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Dwarfwars II von Silentthunder, silverbird
Inhalt: Angel und Spike treffen im Park auf eine Statue, die ihren alten Bekannten den Zwergen sehr ähnlich sieht. Spike will sie stehen lassen, Angel mitnehmen. Wer wird sich durchsetzen?
Fandom(s): Buffy the Vampire Slayer / Angel the Series Pairing(s): Spike/Angel
Story-Genre: Abenteuer, Alternatives Universum
Lšnge der Story: Mehrteiler
Story-Typ: Slash - M/M
Warnungen: Keine
Challenges:
Serie: Keine
Kapitel: 9 Story vollendet: Ja Anzahl der Wörter: 22272 Wörter Gelesen: 13499 Mal Datum der Veröffentlichung: 29.05.09 Letztes Update: 24.07.09
Kommentar:
Silentthunder und ich haben uns wieder einmal zusammen getan und eine Fortsetzung zu Dwarfwars geschrieben.

Viel Spass beim Lesen.

Beta: Lorias

Storypic: Silentthunder

Kapitel 1 von Silentthunder

 

Dwarfwars II

Kapitel 1

(Von Silentthunder)

Graugrüne Wolken jagten über den Nachthimmel, fingen sich in den Hügeln vor Los Angeles und ballten sich zu wahren Gebirgen auf. Erste kleine Blitze erhellten kurzzeitig die Nacht und in der Ferne grollte ein lang gezogener Donner. Doch weder Spike noch Angel kümmerten sich sonderlich darum. Sie hatten gerade einen Kampf bestritten, der beide bis an die Grenzen ihrer Kräfte geführt hatte und bedurften einer Art stiller Erholung, die sie sich nur selten gönnten.

Spike lockerte seine Nackenmuskulatur und fühlte dabei den Schleim, der an seinem Kragen klebte. Angeekelt zog er seinen Mantel aus, drehte ihn in der Hand und blieb dann kurz stehen, um mit einem abgerupftem großem Blatt den Mist zu entfernen. „Scheiß, Dreck, verfluchter Mistsack. Konntest du nicht einfach krepieren und tot umfallen? Musstest du dich unbedingt in eine popelgrüne Masse verwandeln und mich dabei vollschleimen? Wer sind wird denn? Die Ghostbusters?"

„Was meckerst du da alle vor dich hin?", fragte Angel, der wenige Meter weiter stehen geblieben war und sich nun fragend umdrehte.

„Nichts", schnaubte Spike und verzog das Gesicht. „Gar nichts!" Er sah seinen Sire an und schüttelte den Kopf. „Du hast nichts von dem Scheißzeugs abbekommen!", brummte er dann. „Wie schaffst du das nur immer?" Außer einer Menge tiefer Schrammen und Blutergüssen hatte sein Geliebter kaum etwas davongetragen, er dagegen sah aus wie ein Müllmonster, das sich gerade aus einer Giftgasdeponie befreit hatte.

„Glück", murmelte Angel und schüttelte den Kopf. Manchmal konnte er Spike einfach nicht verstehen. Kleinigkeiten konnten ihn vollkommen aus der Fassung bringen und die wirklich wichtigen Dinge schienen so an ihm vorüberzuziehen. Dabei hatten sie gerade erst einen Kampf mehr schlecht als recht überlebt. Es war diesmal verdammt knapp gewesen und Angel hatte noch längst nicht damit abgeschlossen. Das nächste Mal mussten sie vorsichtiger sein. Sie hatten sich zu sehr daran gewöhnt, immer siegreich zu bleiben. Das konnte auf die Dauer nicht gut gehen und bevor ihm ein dickes Ende serviert wurde, wollte er lieber ein Stück zurückrudern. „Können wir jetzt weitergehen?"

„Ja, ja", knurrte Spike, kontrollierte ein letztes Mal sein heißgeliebtes Kleidungsstück und zog es wieder über. „Warum noch mal gehen wir zu Fuß?", murrte er dann und sah sich in dem gottverlassenen Stadtviertel um. „Wir hätten uns auch abholen lassen oder zumindest ein verdammtes Taxi nehmen können."

