kein Recht dazu. Er, sein Sire bestimmte, was wann zu geschehen hatte. Und Angel hätte sowieso nicht gewollt, es hatte sich nur irgendwie ergeben. Es war so wie Spike gesagt hatte, Angel hatte geträumt und…

Angel wusste natürlich, dass er sich etwas vormachte. Es war genau das passiert, was er sich insgeheim gewünscht hatte. Was sich seit vielen Jahren in seinem Hinterkopf eingenistet hatte. Er wollte Spike bei sich haben, ihn küssen, ihn halten und sich in ihn versenken. Er wollte, dass William wieder sein Childe war. Sein aufmüpfiges, stures, anschmiegsames und anbetungswürdiges Childe. Doch Angel hatte absolut keine Idee, wie er das anstellen sollte. Er konnte die Scharade mit seinem verlorenen Gedächtnis noch höchstens fünf Tage aufrecht halten. Dann war die Woche um und Cordy und Wes würden wieder zur Arbeit kommen.

Bis dahin musste er sich etwas einfallen lassen. Und wirklich gut war es bis jetzt nicht gelaufen. Sein anfänglicher Plan war kein Plan mehr. Es lief überhaupt nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte und das einzig positive war, dass Spike keine Telefonnummer finden würde, da es keine zu finden gab, weil Angel seine Mitarbeiter nur in Notfällen anrief und dann immer nur mit dem Handy.

Das war zum Glück in seiner Jackentasche und daher für Spike unerreichbar. Angel beschloss Wesley anzurufen, solange Spike noch oben war, um noch ein paar Tage länger mit Spike alleine sein zu können, weil er einfach mehr Zeit brauchte, um mit Spike ins Reine zu kommen.

„Was für ein verfluchter Laden ist den das hier? Bücher und Unterlagen über Dämonen, noch mehr Dämonen, Vampire, aber kein verdammtes Telefonverzeichnis“, maulte Spike vor sich hin und wühlte in den Papieren auf Angels Schreibtisch, bis ihm plötzlich ein Schreibblock in die Hände fiel. Verwundert erblickte er seinen Namen darauf. William und Spike stand in verschiedenen Variationen auf dem ersten Blatt und es war komplett voll geschrieben.

Die Namen waren unterschiedlich geschrieben, gerade so, als ob jemand gedankenverloren damit gespielt hatte. „Das ist Angels Büro und Angels Schrift, folglich? ...“, murmelte Spike und setzte sich um das Blatt genauer zu betrachten. Er nahm den Bleistift auf und fuhr die verschiedenen Linien nach, kritzelte selbst auf dem Block ein bisschen herum, bis er hoch schreckte. Was tat er da überhaupt? Er suchte eine verdammte Telefonnummer und wollte hier nicht zum Grübler mutieren.

Spike warf den Stift zur Seite und erhob sich rasch, bevor er ziemlich konfus den Block wieder mit den anderen Papieren zudeckte. Dann ordnete er den Schreibtisch wieder so, wie er ihn vorgefunden hatte und verließ Angels Arbeitszimmer, um wieder nach unten zu gehen. Als er den unteren Treppenabsatz erreichte, hörte er plötzlich Angel sprechen. Erstaunt blieb er stehen und spitzte seine Vampirohren.

„ … ja, sicher geht in Ordnung. Wes, mach dir keine Sorgen. Ich komme zurecht, du kannst nach New York… gut ich melde mich, sollte etwas sein... sicher. Und Cordy sagst du Bescheid, ja? Bye.“ Schnell schaltete Angel sein Handy ab und verstaute es wieder in seiner Jackentasche, bevor er sich zurück ins Bett legte.

„Wusste ich’s doch, dass du Spielchen treibst Angel. Oder soll ich besser Angelus sagen?“ Spike spürte wie kalte Wut in ihm hoch kroch, und beschloss, den Spieß umzudrehen, genauso fies, wenn möglich noch gemeiner zu sein, als sein Sire. Er wartete noch ein paar Minuten, um sich zu beruhigen, bevor er endgültig wieder die Wohnung betrat.

„Na los Angel, raus aus den Federn. Du hast Pflichten, die du, Gedächtnis hin oder her, nicht vernachlässigen darfst. Hier gibt’s jede Menge Dämonen… ist ja die Stadt der Engel“, meinte er spöttisch. „Friedhöfe haben sie hier auch genug. Sogar ich kenne da einen, also auf, du Helfer der Hilflosen. Ich hab Lust jemanden zu killen, und wenn du nicht willst, dass du es bist, den ich zu Staub verarbeite, dann beweg deinen Hintern. Ich gebe dir zehn Minuten, dann stehst du gestiefelt und gespornt in der Lobby.“ Spike drehte auf dem Absatz um und ging mit raschen Schritten wieder nach oben, bevor Angel antworten konnte.

„Du wirst dich wundern, mein Engel, das sag ich dir. Ich bin nicht mehr der kleine William, den du herumschubsen kannst. Ich habe viel dazugelernt und so hinterhältig wie du, bin ich schon lange“, murmelte Spike zornig vor sich hin, zog seine Zigaretten aus der Tasche und ließ sich in der Lobby auf das Sofa fallen.

‚Was hat er vor? Und zehn Minuten? Wer zur Hölle kann in der kurzen Zeit fertig sein? Und wie redet er überhaupt mit mir? Ich bin sein Sire und… ah Mist, momentan bin ich so gut wie gar nichts für ihn, aber ich hoffe das ändert sich bald, denn irgendwie passt mir das nicht so ganz, obwohl, ein Spike der mich umsorgt ist auch nicht schlecht. Eine Zeitlang zumindest, dann hab ich wieder das Sagen.’

Angel grinste leicht, schwang sich aus dem Bett und machte sich in aller Eile fertig. Schließlich wollte er seinen „Beschützer“ nicht zu lange warten lassen. Als er nach einer halben Stunde die Treppe hochkam, wartete Spike schon an der Tür. „Na, das hat ja gedauert. Aber du hast ja schon immer eine Ewigkeit gebraucht, um gut auszusehen.“

„Ich sehe also gut aus?“, fragte Angel leicht grinsend.

„Ja... nein... das habe ich nicht gemeint. Ich sagte nur, dass du lange brauchst, dabei hättest du es gar nicht nöt… Ah, was soll der Scheiß. Ist doch egal wie du aussiehst, wir gehen jagen, wen interessiert dein Anblick. Mich jedenfalls nicht, nicht die Spur. Nope.“

Verlegen riss Spike die Tür auf und stürmte hinaus. ‚Ich bin ein verdammter Meistervampir. Er kriegt mich nicht. Diesmal nicht. Dieses eine Mal ist es mein Spiel. Und er sieht scheiße aus. Jawohl. Seine Haare und alles. Und er hat ein bisschen zugenommen. Sieht gut aus, gerade an den richtigen Stellen. So richtig zum knuddeln und…’ Spike keuchte auf, erschrocken über seine Gedanken.

„Hey, alles in Ordnung?“ Besorgt strich Angel ihm über den Arm und blickte ihm in die Augen.

„Das du es weißt, du siehst scheiße aus und gar nicht zum knuddeln. Verstanden?“, knurrte Spike ihn an, bevor ihm bewusst wurde, dass er seine Gedanken laut ausgesprochen hatte.

„Was?“, fragte Angel und sah sein Childe verständnislos an.

„Äh... nichts, gehen wir endlich.“ Spike beschleunigte seine Schritte und dachte wütend: ‚Ich. Bin. Ein. Idiot.’

‚Ich verstehe manchmal noch immer nicht was er sagt, aber ich habe ihn durcheinander gebracht, und das ist schon mal gut’, schoss es dem dunkelhaarigen Vampir befriedigt durch den Kopf.

Endlich am Friedhof angekommen, begann Spike wieder zu sprechen. „Kannst du dich erinnern wie man kämpft?“ Er war neugierig, wie weit Angel sein Spiel treiben würde.

„Ich weiß nicht genau, was du meinst.“

„Okay, dann sieh zu und lerne von einem Meister“, bemerkte Spike großspurig und freute sich darauf, seinem Sire zeigen zu können, wie gut er geworden war.

Angel schmunzelte vor sich hin. ‚Ich weiß ja das er recht gut ist, aber Meister ist wohl mit Sicherheit ziemlich übertrieben. Der Angeber denkt doch nicht ernsthaft, an mich heran zu kommen.’

Doch als die ersten Vampire auftauchten und Angel sein Childe beobachtete, musste er erkennen, dass Spike wahrhaftig ein Meister geworden war und seine Hilfe überhaupt nicht brauchte, zumindest nicht in diesem Punkt. Und wie Angel bereits festgestellt hatte, ihn auch in anderen Dingen nicht brauchte. Panik stieg in ihm hoch. Wieso sollte ein Childe bei seinem Sire bleiben, wenn es ihn nicht mehr brauchte, und schon gar nicht liebte?

„So und jetzt du. Hey, Angel. Wach auf, jetzt ist keine Zeit zum Träumen. Da warten drei Reißzähne auf dich, mach schon.“ Spike gab Angel einen Schubs und riss ihn somit aus seinen Gedanken.

Dann lehnte sich der blonde Vampir mit verschränkten Armen an eine Marmorstatue um seinen *gedächtnislosen* Sire zu beobachten. Der zog automatisch einen Pflock und pfählte die drei übrigen Vampire nach kurzem Kampf mit Leichtigkeit.

„Okay, das war leicht“, bemerkte Spike abfällig.

„Was? Leicht? Was meinst du mit leicht? Schließlich waren das drei gegen einen und du könntest wenigstens...“

Spike unterbrach Angels entrüstetes Geplapper. „Stell dich nicht so an, du bist ein Meister und das ist für dich ein Klacks. So etwas machst du im Schlaf, mit, oder ohne Gedächtnis, das hast du im Blut. Erwarte kein Lob, denn ich hab von dir auch nie eines bekommen, früher meine ich. Wie sehr ich mich auch anstrengte, für den großen Angelus war es nie genug. Aber egal, lassen wir das. Deshalb sind wir nicht hier und außerdem ist das Vergangenheit. Wie auch immer, es ist deine Pflicht die Bösen zu vernichten und ich kille nun mal gerne. Menschen geht ja nicht mehr, aber wenigstens kann ich mich bei Dämonen austoben, was ja auch nicht schlecht ist. Also weiter geht’s. Vielleicht haben wir Glück und es prügelt dir irgendwer dein Hirn wieder rein.“

Nachdenklich ging Angel neben Spike her. Sein Childe hatte Recht. Angelus hatte William nie gelobt. Was immer er auch tat, mehr wie Spott oder abfällige Bemerkungen kamen nie über die Lippen seines Sires. Letztendlich hatte Spike es alleine geschafft zu überleben und so stark zu werden und sein Sire hatte dazu nicht wirklich etwas beigetragen. Er hatte ihn im Stich gelassen, also wie konnte Angel von ihm nun Anerkennung, Achtung oder gar Liebe erwarten, wo er ihn doch so enttäuscht hatte.

Das war absurd und absolut lächerlich. Verachtung und Hass, das war alles, was Spike ihm entgegen bringen würde und Angel verstand es. Er, an seiner Stelle, würde genauso handeln. Deprimiert und mit gesenktem Kopf starrte er vor sich hin.

„Na wunderbar, du grübelst wenigstens schon wieder, also kann es ja nicht mehr lange dauern, bis der alte Angel wieder da ist. Setz dich auf irgendeinen Grabstein. Hab keine Lust ständig auf dich aufzupassen, während ich diese Trottel da vorne zu Staub verarbeite. Ich erledige die alleine und dann ab nach Hause... ich meine, in dein zu Hause. Ich wohn da ja nicht. Zum Glück. Das fehlte noch. Mit dir zusammen. Grauenhafter Gedanke.“

Spike schubste Angel auf einen Grabstein und nötigte ihn sich zu setzen, während er sich mit Vergnügen auf zwei Vampire stürzte, um seinen Frust abzubauen. Kurz darauf klopfte er sich den Staub vom Mantel und kam zurück. Angel sah ihm mit großen, traurigen Augen entgegen.

„Was?“, fragte der blonde Vampir unsicher.

„Ach nichts.“ Angel blickte zu Seite und die Beiden gingen wortlos zurück ins Hotel.

„Ich gehe duschen“, war das Erste, was Angel sagte, als sie wieder in der Wohnung waren, und Spike lachte. „Schon wieder?“

„Wie meinst du das?“, fragte Angel irritiert.

„Du duscht andauernd und schon als Angelus hast du ständig gebadet, zu meinem Leidwesen gab es kein fließendes Wasser in den Häusern zur damaligen Zeit und warmes schon gar nicht. Ich Trottel schleppte eimerweise das Wasser, das ich vorher erwärmen musste in dein Zimmer, um die Wanne zu füllen.“ Spike verdrehte die Augen. „Und ständig hast du mich angeschnauzt. William achte auf die Temperatur. Wenn das Wasser nicht exakt 40° hat, kannst du die Peitsche gleich mitbringen. Bürste mir den Rücken, ordentlich. Sind die Handtücher vorgewärmt? Ich hasse es, wenn sie kalt sind.“, imitierte Spike Angelus Stimme.

