File 2: stories/3/477.txtFile 2: stories/3/478.txtFile 2: stories/3/479.txtFile 2: stories/3/480.txtFile 2: stories/3/481.txtFile 2: stories/3/482.txtFile 2: stories/3/483.txtFile 2: stories/3/484.txtFile 2: stories/3/487.txt
Dwarfwars II von Silentthunder, silverbird
Inhalt: Angel und Spike treffen im Park auf eine Statue, die ihren alten Bekannten den Zwergen sehr ähnlich sieht. Spike will sie stehen lassen, Angel mitnehmen. Wer wird sich durchsetzen?
Fandom(s): Buffy the Vampire Slayer / Angel the Series Pairing(s): Spike/Angel
Story-Genre: Abenteuer, Alternatives Universum
Lšnge der Story: Mehrteiler
Story-Typ: Slash - M/M
Warnungen: Keine
Challenges:
Serie: Keine
Kapitel: 9 Story vollendet: Ja Anzahl der Wörter: 22272 Wörter Gelesen: 13499 Mal Datum der Veröffentlichung: 29.05.09 Letztes Update: 24.07.09
Kommentar:
Silentthunder und ich haben uns wieder einmal zusammen getan und eine Fortsetzung zu Dwarfwars geschrieben.

Viel Spass beim Lesen.

Beta: Lorias

Storypic: Silentthunder

1. Kapitel 1 von Silentthunder

2. Kapitel 2 von Silentthunder

3. Kapitel 3 von Silentthunder

4. Kapitel 4 von Silentthunder

5. Kapitel 5 von Silentthunder

6. Kapitel 6 von Silentthunder

7. Kapitel 7 von Silentthunder

8. Kapitel 8 von Silentthunder

9. Kapitel 9 von Silentthunder

Kapitel 1 von Silentthunder

 

Dwarfwars II

Kapitel 1

(Von Silentthunder)

Graugrüne Wolken jagten über den Nachthimmel, fingen sich in den Hügeln vor Los Angeles und ballten sich zu wahren Gebirgen auf. Erste kleine Blitze erhellten kurzzeitig die Nacht und in der Ferne grollte ein lang gezogener Donner. Doch weder Spike noch Angel kümmerten sich sonderlich darum. Sie hatten gerade einen Kampf bestritten, der beide bis an die Grenzen ihrer Kräfte geführt hatte und bedurften einer Art stiller Erholung, die sie sich nur selten gönnten.

Spike lockerte seine Nackenmuskulatur und fühlte dabei den Schleim, der an seinem Kragen klebte. Angeekelt zog er seinen Mantel aus, drehte ihn in der Hand und blieb dann kurz stehen, um mit einem abgerupftem großem Blatt den Mist zu entfernen. „Scheiß, Dreck, verfluchter Mistsack. Konntest du nicht einfach krepieren und tot umfallen? Musstest du dich unbedingt in eine popelgrüne Masse verwandeln und mich dabei vollschleimen? Wer sind wird denn? Die Ghostbusters?"

„Was meckerst du da alle vor dich hin?", fragte Angel, der wenige Meter weiter stehen geblieben war und sich nun fragend umdrehte.

„Nichts", schnaubte Spike und verzog das Gesicht. „Gar nichts!" Er sah seinen Sire an und schüttelte den Kopf. „Du hast nichts von dem Scheißzeugs abbekommen!", brummte er dann. „Wie schaffst du das nur immer?" Außer einer Menge tiefer Schrammen und Blutergüssen hatte sein Geliebter kaum etwas davongetragen, er dagegen sah aus wie ein Müllmonster, das sich gerade aus einer Giftgasdeponie befreit hatte.

„Glück", murmelte Angel und schüttelte den Kopf. Manchmal konnte er Spike einfach nicht verstehen. Kleinigkeiten konnten ihn vollkommen aus der Fassung bringen und die wirklich wichtigen Dinge schienen so an ihm vorüberzuziehen. Dabei hatten sie gerade erst einen Kampf mehr schlecht als recht überlebt. Es war diesmal verdammt knapp gewesen und Angel hatte noch längst nicht damit abgeschlossen. Das nächste Mal mussten sie vorsichtiger sein. Sie hatten sich zu sehr daran gewöhnt, immer siegreich zu bleiben. Das konnte auf die Dauer nicht gut gehen und bevor ihm ein dickes Ende serviert wurde, wollte er lieber ein Stück zurückrudern. „Können wir jetzt weitergehen?"

„Ja, ja", knurrte Spike, kontrollierte ein letztes Mal sein heißgeliebtes Kleidungsstück und zog es wieder über. „Warum noch mal gehen wir zu Fuß?", murrte er dann und sah sich in dem gottverlassenen Stadtviertel um. „Wir hätten uns auch abholen lassen oder zumindest ein verdammtes Taxi nehmen können."

„Ich wollte ein bisschen Ruhe, um nachdenken zu können", meinte Angel, wartete, bis Spike zu ihm aufgeschlossen hatte und zusammen gingen sie weiter. „Außerdem ist es doch zur Abwechslung ganz nett, dass wir alleine sind und keiner um uns herumscharwenzelt." Er seufzte leise und schüttelte den Kopf. Seiner Meinung nach gab es viel zu viele Personen, die viel zu viele lästige Fragen an ihn hatten und ihm mit Nichtigkeiten auf den Sender gingen. Sein Unleben hatte sich gewaltig verändert und manchmal wünschte er sich in eine stille verlassene Hütte zurück.

„Gemütliche Abende stelle ich mir trotzdem anders vor", nörgelte Spike und riss Angel damit aus seinen Gedanken. „Eine gute Flasche Whiskey, ein guter Film im Fernsehen...", dann grinste er plötzlich, „oder noch besser, eine verdammt gute Zwischeneinlage in deinem Bett. Das sind Sachen, die Spaß machen." Dann wurde seine Miene wieder ernst. „Verletzt durch die halbe Stadt zu laufen, gehört meiner Meinung nach nicht zum Vergnügen."

„Ist ja gut, ich hab es ja verstanden", knurrte Angel, der absolut keine Lust auf die seltsamen Anwandlungen seines Geliebten hatte. „Wir können die Abkürzung durch den Park nehmen. Damit sparen wir uns gut und gerne eine halbe Stunde."

„Wow, das nenne ich mal Park", motzte Spike, der absolut keine Lust hatte, seine schlechte Laune so einfach abzulegen. „Untot bin ich selber." Er sah sich um, zuckte mit angewidertem Gesichtsausdruck die Schultern und folgte Angel tiefer in den Park hinein. „Ob es hier auch einen lebendigen Baum oder Strauch gibt?"

„Wenn interessiert das schon?", murmelte Angel und blieb dann wie angewurzelt stehen. Ein Blitz hatte den Weg vor ihnen für einen Sekundenbruchteil erhellt und etwas Seltsames, das scheinbar auf einer Parkbank hockte, hatte seine Aufmerksamkeit geweckt.

„Was ist denn los?", fragte Spike und lief fast auf den älteren Vampir auf.

„Ich habe keinen blassen Schimmer", murmelte Angel und konzentrierte sich auf das, was er gesehen hatte. „Da vorne unter den Bäumen. Auf der Bank."

Spike lugte um Angel herum, beugte sich mit angestrengtem Blick vor und zuckte dann mit den Schultern. „Was immer es ist, es ist tot. Da steckt kein Leben drin. Keinerlei Bewegung zu sehen. Warum überhaupt lässt du dich von so etwas ins Bockshorn jagen?", erkundigte er sich dann und fischte eine Zigarette aus der Manteltasche.

„Ich lass mich nicht ins Bockshorn...", Angel schüttelte den Kopf und verdrehte die Augen. „Es ist nur... ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Aber irgendwie erinnert mich das... Ding an etwas."

„Vielleicht sollten wir einfach hingehen und es uns ansehen?", meinte Spike scheinheilig. Er wartete gar nicht erst, sondern marschierte gleich los. Unter dem Baum angekommen beugte er sich vor und tippte mit dem Finger gegen die steinerne Figur. „Das ist ein verdammter Gartenzwerg", meinte er dann. „Ein verflucht hässlicher, aber ein Gartenzwerg. Ohne Farbe, schlicht in grau."

Angel, der inzwischen zu ihm aufgeschlossen hatte, verzog das Gesicht. „Gartenzwerg hin oder her...", murmelte er dann, „wir haben damit schon Ärger gehabt, falls du dich erinnern kannst." Eine Gänsehaut schoss über seinen Rücken und er schüttelte sich. Graues Fell und vier Pfoten kamen ihm in den Sinn und er verzog das Gesicht. Es gab einfach Angelegenheiten, an die man sich besser nicht erinnern sollte.

„Ah, ja", grinste Spike plötzlich wieder blendend guter Laune. „Die miesgelaunten kleinen Zwerge. Wie war das noch? Du hattest einem den Bart abgefackelt und sein Bruder kam und... wie hieß er noch? Cäcilie?"

„Zecail", knurrte Angel beim Gedanken an ihren Ausflug ins Zwergenreich. „Erinnere mich bloß nicht daran."

„Dabei warst du so knuffig als Streifenhörnchen", grinste der blonde Vampir spöttisch. „Obwohl... der Sex war echt übel." Dann zuckte er mit den Schultern und klopfte dem Älteren freundschaftlich auf den Rücken. „Ach komm schon. Das ist vorbei. Gegessen! Die Geschichte haben wir abgehakt und darum musst du dir nun wirklich keine Sorgen mehr machen."

„Ich weiß", murmelte Angel und seufzte. „Aber hast du dir diesen Zwerg mal genau angesehen? Auch wenn er jünger wirkt als Zecail oder Orlab... er schaut genauso aus. Er könnte glatt aus ihrer Familie entstammen."

„Ich glaub langsam, du siehst rosa Elefanten", murmelte Spike, warf den Zigarettenstummel auf die Erde und trat mit seinem Stiefel drauf. „Mal ehrlich", meinte er dann kopfschüttelnd. „Das Ding hier ist aus Stein", sagte er und klopfte dem Zwerg mit den Fingerknöcheln gegen die Stirn. „Von mir aus auch aus gebranntem Ton. Keine Ahnung. Ist aber auch scheißegal... jedenfalls lebt es nicht. Also pack deine schlechten Gedanken ein und lass uns weiterlaufen. Ich möchte lieber früher oder später ankommen. Ich will duschen, meine Wunden verbinden und einfach nur schlafen."

„Ist ja gut", murmelte Angel, warf einen letzten Blick auf den Zwerg und lief dann hinter Spike her, der es nicht für nötig erachtet hatte zu warten.

                                                           *~*~*

Eine Weile liefen sie stumm nebeneinander her und Spike hatte die Gelegenheit, sich noch einmal gründlich an ihr Abenteuer bei den Zwergen zu erinnern. Zecail und sein Clan waren nicht gerade das, was er für würdige Gegner gehalten hatte, doch die kleinen Wichte hatten ihn eines Besseren belehrt. Auch, wenn er das vor Angel natürlich nie zugeben würde. Jedenfalls war ihre Reise ins Tierreich eine Erfahrung gewesen, die er sein ganzes Leben lang nicht wieder vergessen würde. Im Nachhinein war es lustig gewesen, auch wenn er zeitweilig schon gedacht hatte, für immer ein Eichhörnchen bleiben zu müssen. ‚Zwerge', dachte er, ‚nein, dass muss ich nicht wieder haben.'

„Hast du eigentlich je was davon gehört, wie dieser komische Familienkampf ausgegangen ist?", fragte er, doch der große, dunkelhaarige Vampir lief einfach stumm weiter. „Wow! Du musst nicht mit mir reden", nörgelte Spike. „Nein, wirklich nicht. Ich fahr voll darauf ab, wie Luft behandelt zu werden."

Doch Angel antwortete auch darauf nicht. „Warzenschwein, Schwabbelspeck, Videofilm, Nasenbär, Telefon, Riechkolben", sagte Spike in möglichst normalem Tonfall. Doch noch immer kam kein Ton über die Lippen seines Geliebten.

„Gummipuppe, Sex, Ferkeleien, Handschellen, Fesselspielchen", zählte er auf, dann huschte ein hinterhältiges Grinsen über sein Gesicht und er lief ein paar schnelle Schritte und stellte sich dem älteren Vampir in den Weg, sodass dieser aufsehen musste. „Was hältst du von meinem Vorschlag?"

„Ich... ähm... weiß nicht so genau", murmelte Angel verwirrt und sah ihn fragend an. „Vielleicht ist das ja... eine gute Idee?"

„Du kannst echt von Glück reden, dass ich für heute genug von Schlägereien habe", knurrte Spike. „Sonst hätte ich dir zumindest kräftig gegen das Schienbein getreten. Ich quake seit fünf Minuten nichts weiter als Mist."

„Entschuldige", seufzte Angel und hatte den Anstand, ein kleines bisschen zerknirscht auszusehen. „Aber irgendwie komme ich nicht über diesen ... Gartenzwerg hinweg", meinte er und blickte zurück in die Dunkelheit des Parks. „Wahrscheinlich ist es nichts und ich mache mir umsonst Gedanken, aber irgendetwas ist an der kleinen Statue. Irgendetwas, das mich mehr als nur stutzig macht."

„Oh Mann", schnaufte Spike. „Was zum Geier beunruhigt dich denn daran? Irgendein Irrer hat ihn auf die Parkbank gesetzt. Vielleicht hatte der Kerl „Schöner Wohnen" gelesen und wollte den Park ein wenig aufwerten. Oder er hat „Schöner Wohnen" gelesen, bemerkt, dass er ein Idiot ist, und den ganzen Schrott, der in seinem Garten steht, so schnell wie möglich loswerden wollen."

„Ich weiß es nicht", meinte Angel und zuckte mit den Schultern. „Ich kann es nicht in Worte fassen, aber etwas stört mich daran." Er warf einen Blick hinauf in den Nachthimmel. In immer kürzeren Abständen zuckten grelle Blitze auf und das schaurige Grollen des Donners wurde stetig lauter. Nicht mehr lange und das Unwetter hatte die Stadt endgültig eingeschlossen. „Ich will ihn mitnehmen", sagte er dann und nickte, als müsste er sich seine Entscheidung selbst begreiflich machen. „Ich möchte, dass Wesley ein Auge darauf wirft. Wenn wirklich nichts weiter in ihm steckt als Ton, dann..."

„Wenn es sein muss", maulte Spike und fischte eine weitere Zigarette aus der Manteltasche. „Ja, was denn?", fragte er, als Angel ihn ansah. „So schwer kann das Ding nicht sein. Du brauchst mich nicht. Ich warte hier." Sein Feuerzeug erleuchtete für einen Moment die Nacht und er atmete den Rauch tief in seine Lungen.

Eine schwarze Katze huschte an ihm vorbei, etwas Graues, Lebloses im Maul vor sich hertragend und Spike grinste breit. „Noch ein Jäger der Nacht", murmelte er. „Doch im Gegensatz zu uns scheint das Vieh noch Spaß daran zu haben." Er sah zu, wie die Katze sich unter einem vertrockneten Busch niederließ, die kleine Ratte aus dem Maul fallen ließ und mit ihren Tatzen wieder und wieder nach dem toten Tier schlug, ganz so, als wollte sie das tödliche Spiel noch weiterführen, dass sie längst gewonnen hatte.

„Für dich ist das Leben noch einfach", sagte er dann zu dem kleinen schwarzen Räuber und seufzte. An sein eigenes Leben dachte er dabei nur ungern. Viel zu kompliziert war der ganze Scheiß geworden und er sehnte sich in Zeiten zurück, in denen ihnen die ganze Welt offen gestanden hatte. Einfach so, ohne viele Fragen oder Bedenken. Was immer sie hatten tun wollen, das hatten sie auch getan.

Spike schüttelte den Kopf und verdrehte die Augen. Und jetzt? Jetzt konnte er sich schon glücklich schätzen, dass er keinen mehrseitigen Antrag ausfüllen musste, nur um an einen verdammten Beutel Schweineblut zu gelangen. Er warf einen Blick in die Dunkelheit und sah seinen Sire, der an dem steinernen Gartenzwerg offensichtlich schwer zu tragen hatte.

Hin und wieder war es unglaublich schwer, Angel zu verstehen. Es war unbegreiflich, wie er sich an Kleinigkeiten aufreiben konnte, die wichtigen Dinge des Lebens aber einfach so vergaß. Was zur Hölle sollte denn an einem verdammten Gartenzwerg interessant sein? War es nicht viel schöner, sich zu beeilen, sich den verdammten Rotz vom Körper zu waschen und dann in ein kuschelig weiches Bett zu hüpfen, sich eng aneinander zu kuscheln und der Nacht ihren Lauf zu lassen?

„Ich seh es schon kommen", maulte der blonde Vampir. „Kaum sind wir Zuhause, hängt er schon wieder am Telefon und den Rest der Nacht schlagen wir uns damit um die Ohren, herauszufinden, dass der dämliche Gartenzwerg nichts weiter ist als ein dämlicher Gartenzwerg!"

Kapitel 2 von Silentthunder

Kapitel 2

(Von Silverbird)

„Du sammelst jetzt...äh ... Skulpturen?", fragte Wesley unsicher, als Angel die Steinfigur mitten in der Lobby abstellte.

„Nope, den hat Angel gewonnen. Beim Preisausschreiben des Schrebergartenvereins ‚Zum Dürren Ast‘. Das war der Trostpreis", murrte Spike und zog die Schultern angewidert hoch, was zum Teil an dem Zwerg, aber auch an den Glibber lag, der inzwischen in seinem Nacken trocknete.

„Du bist Mitglied in einen Schrebergartenverein?" Wesleys Stimme schwankte zwischen Verwunderung und Schock.

Spike verdrehte die Augen, erwiderte aber todernst. „Jepp, so etwas gibt's jetzt auch für Vampire. Wir buddeln nachts in der Erde rum und freuen uns dann irrsinnig, dass wir nicht sehen, wie alles blüht und gedeiht. Weil. Es. Nacht. Ist! Blödmann."

„Hör nicht auf das, was er sagt, Wesley. Und du Spike, geh duschen."

„Ja, Massa. Wie du wünschst, Massa." Spike murrte noch einiges vor sich hin, trollte sich dann aber, denn eine schöne heiße Dusche war wirklich das, was er jetzt am Dringendsten brauchte.

„Wir haben die Statue im Park gefunden", klärte Angel seinen Mitarbeiter auf. „Ich habe das Gefühl, sie hat was Mystisches an sich. Vielleicht kannst du herausfinden, ob es dazu irgendetwas in den Büchern gibt. Steinfiguren, Zwerge. Eventuell Verzauberung, Versteinerung, keine Ahnung, irgendetwas in der Art."

„Gut, aber ich glaube nicht...also in meiner langjährigen Erfahrung ist mir noch nie...obwohl, Versteinerung, da habe ich doch...wo war das noch gleich? Ja. In den Isonatexten. Ich glaube, da habe ich..." Wesley kramte schon in seinem riesigen Bücherstapel herum und Angel musste trotz seiner bleiernen Müdigkeit lächeln.

„Danke, Wes. Aber es muss nicht gleich sein. Der Tag bricht an. Geh nach Hause."

„Ja gleich, ich will nur nachsehen, ob es das richtige Buch ist." Wes fiel plötzlich auf, wie müde Angels Stimme klang und er schaute seinen Freund an. Angel sah wirklich fertig aus und Wesley sagte besorgt: „Geh schlafen, Angel, du siehst erschöpft aus. Du mutest dir in letzter Zeit zu viel zu. Vielleicht solltest du ein bisschen kürzer treten."

„Sag das den Dämonen. Ich habe das Gefühl, wenn wir einen erledigt haben, wachsen dafür zwei neue nach."

„Es wird nie aufhören, oder?", fragte Wesley bedrückt, doch Angel antwortete entschlossen. „Nein, das wird es nicht, aber das wird uns nicht daran hindern, weiter zu machen."

Wes nickte zustimmend „Nun ja, ich habe nichts anderes angenommen. Geh jetzt, ich schau noch rasch ob ich finde, was ich suche."

                                                               ~*~

Als Angel in die Wohnung kam, war Spike nirgends zu sehen. Auch die Dusche lief nicht. Angel warf einen Blick in das Schlafzimmer und stellte verwundert fest, dass Spike bereits tief und fest schlief. Das war ungewöhnlich, denn Spike war nach einem Kampf meist so aufgedreht, dass er oft Stunden brauchte, bis er endlich müde genug war, um schlafen zu gehen. 'Auch für ihn ist es in letzter Zeit zu viel geworden. Wir werden der ganzen Sache nicht mehr Herr und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir kapitulieren müssen', dachte Angel beklommen. Er befürchtete zu resignieren und seine Aufgabe nicht erfüllen zu können.

