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Chronicles of a lifetime love von redangeleve
Inhalt: In Rückblenden erinnern sich Harry und Draco daran, wie ihre Liebe begonnen hat und wie aus ihnen das wurde, was sie heute sind.
Fandom(s): Harry Potter Pairing(s): Harry Potter/Draco Malfoy
Story-Genre: Abenteuer, Allgemeine Story
Lšnge der Story: Mehrteiler
Story-Typ: Slash - M/M
Warnungen: Keine
Challenges:
Serie: Keine
Kapitel: 34 Story vollendet: Ja Anzahl der Wörter: 156223 Wörter Gelesen: 119914 Mal Datum der Veröffentlichung: 01.08.09 Letztes Update: 04.09.10

1. Kapitel 1 von redangeleve

2. Kapitel 2 von redangeleve

3. Kapitel 3 von redangeleve

4. Kapitel 4 von redangeleve

5. Kapitel 5 von redangeleve

6. Kapitel 6 von redangeleve

7. Kapitel 7 von redangeleve

8. Kapitel 8 von redangeleve

9. Kapitel 9 von redangeleve

10. Kapitel 10 von redangeleve

11. Kapitel 11 von redangeleve

12. Kapitel 12 von redangeleve

13. Kapitel 13 von redangeleve

14. Kapitel 14 von redangeleve

15. Kapitel 15 von redangeleve

16. Kapitel 16 von redangeleve

17. Kapitel 17 von redangeleve

18. Kapitel 18 von redangeleve

19. Kapitel 19 von redangeleve

20. Kapitel 20 von redangeleve

21. Kapitel 21 von redangeleve

22. Kapitel 22 von redangeleve

23. Kapitel 23 von redangeleve

24. Kapitel 24 von redangeleve

25. Kapitel 25 von redangeleve

26. Kapitel 26 von redangeleve

27. Kapitel 27 von redangeleve

28. Kapitel 28 von redangeleve

29. Kapitel 29 von redangeleve

30. Kapitel 30 von redangeleve

31. Kapitel 31 von redangeleve

32. Kapitel 32 von redangeleve

33. Kapitel 33 von redangeleve

34. Kapitel 34 von redangeleve

Kapitel 1 von redangeleve
Kommentar:

Das Kursiv geschriebene ist die "Gegenwart". Normalschrift sind die Rückblenden.

Storypic; von Velence

  „Was machst du da?"

Ich schreibe."

Nein, tatsächlich?! Meine Augen mögen vielleicht nicht mehr ganz so scharf sein, wie früher, aber ich bin nicht blind, Potter."

Harry musste unwillkürlich grinsen. Nach all den Jahren waren sie noch immer der Gewohnheit treu geblieben, sich mit ihren Nachnamen anzusprechen, wenn sie sich in den Haaren hatten. „Du würdest mit Sicherheit wesentlich besser sehen, wenn du nicht zu eitel wärst, auch mal deine Brille aufzusetzen, Malfoy."

Meine Augen sind ganz in Ordnung", schnappte der Blonde. „Also, was schreibst du da?"

Ich schreibe unsere Geschichte auf."

Wozu soll das gut sein?"

Damit wir uns daran erinnern, wenn wir mal richtig alt und senil sein sollten."

Malfoys werden nicht senil." Stolz reckte Draco das Kinn. „Wir sehen nicht nur bis ins hohe Alter blendend aus, wir haben auch bis zum Schluss einen messerscharfen Verstand."

Gut, dann halt: Wenn ich senil werde. Besser? Lass uns nicht streiten, love, ich habe gerade erst angefangen und noch eine Menge Jahre vor mir."

XXXXXX

 

I. For the very first time

This life this love oh what sweetness I feel

So mysterios yet so incredible real

It`s an uncharted sea it`s an unopen door

But ya got to reach and ya gotta explore

 

(Robin Beck, The first time)

 

Mist, wo hatte er es nur verloren?

Die Augen auf das Gras zu seinen Füßen gerichtet, trottete Harry langsam über das Quidditch-Feld. Die Sonne war dabei hinter den Hügeln zu versinken und in wenigen Minuten würde das Feld in völlige Dunkelheit gehüllt sein. Er sollte sich also lieber beeilen.

Es war Hermine sicher nicht leicht gefallen, ihm die Kette mit dem kleinen, silbernen Glücksschweinchen zu leihen, die sie von ihren Eltern zu den bestandenen ZAGs geschenkt bekommen hatte. Aber heute hatte das alles entscheidende Qudditch-Spiel der Gryffindors gegen ihre Erzrivalen aus Slytherin stattgefunden und sogar Hermine, die dem Sport sonst eher kritisch gegenüber stand, war von dem allgemeinen Fieber gepackt worden. Die Wetten standen so gut wie noch nie, alle waren hoch motiviert. Niemand wollte ein Risiko eingehen und so hatte Harrys Freundin ihm den Glücksbringer für das Spiel überlassen. Zwei Jahre hinter einander hatten die Gryffindors schon den Cup geholt und sie hatten vor, es auch ein drittes Mal zu tun und das Tripple perfekt zu machen.

Allerdings hatte es während des Spiels lange Zeit nicht danach ausgesehen. Die Slytherins spielten aggressiv wie immer und obwohl die Gryffindors auf ihre Taktik eingestellt waren, hatten sie der rohen Gewalt der Grüngewandeten oftmals kaum etwas dagegen zu setzen.

Schon nach einer halben Stunde führten die Slytherins mit sechzig zu zehn Punkten. Fred Weasley, der für die Gryffindors als Treiber spielte, musste wegen einer ausgekugelten Schulter vom Feld und Ron, der als Hüter mehrere brutale Attacken abblockte, blutete stark aus einer Platzwunde über dem rechten Auge.

Alles hing mal wieder von Harry ab. Nur wenn er den Schnatz fangen würde, konnte dieses Spiel noch gewonnen werden, doch Malfoy hing ihm wie eine Klette am Besen und die Slytherin Treiber hielten ihn mit ihren Attacken so stark in Atem, dass er Mühe hatte, noch auf dem Besen sitzen zu bleiben. An den Schnatz war kaum noch zu denken.

Es war wohl mehr als nur ein glücklicher Zufall, als die kleine goldene Kugel unmittelbar an seinem Ohr vorbei sauste. Im Bruchteil einer Sekunde riss Harry seinen Besen herum und jagte dem geflügelten Ball hinterher. Malfoy immer dicht an seinen Fersen.

Die Gryffindors würden später sagen, es sei Genialität gewesen, seine Freunde würden es seiner Waghalsigkeit zu schreiben, doch Harry würde es pures Glück nennen, als er es letztendlich schaffte, wie ein Faultier kopfüber am Besen hängend den Schnatz tatsächlich vor dem blonden Slytherin zu erwischen. Die Menge tobte und die Gryffindors trugen ihren Helden auf den Schultern in die Kabine.

Erst als der erste Freudentaumel vorbei war, merkte Harry plötzlich, dass die Kette fort war. Direkt nachdem er sich geduscht und umgezogen hatte, verabschiedete er sich unter einem Vorwand von seinen Teamkameraden, die in den Gemeinschaftsraum wanderten, um dort mit den restlichen Gryffindors ihren Sieg zu feiern und ging hinaus auf das jetzt menschenleere Quidditch-Feld, um nach der Kette zu suchen.

Stirnrunzelnd versuchte sich Harry daran zu erinnern, wo er überall entlang geflogen war, doch er musste sich eingestehen, dass er so sehr auf das Spiel konzentriert gewesen war, dass es keinen Sinn ergab, darüber nachzugrübeln. Nachdem er jeden Zentimeter des Rasens untersucht hatte, begab er sich schließlich in den Graben vor den Zuschauerrängen.

Die Sonne war fast vollständig untergegangen und hier unten herrschte ein diffuses Zwielicht, das Harry mit dem Leuchten seines Zauberstabs aufzuhellen versuchte. Trotzdem reichte seine Sicht kaum zwei Meter weit. Gerade meinte er, einige Meter entfernt etwas glitzern gesehen zu haben, doch als er näher heran trat, handelte es sich nur um die Scherbe einer Butterbierflasche.

Harry merkte die Enttäuschung in sich aufsteigen, als er plötzlich eine bekannte Stimme hinter sich hörte. „Potter."

Der Gryffindor fuhr herum. Malfoy stand einige Meter entfernt. Er trug seinen grünen Quidditch-Dress und scheinbar war er noch nicht unter der Dusche gewesen. Die blonden, sonst so sorgsam gekämmten Haare fielen ihm in wirren Strähnen ins Gesicht.

Das Licht reichte nicht aus, um das Gesicht des Slytherin zu sehen und obwohl Harry Malfoys Zauberstab nicht sehen konnte, blieb er wachsam. „Was willst du, Malfoy?"

„Dir gratulieren, natürlich", sagte der Blonde neutral und kam einige Schritte näher. Reflexartig hob Harry seinen Zauberstab ein paar Zentimeter höher und der Lichtschein erleuchtete jetzt matt das helle Oval unter den weißblonden Haaren. Die linke Wange hatte sich dunkelblau verfärbt, dort wo einer der Klatscher der Weasley Zwillinge Draco getroffen hatte. Seine Mundwinkel kräuselten sich in der schmerzhaften Andeutung eines Lächelns.

„Gratulieren?" fragte Harry skeptisch. Keinen Augenblick löste er den Blick von dem Blonden. „Das wäre jetzt wirklich mal etwas Neues."

„Wieso? Es war ein gutes Spiel. Dein Manöver am Ende war ... einzigartig."

Harry glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Irritiert musterte er den Slytherin, dessen silberne Augen Harrys Blick belustigt erwiderten. Ein Kompliment aus Malfoys Mund konnte nur eine Falle sein. Noch nie hatte er in den letzten fünf Jahren auch nur ein freundliches Wort für den dunkelhaarigen Gryffindor oder seine Freunde übrig gehabt.

„Danke", erwiderte Harry nach einer Weile zögernd. Er wusste nicht, was er sonst sagen sollte. „Ihr wart aber auch harte Gegner. Das Ende war wirklich ... knapp."

Einen Moment standen sie sich schweigend gegenüber, dann räusperte sich der Dunkelhaarige unbehaglich und wandte sich ab. „Also wenn das alles war, ich müsste dann mal weiter suchen."

„Bist du unter die Müllgräber gegangen oder suchst du was bestimmtes?" fragte der Blonde und hob dabei die hellen Augenbrauen.

„Nein, ich..." Harry war sich nicht sicher, ob er Malfoy erklären wollte, dass Hermine ihm ihren Glücksbringer geliehen hatte. Abgesehen davon, dass der Slytherin seine Freundin hasste wie die Pest, würde er solche Muggelbräuche vermutlich sowieso nicht verstehen. Also entschied er sich für die halbe Wahrheit. „Ich habe eine Kette verloren. War ein Geschenk. Wäre schade, wenn sie weg wäre."

„Ich könnte dir suchen helfen", bot sich Malfoy an.

„Warum solltest du das tun wollen?" fragte der Gryffindor irritiert.

„Sagen wir mal, ich habe es nicht so eilig, zurück ins Schloss zu kommen. Ist ja nicht so, als ob eine Siegesfeier auf mich warten würde."

Harry ließ sich die Sache kurz durch den Kopf gehen und zuckte dann gleichgültig die Schulter. „Von mir aus."

Schweigend suchten sie den Boden des Grabens nebeneinander ab. Die Sonne war jetzt vollständig untergegangen und auch Malfoy brauchte seinen Zauberstab, um überhaupt noch irgendetwas außer der rabenschwarzen Nacht um sie herum sehen zu können.

Sie umrundeten das gesamte Spielfeld, doch ohne Erfolg.

„Nichts", stellte der Blonde fest.

„Ja, schade", sagte Harry resigniert. Er würde wohl oder übel Hermine gegenüber zugeben müssen, dass er ihre Kette verloren hatte. Hoffentlich würde sie es annehmen, wenn er ihr eine neue als Wiedergutmachung kaufte. „Trotzdem danke für deine Hilfe", fügte er höflich hinzu.

„Kein Problem", antwortete Malfoy und unterstrich die Worte mit einem Schulterzucken.

Harry wollte gerade den Graben verlassen, um sich auf den Rückweg zu der Siegesfeier im Turm zu machen, als der Slytherin ihn noch einmal zurück rief. „Potter?"

„Ja?" Harry drehte sich halbherzig um. In Gedanken legte er sich schon die Entschuldigung für Hermine zurecht. Völlig ohne Vorwarnung stand Draco plötzlich unmittelbar vor ihm und presste die Lippen auf die seinen. Der dunkelhaarige Gryffindor war so überrascht, dass ihm der Zauberstab aus seinen Fingern rutschte.

Entrüstet wehrte er den anderen Jungen ab und schob ihn unsanft von sich. „Malfoy, wenn das eins deiner Spiele ist...", keuchte er atemlos.

„Ich spiele grundsätzlich nur noch auf dem Rasen, Potter. Für alles andere werden wir beide zu alt, findest du nicht?"

Zwar konnte Harry den Blonden in der Dunkelheit mehr erahnen, als dass er ihn wirklich sah, aber der amüsierte Ton war ihm trotzdem nicht entgangen. Harry fühlte, wie ihm das Blut in die Wangen schoss. Wenn er ehrlich zu sich war, hatte ihm der Kuss nicht schlecht gefallen. Etwas überraschend zwar, aber nicht unangenehm. Der Gryffindor fühlte sich hin und her gerissen. Einerseits war das hier vielleicht die Antwort auf ein Begehren, das er im Stillen bereits seit langer Zeit verspürt hatte. Doch andererseits kannte er Malfoy schon zu lange, um ihm einfach so vorbehaltlos zu trauen.

„Woher weiß ich, dass es dir wirklich ernst ist?" fragte er in die Stille des Augenblicks hinein.

Der Blonde schien einen Augenblick zu überlegen, dann schloss er abermals den Abstand zwischen ihnen beiden. „Fühlst du das?" Der Slytherin drückte ihm etwas hartes, dünnes in die Hand. „Das ist mein Zauberstab. Ich bin nun völlig wehrlos und wir sind ganz allein. Küss mich, töte mich oder geh einfach weg. Du hast die Wahl."

Unschlüssig drehte Harry den schlanken Stab zwischen seinen Fingern. Er fühlte sich ähnlich an, wie sein eigener und doch ging von ihm eine ganz andere Aura aus. Einen letzten Moment zögerte er noch, gestattete es sich, die Kontrolle zu genießen, dann ließ er auch Malfoys Zauberstab auf den Boden fallen.

„Keine Spiele mehr", flüsterte er leise.

„Keine Spiele", wiederholte der Blonde ganz nah an seinem Ohr, dann schlossen sich seine Arme sanft um Harrys Schultern.

XXXXXX

Ich vermisse die Stelle, in der du mir sagst, dass ich unwiderstehlich bin." Neugierig lugte Draco über die Schulter des Dunklen auf das beschriebene Blatt Papier.

Das habe ich nie gesagt", wehrte Harry stirnrunzelnd ab.

Und ob!" protestierte der Blonde. „Keine Ahnung, warum du das verdrängt hast, aber ich habe ein photographisches Gedächtnis. Ich erinnere mich an jede Kleinigkeit dieses März Tages."

Februar, love, es war noch Februar", korrigierte Harry ruhig.

Jedenfalls war es Frühling. Wen interessiert schon der Monat", schnappte Draco beleidigt.

Eigentlich war es noch Winter, aber an diesem Tag war es tatsächlich richtig frühlingshaft", sinnierte der Dunkle gedankenverloren.

Yeah, vermutlich hatte ich deshalb schon Frühlingsgefühle."

Genau, schieb es nur auf die Hormone", stichelte Harry belustigt.

Was denn sonst? Oder glaubst du ernsthaft, ich wäre sonst auf dieses Gryffindor-Gehabe reingefallen?"

Erzähl mir nicht, dass du nicht genau gewusst hast, was du in diesem Moment tust."

Also, wenn ich damals geahnt hätte, dass ich dich ein Leben lang nicht mehr los werde, hätte ich`s mir vielleicht noch mal überlegt."

Ohne sich umzudrehen ließ Harry seinen Ellenbogen nach hinten schnellen, aber die Reflexe des anderen waren immer noch gut. „Jetzt lass mich arbeiten, oder ich werde wirklich noch senil, bevor ich diese Geschichte fertig geschrieben habe."

XXXXXX

II. All about us

 

They don`t know,

They can`t see

Who we are

Fear is the enemy

Hold on tight

Hold on to me

Cause tonight

It`s all about us

(T.A.T.U., All about us)

 

„Also, wenn du mich fragst, haben sie Malfoy entweder über die Osterferien einer Gehirnwäsche unterzogen oder er ist plötzlich impotent geworden." Ungläubig warf Ron einen verstohlenen Blick durch den Raum zu dem blonden Slytherin, der versunken in seinem Kessel rührte.

„Wie kommst du denn da drauf?" fragte Harry betont lässig. Er musste sich zwingen, die Augen nicht von den Drachenhoden zu heben, die er für ihren Trank klein hacken musste.

„Na ja, er ist halt nicht der selbe Kotzbrocken wie in den letzten fünf Jahren", erklärte der Rotschopf seinen Gedankengang. „Klar, er stichelt immer noch und wirft uns böse Blicke zu, aber es ist alles irgendwie halbherzig. Nicht fies genug, weißt du. So, als ob er es nur aus Gewohnheit tut."

„Du spinnst, Ron." Harry zwang sich zu einem Lachen und hoffte, dass es nicht zu gekünstelt klang. „Für mich ist er immer noch der gleiche Schleimer wie früher."

„Aber Hermine sagt auch..."

„Ach, hör mir auf mit Hermine!" zischte der Dunkelhaarige so leise, dass ihre Freundin, die eine Reihe hinter ihnen arbeitete, sie nicht hören konnte. „Die hört doch überall nur Verschwörungen. Ich sage dir, das bildest du dir alles nur ein."

„Wenn du meinst...", erwiderte Ron, wenig überzeugt.

„Ja, ich meine. Und jetzt hilf mir mal mit diesen Hoden. Wer hätte gedacht, dass Drachen sogar zwischen ihren Beinen Schuppen haben." Wütend hakte Harry mit dem Messer auf die Drachenhoden ein, die sich einfach nicht zerkleinern lassen wollten.

Seit drei Monaten traf er sich jetzt schon heimlich mit Draco. Meistens nachts, damit es auch wirklich niemand merkte. Doch obwohl sie vorsichtig waren, schien die Veränderung, die ihre Beziehung bewirkte, nicht länger unbemerkt zu bleiben. Auch Harry merkte, dass sich immer öfter ein seliges Lächeln auf seine Lippen legte, wenn er an diese heimlichen Treffen dachte.

Es war wirklich nicht einfach, sich in den Stunden die sie mit den Slytherins gemeinsam hatten, zusammen zu reißen und den Blick nicht zu oft und zu lange in eine gewisse Richtung wandern zu lassen.

Am liebsten hätte es Harry seinen Freunden einfach erzählt, aber er wagte es nicht. Sie würden es nicht verstehen. Er verstand es ja selbst nicht. Ron hatte recht, es war, als wäre Draco in seinen Augen plötzlich ein anderer Mensch geworden. Niemals zuvor war ihm aufgefallen, wie anmutig sich der blonde Slytherin bewegen konnte. Nie hatte er bemerkt, wie lang die Wimpern waren, die seine silberfarbenen Augen einrahmten. Nie hatte er gesehen, was für ein wunderbares Lächeln der Andere hatte.

Beinah hätte der Gryffindor laut aufgeseufzt, als sein Blick doch wieder an seinem ehemaligen Lieblingsfeind hängen blieb, doch im letzten Moment beherrschte er sich und stieß die Luft grimmig zwischen den zusammen gebissenen Zähnen hindurch. Er konnte es kaum erwarten, dass endlich der Tag verging, damit sie sich wieder heimlich an ihrem Treffpunkt vor einem leer stehenden Klassenzimmer treffen konnten.

XXXXXXX

Der Gang im zweiten Stock lag leer und dunkel vor ihm. Harry hatte den Tarnumhang übergestreift und schlich nun so leise wie möglich die ausgestorbenen Flure des Schlosses entlang. Zwar wusste er dank der Karte des Rumtreibers ziemlich genau, wo sich der Lehrer aufhielt, der in dieser Nacht die Kontrollgänge durch das Schloss vornahm, doch er wollte auf Nummer sicher gehen. Nicht, dass er aus Versehen noch einem der Geister oder Miss Norris in die Arme lief.

„Ich dachte schon, du versetzt mich." Bei dem Klang der Stimme hinter ihm, rutschte ihm beinah das Herz in die Hose.

„Malfoy." Rasch ließ Harry den Tarnumhang hinunter gleiten. „Woher hast du gewusst, dass ich komme?"

Beinah lautlos trat der blonde Junge hinter der Statue eines einarmigen Zauberers hervor.

„Du magst ja ein Ass auf dem Besen sein, Potter, aber zu Fuß bist du lauter als ein Troll beim Paarungstanz."

„Das liegt nicht an meinen Füßen, sondern vielmehr an deinen Ohren. Sie sind viel zu groß für so einen eigentlich ganz ansehnlichen Kopf", feixte Harry.

„Tatsächlich? Ich zeige dir gleich mal, was richtig große Ohren sind, Potter", erwiderte der Slytherin ungerührt und wedelte drohend mit dem gezückten Zauberstab.

„Das will ich sehen." Scheinbar gleichgültig verschränkte Harry die Arme vor der Brust.

„Später", knurrte der Blonde und zog seinen Freund mit sich hinter die Statue. Stürmisch suchten seinen Lippen die des andern Jungen. „Ich habe dich vermisst", hauchte er in den Kuss hinein.

Hungrig erwiderte Harry die Geste. „Was hättest du gemacht, wenn ich nicht gekommen wäre?"

„Ich wäre in den Turm gekommen und hätte dich geholt." Grinsend flüsterte Draco die Worte in das Ohr des Dunkelhaarigen, dann knabberte er zärtlich an Harrys Hals.

Sämtliche Härchen am Körper des Gryffindors stellten sich bei dieser Berührung auf und er konnte nicht verhindern, dass ihm ein leichtes Stöhnen entwich. „Und wie denkst du, wärst du durch das Portraitloch gekommen?"

„Glaub mir, ich habe so meine Methoden", antwortete Draco und ließ seine Hände forschend unter Harrys T-Shirt gleiten. „Wenn ich etwas will, dann bekomme ich es auch."

Der dunkelhaarige Junge musste schwer schlucken, als die Finger des Slytherin wie zufällig über seine empfindlichen Brustwarzen glitten. Erneut musste er sich schwer beherrschen, um nicht erregt aufzukeuchen. „Das glaube ich dir aufs Wort", brachte er gepresst hervor.

XXXXXX

Warum sieht das so aus, als ob immer alles nur meine Schuld war?" fragte Draco pikiert, nachdem er die Seite gelesen hatte.

Weil es auch alles von dir ausging, love. Ich war doch damals viel zu schüchtern." Müde streckte Harry seine schmerzende Hand.

Genau, stell dich mal als Opfer hin, dass von mir einfach so verführt wurde." Schmollend schob Draco seine Unterlippe vor, was dem Dunkelhaarigen ein amüsiertes Grinsen entlockte.

Aufs Ergebnis kommt es doch an, Schatz. Oder nicht? Wenn ich es nicht gewollt hätte, wäre ich jetzt bestimmt nicht mehr mit dir zusammen."

Oder du bist immer noch viel zu schüchtern, um mir zu sagen, dass du es eigentlich gar nicht willst." Fragend hob der Blonde die Augenbrauen an.

Aber natürlich will ich mit dir zusammen sein, love", schnurrte Harry versöhnlich. „Für immer, das weißt du doch."

Zufrieden lehnte sich Draco in seinem Stuhl zurück. „Aber ich höre es so gern."

Love you." Zärtlich drückte Harry seine Lippen auf die des anderen Mannes.

Love you, too."

XXXXXX

 

III. I`ll make love to you

 

I`ll make love to you like you want me to

And I hold you tide, baby all through the night

I`ll make love to you, when you want me to

And I will not go till you tell me to

 

(Boys II Men, I`ll make love to you)

 

„Harry, bist du sicher, dass du nichts aus Hogsmeade haben willst?" fragte Ron seinen Freund, der sich unter seiner Bettdecke zusammen gerollt hatte. „Wir könnten dir ein paar Süßigkeiten aus dem Honigtopf mitbringen oder ein paar Scherzartikel."

Der dunkelhaarige Gryffindor verzog bei dem Gedanken an Essen schmerzhaft das Gesicht. „Nein danke, Ron. Ich will wirklich nichts. Macht euch einfach einen schönen Tag, okay? Ich komme schon klar."

„Alles klar, Alter. Aber es ist echt schade, dass du ausgerechnet heute krank geworden bist." Trübselig den Kopf schüttelnd, verabschiedete sich der rothaarige Junge von seinem Freund und verließ dann ihren gemeinsamen Schlafraum.

Harry atmete hörbar auf. Es war ein schönes Maiwochenende und zugleich der erste Ausflug nach Hogsmeade seit den Osterferien. Das ganze Schloss schien auf den Beinen zu sein. Nun ja, zumindest fast das ganze Schloss. Seit ihrem Treffen neulich Nacht hatte Harry Draco damit gepiesackt, wissen zu wollen, wie dieser es anstellen würde, in den Gryffindor Turm zu kommen, doch der andere hatte sich darüber ausgeschwiegen.

Deshalb hatte Harry ihn mit einer Wette geködert: Wenn Draco es schaffte, in den Turm zu gelangen, natürlich ohne dabei gesehen zu werden, hatte er bei Harry einen Wunsch frei. Damit sie die Sache in Ruhe angehen konnten, hatten sich die beiden Jungen für den Tag des Hogsmeade Wochenendes entschieden.

Vorsorglich hatten sowohl Harry als auch Draco von den Nasch- und Schwänz-Leckereien von Rons Brüdern gegessen, was dazu geführt hatte, dass sich der Gryffindor heute den halben Morgen übergeben musste. Gott sei Dank ließ die Wirkung nun endlich nach, aber schlecht war ihm immer noch.

Leise schlug der dunkelhaarige Junge die Bettdecke zurück und verließ den Schlafraum. Vorsichtig überprüfte er die übrigen Schlafräume der Mädchen und Jungen, um festzustellen, dass tatsächlich alle Gryffindors ausgeflogen waren. Zufrieden tauschte er seinen Pyjama gegen seine Jeans und ein T-Shirt, dann nahm er sich die Unterlagen, die er für seine Hausaufgaben noch brauchte und setzte sich in den leeren Gemeinschaftsraum.

Eine Stunde arbeitete er an seinem Aufsatz für Verwandlung, ohne dass irgendetwas geschah und Harry glaubte schon, die Wette gewonnen zu haben, als plötzlich das Portrait vor dem Eingang des Gemeinschaftsraums zurück schwang und ein recht blasser, aber zufrieden grinsender Draco durch das Loch nach drinnen trat.

„Was habe ich gesagt?" fragte der Blonde und ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. „Nett habt ihr`s hier. Nicht so edel natürlich, wie unser Gemeinschaftsraum, aber dafür, dass ihr nur Gryffindors seid..."

Mit gerunzelter Stirn stand Harry auf und knuffte seinen Freund spielerisch in die Seite. „Treib`s nicht zu weit, Malfoy", knurrte er warnend, aber mit einem Lächeln auf den Lippen. „Verrätst du mir nun, wie du hier rein gekommen bist?"

„Wir Malfoys haben halt unsere Methoden", grinste der Slytherin überheblich.

„Sag nur nicht, du hast die fette Dame bestochen?" mutmaste der Gryffindor ins Blaue.

„Nun ja, bestochen würde ich das nicht wirklich nennen..", druckste Draco herum.

„Ich fasse es nicht." Harry schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. „Sogar die Portraits sind empfänglich für dein Geld."

„Hey, mit Geld hat das gar nichts zu tun!" protestierte der Blonde. „Hier geht`s um Beziehungen, du blutiger Anfänger. Neulich hatte die fette Dame mit ihrer Freundin Violett mal wieder einen über`n Durst getrunken und da habe ich gehört, dass sie heimlich für den schönen Calrissian aus dem Portrait im dritten Stock schwärmt. Also habe ich ihr gesagt, ich könnte bei ihm ein gutes Wort für sie einlegen, wenn sie mich rein lässt."

„Und was hast du dem schönen Calrissian dafür versprochen?" fragte Harry, der solche Bestechnungsketten schon kannte.

„Der schöne Calrissian hat eine Vorliebe für Wein", erklärte Draco schulterzuckend. „Und bei den Mönchen aus dem Bild in der großen Halle, habe ich noch einen Gefallen gut. Also haben sie ihm ein Fass zukommen lassen."

„Und was für einen Gefallen hast du denen nun wieder getan?"

„Ich habe sie vor Peeves gerettet, der sie mit einer Wasserbombe mit roter Farbe bewerfen wollte. Nun, zufrieden?"

„Beeindruckend", gab Harry zu. „Und das alles, nur um in den Turm zu kommen. Wer schuldet dir denn noch so alles einen Gefallen? Führst du vielleicht Buch darüber?"

„Du solltest froh sein, dass ich so viel Mühe auf mich nehme, nur um dich zu sehen, du Nervensäge", stichelte Draco. „Von den elenden Kotzpillen gar nicht zu reden, die du mir untergejubelt hast. Die Wiesel-Brüder sollte man vors Zaubergamott bringen. Die reinste Körperverletzung, dieses Zeug. Und ich brauche kein Buch, um zu wissen, dass du mir jetzt einen Wunsch schuldest."

„Nur zu." Grinsend breitete Harry die Arme aus. „Ich gehöre dir."

„Genauso hatte ich mir das auch gedacht", erwiderte der Blonde zufrieden und ließ sich in den Sessel nahe des Kamins fallen.

Harry merkte, wie ihm das Blut in den Kopf schoss. „Du..du..du meinst heute? Hier? Wir?"

„Warum nicht?" fragte Draco ernst. „Es ist die Gelegenheit: Wir sind allein, ungestört. Die anderen werden noch stundenlang weg sein. Ist doch allemal besser, als auf einer alten Decke in einem unbenutzten Klassenraum, oder?"

Der Dunkle schluckte hörbar. „Ja, sicher, es ist nur... weißt du..." Auf einmal war Harrys Kopf wie leer gefegt.

„Du hast Angst?" fragte der Slytherin frei heraus.

„Nein! Nein, wirklich nicht", wehrte Harry ab, doch der Knoten in seinem Magen sagte etwas anderes. „Aber du weißt, ich habe noch nie... ich... ich brauche einfach Zeit." Hilflos sah er den Blonden an.

„Es ist schon okay. Nein, wirklich. Wir müssen das nicht tun. Wir sollten das beide wollen. Ich kann warten." Aber so ganz gelang es Draco nicht, die Enttäuschung aus seiner Stimme zu vertreiben. „Also." Er versuchte so ungezwungen wie möglich zu lächeln. „Was machen wir mit diesem angebrochenen Tag?"

„Ich könnte dir den Turm zeigen, wo du schon mal hier bist", bot sich Harry an, froh dass sie über ein anderes Thema sprachen.

„Okay", antwortete der Slytherin mit einem Schulterzucken.

Viel gab es in dem Gryffindor-Turm nicht zu sehen. Nachdem sie ihre Tour im Gemeinschaftsraum starteten und auch die Badezimmer besichtigt hatten, fanden sich die beiden Jungen schließlich doch in dem Schlafraum wieder, den Harry sich mit seinen Freunden teilte.

„Sieht bequem aus", stellte Draco fest, als er das rote Himmelbett seines Freundes begutachtete. „Und ich wette, die schweren Vorhänge sind nach einer durchfeierten Nacht richtig praktisch, um störendes Sonnenlicht auszusperren."

„Mag sein, so oft hatte ich noch nicht die Gelegenheit, es auszuprobieren", erwiderte Harry ahnungslos.

„Wirken die eigentlich auch geräuschdämmend?" fragte der Blonde interessiert und warf sich mit Schwung auf die Bettdecke, so dass die Federn der Matratze protestierend quietschten.

„So`n bisschen vielleicht."

„Wir könnten ja mal einen Test starten", sagte Draco und versuchte dabei so unschuldig wie möglich auszusehen.

„Aber es ist doch gar keiner hier...", antwortete der Gryffindor verständnislos.

Der Slytherin rollte theatralisch mit den Augen und zog den Dunklen geschickt zu sich in die Kissen. Ein schneller Wink mit dem Zauberstab und die Vorhänge um das Bett schlossen sich. „Sind eigentlich alle Gryffindors so schwer von Begriff oder ist dieses Talent für dich reserviert?" fragte Draco und grinste seinen Freund in dem entstandenen Dämmerlicht schelmisch an.

„Es kann ja nicht jeder so genial sein, wie du", versuchte Harry sein Herzklopfen durch einen Scherz zu überspielen.

„Meine Rede", flüsterte der Blonde. Er warf dem Dunklen einen Blick zu, der Harry doch sehr an den von einer Schlange an ein Kaninchen erinnerte, dann zog er den Gryffindor an sich und küsste ihn verlangend.

„Draco, ich weiß wirklich nicht..", wehrte Harry sich halbherzig gegen die Zärtlichkeiten seines Freundes.

„Halt doch einfach nur einmal deinen Mund, Potter", flüsterte der Blonde rau. „Ich verspreche dir, wir tun nichts, was du nicht willst."

Doch schon wenige Minuten später war Harry sich nicht mehr sicher, was er eigentlich noch wollte und was nicht, oder wo überhaupt sein eigener Körper aufhörte und der seines Freundes begann.

XXXXXX

Warum hörst du eigentlich immer dann auf, wenn es spannend wird?" fragte Draco und gab Harry das Blatt zurück.

Muss ich immer so ins Detail gehen?" fragte der Dunkelhaarige und sortierte es zu den anderen Blättern.

Vielleicht willst du dich nur nicht daran erinnern, was dann passierte?" mutmaste der Blonde.

Sollte ich nicht?" stichelte Harry grinsend.

Wer weiß? Sag nicht, du hast es nicht genossen?"

Der Dunkle verzog nachdenklich das Gesicht. „Doch, ich denke schon."

Du denkst?!" fragte Draco entsetzt.

Es ist schon ein paar Tage her, love."

Aber so was vergisst man doch nicht!"

Ich habe auch nicht gesagt, dass ich es vergessen habe, nur will ich es nicht aufschreiben."

Sag nicht, es ist dir peinlich. Also aus dem Alter solltest du langsam echt raus sein, Potter."

Und du solltest langsam wirklich aus dem Alter raus sein, in dem du mich zur Weißglut treibst, Malfoy."

Da kannst du warten, bis du irgendwann in einer Kiste liegst, babe. Es macht einfach viel zu viel Spaß dich zu trietzen."

Geh spielen oder die Katze ärgern oder was du sonst so tust, love. Bei deinen ständigen Unterbrechungen kann ich mich einfach nicht konzentrieren."

Gryffindor-Nervensäge."

Slytherin-Schleimer."

Love ya."

Me, too."

Tbc

Kapitel 2 von redangeleve

 Kapitel 2

IV. A whole new world

A whole new world

Every turn a surprise

With new horizons to pursue

Every moment red-letter

I`ll chase them anywhere

There`s time to spare

Let me share this whole new world with you

 

(Soundtrack „Disney`s Aladdin", A whole new world)

 

Warm schien die Sonne auf die beiden ausgestreckten Körper, die auf dem kühlen Waldboden lagen. Der Mai näherte sich mit schnellen Schritten seinem Ende. Die Temperaturen zeugten schon vom nahenden Sommer und sowohl Draco, als auch Harry hatten ihre Schuhe und Strümpfe ausgezogen und gruben ihre nackten Zehen in den angenehm kühlen Untergrund. Nur noch sechs Wochen und das Schuljahr würde vorüber sein.

Der Verbotene Wald erschien den meisten Schülern erschreckend und dunkel, doch wenn man sich in ihm auskannte, hatte er auch seine angenehmen Seiten. Als Harry vor einigen Wochen Hagrid bei seiner Arbeit als Wildhüter begleitet hatte, war er durch Zufall auf diese kleine unberührte Lichtung gestoßen. Hier war es ruhig und abgeschieden. Kein Schüler würde sich jemals so weit in den Wald wagen, dass er sie entdecken konnte. Es gab nur sie beide. Ganz allein.

„Was für eine Hitze", stöhnte Draco und zog sich sein T-Shirt über den Kopf. Es war Sonntag, daher hatten die beiden Jungen auf die vorgeschriebene Schulkleidung verzichten können.

„Wäre es dir lieber, es würde wieder anfangen zu stürmen und zu hageln?" neckte ihn der Gryffindor und entledigte sich nun ebenfalls seines Oberteils.

„Natürlich nicht. Es ist schlimm genug, dass wir die Wintermonate immer in diesen Mauern festsitzen. Da freut man sich richtig auf jede Gelegenheit mal raus zu kommen." Wohlig räkelte er sich neben seinem Freund im Gras und sandte von Zeit zu Zeit nur so zum Spaß einen Schwarm bunter Vögel aus der Spitze seines Zauberstabs.

„Nicht mehr lange und du hast genug Gelegenheit diese Mauern zu vermissen", stichelte Harry in Anspielung auf die Sommerferien.

„Glaub mir, das werde ich noch tun." Draco runzelte bei der Erwähnung ungehalten die Stirn. Hatte er sich doch seit Wochen bemüht, nicht an die Zeit zu denken, die vor ihnen lag. „Obwohl es wirklich genug Dinge gibt, die ich nicht vermissen werde."

„Zum Beispiel?"

Der Blonde setzte sich auf und hob nachdenklich die Augenbrauen. „Das frühe Aufstehen. Die ausschweifenden Reden von Professor Binns. Das Schnarchen von Crabbe und Goyle..."

„Und mich?" Unschuldig suchte Harry den Blick des Slytherin.

„Natürlich werde ich dich vermissen, du Nervensäge." Grinsend beugte sich Draco zu ihm herunter und küsste zärtlich seine Lippen.

„Wirst du mir schreiben?" fragte der Dunkle hoffnungsvoll, als er seinen Freund wieder neben sich zog.

„Ich werde es versuchen", antwortete Draco wahrheitsgemäß. „Es ist nicht so einfach. Du weißt, mein Vater..."

„Ja, dein Vater." Harry seufzte. Sicher, die Dursleys waren nie begeistert, wenn Hedwig wieder einmal mit einem Brief am Bein auf dem Fensterbrett saß, aber sie fürchteten sich zu sehr davor, dass Harry sie verhexen könnte, als dass sie ihm tatsächlich den Kontakt mit seinen Freunden verboten. Bei Draco war die Sache doch etwas komplizierter. Harry wollte gar nicht wissen, wie Lucius reagieren würde, wenn er von dem Verhältnis seines Sohnes erfahren würde.

„Ich werde ins Dorf apparieren und eine von den Posteulen zu dir schicken, wann immer ich kann", erbot sich Draco.

„Ist schon in Ordnung. Es sind ja nur sechs Wochen. Das bekommen wir schon hin."

„Und dann haben wir wieder ein ganzes Jahr für uns", versuchte der Blonde die dunklen Wolken zu vertreiben. „Wir könnten ja schon mal etwas `vorarbeiten`, damit wir im Sommer etwas haben, woran wir uns erinnern können."

„An was denkst du da so im Einzelnen?" Gespielt naiv zog Hary seine Augenbrauen hoch.

„Wart`s ab. Ich werde es dir gerne zeigen." Hungrig wanderten Dracos Hände über den nackten Oberkörper des Gryffindor, bevor er sich zu einem weiteren, verlangenden Kuss herüber beugte.

XXXXXX

Du hast schon immer nur an das eine gedacht", stellte Harry fest, als Draco ihm schweigend die Notizen reichte.

Ans Eulen verschicken?" fragte der Blonde mit einem unschuldigen Augenaufschlag.

Nein, an Zauberschach", konterte Harry sarkastisch. „Tu nich so, du weißt, was ich meine."

Ist es ein Problem, wenn ich gern mit meinem Partner schlafe?" fragte Draco entrüstet.

Im Gegenteil. Ich würde bestimmt etwas vermissen, wenn wir nicht so ein göttliches Sexualleben hätten."

Yeah, sag mir nur immer wieder, dass ich sexy bin."

Brauche ich nicht, das tust du jeden Morgen vor dem Spiegel."

Willst du heute Nacht auf dem Sofa schlafen, Potter?" fragte Draco drohend.

Nur, wenn du es auch tust, love", grinste Harry versöhnlich.

Für die dummen Sprüche bin ich hier zuständig", grollte der Blonde beleidigt.

Ach komm, nun sei doch nicht so, Malfoy. Du weißt, ich liebe dich."

Dann sei doch auch mal nett zu mir." Schmollend schob Draco die Unterlippe vor.

Bin ich nett, wenn ich uns beiden eine schöne warme Badwanne einlassen würde?" schlug Harry vor, seine Arme um den Blonden legend.

Es wäre ein Anfang", antwortete Draco und suchte die Lippen seines Geliebten.

 

V . Nothing else matters

Never opened myself this way

Life is ours, we live it our way

All these words I don`t just say

And nothing else matters

Never cared for what they do

Never cared for what they know

But I know

(Metallica, Nothing else matters)

 

„Oh Merlin, Potter. Ich will dich. Jetzt. Hier." Mit dem Gewicht seines Körpers presste Draco den dunkelhaarigen Gryffindor gegen die Wand der engen Besenkammer. Verlangend tasteten seine Finger unter die Robe, auf der Suche nach warmer, unbedeckter Haut.

„Nicht Malfoy, wir müssen zum Unterricht." Harry hasste es, die Stimme der Vernunft sein zu müssen, aber wenn sie jetzt nicht aufhörten, würde es kein Halten mehr geben. Mit so viel Willenkraft, wie er aufbringen konnte, schob er seinen Freund von sich.

Die Augen des Blonden blitzten vor Verlangen. „Fuck auf den Unterricht, fuck auf diese ganze Schule. Ist mir alles fuckegal." Erneut machte er einen Versuch, Harry an sich zu ziehen, doch der Dunkle blieb hart.

„Aber mir nicht", erwiderte er ruhig. „Wir können nicht von Luft und Liebe leben, wenn wir hier raus fliegen. Also reiß dich zusammen und komm mit zu Geschichte der Zauberei."

„Als ob der alte Binns tatsächlich mitbekommt, ob wir in seinem Unterricht sitzen oder nicht", stöhnte der Slytherin frustriert.

„Er vielleicht nicht, aber die anderen sehr wohl. Oder willst du ihnen vielleicht erklären, warum wir beide in dieser Stunde gefehlt haben?"

„Wir könnten sagen, wir waren im Krankenflügel", erwiderte Malfoy ungerührt. „Gib mir nur zwei Sekunden und ich präpariere dein Gesicht glaubwürdig." Suchend wanderte seine Hand in die Innentasche seines Umhangs, um den Zauberstab hervorzuholen.

„Pfoten weg, Malfoy oder du zwingst mich, dich in ein Frettchen zu verwandeln." In der Wange des Blonden zuckte ein Muskel, bei der Erwähnung dieses peinlichen Vorfalls aus dem vierten Jahr. Mit einem versöhnlichen Lächeln versuchte Harry, über den missglückten Scherz hinweg zu trösten. „Gedulde dich einfach noch ein bisschen, okay? Heute Abend kannst du mit mir machen, was immer du willst und das ist doch viel besser, als so ein Quickie in der Besenkammer, oder?"

„Könnte ich nicht beides haben?" fragte Draco gespielt naiv und ließ seinen Blick sehnsüchtig hinab zu Harrys Gürtel wandern, wo sein Hemd aus der Hose gerutscht war und ein Stück von seinem flachen Bauch Preis gab.

„Nein, bedaure." Tadelnd stopfte der Dunkle sein Hemd zurück an seinen Platz. „Naschen gibt`s nicht. Und jetzt sieh zu, dass du hier raus kommst. Ich warte ein paar Minuten, dann komme ich nach."

Der Slytherin schien noch einen Moment mit sich zu kämpfen, dann seufzte er frustriert auf und ordnete seine Kleider. „Heute Abend bist du dran, Potter", knurrte er leise und stahl sich noch einen schnellen Kuss, bevor er den Silencio- und Versiegelungszauber, den sie über die Tür verhängt hatten, auflöste und lässig in Richtung der Treppe davon stolzierte.

Harry stieß hörbar die Luft aus. Die Sache fing an richtig kompliziert zu werden. Die Nächte waren ihnen nicht mehr genug, zumal sich der Schlafmangel am Tag bemerkbar machte. Es war wie eine Sucht, von der sie beide nicht genug bekommen konnten. Ständig suchten sie nach abgelegenen Plätzen und unbenutzten Kammern, um heimlich übereinander herfallen zu können. Doch das Schloss schien kaum groß genug, um ihr geheimes Doppelleben noch lange geheim bleiben zu lassen.

Prüfend sah der dunkle Gryffindor an sich herab und kontrollierte den Sitz seiner Robe. Dann strichen seine Finger noch einmal durch das wirre schwarze Haar, bevor er die Tür öffnete und so unauffällig wie möglich aus der Besenkammer schlüpfte. Ein verstohlener Blick verriet ihm, dass der Kellergang verlassen da lag. Erleichtert wandte sich Harry zur Treppe. Wenn er sich etwas beeilte, würde er gerade noch rechtzeitig zum Unterricht kommen.

Keiner der beiden Jungen hatte den dunklen Schatten gesehen, der sich hinter einer Säule versteckt hatte. Kopfschüttelnd wandte sich der Slytherin ab, um nun seinerseits auf dem schnellsten Weg zum Klassenraum zu eilen.

XXXXXX

„Bist du wahnsinnig, Draco, dass du ausgerechnet Gryffindors Golden Boy vögelst?!" Blaise Wangen glühten vor Zorn, während er in ihrem Schlafraum auf und ab ging. Er hatte Draco abgefangen, als dieser vor dem Abendessens die Bücher zurück in seine Truhe bringen wollte. „Nicht genug damit, dass er ein Schlammblut ist, ein Muggel-Freund und ein Gryffindor. Nein! Er ist fucking Holy Saint Potter! Hast du deinen Verstand verloren, Dray? Verdammt noch mal!"

„Bist du fertig?" Gespielt gleichgültig ließ sich der Blonde auf sein Bett fallen. „Ich sag`s dir ja nur ungern, Zabini, aber: Misch dich nicht in meine Angelegenheiten."

„Deine Angelegenheiten?! Lassen wir mal außer acht, dass ich dein Freund bin, der wirklich nur dein Bestes will, aber hast du schon mal was von Hausehre gehört, Draco? Er ist ein Gryffindor, du ein Slytherin. Das sagt doch eigentlich schon alles aus."

„Bei Merlins Bart, Blaise, erzähl mir nichts. Du hast selbst mal nach Kathy Bells Hintern gegrabscht."

„Da war ich zwölf, Dray. Das ist nicht das Selbe und darum geht es jetzt auch gar nicht. Das ist Harry Potter, verdammte Scheiße!"

„Du hast ein echt eingeschränktes Vokabular, Blaise", tadelte ihn sein Freund.

„Mann, jetzt sei doch mal ernst!" entfuhr es dem Anderen. „Was wird Snape dazu sagen? Oder dein Vater? Oder erst der Dunkle Lord? Was ist mit dem Vorhaben, dass du im Sommer in den inneren Kreis aufgenommen werden solltest? Was glaubst du, werden sie sagen, wenn du ablehnst? `Sorry, aber ich ficke Potter lieber, als ihn zu töten.`!"

Angespannt vergrub Draco seine Zähne in der Unterlippe. Am liebsten hätte er Zabini angeschrien, ihn einen Lügner genannt, ihm gesagt, dass er sich zum Teufel scheren solle. Aber er konnte es nicht tun, denn sein Freund hatte recht. Diese Gedanken waren ihm auch immer wieder durch den Kopf gegangen. Eigentlich sprach Blaise nur aus, was er selbst die ganze Zeit gedacht hatte: Es war Wahnsinn. Ein Fehler, ein gottverdammter Fehler, der niemals hätte stattfinden dürfen. Aber, das Problem war, dass er passiert war und er wollte ihn gar nicht zurück nehmen.

„Sag mir, dass du nur mit ihm gefickt hast, Dray. Sag mir, dass du nicht so blöd warst, auch noch dein Herz an ihn zu hängen." Eindringlich sah Blaise ihn an, solange, bis Draco dem Blick nicht mehr Stand halten konnte und die Augen nieder schlug.

„Verdammt." Erschüttert schüttelte Zabini den Kopf. „Verdammt. Verdammt. Verdammt."

Erneut lief er hin und her, von einer Kerkerwand zur anderen, bis er wieder vor Draco zum Stehen kam. „Du weißt, dass Potter sterben muss, Dray. Du weißt es. Der Dunkle Lord wird ihn töten. Und wenn du das hier nicht schleunigst beendest, tötet er dich gleich mit."

Der Blonde schluckte hart. Es war die Wahrheit. Er wusste es, doch hatte er es bis jetzt erfolgreich verdrängt.

„Sei nicht dumm, Draco. Glaub mir, ich bin dein Freund. Ich fände es schade, wenn du wegen so einer blöden Liebelei dein Leben verlierst. Noch ist es nicht zu spät. Keiner außer mir, weiß etwas und ich schwöre dir, von mir erfährt niemand auch nur ein Sterbenswörtchen. Mach Schluss. Beende das Ganze, solange es noch geht."

Draco vergrub sein Gesicht in den Händen. Sein Verstand sagte ihm, dass es sein musste. Es war der einzige, richtige Weg, aber sein Herz weigerte sich, es wirklich zu glauben. Doch als Malfoy hatte er gelernt, den Schmerz in seinem Inneren zu ignorieren und nur an seinen eigenen Vorteil zu denken. Er wollte nicht sterben, selbst für Potter nicht. Einen weiteren tiefen Atemzug später stand seine Entscheidung fest: Er würde Schluss machen, gleich heute Abend. Bevor er es sich noch anders überlegte...

XXXXXX

Hätte nicht eigentlich ich das Kapitel schreiben sollen?" warf Draco beleidigt ein, nachdem er den Text überflogen hatte. „Schließlich warst du damals nicht mal dabei."

Du hast es mir das Ganze schon so oft und so detailgetreu erzählt, dass ich die Szene wirklich bildlich vor mir habe, love", antwortete Harry. „Oder entspricht etwas von dem, was ich geschrieben habe, etwa nicht der Wahrheit?"

Doch, doch", grollte der Blonde. „Ich meine ja nur..."

Schatz, deine Schrift kann danach sowieso keiner lesen und du am allerwenigsten. Aber wenn du Verbesserungsvorschläge hast, ich bin ganz Ohr."

Lassen wir das, okay?" Beschwichtigend hob Draco die Hände. „Ich frage mich ohnehin gerade, was wohl so aus Blaize geworden ist."

Als ich das letzte Mal von ihm gehört habe, hat ihm Pansy gerade die Hölle heiß gemacht, weil er seinen Zauberstab lieber bei seiner kleinen Vorzimmerhexe geschwungen hat, statt bei ihr und den Kindern zu sein. Sie hatte geschworen, dass ihm nach der Scheidung nicht eine Galleone bleiben würde."

Siehst du, genau das ist der Grund, warum ich nie heiraten werde."

Wir sind verheiratet, love. Schau, du trägst sogar meinen Ring."

Perplex starrte der Blonde auf seine Hand, an deren Ringfinger ein schlichter, schmaler Ring aus Weißgold steckte. „Kein Wunder, dass ich das verdrängt habe. Verflucht, wie konnte denn das passieren? Muss ein Verwechslungszauber gewesen sein oder ich stand unter dem Imperius-Fluch."

Viel schlimmer, du warst verliebt."

Erinnere mich bitte nicht da dran."

Das brauche ich nicht", grinste Harry. „Ein Hoch auf die Muggel-Technik: Wir haben die Hochzeit sogar auf DVD."

Oh Merlin, weiß das sonst noch irgendwer?"

Nur die etwa achtzig geladenen Gäste."

Ich bin erledigt", stöhnte der Blonde.

Nein, du bist mein Mann."

Das kommt letztendlich auf das Gleiche hinaus."

XXXXXX

 

 

VI. Just take my heart

Just take my heart when you go

I don`t have the need for it anymore

I`ll always love you, but you`re too hard to hold

Just take my heart when you go

(Mr. Big, Just take my heart)

 

„Hey", sagte Harry, als er den unbenutzten Klassenraum in der zweiten Etage betrat. Eine dicke Staubschicht lag über den aufeinander gestapelten Stühlen und Tischen und in den Ecken hingen wagenradgroße Spinnennetze an der Decke. Es war bereits kurz vor Mitternacht und abgesehen von ein paar dicken, schwarzen Kerzen, die auf dem Lehrerpult ein schwaches Licht verströmten, lag der Raum dunkel da.

„Hey." Draco saß auf einem der alten Pulte und ließ seine Beine herunter baumeln. Er stand nicht auf oder ging dem anderen entgegen, so wie er es sonst getan hatte, sondern blieb weiter sitzen, die Arme vor der Brust verschränkt.

„Was ist los?" fragte Harry und trat näher zu seinem Freund. „ Bekomme ich keine Begrüßung?" Er versuchte seine Arme um Dracos Schultern zu legen, doch der Blonde wehrte seine Berührung kühl ab.

„Heute nicht", antwortete er und wich dabei dem Blick des Dunklen aus.

„Was ist passiert?" fragte Harry, verwirrt über Dracos Reaktion. „Hast du Ärger? Macht Snape Probleme?"

„Nein, das ist es nicht." Draco ließ sich geschmeidig von dem Pult gleiten und trat an Harry vorbei zum Fenster.

„Was dann?" bohrte der Gryffindor nach. Er hasste es, wenn er seinem Freund alles aus der Nase ziehen musste.

„Ich habe nachgedacht." Der Blonde starrte hinaus in die rabenschwarze Nacht.

„Worüber?"

„Über dich und mich, unsere Beziehung, über das alles hier."

„Und?" fragte Harry mit einem immer schlechter werdenden Gefühl im Bauch.

Draco seufzte schwach. „Es funktioniert nicht. Wir beide, wir passen einfach nicht zusammen. Ein Gryffindor und ein Slytherin, das ist, als wolle man Feuer und Eis zusammen bringen."

Das Herz des Dunklen begann schneller zu schlagen.„Aber...wieso auf einmal? Heute morgen noch war doch alles okay. Ich dachte, du wärst glücklich. Ich zumindest war es."

„Ich habe dir was vorgemacht. Nein, ich habe mir selbst etwas vorgemacht. Unsere Beziehung hat keine Zukunft. Ich mache Schluss."

Harry fühlte sich, als hätte ihm jemand mit der Faut in den Magen geschlagen.

„Aber was ist mit unseren Träumen? Was ist mit den Plänen, die wir gemacht haben? Das kannst du doch nicht einfach wegwerfen!" Er konnte, er wollte nicht so einfach aufgeben.

„Sie sind das, was du schon gesagt hast: Träume. Nicht mehr. Und nicht mehr meine."

Der Gryffindor kämpfte mit den Tränen. „Aber ich liebe dich."

„Ich will deine Liebe nicht. Ich will dich nicht. Glaub mir, es ist besser so."

Etwas in Harrys Innerem zerbrach bei diesen Worten und er konnte nur hilflos zusehen, wie Draco sich abwandte und ohne ein weiteres Wort den Raum verließ. Sein Herz fühlte sich an, als wolle es aus seiner Brust springen. Fassungslos starrte er zum Fenster, wo Draco bis eben gestanden hatte. Es konnte, es durfte nicht wahr sein! Wieso? Was hatte er falsch gemacht? War denn doch alles wieder nur ein Spiel gewesen? War Draco seine Nähe einfach leid?

Kraftlos ließ er sich auf den staubigen Fußboden sinken und vergrub das Gesicht in den Händen.

Er wollte nicht zurück in den Schlafraum. Er wollte nichts und niemanden sehen. Er wollte nicht, dass es jemals wieder Morgen wurde. Er wollte nicht dazu gezwungen sein, Draco jeden Tag vor sich zu sehen und doch nie wieder in seinen Armen liegen zu können.

Er wollte am liebsten sterben.

XXXXXX

Du warst so ein Arsch", sagte Harry und gab seinem Geliebten die Blätter.

War?" fragte der Blonde mit einem provozierenden Grinsen.

Du hast mir damals das Herz gebrochen", erwiderte der Dunkle, ohne auf Dracos Sticheleien einzugehen.

Ich dachte, es sei besser so", erklärte sich der Andere. „Lieber ein gebrochenes Herz, als dass wir beide tot wären."

Nein, wie edel", murmelte Harry sarkastisch. „Sei ehrlich, was hast du gefühlt, nachdem du mit mir Schluss gemacht hast?"

Es hat weh getan", gab Draco zu. „Sogar sehr. Ich bin zurück in den Slytherin Kerker gegangen und habe solange mit der Faust gegen die Wand geschlagen, bis der Schmerz in meiner Hand stärker war, als der in meinem Herzen."

Schade, dass du dir dabei nicht die Hand gebrochen hattest", grollte Harry in der Erinnerung an seine eigene Seelenpein.

Es ist tröstlich zu sehen, wie du immer um mein Wohlergehen besorgt bist, babe", konterte der Blonde bissig. „Aber wenn es dir damit besser geht: Es hatte nicht fiel gefehlt. Geblutet hat es jedenfalls wie Sau."

Eine gebrochene Hand heilt wieder, aber ein gebrochenes Herz ..."

Ach bitte, ja? Ich meine, was willst du? Es ist doch letztendlich alles gut ausgegangen."

Aber du hättest uns beiden eine Menge erspart, wenn du damals nicht so ein Idiot gewesen wärst."

Die Weisheit des Alters..."

Wer ist hier alt?" fragte Harry gespielt entrüstet. „Darf ich dich daran erinnern, dass du fast zwei Monate älter bist, als ich?"

Aber ich habe die besseren Gene", gab Draco triumphierend zurück.

Treib es nicht zu weit, Malfoy", knurrte Harry rau. „Oder ich muss dir mal wieder zeigen, wer hier das Sagen hat."

Au ja, ich gehe dann schon mal vor." Der Blonde wackelte anzüglich mit den Augenbrauen. „Aber vergiss die Peitsche nicht."

Tbc....

Kapitel 3 von redangeleve
 

VII. Hole in my soul

 

Tell me how it feel`s to be

The one who turns

the knife inside of me

 

There`s a hole in my soul

That`s been killing me forever

It`s a place where the garden never grows

There`s a hole in my soul

Well, I should have known better

Cause your love`s like a thorn without a rose

 

(Aerosmith, Hole in my soul)

 

Irgendwie hatte Harry es geschafft, doch noch in sein Bett zu kommen und die Vorhänge um sich herum zu schließen, bevor er völlig zusammen brach. Der Schmerz schien so groß, dass er glaubte, in ihm unter zugehen. Seine Hände krallten sich in sein T-Shirt oberhalb seines Herzens, in dem Versuch, den Schmerz aus seiner Brust zu reißen, aber das machte es nicht besser.

Verzweifelt zog er sich die Decke über den Kopf und presste sein Gesicht in das Kissen, in dem Versuch, das unkontrollierte Schluchzen vor seinen Freunden zu verbergen. Er wusste, er sollte einen Silencio-Zauber über seinem Bett verhängen, aber ihm fehlte ganz einfach die Kraft, um ihn durchführen zu können.

Heiße Tränen liefen ihm über die Wangen und benetzten das Kissen, aber das Weinen erleichterte ihn nicht. Niemals im Leben hatte er sich so leer gefühlt. Beinah wünschte er sich, niemals diese Liebe kennen gelernt zu haben, um nicht diesen sengenden Schmerz fühlen zu müssen.

Irgendwann waren alle Tränen aufgebraucht und Harry fiel in einen leichten Schlaf, doch selbst dorthin verfolgte ihn Dracos Gesicht und die Worte, die dieser zu ihm gesagt hatte, halten in seinen Ohren. Als endlich die Sonne blass am Horizont erschien und ihr Licht schwach durch einen schmalen Spalt seiner Vorhänge herein fiel, fühlte sich Harry zerschlagen und krank. Seine Augen waren rot und dick geschwollen. Sein Kopf schmerzte und der Stein in seinem Magen schien schwer wie Blei.

Er hörte, wie seine Bettnachbarn einer nach dem anderen munter wurden und in die Badezimmer gingen, aber er konnte sich nicht aufraffen, ihnen zu folgen. Alles erschien ihm sinnlos und leer. Er wollte ganz einfach liegen bleiben und nie wieder aufstehen.

„Hey Harry, werd endlich wach! Wir müssen zum Frühstück", hörte er Rons Stimme durch die geschlossenen Vorhänge. Entweder hatte er ihn in der Nacht tatsächlich nicht gehört oder er hatte den Anstand, es nicht weiter zu erwähnen.

„Ich bin krank", teilte der Dunkle mit belegter Stimme mit. „Sag Professor McGonagall, mir geht`s nicht gut, okay?"

„Okay", antwortete sein Freund. „Soll ich Madame Pomfrey Bescheid sagen?"

„Nein, ist schon gut", beeilte sich Harry zu versichern. Das letzte, was er brauchte war, dass ihn die Schulkrankenschwester so sah. „So schlimm ist es auch nicht. Magenverstimmung, denke ich."

„Alles klar. Na dann, gute Besserung."

„Danke." Harry lauschte auf die sich entfernenden Schritte, dann drehte er sich auf die andere Seite und schloss die Augen. Er wünschte sich, einen Traumlos-Trank in seiner Truhe zu haben, damit er wenigstens für ein paar Stunden den Erinnerungen entfliehen konnte, aber leider war alles, was er hatte, ein paar Kanariencreme-Schnitten von Fred und George und ihm war beileibe nicht danach zu Zwitschern.

Harry wusste nicht, wie lange er so in seinem Bett lag und in seinem Schmerz versank, doch am Stand der Sonne konnte er ablesen, dass es fast Mittag sein musste, als sein Magen laut zu knurren anfing. Er hatte seit gestern Abend nichts mehr gegessen und wenn er auch noch so unglücklich war, sein Körper hatte offensichtlich andere Sorgen.

Eine Weile versuchte er den Hunger einfach zu ignorieren, doch es gelang ihm nicht, das Gefühl zu unterdrücken, bis ihm beinah schlecht vor Hunger war. Doch um nichts in der Welt wollte er mit den anderen Schüler in der Großen Halle zu Mittag essen. Merlin sei Dank, kannte er durch Hermines B.Elfe.R Projekt den Eingang zur Küche und so beschloss der Junge, sich etwas Essbares zu organisieren, bevor die anderen Schüler aus dem Unterricht zurück kamen.

Seufzend erhob sich der Gryffindor aus dem Kissen und schlüpfte in seine Hose und seine Schuhe, bevor er den Schlafsaal verließ und leise durch das Portraitloch nach draußen schlüpfte. Der Gang lag verlassen vor ihm. Er hörte nichts, als seinen eigenen dumpfen Herzschlag. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass kein Mensch in der Nähe war, schlug er den bekannten Weg zu dem Bild ein, dass den Eingang zur Küche verbarg.

Er hatte sein Ziel beinah erreicht und bog gerade um die letzte Ecke, als er mit einem Pulk Körper zusammen stieß, der ihm plötzlich entgegen kam. Harry hatte sie nicht kommen gehört und als er rückwärts taumelte und beinah fiel, sah er auch wieso. Die drei Slytherin Jungen waren barfuss, ihre mit Schlamm bedeckten Schuhe trugen sie in der Hand. Ihm lag schon eine Entschuldigung auf der Zunge, als sein Blick aufwärts glitt und in die Gesichter der Slytherins sah.

Sein Herz setzte einen Moment aus, als seine Augen in das Eisgrau von Dracos Iris eintauchten und Harry merkte, wie er errötete, unfähig den Blick abzuwenden. Die Welt schien einen Herzschlag lang still zu stehen, während sich die beiden Jungen ansahen, doch dann brach der Blonde den Blickkontakt. Sein Gesicht, eben noch den Anflug eines Lächelns auf den Lippen, verhärtete sich, als er seine beiden Begleiter ansah.

„Pass auf, wo du hin rennst, Potter", schnarrte er böse. „Wir wollen doch nicht, dass du deine Sommerferien im Krankenflügel verbringst."

Crabbe und Goyle, die Malfoy zu beiden Seiten flankierten, ließen ein dreckiges Lachen hören, dann wandten sie sich ab und setzten ihren Weg fort, als ob nichts geschehen wäre.

Harry blieb wie betäubt stehen. Früher hätte er den Slytherins einfach eine passende Antwort entgegen geschmettert, doch jetzt war sein Kopf wie leer gefegt. Diese Worte aus dem Mund zu hören, den er so unzählige Male geküsst hatte, verursachte ihm fast körperliche Schmerzen. Auf einmal war der Hunger aus seinem Körper verschwunden. Stattdessen fühlte er Übelkeit in sich aufsteigen. Schnell durchforstete er sein Hirn nach dem nächstgelegenen Badezimmer und machte sich mehr stolpernd als laufend auf den Weg dorthin.

Kaum dass er die Tür des WCs erreicht hatte, merkte er, wie sich sein Bauch zusammen zog. Er schaffte es gerade noch, den Kopf über die Toilette zu halten, als sein Magen das wenige, was er in sich trug, schwallartig erbrach.

XXXXXX

Draco atmete hörbar durch. „Ich wusste nicht, dass es dich so verletzt hat."

Es war einfach nicht mehr das selbe wie früher", gestand Harry. „Ich war es gewöhnt, dass du schlimme Dinge zu mir sagst, aber nach all dem, was wir zusammen hatten, tat es einfach mehr weh."

Ich wollte mir selbst beweisen, dass sich nichts geändert hat. Dass ich meine Gefühle im Griff habe."

Und, hattest du?"

Nein." Der Blonde zuckte die Schultern. „Ich hätte dich in dem Moment lieber geküsst, als dir zu drohen."

Dafür warst du aber recht überzeugend."

Hilft es dir, wenn ich sage, dass es mir leid tut?" fragte Draco, dem nicht entgangen war, wie verletzt Harry bei der Erinnerung bis heute war.

Es hilft." Der Dunkle lächelte. „Es ist ja auch eine Menge Zeit seitdem vergangen."

Eine Menge Zeit in der gelernt habe, es besser zu machen", stellte der Blonde richtig.

Sehr viel besser", grinste Harry. „Heute drohst du mir nur noch damit, mich nicht zu küssen."

Und, wirkt die Drohung?" fragte der Andere mit hochgezogenen Augenbrauen.

Eher lasse ich mich von dir in den Krankenflügel hexen, als auch nur auf einen Kuss zu verzichten."

Siehst du, ich sage doch, ich habe dazugelernt", grinste der Blonde und gab seinem Geliebten, wonach dieser verlangte.

VIII. Always

 

This romeo is bleeding

But you can`t see his blood

It`s nothing but some feelings

That this old dog kicked up

 

It`s been raining since you left me

Now I´m drowning in the flood

You see I`ve always been a fighter

But without you I give up

 

(Bon Jovi, Always)

 

„Harry, kommst du? Das Spiel fängt gleich an." Unruhig scharrte Ron in der Tür des Schlafraums mit den Füßen, doch Harry blieb weiter auf dem Fensterbrett sitzen und starrte in den warmen Juni Nachmittag. Unwillig seufzte er auf. Er wollte nicht dorthin gehen, niemanden sehen. Schon gar nicht ihn...

„Geht ohne mich. Ich... ich habe einfach keine Lust."

„Keine Lust?" fragte Ron verwundert und wechselte einen besorgten Blick mit Hermine, die neben ihm stand. „Aber du hast doch noch nie ein Quidditch-Spiel verpasst. Klar, es ist nur Ravenclaw gegen Hufflepuff und keiner von denen kann uns beim Cup noch gefährlich werden, aber trotzdem..."

„Ist schon gut, Ron", erwiderte sein Freund ehrlich. „Du erzählst mir einfach später, was ich verpasst habe, okay?"

„Wenn du meinst", antwortete der Rothaarige, nicht wirklich glücklich.

„Ja, ich meine. Macht euch keine Sorgen, okay?" Der Dunkelhaarige versuchte zu lächeln.

„Okay", gab Ron schulterzuckend zurück und wollte Hermines Arm nehmen, doch das Mädchen schüttelte den Kopf.

„Geh schon mal vor", bat sie ihren Freund. „Ich komme gleich nach. Ich muss mit Harry mal unter vier Augen sprechen."

Verwundert sah Ron von Einem zum Anderen, sagte aber nichts, sondern wandte sich ab und ging stattdessen die Treppe hinunter.

Hermine trat zu Harry herüber und setzte sich ihm gegenüber auf das Bett. Ihre Augen musterten sorgenvoll das blasse Gesicht ihres Freundes. „Was ist mit dir los?" fragte sie ehrlich besorgt. „Und sag mir nicht, es ist nichts. Ich bin nicht Ron."

„Wirklich Hermine, es ist alles in Ordnung. Ich habe nur einfach keine Lust auf Quidditch", versuchte der Dunkle das Mädchen zu beruhigen.

„Du hast seit über zwei Wochen zu gar nichts mehr Lust", stellte Hermine fest. „Du lachst nicht, du hast keinen Appetit, du passt im Unterricht nicht auf... Soll ich fortfahren?"

„Vielleicht werde ich krank", wich der Gryffindor aus.

„Kann es nicht eher sein, dass du Liebeskummer hast?" fragte die Freundin gerade heraus.

„Mach dich nicht lächerlich", protestierte der Junge, aber es klang nicht sehr überzeugend. „Du weiß genau, dass es seit Cho kein Mädchen mehr gab."

„Wer spricht denn hier von einem Mädchen?"

Harry errötete bis zu den Haarwurzeln.

„Ich bin weder blöd, noch blind, Harry. Und zwing mich bitte nicht dazu, den Namen auszusprechen, sonst werde ich leider auf dein Bett kotzen müssen." Drohend sah sie ihren Freund an.

„Du weißt..?" fragte er schwach.

Das Mädchen nickte. „Wie gesagt, ich müsste schon blind sein, um das nicht zu sehen."

„So offensichtlich?" fragte der Junge geknickt.

„Du brichst jedes Mal fast zusammen, wenn er im Flur an dir vorüber geht."

„Da war etwas zwischen uns", bekannte Harry traurig. „Aber er hat Schluss gemacht."

„Hat er dir gesagt, wieso?"

„Er meint wir passen nicht zusammen. Feuer und Eis könnte man eben nicht zusammen bringen."

„Aber du bist anderer Meinung", stellte Hermine fest.

„Ich liebe ihn", gestand der Dunkle ehrlich. „Es ist mir egal, was er ist. Aber er sagt, er will meine Liebe nicht."

„Dann ist er ein Idiot", sagte die Freundin bissig.

„Hermine!" entfuhr es Harry, der nicht gewohnt war, dass das Mädchen solche Worte in den Mund nahm.

„Ist doch wahr", rechtfertigte sie sich schulterzuckend. „Der kann froh sein, wenn er so einen wie dich erwischt und wenn er dich einfach weg wirft, solltest du ihm keine Träne nachweinen."

„Aber ich kann nicht einfach so tun, als wäre nichts gewesen. Meine Gefühle haben sich nicht geändert."

Hermine runzelte die Stirn. Es fiel ihr nicht leicht, Harry etwas zu raten, zumal nicht, wenn sie in dieser Weise über ihren schlimmsten Feind sprachen. Trotzdem war Harry ihr Freund und sie ertrug es nicht, ihn leiden zu sehen. „Wenn er dir so viel bedeutet, dann solltest du um ihn kämpfen."

Überrascht sah Harry auf. „Wer bist du und was hast du mit Hermine gemacht?" fragte er in dem Versuch einen Scherz zu machen.

„Es ist mein Ernst, Harry. Auch wenn ich meine, dass du die Finger von Malfoy lassen solltest, möchte ich dich einfach wieder fröhlich sehen. Also hör auf hier Trübsal zu blasen und zeig dem Idioten was er an die hat." Zwar sah das Mädchen bei der Erwähnung des Namens aus, als hätte sie etwas besonders Ekliges im Mund, aber sie zwang sich dennoch zu lächeln.

„Du bist wirklich eine gute Freundin, Hermine", sagte er ehrlich. Ein schwaches Lächeln auf den Lippen, stand er auf und ging zu ihr herüber.

„Das kannst du laut sagen", erwiderte sie, als er sie in seine Umarmung zog.

„Danke", flüsterte Harry ehrlich.

„Jederzeit."

XXXXXX

Wer hätte gedacht, dass es tatsächlich Granger sein würde, die uns wieder zusammen bringt", grinste der Blonde.

Dein Problem ist, dass du die Leute einfach nicht richtig einschätzen kannst", stellte Harry fest. „Wenn du nur etwas mehr auf den Menschen und weniger auf die Herkunft geachtet hättest, wäre dir aufgefallen, was für ein Goldstück Hermine ist."

Ich war jung und dumm und folgte den falschen Idealen", verteidigte sich Draco.

Merlin sei Dank, hast du ja jetzt mich, um dich auf den richtigen Weg zu bringen." Versöhnlich schloss Harry seine Arme um den anderen Mann.

Ja, was wäre wohl aus mir geworden, ohne dich?" fragte sich der Blonde mit hochgezogenen Augenbrauen.

Ein arrogantes, selbstherrliches Arschloch, vermutlich", mutmaßte der Dunkle ohne Nachzudenken.

So denkst du also von mir?!" fuhr Draco entrüstet auf.

Überrascht dich das etwa, love?" fragte Harry, der sich bei dem Gesichtsausdruck seines Geliebten auf die Unterlippe beißen musste, um nicht zu lachen.

Bei dir überrascht mich gar nichts mehr, du `Möchte-gern-Retter-der-Welt`", schmollte der andere Mann.

Ohne dich, hätte ich das alles nicht geschafft", erwiderte Harry versöhnlich. „Du hast mich zuerst gerettet. Vor mir selbst. Vor meinen Zweifeln. Vor meiner Angst."

Dann bin ich ja doch zu was gut", murmelte Draco, schon etwas beruhigter.

Du bist mein Mann. Allein das sollte dir schon sagen, was ich für dich empfinde."

Sag`s mir", bettelte der Blonde.

Ohne dich will ich nicht leben", antwortete Harry leise.

Brauchst du auch nicht", stellte der andere fest und küsste sein Gegenüber zärtlich.

XXXXXX

 

IX. Everything I do (I do it for you)

 

Can`t tell me, it`s not worth fighting for

I can`t help me, there`s nothing I want more

...

You know it`s true

Everything I do, I do it for you

 

(Bryan Adams, Everything I do (I do it for you))

 

„Du glaubst es nicht", stöhnte Ron, als er eine Stunde später durch das Portraitloch in den Gemeinschaftsraum schlüpfte.

„Was glaube ich nicht?" fragte Harry, der an einem Tisch über seinen Pflanzenkunde-Aufsatz gebeugt saß. „Gab`s doch noch eine Sensation beim Spiel der beiden Außenseiter Mannschaften?"

„Ach was", wehrte der Rothaarige mit einer Handbewegung ab. „Cho Chang hatte den Schnatz schon nach einer halben Stunde gefangen. Nicht, dass die Hufflepuffs sonst überhaupt eine Chance gehabt hätten. Bei denen denkt man immer, jemand hat über ihre Besen einen Zeitlupenzauber verhängt..."

„Was ist denn dann so Aufregendes passiert?" fragte der Dunkle, mit einem Blick auf die hecktischen Flecken in Rons Gesicht.

„Die Slytherins! Ich habe dir doch erzählt, dass sie bei Dumbledore Beschwerde eingelegt haben, oder?" Harry schüttelte den Kopf. „Klar habe ich dir das erzählt! Da sieht man mal wieder, wie du mir in letzter Zeit zuhörst! Jedenfalls hatten sich die Slytherins beschwert, weil George angeblich einen ihrer Treiber vom Besen geknockt hat. Als ob die Unschuldslämmer wären! Meine Augenbraue tut jetzt noch weh und Fred schwört, dass seine Schulter jedes Mal knackt, wenn er einem Slytherin auf dem Flur begegnet."

„Komm zur Sache, Ron", hakte Harry ein. „Ich muss noch eine ganze Seite schreiben und dann noch die Verwandlungshausaufgabe lösen."

„Ach je, die habe ich auch noch nicht fertig", stöhnte sein Freund. „Dabei wollte ich gleich noch eine Runde mit Dean `Snape explodiert` spielen. Wo war ich? Ach ja, die Slytherins haben also Beschwerde bei Dumbledore eingelegt und jetzt kommt der Hammer: Das Spiel soll wiederholt werden! Ist das zu fassen?!"

Harry fühlte, wie sich ein großer, harter Klumpen in seinem Magen bildete. „Wann?" fragte er mit belegter Stimme.

„Nächsten Sonntag. Es wird das letzte Spiel der Saison. Harry, wir haben nur hundert Punkte Vorsprung gegen die Slytherins. Wenn die den Schnatz fangen, verlieren wir die Meisterschaft!"

Der Dunkle nickte in sich gekehrt. Allein schon bei dem Gedanken daran, wieder gegen Draco auf dem Besen zu sitzen, rutschte ihm sein Herz in die Hose. „Wir werden die Sache schon schaukeln", murmelte er undeutlich, da er merkte, dass Ron ihn immer noch anstarrte. „Hilft ja nix, sich jetzt schon verrückt zu machen. Ist ja noch eine Woche hin. Also, wenn`s dir nichts ausmacht, werde ich jetzt weiter schreiben."

Demonstrativ beugte sich Harry erneut über seine Notizen und tat so, als ob er in seinem Pflanzenkunde Buch nach einem bestimmten Kapitel blätterte, bis Ron schließlich ungehalten vor sich hin murmelnd in Richtung der Schlafräume davon trottete.

XXXXXX

Die Woche zog sich zäh dahin. Die Temperaturen waren nach wie vor sommerlich warm und die meisten Schüler verbrachten die Zeit zwischen den Unterrichtsstunden im Freien. Nur Harry zog sich meist in den Turm zurück, ständig bemüht, Draco so wenig wie möglich zu begegnen. Er fühlte sich noch nicht reif für eine erneute Konfrontation. Nicht solange er keine Argumente dafür hatte, ihre Beziehung erneut aufleben zu lassen.

In den Stunden, die sie gemeinsam hatten, achtete der Gryffindor darauf, den Blick nicht in die Richtung der Slytherins wandern zu lassen und bei den wenigen Gelegenheiten, an denen er es doch tat, merkte er, dass der Blonde wohl die gleiche Taktik verfolgte wie er.

Ernst, mit einem verkniffenen Zug um den Mund fixierte Draco Professor Binns, der sich wieder einmal endlos in den Wirren der Zaubereigeschichte verstrickte. Sicher konnte es sich Harry auch einbilden, doch es schien ihm, als mache der Slytherin keinen glücklichen Eindruck. Er schien noch blasser als sonst zu sein, mit bläulichen Schatten unter den Augen. Nie sah Harry ihn lächeln oder auch nur überheblich grinsen, wie es sonst seine Art war. Aber der Gryffindor traute sich kaum zu glauben, dass Draco tatsächlich seinetwegen leiden könnte. Der Blonde hatte seine Position ja unmissverständlich klar gemacht, aber wenn es wirklich so sein sollte, dann war vielleicht doch noch nicht alles verloren.

Als Harry am Sonntag Morgen aufstand, überzogen dunkle Wolken den Himmel über Hogwarts. Ungläubig starrte der Junge aus dem Fenster. Es war schon seltsam: Seit Wochen herrschte der herrlichste Sonnenschein und ausgerechnet heute sah es draußen aus, als stünde der Weltuntergang unmittelbar bevor. Scheinbar schien das Wetter die gleiche Ansicht bezüglich des Spiels zu vertreten, wie er selbst.

In der Großen Halle summte die Luft, so aufgeregt schwatzten die Schüler durcheinander. Quidditch war immer ein beliebtes Thema und dieses Spiel war eine Sensation. Man musste schon krank oder verrückt sein, um es sich entgehen zu lassen. Auch Ron und Seamus debattierten über Harrys Kopf hinweg über die taktischen Manöver und die schmutzigen Tricks des Gegners, doch der Dunkle bemühte sich, ihre Stimme auszusperren. Sein Magen war schon genug in Aufruhr, ohne dass er sich anhörte, was die Slytherins anstellten würden, um ihn vom Besen zu holen.

Lustlos rührte er in seinem Haferbrei, die Augen auf den Tisch geheftet, um ja nicht versehentlich den Blick hinüber zu einem gewissen Blonden schweifen zu lassen.

Harry war beinah dankbar dafür, als Professor Dumbledore die Schüler zur Ruhe bat, damit er einige Ankündigungen machen konnte.

XXXXXX

Nervös krampfte Harry seine Hände um den Stil seines Besens, als er mit den anderen Gryffindors die Umkleidekabine verließ. Luna und Hermine warteten draußen, um der Mannschaft noch einmal viel Glück zu wünschen, dann betraten die Spieler das Feld.

Ein begeisterter Jubel aus hundert Kehlen ging durch das Stadion, als die beiden Mannschaften sichtbar wurden. Der dunkle Gryffindor ließ seinen Blick nach oben schnellen, nur um festzustellen, dass die Ränge bis auf den letzten Platz besetzt waren. Ein Meer aus Grün und Rot strahlte ihm entgegen.

Der Himmel schien jetzt beinah schwarz und die Wolken hingen so tief, dass es so wirkte, als berührten sie die Türme des Quidditch Feldes. In der Mitte des Rasens blieben die Spieler stehen und musterten einander verächtlich. Ein plötzlich aufkommender Wind blähte die Umhänge an den Quidditch-Uniformen und Harry dachte unwillkürlich, dass sie aussahen wie eine Gruppe, roter- und grüngewandeter Supermänner. Madame Hooch wies die Mannschaften noch einmal in ihre Schranken und zwang die Kapitäne, ihre Hände zu schütteln. Diesen Moment nutzte Harry, um in Ruhe einen letzten Blick in Dracos Gesicht zu werfen. Der Blonde schien ebenso nervös wie er selbst. Seine Augen waren stur gerade aus gerichtet, seine Hände öffneten und schlossen sich im Sekundentakt und seine Nasenflügel waren gebläht wie bei einem Thestral, bevor dieser in die Luft ging.

Ein schriller Pfiff holte Harry wieder aus seinen Gedanken. Ebenso wie seine Teamkollegen bestieg er seinen Besen und stieß sich vom Boden ab. Sofort fühlte er den Wind hart in sein Gesicht blasen. Der Schweif rüttelte hin und her und er musste die Hände fester um den Stil seines Feuerblitz legen, um den Kurs halten zu können. Hoch über dem Feld schwebte er neben Draco, als Madame Hooch die Bälle entließ und das Spiel begann.

Die Slytherins agierten taktisch ähnlich wie beim letzten Mal, brutale Gewalt und miese Tricks prägten ihren Stil. Die Gryffindors setzten auf schnelle Manöver und exakte Ballwechsel. Die Spielanteile hielten sich die Waage, nach einer halben Stunde stand es fünfzig zu fünfzig. Vom Schnatz keine Spur.

Dann brach das Gewitter los. Grelle Blitze zuckten über den Himmel und tiefes Donnergrollen übertönte den Jubel von den Rängen. Regenschauer peitschten in Harrys Gesicht und benetzten seine Brille, so dass er kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Der dunkle Gryffindor spielte mit dem Gedanken, einen Wasserabwehrzauber über sich und den Besen zu verhängen, aber er wagte es nicht, auch nur eine Hand vom Stil zu nehmen. Der Wind hatte sich in einen Orkan verwandelte. Er zerrte und zog an seinem Umhang und rucktelte bösartig an seinem Feuerblitz.

Ein greller Lichtstrahl blendete ihn, als der Blitz in einen der Bäume außerhalb des Stadions einschlug. Orangefarbene Flammen züngelten trotz des Regens aus dem verbrannten Holz. Harry betete dafür, dass er den Schnatz finden würde, bevor der Blitz noch in seinen Besen einschlug. Verstohlen sah er sich nach Draco um, der einige Meter entfernt suchend seine Kreise zog. Das Gesicht des Blonden war vor Anstrengung verzerrt und das helle Haar klebte ihm durchnässt am Kopf, aber sonst schien er okay zu sein.

Ein Aufschrei ging durch die Menge unter ihnen, als der Besen des Slytherin Torwarts abwärts taumelte, nachdem ein Klatscher seinen Schweif getroffen hatte, aber der Junge konnte ihn in letzter Minute abfangen und so einen Absturz verhindern.

Harry zitterte, als ein erneuter Windstoß seinen Umhang aufblähte. Der Regen hatte ihn bis auf die Haut durchnässt und die kühlte Luft ließ ihn bis auf die Knochen frieren.

„Zeig dich", murmelte er ungeduldig Ausschau haltend. „Na komm schon. Zeig dich endlich."

Dann, als ein weiterer Blitz das Regendunkel zerriss, sah er ihn plötzlich. Der Schnatz schwebte wenige Meter über der Zuschauertribüne der Hufflepuffs. Er schien beinah still zu stehen, was bei diesem Sturm schon an einem Wunder grenzte. An der Bewegung neben sich erkannte Harry, dass auch Malfoy die Kugel entdeckt hatte. Er riss den Feuerblitz im Bruchteil einer Sekunde herum und stürzte in beinah senkrechtem Fall auf die Tribüne zu.

Harry fühlte den Wind an seinem Haar zerren. Er merkte, wie der Besen unter seinem Körper durch die Geschwindigkeit zu vibrieren anfing und hörte das Geräusch von Dracos Besen neben sich, der nur eine Nasenspitze hinter ihm abwärts trudelte.

Der Schnatz kam immer näher. Unter höchster Anstrengung nahm der Gryffindor eine Hand vom Besenstil und versuchte, den Feuerblitz nur mit dem Druck seiner Schenkel ruhig zu halten. Er streckte die Hand aus, wissend, dass er die Kugel vor dem Slytherin erreichen würde - doch dann plötzlich durchzuckte ein Gedanke sein Gehirn.

Mit voller Wucht trat Harry auf die Bremse seines Feierblitz. Der Besen bockte und der Dunkelhaarige musste den Stil mit beiden Händen fassen, um nicht abgeworfen zu werden, als er die Geschwindigkeit auf einen Schlag auf Null reduzierte. Er sah Draco wie einen grünen Blitz an sich vorbei jagen und die Hand um den Schnatz schließen. Ein triumphierender Aufschrei entrang der Kehle des Blonden, als er die Kugel siegesgewiss in die Höhe hielt.

Das Stadion tobte und die grünen Fahnen wedelten enthusiastisch hin und her, während sich die übrigen Slytherins um Malfoys Besen scharten und gemeinsam auf dem Rasen landeten. Sofort waren sie von ihren Fans umringt, die schrien und jubelten und Draco auf ihre Schultern hoben.

Harry, der die Szene aus der Distanz beobachtete, lächelte leicht, als sein Besen langsam abwärts schwebte. Er sah das Gesicht des Blonden leuchten, als ihm immer wieder auf die Schulter geklopft wurde und hörte die Begeisterung in seiner Stimme, als die Menge seinen Namen rief.

Die anderen Gryffindors landeten neben Harry, die Köpfe gesenkt, die Gesichter enttäuscht.

„Was war los?" hörte der Dunkle Ron fragen. „Du hättest ihn doch beinah gehabt."

Harry zuckte hilflos die Schultern, bemüht sich nichts anmerken zu lassen. „Mein Besen hat gebockt", murmelte er entschuldigend, dann wandte er sich in Richtung der Umkleidekabine.