„So bin ich nicht mehr“, verteidigte sich Angel kleinlaut.

„Ach? Bist du nicht? Aber wie auch immer. Das ist mir heute egal. Ich will nur so schnell wie möglich weg hier und hoffe, deine verdammten Menschen tauchen bald hier auf. Und das du es weißt: Heute schlafe ich nicht auf dieser verfluchten Couch. Ich werde in deinem Bett schlafen. Von mir aus kannst du dich dazulegen, ist ja groß genug das Ding, oder verrenke dir die Knochen auf dem schmalen Brett das du Sofa nennst, wie immer du willst. Und ich will endlich mein Geld.“ Spike hielt Angel demonstrativ seine offene Hand hin.

Der ging zum Nachttisch, öffnete die Lade und nahm einige Geldscheine heraus, die er dem blonden Vampir reichte.

Spike nickte zufrieden, steckte die Scheine in seine Manteltasche, drehte sich weg und ging in die Küche, während Angel seufzend das Badezimmer betrat.

Als Angel eine Stunde später frisch gewaschen ins Schlafzimmer kam, saß Spike mit nacktem Oberkörper auf dem Bett und hielt ihm eine Tasse frisch gewärmtes Blut entgegen. „Du musst essen“, nuschelte er und vermied es, seinen Sire anzusehen.

Der musste über sein aufmerksames Childe lächeln und nahm das Blut dankend entgegen. Als sie fertig getrunken hatten, nahm Spike beide Tassen und trug sie in die Küche, um sie auszuspülen.

Wenig später kam er zurück, zog ganz selbstverständlich seine Hose aus und legte sich nackt ins Bett. Er zog sich die Decke über den Unterkörper und blickte zu seinem Sire, der ihn anstarrte.

„Was ist? Kommst du jetzt ins Bett, oder was?“, fragte der blonde Vampir und zog seine vernarbte Augenbraue hoch.

„Äh... ich... na ja“, stotterte Angel.

„Na, wie auch immer. Ich schlafe jetzt.“ Spike drehte Angel den Rücken zu und grinste vor sich hin. ‚Mein Spiel, Angelus’, dachte er belustigt und schloss die Augen.

Angel schluckte, schloss kurz die Augen, um den erotischen Anblick seines perfekten Childes aus seinen Gedanken zu vertreiben. Er zog seine Boxershorts, die ihm ziemlich eng geworden war zurecht, und schlüpfte vorsichtig unter die Decke.

Kapitel 5 von silverbird

Angel erwachte, weil jemand ihn fest umschlungen hielt und leise schnurrte.

Er öffnete vorsichtig die Augen und sah, dass Spike seine Arme und Beine um ihn geschlungen hatte. Spikes Kopf ruhte auf seiner Schulter und er hatte sich eng an ihn gekuschelt. Der erigierte Schaft seines Childes drückte gegen Angels Hüfte und er hörte, wie Spike im Schlaf leise Angels Namen flüsterte. Mit einem Schlag war der dunkelhaarige Vampir hellwach und ein wohliger Schauer durchrieselte seinen Körper, unterdessen sich ein wundervolles Gefühl in seinem toten Herz breit machte.

Angel konnte nicht anders, vorsichtig zog er Spike enger an sich, begann ihn zu streicheln und zärtlich zu küssen. Erst drückte er einen Kuss auf das duftende Haar seines Childes, dann auf seine Stirn, die Augenlider, um weiter über seine wundervollen Wangenknochen langsam auf den einladenden Mund Spikes zuzusteuern. Er leckte ihm zart über die Lippen, bis der im Halbschlaf seinen Mund leicht öffnete und seinem Sire Einlass gewährte. Angel stöhnte überwältigt auf, als er die kühle feuchte Mundhöhle seines Childes erforschte und dieser ihm langsam mit seiner Zungenspitze entgegenkam. Ein erregendes Zungenspiel begann und Spike hob träge seine langen, seidigen Wimpern. Er blickte seinen Sire mit halb geöffneten Augen an und seufzte leise.

Angel keuchte bei dem erotischen Blick, den sein Childe ihm zuwarf und sein Kuss wurde stürmischer. Sein Penis schwoll schmerzhaft an und seine Hände flogen über Spikes Körper.

„Angel.“

Spike bog sich ihm stöhnend entgegen und der dunkelhaarige Vampir unterbrach den Kuss, um mit der Zunge über die wundervolle Haut dieses exotischen Geschöpfes zu wandern. Er glitt küssend und leckend über dessen Hals zur Brust und reizte die kleinen Wölbungen mit der Zunge und seinen stumpfen Zähnen, während seine Hände über die empfindlichen Seiten zu den Hüften seines Childes wanderten. Angels Mund folgte den Händen und er erforschte jeden Zentimeter dieses herrlichen Körpers, bis er das Lockennest mit der stolz aufragenden Männlichkeit vor sich hatte.

„Gott, verdammt, Angel“, keuchte Spike frustriert auf, als der die Innenseiten seiner Schenkel zu küssen und zu lecken begann und sich nicht, wie erhofft, seiner schmerzenden Erektion widmete.

Der dunkelhaarige Vampir grinste wissend, ließ sich jedoch nicht beirren und hielt den sich windenden Körper an den Hüften fest, bevor er langsam über Spikes Schwanzspitze leckte, aus der schon die ersten Lusttropfen hervortraten.

Plötzlich zuckte der blonde Vampir zusammen. „Bloody hell, ich will das nicht, ich... ah..."

Angel brachte sein Childe zum Schweigen, indem es die ganze Länge des pulsierenden Schaftes in seinen Mund aufnahm und daran zu saugen begann.

Spike schrie leise auf und bockte mit den Hüften. Er presste den Kopf ins Kissen und krallte die Hände in das Laken. „Nicht, Angelus verdammt... nein… oh Gott, ja… hör nicht auf, bitte. Angel. Angel!“ Spikes Stimme wurde zu einem Schluchzen, als er von einem unglaublichen Orgasmus geschüttelt wurde und ihm sein Sire jeden Tropfen seines kühlen Samens abzapfte.

Angel krabbelte zu ihm hoch und nahm sein Childe fest in die Arme. Verteilte immer wieder kleine Küsse auf Spikes Lippen, bis dieser sich beruhigt hatte, Angels Küsse erwiderte und stürmisch mit seiner Zunge in dessen Mund eindrang. Um die Vorherrschaft kämpfend duellierten sich ihre Zungen, als Spike seinerseits den Körper des dunkelhaarigen Vampirs mit seinem Händen, Mund und Zunge erforschte.

Er hatte noch nicht alles von seinem Sire bekommen. Er wollte ihn spüren. Angel nicht Angelus. Ein einziges Mal nur, daher glitt er an dessen Körper entlang, bis er seinen stolz aufgerichteten Schaft erreichte und begann an der Schwanzspitze zu nuckeln, zu lecken und zu saugen, während seine schlanken Finger dessen Hoden zärtlich rieben und rollten, bis Angels Stöhnen in ein Keuchen überging. Spike zog seinen Mund zurück und beobachtete, wie sich die Lusttropfen aus dem kleinen Schlitz ihren Weg über die pralle Haut des wundervollen Schaftes vor ihm bahnten. Er verteilte mit dem Finger die milchige Flüssigkeit und sah zu seinem Sire auf.

„Spike, bitte“, flüsterte Angel verzweifelt und hob den Kopf, den Blick seines Childes suchend.

„Ich will mehr. Ich will dich. In mir“, wisperte Spike voller Verlangen, ohne einen klaren Gedanken fassen zu können und Angel atmete heftig, als sein Childe seinen alabaster-farbenen Körper über die Hüften seines Sires schob und sich mit seiner engen –ffnung auf dessen knochenharten Ständer niederließ.

Ein Knurren entfuhr beiden Kehlen, als Spike Angel ganz in sich aufnahm. Langsam begann er sich zu bewegen und Angel hatte Mühe nicht sofort zu kommen, als er sein einzigartiges Childe beobachtete, der ihn in völliger Ekstase ritt. Spike griff nach seinem Penis um ihn im Gleichklang seiner Hüftbewegungen zu reiben, als Angels große Hand die seine umschloss um ihn in einem immer schneller werdenden Rhythmus zu einem überwältigenden Höhepunkt zu bringen. Animalische Schreie erfüllten das Haus, als die beiden Vampire zugleich über die Schwelle der Lust geschleudert wurden und Spike völlig erschöpft auf der breiten Brust seines Sires zusammenbrach. Lange blieben sie befriedigt und voneinander eingehüllt liegen, bis sich der blonde Vampir von Angel herunterrollte.

„Ich gehe duschen“, murmelte Spike und erhob sich um im Badezimmer zu verschwinden.

Angel nickte nur, verschränkte die Arme unter seinem Kopf und fühlte sich einfach wunderbar. ‚Er wird bleiben. Mein William wird für ewig bei mir bleiben. Wir werden gemeinsam kämpfen, zusammen leben und jeden Tag zusammen schlafen. Er wird da sein wenn ich aufwache und das Erste was ich sehe, werden seine wundervollen, unglaublich blauen Augen sein. Sicher, wir werden auch streiten, aber ich bin sein Sire und letztendlich wird er tun, was ich ihm sage. Immer. Meistens. Manchmal.’ Angel lachte leise auf. ‚Ach egal. Er ist hier bei mir und ich werde nie wieder einsam sein. Ich werde mich gut um ihn kümmern und werde ihn beschützen, wie ich es schon vor langer Zeit hätte tun sollen. Ich werde alles wieder gut machen. Alles tun, damit er glücklich ist und mich liebt. Mich, seinen Sire. Ich wünsche mir so sehr, das er mich liebt, denn ich will ihn so sehr, mein unglaublich schönes Childe.’ Überglücklich schloss Angel seine Augen und träumte lächelnd vor sich hin.

~*~

„So, das war’s also. Wir haben gepoppt. Eigentlich wollte ich es nicht, aber es war… nett... ziemlich gut...okay, was bringt es, wenn ich mir was vormache?! Es war großartig, um genau zu sein. Und wenn ich nur einen Augenblick glauben könnte, dass er es ehrlich mit mir meint, ich würde sofort wieder zu ihm ins Bett springen und ihn küssen und vögeln und küssen, bis wir uns nicht mehr von der Stelle bewegen können, aber ich weiß ja, es war für ihn nur ein Spiel. Zu welchem Zweck? Keine Ahnung und es ist mir jetzt auch egal, nur weg von hier.

Ich habe genug Geld um mich ordentlich zu betrinken und jetzt mach ich mich vom Acker, bevor Angel wieder so richtig zu sich kommt und den Sire raushängen lässt und ich neue Demütigungen einstecken muss. Denn wenn ich jetzt gehe, hab ich das Spiel gewonnen und… Einen Dreck hab ich.“ Spike biss sich verzweifelt auf die Lippen um nicht laut aufzuschreien, so krampfte sich sein Herz zusammen. „Ich bin ein Idiot, das weiß ich. Ich würde alles, wirklich alles für den verdammten Poof tun, wenn er mich nur ein kleines bisschen lieben würde. Aber das hat und wird er nie. Das hat sein verdammtes ‚Ich-Habe-Mein-Gedächtnis-Verloren-Spielchen’ gezeigt. Darum muss ich weg, so schnell wie ich nur kann, bevor er mir wieder mein totes Herz zerreißt.

Ich würde mich ja erinnern, an diese wundervolle Nacht, wenn ich ein Weichei wäre, was ich natürlich nicht bin. Wie er mich geküsst hat, so liebevoll wie noch niemals zuvor. Und er hat meinen harten Ständer mit mir gemeinsam gestreichelt. Gott, es war unbeschreiblich. Aber wer weiß besser über Angelus Spielchen bescheid als ich? Das Telefonat hat mir wieder bewiesen, was für ein hinterhältiger Bastard er ist, auch wenn er sich jetzt Angel nennt und eine Seele hat. Er hat sich nicht wirklich geändert, zumindest nicht, wenn es um mich geht“, grummelte Spike wütend. Ein eisiger Schauer rann Spikes Rücken hinab, als er an frühere Zeiten mit seinem alten Sire dachte. Rasch trocknete er sich ab und ging zurück ins Schlafzimmer, wo er seine Kleider zusammensuchte und sich in Windeseile anzog.

Angel hob erstaunt die Augenbrauen. „Was wird das jetzt?“

„Wonach sieht es den aus? Ich ziehe mich an.“ Spike schnürte seine Stiefel zu.

„Wozu? Komm doch wieder ins Bett, Spike“, schmeichelte Angel mit samtweicher Stimme.