Zudem war es schlimm für ihn, sein Childe so erschöpft zu sehen. Der Sire in Angel wünschte sich sein Childe zu beschützen, ihm ein schönes Leben zu bieten und ihn glücklich zu sehen. Aber in letzter Zeit taten sie nichts anderes als kämpfen, in Büchern recherchieren und letztendlich völlig fertig ins Bett zu fallen.

Zu Angels Bedauern, benutzten sie das Bett auch nur noch zum Schlafen. Und während Angel sich auszog um zu duschen, dachte er darüber nach, wann sie das letzte Mal Sex gehabt hatten. Erschreckender Weise konnte er sich nicht mehr daran erinnern. Das versetzte ihm einen Stich im Herz und gleichzeitig fragte er sich, warum Spike überhaupt bei ihm blieb. Sie hatten eigentlich keine Zeit mehr füreinander. Wann hatten sie das letzte Mal einen Film angesehen und sich dabei mit Popkorn voll gestopft? Wann hatten sie das letzte Mal ein ganzes Wochenende im Bett verbracht, bei dem es nur um Sex und Blut ging? Angel wurde heiß bei diesem Gedanken, aber selbst seine Libido war zu müde, um zu reagieren. Er wusch sich rasch fertig, trocknete sich ab und fiel wenig später neben Spike ins Bett. Kaum, dass er die Decke über sich gezogen hatte, war er auch schon eingeschlafen.

                                                             ~*~

„Welcher Vollidiot hat diesen verfluchten Gartenzwerg mitten ins Wohnzimmer gestellt? Wenn ich diesen Trottel erwische, töte ich ihn, das schwöre ich." Weiter vor sich hinfluchend, auf einem Bein hüpfend und sich gleichzeitig den Fuß reibend, den er sich an der Statue gestoßen hatte, schaute Spike den Zwerg grimmig an.

Von Spikes Gezeter aufgeweckt kam Angel aus dem Schlafzimmer, die Haare verstrubbelt und die Augen noch halb geschlossen. „Was ist passiert? Alles okay mit dir?", fragte er sein Childe besorgt.

Beim Anblick seines Sires vergaß Spike seinen schmerzenden Fuß sofort. „Bloody hell, siehst du heiß aus. Ich will dich, sofort." Wie ein Raubtier schlich er auf Angel zu.

„Angel? Ich habe da etwas gefunden, was diverse Versteinerungen betrifft." Rief Wesley und eilte die Treppe zu Angels Wohnung hinunter.

„Er ist so was von tot. Dieser verfluchte Wächter und sein beschissenes Timing ist mir ein Mord wert. Oder ich stopfe ihm seine vermaledeiten Bücher dorthin, wo er..."

Angel seufzte. „Beruhige dich, Spike. Es ist meine Schuld. Ich habe ihn gebeten, wegen des Steinzwergs zu recherchieren. Wir holen es nach. Versprochen."

„Aber sicher, am Sankt Nimmerleinstag vermutlich." Spike versetzte der Statue einen wütenden Tritt und jaulte sofort auf, als sein Fuß erneut Bekanntschaft mit dem harten Stein machte. Daraufhin keifte er den Steinzwerg an. „Blödes Monstrum. Jetzt hol ich einen Vorschlaghammer und verwandle dich in Sand, damit du es weißt."

Angel presste die Lippen zusammen, denn jetzt zu lachen, hielt er für äußerst ungünstig.

Während Spike davon humpelte, tauchte Wesley in der Tür auf, ein aufgeschlagenes Buch in der Hand. „Die Sage der Medusa ist ja hinlänglich bekannt. Dann gibt's noch den Hahn von Obesk, diese Geschichte verhält sich ähnlich wie die von Medusa. In unserem Fall kommt beides eher nicht in Frage. Aber...", Wes trat nahe an Angel heran und zeigte auf eine bestimmte Stelle in dem Buch. „Hier steht etwas von einem Fluch, der im Land der kleinen Leute vor vielen Hundert Jahren angewandt wurde, um Abtrünnige abzuschrecken und... „Elorana Basum", das konnte ich noch nicht übersetzen. Aber sobald es mir gelungen ist, wissen wir sicher mehr."

Plötzlich lugte Spike um die Ecke des Türstocks. „Hast du einen an der Klatsche? Du störst uns für NICHTS? Mach dich vom Acker, aber hurtig und nimm diesen verfluchten Gartenzwerg mit, dann kannst du ihn ja fragen was Elorana Basum heißt, denn ich verrate es dir bestimmt nicht. Und jetzt RAUS!"

Spikes Kopf verschwand wieder und Wesley schnappte vor Aufregung nach Luft und rief: „Du weißt es? Woher? Spike?"

Da der Vampir nicht antwortete, bewegte sich Wes in Richtung Schlafzimmer, doch Angel hielt ihn auf. „Spike ist im Moment ein wenig überdreht. Es ist besser, ich gehe und frage ihn."

„Jepp, und Spike hat ein Vampirgehör, also hört auf, über mich zu reden, als wäre ich nicht anwesend. Und, um dich ganz genau aufzuklären, Wesley Wyndam-Pryce, bald toter Ex-Wächter. Denn, wenn du nicht auf der Stelle verschwindest, wird dich der Vampir mit dem Supergehör killen, weil er notgeil ist, da er seit Wochen KEINEN Sex hatte. Ist das jetzt endlich angenommen?"

„Ähm..." Angel schaute betreten zur Seite und offenbar war es auch Wesley unangenehm, über das nicht vorhandene Sexleben der beiden Vampire aufgeklärt zu werden. Daher war es ihm sehr recht, dass Angel sagte: „Warte einen Moment. Ich frage Spike rasch wegen dieses Elorana Basum", und schon eilte er davon.

Wesley betrachtete den Steinernen Zwerg inzwischen eingehend, während Angel ins Schlafzimmer ging und die Tür hinter sich schloss.

„Er ist noch immer nicht weg, ich kann ihn riechen", maulte Spike sofort.

„Spike, bitte."

„Bitte was? Ist es denn zu viel verlangt, wenn ich dich will? Dann sag es einfach. Kein Problem, ich finde jederzeit jemand anderen. JEDERZEIT. Verstehst du?"

Angel spürte, dass Spike kurz davor war überzuschnappen und er konnte es gut verstehen, denn es ging ihm selbst nicht anders. Sie waren beide völlig fertig. Durch die vielen Dämonen, die plötzlich in L.A. auftauchten, hatten sie überhaupt kein Privatleben mehr und das zehrte nicht nur an ihren Nerven, sondern langsam, aber sicher auch an ihrer körperlichen Kraft. Trotzdem meldete der innere Dämon Angels seinen Besitzanspruch sofort, und er packte Spike grob an der Kehle. „Du bist MEIN. Vergiss das nie", knurrte er warnend und küsste sein Childe hart.

„Geht doch", grinste Spike, nachdem Angel ihn losgelassen hatte und küsste ihn ebenso stürmisch zurück. Beide begannen unnötiger Weise zu atmen, rieben ihre Leiber aneinander und strichen mit ihren Händen über den Körper des jeweils anderen.

„Ähm...Angel? Weißt du jetzt, was diese Worte bedeuten?" Bei Wesleys Frage zuckten die beiden Vampire zusammen, Spike wand sich aus Angels Armen und stürmte mit einem animalischen Knurren zur Tür. Noch bevor er sie aufreißen konnte, hatte Angel sein Childe erreicht und packte ihn an den Armen. Schnell drehte er ihn herum und küsste ihn besänftigend. „Ich wimmle ihn ab und dann gehöre ich ganz dir. Versprochen."

Noch ein weiterer rascher Kuss, ein Blick aus sanften braunen Augen und schon war Spike beruhigt.

„Okay, aber wenn er noch einmal stört, kille ich ihn, ohne Umschweife", murmelte Spike, bevor er erklärte: „ Elorana Basum" bedeutet soviel wie Fluch des Zauberers. Sag das dem Trottel, damit er endlich verschwindet."

„Woher weißt du das? Ach egal. Was bedeutet es denn?", wollte Angel wissen.

„Woher, zum Teufel, soll ich das wissen? Der Wächter soll es rauskriegen, dann hat er wenigstens zu tun. Los jetzt, sag's ihm und schmeiß ihn raus", forderte Spike seinen Sire mit Nachdruck auf. Angel nickte und verließ das Schlafzimmer.

Während Angel mit Wesley redete, zog sich Spike aus und legte sich voller Vorfreude auf das breite Bett. Er probierte verschiedene Positionen aus, um seinen Körper perfekt zur Geltung zu bringen, beschloss dann aber, ohnehin immer gut auszusehen. Daher war es egal, wie er sich hinlegte, Angel würde ihm auf keinen Fall widerstehen können, das war klar.

Angel hatte Wesley inzwischen klar gemacht, dass er und Spike noch ein paar Stunden Ruhe benötigten, auch wenn sie beide wussten, welche Art von Kräfte raubender Ruhe das war.

„Sobald ich ausgeschlafen habe, besprechen wir alles weitere."

„Gut, Angel. Zwar kann ich mit Spikes Information nicht viel anfangen, aber ich versuche mein Bestes."

„Das weiß ich, Wes, tust du ja immer. Und wegen Spikes Ausraster, du kennst ihn ja, er meint es nicht so."

'Doch, tut er, dachte Spike böse grinsend, da er natürlich jedes Wort mitgehört hatte. Aber als Angel Sekunden später durch die Schlafzimmertür kam, stehen blieb und sich langsam begann auszuziehen, war Spikes Groll auf Wesley mit einem Schlag verschwunden. Mehr noch, er hatte keine Ahnung, wer Wesley überhaupt war.

Angel ließ sich mit jedem Kleidungsstück Zeit, denn er wusste, wie sehr Spike diese Show genoss und bald darauf konnte er es auch an einer bestimmten Region Spikes sehen, wie Angel schmunzelnd feststellte.

Nachdem auch die Boxershorts gefallen waren und Spikes Augen voller Lust funkelten, ging Angel betont langsam auf das Bett zu.

„Das reicht, komm her. Sofort", verlangte der blonde Vampir und Angel ließ sich das nicht zweimal sagen. Sich mit seiner ganzen Länge auf Spike legend, fing er an, sein Childe zu küssen, erst sanft, dann immer heftiger.

Begierig kam Spike Angel entgegen, wand sich unter dem Körper seines Sires, seufzte zufrieden und stöhnte leise, als sich ihre Körper aneinander rieben.

„Hallo? Ist hier jemand?" Eine piepsige Stimme ließ die beiden Vampire erstarren.

„Wer auch immer das ist, ich bringe ihn um. Und wenn du jetzt gehst, kille ich dich auch", drohte Spike wütend und schaute Angel so böse an, dass der das sofort glaubte. Trotzdem entgegnete er. „Schau Spike, wir helfen nun mal den Hilflosen und..."

Spike unterbrach seinen Sire schnaubend. „Ich bin auch hilflos und schau erst mal, wie hilflos klein Spike ist, ihm kommen schon die ersten Tränen." Spike deutete auf seinen Unterleib, doch Angel vermied es, dort hin zu sehen, denn das würde er nicht verkraften, da war er sich sicher.

„Hallo?", hörten sie die Frage erneut aus dem Wohnzimmer und inzwischen klang die Stimme noch ängstlicher als zuvor.

„Okay, gehen wir nachsehen", entschied Spike und Angel liebte ihn dafür. Spike war ein Polterer, aber im Grunde ein herzensguter Kerl, auch wenn er eher durch die Hölle gehen würde, als das zuzugeben.

Angel rollte sich von Spikes Körper, was dem einen erneuten unmutigen Laut entlockte. Doch auch Spike stand auf und schlüpfte rasch in seine Jeans, folgte Angel aber erst, nachdem er sich eine Zigarette angezündet hatte.

Angel hütete sich, darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Auch wenn er es sonst nicht erlaubte, dass sein Childe im Haus rauchte, heute tolerierte er es und hakte es als einmalige Beruhigungszigarette ab.

Als die beiden Vampire ins Wohnzimmer kamen, schaute ihnen ein ängstliches Augenpaar entgegen, das einem sehr lebendigen, wenn auch nach wie vor grauen Zwerg gehörte.

„Bloody hell", murmelte erstaunt Spike und Angel konnte dazu nur nicken.

„Wer sind Sie? Und wo bin ich hier?", wollte der Kleine wissen und wich vor den beiden Vampiren zurück, gleichzeitig nach einem Fluchtweg Ausschau haltend.

„Keine Angst, wir tun dir nichts", versuchte Angel den Zwerg zu beruhigen und hielt seine Hände offen nach oben.

„Wir haben dich im Park gefunden, allerdings warst du da noch tot. Stein, na du weißt schon. Jedenfalls, Angel, das ist der hier", Spike deutete aus seinen Sire, „er konnte es nicht lassen, dich mitzunehmen. Aber jetzt lebst du ja wieder, also kannst du verschwinden."

Der Zwerg seufzte zum Gotterbarmen. „Ich würde nicht weit kommen. Es ist zwölf Uhr Mittag, richtig?"

Als die beiden Vampire unisono nickten, seufzte der Zwerg erneut. „Dann bleiben mir genau 30 Minuten, dann werde ich wieder zu Stein."

„Erkläre uns das genauer", verlangte Angel, holte dem Kleinen einen Fußschemel, damit er sich setzen konnte. Dann setzte sich Angel auf die Couch und schaute den Zwerg auffordernd an.

„Mein Name ist Elzachiel und ich...ich wurde verflucht", erklärte der Zwerg und ließ traurig die Schultern hängen.

„Und du wirst jeden Tag nur eine halbe Stunde lebendig?", fragte Spike und kam ebenfalls näher.

Der Zwerg nickte bedrückt. „Ja, und das schon seit 85 Jahren, denn bisher konnte mir keiner helfen, dass der Fluch aufgehoben wird."

„Wir werden versuchen, dir zu helfen, aber dazu müsstest du uns mehr Informationen geben. Erzähl uns einfach alles, was du weißt", verlangte Angel und schaute Elzachiel freundlich an.

„Hey, es dauert nur noch 20 Minuten, dann ist er wieder Stein und wir könnten endlich poppen." Spike wackelte mit den Augenbrauen und grinste Angel an.

Der schaute sein Childe erschrocken an. „ Spike! Wir sind nicht allein."

Kapitel 3 von Silentthunder

Teil 3 (Silentthunder)

Im Raum war eine unergründliche Stille ausgebrochen und Spike schüttelte genervt den Kopf. „Also ehrlich... zwanzig Minuten sind nicht gerade lang und die Uhr läuft. Tick tack, tick tack. Außerdem wäre ich jetzt viel lieber mit etwas anderem beschäftigt", er grinste Angel lüstern an. „Also fang endlich an zu erzählen, denn sonst schlaf ich ein, bevor es überhaupt spannend wird." Er warf seine Zigarettenkippe in eine leere Getränkedose und setzte sich dann im Schneidersitz vor den Zwerg. „Nu mal los!"

Etwas verwirrt sah Angel sein Childe an, zuckte mit den Schultern und wandte sich dann dem kleinen Zwerg zu. „Er hat schon Recht. Also, wenn wir dir helfen sollen, dann solltest du langsam anfangen zu erzählen."

„Ich weiß doch gar nicht, wer ihr seid", seufzte der kleine Wicht und versuchte die Arme zu bewegen. „Es wird bei jedem Aufwachen schlimmer", sagte er traurig und sah hilflos zu den Vampiren auf. „Ich kann mich immer weniger bewegen. Irgendwann werde ich ganz zu Stein werden. Ihr seid wahrscheinlich meine letzte Hoffnung. Richtig laufen kann ich schon lange nicht mehr. Aber nun schaffe ich es kaum noch eine Meile weit."

„Die letzte Hoffnung?", fragte Spike mit hochgezogenen Augenbrauen. „Ich hasse solche Sätze. Das zwingt einem immer einen immensen Erfolgsdruck auf." Er verdrehte die Augen. „Wohin willst du eigentlich laufen? Ich meine, mit solchen Stummelbeinchen kommt man eh nicht ganz weit, oder?"

„Das bringt uns auch nicht wirklich weiter", meinte Angel zu Spike und nickte dem Wicht aufmunternd zu. „Erzähl uns, wer du bist, woher du kommst und wer dir das angetan hat."

„Das Warum solltest du nicht vergessen", warf der blonde Vampir ein. „Das ist nicht zu unterschätzen."

„Mein Name ist Elzachiel und ich entstamme dem Clan der Aeolus", begann der Zwerg zu erzählen, wurde jedoch sofort von Spike unterbrochen.

„Moment mal", murmelte der blonde Vampir mit großen Augen und wandte sich an seinen Sire. „War das nicht der Clanname von den verrückten Zwergen, mit denen wir erst vor ein paar Monaten unseren Spaß hatten?"

„Allerdings", nickte Angel und dachte mit Grausen daran zurück. „Das ist auch der Clan, aus dem Zecail und Orlab entstammen." Er hatte es doch gewusst! Schon, als er den versteinerten Zwerg zum ersten Mal gesehen hatte, hatte er gewusst, dass das Ärger bedeutete. Aber er hatte es ja nicht anders haben wollen. Hätte er auf Spike gehört und den Wicht sitzen lassen, wäre er jetzt nicht in diesem Schlamassel.

„Ihr kennt meinen Vater und meinen Onkel?", piepste die Stimme des Wichts ganz aufgeregt. Doch dann riss er erstaunt die Augen auf. „Bei Merlins Bart! Du bist der, der den Bart meines Vaters..."

„Hey, hey", unterbrach Spike wieder. „Das war ein Unfall und wir haben es längst wieder gutgemacht." Wie immer konnte er es überhaupt nicht leiden, wenn jemand es wagte, seinen Sire zu verunglimpfen. „Dein Vater hat seinen Bart wieder und als wir sie das letzte Mal gesehen haben, haben sie sich in einen magischen Kampf gestürzt."

„Es geht ihm wieder gut?", piepste die Stimme des Zwergs und ein seltsam verschobenes Lächeln zierte sein Gesicht. „Das ist schön zu hören." Doch dann runzelte er die Stirn. „Magischer Kampf? Ach herrje, ist doch schon wieder so viel Zeit verstrichen." Er schüttelte den Kopf und lächelte wieder. „Onkel und Vater werden siegreich geblieben sein. Da bin ich mir ganz sicher! Vor allem, wenn mein Vater jetzt dank euch seine magischen Kräfte wieder hat."

„Ist ja toll, dass du dich so freust", grunzte Spike genervt. „Aber ich denke mal, deine Probleme sind bedeutend größer. Also raus mit der Sprache. Wir haben nur noch gute zehn Minuten Zeit, bis du wieder einpennst."

„Warum hat man dir das angetan?", erkundigte sich Angel. Er war der Meinung, dass es allmählich Zeit wurde, auf den Kern der Sache zu kommen. „Und warum hat dein Vater dich nicht erwähnt? Warum sucht er nicht nach dir?"

„Man hat mich verstoßen", seufzte Elzachiel. „Keiner wird nach mir suchen, auch mein Vater nicht. Ich habe meine Strafe wohl verdient." Er seufzte herzergreifend. „Zumindest scheint meine Familie das zu glauben."

„Hat der alte Kampfzwerg Zecail dich verzaubert?", fragte Spike frei heraus.

„Nein. Das Familienoberhaupt der Beningus", erzählte der Zwerg leise. „Aber mein Vater wird davon wissen und er hat es anscheinend für gut befunden." Er sah erst zu Spike, dann zu Angel. „Sonst hätte er mich doch bestimmt suchen lassen, oder?"

„Vielleicht weiß er auch gar nicht, was mit dir passiert ist", meinte Angel vorsichtig. „Möglicherweise hat man ihm auch eine Lüge aufgetischt und er hält dich für tot." Warum er den kleinen Wicht trösten wollte, wusste Angel selbst nicht so genau, aber der Kleine tat ihm leid. „Was war der Grund dafür, dass du verzaubert wurdest?"

„Ich habe mich in das falsche Mädchen verliebt", erzählte Elzachiel leise und eine einzelne Träne bahnte sich einen Weg über die graue Wange. „Dulcia Beningus", er seufzte und lächelte traurig. „Ein wunderschönes Mädchen mit rotgoldenen Haaren. Ein kleines Lachen reichte, um mein Herz lichterloh in Flammen zu hüllen und... wisst ihr", meinte er dann wehmütig, „ich glaube, sie mochte mich auch, aber ihr Vater... ihr ganzer Clan wäre natürlich gegen unsere Verbindung gewesen. Mein Vater hätte mich eigenhändig umgebracht, wenn er davon erfahren hätte. Ein Aeolus und eine Beningus... nein, das hätte er niemals zugelassen." Er seufzte wieder. „Ich habe sie nur ein einziges Mal gesehen, aber dieses eine Mal hat vollkommen gereicht, um mich haltlos in sie zu verlieben."