Dort angekommen, entledigte er sich schnell seiner durchweichten Klamotten und stellte sich unter die heiße Dusche. Seufzend schloss er die Augen und ließ den harten Wasserstrahl auf seine Schultern prasseln. Er fühlte sich eigenartig: Schuldig gegenüber seiner Mannschaft und seinem Haus, weil er absichtlich das Spiel verloren hatte und doch seltsam befreit, weil er Draco etwas hatte geben können, was der andere schon so lange gewollt hatte: Anerkennung.

Als seine Mannschaftskameraden in die Kabine kamen, seifte sich Harry schnell ab und beendete die Dusche. Er wollte nicht länger als nötig in ihre enttäuschten Gesichter sehen. Eilig schlüpfte er in seine Kleidung und machte sich auf den Rückweg in den Gryffindor Turm, als er Draco vor der Umkleidekabine warten sah.

Es war eine Art von Deja-vu, nur das dieses Mal die Rollen vertauscht waren. Der Blonde war offensichtlich noch nicht geduscht. Sein Haar hing ihm feucht und unordentlich in die Stirn und seine nasse Quidditch Uniform klebte an seinem Körper. Doch selbst so derangiert sah er in Harrys Augen einfach nur göttlich aus.

„Auf ein Wort, Potter", sagte er in neutralem Ton.

Harry schauderte innerlich, unsicher was jetzt passieren würde. Dennoch folgte er Draco, als dieser in den Hohlraum unter den Tribünen trat.

Der Blonde drehte sich zu ihm um, die Augenbrauen zusammen gezogen. „Was sollte das?" fragte er herausfordernd.

Der Gryffindor tat überrascht. „Was meinst du?"

„Du weißt sehr wohl, was ich meine!" fuhr Draco auf und trat einen Schritt näher. „Du warst näher am Schnatz. Du hattest deine verdammte Hand schon danach ausgestreckt. Warum hast du nicht zugegriffen?"

Harry zögerte. Er sah in Dracos Augen, die in dem schwachen Licht beinah so dunkel wie die Sturmwolken am Himmel wirkten. Er wusste nicht genau, wie er es erklären sollte. Er hatte während des Spiels fast instinktiv gehandelt.

Letztendlich räusperte er sich unbehaglich, doch hielt den Augenkontakt. „Ich habe etwas aufgegeben. Für dich. Ich wünschte, du könntest das auch tun."

Dracos Augen wurden weit. Offensichtlich hatte er nicht mit dieser Antwort gerechnet. Sein Mund öffnete sich und schloss sich dann wieder, ohne dass ein Wort herauskam. Schließlich schüttelte er fassungslos den Kopf und verließ fluchtartig die Szene.

XXXXXX

Was für ein theatralischer Abgang", grinste Harry bei der Erinnerung.

Ja, ich hatte schon immer ein Talent fürs Drama", gab Draco ebenfalls grinsend zurück.

Wie war eigentlich deine Siegesfeier?"

Der Blonde zuckte die Schultern. „Kein Ahnung. Ich war nicht da. Nach dem Gespräch mit dir, war ich irgendwie nicht mehr in Stimmung."

Was hast du stattdessen getan?" fragte sein Partner interessiert.

Ich war auf dem Astronomie Turm und habe dem Sturm zugesehen. Ich brauchte Zeit zum Nachdenken."

Du hättest stattdessen lieber eine Dusche nehmen sollen", neckte ihn Harry liebevoll. „Du hast grauenvoll gestunken."

Hey!" verteidigte sich Draco. „Das war der Geruch des Sieges!"

Also stinkt Erfolg wie eine Kiste voller Knallrümpfiger Kröter", sinnierte der Dunkle und verzog das Gesicht.

Ich dachte immer, du findest es sexy, wenn ich schwitze", gab Draco zurück, anzüglich mit den Augenbrauen wackelnd.

Nur wenn ich es bin, der dich zum Schwitzen bringt", erwiderte Harry schlagfertig und leckte sich bei dem Gedanken verlangend über die Lippen.

Okay, genug geschrieben", entschied der Blonde und nahm seinem Geliebten die Blätter aus der Hand. „Es sei denn, du willst, dass ich dich gleich hier auf dem Schreibtisch flach lege."

Einen Moment schien es, als würde Harry überlegen, doch dann schüttelte er den Kopf. „Ich glaube doch, das Bett wäre mir lieber."

Gehen oder apparieren?" Ungeduldig öffnete Draco die Knöpfe seines Hemdes, unfähig noch länger zu warten.

Ich denken, der Tisch wird doch reichen", murmelt der Dunkle, als der Anblick seines Geliebten die Hitze in seinem Unterleib ins Unermessliche steigerte.

Tbc...

Kapitel 4 von redangeleve

X. Wicked game

I never dreamed that I meet somebody like you

I never dreamed that I love somebody like you

 

I don`t want to fall in love (This world is only gonna break your heart)

I don`t want to fall in love (This world is only gonna break your heart)

With you. With you. (This world is only gonna break your heart)

 

(Chris Isaak, Wicked Game)

 

Draco hatte keine Ahnung, wie spät es war, als er in den Slytherin Kerker zurück kehrte. Er hatte solange auf dem Astronomie-Turm ausgehalten wie möglich, bis der Regen ihn erneut bis auf die Knochen durchnässt und der Sturm seine Glieder hatte taub werden lassen.

Er fühlte sich so wütend, wie schon lange nicht mehr. Am liebsten würde er jetzt einem der Erstklässler einen Fluch auf den Leib jagen oder Crabbe oder Goyle in Grund und Boden schreien. Nach dem Gespräch mit Harry, hatte er tatsächlich seine eigene Siegesfeier verpasst, mit voller Absicht! Verdammt !Warum musste es sich selbst dann anfühlen, als ob er verloren hatte, wenn er doch der Gewinner war?

`Ganz einfach`, sagte die kleine Stimme in seinem Hinterkopf. `Weil er dich hat gewinnen lassen.`

`Halt die Klappe`, knurrte er wütend, aber er wusste, es war die Wahrheit.

Nur dass er keine Ahnung hatte, wie er damit umgehen sollte. Die letzten Wochen waren schwer genug gewesen, sich selbst und allen anderen zu beweisen, dass er immer noch der selbe arrogante Mistkerl war, wie früher. Doch irgendwie hatte er es hin bekommen, die anderen zu täuschen.

Die Momente, in denen er Harry gegenüber stand, waren die schwersten. Er wollte den anderen nicht verletzten und musste es doch tun. Danach fühlte er sich schlecht und schuldig. Von den Nächten ganz zu schweigen. In einer der ersten Nächte nach ihrer Trennung, hatte ihm Goyle morgens verkündet, dass er im Traum laut Potters Namen geschrien hatte. Natürlich hatte Draco ihn angelogen und verkündet, er hätte von einer besonders gelungenen Racheaktion an dem dunklen Gryffindor geträumt. Seitdem verhängte er jeden Abend vorsichtshalber einen Silencio-Zauber über seinem Bett.

Dracos Zorn war fast verraucht, als er endlich den Weg bis zum Kerker zurück gelegt hatte. Es war ganz einfach ein langer Tag gewesen und er war froh, dass er endlich vorbei war. Der blonde Slytherin fror und war entsetzlich müde und wollte nur noch in sein Bett. Frustriert seufzte er auf, als er in den Gemeinschaftsraum trat. Snape würde toben, wenn er morgen das Chaos hier sah. Das Feuer war fast herunter gebrannt und in seinem roten Lichtschein sah der Blonde auf den Tischen dutzende von Flaschen. Die meisten hatten ganz offensichtlich Butterbier enthalten, aber es waren auch einige Feuerwhiskey-Flaschen dabei. Die Luft war schwer vom Zigarettenrauch, was Draco nicht wunderte. Er selbst rauchte gelegentlich auch, wenn er aus Hogsmeade mal wieder eine Packung organisieren konnte.

Beinah wäre er über den Körper eines seiner Mitschüler gestolpert, der ausgestreckt auf dem Boden schnarchte. Bei näherem Hinsehen erkannte Draco Vincent Crabbe. Offensichtlich war er zu betrunken gewesen, um noch den Weg in sein Bett zu finden. Als sich Dracos Augen an das Zwielicht gewöhnten, sah er noch einige andere Slytherins auf den Sofas, in den Sesseln und sogar auf dem nackten Fußboden schlafen. Draco hob erstaunt die Augenbrauen. Die Party musste wirklich interessant gewesen sein.

Halt, war das nicht? Tatsächlich, auf einem der Sofas lag Pansy Parkinson, mit aufgeknöpfter Bluse, in den Arm von Blaise gekuschelt. Draco konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Er wusste, dass Zabini schon lange scharf auf das Mädchen war, aber Pansy war bisher so damit beschäftigt gewesen, sich an Draco zu hängen, dass sie ihn gar nicht wahr genommen hatte. Tja, Alkohol änderte eben manchmal den Blickwinkel auf gewissen Personen. Nicht, dass es ihm etwas ausgemacht hätte. Fast jeder Slytherin wusste, dass Draco im letzten Jahr tatsächlich etwas mit ihr laufen gehabt hatte, aber wenn der Blonde damals noch Zweifel hatte, wusste er danach mit Sicherheit, dass Mädchen nicht sein Ding waren.

Vorsichtig bahnte er sich einen Weg durch den am Boden liegenden Müll und die Leiber seiner Mitschüler, zu seinem Zimmer. Aufatmend schloss er die Tür hinter sich und begann sich von den nassen Klamotten zu befreien, als er hörte, wie sich jemand auf seinem Bett bewegte. Im ersten Impuls wollte Draco den Zauberstab aus der Tasche seiner Quiddich-Uniform ziehen, doch dann bemerkte er, dass er das Oberteil bereits auf den Boden geworfen hatte.

In diesem Moment hörte er ein leises „Lumos" und das sanfte Leuchten eines Zauberstabes tauchte das Zimmer in ein angenehmes Licht. Draco blinzelte leicht, bis sich seine Augen an die plötzliche Helligkeit gewöhnt hatten, dann fixierte er die Person, die den Zauberstab in der Hand hielt.

Er kannte den Jungen, auch wenn er einen Moment brauchte, um sich an seinen Namen zu erinnern. David Donovan war im Jahrgang unter Draco. Schon seit ein ganzen Weile wusste der Blonde, dass der Andere an ihm interessiert war. Er war süß, keine Frage. Ein südländischer Typ mit schwarzen, dichten Haaren und eben solchen Glutaugen, die von einem Kranz aus dunklen Wimpern umrahmt wurden. Sein Körper war auch nicht schlecht, aber Dracos Herz schlug nun einmal für einen grünäugigen Gryffindor und so war er gegen Davids sehnsüchtige Blicke bislang immun gewesen.

An der spärlichen Bekleidung konnte Draco ablesen, was der andere im Schilde führte, aber er fragte trotzdem: „Was machst du hier? Hast du dich im Zimmer geirrt, Donovan?"

Der Junge lächelte schüchtern und kletterte aus Dracos Bett. „Ich wollte dir gratulieren", sagte er, langsam auf den Blonden zu kommend. Der Ältere konnte die Feuerwhiskey-Fahne bei diesen Worten bereits riechen. Tatsächlich schwankte David leicht und Draco musste ihn am Arm festhalten, da der Junge sonst auf den Boden gefallen wäre.

David nutzte diese Gelegenheit, um seine Hände auf Dracos Schultern abzustützen. „Du warst unglaublich", fuhr er mit schwerer Stimme fort. „Ich wusste gar nicht, dass Fliegen so sexy sein kann."

Draco dachte, dass es mit Sicherheit alles andere als sexy ausgesehen haben musste, nass und dreckig und erschöpft gegen den Sturm anzukämpfen, aber er sagte nichts. Stattdessen versuchte er seinen offensichtlich betrunkenen Mitschüler wieder auf der Bettkante abzusetzen, doch Donovan klammerte sich hartnäckig an ihm fest.

„Weißt du, ich fand dich schon immer heiß. Schon seit meinem ersten Jahr." Er versuchte seine Hände über Dracos nackten Oberkörper gleiten zu lassen, merkte aber schnell, dass er dann erneut das Gleichgewicht verlieren würde.

Bestimmt wehrte Draco die Annährungsversuche des Jüngeren ab.

„Ich bin nicht interessiert, Donovan", knurrte er, als der andere versuchte seine Arme erneut um Dracos Schultern zu legen.

„Nun sei doch nicht so", lallte David. „Du sollst mich doch nicht gleich heiraten."

Er schaffte es, den Blonden am Arm zu erwischen und mit sich aufs Bett zu ziehen. Bevor Draco sich versah, hatte der Dunkle seine Lippen auf die seinen gedrückt. Er schmeckte Rauch und Whiskey und etwas Süßes, was wohl der Pudding vom Abendessen gewesen sein konnte. Für einen Moment gestattete Draco es sich zu phantasieren, dass es Harry war, der ihn küsste, doch Davids Lippen waren nicht mit denen des Gryffindor zu vergleichen. Der Junge küsste ungeschickt und sein Körper, der sich gierig gegen Dracos presste, war zwar okay, aber nicht so gut gebaut wie Harrys.

Der Jüngere versuchte, seinen Körper auf den des anderen Jungen zu rollen, um ihn daran zu hindern, wieder aufzustehen, doch obwohl Draco erschöpft war, hatte er mehr Kraft. Mit einem wütenden Knurren, stieß er David von sich herunter, so dass dieser halb aus dem Bett fiel.

„Raus", sagte er mit drohender Stimme und es war ihm ganz egal, wie der andere das in seinem angetrunkenen Zustand bewerkstelligte. „Und zwar ganz schnell."

Donovan schluckte bei diesem Tonfall und beeilte sich auf die Füße zu kommen. Er war lange genug in Slytherin um zu wissen, dass er jetzt besser tat, was von ihm verlangt wurde. Zwar taumelte er leicht und stieß diverse Male gegen die anderen Betten, als er seinen Weg durch den Raum suchte, aber es gelang ihm irgendwie, bis zur Tür zu kommen.

Aufatmend ließ sich Draco zurück auf das Bett fallen, als David die Tür hinter sich schloss. Das hatte ihm an diesem Tag gerade noch gefehlt. Er war weiß Gott nicht in der Stimmung für einen Quicky mit einem seiner Mitschüler. Weder mit Donovan noch mit irgendjemandem sonst. Er wollte nur noch schlafen, vergessen, nicht an einen gewissen Gryffindor denken...

Schnell entledigte sich Draco seiner restlichen Sachen und schlüpfte nur mit Shorts und T-Shirt bekleidet unter seine Decke. Er fror plötzlich fürchterlich, ob wegen der Stunden im Regen auf dem Astronomie-Turm oder wegen der Sache mit David eben, wusste er nicht. Unwillkürlich dachte er an das gemütliche Bett mit den schweren, roten Vorhängen oben im Turm. Wie gerne würde er jetzt dort oben liegen und sich von Harry wärmen lassen...

Fuck! Wie auf Kommando raste die Bilder durch seinen Verstand. Warum musste es auch so kompliziert sein? Warum musste es ein Gryffindor sein? Warum musste es Harry sein? Warum musste es die eine Person sein, die sein Vater, die der Dunkle Lord selbst, am meisten auf dieser Welt hasste? Draco seufzte auf. Es war zum Verzweifeln. Die anderen mochte er vielleicht täuschen können, aber sein Herz konnte er nicht hinters Licht führen. Er konnte nicht aufhören an Harry zu denken. Und je mehr Zeit seit ihrer Trennung verging, desto schlimmer wurde der Schmerz.

Draco dachte an das Gesicht des dunklen Gryffindor, als er ihn gefragt hatte, warum Harry den Schnatz nicht gefangen hatte.

Ich habe etwas aufgegeben. Für dich. Ich wünschte, du könntest das auch tun."

Langsam fragte er sich, ob es nicht die falsche Entscheidung gewesen war, die Beziehung einfach zu beenden. Vielleicht sollte er auch so mutig sein und um seine Liebe kämpfen.

XXXXXX

 

Draco überprüfte die Seiten, die er Harry diktiert hatte und nickte zufrieden.

Warum hast du mir nie davon erzählt?" fragte der Dunkle ruhig.

Was meinst du?"

Von David`s Annährungsversuchen in dieser Nacht." Draco war sich fast sicher, Eifersucht aus diesen Worten heraus zuhören.

Es ist nichts passiert, also war es auch nicht wichtig. Wir hatten andere Sorgen."

Für dich vielleicht nicht, love. Ich finde schon, dass es wichtig ist." Harry verschränkte die Arme vor seiner Brust.

Was hättest du gemacht, babe? Wärst du zu ihm gegangen und hättest gesagt: Finger weg von meinem Boyfriend?" stichelte der Blonde belustigt.

Vielleicht", gab Harry zurück. „Vielleicht hätte ich auch irgendetwas Giftiges in sein Essen gemischt."

Draco konnte nicht anders, er lachte laut. „Schatz, der arme David war betrunken und nachdem ich ihn deutlich abgewiesen habe, hat er es nie wieder versucht. Was sollte ich denn sagen? Jede zweite Hexe war scharf auf Gryffindors Golden Boy."

Nur dass ich kein Interesse an Hexen hatte", gab Harry zu bedenken.

Du hast ja gar keine Ahnung, wie viele der männlichen Schüler einen ZAG dafür gegeben hätten, eine Nacht mit dir zu verbringen."

Wie viele denn?" fragte der Dunkle interessiert.

Einige", gab Draco vage zurück.

Was hättest du dafür gegeben, love?" konterte Harry geschickt.

Für eine Nacht? Hm, ich hätte mindestens Nachsitzen bei Filch dafür in Kauf genommen."

Tatsächlich?" fragte der Andere ungläubig. „Für nur eine Nacht?"

Ja, für nur eine Nacht",bestätigte Draco lächelnd.

Gut das zu wissen. So billig wie bisher kommst du mir nämlich nicht mehr davon, Malfoy", grinste Harry und wackelte anzüglich mit den Augenbrauen.

Sieh an, Potter. Wie hoch ist denn jetzt dein Preis?" fragte der Blonde belustigt.

Da fällt mir bestimmt noch etwas ein und so lange nehme ich auch einen Blanko-Schuldschein."

Das Risiko ist es wert."

Das will ich meinen. Schließlich schläfst du mit dem Retter der Zauberwelt."

Oh ja, mein Held", schnurrte Draco und küsste seinen Mann.

Immer zu Diensten", gab Harry zurück und erwiderte den Kuss.

XXXXXX

 

XI. Back for good

Whatever I said, whatever I did I didn`t mean it

I just want you back for good

....

And we`ll be together, this time is forever

We`ll be fighting and forever we will be

So complete in our love

We will never be uncovered again

 

(Take That, Back for good)

Als Harry am nächsten Morgen aufstand und aus dem Fenster sah, war es beinah, als hätte es den Sturm vom Vortag nie gegeben. Ein paar wenige weiße Schäfchenwolken schwebten am strahlend blauen Himmel. Nur die Pfützen auf dem Fensterbrett und der abgebrannte Baum neben dem Quidditch-Feld zeugten von dem schweren Gewitter.

Der Unterricht begann für Harry mit einer Doppelstunde Verwandlung. Eigentlich mochte er dieses Fach, auch wenn er sich an diesem Morgen nicht ganz wohl in seiner Haut fühlte, als er Professor McGonagalls Klassenraum betrat. Aber seine Hauslehrerin erwähnte den verlorenen Cup mit keinem Wort, auch wenn sie noch etwas steifer wirkte, als sie es sonst schon war.

Im Großen und Ganzen lief es für Harry gar nicht schlecht. Obwohl er die Hausaufgaben nach der Aufregung mit Malfoy nur zur Hälfte gemacht hatte, schaffte er es zwei mal hintereinander den Papagei vor sich in eine fast perfekte Rose zu verwandeln. Nur der Schnabel in der Mittel der Blüte störte etwas, vor allem, da er die ganze Zeit üble Verwünschungen ausstieß.

Doch als sich der Unterricht dem Ende näherte, ergriff ihn die schon bekannte Übelkeit, denn als nächstes stand Zaubertränke zusammen mit den Slytherins auf dem Stundenplan.

Wenn dieses Fach früher schon ein Albtraum für Harry gewesen war, wurde es seit der Trennung von Draco zu einem echten Inferno. Der dunkle Gryffindor hatte leider keine besondere Begabung im Brauen der komplizierten Mixturen und die Anwesenheit seines Ex-Freundes hatte ihn so sehr abgelenkt, dass er in den vergangenen zwei Wochen nicht weniger als drei Zaubertränke in die Luft gejagt hatte. Das schaffte sonst nicht einmal Neville.

Nicht genug damit, dass Snape ihn danach zum Nachsitzen verdonnert hatte, er hatte ihm auch damit gedroht, wenn er bis zum Schuljahresende auch nur einen missglückten Zaubertrank abgab, würde er ihn nicht nur aus seinem Kurs werfen, sondern ihm auch ein „ungenügend" geben. Damit wären Harrys Pläne, sich später einmal um eine Stelle als Auror zu bewerben, zu Nichte gemacht. Denn nur Schulabgänger mit einem glänzenden Zeugnis hatten eine Hoffnung vom Ministerium angenommen zu werden.

Seufzend packte Harry seine Unterlagen in die Tasche, während Ron und Hermine ungeduldig neben seinem Tisch auf ihn warteten.

„Geht schon mal vor", bat der dunkle Gryffindor seine Freunde. „Ich muss noch mal schnell wohin und komme dann gleich nach." Die beiden nickten und gingen dann in Richtung der Kerker davon.

So wie er es den anderen gesagt hatte, suchte Harry die Waschräume auf. Er erleichterte sich schnell und stand dann einen Moment vor den Waschbecken, um sich zu sammeln. Immer wieder ballte er seine Hände zu Fäusten und streckte sie dann wieder, um das Zittern aus ihnen zu vertreiben. Er wusste, er musste sich zusammen reißen. Er konnte sich keinen Fehler mehr leisten.

`Vielleicht hilft eine Erfrischung`, dachte er verzweifelt.

Harry legte seine Brille auf den Waschbeckenrand und drehte tief durch atmend den Kaltwasserhahn auf. Als er gerade dabei war, sein Gesicht mit der kühlen Flüssigkeit zu benetzten, hörte er, wie sich die Tür des Waschraumes erneut öffnete und wieder schloss.

Der Gryffindor trocknete sein Gesicht mit einem der Handtücher und setzte seine Brille wieder auf. Als er einen Blick in den Spiegel warf, um sein Aussehen zu überprüfen, erstarrte er.

Draco stand direkt hinter ihm. Schweigend, abwartend, taxierte er das Gesicht des Dunklen im Spiegel. Die Mimik des Slytherin ließ keinen Rückschluss auf seine Gedanken zu. Sein Gesicht wirkte ausdruckslos. Harry schluckte schwer. Er wusste nicht, was er sagen oder tun sollte. Tatsächlich hatte er Angst vor der Reaktion des Anderen. Sie hatten nicht mehr mit einander gesprochen, seit Draco gestern so fluchtartig ihr Gespräch beendet hatte.

Ein unbequemer Moment der Stille entstand. Endlich drehte sich Harry zu dem anderen Jungen um. Einen Moment sahen sie sich in die Augen und der Gryffindor fühlte, wie sein Herz bis in seinen Hals hinauf schlug, dennoch sagte er nichts.

Der Blonde biss sich auf die Unterlippe. Eben noch hatte er ganz genau gewusst, was er Harry hatte sagen wollen, aber auf einmal war sein Kopf wie leer gefegt. Er streckte zögernd eine Hand nach dem dunklen Gryffindor aus, zog sie dann aber doch wieder zurück.

„Harry...", begann er unsicher und seine eigene Stimme hörte sich fremd an in seinen Ohren.

„Ja?" Der Dunkle sah ihn an und Draco begegnete seinem Blick, obwohl er die Augen lieber auf den Boden gerichtet hatte.

Der Blonde atmete tief durch. „Ich bin ich ein Idiot und ein Arschloch und ich weiß nicht, warum du überhaupt Gefühle für mich hast, aber ich liebe dich. Wenn du mich also trotzdem zurück haben willst..." Er wusste nicht, wie er den Satz zu Ende bringen sollte.

`Scheiß auf Vater, Scheiß auf den Dunklen Lord, Scheiß auf die ganze Zauberwelt`, fügte er in Gedanken hinzu, sprach es aber nicht laut aus. Hilflos lächelte er den Gryffindor an, der mit verschränkten Armen vor ihm stand.

Ein langer Augenblick verging. Dracos Herz schlug so laut, dass er dachte, selbst Harry müsste es hören, doch der Dunkle ließ sich nicht anmerken, falls es so war. Nervös spielten die Hände des Slytherin an der Vorderseite seiner Robe, während er auf eine Reaktion des anderen wartete, doch der Gryffindor sah unbewegt auf einen Fleck an der Wand.

„Ich denke, ich gehe dann mal", sagte Draco resigniert, als ein weiterer Moment verstrich, ohne dass Harry sich geäußert hatte und wollte an dem anderen Jungen vorbei zur Tür gehen, doch der Dunkle hielt ihn an der Schulter zurück. Unsicher sah Draco ihn an.

Um die Lippen des Gryffindor spielte ein leichtes Lächeln, als er sah, wie angespannt sein Gegenüber war. Einen Moment genoss er den Anblick noch, dann war er der Ansicht, dass er den Slytherin nun genug hatte zappeln lassen.

„Du hast Recht", begann er genüsslich. „Du bist ein Idiot und du bist ein Arschloch, aber verdammt ich kann nicht anders." Er zog den verdutzten Draco an der Krawatte zu sich, so dass sich ihre Gesichter beinah berührten. „Ich liebe dich immer noch. Aber ich schwöre, ich bringe dich um, wenn du mir noch einmal so weh tust."

Zärtlich fanden seine Lippen, die des blonden Jungen und Draco küsste ihn zurück, als hinge sein Leben davon ab. Sanft legte der Blonde seine Arme um den Gryffindor und erlaubte sich, das Gefühl des vertrauten Körpers zu genießen.

„Nie wieder", murmelte er in den Mund des anderen. „Ich schwöre es dir, nie wieder." Hungrig ließ er seine Zunge in Harrys Mund wandern, der ihm willig Einlass gewährte. Es fühlte sich einfach so gut an. So richtig. Endlich wieder zusammen, wieder ganz zu sein.

Halt suchend krallte Harry seine Hände in das blonde Haar, fühlte die seidigen Strähnen durch seine Finger gleiten, sog Dracos süßen Duft tief in seine Lungen, sich selbst beweisend, dass es tatsächlich die Wirklichkeit war, die er erlebte.

„Merlin, so gut", knurrte er, als sich ihre Lippen für einen Moment trennten.

„So gut zusammen", keuchte Draco, heftig nach Luft schnappend, als er merkte, wie die Erregung ihn zu überwältigen begann. Seine Hände streichelten über Harrys Rücken, abwärts zu seiner Kehrseite. „So sexy", fügte er mit einem Lächeln hinzu.

Harry konnte nicht anders, er lächelte zurück. „Ich habe dich vermisst."

„Ich weiß." Draco seufzte. „Ich habe dich auch vermisst. Aber ich schwöre dir, lieber darfst du mich wirklich umbringen, als dass ich mich noch einmal von dir trenne."

„Ich nehme dich beim Wort", neckte ihn der Dunkle.

„Ich würde es gar nicht anders haben wollen."

XXXXXX

 

Und dann hatten wir Sex", meinte der Blonde versonnen grinsend.

Nein, hatten wir nicht", korrigierte ihn Harry kopfschüttelnd.

Nicht?" fragte Draco enttäuscht. „Aber zu einer guten Versöhnung gehört Sex!"

Zu einer guten Versöhnung gehört in erster Linie eine Aussprache", stellte der Dunkle klar.

Und die hatten wir auch nicht", meinte sein Partner frustriert.

Richtig. Du hast dich entschuldigt, mehr nicht. Ich hatte erwartet, du würdest mir erklären, wieso. Aber du hast nichts gesagt."

Ich wollte den Moment nicht verderben", rechtfertigte sich der Blonde. „Wie hätte ich es dir auch erklären sollen?`Weißt du, Harry. Mein Vater will, dass ich im Sommer ein Todesser werde und deshalb habe ich mich von dir getrennt. Aber jetzt denke ich, dass ich einfach zu ihm hingehen und sagen werde: Steck dir das Dunkle Mal sonst wohin.`"

Vielleicht nicht ganz so, aber so ungefähr", meinte Harry und lächelte über die Ausdrucksweise seines Ehemannes. „Du hast alles in dich hinein gefressen. Und ich wusste von nichts."

Ich dachte, es wäre besser so. Du hättest mir nicht helfen können."

Ich wäre zumindest gewarnt gewesen. Außerdem gehört das zu einer Beziehung dazu, dass man sich seine Sorgen erzählt."

Okay, ich habe einen Fehler gemacht. Wieder einmal. Ich bin eben der sture, nicht teamfähige Slytherin.", schmollte Draco mit hochgezogenen Schultern.

Zärtlich legte Harry seine Stirn gegen die des anderen Mannes. „Ich weiß, dass du mich schützen wolltest. Das war edel von dir."

Von wegen, dich schützen", murmelte Draco nah an dem Gesicht des Anderen. „Überleben wollte ich."

Wenn du mit der Erklärung besser leben kannst, love", grinste der Dunkle und vergrub seine Hände in Dracos blondem Haar.

Die Hauptsache war doch, dass du mir verziehen hast."

Wer kann dir schon lange böse sein, wenn du einen so ansiehst." Grün versank in Silber und die Welt schien still zu stehen.

Love ya."

Me, too."

XXXXXX

 

XII. Can`t take my hands off you

I can`t take my hands off you, baby

I can`t get enough off you

I can`t take my hands off you, baby

I can`t get enough off your love

 

(Soultans, Can`t take my hands off you)

 

Unruhig drehte sich Harry unter der leichten Decke auf die Seite und sah durch das geöffnete Fenster hinaus in die sternklare Nacht. Groß und voll hing der Mond am Himmel und erleuchtete den Raum beinah Tag hell. Die Wärme lag wie eine Glocke über dem kleinen Turmzimmer und ein dünner Schweißfilm überzog den Körper des Jungen.

In den Betten neben sich konnte er seine Mitschüler schnarchen hören, aber für den dunklen Gryffindor war an Schlaf nicht zu denken. Sein Herz schlug so heftig in seiner Brust, dass er meinte, es wolle ihm aus der Brust springen. Doch im Gegensatz zu den vielen Nächsten zuvor, in denen er vor Kummer nicht hatte schlafen können, war es dieses Mal ein Zustand freudiger Erregung, der ihn wach hielt.

Draco. Ohne dass Harry es beabsichtigte, tauchte wieder das Bild seines Freundes vor seinem inneren Auge auf. Es war so ein gutes Gefühl, ihn wieder zu küssen. So, als ob er wochenlang nur ein halber Mensch gewesen war und nun plötzlich seine fehlende Hälfte zurück erlangt hatte. Dieses Gefühl seiner Lippen, so weich und doch so fest. Der vertraute Geruch seines Körpers, der Druck seiner Hände auf seinem Rücken... Beinah hätte Harry sich vergessen und den blonden Slytherin einfach mit sich in eine der Toilettenkabinen gezerrt, aber dann hatte sein Verstand gerade rechtzeitig seine Arbeit wieder aufgenommen, um ihn daran zu erinnern, dass sie dringend zum Unterricht mussten.

Es war nicht leicht gewesen, Draco von der Notwendigkeit aufzuhören zu überzeugen, zumal der Blonde von Snape nicht wirklich Ärger zu befürchten hatte, aber irgendwie hatte Harry es geschafft, Draco aus den Waschräumen in Richtung der Kerker zu schleifen, ohne dass sie dabei einem Schüler begegneten.

Nicht zum ersten Mal war Harry dankbar für die weiten Roben, aus denen die Schuluniform bestand. Seine offensichtliche Erregung wäre sonst vor Snape kaum zu verheimlichen gewesen. Trotzdem hatten ihm seine Verspätung, das gemeinsame Auftauchen mit Malfoy und die Rotfärbung seines Gesichtes eigenartige Blicke von Ron und einigen anderen Gryffindors eingebracht.

Neidisch fragte er sich, wie Draco es schaffte, von einem Moment auf den anderen sein Gesicht völlig ausdruckslos werden zu lassen. Wenn Harry nicht selbst das Ziel von Dracos heftigen Küssen gewesen wäre, hätte er beim Anblick des Blonden kaum geglaubt, was dieser eben noch getrieben hatte.

Das leise Quietschen der Tür holte Harry plötzlich aus seinen Gedanken. Irritiert setzte er sich in seinem Bett auf und starrte in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Die Tür öffnete sich und eine Gestalt in einem Morgenmantel aus grüner Seide schlüpfte durch den Spalt.

Auch ohne seine Brille erkannte er den Jungen, der gerade den Raum betreten hatte. Harry hielt vor Überraschung die Luft an, als Draco leise auf sein Bett zu kam, den Zeigefinger lächelnd auf die Lippen gelegt. Panisch sah der Gryffindor zu den anderen Betten, aber seine Freunde schienen tief und fest zu schlafen und den Eindringling nicht zu hören.

Mit wenigen Schritten hatte der Blonde das Zimmer durchquert und kletterte auf Harrys Bett. Durch eine flüchtige Bewegung seines Zauberstabes schlossen sich die Vorhänge um die beiden Jungen.

„Silencio", sagte Draco leise, dann schlüpfte er zu Harry unter die Bettdecke.

„Will ich wissen, wie du hier rein gekommen bist?" fragte der Gryffindor trotz des Zaubers flüsternd.

Er konnte das Lächeln in der Stimme des Blonden hören, als dieser antwortete: „Nein, willst du nicht."

„Du hast doch wohl nicht jemanden verhext?" fragte Harry besorgt.

„Was denkst du denn von mir?" kam die entrüstete Antwort und noch bevor der Dunkle antworten konnte, fügte er hinzu: „Natürlich nicht."

Sanft fühlte Harry die Lippen seines Freundes auf den seinen. Kühle Hände gruben sich in sein Haar, während sich der Körper des Blonden an ihn drängte. „Konnte nicht schlafen", murmelte Draco in den Kuss. „Brauche dich."

Ohne etwas dagegen tun zu können, erwiderte Harry den Kuss. Verlangend knabberten seine Zähne an der Unterlippe des Slytherin, als seine Hände den Kopf des anderen fixierten.

Die Finger des Blonden wanderten über seinen Rücken, abwärts bis auf seinen Po. Dracos erwachende Härte rieb sich dabei gegen den Oberschenkel des Gryffindor.

„Wir können nicht", keuchte Harry, der fühlte, wie auch sein Verlangen wuchs. „Meine Freunde..."

„Du hast Recht", flüsterte Draco, seine Zunge leckte feucht über den Unterkiefer des anderen. „Auf keinen Fall..." Aber er machte keine Anstalten sich zurück zu ziehen. Stattdessen wanderte seine Hand verlangend unter das Shirt des Dunklen und streichelte sanft über dessen festen Oberkörper.

Harry erschauderte unter den Berührungen. Seine Brustwarzen zogen sich zu harten Knospen zusammen, die sich danach sehnten, von Draco berührt zu werden.

„So vermisst", hauchte der Blonde in das Ohr seine Freundes, als seine Hand langsam abwärts streichelte. „So einsam gewesen, ohne dich."

Der Dunkle schluckte schwer. „Nicht", murmelte er schwer beherrscht. „Wenn wir erwischt werden..." Doch er bog sich Dracos Händen entgegen, als dieser den Rand seiner Shorts erreichte.

„Schsch", machte der Slytherin leise. Sein Mund ließ den Protest verstummen, als seine Zunge verlangend in Harrys Mundhöhle stieß. Ihre Zungen fochten einen schweigenden Kampf über die Vorherrschaft, leckten und saugten aneinander, bis das Verlangen ins Unermessliche stieg.

Ein gepresstes Stöhnen entwich dem Dunklen, als Dracos kühle Hand sich um seinen halbsteifen Schaft schloss. Unwillkürlich streckte er ihm sein Becken entgegen. Sanft streichelten die Finger des Blonden über Harrys empfindliche Spitze, verrieben mit den Fingern die Feuchtigkeit, die aus ihr hervorquoll, während seine andere Hand weiter den Oberkörper des Gryffindor liebkoste.

„So lange darauf gewartet", flüsterte der Slytherin und seine Zunge spielte mit Harrys Ohr. „So sehr davon geträumt, das wieder mit dir zu tun."

Harrys war nicht fähig, irgendetwas zu erwidern. Seine Hände krallten sich fest in Dracos Morgenmantel, als dieser begann seinen Härte in einem langsamen Rhythmus zu pumpen. Wie ein Ertrinkender suchte er die Lippen des Blonden. Er musste sie küssen, immer wieder, um nicht laut zu stöhnen. Der Gryffindor wusste, der Zauber würde die Geräusche nicht nach draußen dringen lassen, aber dennoch war es ihm peinlich, sich hier völlig gehen zu lassen.

Trotzdem konnte er es nicht verhindern, zu keuchen, als die Bewegungen von Dracos Hand schneller wurden. Sein Becken zuckte automatisch, seine Schenkel öffneten und schlossen sich im Rhythmus der Bewegungen.

Seine Finger vergruben sich so fest in das Haar des Blonden, dass es sicher schon schmerzhaft war, aber es schien den Slytherin nur noch zu bestätigen, fester zu pumpen. „Draco", wimmerte er gepresst, als er fühlte, dass es nicht mehr lange dauern würde.

„Ja, babe, tue es", keuchte der andere Junge und rieb sich im Gleichklang der Bewegung seiner Hände fester am Oberschenkel des Dunklen. „Komm für mich."

Als hätte Harry nur diese Worte gebraucht, krampfte sich in diesem Moment alles in ihm zusammen. Überwältigt zog er Draco fest an sich, sein Unterleib schoss noch ein letztes Mal nach oben, als er sich mit einem lauten Stöhnen durch die zusammengepressten Zähne in die Hand des Blonden ergoss.

Wie Trommelfeuer jagte sein Puls in seinen Ohren und sein Körper zitterte wie Espenlaub.

„So gut", keuchte er noch außer Atem.

„So gut mit dir", bestätigte der Andere und küsste die bebenden Lippen. Als der Kuss schließlich endete, sahen sie sich in die Augen und es brauchte keine Worte, um die Gefühle zu beschreiben, die sie in diesem Moment teilten.

Dann war der Augenblick vorbei. Harry schloss erschöpft die Augen und lehnte seinen Kopf an Dracos Brust. Der beruhigende Klang des vertrauten Herzschlages machte ihn müde und er genoss es, die vertrauten Arme um seine Schulter und über seiner Taille zu fühlen.

Zärtlich kraulte Draco in den ewig verstrubbelten Haaren des anderen. Er merkte, wie sich Harrys Atem verlangsamte und sein Körper entspannte und es war gut so. Zwar war er nach wie vor erregt und er wusste, es würde für ihn jetzt keine Erleichterung geben, aber das war auch nicht wichtig. Er war wegen Harry gekommen. Sein Verlangen konnte warten.

Draco murmelte noch einen leisen Reinigungszauber, dann gab auch er sich der Müdigkeit hin. Es konnte kein besseres Gefühl geben, als so nebeneinander einzuschlafen.

XXXXXX

Ineinander verschlungen lagen die beiden Männer auf der Couch. Zufrieden legte Harry seinen Kopf an Dracos Brust und lauschte dem beruhigenden Herzschlag beinah so, wie er es damals in Hogwarts getan hatte. Der Blonde streichelte sanft über die schwarzen Haare, die jetzt zwar kürzer, aber deshalb nicht weniger strubbelig waren.

Wie bist du damals hinein gekommen?" fragte Harry in die angenehme Stille.

Du kannst es einfach nicht lassen, was?" lächelte Draco und fuhr mit dem Zeigefinger die blitzförmige Narbe auf Harrys Stirn nach.

Was dich angeht, bin ich einfach chronisch neugierig", gab der Dunkle zu und stütze sich auf die Ellenbogen, so dass er seinem Ehemann ins Gesicht sehen konnte. „Oder ist es so schlimm, dass du es mir nicht sagen willst?"

Der Blonde lachte leise. „Schlimm? Nein, eigentlich nicht. Hast du eine Ahnung, was ich unter dem Morgenrock an hatte?"

Harry blinzelte verwirrt. „Was hat das denn damit zu tun?"

Alles", erklärte der andere zwinkernd.

Keine Ahnung, Shorts vielleicht?" mutmaßte sein Gegenüber.

Nein", grinste Draco amüsiert. „Ich hatte gar nichts an. Und genau das hat die fette Dame auch zu sehen bekommen. Da war sie so geschockt, dass sie einfach zur Seite geschwungen ist."

Harry schüttelte grinsend den Kopf. „Du bist einfach unmöglich."

Der Blonde zuckte die Schultern. „Ich weiß."

Und genau deshalb liebe ich dich."

Das wusste ich auch."

Tbc...

Kapitel 5 von redangeleve
 

XIII. The Sweetest Sin

 

Your lips upon my lips

Can you just picture this?

Your fingertips on my fingertips

Your skin upon my skin

Would be the sweetest sin

That would be the sweetest sin

Yea

 

(Jessica Simpson, The sweetest sin)

Warme feuchte Lippen auf seiner Haut, die ihn neckten, ihn küssten, ihn in Ekstase brachten, bis er keuchte, stöhnte, seinen Namen rief: „Draco!"

Auf einen Schlag war Harry hellwach. Er hörte Ron im Bett nebenan herzhaft gähnen. Erschrocken fuhr er aus den Kissen hoch und sah sich panisch um. Merlin, waren sie in der Nacht tatsächlich gemeinsam eingeschlafen?! Erleichtert und doch ein wenig wehmütig stellte er fest, dass das Bett neben ihm leer war. Sollte das Ganze etwa nur ein feuchter Traum gewesen sein? Es war so echt gewesen, so realistisch. Konnte es sein, dass er Draco so sehr gewollt hatte, dass er sich seine Anwesenheit nur eingebildet hatte?

Als Harry seine rechte Hand auf der Matratze abstütze, um sich mit der anderen durch die verschwitzten Haare zu fahren, knisterte es leise. Überrascht schlug er die Decke zurück und fand ein kleines Stück Pergament, dass mit einer bekannten, schwer zu entziffernden Schrift bedeckt war:

„Freitag um Mitternacht

auf dem Balkon des Astronomie-Turmes.

Sei pünktlich.

 

D.

 

P.S.: Sorry, ich konnte dich einfach nicht

aufwecken.

P.P.S.: Weasley schnarcht schlimmer als

Crabbe und Goyle zusammen."

 

Harry konnte nicht verhindern, dass sein Herz einen Sprung machte. Es war also tatsächlich passiert. Mitten im Gryffindor Turm, mit all seinen Freunden im Zimmer, hatte ihm Draco Malfoy einen runter geholt. Und das schlimmste daran war: Ihm gefiel der Gedanke...

XXXXXX

 

„Sag mal, Alter", begann Ron vorsichtig, als sie sich auf dem Weg zu Kräuterkunde befanden. „Bist du sicher, dass mit dir alles in Ordnung ist?"

„Klar", grinste Harry und zupfte gedankenverloren die Blätter von einer Blume, die er am Wegrand abgepflückt hatte. „Warum auch nicht?"

Hermine die neben Ron ging, schaute schweigend von einem zum anderen.

„Ich weiß nicht." Der Rothaarige zuckte die Schultern. „Wochenlang bist du total mies drauf, hast zu nichts Lust und von einem Tag auf den anderen, sprühst du geradezu vor Leben."

„Ist das ein Problem?" frage Harry verwirrt und runzelte die Stirn.

„Nein, überhaupt nicht. Es kam nur so plötzlich, weiß du", antwortete sein Freund. „Du nimmst doch wohl keine Drogen oder so?"

Hermine musste sich bemühen, nicht laut los zu prusten. Sie hatte Harrys Stimmungswechsel natürlich auch bemerkt, doch auch wenn ihr der offensichtliche Grund dafür nicht wirklich gefiel, war sie erleichtert, dass er sich endlich gefangen hatte. Das Mädchen griff ihre Büchertasche fester und beschleunigte ihre Schritte, so dass sie nun vor den beiden Jungen her ging.

„Ob ich was?!" fragte der Dunkle ärgerlich. „Ob ich Drogen nehme? Sag mal Ron, wie kommst du bloß auf den Schwachsinn? Nein, natürlich nicht!"

Das Gesicht des rothaarigen Gryffindor war nun beinah identisch mit seiner Haarfarbe, als er antwortete: „Nicht dass du denkst, ich würde so was glauben, aber ich bin nicht der einzige, der dein Verhalten im Moment eigenartig findet. Seamus, Dean, Neville..., egal wen du fragst, alle machen sich Sorgen um dich."

Harry merkte, wie auch ihm das Blut ins Gesicht schoss. Es war schwierig, Ron zu erklären, warum er in solch einem Chaos der Gefühle versank, ohne seinen Freund anzulügen. Doch die neue Beziehung mit Draco war noch zu frisch und der Hass, den sein Freund dem blonden Slytherin entgegen brachte, zu stark, um das jetzt zwischen Tür und Angel zu klären.

„Es geht mir einfach besser", sagte der Dunkle stattdessen. „Es geht mir sogar sehr gut. Und das hat nicht das geringste mit Drogen zu tun, okay?"

Ron zuckte unwillig die Schultern. Er wollte sich nicht Harry streiten, aber dieses Hin und Her in seiner Stimmung stellte ihre Freundschaft auf eine echte Probe.

„Vielleicht haben die nahen Ferien Harrys Laune so durcheinander gebracht", schlug Hermine vor und ließ sich wieder zu ihren Freunden zurück fallen. „Schließlich ist am Samstag der große Tag."

Harry bemühte sich, ihr für ihre Hilfe ein dankbares Lächeln zu zuwerfen, auch wenn sein Herz bei diesen Worten schmerzhaft gegen die Wand seines Brustkorbes klopfte. Die ganze Zeit bemühte er sich, nicht darüber nachzudenken, dass die Nacht vor ihrer Abreise zugleich auch seine letzte für den Rest dieses Sommers mit Draco sein würde.

XXXXXX

 

Die letzten Tage vergingen wie im Flug. Das ganze Schloss schien zu vibrieren vor gespannter Vorfreude. Ron wurde nicht müde, jedem der ihm über den Weg lief, von der geplanten Reise seiner Familie nach Rumänien zu erzählen, wo sein Bruder Charlie mit Drachen arbeitete.

Hermine macht sich ständig und überall Notizen, welche Bücher sie nach Hause mitnehmen wollte und welchen Stoff sie in den Ferien unbedingt durcharbeiten musste.

Alle schienen vergnügt und voller Elan, nur Harry wurde von Tag zu Tag missmutiger. Einerseits freute er sich darauf, am Freitag endlich wieder ungestört mit Draco zusammen sein zu können, aber das Wissen, dass es das letzte Mal bis zum Ende der Sommerferien sein würde, belastete ihn gleichzeitig sehr. Seit ihrem Beinah-Sex im Gryffindor-Turm hatten sie sich immer wieder heimliche Blicke zugeworfen und sich einen kurzen Kuss in einer Besenkammer oder einer Toilettenkabine gegönnt, mehr aber auch nicht.

„Du willst auch nicht weg von hier", sagte Harry traurig und kraulte Hedwig zärtlich hinter dem Kopf. Er hatte den ganzen Trubel im Turm nicht mehr ausgehalten und sich wenigstens für ein paar Minuten in die Eulerei geflüchtet. Der weiße Vogel knabberte sanft an Harrys Zeigefinger, als wollte er den Jungen trösten. Der Gryffindor wusste, wie sehr Hedwig die Fahrt und das lange Eingesperrtsein bei den Dursleys hasste. „Wenigstens du verstehst mich", murmelte er und gab seiner gefiederten Freundin noch einen Eulenkeks, bevor er sich auf den Rückweg zum Schloss machte.

XXXXXX

 

Die Treppe zum Astronomie-Turm schien Harry endlos, als er nur mit Hilfe des Lichtes, das sein Zauberstab spendete, so schnell es ging die Stufen erklomm. Er war spät dran, aber es war dieses Mal wirklich nicht seine Schuld. Tatsächlich war es noch riskanter als sonst gewesen, sich in dieser Nacht aus dem Gryffindor-Turm zu schleichen.

Die Abschiedsfeier, die die Weasley Zwillinge organisiert hatten, war ihm endlos vorgekommen. Obwohl der Abend immer später wurde, war der Gemeinschaftsraum voller lachender, ausgelassener Schüler gewesen. Scheinbar sah es Professor McGonagall an ihrem letzten Tag mit der Nachtruhe nicht so eng. Immer wieder hatte Harry heimlich auf die Uhr gesehen. Was sollte er bloß tun, wenn die anderen um Mitternacht immer noch den Gemeinschaftsraum belagerten?

Mitfühlend hatte ihm Ron auf die Schulter geklopft, seine angespannte Stimmung völlig falsch auslegend. „Ich weiß, Alter. Mein Dad sagt, er wird den Dursleys eine Eule schicken, sobald wir aus Rumänien zurück sind, damit du zu uns in den Fuchsbau kommen kannst. Keine Sorge, wir lassen dich nicht bei diesen widerlichen Muggeln versauern."

Sein Freund nickte geistesabwesend. Gut, wenn Ron so dachte, dann war die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch die anderen einfach annahmen, er habe bloß Angst vor den Ferien. Gott sein Dank hatte ihre Hauslehrerin um halb zwölf doch endlich Erbarmen mit Harrys angespannten Nerven und scheuchte die letzten Schüler in ihre Betten. Danach dauerte es keine viertel Stunde, bis der dunkle Gryffindor von einem kollektiven Schnarchen umgeben war.

So lautlos wie möglich, schlüpfte er aus dem Bett und versah es mit einem Illusionszauber, damit es für seine Mitschüler so aussehen würde, als schlafe er auch weiterhin tief und fest. Die Nacht war warm, deshalb zog Harry es vor, nur in T-Shirt und Shorts zu seiner Verabredung zu erscheinen. Vorsichtig schnappte er sich seinen Tarnumhang, die Karte des Rumtreibers und ein paar weitere Sachen und schlich sich aus dem Zimmer. Nachdem er sich im Gemeinschaftsraum den Umhang übergestreift und sich auf der Karte versichert hatte, dass niemand mehr auf den Gängen des Schlosses unterwegs war, kletterte Harry durch das Portraitloch und rannte so schnell er konnte, in die Richtung des Astronomie-Turmes.

Die Turmuhr schlug gerade das letzte Mal, als Harry das Ende der Treppe erreichte und die Tür zum Balkon öffnete. Überrascht blieb er stehen, als er die Dutzenden Kerzen sah, die überall auf dem Balkon verteilt standen und ihm eine romantische Atmosphäre verliehen. Draco lehnte vorn an der Brüstung und ließ seinen Blick in die sternenklare Nacht schweifen. Er trug ein schwarzes T-Shirt und eine schwarze Hose. Die Schuhe hatte er wegen der Wärme bereits ausgezogen.

„Just in time, Potter", sagte er, ohne sich umzudrehen.

„Widrige Umstände", antwortete der Gryffindor, stellte seine Sachen auf dem Boden ab und trat hinter seinen Freund. Er legte die Arme um Dracos Mitte und rieb sein Gesicht an dem Haar des Blonden. „Du hast mir gefehlt."

Der Slytherin drehte sich um und erwiderte die Umarmung. „Du mir auch. Doch es war eine gute Übung für die nächste Zeit." Ein Schatten legte sich für einen Moment über sein Gesicht. „Aber jetzt sind wir hier. Das ist alles war zählt." Er rang sich ein Lächeln ab.

„Hast du Hunger? Ich habe uns ein paar Kleinigkeiten aus der Küche organisiert." Eigentlich hatte Harry auf der Party schon genug gegessen, doch trotzdem folgte er Draco zu der Matratze die dieser auf den Boden gelegt hatte. Um diese herum standen einige Teller mit verschiedenen Speisen, die vermutlich für das halbe Haus Gryffindor gereicht hätten.

„Schulden dir die Hauselfen etwa auch einen Gefallen oder womit hast du sie sonst bestochen?" fragte der Dunkle mit hochgezogenen Augenbrauen, als er sich nieder ließ.

„Ob du`s glaubst oder nicht, aber die machen das ganz ohne Bestechung. Dobby fällt immer noch in das alte Herr-Diener-Schema, wenn er mich sieht und nachdem er wusste, wer mein Gast sein würde, konnte ich ihn kaum bremsen, uns die halbe Küche zu servieren." Der Blonde setzte sich seinem Freund gegenüber und naschte ein Stück kaltes Roastbeaf.

„Aha, daher die Menge. Ich dachte, du erwartest noch jemanden. Denn wir beide können das doch unmöglich allein essen", pisackte Harry ihn freundschaftlich und knabberte halbherzig an einem Stückchen Käsetoast.

„Wer weiß", meinte Draco geheimnisvoll. „Iss lieber richtig. Das könnte eine lange Nacht werden."

„Uh, ist das jetzt etwa eine Drohung?" fragte der Gryffindor mit gespieltem Entsetzen.

„Wohl eher ein Versprechen", antwortete der Blonde süffisant und ließ seine Finger über die Wange des Dunklen gleiten. Mit einer geschickten Bewegung fing Harry die Hand ab und führte sie zu seinem Mund. „Ich würde lieber dich essen", knurrte er dumpf und ließ seine Zunge über den Puls des Blonden gleiten.

Draco schluckte schwer. „Alles zu seiner Zeit." Er entwand Harry seine Hand und hielt ihm statt dessen ein Glas Kürbissaft hin. „Auch einen Schluck?"

Harry schüttelte den Kopf. „Ich habe noch was besseres." Suchend wühlte er in den Sachen, die er mitgebracht hatte und zog unter dem zusammengerollten Tarnumhang eine Flasche Feuerwhiskey hervor. „Habe ich aus der Lehrerküche organisiert", gestand er schüchtern lächelnd, als er Dracos überraschtes Gesicht sah.

„Ich habe definitiv einen schlechten Einfluss auf dich, Potter", meinte er kopfschüttelnd, hielt Harry aber dennoch sein Glas entgegen, das dieser bereitwillig füllte. Auch sich selbst goss der Gryffindor etwas Whiskey ein, dann fragte er an Draco gewand: „Einen Trinkspruch?"

„Warum nicht." Der Blonde zuckte die Schultern. „Auf uns. Unsere Dummheit, unsere Leidenschaft und unseren jugendlichen Leichtsinn. Prost!" Mit einem Schluck hatte er sein Glas geleert. Harry tat es ihm nach. Der Whiskey brannte in seiner Kehle und hinterließ ein angenehm warmes Gefühl in seinem Magen.

„Grr." Der Gryffindor schüttelte sich.

„Sag nicht, dass du noch nie getrunken hast", stichelte Draco und füllte sich bereits das nächste Glas.

„Klar habe ich", verteidigte sich Harry entrüstet. `Mal einen Schluck oder zwei`, fügte er in Gedanken hinzu. Erstaunt beobachtete, wie Draco auch den zweiten Feuerwhiskey ohne mit der Wimper zu zucken hinunter kippte. „Du scheinst aber gut in Übung zu sein", stellte er trocken fest.

Der Slytherin zuckte die Schultern. „Mein Vater war der Meinung, ein Mann muss trinken können, ohne betrunken zu werden. Und da er ungern wollte, dass ich meinen ersten Rausch in der Öffentlichkeit bekomme, hat er sich dieses `Problems` angenommen."

Harry traute seinen Ohren nicht. „Du hast Feuerwhiskey getrunken? Mit deinem Vater?"

„Er hat mich unter den Tisch gesoffen", grinste Draco bei dem Gedanken. „Du glaubst gar nicht, was der Mann weg kippen kann, ohne auch nur eine Miene zu verziehen."

Oh doch, das glaubte Harry ungesehen. „Da wäre ich gerne Mäuschen gewesen", dachte er laut.

„Aber vermutlich nur bis zu dem Punkt, an dem ich unter den Tisch gekotzt habe."

„Igitt." Angeekelt verzog der Gryffindor das Gesicht.

„Hey, ich war vierzehn", verteidigte sich der Andere. „Das würde mir heute nicht mehr so schnell passieren."

„Vierzehn?!" Der Dunkle war entsetzt. `Deine Eltern haben echt eine eigenartige Vorstellung von Erziehung`, dachte er noch, sprach es aber lieber nicht laut aus.

„Ja, vierzehn." Der Blonde kippte den nächsten Schnaps. „Oh Merlin, Potter, jetzt tu nicht so heilig. Wir sprechen ja schließlich nur vom Trinken und nicht vom Ficken."

Wenn Harrys Wangen vorher schon gerötet gewesen waren, glühten sie jetzt beinah in der Dunkelheit. Der Slytherin grinste erneut schadenfroh bei diesem Anblick. Ganz offensichtlich war Dracos Hemmschwelle gerade dabei sich aufzulösen. Doch bevor das endgültig geschah, wollte Harry noch etwas hinter sich bringen.

„Ich habe noch was für dich." Er holte ein Päckchen unter dem Tarnumhang hervor. „Es ist nichts besonderes, aber ich wollte dir gern was zum Geburtstag schenken. Als wir dann... naja, auseinander waren, habe ich`s beiseite gelegt. Nun ist es zwar etwas spät, aber ich hoffe, du magst es trotzdem."

Er gab Draco die kleine, eingewickelte Schachtel, die dieser kritisch beäugte. „Es ist doch hoffentlich kein Zauber drin, oder?" fragte der Blonde und schüttelte das Geschenk vorsichtig.

„Nein", versicherte Harry. „Wieso?"

„Ach nichts", murmelte der Slytherin und öffnete vorsichtig das Papier. Er nahm die Schachtel und klappte den Deckel beiseite. In dem samtenen Innenfutter lag eine silberne Uhr. Die Zeiger hatten die Form von Schlangen und das Zifferblatt leuchtete im Mondschein grünlich.

„Sie ist wunderschön", sagte Draco ehrlich. Er lächelte Harry an. „Danke."

Dann legte er die Schachtel beiseite und küsste seinen Freund. Der Mund des Slytherin schmeckte stark nach Feuerwhiskey und es schien Harry, dass selbst der Geschmack von Dracos Lippen in seinem Hals brannte, doch um nichts in der Welt hätte er diesen Kuss unterbrochen.

Drängend fühlte er die Zunge des Blonden an seinen Lippen und er öffnete diese bereitwillig, um ihn einzulassen. Mit beiden Händen krallte sich der Slytherin in sein schwarzes Haar, drückte seinen Mund so fest gegen Harrys, dass es beinah schmerzte. Saugend und leckend erkundete Draco die Mundhöhle seines Gegenübers. Er schmeckte das Aroma des Dunklen mit all seinen Sinnen und es kam ihm vor, als habe er nie etwas Süßeres gekostet.

„Manchmal denke ich, dass ich dabei bin, meinen verdammten Verstand zu verlieren", keuchte Draco, als sie den Kuss für einen Moment unterbrachen. „Aber was soll`s? Dann muss dein bisschen Verstand eben für uns beide reichen, Potter."

Er grinste frech und bevor Harry auch nur zu einer entsprechenden Erwiderung ansetzen konnte, verschloss der Slytherin bereits wieder die ihm dargebotenen Lippen. Seine Hände tasteten sacht von Harrys Hinterkopf nach vor, zeichneten die harte Linie seines Unterkiefers nach und wanderten weiter über seine Kehle zu seinem Schlüsselbein.

Harrys erzitterte, als die Finger des Blonden seine Brustwarzen durch den Stoff des T-Shirts berührten. Er tat es Draco gleich und schickte seine Hände auf Wanderschaft über den Körper des Anderen. Fasziniert streichelte er über die feinen Härchen in seinem Nacken, die Schulterblätter hinab zu seinem Rücken. Der Brustkorb des Slytherin hob sich schneller, während die Hände des Dunklen unter sein T-Shirt glitten und sanft über an seiner Wirbelsäule entlang glitten, bis sie das Steißbein erreicht hatten. Draco stöhnte leise auf, als er Harrys Hände in den Bund seiner Hose und über seine Kehrseite gleiten fühlte.

„Deine Hände sind so gut auf meinem Körper", murmelte er undeutlich, indem er sich seinen Weg an Harrys Hals entlang küsste. Seine Hände wanderten verlangend unter das T-Shirt, streichelten die glatte Haut auf dem Rücken des Gryffindor, bevor sie sich seiner Vorderseite widmeten.

Ungeduldig entledigten sie sich gegenseitig dieses störenden Stückes Stoff, dann führten sie ihre Reise auf dem Körper des Anderen fort. Küssend und leckend erkundeten sie jeden Zentimeter Haut, verloren sich in einer Leidenschaft, die nicht mehr aufzuhalten war.

Erregt keuchte Draco auf, als Harry die Knöpfe seiner Hose öffnete und die Jeans langsam abwärts schob. Beide Jungen trugen nur noch ihre Shorts auf der nackten Haut, als sie nebeneinander auf die Matratze sanken. Verlangend rieben sie ihre Körper aneinander, fühlten die Erektion des Anderen nur durch einen Hauch von Stoff getrennt.

Dracos Hände massierten die Pobacken des Dunklen und wanderten dabei immer weiter zur ihrer Mitte, bis er mit den Fingern leicht über die Spalte unter der Shorts streichelte. Er fühlte Harrys heißen Atem an seinem Hals, als er dieser aufkeuchte und seinen Unterleib fest gegen Dracos Erektion presste.

Warme Hände glitten unter seine Shorts, liebkosten die empfindliche Haut, bevor sie wieder federleicht in die Spalte eintauchten und sanft über die empfindliche Haut von Harrys Eingang strichen. Erneut keuchte der Dunkle auf, rieb seine Erregung an Draco, suchte mit den Händen Halt an dessen nackten Schultern.

„Merlin, Potter", knurrte der Blonde. „Ich will dich. Jetzt. Hier. Bettelnd, stöhnend, schreiend."

„Dann bring mich dazu, für dich zu betteln, zu stöhnen und zu schreien", stieß der Gryffindor erregt zwischen den Zähnen hervor.

„Das werde ich." Seine Hände entfernten die letzten beiden Stückchen Stoff, die noch zwischen ihnen standen und als sie sich nun aneinander drängten, rieben sich ihre prall gefüllten Erektionen aneinander. Draco glitt an dem Dunklen hinab und seine Lippen umschlossen die Härte des Anderen, so dass dieser verlangend aufstöhnte. Ganz sanft leckte seine Zunge über die seidige Haut, umspielte die glatte Spitze und reizte den kleinen Schlitz, aus dem einige, wenige Lusttropfen perlten.

Harry sog hart die Luft ein, dann zog er den Kopf den Blonden wieder zu sich hinauf. „Nicht. Nicht so." Er küsste die feuchten Lippen und schmeckte seinen eigenen Geschmack auf seiner Zunge, bevor auch er am Körper des Slytherin abwärts wanderte.

„Ich bin dran", flüsterte er rau, bevor er Dracos Erektion tief mit dem Mund aufnahm. Der Blonde grub seine Zähne fest in seine Unterlippe, als er das Gefühl von Harrys Lippen an seinem Schaft spürte. Ein leises Stöhnen entwich seinen Lippen. Unbewusst suchten seine Hände den Kopf des Dunklen und kraulten in seinem schwarzen Haar, während Harrys Mund ihn in Ekstase saugte.

„Stop." Dracos Atem kam heftig. „Genug."

Erneut küssten sich die beiden Jungen, streichelten und rieben sich aneinander, bevor der Blonde Harry geschickt auf den Bauch drehte. Er griff sich ein Kissen, das neben der Matratze lag und stopfte es unter das Becken des Dunklen.

„Stöhnen hatten wir jetzt schon", flüsterte er in Harrys Ohr. „Jetzt will ich dich betteln hören."

Sanft suchten seine Lippen einen Weg über den Rücken des Gryffindors abwärts. Hauchzart küsste er eine von Harrys Pobacken, was dem Dunkeln einen Schauer über den Körper jagte. Abwechselnd bissen seine Zähne leicht in das weiche Fleisch, dann leckte er mit seiner Zunge über die entstandene Markierung

Zufrieden sah er, wie Harrys seine Hände in den Rand der Matratze klammerte. Wie zufällig wanderten seine Finger wieder zu der samtenen Spalte und senkten sich flüchtig hinein. Sein eigener Penis, der hart gegen seinen Bauch drückte, zuckte bei dem Geschmack von Harrys Haut in seinem Mund. Der Körper des Dunklen zitterte und streckte sich ihm entgegen. Harry wimmerte leise.

„Gibt es etwas, was du mir sagen willst, Potter?" fragte Draco rau.

„Bitte", antwortete Harry, seine Hände öffnete und schlossen sich unkontrolliert.

„Bitte, was?" fragte der Andere gepresst.

„Bitte, ich will dich in mir." Harrys Stimme war kaum zu verstehen. Er hatte sein Gesicht fest in die Matratze gedrückt.

Draco nickte. Neben der Matratze stand eine Flasche mit Öl, von der nahm er jetzt ein wenig und benetzte damit einen Finger. Langsam, ganz vorsichtig, streichelte er über Harrys Öffnung. Der Dunkle stöhnte erneut, dann tastete sich Draco behutsam durch den engen Muskelring. Für einen kurzen Moment verspannte sich der Körper unter ihm, dann atmete Harry tief durch und versuchte sich an das Gefühl zu gewöhnen.

„Mehr", knurrte er schwach, als Draco den Finger vorsichtig bewegte.

Der Blonde zog die Hand zurück und fügte einen zweiten, glitschigen Finger hinzu. Es brannte leicht und er musste sich zwingen, sich zu entspannen, aber Harry wollte nicht länger warten.

„Noch mehr", presste er zwischen den Zähnen hindurch und Draco fügte wunschgemäß einen dritten Finger hinzu. Das Brennen wurde stärker, aber als der Slytherin seine Hand vorsichtig vor und zurück bewegte, wurde auch das Verlangen in Harry immer größer. Unwillkürlich bewegte er sein Becken und rieb dabei seine Erektion gegen das Kopfkissen unter sich.

„Jetzt dich", ließ er seinen Liebhaber wissen und Draco zog seine Finger aus dem dunklen Gryffindor zurück. Er platzierte sich zwischen Harrys Beinen und verteilte eine kleine Menge Öl auf seinem Schaft und der Öffnung des Anderen. Allein der Anblick von Harrys nacktem Körper vor sich, schien ihn an den Rand des Orgasmus zu bringen.

Vorsichtig positionierte er seine Erektion an dem zarten, rosigen Muskel und drückte sich behutsam in den Körper des anderen Jungen. Er hörte Harry aufstöhnen, die Hände krallten sich erneut in den Rand der Matratze, während er versuchte sich zu entspannen. Zentimeter für Zentimeter vergrub sich Draco in dem warmen, engen Körper. Die Welt um sie herum hörte auf zu existieren. Alles in ihm war nur auf diesen einen Akt konzentriert. Seine Hände klammerten sich in die Hüfte des Gryffindor, versuchten sein Verlangen zu steuern.

Als er schließlich ganz in ihm vergraben war, verharrte er reglos, wartete auf ein Zeichen, dass Harry sich an das Gefühl gewöhnt hatte. Langsam legte er seinen Körper auf dem unter sich ab, küsste Harrys Hals, suchte mit den Händen, die des anderen Jungen.

Der Dunkle lag ganz still, die Augen geschlossen, der Atem schnell. Als Draco seine Wange küsste, öffnete Harry die Augen und drehte den Kopf so, dass er seinen Freund ansehen konnte. Seine Lippen fanden die des Slytherin und sie küssten sich leidenschaftlich, während Draco sich vorsichtig zu bewegen begann.

Der Atem des Blonden kitzelte an Harrys Wange, als sein Becken sich träge hob und senkte. Eine Welle von Sternen fegte über den Dunklen hinweg, als die Spitze von Dracos Erektion seine Prostata stimulierte. Erregt wimmerte Harry auf. Die Hitze, die diese Bewegung in ihm auslöste, war unbeschreiblich. Es war kein Schmerz mehr, nur noch die pure Lust.

„Perfekt", hörte er Draco an seinem Ohr keuchen. „So perfekt, ficken mit dir."

„Immer nur mit dir",fügte Harry mit einiger Anstrengung hinzu.

Die Bewegungen des Slytherin beschleunigten sich, das wachsende Verlangen trieb ihn dazu. Seine Zunge leckte über den nackten Hals und hinterließ feuchte Bahnen auf der schweißnassen Haut. Seine rechte Hand war fest mit Harrys verwoben, während die andere um den Körper des Dunklen herum tastete und dessen pulsierende Härte im Rhythmus seiner Stöße pumpte.

„Oh Merlin, oh Gott", stöhnte Harry, sein Körper zitterte, sein Körper stemmte sich dem Gewicht über sich entgegen. Es würde nicht mehr lange dauern, das wusste er sicher. Mit jedem Mal, das Draco gegen diesen einen wunderbaren Punkt in seinem Inneren stieß, kam er seinem Orgasmus unaufhaltsam näher.

„Yeah, lass es mich hören, wie du schreist", hechelte der Blonde atemlos. Er musste nicht lange bitten.

„Draco!" schrie Harry, als alles in ihm zu explodieren schien und er sich heftig auf die Matratze und in die Hand seines Geliebten ergoss. Sein Mund schnappte nach Luft, sein Herz schien aus seiner Brust springen zu wollen.

Der Slytherin fühlte, wie sich der Körper des Dunklen um ihn zusammen zog. Die Enge wurde noch enger, die Hitze versengend heiß. Wie im Fieber trieb er sein Becken noch einige Stöße mehr gegen Harrys Kehrseite, bis auch sein Höhepunkt ihn über die Klippe jagte.

„Harry", stöhnte er den Namen seines Geliebten. Es war alles, was er zu sagen fähig war. Sein Körper zitterte so heftig, dass er auf dem Rücken des Gryffindor zusammen brach. Seine Stirn gegen die nackte Schulter gelehnt, versuchte er heftig atmend wieder die Kontrolle zu erlangen.

Er fühlte Harrys Hand die seine drücken. Das Gesicht des Dunklen drehte sich, auf der Suche nach den Lippen des Blonden und Draco schaffte es, den Kopf zu heben und ihn zu küssen.

Kein Verlangen war mehr in diesem Kuss, nur noch tiefe, echte Gefühle. Behutsam zog sich Draco aus dem Körper des anderen zurück und tastete mit unsicheren Fingern nach seinem Zauberstab. Nachdem er einen Reinigungszauber gesprochen hatte, sank er erschöpft neben dem Gryffindor auf die Matratze. Sein Körper war angenehm matt und schwer. Zufrieden lächelte er den Dunklen an, der ihn zärtlich an sich zog.

Entspannt räkelte sich Draco in den Armen seines Freundes. Er genoss es zu fühlen, wie Harrys eine Hand sanft über seinen Rücken streichelte, während ihn die andere Besitz ergreifend an sich drückte. Es gab ihm ein Gefühl der Geborgenheit und einer trügerischen Sicherheit. Solange er in diesen Armen lag, konnte ihm nichts passieren.

Schweigend lauschte er dem Herzschlag des dunklen Gryffindor. Seine Finger zeichneten kleine Kreise auf der Brust des Anderen, der diese Berührung mit einem leichten Schaudern quittierte.

„Harry?" fragte Draco, den Blick zu dem anderen Jungen hebend, der seine Augen versonnen in den Sternenhimmel gerichtet hatte.

„Hm?" gab dieser müde zurück. Er fühlte sich nicht in der Lage, mehr zu erwidern. Sein Körper war noch zu matt und erschöpft von den Nachwehen des Orgasmus.

„Ich wollte dir nur sagen, dass ich möchte, dass du weißt, ganz egal was passieren wird, ich liebe dich."

Irritiert senkte Harry den Blick und sah in Dracos silbergraue Augen. „Das hört sich nach einem Abschied an."

„Naja", versuchte Draco das Gewicht aus den Worten zu nehmen. „Niemand weiß, was die Zukunft bringt..."

„Draco, du machst mir Angst, wenn du so sprichst", antwortete der Dunkle alarmiert.

„Nein." Der Slytherin zwang sich zu einem Lächeln. Es war ein Fehler gewesen davon anzufangen. Er hätte nicht darüber sprechen sollen. Es war nicht richtig. Weder der richtige Ort, noch die richtige Zeit dafür. Entweder, er würde die Sache in den Ferien allein regeln oder es würde nichts mehr zu regeln geben. „Es ist alles in Ordnung. Ich bin wohl doch ein wenig angetrunken. Lass uns nicht mehr davon reden."

Er stahl sich erneut einen Kuss von seinem Geliebten. Der Gryffindor runzelte die Stirn, erwiderte den Kuss aber ohne zu zögern. Er war einfach zu müde, um sich über Dracos eigenartiges Verhalten noch länger den Kopf zu zerbrechen. Eine Weile lagen sie schweigend nebeneinander und nur der Mond war Zeuge, als sie schließlich zufrieden in einander verschlungen einschliefen.

XXXXXX

 

Warum hast du mich eigentlich gefragt, ob ich einen Zauber in die Schachtel getan habe?" fragte Harry neugierig.

Draco verzog theatralisch das Gesicht. „Theodore Nott dachte wohl, es sei besonders witzig, mir zum Geburtstag einen Furunculus-Fluch zu schenken."

Wie nett von ihm", erwiderte Harry ironisch. Er machte keinen Hehl daraus, was er über Nott dachte, der notorisch eifersüchtig auf Dracos Rang als ungekrönter „Prinz von Slytherin" gewesen war.

Nicht wahr? Aber er hatte nicht lange Freude an seinem Sieg über mich. Wenigstens konnte ich die Krankenstation nach ein paar Stunden wieder verlassen, was man von ihm nicht behaupten konnte." Ein gehässiges Lächeln spielte um den Mund des Blonden.

Harrys Mitleid hielt sich in überschaubaren Grenzen. „Selbst Schuld. Aber du dachtest doch nicht wirklich, ich würde dir so etwas antun?"

Du hättest jedes Recht dazu gehabt, dich an mir rächen zu wollen", meinte Draco nur. „Wenn die Dinge umgekehrt gestanden hätten, weiß ich nicht, ob ich dir ebenfalls einfach so vergeben hätte."

Die Liebe hat mich eben großzügig gemacht, love", erwiderte Harry grinsend.

Dann ist das jetzt wohl der richtige Augenblick, um dir zu sagen, dass ich gestern deinen Besen geschrottet habe." Abwartend hielt Draco die Luft an. Den Feuerblitz hatte sein Ehemann schon seit der Schulzeit und hütete ihn wie seinen Augapfel

Du hast was?!" fragte Harry entsetzt.

Es ist echt nicht meine Schuld, wir haben einfach viel zu viele Bäume im Garten." Entschuldigend hob der Blonde die Hände.

Sag nicht, dass du schon wieder ohne Brille geflogen bist", verlangte der andere Mann drohend.

Zum hundertsten Mal, meine Augen sind völlig in Ordnung! Ich glaube eher, mit der Lenkung stimmte was nicht. Der Besen zog auffällig nach links", versuchte sich Draco raus zu reden.

Verdammt noch mal, warum fliegst du nicht deinen eigenen Besen zu Schrott?" fuhr der Dunkle wütend auf.

Der Andere biss sich auf die Lippen, wenn Harry fluchte war das ein ganz schlechtes Zeichen. „Du weißt doch, dass geht nicht, weil da die TÜV-Plakette abgelaufen ist", warf er vorsichtig ein.

Und deshalb jagst du meinen Besen in einen Baum?!"

Er war ja ohnehin schon etwas altersschwach", erwiderte Draco trotzig. „Es gibt jetzt einen ganz neuen Nimbus auf dem Markt..."

Der Besen war völlig in Ordnung, bevor er in deine Hände geraten ist!" platzte Harry dazwischen.

Ich könnte in der Winkelgasse fragen, ob sie ihn vielleicht doch wieder zusammen flicken können", bot Draco kleinlaut an.

Ja, das solltest du wohl besser machen und bete dafür, dass es klappt, denn sonst vergesse ich einfach mal meine Großzügigkeit und zerlege deinen Besen so gründlich, dass du ihn danach als Zahnstocher benutzen kannst!"

Wütend stapfte der Dunkle aus dem Raum.

Und da behauptet er immer, ich sei empfindlich", murmelte der Blonde kopfschüttelnd.

Tbc...

Kapitel 6 von redangeleve
 

XIV. Sealed with a kiss

 

Yes, it`s gonna be a cold lonely summer

But I `ll heal the emptiness

I`ll send you all my dreams every day in a letter

Sealed with a kiss

(Jason Donovan, Sealed with a kiss)

 

Unruhig rutschte Harry auf seinem Sitz hin und her. Die Sonne stand hoch am Himmel und beleuchtete einen herrlichen Spätsommertag. Saftige, grüne Weiden voller Kühe sausten an ihrem Fenster vorbei und wechselten sich mit dichten, dunklen Laubwäldern ab, aber der Junge sah nichts davon, als er gedankenverloren aus dem Fenster starrte.

Seit sie am Bahnhof Kings Cross in den Zug gestiegen waren, erzählte Ron Dean und Seamus, die mit ihnen im Abteil saßen, in allen Einzelheiten von dem Trip nach Rumänien und welche Drachen er dort gesehen hatte. Es war bestimmt das hundertste Mal, dass Harry diese Geschichte hörte. Seit ihn Rons Eltern in der dritten Ferienwoche in ihr Haus, den Fuchsbau, geholt hatten, erzählte Ron jedem der es hören wollte, oder eben auch nicht, von seinen Erlebnissen und mit jedem Mal wurde die Geschichte phantastischer. Dieses Mal ritt er schon auf dem Rücken des Walisischen Grünlings, den er beim ersten Mal, als er Harry davon erzählt hatte, gerade einmal mit sehr viel Muffensausen kurz am Schwanz gestreichelt hatte.

Der dunkle Gryffindor rollte mit den Augen. Er mochte Ron wirklich und er war seinen Eltern über alle Maßen dankbar dafür, dass sie ihn aus seinen trostlosen Ferien im Ligusterweg gerettet hatten, aber wenn er heute nur noch ein einziges Mal das Wort „Drachen" hörte, würde er ihm mit Sicherheit einen Ganzkörperklammer-Fluch verpassen.

Hermine, die ihm am Fenster gegenüber saß, fing seinen nervösen Blick auf und beugte sich zu Harry herüber. „Er ist nicht im Zug", sagte sie leise. „Wir waren als allererste auf dem Bahnsteig, weil meine Eltern vorher etwas in London zu erledigen hatten und ich hätte es gesehen, wenn er angekommen wäre."

„Bist du sicher?" fragte Harry ebenso leise zurück.

„Er und seine Eltern sind ja schließlich schwer zu übersehen", schnaubte das Mädchen.

„Von wem sprecht ihr?" schaltete sich Seamus ein, der neben Harry saß.

„Von niemandem", erwiderte Hermine schnell.

Harry biss sich angespannt auf die Lippen, doch sein Freund zuckte nur die Schultern und hatte einen Moment später die Aufmerksamkeit schon wieder zu Ron gewand, der jetzt eine Lobrede über die phantastische Flammenkraft des Chinesischen Feuerballs hielt. Er hasste diese Geheimnistuerei, aber er fühlte sich noch nicht reif dafür, seinen Freunden die Wahrheit über seine Beziehung zu einem gewissen blonden Slytherin zu erzählen. Vor allem nicht jetzt.

XXXXXX

Die Ferien waren hart gewesen. Die ersten Wochen im Haus der Dursleys hatten sich wie Gummi in die Länge gezogen. Die Hitzewelle, angeblich die Schlimmste seit zwanzig Jahren, hatte jeglichen Elan aus seinem Gehirn gebrannt. Gelangweilt war Harry durch die Straßen geschlendert, doch er kannte niemanden dort und dank der Gerüchte, die sein Onkel über ihn in Umlauf gebracht hatte, waren die Anwohner auch nicht an seiner Bekanntschaft interessiert.

Zu Hause war es allerdings auch nicht viel besser. Tante Petunia rümpfte jedes Mal die Nase, wenn Harry sich im Wohnbereich des Hauses aufhielt und Onkel Vernon machte ein Gesicht, als wäre er irgendetwas Ekliges, aber keiner von ihnen traute sich, Harry offen anzugreifen. Nur Dudley ließ von Zeit zu Zeit einen dummen Spruch los, aber zum Glück begegneten sich die beiden Jungen kaum. Dudley zog es vor, mit seinen Schlägerfreunden bis spät in die Nacht um die Häuser zu ziehen und die jüngeren Kinder und frei laufenden Haustiere zu quälen.

In der zweiten Woche hatte Harry den ersten Brief von Draco bekommen. Eine unscheinbare, braune Posteule saß spät abends an seinem Fenster und weckte ihn, indem sie minutenlang mit dem Schnabel gegen die Scheibe klopfte. Der Brief, den sie am Bein trug, war kurz gewesen, nur eine einzige Zeile:

Ich denke die ganze Zeit nur an dich...

D.

Das Herz des dunklen Gryffindors klopfte freudig erregt. Es war nicht viel, aber immerhin ein Lebenszeichen. Der Vogel wartete am Fenster, während Harry die Antwort schrieb. Er wusste nicht, wie viel er riskieren konnte, daher fiel sein Brief ähnlich kurz aus:

Ich vermisse dich.

Love ya.

H.

Eine Woche später hatten ihn die Weasley zu sich in den Fuchsbau geholt. Harry mochte die gemütliche Atmosphäre dieses verwinkelten Hauses, das niemals leer zu sein schien. Immer war mindestens einer der rothaarigen Weasleys in der Nähe und gab Harry das Gefühl ein Teil dieser Familie zu sein. Den ganzen Tag war er mit Ron, Ginny oder den Zwillingen unterwegs. Sie spielten Quidditch hinter dem Haus, halfen Molly Weasley den Garten zu entgnomen oder spielten Zauberschach oder Snape explodiert. Abends lag er oft noch stundenlang wach und machte Witze mit Ron, Fred und George. Doch trotz allem fiel es ihm immer schwerer, sich seine innere Unruhe nicht anmerken zu lassen.

In der Nacht nach seinem Geburtstag kam schließlich wieder eine Eule für ihn. Harry hatte die Hoffnung schon aufgegeben, noch einmal vor dem ersten Schultag wieder von Draco zu hören. Er redete sich ein, dass der Andere nicht wissen konnte, dass er jetzt bei den Weasleys war. Außerdem hatte Draco ihn ja gewarnt, dass es schwierig werden könnte.

Also hatte Harry alles getan, um gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Die Weasleys hatten sich große Mühe gegeben, ihm einen schönen Tag zu bereiten. Schon am frühen Morgen war eine Eule mit einem Päckchen von Hermine angekommen. Es war natürlich wieder ein Buch darin gewesen, aber Harry hatte sich trotzdem sehr darüber gefreut. Auch jedes Familienmitglied der Weasleys (außer Percy) hatte ihm ein Geschenk besorgt. Molly kochte mittags sein Leibgericht, Hackbraten mit Kartoffeln und Bohnen und am Nachmittag gab es selbst gebackenen Kuchen. Am Abend hatten sie noch lange in Rons Zimmer gescherzt und gelacht, bis sie irgendwann eingeschlafen waren.

Es war sehr spät, schon weit nach Mitternacht, als die braune Eule, wieder eine Posteule, aber eine andere als beim letzten Mal, mit dem Schnabel an das Fenster von Rons Zimmer klopfte. Merlin sei Dank, hatte sein Freund einen festen Schlaf, daher schnarchte er friedlich weiter, als Harry sich leise von seinem Feldbett erhob und auf Zehenspitzen zum Fenster schlich.

Ungehalten weil sie hatte warten müssen, kniff ihn die Eule mit dem Schnabel in den Finger, als Harry sich bemühte, das kleine Päckchen mit dem Pergament von ihrem Fuß zu bekommen. Zuerst entrollte der Gryffindor das Pergament und las es eilig. Die Schrift war im schwachen Mondlicht kaum zu entziffern:

Sorry, ich wurde aufgehalten..

Hoffentlich hattest Du einen schönen Geburtstag.

Wünschte, ich wäre bei dir...

...okay nicht unbedingt bei den Weasleys.

Hoffe, Du magst Dein Geschenk und

Hast einen Feuerwhiskey für mich mit getrunken.

D.

P.S.: Love ya, too.

Auch wenn es wieder nur ein kurzer Brief war, merkte Harry, wie sein Herz schneller klopfte. Bilder erschienen vor seinem inneren Auge, Bilder auf denen er Draco leidenschaftlich küsste, bis ihnen beiden die Luft weg blieb. Merlin, wann waren diese Ferien bloß endlich zu Ende?

Eine Weile starrte Harry gedankenverloren auf die Zeilen, bis ihm plötzlich das Päckchen wieder einfiel. Es war klein, kaum größer als seine Hand. Nachdem er das seidige Einwickelpapier entfernt hatte, öffnete er die darin enthaltene, schwarze Schachtel. In dem samtenen Innenfutter lag ein silberner Ring.

Er hatte die Form eines Drachen, der sich selbst in den Schwanz biss. Beim genauen Hinsehen erkannte er einen Ungarischen Hornschwanz, der angriffslustig mit den Flügeln schlug. Harry lächelte versonnen, als er den Ring über seinen Ringfinger streifte. Das Silber zog sich von selbst zusammen, so dass er passte, als sei er für ihn angefertigt worden. Der Hornschwanz flatterte noch einmal, dann lag er still an seinem Finger. Als er seine Hand bewundernd hin und her drehte, um den Ring eingehend zu betrachten, leuchteten die Augen des Drachen im Mondlicht rot auf.

Ron schnarchte einmal laut und Harry zog den Ring schnell wieder von seinem Finger und verstaute ihn in der Schachtel. Zwar gefiel ihm das Geschenk sehr, aber er wusste, es würde zu viele Fragen geben, wenn er ihn morgen tragen würde. Ungeduldig zupfte ihn die Eule mit ihrem Schnabel am Ärmel. Scheinbar wartete sie auf seine Antwort, aber Harry war zu sehr in Gedanken gewesen, um ihre Anwesenheit überhaupt noch wahr zu nehmen.

Der Gryffindor legte die Schachtel unter sein Kopfkissen auf dem Feldbett und ging dann hinüber zum Schreibtisch. Unschlüssig drehte er seine Feder zwischen den Fingern, dann nahm er Tinte und ein Stück Papier und schrieb schnell seine Antwort.

Das Geschenk ist wunderschön,

Aber es kann dich nicht ersetzen.

Jeder Tag ist ein verlorener Tag ohne dich.

Ich zähle schon die Stunden bis wir

Wieder in Hogwarts sind.

Ich liebe dich.

H.

Minutenlang starrte er auf die noch feucht schimmernden Worte, unsicher darüber, ob es das Richtige war, was er geschrieben hatte. Er wollte so viel mehr sagen, so viel wissen, viel mehr fragen, doch er tat es nicht. Er würde keine Antwort bekommen, das wusste er. Und das Risiko war auch so schon groß genug.

Erst als ihn der Vogel böse in die Hand zwickte, erwachte Harry aus seiner Starre. Er rollte das Pergament zusammen und band es der Eule an das ausgestreckte Bein. Der Vogel flatterte augenblicklich mit den Flügeln, stieß sich ab und schoss aus dem Fenster. Offensichtlich hatte er die Order, keine Zeit zu verlieren. Gedankenverloren starrte ihm Harry hinterher.

Wie gern hätte er sich selbst auf die Größe des Pergaments geschrumpft und sich von der Eule nach Malfoy Manor bringen lassen. Seufzend legte sich der dunkle Gryffindor wieder zurück auf das Feldbett und rieb sein Gesicht an dem weißen Kissen. Seine Hände spielten mit der kleinen Schachtel, die darunter verborgen lag. `Nur noch eine Woche`, dachte Harry lächelnd, bevor er zurück ins Reich der Träume glitt.