Spike schluckte bei dem zärtlichen Klang in der Stimme seines Sires, erwog kurz nachzugeben und sich in Angels Arme zu stürzen, als ihm das Telefongespräch wieder einfiel, daher erwiderte er spottend:

„Ach weißt du, es war ja ganz nett und ich brauchte auch dringend einen guten Fick, aber das war es dann auch schon. Dachtest du im Ernst, ich falle auf dich rein? Gott Angel. Für wie bescheuert hältst du mich eigentlich? Ich kenne dich, besser als du denkst. Du und Amnesie, das ich nicht lache. Ich habe dich durchschaut. Vom ersten Augenblick an, aber ich wollte sehen, wie weit du dein Spielchen treibst und du hast mir eine tolle Vorstellung geboten. Wirklich, es hat sich für mich echt gelohnt.“ Spike schlüpfte in seinen Mantel.

„Ach und übrigens, du solltest das nächste Mal nicht telefonieren, wenn ein Vampir in der Nähe ist. Wir hören besonders gut, müsstest du eigentlich wissen und grüß deine Menschen von mir, unbekannter Weise. Bye Liebes - und dieses Spiel hab ich gewonnen.“

Mit einem harten Lachen stürmte Spike die Treppe hoch und lief aus dem Hotel. Er rannte so schnell er nur konnte um den nächsten Häuserblock und stürmte in die nächste Bar, die ihm unterkam.

~*~

Angel war vollkommen erstarrt und absolut unfähig sich zu bewegen. Mit weit aufgerissenen Augen stierte er auf die Treppe, wo Spike eben noch gestanden hatte.

„Nein“, flüsterte Angel völlig geschockt. „Was habe ich getan?“

~*~

Spike schüttete sich das erste Glas Whiskey in einem Ruck in die Kehle, stellte das Glas auf dem Tresen ab und deutete dem Wirt es erneut zu füllen.

‚Ich bin so etwas von erbärmlich.’ Mit zitternden Fingern suchte er in seiner Tasche nach seinen Zigaretten. ‚Wieso bin ich mit ihm gegangen? Warum tue ich mir das an? Ich weiß doch wie er ist. Es war immer so. Warum bin ich nicht in dem verdammten Sunnyhell geblieben? Warum hab ich noch immer so eine Sehnsucht nach ihm? Mein Sire liebt mich doch nicht, alles was er liebt, ist es mich zu quälen. Erst dachte ich.. in meiner Gruft…weil er doch nun Angel ist, nicht mehr Angelus... da hoffte ich... vielleicht ein neuer Anfang, aber dann, im Hotel, als er telefoniert hat mit diesem Wes, da wusste ich, er tut es wieder. Er spielt nur mit mir. Er hat sich nicht geändert. Keine Seele der Welt kann Angel jemals ändern.’ Spike unterdrückte mit Mühe die Tränen, die aufsteigen wollten und griff nach dem neu gefüllten Glas.

~*~

Langsam löste sich Angels Starre und er quälte sich mühsam aus dem Bett. Obwohl er mit Spikes Sperma bedeckt war wusch er sich nicht, sondern zog sich gleichgültig an, um sich in sein Büro zu schleppen. Dort ließ er sich aus seinen Sessel fallen und stützte seinen Kopf in die Hände.

„Er hat mich benutzt. Ich bin über 250 Jahre alt und dieser hinterhältige, kleine Bastard von Childe hat mich abgezockt, gefickt und verdammt noch mal ausgetrickst. Wenn ich ihn in die Finger kriege, werde ich ihm sein dämliches Grinsen derart aus seinem toten, blassen, wunderschönen Körper prügeln, das er mich anfleht ihn zu pfählen. Ich werde ihn in Ketten legen, auspeitschen und anzünden, genau des werde ich tun und dann werde ich…“ Angels Faust krachte au den Tisch, sodass die Papiere darauf auseinander flogen.

„Es ist alles meine Schuld“, sagte er plötzlich zu sich selbst. „Ich habe ihn belogen und ihm etwas vorgespielt. Nur um ihn bei mir zu haben, damit er wieder mir gehört, hatte ich einen Plan. Einen wirklich vollkommen idiotischen, saublöden, hirnverbrannten Plan. Und es geschieht mir ganz Recht, dass er nach hinten losgegangen ist. Ich habe mein Childe unterschätzt. Völlig vergessen wie klug und einfallsreich er ist. Und wie sexy. Er ist unglaublich. Ich bin verrückt nach ihm und endlich gebe ich es zu, ich liebe ihn. Ich wollte ihn haben, obwohl ich genau weiß wie sehr er mich hasst, ich hab es in seinen Augen gesehen und doch hoffte ich, mit der Zeit… Gott, ich bin so ein Idiot.“

Angel stöhnte auf, legte seinen Kopf wieder in die Hände, als sein Blick auf den Block viel, der durch seinen Faustschlag auf den Schreibtisch von den anderen Papieren freigelegt wurde. Er starrte ihn an, las Williams und Spikes Namen die er immer wieder darauf gekritzelt hatte, bevor er nach Sunnydale gefahren war. Als er in der rechten unteren Ecke Spikes Schrift bemerkte, huschte ein feines Lächeln über Angels Gesicht.

Kapitel 6 von silverbird

Nach dem siebenten Glas beschloss Spike, nicht mehr nach Sunnydale zurückzukehren. Das war ihm viel zu nahe bei Angel, denn er wollte ihn auf keinen Fall jemals wieder sehen.

Die Welt war groß und Spike wollte schon lange einmal wieder nach Europa reisen. Gut, nicht wirklich, aber es schien ihm die einzige Möglichkeit, weit genug von seinem Sire wegzukommen. Nach der zweiten Flasche stand sein Entschluss endgültig fest. Er würde sich einen Frachter suchen. Dort konnte er sich im Laderaum versteckt halten, geschützt vor der Sonne. Wo auch immer er ankam, würde er sich auf einem gemütlichen Friedhof einnisten. Gruften gab es ebenso überall und eine war so gut wie jede andere. Außerdem war es ihm völlig egal wo er landete, denn der einzige Platz wo er sein wollte, war bei Angel. Spike hatte dieses Wissen fast einhundert Jahre lang verdrängt, aber er wollte sich nichts mehr vormachen. Seine ganze Sehnsucht galt seinem Sire, der ihn wieder betrogen hatte, der nach wie vor mehr Angelus, als Angel war und nur ein Spielzeug in ihm sah. Nicht, dass er Angel jemals wirklich kennen gelernt hatte. Aber die paar Tage hatten ihm genügt, um ihm klar zu machen, dass kein großer Unterschied zwischen den beiden war.

Deshalb war es schon besser dieses Land zu verlassen. Und noch etwas würde er tun. Es gab da etwas das wirklich half, wenn auch nur für eine kurze Zeit, um den Schmerz in seinem Inneren zu vertreiben.

~*~

Angel erhob sich rasch und schlüpfte in seine Jacke. Er wusste nun, was er tun musste. Er würde Spike suchen - und wenn er ganz L.A. nach ihm durchkämmen musste.

Und logischer Weise, würde er mit den Bars anfangen. Er kannte sein Childe. Wenn er Sorgen oder Kummer hatte, versuchte er ihn erst einmal zu ertränken.

Zielstrebig verließ Angel das Hotel, um zuerst die Bars in seiner nähren Umgebung abzuklappern. Überall sagte er geduldig seinen Spruch auf: „Ich suche einen Mann, mittelgroß, weißblondes Haar, schwarzer Ledermantel, Raucher.“ Doch wohin er auch kam, keiner hatte Spike gesehen.

Nach der zehnten oder zwölften Bar, Angel wusste es nicht mehr so genau, schrumpfte seine Hoffnung, aber er hatte sich vorgenommen sein Childe zu finden, und er war Ire, die waren für ihre Sturheit bekannt.

Der dunkelhaarige Vampir hatte noch gut zwei Stunden Zeit, bevor die Sonne aufging, also konnte er noch einige Kneipen abklappern.

Wieder trat er in eine Bar, steuerte den Tresen an und befragte den Keeper. Der sah von seiner Tätigkeit auf. „Blond? Schwarzer Mantel? Der hat eben Streit angefangen. Meine zwei Türsteher sind mit ihm hinten raus“, sagte der Barmann ungerührt und polierte weiter seine Gläser.

Angel rannte zum Hinterausgang, riss die Tür auf und trat ins Freie, als er auch schon sein Childe am Boden liegen sah, der von zwei bulligen Männern zusammengeschlagen und getreten wurde.

Voller Zorn stürmte Angel auf die beiden Schläger zu und riss sie von Spike weg.

Die gingen nun auf Angel los und er musste sich sehr beherrschen, um die Beiden nicht in der Luft zu zerreißen, als er sein geschundenes Childe blutend am Boden liegen sah.

Der Vampir streckte die Zwei mit ein paar kurzen, harten Schlägen nieder und beugte sich über sein bewusstloses Childe. Vorsichtig hob er ihn hoch und drückte ihn an sich, um mit ihm auf den Armen zurück ins Hyperion zu eilen.

„Gott William, was hast du denn jetzt wieder angestellt“, flüsterte er besorgt und versuchte zu verstehen, was Spike dazu bewogen hatte, sich mit Menschen anzulegen, obwohl er sich durch den Chip gegen sie nicht wehren konnte.

Im Hotel angekommen, trug er ihn in seine Wohnung und legte ihn vorsichtig auf sein Bett. Er entkleidete Spike und tastete den blutenden Körper ab, um ihn nach seinen Verletzungen zu untersuchen. Einige Rippen waren gebrochen und der rechte Arm war ausgekugelt. Platzwunden und Blessuren waren überall zu sehen und das linke Auge war völlig zugeschwollen.

Angel befasste sich zuerst mit Spikes Arm und als er ihn einrenkte, erwachte Spike mit einem Schrei aus seiner Bewusstlosigkeit. „Was zur Hölle? ...“, keuchte der blonde Vampir schmerzvoll auf und verstummte erschrocken, als er Angel vor sich sah.

„Angelus. Nein, bitte nicht, ich…“ Er versuchte sich aus dem Bett zu rollen, aber sein Sire drückte ihn sanft zurück.

„Shhh… schon gut little One, keine Angst. Ich werde dir nichts tun. Ich will dir helfen, ganz ruhig“, murmelte Angel leise, als er die Panik in den Augen seines Childes erkannte, die urplötzlich einen trotzigen Ausdruck annahmen.

„Ich brauche deine verdammte Hilfe nicht. Ich komme gut ohne dich zurecht und außerdem muss ich zum Hafen. Lass mich, ich will auf mein Boot“, krächzte er kraftlos und versuchte erneut aufzustehen, um jedoch stöhnend auf das Bett zurückzusinken.

„Du gehst nirgendwohin. Erst musst du wieder gesund werden, dann kannst du immer noch Boot fahren“, erklärte Angel bestimmt und strich seinem Childe zärtlich durchs Haar.

„Will jetzt auf mein Boot“, murmelte Spike stur, bevor er wieder in die Bewusstlosigkeit fiel.

Angel musste schmunzeln. „Erst mach ich dich sauber und verbinde dich und wenn es dir besser geht, wirst du mir erklären müssen, was das Ganze soll. Die Schlägerei und das mit dem Boot, mein Will.“

Angel erhob sich um Wasser, saubere Tücher und Verbandszeug zu holen. Dann begann er Spike vorsichtig zu waschen, verteilte Salbe auf seinen Wunden und legte Verbände an. Nachdem er ihn verarztet hatte, zog Angel sich selbst aus und legte sich neben sein Childe.

So würde er, sollte er einschlafen, sofort bemerken, wenn Spike sich rührte, oder, was er ihm durchaus zutraute, versuchen sollte, sich davonzuschleichen.

Die Sonne ging gerade auf und Angel wurde tatsächlich vom Schlaf übermannt, um einige Stunden später durch ein scharrendes Geräusch aufzuwachen. Er öffnete alarmiert die Augen und sah, wie sich Spike leise stöhnend, mühsam in seine Hose zwängte.

„Ich sagte doch, du gehst nirgendwo hin“, erklärte der dunkelhaarige Vampir ruhig, erhob sich, nahm den heftig protestierenden Spike auf die Arme und trug ihn zurück ins Bett.

Der begann zu zappeln und zu schimpfen. „Verdammt Angel, las mich runter, du hast kein Recht, und ich will...“

„Es ist mir egal was du willst und ich habe jedes Recht. Ich bin dein Sire und du tust, was ich dir sage.“ Angel wickelte Spike fest in eine Decke, sodass er sich kaum rühren konnte, legte sich zu ihm und hielt ihn fest. Spike zappelte weiter, soweit es seine Verletzungen erlaubten und keifte: „Du kannst Sire sein für wen du willst. Ich werde niemals, auf keinen Fall, nie wieder in meinem verdammten Unleben, kein einiges verfluchtes Mal *Sire* zu dir sagen. Damit du es weißt.“

Mit einem beleidigten Schmollmund starrte er an die Decke und hörte auf sich zu wehren, da ihm die Sinnlosigkeit, Angels starken Armen zu entkommen, bewusst wurde.