Spike reckte sich und gähnte herzhaft. „Entschuldige", sagte er nach einem abkanzelndem Blick von Angel, „es liegt nicht an deiner Geschichte, oder daran, dass mir das nicht nahgehen würde... ich bin bloß hundemüde. Wir haben einen verdammt harten Kampf hinter uns und so langsam schwinden meine Kräfte." Er grinste schief. „Also... dein Dad hätte dieser Verbindung niemals zugestimmt und deshalb glaubst du auch, dass er nicht nach dir suchen lassen hat." ‚Hat der Idiot sich mal gefragt, das ein einzelner Blick auf eine Frau kaum ein ausreichender Grund für den Mist gewesen sein kann, den er durchmacht?', überlegte Spike. ‚Wie dämlich kann man eigentlich sein? Dieser Scheißkerl von Beningus wollte ihn aus dem Weg räumen. Aus welchen Gründen auch immer!'

„Ganz genau", nickte der Wicht sachte. Dann wandte er sich an Angel. „Ich weiß gar nicht, ob ihr mir überhaupt helfen könnt", meinte er. „Der Fluch kann nur von Eliseus Beningus zurückgenommen werden und freiwillig wird er das sicherlich niemals tun. Ich bin seit fünfundachtzig Jahren auf der Suche nach einem Tor zwischen unseren Welten", erklärte er dann. „Aber man kommt nicht wirklich weit, wenn man pro Tag nur eine halbe Stunde Zeit hat. Außerdem", seufzte er, „habe ich bisher nicht herausgefunden, wo ein solches Tor ist."

„Wir wissen aber, wo eins ist", brach es aus Spike heraus, bevor Angel auch nur die geringste Chance hatte zu antworten. „Immerhin sind wir in eurer Welt gewesen."

„Ihr kennt den Weg? Fassungslos sah Elzachiel ihn an. „Ihr kennt einen Weg in meine Welt?"

„Allerdings", nickte nun der dunkelhaarige Vampir. „Das ist das geringste Problem", meinte er dann. „Die Frage ist nur, was bringt es dir, wenn wir dich dort abliefern? Du brauchst einen Plan. Irgendeinen guten Grund dafür, dass dieser Eliseus dir den Fluch wieder abnimmt." Er zuckte mit den Schultern und sah den Zwerg mitleidig an. „Und ich denke mal, dir muss etwas verdammt Gutes einfallen."

„Einen guten Grund", murmelte Elzachiel, doch dann seufzte er wieder. „Es ist Zeit. Ich werde mich jetzt zurück in Stein verwandeln." Er blickte von Angel zu Spike, ganz so, als wäre er sich nicht sicher, ob er sie jemals wiedersehen würde. „Ich habe jetzt fast einen Tag Zeit, darüber nachzudenken. Auf Wiedersehen!"

„Bis dann", meinte Spike und hob grüßend die Hand. Dann sah er dabei zu, wie sich das Fleisch des Zwergs mehr und mehr verhärtete, bis auch seine Augen starr wurden und der arme Wicht wieder für dreiundzwanzig lange Stunden eine Statue wurde. „Wow, das nenne ich Schicksal", meinte er dann. „Dagegen ist unseres echt harmlos." Er stand auf und sah seinen Sire an. „Hat was von Shakespeare. Romeo und Julia."

Angel nickte nur wortlos, stand auf und beugte sich über den Zwerg. „Ich werde ihn rauf zu Wes bringen. Vielleicht fällt ihm ja was ein, oder er hat eine Idee."

„Das tust du garantiert nicht", raunte Spike heiser, nahm seine Hand und zog ihn hoch. „Du gehst jetzt nirgendwo hin", drohte er und seine Hände wanderten unter Angels Shirt, das er sich vor einer halben Stunde schnell übergeworfen hatte. „Ich werde freiwillig nicht noch länger warten. Ganz im Gegenteil! Ich erwarte jetzt etwas. Nämlich, dass du mir mal wieder zeigst, wie sehr du mich und meinen Körper liebst!" Eine Hand wanderte langsam den Bauch seines Sires herab und er lächelte aufreizend, als dieser scharf die Luft einsog. „Elzachiel ist seit fünfundachtzig Jahren eine Statue", raunte er und knabberte sachte an den Lippen des älteren Vampirs. „Auf einen Tag kommt es dann auch nicht mehr an."

                                                      *~*~*

Die Abenddämmerung war längst angebrochen, als Angel und Spike endlich beschlossen, aus dem Bett zu steigen. Geschlafen hatten sie nur wenig, doch beide fühlten sich beinahe beschwingt, als sie zusammen unter die Dusche kletterten.

„Meinst du, uns fällt ein guter Grund ein, warum dieser Mistkerl von Beningus den Fluch von unserem Kleinen nehmen könnte?", fragte Spike und wusch mit Hingabe den Rücken seines Geliebten. „Wir haben ja nicht gerade viel mit diesen winzigen Wichtigtuern zu tun gehabt, aber freundlich, geschweige denn aufgeschlossen, wirkten sie nicht gerade."

„Ich weiß es nicht", brummte Angel und genoss Spikes Bemühungen. Er lehnte sich gegen die Wand und ließ einen Augenblick der vollkommenen Entspannung zu. „Einfach wird das gewiss nicht." Er schloss die Augen und überlegte. „Vielleicht kann man ihm ja irgendwas anbieten. Etwas, das er dringend braucht... etwas, das er auf seiner Welt nicht findet."

„Und was? Wenn diese blöden Zwerge so mächtig sind und so gut mit Magie umgehen können... dann wüsste ich nicht, was." Er spülte die Seife vom Rücken seines Sires und verteilte kleine Küsse darauf. „Bist du dir überhaupt sicher, dass du dem Kleinen helfen willst?", erkundigte er sich dann und schnappte sich erneut die Seife. „Ich könnte verstehen, wenn du von Zwergen ein für alle Mal die Schnauze voll hast." Er piekste Angel in die Seite. „Dreh dich um", forderte er den Älteren auf und begann auch sofort, dessen Brust einzuseifen.

„Naja", murmelte Angel und schloss wieder genießend die Augen, „ich habe es ja mehr oder weniger versprochen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich wenig Lust habe, mich wieder mit denen anzulegen." Seine Augen schossen auf und er warf Spike einen vorsichtigen Blick zu. „Ich will nicht meckern, aber letztes Mal hast du uns die Sache verdammt schwer gemacht."

„Ich werde es nie wieder tun", versprach Spike lächelnd und seine Hände wanderten tiefer. Langsam und geschickt massierte er das stramme Fleisch seines Sires und er biss sich aufreizend auf die Lippen. „Du glaubst mir doch, oder?", hauchte er und fasste ein wenig fester zu.

Angel war weit davon entfernt, das zu glauben. Dafür kannte er Spike viel zu gut. Doch als dieser in die Knie ging und seine Frage wiederholte, konnte er nicht mehr anders. In diesem Moment würde er alles glauben und er packte den Kopf des Blonden und zog ihn näher.

                                                            *~*~*

Der Abend brach an und Spike lümmelte sich gemütlich auf einem Sessel. Es war lustig, Angel und Wesley zu beobachten. Denn der Ex-Wächter war nicht gerade begeistert, dass er nichts von den Neuigkeiten erfahren hatte. Den ganzen Tag über hatte er sich mehr oder weniger den Arsch aufgerissen, um mehr dieses Elorana Basum / der Fluch des Zauberers herauszufinden und wirkte jetzt mehr als nur genervt.

„Und ihr Beide habt nicht für nötig erachtet, mir das mitzuteilen?", nörgelte er jetzt und warf Spike dabei einen giftigen Blick zu. „Als hätten wir nicht genug zu tun! Jetzt bin ich den ganzen Tag dieser Sache hinterher gejagt, und ihr kennt die verflixte Antwort schon."

„Wir waren eben erschöpft", sagte Spike, konnte sich ein Grinsen aber kaum verkneifen. „Hin und wieder braucht sogar ein Vampir seinen Schönheitsschlaf."

„Ja, ja", knurrte Wes, „den Schönheitsschlaf hab ich gehört." Erschrocken sah er auf und dann schnell wieder zur Seite. Eigentlich hatte ihm das nicht herausrutschen wollen, aber er war nun einmal sauer. Am Nachmittag war er einmal unten gewesen. Nach langen Nachforschungen hatte er herausgefunden, dass Angel wohl wieder mit seinen alten Bekannten aus der Zwergenwelt zutun bekam und wollte ihn vorwarnen. Sollte er denn wach sein. Allerdings hatte er sich bei dem Lärmpegel, der aus Angels Schlafzimmer drang, ganz schnell wieder verdrückt.

„Wesley", meinte nun Angel. „Es tut mir leid. Wir haben nicht darüber nachgedacht. Vor allem, weil wir so lange Zeit haben, bis Elzachiel wieder... auftaut."

„Und außerdem war das sehr wichtig, was wir beide zu tun hatten", nickte Spike und lächelte Angel an. „Hin und wieder muss das auch mal sein und glaub mir, diesen Schlaf hatten wir beide mehr als nötig."

„Wie auch immer", schnaubte Wesley, noch immer eingeschnappt. Dann schnappte er sich einen alten Wälzer und setzte sich zurück an den Schreibtisch. „Jedenfalls weiß ich jetzt sicher, dass kein Mensch den Zauber aufheben kann. Es muss tatsächlich dieser... dieser Eliseus Beningus sein. Nur er kann das Leid des Kleinen hier beenden", meinte er und zeigte auf die Zwergstatue, die Angel mit nach oben geschleppt hatte.

„Dann ist es ja jetzt wirklich einfach", maulte Spike, der schon wieder keine Lust mehr auf das ganze Palaver hatte. „Dann brauchen wir ja nur noch einen Grund, warum er das verdammt noch mal tun sollte." Er sah Angel an und verzog das Gesicht. „Fällt dir was ein? Mir jedenfalls nicht. Was zur Hölle könnte ein Zwerg brauchen, dass er sich nicht selbst organisieren könnte?"

„Das ist eine gute Frage", brummte Angel und warf den Stapel Papiere zurück auf den Schreibtisch, den er sich gerade hatte ansehen wollen. Er runzelte die Stirn und zuckte schlussendlich mit den Schultern. „Ich habe keinen blassen Schimmer."

„Vielleicht sollten wir eine Anzeige in der Tageszeitung starten", grinste der blonde Vampir spitzbübisch. „Der mit der besten Idee bekommt einen Gutschein. Einmal Dämonen austreiben gratis."

Wesley sah auf, schüttelte den Kopf und richtete dann seine Brille. „Uns wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als noch einmal mit Elzachiel zu reden. Er kennt sich immerhin in seiner Welt am besten aus und weiß vielleicht, was es hier, aber nicht dort gibt." Er schüttelte den Kopf und wandte sich wieder seinem Buch zu. „Also haben wir noch vierzehn Stunden Zeit, um zu warten." Seiner Meinung nach hätten die beiden Vampire viel mehr aus dem Zwerg herauskitzeln müssen, anstatt sich anderweitig zu betätigen. Doch seine Meinung interessiert ja niemanden und so hielt er es für besser, seine Klappe zu halten.

Kapitel 4 von Silentthunder

Kapitel 4

(silverbird)

Spike und Angel hatten den Steinzwerg nach oben getragen und Wesley und Angel saßen  nun in der Lobby und warteten gespannt darauf, dass Elzachiel aufwachte.

Spike hatte sich ins Schlafzimmer verzogen und beschlossen, noch eine Runde zu schlafen, weil er, wie er Angel gegenüber behauptete, dringend einen noch längeren Schönheitsschlaf brauchte.

Den wahren Grund verschwieg der blonde Vampir allerdings, denn der war schlicht und einfach, dass ihn das endlose Gelaber, das sicher bald stattfinden würde, auf die Nerven ging.

Er, Spike, würde über alles ohnehin informiert werden, daher gab es keinen Grund für ihn auf seine Lieblingsserie zu verzichten. Das hatte er in den letzten Monaten oft genug wegen der Übermacht der Dämonen machen müssen. Und so stellte er sich schlafend, bis Angel nach oben gegangen war, dann schnappte er sich die Fernbedienung, machte es sich im Bett gemütlich und schaltete das Fernsehgerät ein.

                                                                ~*~

Inzwischen beobachteten Wes und Angel fasziniert, wie in dem steinernen Zwerg langsam das Leben erwachte. Es dauerte gut zehn Minuten, dann schlug Elzachiel die Augen auf und versuchte sich zu strecken. Anschließend machte er ein paar tapsige Schritte, gab aber dann frustriert seufzend auf, da er kaum von der Stelle kam.

„Da bist du ja wieder", sagte Angel, um Elzachiel abzulenken und gleichzeitig seine Aufmerksamkeit zu erlangen.

Der Zwerg drehte sich erschrocken um. Er war es nicht gewohnt, bemerkt zu werden und erinnerte sich erst jetzt wieder an den letzten Tag. „Mein Gehirn braucht auch schon länger, um sich zu erinnern", seufzte er, als er plötzlich Wesley bemerkte. „Wer ist das?", fragte Elzachiel sofort misstrauisch.

Wes erhob sich und streckte dem Zwerg automatisch seine Hand entgegen. „Gestatten, Wesley Wyndam-Pryce. Mitarbeiter von Angel - Investigations, wir helfen..."

„Ein Freund von mir und mein Mitarbeiter", unterbrach Angel seinen Freund. „Er wird uns helfen, dein Problem zu lösen."

„Auch sehr erfreut", entgegnete Elzachiel. Er hob seinen Arm, der bei der Bewegung bedenklich knirschte und versuchte ein Lächeln, das kläglich misslang.

„Es tut mir Leid, aber wir sollten zum Punkt kommen, wir haben nicht viel Zeit", meldete sich Angel wieder zu Wort und Wes nickte. „Wir haben uns Folgendes überlegt. Wie wäre es, wenn wir diesen Eliseus Beningus einen Tausch anbieten?"

Der Zwerg wiegte überlegend den Kopf hin und her, sodass er knirschte und Angel befürchtete schon, er würde abfallen. Zum Glück war dem nicht so.

„Generell sammeln unsere Völker alle möglichen Schätze und das mit Leidenschaft. Mein Vater zum Beispiel, hat eine beachtliche Sammlung der schönsten und seltensten Federn aus unserem und auch anderen Reichen. Er wird bewundert und beneidet ob dieser Kleinode." Elzachiel seufzte wieder einmal tief traurig. „Diese wunderbaren Kleinode wären einmal mein Erbe geworden. Doch daraus wird jetzt wohl nichts mehr werden."

„Das kann immer noch passieren, wenn wir den Fluch aufheben können, beziehungsweise Beningus dazu bringen, es zu tun", versuchte Angel den Kleinen zu trösten. „Was weißt du über ihn? Was wünscht er sich am meisten?"

„Leider weiß ich nicht viel über das Familienoberhaupt der Beningus. Mich hat nur seine Tochter interessiert", gestand der Zwerg verlegen.

„Toll, wenn er ans Poppen denkt, regt sich keiner auf, aber, wenn ich..."

„SPIKE!", riefen Wesley und Angel gleichzeitig peinlich berührt aus, was Spike überhaupt nicht verstehen konnte. „Was? Ist doch so."

„Wieso bist du denn schon aufgestanden? Du hast doch behauptet, ausschlafen zu wollen."

Angel schaute sein Childe prüfend an und der zuckte mit den Schultern. „Passions war..." Spike bemerkte, dass er sich gerade verplapperte und schwenkte schnell um. „Das, was ich von Passions geträumt habe, war ein derartiger Mist, dass ich davon aufgewacht bin. Also dachte ich, wenn ich schon wach bin, kann ich ebenso gut helfen. Ich helfe gerne, wie du weißt. Außerdem kriegt ihr ohne mich das sowieso nicht hin." Um seine Worte zu unterstreichen, setzte er einen selbstsicheren Gesichtsausdruck auf und ließ sich lässig auf das Sofa fallen.

Angel seufzte, wollte sich aber jetzt auf keine Diskussion mit seinem Childe einlassen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. „Also gut, dann informiere ich dich kurz."

„Schon alles mitgekriegt. Ihr wollt den alten Eliseus mit irgendwelchem Tand bestechen", brachte es Spike auf den Punkt, zumindest aus seiner Sicht.

„Nun, so würde ich das nicht ausdrücken", warf Wesley ein.

Spike verdrehte die Augen. „Ach ja, ich vergaß. Der vornehme Engländer würde sich gewählter ausdrücken und es Warenaustausch oder geschäftliche Transaktion nennen."

Wesley ging nicht auf Spikes Bemerkung ein, denn es war zu wichtig, eine Lösung zu finden. Daher verfielen alle Anwesenden in dumpfes Brüten, wie Spike sagen würde. Aber selbst der blonde Vampir verhielt sich still und dachte über einen Plan nach.

Das taten sie gute 20 Minuten, bis Elzachiel sich zu Wort meldete.

„Ähm...wenn ich unterbrechen dürfte. Ich habe nur noch knapp fünf Minuten, bevor ich wieder..." Elzachiel schaute die Drei verzweifelt an und Angel ergriff wieder das Wort. „Da du uns über Beningus nichts Genaues sagen kannst, bleibt uns nur ein Weg, wir müssen in deine Heimat, um dein Problem zu lösen."

„Na toll", brummte Spike und Elzachiel rief erschrocken: „Das könnt ihr nicht machen. Was, wenn..." mehr erfuhren die Drei nicht, denn der Zwerg versteinerte sich in diesem Augenblick.

                                                                ~*~

„Hölle, ist der schwer. Dass so ein kleiner Steinbrocken so ein Gewicht haben kann. Jetzt leg doch den blöden Zettel weg, den Spruch musst du doch inzwischen schon in- und auswendig können, und hilf mir gefälligst. Oder mach wenigstens die Tür auf, damit ich das Monstrum endlich abstellen kann", verlangte Spike schnaufend.

Angel sah von dem Zettel hoch, den Wesley ihm mitgegeben hatte und auf dem der Zauberspruch stand, mit dem sie in das Reich der Zwerge gelangen sollten. Rasch steckte er das Stück Papier in seine Manteltasche und öffnete die alte Holztüre, damit Spike Elzachiel in die Hütte tragen konnte.

                                                             ~*~

Nachdem der Zwerg wieder zu Stein geworden war, hatten Angel, Spike und Wesley beschlossen, dass sie nur im Zwergenreich genauere Informationen über Eliseus Beningus erhalten würden.

Daher waren Angel, Spike und natürlich der steinerne Elzachiel gleich nach Sonnenuntergang nach Burbank aufgebrochen. Nach ein paar Stunden hatten sie die alte Hütte erreicht, die als Portal diente, um in Elzachiels Heimat zu gelangen. Elzachiel hatte allerdings den Vorteil, getragen zu werden, sehr zum Unmut Spikes, dem die lange Latscherei durch den Wald ziemlich auf die Nerven gegangen war. Nun aber hatten sie endlich ihr Ziel erreicht und Spike stellte den Zwerg neben dem verfallenen Kamin ab.

„Okay, nun sag endlich dein Sprüchlein auf, damit wir den Scheiß so schnell wie möglich hinter uns bringen." Spike zündete sich eine Zigarette an und inhalierte den Rauch tief. Noch bevor er ausatmen konnte, standen sie auch schon vor dem See mit dem niederen Wald, genauso wie bei ihrem letzten Aufenthalt in der Zwergenwelt.

„Und da sind wir auch schon. Nur der keifende Onkel von unserem Steinchen hier fehlt. Aber den werden wir noch früh genug zu Gesicht bekommen, leider. Wie genau, war noch dein Plan?" Spike schaute seinen Sire fragend an und der schnaubte. „Ich möchte nur ein einziges Mal erleben, dass du mir zuhörst."

„Mach ich doch. Mir sind nur die Details entgangen", entgegnete Spike unschuldig, während er seine aufgerauchte Zigarette auf den Boden warf und austrat.

„Wie auch immer, wir sollten uns jetzt auf den Weg ins Dorf machen. Elzachiel lassen wir besser hier. Erst sondieren wir die Lage und bringen in Erfahrung, was seine Leute von seinem Verschwinden wissen."

Spike nickte zu Angels Vorschlag und die beiden trabten los.

Im Dorf angekommen, wurden sie sofort von den männlichen Zwergen umringt, die sie misstrauisch anschauten. Einer von ihnen fragte nach ihrem Begehr und Angel verlangte,  zu Zecail gebracht zu werden.