XXXXXX

„Harry, hier bist du also" Irritiert hob der Angesprochene seinen Blick von der Quidditch-Zeitung, die er mit hinaus in den Garten des Fuchsbaus genommen hatte.

„Hermine!" Der dunkle Gryffindor stand auf und nahm seine Freundin in die Arme. „Schön dich zu sehen. Was tust du hier?"

„Ich habe euch doch eine Nachricht per Eule geschickt, dass ich heute komme", erwiderte das Mädchen tadelnd.

„Sorry, das habe ich total vergessen", murmelte Harry zerknirscht.

„Naja, wenigstens hat Ron daran gedacht", antwortete Hermine schulterzuckend. „Du hattest deine Gedanken wohl wieder mal wo anders."

Ohne es verhindern zu können, liefen Harrys Ohren dunkelrot an. „Es ist nicht, wie du denkst", begann er sich zu rechtfertigen.

„Dass du deine Freunde vernachlässigst, weil du selbst in den Ferien nur noch Gedanken für einen blonden Slytherin übrig hast?" fragte sie mit einem unschuldigen Augenaufschlag.

Erschrocken sah der dunkelhaarige Junge sich um.

Das Mädchen lächelte nachsichtig, bei seinem geschockten Gesichtsausdruck. „Keine Sorge, Ron holt uns gerade was zu trinken aus der Küche."

Erleichtert entspannte sich Harry wieder. „Nein, Hermine, also wirklich nicht....es ist nur....er fehlt mir halt", versuchte er zu erklären.

„Hast du gar keine Eule von ihm bekommen?" fragte sie voller Mitgefühl.

„Doch, er hat mir zwei Briefe geschickt und auch ein kleines Päckchen." Auf den Inhalt wollte Harry lieber nicht eingehen. „Aber es war immer nur so kurz. Keine zwei Sätze, weißt du. Es ist nicht das selbe."

„Naja." Sie knuffte ihren Freund liebevoll in die Seite. „Nur noch eine Woche, dann könnt ihr wieder übereinander her fallen." Sie stockte, als ihr auffiel, was sie da gerade gesagt hatte. „Nicht, dass ich das wirklich sehen will", fügte sie schnell hinzu. „Du weißt, was ich meine."

„Ja", bestätigte er gedehnt. „Ich weiß. Merlin sei Dank, nur noch eine Woche..."

XXXXXX

Und jetzt saßen sie im Hogwarts Express und von Draco war weit und breit keine Spur zu sehen. Natürlich musste das nichts bedeuten, beruhigte Harry sich selbst. Der Einfluss der Malfoys reichte hinauf bis zum Ministerium. Es konnte gut sein, dass Draco mit einem Portschlüssel gereist war oder er war nach Hogsmeade appariert. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass für seine Familie eine Ausnahme gemacht wurde. Doch irgendwie glaubte Harry selbst nicht daran. Irgendetwas stimmte hier nicht und er konnte es kaum erwarten, endlich in Hogwarts anzukommen, damit er erfuhr, was es war.

XXXXXX

Wo ist eigentlich der Ring, den ich dir geschenkt habe?" fragte Draco und beäugte kritisch Harrys Hände.

Ich musste ihn abnehmen, als wir geheiratet haben, love", erklärte der Dunkle. „Als du mir den Ehering angesteckt hast, wurde der Drache so wütend, dass er versucht hat, mir den Finger abzubeißen."

Ganz schön eifersüchtig der Kleine", stichelte der ehemalige Slytherin grinsend.

Meinte wohl, er müsste sein Terretorium verteidigen", erwiderte Harry schulterzuckend. „Das hat unsere Katze übrigens heute auch gemacht."

Ja? Wen hat Minerva denn dieses Mal in die Flucht geschlagen?" fragte Draco interessiert.

Mich!" entfuhr es dem ehemaligen Gryffindor und er zeigte Draco seine zerkratzten Unterarme.

Wolltest du ihr Futter klauen oder wie hast du das geschafft?" stichelte der Blonde amüsiert.

Von wegen Futter", knurrte Harry. „Als du vorhin mit der Katze ein Nickerchen auf der Couch gemacht hast, wollte ich mich dazu legen und da ist das Vieh glatt auf mich losgegangen."

Tja, die Kleine hat eben Geschmack."

Unwillig stieß der Dunkle die Luft aus. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal mit einer Katze um dich kämpfen müsste."

Keine Sorge, babe." Der ehemalige Slytherin wackelte amüsiert mit den Augenbrauen. „Es ist genug Draco für euch beide da."

XV. Summer in the City

 

Hot town, summer in the city

Back on my neck getting dirty and gritty

Been down, isn`t it a pity

Doesn`t seem to be a shadow in the city

(The Loving Spoonful, Summer in the city)

 

Eine Woche zuvor in Malfoy Manor

Gott, gab es eigentlich etwas Langweiligeres als diese Ferien? Unwillig grub Draco seine nackten Zehen in den Rasen, als er langsam über die Wiese hinter seinem Elternhaus ging. Der ständige Sonnenschein und die beinah schon penetrante Ruhe über dem Anwesen fingen an, ihm den letzten Nerv zu rauben. Für einen Besucher mochte Malfoy Manor um diese Jahreszeit traumhaft schön sein. Alles war grün und überall blühten Blumen, doch für Draco war es sein ganz persönliches Gefängnis.

Sein Shirt klebte ihm am Körper, doch der Ritt auf dem Thestral, den er sich jeden Tag gönnte, zeigte ihm wenigstens, dass er noch am Leben war. Wie viele reiche Menschen gönnten sich die Malfoys das Hobby, seltene Tiere zu halten. Ein einziger Thestral kostete soviel, wie das Haus der Weasleys, aber diese Investition war definitiv ihre Galleonen wert. Es gab nichts Besseres, als auf einem der Tiere durch die Lüfte zu reiten, die Beine gegen die knochigen Flanken gedrückt und den Wind im Gesicht zu spüren. Es war beinah besser, als auf einem Besen zu fliegen.

Draco hatte sich nie die Mühe gemacht, darüber nachzudenken, warum er die Thestrale sehen konnte. Zwar konnte er sich zwar daran erinnern, jemals einen Menschen sterben gesehen zu haben, aber andererseits war er in einem Todesser Haushalt aufgewachsen. Vermutlich war der Tod hier zur Zeit des ersten Krieges ein und aus gegangen.

Um so mehr beunruhigte ihn die momentane Apathie. Es war nicht normal. Es sollte nicht so sein. Es war, als säße er mitten im Auge des Sturms.

XXXXXX

Außerhalb des Manor, herrschte zur Zeit ein Gefühl des Aufbruchs unter den Anhängern des Dunklen Lords. Voldemort scharrte seinen Untergebenen um sich und wer mit ihm sympathisierte, aber noch kein Todesser war, wurde intensiv beworben und gegebenenfalls auch bedroht. Seit dem Beginn der Ferien hatte Draco seinen Vater immer nur für kurze Stipvisiten daheim gesehen. Meistens verließ Lucius Malfoy das Haus noch bevor die Sonne aufgegangen war und kam selten vor Mitternacht wieder zurück. Merlin sei Dank, trafen sich die Todesser im Moment nicht im Manor, da das Ministerium ein wachsames Auge über das Haus der Malfoys hatte.

Draco war dieser Umstand mehr als willkommen. Er hoffte im Geheimen, dass sein Vater zu beschäftigt sein würde, um an sein Versprechen ihm gegenüber zu denken. Nur noch eine Woche und er würde all das wieder hinter sich lassen können, wenn er im Zug zurück nach Hogwarts saß.

Doch aus irgendeinem Grund hatte Draco das Gefühl, dass sein Vater während seiner Abwesenheit dafür gesorgt hatte, dass immer jemand ein Auge auf ihn hatte. Zwar war es nicht ungewöhnlich, dass seine Mutter darauf bestand, jeden Nachmittag ihren Tee gemeinsam mit ihrem Sohn einzunehmen, aber dass sie ihn auch mehrmals täglich in seinem Zimmer aufsuchte, war sonst gar nicht ihre Art. Seine Mutter achtete seine Privatsphäre, ja sie war üblicher Weise eher auf eine Art von höflicher Distanz zu ihm bedacht, je älter ihr Sohn wurde. Dass sie jetzt so offensichtlich Interesse an seinen Aktivitäten bekundete, war mehr als merkwürdig.

Natürlich war ihr seine neue Uhr nicht verborgen geblieben, doch Draco hatte ihr gesagt, dass es ein Geschenk von Pansy war und damit war das Thema erledigt gewesen. Früher hatte Dracos Mutter seine Freundschaft mit Pansy wohlwollend betrachtet, doch seit dem letzten Sommer war Pansy bei Narcissa eine „Persona non grata" geworden. Damals hatte er mit dem Mädchen in den Ferien das äußerst amüsante „Trinken oder Ausziehen"-Spiel gespielt, während seine Eltern auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung gewesen waren.

Nun ja, es kam wie es kommen musste: Narcissa und Lucius hatten die Feier eher verlassen und die beiden Teenager doch recht leicht bekleidet vorgefunden. Das allein wäre noch nicht einmal so schlimm gewesen, doch der Höhepunkt kam, als sich Pansy in hohem Bogen auf die Festtagsrobe seiner Mutter erbrach.

Bei der Erinnerung daran musste Draco unwillkürlich grinsen. Narcissas Gesichtsausdruck war unbezahlbar gewesen und die Geschwindigkeit, in der sie Pansy aus dem Haus geworfen hatte, musste selbst in der magischen Welt rekordverdächtig sein.

Ein paar Mal hatte er während der Ferien Besuch von Blaise erhalten, der ihn mit dem neusten Klatsch aus der Zauberwelt versorgte. Blaise war nämlich nicht nur sein bester Freund und ein begnadeter Zauberschach-Spieler, sondern Dank seiner High-Society-Mutter auch noch besser auf dem Laufenden über die Geschehnisse, als die meisten Mitarbeiter des Tagespropheten. So unauffällig wie möglich hatte Draco versucht, den anderen Slytherin nach Neuigkeiten über Harry auszufragen, doch wie nicht anders erwartet, hatte sich Gryffindors Golden Boy während der Ferien abseits von Klatsch und Tratsch aufgehalten und Blaise hatte ihm nichts verraten können, was Draco nicht schon gewusst hatte.

Je länger die Ferien dauerten, desto schmerzlicher vermisste der Blonde seinen Freund. Nicht selten wachte er morgens mit einer schmerzhaften Erektion auf, weil er wieder einmal von ihrer letzten Nacht auf dem Astronomie-Turm geträumt hatte. Der Gedanke daran, wie süß es war, wenn Harry errötete, wie herrlich sich Harrys Haut unter seinen Händen angefühlt hatte, wie er den angenehmen Geruch seines Körpers tief in seine Lungen inhaliert hatte, machte ihn schier wahnsinnig.

Ein paar Mal war er kurz davor, einfach in den Kamin zu steigen und per Flohpulver zu den Weaselys zu reisen, aber Draco wusste, dass das unmöglich war. Selbst wenn er Malfoy Manor unbemerkt verlassen konnte, was so ziemlich ausgeschlossen war, würde sein Auftauchen bei Rons Eltern sie beide furchtbar in Verlegenheit bringen.

Draco hatte aufgehört zu zählen, wie oft er einen Brief an seinen Lieblings-Gryffindor angefangen hatte, doch sie alle hatten letztendlich ein unrühmliches Ende im Kamin gefunden. So sehr er sich auch bemühte, er konnte einfach keine Worte finden, um seine Gefühle auszudrücken und nicht völlig bescheuert zu klingen.

Als er allerdings bei einem Ausflug mit seiner Mutter in die Winkelgasse den Ring gesehen hatte, konnte Draco nicht widerstehen. Harrys Flug gegen den Ungarischen Hornschwanz im vierten Jahr war legendär. Es war das perfekte Geburtstagsgeschenk für seinen Lover.

Ausgerechnet an Harrys Geburtstag hatte ihn seine Mutter zu einem Empfang bei einer anderen reinblütigen Familie geschleift. Schon bevor sie überhaupt dort ankamen, wäre Draco am liebsten wieder umgedreht, als er den Grund für den Besuch erfuhr: Die Reginalds hatten Besuch von Verwandten aus dem Ausland und die verfügten über eine Tochter in Dracos Alter...

Oh Merlin, wie sehr er diese Kuppelaktionen hasste. Sicher, die reinblütigen Zauberer in Großbritannien wurden immer weniger und Inzest war ein großes Problem, aber selbst wenn das Mädchen wie Cinderella ausgesehen hätte (und weiß Gott, das tat sie nicht), wäre Draco nicht interessiert gewesen. Nur stand er vor dem Problem, dass er genau das seiner Mutter nicht sagen konnte. So kam es, dass er einen ganzen Tag mit totlangweiligem, höflichem Geplänkel verlor und erst spät abends sein Geschenk auf den Weg zu Harry schicken konnte.

Außer Blaise waren auch Crabbe und Goyle mehrfach in Malfoy Manor gewesen. Zwar war Dracos Mutter mit der Anwesenheit der beiden Dumpfbacken auch nicht restlos glücklich, aber da ihre Väter ebenfalls Todesser waren, hielt sie sich mit ihrer Meinung ihnen gegenüber zurück.

XXXXXX

Einer der weißen Pfauen kreischte ungehalten, als Draco ihm beinah auf seine imposanten Schwanzfedern trat und schlug mit den Flügeln, um ein paar Meter weiter seinen Weg wieder aufzunehmen. Die Tiere waren nicht nur zahm sondern auch so hochmütig, dass sie nicht mal für ihre Besitzer freiwillig das Feld räumten. Ungehalten schüttelte Draco den Kopf. Er hatte nie verstehen können, was seine Eltern an den Viechern fanden. Man konnte sie weder essen, noch auf ihnen reiten und sie schrien immer zur falschen Zeit derart schrill, dass einem die Ohren klingelten.

Als Draco fast das Haus erreicht hatte, sah er, dass ihn ein Hauself bereits auf der Veranda erwartete. Merlin, wie spät war es eigentlich? Umständlich kramte er seine Uhr aus der Hosentasche. Aus Angst, sie bei seinem Ritt zu verlieren, hatte er sie dort hinein gesteckt, aber dann vergessen, sie sich wieder umzubinden.

Die beiden Zeiger, die die Form von Schlangen hatten, zeigten kurz vor halb fünf. Draco stöhnte genervt auf. Er konnte den ungehaltenen Gesichtsausdruck seiner Mutter schon vor sich sehen, wenn er schon wieder zu spät zum Tee kam. Zwar könnte er es noch schaffen, rechtzeitig zu sein, aber das würde bedeuten, auf eine Dusche zu verzichten und stattdessen einen Frischezauber durchzuführen, aber Draco wusste, dass Narcissa den Unterschied merken würde und wenn seine Mutter etwas noch mehr hasste, als Unpünktlichkeit dann war es mangelnde Körperhygiene.

„Ich weiß, ich weiß", schnarrte der Blonde, sobald er die Veranda erreichte und der Hauslf eine tiefe Verbeugung machte. „Sag meiner Mutter, ich komme in zehn Minuten in den Salon."

„Mrs wird nicht glücklich sein. Master Draco ist schon wieder zu spät und gerade heute, wo Master Malfoy zum Tee heim gekommen ist", erwiderte der Hauself gequält und machte eine weitere Verbeugung.

Draco, der die Türklinke schon in der Hand hielt, erstarrte. Dass sein Vater daheim war, konnte kein gutes Zeichen sein. Es bedeutete, dass er etwas mit der Familie zu besprechen hatte und Draco schwante schon, um was es sich dabei handelte...

XXXXXX

Ich hätte nie gedacht, dass wir auch mal so viel Wert aufs Teetrinken legen." Kopfschüttelnd stellte Harry das Tablett mit dem chinesischen Porzellan auf dem Wohnzimmertisch ab.

Was ist falsch daran? Das ist eben typisch britisch", gab Draco zurück und goss sich eine Tasse ein.

Naja, als Teenager ging mir dieser Fünf-Uhr-Tee Quatsch mächtig auf den Wecker und jetzt sitzen wir hier und machen genau das."

Wir sind eben kultiviert", meinte der Blonde und nippte an seinem Tee.

Wir sind langweilig", entgegnete Harry frustriert.

Willst du mal wieder was richtig Rebellisches tun?" fragte ihn Draco mit einem Augenzwinkern.

Oh ja, bitte", seufzte der Dunkle.

Dann gieß dir einen Schluck Feuerwhiskey in den Tee", stichelte sein Partner grinsend.

Danke Malfoy, jetzt fühle ich mich richtig alt."

Jederzeit, babe. Jederzeit."

XVI. The Last Time I Said Goodbye

 

The first time you broke my heart

I never saw it coming

I was as blind as a fool in love can be

And I made a vow to myself

You`d never hurt me again

The first time you broke my heart

(Curtis Stigers, The last time I said goodbye)

Schon als die Lichter des Bahnhofes von Hogsmeade in Sicht kamen, hielt ihn nichts mehr auf seinem Sitz und kaum, dass der Zug zum Stehen kam, riss Harry die Tür des Waggons auf und wuchtete sein Gepäck auf den Bahnsteig.

Suchend ließ er seinen Blick schweifen, doch er wurde schnell fündig: Wie ein Fels in der Brandung der aus den Waggons quellenden Schüler stand Hagrid auf dem Bahnsteig und wies den Erstklässlern den Weg zu den wartenden Kutschen. Schnell bahnte sich Harry einen Weg durch die schwatzenden und lachenden Kinder zu dem Halbriesen. Hagrid strahlte, als er den dunklen Gryffindor erkannte.

„Harry, ist toll, dass die Ferien vorbei sind, nich`? War viel zu ruhig hier ohne euch Rasselbande." Er tätschelte mit einer seiner bärenprankengroßen Hände Harrys Schulter, so dass dieser um ein Haar zu Boden gegangen wäre.

„Ja, ich freue mich auch wieder hier zu sein, Hagrid", bestätigte der Junge nach Atem ringend. „Sag mal, hast du Draco Malfoy gesehen?"

„Malfoy?" Hagrids Augen wurden schmal. Seit der Geschichte mit dem Hippogreif Seidenschnabel vor fast zwei Jahren war er gar nicht mehr gut auf Draco und seinen Vater zu sprechen. „Nein, warum?"

„Ach nichts", antwortete Harry enttäuscht. „Er war nur nicht im Zug."

„Malfoy war nicht im Zug?" fragte Ron, der gerade seinen Koffer mit einem Loccomoto-Zauber verhext hatte, so dass er neben ihm über dem Boden schwebte. Sein Gesicht sah bei dieser Nachricht aus, als hätte er gerade erfahren, dass Ostern und Weihnachten in diesem Jahr auf das selbe Datum verlegt worden wären. „Aber das ist doch super, oder?"

Der rothaarige Gryffindor sah sich auf der Suche nach Zustimmung in der Runde seiner Freunde um.

„Ja", murmelte Harry resigniert, als er die Zufriedenheit in Deans und Seamus Gesicht sah. „Ganz toll."

XXXXXX

Aufgeregt drängten sich die Schüler um ihre Haustische und folgten so ruhig wie möglich der Einteilung der neuen Schüler in die Häuser. Es brannte ihnen unter den Nägeln, endlich mit dem Festmahl beginnen zu dürfen und untereinander die Erlebnisse aus den Ferien auszutauschen, doch die strengen Blicke ihrer Lehrer erinnerten sie daran, dass die schulfreie Zeit zu Ende war und hier wieder Disziplin und Ordnung herrschten.

Gryffindor bekam acht neue Schüler, drei Mädchen und fünf Jungen, die Harry nachdem sie am Tisch Platz genommen hatten, mit unverhohlener Neugierde musterten. Der Junge seufzte innerlich auf. Es war immer das selbe, jedes Kind in der Zaubererwelt kannte den „Jungen-der-lebte". Doch niemand war sich darüber im Klaren, wie hoch der Preis für diesen Ruhm gewesen war. Wie oft wünschte sich Harry, nur einer von ihnen zu sein. Ein junger Zauberer, wie alle anderen, doch ihm war nun einmal ein anderes Schicksal vorher bestimmt.

Unruhig zuckte sein Blick immer wieder zu Dracos leerem Platz am Slytherin Tisch.

`Wo zum Teufel bist du, Malfoy?` dachte er wütend, doch natürlich erhielt er keine Antwort auf die Frage. Lediglich an den Reaktionen von einigen anderen Slytherins, die immer wieder die Köpfe zusammen steckten, las Harry die Tatsache ab, dass offensichtlich auch nicht alle seiner Freunde, über seinen Verbleib Bescheid wussten.

Nachdem Professor Dumbledore seine übliche Begrüßungsrede gehalten und sich alle Schüler den Bauch mit dem hervorragenden Essen voll gestopft hatten, das die Hauselfen zubereitet hatten, leerte sich die Halle langsam, als die Schüler in die Richtung ihrer Häuser strömten.

Einen Moment sah Harry den Slytherins nach, die in Richtung der Treppe zu den Kerkern davon gingen. Unsicher darüber, was er tun sollte. Er focht mit sich einen schweigenden Kampf, ob er einen von ihnen nach Draco fragen sollte oder nicht, doch schließlich siegte der Wunsch nach dem Ende der Ungewissheit, über die Angst vor der Reaktion der anderen Schüler.

Als er eilig hinter den Slytherins her hastete, erkannte er, dass Blaise und Pansy etwas hinter den übrigen Schülern zurück gefallen waren. Der Junge hatte seinen Arm um das zierliche Mädchen gelegt und versuchte, einen flüchtigen Kuss zu erhaschen, aber Pansy wehrte ihn kichernd ab.

„Zabini! Warte!" rief Harry in die Richtung des Paares und der dunkle Slytherin fuhr herum und musterte den Gryffindor mit deutlichem Abscheu.

„Was willst du Potter?" spuckte er ihm entgegen, offensichtlich nicht begeistert davon, beim Austausch von Zärtlichkeiten gestört worden zu sein. Auch Pansy warf dem Gryffindor giftige Blicke zu.

„Weißt du, warum Draco nicht in der Schule ist?" fragte Harry, ohne lange um den heißen Brei herum zu reden.

„Das geht dich gar nichts an, Potter", schnarrte Zabini und Pansy nickte bestätigend.

„Was mich etwas angeht und was nicht, ist nicht deine Sache, Zabini", gab Harry erregt zurück. „Also, weiß du, wo Malfoy ist?"

„Hogwarts ist nicht mehr der richtige Ort für Draco", erklärte Blaise genüsslich. „Er spielt jetzt für das andere Team."

„Wieso? Was meinst du damit?" fragte Harry verständnislos, als er den Ausdruck in den Augen des anderen Jungen nicht deuten konnte.

Der Slytherin schaute sich vorsichtshalber um, ob auch niemand seine Worte hörte, doch die anderen Schüler waren weiter gegangen und außer ihnen war der Gang menschenleer.

„Merlin, bist du schwer von Begriff, Potter", knurrte er und rollte mit den Augen. Selbstgefällig tippte sich Zabini mit der Hand auf den Unterarm. „Malfoy ist jetzt ein Todesser, du Idiot."

„Nein!" entfuhr es Harry. „Du lügst!"

„Warum sollte ich, Potter?" fragte Blaise kalt. „Es ist die Wahrheit. Sein Vater hatte schon das ganze Jahr geplant, ihn in den Ferien in den inneren Kreis aufnehmen zu lassen. Das hat er dir natürlich nicht gesagt, nicht wahr? Aber warum sollte er auch? Du warst für ihn ja nur eine willige Fickunterlage."

Harry fühlte, wie ihm bei diesen Worten das Blut ins Gesicht stieg. Er hatte nicht gewusst, dass Blaise über ihre Beziehung im Bilde war. Die Wut kochte höher und höher und brannte schließlich heiß in seinem ganzen Körper. Wut auf Blaise, der es wagte so mit ihm zu sprechen. Wut auf Draco, der die ganze Zeit die Wahrheit vor ihm verschwiegen hatte. Wut auf sich selbst, weil er so blauäugig gewesen war und nichts geahnt hatte.

Pansy schnappte hörbar nach Luft. Offensichtlich war diese Eröffnung auch für sie ein Schock. „Hast du gedacht er liebt dich, Potter?" höhnte der Slytherin, der es nicht lassen konnte, einen Finger in die Wunde zu legen. „Hast du gedacht, du würdest ihm auch nur irgendetwas bedeuten? Du hast es echt nicht besser verdient. Du bist so ein Idiot, Potter."

Zornig funkelte Harry den anderen Jungen an, der ihn zufrieden musterte. Der Slytherin konnte in seinem Gesicht lesen, dass der Tiefschlag gesessen hatte. Schwer nach Beherrschung ringend ballte der Gryffindor seine Hände zu Fäusten. Sein Blick zuckte zu dem Zauberstab, der im Bund seiner Jeans steckte.

„Worauf wartest du, Potter?" fragte Blaise gehässig. „Versuch doch, mir einen Fluch auf den Hals zu hetzten. Ich wette, Professor Snape wäre sehr interessiert daran zu erfahren, für wen Gryffindors Golden Boy das letzte halbe Jahr seinen Arsch hingehalten hat."

Pansy kreischte erschrocken auf, als Harry den Zauberstab blitzschnell aus dem Hosenbund zog. Das Blut rauschte in seinen Ohren und machte ihn taub für die innere Stimme, die ihm sagte, dass er dabei war, einen schweren Fehler zu begehen. Selbstgefällig nahm er wahr, dass die Zufriedenheit aus Zabinis Gesicht verschwunden war. In seinen Augen stand die nackte Panik.

Im aller letzten Moment überlegte Harry es sich anders und steckte den Zauberstab wieder zurück in die Hose. Nein, den Triumpf würde er Blaise nicht gönnen. Pansy atmete hörbar auf und ihr Freund machte eine abwertende Geste in die Richtung des Gryffindor. Doch gerade, als die beiden Slytherins sich umdrehen und ihren Kameraden folgen wollten, schnellte Harry vor und rammte seine Faust in Zabinis Gesicht.

Pansy kreischte erneut, als der dunkle Slytherin rückwärts taumelte. Blut tropfte aus seiner Nase. Entgeistert starrte er Hary an, der schwer atmend ihm gegenüber stand. Pansy zeterte und jammerte, aber es war niemand da, der ihnen zu Hilfe kommen konnte. Mit zitternden Finger tastete Blaise nach der Verletzung und besah ungläubig die rote Flüssigkeit auf seiner Hand.

„Verrecke Zabini", knurrte Harry, bevor er sich umdrehte und den Gang zurück stapfte, den er gekommen war.

XXXXXX

Die Sterne glitzerten silbern am wolkenlosen Nachthimmel und der Mond stand voll und groß über dem alten Schloss. Die Gänge und Hallen lagen verlassen da, jetzt wo alle Schüler in ihren Betten lagen und schliefen. Auch der Gryffindor Turm schien ruhig und friedlich, das vereinzelte Schnarchen der Schüler war das einzige Geräusch, das zu hören war. Es war eine angenehme, eine vertraute Stille, die über dem Raum lag, aber Harry fand keinen Schlaf.

Als er in die Große Halle zurückkehrte, war er immer noch so aufgewühlt gewesen, dass er die Gegenwart seiner Freunde einfach nicht ertrug. Statt mit ihnen in den Gryffindor Turm zu gehen, hatte er sich mit dem Tarnumhang aus dem Schloss gestohlen und war stundenlang ziellos über die Felder und Wiesen gestreift, ohne eine Antwort auf seine Probleme zu finden.

Irgendwie hatte er erwartet, als er zurück kam, von einem wütenden Professor Snape abgefangen zu werden, aber entweder hatte Zabini sich geschämt zu seinem Hauslehrer zu gehen oder er hob sich die Genugtuung für Morgen auf. Doch Harry konnte sich nicht aufraffen, sich auch noch darum zu sorgen. Sein Kopf war so schon voll genug. Auch jetzt, während er am Fenster saß und seinen Blick hinaus in die Nacht schweifen ließ, beschäftigte ihn nur eine Frage: War alles nur eine Lüge gewesen?

Harry konnte es einfach nicht glauben. Warum sollte Draco sich mit ihm wieder versöhnen, wenn er doch wusste, dass er nicht wieder nach Hogwarts zurück kehren würde? War es gewesen, um ihn zu verhöhnen? Wieder so ein krankes Malfoy-Spiel? Und was war dann mit den Briefen? Oder mit dem Ring?

Nein, er konnte, er wollte nicht glauben, dass Draco seine Gefühle nur vorgetäuscht hatte. Harry war sich beinah sicher, dass es nicht freiwillig geschehen war. Sein Freund war kein Todesser. Er hatte ihm selbst gesagt, dass die Ideale seines Vaters nicht mehr die seinen waren.

Wieder kam ihm der Satz in den Sinn, den Draco zu ihm in der Nacht auf dem Astronomie-Turm gesagt hatte: „Egal was passiert, ich will, dass du weißt, dass ich dich liebe."

Harry hatte damals geahnt, dass es mehr gab, was Draco ihm sagen wollte. Nun war er sicher, dass der Blonde sich ihm hatte anvertrauen wollen. Wenn er nur hartnäckiger gewesen wäre..

Ein Entschluss bildete sich in Harrys Kopf: Er musste etwas tun; gleich morgen. Er musste versuchen, mit Draco via Flohpulver zu sprechen. Auf keinen Fall würde er ihn nicht so einfach aufgeben.

XXXXXX

Typisch Gryffindors Golden Boy. Statt ihn in den Krankenflügel zu hexen, haust du ihm eine rein", stichelte Draco kopfschüttelnd.

Entschuldige mal, wir reden hier von deinem damaligen besten Freund. Wäre es dir lieber gewesen, ich hätte ihm den Kopf abgehext?" fragte der Dunkle pikiert.

Das hättest du nicht", gab Draco entschieden zurück. „Du bist ein Gryffindor. Der schlimmste Fluch, den du kanntest, wäre vermutlich ein Beinklammerfluch gewesen."

Da irrst du dich, Malfoy", erwiderte Harry kurz angebunden.

Ach ja, Potter? Wollen wir mal vor die Tür gehen? Dann sehen wir, wer die miesesten Flüche kennt."

Pass bloß auf. Ich will mir nicht den Rest des Tages dein Gejammer anhören, wenn ich dich in Grund und Boden hexe."

Davon träumst du, Potter." Grinsend drohte ihm der Blonde mit dem Zauberstab.

Nee, träumen tue ich doch lieber von etwas anderem."

Kommt zufällig ein nackter Snape, ein Schnatz und eine Kiste Flubberwürmer darin vor?"

Harry schüttelte sich entsetzt. „Ganz sicher nicht, wieso?"

Ach nix."

Love, du bist echt einmalig."

Zärtlich küsste er die Lippen seines Partners und Draco gab den Kuss zufrieden zurück. „Ganz genau, einmalig gut."

Tbc....

Kapitel 7 von redangeleve

XVII. Numb

 

I`m tired of being what you want me to be

Feeling so faithless lost under the surface

Don`t know what you`re expecting of me

Put under the pressure of walking in your shoes

Every step that I take is another mistake to you

 

....all I want to do

Is be more like me and be less like you

 

(Linkin Park, Numb)

 

Malfoy Manor

 

Als Draco zehn Minuten später geduscht und mit frischer Kleidung den Salon betrat, konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Die Szenerie war einfach zu unwirklich, als dass er sie ernst nehmen konnte:

Da saßen seine Eltern seelenruhig auf den antiken Rokkokomöbeln und tranken Tee, als seinen sie gerade einem Artikel von Miranda MacMahon entsprungen, die in der Hexenwoche die Rubrik „Den Zauberern in die Stuben geschaut" verfasste, die Pansy so gerne las. Narcissa hätte bestimmt eine außerordentliche Freude daran, ihr die Geheimnisse der Möbelverwandlung näher zu bringen. Beinah jede Woche veränderte die blonde Frau die Form und Farbe ihrer Inneneinrichtung und der Junge fragte sich so manches Mal, ob seine Mutter nicht eine fantastische Karriere als Innenarchitektin versäumt hatte.

 Draco konnte sich den Titel des Artikels beinah bildlich vorstellen „Die Malfoys - zu Gast bei Großbritanniens bekanntester Todesser-Familie". Merlin, er war definitiv kurz davor durchzudrehen, wenn ihm in seiner Lage schon solche Gedanken durch den Kopf schossen. Sein ganzes Leben lang war ihm eingebläut worden, dass es nur zwei Menschen auf der Welt gab, die er bedingungslos zu respektieren und zu fürchten hatte: Seinen Vater und den Dunklen Lord. Und nun würde er sich innerhalb kürzester Zeit gegen beide stellen müssen. Ganz offensichtlich hatte er völlig den Verstand verloren.

 Draco atmete einen Moment durch, um seinen Gesichtsausdruck unter Kontrolle zu bekommen, bevor er sich neben seine Mutter auf die Couch setzte. Narcissa, in einer enganliegenden, smaraktfarbenen Robe, unterbrach das Gespräch mit ihrem Mann und begrüßte ihren Sohn mit einem wortlosen Nicken. Lucius, der neben dem Kamin in einem Sessel saß, zog ungehalten die Augenbrauen zusammen. Er war wie meistens ganz in schwarz gekleidet. Der Gehstock mit dem Schlangenkopf lehnte neben seinem Knie am Polster.

 „Du bist spät", kommentierte er, ohne sich mit einer Begrüßung aufzuhalten.

„Entschuldigung, Vater, ich vergaß meine Uhr", gab Draco respektvoll zurück.

 „Eine Uhr." Allein bei diesem Muggelwort verzog sich Lucius Gesicht vor Abscheu. „Bist du nicht einmal in der Lage einen einfachen Tempus-Zauber durchzuführen?"

„Es tut mir leid", wiederholte der Junge sein Bedauern. „Ich vergaß ganz einfach, wie spät es schon ist."

 „Es wird nicht wieder vorkommen, nicht wahr Draco?" fragte Narcissa und goss ihrem Sohn etwas Tee in seine Tasse aus feinem Meissner-Porzellan. Als sie ihm die Tasse reichte, schenkte sie ihm ein schmales Lächeln, das Draco vorsichtig erwiderte. Wie immer war Narcissa perfekt geschminkt und ihr langes blondes Haar war kunstvoll hochgesteckt worden. Mit ihren ebenmäßigen Zügen und ihrer elfenbeinfarbenen Haut erinnerte sie Draco nicht zum ersten Mal an eine Statue aus der griechischen Antike.

„Natürlich nicht, Mutter. Ich werde besser aufpassen", versprach er höflich.

Draco nahm einen vorsichtigen Schluck Tee und versuchte im Gesicht seines Vaters einen Anhaltspunkt für dessen Anwesenheit zu finden, doch Lucius sah jetzt nachdenklich in den Kamin, in dem ein magisches Feuer brannte. Die Flammen waren rein dekorativer Natur: Sie schimmerten in allen Farben des Regenbogens, gaben aber keinerlei Wärme ab.

„Nun Sohn, genießt du die letzten Tage deiner Sommerferien?" fragte der blonde Mann schließlich, nach einigen unangenehmen Minuten der Stille. „Ich hoffe, du hast nicht deine ganze Zeit mit Nichtstun und dem Empfangen von bedeutungslosen Mitgliedern der niederen magischen Gemeinschaft vergeudet?"

Draco wusste, dass sein Vater auf die Besuche von Blaise anspielte. Aus irgendeinem Grund hegte Lucius eine offen zur Schau getragene Aversion gegen Dracos besten Freund. „Nein, Vater. Ich habe die freie Zeit für meine Studien genutzt, so wie du es gewünscht hast."

Noch immer ohne jede Emotion musterte Lucius das Gesicht seines Sohnes. „Hast du dich auch darauf vorbereitet Seine Gunst zu empfangen?"

Der Junge merkte wie die Tasse in seiner Hand leicht zu zittern anfing und er nahm schnell die zweite Hand zur Hilfe, um die Erregung zu verbergen. „Nein, Vater", antwortete er so ruhig wie möglich.

Der blonde Todesser hob überrascht eine Augenbraue. Mit dieser Antwort hatte er offensichtlich nicht gerechnet. „Nein?" fragte er kurz angebunden. „Was soll das bedeuten?"

Das Zittern in seiner Hand wurde stärker und Draco merkte, wie sich ein großer Klumpen in seiner Kehle bildete. Nein, er würde nicht kneifen. Er würde das jetzt hinter sich bringen, bevor es zu spät war. So kontrolliert wie möglich stellte er die Teetasse auf dem Tisch ab, dann kreuzte er die Arme vor der Brust. „Ich werde das Dunkle Mal nicht empfangen."

Jetzt war es raus. Draco konnte hören, wie seine Mutter neben ihm scharf die Luft einzog.

„Draco, dies ist nicht der richtige Augenblick für eine Teenager-Trotz-Phase", erwiderte Lucius mit einem gefährlichen Unterton.

Der Junge wagte es nicht, einen Blick auf das Gesicht seines Vaters zu werfen. Er hielt die Augen standhaft auf das filigrane Rosenmuster des Porzellans gesenkt, das vor ihm auf dem Tisch stand. „Es ist weder Trotz, noch eine Phase, Vater. Es ist mir Ernst. Ich teile deine Art der Weltanschauung nicht und ich werde mich vom Dunklen Lord nicht als sein Eigentum brandmarken lassen."

Oh Gott, er musste völlig wahnsinnig sein, so mit seinem Vater zu reden!

Ein kurzer Blick nach oben verriet ihm, dass Lucius Lippen zu einem schmalen Strich zusammen gepresst waren. Seine eisgrauen Augen bohrten sich in Dracos Gesicht und er merkte, wie er errötete. Schnell senkte er den Blick auf seinen eigenen Schoß. Seine Mutter saß einmal mehr wie eine Statue zwischen ihrem Mann und ihrem Sohn und hatte die Finger krampfhaft ineinander verschränkt.

„Hat das irgendetwas hiermit zu tun?" Der blonde Mann zog ein zusammen gerolltes Pergament aus der Innentasche seiner Robe. Er rollte das Papier auseinander und hielt es vor Dracos Gesicht. Als der Junge es wagte, erneut den Blick zu heben, erkannte er Harrys Handschrift.

Trotz des Ernstes der Situation verschlang Draco gierig die wenigen Zeilen, die dort geschrieben standen. Er war enttäuscht gewesen, als ihm Harry auf das Geschenk keine Antwort geschickt hatte. Jetzt wusste er, dass er sich geirrt hatte. Komischer Weise fühlte er eher Erleichterung, als Furcht.

„Ja", antwortete Draco schließlich mit so viel Selbstsicherheit wie möglich.

„Du wirfst deine Zukunft weg; du verrätst deine Familie und deine Ehre und das alles für ein Mädchen?!" Die Augen des Mannes schienen Funken zu sprühen.

Draco straffte sich. Er hatte Angst, ja mehr als das, aber er würde seine Gefühle nicht länger verstecken. Ein paar Mal schluckte er hart, in dem Versuch, seine Stimme sicherer klingen zu lassen als er wirklich war, dann hob er den Blick und sah seinem Vater fest in die Augen. „Ja, ich bin tatsächlich bereit, alles wegzuwerfen, wenn es sein muss, aber nicht für ein Mädchen. Vater, ich liebe Harry Potter."

Narcissa stieß einen erstickten Schrei aus, als sie ihre Hände entsetzt vor den Mund schlug. Ihr Blick huschte ängstlich von ihrem Sohn zu ihrem Mann und wieder zurück.

Lucius sagte kein Wort. Sein Blick brannte wie Feuer in Dracos Augen. Seine Hand umklammerte den Griff seines Gehstocks so fest, dass die Fingerknöchel weiß hervortraten. Seine Gesichtsfarbe wechselte von marmorweiß zu carmesinrot und Draco hatte schon Angst, sein Vater würde einen Herzanfall erleiden, doch dann verblasste die Farbe langsam wieder, bis er fast noch blasser als normal war.

Mit einem Mal begann der Tisch zu beben. Die Teetassen klirrten, als sie unkontrolliert auf ihren Untertassen hin und her tanzten. Tee schwappte bei jeder Bewegung auf die gläserne Tischplatte.

„Lucius", bat Narcissa leise und suchte den Blick ihres Mannes, doch dieser starrte immer noch unverwand auf Draco.

Auch der Kronleuchter begann zu zittern. Die feinen Kristallplättchen klirrten leise, als sie gegeneinander stießen. Putz rieselte an der Stelle von der Decke, an der ein Haken die schwere Konstruktion trug. Die Lichter flackerten, wurden mal stärker und mal schwächer.

„Lucius, bitte", versuchte es die Frau erneut und streckte langsam ihre Hand nach dem blonden Mann aus. „Beruhige dich. Er weiß nicht, was er sagt."

Die Flammen im Kamin stiegen höher und höher und plötzlich entwickelten sie eine Hitze, dass man meinte, das Feuer würden gleich explodieren.

Draco merkte, wie sich eine unsichtbare Hand um seine Kehle schloss und ihn in die Höhe hob. Das Atmen fiel ihm schwer, da seine Füße nicht mehr den Boden berührten und er wie eine Marionette in der Luft hin. Unwillkürlich tasteten seine Hände nach seinem Hals. Er würgte verzweifelt, unfähig den lebensnotwendigen Sauerstoff in seine Lungen zu saugen.

„Nein! Lucius!" hörte er seine Mutter schreien, dann ging alles sehr schnell. Draco nahm wahr, wie er durch die Luft flog, die Einrichtung sauste vor seinen Augen vorbei. Plötzlich fühlte er einen scharfen Schmerz im Hinterkopf und im Rücken, als sein Körper mit voller Wucht gegen die massive Wand des Salons krachte. Die Welt explodierte in einem Regen aus Sternen, dann wurde alles dunkel...

 

XXXXXX

 

Weiß du eigentlich, dass mich mein Vater in seinem ganzen Leben niemals geschlagen hat?" sinnierte Draco mit einem letzten Blick auf die Notizen. „In Grund und Boden geflucht ja, aber niemals hat er mich auch nur angerührt."

Wozu auch, wenn er mit dem kleinsten Schwenk seines Zauberstabs deine kompletten Knochen brechen konnte?" knurrte Harry und seine Hand umfasste das Messer fester, mit dem er das Gemüse für das Abendessen hackte. Die Erinnerung an die Ereignisse von damals, die er nicht hatte verhindern können, schmerzten ihn mehr, als er zugeben wollte.

Meine Mutter wurde mit der Zeit richtig gut in Heilungszaubern. Es sind so gut wie keine Narben zurück geblieben."

Dein Vater war schon immer am besten darin, seine Wut an Schwächeren auszutoben. Vermutlich ist das einer der Gründe, warum er Todesser geworden ist."

Oder weil er einfach so gern schwarz trug", versuchte Draco der Situation den Ernst zu nehmen. „Bitte, babe, wenn du die Karotten noch kleiner schneidest, kann man sie bestenfalls als Püree verwenden."

Tut mir leid, love, aber ich kann ihm nicht vergeben, was er dir angetan hat."

Es vorbei, Harry. Ich stehe hier, lebendig und gesund, das ist doch alles was zählt oder?" Bestimmt nahm er dem Dunklen das Messer ab, legte es zur Seite und schüttete das gehackte Gemüse in den Topf. „Das Essen muss jetzt noch mindestens eine halbe Stunde kochen. Zeit genug, um dich auf andere Gedanken zu bringen."

Amüsiert wischte sich Harry die Hände an dem Handtuch ab, das neben ihm auf der Arbeitsplatte lag und betrachtete seinen Partner mit hochgezogenen Augenbrauen. „Und was genau schwebt Ihnen da vor, Mr. Malfoy?"

Vertrauen Sie mir einfach, Mr. Potter. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes `delikat`."

 

XVIII. Sit and wait

 

All we can do is sit and wait

All we can do is just sit and wait (they say)

All we can do is sit and wait

All we can do, yes that`s what they said

Sit and wait

Sit and wait

Just sit and wait

 

(Sidney Youngblood, Sit and wait)

 

Hogwarts

Drachen, Drachen, Drachen... Wenn Harry angenommen hatte, dass Ron endlich jedem verdammten Gryffindor von seinen Ferien erzählt hatte, war er eindeutig im Irrtum gewesen. Angewidert schob er die Spiegeleier auf seinem Teller von links nach rechts und wieder zurück und malte mit dem flüssigen Eigelb bizarre Muster auf das weiße Porzellan, während sein bester Freund für die beiden Creevey Brüdern seine wundersamen Abenteuer in Rumänien zum Besten gab. Doch so sehr ihn allein der Gedanke an die schuppigen Biester mittlerweile nervte, war er doch froh, dass Ron immer noch so mit den Gedanken an seine Ferien beschäftigt war, dass er Harrys Gemütszustand gar nicht bemerkte.

Mit gesenkter Stimme hatte der dunkle Gryffindor Hermine von seinem gestrigen Gespräch mit Blaise erzählt und nun saßen sie jeder in seine eigenen Gedanken versunken über ihre Teller gebeugt und versuchten aus dem Gehörten schlau zu werden.

„Glaubst du ihm?" fragte Hermine, indem sie ihren Kopf etwas weiter zu Harry herüber beugte, der neben ihr saß. „Glaubst du, dass Draco jetzt wirklich ein Todesser ist?"

Harry atemte hörbar aus. „Ich weiß es nicht", antwortete er ehrlich. „Er hat sich so seltsam benommen, in der Nacht vor den Ferien. Aber ich glaube, dass er es niemals freiwillig getan hätte."

Zwar lag dem Mädchen dazu schon der passende Kommentar auf der Zunge, aber sie entschloss sich, Harry zu Liebe ihre Meinung für sich zu behalten. „Was willst du jetzt tun?"

„Ich werde Professor Dumbledore bitten, dass ich mit ihm per Flohpulver sprechen darf."

Überrascht musterte sie sein Gesicht. „Und was willst du Dumbledore sagen weswegen du das tust?"

Der Dunkelhaarige zuckte die Achseln. „Ich weiß nicht. Mir wird schon was einfallen."

Hermine schien von der Idee nicht wirklich überzeugt. „Sei mir nicht böse, Harry, aber du bist nicht wirklich gut im Improvisieren."

„Was soll ich denn deiner Meinung nach sonst machen?" fuhr der Junge auf. „Hier sitzen und warten, bis es vielleicht zu spät ist?

„Vielleicht solltest du Dumbledore die Wahrheit sagen. Ich meine, wenn Draco wirklich zu du-weißt-schon-wem übergelaufen ist, muss er es einfach wissen."

„Noch nicht. Nicht bevor ich weiß, ob es wirklich wahr ist. Zabini kann sich die ganze Sache auch einfach aus den Fingern gesaugt haben."

„Möchtest du, dass ich dich begleite?"

Der dunkle Gryffindor schüttelte ablehnend den Kopf. „Nein, Hermine, wirklich nicht, aber es wäre lieb, wenn du Ron so lange mit Beschlag belegst. Nur für den Fall, dass ihm die Zuhörer ausgehen, damit er nicht merkt, dass ich weg bin."

Das Mädchen nickte ernst. „Klar, kein Problem, aber du weißt, egal ob freiwillig oder nicht, wenn er wirklich ein Todesser ist, gibt es kein zurück mehr."

„Ehrlich gesagt mache ich mir darüber erst Gedanken, wenn es soweit ist." Seufzend schob Harry den unberührten Teller von sich weg und erhob sich dann von seinem Platz.

„Viel Glück." Mitfühlend tätschelte Hermine kurz seinen Arm.

„Danke." Er zwang sich zu einem blassen Lächeln. „Ich denke, das kann ich brauchen."

 

XXXXXX

 

„Herein."

Nervös strich sich Harry noch einmal über die Vorderseite seiner Robe, bevor er die Klinke zur Tür von Dumbledores Büro hinunter drückte. Der Schulleiter saß über einen großen Stapel Pergamente gebeugt. Die schmale Halbmondbrille rutschte ihm beinah von der Nase, so tief hielt er seinen ergrauten Kopf über die Schriftstücke. Als Harry durch den Türspalt herein schlüpfte, blickte er kurz auf, wandte sich dann aber erneut seiner Arbeit zu.

„Nimm Platz, Harry", bat er den Jungen freundlich, während er sich mit seiner Feder auf einem der Pergamente Notizen machte. „Ich bin gleich für dich da."

Ein wenig steif ließ sich der Junge auf dem braunen Holzstuhl vor dem Schreibtisch nieder. Seine Hände krallten sich unsicher in die Stuhlkante, als er seinen Blick durch den imposanten Raum schweifen ließ. Es war nicht das erste Mal, dass sich Harry im Büro des Schulleiters befand, doch der Raum faszinierte ihn immer wieder aufs neue.

Überstall standen verschieden Gerätschaften herum, die piepten und ratterten und aussahen, als seinen sie der Werkstatt irgendeines verrückten Wissenschaftlers entsprungen. Berge von Büchern stapelten sich auf mehreren im Raum verteilten Tischen. Als sein Blick auf den goldenen Phoenix fiel, der auf einer Stange in der Ecke döste, war es ihm für einen kurzen Moment, als zwinkere ihm der Vogel tatsächlich zu.

„Hallo Fawkes", sagte er freundlich und der Phoenix öffnete bei diesen Worten beiden Augen und gab einen glockenhellen Ton von sich. Scheinbar freute sich der Vogel darüber, dass Harry hier war. „Ja, ich freue mich auch, dich zu sehen", antwortete der Junge und bemühte sich zu lächeln.

Ein Rascheln verriet ihm, dass Professor Dumbledore die Pergamente zur Seite schob und als Harry seinen Blick wieder auf seinen Schulleiter richtete, sah ihn der alte Mann interessiert an.

„Pfefferminzdrops?" fragte er den Gryffindor und hielt ihm ein kleines Metalldöschen entgegen, doch Harry lehnte dankend ab. Der Schulleiter lächelte entschuldigend und nahm sich selbst einen Bonbon aus der Dose. „Entschuldigung, aber ich kann mir das Naschen einfach nicht abgewöhnen. So mein Junge, was kann ich für dich tun?"

„Professor Dumbledore, Sir", begann Harry sein Anliegen vorzutragen. „Ich habe gestern bemerkt, dass Draco Malfoy nicht zur Schule gekommen ist."

„Das ist richtig", antwortete der alte Mann und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Die Malfoys haben ihren Sohn von der Schule abgemeldet."

„Haben sie Ihnen auch den Grund dafür genannt?" fragte Harry erwartungsvoll.

„Mein Junge, es ist ein offenes Geheimnis, dass Dracos Vater kein Freund der Methoden ist, mit denen ich diese Schule leite. Er und seine Frau sind offensichtlich der Meinung, dass es für Dracos Ausbildung besser ist, ihn privat unterrichten zu lassen."

„Aber das dürfen Sie nicht zulassen!" fuhr Harry auf.

Der Schulleiter zog überrascht die Augenbrauen hoch. „Es liegt nicht in meiner Macht, die Entscheidung der Malfoys zu ändern, Harry. Wenn sie der Auffassung sind, dass Hogwarts nicht der richtige Platz für ihren Sohn ist, muss ich das akzeptieren."

„Aber ich glaube nicht, dass es hier nur um die Ausbildung geht", entgegnete Harry erregt. Er wollte Draco nicht verraten, aber er hoffte, dass der alte Mann fähig war, zwischen den Zeilen zu lesen.

„Worum dann?" fragte Dumbledore den Jungen. Seine Augen blickten ihn über die halbmondförmige Brille interessiert an.

„Ich weiß es nicht", behauptete Harry, der sich unter dem Blick seines Schulleiters zunehmend unwohl fühlte. „Aber ich bin mir sicher, dass Draco der Entscheidung seiner Eltern niemals zugestimmt hat."

„Manchmal tun Eltern Dinge, die die Kinder noch nicht nachvollziehen können", sagte der Mann weiter Harrys Gesicht musternd.

„Aber das bedeutet nicht, dass sie richtig sein müssen."

„Nein, das wohl nicht", gab Dumbledore zu.

„Professor, ich würde gern mit Draco per Flohpulver sprechen. Ich möchte wissen, ob es keine Chance gibt, dass er wieder zurück kommt." Der junge Gryffindor sah seinen Schulleiter bittend an.

Der alte Man schien einen Moment zu überlegen. „Darf ich fragen, woher dein plötzliches Interesse an Draco Malfoy kommt, Harry? Ich hätte gedacht, nach allem was zwischen euch vorgefallen ist, wärst du froh, wenn er nicht mehr zur Schule kommt."

Harry merkte wie er bis zu den Haarwurzeln errötete. „Wir...wir haben unseren Streit beigelegt", antwortete er zögerlich. „Eigentlich mussten wir feststellen, dass wir sogar ziemlich viel gemeinsam haben."

„Und du möchtest ihn nicht verlieren, als Freund meine ich?" Harry war sich sicher, dass Dumbledore genau ahnte, welche Art von Freundschaft er mit Draco führte.

„Ja", sagte er leise. „Ich mache mir Sorgen."

„Gut." Der Schulleiter erhob sich von seinem Stuhl. „Dann wollen wir mal einen kurzen Anruf bei den Malfoys machen."

Er trat zum nahen Kamin und nahm einen ledernen Beutel vom Sims. „Malfoy Manor", sagte er laut und warf etwas von dem grauen Pulver in die Flammen, so dass diese in einem magischen Grün zu leuchten begannen.

Unbehaglich stand Harry jetzt ebenfalls von seinem Stuhl auf und trat neben Professor Dumbledore. Sein Herz klopfte bis zum Hals, als in den Flammen der Kopf einer Hauselfe erschien. Große Glubschaugen huschten von einem zum anderen.

„Sag Draco Malfoy, dass Harry Potter ihn zu sprechen wünscht", orderte der alte Mann die kleine Kreatur.

„Der junge Master ist nicht zu sprechen", piepte die Elfe entschuldigend.

„Dann möchte ich mit einem von Dracos Eltern reden", mischte sich Harry in das Gespräch. Professor Dumbledore nickte bestätigend und die Elfe beugte ergeben den Kopf.

„Wie Ihr wünscht", erwiderte sie respektvoll und war einen Moment später verschwunden.

Mehrere Minuten vergingen, ohne dass etwas geschah und Harry hatte das sichere Gefühl, dass man sie abblitzen lassen würde, als plötzlich der Kopf von Narcissa Malfoy in den Flammen erschien. Hochmütig sah sie erst Dumbledore und dann Harry an, sagte jedoch kein Wort.

Harry fühlte Erleichterung in sich aufsteigen, als er sah, dass es Dracos Mutter und nicht sein Vater war. Er wusste nicht, ob er in der Lage gewesen wäre, sein Anliegen Lucius gegenüber vorzutragen.

Der Schulleiter sah den Jungen aufmunternd an, so dass Harry noch einmal hart schluckte und sich dann an Narcissa wandte: „ Guten Tag, Mrs. Malfoy. Vielleicht erinnern Sie sich an mich (natürlich tat sie dass, aber Harry bemühte sich höflich zu sein), wir sind uns bei der Quidditch-Weltmeisterschaft begegnet. Ich bin Harry Potter."

„Harry Potter, Professor Dumbledore." Sie nickte in die Richtung des Schulleiters. „Was verschafft mir die Ehre?"

„Ich möchte gerne mit Draco sprechen."

„Draco ist im Moment nicht hier. Und ich glaube auch nicht, dass er mit dir sprechen möchte." Ihr kalter Tonfall machte unmissverständlich klar, dass sie selbst es nicht billigen würde.

„Stimmt es, dass Sie ihn von der Schule genommen haben?" fragte Harry, die Abfuhr einfach ignorierend.

„Da du dich in der Gegenwart des Schulleiters befindest, gehe ich davon aus, dass er dich bereits über unsere Entscheidung informiert hat."

„Darf ich erfahren warum?" bohrte der Junge nach.

„Ich wüsste nicht, was dich das anginge", erwiderte die blonde Frau kurz angebunden.

„Draco ist mein Freund", wagte Harry einen Vorstoß. „Und er verdient eine gute Ausbildung."

Narcissa zögerte kurz. Sie warf einen Blick zur Seite und wenn Harry vorher noch Zweifel gehabt hatte, so war er nun sicher, dass sie nicht allein im Raum war. Doch der Augenblick währte nur kurz, dann hatte sie sich wieder unter Kontrolle. „Er bekommt hier die beste Ausbildung, die man für Geld bekommen kann. Und was deine Freundschaft mit meinem Sohn angeht, betrachte diese als gekündigt. Draco hat seinen Fehler eingesehen."

„Aber...." Harry wollte etwas dazwischen werfen, doch die Frau ließ ihn nicht zu Ende reden.

„Verzeihen Sie mir, aber meine Zeit ist kostbar. Ich denke, dass Gespräch ist ohnehin erledigt. Guten Tag."

Sie warf Harry noch einen langen Blick zu, dann verblasste ihr Bild in den grünen Flammen, doch bevor es schließlich ganz verschwand, glaubte Harry zu sehen, wie sich ihre Lippen leicht bewegten und plötzlich tauchten Worte in Harrys Kopf auf, die nicht seine eigenen Gedanken waren:

 

Rette meinen Sohn."

 

XXXXXX

 

Deine Mutter war eine tolle Frau. Du hast eine Menge von ihr", stellte Harry fest, während er Draco dabei beobachtete, wie er mit einem Wink seines Zauberstabs den Tisch deckte.

Komischer Weise sehen die Menschen aber immer nur meinen Vater, wenn sie mich ansehen", meinte der Andere und füllte etwas Wein aus der Karaffe in die Kristallgläser. Es war kein Vorwurf in den Worten, lediglich eine Feststellung.

Äußerlich vielleicht, love. Aber in deinen Bewegungen und in der Art wie du sprichst, bist du wie sie. Außerdem hast du ihre langen Finger."

Chirurgenhände", grinste der Blonde. „Sie hatte eine ausgeprägte künstlerische Ader. Manchmal hat sie die gleiche Blume im Garten ein Dutzend Mal gezeichnet und auf jedem Bild sah sie anders aus. Leider habe ich dieses Talent nicht geerbt."

Du kannst dafür ganz andere Dinge mit deinen Händen machen", meinte der Dunkle spitzbübisch.

Zum Beispiel?" fragte sein Ehemann gespielt naiv.

Mir würde da so einiges einfallen", erwiderte Harry und öffnete einladend den obersten Knopf seines Hemdes.

Ich dachte, wir wollten essen", sagte Draco, die Hände in die Hüften gestützt.

Eigentlich esse ich viel lieber dich", murmelte sein Partner und ließ seine Hände langsam über Dracos Vorderseite gleiten.

Der Blonde sog scharf die Luft ein, dann schaltete er mit einem Schwenk seines Zauberstabs den Herd aus. „Ein Appetizer kann nicht scheiden", gab er rau zurück, bevor seine Lippen, die seines Ehemannes fanden.

 

XIX. Unfaithfull

 

I don`t wanna do this anymore

I don`t wanna be the reason why

 

I don`t wanna hurt him anymore

I don`t wanna take away his life

I don`t wanna be a murderer

 

(Rihana, Unfaithfull)

 

Malfoy Manor

„Das ist alles deine Schuld! Ich habe immer gesagt, der Junge braucht eine harte Hand."

„Harte Hand?! Du hättest ihn beinah umgebracht!"

„Er hat mich provoziert. Harry Potter! Schlimm genug, dass... Aber ausgerechnet Harry Potter!"

„Lucius, bitte, das bringt uns nicht weiter."

„Das wäre nie passiert, wenn er nach Durmstrang gegangen wäre!"

"Er ist noch ein Kind, Lucius. Er weiß nicht, was er tut."

 „Hör auf, ihn immer in Schutz zu nehmen! Er ist sechzehn, Narcissa. Er hat die Konsequenzen für sein Handeln zu tragen."

Draco stöhnte leise. Sein Kopf fühlte sich an, als würde seine Schädeldecke bersten. Er hörte die Worte, die sich seine Eltern an den Kopf warfen, auch wenn ihr Sinn seinen benebelten Verstand nicht erreichte. Er wollte ihnen sagen, dass sie gefälligst woanders streiten sollten, aber er hatte keine Kontrolle über seine Stimme. Sein Mund fühlte sich so trocken an, wie Sandpapier. An seinem Hinterkopf klebte irgendetwas warmes, feuchtes und Draco ging dunkel auf, dass es wohl Blut sein musste.

Vermutlich hatte er einen Schädelbruch oder zumindest eine Gehirnerschütterung. Mühsam versuchte er die Augen zu öffnen, aber seine Lider schienen schwer wie Blei. Alles an ihm fühlte sich kraftlos und zerschlagen. Nicht einmal den kleinen Finger konnte er heben. Ein weiteres schwaches Stöhnen entwich seinen Lippen und er hörte seine Eltern verstummen. Schritte kamen näher zu ihm, dann sprach eine Stimme einen leisen Zauber und Draco sackte erneut in die Bewusstlosigkeit.

 

XXXXXX

 

Das nächste Mal wurde Draco von sanften, kühlen Fingern geweckt, die vorsichtig über seine Haare streichelten. Mühsam kämpfte er gegen das taube Gefühl an, das wie Nebel in seinem Kopf fest saß, bevor er es endlich schaffte, die Augen zu öffnen und einen orientierungslosen Blick durch den Raum schweifen zu lassen. Der Junge erkannte, dass er auf dem Bett in seinem Zimmer lag. Nach dem Licht zu urteilen, das von der magischen Lampe an der Decke ausging, musste es bereits Abend sein. Sein Blick blieb auf der Gestalt seiner Mutter hängen, die neben ihm auf der Bettkante saß.

„Mutter..."

Narcissas Augen schossen nach oben. Sie bemühte sich, ein beruhigendes Lächeln zustande zu bringen, doch Draco konnte die nassen Spuren auf ihren Wangen sehen. Sie nahm eine Phiole vom Nachttisch neben dem Bett und hielt das Glas an die trockenen Lippen ihres Sohnes.

„Trink das", forderte sie ihn auf. „Es hilft gegen die Kopfschmerzen."

Der Junge tat wie ihm geheißen. Obwohl die Flüssigkeit einen eigenartigen, süßlichen Geschmack hatte, trank er sie, ohne einmal abzusetzen und schon einen Augenblick später merkte er, wie sich sein Kopf angenehm leicht anfühlte. Erst jetzt fiel ihm auf, dass das dumpfe, feuchte Gefühl an seinem Hinterkopf verschwunden war. Offenbar hatte seine Mutter die Wunde geheilt.

„Was ist passiert?" fragte er krächzend.

„Außer dass du deinen Vater zur Weißglut getrieben hast und durch den Salon geschleudert wurdest?" fragte Narcissa bitter.

„Ich wusste, er würde es nicht gut aufnehmen, aber ich kann mich seinem Willen nicht mehr beugen, nicht dieses Mal." Draco versuchte sich im Bett aufzusetzen, aber das Zimmer verschwamm vor seinen Augen und er ließ sich wieder zurück auf das Kissen fallen.

„Dein Vater liebt dich, Draco. Wir lieben dich. Aber du bringst uns in eine sehr schwierige Situation. Er wird dich nicht gewähren lassen und ich kann ihn nicht umstimmen."

„Dann wird er mich zwingen müssen, denn es gibt keine andere Möglichkeit, wie er mich dazu bringen kann, seinem Meister zu folgen."

Narcissa atmete hörbar aus. „Ich weiß. Sag mir Eines Draco: Ist es wahr? Liebst du wirklich Harry Potter?"

Der Junge errötete leicht. Bis zum heutigen Tag hatte er niemals mit seiner Mutter über Liebe oder Sex gesprochen. Geschweige denn dass er ihr hätte gestehen können, dass er schwul war. Jetzt so offen mit ihr über seine Gefühle zu sprechen, viel ihm nicht leicht. „Ja", sagte er einfach. „Es war nicht geplant. Es ist einfach passiert. Ich weiß, es ist schwer für euch zu verstehen, aber es ist mir egal, wer er ist. Er ist derjenige, bei dem mein Herz schneller schlägt und ich weiß, dass er für mich das selbe fühlt."

Die blonde Frau schloss kurz die Augen, in dem Bemühen ihre Fassung wieder zu erlangen. „Ich weiß, die Liebe ist etwas großartiges, aber du bist jung, Draco. Da verliebt man sich leicht in den falschen Menschen."

„Versuch es nicht so hinzustellen, als sei es einfach eine dumme Verliebtheit, Mutter. Ich liebe Harry und er liebt mich und nichts kann das ändern."

„Ist es dir das wert, dafür zu sterben?" fragte seine Mutter mit erstickter Stimme.

„Ich will nicht sterben, aber ich werde nicht Vater und dem Dunklen Lord dabei helfen, denjenigen umzubringen, den ich liebe."

Draco wollte, dass seine Stimme sicher klang. Seine Mutter sollte nicht merken, wie viel Angst er davor hatte, was nun auf ihn zukommen würde. Merlin, er war sechzehn Jahre alt! Natürlich wollte er nicht sterben! Sein ganzes Leben war ihm eingebläut worden, immer den Weg zu wählen, der ihm selbst die meisten Vorteile brachte. Aber diese Sache war größer als er, größer als sein eigenes Glück. Es war die Wahrheit, so pathetisch es klang. Es ging nicht nur um Harry und seine Liebe zu ihm. Es ging um das Fortbestehen der Zauberwelt, so wie man sie kannte. Und Draco würde nicht dabei helfen, sie zu zerstören.

Ein Klopfen an der Tür unterbrach seinen Gedankengang und ohne auf eine Antwort zu warten, betrat Lucius Malfoy das Zimmer seines Sohnes. Er sah seine Frau wortlos an und Narcissa stand eilig von der Bettkante auf. An der Zimmertür drehte sie sich noch einmal zu Draco um und warf ihm einen traurigen Blick zu, bevor sie den Raum verließ.

Lucius machte keine Anstalten, sich zu seinem Sohn ans Bett zu setzen, doch Draco hatte das auch nicht erwartet. Obwohl ihm immer noch schwindelig war, bemühte er sich trotzdem, sich im Bett aufzurichten. Ein Malfoy war nicht schwach. Ein Malfoy war nicht hilflos. Ein Malfoy war immer Herr der Lage. Nach diesen Grundsätzen war er erzogen worden und er hatte nicht vor, seinen Vater auf sich herab sehen zu lassen.

„Hast du deine Lektion gelernt, Draco?" fragte Lucius seinen Sohn. Er klang ruhig und beherrscht, aber Draco wusste, wie gut sein Vater darin war, seine Emotionen zu verbergen.

„Wenn du damit meinst, ob ich meine Meinung geändert habe, muss ich dich enttäuschen. Vater, ich wollte euch nicht verletzten, aber es ist die Wahrheit. Ich kann mich deinem Wunsch nicht fügen. Ich kann es einfach nicht." Draco wünschte sich so sehr, dass sein Vater es verstehen könnte, aber er wusste, dass es für Lucius keinen Mittelweg gab. Es gab nur Verbündete und Gegner. Schwarz oder weiß.

„Draco, ich bin dein Vater und ich werde es nicht dulden, dass du alles weg wirfst, was ich dir beigebracht habe. Ich fordere, dass du mir den Respekt entgegen bringst, den du mir schuldest."

„Vater, ich respektiere dich und ich wollte immer nur, dass du stolz auf mich bist, aber ich werde mich nicht zum Werkzeug eines Mörders machen lassen."

„Wie kannst du es wagen!" Wütend funkelte Lucius seinen Sohn an. „Dieses Halbblut hat deinen Verstand vergiftet."

„Harry hat meine Entscheidung nicht für mich getroffen. Meine Liebe zu ihm hat mich nur in meinem Entschluss bestärkt. Hör auf deine Augen zu verschließen und sieh endlich die Wahrheit: Ihr schafft keine bessere Welt für die reinblütigen Zauberer! Alles was ihr tut, ist im Namen eines Wahnsinnigen Gewalt und Tod zu verbreiten!" Es war seltsam, aber Draco fühlte in diesem Augenblick keine Angst, als er seinem Vater die Worte ins Gesicht schleuderte. Im Gegenteil, er fühlte sich merkwürdig befreit.

„Ich werde dich lehren, wie du über Ihn zu sprechen hast", knurrte der blonde Mann mühsam beherrscht. Er wandte sich zum Fenster und zog seinen Zauberstab aus dem Gehstock hervor.

Exito blockare", sagte er mit einem Schwenk zu dem Doppelflügel-Fenster, durch das ein voller Mond herein schien. Sofort traten aus dem Fenstersims dicke Metallstäbe hervor, die immer länger wurden, bis sie die gesamte Fensteröffnung versperrten.

„Das ist alles nur die Schuld von diesem Muggel-Freund Dumbledore. Ich habe immer gewusst, dass es ein Fehler war, dich auf diese Schule zu schicken. Dumme Gedanken, das ist alles, was sie euch dort in die Köpfe pflanzen. Aber nicht mit mir! Du wirst nicht nach Hogwarts zurück kehren", fuhr der ältere Zauberer fort, als er sich erneut zu Draco umwandte. „Du wirst im Manor bleiben und du wirst deine Lektion von deinem Meister persönlich lernen. Ich habe dich erzogen, um mein Erbe anzutreten und genau das wirst du auch tun."

„Niemals! Dazu wirst du mich schon zwingen müssen", versuchte Draco zu rebellieren, die plötzlich aufsteigende Panik in seinem Inneren niederkämpfend.

Du wirst gehorchen. Du weißt, dass ich Mittel und Wege habe, deinen Respekt einzufordern. So oder so wirst du tun, was ich von dir verlange. Vergiss Harry Potter. Du wirst ihn niemals wieder sehen. Es sei denn als Gegner im Kampf." Ein siegessicheres Lächeln spielte um Lucius Malfoys schmale Lippen.

„Das kannst du nicht tun!" Verzweifelt versuchte Draco, auf die Füße zu kommen, doch seine Knie knickten ein und er musste sich zurück auf die Bettkante setzten.

„Ich kann und ich werde." Ein weiterer Schwenk seines Zauberstabes ließ Dracos Stab vom Nachttisch in die Hand seines Vaters fliegen. „Dein Zauberstab bleibt bei mir, bis du mir deine Loyalität bewiesen hast. Denk darüber nach, Draco. Denk darüber nach, ob du mich wirklich zum Feind haben willst, bevor du dich der Gnade des Dunklen Lords auslieferst."

Mit einem letzten Blick auf seinen Sohn, verließ Lucius das Zimmer und warf die Tür hinter sich ins Schloss. Draco hörte erneut gemurmelte Worte, dann klang es so, als würde ein großer, schwerer Riegel vor die Tür geschoben. Schritte entfernten sich und eine beinah schon bedrückende Stille breitete sich in dem Raum aus.

„Fuck", murmelte Draco und ließ sich zurück auf sein Bett fallen. Auf einen Schlag waren seine Kopfschmerzen zurück und trieben ihm die Tränen in die Augen.

Sein Vater würde ihn tatsächlich zum Todesser brandmarken lassen, koste es was es wolle. Der Dunkle Lord würde ihm sein Zeichen verpassen und es gab keinen Weg, um es zu verhindern.

Mit seinem Zauberstab war ihm nun auch noch jegliche Möglichkeit genommen worden, mit irgendjemandem außerhalb des Manor Kontakt aufzunehmen.

Harry, wo bist du?

Die Verzweiflung kam heftig und unerwartet und schlug in einer hohen Welle über Draco zusammen. Er hatte lange nicht geweint, hatte es nicht gewagt, weil er wusste, wie sein Vater über Tränen dachte. Doch jetzt in der Einsamkeit seines Zimmers, war es ihm egal, ob und wer es sah oder hörte. Er weinte die halbe Nacht lang stumm vor sich hin und als er endlich gegen Morgen in einen erschöpften Schlaf fiel, war das Kissen durchnässt von seinen Tränen.

 

XXXXXX

 

Eine kleine, braune Eule pickte mit dem Schnabel an das Fenster, als Draco das Pergament noch einmal überflog. Harry, der neben ihm auf der Couch gesessen hatte, stand auf und ging hinüber, um den Vogel hineinzulassen. Sobald das Fenster geöffnet war, hüpfte die Eule ins Innere und hielt ihm brav ihr ausgestrecktes Bein hin.

Hallo Pig", sagte Harry freundlich, band das Pergament von ihrem Bein und gab dem Vogel einen Eulenkeks, worauf dieser aufgeregt schuhute.

Unglaublich, dass die Weasley diese fuselige Pseudo-Eule immernoch besitzen", meinte Draco, mit einem Blick auf Pigwidgon der geschäftig an dem Keks herumknabberte.

Es ist Pigwidgon II", murmelte Harry abwesend den Text des Briefes lesend. „Nummer eins ist seit seinem Ventilator-Unfall in Rente."

Können die sich denn immer noch keinen anständigen Vogel leisten?" stichelte der Blonde belustigt, als die kleine Eule den letzten Krümel verputzt hatte und aufgeregt auf dem Fenstersims herum hüpfte.

Warum? Er macht seine Arbeit doch ordentlich. Übrigens steht in dem Brief, dass Ginny gestern entbunden hat."

Wie? Schon wieder? Ich wusste nicht mal, dass sie schwanger ist! Das wievielte ist es überhaupt?" fragte Draco entsetzt.

Das vierte - ein Mädchen namens Barbarella übrigens - und sie haben es uns auf Michaels Geburtstag gesagt."

Herrje, genau das hat die Welt gebraucht. Noch einen Weasley."

Eifersüchtig, love?" fragte Harry überrascht über Dracos heftige Reaktion.

Wer? Ich? Worauf denn? Stinkende Windeln und durchwachte Nächte?"

Darauf, dass wir kein eigenes haben können."

Dafür laden ja deine Gryffindor Freunde ihre Kids oft genug bei uns ab."

Du kannst einfach so gut mit Kindern. Du wärst bestimmt ein toller Vater geworden", sinnierte Harry, während er das Gesicht seines Ehemannes musterte.

Wir schaffen es ja nicht mal unsere Katze zu erziehen. Als Eltern wären wir bestimmt eine Katastrophe."

So schlimm sind wir ja nun auch wieder nicht", protestierte der Dunkle entrüstet.

Oh doch, aber immerhin wäre unser Kind ein echter Herzensbrecher geworden. Zumindest, wenn es nach mir gekommen wäre."

Belustigt gab Harry dem Blonden einen Klaps auf den Rücken. „Jaja, Träum weiter, Malfoy."

 

Tbc...

Kapitel 8 von redangeleve

XX. Rette mich

 

Komm und rette mich - ich verbrenne innerlich

Komm und rette mich - ich schaff`s nicht ohne dich

Komm und rette mich

Rette mich - rette mich

 

(Tokio Hotel, Rette mich)

 

Hogwarts

„Harry, das ist Wahnsinn und das weißt du auch!" Erregt sprach Hermine auf ihren Freund ein, der wie ein aufgescheuchtes Huhn durch den Schlafraum rannte und mal diesen und mal jenen Gegenstand in den alten zerschlissenen Rucksack stopfte, den er von Dudley geerbt hatte.

Der dunkelhaarige Gryffindor hatte in Kräuterkunde extra eine von Fred und George`s Nasch- und Schwänz-Leckereien genommen, um den Unterricht zu schwänzen und Hermine hatte vorgegeben, ihn in den Krankenflügel bringen zu wollen.

„Hast du vielleicht eine bessere Idee?" fragte Harry sie scharf und nahm das Spiekeroskop aus seiner Truhe, legte es dann aber doch wieder zurück.

„Nein", gab Hermine kleinlaut zu. „Aber ich verstehe nicht, wieso du Dumbledore nicht von Mrs. Malfoys Hilferuf erzählt hast."

„Was glaubst du, warum sie mich gebeten hat?" fragte der Junge sie seufzend und setzte sich neben seine Freundin auf das Bett. „Wenn sie wirklich gewollt hätte, dass Dumbledore ihr hilft, dann hätte sie ihn darum gebeten und nicht mich."

„Und wenn es eine Falle ist?" fragte das Mädchen bedrückt. „Vielleicht haben sie und ihr Mann das Ganze geplant um dich an du-weißt-schon-wen auszuliefern."

„Das glaube ich nicht", antwortete Harry bestimmt. „Du hast sie nicht gesehen, Mine. Zwar war ihr Gesicht ausdruckslos wie immer, aber irgendetwas in ihrer Art war anders; bedrückt und besorgt. Sie hat Angst um Draco, das habe ich genau gespürt."

„Aber das ist doch noch lange kein Grund so Hals über Kopf allein nach Malfoy Manor fliegen zu wollen!" versuchte Hermine ihren Freund zur Vernunft zu bringen. „Selbst wenn es keine Falle ist, denke ich, dass das Haus mit mächtigen Zaubern geschützt ist."

„Gerade deshalb muss ich allein gehen", widersprach ihr der dunkelhaarige Gryffindor. „Eine Gruppe von Zauberern wird viel eher entdeckt als ein einzelner Junge."

„Ich mache mir nur Sorgen um dich", sagte sie seufzend, als sie erkannte, dass sie Harry nicht umstimmen konnte.

„Ich weiß, Hermine und glaub mir, wenn es eine andere Möglichkeit gäbe, würde ich nicht gehen, aber die gibt es nicht. Ich kann Draco nicht so einfach seinem Schicksal überlassen."

„Du und dein Heldenkomplex", foppte ihn das Mädchen, um den Ernst der Situation zu überspielen. Sie kramte aus ihrer Schultasche den aktuellen Tagespropheten hervor. „Warte wenigstens bis morgen, Harry. Laut diesem Artikel wird am Abend eine Gala zur Eröffnung des neuen Flügels für dauerhafte Fluchschäden des St. Mungo Hospitals gegeben. Die Malfoys sind Ehrengäste, weil sie eine große Summe für den Bau dieses Flügels gespendet haben."

Harry warf einen Blick auf die Stelle im Propheten und verzog angewidert das Gesicht. „Schon komisch, wo Mr. Malfoy vermutlich die meisten Patienten selbst dort hin geflucht hat."

Hilflos zuckte Hermine die Achseln. „Denen geht es doch nur um die Publicity, Harry. Die Menschen sind den Malfoys doch völlig egal. Jedenfalls sind deine Chancen größer, wenn Dracos Eltern nicht zu Hause sind."

„Vielleicht hast du recht", erwiderte der Junge seufzend. „In Ordnung, ich warte bis morgen. Hoffentlich komme ich dann nicht zu spät."

Aufmunternd legte das Mädchen einen Arm um ihn. „Du wirst sehen, es wird alles gut, Harry. Ich weiß es, alles wird wieder gut."

XXXXXX

Sie hat recht. Du und dein verdammter Heldenkomplex." Seufzend legte Draco die Notizen zur Seite und ging hinüber ans Fenster.

Wäre es dir lieber gewesen, ich wäre nicht zu deiner Rettung gekommen?" fragte Harry mit hochgezogenen Augenbrauen, als er neben ihn trat.

Natürlich nicht, aber was, wenn es wirklich eine Falle gewesen wäre?" gab der Blonde zurück, den Blick hinaus in den Garten gerichtet.

Dann hätte ich trotzdem alles getan, um uns beide lebendig da raus zu holen", antwortete der Dunkle ehrlich.

Und wärst möglicher Weise dabei getötet worden", erwiderte der Andere bitter.

Vielleicht", gab Harry schulterzuckend zurück.

Du dummer Gryffindor", schimpfte Draco und drehte sich zu seinem Ehemann. „Du riskierst alles, um mich aus einer vermeintlichen Gefahr zu retten, ohne zu wissen, ob wir überhaupt noch im selben Team spielen. Wenn du nun getötet worden wärst..."

...dann wäre das mein Schicksal gewesen", antwortete der Dunkle ruhig.

Nein, dann wäre die Zauberwelt untergegangen und Voldemort hätte Tod und Zerstörung über uns alle gebracht! Und es wäre letztendlich meine Schuld gewesen!"

Love, ich war mir auch damals sehr wohl bewusst, was von meinem Leben abhing, aber das ändert nichts daran, dass ich notfalls gestorben wäre, um dich zu retten."

Ich sag`s ja: Verdammter Heldenkomplex", brummte Draco, streichelte dabei aber zärtlich über die Wange des anderen Mannes.

Ich liebe dich auch", antwortete Harry lächelnd und zog den Blonden zu einem Kuss heran. 

XXI. In the Shadows

They say, that I must learn to kill

Before I can feel safe

But I, I`d rather kill myself

Than turn into their slave

 

(The Rasmus, In the Shadows)

 

Malfoy Manor

Unruhig ging Draco in seinem Zimmer auf und ab. Immer wenn er am Fenster angekommen war, warf er einen Blick in den weitläufigen Garten. Die Hitzewelle schien endlich ein Ende gefunden zu haben und es regnete schon den zweiten Tag hinter einander. Dicke Tropfen prasselten gegen die Scheibe und liefen in langen Bahnen hinunter auf das Fensterbrett. Die Welt draußen schien wie verwandelt, die sanften Pastellfarben waren verschwunden und alles erstrahlte in einem saftigen, dunklen Grün. Es war Dracos Lieblingsfarbe. Smaragdgrün, so wie Harrys Augen.

Unwillkürlich seufzte er leise auf. Zwar tat er alles, um die aufkommende Panik zurück zu drängen, aber so richtig erfolgreich war er damit nicht. Wieder warf er einen unruhigen Blick hinaus, obwohl er selbst nicht genau sagen konnte, was er dort eigentlich zu sehen erwartete. Selbst wenn Voldemorts Männer im Anmarsch sein sollten, würden sie kaum an seinem Fenster vorbei fliegen. Trotzdem tat er es immer wieder, schließlich war der Blick hinaus die einzige Abwechselung, die sein Gefängnis zuließ.

Nach dem Besuch seines Vaters hatte Draco die nächsten Tage damit verbracht, einen Ausweg aus seiner aussichtslosen Lage zu suchen. Stundenlang hatte er versucht, mit der Kraft seiner Gedanken den Riegel an der Tür zu öffnen, so wie Lucius es tun konnte, doch Draco musste sich eingestehen, dass die Kunst der zauberstablosen Magie über seine Fähigkeiten hinaus ging.

Auch die Hauselfen, die drei Mal täglich mit einem Tablett voller Essen in sein Zimmer apparierten, waren ihm keine Hilfe. Demütig, mit gesenktem Blick und hängenden Ohren überreichten sie ihm seine Mahlzeit und nahmen das alte Tablett wieder mit, ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen. Offenbar hatte Lucius ihnen verboten mit ihm zu sprechen.

Nie hätte Draco vermutet, dass einmal der Tag kommen würde, an dem er den Luxus eines eigenen Badezimmers verfluchen würde. Doch durch diese Tatsache, war ihm auch die mögliche Flucht auf dem Weg zur Toilette verwehrt.

Der einzige Besuch, der ihm gestattet war, war seine Mutter. Narcissa redete sowohl auf ihren Mann, als auch auf ihren Sohn mit Engelszungen ein, in der Hoffnung einen von ihnen bekehren zu können, doch es war vergebens. Wenn sie sich sonst schon nicht ähnlich gewesen wären, dann wären sie es auf jeden Fall in ihrer Sturheit.

Gedankenverloren blieb Draco am Fenster stehen und lehnte seine Stirn gegen die kühle Scheibe. Die Zeiger seiner Armbanduhr verrieten ihm, dass es fast Mittag war. Gestern hatte das Schuljahr wieder angefangen, doch er saß hier fest. Was Harry wohl gesagt hatte, als er nicht im Zug war? Vermutlich glaubte er wirklich, dass Draco ihn belogen hatte. Nichts bereute er so sehr, wie die vertane Möglichkeit, Harry die Wahrheit zu sagen. Wenn er wirklich durch den Dunklen Lord sterben sollte, würde Harry für immer glauben, dass Draco ihn verraten hatte.

Und die Anderen? Wie hatten sie wohl auf die Nachricht reagiert, dass er nicht wieder nach Hogwarts zurück kehren würde? Es gab vermutlich nicht viele, die darüber enttäuscht waren. Gerade die Gryffindors würden vermutlich den gestrigen Tag zum Feiertag erklären. Den Nie-wieder-Malfoy-Tag. Um Dracos Mund bildete sich ein harter Zug. Verflucht, er musste hier raus! Er musste einen Weg finden, um nach Hogwarts - und somit zu Harry - zurück zu kehren. Dort war er sicher. Dumbledore und Snape würden ihn beschützen. Sein Vater würde es nicht wagen, ihn von dort zu entführen, um ihn dem Dunklen Lord zu übergeben.

Aber wie sollte er dorthin kommen? Die Gitter an seinem Fenster waren aus massivem Metall und der Riegel an der Tür ebenso und selbst wenn er es schaffen sollte, aus seinem Zimmer zu entkommen, hatte sein Vater mit Sicherheit andere magische Barrieren im Haus aufgestellt und er war allein und hatte keinen Zauberstab. Es war hoffnungslos.

Draco fuhr herum, als er hinter sich das Geräusch des sich zurück schiebenden Riegels hörte. Die Tür öffnete sich und Narcissa Malfoy trat so lautlos wie gewöhnlich in den Raum. Wie immer sah sie hinreißend aus, in ihrer langen - heute in einem Brombeerton gehaltenen - wallenden Robe. Ihr goldenes Haar trug sie offen und es fiel ihr in wasserfallartigen Wellen fast bis zur Hüfte hinab.

„Guten Morgen, Draco", sagte sie und streckte die Hände nach ihm Sohn aus.

Der Junge nahm sie und ließ es zu, dass ihn seine Mutter in ihre Umarmung zog. „Guten Morgen, Mutter." Tief sog er den vertrauten Duft ein, erlaubte es sich nur einen Moment lang, in ihrer Berührung Trost zu empfinden.

Als sie sich wieder von einander lösten, musterte ihn die blonde Frau kritisch, dann warf sie einen Blick auf das unberührte Tablett auf dem Tisch. „Du hast wieder kein Frühstück gegessen", stellte sie tadelnd fest.

„Ich hatte keinen Hunger", verteidigte sich der Blonde.

„Die Hauselfen berichten mir, dass alle Tabletts, die sie von dir abholen, so gut wie unberührt sind."

„Was erwartest du?" fragte Draco sarkastisch. „Ich werde gegen meinen Willen hier festgehalten. Jeden Tag erwache ich in der Angst, dass der Dunkle Lord nach mir schicken lässt und du machst dir Sorgen darum, dass ich zu wenig esse!"

„Du wirst deine Kräfte brauchen", erwiderte seine Mutter erklärend. „Je schwächer du bist, desto weniger hast du ihm entgegen zu setzen, wenn er... wenn er..."

„Wenn er versuchen wird, mich zu brechen", beendete Draco ihren Satz bitter. „Das ist es doch, was passieren wird, Mutter. Nicht wahr?"

„Du hast keine Ahnung", flüsterte sie und eine Gänsehaut kroch ihre Arme empor. „Du weißt nicht, wie Er sein kann. Dein Vater ist ihm treu ergeben und selbst ihn straft Er regelmäßig mit einer unmenschlichen Grausamkeit. Bitte Draco, sei doch vernünftig und tu was von dir erwartet wird."

„Du weißt, dass ich das nicht kann, Mutter. Wenn es das ist, was der Dunkle Lord will, dann werde ich ihn nicht daran hindern können. Es sei denn, du hilfst mir, von hier zu verschwinden." Flehend sah er in ihr blasses Gesicht, das deutlich den inneren Kampf ihrer Gefühle verriet.

Narcissa schüttelte bedauernd den Kopf. „Es geht nicht, Draco. Selbst wenn ich es täte, wüsste er es sofort. Dein Vater hat diese Tür und das Fenster mit so vielen Zaubern belegt, dass es sofort eine Art von Alarm gibt, wenn du auch nur einen Fuß hinaus setzt."