„Ich wollte ein bisschen Ruhe, um nachdenken zu können", meinte Angel, wartete, bis Spike zu ihm aufgeschlossen hatte und zusammen gingen sie weiter. „Außerdem ist es doch zur Abwechslung ganz nett, dass wir alleine sind und keiner um uns herumscharwenzelt." Er seufzte leise und schüttelte den Kopf. Seiner Meinung nach gab es viel zu viele Personen, die viel zu viele lästige Fragen an ihn hatten und ihm mit Nichtigkeiten auf den Sender gingen. Sein Unleben hatte sich gewaltig verändert und manchmal wünschte er sich in eine stille verlassene Hütte zurück.

„Gemütliche Abende stelle ich mir trotzdem anders vor", nörgelte Spike und riss Angel damit aus seinen Gedanken. „Eine gute Flasche Whiskey, ein guter Film im Fernsehen...", dann grinste er plötzlich, „oder noch besser, eine verdammt gute Zwischeneinlage in deinem Bett. Das sind Sachen, die Spaß machen." Dann wurde seine Miene wieder ernst. „Verletzt durch die halbe Stadt zu laufen, gehört meiner Meinung nach nicht zum Vergnügen."

„Ist ja gut, ich hab es ja verstanden", knurrte Angel, der absolut keine Lust auf die seltsamen Anwandlungen seines Geliebten hatte. „Wir können die Abkürzung durch den Park nehmen. Damit sparen wir uns gut und gerne eine halbe Stunde."

„Wow, das nenne ich mal Park", motzte Spike, der absolut keine Lust hatte, seine schlechte Laune so einfach abzulegen. „Untot bin ich selber." Er sah sich um, zuckte mit angewidertem Gesichtsausdruck die Schultern und folgte Angel tiefer in den Park hinein. „Ob es hier auch einen lebendigen Baum oder Strauch gibt?"

„Wenn interessiert das schon?", murmelte Angel und blieb dann wie angewurzelt stehen. Ein Blitz hatte den Weg vor ihnen für einen Sekundenbruchteil erhellt und etwas Seltsames, das scheinbar auf einer Parkbank hockte, hatte seine Aufmerksamkeit geweckt.

„Was ist denn los?", fragte Spike und lief fast auf den älteren Vampir auf.

„Ich habe keinen blassen Schimmer", murmelte Angel und konzentrierte sich auf das, was er gesehen hatte. „Da vorne unter den Bäumen. Auf der Bank."

Spike lugte um Angel herum, beugte sich mit angestrengtem Blick vor und zuckte dann mit den Schultern. „Was immer es ist, es ist tot. Da steckt kein Leben drin. Keinerlei Bewegung zu sehen. Warum überhaupt lässt du dich von so etwas ins Bockshorn jagen?", erkundigte er sich dann und fischte eine Zigarette aus der Manteltasche.

„Ich lass mich nicht ins Bockshorn...", Angel schüttelte den Kopf und verdrehte die Augen. „Es ist nur... ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Aber irgendwie erinnert mich das... Ding an etwas."

„Vielleicht sollten wir einfach hingehen und es uns ansehen?", meinte Spike scheinheilig. Er wartete gar nicht erst, sondern marschierte gleich los. Unter dem Baum angekommen beugte er sich vor und tippte mit dem Finger gegen die steinerne Figur. „Das ist ein verdammter Gartenzwerg", meinte er dann. „Ein verflucht hässlicher, aber ein Gartenzwerg. Ohne Farbe, schlicht in grau."

Angel, der inzwischen zu ihm aufgeschlossen hatte, verzog das Gesicht. „Gartenzwerg hin oder her...", murmelte er dann, „wir haben damit schon Ärger gehabt, falls du dich erinnern kannst." Eine Gänsehaut schoss über seinen Rücken und er schüttelte sich. Graues Fell und vier Pfoten kamen ihm in den Sinn und er verzog das Gesicht. Es gab einfach Angelegenheiten, an die man sich besser nicht erinnern sollte.

„Ah, ja", grinste Spike plötzlich wieder blendend guter Laune. „Die miesgelaunten kleinen Zwerge. Wie war das noch? Du hattest einem den Bart abgefackelt und sein Bruder kam und... wie hieß er noch? Cäcilie?"