Angel lächelte auf ihn herab, und unterdrückte sein Verlangen, diesen wundervollen Schmollmund zu küssen. „Was auch immer du sagst, ich bin dein Sire, für ewig. Je früher du das du einsiehst desto besser für dich. Ich bin viel stärker als du, also sei brav, dann bringe ich dir Blut. Du musst wieder zu Kräften kommen. Und ich will wissen, was du dir dabei gedacht hast, dich mit Menschen anzulegen. Also?

„Das geht dich nichts an“, grummelte Spike und versuchte sich nicht allzu wohl in Angels Armen zu fühlen.

„Es geht mich sehr wohl etwas an, aber darüber reden wir später. Bleib still liegen. Ich hole dir zu essen.“ Angel erhob sich und ging in die Küche.

Spike wimmerte leise. Nicht vor Schmerzen, sondern weil die schützenden Arme seines Sires nicht mehr um seinen Körper lagen, doch er hatte nicht die Absicht, das jemals zuzugeben, weder sich selbst gegenüber - und schon gar nicht ein Wort davon an Angel zu verlieren. Auf keinen Fall. Nope.

Als Angel zurückkam, schaute Spike so böse wie möglich drein, trank aber gierig das erwärmte Blut, das Angel ihm an die Lippen hielt. Der holte ihm eine weitere Tasse mit Blut und als der blonde Vampir auch diese getrunken hatte, schloss er erschöpft die Augen.

„Schaf jetzt. In ein bis zwei Tagen, bist du wieder auf den Beinen.“ Angel stellte die Tasse weg, legte sich erneut neben sein Childe und zog ihn in seine Arme.

„Autsch, pass auf, du Trottel. Ich bin verletzt, schwer möchte ich betonen, und du hast Arme wie ein Schraubstock.“

„Tut mir leid, William, das wollte ich nicht“, meinte Angel erschrocken und lockerte seinen Griff. „Besser so?“

„Hm… ja. Nicht, das ich das will, hier liegen... in deinem Armen... meine ich. Es ist nur… weil ich verletzt bin, nur deshalb bist du stärker und kannst mich festhalten, denn wenn ich wieder ganz geheilt bin, hast du keine Chance, und dann werde ich...“

„Vergiss es Will, und ich bin immer stärker“, unterbrach in Angel bestimmt und schmunzelte.

„Hmm, gut vielleicht, aber ich bin schlauer.“

„Bist du nicht.“

„Bin ich doch, weil ich dich durchschaut habe, also habe ich gewonnen, denn ich bin klüger als du. Punkt“, murmelte Spike, ruckelte noch etwas näher an seinen Sire heran und schlief sofort ein.

„Aber sicher, William, natürlich bist du das“, flüsterte Angel lächelnd, drückte einen Kuss auf das blondierte Haar seines Childes und schloss ebenfalls die Augen.

Die nächsten zwei Tage und Nächte schlief sich Spike gesund, gefüttert und behütet von seinem Sire.

Als der blonde Vampir am letzten Abend, bevor Angels Leute wieder ins Büro kamen erwachte, blieb er ganz still liegen. Nicht weil er das wollte, aber er war ja fest in die Decke und in Angels Armen eingehüllt, daher blieb ihm ja nichts anderes übrig, versuchte er sich selbst im Gedanken zu rechtfertigen. Denn er wollte sich nicht eingestehen, dass er am Liebsten die nächsten hundert Jahre hier im Bett mit seinem Sire verbringen würde. Aber das hier neben ihm war seiner Meinung nach immer noch ein ‚wie-quäle-ich-Spike’ Angel, daher begann er mit trotziger Stimme zu sprechen. „Also, warum hast du mich gesucht und hierher gebracht? Aus Rache nehme ich an, weil ich den großen Angelus ausgetrickst habe. Legst du mich wieder in Ketten, um neue Foltermethoden an mir auszuprobieren, oder wie hast du dir das jetzt gedacht?“

„Nein, glaube mir Spike, ich habe mich geändert. Ich bin nicht mehr Angelus und will es auch nie mehr sein. Ich möchte, dass du hier bleibst, bei mir. Gib mit drei Monate, um dir zu beweisen, dass ich jetzt anders bin. Wenn du dann noch immer fort willst, werde ich dich nicht hindern.“

„Warum willst du mich auf einmal hier haben?“, fragte Spike misstrauisch, er verstand die Beweggründe seines Sires nicht.

„Ich will dich beschützen und für dich da sein. Du bist mein Childe.“

„Das fällt dir etwas spät ein. Ich glaube nicht, dass ich nach fast einhundert Jahren deinen Schutz noch brauche, oder ihn überhaupt will“, knurrte Spike wütend.

Angel seufzte. „Ja ich weiß, mir ist erst klar geworden, dass ich für dich viel früher hätte da sein müssen, als ich von dem Chip gehört habe. Ich habe auch gesehen, dass du ganz gut zu Recht kommst, mit Dämonen zumindest. Aber vor den Menschen, da kann ich dich beschützen und wenn es dir hier gefällt, könntest du mir bei der Dämonenjagd helfen, wir wären wieder eine Familie, und…“

„Wer sagt, dass ich das will und was erwartest du als Gegenleistung von mir? Denn wenn ich eins gelernt habe in meinem verdammten Unleben, dann dies, dass es nichts umsonst gibt. Also, wenn ich bleiben sollte, ich sage wenn, nicht das du dir einbildest ich würde es tun, schließlich wartet ein Boot auf mich, aber falls, was müsste ich tun?“

„Ich sagte schon, du könntest mir bei der Dämonenjagd helfen. Allerdings müsstest du auch versuchen mit meinen Menschen, die für mich arbeiten klar zu kommen. Sie sind mir wichtig. Es sind gute Leute, sie sind schon lange bei mir und absolut loyal. Du würdest hier bei mir in der Wohnung leben, kriegst ausreichend zu essen, Schweineblut natürlich und hast es sauber und warm. Wir könnten uns besser kennen lernen und so feststellen, ob wir miteinander klar kommen.

Doch wenn du versuchst mich zu hintergehen, wirst du die Konsequenzen tragen müssen. Allerdings musst du mich nicht Sire nennen“, beendete Angel seine Ausführungen.

„Würde ich auch nicht, dich Sire nennen, meine ich. Mit dem anderen kann ich leben. Vielleicht. Mal sehen“, nuschelte Spike. Beide schwiegen eine Weile, bis der blonde Vampir sagte: „Drei Monate also? Und ich entscheide? Wenn ich will, kann ich dann gehen und du wirst mich nicht aufhalten?“

„Ich werde dich höchstpersönlich zu deinem Boot bringen, was auch immer das heißen mag, das verspreche ich.“

„Okay, versuchen wir es. Wo werde ich schlafen?“ Spike entschied, dass es vielleicht nicht schlecht sein konnte ein paar Monate hier zu leben und sah seinen Sire mit großen, fragenden Augen an.

„Na hier, dachte ich“, antwortete Angel verwundert.

„Ahhh, das heißt also, ich soll mir als deine Hure meinen Aufenthalt hier verdienen, oder was?“, fragte Spike etwas spitz.

„Was? Nein, so habe ich das nicht gemeint. Keinen Sex, kein...Gott Spike, das ist nicht das, was ich will. Nur schlafen, das… das Bett ist groß genug und bequemer als die Couch, deshalb dachte ich... du kannst natürlich auch im Wohnzimmer, auf dem Sofa...“ Angel brach verlegen ab.

„Ach? Kein poppen also? Was war das dann gestern? Ich hab friedlich geschlafen, dachte an nichts Böses, gut ich dachte daran einen Menschen auszusaugen, aber das ist nichts Böses, ich bin schließlich ein Vampir, doch ich schweife ab. Also, ich schlafe friedlich wie gesagt, und plötzlich steckt mir so ein alter Dämon seine Zunge in den Hals und noch so einiges andere in meinen, wie ich sagen muss, ausgesprochen fantastischen Körper. Was also war das, Peaches?“ Spike sah seinen Sire fragend, mit hoch gezogenen Augenbrauen an.

„Das ...das... also das war... wie soll ich sagen, also das…“ Angel schnappte unnötig nach Luft, bevor er erwiderte: „Du hast dich ja nicht gerade gewehrt, hast dich auf mich gesetzt und gesagt du willst mich.“ Triumphierend sah er sein Childe an.

„Was hätte ich den tun sollen? Du hast mich ja im Schlaf überrumpelt, bevor ich es so richtig mitgekriegt habe“, konterte Spike und machte ein hochmütiges Gesicht.

„Das wusste ich nicht. Ich meine ich wollte es nicht und ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte. Alte Gewohnheit, wahrscheinlich. Es wird mit Sicherheit nicht wieder vorkommen, okay? Und jetzt muss ich duschen.“ Angel sprang aus dem Bett und rannte fast ins Badezimmer.

‚Was du nicht sagst. Es wird also nicht mehr vorkommen? Bloody hell, Angel, das träumst du nicht mal. Denn wie es mit deiner Beherrschung bestellt ist, habe ich ja gemerkt, schon am ersten Tag, als ich mich nach dem Duschen nur ganz unschuldig abgetrocknet hab. Da bist du schon vom Zusehen gekommen, ich hab’s gerochen. So sehr du dich auch bemüht hast es zu verstecken. Und letzte Nacht, Gott… ich brauchte gar nichts zu machen, einfach nur unwiderstehlich aussehen. Und wie wir beide wissen, darin bin ich echt gut. Schon Angelus konnte sich nicht zurückhalten. Und so wie es aussieht ist es bei dem guten Angel geht es noch leichter. Langsam denke ich es gibt doch einen Unterschied zwischen den beiden und das gefällt mir, Angel gefällt mir. Daher, wenn ich schon drei Monate da bleibe, will ich meinen Spaß.’ Spike kicherte leise und kuschelte sich tiefer in seine Decke, denn schließlich war er verletzt und musste sich noch schonen.

~*~

Angel stand unter der heißen Dusche und starrte vor sich hin. ‚Er wollte es nicht? Ich habe ihn überrumpelt? Das ist nicht das, was ich will? Kein Sex mit Spike? Was rede ich denn da. Natürlich will ich Sex mit ihm und wie ich diesen wundervollen Körper will. Ich möchte nichts anderes, als mich in ihm zu versenken, seine herrlichen Lippen küssen, seine wundervolle Haut schmecken. Ihn riechen und halten, immerzu.’ Angel seufzte frustriert. ‚Aber ich möchte dass auch er es will, aus freien Stücken. Also werde ich warten, bis er so weit ist. Ich bin sein Sire. Ich bin stärker als es körperlich und mental. Das sind die Vorteile die man als Sire hat, man ist immer und in Allem besser als sein Childe. Und das werde ich ihm beweisen. Er muss wissen, dass er sich auf mein Wort verlassen kann. Immer.’

Entschlossen begann Angel sich zu waschen, um wenig später vollkommen angezogen aus dem Badezimmer zu kommen. Als er sah, dass Spike fest schlief, betrachtete er ihn liebevoll. ‚Wenn er mich anblickt, mein William, mein Childe, seine Augen sind so voller Sinnlichkeit und Leidenschaft, dass ich schon hart werde, wenn ich in dieses atemberaubende Blau blicke. Ich dachte nicht, dass es so schwer sein würde ihm zu widerstehen, aber wir haben Zeit und ich habe es schon so lange ausgehalten. Ich darf nur nicht daran denken, wie ich in ihm war, wie er mich geküsst hat, wie er schmeckt und… nein ich werde nicht daran denken. Ich werde hinaufgehen und arbeiten, sehr viel und ununterbrochen arbeiten, denn wenn ich an seine duftende Haut… verdammt.’

Angel fluchte noch eine Weile lautlos vor sich hin und beschloss hinauf in die Lobby zu gehen. Seine Leute waren inzwischen aus ihrem Urlaub zurück und er wollte sie über die neue Situation zu informieren.

~*~

„Wes und Cordy waren nicht begeistert über Spikes Anwesenheit, als Angel ihnen sagte, dass er eine Zeit lang hier wohnen würde und Gunn tat seine Ablehnung lautstark kund. Angel bat sie um ihre Mitarbeit und Toleranz, erklärte, dass es seine Pflicht war, sich um sein Childe aus Familiengründen zu kümmern, und das sie nichts zu befürchten hatten, da er für Menschen keine Gefahr darstellte. Nachdem er auf sie eingeredet hatte, versprachen sie sich ihm zu Liebe zu bemühen, halbwegs friedlich mit Spike auszukommen.