„Dann traut er dir also auch nicht", stellte der Junge verwundert fest.

„Ich denke, im Moment traut dein Vater niemandem. Er steht sehr stark unter Druck, Draco. Schließlich hat er dich dem Dunklen Lord versprochen, aber bis jetzt noch nicht ausgeliefert. Er ist ziemlich verärgert über die Verzögerung."

Diese Nachricht war eine echte Überraschung für Draco. Hatte sein Vater etwa doch Skrupel bekommen? Nach seiner Rede im Zimmer seines Sohnes hatte Draco das für unmöglich gehalten, aber wenn es tatsächlich so sein sollte, war vielleicht doch noch nicht alles verloren.

„Ist Vater jetzt daheim?" fragte er beiläufig.

„Er hat sich zum Mittagessen angemeldet. Aber ganz sicher weiß man das bei ihm nie." Narcissa zuckte bestätigend die Schultern. „Ich werde dann gehen. Es ist besser, wenn er mich nicht hier vorfindet, wenn er kommt."

Ein weiteres Mal drückte sie ihn kurz, dann zog sie sich mit einem entschuldigenden Lächeln zurück. „Ich komme heute Abend wieder", versprach sie ihrem Sohn, bevor sie das Zimmer verließ und den schweren Riegel wieder vor die Tür schob.

Erneut starrte Draco hinaus in den Regen. Er wagte kaum zu hoffen, dass sein Vater tatsächlich seine Meinung geändert haben könnte. Was sollte diesen Stimmungswechsel verursacht haben? Wieso zögerte er, Draco an seinen Meister zu übergeben?

XXXXXX

Die Hauselfe hatte gerade die Reste von Dracos Mittagessen weggeräumt, als der Junge wahrnahm, dass der Riegel an seiner Tür ein weiteres Mal zurück geschoben wurde. Der blonde Junge erhob sich von seinem Stuhl, straffte seinen Rücken und verschränkte die Arme vor der Brust; so ruhig wie möglich abwartend, was nun auf ihn zukommen würde.

Festen Schrittes betrat Lucius Malfoy das Zimmer seines Sohnes. Beinah ebenso kritisch wie seine Frau, musterte er Draco von oben bis unten. Ihm entging weder, dass die zarte Farbe, die der permanente Sonnenschein auf Dracos Haut hinterlassen hatte, bereits zurück ging, noch übersah er die lila-blauen-Schatten, die sich aufgrund des Schlafmangels tief unter Dracos Augen eingegraben hatten. Doch er bewunderte den furchtlosen Blick, den ihm sein Sohn zuwarf, als er abwartend an die Fensterbank gelehnt, ihm entgegen sah.

„Draco", grüßte Lucius seinen Sohn.

„Vater", gab der Junge respektvoll zurück.

„Hast du dir unser Gespräch noch einmal durch den Kopf gehen lassen?"

„Ja Vater, das habe ich. Aber es ändert nichts an meiner Entscheidung. Ich werde kein Todesser."

Lucius starrte ihn lange an. Seine Augen waren wie glitzerndes Eis, doch sein Blick war lange nicht mehr so wütend, wie vor einigen Tagen, als Draco ihm dies das erste Mal gesagt hatte. „Es ist schade, dass du so denkst. Ich habe dir jede Chance gegeben, dich doch noch für uns zu entscheiden. Nun wirst du leider die Konsequenzen für diese Entscheidung tragen müssen."

Draco merkte, wie sein Herz bei diesen Worten schneller zu schlagen begann. Seine Hoffnung schwand dahin.

„Heute Abend um zwanzig Uhr werde ich dich abholen und wir werden ins Manor deiner Tante apparieren, wo sich der Dunkle Lord momentan aufhält. Also halte dich bereit."

Es schien, als warte Lucius darauf, dass sein Sohn Widerworte fand, doch Draco stand nur da und sah ihn an, unfähig ein weiteres Wort zu sagen. Seine Kehle war wie zugeschnürt, bei dem Gedanken an Voldemort. Es war, als hätte ihm sein Vater den Termin für seine Hinrichtung verraten. Für einen kurzen Moment lag ihm der Wunsch, seinen Vater anzuflehen, es nicht zu tun, auf der Zunge, doch Draco drängte ihn tapfer zurück.

Verdammt, er war ein Malfoy; er war stolz und er hatte keine Angst. Er würde dem Dunklen Lord gegenüber treten und ihm die Stirn bieten - und wenn es sein musste, danach mit Haut und Haaren untergehen...

XXXXXX

Warm prasselte das Wasser auf seine Schultern, als Draco mit gesenktem Kopf unter der Dusche stand. Er wusste nicht, weshalb es ihm so wichtig war, aber als der Abend über das Manor herein brach, hatte er den unbändigen Wunsch verspürt, vor dem Treffen noch eine Dusche zu nehmen. Vielleicht hatte er gedacht, dass es ihn entspannen würde, doch trotz des angenehm warmen Wassers zitterte der Junge am ganzen Körper.

Das Abendessen stand noch unberührt auf dem Tisch neben seinem Bett und Draco wusste, dass er keinen Bissen herunter bekommen würde. Der Lachs, das Roastbeaf und die Käsevariatonen hätten unter anderen Umständen appetitlich auf ihn gewirkt. Doch heute war es nur eine Henkersmahlzeit, nicht mehr und nicht weniger und er hatte nicht um sie gebeten.

Als er feststellte, dass seine Hände von der langen Dusche bereits einzuschrumpeln begannen, stellte Draco das Wasser ab und stieg aus der Dusche. Sorgfältig trocknete er seinen Körper ab und schlüpfte dann in die frische schwarze Robe, die er sich zurecht gelegt hatte. Er wusste, dass es Voldemort vermutlich egal war, was er an hatte, doch auch wenn dieser Tag sein letzter sein sollte, hatte Draco vor, mit Stil unterzugehen.

`Wenn schon ein toter Zauberer, dann wenigstens eine gutausehender`, dachte er bitter, als er sich vor dem Spiegel die nassen Haare kämmte. Unwillig seufzte er auf, als er sich eine weitere feuchte Strähne aus dem Gesicht strich. Ohne Zauberstab konnte er sie nicht trocknen, denn im Anwesen seiner Eltern gab es solche Muggeldinge wie eine Steckdose oder gar einen Fön natürlich nicht.

Abschließend legte er noch ein leichtes Eau-de-Toilette auf - um den Geruch der Angst zu übertünchen, wie er sich selbst gegenüber eingestand - dann ging er zu seinem Platz am Fenster und wartete.

Die Zeiger seiner Armbanduhr zeigten exakt zwanzig Uhr, als das Geräusch des Riegels, der zurück geschoben wurde, ihn aus seinen Gedanken riss. Draco straffte sich und zog die Maske der Gleichgültigkeit schnell über sein Gesicht, während er die Stelle fixierte, an der sein Vater das Zimmer betrat.

„Bereit, Draco?" fragte der blonde Mann, seinem Sohn zunickend.

Der Junge nickte zur Antwort zurück, dann folgte er Lucius langsam aus dem Zimmer. Dumpf klangen ihre Schritte auf dem glatten Marmor wieder, begleitet vom gleichmäßigen Klacken des Gehstocks, als sie die Treppe zur Eingangshalle hinunter gingen.

Obwohl Draco sich bemühte, den Blick stur geradeaus zu richten, nahm er aus dem Augenwinkel wahr, dass sein Vater humpelte. Ein verstohlenen Blick in Lucius Gesicht verriet ihm, dass die sorgfältig zur Schau getragene Arroganz Risse bekommen hatte. Ein Fremder hätte den harter Zug um den Mund des blonden Mannes gar nicht bemerkt. Doch Draco kannte seinen Vater gut genug, um zu wissen, dass er Schmerzen hatte. Trotzdem ließ er sich seine Entdeckung nicht anmerken. Er konnte nur ahnen, was zwischen Mittag und Abend vorgefallen war. Offensichtlich hatte sein Vater den Zorn seines Meisters auf sich gezogen und nun trug er die Konsequenzen dafür.

Als sie die Halle erreichten, wartete Narcissa bereits neben der Treppe ins Obergeschoss auf sie. Ihre Hände verkrampften sich in den Stoff ihrer Robe, als sie ihren Sohn neben seinem Vater gehen sah und sie sah aus, als würde sie jeden Moment in Tränen ausbrechen, doch sie schaffte es, sich zu beherrschen. Stumm trat sie vor Draco und legte die Hände auf seine Schultern, bevor sie ihn zu einem Kuss auf die Wange zu sich herab zog. Der Junge konnte ihr Herz durch die Kleidung wie wild schlagen fühlen und er merkte, wie sich ihre Hände in seine Robe krallten. Es schmerzte ihn, seine Mutter so leiden zu sehen, doch er wusste, sein Vater würde den Trost nicht billigen, den er ihr so gern spenden wollte, daher erwiderte Draco den Kuss schweigend, bevor er sich von ihr löste.

„Auf Wiedersehen, Mutter", sagte er leise und selbst das kam ihm wie eine Lüge vor.

Zur Antwort drückte sie erneut seinen Arm, dann drehte sie sich eilig um und stürzte die Treppe hinauf in ihre Zimmer. Ohne die leiseste Gefühlsregung hatte Lucius der Verabschiedung zugesehen, nun wandte er erneut das Wort an seinen Sohn.

„Es ist Zeit, Draco", sagte er und bot dem Jungen seinen Arm. Wortlos berührte Draco den Unterarm seines Vaters und schon einen Moment später begann die Welt um ihn herum zu verschwimmen.

XXXXXX

Es war schon viele Jahre her, seit Draco in dem Anwesen der Lestranges gewesen war. Seine Tante Bellatrix und sein Onkel Rodophus kannte er nur von Bildern. Über vierzehn Jahre saßen die beiden nun schon in Askaban, doch seit der Wiederauferstehung des Dunklen Lords waren sie ihrer Befreiung so nah, wie noch nie.

Die Lestranges waren ebenso wie die Malfoys eine alte, reinblütige Zaubererfamilie. Auch sie waren wohlhabend, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie Dracos Eltern. Doch die Galleonen im Verließ bei Gringotts hatten ausgereicht, um das Manor über die Jahre in Schuss halten. Als Draco am Arm seines Vaters vor der Tür des Herrenhauses apparierte, sah er sich neugierig um. Eine steinerne Treppe, welche von Gargoiles bewacht wurde, führte zu der großen, dunklen Tür, an der eine bronzener Türklopfer tronte.

Ohne zu zögern, klopfte Lucius an und keinen Augenblick später öffnete eine kleine, schrumpelige Hauselfe die Tür. Hochmütig sah der blonde Zauberer auf die kleine Kreatur herab, die unter seinem Blick noch mehr zu schrumpfen schien.

„Lord Malfoy", piepte sie mit zittriger Stimme und gab den Eingang frei, so dass Lucius mit seinem Sohn ins Innere des Hauses trat.

Die Eingangshalle war nicht so groß wie die in Malfoy Manor, doch auch hier hingen die Gemälde der vorherigen Besitzer an den Wänden und Draco fühlte sich von dutzenden Augenpaaren beobachtet, als er neben seinem Vater durch die Halle schritt. Vom Eingangsbereich gingen mehrere dunkle Türen ab. Vor einer dieser Türen blieb Lucius stehen und klopfte erneut.

Dieses Mal dauerte es länger, Draco kam es vor wie eine Ewigkeit, bevor eine Stimme sie herein befahl. Der Raum hinter der Tür war ein Salon. Ein großer, schwerer Esstisch mit einem Dutzend Stühle drumherum beherrschte die Atmosphäre des Zimmers. Über dem Tisch, der mit einem Wappen (vermutlich dem der Familie Lestrange) verziert war, hing ein schmiedeeiserner Kronleuchter, dessen verzauberte Kerzen den Raum in ein unwirkliches Licht tauchten.

Erst auf den zweiten Blick nahm Draco die Menschen wahr, die auf der anderen Seite des Raumes um einen Sessel am Kamin gruppiert standen. Einige der Männer, wie zum Beispiel die Väter seiner Kameraden Crabbe und Goyle erkannte er, auch wenn sie jetzt ihre Todesser Kleidung trugen. Die Person, die in dem Sessel saß, konnte Draco nicht sehen, doch die Haltung der Männer verriet eine derartige Demut, dass es nur einen Menschen gab, der dafür in Frage kam.

Sein Herz schlug schneller und seine Füße wollte ihm nicht mehr gehorchen, als er die Hand seines Vaters an seinem Rücken spürte, die ihn unweigerlich in Richtung des Kamins schob. Die Menge der dort versammelten Todesser teilte sich und er sah in den Gesichter der Männer Neid und Verachtung aufblitzen, als sie ihnen entgegen sahen.

Verzweifelt klammerte sich Dracos Blick an die Gesichter der Menschen, unwillig in das eine Gesicht zu sehen, dessen Augen er schon brennend auf sich ruhen fühlte.

„Herr." Ehrfürchtig ging Lucius Malfoy auf die Knie und küsste den Saum von Voldemorts Umhang.

„Lucius." Die kalte Stimme des Dunklen Lords schnitt tief in Dracos zitterndes Fleisch. „Draco."

Der Junge fühlte den Zwang in den Worten. Er wehrte sich, klammerte den Blick an den Mann zu seiner Rechten, doch gleichzeitig fühlte er, wie seine Augen Zentimeter um Zentimeter dessen Gesicht verließen und unweigerlich hin zu Seinem Gesicht wanderten.

Übelkeit stieg in Draco auf, als sein Blick den des Dunklen Lords traf. Kalte rote Augen musterten ihn kritisch, sahen bis in seine Seele.

„Komm her." Gegen seinen Willen bewegten sich seine Füße. Schritt für Schritt trat er näher auf Voldemort zu, ohne dass Draco seine Augen von dem weißen, schlangenartigen Gesicht nehmen konnte.

„Knie nieder."

`Nein!`dachte Draco. `Niemals!`

Gewichte, schwer wie Blei, senkten sich auf seine Schultern. Fest biss der Junge seine Zähne zusammen, straffte seinen Rücken, verschränkte die Arme vor der Brust. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, als die Last seinen Körper erzittern ließ, doch er war nicht bereit sich zu beugen. Es war ein wortloser Kampf, doch er dauerte nur Sekunden.

Ein leises Wimmern entwich Dracos Kehle, als seine Knie letztendlich nachgaben und er vor dem Dunklen Lord zusammen brach. Wenige Zentimeter neben seinem Vater kauerte er auf dem Boden, wütend nach Atem ringend.

„Sieh an, sieh an." Beinah schwang ein Lächeln in Voldemorts sonst so emotionsloser Stimme mit. „Du bist stark, Draco. Ein Kämpfer. Das ist gut. Genau das, was wir brauchen."

„Ein Kämpfer vielleicht, aber nicht für dich", schaffte der Junge zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor zu stoßen.

„Noch nicht. Aber ich bin sicher, du wirst deine Meinung ändern, Draco." Schaudernd fühlte der Junge die Hand des Dunklen Lords auf seinem Kopf. „Du erinnerst mich an deinen Vater, Draco. So stark, so furchtlos, so unbeugsam. Heute ist er einer meiner engsten Gefolgsleute, doch auch er musste erst überzeugt werden."

Vielleicht kam es Draco nur so vor, doch er glaubte für einen Moment, seinen Vater aus dem Augenwinkel zusammen zucken zu sehen.

„Gib mir deinen Arm, Draco." Fordernd streckte Voldemort seine weißen, langen Finger aus.

„Nein." So fest er konnte, schlang Draco seine Arme um sich. „Du wirst mich nicht zu deinem Sklaven machen."

Ungläubiges Gemurmel erhob sich unter den Männern, die der Szenerie bis eben schweigend beigewohnt hatten.

„Draco", zischte auch Lucius entsetzt. Seine Augen suchten die seines Sohnes und sein Blick hatte zum ersten Mal etwas Flehendes.

Das Gesicht des Dunklen Lords verriet keinerlei Gefühlsregung, als er sekundenschnell seinen Zauberstab auf den jüngeren Malfoy richtete.

„Crucio", stieß er zischend hervor und schon fühlte Draco den Schmerz wie glühend heiße Lava durch seinen Körper rasen. Jeder Muskel, jede Ader, jedes Härchen auf seiner Haut explodierte im Schmerz. Er fühlte, wie er auf den Boden fiel; sich zusammen krümmte; zuckend und ins Leere schlangend. Lautes Schreien erfüllte den Raum und seinen Kopf und Draco wurde unterschwellig bewusst, dass es seine eigenen Schreie waren, die er hörte.

Dann, so plötzlich wie er gekommen war, verschwand der Schmerz wieder. Für einen Moment schloss Draco die Augen, vergewisserte sich, dass er noch am Leben war. Sein Kopf dröhnte, seine Muskeln schmerzten dumpf und in seinem Mund war der Geschmack von Blut. Scheinbar musste er sich selbst gebissen haben.

„Dummer, kleiner Junge", hörte er Voldemort höhnen. „Ich will dich nicht verletzten, aber du machst es dir unnötig schwer."

Draco atmete tief. Am liebsten hätte er die Augen geschlossen gehalten, doch er wusste, das würde ihn nicht vor weiterer Folter verschonen. Mit purer Willenskraft öffnete er die Augen und setzte sich auf. Als er erneut den Blick seines Vater auffing, glaubte er darin eine Mischung aus Sorge und echter Bewunderung zu erkennen.

Das schließlich gab den Ausschlag. Draco straffte sich und streifte die Maske der Arroganz wieder über das Gesicht. Nein, er würde nicht klein beigeben. Er würde mit hoch erhobenem Kopf zu Grunde gehen.

So stolz wie möglich begegnete er dem Blick aus Voldemorts roten Augen. „Gib mir deinen Arm", forderte der Dunkle Lord erneut mit scharfer Stimme.

„Nein."

Die Panik, die er gefühlt hatte, als er diesen Raum betreten hatte, war einer seltsamen Ruhe gewichen. Fast schon lethargisch sah Draco ihm entgegen und wartete auf den unvermeidlichen Schmerz, als Voldemort erneut den Zauberstab hob. Der Fluch traf ihn heftig und schleuderte ihn erneut zu Boden, doch Draco begrüßte beinah die Qualen. Sein Körper zuckte, bäumte sich auf und seine Schreie gellten durch den Raum, so dass sich sogar einer der Todesser abwenden musste.

In dem Moment, als sich die weiche Decke der Bewusstlosigkeit über ihn legte, hörte er die Stimme seines Vaters rufen. „Herr! Bitte! Hört mich an! Ich habe Informationen für Euch!"

Dann ebbten die Schmerzen ab und alles wurde dunkel...

XXXXXX

Draco, du bist nicht der einzige Mensch in diesem Haus! Jetzt mach die Tür auf und lass mich ins Badezimmer!"

Geräuschvoll drehte der Blonde den Schlüssel herum und öffnete die Tür einen Spalt breit. „Fünf Minuten wirst du doch wohl noch warten können", meinte er grinsend an seinen draußen wartenden Gefährten gewandt, bevor er versuchte, die Tür erneut zu schließen. Doch Harry war schneller und schob einen Fuß in den Spalt.

Nein, kann ich nicht. Ich komme jetzt schon zu spät zur Arbeit", erwiderte er ungehalten und drängte sich an dem Blonden vorbei, der nicht mehr als ein Handtuch trug. Sofort schlug ihm dichter Neben entgegen.

Merlin, Draco, das ist ja das reinste Dampfbad hier drin", beschwerte sich der Dunkle und nahm seine beschlagene Brille ab. „Und jetzt raus, ich muss duschen."

Doch Draco machte keine Anstalten den Raum zu verlassen. „Potter, du hast nichts, was ich nicht schon mal gesehen hätte."

Sehr witzig, Malfoy", knurrte Harry gereizt. „Aber ich muss außerdem mal für kleine Gryffindors und das tue ich dann doch lieber ohne deine Gesellschaft."

Sicher, dass ich dir nicht zur Hand gehen kann?" fragte der Blonde und nestelte unschuldig am Rand seines Handtuchs herum.

Ganz sicher und jetzt raus hier!" Ungeduldig schob der Dunkle Draco zur Tür.

Wo sind nur die Zeiten hin, in denen wir alles geteilt haben?" schimpfte der Blonde beleidigt.

Vermutlich genau dort, wohin auch deine Unterwäsche ständig verschwindet", pisackte Harry ihn grinsend und stahl sich noch einen Kuss von seinem schmollenden Ehemann, bevor er die Tür schnell hinter sich verschloss.

XXXXXX

XXII. Not gonna get us

We`ll run away, keep everything simple

Night will come down, our guardian angel

We rush ahead, the crossroads are empty

Our spirits rise, they`re not gonna get us

 

Nothing can stop us, not now, I love you

They not gonna get us

They not gonna get us

(T.A.T.U., Not gonna get us)

Der Wind wehte kühl in sein Gesicht, als Harry auf seinem Nimbus über das nächtliche England hinweg flog. Eine Stunde lang hatte er stocksteif in seinem Bett gelegen und so getan, als schliefe er, bevor er es schließlich wagte, einen Illusionszauber über sein Bett zu legen und sich aus dem Schlafsaal zu schleichen.

Mit dem Tarnumhang und der Karte des Rumtreibers hatte er es geschafft, seinen Besen aus der Gerätekammer zu stibitzen und bis zu dem Geheimgang zu kommen, der direkt in den Keller des Lokals „Die drei Besen" in Hogsmeade führte. In der Gaststube herrschte noch reger Betrieb und niemand bemerkte den unsichtbaren Jungen, der sich vorsichtig an den Tischen vorbei nach draußen schlich. Erst außerhalb des Dorfes traute sich Harry, den Tarnumhang abzulegen und auf seinen Besen zu steigen.

Natürlich hatte sich Harry in einem Buch über alte, magische Gebäude in der Bibliothek darüber informiert, wo genau Malfoy Manor lag und dank Hermines Vier-Punkte-Zauber fand er seinen Weg trotz der tiefschwarzen Nacht problemlos. Die Wolken hingen schwer am Himmel, so dass weder der Mond, noch die Sterne zu sehen waren. Im Stillen dankte Harry dafür, dass es wenigstens trocken war. Das würde ihm gerade noch fehlen, dass es auf seinem ersten Langstreckenflug regnete.

Schon länger war er keiner menschlichen Siedlung mehr begegnet, als der Zauber ihm zeigte, dass er am Ziel war. Die Nacht war bereits fortgeschritten und Harrys Körper schmerzte von dem langen Flug. Erstaunt runzelte er die Stirn, denn er konnte weit und breit kein Haus ausmachen, nur Felder, Wiesen und einen dichten, weitläufigen Wald.

Trotzdem senkte er den Besen und setzte zur Landung an. Am Rande des Waldes, auf einem kleinen Feldweg, der mehr einem Trampelpfad als irgendetwas anderem glich, berührten seine Füße den matschigen Boden. Seufzend stieg Harry von seinem Nimbus und streckte seine steifen Glieder. Erschrocken fuhr er zusammen, als sich direkt neben ihm eine Eule aus ihrem Versteck im Wipfel einer Eiche in die Luft erhob.

„Es ist nur ein Vogel", sagte er leise zu sich selbst. „Nicht jede Eule überbringt Nachrichten."

Doch vorsichtshalber ging er in Deckung im hohen Buschwerk, das den Waldrand säumte und lauschte eine Weile auf die Geräusche um sich herum. Er hörte den Wind in den Baumwipfeln rauschen, die Grillen zirpen und die Mäuse im Unterholz rascheln, aber das war auch alles. Kein Laut deutete auf die Anwesenheit von Menschen hin.

Aufatmend verließ Harry sein Versteck und sah sich verstohlen um. Weit und breit war nichts zu sehen. Kein Haus, keine Hütte, nicht einmal ein Stall. Verunsichert führte der Junge den Ortungszauber noch ein zweites Mal durch, doch das Ergebnis war das selbe.

Malfoy Manor musste sich hier irgendwo verstecken, die Frage war nur wo. Sicher wusste Harry, dass auch Hogwarts durch mächtige Zauber vor den Blicken von Fremden verborgen lag, doch am eigenen Leibe zu erfahren, wie es war, blind durch die Gegend zu stolpern und nicht zu wissen, wo man suchen sollte, war eine neue Erfahrung für ihn.

Instinktiv wandte er seine Schritte den Trampelpfad entlang in den Wald hinein. Das Licht seines Zauberstabs reichte kaum aus, um sich in der Schwärze zurecht zu finden und einige Male stolperte Harry über Wurzeln und herunter gefallene Äste, so dass er beinah stürzte. Dichtes Gestrüpp zerkratzte seine Arme und riss an seiner Brille und seinen Haaren, doch der Junge kämpfte sich unbeirrt weiter. Er hatte vermutlich einige hundert Meter zurück gelegt, als er an einen alten, verwitterten Holzzaun kam. Es schien, als sei der Zaun einfach willkürlich quer durch den Wald gezogen worden, denn die Umgebung hinter dem Zaun sah nicht anders aus, als davor, doch Harry war sich sicher, am Ziel zu sein.

Ein Tor, das halb aus den Angeln hing, versperrte den weiterführenden Weg und als der Junge darauf zuging, fühlte er die Magie, die davon ausging. Eine unsichtbare Barriere tauchte plötzlich vor ihm auf und lähmte seine Schritte.

Konzentriert schloss Harry die Augen und murmelte den Spruch, den er gelernt hatte, um einen Illusionszauber zu beenden und als er wieder aufblickte, hatte sich das Bild vor ihm grundlegend geändert. Ein großes, schmiedeeisernes Tor spannte sich quer über eine breite Allee und blockierte den einzigen Weg, der durch die weiße Mauer auf das Grundstück führte. Doch obwohl Harry jetzt das wahre Hindernis erkannte, brachte ihn das seinem Ziel, das Tor zu durchqueren, kein Stück näher. Die unsichtbare Wand war unnachgiebig und ließ ihn nicht einen Schritt näher kommen.

„Ich frage mich..", murmelte Harry zu sich selbst und bestieg erneut seinen Besen. Es war nicht einfach, zwischen den Bäumen zu fliegen, doch er schaffte es einige Meter an Höhe zu gewinnen. Tatsächlich merkte der Junge, wie der Widerstand schwand und er konnte ungehindert über das Tor hinweg fliegen.

Auf der anderen Seite folgte er dem Weg zwischen den hohen Bäumen hindurch, bis sich diese nach etwa einem Kilometer teilten und den Blick auf eine große Lichtung freigaben. In der Dunkelheit konnte Harry nicht viel erkennen, doch er sah abgesehen vom drohenden, mächtigen Herrenhaus noch mehrere kleine Nebengebäude, außerdem Stallungen und einen großen, schwarzen See. Bei Tageslicht und unter anderen Umständen wäre er sicher beeindruckt gewesen, doch so beschränkte Harry seine Bewunderung auf ein Minimum und machte sich statt dessen daran, heraus zu finden, wo in diesem riesigen Haus, Draco stecken mochte.

Mehrere Male umrundete Harry auf seinem Besen das imposante Gebäude. Die großen Fenster des Herrenhauses waren dunkel und es wirkte, als sei das Haus verlassen, doch Harry blieb wachsam. Zu gut kannte er Lucius Malfoy und seine Todesser Freunde, um zu glauben, dass es keine weiteren Schwierigkeiten geben würde. Als er im ersten Stock des Hauses das Fenster mit den Gittern davor entdeckte, war sich Harry sicher, dass er gefunden hatte, wonach er suchte.

Vorsichtig schwebte er davor in der Luft und versuchte einen Blick ins Innere zu werfen, doch der Raum war dunkel und das Licht aus Harrys Zauberstab reichte nur wenige Meter in das Zimmer hinein. Prüfend rüttelte er an den Gitterstäben, nur um festzustellen, dass sie aus massivem Metall waren. Hier würde er nicht ins Haus gelangen.

Als Harry die beiden Fenster überprüfte, die an das vergitterte grenzten, erlebte er eine Überraschung: Eines von ihnen war nur angelehnt. Wachsam hielt er seinen Zauberstab erhoben, als er es einen Spalt breit öffnete und in den Raum dahinter blickte, jeden Moment mit einem Angriff rechnend. Doch nichts geschah, also kletterte er vorsichtig durch den Rahmen in den Raum, der offensichtlich ein Gästezimmer war. Im schwachen Licht sah er ein weißes Himmelbett und einen ebenfalls weißer Schrank, bevor er auf Zehenspitzen zur Tür schlich und diese leise öffnete.

Der Flur war ebenfalls dunkel. Die magischen Lampen an der Decke waren erloschen. Mehrere Türen gingen von beiden Seiten ab, doch nur eine hatte einen Riegel. So lautlos wie möglich schlich Harry hinaus. Sein Herzschlag schien ihm in der Stille des Hauses unnatürlich laut, als er zu dem verschlossenen Zimmer ging.

Der Riegel quietschte leise, als Harry ihn zurück schob und er glaubte, dass nun jede Minute ein Dutzend Todesser vor ihm auftauchen müssten, doch wundersamer Weise war das Geräusch scheinbar unbemerkt geblieben. Zögerlich öffnete der Junge die Tür und leuchtete mit seinem Zauberstab hinein.

Sein Herz machte einen Sprung, als er Draco auf dem Bett liegen sah. Der Blonde wandte ihm den Rücken zu und schien offenbar zu schlafen. Schnell schlüpfte Harry in den Raum und trat an das Bett seines Freundes. Erleichterung überflutete ihn, als er sah, wie sich Dracos Brust sanft hob und senkte. Merlin sei Dank, er war noch rechtzeitig gekommen.

„Draco", flüsterte der Junge und legte eine Hand auf die Schulter des Blonden. „Draco, wach auf."

Doch sein Freund schien ihn nicht zu hören.

„Draco", versuchte es Harry dieses Mal etwas lauter. Er rüttelte fordernd an dessen Schulter, doch wieder ohne Erfolg. Entweder schlief Draco zu fest oder der Schlaf war magischer Natur. In beiden Fällen gab es nur ein Mittel.

„Enervate", sagte Harry deutlich und richtete seinen Zauberstab auf den Blonden. Sofort öffnete Draco die Augen. Verwirrt setzte er sich in seinem Bett auf und sah seinen Freund an.

„Harry", sagte er und seine Stimme klang unnatürlich rau. Erst jetzt sah der Gryffindor die blutigen Striemen in Dracos Gesicht. „Wo bin ich? Was tust du hier?"

„Schsch", beruhigte ihn der Dunkle leise. „Vertrau mir. Keine Zeit für Erklärungen. Zieh dich an. Wir müssen hier weg."

Etwas unsicher kam Draco auf die Füße und sah sich in dem Raum nach Kleidung um. Er fand eine zusammen geknüllte Robe am Fußende des Bettes und steifte sie sich schnell über, während Harry ihm die Schuhe reichte, die vor dem Bett gestanden hatten.

Ohne weitere kostbare Minuten zu verlieren, schlichen die beiden Jungen aus dem Raum, durch den Flur, hinüber in das Gästezimmer durch das Harry gekommen war und in dem der Nimbus an die Wand gelehnt stand.

„Nimbus maximus", sagte Harry und deutete mit dem Zauberstab auf den Besen, der sich magisch um einige Zentimeter verlängerte und nun kräftiger wirkte, als vor dem Zauberspruch.

Sofort schwang der dunkelhaarige Junge ein Bein über den Besenstil und bedeutete auch seinem Freund aufzusteigen. „Komm, halt dich an mir fest."

Draco stieg hinter dem Gryffindor auf den Besen und legte seine Arme um dessen Taille, dann stießen sich beide Jungen vom Boden ab und schwebten einen halben Meter hoch in der Luft.

Vorsichtig dirigierte Harry sie beide durch den engen Fensterrahmen, dann gab er Gas und der Nimbus sauste hinaus in die wolkenverhangene Nacht.

Obwohl sein Puls so schnell raste, dass er glaubte, sein Herz müsste explodieren, erlaubte sich Harry den Luxus, das Gefühl zu genießen, das Dracos Körper in ihm auslöste, als er sich eng an ihn schmiegte. Es tat gut, nachdem sie so lange getrennt gewesen waren, die vertraute Wärme in sich aufsteigen zu spüren.

Die Landschaft der Lichtung jagte unter ihnen dahin und schon sah Harry den Waldrand vor ihnen auftauchen, doch trotzdem nahm er die Geschwindigkeit nicht zurück. So schnell es ging ohne dabei einen Crash zu erleiden, umkurvte der Nimbus die hohen Bäume. Sie überflogen das schmiedeeiserne Tor ohne abzubremen. Erst, als die Bäume lichter wurden und Harry den Waldrand im schwachen Licht der aufgehenden Sonne erahnen konnte, drosselte er die Geschwindigkeit.

Verwundert und erleichtert landeten sie auf einem abgemähten Feld. Der Gryffindor stieg als Erster vom Besen und drehte sich zu seinem Freund um. Draco sah erschöpft und verunsichert aus, aber er schien unverletzt zu sein. Auch Harry war nach der langen Nacht am Ende seiner Kräfte, als er den blonden Slytherin in seine Umarmung zog und küsste.

„Merlin sei Dank, du bist in Ordnung", sagte er, die Stirn gegen die des anderen Jungen gelehnt.

„Ich weiß zwar nicht, was passiert ist, aber ich denke, ich bin froh dich zu sehen", erwiderte Draco und es wunderte ihn, als er merkte, dass ihn das Lächeln schmerzte.

„Lass uns später weiter reden. Du hast mir mal erzählt, dass du apparieren kannst. Meinst du, du schaffst es, uns bis zu Hogwarts magischer Grenze zu bringen, ohne uns zu zersplittern?"

Draco schien einen Moment zu überlegen. „Ich habe noch mit jemandem Seite-an-Seite appariert", entgegnete er unsicher.

„Um ehrlich zu sein, ich schaffe es nicht, den ganzen Weg zurück zu fliegen und mit dir hinten drauf, schafft der Nimbus auch keine Höchstgeschwindigkeit. Aber unterwegs zu rasten ist zu gefährlich."

Seufzend zuckte Draco die Schultern. „Dann habe ich wohl keine andere Wahl."

Er bot seinem Freund seinen Arm an. „Wenn wir uns zersplittern, dann wenigstens zusammen", scherzte er matt.

„Das ist doch mal ein Angebot", erwiderte der Dunkle sarkastisch, berührte dann aber trotzdem den Unterarm des Blonden. Ein paar Vögel schossen erschrocken in die Höhe, als ein lautes „Plopp" ertönte, dann waren die beiden Jungen verschwunden.

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Autor`s Note (weder Harrys noch Dracos Erinnerung)

Lestrange Manor

„Herr." Demütig kniete Lucius auf dem kalten Steinfußboden, den Blick eisern auf den Saum des Umhanges vor ihm gerichtet.

„Ist alles so geschehen, wie ich es angeordnet habe?" fragte der Dunkle Lord seinen Untergebenen mit schneidender Stimme.

„Ja, Herr. Sie sind entkommen", erwiderte der blonde Zauberer leise.

„Gut." Voldemort wandte sich ab.

„Bitte, Herr", begann Lucius erneut, eine Hand am Umhang seines Herrn.

„Was willst du noch, Lucius?" spuckte ihm der Dunkle Lord entgegen. „Ich habe dir mein Wort gegeben, reicht dir das etwa nicht mehr?"

„Natürlich, Herr", beeilte sich der Blonde zu versichern. „Es ist nur..."

„Nur, was?"

„Er ist mein einziges Kind", flüsterte Lucius kaum hörbar.

„Ihm wird kein Haar gekrümmt werden, so ist die Vereinbarung. Er wird seinen Teil der Abmachung erfüllen und ich werde daraufhin jede Erinnerung an Harry Potter aus seinem Gedächtnis löschen. Und jetzt verschwinde von hier."

Von einem unsichtbaren Tritt getroffen, taumelte der andere Mann nach hinten. „Danke, Herr", murmelte er demütig, als er sich aufrappelte, um eilig nach Hause zu apparieren.

Tbc....

Kapitel 9 von redangeleve

XXIII. Don`t give up

Don`t give up

`cos you have friends

Don`t give up

You`re not beaten yet

Don`t give up

I know you can make it good

(Peter Gabriel, Don`t give up)

In dem Moment, in dem die beiden Jungen von dem Feld disapparierten, fühlte Draco bereits das Zerren an seinem Körper und an seinem Geist. Es war, als würde die Magie versuchen, ihn auseinander zu reißen. Mit halb geschlossenen Augen konzentrierte er sich auf ihr Ziel, seine Hand umklammerte fest die von Harry, die auf seinem Unterarm lag.

Er merkte, wie ihn eine eigenartige Taubheit erfasste, doch Draco schüttelte sie verzweifelt ab. Nein, er musste sich zusammen reißen. Er hatte sich noch nie zersplittert und er hatte auch nicht vor, gerade heute damit anzufangen. Nach einer gefühlten Ewigkeit bemerkte er erleichtert, dass die Welt sich langsamer um sie drehte, dann tauchten die bekannten grünen Hügel auf, die Hogwarts umrandeten. Mit letzter Kraft apparierte er sie auf eine Wiese in der Talsohle, doch gerade als seine Füße den Boden berührten, knickte er ein und verlor das Bewusstsein.

„Draco!" rief Harry erschrocken aus, als er landete und ihn Dracos Gewicht mit nach unten zog. Besorgt kniete er sich neben den Blonden, der schwer atmend zusammen gesunken war. Erleichtert stellte er fest, dass sein Freund scheinbar einfach ausgepowert war. Er war selbst zum Umfallen müde und erschöpft, doch als er die Mauern von Hogwarts auf dem Hügel über ihnen sah, fühlte er eine Welle der Erleichterung in sich aufsteigen, die ihm neue Kraft gab.

Der Gryffindor traute sich nicht, erneut den Erweckungszauber durchzuführen, da er keine Erfahrung darin hatte, was passierte, wenn man ihn mehr als einmal anwendete, deshalb verpasste er Draco kurzer Hand einen Locomotor-Zauber und ließ ihn neben sich her schweben, während er den Hügel nach oben kletterte.

Noch immer war es früher Morgen und der Schein der Sonne war noch blass, als sie langsam am Horizont empor stieg. Harrys Hände, die auf der einen Seite den Besen umklammerten und auf der anderen Seite den Zauberstand auf seinen Freund gerichtet hielten, fühlten sich klamm und taub an. Der Tau auf den Gräsern, die seine Beine streiften, durchtränkte seine Hose und ließ ihn frösteln. Er hatte nicht mehr als einen dünnen Umhang über seinem T-Shirt und seiner Jeans und die frühen Morgenstunden waren doch kälter als gedacht. Sein Blick glitt zu Dracos Körper, der unnatürlich schlaff neben ihm in der Luft schwebte. Der Kopf hing nach hinten überstreckt und die Arme baumelten neben seinem Körper herab. Auch er trug nicht mehr, als die Robe, die sie am Fußende seines Bettes gefunden hatten. An einen Umhang hatten sie in der Eile nicht gedacht, doch vermutlich spürte Draco die Kälte in seinem Zustand ohnehin nicht.

„Was machst`n du hier, Harry?" fragte eine tiefe Stimme, mitten in Harrys Gedanken und der Junge wäre beinah vor Schreck nach hinten umgekippt, als Hagrid`s massige Gestalt unmittelbar vor ihm auftauchte. Der Wildhüter von Hogwarts hatte einige tote Frettchen über seiner Schulter. Wenige Meter hinter ihm hechelte Fang, der Saurüde, der ebenfalls ein totes Frettchen im Maul trug.

„Hagrid", sagte Harry erleichtert, nachdem er sich wieder gefangen hatte. „Du bist es nur."

„Ja, bin nur ich. Aber was tust du so früh hier draußen?" Der Halbriese musterte den Dunkelhaarigen besorgt, dann ließ er seinen Blick über den bewusstlosen Körper neben ihm gleiten. „Und vor allen Dingen: Was macht der hier?"

„Ehrlich gesagt, Hagrid, kann ich dir das jetzt nicht erklären. Ich war die ganze Nacht unterwegs und bin total fertig. Kannst du mir helfen, Draco in die Krankenstation zu bringen?"

Unentschlossen kratzte sich Hagrid am Bart. „Hast du Ärger Harry? Hat er dir Ärger gemacht?"

Der Gryffindor merkte, wie seine Knie zitterten und er hatte keine Lust, auf weitere Diskussionen. „Nein, Hagrid. Ich erkläre dir das später, aber jetzt muss ich Draco wirklich ins Schloss bringen und dann ins Bett."

Einen Moment schien der Halbriese noch zu überlegen, dann zuckte er die Schultern. „Okay, Harry. Weil du`s bist." Er nahm den schlaffen Slytherin wie eine Puppe und legte ihn sich über die Schulter, neben die toten Frettchen.

Auch wenn Harry zum Umfallen erschöpft war, musste er zugeben, dass das nicht einer gewissen Ironie entbehrte.

Der Junge schaffte es kaum, mit Hagrids langen Beinen Schritt zu halten, als sie den restlichen Hügel zusammen erklommen. Fang tänzelte um sie beide herum, scheinbar immer noch voller Energie von der erfolgreichen Jagd. Die Zifferblatt über dem Portal zeigte sieben Uhr, als sie die schwere Eingangstür erreichten. Mit einem knappen Befehl schickte Hagrid den Hund zu seiner Hütte am Wandrand und Fang leistete, wenn auch widerwillig, Folge. Harry war dankbar, dass es noch so früh war, denn so musste er nicht befürchten, dass sie von irgendwelchen Schülern gesehen wurden.

Das letzte, was er jetzt brauchte, waren neugierige Blicke oder penetrante Fragen. Jetzt wo sie in Sicherheit waren, wollte er nur noch Draco in der Obhut von Madame Pomfrey lassen und dann in sein herrlich weiches Bett im Gryffindor Turm schlüpfen. Es war ihm egal, was die anderen sagen würden, wenn er sich schon wieder krank meldete, aber so kaputt wie er war, war an Unterricht gar nicht erst zu denken.

Die Eingangshalle lag ausgestorben da, nur die Bewohner der Portraits an den Wänden waren bereits munter. Als Harry zusammen mit Hagrid und dem immer noch bewusstlosen Draco die Treppen nach oben hinauf stieg, reckten die gemalten Personen neugierig die Hälse. Einige deuteten mit dem Finger auf sie, andere steckten flüsternd die Köpfe zusammen und wieder andere eilten sofort in den nächsten Rahmen, um die Neuigkeiten zu verkünden. Harry runzelte unwillig die Stirn. Es würde wohl nicht sehr lange dauern, bevor sich ihre Rückkehr im Schloss herum sprach.

XXXXXX

Stöhnend streckte Harry seine steifen Glieder. Sein Kopf summte von den vielen Fragen, die er seit seiner Ankunft im Krankenflügel beantwortet hatte. Nachdem er Draco zu Madame Pomfrey gebracht hatte und ihr in kurzen Worten die Situation geschilderte, war Professor Dumbledore gekommen und hatte ihn zu den Ereignissen der Nacht befragt. Der alte Mann schien sehr besorgt, doch Harry hatte ihm versichert, dass sie beide wohl auf waren.

Kaum, dass er seine Erzählung beendet hatte, kam Professor Snape zur Tür herein gerauscht. Er würdigte Harry keines Blickes, sondern ging sofort durch die gegenüber liegende Tür zu seinem Schüler, gefolgt von Professor Dumbledore, der Harry, empfahl, sich hinzulegen, doch dieser war auf einen Schlag wieder hellwach.

Zum Einen wollte er in Dracos Nähe bleiben und zum Anderen hatte er Angst davor, dass sich die Neuigkeit von ihrer gemeinsamen Rückkehr schon bis zum Gryffindor Turm herum gesprochen hatte.

Jetzt saß er im Vorraum der Krankenstation und wartete ungeduldig darauf, dass die beiden Männer wieder heraus kamen, die vor einer gefühlten Ewigkeit den Krankensaal betreten hatten. Was dauerte da drin bloß so lange? Vorsichtig öffnete Harry die Tür einen Spalt breit und spähte hinein. Snape und Professor Dumbledore standen vor einem weißen Paravent und redeten mit gedämpfter und doch sehr eindringlicher Stimme miteinander. Die Miene der beiden Männer verhieß nichts Gutes. Durch den weißen Stoff des Paravents sah Harry die Konturen seines Freundes, der im Bett dahinter schlief.

„... kann unmöglich hier bleiben", hörte Harry Snape sagen.

Professor Dumbledore wiegte bedenklich den Kopf. „Das Risiko ist einfach zu groß."

„Zumal davon auszugehen ist, dass der Dunkle Lord von seiner Verbindung zu Potter weiß", fügte der Zaubertränke-Lehrer hinzu.

„Was schlägst du also vor, Severus?" fragte der Ältere und sah den Schwarzhaarigen durch seine Halbmondbrille ernst an.

„Er muss fort von hier. So schnell wie möglich."

„Nein!" Bevor Harry überhaupt wusste, was er tat, hatte er die Tür aufgestoßen und kam in den Raum gestürzt. „Sie dürfen Draco nicht zurück schicken!"

„Harry...", versuchte Professor Dumbledore seinen Schüler zu beruhigen.

„Sein Vater wird ihn umbringen, wenn Sie ihn zurück schicken! Er wollte ihn zu Voldmort bringen! Er sollte ein Todesser werden, wie er!"

„Es zu spät, Harry. Das hat er schon getan."

Der dunkle Gryffindor wollte gerade zu einem weiteren Widerspruch ansetzten, als Dumbledores Worte in sein Bewusstsein sickerten. Mit offenem Mund stand Harry da und sah seinen Direktor ungläubig an. Es war ihm, als hätte ihn ein Klatscher mitten in die Magengrube getroffen. Er war so erleichtert darüber gewesen, Draco unverletzt vorzufinden, dass er an diese Möglichkeit überhaupt nicht mehr gedacht hatte.

„Was?" brachte er mit krächzender Stimme hervor.

„Draco Malfoy trägt das Zeichen der Todesser auf seinem Arm", antworteter Snape mit kalter Stimme.

„Aber das...das ist unmöglich", stammelte Harry entsetzt. „Er hätte niemals freiwillig..."

„Ich weiß." Mitfühlend legte Dumbledore eine Hand auf Harrys Schulter. „Vermutlich hat er es auch nicht freiwillig getan. Professor Snape hat Spuren an Draco gefunden, die auf den Cruciatus-Fluch schließen lassen."

In Harrys Kopf drehte sich alles. Er hörte Hermine`s Stimme, wie sie zu ihm sagte: „Egal ob freiwillig oder nicht, wenn er wirklich ein Todesser ist, gibt es kein zurück mehr."

„Was...was tun wir jetzt?" hörte er sich selbst fragen.

Der alte Mann seufzte leise. „So leid es mir tut, aber Draco kann nicht in Hogwarts bleiben. Es ist zu gefährlich."

„Sie können ihn nicht weg schicken!" widersprach ihm Harry und wandte sich dann an Professor Snape. „ Er ist doch Ihr Schüler. Sie können ihn doch nicht aufgeben!"

„Wer hat etwas von `aufgeben` gesagt?" erkundigte sich Snape frostig. „Mr. Potter, als Dracos Pate liegt mir eine Menge an seinem Leben, aber als Lehrer muss ich auch an die anderen Schüler - Sie eingeschlossen - denken, die er in Gefahr bringt."

„Denken Sie, die Todesser werden kommen, um ihn zu holen?" fragte Harry besorgt.

Snape ließ ein humorloses Lachen hören. „Mr. Potter, selbst Sie sollten nicht so naiv sein zu glauben, dass Mr. Malfoy seine `Rettung` allein Ihrem leichtsinnigen Heldenmut zu verdanken hat. Ich war selbst in Malfoy Manor, mit Sicherheit öfter als Sie in der Bibliothek von Hogwarts waren. Keine Maus verlässt dieses Grundstück, ohne dass Lucius es weiß. Und dann kommen Sie so mir nichts dir nichts und fliegen mit seinem Sohn davon? Warum glauben Sie, hat niemand Sie aufgehalten?"

Harry zuckte hilflos die Achseln. „Glück?"

„Sie Narr, Glück ist eine Illusion. Er hat Sie mit voller Absicht entkommen lassen."

„Warum sollte er das tun?"

„Genau das ist die Frage, nicht wahr? Warum sollte er Draco entkommen lassen - und dann auch noch mit Ihnen, wo der Dunkle Lord doch nichts mehr will, als Sie in seiner Gewalt zu haben - wenn nicht auf Befehl seines Meisters?"

„Sie glauben, dass er Draco... dass Draco gefährlich ist?"

Snapes Augen musterten Harry kalt. „Ich glaube gar nichts, Potter. Alles was ich weiß ist, dass Mr. Malfoy mit äußerst geringen Verletzungen davon gekommen ist und ich frage mich, was wohl der Preis dafür gewesen ist."

„Sie könnten Draco fragen. Mit Veritas-Serum, wenn er wieder bei Bewusstsein ist."

„Sie denken, Sie wissen alles, nicht wahr Potter?" spottete Snape giftig. „Als ob ich daran nicht schon selbst gedacht hätte. Aber der Punkt ist, dass Mr. Malfoy nichts mehr weiß. Madame Pomfreys Diagnose-Zauber haben einen Oblivate-Zauber entdeckt: Sein Gedächtnis ist verändert worden. Egal, was er dort gesehen hat und was er dem Dunklen Lord gesagt haben mag - Draco wird es uns nicht mehr sagen können."

Harrys Hände krampften sich unwillkürlich zusammen. „Draco ist nicht Voldemorts Marionette", sagte er bestimmt.

Der Zaubertränke-Lehrer versah ihn mit einem Blick, den man beinah als mitleidig bezeichnen konnte. „Draco hat gar keine Wahl. Er ist ein Todesser. Finden Sie sich damit ab, Potter."

„Nein, das werde ich nicht und ich kann auch nicht glauben, dass Sie es so einfach tun. Ich für meinen Teil werde nicht zulassen, dass Sie Draco von hier wegschicken."

„Ihr junges Glück in allen Ehren, Potter", schnarrte Snape böse. „Aber es geht hier um die Sicherheit der Schüler."

„Ich glaube an Draco und wenn es sein muss, garantiere ich für ihre Sicherheit."

„Hochmütig wie immer, Potter. Was denken Sie, werden Sie tun, wenn der Dunkle Lord Draco zu sich ruft?"

Harry schluckte hart. „Dann werde ich ihn aufhalten." Er suchte erneut Professor Dumbledores Blick. „Bitte, geben Sie ihm eine Chance. Er mag das Zeichen der Todesser haben, aber er ist keiner von ihnen. Ich weiß es. Bitte."

Der alte Mann sah von Harry zu Snape, der kaum merklich den Kopf schüttelte und wieder zurück. Dann seufzte er leise. „Ich weiß, dir liegt etwas an Draco und ich weiß, dass deine größte Stärke dein Herz ist, Harry. Hoffentlich weißt du auch, welch große Bürde du dir selbst auferlegst, indem du ihm vertraust."

Erleichtert atmete der Gryffindor auf, erkannte er doch an den Worten, dass Dumbledore bereit war, Draco in Hogwarts zu lassen. „Ja, ich weiß es. Aber ich denke, er ist es wert. Danke, Professor. Vielen Dank."

XXXXXX

Severus hatte immer so eine herzliche Art, einem die Wahrheit zu servieren", resümierte Draco mit einem Augenzwinkern.

Muss ja unheimlich erfrischend gewesen sein, mit ihm als Paten aufzuwachsen", mutmaßte Harry sarkastisch.

Es hatte seine Vorteile", erwiderte der Blonde achselzuckend. „Ich habe meinen ersten Zaubertrank gebraut, kaum dass ich laufen konnte."

Kein Wunder, dass ich dich in dem Fach nie schlagen konnte."

Das hättest du auch nicht gekonnt, wenn Snape nicht mein Pate gewesen wäre. Für Zaubertränke fehlt dir einfach das Talent, Potter."

Hey, für meinen Schrumpfungstrank habe ich sogar mal ein `annehmbar` bekommen!"

Wahrscheinlich war er genauso `annehmbar`, wie der Eintopf, den du kochst", stichelte Draco grinsend.

Unwillig zog Harry die Augenbrauen zusammen. „Was stimmt denn nicht mit meinem Eintopf?"

Ach gar nichts. Er ist genau das, was der Name sagt: Ein Topf. Nur der Inhalt lässt zu wünschen übrig."

Noch ein Wort und du kannst sehen, was du heute ist."

Wie wäre es, wenn wir den so genannten Eintopf der Katze geben und statt dessen mal wieder ausgehen?"

Nur wenn du zahlst."

Einverstanden." Der Blonde wackelte anzüglich mit den Augenbrauen. „Du kannst es ja später bei mir abarbeiten."

                                                                                    XXIV. No sleep

No sleep

No sleep until I`m done with finding the answer

Won`t stop

Won`t stop until I find a cure for this cancer

Sometimes

I feel like going down and so disconnected

Somehow

I know that I am haunted to be wanted

( The Rasmus, In the Shadows)

Noch eine ganze Weile nachdem die beiden Männer die Krankenstation verlassen hatten, stand Harry einfach nur da, unfähig sich zu rühren oder einen klaren Gedanken zu fassen. Er wusste nicht, was er tun oder wohin er gehen sollte. Madame Pomfrey hatte ihm angeboten, sich hier auf der Krankenstation auszuschlafen, doch Harrys Kopf war zu voll, um überhaupt an Schlaf zu denken. Seine Gedanken überschlugen sich förmlich: Wie sollte es weiter gehen? Wie sollte er sich Draco gegenüber verhalten? Was würde aus ihrer Beziehung werden? Und wie würde er das Versprechen, das er Dumbledore gegeben hatte, einhalten können?

So viele Fragen und Harry hatte keine Antwort parat. Er hatte immer nur bis zu dem Punkt gedacht, an dem er Draco aus Malfoy Manor heraus holen würde. Die Möglichkeit, dass seine Rettungsmission scheitern würde, hatte er nie in Betracht gezogen. Sollte es wirklich alles umsonst gewesen sein? Hatte er Draco gerettet, nur um ihn dann doch zu verlieren? Nein, er konnte und wollte es nicht glauben. Es musste eine Lösung geben.

`Aber wenn selbst Dumbledore und Snape keine Lösung wissen?`fragte die böse, kleine Stimme in seinem Hinterkopf.

"Dann muss ich sie eben selbst finden`, erwiderte er stur.

`Dummer Gryffindor-Heldenmut`, wies ihn die Stimme zurecht, doch er verbot ihr, auch nur noch ein einziges, weiteres Wort zu sagen. Er würde eine Lösung finden und damit basta.

Mit diesem festen Vorsatz machte Harry sich schließlich auf zum Gryffindor Turm. Er konnte nicht ewig hier stehen und grübeln. Außerdem würde es dort jetzt angenehm ruhig sein, da die anderen noch bis zum Mittag im Unterricht waren.

Harry nannte der fetten Dame das gültige Passwort und sie schwang zur Seite, natürlich nicht, ohne einen Kommentar zu seiner zerknitterten und übernächtigten Erscheinung abzugeben. Zu seiner Überraschung war der Gemeinschaftsraum nicht so leer wie gehofft. Hermine saß über ein Pergament gebeugt und füllte es Zeile um Zeile mit ihrer winzigen Handschrift. Auf dem Tisch vor ihr stapelten sich ein gutes Dutzend Bücher. Als sie das Geräusch des sich öffnenden Eingangs hörte, blickte das Mädchen auf.

„Harry!" rief sie erleichtert. Sofort sprang sie von ihrem Sessel auf und stürmte auf ihn zu. „Merlin sei Dank, du bist zurück. Ich bin vor Sorge schon ganz verrückt geworden." Stürmisch schloss sie ihn in ihre Arme.

„Beruhige dich, Mine. Mir geht`s gut", beruhigte Harry sie, von der stürmischen Begrüßung etwas überrumpelt. „Was machst du überhaupt hier? Müsstest du nicht in Pflege magischer Geschöpfe sein?"

„Die Stunde fällt aus. Hagrid musste in den Verbotenen Wald. Einer der Zentauren hat sich bei einem Sturz mehrere Rippen gebrochen, aber er weigert sich, zu Madame Pomfrey in die Krankenstation zu kommen."

„Wäre vermutlich auch ein wenig schwierig bei den ganzen Treppen", erwiderte Harry. „Ich habe mich schon immer gefragt, wer auf die eigenartige Idee gekommen ist, die Krankenstation in einem der Türme unterzubringen."

„Keine Ahnung", antwortete das Mädchen schulterzuckend. „Vielleicht weil es dort ruhiger ist für die Kranken. Aber jetzt erzähl mir, was passiert ist. Die Gerüchteküche brodelt schon mächtig seit die Portraits dich und Hagrid mit einem bewusstlosen Malfoy haben zurück kommen sehen."

Harry merkte, wie sein Magen einen Satz machte. Jetzt wusste die ganze Schule, dass da irgendetwas im Gange war und zweifelsohne würden sie ihn so lange mit Fragen bestürmen, bis er ihnen eine zufriedenstellende Antwort gegeben hatte.

Interessiert musterte ihn Hermine, als ihr Freund hart schluckte. Die Ereignisse der Nacht wurden vor seinem inneren Auge erneut lebendig. „Es ging alles so glatt, Hermine. Ich konnte das Manor fast ohne Schwierigkeiten finden. Den Zauber, der das Grundstück abschirmte, konnte ich einfach überfliegen und auch im Haus selbst, gab es keine Wachzauber. Nur das Fenster zu Dracos Zimmer war vergittert und seine Tür verriegelt, aber wir konnten davon fliegen, ohne dass jemand versucht hätte, uns aufzuhalten."

Nachdenklich runzelte das Mädchen die Stirn. „Eigenartig. Du hast niemanden gesehen? Nicht einmal eine Hauselfe?"

„Nein. Es war niemand da. Das ist auch der Grund, weshalb Snape denkt, dass es eine Falle war."

„Du hast mit Snape gesprochen?" Erschrocken riss Hermine die Augen auf.

Harry nickte. „Er kam auf die Krankenstation, gleich nach Dumbledore. Er meinte, dass Dracos Vater und Voldemort gewusst haben, dass ich ihn befreien würde. Und sie haben mich ziehen lassen."

„Ich verstehe nicht", erwiderte die Freundin verwirrt. „Warum sollten sie das tun?"

Harry atmete schwer. Es auszusprechen bedeutete, es als Wirklichkeit zu akzeptieren. „Draco hat das Dunkle Mal. Ich bin zu spät gekommen."

„Oh Harry." Mitfühlend drückte Hermine seinen Arm. „Es tut mir so leid. Aber wieso ist er dann mit dir gekommen?"

„Draco ist oblivatet worden. Er war total verwirrt, als ich ihn gefunden habe. Ich denke, er weiß nicht einmal, dass er das Mal hat."

„Du kannst ihm jetzt nicht mehr trauen, Harry. Er ist ein Todesser. Auch wenn er sich nicht mehr erinnern kann, weißt du nicht, welche Befehle du-weißt-schon-wer in seinen Kopf gepflanzt hat."

„Das haben Dumbledore und Snape auch gesagt. Aber das glaube ich nicht, Hermine. Draco ist kein Todesser. Ich werde ihm helfen, dagegen anzukämpfen."

„Harry, wenn man das Dunkle Mal trägt, gibt es keine Wahl."

„Ich weiß, ich weiß", antwortete der dunkle Gryffindor erregt. „Aber ich werde eine Lösung finden. Ich muss eine Lösung finden. Ich bin nicht nach Malfoy Manor geflogen, um jetzt einfach aufzugeben!"

„Ich weiß, Harry. Und wenn es eine Möglichkeit gibt, werden wir sie finden. Ich werde gleich nach dem Unterricht anfangen, in den Büchern der Bibliothek danach zu suchen."

„Danke, Hermine."

„Wofür sind Freunde da? Aber was sagen Snape und Dumbledore? Wie soll es weiter gehen?"

„Sie wollten ihn fort bringen. Ich weiß nicht, wohin. Sie meinten, es wäre zu gefährlich, wenn er hier bleibt. Aber ich habe mein Wort gegeben, dass Draco nicht gefährlich ist und dass ich alles tun werde, um für die Sicherheit der Schüler zu garantieren."

„Und darauf sind sie eingegangen?" fragte Hermine zweifelnd.

„Dumbledore hat versprochen, Draco eine zweite Chance zu geben. Ich denkt, dass er genau wie ich daran glaubt, dass wir ihn retten können."

„Oder er will ihn ganz einfach lieber hier haben, wo er ein Auge auf Draco haben kann, als ihn irgendwo hin zu schicken, wo du-weißt-schon-wer ihn jederzeit wieder zu sich rufen kann", dachte Hermine laut.

„Egal aus welchem Grund. Ich bin einfach nur froh, dass wir erst einmal in Sicherheit sind", antwortete Harry ehrlich. „Ich bin müde, dass ich glatt im Stehen schlafen könnte, aber gleichzeitig gehen mir so viele Gedanken durch den Kopf."

„Ich habe noch ein Fläschchen Traumlostrank, den ich dir geben könnte", bot ihm die Freundin an. „Madame Pomerey hat ihn mir gegeben, als ich wegen der ZAGs nicht schlafen konnte."

„Oh ja, das wäre jetzt genau das Richtige", stimmte ihr Harry zu.

„Ich lauf schnell hoch und hole ihn aus meiner Truhe", sagte Hermine und rannte schon die Treppe zu den Mädchenschlafzimmern hinauf.

Als sie wenige Augenblicke später mit der Flasche zurück kam, betrat Ron gerade durch das Portraitloch den Gemeinschaftsraum.

„Hey Harry", begrüßte er seinen Freund. „Da bist du ja. Das ganze Schloss spricht schon von dir."

Der dunkle Gryffindor wappnete sich innerlich gegen das, was jetzt wohl kommen würde, schaffte es aber nach außen hin cool zu bleiben. „Wieso? Was ist denn passiert?"

„Nun tu mal nicht so. Die Portraits haben dich gesehen, als du heute morgen mit Hagrid ins Schloss gekommen bist. War ja eine starke Leistung, Malfoy k.o. zu schlagen, als er versucht hat, sich wieder ins Schloss zu schleichen." Der Rothaarige gab Harry einen freundschaftlichen Klaps auf den Rücken.

„Jaaa", antwortete Harry gedehnt, erleichtert darüber, dass die Bilder die Situation offensichtlich falsch interpretiert hatten. „Das war es wohl."

„Was will die falsche Schlange überhaupt wieder hier? Ich dachte, seine Eltern hätten ihn abgemeldet."

„Keine Ahnung", erwiderte der Dunkle achselzuckend. „Vielleicht hatte er einfach Sehnsucht nach Hogwarts."

„Der soll schön wieder dahin zurück, wo er hergekommen ist. Ich hatte mich schon so gefreut, dass wir den alten Schleimer los sind."

„Wie auch immer, Ron", sagte Harry, der nicht die geringste Lust verspürte, seinem Freund bei seinen Anti-Malfoy-Sprüchen weiter zuzuhören. „Ich bin echt müde. Wir sprechen später weiter, okay?"

„Alles klar, Kumpel."

Harry nahm die Flasche mit dem Traumlostrank, den Hermine ihm wortlos reichte und ging die Treppe zu seinem Schlafsaal empor. Gerade in dem Moment, in dem er die Tür hinter sich schließen wollte, hörte er Ron das Mädchen noch fragen: „Woher wusste Harry überhaupt, dass Malfoy da draußen herum schleicht?"

Er wartete Hermines Antwort nicht mehr ab, sondern schloss die Tür einfach und warf sich erschöpft auf sein Bett. Harry wusste, es würden eine Menge Fragen auf ihn zukommen, wenn er dieses Zimmer wieder verließ, aber damit würde er sich befassen, wenn es soweit war. Jetzt wollte er nur noch schlafen.

XXXXXX

Fassungslos schüttelte Draco den Kopf. „Weasley war schon immer eine taube Nuss."

Aber genau das machte ihn doch so liebenswert, Love", antwortete Harry ehrlich.

Sag nur nicht, du stehst auf taube Nüsse", stichelte der Blonde.

Dann müsstest du ja auch eine sein, denn immerhin stehe ich auf dich."

Von wegen taube Nuss. Das liegt ganz einfach an meinem umwerfenden Charme. Dem konntest du natürlich nicht auf Dauer widerstehen."

Theatralisch rollte Harry mit den Augen. „Genau. Du hast mich verpetzt, beschimpft und versucht mich zu verhexen. Einfach umwerfend charmant."

Aber gib es zu, ich war einfach total sexy dabei", forderte ihn der Blonde auf.

Absolut sexy." Grinsend zog Harry seinen Gefährten an sich.

Ich wusste, du stehst auf so was."

Auf einen arroganten Slytherin, der mir das Leben zur Hölle machte?"

Auf einen bösen, bösen Jungen, der von dir auf den rechten Weg zurück gebracht werden musste", erwiderte Draco mit einem lasziven Augenaufschlag.

Willst du, dass ich dir den Weg zeige?" fragte Harry mit rauer Stimme.

Draco leckte sich gierig über die plötzlich trockenen Lippen. „Ich will, dass du mich dafür bestrafst, dass ich so böse zu dir war."

Oh ja, für dich habe ich eine ganz besondere Bestrafung im Kopf", erwiderte der Dunkle, bevor er mit einem einzigen Ruck dem Blonden das Hemd vom Leib riss.

XXV. Broken

The worse is over now

And we can breathe again

I wanna hold you high, you steal my pain away

There`s so much left to learn

And no one left to fight

I wanna hold you high and steal your pain

Cause I`m broken when I`m open

And I don`t feel like I`m strong enough

(Evanescence, Broken)

Nachdem er einige Stunden traumlos geschlafen hatte, fühlte sich Harry schon eher in der Lage, der Welt wieder ins Gesicht zu sehen. Zwar schmerzte sein Körper noch immer von den Stunden, die er auf dem Besen verbracht hatte, aber er sehnte sich nach Draco und er wollte sicher gehen, dass er in Ordnung war, deshalb führten ihn seine Schritte vom Gryffindor-Turm als erstes in die Krankenstation.

Madame Pomfrey war gerade damit beschäftigt, ein gutes Dutzend Erstklässler aus Hufflepuff zu versorgen, die beim Umtopfen der Alraunen ihre Ohrenschützer vergessen hatten und allesamt in Ohnmacht gefallen waren. Sie nickte Harry kurz zu, als dieser die Tür zur Krankenstation öffnete und zielstrebig zu dem Bett auf der rechten Seite zusteuerte, dass immer noch hinter dem weißen Paravent verborgen stand.

Als Harry um den Sichtschutz herum ging sah er, dass Draco nicht mehr im Bett lag. Den Pyjama hatte er gegen seine Schuluniform getauscht. Auf dem Nachtisch stand das unberührte Tablett mit dem Frühstück. Erst jetzt fiel ihm ein, dass auch er seit gestern abend nichts mehr gegessen hatte, doch sein Magen war so sehr in Aufruhr, dass Harry keinen Bissen herunter bekommen hätte. Der Blonde hatte ihn nicht kommen hören. Er stand am Fenster und sah mit leeren Blick hinaus in den hellen Spätsommertag.

„Hey", sagte Harry unsicher und versuchte ein schwaches Lächeln.

Draco drehte sich halbherzig um und erwiderte das Lächeln leicht. „Hey." Er wandte sich zum Fenster zurück.

„Du siehst besser aus", versuchte Harry seinen Freund in ein Gespräch zu verwickeln.

Der Slytherin zuckte vage die Schultern. „Madame Pomefrey hat mir einige Tränke zur Stärkung gegeben."

„Das ist gut. War Snape schon bei dir?"

Der Blonde nickte ohne ihn anzusehen. „Dumbledore auch."

„Mit mir haben sie auch gesprochen. Sie sind sehr erleichtert, dass es dir gut geht."

Draco ließ ein humorloses Lachen hören. „Ja genau. Es geht mir gut." Mit der rechten Hand umklammerte er unwillkürlich den linken Unterarm.

Harry atmete tief durch. „Es ist okay. Ich weiß es. Und ich weiß, dass du es nicht freiwillig getan hast."

Mit einem Ruck drehte sich Draco zu ihm um. „Du weißt gar nichts, verstehst du? Er war in meinem Kopf, Harry. In meinem Kopf! Er hat meine Gedanken gesehen; meine intimsten Erinnerungen durch gepflügt. Und ich weiß nicht einmal, was er gesehen hat! Dich, mich, wie wir uns geküsst haben; wie wir Sex hatten! Er hat seine ekligen, roten Augen in mir drin gehabt und dann hat er die Erinnerung daran einfach gelöscht! So sehr ich es auch versuche, ich kann mich an nichts erinnern. Ich weiß, wie wir von Malfoy Manor disappariert sind und dann ist da ein Loch. Ein großes, schwarzes Nichts."

Dracos Finger krallten sich fester in den Ärmel, der das Dunkle Mal verdeckte. Bestimmt legte Harry seine Hand auf die seines Freundes und löste sie von Dracos Unterarm.

„Ich weiß", sagte der Gryffindor ruhig. „Aber es ist egal, was er gesehen hat. Soll er ruhig wissen, dass wir zusammen sind. Das ändert nichts. Wichtig ist nur, dass du jetzt wieder hier bist."

„Du verstehst es nicht!" begehrte Draco auf und riss sich los. „Was ist, wenn er mich deshalb hat gehen lassen? Wenn er mich dazu benutzt, an dich heran zu kommen? Wenn er mich dazu bringt, dich zu töten?!"

Er taumelte einige Schritte zurück, bis er die Fensterbank in seinem Rücken spürte. „Ich sollte weggehen. Von dir. Aus Hogwarts. Aus England. Weg von diesem ganzen Wahnsinn."

„Du kannst nicht weg", versuchte Harry ihn wieder zur Vernunft zu bringen. „Er würde dich finden und das weißt du auch."

„Was soll ich dann deiner Meinung nach tun? Warten, bis er dieses widerliche Brandzeichen benutzt, um mich zum Gehorsam zu zwingen?!" Wütend riss Draco den Ärmel nach oben und hielt das Dunkle Mal direkt vor Harrys Augen.

Der Dunkle schluckte schwer, als die leeren Augenhöhlen des Totenkopfs mit der Schlangenzunge ihn anzustarren schienen. Seine Hand zitterte leicht, als er sie ausstreckte und sie über das Dunkle Mal legte. „Du kannst dagegen ankämpfen, Draco. Es mag ein Teil von dir sein, aber du bist nicht automatisch sein Sklave. Bitte, gib nicht auf. Ich glaube an dich. Du wirst mir nichts antun. Weder mir, noch irgendjemandem sonst."

 Schwer atmend schloss der Blonde die Augen. Die Wärme von Harrys Hand auf seinem Unterarm versetzte seinem Herzen einen Stich. Seine Hand zitterte, wie sein ganzer Körper, als er sie auf die seines Freundes legte. Langsam lehnte er seinen Kopf nach vorn, so dass seine Stirn Harrys berührte. „Ich habe Angst", flüsterte er leise. „Ich will dir nicht weh tun, aber ich weiß nicht, ob ich es verhindern kann."

„Du kannst es", sagte Harry leise. „Wir schaffen das gemeinsam."

„Und wenn er zu mächtig ist?"

„Wir werden ihn aufhalten", antwortete Harry so überzeugend wie möglich.

„Bitte, versprich mir etwas", sagte Draco kaum hörbar. „Lass nicht zu, dass er mich benutzt. Wenn ich es nicht schaffe, dagegen anzukämpfen, töte mich, bevor es zu spät ist."

„Draco...." Harrys Stimme versagte beinah.

„Es ist mir ernst, Harry. Ich könnte nicht damit leben, wenn er mich zwingt, dir etwas anzutun."

„Er wird nicht..."

„Bitte", fiel ihm Draco ins Wort. „Versprich es mir."

„Ich kann nicht..."

 „Du musst!"

„Warum zwingst du mich dazu?"

„Weil ich dich liebe und wenn du mich liebst, dann tust du das für mich."

Harry fühlte, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen. „Ich verspreche es."

Ein zittriges Seufzen entwich Dracos Lippen. „Danke." Er wischte die Tränen, die Harrys Wangen hinunter liefen, mit den Händen fort, bevor er den Gryffindor küsste. „Du hast mich gerettet und egal was passiert, du wirst immer mein Held sein."

Harrys Zittern wurde stärker, bis er seinen Kopf schluchzend an Dracos Schulter barg. Er fühlte, wie der Blonde seine Arme um ihn legte und tief in ihm sagte ihm eine Stimme, dass eigentlich er es sein sollte, der Draco tröstete, doch nachdem der Damm nun gebrochen war, konnte er nicht aufhören zu weinen. Es war, als würden die Tränen die Verzweiflung, die in ihm brodelte, aus ihm heraus schwemmen. Erst nachdem er eine gefühlte Ewigkeit in Dracos Armen gelegen und sich hatte trösten lassen, war ihm etwas leichter ums Herz.

                                                                                         XXXXXX

Wenn du es wirklich hättest tun müssen, hättest du mich töten können?" Fragend legte Draco den Kopf zur Seite, während er in Harrys schwarzen Haaren kraulte.

Ich bin froh, dass ich es nicht heraus finden musste", antwortete Harry leise. Er lag neben seinem Partner auf der Couch. Mit dem Kopf auf Dracos Brust, lauschte er mit geschlossenen Augen dem stetigen, ruhigen Herzschlag.

Das ist keine Antwort auf meine Frage", bohrte der Blonde nach.

Ich weiß es nicht", erwiderte Harry ehrlich.

Du hast es versprochen", erinnerte ihn Draco ernst.

Merlin, ich war sechzehn! Es war schlimm genug, dass die ganze Zauberwelt erwartet hat, ich würde sie retten und dann kommt der Mensch, für den ich durch die Hölle gegangen wäre und verlangt von mir, dass ich ihn töte! Ich hätte dir alles versprochen, wenn es nur bedeutet hätte, dass du gegen ihn ankämpfen würdest."

Ich bin froh, dass wir noch hier sind, um darüber zu sprechen."

 Harry atmete tief durch, um die aufkommenden Emotionen zu verdrängen. „Ich liebe dich", war das Einzige, was er im Stande war, zu sagen.

Ich liebe dich auch", gab der Blonde ruhig zurück und küsste die gezackte Narbe auf der Stirn seines Geliebten.


Tbc....

Kapitel 10 von redangeleve

XXVI. Eternity

 

Close your eyes so you don`t feel them

They don`t need to see you cry

I can`t promise I will heal you

But if you want to I will try

 

I sing the summer serenade

The past is done, we`ve been betrayed, it`s true

Someone said the truth will out

I believe without a doubt, in you

 

(Robbie Williams, Eternity)

 

Schweißgebadet fuhr Harry in seinem Bett in die Höhe. Ein Stöhnen entwich seinen Lippen und er presste unwillkürlich eine Hand gegen seine Stirn. Seine Narbe schmerzte so stark, als würde sein Kopf jeden Moment auseinander brechen. Noch immer sah er die rotglühenden Augen vor sich, die bis in seine Seele zu starren schienen.

Voldemort...

Die Visionen waren früher schon schlimm gewesen, aber seit Harry wusste, dass es nicht nur Zerrbilder seiner Ängste waren, die er im Schlaf vor sich sah, sondern dass er durch seine Narbe eine direkte Verbindung zum Dunklen Lord hatte, war er mit einer unbändigen Angst erfüllt. Dumbledore hatte ihn gewarnt, ihn beschworen, Okklumentik zu lernen, um seinen Geist vor ihm zu verschließen, aber es half nichts. Wenn Voldemort verärgert war, oder ihm etwas eine besondere Freude bereitete, explodierte Harrys Narbe förmlich.

Die Todesser waren wie Schatten, in ihren dunklen Kapuzen. Sie umrahmten einen zerlumpten, am Boden liegenden Mann. Ein Fluch traf das wimmernde Häufchen Mensch und der Mann schrie auf, während er auf allen Vieren versuchte, davon zu kriechen. Doch die Todesser lachten ihn nur aus. Dann teilte sich die Schar, vor Harrys Augen und er sah sich - also Voldemort - eine Handbewegung machen, die die Männer verstummen ließ.

„Genug", sagte er und wandte sich zu dem Schwarzgekleideten zu seiner Rechten. „Beende es."

Der Todesser verbeugte sich demütig, dann zückte er den Zauberstab. „Avada kedavra!" Der Mann am Boden erstarrte mitten in der Bewegung und sackte dann leblos zusammen.

Tölpel! Dummköpfe! Ein Haufen hirnloser Speichellecker! Sie sind gut genug, um Angst und Schrecken unter unbedeutenden Schlammblut-Zauberern zu verbreiten, aber nie werden sie verstehen, wie bedeutend das Ziel wirklich ist. Wie groß die Opfer sind, die sie alle bringen müssen!

Worte wie Gift sickerten durch Harrys Verstand. Er musste raus hier, Abstand zwischen sich und diesen furchtbaren Albtraum bringen. Auch wenn er den Mann nicht gekannt hatte, war es doch, als hätte er seinem Tod persönlich beigewohnt, ohne die Chance es irgendwie zu verhindern.

Durch das Adrenalin rauschte das Blut in seinen Ohren und sein Herz schlug so laut, dass er dachte er müsste den gesamten Schlafsaal aufwecken, als er unsicher auf dem Nachttisch nach seiner Brille tastete. Seine Finger fanden das dünne Metallgestell und er setzte es sich auf die Nase. Die verschwommenen Konturen seines Bettes wurden klarer, auch wenn das den Schmerz nicht minderte, der dumpf hinter seiner Stirn pochte.

Ron schnarchte im Bett neben ihm leise auf und drehte sich auf die andere Seite, als Harry vorsichtig die Bettdecke zurück schlug und die Beine über den Rand streckte. Der Steinboden war kalt und er zog seine Füße schnell wieder zurück. Bemüht keinen Laut zu verursachen, angelte er ein Paar Socken vom Fußende des Bettes. Nachdem er hinein geschlüpft war, stand er leise auf. Er nahm seinen Zauberstab, den er unter seinem Kopfkissen verborgen hatte und flüsterte einen Illusionszauber, dann schlich er sich leise aus dem Schlafsaal.

Die Fette Dame war nicht gerade begeistert, als er sie aus dem Schlaf riss. Unwirsch murmelte sie etwas von „Sperrstunde" bevor sie trotzdem zur Seite schwang und ihn hinaus ließ. Erst als er draußen auf dem Gang war, fiel Harry ein, dass er weder die Karte des Rumtreibers, noch seinen Tarnumhang dabei hatte, aber er wollte nicht wieder zurück in den Turm gehen. Abgesehen davon, dass die Fette Dame sich vermutlich weigern würde, ihn ein zweites Mal hinaus zu lassen, hatte er Angst davor jemanden zu wecken, wenn er noch einmal in den Schlafraum zurück kehrte.

Dann würde er eben vorsichtig sein. Immerhin hatte er ja kluger Weise keine Schuhe über die Socken gezogen, so dass er beinah lautlos gehen konnte. Im Moment patrouillierte nachts abgesehen von Filch nur ein einziger Lehrer und bei der Größe des Schlosses rechnete sich Harry eine gute Chance aus, ungesehen bis zur Krankenstation zu gelangen. Er hoffte insgeheim, dass der Anblick seines schlafenden Freundes ihn beruhigen, ihm helfen würde selbst zurück in den Schlaf zu finden.

Dicht an der Wand entlang tastete sich Harry bis zur Eingangshalle. Fahles Mondlicht fiel durch die großen Fenster hinein und tauchte die ausgestorbenen Gänge in ein gespenstisches Licht. Gott sei Dank schliefen die Menschen in den Bildern schon. Nach seinem gestrigen Erlebnis, als er mit Hagrid und dem bewusstlosen Draco ins Schloss zurück kehrte, war das letzte, was er wollte, dass wieder irgendwelche falschen Gerüchte die Runde machten.

Er brauchte drei Versuche, bis er eine Treppe erwischte, die ihn zu dem Turm brachte, in dem sich die Krankenstation befand. Die letzten Stufen zur Spitze des Turmes rannte er beinah in freudiger Erwartung. Vorsichtig öffnete Harry die Tür mit den undurchsichtigen Gläsern und schlich ins Innere. Ein Blick zu Madame Pomfreys Zimmer zeigte ihm, dass ihre Tür geschlossen war. Kein Licht war durch das Schlüsselloch zu sehen. Offensichtlich schlief die Schulschwester.

Als Harry um den weißen Paravent herum ging, war er überrascht, Dracos Bett leer vorzufinden. Die Laken waren zerwühlt und es war noch der Abdruck eines Körpers auszumachen, doch von dem blonden Slytherin fehlte jede Spur. Suchend sah Harry sich um und entdeckte am Ende des Raumes die geöffnete Balkontür. Langsam ging er auf die Öffnung zu und noch bevor er sie durchquert hatte, sah er den vertrauten, weißen Körper an der Brüstung stehen. Draco trug nicht mehr als eine Shorts. Das Dunkle Mal hob sich obszön gegen die bleiche Haut an seinem Unterarm ab und er presste unwillkürlich eine Hand darauf. Ein kühler Wind zerrte an seinen Haaren und schickte eine Gänsehaut über den Körper des Slytherin, doch er konnte sich nicht durchringen, zurück in die Krankenstation zu gehen.

Der Anblick der grünen Hügel im Mondlicht beruhigte ihn, nahm die Enge von seiner Brust, die ihn zu ersticken versuchte. Längst hatte er vergessen, wie lange er hier schon stand. Am Anfang hatte er die Kälte noch gespürt, aber dann hatte er seinen Geist vor seinem Körper verschlossen. Er wollte nichts fühlen. Weder körperlich, noch seelisch. Er hatte genug von den Schmerzen und der Angst. Nur für ein paar Minuten wollte er sich selbst und alles andere in den Weiten der Nacht vergessen.

Sein Herz machte einen Sprung, als sich plötzlich zwei warme Arme um seine Körpermitte legten und er versteifte sich, bis er im Wind den Geruch von Harrys Haut wahrnahm. Aufatmend lehnte er sich in die Umarmung des anderen Jungen und legte seine Hände auf die von Harry. Der Gryffindor fröstelte.

„Du bist eiskalt", stellte er fest.

„Und du bist herrlich warm", gab der Blonde zurück. Seine Stimme klang rau; er hatte sie seit seinem letzten Gespräch mit Harry nicht mehr benutzt.

„Was tust du hier draußen?" fragte der Dunkle und zog die Arme noch etwas fester um seinen Freund, in dem Versuch ihn zu wärmen.

„Ich kann nicht schlafen", gab Draco zu. „Ich will die Augen nicht zumachen, um dann doch wieder Sein Gesicht vor mir zu sehen."

„Dann sind wir schon zwei", erwiderte Harry, während er seine Wange an Dracos Schulter rieb. „Mir hat Er auch wieder einen Albtraum beschert."

„Wird es jemals aufhören?" flüsterte Draco und legte seinen Kopf zurück, so dass er Harry Stirn berührte. „Wie sollen wir kämpfen, wenn wir nicht einmal schlafen können?"

„Kannst du Madame Pomfrey nicht um einen Traumlos-Trank bitten?" schlug der dunkle Gryffindor vor. Er wollte nicht wieder über den Krieg reden. Es war schon schlimm genug, dass es am Tag beinah kein anderes Thema mehr gab. Wenigstens in der Nacht wollte er Ruhe davor haben.

Der Slytherin schüttelte den Kopf. „Ich will nicht, dass sie es weiß. Es ist schlimm genug, wie Dumbledore, Snape und sie mich ansehen. Dieses Mischung aus Mitleid, Argwohn und Angst. Da muss ich nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf mich ziehen."

Harry nickte wortlos. Er verstand, was Draco meinte. Zwar hatte er weder den Schulleiter, noch den Zaubertränke-Lehrer gestern noch einmal getroffen, aber die Blicke, die er beim Abendessen von den anderen Schülern seines Hauses erhalten hatte, waren mehr gewesen, als er ertragen konnte. Nur ihrem Respekt ihm gegenüber und Hermines bösem Blick in die Runde hatte er es zu verdanken, dass es nur dabei geblieben war. Von den anderen Häusern gar nicht zu reden. Wenn Blicke töten konnten, dann hatten ihm die Augen der Slytherins während der Mahlzeit öfter ein unrühmliches Ende bereitet, als er zählen konnte.

„Ich will mich nur wieder ganz fühlen", fuhr Draco fort. Er drehte sich halb um, so dass er in Harrys Gesicht sehen konnte. „Ich habe das Gefühl, es reißt mich auseinander und ich schaffe es nicht, die Teile zusammen zu halten. Verstehst du was ich meine?"

Seine Augen spiegelten so eine Leere, so viel Schmerz, dass Harry es beinah körperlich spüren konnte. Er nahm eine Hand von Dracos Hüfte und streichelte langsam über den hervor tretenden Wangenknochen. „Ich werde dich wieder zusammen setzten. Stück für Stück, wenn es sein muss", versprach er leise.

Der Blonde nahm die Hand des Gryffindor und zog ihn näher an sich. „Lass es mich vergessen, Harry. Nur für einen Augenblick. Lass uns so tun, als gäbe es das alles da draußen nicht."

Es bedurfte keiner Antwort, als sich ihre Lippen fanden. Harry vergrub seine Hände in dem blonden, weichen Haar, als Draco seine Taille umfasste und ihn ganz eng an sich presste. Der Blonde zitterte, ob vor Kälte oder vor Erregung, wusste er selbst nicht, doch das war für Harry das Zeichen den Balkon zu verlassen.

Wortlos nahm er Draco bei der Hand und führte ihn zurück zu seinem Bett auf der Krankenstation. Bevor er den Blonden auf das Laken drückte, sprach der Gryffindor noch schnell einen Silencio-Zauber, dann legte er sich neben seinen Freund. Das schmale Krankenbett bot kaum genug Platz für die beiden ineinander verschlungenen Teenager, doch das störte sie nicht wirklich.

Zärtlich erkundeten ihre Hände den Körper des anderen. Tasteten. Streichelten. Suchten den Kontakt zu unbedeckter, nackter Haut. Harrys T-Shirt, seine Shorts und die Strümpfe fielen binnen Sekunden und auch Draco hatte wenig später nichts mehr an, um seine Blöße zu bedecken.

Kein Blatt Pergament hätte mehr zwischen die beiden Körper gepasst, die sich aneinander rieben. Harrys warme Hände auf Dracos kalter Haut verteilten Stromstöße über seinen Körper, schmolzen das Eis in seinem Inneren, schickten die Hitze in jede Zelle seines Körpers.

Er stöhnte leise auf, konnte es kaum abwarten, mit dem Dunklen zu verschmelzen. Seine Lippen klebten förmlich an denen des Gryffindors, tranken gierig von der Wärme, die Harrys Zunge in seine Mundhöhle schickte.

Sie trennten sich gerade lang genug, um Harry seinen Zauberstab nehmen zu lassen. „Accio Oleum", murmelte er heiser und eine Flasche Arnica Öl schwebte aus dem Medizinschrank zu dem Bett der beiden Jungen. Harrys Finger zitterten so stark, als er die Flasche in Empfang nahm, dass er beinah den Korken nicht heraus bekam. Doch schließlich gelang es ihm und er verteilte mit der Hand etwas von der Flüssigkeit auf seiner Erektion.

Seine öligen Finger drückten die Beine seines Freundes auseinander und weiteten vorsorglich den Eingang, bevor er sich auf der Matratze zwischen Dracos Knie kniete. Die Beine des Blonden öffneten sich noch eine Spur weiter, so dass er beinah die Schmerzgrenze erreichte, dann presste sich Harry in den Körper des Slytherin.