Die Gruppe führte die beiden Vampire zu Zecails Haus und beide mussten ihren Kopf einziehen, um durch die niedrige Tür zu gelangen.

Zecail stand mir verschränkten Armen im Zimmer und schaute ihnen misstrauisch entgegen. Ebenso die Frau an seiner Seite, die, wie die beiden Vampire richtig vermuteten, Zecails Ehefrau war.

„Hallo Kumpel", begrüßte Spike den Zwerg. „Wir waren gerade in der Nähe und dachten, wir schauen wieder mal vorbei, um zu sehen, wie es euch und euren Bärten so geht. Was gibt's Neues? Hochzeiten? Taufen? Versteinerungen? Oder nur der übliche Kram? Und wie war der Kampf?"

Spike holte seine Zigaretten und sein Zippo aus der Tasche. Gerade, als er sich einen Glimmstängel anzünden wollte, riefen Zecails und Angel gleichzeitig: „Nicht hier, Spike!"

„Überall das Gleiche", maulte Spike, verdrehte die Augen, und steckte seine Rauchutensilien wieder weg.

„Was ist die wahre Absicht eures...Besuches?", wollte der Zwerg wissen, da ihm klar war, dass die beiden Vampire nicht ohne Grund hier auftauchten.

Angel ergriff das Wort. „Vor ein paar Tagen hatten wir eine ungewöhnliche Begegnung, die, wie sich herausstellte, etwas mit euch zu tun hat. Wir haben lange überlegt und sind zu dem Schluss gekommen, dass..."

„Es geht um deinen Neffen Elzachiel", unterbrach Spike seinen Sire unumwunden, da ihm das langatmige Gelaber Angels auf die Nerven ging.

„Was wisst ihr über meinen Neffen?", fragte der Zwerg aufgeregt. „Er ist vor über 80 Jahren verschwunden."

„Nun, wir haben ihn gefunden", entgegneten Angel und Spike zustimmend.

„Setzt euch, setzt euch", forderte der Zwerg die beiden nun sehr freundlich auf und rückte zappelig zwei kleine Stühle zurecht. Die beiden Vampire setzten sich zaghaft. Zu ihrer Verwunderung hielten die Stühle ihr Gewicht aus, trotzdem saßen sie mehr als unbequem auf den kleinen Sitzflächen.

„Bring uns Tee, Frau", bat Zecails seine Ehefrau. „Oder wollt ihr etwas Stärkeres? Wir haben auch Kumquatschnaps."

„Ich nehme den -was immer er auch ist- Schnaps", sagte Spike sofort.

Die Frau nickte und wuselte rasch davon.

„Wir haben meinen Neffen jahrelang gesucht, aber keine Spur, die wir hin und wieder hatten, führte zu einem Ergebnis und jetzt kommt ihr, behauptet, ihn gefunden zu haben. Erzählt, ich will alles wissen. Aber zuerst, wo ist er?"

Noch bevor einer der beiden Vampire antworten konnte, kam die Frau zurück und stellte ein Tablett auf den Tisch. Sie schenkte Tee und Schnaps ein und stellte auch einen Teller mit Keksen auf den Tisch.

„Esst, trinkt. Also, wo ist er?" Zecail beugte sich angespannt über den Tisch und konnte die Antwort offensichtlich kaum erwarten.

„Im Wald. Allerdings gibt es da ein kleines Problem", antwortete Angel und nahm mit zwei Fingern die winzige Tasse auf.

„Ein Männlein steht im Walde, ganz still und stumm, um ein altes Kinderlied zu zitieren", giggelte Spike und griff nach der Schnapsflasche. Kurz sah er sie prüfend an und nahm dann direkt einen kräftigen Schluck, das Glas war ihm doch zu klein. „Guter Stoff", stellte er zufrieden fest und trank erneut.

Zecail zog warnend die Augenbrauen zusammen. „Keine dummen Scherze auf Kosten unseres Volkes, sonst werde ich ungemütlich. Ich denke, du erinnerst dich gut an das letzte Mal?"

„Schon gut, bloß keinen Stress", wiegelte Spike rasch ab, denn er hatte wirklich keine Lust, wieder als Eichhörnchen herumzurennen.

Angel, der befürchtete, dass durch Spikes Ansagen die Sache wieder eskalieren könnte, sagte rasch. „Spike hat leider nicht ganz Unrecht. Ihr Neffe kann sich im Moment nicht bewegen."

„In zehn Minuten schon, aber dann nur kurz", brummelte Spike und nahm einen erneuten Schluck aus der Flasche.

„Was soll das unverständliche Gerede. Sagt mir endlich, was mit meinem Neffen ist." Zecail wurde offensichtlich ungehalten, doch bevor Angel zu einer genauen Erklärung ansetzen konnte, sagte Spike: „Der gute Elzachiel ist jetzt ein versteinerter Gartenzwerg."

Kapitel 5 von Silentthunder

Teil 5

(von Silentthunder)

„Mal wieder typisch", schnaufte Spike und brummte in seinen nicht vorhandenen Bart. „Wer auch sonst sollte diesen bescheuerten Gartenzwerg anschleppen, wenn nicht ich?" Er schüttelte den Kopf, stieß wilde Flüche gegen alle aus die er kannte, vor allem aber gegen Angel, der wieder den großen Boss spielte und fein in der Hütte des Gartenzwergobermotzes geblieben war. „Und dabei hab ich das Mistding schon die ganze Zeit geschleppt!", knurrte er, stieß mit der Schulter die Tür der niedrigen Hütte auf und stolperte mehr oder weniger in den Wohnraum. „Hier ist er", brummte er und ließ Elzachiel einfach zu Boden rutschen. „Wusste gar nicht, dass Zwerge so schwer sind", schnaufte er, wischte sich den imaginären Schweiß von der Stirn und griff gleich wieder nach einer Schnapsflasche.

„Bei Merlins Bart, er sieht furchtbar aus", meinte Lucia, die Frau von Zecail, und hielt sich bestürzt die Hand vor den Mund. „Furchtbar, furchtbar, furchtbar."

Doch ihr Mann, seines Zeichens Clanchef und Onkel des Versteinerten, schob sie brüsk zur Seite und beugte sich über seinen Neffen. „So habt ihr ihn gefunden?", fragte er und schüttelte den Kopf. „Ein übler Fluch, ein wirklich übler Fluch!"

„Es wird nicht mehr lange dauern, dann wacht er auf", sagte Angel und rutschte auf dem kleinen Stühlchen hin und her. So ganz geheuer war es ihm nicht, auf so einem wackeligen Teil zu sitzen. Vor allen Dingen war das morsche Etwas aus Holz und jeder wusste, dass Vampire und lange Holzsplitter nicht wirklich zusammenpassten.

„Er hat ein paar Schwierigkeiten", meinte Spike, griff nach einer neuen Schnapsflasche und zeigte damit auf Elzachiel. „Ich glaube, so langsam taut er gar nicht mehr richtig auf." Er öffnete die Flasche und verzog das Gesicht. Diese kleinen Fläschchen waren einfach viel zu klein und er fragte sich, ob Lucia genug Vorrat davon hatte, um ihn lange genug damit zu versorgen. Er warf einen Blick auf Angel, grinste schief, als dieser ihn kopfschüttelnd ansah und trank die nächste Flasche Schnaps leer.

Gar nicht mal so übel das Zeugs', dachte er und setzte sich im Schneidersitz auf die Erde. Erstens passte es so sowieso besser und zweitens lief er nicht Gefahr, besoffen vom Hocker zu fallen.

„Was hat er euch erzählt?", fragte Zecail Angel. Bisher hatte er seinen Neffen ausführlich untersucht und begutachtet, doch jetzt musste er so langsam auf den Kern der Sache kommen. Er hatte nicht gerne Besuch, vor allem keine Nichtzwerge und war froh, wenn er die beiden Vampire so schnell als möglich wieder loswerden konnte. Außerdem ging sie die Sache gar nichts an. Elzachiel war ein Zwerg und jetzt war er wieder in seiner Welt!

„Nun ja", überlegte der dunkelhaarige Vampir. „Wirklich viel Zeit hatten wir ja nicht gerade", meinte er dann. Er wollte den armen Elzachiel nicht in noch größere Schwierigkeiten bringen und überlegte sich die Worte gut, bevor er weitersprach. „Soweit er uns erzählt hat, hatte er wohl ein Auge auf eine junge Frau geworfen und das hat diesem ... wie hieß er noch?", wandte er sich an Spike.

„Irgendein Beningus. Der Obermufti da. Ich weiß den Namen nicht mehr", Spike zuckte mit den Schultern, kramte in der Obstschüssel, die Lucia auf den Tisch gestellt hatte und schnappte sich einen knackigen Apfel. „Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass Elzachiel die Lage richtig einschätzt", meinte er dann und biss in die Frucht.

„Und was bringt dich zu dieser Annahme?", erkundigte sie Zecail lauernd. Bisher hatte er hauptsächlich auf Angel geachtet, aber der blonde Vampir schien bedeutend mehr zu wissen und so wandte er sich um und sah ihn abwartend um.

„Ach", meinte Spike und zuckte mit den Schultern. „Irgendwo logisch, oder? Ich meine, ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Zauberer, so klein und wichtigtuerisch er auch ist, durchdreht, bloß weil irgendein Mann sich in seine Tochter verguckt. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann haben die Beiden nicht mal ein Wort miteinander gewechselt." Er verdrehte die Augen. „Meiner Meinung nach ist euer Elzachiel ein bisschen übergeschnappt", meinte er und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. „Liegt wohl daran, dass er seit fünfundachtzig Jahren ein Steinhaufen ist."

„Was genau hat das ganze Gerede eigentlich zu bedeuten?" schnaufte Zecail, von Spikes Übermut in Rage gebracht. Vampir hin oder her, der Kerl sollte sich gefälligst benehmen, wenn er in seinem Haus zu Gast war. Hatte er denn beim letzten Mal seine Lektion nicht gelernt. Zecail juckte es in den Fingern, doch noch hielt er sich zurück. „Erklär mir, was du meinst."

„Ich denke, Spike will einfach...", versuchte Angel den Jüngeren zu retten, doch der Clanchef der Aeolus brachte ihn mit einem bösen Blick zum Schweigen.

„Ich will das von ihm hören!", donnerte er und Angel blieb nichts anderes übrig als Spike anzusehen und sachte mit dem Kopf zu schütteln.

Natürlich bemerkte Spike Angels Veränderung, doch wie eigentlich immer ignorierte er sie. „Meine Güte, so schwer ist das doch nicht zu verstehen", schnaufte er dann und legte das Kerngehäuse des Apfels auf einen Teller. „Okay", meinte er dann und rollte die Augen. „Du bist auch ein Clanchef. Wie reagierst du, wenn einer deiner Männer einen Blick auf eine clanfremde Zwergin wirft? Drehst du dann gleich vollkommen durch und verwandelst ihn in Stein?" Er schüttelte den Kopf. „So aufbrausend ihr Gartenzwerge auch seid, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Du stellst ihn vielleicht zur Rede, machst ihn zur Schnecke, hängst ihm aber keinen lebenslangen Fluch auf den Hals, oder?"

„Natürlich nicht", schnaufte Zecail und verjagte seine Frau, die es gewagt hatte, sein Blickfeld zu kreuzen. „Weg, Frau", schnaufte er und schob sie unsanft zur Seite. „Es passiert öfter, dass Männer sich in die falschen Frauen verlieben", sagte er dann zu Spike und sein Bart wackelte vor Wut. „Das ist noch lange kein Grund..."

„Eben", unterbrach Spike ihn einfach. „Genau das meine ich ja. Ich glaube eher, dass dein Elzachiel aus dem Weg geräumt werden sollte."

Zecail vergaß seine Wut und riss die Augen auf. „Warum sollte Eliseus Beningus...", dann stockte er und sah Angel an. „Bist du auch der Meinung?"

„Nun ja", murmelte Angel und zuckte mit den Schultern. „So ganz abwegig ist der Gedanke nicht", meinte er dann. „Spike hat schon Recht. Selbst unter verfeindeten Clans ist es eher unüblich, gleich so in die Vollen zu gehen. Und wenn man bedenkt, dass Elzachiel nicht ein einziges Wort mit dieser... Dulcia gesprochen hat."

„Er wollte Elzachiel loswerden, weil er genau wusste, wie stark und mächtig er sein würde, wenn er einmal erwachsen war", sagte Lucia jetzt aus der hintersten Ecke des Raums. Sie reckte das Kinn und sah ihren Mann finster an. Diesmal würde sie ihre Meinung sagen und sich nicht vertreiben lassen. „Du weißt, dass damals schon Gerüchte gestreut wurden, dass Elzachiel einmal dein Nachfolger werden sollte. Deswegen wollte Eliseus Beningus ihn loswerden."

„Das weiß ich selbst, Weib", schimpfte Zecail, doch dann seufzte er und seine Schultern sackten herab. Er setzte sich an die Tisch, ordnete Besteck und Teller neu und seufzte wieder. „Das bringt uns auch nicht weiter. Ich kann den Fluch nicht zurücknehmen. Das muss Eliseus machen und freiwillig wird er das niemals tun."

Angel und Spike verständigten sich mit kurzen Blicken. Beide wussten nicht wie sie helfen sollten und so verhielten sich ruhig. Spike war außerdem viel zu sehr damit beschäftigt, die Alkoholvorräte des Clans zu dezimieren und er kümmerte sich wenig um die giftigen Blicke seines Sires. Sicher, er bekam Ärger, aber den bekam er eigentlich immer. Manchmal wunderte er sich, dass sie es überhaupt schaffte zusammenzuleben, so verschieden wie sie waren.

„Soll ich Orlab holen?", fragte nun Lucia leise. Sie hatte sich zurück ins Licht gewagt und legte jetzt behutsam eine Hand auf die Schulter ihres Mannes. „Er wird sicher wissen wollen, was mit seinem Sohn geschehen ist."

„Ja, nein... ich weiß nicht", sagte Zecail, der gebrochen und klein wirkte. „Vielleicht ist es besser, wenn ich erst einmal mit Elzachiel rede."

„Aber ich würde meinen Vater gerne sehen", meinte Elzachiel leise. Niemand hatte mehr auf ihn geachtet und so war er unbemerkt aufgetaut. Mühsam und schleppend lief er die wenigen Schritte bis zum Tisch und Tränen rannen über sein graues Gesicht. „Onkel... es tut so gut dich zu sehen."

Als schließlich auch Lucia und Zecail die Tränen in den Augen standen, stand Angel auf, schnappte nach Spikes Schulter und zog ihn hoch. „Lass uns rausgehen", forderte er ihn auf, denn er fühlte sich Fehl am Platz. „Das ist eine reine Familienahngelegenheit und die geht uns nichts an."

                                                             *~*~*

Sie verließen die Hütte und setzten sich draußen auf einen umgekippten Baumstamm. Angel nahm Spike die mitgenommene Flasche Kumquatschnaps ab und stellte sie außer Reichweite. „Musst du eigentlich alles was du machst übertreiben", knurrte er und schüttelte den Kopf. „Warum musst du überall ein Chaos verbreiten?"

„Musst du über alles meckern, was ich mache?", entgegnete Spike mit einer Gegenfrage.

„Vergiss es", knurrte Angel. „Ich will mich nicht schon wieder mit dir streiten." Er schüttelte den Kopf und seufzte. „Vielleicht ist es Zeit für uns zu gehen. Ich denke, Zecail ist froh, wenn er uns wieder los ist. Besonders willkommen fühlt man sich hier nicht gerade." Er hatte die Wut des alten Clanchefs deutlich gespürt und schon Angst bekommen, Spike wieder als Eichhörnchen in der Hand zu halten. „Vielleicht sollten wir verschwinden, bevor er uns wieder als Feinde betrachtet und seinen Zorn an uns auslässt. Ich habe keine Lust, wieder auf vier Pfoten durch die Landschaft zu hüpfen."

„Das liegt daran, dass du nicht einen Schluck von dem Schnaps getrunken hast", grinste Spike frech. Dann winkte er ab. Das Thema Hörnchen hatten sie durch. „Wir können noch nicht gehen. Weißt du noch, was du mir vor gar nicht langer Zeit gesagt hast? Wir helfen den Hilflosen. Und sogar dieser Griesgram von Zecail gehört jetzt dazu. Er kann seinen Neffen nicht zurückverwandeln und braucht unsere Hilfe. Denke ich zumindest." Er kratzte sich am Kopf. „Erinnerst du dich, was Elzachiel von dem Schatz seines Vaters erzählt hat? Ein simpler Haufen Federn. Vielleicht ist es gar nicht so schwer, diesen Eliseus Beningus zu bestechen. Wir hüpfen in L.A. eben kurz über die Mauer des Zoos und reißen jedem Vogel da eine Schwanzfeder aus."

„Ganz so einfach soll es dann doch wohl nicht werden", seufzte Angel und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Wir haben ja einiges anzubieten", meinte der jüngere Vampir und versuchte die Flasche Schnaps zu angeln.

„Lass das", fluchte Angel und schlug seine Hand weg. „Du hattest mehr als genug davon."

„Das ist nur deine Meinung", maulte Spike und verdrehte die Augen. Dann blickte er stur geradeaus und seufzte. „Das du immer so verbissen und stur bist. Verdammt, du hast doch keinen Stock im Arsch! Warum..."

„Halt die Klappe, Spike", drohte der dunkelhaarige und seiner Kehle entrang ein dunkles Grollen.

„Ja, ja. Spike hält die Klappe. So wie immer!" Er stand auf, wanderte ein paar Schritte und blieb dann stehen. Angel sah die ganze Welt einfach viel zu verbissen. Spaß war ein Wort das er kaum noch kannte und das ging ihm gewaltig auf den Sender.

„Was willst du ihm anbieten?", riss Angel ihn aus seinen Gedanken.

Spike wandte sich um und sah ihn verständnislos an. „Hä?"

„Du hast doch eben gesagt, wir hätten einiges anzubieten", seufzte er. „Das hast du erst vor ein paar Minuten gesagt, dass kannst du doch nicht schon wieder vergessen haben."

„Natürlich nicht", schnaubte der blonde Vampir beleidigt. „Ganz so dämlich, wie du offenbar glaubst, bin ich dann doch nicht." Er war sauer und musste jetzt Dampf ablassen, doch Angel kannte ihn einfach zu gut. Er blieb ruhig und gelassen und sah ihn einfach nur abwartend an.

„Na gut", schnaufte Spike. „Noch mal zurück zu den Federn. Vielleicht ist das hier in dieser Welt Sitte, etwas... nun sagen wir mal, vollkommen Belangloses für wichtig zu erachten. Keine Ahnung, möglicherweise steht Eliseus Beningus ja auf Kronkorken, oder Bierdeckel oder was weiß ich was!"

„Ich verstehe", nickte Angel, der den Vorschlag gar nicht für so schlecht erachtete. „Wir sollten mit Zecail darüber reden", meinte er genau in dem Augenblick, als die Tür aufging und ein, wie es schien, um hundert Jahre gealterter Zwergenclanchef vor die Tür trat.

„Orlab ist jetzt bei ihm", seufzte er und setzte sich zu Angel auf den Baustamm. Und dann tat er etwas, das er nie zuvor gewagt hatte. Er gab zu, dass er nicht weiterwusste. Mit einem lauten Seufzen wandte er sich an den dunkelhaarigen Vampir. „Wenn ihr irgendeine Idee habt, wie ihr meinem Neffen helfen könnt... ich bin für jeden Vorschlag offen."

Kapitel 6 von Silentthunder
Kommentar:
Spikes Gedanken sind in Kursiv geschrieben.

Kapitel 6

(von silverbird)

„Wir könnten uns als Vermittler anbieten", überlegte Angel.

„Toller Plan, Peaches und totaler Blödsinn. Wir vermitteln in was? Es gibt, verdammt noch mal nichts zu vermitteln, weil sie schlicht und einfach Angst vor Elzachiel haben, daher werden sie sich auf keine Verhandlungen einlassen. Elzachiel aufzutauen, bedeutet für Eliseus Beningus gleichviel wie seine eigene Macht abzugeben. Zumindest früher oder später. Denn wenn es stimmt, was über Elzachiel gesagt wird, ist er eines Tages mächtiger als alle anderen Zwerge. Also entweder wir finden einen Hexer, der mächtig genug ist um Eliseus Beningus so richtig Angst einzujagen, oder wir machen es so wie die Könige früher in Europa und lösen das Problem durch Heirat. °Bella gerant alii, tu felix Clan - Beningus nube°."

Zecail zog die Augenbrauen zusammen. „Was soviel heißt wie?"

„Andere mögen Kriege führen, du, glücklicher Clan - Beningus heirate", übersetzte Angel automatisch und Zecail stützte überlegend sein Kinn in die Hand.