~*~

Als Spike erwachte und realisierte wo er war, setzte er sich erschrocken auf und sah sich um. Er war allein und ließ sich mit einem erleichterten Seufzen zurück ins Bett sinken. Was war passiert in den letzten Tagen - und was passierte jetzt? Was sollte er tun? Wie sollte er sich verhalten? An Angel war so einiges anders als bei Angelus, das verwirrte ihn und machte ihm gleichzeitig Angst. Trotzdem fühlte es sich auch irgendwie gut an.

‚Doch Angel zu vertrauen wäre ein Fehler den ich bestimmt nicht mache’, beschloss Spike und stand auf, um erst einmal zu duschen, dann würde er weitersehen.

Drei Monate waren schließlich eine kurze Zeit, wenn man das aus Vampiraugen betrachtete und vielleicht war es ja auch ganz lustig den alten Poof so lange zu ärgern, bis er ihn, Spike vorzeitig hinauswarf.

‚Da gibt es sicher unerschöpfliche Möglichkeiten. Andererseits ist es schön in den Armen seines Sires zu liegen und ich könnte die Zeit einfach genießen, wenn ich schon zugestimmt habe und… Nein, das ist keine gute Idee', dachte Spike. ‚Womöglich gefällt es mir, und ich will bleiben. Dann wird sicher alles so wie damals. Ich muss für ihn den Trottel machen, weil er ja letztendlich doch mein Sire ist, auch wenn ich es niemals mehr zugeben oder sagen werde, egal was er mit mir macht, weil ich ihn nicht mehr als solchen anerkenne. Nein. Niemals. Auf keinen Fall. Nope.’

Der blonde Vampir schälte sich aus der Decke und ging unter die Dusche. Seine Wunden waren völlig verheilt und als er fertig war, zog er sich rasch an. Denn obwohl es schon März war, fror er in dem alten Gemäuer und Spike sehnte sich nach den schützenden Armen seines Sires. Sie hatten ihm in den letzten Tagen das Gefühl einer Wärme gegeben, die er sich schon seit hundert Jahren ersehnte, und er wurde wütend auf die Macht, die Angel in diesen wenigen Tagen über ihn errungen hatte. Deswegen stampfte er wie ein kleiner Junge mit dem Fuß auf, bevor er die Treppe zur Lobby hochstieg.

Angel hatte ihm erzählt, dass seine Menschen heute wieder zur Arbeit kommen würden und Spike wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen, sie, gezwungenermaßen, kennen zu lernen.

Kapitel 7 von silverbird

„Äh, hi Leute, wie geht’s denn so?“ Spike war nervös und wusste nicht recht, wie er sich Angels Freunden gegenüber verhalten sollte. Er hatte schließlich nie welche gehabt, denn die Scoobies in Sunnydale konnte er wirklich nicht Freunde nennen.

„Hallo Spike. Angel sagte schon, dass du heraufkommen würdest. Kaffee?“ Cordy war diejenige, die sich am schnellsten einer neuen Situation anpassen konnte und sie machte wenn möglich auch immer das Beste daraus. Wes und Gunn ignorierten den blonden Vampir allerdings so weit es möglich war und nickten nur auf seinen Gruß.

„Ja, danke Pet, Kaffee wäre toll.“ Spike setzte sich auf die Kante von Cordelias Schreibtisch und nahm die Tasse entgegen, die sie ihm kurz darauf reichte. Die Seherin setzte sich wieder und seufzte frustriert auf, als sie wieder auf ihren Laptop starrte.

Spike war langweilig. Angel wollte ihn anscheinend nicht sehen, daher fragte er: „Was machst du da?“

„Ich hatte eine Vision von zwei... wie auch immer sie heißen mögen und suche schon seit Stunden nach diesen Dämonen. Sie werden einen Autobus angreifen und zwar morgen Abend. Ich kann diese blöden Dämonen nicht finden. Sie sehen so ähnlich aus wie Krokodile auf zwei Beinen. Füße wie ein Mensch, aber Klauen statt Hände - und…“

„Ich glaube nicht, dass Spike das interessiert, oder er etwas darüber weiß, Cordelia“, meinte Wesley scharf. Er wollte nicht, dass der blonde Vampir Einblick in die Aktivitäten von Angel Investigations bekam, daher fiel er Cordy ins Wort.

„Schwarze Schuppen und Krokodilmaul. Das ist ein KnGeko. Er spuckt wie ein Lama und sein Auswurf ist tödlich für Menschen. Sogar Vampire können ernsthaft verletzt werden, wenn er sie anspuckt und er trifft. Punktgenau bis zu drei Meter. Gib den Namen ein. Wenn ihr ein Dämonenverzeichnis habt, müsste ein Bild drin sein, sonst sieh im Internet nach“ erklärte Spike ruhig und nippte an seiner Tasse.

Cordy tat wie Spike ihr gesagt hatte und wurde gleich darauf fündig. „Wenn du früher heraufgekommen wärst, hätte ich viel Zeit gespart!“, sagte Cordy und lächelte ihn freudig an.

Wes kam zu den beiden herüber und blickte auf den Bildschirm. Erstaunt blickte er Spike an. „Woher weißt du das? Wir suchen diesen Dämon schon den ganzen Tag.“

„Bin mal einem begegnet“, war alles was Spike erwiderte. Er erwähnte nicht, dass er zusammen mit dem KnGeko von der Initiative eingesperrt worden war und bei den Experimenten der Soldaten gesehen hatte, wie dieser bei dem Versuch sich zu wehren um sich spuckte, und die Männer reihenweise tot zu Boden fielen, als der Schleim sich ätzend durch ihre Körper fraß.

„Ach“, kam es von Gunn. „Und weißt du Klugscheißer auch, wie man sie vernichtet?“

„Pfeffer.“ Spike nahm wieder einen Schluck aus der Tasse.

„Wie, Pfeffer?“

Eine ordentliche Portion stinknormalen, schwarzen Pfeffer und sie lösen sich auf. Das ist das einzige was durch ihren Panzer dringt.“

„Das ist ein Scherz, oder?“, fragte die Seherin skeptisch.

„Nein. Kein Schwert, keine Kugel kann die Haut von einem KnGeko durchdringen, aber Pfeffer löst sie auf. Ist wohl eine chemische Reaktion“, erklärte Spike emotionslos.

Angel kam aus seinem Büro. Er hatte genug gehört. Sein Childe machte sich über seine Crew lustig, obwohl sie eine Übereinkunft hatten und das würde er auf keinen Fall dulden. Er hatte noch niemals so einen Unsinn gehört. Gut, er hatte auch noch nie etwas von KnGekos gehört, und doch gab es sie, Cordelia hatte das Bild gefunden.

Aber das, was Spike da von sich gab, konnte unmöglich wahr sein.

Er ging auf den Blonden zu und knurrte. „Ich sagte keine Spielchen, sonst musst du mit Konsequenzen rechnen.“

„Glaube es oder nicht, ist deine Sache“, entgegnete Spike ungerührt.

„Woher kennst du den Dämon?“

„Ich sagte es bereits. Ich bin ihm begegnet.“

„Wo, Spike?“

„Das geht dich nichts an!“, murrte der blonde Vampir pampig und blickte zu Boden.

„Du kommst mit.“ Angel packte sein Childe am Kragen und schleifte ihn nach unten in die Wohnung.

„Hey, was soll das? Bist du verrückt? Ich hab nichts getan. Versuche nur zu helfen, aber du glaubst mir natürlich nicht, wie üblich.“ Schmollend verschränkte Spike die Arme vor der Brust und ließ sich von Angel nach unten schleifen, während er versuchte sich besonders schwer zu machen, damit sein Sire ihn fast tragen musste.

Im Wohnzimmer angekommen zog Angel ihn ganz nahe an sich heran und blickte ihm tief in die Augen. „Wenn ich dir glauben soll, dann sag, woher du den Dämon kennst.“

Spike sah wieder zu Boden. „Aus dem Labor in dem ich war, er hatte die Zelle neben mir“, flüsterte er und hatte wieder das Gefühl vor Angelus zu stehen. Schuldig und auf seine Strafe wartend.

Doch Angel nahm ihn in den Arm und drückte ihn zärtlich an sich. „Tut mir Leid, William. Es ist schön, dass du uns helfen willst. Kannst du mir sagen, wie man sich vor dieser Spucke schützen kann?“

„Latex. Das ist das einzige Material, das resistent genug ist“, meinte Spike mit todernster Miene.

„Latex? Du meinst diesen Gummi, der wie eine zweite Haut unangenehm auf dem Körper klebt? Dieses... dieses eklige Zeug, das meinst du? Da muss es noch etwas anderes geben!“, meinte Angel verzweifelt, als er sich angeekelt vorstellte, in so einem hautengen Anzug gefangen zu sein.

„Davon weiß ich nichts. Hast du so etwas schon einmal angehabt, oder woher weißt du, wie sich das Material anfühlt?“, fragte Spike mit unschuldigen Augen.

„Was? Natürlich nicht! Ich hab es nur gesehen. In einem Geschäft für... also ich musste einkaufen und da hab ich… weil Cordy hatte Geburtstag und ich wusste nicht, was ich kaufen sollte und da kam ich in so einen Laden, da hatten sie... auch solche Kleidung aus diesem Latex…“ Angel wand sich wie ein Aal und als er in Spikes grinsendes Gesicht blickte, verstummte er endgültig.

„Du hast der Cheerleaderin einen Latexcatsuit gekauft?“, kicherte Spike.

„Neiin, einen Schlafrock aus Samt, keinen… Spike, grins nicht so blöd! Ich brauchte ein Geschenk und als ich auf der Suche nach etwas Passendem war, bin ich in so einen Laden geraten.“ Angel begann auf und ab zu gehen, um seinem Childe nicht in die Augen schauen zu müssen. Es war ihm mehr als peinlich, dass Spike jetzt davon wusste und er befürchtete, dass der Blonde dieses Wissen irgendwann ausnutzen würde. So hatte er sich seine neue Sire/Childe Beziehung nicht vorgestellt.

„Na wenigstens weißt du jetzt, wo du dieses Latex-Zeugs bekommen kannst, wenn ihr diesen Dämon bekämpfen werdet“, lachte Spike leise.

„Ich werde so etwas nicht anziehen, auf keinen Fall!“, erwiderte Angel bestimmt.

„Was denkst du wer sonst? Der Wächter? Oh ja, das möchte ich sehen.

Oder Blacky? Ich kenne ihn zwar so gut wie gar nicht, aber ihn schätze ich eher so ein, dass er diese...Kleindung, als total schwuchtelig ablehnen wird, Dämonenjagd hin oder her. Dann hätten wir noch die Seherin. Oh ja, sie sieht sicher absolut heiß in so einem Fummel aus, aber keiner der Drei wäre einem KnGeko-Dämon gewachsen, das weißt du. Geschweige den zwei von diesen Monstern. Also bleibst nur noch du übrig“, gluckste Spike.

„Und du“, kicherte Angel erbost zurück.

„ICH? Niemals. Ich bin kein verdammter Helfer der Hilflosen, vergiss es. Du kriegst mich nicht in so ein Ding, das gehört nicht zur Abmachung! Ich bin doch keine Schwuchtel. Du bist verrückt, wenn du glaubst, dass ich so etwas an meinen edlen Körper lasse.“ Entsetzt schaute Spike seinen Sire an.

„Komm schon, Will. Ich brauche deine Hilfe. Du bist so stark geworden, ein richtiger Meistervampir und es sind zwei Dämonen, die wir besiegen müssen. Für jeden von uns einen und meine Menschen sind zu schwach, wie du schon bemerkt hast. Ich kann und will ihr Leben nicht riskieren, jetzt, wo ich einen starken Vampir an meiner Seite habe.“

Angel sagte es bittend mit besonders schmeichelnder Stimme, in der Hoffnung, so Spike leichter zu überreden. Und er war erstaunt, wie leicht Spike zu lenken war. Nur mit Freundlichkeit und guten Worten, denn er antwortete: „Also gut, wenn du mich brauchst und wo ich doch ein Meistervampir bin, meinetwegen. Aber wehe du sagst ein Wort darüber zu deinen Menschen, dass ich in so ein poofiges Zeug gestiegen bin, dann kannst du dir deine drei Monate sonst wohin stecken.“

Spike schaute grimmig drein, aber innerlich jubelte er. ‚Das habe ich toll hingekriegt. Ich werde in Latex-Hosen unglaublich gut aussehen und ich bin gespannt, wie lange Angels Beherrschung reicht, wenn er mich so sieht, mit dem schwarzen, glänzenden Material auf meiner Haut. Angel ist ja so leicht zu manipulieren.