Dracos Augen weiteten sich in einer Mischung aus Verlangen und Schmerz und seine Hände krallten sich in das Bettlaken, als Harry bis zum Anschlag in ihm versank. Oh Merlin, diese Enge, diese Hitze... den ganzen Sommer hatte er davon geträumt, das hier zu tun. Okay, nicht so aber die Gefühle waren trotzdem überwältigend.

Er senke seinen Oberkörper auf den seines Freundes, um sich einen weiteren, gierigen Kuss zu stehlen. Eine Hand stütze er an Dracos Schulter ab, während er mit der andren seine Hüfte in Postion hielt. Der Blonde atmete schwer, doch in seinen Augen lag kein Schmerz mehr, sondern nur noch die pure Lust. Seine Hände verließen das weiße Laken und krallten sich in das schwarze Haar seines Freundes. Mit den Zähnen verteilte er kleine Bisse an Harrys Hals und seiner Schulter, bevor seine Lippen erneut mit denen des Dunklen verschmolzen.

Einen langsamen, vorsichtigen Rhythmus aufnehmend, zog sich Harry leicht zurück, um sich dann erneut in Draco zu vergraben. Seine ölige Hand stimulierte die Länge des Blonden mit gleichmäßigen Bewegungen. Es war so viel mehr als nur Sex; es war wie eine Therapie. Der Versuch all die Ängste und Schmerzen der vergangenen Wochen aus dem Körper zu vertreiben.

„Tu es", keuchte Draco dicht an dem Ohr des Gryffindor. „Mach mich zu deinem Sklaven, statt zu Seinem." Aus dem Augenwinkel sah Harry das Dunkle Mal, als Dracos Hände seinen Kopf erneut zu sich herunter zogen und er beschleunigte grimmig sein Tempo. Mit wachsender Erregung hämmerte der Dunkle seinen Körper immer härter gegen den des Blonden und der Slytherin bog sich jedem Stoß mit seinem Becken entgegen.

Die unterdrückten Laute der Lust füllten den Raum. Mit einem letzten harten Stoß schoss Harrys Samen in den Körper des Blonden, ein Seufzen der Erleichterung auf den Lippen. Eine Welle aus warmer Magie schien sich in Dracos Körper zu entladen, so dass er von Kopf bis Fuß erzitterte. Der Blonde kam nur wenige Stöße später und ergoss sich mit einem leisen Aufschrei zwischen ihre beiden Körper. Schwer atmend legte Harry seinen Kopf gegen die Schulter des Slytherin und wartete, dass sein Körper ihm wieder gehorchte, bevor er sich vorsichtig zurück zog und sich dicht neben dem Blonden auf die Matratze legte. Erneut angelte er den Zauberstab vom Nachttisch und sprach für sie beide einen Reinigungszauber, bevor er die Decke vom Fußende nahm und über ihre beiden Körper zog. Draco drehte sich auf die Seite und lehnte seine Stirn gegen die des Gryffindor.

„Fühlst du es auch?" fragte er in die Stille des Raumes hinein.

„Ich fühle mich total müde", murmelte Harry und unterdrückte ein aufsteigendes Gähnen.

„Mein Herz", antwortete Draco, nahm die Hand des Dunklen und legte sie gegen seine nackte Brust. „Es schlägt leichter. Es hat scheinbar dein Herz gebraucht, um seinen Rhythmus wieder zu finden."

„Mmh", gab Harry mit geschlossenen Augen zurück. Das dumpfe Klopfen unter seinen Fingern verstärkte seine Müdigkeit noch weiter. „Fühlt sich gut an und du bist endlich warm."

„Aufgeladen mit deiner Hitze", gab Draco zurück. „Was der Beweis dafür ist, dass Feuer und Eis doch zusammen passen."

Harry grummelte noch etwas Unverständliches, dann sackte sein Kopf gegen Dracos Körper. Der Blonde vergrub sein Gesicht in den schwarzen, strubbeligen Haaren und sog tief den angenehmen Duft in seine Lungen. Um alles in der Welt hatte er zurück nach Hogwarts gewollt, aber nach dem, was passiert war, hatte er sich schon gefragt, ob seine Wahl ein Fehler gewesen war. Doch in diesem Moment wusste er, dass er nirgendwo sonst sein wollte.

XXXXXX

Hast du die Katze gesehen?" fragte Draco und steckte seinen Kopf durch die Tür herein.

Nein, wieso?" fragte Harry, während er das Tintenfass zuschraubte.

Der Blonde hielt einen pelzigen Gegenstand in die Höhe. „Ich habe gerade eine halb vergammelte Maus in meinen Schuhen gefunden."

Bring bloß das tote Vieh hier raus!" Der Dunkle verzog angeekelt die Nase. „Das stinkt ja widerlich."

Warum bekomme ich eigentlich immer so nette Liebesbeweise von dem Tier?" fragte Draco mit einem Augenrollen, bevor er die Maus in eine Plastiktüte steckte und in den Müll warf.

Sie liebt dich halt, love. Genau wie ich."

Aber nicht, dass du mir auch noch irgendetwas Totes in die Klamotten steckst!" drohte ihm sein Ehemann grinsend.

Harry war von dem, was er geschrieben hatte, noch so erregt, dass er nicht anders konnte, als den Abstand zu dem Blonden zu schließen.„Ich dachte da eher an etwas lebendiges. Und auch nicht unbedingt an Klamotten."

Durch den plötzlichen Annährungsversuch etwas überrumpelt, taxierte Draco den Dunklen. „Das hört sich ja sehr viel versprechend an, babe."

Du hast ja keine Ahnung", schnurrte der ehemalige Gryffindor, zog den Zauberstab aus seiner Hosentasche und apparierte sie in ihr Schlafzimmer.

XXVII. Bleeding Love

I don`t care what they say

I`m in love with you

They try to pull me away

But they don`t know the truth

My heart`s crippled by the vein that I keep on closing

 

(Leona Lewis, Bleeding Love)

 

Harry war sich beinah sicher, dass Madame Pomfrey sie zusammen im Bett gesehen hatte. Es war bereits heller Morgen, als er in Dracos Arm aufgewacht war. So vorsichtig es ging, ohne seinen Freund dabei zu wecken, schlüpfte er aus dem Bett und zog sich schnell sein T-Shirt und die Shorts über, die Strümpfe konnte er nirgends entdecken. Dafür war die Flasche mit dem Öl, von der er sicher war, sie auf den Nachttisch gestellt zu haben, verschwunden. Dunkelrote Flecken erschienen auf seinen Wangen und er war mehr als dankbar, als er es schaffte, sich an der geschlossenen Tür der Schulschwester vorbei zu schleichen, ohne ihr in die Augen sehen zu müssen. Harry wusste nicht genau, was Dumbledore ihr über seine Beziehung zu Draco gesagt hatte, aber egal wie viel sie vorher gewusst hatte, jetzt war sie jedenfalls im Bilde.

Eine unangenehme Gänsehaut kroch seine Beine empor, als er barfuss die Treppe hinab stieg und die Gänge zum Gryffindor Turm zurück legte. Auf der Krankenstation hatte keine Uhr gehangen, doch Harry war sich sicher, dass es hier in wenigen Augenblicken vor Schülern nur so wimmeln würde. Mit purem Glück erreichte er das Portrait der Fetten Dame, die seine Erscheinung mit einem bissigen Kommentar bedachte: „ Das sieht mir ja mal nach einer harten Nacht aus."

„Nichts, was Sie etwas anginge", gab er patzig zurück, bevor er das Passwort nannte. „Candle-light-Dinner."

„Wohl eher Bettgymnastik", erwiderte sie spöttisch, schwang dann aber mit einem letzten Augenrollen zur Seite.

Schnellen Schrittes durchquerte Harry den Gemeinschaftsraum und hastete die Treppe zu den Schlafräumen der Jungen empor. Dabei kam er an mehreren geöffneten Türen vorbei. Offensichtlich waren seine Hauskameraden bereits in den Waschräumen und ein Gefühl der Erleichterung durchflutete Harry. Als er die Tür zu seinem Schlafraum auf stieß, dachte er, auch diesen verlassen vorzufinden, doch zu seiner Überraschung erwartete ihn Ron auf seinem Bett sitzend.

„Hey Kumpel", begrüßte ihn der rothaarige Junge grinsend.

„Äh, hi", erwiderte der dunkle Gryffindor perplex. Sein Kopf ruckte zu seinem eigenen Bett. Entweder hatte der Illusionszauber nicht lange genug gehalten oder jemand hatte ihn platzen lassen. In seinem Kopf arbeitete es fieberhaft. Was für eine Ausrede sollte er seinem Freund jetzt präsentieren?

„Hast du eine gute Nacht gehabt?" fragte ihn Ron mitten in seine Gedanken.

„Danke, ich.. ich konnte nicht schlafen", erwiderte Harry vorsichtig.

„Das habe ich gesehen", grinste sein Freund, mit einer Geste zu dem leeren Bett. „Nun aber raus mit der Sprache: Wer ist sie?"

„Wen meinst du?" fragte der Dunkle verständnislos.

„Tu nicht so unschuldig. Ich mag ja ein bisschen schwer von Begriff sein, aber so langsam passt sogar für mich alles zusammen: Seit dem Frühjahr bist du so komisch und in den Ferien warst du manchmal zappeliger als ein Schnatz."

„Quidditch-Entzugserscheinungen?" startete Harry einen kläglichen Erklärungsversuch.

„Erzähl das jemand anderem!" wischte Ron den Einwand beiseite. „Seit wir wieder hier sind, benimmst du dich sogar noch seltsamer als vorher und jetzt bist du schon die zweite Nacht nicht in deinem Bett gewesen. Also keine Ausflüchte mehr, ich will alle schmutzigen Details: Wer ist sie? Eine Gryffindor scheint es nicht zu sein, sonst wärst du nicht so lange weg gewesen. Ist sie vielleicht eine Ravenclaw?"

So langsam dämmerte es Harry, was sein Freund dachte. „Nein!" rief er erschrocken aus.

„Eine Hufflepuff? Ich dachte ja nicht, dass du auf die langweilige Sorte Mädchen stehst, aber naja jedem das seine."

„Es ist keine Hufflepuff", würgte Harry hervor. Sein Hals fühlte sich plötzlich seltsam trocken an.

„Sie ist doch wohl keine Slytherin? Oh Merlin, Harry! Das sind keine Mädchen, das sind Banshees!" Kopfschüttelnd starrte Ron ihn an.

Der dunkle Gryffindor schluckte schwer. Er ahnte, dass er aus dieser Unterhaltung nicht ohne weiteres wieder heraus kommen würde. Aber vielleicht war es ohnehin an der Zeit, mit den Lügen ein Ende zu machen. Ron war sein bester Freund. Er würde es verstehen. Bestimmt. Hoffentlich. Irgendwann einmal. Oder es zumindest akzeptieren.

„Es ist kein Mädchen", flüsterte Harry und sank auf sein eigenes Bett. Seine Hände verkrampften sich unwillkürlich ineinander.

„Kein Mädchen?" Rons Tonfall war um eine Nuance höher geworden. „Willst du damit sagen...?"

Jetzt oder nie.

„Ich will damit sagen, dass ich auf Jungen stehe." Sein Blick haftete an seinem Schoss. „Eigentlich weiß ich es schon eine ganze Weile."

„Wie lange?" fragte der Rothaarige und seine Stimme hörte sich eigenartig fremd an.

„Seitdem ich Cho geküsst habe. Es fühle sich gut an, aber nicht richtig. Nicht so wie jetzt..." Harry brach wieder ab, als er merkte, wie ihm die Hitze in die Wangen schoss.

„Du hast also einen Freund?" hakte Ron vorsichtig nach.

Harry nickte langsam. Es hatte keinen Zweck es zu leugnen. „Seit Februar."

Der rote Gryffindor schluckte hörbar. „Liebst du ihn?"

„Ja", antwortete der Dunkle ehrlich.

„Und er liebt dich?"

„Ich denke schon."

Der andere Junge ließ geräuschvoll die Luft durch Mund und Nase entweichen. „Das ist... schön für dich. Wirklich. Eigentlich zählt es ja nicht, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist. Hauptsache ihr seid glücklich."

Wenn es nur so einfach wäre!

„Danke, Ron", erwiderte Harry und zum ersten Mal traute er sich, den Blick zu heben und seinen Freund anzusehen. „Es bedeutet mir viel, dass du das so siehst."

Der Rothaarige lächelte schief. „Hey, ich bin dein Freund, Harry. Du kannst mir alles erzählen." Dann entgleisten seine Gesichtszüge einen Augenblick. „Okay, fast alles. Und nachdem wir das geklärt haben, spuck`s einfach aus: Wer ist es?"

Harry fühle, wie sich alles in ihm verkrampfte. Sein Magen rebellierte heftig, als er sich dafür bereit machte, das zu ertragen was nun kommen würde. „Es ist Draco Malfoy."

Eine beinah gespenstische Stille senkte sich über das kleine Turmzimmer. Der dunkle Gryffindor nestelte unsicher am Saum seines T-Shirts herum. Er wollte nicht der Erste sein, der das Schweigen brach. Vorsichtig hob er den Blick und sah seinen Freund an, nur um sich einen Augenblick später zu wünschen, es nicht getan zu haben.

Ron war gespenstisch blass geworden. Nein, er war beinah grün im Gesicht. Mit fassungslos aufgerissenen Augen starrte er Harry an. „Das... das ist ein Witz, oder?" kieckste er mit unnatürlich hoher Stimme.

„Ich fürchte nein", gab Harry tonlos zurück. „Er ist derjenige, den ich schon seit Februar liebe."

Das waren letztendlich die Worte, die das Fass zum Überlaufen brachten. „Draco Malfoy?! Du liebst Draco Malfoy? Wie kannst du den lieben?! Er ist ein widerliches, schleimiges, arrogantes Arschloch, das uns alle jahrelang gequält hat!"

„Er hat sich geändert, Ron", rechtfertigte sich Harry leise.

„Und das glaubst du ihm?" entfuhr es dem Anderen. „Er ist ein Malfoy! Er kann sich nicht ändern! Halbblüter wie du sind für ihn doch nur Abschaum! Er spielt mit dir, Harry! Vielleicht sagt er, dass er dich liebt, aber das sind doch alles nur Lügen!"

„Sind es nicht, Ron. Ich weiß es. Er ist nicht wie sein Vater."

„Ach nein? Ich sage dir mal was ich gehört habe: Ginny hat zufällig aufgeschnappt, dass Dracos Vater ihn im Sommer zu einem Todesser gemacht hat! Deswegen ist er auch nicht wieder zur Schule gekommen. Was sagst du nun zu deinem Lover?!"

Unsicher biss sich Harry auf die Lippen. Er hatte nicht gewollt, dass Ron es auf diese Weise erfuhr. „Draco hat es nicht freiwillig getan. Er wurde dazu gezwungen."

Entsetzen spiegelte sich in Rons Blick, als er seinen Freund musterte. „Du weißt es?! Du weißt es und hältst trotzdem zu ihm?! Wie kannst du nur!"

„Ich habe ihn aus dem Haus seiner Eltern gerettet und hierher gebracht", erwiderte Harry und sein Blick war hart, als er Ron ansah. „Ich konnte ihn nicht seinem Schicksal überlassen."

„Wieso nicht?" spuckte Ron ihm entgegen. „Schließlich sind es seine eigenen Leute. Er gehört nicht hier her, Harry. Verdammt, er ist ein Todesser!"

„Das Dunkle Mal macht ihn nicht zu Voldemorts Sklaven."

Ron zuckte bei der Erwähnung des Namens wie immer leicht zusammen und warf dem Dunklen einen bösen Blick zu. „Auf einmal bist du Experte in Schwarzer Magie", feixte er böse.

„Nein, das bin ich nicht", gab Harry zu. „Aber ich kenne Draco. Er würde niemandem etwas tun. Er ist kein Killer."

„Kein Killer? Draco Malfoy ist kein Killer?! Du bist doch krank, Harry! Vielleicht solltest du mal darüber nachdenken, was du da sagst!"

„Es tut mir leid, dass du es nicht verstehst, Ron. Als du noch nicht wusstest, von wem wir sprachen, war es für dich in Ordnung, dass ich einen Jungen liebe."

„Aber doch nicht Draco Malfoy!" erwiderte Ron. Sein Tonfall machte klar, wie absurd allein der Gedanke daran war.

„Warum nicht? Warum ist jeder andere in Ordnung, nur er nicht?!"

„Wenn du das nicht weißt, ist dir nicht mehr zu helfen", giftete Ron und stapfte wütend aus dem Raum.

Wütend sprang Harry auf und trat mit Wucht gegen den Bettpfosten, so dass das Holz unheilvoll knackte. Erregt lief er auf und ab, raufte sich die Haare und schlug seine Fäuste gegen die Wand, bevor er sich schließlich erneut auf die Bettkante sinken ließ. Verzweifelt barg Harry sein Gesicht in den Händen. Er hatte gewusst, dass es schwierig werden würde, seinen Freunden sein Geheimnis anzuvertrauen, aber so schlimm hatte er es sich nicht vorgestellt.

Warum war es nur so schwer zu verstehen, dass es für ihn keine Rolle spielte, wer Draco war? Er hatte gelernt, Vergangenes vergangen sein zu lassen. Warum konnte Ron das nicht auch?

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch schnappte sich Harry wahllos eine frische Schuluniform aus der Kiste und ging hinunter in die Waschräume, um sich für den Unterricht frisch zu machen. Er hatte keine Ahnung, wie er Ron gegenüber treten sollte, aber er konnte unmöglich schon wieder den Unterricht schwänzen.

XXXXXX

Alle Achtung. Weasely mag ja eine taube Nuss sein, aber eins muss man ihm lassen: Mut hat er jedenfalls." Draco schien schwer beeindruckt.

Beleidigt sah Harry ihn an. „Sag nicht, du bewunderst ihn auch noch dafür, dass er mir vorgeworfen hat, ich sei nicht ganz dicht."

Wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre, hätte ich noch ganz andere Sachen gesagt..."

Das glaube ich gerne."

...oder sogar geglaubt, dass du unter einem Liebeszauber stehst."

Die Vermutung hat er später noch Hermine auf die Nase gebunden. Aber den Zahn hat sie ihm schnell gezogen."

Der Arme, das muss wirklich ein Schock für ihn gewesen sein", grinste der ehemalige Slytherin amüsiert.

Ist ja auch unglaublich. Wie kann ich mich bloß in so ein hässliches, böses Biest verlieben?" piesacke Harry seinen Partner liebevoll.

Vermutlich brauchte deine Brille mal wieder einen Reparo-Zauber", gab der Blonde achselzuckend zurück.

Der ehemalige Gryffindor schüttelte bedauernd den Kopf. „Ich habe`s ja versucht, ich habe alles versucht, aber es hat nichts genutzt."

Triumphierend lehnte sich Draco in seinem Stuhl zurück. „Wie schade für Ron und wie gut für mich."

XXVIII. Beat it

 

You have to show them that you`re really not scared

You`re playing with your life, this ain`t no truth or dare

They`ll kick you, then they beat you

Then they`ll tell you it`s fair

So beat it, but you wanna be bad

 

(Michael Jackson, Beat it)

 

Die Nachricht kam überraschend. Draco war gerade dabei, die zerwühlten Laken seines Bettes wieder in Ordnung zu bringen, als er von Madame Pomfrey erfuhr, dass er heute in den Kerker der Slytherins zurück kehren konnte. Er hatte geglaubt - und heimlich gehofft - die Konfrontation mit seinen Kameraden noch ein paar Tage hinaus zögern zu können.

Er fühlte sich noch nicht dazu bereit, zumal er ahnte, dass sich die Wahrheit über seine Rückkehr bereits in seinem Haus herum gesprochen hatte. Viele der Slytherins hatten einen Todesser in der Familie oder zumindest Kontakt mit den Todesser-Kreisen. Es würde nicht einfach werden, sie davon zu überzeugen, dass er immer noch einer der ihren war.

Außerdem hatte Dumbledore noch nicht entschieden, ob und wann Draco seinen Zauberstab wieder bekommen würde. Noch nie war er so lange ohne ihn gewesen. Schon als kleines Kind hatten ihm seine Eltern einen Spielzeug-Zauberstab in die Hand gegeben und seitdem gehörte er zu ihm wie seine Arme und Beine. Ohne den Zauberstab fühlte sich Draco hilflos und verletzlich.

In sich versunken legte er die Robe zusammen, in der er gestern morgen bewusstlos hierher gebracht worden war. Konnte es sein, dass seitdem wirklich erst ein Tag vergangen war? Es schien ihm wie eine Ewigkeit. Sein ganzes Leben war auf einen Schlag auf den Kopf gestellt worden und er war sich nicht sicher, ob er es einfach wieder so aufnehmen konnte. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen verabschiedete er sich von Madame Pomfrey und ging dann durch die Tür der Krankenstation.

Draco achtete sorgfältig darauf, seinem Gesicht den üblichen, arroganten Ausdruck zu geben, als er die Treppe des Turmes hinunter lief. Die Schüler die ihm entgegen kamen, einige junge Hufflepuffs und Gryffindors senkten schnell die Köpfe, als sie ihn erkannten, wie er beruhigt feststellte. Die Ausbrüche des Eisprinzen von Slytherin waren berüchtigt. Als Draco dann die Treppe zu den Kerkern erreichte, traf er mit Gregory Goyle den ersten Slytherin aus seinem Jahrgang.

„Hey Greg", grüßte er den anderen in einem - wie er hoffte- überheblichen, unfreundlichen Tonfall.

Der Kopf des Angesprochenen zuckte zu ihm herum. „Dray", stotterte er unsicher. Schnell blickte er sich um. „Dann sind die Gerüchte also wahr."

„Gerüchte sind das, was sie immer sind, nämlich Gerüchte, Greg", schnarrte Draco böse und ging neben dem Jungen her. Ihm war im Moment noch weniger als sonst nach Goyles Gesellschaft, aber er brauchte ihn, um in den Gemeinschaftsraum zu kommen. Schließlich kannte er das neue Passwort noch nicht und vermutlich war von allen Slytherins, denen er hätte begegnen können, Goyle das wohl kleinste Übel.

„Hast du wirklich das Dunkle Mal bekommen?" fragte ihn der Andere vorsichtig. Es verwunderte Draco immer wieder, wie jemand der so riesig war wie Goyle, es tatsächlich schaffte, wie ein Kleinkind aus der Wäsche zu gucken.

„Auch wenn es dich nicht das geringste angeht: Ja, habe ich." Er sah sich nach allen Seiten um, dann entblößte er für einen kurzen Moment seinen Unterarm. Gregs Augen wurden groß wie Untertassen. Goyle senior hatte sich in den letzten Tagen von Voldmorts erstem Aufstieg kennzeichnen lassen und seit der Rückkehr des Dunklen Lords träumte Greg davon, seinem Vater nachzufolgen.

Sein Mund stand immer noch offen, als sie den Eingang zum Gemeinschaftsraum erreichten. „Das Passwort, Greg", drängte ihn Draco, der nur darauf wartete, seinen Kumpanen los zu werden.

„Trollbein", erwiderte der andere Junge wie aus der Pistole geschossen und der Eingang öffnete sich.

`Kein Wunder, dass er sich dieses Passwort merken kann`, dachte Draco gehässig, dann trat er ins Innere.

Der Gemeinschaftsraum war voller Schüler und Draco fiel in diesem Moment ein, dass er vergessen hatte Greg zu fragen, warum er eigentlich nicht im Unterricht war. Alle Augen richteten sich auf ihn und die Gespräche, die eben noch im Gang waren, verstummten. Mit verschlossenem Gesicht durchquerte Draco den Raum, ohne nach rechts oder links zu sehen.

Er wollte jetzt keine Fragen, keine Erklärung abgeben. Und schon gar nicht bei so vielen Slytherins auf einmal. Alles was er wollte, war seine Ruhe. Er würde sich ins Bett legen, nachdem er einen Silencio Zauber darüber verhängt hatte und sich eine Strategie überlegen, wie er weiter vorgehen würde... Nun ja, den Silencio Zauber konnte er vergessen, denn er hatte ja immer noch keinen Zauberstab.

Er fühlte ihre Blicke wie Feuer in seinem Rücken, als er in seinen Schlafraum schlüpfte und die Tür direkt hinter sich ins Schloss fallen ließ. Schwer atmend lehnte er sich gegen das dunkle Holz. Schweigend lauschte er in die Stille. Noch immer war kein Laut zu hören, so als hätten alle Schüler auf einmal den Gemeinschaftsraum verlassen, doch Draco beschloss, das Risiko nicht einzugehen, nachzusehen.

Mit einem Ruck flog die Tür nach innen und Draco taumelte nach vorn. Seine Hand fuhr unwillkürlich zu seiner Hosentasche, wo er sonst seinen Zauberstab aufbewahrte, doch dieses Mal griff sie ins Leere.

Verdammt...

Ein ganzer Pulk Jungen drängte sich durch die entstandene Öffnung in den Raum. An ihrer Spitze stand ein äußerst gehässig aussehender Theodore Nott. Der blonde Slytherin straffte sich und starrte böse zurück.

„Sieh an, sieh an", begann Nott in dem üblichen öligen Tonfall, den Draco so an ihm hasste. „Der Prinz von Slytherin kehrt also doch zurück."

„Es tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen, falls du geglaubt hast, der Dunkle Lord würde mich töten", gab Draco mit kalter Stimme zurück. Er funkelte die anderen Slytherins an, die sich hinter Nott drängten. „Ich kann mich nicht daran erinnern, auch nur einen von euch in meinen Schlafraum eingeladen zu haben. Also raus mit euch und zwar schnell!"

„Ich glaube nicht, dass du hier in der Lage bist, Befehle zu geben, du Verräter!" erwiderte Nott bissig und nickte zwei stämmigen Fünftklässlern zu, die sich neben ihm aufbauten.

„Ich bin kein Verräter, du widerliche Ratte!" spuckte Draco ihm entgegen. Noch war nichts verloren. Mit Nott allein würde er fertig werden, wenn es ihm gelang, ihn daran zu hindern, seinen Zauberstab zu ziehen. Hauptsache, die anderen Slytherins hielten sich aus der Sache heraus. Er streifte die Menge mit einem Blick. Hauptsächlich waren es jüngere Schüler, die sich in seinem Zimmer versammelt hatten. Crabbe, Goyle, Pansy und Blaise konnte er nirgendwo entdecken.

„Da bin ich ein paar Tage überfällig und schon stellt ihr euch alle hinter diesen Möchtegern Zauberer!" Einige der Jungen schienen unsicher zu werden. Zentimeter um Zentimeter wichen sie zurück. Das war der Zeitpunkt, um ihre Zweifel ein für alle Mal zu zerstreuen. Seine Hände zitterten kaum merklich, als Draco das zweite Mal an diesem Vormittag das Dunkle Mal entblößte.

„Schaut her, ich trage Sein Zeichen. Was könnte mich wohl mehr zu einem Slytherin machen?"

„Jedenfalls nicht Potters Schwanz in deinem Arsch", zischte Nott und gab den beiden Gorillas neben sich ein Zeichen. Mit einem fiesen Grinsen gingen die Jungen auf Draco zu, während sich Theo wohlweislich im Hintergrund hielt.

„Fahr zur Hölle, Nott", knurrte Draco wütend und ballte die Hände zu Fäusten.

`Was für eine billige Kopie`, dachte er noch, als er sich unter dem ersten Schlag hindurch duckte. Beinah war er froh, dass Notts Schläger scheinbar zu dumm waren, um ihm einen Fluch auf den Hals zu hetzen. Mit körperlicher Gewalt konnte er besser umgehen.

Er verpasste dem rechten von ihnen einen Kinnhaken, so dass der Kopf des Jungen nach hinten flog, während er gleichzeitig dem Anderen sein Knie in die Magengrube rammte. Der Schläger stöhnte auf, doch er hatte noch genug Kraft, um seinerseits einen Schlag in Dracos Gesicht ausführen zu können. Die Faust landete hart am Kiefer des Blonden. Es gab ein hässliches Knacken und Blut sickerte aus seinem Mund.

Ein starker Schmerz durchzuckte Dracos Gesicht und er meinte Sterne zu sehen. Offensichtlich war er noch zu geschwächt vom Cruciatus-Fluch, den er gestern hatte einstecken müssen. Schnell schüttelte er den Kopf, um die Benommenheit abzuschütteln. Er trat den ersten Jungen, der sich das Kinn hielt mit Wucht in die Brust, doch seine Bewegungen waren zu langsam. Der Schlag, der ihn an der Schläfe traf, schickte Draco zu Boden. Die Sterne vor seinen Augen nahmen zu und wurden zu ganzen Planetensystemen.

Ein spitzer Schmerzensschrei entwich seinen Lippen, als ein harter Tritt seinen Unterleib traf. Weitere Tritte in den Bauch und in die Rippen folgten, doch er biss die Zähne so fest zusammen, dass er meinte, sein Kiefer müsste brechen - falls er es von dem Schlag, den er abbekommen hatte nicht schon war. Schützend rollte er sich zusammen, versuchte den Schlägen und Tritten so wenig Angriffsfläche wie möglich zu geben.

Der metallische Geschmack von Blut in seinem Mund ließ ihn würgen und Draco hoffte, dass er sich wenigstens nicht auch noch vor Notts Füße erbrechen würde. Ein schweres, taubes Gefühl überlagerte seine Gedanken. Ein schwarzer Schleier trübte seine Sicht und die Geräusche um ihn herum schienen auf einmal von sehr weit weg zu kommen.

„Was tut ihr hier, ihr Idioten?!" hörte er eine aufgebrachte Stimme. Mühsam versuchte er sie zuzuordnen, doch seine Gedanken entglitten ihm immer wieder, bei dem Kampf nicht in die Bewusstlosigkeit abzudriften. „Raus hier, verdammte Scheiße, oder ihr findet euch alle auf der Krankenstation wieder, bevor ihr Salathar Slytherin sagen könnt!"

Blaise. Niemand hatte einen derart eingeschränkten Wortschatz wie Blaise Zabini. Trotz der Schmerzen musste Draco beinah lächeln. Er hörte das Rascheln von vielen Umhängen, als sich die Schüler aus dem Zimmer zurück zogen und dann einen lauten Knall, als die Tür mit Wucht zu geworfen wurde.

Schritte näherten sich ihm und er fühlte einen Lufthauch, als sich Blaise neben ihn hockte. „Verdammt, Dray, was machst du für Sachen? Da nutzte ich einmal eine Freistunde zum Fummeln und du...Wenn Greg mich nicht geholt hätte, wer weiß was dieser irre Nott mit seinen Schlägern noch gemacht hätte."

Dracos Kopf schien zu bersten, dennoch schaffte er es, gegen die Dunkelheit an zu blinzeln. Das Lächeln, das er seinem Freund schenkte war mehr eine Grimasse, als er versuchte sich aufzurappeln. „Ich bin auch froh dich zu sehen, Blaise. Es geht doch nichts darüber wieder in Hogwarts zu sein."

XXXXXX

Mit gerunzelter Stirn starrte Draco auf das Schachbrett vor sich auf dem Tisch. Es waren jetzt schon geschlagene zehn Minuten vergangen, seit Harry seinen letzten Zug gemacht hatte.

Wird das heute noch mal was, love?" fragte der Dunkle gelangweilt, während er seine Notizen überflog.

Hetz mich nicht, ich habe dich schließlich auch in Ruhe deinen Zug machen lassen", gab Draco gereizt zurück. Die ersten beiden Partien heute hatte er knapp verloren und Harry wusste, wenn sein Partner diese ebenfalls nicht als Gewinner beenden würde, wurde es Zeit für ein neues Zauberschachbrett.

Nimm dir nur soviel Zeit, wie du brauchst", erwiderte der ehemalige Gryffindor beschwichtigend und stand auf. „Ich hole uns in der Zwischenzeit eine neue Flasche Wein aus der Küche."

Draco knurrte nur etwas Unverständliches, während er weiter die auf dem Brett stehenden Figuren zu hypnotisieren schien. Als Harry kurz darauf zurück kam und einen kurzen Blick auf das Spiel riskierte, hatten die Spielfiguren auf wundersame Weise ihre Position verändert.

Er lächelte wissend in sich hinein, als Draco seinen Springer setzte, der daraufhin Harrys Dame den Kopf abschlug. „Sieh an, ich hätte schwören können, der Springer stand vorhin noch neben deinem Turm."

Unbeeindruckt verschränkte Draco die Arme vor der Brust. „Willst du damit etwa andeuten, ich würde mogeln?"

Harrys Lächeln wurde noch eine Spur breiter, als er sein Pferd vorrückte. Wissend, dass die Partie nun an Draco gehen würde. „Aber niemals, love. Ich würde sagen, du spielst ganz einfach die Slytherin-Version des Spiels."

Und das mehr als erfolgreich", fügte der Blonde zufrieden hinzu. Er setzte seine Dame vor Harrys König. „Schach matt, babe."

Der ehemalige Gryffindor deutete einen Verbeugung an. „Meinen herzlichen Glückwunsch."

Bekommt der Sieger keinen Kuss?" fragte Draco gespielt beleidigt.

Grinsend beugte sich Harry über das Schachbrett und legte seine Lippen sanft auf die seines Partners. „Eine Million Küsse, wenn du willst, love."

Tbc...

Kapitel 11 von redangeleve
                                              XXIX. Survivor

I`m a survivor

I`m not gonna give up

I`m not gonna stop

I`m gonna work harder

(Destiny`s Child, Survivor)

Mit zusammen gebissenen Zähnen massierte Draco seinen schmerzenden Kiefer. Zwar hatte ihn Blaise mit Engelszungen beschworen, sich noch einmal in der Krankenstation untersuchen zu lassen, aber er hatte das rigeros abgelehnt. Ein Gang mit geschwollenem Gesicht durchs halbe Schloss würde bedeuten, dass sich die Nachricht von der Prügelei in Windelseile in der ganzen Schule herum sprach. Er konnte es beinah vor sich sehen: `Rebellion in Slytherin. Das Ende des Eisprinzen.` Genau das konnte er im Moment am allerwenigsten gebrauchen.

Merlin sei Dank, hatte Blaise wenigstens einen Pepper-Up Trank in seinem Koffer, so dass die schwarzen Flecken vor seinen Augen verschwunden waren. Doch dafür schien sein Kopf bersten zu wollen. Nie hätte Draco gedacht, dass seine Kopfschmerzen noch steigerbar waren, aber als ihm sein Freund von den Geschehnissen der letzten Tage berichtete, nahm das Dröhnen in seinem Schädel geradezu ohrenbetäubende Maßstäbe an.

Offenbar hatte Nott senior seinem Sohn eine sehr farbenfrohe Variante dessen erzählt, was in Lestrange Manor vorgefallen war. Für Draco war es, als würde er von Blaise die Geschichte eines anderen Menschen hören. Nach wie vor konnte er sich an nichts erinnern und so musste er es als die Wahrheit hinnehmen, dass er letztendlich auf den Knien vor Voldemort gesessen hatte, während ihn dieser mit dem Cruciatus gefoltert hatte, um seinen Treueschwur zu erzwingen. Doch ohne Erfolg. Voldemort war kurz davor gewesen, ihn zu töten, als sein Vater einschritt. Die Schilderung endete mit damit, dass Lucius und der Dunkle Lord unter vier Augen miteinander gesprochen hatten und Draco ohne die Anwesenheit der anderen Todesser gebrandmarkt worden war.

Wie immer, wenn vom Dunklen Mal die Rede war, fasste Draco unbewusst an seinen Unterarm. Es schien ihm, als würde ihn der Totenkopf selbst durch den Stoff seiner Robe gehässig anfunkeln. Also hatte sein Vater ihn an Voldemort verraten. Wütend grub Draco seine Finger in das Fleisch über dem Mal. Sie hatten sich gegen ihn verschworen und ihn gegen seinen Willen gezeichnet. Doch warum hatten sie ihn fliehen lassen?

War es wirklich wahr? Sollte es tatsächlich seine Aufgabe sein, Harry zu töten? Aber wenn die anderen Todesser nichts von ihrem Verhältnis ahnten, woher wusste dann Nott davon?

Unwohl rutschte Blaise auf dem Rand seines Bettes hin und her. Offensichtlich hatte er mit der Frage gerechnet. „Die Sache ist die: Als du am Schulbeginn nicht wieder nach Hogwarts gekommen bist, ist Potter regelrecht ausgetickt. Er hat mich abgepasst und versucht, mir aus der Nase zu ziehen, wo du bist und so. Da habe ich ihm halt die Wahrheit gesagt und er ist durchgedreht und hat mir eine rein gehauen."

„Harry hat dich geschlagen?" Trotz der Schmerzen musste Draco bei dem Gedanken grinsen. „Und du hast dir das einfach gefallen lassen? Von einem Gryffindor? Blaise, ich bin erschüttert."

Der dunkle Slytherin guckte ihn böse an. „Er hat mich überrumpelt, das ist alles. Bei einem fairen Kampf hätte ich ihn natürlich jederzeit fertig gemacht."

„Klar doch, Blaise", gab Draco sarkastisch zurück. „Wir wissen ja alle, was für ein fairer Kämpfer du bist."

„Willst du es jetzt hören, oder nicht?" schäumte der Andere gereizt.

Draco machte eine Geste, um anzudeuten, dass sein Mund versiegelt war und lehnte sich wartend zurück.

„Jedenfalls war ich ganz schön geladen und habe ihn eine Hure genannt..."

„Du hast was?!" Der Blonde fuhr aus den Kissen hoch, bereute die Aktion aber sofort wieder, als seine Rippen protestierend schmerzten.

„Naja, der genaue Wortlaut war wohl `Fickunterlage`", bekannte Blaise vorsichtig. „Hey, du hättest das selbe an meiner Stelle getan! Holy Saint Potter! So eine Gelegenheit bekommt man nicht alle Tage. Dummer Weise hat Pansy Potters Ausraster miterlebt und war danach so was von aus dem Häuschen, dass sie Millicent davon erzählt hat. Naja und als der verdammte Nott meinte, er wäre der neue Prinz hier, hat sich Millicent mit der Geschichte bei ihm eingeschleimt. Sie dachte wohl, dass sie dann bei ihm was gut hat."

„Da sag noch mal einer, Slytherins sind verschwiegen", grollte Draco böse.

„Es tut ihr ja auch furchtbar leid", nahm Blaise seine Freundin in Schutz. „Keiner von uns wollte was mit Nott zu tun haben. Pansy schon gar nicht. Wir sind deine Freunde, Mann."

Nachdenklich fuhr sich Draco durch die Haare. Er brauchte Blaise und die anderen, das wusste er selbst. Die Attacke von eben hatte ihm gezeigt, dass er ohne Freunde und ohne seinen Zauberstab ein leichtes Ziel für Nott und seine Schläger abgab. Also würde er sein Temperament zügeln. Zumindest vorerst.

In diesem Moment wurde die Tür mit einem Ruck geöffnet und Professor Snape eilte mit fliegender Robe in den Raum. In einer Hand trug er eine verbeulte, braune Tasche. Durch einen Wink seines gezückten Zauberstabs schloss sich die Tür erneut. Erschrocken fuhr Blaise in die Höhe und auch Draco zuckte bei der Ankunft des Lehrers überrascht zusammen.

„Mr. Zabini. Wenn mich nicht alles täuscht, findet in einer Viertelstunde das Vertrauensschüler Treffen statt. An ihrer Stelle würde ich mich also schon einmal auf den Weg machen."

Vertrauensschüler?! Blaise?! Offenbar hatte die ganze Schule den Verstand verloren...


„Ja, Sir", stammelte der Dunkle. Er warf Draco noch einen entschuldigenden Blick zu und stürzte dann umgehend aus dem Raum.

Ohne zu zögern trat Snape an Dracos Bett. Mit Daumen und Zeigefinger nahm er das Kinn seines Schülers und drehte den Kopf hin und her, um sich das Ausmaß der Verletzungen zu betrachten.

„Sind das die einzigen Blessuren?" fragte er mit einer hochgezogenen Augenbraue.

„Nein", antwortete Draco wahrheitsgemäß. Er fragte nicht, woher sein Hauslehrer davon wusste, sondern schob zögerlich die Robe nach oben, so dass Snape einen Blick auf seinen Bauch und seine Rippen werfen konnte.

Die Miene des Schwarzhaarigen verfinsterte sich, als er mit den Fingern über die Blutergüsse tastete. „Tut das weh?"

„Ein wenig", brachte der Blonde mit zusammen gebissenen Zähnen hervor.

„Zieh dich wieder an. Immerhin scheint nichts gebrochen zu sein." Der Lehrer öffnete seine Tasche und begann in den darin enthaltenen Fläschchen zu wühlen. Nacheinander beförderte er zwei von ihnen zu Tage. Die eine enthielt eine ölige, schlammig braune Flüssigkeit, während die zweite wie Wasser wirkte.

„Trink das. Es ist gegen die Schwellung und die Schmerzen. Wenn es morgen nicht schon besser aussieht, meldest du dich wieder bei mir."

Der Junge entkorkte das erste Fläschchen und stürzte es mit einem Schluck hinunter. Er hatte in seinem Leben schon genug Zaubertränke genommen, um zu wissen, dass man sie besser nie in kleinen Schlucken trank. Die wenigsten Tränke schmeckten annehmbar, bei den meisten war man eher verwundert, dass die Zunge noch da war, wo sie hingehörte.

Daher war Draco auch nicht verwundert, als es ihn bei dem bitteren Geschmack schüttelte. Sich des Blickes seines Hauslehrers sehr wohl bewusst, nahm er trotzdem sofort das zweite Fläschchen und trank es in einem Zug leer. „Danke", sagte er ehrlich, während er gegen den Würgereiz ankämpfte.

„Dank mir nicht zu früh, Draco", erwiderte Snape. „Ich habe um eine Unterredung mit Professor Dumbledore gebeten, damit du deinen Zauberstab zurück erhältst. Und ich denke, nach den heutigen Ereignissen kann er gar nicht anders, als ihn dir zum Selbstschutz wieder zu geben."

Bei den Worten fühlte Draco, wie die Hoffnung wieder zurückkehrte. „Wann kann ich mit einer Entscheidung rechnen?" fragte er erregt.

„Komm nach dem Abendessen in mein Büro, dann sollte es schon feststehen. Bis dahin würde ich an deiner Stelle Streit eher aus dem Weg gehen."

Der blonde Slytherin nickte verstehend. Er war dankbar, dass Snape nicht danach fragte, wer ihn geschlagen hatte, denn dann wäre Draco in einen Konflikt geraten. Einerseits wäre es amüsant zu sehen, wie Nott und seine Schläger bis zum Ende des Schuljahres zu Filchs Sklaven degradiert wurden, aber andererseits wollte Draco seine Rache selbst bestimmen.

Nur noch wenige Stunden, dann würde Theo sehen, wer hier ein Verräter war...
 

XXXXXX

Hast du meinen grünen Umhang gesehen?" Fragend stand Draco im Türrahmen und sah seinen Ehemann an.

Welchen Umhang?" fragte Harry zerstreut.

Den grünen Umhang", wiederholte der Blonde mit einem Augenrollen.

Du hast keinen grünen Umhang, Love", antwortete Harry und räumte seine Papiere zur Seite.

Natürlich habe ich einen grünen Umhang. Das ist der, den ich gekauft habe, kurz bevor wir in dieses Haus gezogen sind."

Erstens war der Umhang sandfarben und zweitens habe ich den schon vor Jahren entsorgt", erklärte der Dunkle ruhig.

Du hast was?!"

Draco, du hast den Umhang noch nie angezogen und bis zum heutigen Tag hast du ihn noch nicht einmal vermisst."

Du kannst doch nicht einfach meine Sachen wegschmeissen!" Entrüstet stemmte der Blonde die Hände in die Hüften.

Wenn ich nicht ab und zu dafür sorge, dass du dich von irgendetwas trennst, versinken wir noch in Klamotten."

Aber dank dir habe ich jetzt keinen Umhang, der zu dieser Robe für die Gala heute Abend passt", schmollte Draco beleidigt.

Merlin, du hast zwei Dutzend Umhänge, davon wird doch wohl irgendeiner zu der Robe passen!" Langsam riss Harry der Geduldsfaden.

Eben nicht. Deshalb brauche ich ja den grünen Umhang."

Sandfarben war er!" Frustriert fuhr sich der Dunkle mit der Hand durch die Haare. Er merkte schon, dass es heute nichts brachte, sich mit seinem Ehemann zu streiten. „Dann zieh halt eine andere Robe an."

Kommt gar nicht in Frage!" Stur kreuzte Draco die Arme vor der Brust. „Entweder du apparierst mit mir heute noch in die Winkelgasse, oder ich gehe nicht mit auf die Gala."

Einen Moment lang fragte sich Harry, was wohl das kleinere Übel war. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass sie nur noch zwei Stunden Zeit hatten. Großartig... Normaler Weise erbarmte sich Hermine immer, wenn es bei Draco ums Shoppen ging, aber so kurzfristig würde sie bestimmt keine Zeit finden.

Gut." Resigniert zuckte der Dunkle mit den Schultern. „Dann auf in die Winkelgasse. Aber nur damit das klar ist: Wir gehen in ein einziges Geschäft und wenn unter den ersten zwanzig Umhängen keiner dabei ist, suche ich einen für dich aus."

Triumpfierend lächelnd nahm Draco seinen Ehemann in den Arm. „Ganz wie du willst, Babe. Und übrigens: Ich wusste, dass der grüne nicht mehr da ist. Aber um ehrlich zu sehen, den habe ich noch nie gemocht."

XXX. Friends will be friends

It`s so easy love cos you got friends you can trust

Friends will be friends

When you`re in need of love they give you care and attention

Friends will be friends

When you`re through with life and all hope is lost

Hold out your hands cos friends will be friends

Right till the end

(Queen, Friends will be friends)

Missmutig rührte Harry in seinem Mittagessen herum. Die Elfen hatten sich mal wieder selbst übertroffen und ein richtiges Festmahl gekocht, doch heute brachte er keinen Bissen herunter. Ron hatte sich zwischen Dean und Seamus gesetzt und vermied es standhaft, ihn auch nur eines Blickes zu würdigen, während Hermine geradezu auffällig freundlich zu ihm war. Immer wieder wanderten Harrys Augen zu Dracos leerem Platz am Slytherin Tisch und er fragte sich, ob er wohl einfach aufstehen und in die Krankenstation gehen konnte, ohne dass es jemandem auffiel.

Den ganzen Vormittag lang, war die Freundin nicht müde geworden, die beiden Jungs dazu zu bewegen miteinander zu sprechen, jedoch bis jetzt ohne Erfolg. In Zaubertränke hatte Ron sogar freiwillig seinen Platz getauscht und mit Neville zusammen gearbeitet, was mal wieder in einer Explosion geendet war, die ein faustgroßes Loch in den Second Hand Kessel des Unglücksraben brannte.

Bei Pflege magischer Geschöpfe hatte Ron, um ja nicht mit Harry reden zu müssen, sein Einhorn so stark gestriegelt, dass Professor Raue Pritsche schon gescherzt hatte, dass das Tier durch die vielen Bürstenstriche vermutlich seine Farbe verloren hätte, wenn es nicht schon weiß gewesen wäre. Und zu Verwandlung war er gar nicht erst erschienen. Harry hatte hinterher erfahren, dass sein Freund angeblich in einer Trickstufe der Treppe festgesteckt hatte und eine geschlagene Stunde gebraucht hatte, um sich zu befreien.

Scheinbar riskierte Ron es lieber, Punkte abgezogen zu bekommen, statt neben Harry zu sitzen. Zwar warf er ihm jetzt einen verstohlenen Blick am Kürbissaftkrug vorbei zu, doch als Harry ihn ansah, guckte der Rothaarige sofort wieder weg. Es war hoffnungslos. Sogar den anderen Gryffindors fiel ihr Verhalten schon auf. Ginny stubste Hermine ein paar Mal in die Seite, in der Hoffnung, dass ihre Freundin sie aufklärte, doch Hermine schüttelte nur den Kopf. Offenbar nahm sie ihre Aufgabe als frisch gewählte Vertrauensschülerin mehr als ernst.

Schließlich hielt es Harry nicht mehr aus. Mit einem letzten genervten Seufzen warf er die Gabel auf seinen Teller und stand auf. Er fühlte die Blicke der anderen Schüler in seinem Rücken, als er so lässig wie möglich zur Tür der Großen Halle ging. Erst nachdem die dicken Flügel aus Eichenholz hinter ihm ins Schloss gefallen waren, begann er seine Schritte zu beschleunigen und als er endlich die Treppe zur Krankenstation erreichte, rannte er beinah.

Enttäuscht musste er von Madame Pomfrey erfahren, dass Draco heute morgen in den Slytherin Kerker zurück gekehrt war. Aber warum war er dann nicht beim Essen gewesen? Einer inneren Eingebung folgend machte sich Harry auf den Weg zu dem Bild mit der Birne, hinter dem sich der Eingang zur Küche versteckte. Und tatsächlich, kurz bevor er es erreichte, kam ihm der blonde Slytherin entgegen. Sein Gang war noch unsicher. Er humpelte leicht und ging sehr langsam.

„Draco!" Harry vergaß alle Vorsicht und stürmte auf seinen Freund zu. „Was ist passiert?" Bestürzt sah er die bläulichen Verfärbungen im Gesicht des Blonden.

Bei Harrys besorgtem Tonfall musste Draco beinah grinsen. Schnell testete er die nächste Tür, die zu einem Abstellraum gehörte. Als er feststellte, dass sie unverschlossen war, zog seinen Freund hinein.

„Glaubst du mir, wenn ich sage, dass ich gestürzt bin?" fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen. Eigentlich hatte er keine große Lust, dem Gryffindor von der Prügelei zu erzählen, doch so einfach ließ sich der Dunke nicht abspeisen.

„Das glaubst du doch selbst nicht", knurrte Harry. Seine Hände tasteten vorsichtig über den dunklen Bluterguss an Dracos Kiefer. Grimmige Entschlossenheit zeichnete seine Züge. „Wer war das?"

„Ist nicht so wichtig. Das ist meine Sache." Wie um den Satz zu unterstützen, wich Draco in der engen Kammer so weit es ging von dem anderen Jungen zurück.

„Deine Sache?! Jemand schlägt dich halb tot und du sagst, ich soll das einfach so hinnehmen?"

„Genau das sage ich", erwiderte Draco bestimmt. „Das ist eine Slytherin-Angelegenheit, Harry. Halt dich da raus."

„Weißt du noch, was das letzte Mal passiert ist, als du etwas allein ausmachen wolltest?" fragte Harry und griff hart nach dem Unterarm des Blonden. „Das hat dir diese hübsche Tätowierung eingebracht."

„Du und dein Heldenkomplex!" entfuhr es Draco wütend, als er seinem Freund den Arm entwand. „Du kannst nicht immer kommen und mich retten wollen. Ich bin kein Mädchen, das darauf wartet beschützt zu werden. Versuch dich mal in meine Lage zu versetzten. Angenommen, du machst die Schläger fertig und dann? Ich bin immer noch ein Slytherin, Harry. Wenn ich mir in meinem eigenen Haus keinen Respekt verschaffen kann, bin ich so gut wie tot. Nein, ich muss diese Sache allein ausfechten."

„Du hast ja noch nicht mal deinen Zauberstab!" versuchte Harry den Blonden zur Vernunft zu bringen.

„Snape kümmert sich gerade um das Problem. Ab heute Abend bin ich wieder ein vollwertiger Zauberer", gab der Slytherin optimistisch zurück.

„Was wirst du dann machen?" fragte der Dunkle beklommen.

„Ich werde dafür sorgen, dass ein gewisser Jemand eine Lektion lernt, die er nicht so schnell vergessen wird." Grinsend zog er Harry näher zu sich heran. „Aber lass uns jetzt nicht mehr davon sprechen, ja? Weißt du eigentlich, wie es war, heute morgen aufzuwachen und du warst nicht da?"

„Ich musste zum Unterricht", verteidigte sich Harry und schlang seine Arme um den Blonden. „Aber eigentlich wäre ich lieber bei dir geblieben."

„Um was zu machen?"

„Das weißt du genau." Wieder knurrte der Gryffindor, aber dieses Mal war es nicht vor Wut.

„Da hätte die Pomfrey was zu sehen bekommen", schnurrte Draco grinsend und stahl sich einen Kuss von seinem Freund.

„Wenn sie das mal nicht schon hat", erwiderte der Dunkle, dem gerade das verschwundene Arnica-Öl einfiel. Er fühlte die wachsende Erregung des Slytherin an seiner Leiste. „Geht es dir dafür denn schon gut genug?"

„Wenn ich dafür nicht mehr fit genug bin, darfst du mich eigenhändig einsargen", erwiderte Draco. Seine Hände suchten gezielt nach dem Knopf von Harrys Hose.

Die Antwort blieb dem Gryffindor im Hals stecken, denn in diesem Moment verschwanden schlanke, weiße Finger in seiner Unterwäsche. Sein Kopf fiel nach hinten, gegen die Wand des Abstellraums und sein Verstand verschwand, als sein Blut in tiefere Regionen absackte.

XXXXXX

Der Sommer machte noch einen letzten Versuch, sich gegen den aufziehenden Herbst durchzusetzen und so nutzten die meisten Schüler die Zeit vor dem Abendessen, um sich draußen die Beine zu vertreten oder sich am Ufer des Sees zu sonnen.

Harry war nur kurz in den Schlafsaal gegangen, um seine Tasche dort zu deponieren und sich dann einen ruhigen Platz zum Lesen unter einem der Bäume zu suchen, doch als er die Treppe in den Gemeinschaftsraum herunter ging, sah er seine Pläne schwinden. Hermine stand mit entschlossenem Gesicht mitten im Zimmer. Zu ihrer Rechten saß Ron auf einem Sessel. Seiner Miene nach zu urteilen, hatte er sein Fett bereits weg.

„Setz dich, Harry", sagte sie in einem Tonfall, der ihn stark an den von Professor McGonagall erinnerte.

„Kann das nicht warten, Mine?" versuchte der Dunkle noch der Situation zu entkommen. „Ich wollte gerade..."

„Nein, kann es nicht", schnitt sie ihm das Wort ab. „Du setzt dich jetzt da hin und wir reden."

Harrys Mund öffnete sich zu einem erneuten Protest, aber nachdem er erneut einen Blick auf Hermines Mimik geworfen hatte, gab er auf.

„Okay", grummelte er leise und ließ sich unwillig in den zweiten Sessel sinken.

„Na, also. Geht doch", meinte sie zufrieden und setzte sich in den dritten Sessel zwischen die beiden Jungen. „Wisst ihr, Jungs, normaler Weise würde ich sagen, wir warten ein paar Tage, bis sich die Emotionen gelegt haben und ihr vernünftig miteinander reden könnt. Aber es sind keine normalen Zeiten. Niemand weiß, wie lange es bis zum nächsten Todesser Angriff dauert. Und dieses Mal könnte es sein, dass es hier in Hogwarts passiert."

Sie sah Harry ernst an und er verstand den Seitenhieb auf Draco.

„Also überspringen wir einfach mal die Tage, in denen ihr euch anschweigt und das Schreien und die verbalen Verletzungen, die darauf folgen werden, sondern kommen gleich zur Sache. Erstens, Ron, du bist verletzt, weil Harry sich verliebt hat, ohne dir davon zu erzählen und zweitens bist du wütend, weil es Malfoy ist, dem Harrys Gefühle gelten."

„Gefühle?! Wie kann er für den Gefühle haben?! Der Kerl ist die Pest!" platzte es aus Ron heraus.

Noch bevor Harry seinerseits explodieren konnte, hatte Hermine ihm bereits beruhigend eine Hand auf den Arm gelegt. „Wir wollten doch den Teil mit den Verletzungen überspringen, Ron. Das bringt uns nicht weiter. Harry liebt Draco. Das ist nun mal so und das wirst du nicht ändern können, also finde dich damit ab. Besinn dich mal auf das Wesentliche: Harry ist dein bester Freund. Wir sind zusammen durch dick und dünn gegangen. Soll sich das jetzt ändern, nur weil du nicht nachvollziehen kannst, dass er auf Malfoy steht?"

„Er kann doch jede, ich meine jeden, haben!" entfuhr es dem Rothaarigen. „Warum ausgerechnet ihn?"

„Ich habe mir das nicht ausgesucht, Ron", erwiderte Harry mühsam beherrscht. „Es ist einfach passiert. Glaub mir, mein Leben wäre wesentlich einfacher, wenn es nicht so wäre, aber ich liebe ihn. Warum kannst du das nicht einfach akzeptieren?"

„Weil ich es nun mal nicht kann." Ron verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich kann den Kerl nicht ausstehen."

„Keiner sagt, dass du ihn mögen musst", beschwichtigte ihn Hermine. „Du sollst nur weiter Harrys Freund sein. Schau mal, keiner von uns hat etwas gesagt, als du mit Lavender geknutscht hast."

„Na hör mal! Sie ist schließlich ein Mädchen und eine Gryffindor!"

„Aber selbst wenn sie es nicht gewesen wäre, hätten wir uns zusammen gerissen und wären nett gewesen, weil du sie gern gehabt hast."

Fasziniert sah Harry seine Freundin an. Hermine war einfach die perfekte Vertrauensschülerin. Wie sie es immer wieder schaffte, die Wogen zu glätten, war echt einmalig. Wenn sie die Schule beendet hatte, sollte sie sich echt überlegen, ob sie ihre diplomatischen Fähigkeiten nicht dem Ministerium zur Verfügung stellte. Harry sagte ihr in jedem Fall eine überragende Karriere voraus.

Ron war deutlich anzusehen, dass es hinter seiner Stirn arbeitete. Er hatte zwar immer noch die Arme vor der Brust verschränkt, aber sein Gesicht wirkte längst nicht mehr so verschlossen, wie vor einigen Minuten.

„Willst du damit sagen, dass ich zu ihm nett sein soll? Zu Malfoy?" Seinem Ton nach war das beinah eine unmögliche Aufgabe.

„Es wäre ein Anfang, wenn du versuchen würdest, nicht unhöflich zu sein."

„Aber nur, wenn er es auch tut", erwiderte Ron, mit dem Gesichtsausdruck eines bockigen Dreijährigen.

„Natürlich." Hermine lächelte Harry an. „Das wäre doch eine Basis, oder?"

„Klar." Auch der Dunkle lächelte. „Damit könnte ich leben und ich bin sicher, Draco auch."

„Aber bitte beherrscht euch, ja? Wenn ich sage, ich versuche es heißt das nicht, dass ich euch beim Knutschen zusehen will."

„Auch wenn es schwer fällt, aber wir werden uns zusammen reißen."

Harry schenkte seinem Freund ein schiefes Lächeln, das dieser schwach erwiderte und Hermine lehnte sich zufrieden in ihrem Sessel zurück. Es würde vermutlich noch ein langer Weg werden, bevor ihre Freundschaft wieder so war wie zuvor, aber der erste Schritt war gemacht.

XXXXXX

Das mit dem Zusammenreißen hat dann aber nicht lange gehalten", resümierte Draco grinsend.

Das lag aber ganz eindeutig nicht an mir", erwiderte Harry unschuldig. „Ich habe es wirklich versucht."

Was kann ich dafür, dass ich einfach nicht die Hände von dir lassen konnte?"

Was heißt hier `konnte`?" entrüstete sich der Dunkle.

Naja", meinte sein Partner schulterzuckend. „Ich glaube, in letzter Zeit hat deine Anziehungskraft auf mich stark nachgelassen..."

Also davon merke ich aber nichts", stellte Harry irritiert fest.

Und das, obwohl wir jetzt nur noch einmal am Tag Sex haben", beschwerte sich Draco schmollend.

Oh Gott, wir sollten einen Eheberater aufsuchen", erwiderte der Dunkle grinsend.

Das ist nicht lustig. Ich finde das Besorgnis erregend", verteidigte der Blonde seinen Standpunkt.

Love, andere Paare haben gerade mal einmal pro Woche Sex", klärte Harry seinen Partner auf.

Merlin, wenn es mit uns mal so weit kommt, bringe ich mich um", stöhnte Draco entsetzt.

Muss es ja nicht", tröstete der Dunkle seinen Ehemann. „Wir könnten ja was dagegen tun."

Und was?"

Auf zwei Mal pro Tag erhöhen?"

Dann lass uns mal gleich damit anfangen..."

XXXI. Bad

Because I`m bad, I`m bad - come on

You know I`m bad, I`m bad, you know it

You know I`m bad, I`m bad, - come on, you know

And the whole world has to answer right now

Just to tell you once again

Who`s bad...

(Michael Jackson, Bad)

„Herein." Die Stimme des Zaubertränke-Lehrers klang dumpf durch die alte Holztür. Ohne zu zögern drückte Draco die matt glänzende Klinke herunter und öffnete die Tür. Professor Snape saß an seinem Schreibtisch und kritzelte in seiner kleinen, unleserlichen Handschrift auf einer Pergamentrolle. Er sah kurz auf, als Draco eintrat, widmete sich dann aber sofort wieder seinen Notizen. Nachdem der blonde Slytherin die Tür hinter sich geschlossen hatte, blieb er ruhig stehen und fixierte seinen Lehrer. Er versuchte sich seine Erregung nicht ansehen zu lassen, doch er konnte es nicht verhindern, dass seine ineinander verschlungenen Finger immer wieder nervös zuckten. Um seine Unruhe zu verbergen, ließ er während des Wartens den Blick durch den voll gestellten Raum gleiten.

In den Regalen von Snapes Büro sah es beinah so aus, wie in seinem Labor. Überall standen verschieden farbige Flaschen in allen Größen und Formen herum. Alle waren sorgfältig etikettiert und nach einem System geordnet, das nur der Zaubertränke-Meister selbst kannte. Dutzende alte, staubige Bücher zeugten vom dem Wissen vorangegangener Zauberer, deren Rezepturen auch Jahrhunderte nach ihrem Tod auf Pergament gebannt erhalten geblieben waren.

Draco hatte die Vorliebe für Zaubertränke erst durch seinen Paten erfahren. Sein Vater hatte zwar verschiedene Tränke im Haus, von denen Draco nicht einmal die Existenz bekannt sein durfte, doch waren es gekaufte Gifte. Lucius mochte in vielen Künsten bewandert sein, aber im Brauen von Tränken war er es nicht. Auch Narcissa schätzte die Wirkung der magischen Drogen, aber sie ließ sie sich von einer Pharmazie per Eule zustellen und braute sie nur im Notfall selbst.

Bei seinen ersten Versuchen in diesem Fach hatte er kaum über den Rand des Kessels schauen können, doch Snape hatte ihm vom ersten Tag an Talent im Umgang mit den komplizierten Rezepturen zugestanden. Ein hohes Kompliment aus dem Mund des stets so griesgrämigen Meisters, doch Dracos Eltern sahen diese Gabe mit Wohlwollen und ließen ihn von da an regelmäßig fördern. Wenn der Krieg jemals enden sollte, und er bei Merlin dann noch am Leben war, würde er gern selbst in dieser Richtung arbeiten. Es gab noch so viele Gebiete, in denen geforscht werden musste. Beispielsweise gab es immer noch keinen Trank, um einen Imperius-Fluch nachweisen zu können...

„Draco, bist du nur gekommen, um meinen Vorrat an Zaubertränken zu bewundern, oder wolltest du hören, was ich beim Schulleiter erreicht habe?" Snapes Stimme brachte Draco wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Eilig wandte er sich seinem Hauslehrer zu, der ihn aus seinen schwarzen Augen abwartend taxierte.

„Natürlich. Es tut mir leid", erwiderte er höflich.

„Dann wird es dich freuen zu hören, dass du wieder zaubern darfst." Die langen Finger des Mannes öffneten eine Schublade im Schreibtisch und nahmen Dracos Zauberstab heraus. Behutsam legte Snape ihn vor sich auf den Tisch und machte zu Draco eine auffordernde Geste.

Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, trat Draco an den Schreibtisch heran und nahm sich den Stab, beinah so, als hatte er Angst, dass es sich sein Hauslehrer noch einmal anders überlegen könnte. Fasziniert fuhr er die feine Maserung des Holzes nach, fühlte das Vibrieren der Magie unter seinen Fingerspitzen. Sein Zauberstab. Endlich hatte er ihn wieder. Eine Welle der Erleichterung durchflutete ihn.

„Danke", sagte der Blonde zu dem Lehrer und wollte sich schon zur Tür begeben, doch Snape rief ihn zurück.

„Eine Sache noch Draco: Du solltest wissen, dass der Stab einem Zauber unterworfen worden ist. Jeder Zauber, den du damit durchführst, wird sofort an Professor Dumbledore übermittelt."

„Ich verstehe." Draco nickte ernst. Das war er also, der Preis für seine Unversehrtheit. Ein impotenter Zauberstab. Gut, das war besser als nichts. Und manchmal waren es die scheinbar harmlosen Flüche, die die schlimmsten Folgen hatten.

„Überleg dir also gut, wie du ihn außerhalb des Unterrichts einsetzt", mahnte ihn sein Hauslehrer erneut. Schwarze Augen fixierten ihn. Schienen bis in sein Innerstes dringen zu wollen. Draco hatte den Eindruck, dass Snape ihn viel zu gut kannte. Oder es lag einfach daran, dass er selbst in Slytherin gewesen war? Er wusste offensichtlich, wie der Hase lief und warnte Draco davor, seine Hauskameraden in wer weiß was zu verwandeln.

„Ich werde daran denken", versprach der blonde Slytherin und zog sich dann zurück, den Zauberstab hielt er immer noch fest mit den Fingern umklammert.

XXXXXX

Klopf. Klopf. Klopf, klopf, klopf. Klopf.

Das vereinbarte Zeichen. Draco erhob sich von seinem Bett. Er war nach der Unterredung mit Snape sofort in seinem Schlafraum verschwunden. Pansy und Blaise, die auf einem Sofa im Gemeinschaftsraum saßen, nickte er wie verabredet kurz zu, um ihnen zu sagen, dass alles glatt gelaufen war.

Dann hatte er sich auf sein Bett gelegt und gewartet. Er wollte keine Zeit verlieren. Je eher die alten Verhältnisse wieder hergestellt waren, um so besser. Wie ein leises Summen hatte er die Stimmen der anderen Schüler im Gemeinschaftsraum gehört, aber das hatte ihn nicht beunruhigt. Solange Pansy und Blaise dort draußen saßen, würde keiner der anderen Slytherins es wagen, zu ihm vorzudringen. Als sie über den Plan gesprochen hatten, drängte sich Pansy die ganze Zeit eng an Blaise, so als habe sie Angst davor, dass Draco ihr doch noch einen Fluch verpassen würde, weil sie nicht dicht gehalten hatte. Doch er hatte sie völlig neutral behandelt. Jetzt war nicht der Zeitpunkt für Rache. Wenn er ihr das Gefühl gab, dass er ihr verzieh, würde sie umso mehr versuchen, heute ihren Fehler wieder gut zu machen.

Eine ganze Weile lag er einfach so da und malte sich aus, was er alles mit Nott machen würde, wenn der Zeitpunkt gekommen war, dann hörte er endlich das Zeichen. Vor der Tür warteten schon Crabbe, Goyle, Pansy und Blaise. Gemeinsam gingen sie zu den Waschräumen im Kerker. Ein paar vereinzelte Slytherins saßen noch im Gemeinschaftsraum. Doch als sie Draco mit seinem Gefolge kommen sahen, senkten sie schnell ihren Blick auf die Dinge, die sie bis eben getan hatten. Egal was geschah, sie wollten nicht damit hinein gezogen werden.

Pansy und Blaise bezogen auf beiden Seiten der Tür Stellung, um mögliche andere Schüler fern zu halten, die auf die Toilette wollten, dann betrat Draco flankiert von Vincent und Gregory den Waschraum. Nott putzte sich gerade die Zähne, während die beiden massigen Fünftklässler neben ihm sich die Hände wuschen. Keiner von ihnen schien einen Zauberstab dabei zu haben, stellte Draco mit Genugtuung fest.

Wenig elegant spuckte Theo die weiße Zahnpasta ins Waschbecken, dann hob er den Kopf, um seinen Mund abzuwaschen. Als sein Blick im Spiegel die Jungen hinter ihm traf, verlor sein Gesicht jede Farbe. Er wirbelte herum und versuchte, seine Kumpane auf die Gefahr aufmerksam zu machen, doch Draco hatte den Überraschungsmoment auf seiner Seite. Ohne große Mühe überwältigten Crabbe und Goyle die beiden anderen Gorillas. Nicht dass Dracos Freunde wesentlich mehr Grips als die von Nott gehabt hätten, doch die jahrelange Erfahrung darin, Leute fertig zu machen, verschaffte ihnen einen entscheidenden Vorteil.

Unsicher wich Theo zurück. „Was wollt ihr?" fragte er mit dünner Stimme.

„Ich denke, das weißt du, Ratte", spuckte ihm Draco entgegen. „Nur dass ich niemanden brauche, der sich für mich die Hände dreckig macht. Was meinst du, Theo, machen wir es auf die schmutzige, physische Tour, so wie deine Schläger mich verprügelt haben oder nehmen wir die saubere, magische Art? Ein Fluch hier oder da, wer braucht schon alle seine Finger ...?" Langsam und genüsslich zog er seinen Zauberstab aus der Hosentasche.

Der schmächtige Slytherin vor ihm fing an zu zittern. Seine Gesichtsmuskeln zuckten unkontrolliert, während er wie gebannt auf Dracos Zauberstab starrte. Er hatte noch nie viel Mut besessen. Seine Art war es, hinterrücks jemanden niederzustrecken, jedoch im offenen Kampf hatte er keine Chance. Trotzdem versuchte er, sich seine Unsicherheit nicht ansehen zu lassen.

„Der Dunkle Lord wird dich kriegen und Potter und dann wirst du die Bestrafung bekommen, die einem Verräter zusteht", erwiderte er trotzig.

Ungerührt trat Draco einen weiteren Schritt auf den Jungen zu. Der Zauberstab in seiner Hand berührte die Brust des anderen beinah. „Das sollte nicht deine Sorge sein, Theo. Arschkriecherei hat deinen Vater in zwanzig Jahren nicht vor seinem Schicksal als Sein niederer Sklave gerettet, es wird auch dir Seine Gunst nicht bringen."

Plötzlich schnellte er vor, stieß Theo mit dem Unterarm gegen den Hals, so dass dieser rückwärts gegen den Spiegel taumelte. Das Glas war unzerbrechbar, aber es gab ein schepperndes Geräusch und Draco konnte an Notts Gesicht erkennen, dass dieser für einen Moment Sterne sah. Gehässig grinsend fixierte er weiter den Hals des anderen, während sein Zauberstab in langsamen Bewegungen an Notts Körper auf und ab fuhr.

„Du glaubst, du bist hier der King? Du denkst, du könntest dich beim Dunklen Lord einschleimen, indem du mich fertig machst? Du meinst, du könntest einfach so meinen Platz einnehmen? Vergiss es, Nott. Du hast nicht die Klasse dafür. Du bist nicht einmal Mittelmaß. Eigentlich bist du es nicht einmal wert, dass ich mir die Finger an dir schmutzig mache. Aber sei`s drum. Worauf könntest du am Ehsten verzichten? Einen Finger? Einen Zeh? Ein Ei?" Sein Knie zuckte plötzlich nach vorn und traf in Notts ungeschützten Unterleib.

Der Junge stöhnte gepeinigt auf, seine Knie gaben nach, doch Dracos Unterarm, der ihn immer noch gegen den Spiegel pinnte, verhinderte dass er zusammen sacken konnte.

„Bitte", wimmerte er kläglich. „Es war nicht so gemeint, ehrlich."

Wütend funkelte der Blonde ihn an. „Ein Verräter bin ich also, ja? Was bist du dann, du feiger Hund? Nicht einmal dazu stehen kannst du."

„Ich schwöre, ich werde es nie wieder tun. Du wirst mich nicht einmal wahrnehmen. Ich werde ein Schatten sein. Kein Ärger. Nie wieder. Ich schwöre es, bei Merlin."

„Du hast das Dunkle Mal auf meinem Arm gesehen, Theo. Du weißt, wie Todesser ihre Feinde behandeln. Bist du jemals mit dem Cruciatus Fluch gefoltert worden? Man sagt, es ist die Hölle. Man ist fast bereit zu sterben, nur damit diese Schmerzen endlich ein Ende haben."

Von Nott war nur noch ein klägliches Wimmern zu hören. Schlaff hing er in Dracos Griff. Tränen liefen aus seinen Augen und er hatte die Lider vor Scham gesenkt.

„Nimm es wie ein Mann", knurrte der Blonde und hob den Stab an Theodores Kehle.

„Nein!" quiekte der Andere. Reflexartig hob er die Hände und Draco merkte, wie sich der Schritt von Notts Pyjama verdächtig dunkel verfärbte.

Mit einem Ruck ließ er den anderen Jungen los und trat einen Schritt zurück. „Du bist erbärmlich", sagte er und seine Stimme triefte vor Ekel. „Und so was will ein Slytherin sein."

Draco gab Greg und Vince ein Zeichen, damit sie Notts Kumpanen loslassen konnten. Die beiden Fünftklässler standen unschlüssig da und sahen dabei zu, wie Theo die Wand hinab rutschte und wie ein Häufchen Elend liegen blieb. Eine gelbe Pfütze breitete sich um seinen Körper auf den hellen Fliesen aus.

Im Vorbeigehen spuckte Draco auf die zitternde, verängstigte Gestalt hinab, dann verließ er flankiert von seinen Freunden den Waschraum. Ein überhebliches Grinsen stahl sich auf sein Gesicht, als er draußen auf Blaise und Pansy traf. Er konnte regelrecht fühlen, wie sein altes Selbstvertrauen zurück kehrte. Nott war nur ein Steinchen auf seinem Weg zurück an die Spitze gewesen. Sollten sie ruhig versuchen, ihm seine Position streitig zu machen, er war bereit. Im Moment war er beinah der Meinung, er könnte es sogar mit Voldemort und seinen Todessern aufnehmen. Der Eisprinz von Slytherin war zurück und er fühlte sich großartig.

XXXXXX


 

Nebeneinander lagen sie im Bett und starrten in die Dunkelheit.

Warum hast du Nott eigentlich keinen Fluch auf den Leib gejagt?" fragte Harry seinen Partner interessiert.

Weil die Angst vor dem, was passieren könnte viel größer ist, als die vor dem was man bereits erlebt hat", erklärte Draco bereitwillig.

Oder hattest du Angst davor, dass Dumbledore dich dann doch noch wegschickt?" feixte der Dunkle, als er auf die Seite legte.

Der andere Mann schüttelte den Kopf. „Eigentlich nicht. Ich hätte ihm ja nicht gleich einen Cruciatus an den Hals gehext. Ein simpler Furunkulus oder ein Wahrheitsfluch hätten genauso gut gewirkt."

Ein Wahrheitsfluch?" fragte Harry skeptisch.

Was meinst du, wie erniedrigend es für Nott gewesen wäre, die nächsten Wochen jedem immer die Wahrheit sagen zu müssen? Er hätte jedem, der ihn fragt sagen müssen, dass ich ihn fertig gemacht habe. Und dass sein Vater ein Todesser ist. Und dass er selbst gern einer wäre. Und dass er heimlich auf die kleine Weasley steht..."

Ruckartig setzte sich Harry auf. „Moment, er hat was?!"

Wusstest du das nicht? Er fand Ginny wirklich heiß. Aber er hat`s natürlich keinem gesagt."

Ron hätte ihn umgebracht."

Genau." Draco zog Harry zu sich herunter und grinste erneut. „Deshalb war die Versuchung auch groß es zu tun, aber im Endeffekt war es so besser. Was Nott passiert ist, war eine Warnung an alle anderen Slytherins und was soll ich sagen: Es hat nie wieder einer versucht."

Da kann ich ja froh sein, dich nicht zum Feind zu haben", sinnierte Harry und stahl sich einen Kuss.

Angst davor, dass ich dir auch in die Weichteile trete?" fragte der Blonde nah an Harrys Lippen.

Nein, eher vor dem Wahrheitsfluch. Stell dir mal vor, ich würde jedem erzählen, was wir so im Bett treiben."

Bloß das nicht", wehrte Draco lachend ab. „Sonst wird noch jemand eifersüchtig."

Eben. Du gehörst mir und ich teile nicht." Besitzergreifend legte Harry einen Arm über die Mitte des anderen Mannes.

Zufrieden rieb der Blonde sein Gesicht an dem schwarzen, dichten Haar und atmete den vertrauten Duft ein. „Ich auch nicht. Du, mein ganz persönlicher Held."

Tbc...

Kapitel 12 von redangeleve

XXXII. I wanna sex you up

I wanna sex you up

All night

You make me feel real good

I want to

I wanna rub you down

I wanna sex you up
 

( Color Me Badd, I wanna sex you up)
 

Zufrieden betrachtete Draco seine Reflektion im Spiegel des Waschraums. Die Schwellungen waren zurück gegangen und die Blutergüsse waren dank Snapes Tränken nur noch als dunkle Schatten wahrnehmbar. Sorgfältig kämmte er sich die blonden Haare zurück, doch als er den Kopf bewegte, rutschte eine vorwitzige Strähne wieder nach vorne und kitzelte ihn am Auge. Ärgerlich schob er sie wieder an ihren Platz. Die Haare wurden langsam zu lang, er würde in den nächsten Tagen einen Zauber durchführen müssen, um sie zu kürzen. Draco wusste, dass Harry es mochte, die Finger durch die hellen Strähnen gleiten zu lassen und auch er selbst fand es angenehm, wenn der Gryffindor damit spielte, doch achtete er peinlich genau darauf, dass die Haare eine gewisse Länge nicht überschritten. Nichts wollte Draco weniger, als noch mehr auszusehen wie sein Vater.

Unwillkürlich traf ein leichter Stich sein Herz, als er an sein Zuhause dachte. Seit dem Tag an dem Harry ihn aus seiner Gefangenschaft im Manor gerettet hatte, hatte er kein Wort von seinen Eltern gehört. Snape war gemeinsam mit zwei Auroren im Manor gewesen, um Kleidung und Dracos Sachen für den Unterricht zu holen, doch er hatte ihm berichtet, dass das Anwesen verlassen gewesen war. Die Schutzzauber waren nicht aktiviert und weder von Lucius noch von Narcissa war irgendein Hineweis über ihren Aufenthaltsort zu finden gewesen. Er wusste, er sollte nicht so fühlen, doch trotz allem was passiert war, fühlte Draco Sorge um seine Eltern. Sicher, sein Vater konnte gut selbst auf sich aufpassen, aber seine Mutter hatte mit dem ganzen Todesserkram noch nie etwas zu tun haben wollen. Dass sie jetzt auch fort war, konnte kein gutes Zeichen sein.

Unwillig ruckte der Blonde mit dem Kopf, um die dunklen Gedanken zu vertreiben. Er hatte genug Probleme, auch ohne dass er über seine Eltern nachdachte. Ganz egal wo sie auch sein mochten, er konnte ihnen ohnehin nicht helfen. Ein letztes Mal rückte er sich die Krawatte zurecht, bevor Draco schließlich den Waschraum verließ. Er war früh dran, bis zum Frühstück war es noch eine gute Stunde, weshalb der Gemeinschaftsraum nur von wenigen, verschlafenen Schülern belagert wurde, die noch auf die Schnelle ihre Hausaufgaben erledigten. Aus dem Augenwinkel nahm er wahr, wie einige Erstklässler bei seinem Eintreffen eilig das Weite suchten und seine Stimmung stieg schlagartig an. Grinsend nahm er seine Tasche von einem der Sessel und verließ leise vor sich hin summend den Kerker in Richtung der Treppe. Die alten Verhältnisse waren wieder hergestellt und er hatte eine Verabredung mit Harry an ihrem geheimen Treffpunkt in dem Klassenraum im zweiten Stock. Besser konnte ein Tag doch gar nicht beginnen.

XXXXXX

Er hatte fast die Treppe erreicht, die - wenn sie ihre Meinung nicht noch änderte - in den zweiten Stock hinauf führte, als ihn eine scharfe Stimme in der Bewegung inne halten ließ.

„Mr. Malfoy, darf ich fragen, wohin Sie so früh wollen?" fragte Professor McGonagall.

Die hatte ihm gerade noch gefehlt. Ergeben drehte sich Draco um und taxierte die Lehrerin, um heraus zu finden, ob Dumbledore sie als Wachhund auf ihn angesetzt hatte. Doch in den Zügen der alten Frau erkannte Draco lediglich routinemäßige Wachsamkeit. So höflich wie möglich antwortete er: „Ich bin auf dem Weg in die Bibliothek. Schließlich muss ich doch den Stoff nachholen, den ich versäumt habe."

Professor McGonagall nickte zustimmend. „Das ist lobenswert, Mr. Malfoy. Aber sehen Sie zu, dass Sie zum Frühstück fertig sind. Sie sehen aus, als ob Sie es gebrauchen könnten."

„Ja, Professor", antwortete der Slytherin und wandte sich ab, um seinen Weg fortzusetzen.

Vorsichtshalber nahm er die Treppe in den vierten Stock und wartete dort einige Minuten, bevor er eine weitere Treppe abwärts nahm. Dann vergewisserte er sich mehrfach, dass die Lehrerin auch wirklich nicht in der Nähe war, bevor er den Korridor zu dem unbenutzten Klassenraum einschlug. Er hörte ein leises Lachen zu seiner Linken, als er die Treppe hinter sich ließ. Einen Moment lang tat er so, als habe er es nicht gehört, dann machte Draco einen schnellen Schritt zur Seite und griff mit der Hand in die Luft. Seine Finger erwischten Harrys Tarnumhang und rissen ihn dem Gryffindor vom Kopf.

Ein fettes Grinsen lag auf den Lippen des Dunklen, als sein Gesicht sichtbar wurde. „Sieh an, Malfoy", feixte er und konnte sich das Lachen kaum verkneifen. „Seit wann bist du denn so ein Musterschüler?"

„Wäre es dir lieber gewesen, ich hätte zu ihr gesagt:`Verzeihung Professor, aber ich habe ein Date mit ihrem Lieblingsschüler`, Potter?" Der Blonde grinste dämonisch, als er sah, wie sein Freund errötete. „Siehst du, das habe ich mir gedacht."

Hart packte er den Gryffindor am Arm und zog ihn mit sich. Per Zauberstab entriegelte er den unbenutzten Klassenraum und stieß Harry unsanft ins Innere.

„Hey! Jetzt mach aber mal langsam!" protestierte der Dunkle launig und rieb sich die Stelle am Arm, an der der Slytherin zugegriffen hatte.

„Kommt gar nicht in Frage." Auf einen Wink des Zauberstabs fiel die Tür erneut ins Schloss und verriegelte sich. Ungeduldig warf Draco seine Tasche auf ein altes Pult, so dass der Staub in alle Richtungen rieselte, dann machte er sich an seinem Gürtel zu schaffen. „Die alte Vogelscheuche hat uns kostbare Zeit gekostet. Die müssen wir wieder aufholen."

Mit verschränkten Armen sah Harry dabei zu, wie sein Freund die Vorderseite seiner Robe öffnete. Er selbst war noch vollständig bekleidet und rührte auch keine Finger, um den Zustand zu ändern. Als Draco sah, dass der andere ihn schweigend beobachtete, hielt er in der Bewegung inne.

„Was ist?" fragte er ungehalten. „Sag bloß, du willst nicht...?"

„Jedenfalls nicht so", erwiderte Harry steif.

„Oh Merlin, ich habe jetzt wirklich keine Zeit für sowas!" Frustriert warf Draco die Hände in die Luft. „Soll ich etwa die Stühle in Kerzen verzaubern und das Pult in ein Bett? Wäre dir das lieber?"

„Es wäre ein Anfang", gab der Gryffindor zurück.

„Ist dir vielleicht schon aufgefallen, dass wir in etwas über einer halben Stunde beim Frühstück sein müssen? Tut mir leid, wenn ich da den romantischen Teil etwas kürzer halten wollte", grollte der Blonde beleidigt.

„Du könntest ja einfach mal etwas netter sein, das würde eventuell schon reichen", schnappte der Dunkle zurück.

Genervt fuhr sich Draco mit den Fingern durch die Haare, während er versuchte sich zu beruhigen. Er hatte Harry nicht verletzten wollen, doch scheinbar waren seine Malfoy-Gene mal wieder mit ihm durchgegangen. Er schenkte dem Gryffindor ein entschuldigendes Lächeln, bevor er mit lasziven Schritten langsam auf ihn zu stolzierte. „Tut mir leid", lenkte er ein. „Die ganze Sache mit der Prügelei steckt mir einfach noch in den Knochen. Das Adrenalin, weißt du, da muss ich mal Dampf ablassen."

„Ach und das tust du ausgerechnet bei mir?" fragte Harry, der noch nicht ganz versöhnt war.

„Wäre es dir lieber, ich tue es bei jemand anderem?" Spielerisch zog Draco seinen Zauberstab hervor und zeichnete mit der Spitze kleine Kreise auf die Vorderseite von Harrys Robe. „Du machst mich einfach an. So sehr, dass ich manchmal nicht an mich halten kann."

„So schlimm?" fragte der Dunkle, dem die leichten Berührungen einen wohligen Schauer über den Körper jagten. Das Blitzen in den Augen seines Gegenübers sagte dem Slytherin, dass er bereits gewonnen hatte.

„Wahnsinnig", gab er leidend zurück.

„Dann zeig mir, wie sehr ich dich anmache." Mit wenigen Schritten war der Abstand zwischen ihnen geschlossen und Draco stahl sich gierig einen langen Kuss von den Lippen seines Freundes. Fordernd presste er seine Zunge in den Mund des Gryffindor, saugte fest an dessen Unterlippe, während seine Hände nun seinerseits am Gürtel des Dunklen herum fingerten.

Kurze Zeit später rutschte die Hose hinunter bis auf Harrys Knöchel, dann folgte die Shorts und ehe er wirklich zu sich kam, drückte ihn der Blonde auch schon mit dem Rücken an die Wand. „Merlin, Potter, seit ich aufgestanden bin, wollte ich nur das eine", knurrte Draco rau.

„In der Bibliothek lernen?" Obwohl er durch Dracos Hände, die in gleichmäßigen Bewegungen seinen halbsteifen Schaft pumpten, kaum noch zusammen hängend denken konnte, musste er diese Spitze unbedingt noch los werden.

„Für das hier brauche ich nichts zu lernen", erwiderte Draco gepresst. „Das kann ich gut genug." Geschwind drehte er Harry herum, so dass dieser nun mit dem Gesicht zur Wand stand. „Accio Oleum", flüsterte Draco, den Zauberstab ergreifend, den er vorsorglich neben sich in ein leeres Regal gelegt hatte.

Die kleine Phiole kam aus Dracos Tasche hervor und schwebte zu ihm herüber. Der Blonde legte den Zauberstab zurück ins Regal und entnahm dem Röhrchen eine kleine Menge Öl.

Der dunkle Gryffindor zischte leise auf, als die kalte Flüssigkeit seine entblößten Pobacken traf. Automatisch stützten sich seine Hände an der Wand ab, während Draco das Öl vorsichtig in seinen Muskelring brachte. Der Atem des Jungen beschleunigte sich unwillkürlich und er musste sich zwingen sich zu entspannen, aber als er schließlich die Finger des Blonden in sich fühlte, entwich seinen Lippen ein verlangendes Stöhnen.

Erregt stemmte er sein Becken zurück, drückte sich selbst in die Berührung hinein. „Oh Gott, ja", entfuhr es ihm heiser, dann zog Draco seine Finger zurück und ersetzte sie durch sein errigiertes Glied. Seine Hände fassten Harrys Hüftknochen, als er sich zentimeterweise in dem Dunklen versenkte, das Gesicht gefangen in einem Ausdruck zwischen Schmerz und Lust.