„Zecail", knurrte Angel beim Gedanken an ihren Ausflug ins Zwergenreich. „Erinnere mich bloß nicht daran."

„Dabei warst du so knuffig als Streifenhörnchen", grinste der blonde Vampir spöttisch. „Obwohl... der Sex war echt übel." Dann zuckte er mit den Schultern und klopfte dem Älteren freundschaftlich auf den Rücken. „Ach komm schon. Das ist vorbei. Gegessen! Die Geschichte haben wir abgehakt und darum musst du dir nun wirklich keine Sorgen mehr machen."

„Ich weiß", murmelte Angel und seufzte. „Aber hast du dir diesen Zwerg mal genau angesehen? Auch wenn er jünger wirkt als Zecail oder Orlab... er schaut genauso aus. Er könnte glatt aus ihrer Familie entstammen."

„Ich glaub langsam, du siehst rosa Elefanten", murmelte Spike, warf den Zigarettenstummel auf die Erde und trat mit seinem Stiefel drauf. „Mal ehrlich", meinte er dann kopfschüttelnd. „Das Ding hier ist aus Stein", sagte er und klopfte dem Zwerg mit den Fingerknöcheln gegen die Stirn. „Von mir aus auch aus gebranntem Ton. Keine Ahnung. Ist aber auch scheißegal... jedenfalls lebt es nicht. Also pack deine schlechten Gedanken ein und lass uns weiterlaufen. Ich möchte lieber früher oder später ankommen. Ich will duschen, meine Wunden verbinden und einfach nur schlafen."

„Ist ja gut", murmelte Angel, warf einen letzten Blick auf den Zwerg und lief dann hinter Spike her, der es nicht für nötig erachtet hatte zu warten.

                                                           *~*~*

Eine Weile liefen sie stumm nebeneinander her und Spike hatte die Gelegenheit, sich noch einmal gründlich an ihr Abenteuer bei den Zwergen zu erinnern. Zecail und sein Clan waren nicht gerade das, was er für würdige Gegner gehalten hatte, doch die kleinen Wichte hatten ihn eines Besseren belehrt. Auch, wenn er das vor Angel natürlich nie zugeben würde. Jedenfalls war ihre Reise ins Tierreich eine Erfahrung gewesen, die er sein ganzes Leben lang nicht wieder vergessen würde. Im Nachhinein war es lustig gewesen, auch wenn er zeitweilig schon gedacht hatte, für immer ein Eichhörnchen bleiben zu müssen. ‚Zwerge', dachte er, ‚nein, dass muss ich nicht wieder haben.'

„Hast du eigentlich je was davon gehört, wie dieser komische Familienkampf ausgegangen ist?", fragte er, doch der große, dunkelhaarige Vampir lief einfach stumm weiter. „Wow! Du musst nicht mit mir reden", nörgelte Spike. „Nein, wirklich nicht. Ich fahr voll darauf ab, wie Luft behandelt zu werden."

Doch Angel antwortete auch darauf nicht. „Warzenschwein, Schwabbelspeck, Videofilm, Nasenbär, Telefon, Riechkolben", sagte Spike in möglichst normalem Tonfall. Doch noch immer kam kein Ton über die Lippen seines Geliebten.

„Gummipuppe, Sex, Ferkeleien, Handschellen, Fesselspielchen", zählte er auf, dann huschte ein hinterhältiges Grinsen über sein Gesicht und er lief ein paar schnelle Schritte und stellte sich dem älteren Vampir in den Weg, sodass dieser aufsehen musste. „Was hältst du von meinem Vorschlag?"

„Ich... ähm... weiß nicht so genau", murmelte Angel verwirrt und sah ihn fragend an. „Vielleicht ist das ja... eine gute Idee?"

„Du kannst echt von Glück reden, dass ich für heute genug von Schlägereien habe", knurrte Spike. „Sonst hätte ich dir zumindest kräftig gegen das Schienbein getreten. Ich quake seit fünf Minuten nichts weiter als Mist."