„Obwohl du eine sehr freche Kreatur Vampir, dumm bist du nicht. Dieser Idee könnte ich durchaus etwas abgewinnen. Ich habe den ewigen Krieg zwischen uns und den Beningus wirklich satt."

Bewunderung war in Zecails Stimme zu hören und selbst Spike zog obdessen verwundert die Augenbrauen in die Höhe. Trotzdem hielt ihn das nicht ab theatralisch zu seufzen und Angel strafend anzusehen. „Schön, dass wenigstens einer mein verkanntes Genie erfasst hat."

Angel fühlte sich sofort schuldig, gleichzeitig aber auch verärgert, dass Spike ihn immer wieder, wenn dieses mal auch subtil, unter die Nase rieb, dass er, Angel, die Klugheit seines Childes nicht genügend würdigte. „Das ist ja alles schön und gut, aber so einfach ist das nicht. Denn wir sollten verschiedenes bedenken. Erstens, was wenn die Beningus absolut keinen Frieden wollen? Zweitens, was wenn Dulcia Elzachiel nicht heiraten will, oder inzwischen schon verheiratet ist? Und Drittens, wie sollen wir das alles in Erfahrung bringen? Ohne dieses Hintergrundwissen ist es gut möglich, dass Eliseus Beningus einen Hinterhalt vermutet und ein neuer Krieg bricht aus."

„Du bist so ein Pessimist und eine Grübelbacke dazu. Jawohl", ereiferte sich Spike.

„Leider muss ich aber zugeben, der Vampir Angel hat nicht Unrecht. Es wird schon schwierig genug sein Eliseus zu überzeugen den Fluch aus oben genannten Gründen zurückzunehmen. Er ist ein sturer, alter, streitbarer...wie sagst du immer...Gartenzwerg. Alleine schon wenn ich mir vorstelle neben ihm an der Hochzeitstafel zu sitzen, verursacht mir das schlimmste Übelkeit. Dennoch würde ich es tun, für meinen Neffen und für den Frieden unserer Völker."

„Ja, ja, Friede, Freude, Eierkuchen. Schon verstanden. Alles Bullshit. Im Tausch gegen einen guten, blutigen Kampf, den es bei euch ohnehin nicht gibt, weil ihr ja nur rumzaubert. Wie auch immer, dann müssen wir halt jemanden einschleusen, der rauskriegt, was rauszukriegen ist. Damit auch ihr beiden versteh was ich meine, ein Spion muss her."

„Gut gebrüllt Löwe, aber wie stellst du dir das vor? Du oder ich würden sofort auffallen, wie du dir denken kannst. Und ein Zwerg des Aeolus - Clans kann auch nicht spionieren, die Zwerge des Beningus würden ihn sofort erkennen."

„Klar, der Plan ist von mir. Logisch, dass du ihn beschissen findest", entgegnete Spike beleidigt.

Angel hatte keine Lust jetzt mit Spike zu streiten, daher erwiderte er: „Das habe ich nicht gesagt, es gibt halt nur einiges zu bedenken, das ist alles."

Noch bevor Spike erneut loszetern konnte, sagte Zecail plötzlich. „Eichhörnchen, ich werde einen von euch wieder in ein Eichhörnchen verwandeln, dann kann derjenige unauffällig bei den Beningus herausfinden, was wir wissen wollen. Tiere sind bei unseren Völkern immer und überall willkommen und daher..."

„WAS? Nein, auf keinen Fall", riefen Angel und Spike wie aus einem Munde und schüttelten vehement ihre Köpfe.

„Aber ihr ward doch bereit uns zu helfen und das ist die einzige Möglichkeit um sich ungehindert im Dorf der Beningus zu bewegen."

„Klingt logisch, also gehst du, Angel. Schließlich willst du sonst auch immer der Boss sein." Spikes hinterhältiges Grinsen brachte Angel in Rage.

„Vergiss es Childe, schließlich ist die Idee mit dem Spion von dir. Also wirst du verwandelt."

„Auf keinen verdammten Fall. Ich werde nicht wieder als Pelztierchen herumrennen über das du dich dann auch noch lustig machst."

„Das werde ich nicht, aber als dein Sire sage ich, du gehst. Ende und Aus."

Spike lachte künstlich auf. „Ahh, die Sire - Masche also wieder. Wann kapierst du es endlich, dein Sire Gehabe geht mir völlig am Arsch vorbei. Was im Klartext heißt, ich mach für dich weder Männchen noch Hörnchen. Niemals. Nein. Nope, Niente. Nada. Verstanden?"

Angel packte Spike unbeherrscht an den Aufschlägen seines Mantels und schüttelte ihn. „Pass auf was du sagst Childe, oder soll ich dir Manieren beibringen?"

„DU MIR? Wie lustig ist das denn? SIRE! Hatten wir ja länger nicht. War ja klar, dass du damit wieder ankommst. Typisch, wenn dir sonst nichts einfällt, dann..."

„Impertares Ospo", rief Zecail plötzlich laut und was den beiden Vampiren danach widerfuhr war kein Deja vu sondern grausame Wirklichkeit, denn beide hockten erneut, Angel als Streifen- , und Spike als Eichhörnchen vor Zecail am Boden.

„Sehr schön", sagte der Zwerg zufrieden grinsend. „Das war notwendig, denn so wie ihr euch aufgeführt habt, benehmen sich nicht einmal die kleinen Zwergenkinder in unserem Dorf. Ich hatte weder Lust, noch Zeit mir eure unsinnigen, kindischen Streitereinen anzuhören, daher befand ich das als beste Lösung. Ihr beide werdet herausfinden, was es von Eliseus Beningus, seiner Tochter und was sonst noch für den Deal wichtig ist, herauszufinden gibt. Es tut mir Leid, dass ich zu dieser Maßnahme greifen musste, aber bei euch beiden verliere ich die letzten meiner Nerven. Wenn ihr eure Sache gut macht, werde ich mich erkenntlich zeigen, das verspreche ich. Wenn ihr versagt, dann gewöhnt euch schon mal daran für alle Zeiten als Hörnchen euer Dasein zu fristen. Nun bringe ich euch noch zur Grenze unserer beiden Länder, dann liegt die Sache bei euch."

Ohne Umschweife packte Zecail jedes der Hörnchen am Nacken, hob sie hoch und steckte sie, getrennt voneinander, je links und rechts in seine Jackentasche. Spikes wütendes Fauchen ignorierte der Zwerg einfach.

Die beiden zu trennen war eine gute Idee und sicherte Spikes Überleben, zumindest vorläufig, denn Angel kochte vor Wut und wäre Spike in seiner Nähe gewesen, hätte Angel für nichts garantieren können. 'Dieses fürchterliche Childe. Ich bin der größte Idiot auf Erden, denn wie kann es sonst sein, dass ich mich seit über einhundert Jahren mit diesem aufsässigen, nervigen, ungehobelten Mistkerl, mit den wunderschönsten Augen und dem phantastischsten Körper, der mir je untergekommen...oh...genau, darum, und auch, weil ich mich in seiner Nähe vollkommen fühle. Okay, jetzt gerade nicht, aber immerhin...' Diese nicht neue Erkenntnis Angels, ließ das kleine Streifenhörnchen tief aufseufzen und wieder wurde ihm klar, wie sehr er Spike liebte, auch wenn er sie immer wieder in Schwierigkeiten brachte und sie daher die verrücktesten Abenteuer erlebten. Er würde keine Sekunde mehr ohne Spike sein wollen.

Angel wusste genau, wie sein Leben sonst verlaufen würde. Einsam, langweilig und voller Grübeleien.... Nachdenken über seine ewige Schuld. Nicht, dass Angel keine Schuld mehr über seine furchtbaren Tage verspürte, seitdem Spike an seiner Seite war, aber in Spikes Anwesenheit war sie leichter zu ertragen.

Angel beschloss, Spike wegen der erneuten Verwandlung, nicht mehr böse zu sein, oder zumindest es nicht zu zeigen, denn sonst würde sein Childe überhaupt nicht mehr zu bändigen sein. Wobei Spike und bändigen ohnehin eine unmögliche Kombination war, wie Angel seufzend erkannte.

„Oookay, das ist jetzt nicht so gut gelaufen. Wenn ich clever bin, dann nage ich mich durch den Jackensack und renne so weit weg, wie ich nur kann. Denn wenn Angel mich erwischt, dann bin ich das toteste Eichhörnchen, das es je gegeben hat. Shit, dabei hatte ich einen so guten Plan. Aber nein, dieser blöde Zauberzwerg mit seinem verfluchten Abrakadabra hat alles versaut. Besser ich fange gleich zu nagen an, bevor Angel mich zu Eichhörnchengulasch verarbeitet."

Doch Spike hatte kaum zwei Fäden durchgenagt, als er schon von dem Zwerg gepackt, aus der Jackentasche gezerrt und neben Angel auf den Boden gesetzt wurde.

„Eine Meile östlich und ihr seid im Dorf. Ihr habt drei Tage Zeit, dann erwarte ich euch zurück und zwar mit ausreichenden Informationen." Ohne eine Antwort abzuwarten verschwand Zecail ganz plötzlich und ließ zwei etwas ratlose Nager zurück.

Angel - Streifenhörnchen lief ein paar Schritte auf Spike - Eichhörnchen zu. Noch bevor Angel auch nur ein Wort sagen konnte, motzte Spike ihn auch schon an. „Damit du es weißt, es ist alles deine Schuld."

„Was? Das darf doch wohl nicht wahr sein. DU warst es doch, der uns in diese Situation gebracht hast. Weil du nie den Mund halten kannst und immer streiten musst."

„Hallo? Wer hat den unbedingt diesen blöden Steinzwerg mit nach Hause schleppen müssen? Aber damit nicht genug, anstatt nur ein paar Tage abzuwarten, bis er endgültig versteinert, hast du dich aufgedrängt ihm zu helfen, nur, um als großer Retter dazustehen. Wie erbärmlich."

„Ich helfe nun mal den Hilflosen. Das ist meine Aufgabe und..."

„Bla, bla, bla. Ich kann das schon nicht mehr hören. Du bist so ein verdammtes Weichei geworden. Ist dir das überhaupt schon aufgefallen?"

„Das bin ich nicht", erklärte Angel und seine Barthaare begannen zornig zu zittern.

„Doch, bist du. Und ein Jammerlappen und ein...urgh."

Angels kleine Pranken hatten sich blitzschnell um Spikes Eichhörnchenhals gelegt und er schüttelte sein Gegenüber durch, dass Spikes Augen aus den Höhlen traten und er die Sterne blitzen sah. Doch egal ob Eichhörnchen oder Vampir, dass wollte sich Spike nicht gefallen lassen und daher fuhr er mit seinen scharfen Krallen über Angels Gesicht.

„Ahhh.." Blitzartig ließ Angel das Spikeeichhörnchen los und hielt sich die Backe.

Spike hatte sein Schnäuzchen zu einem zufriedenen Grinsen verzogen und in Angel begann es zu kochen. Erneut stürzte er sich auf Spike und die beiden kugelten, in einer schönen Rauferei, den leichten Abhang hinab.

Ein umgekippter Baum stoppte die beiden. Dabei knallte Spikes Kopf an den Stamm und er hatte das Gefühl sein Schädel wäre zersprungen. Daher hielt er seine Augen geschlossen und blieb ganz ruhig liegen, in der Hoffnung, dass so der Schmerz abebbte.

In Angel kam Panik auf, als er sein Eichhörnchen so regungslos daliegen sah. „Spike? Spike!", rief Angel, und auch in seiner Stimme war die Panik zu erkennen. Doch sein Childe rührte sich nicht.

Der genoss Angels Sorge in vollen Zügen, beschloss aber noch ein bisschen totes Eichhörnchen zu spielen und dachte inzwischen. 'Wer hätte das vermutet, mein Sire kriegt Muffensausen. Glaubt er wirklich, dass sein geliebtes Childe sich jetzt im Eichhörnchenhimmel mit Nüssen voll stopft? Apropos Nüsse! Bloddy Hell, hab ich einen Hunger. Ich könnte ein bisschen an Angel knabbern, das erlaubt er jetzt sicher, weil er froh ist, dass ich noch lebe. Ja, guter Plan, sehr guter Plan.'

„William wach auf, komm schon. Bitte!" Diesem Flehen Angels und den zusätzlichen Streicheleinheiten, die sein Sire ihm angedeihen ließ, konnte Spike nun doch nicht mehr widerstehen und so öffnete er flatternd die Augen, stöhnte jedoch ein bisschen um den Effekt des Leidenden noch etwas aufrecht zu erhalten.

„Angel", wispernd und diesmal erleichtert seufzend, was soviel bedeuten sollte wie, „schön das du das bist", schmiegte sich Spike in Angels streichelnde Pfote.

„Den Mächten sei Dank, ich habe schon befürchtet..." Angel versagte die Stimme und er rieb sein Köpfchen an Spikes.

Kurz meldete sich Spikes schlechtes Gewissen, aber wirklich nur sehr kurz, denn Angel kraulte Spikes Nackenfell, hielt ihn mit der anderen Hand an sich gedrückt und murmelte wundervolle Worte in Spikes Puschelöhrchen, sodass er erneut zufrieden seufzte, die Augen wieder schloss und gleichzeitig dachte: 'Ich bin ein verdammtes Weichei, aber verfluchte Hölle, es fühlt sich so gut an. '

Sie gönnten sich noch ein paar Minuten dieser Innigkeit und rieben hin und wieder liebevoll ihre Näschen aneinander, bis Spike seinen Sire von sich schob. „Ich würde echt gerne was anderes machen, denn das ist mir echt zu wenig. Aber poppen macht als Eichhörnchen echt keinen Spaß. Daher, lass uns zusehen, dass wir diesen ganzen Scheiß hinter uns bringen und dann lasse ich dich mindestens eine Woche nicht aus dem Bett."

Angel grinste darüber verlegen, nickte jedoch zustimmend mit dem Kopf.

„Gut, dass wir wenigstens dabei einer Meinung sind", kicherte Spike, um dann aber drohend anzuhängen. „Solltest du aber jemals wieder, in unserem ganzen Unleben auch nur einen einzigen Zwerg anschleppen, egal ob Stein, tot, oder lebendig, dann schwöre ich..."

„Spike", unterbrach ihn Angel. „Ich muss helfen, wenn jemand meine Hilfe braucht, das musst du doch verstehen."

Spike verdreht die Augen. „Ja, ja, schon gut. Aber ich hasse dich dafür."

„Ich liebe dich auch William und bin froh, dich an meiner Seite zu haben", entgegnete Angel sanft.

Spike lies sich nicht anmerken wie sehr ihm diese Worte ans Herz gingen und erwiderte lässig: „Und im Bett, das wette ich. Was mich wieder auf das Thema bringt. Also auf zum Spionieren."

Angel stimmte zu und während sie nebeneinander auf das Dorf zuliefen schlug er vor. „Wir sollten uns aufteilen, dann können wir schneller Informationen sammeln. Ich fang im Osten an, du im Westen."

„Jepp, gute Idee. Wo und wann treffen wir uns wieder?", wollte Spike wissen.

Die beiden hatten inzwischen das Dorf fast erreicht und bleiben stehen. Angel schaute sich um und entdeckte am Wegrand einen Baum in dessen Mitte ein Loch zu sehen war. Rasch kletterte er hoch und guckte in das Loch. „Leer. Perfekt. Wir treffen uns in drei Stunden hier drin."

„Okay", sagte Spike nur und flitzte davon.

                                                            *~*~*~*

Angel lief ganz knapp an den Häuserwänden entlang. Sein Ziel war der Dorfplatz. Er erinnerte sich an seine Zeit als Mensch. Damals gab es auf jedem Dorfplatz einen Brunnen, an dem sich die Leute trafen, ihr Wasser holten und gleichzeitig die Gelegenheit nutzen um Neuigkeiten, oder anderen Tratsch auszutauschen.

Da hier, in der Zwergendimension eine ähnliche Lebensstruktur bestand wie Angel sie von seiner Jugend kannte, hoffte er gleiche, oder zumindest ähnliche Zustände vorzufinden. Und er hatte Recht. Sowohl ein Dorfplatz, sowie ein Brunnen waren vorhanden und zu Angels Glück standen ein paar Frauen um den Brunnen und schwemmten ihre Wäsche in dem großen Becken.

Vorsichtig schlich Angel näher und duckte sich hinter einem der Wäschekörbe.

„Sei vorsichtig mit den Tischdecken. Sie sind noch von meiner Großmutter und wenn Dulcia heiratet, gehören sie mit zu ihrer Aussteuer", hörte Angel eine der Frauen sagen.

„Du sagst es, wenn", bemerkte eine andere lachend. „Sie feiert bald ihren 180. Geburtstag. Es ist höchste Zeit, dass sie unter die Haube kommt, aber es passt ihr ja keiner."

„Sie ist noch jung, warum soll sie ihre Freiheit nicht noch ein bisschen genießen? Außerdem war ich auch erst 205 als ich mich in Eliseus verliebt und ihn geheiratet habe und soweit ich weiß, hast du erst nach deinem 260 Geburtstag deinem Basius das Ja-Wort gegeben."

„Ja, leider", seufzte die Frau und wischte sich über die Augen. „Denn selbst da war ich noch zu jung und zu dumm, denn sonst wäre ich auf den Kerl nie hereingefallen. Er liebt sein Hobby mehr als mich, dabei sind wir erst 125 Jahre verheiratet, aber er verbringt seine Zeit lieber mit seiner Schraubensammlung als mit mir."

„Du Glückliche. Für Eliseus Sammeltick mussten wir eine Scheune anbauen. Schuhe, Schuhe, Schuhe, wohin das Auge reicht und das in allen großen und Formen. Und was noch verrückter ist, es sammelt nur die für den linken Fuß. Stell dir vor, es sind sogar Schuhe von Menschen dabei. Keine Ahnung wo er die her hat. Jedenfalls, manche sind so groß, dass man fast darin wohnen könnte." Die Frau lachte und die anderen fielen mit ein.

Angel hatte genug gehört und sprang eilig davon.

                                                           *~*~*~*

Spike wartete bis der nächste Gast die Tür aufmachte und huschte mit ihm mit hinein.

'So, jetzt muss ich nur noch den Stammtisch finden. Jepp, da ist er schon', dachte Spike und wuselte rasch unter den Tisch, an dem einige Zwerge saßen und, wie Spike riechen konnte, ein Bierähnliches Getränk zu sich nahmen.

Der Zwerg, mit dem Spike in das Gasthaus gekommen war, setzte sich an den Tisch, grüße die dort sitzenden Männer kurz und wandte sich dann einem Zwerg mit einem besonders langen Bart zu. „Dein Geburtstag steht bald an Eliseus. Was wünschst du dir? Schließlich hast du einen Runden, da musst du dir ein besonderes Fest einfallen lassen."

„Ich muss los", sagte Eliseus plötzlich, trank aus und erhob sich. An der Theke bezahlte er und ging zur Tür.

Die anderen Zwerge sahen ihm verwundert nach, wie Spike so nebenbei bemerkte. Doch da er wissen wollte ob und was Eliseus vorhatte, flitzte er unter dem Tisch hervor und schaffte es gerade noch durch die Tür, die Eliseus gerade in dem Augenblick schloss, als Spike durchhuschte.

Immer in Deckung bleibend, lief Spike Eliseus nach, der auf einen Schuppen zusteuerte, eintrat und die Tür hinter sich zu machte, bevor es Spike gelang hineinzukommen. Allerdings dauerte es nicht lange, bis er einen Spalt fand, durch den er ins Innere des Schuppens gelangen konnte.

Verwundert stellte Spike fest, dass an allen Wänden Regale standen, die mit einzelnen Schuhen gefüllt waren. Eliseus saß auf einen Schemel, starrte vor sich hin und hatte den Kopf in seine Hände gestützt, während er hin und wieder seufzte.

'Bloody Hell, ist das eine trübe Tasse und der soll ein großer Zauberer sein? Der ist ein Frustbolzen erster Klasse. Mal sehen ob ich ihn aus der Reserve locken kann. Schließlich bin ich nicht zum Vergnügen hier, oder um blöde Schuhe anzugucken. Der Oberzwerg hat echt eine Macke, nur einzelne Schuhe. Wie irre ist das denn?'

Spike beschloss nicht weiter darüber nachzudenken, weil es weder was brachte, noch ihn interessierte. Daher lief er auf Eliseus zu und kletterte an seinem Bein hoch. 'Mal sehen was passiert', dachte er und schaute den Clanchef mit großen Augen an.

„Wer bist du denn?"; fragte Eliseus auch gleich verwundert und lächelte ein bisschen.