Mit gesenktem Kopf stand der Gryffindor da, die Zähne in die Unterlippe vergraben, die Stirn gegen die kalte Mauer gelehnt und wartete darauf, dass sein Körper sich an das brennende Gefühl gewöhnen würde. In seinem Nacken fühlte er Dracos heißen Atem, als der Blonde den Kopf senkte und leichte Küsse auf Harrys Schulter verteilte. Erst als er merkte, dass sich der Körper des Dunklen entspannte, begann sich Draco endlich zu bewegen. In einer einzigen, fließenden Bewegung zog er sich fast völlig zurück, nur um sich dann erneut komplett zu vergraben.

Ein erstickter Laut entkam Harrys Lippen, seine Hände krampften sich zusammen, doch der Blonde hatte sich schon wieder zurück gezogen. Ein weiterer Stoß folgte, noch tiefer als zuvor und dieses Mal traf er genau auf Harrys Prostata. Sein Kopf flog nach hinten, die Augen wurden weit, als ein Gefühl wie ein Stromstoß durch seinen Körper raste. Zufrieden sah Draco, wie Harrys Körper zitterte, der Mund sich zu einem stummen Schrei öffnete.

Seine linke Hand fasste noch fester zu, fixierte den Unterleib des Dunklen, damit er sich noch stärker in Harry pumpen konnte, während die andere Hand um seinen Freund herum griff und den aufgerichteten Penis mit seiner Faust umschloss. Ein Wimmern entfuhr dem Gryffindor und er lehnte sich zurück, gegen den Körper des Blonden, als sich dieser immer schneller in seinen Körper hämmerte. Längst war die Welt zu einem Strudel von Farben verschwommen, bestand nur noch aus dem Verlangen, das so dringend nach Erlösung verlangte.

„Oh Merlin, Draco!" stieß Harry in dem Augenblick hervor, in dem sich seine Erregung mit einem Mal entlud und er hart und heftig in Dracos Hand kam. Atemlos schnappte er nach Luft, überwältigt von der Stärke seines Höhepunktes. Vorangetrieben durch Harrys Orgasmus stieß der Blonde noch einige Male fest in den warmen, engen Körper, bevor auch er zu seinem ersehnten Höhepunkt kam.

Mit einem tiefen Grollen ergoss er sich schließlich, schoss sein Sperma tief in den Körper seines Freundes. Das Blut rauschte in seinen Ohren und er musste für einen Moment seinen Kopf gegen die Schulter des Gryffindor lehnen, um wieder zu Besinnung zu kommen.

Schwer atmend zog er sich aus dem Körper des Dunklen zurück und sprach für sie beide einen schnellen Reinigungszauber, bevor er wieder seine Kleidung richtete. Sein Freund hatte sich mittlerweile umgedreht und lehnte mit glasigen Augen mit dem Rücken an der Wand. Sein Körper erholte sich gerade erst von den Nachwehen, so dass er es nicht eilig hatte, so schnell in seine Kleidung zu kommen. Draco, der schon fertig angezogen war, trat lässig vor ihn hin. Seine Hände umfassten Harrys Taille und er hauchte ihm einen schnellen Kuss auf die Lippen.

„Sehen wir uns heute nach dem Nachmittagsunterricht? Du könntest mich deine Geschichte der Zauberei Hausaufgabe abschreiben lassen." fragte er spitzbübisch.

Der Dunkle schüttelte den Kopf. „Gryffindor hat heute Training, da kann ich erst nach dem Abendessen. Außerdem schadet es dir auch nicht, wenn du deine Hausaufgaben zur Abwechslung mal selbst erledigst."

Draco griff sich gespielt theatralisch an die Brust. „Bei Merlins Bart, das wäre gegen meine Ehre!"

Harry schnaubte leise. „Es ist mir echt ein Rätsel, wie du so viele ZAGs bekommen hast."

„Tja, das würdest du gerne wissen, was?"gab der Blonde grinsend zurück. „Ich sag`s dir: Durch Zauberei."

„Oh Gott, jetzt auch noch Witze", murmelte der Gryffindor, während er die Hose hochzog. „Und das auf nüchternen Magen."

„Oh ja, Frühstück", seufzte Draco. „Ich könnte einen ganzen Hippogreif verdrücken."

„Na dann, guten Appetit."

XXXXXX

Als Harry die Tür zur Küche öffnete, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. Der ganze Küchentisch war über und über mit Esswaren bedeckt. Auf einem Teller häuften sich Pfannkuchen, daneben standen Eier mit Speck, ein Teller Cornflakes und ein ganzer Berg Scones.

Du hast doch wohl nicht vor, das alles zu essen?" fragte der Dunkle seinen Ehemann entsetzt, der sich gerade mit einem großen Becher Tee an den Tisch setzte.

Oh doch", grinste Draco und schaufelte sich zwei Pfannkuchen auf den Teller, die er genüsslich mit Sirup übergoss.

Das ist kein Frühstück, das ist ein Gelage", stellte Harry trocken fest und nahm sich einen Toast aus dem Brotkasten.
 

Ich habe eben Hunger", murmelte der Blonde undeutlich zwischen zwei Bissen.

Eine Weile sah ihm der Dunkle schweigend beim Essen zu, dann schüttelte er seufzend den Kopf.„Es ist mir absolut schleierhaft, wo du das alles lässt", sagte er, während er seinen Toast mit Marmelade bestrich.

Ich habe einfach einen rasanten Stoffwechsel", erwiderte Draco überzeugt und griff sich den Teller mit den Eiern.

Und offensichtlich einen Magen wie ein Pferd", antwortete Harry grinsend, als er sich zu ihm an den Tisch setzte.

Nur kein Neid, Potter", gab der andere Mann zurück und leerte in Rekordzeit seinen Teller.

Auf dich?" fragte sein Ehemann gespielt entsetzt. „Wohl kaum."

Es kann halt nicht jeder ein Malfoy sein", resümierte der Blonde schulterzuckend.

Lächelnd hob Harry die Augen zur Zimmerdecke. „Merlin sei Dank."

XXXXXX
 

XXXIII. Maneater

(Oh-oh, here she comes) Watch up boy she`ll chew you up

(Oh-oh, here she comes) She`s a maneater

(Oh-oh, here she comes) Watch up boy she`ll chew you up

(Oh-oh, here she comes) She`s a maneater

(Hall & Oates, Maneater)

Gedankenverloren kaute Draco auf seiner Feder herum, während er in dem dicken Buch vor sich blätterte. Er hatte noch nicht einmal die Hälfte der Hausaufgabe beendet, gerade mal eine halbe Seite Pergament hatte er geschrieben und das obwohl er schon eine Stunde hier saß und sich bemühte, seine Buchstaben zu groß wie möglich zu schreiben. Geschichte der Zauberei war einfach nicht sein Fach. Einen kurzen Moment dachte er darüber nach, den Aufsatz einfach bei Blaise abzuschreiben, aber den Gedanken verwarf er schnell wieder. Das wäre ja beinah wie ein Eingeständnis, dass er es nicht selbst konnte. Nein, so tief würde er nicht sinken und wenn es ihn den ganzen Nachmittag kosten würde.

Unwillig seufzte er auf, dann klappte er das Buch zu. Sein Blick fiel aus dem Fenster in den strahlend blauen Herbsthimmel. Kleine weiße Schäfchenwolken trieben im frischen Wind schnell dahin. Ein paar bunte Blätter drehten seichte Loopings und segelten dicht am Fenster vorbei. Was für ideale Bedingungen für ein Quidditch Training...

Die Bibliothek war wie ausgestorben, nur eine jüngere Hufflepuff Schülerin saß ein paar Tische weiter und schrieb emsig auf ihrem Pergament. Das Kratzen ihrer Feder trug nicht gerade dazu bei, Dracos Konzentration zu verbessern. Mit einem Ruck stand er auf, nahm das Buch und stellte es zurück ins Regal, bevor er sich das nächste heraus nahm.

Himmel, was interessierten ihn Riesenkriege und Zwergenaufstände? Draußen lauerte ein viel schlimmerer Feind, doch die Schrecken, die er verbreitete, wurden im Unterricht lieber außen vor gelassen. Der blonde Slytherin kehrte an seinen Tisch zurück und setzte sich auf den braunen Holzstuhl. Kurzfristig spielte er mit dem Gedanken das unbequeme Sitzmöbel in einen Sessel zu verwandeln, ließ es aber lieber doch bleiben. Madame Pince hatte Augen wie ein Habicht und wenn man in ihrer Bibliothek auch nur eine Feder vom Tisch fallen ließ, hatte man schneller Nachsitzen am Hals, als man „Bücherwurm" sagen konnte.

`Reiß dich zusammen oder du sitzt wirklich noch bis heute abend hier`, mahnte er sich streng, dann schlug er den dicken Wälzer vor sich auf und suchte im Inhaltsverzeichnis nach der richtigen Seite.

„Draco, kann ich dich kurz stören?"

Irritiert hob er den Blick. Pansy. Wer auch sonst? Nur seine dunkelhaarige Mitschülerin hatte so ein schlechtes Timing.

„Was willst du, Parkinson?" murmelte er genervt.

Unsicher knetete sie den Saum ihrer Robe zwischen den schlanken Fingern. „Ich wollte einen Moment allein mit dir sprechen. Hast du was dagegen, wenn ich mich setzte?"

Klar hatte er was dagegen! Er wollte endlich mit diesem dämlichen Aufsatz fertig werden! Aber Draco kannte Pansy gut genug um zu wissen, dass sie ihn ja doch nicht in Ruhe lassen würde, bevor sie ihm gesagt hatte, was sie sagen wollte.

„In Ordnung, setzt dich. Aber nur fünf Minuten." Er legte die Feder neben sein Pergament und sah sie gelangweilt an, während Pansy einen Stuhl heran zog und sich ihm gegenüber setzte.

„Weißt du, die Sache mit Nott... Das ist alles total dumm gelaufen..."

Das konnte sie wirklich laut sagen.

„Ich wollte nicht, dass er davon erfährt. Ich war nur so wütend wegen Potter. Er hat Blaise geschlagen... Und wegen dir. Du schläfst mit diesem.. diesem.. diesem Jungen und erzählst mir nichts und dann fährst du nach Hause, ohne mir zu sagen, dass du wahrscheinlich nicht wieder kommst...."

„Pansy, was soll das?" fragte er dazwischen. „Warum sollte ich ausgerechnet dir Rechenschaft darüber ablegen, was ich tue oder lasse?"

„Wir waren Freunde und auch mal mehr..."

Das „mehr" war allerdings ziemlich einseitig gewesen.

„Trotzdem geht es dich überhaupt nichts an, mit wem ich schlafe und mit wem nicht", stellte er in einem Ton klar, der Pansy kurz erschaudern ließ. „Ich mische mich auch nicht in die Sache zwischen dir und Blaise."

„Nein, ist schon klar", ruderte sie zurück. „Es ist nur...wusstest du damals - ich meine, als wir...zusammen waren - dass du schwul bist?"

Das wollte sie bestimmt nicht ernstlich wissen.

„Sagen wir, ich hatte so eine Ahnung", gab er so diplomatisch wie möglich zurück.

Sie schluckte schwer. „ Und von allen Jungen, warum musste es ausgerechnet Potter sein?"

„Ich wiederhole mich nicht gern, Pansy", erwiderte er eisig. „Mein Privatleben geht dich gar nichts an. Also wenn du dann fertig bist..."

„Ganz kurz noch", beeilte sie sich zu erwidern. „Ich wollte dir nur sagen, wie leid mir das Ganze tut. Wenn ich gewusst hätte, dass Milli es Nott erzählen würde... Sind wir noch Freunde, oder Dray?"

Am liebsten hätte er ihr gesagt, dass sie erst dann wieder Freunde sein würden, wenn sie mindestens genauso zusammen geschlagen worden war wie er, aber ein Blick in Pansys große, feuchte Augen ließ ihn die aufgestaute Wut herunter schlucken. Sie waren schon so lange Freunde. Die Parkinsons waren Reinblüter, ebenso wie die Malfoys. Schon vor Hogwarts hatten sie sich oft gegenseitig besucht. Mit ihr hatte er seine ersten Doktorspiele gemacht, mit ihr hatte er sich betrunken und mit ihr hatte er geschlafen.. Okay, an letzteres wollte er lieber nicht zurück denken.

„Natürlich sind wir noch Freunde, Pans", antwortete er zu seiner eigenen Überraschung. „Wir werden immer Freunde sein."

Das Mädchen strahlte, als sie sich zu Draco herüber beugte. „Du weißt, dass ich immer hinter dir stehen werde, Dray. Auch wenn du dich jetzt an Potter verschwendest."

Sie beugte sich über den Tisch und drückte ihre Lippen auf die seinen. Überrascht riss er die Augen auf. Einen Moment lang war er völlig perplex, zu plötzlich war der Kuss passiert.

In seinem Schock sah er nicht die Person, die wie erstarrt im Türrahmen stand und ungläubig auf die Szene vor ihm starrte. Im Bruchteil einer Sekunde drehte sich Harry um und stürmte Hals über Kopf aus der Bibliothek.

XXXXXX

Wer war denn an der Tür?" erkundigte sich Draco und sah von seinem Buch auf.

Die Nachbarn", antwortete Harry. „Scheinbar hat Minerva ihren Hund gebissen."

Braves Tier", lobte der Blonde die Katze grinsend, die gerade durch die Terassentür herein getigert kam.
 

Du musst sie nicht auch noch darin bestärken, dass sie etwas Tolles gemacht hat", tadelte ihn sein Ehemann und setzte sich neben ihn auf die Couch.

Wieso nicht? Sie mag die Hansons genauso wenig wie ich."

Nicht das du auch noch auf die Idee kommst, einen von ihnen zu beissen", murmelte Harry ironisch.

Ich bin doch kein Tier", gab Draco entrüstet zurück. „Aber mal so ein kleiner Fluch über den Gartenzaun..."

Untersteh dich bloß!" Unsanft knuffte der Dunkle seinen Partner in die Seite. „Mr. Hanson arbeitet in der Magischen Strafverfolgung im Ministerium."

Nicht umsonst war ich in Slytherin. Nie im Leben kommt er drauf, dass der Fluch von mir war."

Stöhnend warf Harry den Kopf nach hinten. „Sag nicht, du hast schon...?"

Nur ein ganz kleines bisschen", gab der Blonde unschuldig zurück.

Und was verstehe ich unter „ein kleines bisschen" ?" fragte Harry seufzend.

Sagen wir mal so, wenn Mrs. Hanson demnächst ihre Karotten erntet, sollte sie lieber Ohrenschützer aufsetzten."

Und warum das?"

Ich habe die Karotten in Alraunen verwandelt und du weißt, wie sehr es diese Pflanzen hassen, aus der Erde gerissen zu werden."

Ja, Harry konnte sich aus Hogwarts Zeiten gut an das Geschrei der Alraunen erinnern. Nicht wenige Schüler, deren Ohrenschützer verrutscht waren, fielen beim Umtopfen dieser Pflanzen in Ohnmacht.

Bei Merlins Socken, Draco werd endlich erwachsen." Kopfschüttelnd sah Harry seinen Partner an, der sich freute wie ein kleiner Junge.

Aber so macht das Leben viel mehr Spass", erwiderte der Blonde grinsend. „Und außerdem sagst du immer, du liebst mich so wie ich bin."

Ich wusste, dass ich den Satz einmal bereuen würde."

Spitzbübisch grinsend beugte sich Draco über seinen Ehemann und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen. „Sieh es positiv, mit mir wird es nie langweilig."

Nein, das wird es wohl nicht", erwiderte Harry ergeben und küsste ihn zärtlich zurück.

XXXXXX 

XXXIV. You don`t fool me 

You don`t fool me - those pretty eyes

That sexy smile- you don`t fool me

You don`t rule me - you`re no surprise

You`re telling lies - you don`t fool me 

(Queen, You don`t fool me))

Wütend rannte Harry die Treppe hinab. Das Blut rauschte in seinen Ohren und er ballte die Hände unwillkürlich zu Fäusten. Die Szene, deren Zeuge er eben geworden war, wollte einfach nicht wieder aus seinem Kopf verschwinden. Dieser Mistkerl! Erzählte ihm etwas von Liebe und Vertrauen und machte hinter seinem Rücken mit Pansy rum! Oh, wie er diese Slytherin Schlampe hasste! Seit Dracos Rückkehr war sie ständig um ihn herum geschlichen und kaum, dass Harry den beiden mal den Rücken zudrehte, steckte sie ihm auch schon die Zunge in den Hals!

Wie hatte er nur so blind sein können! Jeder wusste, dass Draco mal was mit Pansy gehabt hatte, aber der Blonde hatte ihm geschworen - geschworen! - dass da nichts mehr lief. Dieser Lügner! Dieses Scheusal!

Immer noch rasend vor Zorn lief Harry aus dem Schloss, zurück zum Quidditch Feld. Er hatte das Training abbrechen müssen, nachdem Katie Bell vom Besen gestürzt war. Ein schlecht geworfener Klatscher hatte sie am Kopf erwischt. Sie würde wohl die Nacht auf der Krankenstation verbringen müssen. Laut Madame Pomfrey hatte sie eine Gehirnerschütterung, aber nach einem Schmerztrank und etwas Schlaf würde sie morgen wieder zum Unterricht gehen können.

Mit einem Ruck riss Harry die Tür zur Umkleidekabine auf. Der Raum lag ruhig und verlassen da. Die anderen Spieler waren schon zum Schloss zurück gekehrt. Als Kapitän war es seine Aufgabe gewesen, Katie zur Krankenstation zu bringen und - dumm und verliebt wie er war - hatte er Draco auf dem Rückweg überraschen wollen. Erneut fühlte er das warme Gefühl der Eifersucht in seinem Magen hoch kochen, als er sich die Beinschützer herunter riss und aus seiner Quidditch-Uniform schlüpfte.

Er brauchte eine Dusche, am besten eine kalte, bevor er noch ins Schloss zurück ging und den beiden Turteltauben einen Fluch an den Kopf warf, der sie in Flubberwürmer verwandelte... Mit einer fließenden Bewegung griff er sich sein Handtuch und die Seife und ging barfuss in den Duschraum. Die Luft war feucht und roch noch nach der Seife und den Ausdünstungen seiner Vorgänger, doch Harry war so in Gedanken, dass er es gar nicht bemerkte. Schnell drehte er das kalte Wasser auf und ließ sich den harten Wasserstrahl ins Gesicht regnen.

Verfluchter Draco! Verfluchte Pansy! Verfluchte Slytherins!

Das kalte Wasser ließ ihn zittern, als er den Kopf in den Nacken legte und sich die Haare aus der Stirn strich. Langsam merkte er, wie sein Körper zur Ruhe kam. Die Wut war noch da, aber sie hatte sich in eine dumpfes Poch in seinem Inneren verwandelt. Er drehte den Regler für das Wasser auf warm und schloss erneut die Augen.

Er würde sich nicht die Blöße geben zu jammern oder zu weinen. Wenn Draco lieber mit ihr zusammen war als mit ihm, sollte es ihm recht sein. Er würde würde Schluss machen. Heute noch. Niemals würde er sich nicht zu einem Gelegenheitsfick degradieren lassen. Er war Harry Potter! Draco würde sich noch wünschen, dass er das niemals getan hatte.

Wie auf Kommando spürte er plötzlich zwei Hände, die langsam seinen Rücken hinab fuhren. Mit einem scharfen Zischen atmete Harry ein und drehte sich herum. Wie konnte er es wagen! Ein schiefes Lächeln auf den Lippen, stand Draco Malfoy vor ihm, nackt wie Gott ihn geschaffen hatte.

„Ich habe dich gesucht", flüsterte er rau. „Deine Teamkollegen meinten, du wärst noch in der Kabine."

„Ach ja?" erwiderte Harry hart und wehrte Dracos Hände ab. „Bist du schon fertig mit deiner kleinen Freundin?"

Überrascht sah Draco ihn an. „Ich weiß nicht, wovon du redest."

„Ach komm schon, Malfoy", sagte der Gryffindor bissig. „Tu nicht so. Ich war in der Bibliothek. Ich habe euch gesehen, dich und Pansy. Wie du sie geküsst hast..."

Das Wasser hatte Dracos Haare benetzt und er schob sie sich genervt aus der Stirn.„Moment mal, sie hat mich geküsst!"

„Ist mir egal, wer angefangen hat!" spuckte Harry ihm ins Gesicht. „Seit wann läuft das zwischen euch?"

„Bist du irre? Es läuft überhaupt nichts zwischen mir und Pansy!"

„Genau, deshalb küsst sie dich auch!"

„Sie hat sich bei mir entschuldigt wegen der Sache mit Nott!"

„Nach einem Entschuldigungskuss sah das für mich aber nicht aus."

„Du siehst nur, was du sehen willst, Potter. Dass ich sie weg geschoben und ihr gesagt habe, dass sie ihre Lippen gefälligst auf ihren Freund drücken soll und nicht auf mich, das hast du vermutlich nicht gesehen!"

Nein, das hatte Harry wirklich nicht. Dafür war er viel zu geladen gewesen.

„Jeder weiß, dass du etwas mit Pansy hattest", beharrte der Gryffindor.

„Das habe ich auch nie verheimlicht, aber es ist schon ewig vorbei! Potter, ich weiß das vergisst man leicht, wenn man sie kennt, aber Pansy ist ein Mädchen! Ich stehe nicht auf Muschis!"

„Vielleicht haben sich deine Vorlieben ja wieder geändert", erwiderte Harry nicht vollständig überzeugt.

„Ach ja?" Fragend sah Draco an sich herunter auf seine steinharte Erektion. „Offenbar sieht mein Körper das etwas anders." Er machte einen Schritt auf seinen Freund zu und legte eine Hand auf seine nasse Brust. „Da ist nichts zwischen mir und Pansy und da wird auch niemals etwas sein. Ich würde dir sogar einen unbrechbaren Schwur darauf geben, wenn du dich dann besser fühlst."

Der Gryffindor atmete zitternd durch. „Es tut mir leid. Ich kann einfach den Gedanken nicht ertragen, dich an jemand anderen zu verlieren."

Dracos zog den feuchten Körper des anderen Jungen an sich und drückte die Lippen auf die seinen. „Warum sollte ich etwas anderes haben wollen als das hier? Nichts könnte perfekter für mich sein als du."

Seine Hände wanderten abwärts über Harrys nassen Bauch und entlockten dem Jungen ein tiefes Stöhnen. „Mein Golden Boy", murmelte er ganz nah an seinem Ohr. Seine Finger schlossen sich um ihr Ziel und Harrys Kopf kippte nach hinten gegen die gekachelte Wand. „Ich werde dafür sorgen, dass du nie wieder daran zweifelst, dass ich etwas anderes will als das hier."

Der Dampf bildete einen dichten Nebel, während das Wasser unaufhörlich auf die beiden Körper nieder prasselte, die sich in Ekstase wandten und das leise Plätschern der Wassertropfen vermischte sich mit den nur mühsam unterdrückten Lustgeräuschen.

XXXXXX

Weißt du, wo wir es noch nie gemacht haben?" fragte Draco, der gedankenverloren auf die Notizen starrte. „Auf einem Besen."

Das wird statisch auch nicht funktionieren", antwortete der ehemalige Gryffindor pragmatisch.

Naja, wenn wir uns beide einen Schwebezauber verpassen würden, vielleicht doch", überlegte Draco laut.

Nur mühsam unterdrückte der Dunkle ein Auflachen. „Und wozu? Ich glaube kaum, dass das Ministerium begeistert wäre, wenn wir nackt über den Dächern von London fliegen. Das würde mit Sicherheit einige Gedächtnismodifikationen bei der Muggel-Bevölkerung nach sich ziehen."

Immer musst du alles mies machen", schmollte Draco. „Für den Anfang könnten wir es ja über dem Garten probieren."

Fragend zog Harry die Augenbrauen hoch.„Wozu, wenn wir doch ein sehr bequemes Bett haben?"

So was nennt sich `Schwung in das Sexualleben bringen`", erklärte der Blonde ernst.

Ich wüsste nicht, dass wir das nötig haben."

Genau da liegt ja das Problem.
 

Mit einem Ruck stand Harry auf. „Okay, jetzt reichts. Hose runter und Handschellen her!"

Frech grinste Draco seinen Partner an. „Dass man dich immer erst auf die Palme bringen muss, um zu bekommen, was man will."

Tbc...

Kapitel 13 von redangeleve

XXXV.Quit playing games with my heart

 

Quit playing games with my heart

Before you tear us apart

Quit playing games with my heart

(I should have known from the start)

You know, you gotta stop

You`re tearing us apart

Quit playing games with my heart

 

(Backstreet Boys, Quit playing games with my heart)

 

„Mr. Potter, können Sie mir wohl erklären, was das hier sein soll?" Professor Snape hatte absichtlich so laut gesprochen, dass es jeder im Kerker hören konnte. Eine plötzliche Stille trat ein. Einige Schüler reckten die Hälse, um einen Blick auf das zu werfen, was der Lehrer zu beanstanden hatte

Harry merkte, wie sich seine Ohren dunkelrot verfärbten. „Mein Zaubertrank, Sir", gab er mit gesenktem Blick zurück, während Snape mit angeekeltem Gesicht in der dickflüssigen Masse rührte.

„Wohl eher ein neuer Klebstoff", erwiderte der Professor für Zaubertränke sarkastisch und ließ die Kelle sinken. Von den Tischen der Slytherins war unterdrücktes Kichern zu hören. „Wie viele Krötenaugen sollten in den Trank, Mr. Potter?"

„Vier, Sir", antwortete der Gryffindor, nachdem er noch einen schnellen Blick auf das Rezept an der Tafel geworfen hatte.

„Und wie viel Schafsgabe?"

„Eine Messerspitze." Harry straffte sich und versuchte dem Blick aus Snapes schwarzen Augen Stand zu halten.

„Und haben Sie sich wirklich an die Vorgaben gehalten?" Die Frage war mehr von rhetorischer Natur, denn das Ergebnis in Harry Kessel sprach ganz eindeutig für sich selbst.

„Scheinbar nicht, Sir", antwortete der dunkle Gryffindor geknickt.

„Ja, das würde ich auch sagen", bestätigte der Lehrer gehässig. „Sie werden mir bis morgen einen Aufsatz über das Zusammenspiel von Krötenaugen und Schafsgabe in der Zaubertrankherstellung schreiben und zwar über mindestens eine Pergamentlänge. Haben Sie mich verstanden, Mr. Potter?"

„Klar und deutlich, Sir." Harrys Augen funkelten wütend und seine Hände klammerten sich so fest an die Tischkante, dass die Knöchel weiß hervor traten.

„Bleib ruhig, Mate", flüsterte Ron an seiner Seite, als Snape sich einige Tische weiter dem Kessel von Dean und Seamus zu wandte. „Es bringt doch nichts, sich aufzuregen."

„Andere Schüler vergeigen auch mal einen Trank, aber nur ich muss in schöner Regelmäßigkeit Strafarbeiten schreiben. Das ist einfach nicht fair", knurrte Harry zwischen seinen zusammen gebissenen Zähnen hindurch.

„Snape und fair sind zwei Worte, die zusammen passen wie Knoblauch und Kesselkuchen", gab Ron leise zurück, während er vorgab, eine Probe seines Tranks in ein Probenfläschchen zu füllen. „Hermine und ich gehen nachher mit dir zusammen in die Bibliothek, dann helfen wir dir, schneller die richtigen Bücher für den Aufsatz zu finden."

Harry stieß geräuschvoll die Luft aus, bevor er seinen Kessel mit einem Schwenk seines Zauberstabs leerte. „Danke, Ron."

Der Rothaarige gab ein schmales Lächeln zurück. „Wozu sind denn Freunde da?"

Wie auf Kommando zuckte Harrys Blick bei diesen Worten hinüber zu Dracos Tisch. Der Blonde füllte gerade ebenfalls ein Fläschchen mit dem Trank aus seinem Kessel. Die Flüssigkeit war hell und dünnflüssig und wirkte absolut perfekt. Der blonde Slytherin grinste zufrieden, dann stellte er die Flasche neben sich. Als er den Blick hob und sich seine und Harrys Augen begegneten, ließ er ein überhebliches Lächeln sehen, bevor er sich schnell wieder abwandte und sein Ergebnis Blaise präsentierte, der den Platz neben ihm hatte.

Harry war mehr als erleichtert, als die Stunde endlich zu Ende war. Außer ihm hatte auch noch Neville eine Strafarbeit bekommen. Doch im Gegensatz zu Harrys Trank war der seines Gryffindor Kameraden so ätzend gewesen, dass er die Kelle aufgelöst und ein Loch in den Kessel geschmolzen hatte, bevor Snape noch schlimmeres verhindern konnte.

Aufatmend nahm er seine Bücher und strebte mit Ron und Hermine in Richtung des Ausgangs, als ihn eine Gruppe Slytherins überholte.

„Na, Potter", grinste Pansy schadenfroh. „Hat dir Madame Pince schon einen Stuhl mit deinem Namen drauf gegeben? So oft, wie Snape dich Aufsätze schreiben lässt, hättest du ihn längst verdient."

Ron wollte sich am liebsten gleich auf das Mädchen stürzen, doch Harry hielt ihn am Arm zurück. Snape stand keine zehn Meter entfernt an seinem Pult und ordnete die Bücher für die nächste Stunde. Schon die kleinste Tätlichkeit hätte mit Sicherheit wieder Nachsitzen und den Abzug von Hauspunkten zur Folge.

„Tja, vielleicht hat deine Brille einfach schon zu viele Reparo-Zauber erlebt, um noch einwandfrei zu funktionieren", feixte auch Draco frech und ging einfach an den drei überrumpelten Gryffindors vorbei. Wütend ballte Harry die Hände zu Fäusten. Na warte! Der würde noch was erleben, wenn sie erst wieder allein waren!

XXXXXX

Die Gelegenheit ergab sich, als er Draco nach Kräuterkunde allein in der Eingangshalle stehen sah. Harry warf einen schnellen Blick über seine Schulter und stellte fest, dass die anderen Schüler noch einige Meter vom Schloss entfernt waren. Sofort griff er sich den Arm des Blonden und zog ihn unsanft in eine Besenkammer, die er per Zauberstab entriegelt hatte.

„Was sollte das?" blaffte er den perplexen Slytherin an, kaum dass die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war. Der Raum war so eng, dass sich ihre Gesichter fast berührten.

„Was sollte was?" fragte Draco unschuldig und lehnte sich mit verschränkten Armen rückwärts gegen die Wand.

„Tu nicht so, du weißt genau was ich meine!" erregte sich Harry ärgerlich. „Der Spruch mit dem Reparo natürlich!"

Dracos Mund bekam einen entschlossenen Zug. „Was willst du, Potter? Du warst doch derjenige, der nicht wollte, dass das mit uns publik wird. Du wolltest, das jeder denkt, wir wären uns immer noch Spinne Feind."

„Aber musst du deshalb dumme Sprüche auf meine Kosten reißen?" fragte der Gryffindor beleidigt.

„Ja, muss ich!" erwiderte Draco, der jetzt auch den Ärger in sich aufsteigen fühlte. „Weil nämlich immer noch das halbe Schloss glaubt, du hättest mich an dem Tag, an dem wir aus dem Manor flohen, k.o. geschlagen! Ich, ausgeknockt von einem Gryffindor! Weißt du eigentlich, wie das an meinem Image kratzt?! Sogar Hufflepuffs nehmen mich nicht mehr richtig ernst!"

„Ach, das bildest du dir ein. Was soll ich denn deiner Meinung nach den anderen Schülern sagen?"

Draco machte noch einen Schritt auf seinen Freund zu, so dass er jetzt unmittelbar vor ihm stand. „Wie wäre es mit der Wahrheit?"

„Das... das kann ich nicht", stotterte Harry verschämt und die Hitze, die er eben noch in seinem Magen gefühlt hatte, stieg ihm bis in die Wangen.

„Warum nicht?" fragte Draco laut. „Nenn mir nur einen beschissenen Grund!"

„Du weißt weshalb." Unsicher wich der Gryffindor zurück, bis er seinerseits die Wand im Rücken fühlte. „Sie würden es nicht verstehen."

„Deine - ach so edlen - Gryffindors?! Ich scheiße auf die! Die Slytherins wissen es doch auch..."

„...und wir beide wissen, was sie dann mit dir gemacht haben", fiel ihm Harry ins Wort.

„Ach komm schon, ja?" Draco zog zynisch eine Augenbraue nach oben. „Du weißt, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Ich habe`s überlebt, das ist die Hauptsache und was deine Hauskameraden angeht: Es sind Gryffindors. Die reißen dir schon nicht den Kopf ab."

„Du hast ja auch nicht erlebt, wie Ron reagiert hat", warf der Dunkle kritisch ein.

„Merlin, Potter! Du solltest dir mal zuhören! Bist du ein Hufflepuff oder ein Gryffindor, verdammt? Es kann doch nicht allen Ernstes sein, dass du ins Manor fliegst, um es notfalls mit meinen Eltern, dem Dunklen Lord und seinen ganzen beschissenen Todessern aufzunehmen, aber kaum, dass es um deine lieben Mitschüler geht, ziehst du den Schwanz ein wie ein Mädchen!"

Wütend trat er gegen einen der metallenen Putzeimer, so dass dieser scheppernd in eine Ecke flog. Unwillkürlich zuckte Harry zusammen. „Es tut mir leid", flüsterte er bedrückt. „Glaub mir, ich fände es auch besser, nicht immer lügen zu müssen, aber es geht einfach nicht."

„Doch es würde gehen, wenn du nur halb so viel Held wärst, wie alle immer denken", schäumte der Slytherin gekränkt. „Ich bin ein Malfoy, Harry und nicht deine Mätresse, die man heimlich in der Besenkammer vögelt."

Die Wahl von Dracos Worten zeigte dem Gryffindor, wie sehr der Blonde verletzt war. „In Ordnung", lenkte er seufzend ein. „Was schlägst du vor?"

„Ein Spiel, Potter." Dracos Augen blitzten plötzlich, als hätte er nur auf einen schwachen Moment seines Gegenübers gewartet. „Nächstes Wochenende startet wieder die Quidditch Saison mit unseren beiden Teams. Wenn ich den Schnatz fange, wirst du dich öffentlich outen, indem du mit mir zum Herbstball gehst."

Harry schluckte schwer. „Aber du hast doch schon das letzte Spiel gewonnen..."

„Wir beide wissen, wie mein Sieg zu Stande kam", erwiderte der Slytherin, dem sich bei dem Gedanken an den geschenkten Sieg der Magen zusammen zog. „Dieses Mal will ich einen richtigen Kampf. Kopf an Kopf und Besen an Besen, wenn`s sein muss, bis aufs Blut."

Harry dachte an seine Teamkollegen. Es kam ihm nicht richtig vor, über Sieg oder Niederlage der Mannschaft mit Draco zu wetten. „Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist."

„Du hast doch nur Angst, ich könnte wirklich besser sein als du", feixte der Blonde siegessicher.

„In deinen Träumen, Malfoy", gab Harry schwach lächelnd zurück.

„Deal?" Draco hielt seinem Freund die ausgestreckte Hand entgegen.

Kritisch beäugte Harry den sehnigen Handrücken, bevor er ihn trotz aller Zweifel ergriff. „Deal", gab er schließlich resigniert zurück. „Aber wenn ich gewinne, bleibt alles so wie es ist."

„Du wirst nicht gewinnen, Potter. Kauf dir schon mal was Schickes zum Anziehen, denn in deinen schäbigen Klamotten, gehe ich nicht mit dir zum Ball."

„Noch ist es nicht so weit, Malfoy."

Draco wackelte grinsend mit den Augenbrauen. „Das ist nur noch eine Frage der Zeit, Potter und das weißt du auch."

XXXXXX

Ich bin fertig. Wir können gehen", informierte Harry seinen Partner, der im Flur auf ihn wartete.

Nein, bist du nicht, Babe", korrigierte ihn der Blonde mit einem Blick auf Harrys äußeres Erscheinungsbild.

Wieso denn nicht?" fragte der Dunkle irritiert.

Draco rollte theatralisch mit den Augen. „Weil ich so mit dir nicht vor die Tür gehe."

Was stimmt denn nicht mit meinem Outfit?"

Alles", gab ihm sein Partner zu verstehen. „Erstens trägt man kein lilafarbenes Hemd zu einer blauen Hose und zweitens sind das Turnschuhe und wir sind nicht auf dem Weg zum Sport."

Merlin Draco, nun stell dich nicht so an. Wir apparieren doch nur auf einen Kaffee zu Hermine", antwortete ihm Harry kopfschüttelnd.

Auch wenn ich das früher nie gedacht hätte, so ist es doch eine Tatsache, dass Hermine über einen guten Bekleidungsgeschmack verfügt, im Gegensatz zu dir."

Ihr ist es mit Sicherheit egal, was ich anhabe", rechtfertigte sich der Dunkle.

Aber mir nicht", entgegnete Draco gereizt. „Entweder gehst du noch mal rauf und ziehst dich um, oder du kommst nicht mit."

Entrüstet stemmte Harry die Hände in die Hüften. „Hey! Hermine ist meine Freundin!"

Und ich bin dein Ehemann. Also such es dir aus: Andre Klamotten oder die Nacht auf der Couch."

Okay, okay, ich ziehe mich um, aber unter Protest."

Protestiere so viel du willst. Hauptsache, du machst die Tür hinter dir zu."

.....!"

Das habe ich gehört!" rief Draco grinsend hinter seinem Partner her.

Solltest du auch!" ertönte es sofort von oben.

XXXVI. Have a nice day

 

Oh, if there is one thing I hang on to

That gets me through the night

I ain`t gonna do what I don`t want to

I`m gonna live my life

Shining like a diamond, rolling with the dice

Standing on the ledge, I`ll show the wind how to fly

When the world get`s in my face

I say: Have a nice day

 

(Bon Jovi, Have a nice day)

 

Federnden Schrittes ging Draco zur Mannschaftskabine der Slytherins. Er musste sich beinah beherrschen nicht zu singen, doch ein leises Summen konnte er sich einfach nicht verkneifen. Merlin, er war heute einfach verboten gut drauf. Schon als er am Morgen aufgestanden war, hatte er es in den Knochen gehabt: Heute würden sie die Gryffindors platt machen, da war er sich einhundert Prozentig sicher. Hoffentlich hatte Harry seit dem Yule Ball im vierten Jahr an seinen Tanzkünsten gearbeitet, sonst sollte sich Draco über die Anschaffung von Stahlkappenschuhen Gedanken machen. Er grinste leicht bei dem Gedanken an den dunklen Gryffindor. Seit sie den Deal besiegelt hatten, versuchte Harry schon aus der Sache wieder heraus zu kommen, doch da hatte er bei Draco auf Granit gebissen. Es hatte ihn schließlich ein hartes Stückchen Arbeit gekostet, den anderen Jungen überhaupt dazu zu bewegen bei der Wette mitzumachen, dann würde er einen Rückzieher auf keinen Fall tolerieren.

In Windeseile schlüpfte er in die grüne Quidditch-Uniform, zog seine Beinschützer fest und schnappte sich seinen Nimbus 2001. Warrington, Pucey und Montague warteten schon am Ausgang der Kabine auf den Spielbeginn, während Crabbe und Goyle noch mit ihren Uniformen kämpften und Miles Bletchley sich auf den letzten Drücker eine Zigarette genehmigte. Von draußen hörten sie den Lärm der Schüler, die auf den Rängen aufgeregt auf den Einmarsch der Mannschaften warteten und die Stimme von Lee Jordan, der die Zuschauer schon einmal in die richtige Stimmung für das erste Spiel der Saison brachte.

„Was ist los, Malfoy? Hast du Hummel im Hintern?" grinste Montague, dem auffiel, wie Draco von einem Bein aufs andere trat.

„Ich kann`s einfach nicht erwarten, den Gryffindors heute so richtig in den Arsch zu treten", erwiderte der Blonde überheblich.

„Dann sieh mal zu, dass dein Lover die Kugel nicht wieder in die Finger bekommt", erwiderte der Kapitän der Slytherins gehässig.

„Keine Sorge, das wird er nicht. Heute ist er fällig, da verwette ich mein letztes Hemd drauf", gab Draco verbissen zurück. Er war so auf den Sieg programmiert, dass er einen anderen Spielausgang nicht einmal in Erwägung zog. „Vince, Greg, wird das heute noch mal was, oder soll ich euren Mamis eine Eule schicken, damit sie euch beim Anziehen helfen?"

Gregory Goyle murmelte etwas Unverständliches, während Vincent Crabbe nur dunkelrot anlief und innerhalb weniger Minuten standen sie mit ihrem Besen neben ihren Mitspielern. Nicht einen Moment zu früh, denn schon ertönte der Aufruf der Mannschaften. Nacheinander betraten die Slytherins das Feld, wo die Gryffindors schon warteten. Herausfordernd musterten die beiden Treiber Kirke und Sloper ihre Konkurrenten aus Slytherin. Auch wenn die beiden Gryffindors noch nicht so lange im Team waren, so hatten sie doch keine Angst vor den Attacken der Gegner. Quidditch war in einem hohen Maße Psychologie. Je mehr man die gegnerische Mannschaft schon vor dem Spielbeginn verunsicherte, desto größere Chancen hatte man später in der Luft.

Dementsprechend warf auch Draco seinem Gryffindor Pendant einige bedeutungsschwere Blicke zu, bevor er sich auf seinen Besen schwang. Harry wirkte noch nervöser als sonst. Ständig fuhr er sich mit der Hand durch das verstrubbelte Haar, während er seiner Mannschaft einige letzte Anweisungen gab. Die Gryffindors klatschten sich noch einmal ab, dann schwangen auch sie ihre Beine über den Besenstil und warteten auf Madame Hoochs Zeichen.

Als dieses erfolgte, erhoben sich die beiden Teams fast zeitgleich in die Höhe. Ron und Bletchley flogen sofort zu den jeweiligen Torringen, während die übrigen Spieler sich auf dem Feld verteilten und auf die Freigabe der Bälle warteten. Ein schriller Pfiff ertönte und schon schossen die drei Bälle in die Luft. Sofort schnappte sich Alicia Spinnet den Quaffel und die Jagd begann.

Bedrängt von Crabbe und Goyle musste sie den Ball an Katie Bell abspielen, die sich im Alleingang gegen Pucey und Warrington durchsetzte, Bletchley antäuschte und Gryffindor mit dem ersten Tor des Tages in Führung brachte. Die Tribüne der Rot-Goldenen jubelte und auch Lee Jordan überbot sich mit Komplimenten für Katies traumhafte Technik.

Nach dem nächsten Tor, das wieder an die Gryffindors ging, erzielte schließlich Warrington den ersten Treffer für die Slytherins. Doch schon der nächste Angriff hatte wieder einen Treffer für die Gryffindors zur Folge und nach einer halben Stunde führten die Löwen mit einhundert zu siebzig Punkten. Draco fieberte mit seiner Mannschaft mit, während er über dem Geschehen seine Kreise zog. Immer ein Auge auf seinen Freund und gleichzeitigen Konkurrenten geheftet. Auch Harry ließ den Blick ständig durch das Stadion schweifen, ohne dabei jedoch Draco aus den Augen zu lassen. Es war schwer, einfach zu warten, dass der goldene Schnatz sich zeigte und nicht in das Spielgeschehen unter sich eingreifen zu können. Doch gerade, als die Gryffindors ein weiteres Tor erzielten, geschah es.

Die Sonne reflektierte das matte Gold der kleinen Kugel, die auf halber Höhe vor der Tribüne der Ravenclaws schwebte. Draco verlor keine Zeit. Er riss den Besen herum und jagte auf den Schnatz zu. Aus dem Augenwinkel bemerkte er, dass Harry das selbe tat, doch er blendete alles um sich herum aus. Nichts existierte mehr, außer dem kleinen, goldenen Ball vor sich. Als hätte der Schnatz gefühlt, dass er gesehen worden war, stieg er plötzlich nach oben, über die Köpfe der Zuschauer. Auch Draco änderte seine Flugbahn. Er steuerte hinauf, fixierte die Kugel mit den Augen, so als könne er sie damit in ihrem Flug festhalten.

Er war so auf den Schnatz konzentriert, dass er den Klatscher gar nicht kommen sah, bis er ihn an der Schulter traf. Es gab ein unangenehmes, knirschendes Geräusch und ein heftiger Schmerz zuckte durch seine linke Seite, so dass er die Hand vom Besen lösen musste. Draco meinte für einen Moment, der Ball habe seinen Arm abgerissen, doch ein kurzer Blick belehrte ihn eines Besseren. Sein Arm war immer noch an seinem Platz, aber er konnte ihn nicht mehr richtig kontrollieren. Dunkel erinnerte sich Draco daran, dass so etwas schon einmal geschehen war, als ihn sein Vater wieder einmal mit einem Fluch durch den halben Salon geschleudert hatte. Damals war die Schulter ausgekugelt gewesen und anhand der Symptome war darauf zu schließen, dass das wohl gerade wieder geschehen war.

Doch auch wenn die Schmerzen ihm die Tränen in die Augen trieben, hatte Draco trotzdem keine Zeit, länger über diese Verletzung nachzudenken. Er platzierte seinen Arm so gut es ging auf seinen Beinen vor sich, bevor er erneut die Verfolgung des Schnatzes aufnahm. Verwundert stellte er fest, dass Harry noch etwas weiter zurück gefallen war als zuvor, aber er fragte sich nicht lange nach dem Grund, sondern nahm die Gelegenheit wahr, den Sieg nach Hause zu bringen.

Dracos lehnte sich nach vorne, so dass sein Bauch beinah den Besenstil berührte und bemühte sich, den Nimbus mit den Oberschenkeln so ruhig wie möglich zu halten, als er die gesunde Hand nach der goldenen Kugel ausstreckte, die unmittelbar vor ihm schwebte. Er fühlte ihr kleinen, zarten Flügel gegen seine Fingerspitzen schlagen, als er die Finger um den Ball schloss und ein Gefühl des Triumphes durchflutete ihn. Er hatte den Schnatz gefangen! Er hatte ihn tatsächlich gefangen! Das Stadion brach in lautes Jubelgeschrei aus. Schals und Fahnen in den Farben der Slytherins wurden geschwenkt und sogar Lee Jordan musste zugeben, dass Draco wirklich ein harter Hund war.

Enthusiastisch streckte der Blonde die Faust in die Höhe. Beinah hätte er vor lauter Freude den Druck seiner Schenkel gelockert, aber im letzten Moment besann er sich eines besseren. Draco merkte den Schmerz in seiner Schulter beinah gar nicht, als er sich im Sitzen drehte und nach Harry Ausschau hielt. Der Gryffindor war direkt hinter ihm. Nur eine halbe Körperlänge hatte ihm zum Sieg gefehlt, doch dieses eine Mal war das Glück nicht auf seiner Seite gewesen.

Draco konnte nicht anders, er strahlte über das ganze Gesicht, als sein Blick den seines Freundes traf. Harry zwang sich das Lächeln zu erwidern, als er eine angedeutete Verbeugung machte. Es gab nichts daran zu drehen: Draco hatte verdient gewonnen. Trotz der Verletzung war er schneller am Schnatz gewesen und Harry würdigte diese Leistung. Innerhalb von Sekunden waren Dracos Teamkollegen neben ihm und gratulierten ihm überschwänglich. Gemeinsam flogen sie ihre Besen zurück auf die Erde, während Harry einige Meter entfernt mit den anderen Gryffindors landete. Besorgt nahm Harry zur Kenntnis, wie viel Mühe Draco hatte, vom Besen zu steigen und wie er mit dem Schnatz in der Hand seinen linken Arm an sich presste. Doch seine zusammen gepressten Lippen waren zu einem Lächeln verzogen, als seine Teamkollegen ihn in den Krankenflügel begleiteten, wo seine Schulter geheilt werden musste.

XXXXXX

„Was macht die Schulter?" fragte Harry, als er sich den Tarnumhang vom Kopf zog. Die Krankenstation lag dunkel da, es war bereits nach Mitternacht, nur neben Dracos Bett brannte eine kleine Kerze

„Danke, bestens", grinste der blonde Slytherin. Sein linker Arm war mit einer Schlinge an den Körper gebunden, damit Draco ihn ruhig hielt, bis der Trank wirkte und die Sehnen wieder vollständig zusammen gewachsen waren. Es hatte höllisch weh getan, als Madame Pomfrey das Schultergelenk wieder eingerenkt hatte, doch Draco war noch so high vom Adrenalin gewesen, dass er gar nicht gemerkt hatte, als der Schmerz ihn ausknockte. Als er eine viertel Stunde später wieder zu sich kam, waren seine Teamkollegen verschwunden gewesen, jedoch hatten sie vorher der Schulschwester das Versprechen abgenommen, dass Draco zur Siegesfeier kommen konnte, wenn er danach auf die Krankenstation zurück kehrte. Die Feier war der Hammer gewesen. Vor allem verglichen mit der letzten, die er verpasst hatte, weil er damals vor Wut auf dem Astronomie Turm gesessen und gegen den Sturm angeschrien hatte.

Seine Finger waren vom Feuerwhiskey zittrig, daher schaffte er es nicht, die Knöpfe seiner Robe zu öffnen, um sich für die Nacht umzuziehen. Zumal das mit nur einer Hand auch nicht gerade einfach war. „Verdammt!" fluchte er leise, während er ungeduldig an der Knopfleiste herum nestelte.

„Komm, lass mich dir helfen", bot sich Harry an und trat vor seinen Freund, der ihn widerstandslos gewähren ließ. Vorsichtig, um nicht gegen den verletzten Arm zu kommen, öffnete Harry die Knöpfe der Schulrobe und half Draco seine Sachen auszuziehen. Die Haut über der Schulter, wo der Klatscher aufgeschlagen war, hatte sich bläulich verfärbt und Draco zischte leise, als Harry ihm Stück für Stück in den Pyjama half.

„Es wird langsam zur Gewohnheit, dass ich dich auf der Krankenstation besuche", neckte Harry den Blonden, als er die Knöpfe des Schlafanzugs einen nach dem anderen schloss.

„Ich hatte es dir gesagt, ich will einen richtigen Kampf, wenn`s sein muss bis aufs Blut", erklärte Draco erschöpft, nachdem er sich auf das weiße Bett fallen ließ.

„Du hättest es ruhig nicht so wörtlich nehmen müssen", gab der Gryffindor kopfschüttelnd zurück und deckte seinen Freund fürsorglich zu.

Der Slytherin bedeutete Harry, sich neben ihn zu legen. „Wenn ich ein Ziel vor Augen haben, gehe ich gerne jedes Risiko ein."

„Ist es dir das wirklich wert?" fragte Harry zweifelnd, als er zögerlich neben den Blonden unter die Decke schlüpfte. Er hatte Angst, Draco durch eine unbedachte Bewegung noch zusätzliche Schmerzen zu verursachen.

„Du bist mir jedes Risiko wert", murmelte sein Freund undeutlich, dann barg er sein Gesicht an Harrys Arm und war wenige Augenblicke später eingeschlafen.

XXXXXX

Mit angestrengtem Gesicht saß Draco im Keller ihres Hauses im Schneidersitz auf dem Fußboden und nahm nach und nach alte Sachen aus einem Karton, die er in Stapeln vor sich aufbaute.

Hier steckst du", sagte Harry, als er zur Tür herein kam. Er hockte sich neben den Blonden auf den Boden und sah, dass sein Partner die linke Hand auf den Schoß gelegt hatte. „Wieder die Schulter?"

Es geht schon", erwiderte der ehemalige Slytherin, nahm einen alten Quaffel aus der Kiste und betrachtete ihn nachdenklich. Plötzlich rutschte ihm der Ball aus den Fingern und landete unsanft auf der linken Hand. Draco zischte leise durch die zusammen gebissenen Zähne und schob den Quaffel mit dem gesunden Arm vom Schoß. Seit Hogwarts-Zeiten war die Schulter immer wieder ein Problem, doch er war nicht bereit sich durch die Verletzung von seinem Aufräum-Vorhaben abbringen zu lassen.

Was hältst du davon, wenn du eine Pause machst?" fragte Harry, der nicht mit ansehen konnte, wie sein Ehemann sich quälte. „Ich hole dir einen Schmerztrank aus dem Medizinschrank und wenn die Wirkung eintritt, kannst du immer noch weiter räumen."

Ich lasse mich von so einem blöden Handycap nicht von der Arbeit abhalten", gab Draco angesäuert zurück. „Ich kann die Schmerzen auch so aushalten."

Du brauchst mir nichts zu beweisen. Ich weiß, dass du hart im Nehmen bist", erklärte der Dunkle versöhnlich. „Aber mit zwei Händen bist du sehr viel effektiver als mit einer Hand."

Der Blonde schien einen Moment nachzudenken, dann rappelte er sich auf. „Okay, aber wenn ich den Trank schon nehme, will ich einen Kürbissaft hinterher. Das Zeug schmeckt nämlich schlimmer als die Pest."

Kriegst du, Love."

Es war schon verwunderlich, wie hart sein Ehemann bei Schmerzen sein konnte, aber wie kindisch er sich doch bei Zaubertränken verhielt.

XXXVII. Only you

 

Only you

Can do make all this world seem right

Only you

Can make the darkness bright

Only you, and you alone

Can feel me like you do

And do fill my heart with love for only you

 

(Elvis Presley, Only You)

 

In Harrys Kopf drehte sich alles. Er hatte das Gefühl, sein Schädel würde bersten, so dass er ihn mit beiden Händen ergriff und ihn festhielt. Niemals hatte er mit dem gerechnet, was er gerade erfahren hatte, als der Schulleiter ihn zu sich gerufen hatte.

Im ersten Moment hatte Harry gedacht, es hätte etwas mit Draco zu tun, doch als er dann erfuhr, was Professor Dumbledore wirklich von ihm wollte, wünschte er sich beinah, der blonde Slytherin wäre sein einziges Problem. Nein, der Schulleiter hatte nicht mit ihm über seine Beziehung zu Draco sprechen wollen, auch nicht über die schwachen, schulischen Leistungen, die Harry in letzter Zeit ablieferte. Er hatte mit ihm über Lord Voldemort sprechen wollen und darüber, einen Weg zu finden, den dunklen Zauberer zu töten. Harry hatte bei diesem Gespräch das erste Mal in seinem Leben das Wort „Horcrux" gehört und er hatte erfahren, dass Voldemort Teile seiner Seele abgespalten und sie in Gegenständen versteckt hatte, mit dem Ziel unsterblich zu werden. Dumbledore hatte Harry erklärt, dass es nur dann möglich war, den Dunklen Lord zu vernichten, wenn man alle Horcruxe finden und zerstören würde.

Tom Riddles Tagebuch, das Lucius Malfoy in Harrys zweitem Schuljahr Ginny Weasley untergejubelt hatte, war so ein Horcrux gewesen. Harry hatte es damals mit dem Zahn des toten Basilisken durchbohrt und somit den Teil von Voldemorts Seele zerstört, der dort eingeschlossen gewesen war. Professor Dumbledore hatte auf seiner Suche noch einen zweiten Horcrux ausfindig gemacht. Einen Ring, der ein Familienerbstück der Gaunts war, jener Familie aus der Voldemorts Mutter stammte und deren Wurzeln bis zu Salazar Slytherin zurück reichten. Es gelang dem Schulleiter den Ring zu zerstören, doch seitdem stagnierte seine Suche. Allein war es ihm nicht möglich die Mission erfolgreich zu beenden, daher hatte er beschlossen, Harry in seinen Plan mit einzuweihen. Zuerst hatte sich Harry sehr geschmeichelt gefühlt, dass ein so erfahrener Zauberer wie Professor Dumbledore tatsächlich mit ihm zusammen arbeiten wollte, doch je länger er darüber nachdachte, desto mehr wurde ihm bewusst, wie aussichtslos die Lage sein musste, wenn sein Schulleiter, der den Orden des Merlin erster Klasse verliehen bekommen hatte und der ein Mitglied des Zaubergamotts war, auf die Hilfe eines sechszehnjähigen Schülers zurück greifen musste.

Verzweifelt schüttelte er den Kopf. Es war zu viel. Bislang hatte er immer geglaubt, irgendwann einfach vor Voldemort zu stehen und sich mit ihm einen Kampf auf Leben und Tod zu liefern, doch jetzt hatte er erfahren, dass er den Dunklen Lord nicht einmal dann töten konnte, wenn er dazu fähig war „Avada kedavra" auszuführen. Er würde die anderen Horcruxe finden und vernichten müssen, bevor er es überhaupt wagen konnte, eine Konfrontation mit Voldemort einzugehen.

Wenn er sich wenigstens Draco anvertrauen könnte, doch Dumbledore hatte ihn beschworen, niemandem von dieser Mission zu erzählen und schon gar nicht Draco Malfoy. Die Suche konnte nur dann ein Erfolg werden, wenn Voldemort nicht einmal ahnte, dass sie über die Horcruxe Bescheid wussten. Dracos Anwesenheit im Schloss war schon jetzt ein Sicherheitsrisiko. Es war nicht wirklich auszuschließen, dass der Dunkle Lord Zugang zu den Gedanken des Blonden hatte und deshalb hatte Harry dem Schulleiter schwören müssen, dass er Draco nichts von dem Auftrag erzählte. Stundenlang war der Gryffindor danach im Schloss umher gelaufen, bevor er sich schließlich mit Draco an ihrem geheimen Treffpunkt in dem ungenutzten Klassenraum im zweiten Stock traf.

„Du kommst spät", begrüßte ihn der Slytherin, als Harry endlich den Raum betrat. Der Gryffindor fühlte einen Stich in seinem Herzen, als er sah, dass Draco ein Pult in eine Matratze verwandelt hatte und überall im Raum verteilt Kerzen brannten. Offenbar hatte sein Freund bei ihrem Treffen eine romantische Phantasie im Hinterkopf gehabt, doch dem Dunklem war im Moment nach allem anderen als nach Sex.

„Es tut mir leid, ich wurde aufgehalten", erwiderte er missmutig und setzte sich auf eines der staubigen Pulte.

„Ist etwas passiert?" fragte Draco argwöhnisch. Sofort ging er zu Harry hinüber. „Gibt es etwas Neues über Ihn?" Das Gesicht des Blonden spiegelte seine Neugier und Harry merkte, wie sein Brustkorb eng wurde, von dem Geheimnis, das auf seiner Brust saß.

„Nein, nicht Neues", gab er lahm zurück. „Wir haben nur über mögliche Szenarien gesprochen, wenn es zum Kampf kommen sollte."

„Was für Szenarien?" bohrte der Slytherin nach. „Welche Rolle spiele ich dabei?"

„Ich kann es dir nicht sagen", erwiderte Harry ehrlich. „Dumbledore meint, es ist besser, wenn du so wenig wie möglich weißt. Was nicht in deinem Kopf ist, kann Voldemort nicht stehlen."

Draco zuckte bei der Erwähnung des Namens leicht zusammen. „Ich verstehe", antwortete er leise. „Dumbledore hat recht. Es ist besser, wenn ihr mir nicht vertraut."

„Natürlich vertraue ich dir." Harry stand auf und schloss den Abstand zu seinem Freund. „Ich vertraue nur Ihm nicht."

Der Blonde hielt Harrys Blick eine Weile stand, dann senkte er den Blick zu dem Mal auf seinem Unterarm. „Ich habe auch schon darüber nachgedacht, wie man diese Scheußlichkeit wieder los wird", sagte er leise und legte die Finger darüber, um es zu verdecken. „Aber selbst Snape weiß nicht, wie man es entfernt."

„Man kann es nicht entfernen", sagte der Gryffindor und legte seine Hand auf die seines Freundes. „Aber es wird verschwinden, wenn Voldemort erst tot ist."

Draco atmete ein paar Mal ein und aus, dann sah er Harry erneut in die Augen. „Du wirst ihn töten. Ich weiß es."

„Ich muss. Ich habe keine andere Wahl", entgegnete Harry bitter. „Aber ich weiß noch nicht wie."

„Mit der Kraft, die in dir ist und mit dem Mut, den du gezeigt hast, als du mich aus dem Manor geholt hast", gab Draco überzeugt zurück. „Du musst nur an dich glauben."

„Es ist so schwer. Wenn die großen Zauberer wie Dumbledore nichts ausrichten können, wie soll ich es dann schaffen ihn zu töten?" stellte der Dunkle die Frage, die ihm schon lange schwer auf dem Herzen lag.

„Wenn es soweit ist, dann wirst du es wissen", erwiderte der Slytherin überzeugt. „Ich glaube an dich."

Zweifelnd hob der Gryffindor den Blick. „Tust du das?"

„Ich vertraue dir mein Leben an. Ist das nicht Beweis genug?" Draco legte seine Arme um den Hals des anderen Jungen. „Und schließlich bin ich auch noch da, um dir zu helfen, nicht wahr?"

Zärtlich fanden seine Lippen die seines Freundes. „Du wirst ein Held sein, Harry Potter und wage es ja nicht, etwas anderes zu denken."

Ein schwaches Lächeln zeichnete sich auf den Lippen des dunklen Gryfffindors ab, als er den Kuss erwiderte. „Ich bin dein ganz persönlicher Held."

Dracos Arme zogen ihn näher an sich. „Genau und deswegen tötest du das Monster."

„Für dich", murmelte Harry und seine Hände umfassten Dracos Hüfte. „Nur für dich."

XXXXXX

Für dich", flüsterte Harry leise und strich seinem schlafenden Ehemann sanft eine blonde Strähne aus der Stirn. Sicher, er hatte es damals getan, um sie alle zu retten. Um die Welt von diesem schlimmsten aller Zauberer zu befreien, doch letztendlich hatte er es besonders für Draco getan. Um dafür zu sorgen, dass Voldemort nie wieder mit seinen widerlichen, roten Augen in Dracos Kopf sah. Damit sie endlich ein normales Leben führen konnten. Wenn er geahnt hätte, was er in diesem Moment angerichtet hatte... doch vermutlich hätte es nichts geändert. Er hatte es tun müssen, auch wenn er die Konsequenzen vorher gewusst hätte.

Tbc...

Kapitel 14 von redangeleve

XXXVIII. I kissed a girl

Us girls we are so magical, soft skin, red lips, so kissable

Hard to resist so touchable, too good to deny it

It ain`t no big deal , it`s innocent

I kissed a girl and I liked...

( Katy Perry, I kissed a girl )

Die Monate vergingen ohne dass Professor Dumbledore oder Harry Potter mit der Suche nach weiteren Horcruxen weiter gekommen wären. Immer öfter kam der junge Gryffindor deprimiert zu den Treffen mit seinem Freund und immer mehr hatte er das Bedürfnis, sich jemandem anzuvertrauen, nur die eindringlichen Reden seines Direktors hielten ihn davon ab. Für Draco war es nicht leicht, seinen Freund ständig wieder aufzubauen, ohne überhaupt zu wissen, worum es ging, doch er tat sein Möglichstes, um Harrys Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten zu stärken.

Es war scheinbar ein Naturgesetz, dass Dinge die man sich ganz weit weg wünschte nur noch schneller zu passieren schienen. Jedenfalls verging die Zeit wie im Flug und ehe sich Harry versah, stand der Herbstball vor der Tür. Durch seine Recherchen und dem drohenden Schatten Voldemorts, der über allem schwebte, war er nicht im Geringsten in der Stimmung für ein großes Fest, doch Professor Dumbledore riet ihm dazu, die ganze Suche für wenigstens einen Abend zu vergessen und da er ohnehin keine andere Wahl hatte, nahm sich Harry vor, diesen Ratschlag zu beherzigen.

„Ich habe echt keine Ahnung, warum alle so aus dem Häuschen sind. Ist doch nur ein weiterer blöder Ball", knurrte Harry bissig, als er sich vor dem Spiegel mit seiner Fliege abmühte.

„Es ist eben nicht einfach nur ein Ball", erwiderte Ron vergnügt und bürstete die Mähne eines gigantischen Löwenkopfes. „Es ist ein Maskenball, Alter."

„Ball ist Ball", murmelte der Dunkle griesgrämig. „Ob nun mit Maske oder ohne."

„Ich finde das Verkleiden eigentlich ganz lustig", gab der andere schulterzuckend zurück. „Ich meine, da kannst du dich stundenlang mit jemandem unterhalten, ohne zu wissen, wer er ist."

Kopfschüttelnd zupfte Harry an seinen wie immer verstrubbelten Haaren. „Als würde irgend jemand mich nicht erkennen."

„Du hättest dir eben auch ein Kostüm mit einer Kopfbedeckung aussuchen sollen", meinte Ron.

„Und mich kaputt schwitzen, wie du in deinem Löwenkostüm", konterte Harry sofort.

„Bliebe dir immer noch ein Illusionszauber", versuchte der Rothaarige den Einwand auszuräumen.

„Lieber nicht. Das letzte Mal, als ich das versucht habe, waren Teile meines Kopfes tagelang unsichtbar", erinnerte ihn der dunkle Gryffindor.

„Richtig", stimmte ihm sein Freund zu. „War schon gruslig, als du mit einem Loch mitten in der Stirn im Unterricht gesessen hast."

„Hm", gab Harry zurück und zupfte weiter an seinen Haaren herum. „Wie sehe ich aus?" fragte er Ron zweifelnd.

Der Rothaarige musterte seinen Freund kritisch. Harry trug seinen Festumhang über einem weißen Hemd mit dunkler Fliege. Sein Gesicht war ungewöhnlich blass geschminkt und aus seinem Mund ragten magisch verlängerte Eckzähne.

„Cool", meinte Ron einfach.

„Wirklich?" fragte Harry unsicher.

„Alter, wenn du mit deinem Vampir-Kostüm so unzufrieden bist, warum hast du es dir dann ausgesucht?"

„Wenn es nach mir gegangen wäre, würde ich zu diesem bekloppten Ball gar nicht hingehen", knurrte Harry frustriert. „Draco hat das Kostüm ausgesucht. Er meinte, es würde gut zu seinem passen."

Ron schluckte den Kommentar, den er auf der Zunge hatte, herunter. Als er gefahren hatte, dass Harry tatsächlich mit dem blonden Slytherin zum Herbstball gehen würde, hatte er alles dran gesetzt, es ihm wieder auszureden, aber sein Freund hatte sich auf seine Wettschuld berufen und auch Ron hielt sich an den Grundsatz, dass Wettschulden Ehrenschulden waren. Zwar war er immer noch der Meinung, dass Harry einen verdammt großen Fehler machte, aber wenn sein Freund sich etwas in den Kopf setzte, führte er es auch durch, selbst wenn er nicht wirklich glücklich dabei wirkte. Außerdem lag ihm Hermine ständig in den Ohren, er müsse es nicht in Ordnung finden, solle sich seine Bedenken aber zumindest nicht anmerken lassen.

„Als war geht Draco denn?" fragte der rothaarige Gryffindor also stattdessen.

„Ich habe keine Ahnung", gestand sein Freund. „Er wollte es mir nicht sagen. Er meinte, dann sei die ganze Überraschung weg. Ich würde ihn schon erkennen."

„Na dann viel Glück", meinte Ron sarkastisch. „Ich habe gehört, viele verändern ihre Erscheinung magisch. Also, wenn er nicht gerade als Todesser geht..."

„Ron!" Hermine stand im Türrahmen, die Hände in die Hüften gestützt. Wütend funkelte sie ihren Freund an. Es hatte Harry ehrlich überrascht, dass sein Freund den Mut gefunden hatte, das Mädchen zu fragen, ob sie mit ihm zu Ball ging und noch mehr war er erstaunt darüber, dass sie tatsächlich ja gesagt hatte.

„Was denn?" fragte der Rothaarige entrüstet. „Ich habe doch nur gemeint.."

Genervt aufstöhnend schüttelte das Mädchen den Kopf. „Du hast die Sensibilität einer Banshee, weißt du das?" zischte sie wütend, dann wandte sie sich an Harry. „Du siehst toll aus."

Mit den sicheren Fingern einer Frau, zog sie ihm die Fliege zurecht.

„Du siehst aber auch klasse aus", gab er das Kompliment zurück.

Hermine trug ein figurbetontes, hellblaues Satinkleid, das an den Seiten transparente Einsätze hatte. Ihre Gesicht war in angenehmen Pastellfarben geschminkt und in ihrem hochgesteckten Haar glitzerten verteilt dutzende kleiner Straßsteine. Auf dem Rücken trug sie ein Paar ebenfalls hellblaue Flügel, die von Zeit zu Zeit nervös flatterten.

Das Mädchen lächelte dankbar. „Eigentlich wollte ich als etwas ganz Krasses gehen. Als Professor McGonagall vielleicht oder als Werwölfin, aber Ginny meinte, das sei nicht weiblich genug. Ich solle mal etwas nehmen, was niemand von mir erwartet. Schön, dass es dir wenigstens gefällt."

Ron, der den Wink mit dem Zaunpfahl sehr wohl bemerkt hatte, fügte schnell hinzu: „Aber natürlich gefällt es uns. Du siehst einfach bezaubernd aus, Hermine."

Die Feenflügel des Mädchens flatterten noch eine Spur schneller vor Verlegenheit. „Danke", strahlte sie und hakte sich bei ihrem rothaarigen Freund ein, der seinen Löwenkopf unter dem Arm trug. „Wir sollten jetzt wirklich gehen. Bevor wir noch die letzten sind."

Sie wandten sich zur Tür, Harry im Schlepptau trottete einfach hinter ihnen her, als sich Hermine noch einmal zu dem dunklen Gryffindor umdrehte. „Du wirst einfach fabelhaft neben Draco aussehen", grinste sie. „Ich bin gespannt, wie lange du brauchst, um herauszufinden, in welchem Kostüm er steckt."

Harry wollte gerne noch nachhaken, doch der Blick der Freundin sagte ihm, dass er keine Antwort bekommen würde. Das war ja ganz toll, Hermine wusste, welches Kostüm sein Freund sich ausgesucht hatte und er selbst hatte nicht die geringste Ahnung. Trotzdem war er sich sicher, er würde es sofort wissen, wenn er Draco vor sich hatte. Dafür kannte er den anderen einfach zu gut. Oder nicht?

XXXXXX

An der Decke der Großen Halle schwebte ein Meer von Lampinons und tauchte den Raum in ein angenehmes Licht. Die Haustische waren an die Seite geschoben worden, so dass in der Mitte eine Tanzfläche entstanden war. Dumbledore hatte extra zu diesem Zweck, die im Moment total angesagte Band „Die Gargoyles von Notre Dame" engagiert und die meisten Schüler warteten bereits ungeduldig auf deren Auftritt.

Nervös krampften sich Harrys Hände ineinander, als er hinter Ron und Hermine die Halle betrat. Sofort ließ er den Blick über die anwesenden Schüler wandern, konnte Draco aber nirgends erkennen. Er folgte Ron und Hermine zu den anderen Gryffindors, die in einer Gruppe zusammen standen und gegenseitig ihre Kostüme bewunderten.

Neville hatte sich als Frosch verkleidet, was bei seinen ungeschickten Bewegungen zu allgemeinem Gelächter führte. Seamus, als echter Ire, trug ein Kobold Kostüm und hatte sich, damit es authentischer wirkte, magisch um einige Zentimeter verkleinert.

Dean Thomas ging als Gilderoy Lockheart. Ständig fuhr er sich mit der Hand durchs Haar und lächelte das typische selbstverliebte Lockheart-Lächeln. Da der Gryffindor ohnehin sehr begabt darin war, andere Leute nachzuahmen, wirkte die Verkleidung so echt, dass bereits die ersten Mädchen schmachtende Blicke in seine Richtung warfen.

Fred und George Weasley hatten sich als Professor Dumbledore und Professor McGonagall verkleidet und flirteten die ganze Zeit auf Teufel komm raus miteinander, was bei den anderen Schülern ein begeistertes Gejohle auslöste.

Die Gestalt des Direktors schien auch bei den anderen Häusern sehr beliebt zu sein. Harry zählte nicht weniger als acht Dumbledores in der Halle. Manche hatten sogar ihre Stimme verändert, so dass sie tatsächlich klangen wie der alte Mann.

Auch die Mädchen standen den anderen bei der Phantasie der Kostüme in nichts nach. Lavender Brown hatte sich magisch in eine Veela verwandelt, nur der Illusionszauber, den sie benutzte, um die hässliche Seite dieser Kreatur hervorzulocken, wenn der falsche Junge sie zum Tanzen aufforderte, wirkte nicht richtig, so dass alle paar Sekunden die schöne Fassade verschwand und das Monster hervor lugte.

Die Patil Zwillinge hatten sich in ein Einhorn verwandelt, doch Harry zweifelte ernsthaft daran, ob sie bei dieser Verwandlung auch das Tanzen mit einkalkuliert hatten. Schon jetzt stolperten sie beim Laufen oftmals über ihre eigenen Hufe.

Ginny, Luna und Susan Bones hatten sich für die Kostüme der „Schicksals Schwestern" entschieden und trällerten die ganze Zeit irgendwelche Hits der Gruppe vor sich hin, bis Harry nach kurzer Zeit die Ohren klingelten.

Die Halle füllte sich immer mehr und auf den Tischen erschienen Krüge mit Kürbissaft, Butterbierflaschen und Schalen mit Knabbereien. Die Gespräche wurden stetig ausgelassener und als schließlich die Musik begann, füllte sich auch die Tanzfläche.

Verdrießlich beobachtete Harry die Menge der verkleideten Schüler. Gerade eben hatte er Vincent Crabbe und Gregory Goyle zwischen einigen anderen Slytherins ausgemacht. Passender Weise hatten sie sich als Trolle verkleidet. Pansy Parkinson in Gestalt eines schwarzen Panthers konnte ihre Hände nicht von Blaise Zabini lassen, der einen wirklich furchteinflösenden Tod darstellte. Theodore Nott im Merlins Kostüm hielt sich diskret im Hintergrund, konnte es aber trotzdem nicht lassen immer wieder schmachtende Blicke zu Millicent Bullstroge zu werfen, die eine etwas aus der Form geratene Meerjungfrau gab. Von Draco fehlte weiterhin jede Spur.

„Hast du Lust zu tanzen?" fragte ihn Hannah Abbott, die in ihrem venezianischen Karnevallskleid wirklich hübsch aussah. Harry schüttelte bedauernd den Kopf. „Sorry, ich habe meinen ersten Tanz schon jemand anderem versprochen", murmelte er seine ziemlich schwache Ausrede. Niemand außer seinen zwei besten Freunden wusste von der Wette, die Harry verloren hatte und er hoffte immer noch inständig, das ihm sein Outing doch noch erspart blieb.

Das Mädchen versuchte sich nicht anmerken zu lassen, das es über die Abfuhr verletzt war, aber Harry sah den harten Zug um ihren Mund trotzdem. Gott sei Dank, hatte sie bei Dean mehr Glück, so dass Harrys Gewissen wenigstens etwas beruhigt war. Leider blieb sie nicht seine letzte Verehrerin an diesem Abend. Die meisten Mädchen beließen es dabei, ihm mehr oder weniger einladende Blicke zuzuwerfen, doch einige fanden bedauerlicher Weise den Mut, ihn aufzufordern, was er immer mit der gleichen Ausrede abblockte.

Die Tanzfläche war voller Schüler, sogar Neville tanzte mehr oder weniger geschickt mit einem Mädchen aus Ravenclaw. Der Abend verging und Harry verweilte in einem Zustand zwischen Hoffnung und Frustration, als sich ein weiteres Mädchen seinem Platz nährte. Blonde Korkenzieherlocken wippten um ein schmales Gesicht, das hinter einer mit dunklen Federn besetzten Maske verborgen lag.

`Oh Merlin, nicht schon wieder`, dachte der dunkle Gryffindor und bemühte sich, seine Augen auf den Fußboden zu richten, um von vornherein klar zu stellen, dass er kein Interesse hatte. Mitternachtsblaue Seide schob sich in seinen Blick, als das Mädchen vor ihm stehen blieb.

„Bekomme ich einen Tanz mit dir?" fragte sie mit heller Stimme.

Harry stöhnte innerlich auf. Scheinbar hatte seine Strategie nicht geholfen. „Tut mir leid, ich habe den ersten Tanz jemand anderem versprochen."

Die Blonde schluckte hörbar, gab jedoch so schnell nicht auf. „Wenn derjenige bis jetzt noch nicht aufgetaucht ist, wird er bestimmt nicht mehr kommen. Der Ball ist ja schon beinah vorbei."

Offenbar musste er etwas deutlicher werden. Er hob den Blick, bemühte sich aber, abwehrend an ihr vorbei zu gucken.„Ist egal. Ich bin ohnehin kein guter Tänzer. Und wenn ich was versprochen habe, dann halte ich es auch."

Eine zierliche Hand legte sich auf sein Knie. „Ich tanze wirklich gut. Du solltest es einmal probieren."

Harry wollte nicht unhöflich werden, aber das ging nun eindeutig zu weit. Aufgebracht fixierte er das Gesicht, das sich hinter der Maske verbarg -

und erstarrte.

Zwei silberfarbene Augen blitzten ihn belustigt an.

„Draco." Es war keine Frage, es war eine Feststellung. Diese Augen hätte Harry überall auf der Welt erkannt. Dennoch war sein Gesicht ein Spiegel kompletter Fassungslosigkeit, als der Gryffindor seinen sehr femininen Freund musterte.

„Gefalle ich dir?" fragte das Mädchen scheinheilig und wiegte sich hin und her, so dass die mitternachtsblaue Seide raschelte.

„Du bist....einfach.....wow", stotterte Harry, nicht fähig die richtigen Worte zu finden. Tatsächlich sah Draco ziemlich heiß aus. Der zierliche, feingliedrige Mädchenkörper steckte in einem traumhaften Ballkleid, das mit seiner trägerlosen Korsage das tiefe Dekoltee betonte.

Harry errötete leicht, als er sich dabei ertappte, wie sein Blick den hochgeschnürten Busen streifte.

Lächelnd biss sich die Blonde auf die Lippen. „Jaa", sagte sie gedehnt. „Die sind tatsächlich echt."

„ Aber wie?" fragte Harry verwirrt. „Wie hast du das gemacht?"

„Es ist jedenfalls kein Illuisonszauber", antwortete Draco geheimnisvoll. „Ich erzähle es dir vielleicht später, wenn weniger neugierige Augen uns beobachten. Was ist, bekomme ich nun meinen versprochenen Tanz?"

Unwohl trat Harry von einem Fuß auf den anderen. „Ich bin echt nicht gut im Tanzen."

„Ich weiß", grinste das Mädchen. „Ich habe dich schließlich auf dem Yule Ball gesehen. Aber keine Sorge, ich bin gut. Du musst mich einfach nur führen lassen."

Seufzend zuckte Harry die Schultern und ergab sich dann seinem Schicksal. Er stellte sich Draco gegenüber, wobei ihm auffiel, dass dieser in der Mädchengestalt fast einen ganzen Kopf kleiner war, als er selbst. Ein peinlicher Moment entstand, als sie ihm versehentlich die falsche Hand entgegen streckte. „Sorry", grummelte die Blonde. „Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass ich ja den weiblichen Part tanze."

Sie gab Harry die rechte Hand und legte die linke sanft auf seine Schulter. Der Dunkle konnte nicht anders. Fasziniert starrte er auf die schmalen Finger, die in den seinen lagen. Feingliedrig und lang, so wie Dracos Finger, doch unendlich zarter dabei.

„Harry", mahnte sie. „Konzentriere dich."

Schuldbewusst legte er seinen Arm um ihre Taille. Einen Moment wiegten sie sich im Takt der Musik, bevor sie sich schließlich in den Kreis der Tanzenden einreihten. Zuerst fiel es Harry schwer, Draco, der im Mädchenkörper kaum genug Kraft hatte, um den Jungen zu bewegen, die Führung zu überlassen, aber nach einer Weile gewöhnte er sich daran, auf den Druck ihrer Hände zu reagieren. Alle Augen folgten dem hübschen Paar und so mancher rätselte, wer das Mädchen war, das dort mit Harry Potter tanzte.

Tatsächlich genoss er den Tanz. Es war ein schönes Gefühl, Draco in seinen Armen zu haben und mit ihm, wenn auch nicht wirklich ihm, durch den Raum zu gleiten. Die ganze Zeit ruhte sein Blick hingerissen auf dem blassen Gesicht mit der dunklen Federmaske, das so fremd und gleichzeitig so vertraut war. Ihre Blicke trafen sich und Harry versank erneut in dem flüssigen Silber, das ihn gefangen nahm und ihn alles um sich herum vergessen ließ.

Er bemerkte erst, dass der Tanz zu Ende war, als die Musik verstummte und Draco ihn anhalten ließ. Die Band machte eine Pause und die anderen Schüler verließen bereits die Tanzfläche.

„Das war schön", sagte der Gryffindor zu seiner eigenen Verwunderung. Er hatte immer noch seinen Arm um die Taille des Mädchen gelegt und am liebsten hätte er ihn auch weiter dort gelassen.

„Ja, nicht wahr", lächelte die Blonde und lüftete ihren Rock ein paar Zentimeter, so dass Harry die langen Beine sehen konnte. „Und dass mit diesen Schuhen." Bestätigend drehte sie ihre Füße in den dunkelblauen Highheels.

„Beeindruckend", gab Harry zurück und rang mühsam um Beherrschung. Der Anblick der nackten Haut und der enge Körperkontakt beim Tanzen hatten ihn mehr erregt, als er sich eingestehen wollte. „Woher weißt du eigentlich, wie man auf den Dingern läuft?"

„Meine Mutter hat auch ein solche Schuhe", meinte Draco nur. „Als Kind habe ich mir die öfter mal ausgeborgt."

„Und was hat dein Vater dazu gesagt?" stichelte der Dunkle belustigt über die Vorstellung, wie Lucius reagiert haben mochte, wenn er Draco in den Schuhen seiner Mutter erwischt hatte.

Das Mädchen zuckte die Schultern. „Er war viel unterwegs. Geschäfte. Hat es gar nicht mitbekommen."

Der Gryffindor nickte nur. `War bestimmt besser so`, dachte er im Stillen.

„Was ist, gehen wir ein paar Schritte?" holte ihn die Blonde wieder aus den Gedanken.

„Okay", antwortete der Dunkle und bot ihr, ganz Gentleman, den Arm an.

Gemeinsam verließen sie den Ball, die Blicke der anderen sehr wohl in ihrem Rücken fühlend. „Woher wusste eigentlich Hermine, in was für einer Verkleidung du kommst?" fragte Harry, als sie die Treppe in den ersten Stock hinauf gingen.

„Naja", antwortete Draco. „Ich brauchte Hilfe bei der Auswahl des Kleides und mit dem Lidstrich. Von den Lockenwicklern wollen wir gar nicht reden. Die gehören in die Kategorie der verbotenen Folterinstrumente aufgenommen", grummelte sie und strich sich die blonden Locken zurück.

„Und da fragst du ausgerechnet Hermine?" fragte Harry belustigt. Seine Freundin galt nicht unbedingt als die Expertin in Sachen Beauty- und Stylingtipps.

„Wen denn sonst?" gab Draco zurück. „Pansy ist ja nicht gerade dein größter Fan und ich hatte auch keine Lust, den halben Slytherin Kerker um Mithilfe zu bitten. Granger ist mindestens so gut, wie jedes andere Mädchen. Oder findest du, dass sie ihre Sache nicht gut gemacht hat?" Sie klimperte mit den getuschten Wimpern.

„Doch, doch, sehr sogar", beeilte sich Harry zu versichern. „Verrätst du mir jetzt, wie du es gemacht hast?"

„Ein Mädchen zu werden?" fragte die Blonde scheinheilig. „Okay, es ist so, ich habe den Trank schon vor einiger Zeit aus einem privaten Vorrat meines Vaters gestohlen. Ich habe nur immer auf den richtigen Anlass gewartet, um ihn mal auszuprobieren. Er hat da ganz skurrile Sachen unter Verschluss. Ich weiß, dass er und Mutter manchmal damit experimentieren, wenn sie..."

„So genau wollte ich es gar nicht wissen!" fuhr Harry schnell dazwischen. Ihn schauderte. Wenn es etwas gab, was er einhundertprozentig nicht wissen wollte, waren es die Sexualpraktiken von Dracos Eltern.

„Ist es dir peinlich?" grinste Draco belustigt. „Glaubst du, wir beide haben das Monopol auf guten Sex?"

Harry errötete sofort. Diese Worte aus dem Mund eines Mädchens zu hören, das sein Freund war, aber eben doch ein Mädchen, war ganz schön verwirrend. „Wie war es so? Die Verwandlung, meine ich?" fragte er, um die Scham zu überspielen.

„Unangenehm", gab die Blonde zu. „Ein wenig schmerzhaft, aber es war auszuhalten. Also, wie sieht`s aus, Potter. Lust es mal mit einem Mädchen zu treiben?"

Die Augen des Gryffindor weiteten sich. „Du...du....du meinst mit dir? Jetzt? Hier?"

„Natürlich nicht hier auf dem Gang", erklärte sie und verdrehte die Augen über Harrys geschocktes Gesicht. „Zufällig weiß ich, dass das Vertrauensschülerzimmer der Gryffindors heute leer steht. Und ich kenne das Passwort..." Sie wackelte anzüglich mit den Augenbrauen.

Harry schluckte hart. Unschlüssig wanderte sein Blick an dem Mädchenkörper hinauf und hinunter. „Aber wo soll Hermine dann heute Nacht schlafen?"

„Keine Sorge, sie hat sich schon ein Bett im Mädchen Schlafraum verwandelt", wischte Draco den Einwand beiseite.

„Und... und was ist, wenn du dich dabei zurück verwandelst?"

„Die Wirkung hält noch bis nach Mitternacht. Wir hätten also noch über eine Stunde", fasste Draco zusammen. Fragend sah er den anderen an.

Das Herz des Dunklen klopfte schnell vor Aufregung, doch er war sich immer noch nicht sicher, ob er es wagen sollte. Schließlich übernahm das Mädchen die Initiative. Sie nahm Harrys warme Hände in die ihren und legte sie um ihre Taille.

„Ich will es so gern wissen", sagte sie leise. „Ich will wissen, wie es ist, dich so in mir zu fühlen. Bitte, babe, bitte lass es uns versuchen."

Harry schluckte erneut hörbar, als er nickte. Er traute sich nicht zu sprechen, aus Angst, dass seine Stimme ihm nicht mehr gehorchen würde.

Draco strahlte. „Komm. Schnell." Sie nahm den Gryffindor an der Hand und zog ihn hinter sich her zur Treppe. Als sie die Stufen hinauf liefen, musste die Blonde das Kleid anheben, um nicht über den Saum zu fallen. „Ich weiß echt nicht, warum sich Frauen so was antun", murmelte sie kopfschüttelnd.

Völlig außer Atem erreichten sie das Portrait der Fetten Dame. Zögernd nannte Harrys das Passwort und sie durchquerten gemeinsam den Gemeinschaftsraum. Kurz darauf standen sie dann vor dem Vertrauensschülerraum der Gryffindors.

„B.elfe.R.", sagte Draco vernehmlich und Harry warf einen bedeutungsschweren Blick an die Decke. Das Passwort war so typisch für Hermine.

Die Tür schwang auf und sie betraten den Raum dahinter. Harry kannte den Vertrauensschülerraum in und auswendig. Er hatte seine Freundin schon einige Male in ihrem Zimmer besucht. Die funktionelle Einrichtung bestand aus einem Bett mit Nachttisch, einem Schreibpult mit dazugehörigem Stuhl und einem Kleiderschrank. Wie nicht anders zu erwarten gewesen war, türmten sich überall Bücher.