So langsam schienen sich doch gewaltige Unterschiede zwischen Angelus und Angel heraus zu kristallisieren. Das war wundervoll und Spike überlegte, vielleicht doch länger als drei Monate zu bleiben. Sollte Angel jedoch jemals herausbekommen, dass man sich auch ebenso gut mit jedem billigen Gummimantel vor dem Auswurf des KnGeko-Dämon schützen konnte, wäre es gut, laufen zu können und zwar sehr, sehr schnell. Auf jeden Fall schneller, als ein gewisser dunkelhaariger Vampir mit Seele. Aber Angel in so einem eng anliegenden schwarzen Outfit zu sehen, war das Risiko auf alle Fälle wert, befand Spike und beschloss sich keine weiteren Gedanken zu machen.

„Kein Wort, versprochen. Schließlich muss ich ja selbst so einen Anzug tragen“, sagte Angel und schüttelte sich bei dem Gedanken von kaltem Gummi auf seiner nackten Haut.

Angel sagte seiner Crew, dass er und Spike einkaufen müssten, um die Dämonen am nächsten Abend zu besiegen. Und das er und Spike gegen sie kämpfen würden, da es für Menschen zu gefährlich sei.

Wes war erleichtert und so verließen er, Cordelia und Gunn das Haus, um nach Hause zu gehen.

Kurz darauf machten sich die beiden Vampire auf den Weg in das Geschäft, welches Angel kannte, um die benötigte Kleidung zu erstehen.

Als Angel dem Verkäufer seine Wünsche ziemlich verlegen mitteilte, schwänzelte dieser um Spike herum und legte ihm Ganzkörperanzüge, sowie Hosen und knappe Ärmellose Oberteile vor. Er versuchte den blonden Vampir dazu zu überreden, doch etwas davon anzuprobieren, ohne Angel überhaupt zu beachten.

Angel kochte vor Eifersucht und malte sich die schlimmste Folter für den Kerl aus, der es wagte, sein Childe so schamlos anzumachen. Doch als sein Childe dem Verkäufer mit einem ‚Griffel weg, du Schwuchtel’ kräftig auf die Hand schlug, grinste Angel befriedigt.

Spike wählte zielsicher für sich und seinen Sire Hosen aus. Dazu Oberteile, die vorne mit einem Reißverschluss ganz zu öffnen waren.

Der Verkäufer riet ihnen noch ihre Körper ordentlich mit einer besonderen Lotion einzucremen, da das Material sonst so sehr an der Haut kleben würde und das sie dann nur unter starken Schmerzen zu entfernen war. Also kamen auch noch zwei Flaschen Lotion in die Tüte und Angel bezahlte mit seiner Kreditkarte.

Er betrat noch ein weiteres Geschäft, um noch den benötigten Pfeffer zu kaufen.

Spike hingegen blieb inzwischen vor der Tür des Ladens, um eine Zigarette zu rauchen.

Nachdem sie ihre Einkäufe beendet hatten und wieder im Hotel angekommen waren, begaben sie sich sogleich hinunter in die Wohnung und Angel stellte die Tüten ab.

„Ich hoffe es passt, weil ich deine Größe schätzen musste. Du hast etwas zugenommen, seit ich dich das letzte Mal in Sunnydale sah.“ Spike ließ sich grinsend auf das Sofa fallen.

„Heißt das ich bin zu dick?“, entsetzt sah Angel an sich hinunter.

„Nicht dick, Si… äh, Angel. Nur ein bisschen… stärker als früher. Das ist sicher das Schweineblut, das du seit Jahren zu dir nimmst. Das ganze Cholesterin und die Hormone die da drin sind. Du weißt schon.“ Spike hatte seinen Spaß daran, seinen Sire zu verunsichern, da er wusste, wie wichtig Angelus sein gutes Aussehen war und das schien sich auch bei Angel nicht geändert zu haben.

„Vielleicht sollte ich mehr trainieren? Ja, das sollte ich“, beschloss Angel und eilte ins Schlafzimmer, um seine Trainingshose aus dem Schrank zu holen. Fünf Minuten später kam er zurück, bereit seinen Körper in Form zu bringen. „Du kommst mit!“, sagte er bestimmt und schnappte Spike am Ärmel, um ihn hinter sich her zu zerren.

„Hey, ich brauche kein Training, ich sehe super aus!“, maulte Spike, ließ sich aber bereitwillig mitziehen.

In dem mit Matten ausgelegten Raum zog sich Spike bis auf seine Hose aus und stellte sich dem wartenden Vampir gegenüber. ‚Ich verstehe das nicht. Er trinkt schon in der Früh einen Liter Blut, isst Doughnuts und stopft sich haufenweise diese Marshmallows in den Mund und seine Figur ist besser, als ich sie in Erinnerung habe. Und ich esse so gut wie nie etwas, außer Blut und er sagt, ich habe zugenommen! Dabei gibt es das nicht. Vampire nehmen nicht zu. Ist doch so, oder?’ Angel hing seinen Gedanken nach und starrte auf den durchtrainierten Körper seines Childes.

„Was ist? Willst du grübeln, oder endlich kämpfen? Ich warte und es wird mir ein Vergnügen sein, dich so richtig zu vermöbeln. Ich kann’s kaum erwarten dir so richtig in den Hintern zu treten und dir zu zeigen, wo der Hammer hängt. Seit Jahren wünsche ich mir das und endlich ist es soweit. Na los, du hilfloser Helfer, zeig mir was du noch so drauf hast, denn das, was du da am Friedhof geboten hast war erbärmlich!“ Provozierend grinste Spike und bohrte seinen Zeigefinger in Angels Bauch.

„Du hast ja keine Ahnung, was du da redest, Boy!“, knurrte Angel. „Du vergisst wohl wer ich bin. Nur weil ich dich gefüttert und dir ein Dach über dem Kopf gewährt habe, heißt das noch lange nicht, das du keinen Respekt vor mir zu haben brauchst. Ich werde ihn dir beibringen. Du wirst heute wieder lernen dich zu benehmen.“

„Huh, ich zittere! Der große Angelus hat gesprochen. Wenn du so gut kämpfen kannst wie du quatscht, krieg ich wirklich noch Angst“, spottete Spike um zu vertuschen, dass er sehr wohl noch immer Angst vor Angelus hatte, aber so, wie er es damals nicht zugegeben hatte, wollte er es auch heute nicht tun und eine winzige Chance rechnete er sich sehr wohl aus, da er wusste, dass er besser kämpfen konnte als je zuvor. Und Angel war nicht mehr Angelus, auch das hatte er in den letzten Tagen freudig erkannt. Doch plötzlich hatte er Angels Faust im Gesicht und schlitterte über die Matten. Perplex rappelte er sich hoch und schaute in das lachende Gesicht seines Sires.

„Na, du Grünschnabel? Wohl die Klappe wieder zu weit aufgerissen. Unterschätze niemals deinen Sire mein Junge.“

Spike antwortete nur mit einem wilden Knurren und stürmte auf Angel los. Eine volle Stunde dauerte der Kampf der beiden Vampire und Angel hatte schwer zu kämpfen, bevor es ihm letztendlich gelang sein Childe auf die Matte zu drücken und ihn mit eisernem Griff fest zu halten.

„Und wer hat jetzt gewonnen, mein Kleiner?“ Er saß auf Spikes Hintern und hielt seine Hände auf dem Rücken fest.

„Fick dich, Angel“, keuchte Spike mit dem Gesicht in die Matte gedrückt.

„Falsche Antwort. Sag es, wer?“

„Du kannst mich mal.“

„Vielleicht komme ich darauf zurück. Also noch mal. Wer, Childe?“

„Du, du bist stärker. Bist du jetzt zufrieden? Hat dein Ego genug Streicheleinheiten bekommen? Dann kannst du mich ja loslassen!“, schrie Spike voller Zorn über seine Niederlage.

Angel erhob sich grinsend und zog sein Childe mit sich. Der wollte wütend davon stapfen, doch sein Sire hielt ihn fest.

„Was noch?“, murmelte Spike ohne Angel anzusehen.

„Du bist wirklich gut geworden, William. Ich bin stolz auf dich. Nicht mehr lange und du bist genauso stark wie ich Angel sah ihm in die Augen.

„Ja? Du meinst das wirklich?“, fragte Spike unsicher und sah Angel forschend an, um zu sehen ob er ihn nur wieder verspottete. Doch sein Sire sah ihn offen in die Augen.

„Sicher. Wenn du weiter machst, könnte es eines Tages durchaus der Fall sein.“ Angel musste über das Strahlen lächeln, welches sich auf Spikes Gesicht ausbreitete.

„Lass uns weitermachen, Angel, komm es ist noch nicht spät, und...“

„Genug für heute, Spike“, unterbrach dieser ihn lachend. „Wir haben morgen einen harten Kampf, schonen wir unsere Kräfte. Lass uns essen und wenn du willst noch ein bisschen fernsehen, okay?“

„Du willst mit mir zusammen in die Glotze gucken? Du bist mir unheimlich“, murmelte Spike verwundert.

„Warum nicht? Ich schaue mir ganz gerne einmal einen Film an.“

„Aber jede Wette, erst gehst du duschen!“, kicherte der blonde Vampir und sammelte seine Kleider vom Boden auf um seinem Sire zu folgen.

„Die Wette gewinnst du.“ Zufrieden über ihre momentane Harmonie ging Angel wenig später unter die Dusche.

Kapitel 8 von silverbird

Spike pflanzte sich auf das Sofa und schaltete den Fernseher ein, als Angel bald darauf frisch geduscht mit zwei Gläsern Whiskey zu ihm kam und sie auf den Tisch stellte.

Dann begab er sich zu den Einkaufstüten, die er in die Ecke gestellt hatte, als sie vom Shoppen zurückgekommen waren und nahm einen kleinen Beutel heraus, den er seinem Childe reichte. „Ich hoffe, du magst sie immer noch…“, murmelte er etwas verlegen und setzte sich zu ihm auf das Sofa.

Spike hob verwundert seine vernarbte Augenbraue und öffnete das Säckchen. Seine Augen wurden groß. „Englische Drops? Du weißt es noch? Du hast es nicht vergessen?“ Er schob sich eine Süßigkeit in den Mund und schloss genießerisch die Augen. „Danke, Angel“, nuschelte er leise und strich ihm kurz schüchtern über den Arm. Das Verhalten seines Sires war völlig neu, verwirrend und fühlte sich unheimlich gut an.

„Gern geschehen“, antwortete Angel leicht lächelnd, griff nach seinem Glas und nahm einen kräftigen Schluck. Es war schön, so friedlich neben seinem Childe zu sitzen und ihn glücklich zu sehen. Noch schöner wäre es allerdings, wenn er in seinen Armen liegen würde, ihn küssen und seinen Namen stöhnen würde, wenn er tief in ihm begraben wäre.

‚Und wenn das nicht bald geschieht, werde ich noch wahnsinnig’, dachte Angel und vermied es, zu Spike zu blicken, da der noch immer kein Shirt angezogen hatte und mit nacktem Oberkörper neben ihm saß. Und Angel nahm nochmals einen ordentlichen Schluck aus seinem Glas.

Als Spike wenig später eingeschlafen war und sein Kopf auf Angels Schulter rutschte, hob er sein Childe vorsichtig hoch und trug ihn an sich gedrückt ins Bett. Sanft legte er ihn hin, schlüpfte daneben und deckte sie beide zu, bevor er sein Childe fest in seine Arme nahm. Und als er seinen William im Schlaf schnurren hörte, flüsterte er glücklich. „Schlaf gut, Little One.”

Spike erwachte, fest eingehüllt in Angels Armen und war sicher, dass alles nur zu träumen. Und weil es ein schöner Traum war beschloss er, die Augen wieder zu schließen und weiter zu träumen, solange es nur irgendwie möglich war.

„William, du musst aufstehen, komm schon.“ Mit sanfter Stimme, ihn an der Schulter rüttelnd, holte Angel sein Childe aus seinen Träumen.

„Will nicht“, nuschelte Spike in sein Kissen. Er hatte gerade davon geträumt, dass Angel ihn leidenschaftlich küsste und wenn er weiterträumte, würde Angel sicher noch so einiges anderes mit ihm anstellen, daher hatte er nicht die Absicht, gerade jetzt aufzuwachen.

„Los, raus aus dem Bett, sofort!“ Angel riss ihm die Decke weg und Spike setzte sich wütend auf. „Verdammt, Peaches, was soll das?“ Mit zornigen Augen funkelte er seinen Sire an und der schmolz dahin bei diesem Anblick. Sein Glied wurde in Sekunden steinhart und drückte schmerzend gegen seine Hose. Schnell drehte er Spike den Rücken zu und murmelte: „Es ist Zeit, wir müssen gehen.“ Dann flüchtete er ins Wohnzimmer.

Mürrisch verließ der blonde Vampir das Bett und folgte seinem Mentor.

Angel hatte ihre so genannte Kampfkleidung bereits aus den Tüten genommen und sie auf der Couch ausgebreitet. Mit ziemlich verzweifeltem Gesicht stand er davor.

„Soll ich dir helfen, Pet? Dich eincremen oder so?“ Mit einem unschuldigen Blick stellte sich Spike neben seinen Sire und schaute ihn fragend an.