'Grins nicht so blöd, du alter Trottel. Ich bin Spike und wegen dir und dem Scheiß den du gebaut hast, renne ich jetzt als verfluchter Nager rum. Also rück mit Informationen raus, damit ich endlich wieder zu einem ordentlichen Vampir werde und Angel poppen kann', dachte Spike und machte Männchen.

Eliseus lächeln wurde breiter. „Du bist ja putzig. Hast du Hunger?"

'Ich gebe dir gleich ein putzig. Ich bin ein böser Vampir verdammt und rede bloß nicht vom Essen sonst beiße ich dich. Klar?'

Spike rieb sich an Eliseus Jacke und nun lachte der Zwerg, griff in seine Tasche und holte ein paar Nüsse heraus, die er in der offenen Hand vor Spikes Näschen hielt.

'Halloho, Vampir, was bedeutet, steck dir deine verfluchten Nüsse sonst wo hin. Außerdem stinkt sogar dein Blut, selbst als Eichhörnchen kann ich das riechen.'

Trotzdem nahm Spike eine der Nüsse in die Pfoten und begann daran zu knabbern, schließlich wollte er nicht, dass seine Tarnung als Spion aufflog.

Eliseus schaute dem Eichhörnchen eine Weile zu, dann seufzte er. „In ein paar Tagen werde ich 800 Jahre alt. Ich hatte gehofft an meinem Geburtstag mein Amt an den Mann meiner Tochter übergeben zu können, damit ich mich ganz meinem Hobby widmen kann. Aber Dulcia ist keiner recht. Aber zum Heiraten zwingen will ich sie nicht, denn ich liebe sie und will, dass sie glücklich wird. Es ist schon viele Jahre her, da hatte sie so ein glückliches Leuchten in den Augen, wie nur Verliebte es haben. Aber plötzlich war es weg und auf meine Fragen bekam ich nie eine Antwort."

Wieder seufzte Eliseus, doch plötzlich schaute er Spike mit einem Blick an, der Spike gar nicht behagte. Und sein Gefühl trog ihn nicht, denn der Zwerg packte ihn plötzlich am Genick, hob ihn hoch und schaute ihm in die Augen. „Ich habe eine Idee", sagte Eliseus. „Ich schenke dich an meine Tochter weiter, das wird sie aufheitern."

Noch bevor Spike sich versah, hatte Eliseus aus der hintersten Ecke des Schuppens einen Käfig geholt und Spike hineingesteckt.

Kapitel 7 von Silentthunder

Kapitel 7

(von Silentthunder)

Die Zeit verstrich, Wolken zogen langsam am Himmel vorbei und bildeten bizarre Schattenmuster auf dem sandigen Boden. Doch für solche Belanglosigkeiten hatte der einsame Zuschauer keine Zeit. Seit Stunden hockte das Angelhörnchen im dem hohlen Astloch des Baumes, der als Treffpunkt abgemacht worden war, und wartete. Bisher allerdings vergebens. Bei jedem noch so winzigen Laut richtete er seine Öhrchen auf und die Haare um seine Nase zitterten aufgeregt. Doch das, auf was das Streifenhörnchen so sehnlichst wartete, geschah nicht.

„Verdammt, Spike! Wo bist du?", fluchte Angel und lehnte sich in dem Loch soweit vor, dass nur Millimeter fehlten, um ihn zum Absturz zu bringen.

Der verabredete Zeitpunkt war längst verstrichen und Angel machte eine Menge Emotionen durch. An erster Stelle stand die Wut: Konnte Spike sich denn nicht wenigstens einmal zusammenreißen und einfach das tun, was von ihm erwartet wurde? Musste er denn immer gegen den Strom schwimmen, obwohl es mit dem Strom doch soviel einfacher war? Warum war er immer unzuverlässig? Warum klappte nichts so, wie es sollte?

An zweiter Stelle Angels Emotionsliste stand die Sorge: Wo war Spike? Was war mit ihm geschehen? Hatte Zecail die Wahrheit gesagt und Tiere nahmen in der Welt der Zwerge einen besonderen Stellenwert ein? Oder war das nur eine faustdicke Lüge gewesen und der listige Zwerg hatte das nur gesagt, um sie in einer trügerischen Sicherheit zu wiegen?

An dritter, vielleicht wichtigster Stelle stand die Liebe, und daraus folgend die innere Unruhe, die mit jeder verstreichenden Sekunde schlimmer wurde und ihn in ein Nervenbündel verwandelte. Angel gab es nicht gerne zu, aber Spike hatte sein Leben um so viele Nuancen bunter, farbenfroher und auch einfacher gemacht. Der blonde Vampir, sooft er ihn auch zur Weißglut trieb, schaffte es immer wieder, ihn auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Lange Zeit hatte genau so ein Ausgleich gefehlt, denn alle, die mit ihm zusammenarbeiteten schienen immer Übermenschliches zu erwarten. Das auch einem Vampir Grenzen gesetzt waren, wurde gerne übersehen.

„Spike!", schimpfte Angel, als wieder Wut in ihm aufflammte. „Wo bist du?"

Lange konnte er auf seinem Platz nicht mehr ausharren. Die Schatten würden immer kürzer und es würde nicht mehr lange dauern, bis die Sonne den Horizont durchbrach und diese verwunschene Welt in ein warmes, rotgoldenes Licht tauchte.

Ein paar Minuten später war Angel endgültig des Wartens müde und er krabbelte behände den rauen Baumstamm herab. Es half nichts und er war sich mittlerweile sicher, dass Spike keinen dummen Scherz machte, sondern wirklich nicht kommen konnte. Irgendwas hielt ihn auf und es war seine Aufgabe, herauszufinden wer oder was das war. Lautlos hoppelte er durch das Gras und kletterte am Brunnen hinauf, den er sich als Aussichtspunkt ausgewählt hatte. Doch was nun?

Es gab tausende von Möglichkeiten und Spike konnte überall stecken. Doch wenn Angel ihn richtig einschätzte, dann hatte der blonde Vampir wie immer den kürzesten Weg gewählt und sich gleich an die Fersen eines Mitglieds der Beningus- Sippe gehängt. Möglicherweise sogar an Eliseus selbst. Doch was war dann geschehen?

Hatte der Clanchef der Beningus ihn durchschaut? Als Spion enttarnt? Und wenn dem so war, was hatte er mit Spike gemacht? Ein flaues Gefühl breitete sich in Angels Magen aus und er mochte gar nicht genauer darüber nachdenken. Nur eins stand für ihn fest. Hatte Eliseus es gewagt, seinem Childe auch nur ein Härchen zu krümmen, dann war Schluss mit lustig und er würde diese verdammte Zwergenwelt in Schutt und Asche legen!

                                                       *~*~*

Angel richtete sich zu voller Größe auf und hielt schnuppernd sein feines Näschen in die Luft. Doch eine wirkliche Spur konnte er nicht aufnehmen. Also blieb ihm nur, sich auf seine anderen Sinne zu verlassen. Doch auch das Gehör teilte ihm nichts Außergewöhnliches mit. Im Dorf der Zwerge schlief noch alles tief und fest und dementsprechend war außer Schnarchen nicht viel zu vernehmen.

„Dann eben die Augen", murrte er unzufrieden und sah sich wieder um. Eine Menge Hütten standen kreisförmig um den Dorfplatz herum in der Dunkelheit, doch nur eine dieser Hütten stach durch ihre Größe und seltsame Dekoration besonders hervor und er wusste nun, wo er zu suchen hatte.

So schnell seine kleinen Beinchen ihn trugen, rannte er den kurzen Weg über den Dorfplatz und suchte nach einem schmalen Spalt oder Loch, das ihm einen Eingang ins Innere der Hütte bieten konnte. Mit aller Gewalt zwängte er sich schließlich durch ein hühnereigroßes Astloch und purzelte unter großen Schmerzen ins Zwergenhaus. Einen Moment blieb er atemlos liegen, verfluchte sein Leben und richtete sich dann unter Qualen wieder auf.

Er war viel zu klein. Außer Schränken, Stuhl- und Tischbeinen konnte er kaum etwas ausmachen und wieder sah er sich hektisch um. Er brauchte dringend einen hoch gelegenen Platz um die Lage besser zu sondieren zu können. Außerdem lief ihm langsam die Zeit weg. Bis zum Morgengrauen würde es nicht mehr lange dauern und dann würde das Leben im Dorf unweigerlich langsam erwachen.

Lautlos huschte Angel durch den Raum und kletterte auf den höchsten Schrank, den er finden konnte. Oben angekommen drückte er sich flach auf das Holz und robbte zum Rand. Eine Feuerstelle fiel ihm als erstes ins Auge, dann vier große Alkoven, in denen Betten standen, die alle besetzt zu sein schienen und schließlich entdeckte er jede Menge Hausrat, Töpfe, Pfannen und sonstigen Krempel. Doch von Spike war nichts zu sehen.

Dann endlich, als er schon hatte aufgeben wollen, erblickte er im hintersten Winkel einen kleinen Käfig, der auf einer massiven Kommode stand. Sein Herz machte einen Hüpfer und er wusste sofort, dass seine Suche ein Ende gefunden hatte.

Nur wenige Augenblicke später hatte er den Käfig erreicht und er sah das Spikehörnchen, das zusammengerollt friedlich auf einem kleinen Haufen Heu schlief. ‚Typisch Spike', dachte Angel erleichtert. ‚Ich mache mir Sorgen und er pennt!'

„Hey", raunte er leise, schob seine Pfote durch die Gitterstäbe und erwischte das Spikehörnchen am Schulterblatt. „Aufwachen!"

„Nur noch fünf Minuten", murmelte Spike verschlafen, dann war er plötzlich hellwach. „Kommst du auch noch mal", schimpfte er auch gleich los. „Ich dachte schon, ich müsste hier verrotten."

„Sei still! Oder willst du das ganze Haus aufwecken", fauchte Angel und warf ihm einen bösen Blick zu.

Doch Spike lachte nur. „Solche Blicke bringen nichts, wenn man herzerweichende Knopfaugen hat." Dann hüpfte er zu der Käfigtür und rüttelte mit den Pfoten dran herum. „Ich komme hier nicht raus", brummte er und zeigte auf einen Holzzapfen, der durch einen Ring geschoben die Tür verschloss. „Ich hab schon versucht das Holz durchzubeißen, komme aber wegen der verfluchten Käfigstäbe nicht richtig ran."

„Ich mach das schon", nickte Angel, legte seine kleinen Pfoten auf den Zapfen und versuchte ihn hochzuschieben. Als das nicht gelang sprang er auf den Käfig und versuchte es mit Ziehen. „Das wird nichts", raunte er Spike zu, dann schlug er sich mit der Pfote vor den pelzigen Kopf und schüttelte selbigen. „Das darf doch wohl nicht wahr sein! Du bist echt unmöglich", schimpfte er das Eichhörnchen aus, das direkt unter ihm stand. „Ich versuche dich zu retten und du hast nichts Besseres zu tun, als mich anzugeiern?"

„Ein solcher Anblick bietet sich mir nicht jeden Tag", grinste Spike und zeigte seine spitzen Zähnchen. Doch dann wurde er wieder ernst. „Was machen wir jetzt? Ich habe nicht die geringste Lust als Haustierchen für eine durchgeknallte Zwergensippe zu enden."

„Ich werde versuchen das Holzstöckchen durchzunagen", flüsterte Angel und hüpfte vom Käfig herunter, zurück auf die Kommode. „Wahrscheinlich wird es Lärm machen, aber uns bleibt keine andere Wahl. Vielleicht haben wir auch Glück und die Zwerge schlafen einfach weiter." Er nickte dem Eichhörnchen zu und machte sich ans Werk.

                                                        *~*~*

Es dauerte nicht lange und beide standen nebeneinander vor dem hühnereigroßen Astloch in der Hüttentür.

„Und da bist du durchgekommen?" fragte Spike und feixte belustigt herum. „Ich hätte im Leben nicht erwartet, dass das passt." Er grinste seinen pelzigen Sire hinterhältig an und zwängte sich schnell durch das Loch, bevor Angel überhaupt reagieren konnte.

Wenige Augenblicke später kugelte er sich vor Lachen. „Rein ging, raus nicht mehr", kicherte er und sah hinauf zu Angel, der mitten in der Tür feststeckte.

„Halt die Klappe und hilf mir lieber", schnaufte das Streifenhörnchen wütend und stemmte seine kleinen Pfoten gegen die Tür. Warum er nicht mehr durch das Loch passte, wusste er leider zu genau. Schon auf dem Hinweg hatte er sich üble Quetschungen zugezogen und nun war das Gewebe angeschwollen und somit dicker. Und es tat noch bedeutend mehr weh als beim ersten Mal. „Jetzt reiß dich zusammen", zischte er dem noch immer lachenden Eichhörnchen zu. „Hilf mir!"

„Ja, ja", murmelte Spike, noch immer grinsend. Seine Pfoten umfassten Angels und er stemmte seine Hinterbeine gegen die Tür. „Achtung, ich ziehe jetzt!"

Mehrere ruckhafte, für Angel sehr schmerzliche Bewegungen später war er frei und fiel mit einem dumpfen Klatschen auf die Erde. „Oh, verdammt", stöhnte er. Er hatte sich sicherlich eine, wenn nicht gar mehrere Rippen gebrochen und der Schmerz war mörderisch. Nur langsam und zudem noch schwankend kam er auf die Pfoten.

„Alles okay?", fragte Spike besorgt. Bei Angels jämmerlichem Anblick war jeder Anflug von Humor verschwunden und er legte dem Älteren fürsorglich die Pfote auf die Schulter. „Hey. Alles okay?"

„Geht schon", brummte Angel und stöhnte leise. „Lass uns von hier verschwinden." Er humpelte ein paar Schritte und blieb wieder stehen. „Und das alles wegen lausiger Schuhe!"

„Du weißt es also schon?", fragte Spike mit besorgtem Geschichtsausdruck. Wie immer war sein Sire tapfer und würde nichts sagen, doch es war offensichtlich, dass seine Verletzungen schwerer waren, als zunächst vermutet.

„Allerdings", schnaufte Angel und lief wieder ein paar Schritte. „Ich war kaum hier, da wusste ich schon von der seltsamen Sammelleidenschaft des Clanchefs." Er holte tief Luft und verzog das Gesicht, als seine Rippen dabei knacksten. „Und jetzt los. Auf zu Zecail, damit wir den Mist hier so schnell als möglich hinter uns haben!"

„Das kannst du vergessen", brummte Spike, die warnenden Blicke seines Sires ignorierend. Er hatte das Krachen in Angels Brustkorb ebenfalls gehört und ihm war klar, dass sie eine Pause einlegen mussten. Trotzig hob er den Kopf. „Wir werden uns jetzt in dem Loch im Baum verstecken und uns eine Runde ausruhen. Und du brauchst mir gar nicht erst widersprechen", bremste er Angel aus, der sich umgewandt hatte und ihn finster ansah. „Du bist nicht in der Position um zu verhandeln."

Nur widerwillig gab Angel nach und nickte müde. „Einverstanden. Auf ein paar Stunden kommt es nicht mehr an."

Nur wenige Minuten später bettete das Eichhörnchen seinen Sire so, dass dieser einigermaßen schmerzfrei liegen konnte und kraulte behutsam dessen Kopf. „Also, was machen wir jetzt? Wesley kontaktieren, der uns einen Haufen linker Schuhe besorgen soll?"

„So ähnlich", murmelte Angel und kuschelte sich schachmatt an Spikes Bauch. „Allerdings hatte ich vor Cordelia zu schicken. Sie soll ein paar dieser mordsteuren High-heels kaufen. Ich denke, damit können wir Eliseus ködern." Er gähnte herzhaft und zuckte zusammen, als der Schmerz wieder durch seinen kleinen Körper schoss. „Ich denke, das bietet uns eine gute Verhandlungsbasis."

„Schick lieber Wesley", grinste Spike. „Bei Cordy besteht die Gefahr, dass sie damit über alle Berge verschwindet." Er lachte leise. „Obwohl unser Ex-Wächter sich bestimmt wahnsinnig über einen solchen Auftrag freuen wird. Wes und Frauenschuhe... zwei Welten treffen aufeinander."

Doch dann bemerkte Spike, dass Angels Muskelspannung langsam nachließ und so zog er ihn näher an sich heran, umschlang ihn mit den Pfoten und deckte ihn mit seinem buschigen Schwanz zu. „Schlaf schön mein Held", murmelte er und drückte seinem pelzigen Sire einen Kuss auf die Stirn. „Und träum was Nettes, vorzugsweise von mir."

Kapitel 8 von Silentthunder

Kapitel 8

(silverbird)

Spike wachte über Angel und während er ihn im Arm hielt gab er sich seinen Fantasien hin, die sich darum drehten, was er alles mit seinem Sire anstellen würde, wenn er in menschlicher Gestalt hier liegen würde. Kaputte Rippen hin oder her, es gab immer Möglichkeiten.

Andererseits fand es Spike auch schön einfach nur hier zu liegen. Angel begab sich in seine, Spikes Obhut und vertraute darauf, von ihm beschützt zu werden. Ein Gefühl des Stolzes machte sich in Spikes Brust breit und mit geschärften Sinnen schaute er sich um. War da nicht eben ein Geräusch gewesen? Ein Schatten am Eingang der Baumhöhle?

„Ich kille jeden, der es wagen sollte in deine Nähe zukommen Love, das schwöre ich“, flüsterte Spike seinem Sire zu, bevor er ihn vorsichtig losließ und zum Eingang der Baumhöhle schlich. Aufmerksam spähte er hinaus und sondierte die Umgebung ganz genau, bevor er sich setzte um Wache zu halten.

Mehrere Stunden verharrte Spike in der Position, beobachtete wie der neue Tag und auch die verschiedenen Tiere im Gras und auf den Bäumen erwachten. Hin und wieder wagte sich ein neugieriger Vogel in die Nähe der Höhle, doch Spike knurrte jeden warnend an, der näher hüpfte und so suchten sie schnell das Weite.

Die Sonne stieg höher, ohne dass Angel aufwachte und Spike machte sich Sorgen. Rasch warf er noch einen Blick rund um ihr derzeitiges Quartier, bevor er zu Angel lief und ihm über den Kopf strich. Sofort spürte Spike die Hitze, die von Angel ausging. „Verfluchter Mist, du hast Fieber. Dieser Obertrottel von Zwerg hat dir deine Vampirheilungskräfte genommen, als er uns verwandelt hat. Was mach ich denn jetzt? Dich hier alleine lassen und zu Zecail rennen kann ich nicht, das wäre zu gefährlich für dich, so hilflos wie du jetzt bist. Mist. Mist. Mist. Mir muss etwas anderes einfallen. Und schnell wäre gut. Ich habe echt keine Lust, dich als Streifenhörnchen zu begraben.“

„Freut mich zu hören, denn ich habe die Absicht mich noch viele Jahre von dir nerven zu lassen“, murmelte Angel, öffnete die Augen und grinste ein bisschen.

„Du bist wach? Hölle, hab ich mir Sorgen gemacht.“ Spike umarmte Angel enthusiastisch.

„Blödmann!“, rief er gleich darauf, als ihm bewusst wurde, was Angel gerade eben gesagt hatte. „Ich gehe dir also auf die Nerven, ja? Das können wir ändern und zwar sofort. Sieh zu, wie du zu dem Zwergentrottel zurückkommst, ich mach mich jetzt vom Acker.“

Spike lief zum Eingang der Höhle und Angel rief ihm nach. „So habe ich das nicht gemeint und das weißt du auch. Ich bin doch nichts mehr ohne dich.“

Es war klar, dass Spike daraufhin keinen Schritt mehr tat und sich langsam umwendete. „Nichts ohne mich?“

„Nein.“

„Du bist ein verdammter, hinterhältiger Heuchler Angel. Glaub bloß nicht, dass ich mich von deinem Gesülze rumkriegen lasse. Ich...“

„Ich lüge dich nicht an. Es ist so wie ich sage. Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen. Natürlich nervst du mich hin und wieder, so wie ich dich vermutlich auch. Aber das ist ganz normal, wenn man zusammen lebt. Doch ich vertraue dir und verlasse mich auf dich. Und, du bist mir wichtig.“ Angel richtete sich auf und schaute Spike mit ehrlichem, warmem Blick an.

Spike sagte erstmal nichts, er war einfach nicht fähig dazu, denn so etwas Wundervolles hatte Angel noch nie zu ihm gesagt. Damit konnte er definitiv nicht umgehen, daher erwiderte er. „Okay, Schluss mit dem Weicheigelaber, wir haben eine Mission oder so etwas Ähnliches zu erfüllen, also komm auf die Pfoten und runter von dem verdammten Baum.“

Angel nickte, erhob sich etwas mühsam und unter Spikes wachsamen Blick, kletterten sie den Baumstamm hinunter.