Auf einen Schlenker von Dracos Zauberstabes (Harry dachte unwillkürlich darüber nach, wo sie den in ihrem engen Kleid versteckt haben mochte), zündeten sich die Kerzen auf den Tischen an und tauchten den Raum in ein romantisches Licht.

Unsicher nestelte Harry am Rand seines Umhangs herum, da er nicht wusste, was er sonst mit seinen Finger anstellen sollte. Das Mädchen löste das Satinband der Maske am Hinterkopf und enthüllt so sein blasses Gesicht. Eine gerade Nase zwischen den silbergrauen Augen und die hohen Wangenknochen gaben ihr das typische Malfoy-Aussehen.

„So würde also eine Schwester aussehen, wenn ich eine hätte", sagte Draco und suchte schüchtern Harrys Blick. „Gefalle ich dir?"

„Ob männlich oder weiblich, du bist einfach wunderschön", antwortete der Dunkle mit belegter Stimme. Sanft fuhren seine Finger die Konturen von Draco Gesicht nach, berührten fasziniert die zartgeschwungenen, vollen Lippen.

Draco ließ ihre Zunge hervor schnellen und berührte damit sanft die Fingerspitzen des Gryffindor. Dann nahm sie seine Hand und saugte die Finger einen nach dem anderen verlangend in ihren Mund. Harry musste einen Moment die Augen schließen, der Sinnlichkeit dieses Anblicks nicht gewachsen. Er fühlte die Erregung in sich aufsteigen drängte sie aber zurück.

„Du wirst mir mit dem Kleid ein wenig helfen müssen", drang die Blonde in seine Gedanken und gab die Hand frei. „Ich bekomme die Korsage alleine nicht auf."

Harry schluckte hart, als Draco sich umwandte und die Haare zur Seite strich, um ihm den Zugriff auf den Verschluss zu erleichtern. Dutzende Ösen hielten das Kleid an seinem Platz und eine zusätzliche Schnürung im Taillen-Bereich sorgte für einen hautengen Sitz.

Mit zitternden Fingern öffnete der Gryffindor ein Metallhäkchen nach dem anderen und lockerte dann die Bänder der Korsage, so dass das Oberteil des Kleides herab rutschte.

Draco atmete hörbar auf. „Merlin, tut das gut", murmelte sie. „Du hast ja keine Ahnung, wie das ist, wenn man sich die ganze Zeit bemühen muss, flach zu atmen, um das Kleid nicht zu sprengen."

Harry erwiderte nichts. Beklommen betrachtete er die entblöste Haut auf Dracos Rücken. Das Mädchen hatte keinen Büstenhalter an... Die schmalen Schultern, die von den blonden Locken, wie von flüssigem Gold umspielt wurden, bogen sich ihm entgegen. Sanft fuhr seine Hand die Linie ihrer Wirbelsäule entlang, vom Haaransatz, bis hinunter zur Hüfte, wo das der Rest des Kleides ruhte.

Ein Schauer ging über Dracos Körper bei dieser unerwarteten Berührung. Sie keuchte leise. Langsam drehte sie sich um, mit den Augen seinen Blick einfangend. Unsicher, wie er auf ihre weiblichen Rundungen reagieren würde.

Zögernd streckte Harry seine Hände nach den zarten Wölbungen von Dracos Brüsten aus. Sie waren nicht übermäßig groß, aber das hatte er auch nicht erwartet. Es hätte nicht zu dem zierlichen Körper gepasst, den das Mädchen Draco besaß.

Es war ein eigenartiges Gefühl, sie so zu berühren. Seit Cho hatte Harry nicht wieder das Bedürfnis gefühlt, einem Mädchen auf diese Art nahe zu sein und seit er mit Draco zusammen war, war sich Harry sicher gewesen, dass er keine heterosexuellen Anwandlungen hatte.

Und dennoch, es war ein erregendes Gefühl. Die rosafarbenen Brustwarzen zogen sich unter seiner Berührung zu festen Knospen zusammen und er konnte die Gänsehaut fühlen, die Dracos Oberkörper überzog.

„Wunderschön", murmelte Harry rau seine Worte von vorhin. „So vollkommen weiblich."

„Gewöhn dich lieber nicht zu sehr daran", keuchte Draco, als sie unter seinen Händen erzitterte. Langsam schoben ihre Hände den Rest des Kleids abwärts, bis es hinunter auf ihre Knöchel rutschte. Nur ein dunkelblaues Spitzenhöschen verdeckte noch ihre Scham.

Verlangend wanderten Harrys Hände über den zarten Mädchenkörper. Er fühlte, wie sich die Härchen unter seinen Berührungen aufrichteten, wie das Mädchen bebte, als er sie streichelte.

„Komm", sagte Draco mit brüchiger Stimme und nahm vorsichtig einen Fuß nach dem anderen aus dem am Boden liegenden Kleid. Sie führte Harry zum Bett und ließ sich langsam drauf nieder sinken. Der Gryffindor kniete sich vor sie hin und streifte ihr einen Schuh nach dem anderen ab, dann entledigte er sich seiner eigenen Schuhe und legte sich neben sie.

„Unglaublich", flüsterte er und streichelte den Verlauf des langen, schlanken Mädchenbeins entlang. „So schön.."

Draco wand sich unter den Berührungen, ihre Hände tasteten ungeduldig über Harrys Kleidung, fanden den Verschluss des Umhangs und streiften ihn herunter. Die Hose und das Hemd folgten nach, wobei sie erst mit der störrischen Fliege kämpfen musste.

Einen Augenblick später lagen sie beide nur mit einem Slip bekleidet nebeneinander. Forschende Finger erkundeten den Körper des anderen, ließen keine Stelle bei den Liebkosungen aus.

Feste, schmale Jungenlippen fanden weiche, volle Mädchenlippen und küssten sich, als sei es tatsächlich das erste Mal. Es war ein wenig schwierig mit den magisch verlängerten Eckzähnen und der Gryffindor musste vorsichtig sein, dass er ihre zarte Haut nicht verletzte. Erstaunt stellte Harry fest, dass sie tatsächlich nach Draco schmeckte. Zwar fehlte eine winzige herbe Nuance und wurde von einem süßen, weiblichen Geschmack ersetzt, aber sie schmeckte trotzdem eindeutig nach Draco.

Gierig drang seine Zunge durch ihre geöffneten Lippen und erkundete ihren Mund, tastete über ihre gleichmäßigen Zähne, schmeckte ihren Geschmack mit allen Sinnen. Seine Hände suchten ihren Weg abwärts, drängend, streichelnd, liebkosend.

Es war ein eigenartiges Gefühl, als Harrys Hand in das blaue Spitzenhöschen glitt und die seidigen Locken darin mit der Hand erkundete. Noch nie war er so intim mit einem Mädchen geworden.

`Aber es ist kein Mädchen`, informierte ihn sein Gehirn erneut. `Es ist Draco.`

Damit erklärte sich Harry auch den Grund, weshalb es ihn nicht abstieß, was er dort fand. Nie hatte er es tatsächlich mit einem Mädchen tun wollen, aber jetzt schien es ihm das Natürlichste der Welt, als seine Finger den Slip abwärts schoben und die zarten Schenkel teilten.

Dem Mund des Mädchen entwich ein verlangendes Stöhnen, als Harrys Hand in die glitschige Spalte zwischen ihren Beinen glitt und sie sanft und doch fordernd streichelte. Ihr Unterkörper hob sich reflexartig, drückte sich ihm entgegen, wollte von ihm erobert werden.

Harry fühlte, wie sein Schwanz verlangend gegen den Stoff seiner Shorts drückte. Dracos kleine Mädchenhände liebkosten leicht die harte Ausbeulung und er stöhnte ebenfalls verlangend, so dass die Blonde den Slip abwärts schob und seinem Schaft die gewünscht Bewegungsfreiheit verschaffte.

Zarte Hände schlossen sich um die empfindliche Haut, ihre Finger glitten sanft über die empfindliche Spitze, verrieben die ausgetretene Feuchtigkeit, massierten zärtlich seine sensiblen Hoden.

„Jetzt, Harry", keuchte sie erregt. „Ich will dich. Bitte, in mir, jetzt."

Abermals fanden ihre Lippen einander, als sich der Dunkle zwischen die Beine des kleineren Mädchenkörpers gleiten ließ. Er hatte Angst, mehr vielleicht, als er sich selbst eingestand, aber die Neugier war stärker. Auch er wollte wissen, wie es sich anfühlen würde, so mit seinem Freund zusammen zu sein.

Vorsichtig schob er sich nach vorn, berührte mit der Spitzes seines Penis den Eingang ihrer Scham. Sie keuchte erregt auf und hob sich ihm entgegen, konnte es kaum abwarten, endlich eins mit ihm zu werden. Eng und warm fühlte es sich an, als er weiter vorwärts drängte. Ein plötzlicher Widerstand stoppte ihn, doch bevor er registrierte, was es damit auf sich hatte, hatte er ihn schon durchstoßen.

Draco unter ihm stöhnte in diesem Moment kurz auf, ihr Körper verspannte sich. Erschrocken hielt der Gryfffindor inne. Erst jetzt wurde ihm bewusst, was das zu bedeuten hatte.

„Es ist okay", flüsterte die Blonde, den Körper fest an ihn gedrückt. „Mach weiter. Keine Angst, du tust mir nicht mehr weh."

Noch vorsichtiger, als er begonnen hatte, begann Harry seinen Körper zu bewegen, bis er schließlich ganz in Draco vergraben war. Er spürte den Atem des Mädchen an seinem Ohr, als sie seinen Kopf zu einem weiten Kuss an sich zog.

Für einen Moment verharrte der Dunkle, wartete, dass sie sich beide an das Gefühl gewöhnen konnten, dann begann er sein Becken in einem ruhigen Rhythmus vor und zurück zu bewegen, jedoch ohne dabei Dracos Gesicht aus den Augen zu lassen.

Es war faszinierend, wie sehr sich ihre Mimik mit der des männlichen Draco beim Sex glich. Ihre Augen waren halb geschlossen, die vollen Lippen leicht geöffnet, über den blassen Wangen hatte sich ein rosiger Hauch ausgebreitet.

Sie stöhnte leise, aber er wusste, es war kein Schmerz mehr, den sie fühlte. Es war die pure Lust. Der Junge beschleunigte sein Tempo ein wenig. Es war ein so völlig anders Gefühl vergraben in ihr zu sein, als in ihm. Und doch war es auf seine Weise berauschend.

Harry fühlte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte, sein Körper vibrierte, in dem Tanz ihrer Körper gefangen. Jedes Stöhnen, jede Bewegung, die sie unter ihm machte, veranlasste ihn, die Geschwindigkeit und die Intensität seiner Stöße zu verändern.

Seine Erregung wuchs ins Unermessliche. Der Anblick des sich windenden, keuchenden, zuckenden Körpers unter sich, brachte ihn in völlige Ekstase. Er sah, wie Draco den Kopf zurück warf, ihre Beine klammerten sich an seinen Körper, ihre enge, heiße Scham zog sich um ihm zusammen und er wusste, dass sie kam.

„Harry!" stöhnte sie auf dem Höhepunkt ihrer Lust und diese Worte aus ihrem Mund zu hören, stürzte ihn unweigerlich über die Klippe. Er fühlte, wie sich das Feuer in seinen Lenden ausbreitete, sich zusammen zog und dann in einer Welle aus alles versengenden Flammen über ihn hinweg brandete.

„Draco!" keuchte er, in dem Moment, als er sich in ihren warmen Körper ergoss und keinen Augenblick später auf ihr zusammenbrach. Seine Stirn berührte ihre Schulter, während er in den Nachwehen des Orgasmus gefangen war. Ganz langsam erlangte er die Kontrolle über seinen Körper zurück. So vorsichtig, wie er ihr Liebesspiel begonnen hatte, zog er sich jetzt aus Draco zurück und ließ sich neben ihr auf das weiße Laken fallen.

Ein zarter Arm legte sich über seine Taille, als sich das Mädchen an ihn schmiegte. „Das war...einzigartig", flüsterte Draco, die Stimme noch rau vom Sex.

„Es war interessant", stimmte ihr Harry zu. „Hat es dir gefallen?"

„Es war eine wunderbare Erfahrung, das Ganze aus dem Blickwinkel einer Frau zu fühlen", meinte die Blonde und küsste die Schulter des Gryffindor. „Und für dich?"

„Es war toll, wirklich", versicherte der Dunkle und legte einen Arm um den zierlichen Mädchenkörper. „Aber ich ziehe dich in deinem wirklichen Körper vor. Ich habe dir weh getan zu Anfang, ohne es zu wollen. Ein paar Mal hatte ich echt Angst, ich könnte dich zerdrücken."

Draco lächelte selig. „Es war nicht schlimm, ich war nur nicht darauf vorbereitet. Keine Sorge, dieser Körper ist stabiler als er aussieht."

Harry gähnte deutlich und streichelte über die nackte Taille des Slytherin. „Auf jeden Fall ist er sehr viel weicher. Ich frage mich, ob es auch so bequem ist, mit ihm einzuschlafen."

„Probiere es aus." Draco breitete die Decke vom Fußende des Bettes über ihre beiden Körper, dann kuschelte er sich noch ein wenig enger als zuvor an den dunklen Gryffindor und schon wenige Minuten später waren sie beide in einen erholsamen Schlaf gefallen.

XXXXXX

Das war definitiv eine der ungewöhnlichsten Nächte in meinem Leben", sinnierte Harry nachdenklich.

Frag mich mal", grinste Draco. „Was meinst du, wie komisch es für mich war, die Damentoilette zu benutzen."

Hauptsache, du hast nicht im Stehen gepinkelt", neckte ihn der Andere frech.

Das hätte ich gar nicht gekonnt mit dem langen Kleid", erklärte der Blonde. „Um ein Haar wäre mir noch der Saum in die Schüssel gefallen."

Du bist und bleibst ein Ferkel, Love", meinte sein Ehemann kopfschüttelnd.

Das nächste Mal kannst du gerne den weiblichen Part ausprobieren, dann weißt du wie das ist, Potter", murmelte Draco beleidigt.

Das nächste Mal?!" fragte der andere Mann alarmiert.

Naja, interessieren würde es mich ja schon, wie du so als Mädchen aussiehst", meinte Draco versonnen grinsend.

Das kannst du ganz schnell wieder vergessen. Das war eine einmalige Angelegenheit. Und ich werde mich garantiert nicht in eine Frau verwandeln lassen."

Du wärst bestimmt zuckersüß, Babe", neckte ihn der Blonde weiter.

Ich habe nein gesagt, Malfoy."

Wir reden da noch ein anderes Mal drüber", meinte Draco zuversichtlich.

Nein heißt nein. Ist das klar?!" Funkelnd sah Harry seinen Ehemann an.

Aber natürlich, Potter. Glasklar." Aber das Grinsen wich nicht aus Dracos Gesicht.

Tbc....

Kapitel 15 von redangeleve

XXXIX. Telling everybody 

Tellin` everybody

Tellin`everybody what we did last night

Tellin` everybody

You`re the reason why I had a good time 

( Human Nature, Telling everybody ) 

Er hatte keine Ahnung, wann es angefangen hatte, aber nach der schmerzhaften Erfahrung der ersten Verwandlung war Draco ganz froh, als er irgendwann nachts in seinem eigenen Körper aufgewacht war. Es war wirklich ein irres Erlebnis gewesen, für einige Stunden ein Mädchen zu sein, aber ihm war sehr viel wohler, als bei einem Griff unter die Decke alles wieder an seinem Platz gewesen war. Daraufhin hatte er sich zurück an Harrys warme Schulter geschmiegt und war erleichtert wieder eingeschlummert, bis ihn am Morgen ein dringendes Bedürfnis weckte. Harry neben ihm lag auf dem Bauch und seine tiefen Atemzüge zeugten davon, dass er noch schlief, daher drehte sich Draco auf den Rücken, in dem Versuch, das Drücken seiner Blase noch eine Weile zu ignorieren und weiter den Frieden des Augenblicks zu genießen. Aber schon wenig später musste er sich eingestehen, dass das Gefühl nicht wieder verschwinden würde.

So vorsichtig wie möglich um Harry nicht zu wecken, schlüpfte er aus dem Bett heraus und verwandelte mit Hilfe seines Zauberstabes das Ballkleid, das noch immer auf dem Fußboden lag, in einen seidenen Bademantel und das Spitzenhöschen in eine Boxershorts, um seine Blöße zu bedecken. Nachdem er so akzeptabel bekleidet war, steckte er den Zauberstab in die Seitentasche des Bademantels und schlich fast lautlos aus dem Zimmer. Heute war Sonntag, deshalb waren erwartungsgemäß nur wenige Schüler im Gemeinschaftsraum anzutreffen. Lediglich die Creevey Brüder, die zu den jüngeren Jahrgängen zählten und noch nicht zum Ball zugelassen waren, sowie ein sehr verkatert wirkender Dean Thomas, an dessen Seite sich ein Mädchen kuschelte, das Draco vage nach Ravenclaw einordnete, lümmelten sich auf den Polstermöbeln.

Professor Dumbledore hatte es den Schülern der beiden ältesten Jahrgänge gestattet, ihre möglichen Balleroberungen für eine Nacht ausnahmsweise mit auf die Zimmer zu nehmen. Vermutlich weil er ahnte, dass ohnehin zwei Drittel der Jungen und Mädchen den Ball nutzen würden, um „es" heimlich zu tun und es war dem alten Mann lieber, sie taten es in der Sicherheit des Schlosses, als irgendwo draußen in den Büschen, wo sie wer weiß welchen Gefahren ausgesetzt waren. Es handle sich um eine Ausnahme, ließ er die Schüler wissen, die nur bis Sonntag Abend gellte. Danach müsse jeder Schüler wieder in dem Bett schlafen, das ihm bei seiner Ankunft in Hogwarts zugewiesen worden war. Natürlich hatte er sie vorher noch eindringlich darauf hingewiesen, dass auch Zauberer bei gewissen körperlichen Aktivitäten Vorkehrungen treffen mussten. Die meisten Schüler wären bei dieser Rede am liebsten im Erdboden versunken und Draco gratulierte sich nicht zum ersten Mal zu der Entscheidung, das eigene Geschlecht den Mädchen vorzuziehen. Was die Verhütung betraf, musste er sich da zumindest keine Sorgen machen.

Als Draco an den Gryffindors vorbei ging, hob Dean verschlafen den Blick. Der Mund, den er gerade zum Gähnen geöffnet hatte, blieb ihm vor Überraschung offen stehen, als er sah, wer da aus dem Vertrauensschülerraum geschlendert kam. Draco bemühte sich nicht, sein Tempo zu beschleunigen. Federnden Schrittes stolzierte er an dem fassungslosen Dean vorbei und lachte leise in sich hinein. Der Gesichtsausdruck des Gryffindors war wirklich Gold wert. Auch die Creeveys warfen ihm neugierige Blicke zu und steckten tuschelnd die Köpfe zusammen, bevor sie sich in Richtung der Schlafräume davon machten. Das würde lustig werden. Draco war bereit sein letztes Hemd darauf zu verwetten, dass der Gemeinschaftsraum bei weitem nicht mehr so leer sein würde, wenn er von der Toilette zurück kam.

Als er die Tür des Waschraums öffnete bemerkte er, dass sich ein weiterer Junge gerade an einem Pissoire erleichterte. Ein diabolisches Grinsen stahl sich auf das Gesicht des Blonden, dann stellte er sich daneben und holte sein bestes Stück aus seiner Shorts. Der Gryffindor reagierte zuerst überhaupt nicht auf seine Anwesenheit, da er noch zu sehr im Halbschlaf gefangen war, bis Draco ihm ein deutliches „Guten Morgen" entbot.

„Morgen", murmelte Seamus Finnegan und warf einen Blick zur Seite. Wie bei seinem Freund Dean nur wenige Augenblicke zuvor, weiteten sich seine Augen vor Überraschung und er hätte sich um ein Haar auf die Füße gepinkelt.

„Malfoy", stieß der Junge hervor und seine Stimme schwankte zwischen Unglauben und Entsetzen. „Was zur Hölle tust du hier?"

Scheinheilig ließ der Blonde seinen Blick abwärts gleiten. „Ich pinkele, würde ich sagen. Oder wie nennst du das?"

„Das meine ich nicht." Seamus verstaute schnell sein eigenes Glied, bevor er sich erneut an Draco wandte. „Was tust du im Gryffindor-Turm?"

Draco warf ihm den typischen Malfoy Blick zu, der ganz genau kund tat, was er von Seamus Geisteszustand hielt. „Wenn ich mich recht erinnere, hat Dumbledore es erlaubt, seinen Tanzpartner über Nacht bei sich zu behalten."

„Willst du damit sagen, eine Gryffindor hat dich....?" Der andere Junge konnte es einfach nicht glauben.

So einfach würde Draco es ihm nicht machen, an Informationen über sein Date zu kommen. „Sag nur, du hattest kein Glück?" konterte er stattdessen.

„Doch klar", beeilte sich der Ire zu versichern. „Ich meine, nicht dass dich das überhaupt was angeht, aber meine Begleitung macht sich gerade frisch."

„Schön für dich." Draco war damit fertig sich zu erleichtern und zog unter Seamus wachsamen Augen seine Kleidung zurecht, als sich die Tür erneut öffnete und Ron mit einer Zahnbürste in der Hand den Waschraum betrat. Seamus hielt gespannt die Luft an. Der Rothaarige erstarrte für einen Augenblick in seiner Bewegung, als sein Blick auf Draco fiel, er schluckte hart, doch dann entspannte er sich und ging locker zu den Waschbecken.

„Seamus, Malfoy", sagte er zur Begrüßung und nickte in Richtung der beiden Jungen.

„Weasley", erwiderte Draco in neutralem Tonfall und erwiderte die Geste. Der andere Gryffindor war zu überrascht, um auf den Gruß zu antworten. Fassungslos starrte er von einem zum anderen und bekam den Mund überhaupt nicht wieder zu.

`Gryffindors`, dachte der blonde Slytherins spöttisch, dann ließ er die beiden Junge allein und machte sich auf den Weg zurück zum Vertrauensschülerraum. Wie erwartet, war der Gemeinschaftsraum jetzt nicht mehr leer. Im Gegenteil, es gab kaum noch einen freien Sitzplatz. Hauptsächlich die älteren Jahrgänge hatten sich eingefunden, die jüngeren waren vermutlich schon zum Frühstück aufgebrochen. Unverhohlene Neugier schlug ihm entgegen, als Draco lässig den Raum durchquerte. Sein Blick streifte mal das eine, mal das andere bekannte Gesicht, bis er schließlich an der Gestalt von Dean Thomas hängen blieb, der sich ihm in den Weg stellte. Der Gryffindor schien auf einmal sehr munter zu sein.

„Malfoy, was tust du hier?" stellte Dean die selbe Frage, die auch sein Freund Seamus gerade gestellt hatte.

Draco seufzte theatralisch auf. „Ich gehe, Thomas. Eben habe ich mich erleichtert und nun gehe ich wieder ins Bett. Es ist nämlich Sonntag und ich hatte vor, noch eine kleine Weile zu schlafen."

Die anwesenden Gryffindors sahen gespannt von einem zum anderen, mischten sich aber nicht ein.

„Und wo gedenkst du das zu tun?" fragte Dean argwöhnisch.

„Du hast sehr genau gesehen, aus welchem Zimmer ich vorhin gekommen bin", wich Draco der Antwort aus. Das Spiel fing an, ihm Spaß zu machen. Sollten sie doch noch eine Weile raten. Mal sehen, ob einer von ihnen auf die richtige Antwort kam.

Dean jedenfalls zog die falschen Schlüsse. „Das...das kann nicht sein..... Du hast doch nicht mit Hermine...?"

In echtem Entsetzten verzog der Slytherin das Gesicht. „Merlin, nein! Mit einem Sch..... ? Was denkst du denn von mir?"

Darüber wollte der Gryffindor jedenfalls lieber keine Antwort geben. „Raus damit, Malfoy: Welches Gryffindor Mädchen hast du eingewickelt um in den Turm zu kommen? Denn darum ging es dir doch vermutlich, oder?"

Wenn die wüssten, dass er schon vor einem halben Jahr das erste Mal in ihrem Allerheiligsten gewesen war...

Der Blonde lächelte teuflisch. „Wer sagt dir denn, dass es ein Mädchen war?"

Ein Raunen ging durch die versammelten Schüler und Dean Thomas wurde erst dunkelrot und dann schließlich auffallend blass. Alle Augen waren auf Draco gerichtet, so dass die Anwesenden gar nicht merkten, dass die Tür zum Vertrauensschülerraum einen Spalt geöffnet war. Drinnen hatte Harry eine Hand auf der Klinke. Sein Herz schlug rasend schnell in seiner Brust. Das Geräusch von lauten Schritten auf der Treppe und aufgeregtes Getuschel hatte ihn aufgeweckt. Und als er bemerkt hatte, dass Draco nicht mehr neben ihm lag, war er schnell aufgestanden um nachzusehen, ob sein Freund die Ursache für diesen Tumult war.

Natürlich war der Blonde mitten drin, wie hätte es auch anderes sein können?

Jetzt war sein Stichwort. Er sollte da hinaus gehen und sich offen zu Draco bekennen. Warum nur waren seine Hände so nass und seine Knie so weich, als seien sie aus Pudding? Die Hitze in seinen Wangen stieg hinauf bis in seine Ohren und er konnte wetten, dass sein ganzer Kopf dunkelrot glühte. Verdammt, er war ein Mann und kein Kind mehr! Er war Harry Potter und wem es nicht passte, mit wem er zusammen war, der konnte ihn mal kreuzweise! Entschlossen straffte er seine Schultern und atmete tief durch, als er die Tür schließlich mit Schwung öffnete. Die Scharniere quietschten vernehmlich und plötzlich hatte er die volle Aufmerksamkeit.

Das Getuschel verstummte. Im Raum wurde es still. Totenstill. Dutzende Augen waren in diesem Moment auf ihn gerichtet, wie er dastand, mit nicht mehr als einer Shorts bekleidet, das Haar noch strubbeliger als sonst, die Brille schief auf der Nase und in dem Versuch, seinen Kopf hoch zu halten.

„Draco", sagte er und Harry hoffte, dass seine Stimme nicht zitterte. „Kommst du?"

Der blonde Slytherin schob sich an Dean Thomas vorbei, der aussah, als hätte er den Dunklen Lord persönlich gesehen. „Du entschuldigst mich? Mein Typ wird verlangt."

Der Gryffindor sagte nichts. Ungläubig starrte er in Harrys Gesicht, genauso wie es in diesem Moment die etwa zwanzig anderen anwesenden Schüler taten. Als Draco seinen Freund erreicht hatte, grinste er den Dunklen frech an, bevor er ihn zu einem Kuss heran zog. Zuerst war Harry steif - er fühlte, wie die Gryffindors entsetzt die Luft anhielten - doch dann entspannte er sich und erwiderte den Kuss. Es war okay. Draco war sein Freund, das sollte jeder wissen und jetzt hatte es auch jeder gesehen. Seine Arme schlossen sich ganz von selbst um den Blonden und er verlor sich in dem Gefühl, dass die weichen Lippen des Slytherin in ihm auslösten, bis dieser schließlich den Kontakt unterbrach.

Lächelnd nahm Draco die Hand seines Freundes und zog ihn durch die geöffnete Tür ins Innere des Raumes. Harry folgte ihm widerstandslos nach. Seine Wangen glühten immer noch, doch er fühlte keine Scham, sondern unendliche Erleichterung. Zwar fühlte er die Blicke seiner Mitschüler auch dann noch auf sich ruhen, als er die Tür hinter sich schloss, aber es war ihm egal. Er hatte es endlich geschafft, über seinen Schatten zu springen und schon das allein musste gebührend gefeiert werden.

XXXXXX 

Weißt du, was mein Highlight dieses Tages war? Als wir zum Mittagessen in die große Halle gegangen sind", erinnerte sich Draco versonnen.

Harry lächelte. „Es war beinah ein Sakrileg, als du dich tatsächlich neben mich an den Gryffindor Tisch gesetzt hast."

Ich weiß gar nicht, was sie mehr geschockt hat, als ich dich vor aller Augen geküsst habe oder als ich Weasley um die Kartoffeln gebeten habe und er sie mir tatsächlich gegeben hat."

Wahrscheinlich hat jeder nur darauf gewartet, dass er dir die Schüssel über den Kopf kippt", meinte Harry schulterzuckend.

Also wenn ich statt ihm seine Schwester gefragt hätte, wäre das vermutlich sogar passiert", gab der Blonde zurück. „ Die hat mich angeguckt, als wolle sie mich verhexen."

Naja, ihr hattet ja auch nicht unbedingt den besten Start", erinnerte ihn sein Ehemann.

Draco atmete hörbar aus. „Und heute bringt sie ihre Kinder zu uns zum Babysitten."

Tja, vom Erzfeind zum Kinderfreund."

Vielleicht sollte ich ihr ihre Bälger mal mit lila Haaren zurück geben, damit sie weiß, dass ich nicht komplett weich geworden bin."

Seufzend schüttelte Harry den Kopf. „Du kannst es einfach nicht lassen, Love, oder?"

Einmal Slytherin, immer Slytherin", erwiderte Draco bestimmt.

Vor allem, wenn man von einem Malfoy spricht, nicht wahr?" Der Dunkle stahl sich einen Kuss von den sinnlichen Lippen seines Gegenübers.

Der Blonde lächelte vielsagend in den Mund des Anderen. „Du hast es erfasst, Babe."
 

XL. Right about now

I wanna write ya name on my teeshirt

Right about now hey hey hey

Yo ya definitely my kinda company

I wanna feel ya next to me

Right about now hey hey hey

Yo ya definitely my kinda company
 

(Mousse T., Right about now)
 

„Kommst du Ron?" Ungeduldig scharrte Harry mit den Füßen. Das Wochenende war vorbei und eine neue arbeitsreiche Woche lag vor ihnen. Das Schuljahr war erst wenige Monate alt, doch schon standen die ersten Prüfungen an. Sonst immer war Ron schon lange vor Harry damit fertig, sich anzuziehen und zu frisieren, aber heute brauchte der Rothaarige eine gefühlte Ewigkeit im Waschraum.
 

„Ja, gleich", gab der Freund zurück und zupfte mit kritisch verzogenem Gesicht an einer Strähne seines Haares. „Wie sehe ich aus?" fragte er und wandte sich zu Harry.

„Wie immer", erwiderte der Schwarzhaarige genervt. „Können wir jetzt zum Frühstück gehen?"

„Okay, von mir aus", gab Ron zurück und riskierte noch einen letzten Blick in den Spiegel.

Die beiden Jungen verließen den Waschraum und trafen am Portraitloch auf Hermine, die schon auf sie wartete. Irgendwie sah die Freundin verändert aus, aber es wollte Harry nicht gelingen auszumachen, woran es lag.

„Hallo Mine", grüßte er sie höflich.

„Guten Morgen, Harry", gab sie zurück, schenkte ihm aber nur einen kurzen Blick, dann blieben ihre Augen auf Ron hängen. „Ronald."

Jetzt fiel Harry plötzlich ein, was an dem Mädchen anders war: Sie hatte keine Bücher dabei! Seit sie vor fünf Jahren nach Hogwarts gekommen waren, war Hermine wohl nie ohne ein Buch zu den Mahlzeiten erschienen.

Der rothaarige Junge trat noch einen Schritt näher an sie heran und drückte seine Lippen etwas scheu auf die ihren. „Hermine", hauchte er zur Begrüßung.

Vor Überraschung blieb Harry beinah der Mund offen stehen: Ron und Hermine?! Wann war denn das passiert? Und noch viel wichtiger: Warum wusste er nichts davon? Sicher, sie waren zusammen zum Ball gegangen, aber Harry hatte eigentlich immer gedacht, dass das auf rein freundschaftlicher Basis war. Okay, wenn er länger darüber nachdachte, hatte es schon Anzeichen gegeben, dass Ron Interesse an der Freundin gehabt hätte, aber er hatte nie gemerkt, dass es Hermine ebenso ging.

Als sich die Beiden wieder von einander lösten, waren sowohl Rons als auch Hermines Wangen von einem zarten Rose überzogen. Wie selbstverständlich nahm der Junge die Hand seiner Freundin und sie gingen zusammen in Richtung der Großen Halle. Etwas unwohl in seiner neuen Rolle als drittes Rad am Wagen trottete Harry hinter dem Pärchen her, das sich immer wieder verstohlene Blicke zuwarf.

Schließlich wurde es dem dunkelhaarigen Gryffindor zu dumm. Er beschleunigte seinen Schritt und schob sich an Rons freie Seite. „So, du und Hermine also", begann er etwas ungeschickt.

„Jaa, ich und Mine", gab der Freund gedehnt zurück und es schlich sich eine Art seliges Lächeln auf sein Gesicht.

„Hättet ihr mich nicht mal vorwarnen können, bevor ihr so einfach übereinander her fallt?" fragte Harry leicht säuerlich. Er wollte nicht, dass es so klang, als gönne er seinen Freunden ihre Gefühle füreinander nicht, aber dennoch fühlte er sich von ihnen übergangen.

„Also übereinander her gefallen sind wir ja nicht gerade", protestierte Ron und das Rose seiner Wangen verwandelte sich in ein tiefes Magentarot.

„Und wann bitte hätten wir es dir denn sagen sollen?" warf Hermine ein. „Du bist ja den ganzen Sonntag kaum mit deinem Lover aus meinem Zimmer heraus gekommen."

Jetzt war es an Harry rot zu werden. „Naja, das sollte jetzt kein... ich meine.... ich wollte... es ist ja nur, weil.... Was ich sagen wollte ist einfach: Glückwunsch. Ich freue mich für euch."

Hermines eben noch kritischer Gesichtsausdruck verwandelte sich in ein Lächeln. „Danke. Weißt du, als ihr schon weg ward, auf dem Ball, da hat mich Ron gefragt, ob er mich küssen darf und ich habe zu ihm gesagt..."

„...warum ich das nicht schon vor Jahren gefragt habe", beendete der rothaarige Gryffindor den Satz. „Um ehrlich zu sein, hatte ich schon ziemlich viel von dem Punsch getrunken, sonst hätte ich mich das nie getraut, aber als ich sie dann geküsst habe, da fühlte es sich so unglaublich perfekt an."

Auch das Mädchen errötete nun stärker. „Es war, als ob zwei Teile zusammen gefunden hätten."

„Genau." Ron grinste wieder treuherzig und Harry musste stark an sich halten, um nicht laut los zu lachen. Sein bester Freund, der immer die Nase darüber erümpft hatte, wenn er von seinen Gefühlen für Draco sprach, fing plötzlich an gefühlsduselig wie ein Mädchen zu werden. Es wäre wirklich lustig gewesen, wenn er nicht wüsste, dass es die Beiden wirklich ernst meinten.

„Typisch Gryffindors", ertönte eine spöttische Stimme hinter ihnen und die Drei fuhren erschrocken herum. Wie lange Draco sie schon verfolgte, konnte keiner der Freunde sagen, doch offensichtlich hatte er zumindest das Ende der Unterhaltung gehört, denn er schüttelte tadelnd den Kopf. „So verdammt theatralisch."

Mit einem Knurren warf sich Harry auf den blonden Slytherin und pinnte ihn mit seinem Körper an die Wand des Ganges. „Ich glaube, ich muss dir deinen frechen Mund weg fluchen, wenn du solche Sachen über die Mitglieder meines Hauses sagst, Malfoy."

„Ich denke, da fallen dir doch noch bessere Mittel ein, um mich zum Schweigen zu bringen, Potter", konterte Draco anzüglich und bevor er dazu kam, noch einmal Luft zu holen, krachten Harrys Lippen fast brutal auf die seinen.

Ein paar vorbei laufende Mädchen aus Ravenclaw kicherten anzüglich, doch die Jungen ließen sich davon nicht stören. Gierig teilte Dracos Zunge die Lippen des dunklen Gryffindors und drang in dessen Mundhöhle. Auch als sich Ron und Hermine deutlich räusperten, ließen die Beiden nicht voneinander ab. Erst Professor Snapes schneidende Stimme ließ Harry inne halten und erschrocken rückwärts taumeln.

„Soso, Mr. Potter. Ich denke, Ihnen ist der Paragraph in der Schulordnung bezüglich amouröser Betätigungen in den Gängen bekannt?"

Ohne es zu wollen, errötete Harry bis zu den Haarspitzen. „Nein, Sir."

„Und Ihnen, Mr. Malfoy?"

Der Slytherin, der bis eben lässig gegen die Wand gelehnt gestanden hatte, straffte sich. „Nein, Sir", gab er respektvoll zurück.

„Dann wird es Ihnen beiden nicht schaden, die Schulordnung bis morgen abend abzuschreiben und in mein Büro zu bringen. Das Original wird Ihnen Madame Pince mit Vergnügen zur Verfügung stellen."

Die beiden Junge tauschten einen teils betretenen, teils wütenden Blick. „Ja, Sir."

„Außerdem ziehe ich sowohl Gryffindor als auch Slytherin zwanzig Punkte für ungebührliches Betragen ab", fügte Snape genüsslich hinzu. „Ach nein, legen Sie bei Gryffindor noch zwei mal fünf Punkte dazu." Er wandte sich zu Ron und Hermine, die blitzschnell ihre Hände von einander lösten. „Sagen wir als kleine Warnung an Sie beide für die Zukunft."

Seine Mundwinkel zuckten kurz, dann wandte sich der Lehrer zufrieden ab und schritt mit wehendem Umhang in Richtung der Großen Halle.

„Unglaublich", murmelte Draco erstaunt. „Ich kann mich nicht erinnern, von Snape tatsächlich schon mal eine Strafarbeit bekommen zu haben."

„Tja, scheinbar nimmt er dir die Sache mit uns wirklich übel", resümierte Harry schulterzuckend. „Na dann, willkommen in meiner Welt."

XXXXXX 

Manchmal frage ich mich, wie Snape gewesen wäre, wenn seine Schulzeit in Hogwarts anders verlaufen wäre." Nachdenklich kaute Harry auf dem Federkiel herum.

Keine Ahnung, ob es irgendetwas an ihm geändert hätte", gab Draco zurück, während er hinter seinem Ehemann stand und mit kraftvollen Bewegungen dessen verspannte Schultern massierte. „Snape wäre vermutlich immer Snape geblieben oder kannst du ihn dir in einem geblümten Nachthemd vorstellen wie Dumbledore?"

Der Dunkle musste bei der Vorstellung lauthals lachen, so dass sein ganzer Körper vibrierte. „Nein", sagte er einen Moment später atemlos. „Aber vielleicht wäre er weniger verbissen gewesen."
 

Du meinst, wenn ihn jemand so richtig ran genommen hätte?" Die Finger des Blonden wanderten den Rücken tiefer hinab.

Zum Beispiel", gab Harry genussvoll zurück. Mit geschlossenen Augen lehnte er sich stärker in die Berührung.

Und ihn bis zur Besinnungslosigkeit gefickt hätte?" murmelte Draco ganz nah an seinem Ohr.

Merlin Draco", keuchte der ehemalige Gryffindor, als sich die Hände seines Ehemannes langsam einen Weg nach vorn suchten. „Lass uns nicht mehr über Snape sprechen."

Nicht, dass du beim Sex noch an den falschen Mann denkst", pisackte ihn der Blonde grinsend.

Harry versteifte sich für einen Moment und warf einen vorwurfsvollen Blick über die Schulter, dann zog er Draco auf seinen Schoß. „Ich will überhaupt nicht mehr denken", gab er gepresst zurück. „Nicht, wenn ich das hier haben kann." 

Verlangend krallten sich seine Hände in die Kehrseite des Blonden, der sich ganz der Liebkosung hingab.

XLI. I`m going slightly mad 

I`m going slightly mad

I`m going slightly mad

It finally happened - happend

It finally happend - ooh oh

It finally happend - I`m slightly mad!

(Queen, I`m going slightly mad)
 

Draco stöhnte leise auf, als er seine schmerzenden Glieder streckte. Verflucht, sein Rücken fühlte sich an, als hätte er auf dem Fußboden geschlafen und nicht in seinem weichen Bett im Slytherin Kerker! Verschlafen blinzelte er in das Licht eines neuen Morgens.

Mist, er war tatsächlich nicht in seinem Bett. Auch nicht in dem von Harry. Nicht mal auf der Matratze in ihrem Liebesnest im zweiten Stock. Er lag auf überhaupt keiner Unterlage. Unter ihm war der kalte, harte Steinboden des Schlosses. Aber wo bei Merlin`s Socken war er hier?!

Mühsam rappelte sich Draco auf und ließ den Blick durch den Korridor schweifen. Die Statue, hinter der er gelegen hatte, kam ihm vage bekannt vor. Er tippte auf den dritten Stock. Dort, wo laut Harrys Erzählungen, in ihrem ersten Jahr der dreiköpfige Hund untergebracht gewesen war. Aber er hatte nicht den leisesten Schimmer, wie er hier her gekommen war. Deutlich konnte sich Draco daran erinnern, gestern Abend nach seinem routinemäßigen Schäferstündchen mit Harry, in sein eigenes Bett geschlüpft zu sein. Er hatte sich noch eine gedankliche Notiz gemacht, Blaise dringend zu raten, Pansy endlich flach zu legen, da sein Freund im Schlaf ein Kissen umklammert hielt und immer wieder ihren Namen stöhnte. Einen Silencio-Zauber später war das Problem gelöst, doch dafür schnarchte Greg heute schlimmer als ein Thestral mit einer Nasennebenhöhlenentzündung. Kurzfristig spielte er noch mit dem Gedanken, ihm einfach einen Schuh an den Kopf zu werfen, doch dann hatte ihn das dumpfe Gesäge auch schon sanft in den Schlaf gleiten lassen.
 

Also wie und warum hatte er sein Bett gegen den harten Steinboden eingetauscht? Er wusste es nicht. Soweit sich Draco erinnerte, war er - mit einer Ausnahme - noch nie schlafgewandelt. Damals war er ein Kind gewesen und er hatte hohes Fieber gehabt. Eine Hauselfe hatte ihn im letzten Moment erwischt, bevor er sich aus dem großen Galeriefenster über der Marmortreppe des Manor stürzen konnte. Der blonde Slytherin prüfte kurz seine Stirn. Nein, er hatte kein Fieber und auch sonst keine Symptome, die auf eine Krankheit hinwiesen. Abgesehen davon, dass ihm in seinem Pyjama ziemlich kalt war, fühlte er sich vollkommen gesund.

Vielleicht konnte er sich nur nicht daran erinnern, nachts aufgewacht und einen Spaziergang gemacht zu haben. Oder er fing doch noch an zu schlafwandeln. Oder er wurde langsam aber sicher verrückt. Okay, diese Möglichkeit wollte Draco lieber ausschließen, denn durchzudrehen konnte er sich im Moment wirklich nicht leisten. Harry brauchte ihn. Die Sorgen über die Mission, über die er mit Draco nicht sprechen konnte, standen ihm von Tag zu Tag mehr ins Gesicht geschrieben. Immer seltener gelang es dem blonden Slytherin mal ein Lächeln auf die ernsten Züge seines Freundes zu zaubern. Er wünschte sich so sehr, dass er ihm helfen, seine Last mit ihm tragen könnte, doch Draco verstand, dass Harry sich ihm nicht anvertrauen konnte.

Dieses Mal, dunkler als die Nacht und schlimmer als der schwärzeste Fluch stand zwischen den beiden Jungen und zwang sie dazu, Geheimnisse voreinander zu haben. Draco seufzte leise auf, als er noch etwas steif den Rückweg zum Kerker aufnahm. Nein, Harry hatte genug Sorgen und deshalb würde er ihm auch nicht davon erzählen, was ihm heute widerfahren war.

XXXXXX 

Gedankenverloren saß der dunkle Gryffindor am Fenster seines Schlafraumes und ließ den Blick über die tief hängenden Wolken gleiten. Er war allein, wie so oft in letzter Zeit. Manchmal ertrug er selbst die Gegenwart seiner besten Freunde nicht mehr. Es sah nach Regen aus. Wiedermal. Den ganzen November hindurch hatte es mehr oder weniger stark geregnet und der Dezember hatte auch nicht besser angefangen. Bei ihrem Spiel gegen die Ravenclaws am letzten Sonntag war das ganze Quidditch-Team so durchnässt gewesen, als hätte es voll bekleidet ein Bad im See genommen. Madame Pomfrey hatte alle Hände voll zu tun, die ganzen Schüler mit Grippesymptomen zu kurieren. Als ob das miese Wetter nicht schon schlimm genug gewesen wäre, so schlug die ergebnislose Suche nach weiteren Horcrux-Verstecken mehr und mehr auf Harrys Psyche. Sogar Hermine hatte schon gescherzt, dass er ihr mit seinem neuerlichen Bücherwahn noch Konkurrenz machen würde. Wenn sie wüsste... Harry hatte das Gefühl, dass ihm die Zeit davon lief, ohne dass sie einen Schritt weiter kamen.

Der Tagesprophet berichtete fast täglich von Angriffen, eigenartigen Wetterphänomenen und vereinzelten Sichtungen von Todessern. Unglaubliche Gerüchte machten die Runde. Von Riesen war da die Rede und von desertierten Dementoren, ja sogar Vampire, Werwölfe und Inferi sollten zu Seiner Armee gehören. Merkblätter mit Schutzmaßnahmen wurden herausgegeben und man riet allen Zauberern zu erhöhter Wachsamkeit. Als ob man Harry das sagen musste! Noch nie war er so schnell darin gewesen, seinen Zauberstab zu ziehen. Im Zaubertränke Unterricht hatte er sich neulich so erschrocken als Nevilles Gebräu mal wieder explodierte, dass er dem Freund um ein Haar einen Schockzauber verpasst hätte.

Nicht einmal in seinen Träumen ließen ihn seine Gedanken zur Ruhe kommen und es war nicht im geringsten förderlich, dass er vor zwei Nächten mal wieder einen Traum von Voldemort gehabt hatte. Es war nur eine kurze Sequenz gewesen. Der schlangengleiche Mann hatte brütend auf dem Thron gesessen, eine Traube aus schwarzgewandeten Gestalten um sich herum. Dann war es auch schon wieder vorbei gewesen. Nichts, was auf Voldemorts Pläne schließen ließ.

Die einzigen Momente, in denen er die Mission für einen kurzen Moment vergessen konnte, waren die, wenn er mit Draco zusammen war. Der Blonde tat alles, um ihn aus der Reserve zu locken, ihn nur für einen Augenblick aus der düsteren Stimmung zu reißen, in der er mehr und mehr zu versinken drohte. Wenn er in Dracos Armen lag, dann glaubte er tatsächlich daran, dass er es schaffen konnte. Er gab ihm das Gefühl, dass das Unmögliche möglich war. Er war sein Anker, seine Erdung. Harry war so dankbar dafür, dass Draco unverzagt zu ihm hielt, denn er war sich sicher, dass er ohne ihn schon längst aufgegeben hätte.
 

XXXXXX 

Konzentriert saßen sich die beiden Männer am Küchentisch gegenüber und starrten sich an. Keiner der Beiden sagte etwas. Ihre Blicke schienen ineinander verwoben zu sein, sie trauten sich beinah nicht zu blinzeln.

Schließlich seufzte Draco auf und brach den Kontakt, indem er die Augen niederschlug. „Okay, ich gebe auf. Ich habe keine Ahnung, an was du gerade gedacht hast."
 

Also bist du doch nicht so gut in Leglimentik, wie du immer behauptest", stichelte der Dunkle grinsend.

Bin ich schon, aber dein Gehirn tickt auch nicht so, wie das von normalen Leuten", gab sein Partner frech zurück.

Ruckartig schnellte Harry vor und knuffte den Blonden spielerisch am Arm. „Mein Gehirn ist völlig in Ordnung."

Dann sag mir, an was du gedacht hast." Schmollend rieb sich Draco die Stelle, an der der Andere ihn getroffen hatte.

Ich habe an Schrumpfhörnige Schnarchkackler gedacht", verriet der ehemalige Gryffindor überlegen.

Ich sage ja, dein Gehirn tickt nicht richtig", erwiderte Draco kopfschüttelnd. „An diese Viecher würde ich keinen müden Gedanken verschwenden. Abgesehen davon, gibt es sie nicht einmal."
 

Na, erzähl das mal Luna", piesackte der Dunkle ihn.

Der Blonde warf ihm einen viel sagenden Blick zu. „Die tickt sogar noch schräger als du."

Vielen Dank auch."
 

Gern geschehen", erwiderte Draco nonchalent. „Jetzt bin ich dran."

Harry winkte ab. „Den Versuch können wir uns sparen, Love."

Wieso?" fragte sein Partner verwirrt.
 

Weil du ohnehin immer nur an das Eine denkst", gab der andere Mann prompt zurück.
 

Draco grinste ohne ein Spur von Scham. „Du kennst mich einfach viel zu gut, Potter."

Der Angesprochene gab das breite Grinsen zurück. „Wusste ich es doch."
 

Tbc....

Kapitel 16 von redangeleve

XLII. It`s the most wonderful time of the year 

It`s the most wonderful time of the year

There`ll be much mistletoe-ing

And hearts will be glowing

When loved ones are near

It`s the most wonderful time of the year 

(Garth Brooks, It`s the most wonderful time of the year) 

Gedankenverloren kritzelte Harry kleine Figuren auf sein Zauberkunst-Buch, während Professor Flitwick mit seiner Piepsstimme versuchte, gegen das Chaos anzukommen, das sich mehr und mehr seines Klassenraums bemächtigte. Die letzte Schulwoche vor den Weihnachtsferien hatte begonnen, die lästigen Arbeiten waren geschrieben und die Lehrer zeigten sich von ihrer großzügigen Seite, indem sie den Schülern die Hausaufgaben ersparten.

Natürlich bildete Professor Snape die große Ausnahme. Gerade jetzt trug Harry den angefangenen Aufsatz über stimmungsverändernde Zaubertränke in seiner Tasche mit sich herum. Er hatte sich fest vorgenommen, gleich nach dem Mittagessen hinauf in die Bibliothek zu gehen, um ihn zu Ende zu schreiben, was ihm von Ron einen geradezu entsetzten Seitenblick eingetragen hatte. Der rothaarige Gryffindor hatte den Aufsatz ebenfalls noch vor sich, aber die Tatsache, dass sich einige Jungen ihres Jahrgangs zu einer Schneeballschlacht mit den Ravenclaws verabredet hatten, ließ seinen Arbeitseifer auf unter Null Prozent sinken.

Die ganze Nacht über war der Schnee in dicken Flocken vom Himmel gefallen und wenn Harry jetzt seinen Blick aus dem Fenster schweifen ließ, so wirkten die Hügel um das Schloss herum wie von einer dicken Zuckerwatteschicht bedeckt. Zum wiederholten Mal seufzte er leise auf. Er wusste, es würde nichts bringen, weiter an dem Aufsatz zu arbeiten, da er mit seinen Gedanken ohnehin nicht bei der Sache war, doch es bot ihm einen guten Vorwand um nicht vor den anderen Gryffindors so tun zu müssen, als sei er in Anbetracht der nahen Ferien völlig aus dem Häuschen.

Die Vorweihnachtszeit war beinah die schönste Zeit in Hogwarts. Hagrid hatte für jedes der vier Häuser einen eigenen Tannenbaum aus dem Verbotenen Wald geholt und in der großen Halle aufgestellt. Die Schüler hatten sie mit Begeisterung per Zauberstab über und über mit Kugeln, Feen und Lametta in ihren Hausfarbe geschmückt. Überall im Schloss hingen Tannenkränze und Mistelzweige und Draco nutzte jede Gelegenheit, um seinen Freund unter einen dieser Zweige zu schleifen und ihn zu küssen. Wobei sich Harry fragte, wozu der blonde Slytherin diese Ausrede überhaupt benötigte. Er ließ schließlich auch sonst keine Gelegenheit aus, um seinen Anspruch auf ihn vor den anderen Schülern in einer sehr eindeutigen Weise zu betonen.

Harry hatte vergessen, wie oft Draco und er sich deswegen schon Strafarbeiten und Nachsitzen bei Professor Snape eingehandelt hatten. Die Vorweihnachtszeit schien den Zaubertränkemeister noch griesgrämiger werden zu lassen, als er es sonst war. Manchmal schien es ihm beinah so, als patrouillierte der Lehrer absichtlich in den Gängen, auf der Suche nach Opfern, die er wegen „Sitten widrigem Verhaltens" verdonnern konnte.

Ein dumpfer Knall ließ den dunklen Gryffindor aus seinen Gedanken auffahren, als Professor Flitwick bei dem Versuch einem verirrten Zauber auszuweichen von dem Bücherstapel hinunter fiel, der ihm als Podest gedient hatte. Vereinzelt war unterdrücktes Kichern zu hören, während sich der kleine Zauberer mühsam wieder aufrappelte und fort fuhr, als ob nichts gewesen wäre.

„Gehst du Morgen mit nach Hogsmeade?" fragte Ron leise und tat so, als übe er weiter an dem Illusionszauber, der dem Betrachter weismachen sollte, es läge keine Feder, sondern ein gesamtes Huhn vor ihm auf dem Tisch. Allerdings sah in Rons Fall das Huhn eher nach einem Grillhähnchen aus, dem eine einzige Feder im Bürzel steckte. Hermine, die sich hinter Ron ausgerechnet einen Tisch mit Lavender Brown teilen musste, hatte den Zauber schon vor einer halben Stunde fehlerfrei durchgeführt.

„Ich weiß noch nicht", gab Harry vage zurück. Sein Huhn sah eigentlich ganz annehmbar aus, auch wenn es alle paar Sekunden kurz verschwand und man stattdessen nur die Feder sah.

„Ach bitte, Mate", versuchte der Rothaarige seinen Freund zu überzeugen. „Es ist schließlich das letzte Mal vor den Ferien. Wenn du schon nicht mit in den Fuchsbau kommen willst..."

„Mit wollen hat das gar nichts zu tun", gab Harry unwirsch zurück. Es gab für ihn nichts Schöneres auf der Welt, als den Gedanken, das Weihnachtsfest im Kreis der Weasleys zu verbringen, so wie er es auch letztes Jahr getan hatte. Allein schon wenn er an die Weihnachtsgans, den leckeren Punsch und den Geruch nach Zimtsternen dachte, zog sich sein Innerstes schmerzlich zusammen. Es war ein Gefühl nach Wärme, nach Familie, das ihn dort willkommen hieß und das er sonst nirgendwo auf der Welt empfand. Die Weasleys hatten ihn so freundlich aufgenommen, dass er sich beinah wie ein Teil von ihnen fühlte. Umso schwerer war es für ihn, das Angebot abzulehnen, die Ferien erneut bei ihnen zu verbringen.

„Ach komm schon, er wird doch wohl ein paar Tage ohne dich zurecht kommen", erwiderte Ron sarkastisch.

„Es geht nicht darum ob Draco zurecht kommt", antwortete der Dunkle. „Ich habe Dumbledore mein Wort gegeben, dass ich ein Auge auf ihn habe."

„Du könntest ihn doch jeden Tag anflohen...", schlug sein Freund vor.

„Das ist nicht das Selbe." Harry schüttelte den Kopf. „Außerdem ist es für Draco das erste Weihnachten ohne seine Eltern. Ich hätte kein gutes Gefühl, wenn ich ihn einfach allein lasse."

Sie schwiegen eine Weile, während Professor Flitwick die Tische entlang schritt, um die Fortschritte der Schüler zu begutachten. Nachdenklich kaute Ron auf seiner Unterlippe. „Ich weiß, dass ich das ganz bestimmt bereuen werde, aber wenn ich vielleicht mit Mum und Dad reden würde, könnte er mitkommen. Nur für einen Tag oder so...

Verdutzt schaute Harry auf. Er ahnte, wie schwer seinem Freund das Angebot gefallen sein musste, als er dessen Gesichtsausdruck sah, der zwischen Verlegenheit und Unwillen gefangen schien. Die Malfoys und die Weasleys hassten einander schon seit Ewigkeiten und Ron tat sich immer noch sehr schwer damit, Draco als Harrys Freund zu akzeptieren. Dass er trotzdem anbot, dass Harry Draco mitbringen konnte, war ein geradezu heroischer Akt.

„Lass gut sein, Ron." Freundschaftlich legte Harry dem anderen Jungen eine Hand auf die Schulter. „Ich denke nicht, dass Draco dein Angebot annehmen würde. So viele Weasleys auf einmal, sind dann wohl doch ein wenig zu viel für ihn."

„Naja, ich musste wenigstens versuchen, dich umzustimmen.", erwiderte der Rothaarige Schulter zuckend. „Also, was ist nun mit Morgen? Ein letztes Butterbier in den Drei Besen für dieses Jahr?"

„Okay." Harry gab sich geschlagen. „Ich komme mit."

Vielleicht war es ganz gut, wenn er mal aus dem Schloss heraus kam. Seit dem Beginn der Horcrux-Suche, hatte er die dicken Mauern von Hogwarts nur verlassen, um Hagrid in seiner Hütte zu besuchen oder um zum Pflanzenkunde Unterricht ins Gewächshaus zu gehen.

Außerdem benötigte er dringend noch ein Weihnachtsgeschenk für Draco. Der Blonde behauptete zwar steif und fest, dass ihm das Fest egal sei, da er ein Zauberer war und kein Muggel, aber Harry wusste, dass das nur ein Teil von Dracos Fassade war, hinter der er seine wahren Gefühle verbarg. Das Problem war nur, dass er nicht den leisesten Schimmer hatte, was er seinem Freund schenken sollte.

XXXXXX

„Warum fährst du nicht zu den Weasleys?" Draco saß auf der Matratze in „ihrem" Raum im zweiten Stock und sah Harry dabei zu, wie dieser sein Hemd zuknöpfte.

„Weil ich Weihnachten lieber bei dir sein will", erwiderte der Dunkle und schlüpfte in seine Hose. Er ahnte schon jetzt, dass er seinem Freund besser nichts von der Einladung hätte sagen sollen.

„Ist es das, oder nur dein Gryffindor-Pflichtbewusstsein? Ich bin sehr wohl in der Lage, auch mal ein paar Tage allein zu bleiben." Stolz reckte der Blonde sein Kinn, was ein wenig grotesk aussah, da er außer der Decke, die er bis zur Brust hoch gezogen hatte, vollkommen nackt war.

„Es hat keiner das Gegenteil behauptet", gab Harry neutral zurück, um Dracos angekratzten Stolz nicht noch mehr zu verletzten.

„Außerdem wäre ich gar nicht allein", fuhr Draco fort, als habe er seinen Freund gar nicht gehört. „Pansy und Blaise werden die Ferien auch in Hogwarts verbringen. Blaise`s Mum flittert gerade mit Ehemann Nummer-keine-Ahnung-wie-viel durchs Bermuda Dreieck und Pansys Eltern haben wohl gerade mal wieder eine Ehekrise. Also mach dir keinen Kopf meinetwegen."

„Mach ich ja gar nicht!" log Harry mit erzwungener Ruhe. „Alles was ich will, ist mit dir unterm Baum sitzen, Punsch trinken - bis wir blödes Zeug reden - und um Mitternacht die Geschenke auspacken." Er war froh, dass er nicht aufsehen musste, weil er sich gerade die Schuhe zu band, denn er war sich sicher, dass Draco ihn dann sofort durchschauen würde.

Der Blonde antwortete nicht sofort und Harry wusste, dass Draco nicht damit rechnete, überhaupt ein Päckchen unter dem Baum vorzufinden, doch er hatte sich vorgenommen, den Slytherin durch sein Geschenk zu überraschen. Es würde wahrscheinlich nicht viel sein, aber trotzdem etwas Besonderes. Wenn er denn endlich wüsste, was er ihm schenken könnte...

Ungeschickt zerrte Harry an der Krawatte seiner Schuluniform herum, in dem verzweifelten Versuch, einen Knoten zu binden, doch im Halbdunkel und ohne Spiegel erschien ihm das wie ein Ding der Unmöglichkeit. Schließlich konnte Draco es nicht länger mit ansehen.

„Komm her, Potter." Seufzend setzte er sich auf, so dass die Decke auf seinen Schoß herunter rutschte. „Du machst mich ganz krank mit deinem ungeschickten Gefummel."

Ergeben kniete sich Harry neben die Matratze. Mit geübten Fingern zupfte der Blonde die Krawatte zurecht, bevor er einen eleganten Knoten knüpfte, den er sanft fest zog. „So macht man das", stellte er zufrieden fest und brachte anschließend noch den Kragen von Harrys Hemd in Ordnung.

„Danke." Der Gryffindor sah an sich herunter. „Ich denke, die lasse ich mir jetzt immer von dir binden."

Der Slytherin ließ ein abfälliges Schnauben hören. „Träum weiter. Ich frage mich nur immer, wie du früher ohne mich zurecht gekommen bist."

Harry zuckte grinsend die Achseln. „Naja, für meine Ansprüche haben meine Fähigkeiten immer gereicht."

„Das glaube ich gern. Was soll man auch von jemandem erwarten, der in einem Muggel-Schrank aufgewachsen ist." Mit gespielter Empörung stürzte sich Harry auf den Freund und zerstrubbelte ihm die weißblonden Haare. Ausgelassen balgten die beiden Teenager auf der Matratze, bis Draco den Gryffindor abschüttelte und sich sorgsam die feinen Strähnen aus der Stirn strich.

„Du musst gehen, sonst kommst du noch zu spät zu deinem Nachsitzen bei Snape", erinnerte er den Dunklen nicht ohne Schadenfreude.

„Das ist so ungerecht", schäumte Harry verärgert und stemmte sich von der Matratze hoch. „Du hast mich geküsst und nicht ich dich und trotzdem hast du nur eine Strafarbeit bekommen, während ich heute wieder bis in die Nacht Krötenaugen zählen darf."

„Ich leide in Gedanken mit dir", gab Draco grinsend zurück und streckte sich erneut genüsslich auf der Matratze aus. „Während ich am warmen Kaminfeuer im Gemeinschaftsraum sitze, heiße Schokolade trinke und Kesselkuchen esse."

„Du bist so ein Arsch", knurrte der Gryffindor. Mit einer schnellen Bewegung versuchte er dem Blonden die Decke wegzuziehen, aber Draco hatte gute Reflexe. Geschickt brachte er seinerseits seinen Freund zu Fall, so dass dieser halb auf ihm drauf landete.

„Und deshalb liebst du mich", grinste er und wackelte mit den Augenbrauen.

„Wo du recht hast, hast du recht", gestand Harry und stahl sich noch einen letzten Kuss, bevor er zu seinem Nachsitzen aufbrach.

XXXXXX

Resigniert betrachtete Harry seine Erscheinung im Spiegel. Wegen eines Termins im Ministerium hatte er seinen geliebten Sweater und die Jeans gegen eine traditionelle Robe eingetauscht und obwohl er schon seit einer geschlagenen Viertelstunde an seinem Krawattenknoten arbeitete, wirkte dieser genauso chaotisch, wie zu seiner Schulzeit. Er war so konzentriert gewesen, dass er Draco nicht hatte kommen hören. Deshalb zuckte er kurz zusammen, als der Blonde plötzlich hinter ihm im Spiegel auftauchte.

Merlin, Potter. Lass mich das machen", seufzte Draco nach einem kurzen Blick auf das Krawattendesaster und drehte seinen Freund herum. Mit geschickten Fingern öffnete er den verknoteten Stoff und hatte mit wenigen, gezielten Handgriffen einen sauberen, eleganten Knoten geknüpft.

Danke, Love." Zufrieden betrachtete der Dunkelhaarige sein Spiegelbild und zupfte an seinen wirren Haaren.

Es ist wirklich unglaublich, dass du immer noch keinen anständigen Krawattenknoten kannst." Draco schüttelte tadelnd den Kopf. „Hast du eigentlich seit der Schule gar nichts gelernt?"

Oh doch", grinste der ehemalige Gryffindor und zog seinen Partner an sich. „Ich war so schlau, einen Mann zu heiraten, der ein Meister im Krawatte binden ist."

Wie gut, dass ich jetzt weiß, warum du mich geheiratet hast", knurrte der Blonde gegen Harrys Mund.

Verlangend berührten sich ihre Lippen. „Du weißt doch, dass ich deine geschickten Finger schon immer geliebt habe", gab Harry gepresst zurück.

So wie ich deinen Mund", entgegnete Draco atemlos.

Zehn Minuten hätte ich noch, bevor ich los muss", murmelte Harry rau.

Sofort glitten die Hände des anderen Mannes zu dem Verschluss seiner Hose. „Dann lass uns keine Zeit mehr verlieren."

  

XLIII. Insomnia 

Deep in the bosom of the gentle night

Is when I search for the light

Pick up my pen and start to write

I struggle, fight dark forces in the clear moon light

Without fear, insomnia, I can`t get no sleep 

(Faithless, Insomnia)

Die vertrauten, windschiefen Häuser von Hogsmeade wirkten wie mit Puderzucker bestäubte Hexenhäuschen, als Hermine, Ron und Harry den Weg vom Schloss hinab stapften. Den ganzen Tag waren beinah ununterbrochen dicken, weiße Flocken vom Himmel gefallen und erst heute Mittag zeigte sich zum ersten Mal wieder die Sonne. Dafür blies nun ein kalter Ostwind über die verschneiten Hügel und trotz des Warmhaltezaubers freuten sich die drei Teenager schon auf die behagliche Wärme in den Drei Besen. In den Fenstern der Häuser brannten Kerzen und verbreiteten eine angenehme Atmosphäre. Zwischen den Hauswänden waren Girlanden aus Tannenzweigen gespannt worden, an denen verzauberte Christbaumkugeln Weihnachtslieder vor sich hin trällerten. Ein Duft nach Zimt, Kardamon und Vanille lag in der Luft und verstärkte das unterschwellige, wehmütige Gefühl, dass Harry jedes Mal überkam, wenn er an den Fuchsbau dachte.

Die engen Gassen waren gefüllt mit schwatzenden Schülern, die voller Vorfreude die letzten Weihnachtseinkäufe verrichteten. Auch Ron und Hermine wollten noch das eine oder andere Geschenk für Rons Familie besorgen. Das Mädchen würde zwar erst einmal zu ihren Eltern nach Hause reisen, am zweiten Weihnachtstag aber bis zum Ende der Ferien bei den Weasleys wohnen. Ein leiser Stich der Eifersucht überkam Harry, immer wenn sich Ron und Hermine ansahen oder auf offener Straße Zärtlichkeiten austauschten. Er hasste es, sich wie das fünfte Rad am Wagen zu fühlen.

Draco hatte es vorgezogen im Schloss zu bleiben. Angeblich wollte er die Ruhe, die herrschte, während seine Mitschüler durch Hogsmeade streiften dazu nutzen, um zu schlafen. Zuerst hatte Harry das für eine schwache Ausrede gehalten, aber bei genauerem Hinsehen, hatte Draco in den letzten Wochen einen zunehmend erschöpften Eindruck gemacht. Seine weiße Haut wirkte noch blasser als sonst und dunkle Schatten hatten sich unter seinen grauen Augen gebildet. Doch nicht nur der Slytherin schlief schlecht. Auch Harry hatte so manches Mal das Gefühl, wenn er im Unterricht nur für einen Moment der Versuchung nachgeben und die Augen schließen würde, dann würde er so fest einschlafen, dass ihn vermutlich nur noch Voldemort persönlich aufwecken konnte.

„Willst du nicht mit rein kommen, Harry?" Der dunkle Gryffindor zuckte deutlich zusammen, als sich Ron im Türrahmen von Madam Malkins nach ihm umdrehte. Er hatte gar nicht gemerkt, dass seine Freunde in dem Bekleidungsgeschäft verschwunden waren. Einen Moment lang überlegte er, was wohl schlimmer war: Zwischen Festumhängen und Zaubererhüten seinen Freunden bei der Auswahl der Geschenke zuzusehen oder unbestimmte Zeit in der Kälte auf sie zu warten. Seufzend entschied er sich für die erste Möglichkeit. Im Geschäft war es mollig warm, so dass Harry schnell aus seinem Wollumhang heraus schlüpfte. Die Inhaberin, eine ältere Hexe, die eine hochgeschlossene, dunkle Robe trug, warf ihm nur einen taxierenden Seitenblick zu, bevor sie sich wieder zwei fülligen Hexen widmete, die verschiedene Festkleider anprobierten und offensichtlich die Gewinn versprechendere Kundschaft waren.

Unschlüssig streifte der schwarzhaarige Junge durch den Laden, nahm mal einen Umhang, mal eine Robe in die Hand, ohne sich wirklich für etwas zu interessieren, während er mit einem Ohr seinen Freunden lauschte, die darüber debattierten, ob sie Fred und George lieber Handschuhe oder Ohrenschützer schenken sollten. Ein schwarzer Pullover erregte schließlich Harrys Aufmerksamkeit und er nahm ihn von einem Stapel einiger anderer Kleidungsstücke herunter. Die Wolle war ungewöhnlich weich und doch wirkte sie nicht plüschig oder so. Der Pullover hatte einen Rollkragen, Bündchen an den Ärmel und einen Schnitt, der Harry auf Anhieb gefiel. Er war genau Dracos Stil. Zweifelnd wendete er ihn hin und her. Okay, ein Pullover war vermutlich nicht gerade das orginellste Geschenk, aber da er Draco ohnehin nicht geben konnte, was sich dieser zweifelsohne am Meisten wünschte....

Moment.

Warum eigentlich nicht?

Genau!

Und den Pullover würde er trotzdem nehmen.

Mit der Rohfassung eines Planes im Kopf und einer Tüte in der Hand verließ Harry mit seinen Freunden schließlich das Geschäft von Madam Malkins. Hermine und Ron waren schwer bepackt. Sie hatten sich schließlich - nach langen Diskussionen - darauf geeinigt, nicht nur Fred und George mit Handschuhen und Ohrenschützern auszustatten, sondern auch noch Charlie, Bill, Percy und Ginny. Jetzt war ihr Budget beinah erschöpft und der Besuch im Honigtopf und bei Zonkos Scherzartikel-Laden fiel dementsprechend kurz aus, was Harry allerdings nur Recht war. Er hatte die Geschenke für seine Freunde schon vor Wochen besorgt. Für Hermine hatte er eine Ausgabe von Arithmatik für Überflieger gekauft und Ron bekam einen Tüte mit fliegenden Schokolade-Schnatzen.

Mit Mühe ergatterten sie in den Drei Besen den letzten freien Tisch und Harry bot sich an, ihnen allen ein Butterbier von der Bar zu holen.

„Na Harry, bist du schon im Ferienfieber?" fragte ihn Madam Rosmerta lächelnd, als sie ihm die Flaschen über den Tresen reichte.

„Jaa", antwortete Harry gedehnt und nahm das Butterbier in Empfang. „Voll und ganz."

Merlin sei Dank, beanspruchte dann ein anderer Gast die Aufmerksamkeit der drallen Wirtin und Harry konnte sich unbemerkt mit seinen Flaschen davon stehlen. Als er zu ihrem Tisch zurück ging, fand er Ron und Hermine in einen innigen Kuss vertieft vor.

„So wie ihr ausseht, gehört ihr eher zu Madam Puddifoot als hier her", grummelte der schwarzhaarige Gryffindor säuerlich. Die beiden Turteltauben stoben augenblicklich auseinander, als hätten sie einen elektrischen Schlag bekommen. Hermines Wangen waren beinah so rot verfärbt, wie Rons Ohren, als sie Harry ansahen.

„Nee, lass mal gut sein", brummte der Rothaarige unbehaglich. „Da kriegen mich keine zehn Pferde rein."

„Dann haltet euer Tintenfisch-Gen mal im Zaum, bis ihr wieder unter euch seid", gab Harry zurück, grinste dabei aber schon wieder.

„Als ob du und Malfoy besser wärt", erwiderte Ron flapsig. „Manchmal habe ich fast Sorge, dass ihr euch gegenseitig auffresst, wenn ihr nicht aufpasst."

„Hahaha." Harry gab seinem Freund einen leichten Klaps auf die Schulter und damit war das Thema schließlich vom Tisch. Er verteilte die Flaschen an seine Freunde und sie tranken alle einen tiefen Schluck.

„Mensch Alter, du wirst uns echt fehlen", sagte Ron schließlich, nachdem er das Butterbier wieder auf dem Tisch abgestellt hatte.

„Ja, wirklich", pflichtete ihm Hermine bei. „Wir haben uns schon so darauf gefreut, bis in die Nacht `Snape explodiert` zu spielen und uns im Dunklen Witze zu erzählen."

„Aber das könnt ihr doch mit Ginny und den anderen Jungs machen", gab Harry schwach zurück. Der Knoten, der schon die ganze Zeit in seinem Inneren steckte, drückte unangenehm gegen seine Rippen.

„Das ist nicht das Selbe", erwiderte Ron bedrückt. „Fred und George haben auch schon gedroht, dass sie dir einen mit Kotzpastillen gespickten Kesselkuchen schicken, wenn du nicht in den Fuchsbau kommst."

„Versteht doch, es geht nicht!" fuhr Harry unvermittelt auf. „So sehr ich es mir auch wünsche, aber, ich kann einfach nicht, okay?"

„Ist schon gut", beschwichtigte Hermine ihren Freund und legte ihm beruhigend eine Hand auf den Arm. „Wir holen das einfach nach, nicht wahr?"

„Genau", stimmte ihr Ron zu. „Im Sommer gibt es keine Ausreden, da musst du kommen. Und wenn du das Frettchen mitbringst."

„Weißt du denn inzwischen, was du Draco schenkst?" fragte Hermine schnell dazwischen.

Harry rollte mit den Augen, zum Einen wegen dem offensichtlichen Versuch, das Thema zu wechseln und zum Anderen, wegen der Erwähnung von Dracos altem Spitznamen.

„Ich hatte gerade einen Geistesblitz, aber um den umsetzten zu können, muss ich erst einmal ein paar Informationen einholen", gab er zu.

„Du machst es aber spannend." Ron war anzusehen, dass er gern noch etwas nach gebohrt hätte, doch die Miene seines Freundes verriet, dass er nicht mehr Preis geben würde.

„Wenn alles so klappt, wie ich es mir vorstelle, erzähle ich euch davon, wenn ihr wieder da seid, okay?" sagte Harry schließlich.

„Okay, aber wenn es irgendetwas mit Sex zu tun hat, will ich es besser gar nicht wissen."

Hermine und Harry tauschten einen stummen Blick, dann schüttelten sie beide seufzend den Kopf.

XXXXXX 

Der Korridor vor dem Kerker, in dem die Schüler normaler Weise Zaubertränke Unterricht hatten, war vollkommen ausgestorben, da die meisten Schüler nach dem Ausflug nach Hogsmeade bereits auf dem Weg zum Abendbrot waren. Der dunkle Slytherin und seine Freundin drückten sich in der engen Nische dicht aneinander. Seine Finger wanderten unter die Bluse des Mädchen, was ihr ein leises Seufzen entlockte.

„Äh, Zabini?"

Der angesprochene Schüler wirbelte herum, den Zauberstab hatte er in Sekundenschnelle aus seiner Robe gezogen. „Potter! Du hast vielleicht Nerven uns hier zu stören!"

Etwas unsicher trat Harry von einem Bein auf das Andere. Sofort nachdem er mit seinen Freunden ins Schloss zurück gekehrt war, hatte er auf der Karte des Rumtreibers Ausschau nach den Punkten von Blaise und Pansy gehalten. Als er sie allein im Korridor gefunden hatte, hatte er sich beinah schon so etwas gedacht, aber er konnte einfach nicht damit warten, den Beiden eine Frage zu stellen.

„Äh, also die Sache mit deiner Nase tut mir Leid", begann der Gryffindor. Eigentlich war das eine Lüge. Blaise hatte den Schlag mehr als verdient, aber wenn er von dem Slytherin Informationen bekommen wollte, musste er wohl oder übel Abbitte leisten.

Trotzdem ließ Zabini den Stab nicht sinken. Misstrauisch beäugte er den Rivalen, während sich Pansy vorsichtshalber im Hintergrund hielt. „Was willst du, Potter?"

„Du bist Dracos bester Freund", begann Harry sein Anliegen vorzutragen. „Ich finde es toll, dass du ihm nach der Prügelei in eurem Haus beigestanden hast. Er hat mir erzählt, dass Pansy und du über Weihnachten auch hier bleibt und da hätte ich eine Bitte an euch...."

„Du bittest uns um etwas?" fragte Blaise verblüfft. „Ausgerechnet du? Der große Harry Potter?"

„Zabini, ich weiß, dass du mich nicht leiden kannst. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich dich mag. Aber wir haben eine Gemeinsamkeit: Draco ist uns beiden wichtig. Und ich möchte ihm ein schönes Weihnachtsfest bereiten. Nur dafür brauche ich die Hilfe von Pansy und dir."

Die beiden Slytherins tauschten einen langen Blick und es schien beinah so, als würden sie sich stumm beraten, bevor Blaise sich schließlich erneut zu Harry umwandte und den Zauberstab langsam sinken ließ. „Ich traue dir nicht Potter und wenn ich dir helfe, dann tue ich das für Draco und nicht für dich, ist das klar?"

Der Gryffindor nickte stumm.

Abwartend verschränkte Blaise die Arme vor der Brust. „Okay, dann lass mal hören."

„Also, es geht um Folgendes....."

XXXXXX

Müde streckte sich Draco unter seiner warmen Bettdecke. Gerade eben hatte ihn Greg geweckt, um ihm zu sagen, dass es Zeit fürs Abendessen war, doch der blonde Slytherin spielte ernsthaft mit dem Gedanken, das Essen ausfallen zu lassen. Die Möglichkeit einer weiteren Stunde erholsamen Schlafes war einfach zu verlockend.

Zwei Mal in diesem Monat war er erneut außerhalb seines Bettes aufgewacht. Jedes Mal war er steif und durch gefroren gewesen und hatte sich nicht daran erinnern können, sein Bett verlassen zu haben. Beim zweiten Mal war sogar Vince seine Abwesenheit aufgefallen, aber natürlich hatte Draco auf die Frage des Freundes nur erwidert, dass es ihn gar nichts angehe, wo er seine Nächte verbringe. Und der Junge hatte auch nicht weiter gefragt. Vermutlich glaubte er, Draco habe die Nacht bei Potter verbracht.

Es war zum Kotzen, als ob er nicht schon genug Probleme hätte! Am Anfang hatte er sich von Snape regelmäßig Schlaftränke geben lassen, in der Hoffnung, damit das nächtliche Wandern unterbinden zu können, doch einmal war er es trotzdem wieder passiert. Seitdem hatte Draco jeden Abend Angst davor, die Augen zu schließen und sie dann an einem anderen Platz wieder zu öffnen. Er bekam schon Herzrasen, wenn er nur daran dachte. Als Folge des Schlafmangels war er extrem reizbar und fühlte sich gleichzeitig unglaublich erschöpft. Beinah hätte er sich neulich Harry anvertraut, nachdem diesem aufgefallen war, wie müde Draco aussah, doch er hatte sich im letzten Moment auf die Zunge gebissen und dem Gryffindor eine Lüge erzählt. Wenn Harry heraus bekam, dass Draco nachts durchs Schloss geisterte, würde er es mit Sicherheit Dumbledore erzählen. Und der Slytherin war sich sicher, dass es dann nur doch eine Frage der Zeit war, bis der Schulleiter ihn aus Hogwarts weg schickte.

Merlin, alles, was er wollte, war doch nur ein erholsamer, tiefer Schlummer, wie ihn all die anderen Schüler auch hatten, doch irgendwie ahnte Draco, dass die Schlaflosigkeit in Zukunft noch sein kleinstes Problem sein würde.

XXXXXX

Schweigend stand Harry am Fenster und sah Draco dabei zu, wie dieser im Garten das Holz für den Kamin hackte. Der schwarze Wollpullover, den er ihm damals in der Winkelgasse gekauft hatte, saß wie eine zweite Haut über seinem Oberkörper und ließ das Spiel seiner Muskeln erahnen, als er die Axt wieder und wieder auf die Holzscheite nieder sausen ließ. Natürlich hätte er auch einfach seinen Zauberstab die Arbeit tun lassen können, doch der ehemalige Slytherin genoss es, seinen Körper zu fordern. Da er seit dem Ende der Schulzeit nicht mehr aktiv Quidditch spielte, hielt er sich mit Gartenarbeit, regelmäßigem Laufen und Schwimmen fit.

Eine ganze Weile später kam Draco mit blass Rosa gefärbten Wangen durch die Terrassentür herein.

Na, hast du dich ausgetobt?" fragte Harry grinsend und zupfte ein Stück Rinde aus den Haaren seines Ehemanns.

Voll und ganz", erklärte der Blonde und wischte sich einen leichten Schweißfilm von der Oberlippe. „Solltest du auch mal probieren."

Danke", winkte Harry ab. „Ich ziehe es vor, die Stellung zu halten und dir dabei zu zusehen."

Wie du meinst. Aber etwas Training täte dir auch mal wieder gut." Mit hochgezogenen Augenbrauen piekte Draco den Dunklen in der Höhe seines Nabels in den Bauch.

Willst du damit etwa sagen, ich werde fett?" fragte Harry entrüstet.

Naja, vielleicht nicht fett, aber doch ein wenig füllig", erwiderte Draco neckend.

Du spinnst doch." Eilig lüpfte der ehemalige Gryffindor seinen Pullover und inspizierte kritisch seine Leibesmitte. „Ich habe seit Hogwarts höchstens ein oder zwei Kilo zugenommen."

Verlangend leckte sich Draco bei dem leckeren Anblick über die Lippen. Es war so einfach, seinen Partner aus der Reserve zu locken. „Trotzdem hast du eher einen Waschbärbauch, als einen Waschbrettbauch", bemerkte er betont lässig und machte sich in Richtung des Badezimmers davon.

Sofort nahm Harry die Verfolgung auf. „Das nimmst du zurück!"

Seelenruhig öffnete Draco die Badezimmertür und zog sich nun seinerseits den Pullover über den Kopf. „Lass uns das später klären. Ich will jetzt duschen."

Nein, wir klären das jetzt", erwiderte Harry bestimmt und folgte dem Blonden ins Bad. „Du willst mir doch nicht ernstlich weiß machen, ich hätte zugenommen!"

Und selbst wenn dem so wäre, ich liebe jedes Pfund an dir." Grinsend kickte Draco seine Schuhe von den Füßen und schlüpfte gleichzeitig aus Jeans und Shorts.

Ich bin immer noch genauso gut in Form, wie zu meiner Zeit als Sucher!" ereiferte sich Harry weiter, während sein Partner wortlos in die Dusche stieg und das warme Wasser an stellte. Ein paar Minuten ließ er den ehemaligen Gryffindor noch lamentieren, bevor er den Duschvorhang zur Seite schob und Harry zu sich in die Dusche zog.

Der Dunkelhaarige protestierte sofort heftig, als das warme Wasser seine Kleidung durchnässte, doch Draco war schon dabei, seinem Freund den Pullover über den Kopf zu ziehen.

Merlin, Potter", knurrte er dunkel. „Du hast den heißesten Körper, den ich kenne und nur damit du es weißt, du siehst sogar noch besser aus, als zu Hogwarts-Zeiten."

Zufrieden half Harry mit die Knöpfe seiner Jeans zu öffnen. „Genau das wollte ich hören."

Tbc....

Kapitel 17 von redangeleve

XLIV. All I want for Christmas is you

I don`t want a lot for Christmas

There is just one thing I need

I don`t care about the presents

Underneath the Christmas Tree.
 

I just want you for my own

More than you could ever know

Make my wish come true

All I want for Christmas is you

(Mariah Carey, All I want for Christmas is you) 


 

„Herein!"

Etwas zögerlich öffnete Harry die Tür zum Büro des Schulleiters. Auf dem Weg hierher hatte er sich genau zurecht gelegt, wie er seine Bitte vortragen wollte, doch jetzt wo der Zeitpunkt gekommen war, fühlte er sich doch etwas vermessen, Professor Dumbledore mit so etwas Profanem zu belästigen.

„Ah, Harry!" Der alte Mann sah von seinen Papieren auf und lächelte dem Jungen aufmunternd zu. „Komm doch herein und setz dich. Ich bin gleich für dich da."

Etwas steif ließ sich Harry in den Stuhl vor dem Schreibtisch des Schulleiters sinken. Er fühlte die Blicke der Portraits an den Wänden auf sich ruhen und das machte ihn noch nervöser, als er es ohnehin schon war. Seine Hände spielten unruhig mit den Knöpfen seiner Robe, bis Professor Dumbledore seine Feder sinken ließ und ihm seine Aufmerksamkeit zu wandte.

„So, mein Junge. Was hast du auf dem Herzen?"

„Ich, äh", stotterte Harry unsicher darüber, wie er beginnen sollte.

„Möchtest du vielleicht erst einmal einen Zimtstern kosten?" fragte Dumbledore und hielt ihm einen Teller hin. „Die Hauselfen haben mir einen ganzen Berg Weihnachtsleckereien gebracht."

„Nein danke, Sir", lehnte der Gryffindor höflich ab.

„Wirklich nicht? Aber ich hoffe, es stört dich nicht, wenn ich einen esse, während ich dir zuhöre." Er nahm sich einen Keks vom Teller und biss genüsslich eine Ecke davon ab. „Hm, köstlich. Also Harry, was kann ich für dich tun?"

„Es geht um Draco, Sir. Wir werden ja Weihnachten beide hier verbringen müssen und ich wollte ihm gern etwas besonderes schenken." Der Junge erläuterte dem Schulleiter seinen Plan. „Wäre es möglich, dass sie mir damit helfen?"

Mit einem letzten Bissen ließ der alte Mann den Rest des Kekses in seinem Mund verschwinden, bevor er Harry über seine Halbmondbrille hinweg musterte. „Das ist wirklich eine schöne Idee. Draco wird sich bestimmt darüber freuen, dass du dir so viel Mühe mit seinem Geschenk gibst."

Der Gryffindor zuckte geschmeichelt mit den Schultern. „Ich möchte einfach, dass er trotz allem ein schönes Fest hat."

„Das wird er bestimmt haben." Mit einem entschuldigenden Lächeln nahm der Schulleiter einen weiteren Keks. „Bring den Gegenstand nachher zu mir, dann werde ich dir helfen."

Erleichtert atmete der Junge auf. „Danke, Sir. Das ist wirklich sehr nett von Ihnen."

„Auch ich möchte, dass ihr ein schönes Weihnachtsfest habt."

Harry war bei diesen Worten bereits aufgestanden, doch Professor Dumbledore hielt ihn mit einer Geste zurück. „Da du nun schon einmal hier bist, würde ich gern etwas mit dir besprechen: Ich denke, ich weiß, wo sich der erste Horcrux befindet."

„Wirklich?" Die Augen des Jungen wurden groß. „Worauf warten wir dann noch?"

„Bevor wir uns vergewissern, dass meine Vermutung richtig ist, möchte ich dir einige Informationen über Lord Voldemorts Vergangenheit geben. Es ist sehr wichtig, dass du weißt, wer unser Gegner überhaupt ist. Denn in der Vergangenheit liegt der Schlüssel zu den anderen Verstecken."

„Dann lassen Sie uns keine Zeit verlieren." Harry machte Anstalten, sich erneut zu setzten.
 

„Nicht so hastig." Der alte Mann lächelte belustigt über den Enthusiasmus seines Schülers. „Ein Leben wie das des Dunklen Lords lässt sich nicht bei Tee und Keksen analysieren. Deshalb möchte ich dich bitten, dass du in den Ferien jeden Abend zu mir kommst, damit wir gewisse Ereignisse genauer betrachten können. Und am Ende dann hoffentlich den ersten Horcrux in Händen halten werden."