„Wie? Äh, nein, geht schon.“ Angel nahm seine zwei Kleidungsstücke an sich und begab sich ohne ein weiteres Wort ins Badezimmer. Er würde sich auf keinen Fall von Spike berühren lassen. Seine Selbstbeherrschung hing ohnehin an einem seidenen Faden und es war sicher, wenn Spikes Finger seine nackte Haut nur ein einziges Mal berührten, war es damit endgültig vorbei.

Angel würde ihn an sich reißen und ihn verdammt noch mal, in Grund und Boden vögeln. Versprechen hin oder her. Und deshalb würde er sich diese scheußliche Kleidung selbst anlegen, selbst wenn er sich nicht überall eincremen konnte und das Material an manchen Stellen an seiner Haut kleben blieb. Eher würde er die Schmerzen in Kauf nehmen, wenn er dass Latex von seinem Körper reißen musste, als vor seinem Childe irgendeine Schwäche zu zeigen. Schließlich war er sein Sire, und hatte somit die Kontrolle über ihn und selbstverständlich auch über sich selbst. Befriedigt über seine innere Stärke begann er, die Lotion aufzutragen.

Spike tat inzwischen dasselbe im Wohnzimmer, nur ohne sich einzucremen. Er konnte es kaum erwarten seinen Sire in dem schwarzen Outfit zu sehen. Er hatte die Kleidungsstücke extra eine Nummer kleiner ausgewählt, damit sie besonders eng am Körper saßen und er jeden Muskel und jede Ausbuchtung an Angels Körper genau sehen konnte. Natürlich würde er selbst sich so bewegen, dass sein Sire vor Verlangen nach ihm fast verrückt würde. Und natürlich hatte er ihm auch nicht gesagt, dass ein Eincremen bei Vampiren nicht notwendig war, weil ihre Haut kalt war und daher das gummiartige Material nicht anklebte, weil das nur bei warmer Haut passierte. Aber das wäre nur der halbe Spaß gewesen und insgeheim hatte er gehofft, dass sie sich gegenseitig einschmierten. Aber sein verdammter Sire hatte sich gut im Griff. „Du bist wirklich gut, mein Engel“, flüsterte Spike und zwängte sich in die Hose. „Aber ich bin besser.“ Grinsend schlüpfte er auch in das ärmellose Oberteil.

Angel sah an sich hinunter. „So gehe ich nicht auf die Straße, auf keinen Fall“, brummte er und ging zum Schrank. Er nahm einen alten Mantel heraus und zog ihn sich über, bevor er ins Wohnzimmer trat. Scharf zog er die Luft ein und starrte auf Spike, der mit dem Rücken zu ihm stand. Dieser tat, als würde er seinen Sire nicht bemerken und beugte sich nach vorn um seine Docks zuzuschnüren.

Sein knackiger Hintern presste sich in das schwarze Material und spannte sich über die Pobacken, die Angel direkt anschrieen von ihm berührt zu werden.

Angel schloss verzweifelt kurz die Augen und schluckte schwer. Mühsam riss er sich von diesem erregenden Anblick los und griff nach der Tüte mit dem Pfeffer, bevor er unbeherrscht knurrte: „Los, wir gehen.“

Er stürmte an Spike vorbei zur Treppe und knöpfte im Gehen den Mantel zu, denn sein Childe musste nicht sehen, wie sein erigierter Penis versuchte, das dünne Material der Hose zu durchstoßen. Erwartungsvoll drehte sich Spike um und Enttäuschung machte sich auf seinem Gesicht breit, als er sah, dass Angel seinen Latexkörper mit einem Mantel verhüllt hatte. „Verdammter Poof“, murmelte er frustriert und stampfte zornig hinterher.

Sie schlugen den Weg zum Busbahnhof ein und Angel knurrte leise, als er beobachtete, wie die Frauen aber auch Männer, die ihnen begegneten, anerkennende Blicke auf Spike warfen und ihn zum Teil fast mit den Augen verschlangen. „Du hättest dir etwas überziehen müssen. Du fällst auf“, brummte er eifersüchtig.

„Was denn? Ich habe nur meinen Mantel und das gute Stück lass ich mir nicht mit irgendeiner Spucke ruinieren. Und außerdem sehe ich verdammt gut aus.“ Spike bewegte sich geschmeidig und provozierend neben seinem Sire und der fixierte einen besonders wichtigen Punkt irgendwo am Horizont, um nicht sofort über sein Childe herzufallen. Der blonde Vampir registrierte es allerdings grinsend.

Endlich am Bahnhof angekommen, stellten sie sich an eine Ecke, wartend und die Ankömmlinge beobachtend.

Spike begann gelangweilt den Zipp seines Oberteils rauf und runter zu ziehen. Natürlich so, dass Angel ihn beobachten konnte. „Verdammt, lass das, Spike“, knurrte Angel ungehalten. Er hatte einen Punkt erreicht, an dem er fast durchdrehte. Der erotische Anblick des blonden Mannes vor ihm, der von dieser schwarzen Haut überzogen war, die jedes kleinste Detail seines Körpers durchdrückte, brachte ihn an den Rand des Wahnsinns. Er schluckte schwer und versuchte nicht zu sabbern. Es war erbärmlich, wie er sich in der Nähe seines Childes fühlte und doch wollte er keine Sekunde missen.

„Was?“, fragte Spike unschuldig und hatte Mühe nicht zu Grinsen.

„Na das.“ Angel riss seinen eigenen Zipp zur Demonstration auf. „Oh, das“, meinte Spike ruhig und zog wieder in Zeitlupe an seinem Reißverschluss.

„Du spielst mit deinem verdammten Unleb...“ Bevor Angel den Satz beenden konnte, tauchten die zwei KnGekos auf, um sich auf die wartenden Menschen zu stürzen.

„Den Mächten sei Dank“, flüsterte Angel und stürmte von Spike gefolgt auf die beiden Dämonen zu, um sich ihnen in den Weg zu stellen. Die Menschen liefen nach allen Seiten schreiend davon, was den beiden Vampiren nur recht war, denn so hatten sie freie Bahn.

Noch bevor Angel oder Spike reagieren konnten, wurden sie auch schon von dem Schleim getroffen, den die beiden Dämonen aus ihren Mündern schleuderten. Angels Mantel löste sich großteils sofort auf, was Spike allerdings befriedigt registrierte.

Doch er hatte leider keine Zeit, den Körper seines Sires länger zu betrachten, denn die KnGekos starteten einen erneuten Angriff. Diesmal waren die zwei Vampire vorbereitet, wichen geschickt aus und liefen im Zick-Zack auf die beiden Dämonen zu. So irritiert gelang es den KnGekos nicht mehr ihr Ziel zu treffen und Spike sowie Angel kamen nahe genug an sie heran, um ihnen die Pfefferladung entgegenzuschleudern.

Ein schmerzvolles Brüllen erfüllte kurz die Luft, bis die zwei Dämonen sich in eine schleimige Substanz auflösten.

Hustend und niesend hielten sich Angel und Spike Nase und Mund zu, während sie die grüne Masse beobachteten, welche den Boden bedeckte.

„Scheiß Vampirsinne“, murmelte Spike, als ihm die Tränen über die Wangen flossen, wegen des scharfen Gewürzes, das in der Luft hing.

Angel trat an ihn heran und sah ihn mit ebenfalls geröteten Augen liebevoll an, während er ihm mit dem Daumen die Tränen wegwischte. „Alles okay, mein Kleiner“, flüsterte er und Spike versank in den warmen, braunen Rehaugen seines Sires. „Sicher, nur der Pfeffer, Luv“, erwiderte der Blonde und strich seinerseits zärtlich über die Wange seines Engels.

„Nach Hause. Sofort“, krächzte Angel und Spike gehorchte aufs Wort.

Sie rannten so schnell sie konnten zurück ins Hyperion, stürmten hinunter in die Wohnung und fielen küssend übereinander her. „Raus aus dem Zeug. Jetzt“, knurrte Angel den Kuss unterbrechend und zerrte am Reißverschluss von Spikes Oberteil.

„Nein, nicht.“ Spike riss sich los und trat einen Schritt zurück.

Angel zitterte vor Verlangen und unfähig noch klar zu denken sagte er mit scharfer Stimme:„Du tust, verdammt, was ich sage und es ist mir scheiß egal was ich dir versprochen habe. Ich will dich. Jetzt. Sofort. Auf der Stelle. Ich halte das nicht mehr aus. Komm her, sofort, denn sonst werde ich…“

„Nein, das meine ich nicht“, kicherte Spike glücklich, dass Angel endlich seine Beherrschung verlor und ihn wollte, so sehr, dass er fast durchdrehte. „Das Zeug darf unsere Haut nicht berühren, sonst haben wir schmerzhafte Brandwunden, also müssen wir duschen, damit der Schleim von der Kleidung runter ist. Und wir müssen es zusammen tun“, erklärte er bestimmt.

„Oh ja.“ Angel grinste übers ganze Gesicht. „Ich liebe es zu duschen. Und wir beide haben noch niemals zusammen unter der Dusche gestanden.“

„Das weiß ich Pet, darum wird es höchste Zeit, also komm schon.“ Spike lächelte immer noch, nahm seinen Sire bei der Hand und sie eilten ins Badezimmer. Rasch drehte Angel das Wasser auf und zog sein Childe unter den kühlen Strahl.

„Du siehst so unglaublich scharf aus in dem Fummel, Liebes. Ich möchte dich immerzu anschauen“, raunte der blonde Vampir und zog Angels Kopf zu sich herunter. „Ja? Findest du?“, fragte Angel geschmeichelt, bevor er seine Lippen auf die seines Childes senkte.

Der nickte nur andeutungsweise und als sich ihre Zungenspitzen trafen, stöhnten beide erregt auf. Sie erforschten und plünderten ihre Münder gegenseitig, fochten spielerische Duelle mit ihren Zungen aus, streichelten und kneteten ihre schleimfreien Rücken, bis Angel es nicht mehr aushielt und beschloss, dass ihre Anzüge sauber genug waren.

Er fasste Spike an den Schultern und hielt ihn von sich weg, um ihn zu betrachten. Sein Childe sah einfach unglaublich sexy aus in dem eng anliegenden Latex. Und er konnte es gar nicht erwarten, ihn herauszuschälen um dessen kühle weiße Haut darunter zu liebkosen und sich dann tief in diesen herrlichen Körper zu versenken. Langsam griff er nach dem Zipp von Spikes Oberteil und begann ihn in Zeitlupentempo hinunterzuziehen, während er seinem Childe unentwegt in die Augen blickte.

„Zur Hölle Angel, mach schneller“, keuchte Spike, unnötig nach Luft schnappend. Und als dieser ihn nur provozierend angrinste, griff der blonde Vampir ohne Vorwarnung zwischen Angels Beine und streichelte dessen harte Erektion durch den dünnen Gummianzug.

Angel knurrte und riss mit einem Ruck den Zipp auf, worauf nun Spike grinste. Doch als sein Sire seinen Hals zu küssen begann und sich weiter hinunter zu seinen Brustwarzen arbeitete, verzog sich sein Gesicht vor Lust und er bäumte sich ihm stöhnend entgegen. Verzweifelt versuchte er, den Penis seines Sires aus seinem engen Gefängnis zu befreien.

Als ihm das endlich gelang und er den knochenharten Ständer in seiner Hand hielt, knurrte Angel laut und entfernte seinem Childe die Kleidung so schnell er konnte. Er drehte Spike um, sodass er mit dem Rücken zu ihm stand, griff nach der Lotion auf der Ablage und verteilte sie mit beiden Händen auf dessen wohlgeformte Pobacken. Dann zog er sie etwas auseinander, um mit seinen Fingern immer wieder über den einladenden Eingang zu streichen, bevor er erst mit einem, dann mit zwei Fingern eindrang und den engen Muskelring dehnte.

„Zur Hölle Angel, das reicht, bitte, ich brauche mehr. Jetzt“, keuchte Spike verzweifelt und streckte seinem Sire sein Hinterteil entgegen, während er seine Beine spreizte und die Handflächen an der Wand abstützte.

Mehr brauchte es nicht und Angel verzichtete darauf sich weiter auszuziehen. Mit einer einzigen fließenden Bewegung versenkte er sich in den mehr als bereiten Eingang seines Childes, der vor Lust aufschrie, als er endlich von seinem Sire auf diese Weise ausgefüllt wurde.

Der dunkelhaarige Vampir verharrte einen Moment, um nicht sofort zu kommen, denn der Anblick, der sich ihm bot, drohte ihn zu überwältigen. Doch als er sich etwas beruhigt hatte, begann er wie besessen in den atemberaubenden Körper vor sich zu stoßen und er musste Spike festhalten, damit der nicht bei jedem Stoß mit voller Wucht an die Wand knallte.