„Nichts?“, fragte Spike Stirn runzelnd und Angel bestätigte. „Nichts!'“

Spikes Gesicht erhellte sich und das Gefühl, welches sich in seinem Inneren ausbreitete, überwältigte ihn fast. Er räusperte sich kurz. „Soll ich dir helfen?“, fragte er, da er nicht wusste was er sonst sagen sollte.

„Geht schon.“ Kurz lächelten sie sich an und liefen dann, wenn auch langsam, los.

                                                           *~*~*

Eine Stunde später, nachdem Angel und Spike Zecail Bericht erstattet hatten und von dem Zwerg zurückverwandelt worden waren, bat der Zwerg: „Auch wenn es mir zuwider ist einen Beningus zu beschenken, möchte ich euch bitten Schuhe zu besorgen, die ihr für passend haltet.“

„Das habe ich befürchtet“, murmelte Spike. Dann fiel ihm ein, dass sie wieder Menschliche Gestalt hatten, was bedeutete... er grinste Angel an und schaute dann wieder zu Zecail. „Was ich sagen wollte, kein Problem, her mit der Kohle, dann machen wir uns gleich auf den Weg. Wird aber eine Weile dauern, ist ja nicht gleich um die Ecke.“

„Das kann ich beschleunigen“, erklärte Zecail. „ Außerdem genügt es, wenn einer von euch die Besorgung macht.“

Sofort begehrte Spike auf, denn das passte überhaupt nicht in seinen Plan. „Nope, auf keinen Fall verdammt. Entweder wir gehen beide oder...“

„Oder was Vampir?“, erwiderte Zecail scharf.

Spikes Schnauben ging in ein wütendes Knurren über und er wollte sich schon auf den Zwerg stürzen, doch Angel hielt ihn auf. „Lass es Spike, das bringt nichts ein, außer Ärger.“

„Ach ja? Und was hatten wir bis jetzt?“, brüllte Spike unkontrolliert. „Wir wurden in Nager verwandelt, ich wurde gefangen genommen, du wurdest verletzt, jetzt soll ich Schuhe besorgen und das auch noch ALLEINE. Und wozu der ganze verdammte Mist? Nur weil wir, gutmütiger Weise, diesen Steingartenzwerg nach Hause gebracht haben. Und soll ich dir noch was sagen? Dieses vermaledeite Zwergenvolk hat keinen Boden. Nichts genügt ihnen. Was wir auch tun, sie wollen noch was und noch was und noch was. Ich habe die Schnauze so was von voll, voller geht’s nicht. Ich will nach Hause, ins Bett. MIT DIR!“

Angel verstand zwar Spikes Beweggründe und teilte sie auch, trotzdem war es ihm peinlich, dass Spike aussprach was im Grunde nur sie beide etwas anging. Leise sagte er: „Ich auch Spike und wie ich das will. Es dauert sicher nicht mehr lange und wir sind hier fertig und wir können alles machen was du willst.“

„Einen Dreck können wir, denn zu Hause warten Hunderte,- Tausende,- Millionen von Dämonen, die wir platt machen müssen. Das weißt du genau“, schrie Spike, noch immer unbeherrscht.

Zecail stand plötzlich vor den beiden und schaute sie ernst an. „Es ist mir inzwischen durchaus bewusst, dass ihr ein schwieriges Leben in eurer Welt führt, denn ich habe mich über euch beide informiert. Ihr seid anders als ich angenommen habe und ich bin dankbar für eure Hilfe.“

„Du hörst es Spike, sie brauchen uns“, erklärte Angel erneut.

„Pfffffff“, machte Spike abfällig. „Davon kann ich mir auch nichts kaufen.“

Leise und eindringlich redete Angel auf Spike ein um ihn zu beruhigen. Inzwischen ging Zecail auf ein kleines Schränken zu und nahm ein Säckchen heraus, das er Angel reichte. „Das ist Reisepulver. Du musst nur...“

„Er muss gar nichts, ich gehe“, wurde der Zwerg von Spike unterbrochen und nahm das Säckchen Angel aus der Hand. „Was?“, fragte er, nachdem ihn Angel fragend anschaute. „Du verstehst nichts von Schuhen und wenn du Cordy mitnimmst, dauert es ewig, bis du zurückkommst. Du kennst sie, bei Schuhen ist sie nicht zu bremsen. Also mach ich das, schließlich kenne ich mich mit Mode, also auch mit Schuhen aus. Ich sage nur 100 Jahre mit Dru. Also hau dich inzwischen aufs Ohr und kurier deine kaputten Rippen aus.“

„Zecail, was mach ich mit dem Pulver?“, wandte sich Spike an den Zwerg.

„Du musst dir nur eine kleine Priese auf den Kopf streuen und dich auf den Ort konzentrieren, zu dem du reisen willst“, erklärte der Zwerg und drückte Spike ein Bündel Dollarscheine in die Hand.

Spike hinterfragte nicht, woher das Geld kam, wozu auch? Stattdessen tat er wie der Zwerg erklärt hatte und mit einem Puff, war der Vampir weg.

                                                                *~*~*

Während Spike sich um die Schuhe kümmerte und Angel von Lucia gedrängt wurde seine Rippen mit Salbe behandeln zu lassen, begab sich Zecail zu Orlab.

Spike kam zwei Stunden später zurück, eine Einkaufstüte über die Schulter geworfen und ein breites Grinsen im Gesicht. „Cordy wird mich umbringen, wenn sie erfährt, was ich da habe und das das in einem Schuppen eines Schuhfetischisten landet. Manolo, Prada, Hilfiger. Und da der Schuhzwerg immer nur einen Schuh sammelt, bekommt die Labelqueen den jeweils anderen.“

Spike schüttelte sich vor Lachen, doch als Angel ihn böse anguckte, verdrehte der blonde Vampir die Augen. „Super, dein Humor ist schon wie der vom Oberzwerg.“

Zecail ist zugleich mit dir weg, um mit Orlob und vermutlich mit den anderen Ältesten eine Besprechung abzuhalten.“

„Wird sicher was Tolles dabei rauskommen“, spottete Spike, griff in die Einkaufstasche und holte einen Becher Blut heraus, den er Angel reichte. „Trink, ist noch warm“, forderte er seinen Sire auf, der verwundert fragte: „Wo hast du das warme Blut her?“ Ohne Spikes Antwort abzuwarten, hob Angel den Deckel ab und trank das Lebenselixier durstig aus.

Spike erklärte trotzdem grinsend: „Aus L.A. Da kriegt man alles, wenn man genügend Kohle hat, auch warmes Blut. Der Chefzwerg hat mich ja mit genügend Mäusen ausgestattet.“

                                                              *~*~*

Die nächsten zwei Stunden meckerte Spike ununterbrochen und schnauzte auch immer wieder Elzachiel an, der stumm und steinern im Raum stand und zum Glück nicht hören musste, wie Spike immer ärger fluchte, weil dessen Onkel nicht auftauchte.

Angel überlegte ernsthaft sein Childe bewusstlos zuschlagen, damit er wenigstens eine Weile seine Klappe hielt.

Noch bevor es soweit kam, öffnete sich die Tür und Zecail trat, gefolgt von Orlob, ein. Hinter den beiden Zwergen drängten sich noch einige des Clans, die eine junge Zwergin festhielten und sie mir sich zogen.

Lucia, die sich in ihren Garten verzogen hatte, weil ihr Spikes Kraftausdrücke die Schamesröte ins Gesicht getrieben hatten, kam ebenfalls durch die Tür, denn sie hatte gesehen wie die Gruppe das Haus betreten hatte.

„Zecail, was hast du getan?“, rief sie erschrocken aus, als sie die Frau bemerkte, die allerdings ruhig im Zimmer stand.

„Sei ruhig Frau, das geht dich nichts an.“

„Mafioso Zecail duldet keine Einmischung, sonst legt er einem einen abgeschnittenen Pferdekopf ins Bett“, kicherte Spike. „Ich werde dir trotzdem nicht die Hand küssen Zwerg. Ich vermute diese junge Dame wurde entführt und heißt Dulcia?“

„Ich bin ein Zauberer und kein Pate oder... Mafiosi? Und keiner küsst hier irgendwelche Hände. Was redest du schon wieder für dummes Zeug Vampir?“

„Der Pate? Marlon Brando? Du kennst den Film nicht? Das ist Kult, Zwergenmann“, erwiderte Spike, den Kopf schüttelnd, über so viel Unwissenheit.

„Spike halt endlich mal die Klappe“, knurre Angel entnervt und Zecail nickte heftig dazu.

„Das würde ich dir auch raten. Dringend, bevor ich wieder die Geduld verliere.“

Spike beschloss die Warnung ernst zu nehmen und den Mund zu halten, denn er wusste inzwischen wie Zecail agieren konnte, wenn er sauer war.

Erleichtert atmeten Angel und auch Zecail auf und der Zwerg erklärte. „Meine Mitbrüder und ich haben beschlossen die Tochter von Beningus zu entführen um so zu einer Verhandlungsbasis zu kommen. Nachdem wir Beningus Tochter erklärt haben, worum es geht, ist sie bereit uns zu unterstützen.“

„Ich möchte jetzt Elzachiel sehen“, verlangte Dulcia bestimmt und erst jetzt fielen alle Blicke wieder auf die junge Zwergin.

„Nein“, antwortete der Clanführer. „Später, erst...“

„Nein, jetzt“, forderte sie mit Nachdruck und Zecail seufzte. „Nun gut, tretet zur Seite.“

Die übrigen Zwerge im Raum teilten sich und gaben den Blick auf die Steinfigur frei, die in einer Ecke stand.

„Bei allen Göttern, wie konnte mein Vater das nur tun?“, flüsterte die Zwergin, schlug sich entsetzt die Hände vor den Mund und trat langsam an Elzachiel heran. Lucia begab sich zu ihr und die beiden redeten leise miteinander.

„Du, Vampir Angel, wirst die Verhandlungen führen. Hat der blonde Vampir die gewünschten Schuhe mitgebracht?“

„Jepp, hat er und lauter Spitzenqualität, also vergiss es, es gibt kein Geld zurück“, erklärte Spike, noch bevor Angel antworten konnte.

„Wenigstens etwas hast du richtig gemacht. Damit es so bleibt, wirst du an den Verhandlungen nicht teilnehmen“, verlangte der Zwerg streng, doch nun war es Angel der ihm widersprach und das mit einem derart kalten Ton, dass selbst dem Zwerg unheimlich zu Mute war.

„Ich bin bereit die Verhandlungen für euch zu führen, aber nur mit Spike an meiner Seite. Akzeptiert das, oder macht es selbst. Sind wir uns einig? Und von dir will ich keinen Ton hören Spike“, sagte Angel warnend, um Spike gleich von vorn herein zu stoppen.

Spike grummelte irgendetwas in seinen nicht vorhandenen Bart, hielt sich sonst aber zurück. Wenn Angel diesen Ton an sich hatte, war es besser den Mund zu halten, das wusste der blonde Vampir sehr wohl.

Nachdem Zecail mit Angels Wunsch notgedrungener Weise einverstanden war, wurde ein Bote mit einem Schreiben zu Beningus geschickt, in dem die Bedingungen aufgelistet waren.

Als der Bote mit der Meldung zurückkam, dass Beningus bereit war zu Verhandeln, erklärte Angel knapp. „Wir gehen. Spike nimm die Tüte.“

Als die beiden Vampire durch die Tür gingen, rief Dulcia ihnen mit fester Stimme nach. „Sagt meinen Vater, ich setzte keinen Fuß mehr in unser Dorf, wenn er Elzachiel nicht zurückverwandelt. Sagt ihm das.“

Angel nickte und sie marschierten los.

„Du mischt dich nicht ein, sagst kein Wort, versanden? KEIN. WORT! Sonst schwöre ich dir Childe, sind deine Tage in meinem Bett gezählt.“

„Na toll, dann bin ich also nur dein Schuhträger. Großartig“, maulte Spike eingeschnappt. „Erpresser“, fügte er noch leise hinzu, schwieg dann aber, denn Angel schien an einem Punkt angekommen zu sein, der sehr an Angelus erinnerte.

Angel schnaufte genervt, antwortete aber nicht, da er keine Lust auf eine weitere Diskussion hatte, noch weniger allerdings auf die kommende Verhandlung. Alles was er wollte war endlich aus diesem verfluchten Zwergenreich wegzukommen.

                                                              *~*~*

Sie erreichten die verabredete Stelle, ein neutraler Landstreifen zwischen den Besitztümern der verfeindeten Zwerge. Eine kleine Gruppe des Beningus – Clans wartete schon und schaute den beiden Vampiren grimmig entgegen.

„Wo ist meine Tochter?“, fragte einer der Zwerge mit einem besonders langen Bart.

Spike kannte ihn aus seiner Zeit als Eichhörnchen, es war Eliseus Beningus. Aber Spike sagte keinen Ton, immer noch Angels Warnung in Kopf habend.

„Es geht ihr gut und sie ist in Sicherheit. Zudem soll ich Ihnen von ihr ausrichten, dass sie sehr wütend darüber ist, was Sie Elzachiel angetan haben. Wie auch immer! Kommen wir zu dem Grund unseres Zusammentreffens. In dem Schreiben von Zecail Aeolus wurden die Bedingungen und Vorschläge genannt. Zudem haben wir ein Geschenk mitgebracht, das wir Ihnen im Namen des Aeolus Clans überbringen sollen. Doch dazu später. Erstmal will ich wissen wie sie zu den Vorschlägen des Aeolus Clans stehen.“

Eliseus Beningus, der selbst schon länger Interesse an Frieden zwischen den Völkern der Aeolus und Beningus hatte, zierte sich zwar ein bisschen um den Schein zu wahren, erklärte sich dann nach einer kurzen Beratung mit seiner Zwergengruppe einverstanden.

„Die Vorschläge sind vernünftig und schließlich gehören wir alle einer Rasse an. Ich werde den Fluch den ich gegen  Elzachiel ausgesprochen habe zurücknehmen, sobald meine Tochter wieder sicher und unversehrt in meinem Dorf aufgetaucht ist.“

„Dem kann ich leider nicht zustimmen. Das Vertrauen des Aeolus Clans in Sie ist nicht sehr groß, wie Sie sich vorstellen können. Daher biete ich an, dass Dulcia und Elzachiel in einer Stunde genau hier auf diesem Platz zum Austausch erscheinen. Sobald der Zauber aufgehoben ist, lassen wir Ihre Tochter gehen.“

„Gut, damit bin ich einverstanden und um unseren guten Willen zu zeigen, werden wir eine Tafel errichten und laden alle Zwerge des Aeolus Clans ein, mit uns ein Friedensfest zu feiern. Aber eines noch, sollte mir euer Geschenk nicht gefallen, gibt es kein Fest, nur den Austausch.“

„Wen interessiert es? Fest, kein Fest, Hauptsache der ganze Scheiß ist endlich erledigt“, maulte Spike, aber so leise, dass nur Angel es hören konnte.

Spike, die Tüte“, verlangte Angel, und schaute ihn dabei böse an. Doch der blonde Vampir zuckte nur mit den Schultern und gab sie an seinen Sire weiter, der sie öffnete und einen Schuh nach dem anderen herausholte und Eliseus Beningus gab.

Der begutachtete jeden der drei Schuhe von allen Seiten ganz genau, musterte Angel und Spike von oben bis unten, betrachtete wieder die Schuhe in seiner Hand, machte ein betrübtes Gesicht, schüttelte den Kopf, musterte Spike genau. „Ich weiß zwar nicht, wie ihr von meiner Sammlung erfahren habt, aber diese Schuhe, wenn auch ausgezeichnete Marken, genügen mir nicht. Ich will den da.“ Eliseus deutete auf Spikes Boots und der wich erschrocken zurück.

„Nope, auf keinen Fall. Das kommt nicht in Frage. Nein!“

„Ich will deinen Stiefel. Kein Stiefel, kein Friedensfest“, beharrte Eliseus und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Wen interessiert`s? Feiert, feiert nicht. Mir egal, meine Docs kriegst du jedenfalls nicht.“

Angel fand, dass es Zeit war einzuschreiten, bevor Spike die Verhandlung zu Nichte machte. „Stell dich nicht so an wegen der alten Stiefel. Ich kaufe dir ein paar Neue und die Sache hat sich.“

„Darum geht es nicht, sie gehören zu mir wie...wie mein Mantel. Ich definiere mich über diese Dinge.“

„Manchmal redest du so einen Hirnverbrannten Unsinn daher, dass ich dich zum Mond schießen könnte. Zieh diesen verdammten Schuh aus, bevor ich es tue“, drohte Angel und blitzte Spike mit gelben Augen an.

Auch Spikes Augen nahmen eine gelbe Farbe an, die ebenso wie bei Angel den Dämon in ihnen signalisierte. „Wage es und du bist tot. Niemand außer mir legt Hand an meine Sachen. Verstanden? Und jetzt halt die Füße still und die Klappe zu. Ich regle das mit diesem Schuh – Trottel.“

Noch bevor Angel reagieren konnte, war Spike schon zu Eliseus getreten, legte ihm jovial den Arm um die Schultern und führte ihn ein Stück zur Seite. Dann begannen sie leise miteinander zu reden und gestikulierten mit den Armen.

'Das war’s', dachte Angel verzweifelt. 'Ende. Aus. Gerade in diesem Augenblick ruiniert Spike unser Leben. Wir werden nie wieder hier wegkommen und können von Glück sagen, wenn wir nicht als Hörnchen unser restliches Dasein fristen. Aber vermutlich bringt uns Zecail sowieso gleich um, wenn er erfährt, dass die Verhandlungen Fehl geschlagenen sind. Und es ist meine Schuld, ich wollte Spike unbedingt dabei haben, also geschieht es mir ganz recht. Das habe ich nun davon. Ich müsste es inzwischen wirklich besser wissen, aber nein, ich falle immer wieder auf ihn herein. '

Die Bewegung, die plötzlich in Spike und Zecail kam, riss Angel aus seinen depressiven Gedanken und er staunte, als Spike auf einmal seinen Stiefel auszog und ihn lächelnd dem Zwerg übergab. Ein gegenseitiges Schulterklopfen folgte, wobei Eliseus gerade Spikes Ellenbogen erreichte. Dann kam Spike zu Angel zurück. Die Zwergentruppe nickte den beiden Vampiren freundlich zu und ging davon. Angel starrte ihnen mit offenem Mund nach.

„Mach den Mund zu, sonst kommen Fliegen rein“, kicherte Spike und humpelte mit einem Schuh am Bein in die Richtung, von der sie gekommen waren. „Kommst du jetzt endlich? Wir müssen in einer Stunde zurück sein.“

Verdutzt eilte Angel seinem Childe nach. „Spike, verdammt bleib stehen und erkläre mir gefälligst was du mit dem Obertro... mit Eliseus zu reden hattest, denn er schien ja sehr zufrieden zu sein, ebenso wie du, stelle ich fest.“

„Ein simpler Tausch Peaches. Für nichts gibt es nichts, das solltest du wissen. Er wollte meinen Stiefel, dafür wollte ich auch etwas. So läuft das in der Geschäftswelt“, erklärte Spike großspurig.

Angel packte Spike grob am Arm und zwang ihn stehen zu bleiben. „Sprich nicht in Rätseln. Was ist da zwischen euch abgegangen?“

Spike grinste immer noch. „Der Schuhzwerg ist ein mächtiger Zauberer, richtig? Richtig“, beantwortete Spike seine Frage selbst. „Außerdem kennt sich diese Bande mit Dimensionstoren aus wie wir wissen. Also auch richtig. Hast du dich schon einmal gefragt, wieso wir in L.A. derzeit so viele neue Dämonen haben? Nein? Ich schon. Defekte Tore, keine Frage. Spike schaute Angel Beifall heischend an, doch dem kamen Spikes wirres Gerede immer noch Spanisch vor.

„Okay, dann weiter“, sagte Spike daher. „Jedenfalls, Eliseus hat meinen Stiefel bekommen. Im Tausch dafür schließt er die Tore aus den Dimensionen, durch die die Dämonen nach L.A. Kommen. Ich bin echt gut und ... umpf.“

Was auch immer Spike noch sagen wollte, Angels stürmischer Kuss erstickte seine Worte.

                                                                ~*~*~

„Ja Spike, sie sind schön, aber ich will nicht, dass du deine Boots im Bett trägst“, erklärte Angel und rollte sich auf den Bauch um Spike zu beobachten, der nackt im Zimmer stand und seine neuen Stiefel bewunderte. Angel interessierte sich allerdings für Spikes nackten Körper und nicht für die Boots, wie der blonde Vampir grinsend bemerkte, daher zog er sie aus und bewegte sich auf Bett zu.