„Entschuldige", seufzte Angel und hatte den Anstand, ein kleines bisschen zerknirscht auszusehen. „Aber irgendwie komme ich nicht über diesen ... Gartenzwerg hinweg", meinte er und blickte zurück in die Dunkelheit des Parks. „Wahrscheinlich ist es nichts und ich mache mir umsonst Gedanken, aber irgendetwas ist an der kleinen Statue. Irgendetwas, das mich mehr als nur stutzig macht."

„Oh Mann", schnaufte Spike. „Was zum Geier beunruhigt dich denn daran? Irgendein Irrer hat ihn auf die Parkbank gesetzt. Vielleicht hatte der Kerl „Schöner Wohnen" gelesen und wollte den Park ein wenig aufwerten. Oder er hat „Schöner Wohnen" gelesen, bemerkt, dass er ein Idiot ist, und den ganzen Schrott, der in seinem Garten steht, so schnell wie möglich loswerden wollen."

„Ich weiß es nicht", meinte Angel und zuckte mit den Schultern. „Ich kann es nicht in Worte fassen, aber etwas stört mich daran." Er warf einen Blick hinauf in den Nachthimmel. In immer kürzeren Abständen zuckten grelle Blitze auf und das schaurige Grollen des Donners wurde stetig lauter. Nicht mehr lange und das Unwetter hatte die Stadt endgültig eingeschlossen. „Ich will ihn mitnehmen", sagte er dann und nickte, als müsste er sich seine Entscheidung selbst begreiflich machen. „Ich möchte, dass Wesley ein Auge darauf wirft. Wenn wirklich nichts weiter in ihm steckt als Ton, dann..."

„Wenn es sein muss", maulte Spike und fischte eine weitere Zigarette aus der Manteltasche. „Ja, was denn?", fragte er, als Angel ihn ansah. „So schwer kann das Ding nicht sein. Du brauchst mich nicht. Ich warte hier." Sein Feuerzeug erleuchtete für einen Moment die Nacht und er atmete den Rauch tief in seine Lungen.

Eine schwarze Katze huschte an ihm vorbei, etwas Graues, Lebloses im Maul vor sich hertragend und Spike grinste breit. „Noch ein Jäger der Nacht", murmelte er. „Doch im Gegensatz zu uns scheint das Vieh noch Spaß daran zu haben." Er sah zu, wie die Katze sich unter einem vertrockneten Busch niederließ, die kleine Ratte aus dem Maul fallen ließ und mit ihren Tatzen wieder und wieder nach dem toten Tier schlug, ganz so, als wollte sie das tödliche Spiel noch weiterführen, dass sie längst gewonnen hatte.

„Für dich ist das Leben noch einfach", sagte er dann zu dem kleinen schwarzen Räuber und seufzte. An sein eigenes Leben dachte er dabei nur ungern. Viel zu kompliziert war der ganze Scheiß geworden und er sehnte sich in Zeiten zurück, in denen ihnen die ganze Welt offen gestanden hatte. Einfach so, ohne viele Fragen oder Bedenken. Was immer sie hatten tun wollen, das hatten sie auch getan.

Spike schüttelte den Kopf und verdrehte die Augen. Und jetzt? Jetzt konnte er sich schon glücklich schätzen, dass er keinen mehrseitigen Antrag ausfüllen musste, nur um an einen verdammten Beutel Schweineblut zu gelangen. Er warf einen Blick in die Dunkelheit und sah seinen Sire, der an dem steinernen Gartenzwerg offensichtlich schwer zu tragen hatte.

Hin und wieder war es unglaublich schwer, Angel zu verstehen. Es war unbegreiflich, wie er sich an Kleinigkeiten aufreiben konnte, die wichtigen Dinge des Lebens aber einfach so vergaß. Was zur Hölle sollte denn an einem verdammten Gartenzwerg interessant sein? War es nicht viel schöner, sich zu beeilen, sich den verdammten Rotz vom Körper zu waschen und dann in ein kuschelig weiches Bett zu hüpfen, sich eng aneinander zu kuscheln und der Nacht ihren Lauf zu lassen?

„Ich seh es schon kommen", maulte der blonde Vampir. „Kaum sind wir Zuhause, hängt er schon wieder am Telefon und den Rest der Nacht schlagen wir uns damit um die Ohren, herauszufinden, dass der dämliche Gartenzwerg nichts weiter ist als ein dämlicher Gartenzwerg!"

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