Als sich Angel wenig später mit einem lauten Schrei tief in seinem Childe ergoss und sich zitternd an ihn lehnte, wurde ihm bewusst, dass er Spike vollkommen vernachlässigt hatte.

Dem jüngeren Vampir war es nicht möglich gewesen, sich selbst zu berühren, da er die ganze Kraft seiner Hände gebraucht hatte, um sich an der Wand abzustützen.

Vorsichtig zog Angel sich aus dem dargebotenen Körper zurück, drehte sein Childe zu sich und sah ihm tief in diese unglaublich blauen Augen. „Ich bin verrückt nach dir“, flüsterte der dunkelhaarige Vampir, bevor er seine Lippen auf die seinen Geliebten senkte, ihn unendlich zärtlich küsste, als wolle er niemals damit aufhören. Gleichzeitig begann er, Spikes schmerzenden Penis zu streicheln und der kam sofort zu einem überwältigenden Orgasmus, sodass er in den Armen seines Engels zusammenbrach.

Gemeinsam sanken sie auf den Boden, versunken in anscheinend nicht enden wollenden Küssen, schafften es irgendwann ins Bett zu kommen und sich gegenseitig immer wieder zu den unglaublichsten Höhepunkten zu bringen. Sie tranken voneinander, wiederholten ihr Spiel, bis sie in den Mittagsstunden, völlig erschöpft, in einem Gewirr aus kühlen, sich umschlingenden Gliedmaßen einschliefen.

Als Angel am Abend erwachte, bemerkte er, dass seine Mitarbeiter schon eingetroffen waren. Missmutig löste er sich vorsichtig aus Spikes Armen, stand auf und begann sich anzukleiden.

„Geh nicht weg“, flüsterte sein Childe leise hinter ihm und als er sich umdrehte, blickte er in zwei tiefblaue, vom Schlaf noch verschleierte, Augen, die ihn sehnsüchtig anschauten.

Und Angel war verloren.

Schnell ging er zurück zum Bett und drückte seinem Geliebten einen Kuss auf die Lippen. „Ich bin gleich wieder da. Ich gehe nur kurz hinauf zu Wes und den anderen, um die anstehenden Fälle zu besprechen. Dauert nicht lange.“ Angel wuselte Spike noch kurz durch die Haare und verließ schnell das Schlafzimmer, denn er wusste, wenn er nur noch eine Sekunde länger blieb, würde er sich von seinem erotischen Childe nicht mehr losreißen können.

~*~

Als er in die Lobby kam, saßen Wes und Cordy hinter ihren Tischen und der ehemalige Wächter fragte sofort, wie es gelaufen war. Angel berichtete, dass alles gut gegangen war und Spike tatkräftig geholfen hatte.

„Wo hast du nur in L.A. Gummimäntel aufgetrieben? Das ist in einer Stadt, in der es kaum regnet, gar nicht so einfach, kann ich mir vorstellen“, fragte Cordelia, ohne von ihrem Laptop aufzublicken.

„Gummimäntel?“ Angel war verwirrt.

„Ja, die Schutzkleidung gegen die KnGekos. Ich dachte, Spike wüsste über diese Viecher bescheid, daher hab ich es nicht erwähnt. Hier steht, dass ein Mantel oder ein Umhang, ganz egal, Hauptsache aus Gummi, Schutz vor dem Schleim bietet, den sie ausspucken. Hat er dir nichts über die Schutzkleidung gesagt?“ Cordy sah ihn nun an und hob fragend ihre Augenbrauen.

„Oh ja, das hat er. Er hat sie sogar für uns ausgesucht.“ Angel unterdrückte ein unwilliges Knurren und in seinem Kopf schrie er nach Rache.

„Dann ist es ja gut.“ Cordy widmete sich wieder ihrem Laptop. Für sie war die Sache erledigt, aber nicht für Angel. ‚Dieser verlogene kleine Bastard. Das wird er mir erklären müssen’, dachte er erbost über Spikes Hinterhältigkeit und konnte es gar nicht erwarten, bis Wes und Cordy endlich das Hyperion verließen. Sie arbeiteten gemeinsam noch drei Stunden, bis Angel erklärte noch etwas müde zu sein und seine Mitarbeiter dazu drängte nach Hause zu gehen. Wesley war zwar etwas verwundert über den kurzen Arbeitstag, griff sich jedoch ein paar Bücher und erklärte zu Hause noch etwas zu arbeiten. Cordy grinste nur freudig, griff nach ihrer Tasche und forderte Wes auf sich zu beeilen, bevor es sich der Boss noch anders überlegte.

Kaum waren die Beiden verschwunden, stürmte Angel, immer noch voller Zorn, hinunter in die Wohnung. Er lief gleich weiter ins Schlafzimmer, bereit Spike zur Rede zu stellen, als ihn der Anblick seines Childes abrupt stoppte.

Spike lag halb auf den Bauch gedreht in dem großen Bett, seine Arme um ein Kissen geschlungen und murmelte unaufhörlich im Schlaf: „Angel. Mein. Angel.“

Angels Zorn verrauchte zusehends und mit einem leisen Seufzen setzte er sich auf den Ohrenstuhl in der nähe des Bettes, Spike weiterhin betrachtend.

‚Ich kann ihm das nicht durchgehen lassen, das ist klar. Er würde sich immer wieder etwas einfallen lassen, um mich zu hintergehen oder vor den anderen zu blamieren. Diesmal haben es die anderen nicht mitgekriegt, zum Glück. Nicht auszudenken wie Cordy reagiert hätte, wenn sie mich in diesem Latex gesehen hätte. Wochenlang hätte sie mich damit aufgezogen.

Ich wecke Spike jetzt auf und schleife ihn eigenhändig zu seinem verdammten Schiff, dann ist alles wieder wie früher. Ruhig, friedlich und.... unendlich langweilig.’ Angel erkannte plötzlich bestürzt, wie öde sein Leben die letzten Jahre verlaufen war und wie einsam. Vor allem einsam, denn sobald er und seine Crew einen Auftrag erfüllt hatten, gingen seine Freunde nach Hause und er war allein in dem großen Hotel. Von den Wochenenden ganz abgesehen, an denen er ohnehin immer alleine war.

‚Was hat Spike überhaupt Schlimmes getan? Es war seine kleine Rache, nachdem ich mein Spielchen mit ihm getrieben habe. Und wenn ich darüber nachdenke, hatten wir letztendlich verdammt viel Spaß. Sehr, sehr viel Spaß und ich will mir gar nichts vormachen. Ich will ihn immer wieder haben. Spike ist der Partner, den ich mir wünsche. Ein großartiger Kämpfer und unglaublich sexy. Bei ihm kann ich auch mal meinen Dämon zeigen, er hält das aus. Besser noch, er mag beides, hart und sanft, die Mischung ist perfekt, für mich ebenso wie für ihn.’ Angel beugte sich nach vorn und betrachtete sein Childe liebevoll. ‚Nein, ich will, dass du bleibst. Du bringst Licht in mein düsteres Leben. Natürlich werde ich aufpassen, dass du nicht zu sehr über die Stränge schlägst, schließlich bin ich dein Sire und daher läuft es nach meinen Regeln. Zumindest meistens.’

Entschlossen stand Angel auf und begab sich ins Badezimmer. Rasch zog er die Latexhose an, griff nach dem Oberteil, um es dann jedoch wieder zur Seite zu legen, bevor er sich in sein Wohnzimmer begab, geräuschlos eine Truhe öffnete und ein Stahlseil herausnahm. Dann schlich er zurück ins Schlafzimmer und schaute, diabolisch grinsend auf sein noch immer schlafendes Childe.

„Zeit für ein weiteres Spiel mein Lieber“, murmelte der dunkelhaarige Vampir, ging zum Bett, packte Spike an den Schultern und drehte ihn vollends auf den Bauch. Noch bevor der Blonde reagieren konnte, hatte Angel dessen Handgelenke auf dem Rücken verschnürt und stand wieder auf.

„Bloody hell. Bist du irre oder was soll das, du Blödmann?“, rief Spike erschrocken und rollte sich blitzartig aus dem Bett. So auf den Knien wanderte sein Blick an Angel hoch. „Wow, du siehst verdammt heiß aus.“

Geschmeichelt verzog Angel seine Lippen zu einem kleinen Lächeln, doch dann fiel ihm sein Plan wieder ein und schnell setzte er einen grimmigen Gesichtsausdruck auf. „Das hier habe ich nicht zu deinem Vergnügen angezogen, dass möchte ich gleich klarstellen.“

„Eher zu deinem nehme ich an, gib's zu, du stehst drauf“, grinste Spike frech und wollte aufstehen, doch Angel drückte ihn mit eisernem Griff zurück auf die Knie. „Du bleibst wo du bist.“

„Hey, was habe ich getan?“

„Das wagst du noch zu fragen, Childe? Hast du ernsthaft gedacht mich belügen zu können? Der Anzug wäre niemals nötig gewesen. Jeder billige Regenmantel hätte es ebenso gut getan, wie ich erfahren habe.“

„Mantel, Hose, was macht das schon für einen Unterschied? Außerdem warst du es, der das besagte Geschäft kannte, wenn ich dich erinnern darf und jetzt mach mich endlich los!“

„Dir scheint deine Situation nicht bewusst zu sein“, erklärte Angel weiterhin streng und zum ersten Mal seit Spike aufgewacht war, schaute er seinen Sire unsicher an, doch in dessen Miene war nichts abzulesen, daher senkte Spike den Blick. ‚Er ist verflucht sauer, das ist gar nicht gut. Vielleicht bin ich mit dieser Latexgeschichte doch etwas zu weit gegangen? Pfeif drauf, die Sache war es definitiv wert. Schließlich hat es mir den besten Sex meines verdammten Unlebens beschert’, dachte Spike trotzig, überlegte aber dennoch besorgt, ob Angel ihn nun als Paket verschnürt in den Frachtraum des nächsten Schiffes werfen würde.

„Sieh mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede, Boy“, herrschte Angel Spike an und der schaute trotzig auf. „So ist es gut“, bemerkte Angel zufrieden.

„Bastard“, murmelte Spike kaum hörbar und Angel verkniff sich ein Lächeln. ‚Noch etwas, das ich an ihm liebe, er gibt niemals auf’, dachte der dunkelhaarige Vampir und hätte sein Childe am liebsten in seine Arme gerissen, um ihn stürmisch zu küssen. ‚Doch das kommt später. Erst will ich sehen wie er seine Aufgabe löst’, beschloss er in Gedanken bevor er laut sagte: „Ich will dir trotzdem die Gelegenheit geben, auf dein Schiff zu kommen, falls du jetzt alles richtig machst. Also liegt es ganz an dir.“

„Na fein. Was willst du das ich tue, S i r e?“ Das letzte Wort zog Spike spottend in die Länge und er fluchte innerlich. ‚Klasse, wunderbar, g r o ß a r t i g. Ich will auf keinen verdammten Kahn. Was soll ich in Europa? Ich will hier bleiben verflucht. Bei ihm, in ihm, er in mir, ganz egal. Aber wie immer habe ich es vermasselt und jetzt jagt er mich zum Teufel. Dabei kann ich noch von Glück reden, dass er mich nicht gleich in Staub verwandet.’

„Wirst du mir wohl zuhören, Childe?“ Angels scharfer Ton riss Spike aus seinen Gedanken und er knurrte böse. „Leck mich.“

„Falsch, du wirst das tun. Aber eines nach dem anderen. Also, wenn es dir gelingt diese Latexhose zu öffnen ohne ihr auch nur den geringsten Kratzer zuzufügen, dann darfst du auf das Schiff. Solltest du sie aber kaputt machen, tja, dann...“ Angel stoppte seine Rede, nun doch unsicher, ob Spike das überhaupt wollen würde, was er ihm vorzuschlagen hatte, bevor er leise weitersprach. „Dann musst du hier bleiben. Nachts an meiner Seite kämpfen und tagsüber in meinem Bett schlafen, nicht nur schlafen natürlich.

Spike blickte erstaunt zu seinem Sire hoch und als er dessen unsicheren, fragenden Blick bemerkte, kehrte seine eigene Selbstsicherheit zurück. ‚Er ist verrückt nach mir, keine Frage und ich steh drauf, wenn er so unsicher aus der Wäsche guckt. Das ist Angel pur, was daher auch bedeutet, er lässt mir die Wahl. Bleiben oder gehen.

Na dann werde ich Peaches mal von seiner Qual erlösen und dabei meine ich nicht nur seinem besorgten Gesichtsausdruck, der schon leicht panisch wirkt’, dachte Spike, begann zu grinsen und sagte: „Besorg dir schon mal eine neue Hose, falls wieder einmal KnGekos auftauchen.“

Der blonde Vampir wechselte in sein Dämonisches Aussehen und grub seine Zähne in den weichen Gummi, um Angels Hose von oben bis unten aufzuschlitzen.

Ende!

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