Angel runzelte plötzlich die Stirn. „Wo hattest du überhaupt das Geld her? Solche Stiefel sind teuer.“

„Die hat Zecail bezahlt“, lachte Spike und warf sich neben Angel aufs Bett.

„Hu? Wie den das?“

„Na das Geld für die Schuhe. Denkst du ehrlich, ich gebe mein sauer verdientes Geld für echte Prada, oder Manolos aus? Das waren natürlich Fakes. Und so hat das Geld noch locker für mich noch diese supercoolen Doc Martens gerecht. Diese Wurzelzwerge haben echt keine Ahnung von Schuhen.“ Spike wälzte sich lachend im Bett und Angel liebte diesen Anblick. Daher musste er sein Childe unbedingt küssen und noch so einiges andere mit ihm anstellen.

Sie waren seit zwei Tagen Daheim, denn Zecail hatte Wort gehalten und die beiden Vampire nach Hause entlassen, nachdem Elzachiel entzaubert worden war und der Austausch stattgefunden hatte.

Auf das anschließende Fest hatten die Vampire verzichtet und nun genossen sie die ihre Zweisamkeit. Denn auch Eliseus hatte Wort gehalten. Spikes Vermutung hatte sich bestätigt. Der Chef der Beningus hatte zwei Tore geschlossen, durch die die Dämonen nach L.A. gelangt waren. Spike und Angel feierten das nun auf ihre Art.

                                                            ~*~*~

Als Angel einige Stunden später in die Küche ging um Blut für sie beide warm zu machen, fiel sein Blick auf die Theke, auf der ein zusammengerolltes Pergament lag, welches mit einer schönen Schleife zusammengebunden war.

'Wie kommt den das hierher?', dachte er verwundert, zog die Schleife ab und rollte das Papier aus.

Dulcia Beningus und Elzachiel Aeolus laden ein.

Sie haben beschlossen den Bund fürs Leben einzugehen.

Angel las nicht weiter, sondern lief zurück ins Schlafzimmer. „Spike, wir sind zu einer Hochzeit eingeladen.“

 

Kapitel 9 von Silentthunder

Kapitel 9

(von Silentthunder)

„Du hast zugesagt?" Seit geschlagenen zehn Minuten lief Spike jetzt schon seinem Sire hinterher und stellte immer und immer wieder die gleiche Frage: „Du hast zugesagt?"

„Verdammt, Spike!", fuhr Angel herum und maß ihn mit finsterem Blick. „Glaubst du, die Antwort verändert sich, wenn du die Frage zum tausendsten Mal stellst? Ja, ich habe zugesagt." Er schüttelte den Kopf und ging weiter die Treppe zum Keller hinab. „Elzachiel war extra deswegen noch einmal hier. Es ist ihm eben wichtig, dass wir beide kommen."

Der blonde Vampir sprang fünf Stufen auf einmal herunter, überholte Angel so und baute sich vor ihm auf. „Warum ist dir so viel wichtiger, was ein doofer Gartenzwerg will, als was ich gerne möchte? Warum hast du mich nicht jedenfalls gefragt?" Er war sauer. Schon wieder. Angel hatte einfach über seinen Kopf hinweg entschieden. Schon wieder!

„Du wirst es vielleicht nicht glauben", murrte er weiter. „Aber ich würde lieber mit einer abgedrehten Horde Pfadfinder einen grandiosen Ausflug in die Wüste machen, als zu dieser bescheuerten Zwergenhochzeit zu gehen!"

Angel seufzte. „Ich hätte nicht gedacht, dass du deswegen ein solches Theater machst." So langsam sank seine Laune und es würde nicht mehr lange dauern, dann hatte Spikes ewiges Gemecker einen Punkt erreicht, den er ohne weiteres nicht mehr hinnehmen konnte, doch da er ihn schon länger kannte, versuchte er die Ruhe zu bewahren und gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

„Hallo...", murrte Spike. „Wir sind Vampire! Hast du dir schon mal überlegt, wie gut, beziehungsweise beschissen, das zusammenpasst? Vampire und Hochzeiten... Hochzeiten und Vampire... irgendwie schließt sich das aus!"

„Auf jeden Fall ist es mal was anderes als das übliche Besäufnis, das du dir jeden Monat einmal gönnst!" Er schob sich an Spike vorbei und lief weiter. Manchmal, so dachte er, war sein Childe die schlimmste Nervensäge, die diese Welt je hervorgebracht hatte. „Ich versteh dein Problem nicht", meinte er dann, denn er hörte, dass Spike ihm folgte. „Es ist nur ein verdammter Abend und wahrscheinlich wird Lucia dich wieder mit diesem widerlichen Kumquats- Schnaps- Zeugs- Irgendwas abfüllen."

„So viele Fässer können die davon gar nicht haben, das sich das lohnt", maulte der blonde Vampir weiter und folgte seinem Sire in die Wohnung. Dann blieb er stehen und wartete, bis Angel sich zu ihm umdrehte. „Wenn du mich wieder anmeckerst, weil ich mich nicht so benehme, wie du es dir in deinem kranken Kopf vorstellst", drohte er, „dann bin ich weg. EIN FÜR ALLE MALE!"

                                                             *~*~*

Der Tag der Hochzeit kam und Angel, der gerade aus der Dusche kam, sah Spike mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Du hast dich wirklich... nett angezogen", meinte er und rümpfte die Nase. Sein Childe trug eine verwaschene, löchrige Jeans, ein T-Shirt, das ehedem wohl schwarz gewesen war, nun aber die Farbe von speckigem Toilettenpapier hatte, und uralte, vollkommen kaputte Springerstiefel.

„Hah!", machte Spike und reckte trotzig das Kinn. „Das war das Schäbigste, das ich finden konnte. Ich kenne diese verflixten Zwergenpimpfs mittlerweile ganz genau!  Irgendeiner zwingt mich doch sonst wieder, mit ihm gegen NICHTS zu tauschen." Er grinste und zeigte an sich herunter. „Diesmal kommt garantiert keiner auf die blöde Idee."

„Das denke ich allerdings auch", murmelte Angel, schüttelte seufzend den Kopf und zog sich seinerseits an. Er hatte Spikes Drohung nicht vergessen und er nahm sie sehr ernst. Also würde er sich heute wohl oder übel auf die Zunge beißen müssen, wenn er nicht wollte, dass er aus seinem Leben verschwand.

„Glaubst du, Elzachiel wird mein Geschenk mögen?", fragte Spike und schaute in die Tüte vor seinen Füßen.

„Das kommt darauf an...", meinte Angel vage.

„Worauf?" Spike sah auf und runzelte die Stirn. „Was meinst du damit?"

„Naja", murmelte Angel und knöpfte sein Hemd zu. „Es kommt darauf an, ob Elzachiel auf Kronkorken steht."

„Sag doch so was nicht", nörgelte der Blonde. „Immerhin habe ich mich furchtbar angestrengt, eine solche Menge zusammenzubekommen. Und es sind keine Doppelten dabei." Er grinste verwegen. „Einen solchen „Schatz" hat niemand anders in seiner Welt."

„Stimmt", nickte Angel und verkniff sich ein erneutes Seufzen. In den letzen Wochen vor der Hochzeit war Spike kaum zu bremsen gewesen. In jeder freien Minute war er auf Achse gewesen, um möglichst viele unterschiedliche Flaschendeckel zu ergattern und oft hatte sein Childe ihn gezwungen, mitzukommen.

Wenn Angels Rechnung stimmte, dann hatten sie einhundertunddreizehn Clubs und Kneipen, siebenundfünfzig Spirituosen-Geschäfte und sechzehn Geschäfte mit ausländischen Getränkespezialitäten besucht. Zudem hatte Spike das Internet für sich entdeckt und herausgefunden, dass man Unmengen von Sachen bestellen und Geld sinnlos verpulvern konnte. Das Badezimmer hatte eine Woche lang gestunken wie eine Pinte im heruntergekommensten Viertel der Stadt.

Das ganze bestellte Zeugs auszutrinken, hatte nicht einmal Spike geschafft, sich dabei aber äußerst viel Mühe gegeben, die Kronkorken nicht zu beschädigen, bevor er den ganzen Mist ins Waschbecken gekippt hatte.

„Bist du dann soweit?", fragte er und strich ein letztes Mal über sein Hemd.

„Von mir aus kann es losgehen", grinste Spike, sprang auf und klimperte mit der Tüte. „Auf zu unseren Zwergenkumpels."

Angel folgte seinem Childe in die Hotelhalle, wo Wesley, der den Fahrer spielte, schon wartete. Allerdings hatte er kaum einen Blick für seinen Mitarbeiter übrig, denn er starrte Spike hinterher, der gut gelaunt und pfeifend durch die Lobby lief. ‚Versteh ihn, wer will', dachte er und seufzte lautlos. ‚Erst macht er einen Höllenaufstand wegen der blöden Hochzeit, zankt tagelang rum und dann reißt er sich wegen dieser dämlichen Kronkorken fast ein Bein aus.' Dann sah er Wes an. „Können wir?"

„Selbstverständlich", nickte Wesley und hielt die Wagenschlüssel hoch. „Auf geht's!"

                                                               *~*~*

Den Ort, wo die Party stattfinden sollte, sahen Angel und Spike schon, kaum dass sie durch die Schranktür getreten waren und die Zwergendimension betreten hatten. Kometen schossen durch den Nachthimmel und bunte Sternchen glitzerten am Himmel. Zudem war die Musik so laut, dass sie bis zu ihnen herüberwehte und Spike verzog das Gesicht. Es war eine Mischung aus Dudelsackgedröhne und Polka.

„Da seid ihr ja endlich!"

Die beiden Vampire schossen herum und sahen einen Zwerg aus der Beningus-Sippe, der sich auf einen Findling niedergelassen hatte, mit angewinkelten Beinen und gelangweilt baumelnden Armen. „Ich hab schon gedacht, ihr kommt gar nicht mehr", maulte er und verzog das Gesicht. „Ganz schön unfair, dass ausgerechnet ich euch abholen muss und nicht mitfeiern darf."

„Jetzt sind wir ja da", meinte Angel und setzte ein Lächeln auf, doch das beeindruckte den Zwerg nicht im Geringsten.

„Wie gesagt, es wird auch langsam Zeit."

„Hey, du Wicht", brummte Spike und sah ihn finster an. „Was glaubst du Pimpf eigentlich, mit wem du da sprichst?" Drohend ging er auf ihn zu, ließ seinen Dämon frei und knurrte leise. „Wir sind so schnell gekommen, wie wir konnten. Wir haben wichtigere Sachen zu erledigen, als uns mit solchen Idioten wie dir zu beschäftigen, also krieg dich wieder ein, oder ich verspeise dich zum Frühstück." Er drehte sich um, sah wie Angel betreten zur Seite blickte und auf der Unterlippe kaute, dann lachte er laut los und klopfte dem Zwerg freundschaftlich auf den Rücken. „Sorry! War nur ein Test für den großen Brummigen da drüben, aber scheinbar hält er sich an sein Versprechen."

„Sehr witzig", maulte der Zwerg. „Wirklich sehr witzig! Können wir dann gehen?"

„Jepp, können wir", grinste Spike, jetzt wieder mit menschlichem Gesicht und wirbelte seine Tüte mit Kronkorken durch die Luft. Dann nahm er Angels Hand, drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Stirn und wackelte mit den Augenbrauen. „Gut, dass du keinen Blutdruck mehr hast, er würde sämtliche Rekorde brechen."

„Das ist nicht lustig", beschwerte sich Angel, der Schlimmes ahnte. „Du hast nicht vor die Hochzeit zu sprengen, oder?", fragte er mit zusammengekniffenen Augenbrauen.

„Nein", lächelte Spike. „Ich will Spaß und das am besten mit dir." Er zuckte mit den Schultern und grinste dann breit. „Und nun komm, wir rocken jetzt die Zwergenwelt!"

Der Zwerg drängte in den Vordergrund, stoppte jede Unterhaltung und schüttelte den Kopf. „Also, ich weiß ja nicht, wie ihr das seht, aber ich will jetzt endlich auf die Party. Wenn ihr wollt, könnt ihr auch gerne hier stehen bleiben und euch ... seltsam unterhalten", meinte er mit gerunzelter Stirn. „Aber ich will da JETZT HIN! Also, entweder ich nehme euch mit, oder ihr lauft. Mir ist es egal, ich habe meine Aufgabe erledigt und euch in Empfang genommen."

„Wir kommen", entschied Angel. „Was müssen wir tun?"

„Nehmt einfach meine Hand, ich bringe euch hin."

                                                       *~*~*

Ein paar Augenblicke später standen sie auf einer riesigen Lichtung, auf der eine gigantische Festtafel aufgebaut war. Lampions säumten den Platz ein, warfen ein buntes Licht auf das wilde Treiben und Spike lachte leise. Von knurrigen Zwergen war nichts zu sehen, ganz im Gegenteil, überall wurde gelacht, getanzt und zu der schaurigen Musik gesungen.

„Da seid ihr ja", wurden sie auch sogleich von Elzachiel in Empfang genommen, der seine Frau hinter sich herschleifte. „Ich habe schon befürchtet, ihr würdet es nicht schaffen."

„Nicht doch", sagte Spike und schüttelte beiden die kleinen Hände. „So etwas würden wir uns doch nicht entgehen lassen. Nicht wahr, Angel?"

„Nein, natürlich nicht", brummte der Dunkelhaarige und begrüßte das Brautpaar seinerseits." Spike war das seltsamste Geschöpf der Welt und verstehen würde er ihn wohl nie wirklich. Doch dann zuckte er die Schultern und nahm sich vor, den Abend einfach zu genießen.

„Ich hab hier was für dich", sagte Spike, überreichte Elzachiel die mitgebrachte Tüte und wartete gespannt, während der Zwerg sie öffnete.

„Ach, du meine Güte...", murmelte Elzachiel und zeigte seiner Dulcia das Geschenk. Dann stürmte er auf Spike zu und umarmte ihn an der Hüfte. „Das ist das schönste Präsent, dass ich je bekommen habe", sagte er ganz atemlos, steckte seine Hand in seine Hosentasche und zog sie wieder heraus. Dann streckte er sie den beiden Vampiren entgegen und öffnete die kleine Faust. „Die habe ich gesammelt, während ich in eurer Welt war", grinste er und ließ ein paar Kronkorken aufblitzen. „Wirklich viele waren es bisher nicht, aber das hat sich dank euch schnell geändert."

„Schon gut", murmelte Spike beinahe verlegen und sah hilflos zu seinem Sire. Angel reagierte auch prompt. „Es freut mich, dass Spike ins Schwarze getroffen hat."

„Einfach wunderschön", lächelte Elzachiel und wischte sich eine Freudenträne aus dem Gesicht. „Und jetzt, esst und trinkt", sagte er mit weit ausholender Bewegung. „Unsere Familien haben Unmengen von Speisen und Getränke aufgefahren und das alles muss heute vernichtet werden." Er lachte, küsste seine Frau auf die Wange und führte sie dann auf die Tanzfläche.

„Willst du auch?", fragte Spike und grinste hinterhältig. „Vielleicht kann die Kapelle ja einen Tango spielen."

„Nein, danke", brummte Angel, doch dann legte sich ein Lächeln auf sein Gesicht. „Dafür bin ich nicht betrunken genug."

„Das lässt sich ändern", grinste Spike, nahm seine Hand und führte ihn zu den anderen Gästen, die sie auch sofort freudig in Empfang nahmen.

                                                              *~*~*

Eine halbe Stunde später waren sie von einer Fangemeinde umringt, die ausschließlich aus weiblichen Zwergen bestand, und Spike musste lachen, als er Angels Versuche sah, sie abzuwehren. Er hingegen ließ sich verwöhnen, ließ sich sein Essen herantragen und tanzte sogar wild und ausgelassen mit ihnen.

Die Hochzeit war spitzenmäßig und er hatte den Zwergen eine solche Gelassenheit gar nicht zugetraut. Hier und da kippten die Männer um, alle bis zum Erbrechen abgefüllt mit Schnaps, doch wie man ihm versicherte, war das ein Brauch der Zwerge, den alle gerne mitmachten. Je mehr Zwerge betrunken waren und umfielen, desto harmonischer würde die neu geschlossene Ehe sein. Spike sagte nichts dazu, doch eigentlich war das eine Sitte, die er gar nicht mal so schlecht war, jedenfalls besser als das dämliche Reiswerfen in seiner Welt. Er genoss den Abend in vollen Zügen. Seit langer Zeit hatte er richtig Spaß und er wusste jetzt schon, dass er diesen  Abend nie wieder vergessen würde.

Angel, der dem wilden Treiben seines Childes auf der Tanzfläche misstrauisch zugesehen hatte, zuckte schließlich mit den Schultern. Wenn Spike Spaß haben konnte, dann konnte er das doch eigentlich auch. Immerhin bestand der Hauptteil ihres Daseins aus bitterem Ernst und er könnte ja zumindest versuchen ein wenig aufzutauen. Und seine Gelegenheit kam schneller, als erwartet. Eine junge Zwergenfrau brachte ihm erst Weintrauben, und sie ließ es sich nicht nehmen, ihm ein paar davon direkt in den Mund zu stecken, dann schleppte sie Wein heran und schließlich brachte sie ihn sogar dazu, mit auf die Tanzfläche zu gehen.

                                                           *~*~*

Der Abend neigte sich dem Ende zu und Angel und Spike saßen mit Elzachiel zusammen am warmen Lagerfeuer. Spike hatte so viel Kumquats-Schnaps getrunken, dass ihm langsam schwindelig war und sogar Angel lächelte unentwegt.

„Lustige Bräuche habt ihr hier", meinte Spike schmunzelnd und zeigte auf einen der letzen noch sitzenden Zwerge, der gerade mit einem Krug Wein in der Hand nach hinten über kippte. Die ganze rote Flüssigkeit lief über sein Gesicht, doch er regte sich nicht mehr.

„Ja", lächelte Elzachiel glücklich. „Das stimmt allerdings. Am witzigsten finde ich allerdings die Sitte, wie Frauen sich einen Ehemann sichern können, obwohl sie kein Wort mit ihm gesprochen haben." Er lachte leise. „So schaffen es auch die Hässlichsten unter ihnen, endlich unter die Haube zu kommen. Denn wenn sie ihn erstmal so weit haben, dann gibt es kein Zurück mehr für den armen Kerl."

„Wie soll das gehen?", erkundigte sich Angel mit gerunzelter Stirn.

„Ach... das ist eigentlich ganz einfach", erzählte Elzachiel. „Wenn sie sich verliebt hat, dann wartet sie bis ihr Auserkorener ein wenig über den Durst getrunken hat und nicht mehr klar denken kann. Erst bringt sie ihm etwas zu Essen, dann bringt sie ihm Wein und wenn sie es dann noch schafft, ihren Angebeteten auf die Tanzfläche zu schleppen, dann ist sie schon verlobt und er verloren."

Angel sprang mit weit aufgerissenen Augen und rudernden Armen auf, doch Elzachiel brüllte vor Lachen und klopfte sich auf die Oberschenkel. „Das war nur ein Spaß", lachte er. „Nur ein Spaß!"

„Jetzt hast du ihn aber drangekriegt", grinste Spike und stand auf. „So entsetzt habe ich ihn noch nie gesehen. Nicht mal, als er im Rachen eines Tyrborg-Dämons steckte." Er griff Angels Hand und zog ihn an sich heran. „Da hast du aber noch mal Glück gehabt."

„Allerdings", schnaufte Angel, doch dann lachte er los.

                                                        *~*~*

Schließlich war es Zeit, sich endgültig zu verabschieden und Elzachiel brachte sie zurück zum Dimensionstor. „Ihr Beide seid hier jederzeit willkommen", meinte er und lächelte sie an. „Ihr habt so unglaublich viel für mich getan, das kann ich nie wieder gutmachen. Also, wenn ihr mal in der Gegend seid, dann kommt doch einfach vorbei. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, euch wiederzusehen."

„Vielleicht kommen wir darauf zurück", grinste Spike und deutete mit dem Kopf auf Angel. „Er muss doch wissen, was aus seiner kleinen Freundin wird." Doch bevor Angel etwas darauf erwidern konnte, hatte er ihn schon an sich herangezogen und geküsst. „Lieber nicht", meinte er dann verschwörerisch. „Ich werde nämlich furchtbar eifersüchtig und dieser sexy Mann da gehört MIR!" Er zwinkerte Elzachiel zu, winkte mit der freien Hand und zog Angel einfach mit sich durch das Tor.

Ende!

Diese Geschichte wurde archiviert am http://www.eternallovers.de/efiction/viewstory.php?sid=115