Der Gryffindor versuchte sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. So lange schon wartete er nun auf den Moment, an dem sie beginnen konnten, die Bruchstücke von Voldemorts Seele zu zerstören, dass er es nur widerwillig in Kauf nahm, es noch länger hinaus zu zögern. „In Ordnung", sagte er gehorsam. „Dann werde ich morgen Abend, nachdem die anderen Schüler nach Hause gefahren sind, in Ihr Büro kommen."

„Ich werde erst nach dem Abendessen ins Schloss zurück kehren", erklärte Professor Dumbledore. „Also würde ich vorschlagen, du kommst so gegen zwanzig Uhr."

„In Ordnung. Ich werde da sein."

XXXXXX 

Die Große Halle wirkte leer ohne die Scharen von Schülern, die sich schwatzend um die Tische drängelten. Die wenigen Verbliebenen verloren sich beinah in dem gewaltigen Raum. Abgesehen von Harry, Draco, Blaise und Pansy waren etwa noch zwanzig andere Schüler über die Ferien im Schloss geblieben, weshalb die Haustische ihre Gültigkeit verloren hatten und stattdessen alle Schüler am Tisch der Hufflepuffs in der Mitte der Halle saßen.

Von den Lehrern waren, außer Professor Dumbledore, nur noch Professor Snape und Professor McGonagall in Hogwarts geblieben und Harry stellte erstaunt fest, dass er sich nie darüber Gedanken gemacht hatte, ob die Lehrer eventuell eine Familie hatten, bei der sie Weihnachten feiern konnten. Um so überraschter war er, als er erfuhr, dass die Professoren Sprout und Flitwick verheiratet waren und Madam Hooch sogar Kinder hatte. Aus irgendeinem Grund hatte er immer angenommen, dass Hogwarts für sie alle das einzige Zuhause war und er fühlte sich noch wehmütiger, als er es ohnehin schon war.

Vor zwei Tagen hatte er sich schweren Herzens am Bahnhof von Hogsmeade von Hermine und Ron verabschiedet und schon wenige Stunden später waren der dunkle Gryffindor und Professor Dumbledore das erste Mal gemeinsam ins Denkarium abgetaucht, um einen Blick in Lord Voldemorts Vergangenheit zu werfen.

Auch wenn Harry noch nicht begriff, wie ihm das Wissen - das er hier sammelte - auf der Suche nach den Horcruxen weiter helfen sollte, so war es doch interessant zu erfahren, dass der dunkle Zauberer tatsächlich ein Nachfahre von Salazar Slytherin war. Die Umstände, die dazu geführt hatten, dass Voldemort, der damals noch Tom Riddle hieß, im Waisenhaus aufwuchs, stimmten den Jungen beinah traurig und er erkannte die Parallelen zu seinem eigenen Leben. Tief in seinem Herzen fragte er sich sogar, ob vielleicht die Möglichkeit bestanden hätte, dass er ebenso geendet wäre, doch als habe Professor Dumbledore seine Gedanken durchschaut, sagte er in diesem Moment zu ihm: „Voldemort wurde nicht zu dem gemacht, was er ist Harry. Es war seine eigene Entscheidung. Sobald er erkannt hat, dass er anders ist und dass er die Fähigkeit hat, andere zu manipulieren, hat er sie nur zu seinem eigenen Vorteil genutzt. Das Leben und die Gefühle anderer Menschen bedeuten ihm nichts. Er kennt die Macht der Liebe nicht, Harry. Und genau deshalb bist du anders als er."

Ja, die Liebe war schon eine ganz eigene Art der Magie. Seit Harry der Einfall mit dem Geschenk gekommen war, hatte er unermüdlich daran gearbeitet, seine Vorstellung in die Tat umzusetzten. Es sollte perfekt sein. Das perfekte Geschenk für den Jungen, den er liebte.

Draco schien ihm heute noch etwas blasser, als in den letzten Tagen. Seit der Hogwarts Express die anderen Schüler abgeholt hatte, war er schweigsam gewesen, von einigen sarkastischen Kommentaren einmal abgesehen. Lustlos rührte er in seinem Yorkshire Pudding herum und starrte Löcher in die Weihnachtsdekoration, die zwischen den gefüllten Schüsseln auf dem Tisch lag.

Künstlicher Schnee fiel von der verzauberten Decke herab und begrub den steinernen Fußboden unter einer glitzernden, weißen Decken, während dicke, rote Kerzen über dem Tisch schwebten und ihn in ein feierliches Licht tauchten. Mit einem halben Ohr hörte Harry der verträumten Stimme von Luna Lovegood zu, die die verbliebenen Ravenclaws gerade darüber aufklärte, dass jeder zweite Mistelzweig im Schloss mit Nargeln verseucht war, während er gleichzeitig versuchte das permanente Gekichere von Pansy zu ignorieren, an deren Ohrläppchen ein schon recht angetrunkener Blaise knabberte. Ein paar Mal hatte er bereits versucht, Draco in ein Gespräch zu verwickeln, aber der blonde Slytherin schien viel zu weit weg, um ihn überhaupt warhzunehmen. Harry wünschte sich inständig, dass die drei Lehrer endlich das Essen aufheben würden, damit er mit Draco allein sein konnte, doch schon seit einer geschlagenen halben Stunde war Professor Dumbledore in ein Gespräch mit dem Lehrer für Zaubertränke vertieft, bei dem er offenbar Zeit und Raum völlig vergessen hatte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, gerade als die beiden Creevey Brüder „Rudolph, the rednosed Raindeer" zum Besten gaben, erhob sich der Schulleiter endlich und wünschte ihnen allen eine gute Nacht. Augenblicklich kam Bewegung in die Schülerschar und sie strebten in die unterschiedlichen Richtungen davon, wobei sie tiefe Fußspuren im künstlichen Schnee hinterließen. Auch Draco erwachte endlich aus seiner Starre und erhob sich schwungvoll von seinem Stuhl. Ein Zweitklässler aus Hufflepuff fragte Harry schüchtern, ob er vielleicht Lust auf eine Partie Zauberschach habe, doch der dunkle Gryffindor lehnte höflich ab. Er hatte ganz klar andere Pläne für die nächsten Stunden.

Aus praktischen Gründen hatte er gemeinsam mit Draco beschlossen, den Abend im Gryffindor-Turm zu verbringen, ganz einfach deshalb, weil es dort gemütlicher war, als in den dunklen, feuchten Kerkern. Die Fette Dame hatte es sich in ihrem Portrait mal wieder mit ihrer Freundin Violett bequem gemacht und sie tranken gerade munter die dritte Flasche Sherry, als die beiden Jungen vor dem Bild zum Stehen kamen.

Drei Mal musste Harry das Passwort wiederholen, bevor die beiden Damen ihm endlich ihre Aufmerksamkeit schenkten.

„Festtagsstimmung."

„Würden wir mit Sicherheit haben, wenn man uns in Ruhe feiern lassen würde", schnappte die Fette Dame und hob erneut das Glas an ihre Lippen, bevor sie endlich zur Seite schwang.

Kopfschüttelnd kletterte Draco hinter seinem Freund durch das Loch in den Gemeinschaftsraum. „Manchmal frage ich mich ernsthaft, nach welchen Kriterien die Wächter der Eingänge ausgesucht werden. Wenn ein Portrait in meinem Haus so frech wäre, hätte ich es schon längst abnehmen und verbrennen lassen."

„Ich habe mal gehört, dass die Fette Dame die Einzige war, die den Job machen wollte. Es ist ja auch nicht ganz ungefährlich." Harry dachte an sein drittes Schuljahr, als Sirius aus Askaban ausgebrochen war und auf der Suche nach ihm das Portrait am Eingang des Gryffindor-Turmes schwer beschädigt hatte. Die Fette Dame war schreiend durch beinah sämtliche Bilder des Schlosses gerannt und hatte sich wochenlang versteckt, bis sie sich wieder so weit beruhigt hatte, um ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen.

„Vielleicht sollte man das ganze System ohnehin einmal überdenken", gab Draco zurück. „Man könnte doch zum Beispiel einen Fidelius Zauber über den Eingang verhängen und die Vertrauensschüler müssten den neuen Schülern sagen, wo sich der Eingang befindet."

„Findest du nicht, dass das ein bisschen zu viel Aufwand ist?" fragte Harry und ließ sich in einen der Sessel plumpsen. „Wir reden hier schließlich von einer Schule und nicht von einer geheimen Festung."

`Und außerdem bin ich der beste Beweis, dass das Fidelius-System bei weitem nicht unfehlbar ist`, fügte er in Gedanken hinzu.

Schulterzuckend ließ sich Draco auf der Armlehne des Sessels nieder, in den sich sein Freund gesetzt hatte. „So lange die Fette Dame draußen ist und wir hier drinnen ist es mir egal", erwiderte der Slytherin, während er sich zu Harry herunter beugte und seinen Mund mit einem fordernden Kuss eroberte. „Ich habe da meine ganz eigene Methode um in Festtagsstimmung zu kommen."

Das glaubte Harry ungesehen und Dracos Hände an den Knöpfen seiner Robe zeigten ihm, dass der Blonde das Gesagte auch direkt in die Tat umzusetzen gedachte. Okay, eigentlich kam dieser Teil in seiner Planung erst sehr viel später dran, aber er würde natürlich nicht nein sagen, wenn Draco mit so eindeutig - Harry schluckte schwer, als die Hand des Slytherin in seine Hose rutschte - äh, handfesten Argumenten aufwartete.

In diesem Moment schwang das Portrait erneut zur Seite und die beiden Creeveys betraten. immer noch singend den Gemeinschaftsraum. Harry versteifte sich unter den Händen seines Freundes, doch Draco tat, als würde er die Anderen nicht hören und knöpfte langsam aber zielstrebig Harrys Hose auf. Als die Creeveys die beiden älteren Jungen bemerkten, blieben sie neugierig stehen und Dennis hob seine Kamera vors Gesicht, die er wie immer um den Hals trug.

„Creevey, wenn du ein Foto von uns machst, dann schwöre ich dir, dass ich aus deinen Eingeweiden Lametta mache", knurrte Draco den Jungen an, wobei er sich halb nach ihm umdrehte und ihn böse anfunkelte.

Sofort ließ der jüngere Gryffindor die Kamera sinken und verließ mit seinem Bruder beinah fluchtartig den Gemeinschaftsraum in Richtung der Schlafsäle. Zufrieden wandte der Slytherin seine Aufmerksamkeit wieder Harrys Hose zu.

„Du kannst manchmal richtig fies sein, weißt du das?" keuchte Harry, als der Blonde den Stoff schließlich über die Hüfte nach unten schob.

„Wenn du lieber mit den Kinder Weihnachtslieder singen willst, sag nur Bescheid, Potter." Dracos Zunge hinterließ eine feuchte Spur auf seinem Bauch, als sein Kopf langsam abwärts wanderte.

„Das habe ich nicht gesagt", gab der Gryffindor gepresst zurück. Er musste sich wirklich beherrschen, als er die Hände in den Haaren des Blonden vergrub, sein Becken nicht ungeduldig nach oben rucken zu lassen.

Die Stimme des Slytherin klang undeutlich, als sein Mund endlich das Ziel seiner Begierde gefunden hatte. „Das will ich dir auch nicht geraten haben."

XXXXX
 

Sehr, sehr viel später holte die Glocke der Turmuhr Harry wieder zurück in die Wirklichkeit. Er zählte zwölf Schläge. Mitternacht. Jetzt war es wirklich Weihnachten.

Vorsichtig berührte er Draco an der Schulter um ihn aufzuwecken. Der Blonde lag quer über ihm ausgestreckt auf der Couch, den Kopf hatte er in Harrys Halsbeuge vergraben.

„Nur noch fünf Minuten", nuschelte der Slytherin gegen die warme Haut vor sich, als der Gryffindor ihn erneut sanft rüttelte.

„Na komm schon. Mach die Augen auf, Love", flüsterte Harry leise. „Es ist Mitternacht. Weihnachten."

„Du weckst mich, um mir das zu sagen?" knurrte Draco und hob leicht den Kopf, um in die Augen seines Freundes zu sehen. „Du bist doch nicht ganz dicht, Potter."

Mit diesen Worten versuchte sich der Blonde wieder zusammen zu rollen, doch Harry schob ihn entschlossen von sich herunter, was dem Slytherin einen protestierenden Laut entlockte.

„Wenn du deine Geschenke nicht haben willst...", begann der Gryffindor unschuldig und schlenderte langsam in die Richtung des in Rot geschmückten Weihnachtsbaums. Er nahm ein in grünes Seidenpapier eingeschlagenes Päckchen und schüttelte es leicht. „Hm, sieht teuer aus. Was da wohl drin sein mag..."

Die Taktik wirkte. Auf einen Schlag war Draco hellwach und auf den Beinen. „Finger weg von meinen Geschenken, Potter."

Der Blonde schnappte dem anderen Jungen das Päckchen weg und schüttelte es nun seinerseits, bevor er die daran befestigte Karte öffnete. „Aha, es ist von Pansy. Dann weiß ich schon, was drin ist." Ohne Rücksicht auf das feine Papier zu nehmen, riss er die Verpackung auseinander und hielt eine Flasche Parfüm in den Händen. „Wusste ich es doch. Sei vorsichtig, wenn du daran riechst. Pansy hat eine Vorliebe für extrem stark duftende Männer."

„Und dann schenkt sie ausgerechnet dir so etwas?" fragte Harry mit einem leicht eifersüchtigen Unterton.

Der Slytherin zuckte die Schultern. „Macht der Gewohnheit. Mal sehen, was es noch so gibt."

Harry hatte fast ein schlechtes Gewissen bei all den Geschenken, die für ihn bestimmt waren: Rons Eltern hatten ihm wieder den obligatorischen Pullover geschenkt. Von Fred und George bekam er eine Auswahl an selbst entwickelten Scherzartikeln und von Ron selbst Quidditch-Handschuhe aus Leder. Hermine hatte ihm ein Buch mit dem Titel „Zaubertränke brauen leicht gemacht" geschickt, da er in dem Fach nach wie vor große Schwierigkeiten hatte. Außerdem lagen noch diverse Süßigkeiten unter dem Baum, die ihm andere Mitglieder seines Hauses geschenkt hatten.

Aber auch für Draco lagen noch vier weitere Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. In dem Paket von Blaise befand sich ein Zauberschachspiel aus Elfenbein. Von Crabbe und Goyle (deren Geschenke so aussahen, als sei das Papier eine gefärbte Seite des Tagespropheten) bekam Draco Kürbispasteten, Zigaretten und Feuerwhiskey. Das letzte Geschenk, dessen Verpackung schwarz wie die Nacht war, kam von Professor Snape. Neugierig betrachtete Draco die kleine Phiole, die zum Vorschein kam, als er den Karton öffnete.

„Wow", entfuhr es Harry beeindruckt und sein Blick klebte an der glänzenden, goldenen Flüssigkeit in dem Glasfläschchen. „Ist es das, was ich denke, dass es ist?"

Der Slytherin nickte feierlich. „Felix felicitas."

Einen Moment war Harry sprachlos und ein wenig eifersüchtig. Pures Glück. So ein Geschenk war kaum zu toppen. „Gratuliere", sagte er, nachdem er den Neid herunter geschluckt hatte. „Wenn jemand wirklich Glück benötigt, dann du."

Draco verzog gequält das Gesicht. „Merlin, du hast wirklich eine ganz tolle Art einen aufzubauen."

Beschämt errötete Harry bis zu den Haarwurzeln. „Entschuldige. Es war nicht so gemeint, wie es sich anhörte. Magst du jetzt vielleicht mein Geschenk aufmachen?" Er hielt seinem Freund ein einfaches, rotes Päckchen entgegen, das er bis jetzt hinter einem Sessel versteckt hatte. Es war wichtig, dass Draco es unbedingt als letztes öffnete.

Neugierig nahm der Slytherin das Päckchen an sich und öffnete die goldene Schleife. In dem Moment, in dem er das Papier zurück schlug und seine Hände den schwarzen Pullover berührten, fühlte er auch schon das bekannte Ziehen hinter seinem Bauchnabel. Harry blieb gerade noch genug Zeit, um seine Hand ebenfalls auf den Pullover zu legen, dann drehte sich alles um die Jungen und der Gemeinschaftsraum verschwand vor ihren Augen.

XXXXXX

„Ein Portschlüssel?" fragte Draco, als seine Füße erneut den steinernen Fußboden berührten. Suchend sah er sich auf dem dunklen Korridor um. „Du schenkst mir einen Portschlüssel innerhalb von Hogwarts?"

„Nicht ganz", antwortete Harry und nach einem `Lumos` erleuchtete die Spitze seines Zauberstabs den Flur. „Eigentlich schenke ich dir den Pullover und etwas, das sich hinter dieser Tür befindet."

Er deutete auf die Wand hinter sich.
 

„Welche Tür?" fragte Draco verwirrt. „Dort ist doch gar keine."

„Jetzt noch nicht, aber gleich", informierte ihn sein Freund, während er versuchte sich zu konzentrieren. Drei Mal ging er vor dem Bild von Barnabas dem Bekloppten auf und ab, bis an der bis eben noch glatten Wand plötzlich eine Tür erschien. Als sich der Gryffindor triumphierend lächelnd zu Draco umdrehte, war dieser sichtlich beeindruckt.

„Ich präsentiere den Raum der Wünsche." Mit einem feierlichen Ausdruck öffnete er die Tür und bedeutete seinem Freund einzutreten. Dracos Augen weiteten sich vor Überraschung und er blieb mitten im Türrahmen stehen, als er sah, was sich hinter der Tür verbarg.

„Das ist... das ist...", stammelte er verwirrt.

„Der Salon von Malfoy Manor", bestätigte ihm Harry. „Wenn du Weihnachten nicht zu Hause feiern kannst, hole ich dein Zuhause eben hier her."

Tatsächlich sah der Raum genau so aus, wie das Wohnzimmer der Familie Malfoy. Teure Teppiche bedeckten den weißen Marmorfußboden. Ein großer Kronleuchter hing an der Decke und Ölgemälde schmückten die Wände. Vor dem Kamin, auf dessen Sims einige Familienfotos standen, waren die antiken Rokkoko-Möbel um den Kaffeetisch arrangiert, genau so wie es bei seinem Besuch zu Hause im Sommer gewesen war. Nur der gewaltige, in Silber dekorierte Weihnachtsbaum, der eine Ecke des Raumes ausfüllte, veränderte das gewohnte Bild.

„Wie ist das möglich?" fragte Draco, als er die erste Überraschung verdaut hatte.

„Man muss nur ganz fest daran denken, wie der Raum aussehen soll und schon passiert es. Weil ich aber noch nie in eurem Wohnzimmer gewesen bin, haben mir Pansy und Blaise mit ihren Erinnerungen geholfen", erklärte ihm der Gryffindor.

„Du hast mit Blaise gesprochen?" hakte der Slytherin kopfschüttelnd nach. „Und dabei schwört er immer noch Stein und Bein, dass er dich hasst."

„Blaise hat mir ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass er es nicht für mich tut. Aber wir haben zumindest so eine Art von Waffenstillstand. Komm, lass uns was trinken."

Harry führte seinen Freund zum Tisch, wo eine große Schüssel mit Punsch stand. „Dann hast du das Ernst gemeint, dass du mit mir Punsch trinken willst, bis wir dummes Zeug reden?" fragte Draco, während der Gryffindor ihm eine Tasse füllte.

Der Dunkle grinste verschlagen. „Klar. Ich fülle dich heute so lange ab, bis du mindestens ein Weihnachtslied gesungen hast."

„Eher saufe ich mich ins Koma, als dass du von mir so einen gefühlsduseligen Muggelquatsch hörst", gab Draco Augen rollend zurück.

„Wir werden sehen." Harry füllte auch sich selbst eine Tasse mit Punsch, dann prostete er seinem Freund zu. „Fröhliche Weihnachten, Love."

Der Slytherin gab sich alle Mühe, seine coole Fassade zu wahren, als er mit Harry anstieß. „Ein frohes Fest auch für dich, Babe."

XXXXXX
 

Leise vor sich hin summend öffnete Draco den Karton mit der Weihnachtsdekoration. Mit dem Zauberstab ließ er eine Kugel nach der anderen heraus schweben und sich selbstständig an den Zweigen des Baumes befestigen. In seinem Gesicht lag dabei eine beinah kindliche Vorfreude, während Harry hinter ihm im Rahmen der Wohnzimmertür stand und ihn schweigend bei seiner Arbeit beobachtete.

Der Blonde hatte wie in jedem Jahr darauf bestanden, den Weihnachtsbaum allein zu schmücken und Harry durfte nicht herein kommen, bevor er fertig war. Wenn Draco bemerken würde, dass er mogelte, würde er fuchsteufelswild werden. Daher wollte Harry gerade wieder leise hinaus gehen und die Tür schließen, als es einen lauten Knall gab. Eine der roten Kugeln war explodiert und feine Splitter flogen in alle Richtungen.

Verflucht und zugenäht!" schimpfte Draco und fügte die Scherben mit einem schnellen Schwenk seines Zauberstabs wieder zusammen, bevor er die Kugel erneut empor schweben ließ. Doch wieder erreichte sie ihr Ziel nicht in einem Stück, sondern explodierte in einem roten Scherbenregen.

Ein trauriger Ausdruck huschte über Harrys Gesicht, als er sich auf Zehenspitzen zurück zog und die Tür vorsichtig schloss. Geräuschvoll ließ er die Luft aus seinen Lungen entweichen, bevor er die Stirn gegen das kühle Holz lehnte und die Augen schloss.

Tbc...

Kapitel 18 von redangeleve

XLV. When it`s cold I`d like to die

 

I don`t want to swim the ocean

I don`t want to fight the tide

I don`t want to swim forever

When it`s cold I`d like to die

 

(Moby, When it`s cold I`d like to die) 

Harrys Beine zitterten so stark, dass er beinah eingeknickt wäre, als er kurz hinter den Apparationsgrenzen von Hogwarts landete. Er war nass und dreckig und geschockt bis ins Mark, doch er zwang sich aufrecht zu stehen. Unwillkürlich tastete seine Hand nach der Kette mit dem Talisman, den Draco ihm zu Weihnachten geschenkt hatte. Die antike Münze war mit den stärksten Schutzzaubern versehen, die der Slytherin hatte auftreiben können und gleichzeitig diente sie als Kommunikationsmittel, mit dem Gegenstück, das Draco besaß und durch das sich die beiden Jungen Nachrichten senden konnten. Harrys Münze leuchtete grün, wenn Draco Hilfe brauchte und die Andere rot, wenn es der Gryffindor war, der in Schwierigkeiten steckte.

Doch bei dem Horror, dem er gerade nur mit Mühe entkommen war, wäre ihm auch Draco keine Hilfe gewesen. Professor Dumbledore hing schwer an seinem rechten Arm und Harry hatte große Sorge, wie er den alten Mann zurück ins Schloss bekommen sollte. Mit seinem Schüler Seite-an-Seite zu apparieren, schien seine letzten verbliebenen Kraftreserven aufgezehrt zu haben.

XXXXXX

Man schrieb den dreißigsten Dezember, einen Tag vor Silvester. Die vergangenen Tage hatten sie damit verbracht, im Denkarium weitere Bruchstücke von Voldemorts Vergangenheit zu betrachten, bis der Schulleiter schließlich der Meinung war, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen war, um den ersten Horcrux zu bergen. Da es zu auffällig wäre, wenn Harry während des Tages die Schule verlassen würde, legte Professor Dumbledore fest, dass sie in den Abendstunden aufbrechen würden. Der junge Gryffindor konnte es kaum erwarten. Immer wieder überprüfte er die Dinge, die er mit auf die Jagd nehmen wollte, wie z.B. den Tarnumhang und seinen Besen, den er magisch verkleinert hatte, um ihn in seiner Umhangtasche zu verstauen. Es fiel ihm unendlich schwer, seine Nervosität vor Draco zu verbergen, weshalb er vorgab, den Rest des Tages allein in der Bibliothek verbringen zu wollen, um dort den Zaubertränke-Aufsatz noch zu Ende zu schreiben, bevor in drei Tagen wieder die Schule begann, um ihm aus dem Weg zu gehen.

Obwohl der Slytherin nichts sagte, sah Harry den verletzten Ausdruck in Dracos Augen und das verursachte ein unangenehmes Ziehen in seinem Bauch. Die Festtage waren so schön gewesen. Unbeschwert und ohne Sorgen. Sie hatten fast jede freie Minute zusammen verbracht, waren draußen Schlittschuh gelaufen, hatten Eisskulpturen gezaubert und waren sich dabei so nah gekommen, wie noch nie zuvor. Es war nur logisch, dass es Draco schmerzte, wenn Harrry ihn jetzt wieder ausgrenzte. Um ein Haar hätte der Gryffindor den ganzen Plan über den Haufen geworden und es seinem Freund erzählt, nur um ihm zu zeigen, wie sehr er ihm vertraute, aber er schaffte es sich im letzten Moment zurück zu halten. Diese Mission entschied über die Zukunft der gesamten Zauberwelt. Er durfte sie nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Auch und gerade Draco zu Liebe nicht.

Nichts hatte Harry darauf vorbereitet, was ihn und den Schulleiter in der Höhle an einem südenglischen Strand erwarten würde. Sie hatten den Horcrux, ein kleines Medaillon, das ein Erbstück von Voldemorts Mutter gewesen war, in einem steinernen Becken auf einer Insel, mitten in einem unterirdischen See vorgefunden. Doch nehmen konnte man es nur, wenn man die Flüssigkeit aus dem Becken trank. Vermutlich hatte Dumbledore geahnt, dass es eine Falle war - ja, sogar Harry hatte es in seinem Inneren gewusst - doch sie hatten keine andere Möglichkeit gesehen, als das tödliche Spiel des Dunklen Lords mitzuspielen. Harry hatte gebeten und gebettelt, dass er derjenige sein möge, der die Flüssigkeit trank, aber Dumbledore hatte darauf bestanden, dass das Leben des Jungen zu wertvoll sei. Und so hatte der dunkle Gryffindor dabei zusehen müssen, wie sich sein Schulleiter sprichwörtlich um Kopf und Kragen trank.

Ganz egal, was es für ein Gift in diesem Becken gewesen war, es wirkte offensichtlich rasch, denn kaum dass sie den Grund erreicht hatten, verließen den alten Mann die Kräfte. Zu allem Überfluss wurde ihr Boot auf dem Rückweg zum Ufer auch noch von einer Armee von Inferi angegriffen, die als Wächter des Horcrux fungierten. Nie würde Harry das Gefühl vergessen, als sich die kalte, weiße Hand einer Leiche um sein Handgelenk schloss. Mit letzter Kraft hatte Dumbledore die Inferi in die Flucht geschlagen und sie beide vor dem sicheren Tod gerettet, bevor er mit Harry nach Hogwarts zurück appariert war. Doch ausgerechnet jetzt, wo die sicheren Mauern bereits in Sichtweite waren, schien der alte Mann zusammen brechen zu wollen.

„Bitte, Sir, es sind nur noch ein paar Meter. Sie müssen durchhalten", beschwor Harry den Schulleiter, während er sich langsam Schritt für Schritt vorwärts kämpfte.

„Kann nicht mehr.... Brauche Snape...", murmelte Dumbledore gepresst. Seine Augenäpfel waren so weit nach hinten gerollt, dass fast nur noch das Weiße zu sehen war und aus seinem halb geöffneten Mund tropfte Speichel auf seine Robe.

„Ich schwöre Ihnen, ich werde Professor Snape sofort holen, wenn wir erst das Portal erreicht haben", keuchte der Gryffindor atemlos. Seine feuchte Robe klebte an seinem Körper und obwohl er vor Anstrengung schwitzte, ließ ihn die Kälte haltlos zittern. Er musste sich etwas einfallen lassen, wenn er Dumbledore noch retten wollte. Der alte Mann war zu schwer, als dass Harry ihn tragen konnte, aber in diesem Tempo würden sie nie das Schloss erreichen. Unter normalen Umständen hätte der Junge versucht einen Patronus herauf zu beschwören, doch er bezweifelte ernsthaft, dass er nach dem, was er gerade gesehen und erlebt hatte in der Lage sein würde, eine glückliche Erinnerung herbei zu rufen. Es musste einen anderen Weg geben....

Natürlich, der Besen!

Vorsichtig, um Professor Dumbledore nicht seines Haltes zu berauben, zog er seinen Zauberstab und den geschrumpften Besen aus der Tasche. Mit einem raschen Zauber gab er dem Feuerblitz seine alte Größe zurück, bevor er mühsam ein Bein über den Stil schwang. Es war nicht so einfach, mit dem Schulleiter hinter sich, abzuheben und das Gleichgewicht zu halten. Zwar hatte Harry Draco damals auch mit dem Besen aus Malfoy Manor gerettet, aber der Slytherin war das Fliegen gewohnt und wusste, wie er sich zu verhalten hatte. Dumbledore hingegen hing wie ein schlaffer Sack hinter dem jungen Gryffindor und Harry hatte wirklich Angst, dass er hinunter fallen würde, wenn er es nicht schaffte, den Besen möglichst ruhig zu halten.

Obwohl es bis zum Schloss kaum mehr als ein paar hundert Meter waren, kam Harry die Entfernung schier endlos vor. Merlin sei Dank funktionierte es, als er mit einem Alohomora die schwere Eingangstür öffnete und direkt in das Schloss hinein flog. Einige wenige Kerzen erleuchten die ausgestorbene Halle und die Portraits an den Wänden murrten ungehalten, als sie unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden. Vorsichtig landete der Gryffindor am Fuß der Treppe und transformierte einen Kerzenleuchter in eine Matratze, auf der er Professor Dumbledore behutsam ablegte. Der alte Mann stöhnte verhalten. Seine rechte Hand klammerte sich an Harrys Ärmel.

„Ich bin gleich zurück", beruhigte ihn der Junge. „Ich hole schnell Professor Snape."

Es war nicht feststellbar, ob der Schulleiter ihn gehört hatte, doch Harry hatte keine Zeit mehr, länger auf den Verletzten einzureden. Mit Mühe gelang es ihm, die verkrampften Finger zu lösen, dann rannte er los. Das schwache Leuchten seines Zauberstabs war die einzige Lichtquelle, die er zur Hilfe hatte. Völlig außer Atem hämmerte er an die Tür von Snapes Privaträumen. Es scherte ihn nicht, dass die Portraits an den Wänden schimpften und drohend ihre Fäuste schüttelten. Hier ging es um Leben und Tod.

Die Tür öffnete sich mit einem leisen Quietschen und Harry war noch nie so froh gewesen wie jetzt, seinem griesgrämig aussehenden Zaubertränke-Lehrer gegenüber zu stehen. Der Hauslehrer von Slytherin trug einen grauen, abgetragenen Schlafanzug.

„Potter", polterte der dunkelhaarige Mann los. „Was in Merlins Namen..."

„Sir", unterbrach ihn der Junge ungeduldig. „Sie müssen mit mir kommen. Professor Dumbledore ist vergiftet worden."

Snape musterte ihn kritisch aus seinen schwarzen Augen. „Ist das ein Scherz?"

„Es ist ernst. Tödlicher Ernst!" Verzweifelt rang der Gryffindor die Hände. „Sie müssen mir glauben, Sir. Er stirbt wenn wir nicht schnell handeln!"

Ein weiterer Moment verging, in dem ihn Sanpe ohne offensichtliche Gefühlsregung musterte. Er sah Harrys nasse Kleidung, bemerkte die von der Kälte blau verfärbten Lippen und das Zittern seiner Hände. Schließlich nickte er.

„Gut." Der Mann drehte sich um und ging zurück ins Zimmer. „Ich hole schnell meine Tasche."

Merlin sei Dank....

XXXXXX

Das Erste, was Draco bemerkte, als er zu sich kam, war die Kälte. Ihm war kalt, eiskalt. Es fühlte sich so an, als ob tausende feine Nadeln in seine Haut stachen. Seine Finger und Füße waren eigenartig taub und als er die Augen öffnete, erkannte er auch den Grund dafür: Seine nackten Zehen standen auf gefrorenem Schnee. Vor ihm gähnte ein tiefer Abgrund und dem Slytherin wurde bewusst, dass er an der Balkon-Brüstung des Astronomie Turmes stand.

Entgegen seinen vorherigen Blackouts schien es dieses Mal noch nicht lange her zu sein, dass er sein Bett verlassen hatte. Die Nacht war noch schwarz und der Himmel voller Sterne. Sein Atem bildete kleine Wolken vor seinem Gesicht und Draco versuchte unwillkürlich seine klammen Hände in die Taschen zu stecken, um sie zu wärmen, doch der Flanellpyjama spendete kaum die Möglichkeit dazu. Der eisige Wind bauschte das Oberteil auf und er fühlte, wie die Gänsehaut seinen Rücken entlang wanderte.

Der Junge wusste, er würde sich vermutlich eine Lungenentzündung zuziehen, wenn er noch einen Moment länger hier stehen blieb, doch seine Beine waren wie fest gefroren.

Warum war er hier? Warum hatte ihn dieser fremde Wille, der ihn aus dem Bett geholt hatte, ausgerechnet auf den Astronomie Turm geführt? Es schien ihm, wie eine Wahl, ein Angebot, eine Antwort auf die Frage, die sich Draco stellte, seit seine nächtlichen Ausflüge begonnen hatten.Was, wenn nicht der Tod würde ihn davon abhalten, weiter Voldemorts Spielball zu sein? Er würde vermutlich ohnehin sterben, wenn er dem Dunklen Lord nicht weiter von Nutzen war.

Draco schluckte hart, als ihm erneut die Aussichtslosigkeit seiner Lage bewusst wurde. Wenn er sich jemandem anvertraute, so würde man ihn aus Hogwarts entfernen und wenn er es nicht tat, war es nur eine Frage der Zeit, bis er irgendetwas tat, was in einer Katastrophe enden würde. Das konnte er nicht zulassen. Er würde es nicht riskieren, Harry in Gefahr zu bringen. Der Gryffindor vertraute ihm und Draco würde lieber sterben, als dieses Vertrauen zu enttäuschen.

Seine von der Kälte steifen Finger schlossen sich kurz um die Münze, die er an einer Kette um seinen Hals trug. `Es ist besser so, Harry`, dachte er wehmütig, als er ein Bein über die Brüstung schwang.

XXXXXX

Der schwarzhaarige Junge fühlte sich zum Umfallen erschöpft, als er endlich auf dem Weg zum Gryffindor-Turm war. Zwar hatte ihm Professor Snape - nachdem seine Zähne so laut geklappert hatten, dass er seine eigenen Schritte auf dem Steinfußboden nicht mehr hörte - einen kombinierten Trocken- und Wärmezauber verpasst, aber trotzdem hatten die Ereignisse der Nacht eine unsagbare Kälte in sein Herz gebracht, die kein Feuer und kein Zauber erwärmen konnte. Harry hatte immer gewusst, dass der Kampf gegen Voldemort schwer werden würde und dass dieser Kampf Opfer fordern würde, aber dass Professor Dumbledore eines der ersten sein würde, hatte der Gryffindor niemals geglaubt.

Doch Tatsache war, dass als ihn Professor Snape und Madam Pomfrey schließlich aus der Krankenstation fort geschickt hatten, noch nicht klar gewesen war, ob der Schulleiter die Nacht überleben würde. Wie der alte Mann in dem Bett vor ihm gelegen hatte, leichenblaß, ohne Brille und mit eingefallenen Wangen, hatten Harry schlimme Vorwürfe gequält. Er hätte es verhindern müssen. Er hätte Dumbledore davon abhalten müssen. Er hätte.... er hätte... er hätte.... Ja, was hätte er tun können? Er hatte sich ganz einfach voll und ganz auf den alten Mann verlassen. Schließlich war Dumbledore ein erfahrener Zauberer und er selbst nur ein Junge.

Harry hatte eisern geschwiegen, als Professor Snape ihn gefragt hatte, wo er mit dem Schulleiter gewesen war. Dumbledore hatte ihm eingeschärft, niemanden über die Horcrux-Jagd zu informieren. Im Moment hatte Snape ihn damit gewähren lassen. Er war zu beschäftigt, Dumbledores Leben zu retten. Doch was sollte Harry tun, wenn er in leglimentieren würde? Jeder wusste, wie gut Snape darin war und Harry war eine Null in Okklumentik. Wenn wenigstens Hermine hier wäre. Sie würde ihm einen Rat geben, ihm einen Weg aufzeigen können...

Unwillkürlich schlossen sich seine Finger um das Medaillon in seiner Tasche. Der erste Horcrux. Wenn Dumbledore wirklich sterben sollte, hatten sie einen verdammt hohen Preis dafür bezahlt. War es das wirklich wert? Wie viele würden noch ihr Leben lassen, bis sie alle Teile von Voldemorts Seele zerstört hatten. Er war so erschöpft, so unbeschreiblich verzweifelt, dass er glaubte, nie wieder froh sein zu können. Am liebsten würde er sich jetzt ins Bett legen und nie wieder aufstehen. Doch hatte er eine Wahl? Nein, die hatte er nicht. Wenn Dumbledore nicht durchkommen sollte, dann hing nun alles von ihm ab.

Harry hatte das Bild der fetten Dame beinah erreicht, als es geschah: Die Münze um seinen Hals strahlte in einem so hellen Grün, dass sie durch seine Kleidung hindurch beinah den ganzen Flur vor ihm erleuchtete.

Draco!

Mit einem Schlag fiel alle Erschöpfung von ihm ab. Der Gryffindor machte auf dem Absatz kehrt und rannte den Weg zurück, den er gekommen war.

XXXXXX

Der Schnee am Fuße des Turmes leuchtete hell im Mondlicht, als Draco hinab sah. Er fragte sich, wie sein Körper aussehen würde, wenn er dort unten aufschlug. Wenn er gewusst hätte, dass er heute sterben würde, dann wäre er vielleicht in seiner Schuluniform ins Bett gegangen. Der Gedanke, dass alle im Schloss verbliebenen Schüler seine Leiche im Pyjama sehen würden, gefiel ihm nicht, aber das war nun nicht mehr zu ändern.

Würden seine Glieder verrenkt sein? Würde sein Blut den Schnee rot färben? Würde er den Aufprall überhaupt bewusst erleben oder würden seine Lungen bei einem Sprung aus dieser Höhe platzen? Und wenn er tatsächlich bei Bewusstsein war, würde es sehr weh tun?

Draco war nicht so vermessen gewesen, daran zu glauben, dass er als alter Mann im Bett sterben würde. Seit Voldemorts Wiederkehr hatte er befürchtet, das Greisenalter nicht zu erreichen, aber er hatte gehofft, wenigstens im Kampf zu sterben. Ehrenvoll, wie es sich für einen erwachsenen Mann gehörte. Nun würde nicht einmal ein Mann werden. Er würde als sechszehnjähriger Junge in den Tod springen.

Wie gern hätte er seine Eltern noch ein letztes Mal gesehen... Aber wer konnte schon sagen, ob sie nicht ebenfalls längs tot waren. Und Harry.... Nein, es war besser, dass er ihn nicht noch einmal gesehen hatte. Das würde es für sie beide nur schwerer machen.

Draco fühlte, wie seine klammen Hände immer mehr den Halt verloren. Der gefrorene Stein war glatt und sein vor Kälte tauber Körper hatte kaum mehr die Kraft, um sich fest zu halten. Nur noch ein kurzer Moment und er würde nach vorne stürzen, in den sicheren Tod.

Der Slytherin wappnete sich innerlich. Nie wieder würde er Angst vorm Einschlafen haben. Nie wieder würde er fürchten müssen, Harry zu enttäuschen. Nie wieder würde er sich zu Voldmorts Marionette deklassieren lassen... Er schloss die Augen, bereit zum Sprung

- als sich warme, feste Hände um seine Handgelenke schlossen.

Panisch versuchte der Blonde sich loszureissen. Er drehte den Kopf, schlug die Augen auf und sah überrascht in Harrys verzerrtes Gesicht, als dieser sich über die Brüstung lehnte, um ihn festzuhalten.

„Draco, was tust du?!" presste der Dunkle zwischen den zusammen gebissenen Zähnen hervor.

Der Slytherin wand sich in seinem Griff. „Lass mich los! Du verstehst das nicht!"

„Ich werde nicht zulassen, dass du dich umbringst!" Mit der Kraft der Verzweiflung umklammerte Harry die Arme des Blonden.

„Ich bin ohnehin schon so gut wie tot, also lass los!" schrie Draco verzweifelt.

„Dann wirst du mich mit hinunter ziehen müssen, denn ich werde dich nicht loslassen!"

Verbissen kämpften die beiden Jungen auf dem eisigen Balkon. Keiner von Beiden war bereit nachzugeben, doch dann erlahmte schließlich Dracos Widerstand und es gelang dem Gryffindor seinen Freund über die Brüstung zu ziehen. Wie ein nasser Sack landete der Blonde im Schnee und krümmte sich sofort zu einem Ball zusammen. Heiße Tränen liefen über Dracos Gesicht und sein Körper wurde von heftigem Schluchzen geschüttelt. Schwer atmend sank Harry neben ihm zu Boden. Schnell legte er einen Wärmezauber über sie beide, der Eis und Schnee um sie herum schmelzen ließ. Er verstand nicht, was in Draco gefahren war. Merlin sei Dank, hatte er die Karte des Rumtreibers in seiner Hosentasche gehabt, denn wenn er nur einen Moment später auf dem Balkon angekommen wäre, dann wäre alles aus gewesen. Unbeholfen versuchte er seinen zitternden Freund an sich zu ziehen, aber der Slytherin wehrte ihn ab.

„Warum?" wimmerte er undeutlich. „Warum hast du mich nicht springen lassen?"

„Bist du verrückt?!" entfuhr es dem anderen Jungen. „Wie kannst du so etwas fragen? Wie kannst du überhaupt daran denken, dein Leben so einfach zu beenden?"

„Du denkst es war einfach?" Draco wandte ihm das Gesicht zu. „Nein, das war es nicht. Aber es ist die einzige Wahl, die ich habe."

Der Gryffindor wurde aus den Worten seines Freundes einfach nicht schlau. „Wovon zum Teufel sprichst du?"

„Er benutzt mich, Harry!" brach es aus den blauen Lippen des Slytherin heraus. „Ich wache morgens immer wieder irgendwo im Schloss auf und weiß nicht, wie ich dort hin gekommen bin! Ich bin seine Marionette, sein Gott verdammter Sklave!"

Die Kälte, die Harry schon den ganzen Abend in seinem Inneren gefühlt hatte, erfasste nun seinen ganzen Körper. Oh Merlin, nein! Nein, bitte nicht....

„Wir werden eine Lösung finden", hörte er sich selbst zu Draco sagen.

„Es gibt keine Lösung! Ich bin verloren, nicht mehr tragbar, eine Gefahr für alle! Wenn Dumbledore es erfährt..."

„Er wird es nicht erfahren", fiel ihm Harry ins Wort. „Es gab einen Zwischenfall: Dumbledore wird die Nacht vermutlich nicht überleben."

„Was? Wie?" fuhr Draco auf, dann sackte er erneut in den Schnee. „Das ändert nichts. Ich kann nicht hier bleiben und wenn ich fort gehe, wird Er mich zu sich holen. Mir bleibt nur noch der Tod."

„Nein, verflucht! Hör auf! Hör auf, dich aufzugeben! Ich kann ihn nicht allein besiegen! Ich brauche dich, Draco. Ich pack das nicht. Ich pack das einfach nicht!" Verzweifelt barg Harry das Gesicht in den Händen. „Verlass mich nicht, Draco. Bitte, tu das nicht."

Harry fühlte, wie auch er den Kampf gegen die Tränen verlor. Er weinte um Dumbledore und um Draco. Er weinte um die friedlichen Weihnachtstage, die nun endgültig vorbei waren und er weinte um sich selbst, denn im Moment glaubte er nicht daran, dass es möglich war diesen Kampf zu gewinnen. Wie durch einen Schleier merkte er, dass Draco ihn an sich zog und den Kopf an Harrys Schulter legte. Ihre Körper wirkten im blassen Licht des Mondes wie ein Einziger, als sie ihre Arme umeinander legten und versuchten, sich gegenseitig Trost zu spenden.

XXXXXX

Die Vorhänge des Schlafzimmerfensters waren geöffnet und ließen das helle Mondlicht hinein, das bizarre Muster auf die beiden Männerkörper malte, die ineinander verschlungen auf dem Bett lagen. Leise Laute der Lust zerrissen die Stille, als sich das Becken des Dunkelhaarigen in eindeutigen Bewegungen auf dem seines Partners bewegte. Seine Finger streichelten zärtlich über die porzellanfarbene Haut seines Geliebten, während seine Augen jede Regung des Blonden in sich aufsaugten. Nach all den Jahren war Draco für ihn immer noch der attraktivste Mann, den Harry je gesehen hatte. Und wenn sie Liebe miteinander machten, war er so schön, dass es den ehemaligen Gryffindor beinah schmerzte: Der verschleierte Blick aus diesen silberfarbenen Augen, die Pupillen weit, der Mund leicht geöffnet, die Lippen geschwollen vor Lust und die Wangen mit einem Hauch von Rosa, brachten Harry an den Rand des Wahnsinns.

Er wollte ihn schmecken, ihn fühlen, in ihn eintauchen - ihn mit allen Sinnen aufsaugen. Sich selbst immer wieder beweisend, dass sie beide am Leben waren. Sein Körper brannte lichterloh vor Verlangen nach diesem wunderschönen Wesen und er fragte sich, ob er jemals genug von ihm bekommen würde. Beinah war er enttäuscht, als seine Lust schließlich im unvermeidbaren Höhepunkt gipfelte und er sich heiß und heftig in Dracos Körper ergoss.

Nur für einen Moment gestattete er es sich die Augen zu schließen, lehnte seine Stirn gegen die seiner großen Liebe, während er versuchte, sich zu sammeln, als er Dracos leise geflüsterte Worte an seinem Ohr wahrnahm: „Ich liebe dich."

Tbc....

Kapitel 19 von redangeleve

XLVI. Reach out I`ll be there 

When you feel lost and about to give up

`Cause your best just ain`t good enough

And you feel the world has grown cold

And you`re driftin` out all on your own

And you need a hand to hold

Darlin` reach out, darlin` reach out for me

 

(Michael Bolton, Reach out I`ll be there)

Es hatte irgendwie etwas tröstliches, als die Wintersonne endlich über den Hügeln von Hogwarts aufging. Die Nacht war Harry beinah endlos erschienen, wie eine dunkle, dicke Decke, die ihn zu ersticken drohte. Er hatte sich nicht getraut, Draco in den Kerker der Slytherins zurückkehren zu lassen, weshalb die beiden Jungen die Stunden bis zum Morgen auf einer Matratze in dem ungenutzten Klassenraum im zweiten Stock verbracht hatten, in dem sie sich sonst heimlich trafen. Obwohl Draco die meiste Zeit über reglos in den Armen seines Freundes gelegen hatte, war sich Harry sicher, dass der Slytherin - wie er selbst - trotz der Erschöpfung in dieser Nacht kein Auge zugemacht hatte. Zu sehr lastete die alles entscheidende Frage über ihnen, als dass sie sich dem erlösenden Schlaf überantworten konnten: Wie sollte es weiter gehen?

Harrys Gedanken schienen sich im Kreis zu drehen, so sehr versuchte er, eine Lösung für ihr Dilemma zu finden: Wenn Dumbledore ihm in Zukunft keine Hilfe mehr sein konnte, musste er die Horcruxe ohne ihn finden und er musste sie bald finden, bevor Voldemort zu mächtig wurde. Dass Draco unter seinem Einfluss durch das Schloss geisterte, zeigte dem Gryffindor nur noch deutlicher, wie nah der Dunkle Lord seinem Ziel offensichtlich bereits war. Was Harry zu seinem zweiten Problem führte: Wie sollte er das Schloss verlassen und sich auf die Suche konzentrieren und gleichzeitig seinen Freund im Auge behalten? Es führte kein Weg daran vorbei: Harry brauchte Hilfe, wenn er nur die kleinste Chance haben wollte, diesen Krieg zu gewinnen, ohne dabei Draco zu verlieren. Denn es war nahezu unmöglich alles gleichzeitig zu tun, auch wenn ihm der Schulleiter eingeschärft hatte, mit niemandem über die Mission zu sprechen.

„Ich muss gehen", sagte Draco schließlich in die Stille des Raumes hinein. Er setzte sich auf der Matratze auf und rieb sich mit den Handflächen über die geschwollenen Augen.

„Wohin?" fragte Harry perplex und setzte sich ebenfalls auf. Es war noch früh, die Sonne war gerade erst aufgegangen. Bis zum Frühstück dauerte es mit Sicherheit noch zwei Stunden.

„Packen", erwiderte der Slytherin resigniert. „Ich will hier weg sein, bevor die Anderen aufgestanden sind."

„Du musst nicht gehen", versuchte der Dunkle seinen Freund zu überzeugen. „Wir finden einen anderen Weg."

„Es gibt keinen anderen Weg", gab Draco entschieden zurück. „Ich bin eine Gefahr für jeden hier im Schloss und selbst wenn Dumbledore mich nicht wegschicken würde, werde ich freiwillig gehen."

„Wo willst du denn hin?" fragte der Gryffindor alarmiert. „Du sagst doch selbst, dass es keinen Platz gibt, der so sicher ist wie Hogwarts."

„Keine Ahnung", gab der Blonde zu. „Ins Ausland, nach Übersee, so weit weg wie irgendwie möglich."

„Auf keinen Fall", erwiderte Harry vehement. „Das wäre Wahnsinn und das weißt du auch. Er würde dich finden und wenn du bis zum Ende der Welt gehst."

„Dann sag mir, was ich tun soll!" verlangte Draco verzweifelt. „Sag es mir! Was ist, wenn ich nachts einen Mensch töte? Was ist, wenn ich dich töte?"

„Das wirst du nicht tun", sagte Harry bestimmt.

„Ach ja? Und wer wird mich davon abhalten?" fragte der Slytherin bitter. „Du?"

„Ja." Der Gryffindor nickte verbissen. „Wenn es sein muss."

„Und wie willst du das tun? Willst du etwa bis in alle Ewigkeit jede Nacht neben meinem Bett sitzen und aufpassen, dass ich nicht türme?"

Nachdenklich zog der Dunkle die Stirn kraus. „Nein, sicher nicht. Hast du es schon mit einem Schlaftrank versucht?"

„Ja, sogar mit zwei verschiedenen, aber das hat auch nicht geholfen", erwiderte Draco resigniert.

„Und wenn wir einen Zauber über die Tür legen würden..."

„Dir ist schon klar, dass ich nicht immer in meinem Bett schlafe, oder?" unterbrach ihn der Blonde und deutete auf die Matratze, auf der sie saßen. „Außerdem könnte ich immer noch mit dem Besen durchs offene Fenster fliegen."

Einen Augenblick hing jeder seinen Gedanken nach, dann sagte Harry plötzlich: „Dann bleibt nur noch eins übrig: Wir binden dich am Bett fest."

„Was?" fragte der Slytherin, der glaubte, sich verhört zu haben.

„Wir binden einen Arm oder ein Bein von dir am Bettgitter fest", wiederholte der andere Junge seinen Gedanken.

„Die Matratze hier hat aber kein Gitter", stellte der Blonde fest.

„Dann verwandeln wir eben das nächste Mal ein Pult in ein Bettgestell", wischte Harry den Einwand beiseite.
 

„Und wo ist die Garantie, dass ich mich nicht losbinde?"

„Ich habe da mal von einem Zauber gelesen, der im ersten Krieg verwendet wurde", erinnerte sich der Gryffindor. „Mit ihm konnte man einen Gefangenen fesseln und nur der, der den Zauber ausgesprochen hat, konnte ihn dann wieder losbinden."

Draco war einen Moment lang zu perplex, um darauf zu antworten. „Du willst mich ans Bett fesseln?" fragte er schließlich noch einmal nach.

„Ich oder vielleicht Blaise, wenn du im Kerker schläfst", fasste Harry zusammen.

„Ohne, dass ich mich selbst befreien kann", resümierte Draco erneut.

Der Dunkle nickte. „Das ist der Plan."

„Großartig." Der Slytherin ließ sich erneut auf die Matratze fallen.
 

„Hast du ein Problem damit?" hakte sein Freund nach.

„Nur, dass ich euch dann auf Gedeih und Verderb ausgeliefert bin", gab der Blonde sarkastisch zurück.

„Glaubst du etwa, ich würde das ausnutzen?" fragte ihn der Gryffindor empört.

Draco atmete leise durch. „Du vielleicht nicht."

„Blaise ist dein Freund", erinnerte ihn Harry. „Er wird uns helfen, denn er würde genauso wenig wollen, dass du Hogwarts verlässt, wie ich. Also, was sagst du?"

Der Slytherin seufzte tief. „Ich habe ja wohl keine andere Wahl."

Erleichtert sank Harry neben seinem Freund nach hinten. Sie hatten tatsächlich einen Weg gefunden. Ob sich dieser Plan als Lösung für ihr Problem eignete, würde sich noch zeigen müssen, doch dass Draco ihm zugestimmt hatte, bedeutete, dass er es wenigstens versuchen wollte.
 

XXXXXX

So sehr es Harry gegen den Strich ging, doch kurz vor dem Frühstück mussten sich die beiden Jungen schließlich trennen, um sich umzuziehen. Draco trug immer noch den Flanell-Pyjama, mit dem er in der Nacht auf dem Astronomie-Turm gestanden hatte und Harrys Kleidung war von seinem Abenteuer in der Höhle dreckig und zerknittert.

Der Ausflug mit Professor Dumbledore schien ihm jetzt bei Tageslicht beinah irreal, doch das Medaillon in seiner Tasche und der leere Stuhl des Direktors am Lehrertisch, waren untrügliche Zeichen dafür, dass er diesen Höllentrip tatsächlich erlebt hatte. Er wagte es nicht, vor den anderen Schülern Professor Snape nach dem Zustand des alten Mannes zu fragen, zumal ihm dieser während des Frühstücks ständig bohrende Blicke zuwarf, die Harry unmissverständlich klar machten, dass der Zaubertränkelehrer noch nicht damit fertig war, ihn zu den Geschehnissen der Nacht zu befragen.

Der Gryffindor tat daher so, als sei er brennend an Lunas Vortrag über den Schlickschlupf interessiert, während er auf eine Chance wartete, sich unbeobachtet davon zu stehlen. Am liebsten wollte er so schnell wie möglich nach oben in die Krankenstation, um nach Professor Dumbledore zu sehen und er kaute ungeduldig auf seinem Toast mit Honig herum. Draco saß mit unbewegtem Gesicht neben ihm und rührte gedankenverloren in seinem Müsli. Nur wenn sich ihre Beine unter dem Tisch von Zeit zu Zeit berührten, sahen sich die beiden Jungen an und tauschten ein schwaches Lächeln miteinander.
 

Als Professor MacGonagall schließlich das Frühstück aufhob, rief der Hauslehrer der Slytherins Draco zu sich und Harry sah seine Gelegenheit kommen. Im Aufstehen beugte er sich schnell zu Blaise herüber, der zwei Stühle entfernt saß.

„Tu mir einen Gefallen und bleib nach dem Frühstück eine Weile bei Draco", raunte er dem dunklen Slytherin ins Ohr.

„Was soll das Potter?" knurrte Zabini zurück. „Draco ist alt genug, um auf sich selbst aufzupassen."

„Ich erkläre dir das später, okay? Frag ihn einfach, ob er Lust auf `ne Partie Zauberschach hat oder so. Hauptsache, er bleibt nicht allein."

Blaise sah ihn zwar mit einem Gesichtsausdruck an, der deutlich machte, dass er dachte, Harry sei nicht ganz dicht, aber schließlich nickte er. Der Gryffindor gab das Nicken ernst zurück, dann vergewisserte er sich, dass Snape immer noch mit Draco beschäftigt war, bevor er eilig aus der Halle spurtete.

Erst vor der Tür der Krankenstation verlangsamte er seine Schritte. Sorgfältig glättete er seine widerspenstigen Haare, bevor er leise die Klinke herunter drückte und auf Zehenspitzen in den Krankensaal trat. Helles, weiches Licht fiel durch die hohen Fenster hinein und gab dem Raum etwas Behagliches. Harry war noch nie aufgefallen, wie unterschiedlich die Atmosphäre im Krankenflügel und zu der im St. Mungo Hospital war. Trotz der weißen Betten, die in einer Reihe zu beiden Seiten des Raumes standen, hatte das Zimmer etwas Warmes, Gutes, Beruhigendes. Es war ein Teil von Hogwarts, ein Teil seines Zuhauses.

Wie oft war Harry hier aufgewacht, umgeben von seinen besorgten Freunden und wie oft hatte er selbst einen seiner Freunde hier besucht. Doch egal wie hoffnungslos die Lage auch gewesen sein mochte, er hatte nie geglaubt, einmal jemanden hier sterben zu sehen. Und er wollte es auch jetzt nicht glauben.

Die Schulschwester, Madam Pomfrey, war gerade dabei eines der Betten frisch zu beziehen, als Harry die Krankenstation betrat. Sofort schenkte sie ihm ein freundliches Lächeln und bedeutete ihm, näher zu kommen.

„Harry, mein Lieber", begann die resolute, ältere Frau. „Du bist bestimmt hier, um nach Professor Dumbledore zu sehen."

„Das stimmt", gab der Gryffindor zu. „Wie geht es ihm denn?"

Madam Pomfrey seufzte. „Severus hat alles in seiner Macht stehende getan, um ihm zu helfen, aber das Gift war sehr stark. Wir hatten wirklich Angst um sein Leben. Doch seit dem frühen Morgen scheint sich sein Zustand zu stabilisieren. Ich denke, er wird es schaffen."

Ein riesiger Stein fiel diesen Worten von Harrys Herzen. Professor Dumbledore würde leben! Er würde es schaffen! Er würde Harry weiterhin bei der Jagd nach den Horcruxen unterstützten!

„Darf ich ihn sehen?" fragte der Junge begierig.

„Natürlich, Harry. Du kannst ihm gern etwas Gesellschaft leisten. Auch wenn ich dir nicht versprechen kann, dass er dich hören wird. Professor Dumbledore liegt in einem tiefen Zauberschlaf, die Muggel würden so etwas Koma nennen. Aber er würde sich bestimmt freuen, wenn du dich zu ihm setzt."

Die Freude, die er gerade noch in seinem Inneren gefühlt hatte, zersplitterte in tausend kleine Scherben. Im Koma, Professor Dumbledore lag im Koma. Und das, wo Harry ihn so dringend fragen wollte, was er nun mit dem Medaillon in seiner Tasche tun sollte. Sicher, er wusste, es musste zerstört werden, aber wie?

Mit gemischten Gefühlen trottete Harry zu dem Bett des Schulleiters herüber, das durch einen Paravent vom Rest des Raumes getrennt worden war. Noch immer war Professor Dumbledore auffallend blass, seine Wangen wirkten eingefallen, seine Augen lagen tief in den Höhlen. Ohne Brille, die knochigen Hände schlaff neben dem Körper liegend, schien der Schulleiter noch älter, als sonst und Harry ertappte sich dabei, dass ihm Dumbledores Gestalt fremd vorkam. Ihm fehlte das lustige Zwinkern, das der Mann immer dann gezeigt hatte, wenn er einer Situation den Ernst nehmen wollte. Ohne das Lächeln auf dem faltigen Gesicht und das Funkeln in den Augen wirkte Professor Dumbledore einfach nur wie ein alter, kranker Mann.

Harry wusste nicht, was er sagen sollte, deshalb setzte er sich wortlos auf den Stuhl, der neben dem Bett stand. Seine rechte Hand, die in der Tasche seiner Hose steckte, schloss sich um das Medaillon, als könnte es ihm zeigen, was er tun sollte. Hilflos ruhte sein Blick auf der reglosen Gestalt im Bett und für einen Moment erwog er, die schlaffen Finger in die Seinen zu nehmen, tat es aber nicht. Es hätte nicht gepasst, wäre zu intim für die Beziehung gewesen, die sie zu einander hatten. Professor Dumbledore war sein Mentor, sein Schulleiter, sein väterlicher Freund. Damals, nach Cedrics Tod, als Harry außer sich vor Trauer und Schmerz vom Friedhof zurück gekommen war, hatte er ihn einmal in den Arm genommen, aber das war eine Ausnahme gewesen. Der körperliche Kontakt war sonst auf ein Händeschütteln oder das Klopfen auf die Schulter beschränkt gewesen.

„Hallo Professor", brachte Harry schließlich heraus, um überhaupt etwas zu sagen. „Ich... ich wäre schon eher gekommen, aber es ging nicht."

Angespannt beobachtete er das Gesicht des Direktors, doch Dumbledore regte sich nicht.

„Ich möchte, dass Sie wissen, dass ich nicht aufgeben werde. Ich werde weiter machen so gut ich kann", versprach Harry flüsternd. „Wenn ich nur wüsste, wo ich weiter suchen muss..."

Der alte Mann stöhnte leise und wälzte sich im Bett hin und her. Seine Augen flatterten, blieben jedoch geschlossen.

„Professor? Können Sie mich hören?"

Wieder stöhnte der Schulleiter auf. Seine linke Hand öffnete und schloss sich, als wolle sie nach etwas greifen. Vielleicht suchte er den Horcrux?

„Er ist in Sicherheit", versuchte Harry den Mann zu beruhigen. „Keine Sorge, ich passe gut auf ihn auf. Aber wie zerstöre ich ihn? Und wie finde ich die anderen?"

Dumbledores Lippen bewegten sich leicht, doch schienen keine Worte seinen Mund zu verlassen. Schnell sprang Harry auf die Beine und hielt sein Ohr dicht über das Gesicht des alten Mannes. „Noch einmal", forderte er Dumbledore auf. „Sagen Sie es mir."

Erneut bewegten sich die Lippen des Schulleiters. „Notizbuch", glaubte Harry zu verstehen. „Mein Büro."

Dann stöhnte der Mann erneut auf und sein Körper wurde wieder schlaff.

Doch Harry wusste nun, was er wissen musste. Neue Hoffnung durchströmte ihn. „Danke, Professor", rief der Junge und drückte nun doch die Hand des Bewusstlosen, bevor er eilig die Krankenstation verließ.

XXXXXX

Ein Blick auf die Karte des Rumtreibers verriet Harry, dass sich Draco und Blaise zusammen in der Bibliothek befanden, weshalb auch er seine Schritte dahin lenkte. Er fand die beiden Slytherins über ein Buch mit alten Runen gebeugt. Draco wirkte beinah gelangweilt, während Blaise verbissen Symbole auf ein Pergament übertrug.

„Arbeitet ihr etwa?" begrüßte der Gryffindor die Beiden mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Draco war so nett, mir bei einer Hausaufgabe zu helfen", erwiderte Blaise mit einem Blick in Harrys Richtung, der ganz eindeutig die ich-habe-etwas-gut-bei-dir Handschrift trug. „Und was verschlägt den Golden Boy hierher?"

Harry überhörte die Stichelei liebenswürdig, als er sich zu den Jungen an den Tisch setzte. „Ich dachte, ich suche mal nach einem Ort, an dem man sich ruhig unterhalten kann."

„Ruhig ist hier im Moment noch untertrieben", sagte Blaise und streckte seinen schmerzenden Rücken. „Seit die Ferien begonnen haben, trifft man höchstens noch eine Spinne in der Bibliothek."

„Wunderbar." Harry sah seinen Freund fragend an und Draco nickte als Zeichen, dass er Harry das Reden überlassen würde. „Zabini, Draco und ich haben eine Bitte an dich."

„Schon wieder, Potter?" gab Blaise schnaubend zurück. „Das wird ja langsam zur Gewohnheit."

„Dieses Mal ist es ernst", erwiderte Harry, mit einem Seitenblick auf Draco, der jetzt den Blick auf seine Hände gesenkt hielt. „Wir hatten schon eine ganze Weile die Vermutung, dass hinter Dracos `Flucht` aus Malfoy Manor ein Plan von Voldemort steckt, doch jetzt wissen wir es mit Sicherheit."

Der dunkle Slytherin lehnte sich angespannt nach vorn. „Schieß los, Potter. Ich bin ganz Ohr."

In kurzen Worten erzählte Harry von Dracos nächtlichen Ausflügen, wobei er die Episode auf dem Astronomie Turm wohl weißlich ausließ. Die ganze Situation war für den Blonden schon unangenehm genug, ohne dass Blaise erfahren musste, dass sich sein Freund um ein Haar das Leben genommen hätte.

„Scheiße, Dray", war letztendlich alles, was Zabini hervor brachte.

„Das kannst du laut sagen, Blaise", erwiderte der blonde Slytherin bitter.

„Ich verstehe jetzt, dass die ganze Sache einfach verdammt beschissen ist, aber was soll ich dagegen machen?" fragte Zabini verständnislos.

„Ich kenne einen Zauber", begann Harry den Plan zu erklären. „Mit dem man jemanden am Bett festbinden kann und nur der, der den Zauber ausgesprochen hat, kann ihn später wieder losbinden."

„Ich soll dich fesseln, Dray?" fragte der dunkle Slytherin mit einem verschlagenen Grinsen. „Schade, dass ich nicht anders herum bin, das würde ja ganz neue Möglichkeiten eröffnen."

Harry konnte nicht verhindern, dass ihm ein leises Knurren entwich, doch bevor er etwas sagen konnte, was ihm später leid tun würde, hatte sein Freund schon den passenden Spruch parat.

„Das hättest du gern, was Zabini?" gab Draco schlagfertig zurück. „Aber jetzt im Ernst: Machst du`s oder nicht?"

„Was ist denn das für eine Frage?" entrüstete sich Blaise. „Ich würde dich auch in Ketten legen oder dich k.o. schlagen, wenn`s sein muss."

„Zu liebenswürdig, aber das wird nicht nötig sein", erwiderte Harry etwas angesäuert, während er einen Zettel vor dem Slytherin auf den Tisch legte. „Denk einfach daran, den Zauber abends beim ins Bett gehen durchzuführen und schon können wir alle wieder beruhigt schlafen."
 

XXXXXX

Als Harry an diesem Abend in sein gemütliches Bett im Gryffindor Turm kletterte, übermannte ihn sofort die Müdigkeit. Die Ereignisse der letzten Tage und die durchwachte Nacht zuvor forderten nun ihren Tribut. Nach dem Abendessen hatte er sich noch vergewissert, dass Zabini den Zauberspruch, den er ihm gegeben hatte, auch durchführen konnte, dann hatte er die Zeit bis zum ins Bett gehen mit Draco in ihrem Raum im zweiten Stock verbracht. Auch der Slytherin wirkte schon etwas ruhiger und positiver als in den Tagen zuvor.

Harry war sich sicher, dass sie es schaffen würden. Sollte Voldemort doch seine Finger nach Draco ausstrecken, es würde ihm nicht nützen. Gemeinsam waren sie stärker als der Dunkle Lord.

Jetzt musste er nur noch Dumbledores Notizbuch holen, dann konnte die Jagd nach den Horcruxen fortgesetzt werden.

XXXXXX 

Draco, hast du etwa mit meinem guten Hemd deinen Besen geputzt?" Entgeistert hielt der dunkelhaarige Mann einen Lumpen in der Hand, der vage an ein Herrenhemd erinnerte.

Ups, das war dein gutes Hemd?" fragte der Blonde scheinheilig, als er von seinem Buch aufsah.

Das war ein zehn Galleonen Hemd!" herrschte Harry ihn an.

Krieg dich wieder ein, Potter. Es war doch nur ein Hemd", gab Draco lässig zurück.

Nur ein Hemd?! Soll ich das mal mit deinem neuen Umhang machen?"

Sofort war Draco auf den Beinen. „Untersteh dich! Hände weg von meinen Sachen!"

Klar, wenn es um deine Sachen geht, sind sie dir plötzlich heilig. Aber bei meinen Sachen..."

Schon gut, schon gut. Ich kaufe dir ein neues Hemd." Beschwichtigend hob Draco die Hände. „Kann ich sonst irgendetwas tun, um den Retter der Zauberwelt gnädig zu stimmen?"

Verschlagen grinste Harry seinen Partner an. „Da würde mir schon etwas einfallen...."

Draco wollte eben noch fragend die Augenbrauen heben, als Harry ihn rückwärts zum Bett drängte und ihn auf die Matratze schubste. Im nächsten Moment hatte der ehemalige Gryffindor seinen Zauberstab in der Hand, aus dessen Spitze dünne, weiße Seile hervor schossen, die Dracos Hände an das Kopfende des Bettes fesselten.

Gierig sah Harry auf seinen gefesselten Partner hinab. „Sieh an, sieh an, Malfoy." Er beugte sich vor und nahm das Kinn des Blonden zwischen Daumen und Zeigefinger. „Es sieht so aus, als ob du mir hilflos ausgeliefert bist."

Der Blonde ließ ein leises Knurren hören. „Glaub mir, Potter, auch wenn ich meine Hände nicht bewegen kann, bin ich doch alles andere als wehrlos."

Das werden wir sehen", erwiderte Harry rau, während er ganz langsam einen Knopf von Dracos Hemd nach dem anderen öffnete.

Tbc....

Kapitel 20 von redangeleve

Eagle`s calling and he`s calling your name

Tides are turning bringing winds of change

Why do I feel this way

The promise of a new day 

(Paula Abdul, The promise of a new day) 

Harrys erstes Silvester in Hogwarts verlief in Anbetracht der Umstände sehr ruhig. Professor Dumbledores Zustand hatte sich nicht verändert und so wurde von Feierlichkeiten und dem üblichen Feuerwerk abgesehen. Die wenigen verbliebenen Schüler murrten leise, gab es doch das Gerücht, dass nichts mit dem Sternenregen vergleichbar sei, dass die Raketen von Hogwarts in den Dezemberhimmel malten.

Den Jungen und Mädchen war durch Professor McGonagall mitgeteilt worden, dass der Direktor ernstlich erkrankt war und dass die Hauslehrerin der Gryffindors vorübergehend zur Schulleiterin ernannt worden war. Nur Harry wusste die Wahrheit über das Leiden, das den alten Mann ans Bett gefesselt und ihn in einen tiefen Schlaf versetzt hatte. Die Verantwortung lastete schwer auf den Schultern des jungen Gryffindors, doch er hoffte im Notizbuch des alten Mannes Hinweise darüber zu finden, wie er die Horcrux-Jagd auch ohne den Schulleiter fortsetzen konnte.

Schweigend standen die beiden Jungen am Fenster von Harrys Schlafraum und sahen in der Ferne die Raketen über dem kleinen Zaubererdorf Hogsmeade aufsteigen. Die große Turmuhr hatte gerade Mitternacht geschlagen und somit den Anbruch eines neuen Jahres verkündet. Harrys Arm, der um Dracos Hüfte gewickelt war, zog ihn näher an sich und die beiden Jungen tauschten einen kurzen Blick, bevor sie sich küssten. Vor ihnen auf der Fensterbank standen zwei Gläser Goldwasser, das munter vor sich hin sprudelte und dabei immer wieder goldene Blasen in die Luft steigen ließ. Als sie es schließlich an die Lippen hoben, um einen Tost auf das neue Jahr zu sprechen, schwor sich Harry innerlich, dass dies das letzte Jahr sein würde, in dem die Zauberwelt in Angst und Schrecken verharrte. Er würde die Horcruxe finden und Lord Voldemort ein für alle Mal töten, bevor sich dieses Jahr dem Ende zuneigen würde. Dann würde nächstes Silvester eine Feier in Hogwarts Mauern stattfinden, wie sie diese Schule noch nie zuvor gesehen hatte.

XXXXXX 

„Er hat was?" Entgeistert sah Hermine den dunklenhaarigen Gryffindor an, der ihr gegenüber im Schneidersitz auf der Bettdecke saß. Erst vor wenigen Stunden hatte der Hogwarts-Expresss die Schüler aus den Ferien zurück ins Schloss gebracht und direkt nach dem Abendbrot hatten Harry und seine Freunde damit begonnen, die wichtigsten Neuigkeiten auszutauschen.

Seit Tagen hatte er mit sich darum gerungen, wie viel er seinen Freunden über Dumbledores mysteriöse Krankheit erzählen wollte, doch Harry hatte schließlich eingesehen, dass er bei der Suche nach den Horcruxen Hilfe brauchen würde und wenn er Ron und Hermine nicht trauen konnte, wem sollte er es dann tun?

Vorsorglich hatte der Gryffindor den Schlafraum mit einem Muffliato-Zauber gegen unerwünschte Zuhörer gesichert und seine beiden Freunde schwören lassen, dass sie selbst unter Folter niemandem erzählen würden, was er ihnen jetzt anvertraute. Rons Augen wurden immer größer während Harry von den Ereignissen in der Höhle erzählte und Hermine schlug entsetzt eine Hand vor den Mund, als er von dem Zaubertrank berichtete, der den Schulleiter beinah das Leben gekostet hätte. Nachdem Harry geendet hatte, hing eine bedrohliche Stille über dem Zimmer. Jedem von ihnen war klar, was für eine enorme Bürde nun auf ihnen lastete.

„Dieser Teufel", entfuhr es schließlich Ron, während sein Blick wie gebannt auf dem Medaillon lag, das Harry zwischen ihnen auf die Bettdecke gelegt hatte.

„Er ist genial", erwiderte Hermine seufzend. „Abgrundtief böse und wahnsinnig, aber genial."

Die beiden Jungen murmelten etwas, das man als eine vage Zustimmung auslegen konnte.

„Wie soll es nun weiter gehen?" fragte das Mädchen tonlos. „Wie sollen wir die Horcruxe finden? Vom Zerstören gar nicht erst zu sprechen."

„Dumbledore sagte etwas von einem Notizbuch, das in seinem Büro liegt. Er selbst hat den Ring der Gaunts vernichtet, also wird er gewusst haben, wie man das tut. Wenn wir dieses Buch bekommen könnten..."

„... du meinst stehlen", korrigierte ihn Hermine.

„...haben wir den Schlüssel in unseren Händen", beendete Harry den Satz, ohne auf Hermines Einwand einzugehen.

„Und wie stellst du dir das vor?" fragte Ron. „Es ist ja nicht so, dass du da einfach rein marschieren könntest und das Buch mitnimmst."

„Doch, genauso habe ich mir das vorgestellt", gab der dunkle Gryffindor zurück.

„Das ist nicht dein Ernst!" rief der Rothaarige aus. „Wenn dich ein Lehrer dabei erwischt, wie du in das Büro einbrichst, fliegst du von der Schule!"

„Deshalb werde ich es nachts versuchen", erwiderte Harry bestimmt.

„Kennst du denn das Passwort?" fragte Hermine erstaunt. „Ich glaube nicht, dass es noch das selbe ist, das Dumbledore festgelegt hat."

Selbstzufrieden erzählte der Dunkle: „Zufällig mussten die Creeveys gestern in das Büro. Scheinbar haben sie sich vorgenommen, in Freds und Georges Fußstapfen zu treten. Ich bin nicht ganz schlau daraus geworden, weshalb McGonagall sie sehen wollte, aber es hat irgendetwas mit Filch und einer geblümten Unterhose zu tun... Jedenfalls ist Colin ja immer ganz scharf darauf bei mir Pluspunkte zu sammeln und da hat er mir das Passwort ohne Probleme verraten."

„Was ist mit den Portraits?" gab Hermine zu bedenken. „Wenn sie dich sehen, werden sie es mit Sicherheit Professor McGonagall verraten."

„Ganz einfach, ich nehme den Tarnumhang", sagte Harry triumphierend. „Selbst wenn sie merken, dass jemand im Büro ist, können sie später nicht sagen, wer es war."

„Scheinbar hast du an alles gedacht", erwiderte Ron beeindruckt.

„Außer daran, dass du dabei gegen mindestens zwei Dutzend Schulregeln verstößt", fügte Hermine hinzu.

Harry schüttelte den Kopf, dann nahm er das Medaillon in die Hand und schloss seine Finger fest darum. „Leute, eins muss euch klar sein. Es geht hier um alles oder nichts. Da können wir keine Rücksicht mehr auf irgendwelche Regeln nehmen. Dumbledore hat mich ins Vertrauen gezogen, nicht Professor McGonagall oder sonst jemanden und ich werde alles daran setzen, dieses Vertrauen zu würdigen. Es wird gefährlich werden, wir könnten von der Schule fliegen oder im schlimmsten Fall sogar sterben. Wollt ihr mir trotz dieses Risikos helfen?"

„Da fragst du noch?" fragte Ron entrüstet. „Nicht, dass ich scharf darauf wäre von der Schule geworfen zu werden - Mum würde ausflippen - oder zu sterben, aber mal ganz ehrlich: Ohne uns bist du doch aufgeschmissen."

Harry konnte sich bei diesen Worten ein Grinsen nicht verkneifen, dann sah er erwartungsvoll zu Hermine.

„Natürlich bin ich mit dabei", sagte das Mädchen ehrlich. „Wir haben bisher alles zusammen durch gestanden, dann werden wir den Weg auch bis zum Ende gemeinsam bewältigen. Aber was ist mit Draco? Du hast ihm doch wohl nicht von den Horcruxen erzählt?"

„Nein." Harry schüttelte traurig den Kopf. Er hatte nicht vor, seinen Freunden von Dracos nächtlichen Ausflügen zu erzählen, solange die Chance bestand, dass der Fesselungszauber das Problem behoben hatte. Schließlich waren sowohl Hermine als auch Ron der Meinung, dass Dracos Anwesenheit in Hogwarts eine unnötige Gefahr für sie alle darstellte. Doch da sie von der Möglichkeit wussten, dass Voldemort Zugang zu Dracos Gedanken hatte, erübrigte sich eine weitere Erklärung.

Die Freunde schienen beruhigt. „Okay, wann soll die Aktion starten?" fragte Ron und man merkte ihm an, dass er am Liebsten sofort los gestürmt wäre.

„Heute Nacht", antwortete Harry. „Wenn der Aufsicht habende Lehrer um Mitternacht seinen Rundgang gemacht hat, schleichen wir uns aus dem Turm."

„Oh, Merlin", seufzte Hermine, als sie das nervöse Flattern fühlte, das von ihrem Magen Besitz ergriff. „Und ich dachte, dass die Vorbereitungen für die UTZ unser größtes Problem werden."

„Sieh es so, Hermine: Wenn du in dieser Prüfung versagst, brauchst du zu den Anderen gar nicht mehr anzutreten, weil du dann schon tot bist", tröstete Ron seine Freundin wenig erfolgreich.

„Jetzt fühle ich mich doch gleich viel besser", gab das Mädchen sarkastisch zurück und Harry merkte, wie sich ein Lächeln auf sein Gesicht stahl. Es war gut, dass er sein Geheimnis mit seinen Freunden geteilt hatte. Allein schon das Wissen, dass er nicht mehr allein mit dieser schweren Aufgabe war, machte es ihm leichter damit umzugehen.

XXXXXX 

Beim letzten Schlag der Turmuhr setzte sich Harry vorsichtig in seinem Bett auf. Um sich herum hörte er das leise Schnarchen seiner Mitschüler. Sogar Ron schlief friedlich, den Kopf hatte er unter seinem Kopfkissen vergraben. Harry selbst war viel zu aufgeregt gewesen, um ein Auge zu zumachen, nachdem er von seinem allabendlichen Date mit Draco zurück gekommen war. Vorsichtig tastete er nach der Brille, die auf seinem Nachttisch lag und nachdem er sie aufgesetzt hatte, zog er die Karte des Rumtreibers unter dem Kopfkissen hervor.

„Lumos", flüsterte er mit erhobenem Zauberstab und sofort brach aus der Spitze ein kleiner Lichtstrahl hervor. Harry brauchte nicht lange zu suchen, um den Punkt, der mit „Professsor Sprout" beschriftet war zu finden. Ihr Punkt war der Einzige, der sich auf der Karte bewegte. Sämtliche Schüler befanden sich in den Schlafräumen und von den Lehrern wanderte nur der Punkt von Professor Snape in seinem Büro auf und ab. Das Büro des Schulleiters lag wie erwartet verlassen da. Gespannt beobachtete Harry, wie die Hauslehrerin der Hufflepuffs gerade ihre Runde beendete und auf dem Rückweg zu ihren privaten Räumen war.

Zufrieden rollte Harry die Karte wieder zusammen und schlüpfte aus dem Bett.

„Ron", flüsterte er leise, während er den rothaarigen Jungen an der Schulter rüttelte.

„Ich habe den Kürbiskuchen nicht gegessen, Mum", nuschelte Ron verschlafen, dann blinzelte er nach oben. Der dunkelhaarige Gryffindor legte warnend den Finger auf die Lippen.

„Harry? Was?" fragte der andere Junge verwirrt, bevor er sich auf setzte. „Ist gut, ich bin wach. Ich bin wach."

Mit einem herzhaften Gähnen schwang der Junge die Beine aus dem Bett und stand auf. Während Ron seinen Zauberstab unter dem Kopfkissen hervor holte, schnappte sich Harry den Tarnumhang, aus seinem Koffer. Auf Zehenspitzen verließen die beiden Jungen das Zimmer und schlichen die Treppe hinab in den Gemeinschaftsraum.

Hermine erwartete ihre Freunde bereits ungeduldig. „Ich dachte schon, ihr habt verschlafen."

„Sorry, ich hatte etwas Probleme das Murmeltier hier wach zu bekommen", erwiderte Harry grinsend, während Ron erneut gähnte.

„Dann lasst uns keine Zeit mehr verlieren", gab das Mädchen zurück. „Bringen wir es hinter uns."

Das Portrait mit der fetten Dame schwang missmutig beiseite. Noch im Halbschlaf ließ sie die Teenager hinaus in die dunklen Gänge des Schlosses. Im schwachen Licht ihrer Zauberstäbe gingen die drei Jugendlichen in Richtung des Schulleiterbüros, gewissenhaft darauf bedachte, so wenig Lärm wie möglich zu verursachen, während Harry die ganze Zeit die Augen auf der Karte hatte. Doch alles blieb ruhig. Die Flure lagen verlassen vor ihnen und auch der Punkt, der mit „Professor Snape" betitelt war, hatte sich nun in seine privaten Räume zurück gezogen.

Vor den beiden Wasserspeiern hielten sie schließlich an. Wortlos nickte Harry seinen Freunden zu, die sich trennten und auf beiden Seiten von ihm hinter einer Säule verstecken. Sorgfältig zog der dunkle Gryffindor den Tarnumhang über seinen Kopf, darauf bedacht, dass auch nicht der kleinste Zipfel seines Pyjamas hervor lugte.

„Hoffnung", nannte er das Passwort und sofort erhob sich die steinerne Wendeltreppe aus dem Fußboden. Es war offensichtlich, warum Professor McGonagall dieses Passwort ausgewählt hatte. Sie war eine von Professor Dumbledores engsten Freunden und sein Zustand belastete die Hauslehrerin der Gryffindors sehr. In diesem Moment hätte kein Wort besser das Gefühl beschreiben können, das Harry fühlte, als er von den Stufen in die Höhe getragen wurde.

Sein Herz klopfte laut in seiner Brust, als die Wendeltreppe zum Stillstand kam und er vor der Tür zu Dumbledores Büro stand. Vorsichtig drückte er die Klinke herunter, nur um festzustellen, dass die Tür verschlossen war.

„Alohomora", flüsterte er leise und erleichtert registrierte er ein Klicken bevor die Tür plötzlich aufschwang. Wie immer summten und brummten die vielen komplizierten Geräte im Büro des Schulleiters emsig vor sich hin, als Harry den Raum betrat. Komplettiert wurde die Geräuschkulisse durch das Schnarchen einiger ehemaliger Schulleiter, die auf ihren Portraits in ihren Sessel zusammen gesunken waren und selig schliefen.

Trotz des Zauberstabs, den er mit einer Hand außerhalb des Tarnumhangs hielt, konnte Harry durch den Stoff nur schlecht sehen, daher tastete er sich langsam und vorsichtig zu Dumbledores Schreibtisch. Die Tischplatte sah noch genauso aus, wie er sie in Erinnerung hatte. Rechts und links der Schreibfläche stapelten sich die Pergamentrollen und Feder und Tintenfass lagen da, als ob der alte Mann gleich zur Tür herein kommen würde, um die Arbeit erneut fortzuführen.

So leise wie möglich öffnete Harry die erste Schublade. Sie enthielt mehrere zerbrochene Federkiele, einen herrlich verzierten Brieföffner, Siegelwachs und ein dazu gehöriges Siegel.

Die zweite Schublade wurde vollständig von einem großen Teller mit Zimtsternen eingenommen. Scheinbar hatten die Hauselfen Dumbeldores Vorrat wieder aufgefüllt.

In der dritten Schublade fand Harry einen ganzen Stapel Briefe. Einige rochen stark nach Parfüm und einer gab Laute von sich, die wie ein schmachtender Minimuff klangen. Doch obwohl Harry eine gewisse Neugierde aufsteigen fühlte, schloss er die Schublade schnell wieder. Dumbledores Liebesleben ging ihn nichts an und außerdem war er aus wichtigeren Gründen hier.

In der vierten und letzten Schublade waren schließlich eine Reihe von Büchern und Heften. Mehrere Wörterbücher waren darunter. Eines war rumänisch, eines indisch und sogar eines in atlantisch war dabei. Desweiteren ein Buch darüber, wie man sich schmackhafte Pralinen hext und ein Ratgeber zur Haltung von Phoenixen. Ganz unten in der Schublade, unter einer knurrenden Ausgabe des „Monsterbuches der Monster" fand Harry ein abgegriffenes, unscheinbares Heft in einem schlichten Ledereinband. Direkt in dem Moment, in dem er es in die Hand nahm, wusste er, dass er gefunden hatte, wonach er gesucht hatte.

Eines der Portraits gähnte herzhaft und Harry beeilte sich, die Schublade wieder zu verschließen, bevor er den Rückzug antrat. Das Heft unter dem Tarnumhang fest an seine Brust gepresst, verließ er das Büro. Gerade als er die Wendeltreppe herunter eilen wollte, fiel ihm ein, dass er die Tür verschlossen vorgefunden hatte. Einen schnellen Zauber später, eilte er die Stufen hinab und blieb nicht stehen, bis er sich am Ende der Treppe den Tarnumhang vom Kopf riss.

„Hast du es?" fragte Ron gespannt, als er und Hermine neugierig aus ihren Verstecken hervor kamen.

Harry nickte ernst und hielt das kleine Heft erklärend in die Höhe.

„Dann nichts wie weg hier", resümierte Hermine und gemeinsam rannten sie den Weg zurück bis zum Gryffindor Turm. Die fette Dame schimpfte verärgert über die Unverschämtheit der heutigen Jugend, doch da die Teenager das Passwort kannten, blieb ihr nichts anderes übrig, als die Gryffindors herein zu lassen.

„Incendio", sagte Hermine und sofort entzündete sich im Kamin ein gemütliches Feuer, während sich die Jugendlichen auf dem Fußboden davor nieder ließen. Gespannt blickten sie auf das unscheinbare Heft in Harrys Händen.

„Los, spann uns nicht auf die Folter", drängte Ron. „Schlag es auf."

Das ließ sich Harry nicht zwei Mal sagen. Mit zitternden Fingern öffnete er das kleine Lederband, das das Heft verschloss und blätterte in den vergilbten Seiten.

„Und?" frage Hermine.

„Nichts", erwiderte Harry enttäuscht und senkte das Buch, so dass die Freunde mit hinein gucken konnten. „Das Buch ist leer."

„Das kann nicht sein", gab das Mädchen entschieden zurück. „Gib mal her."

Wortlos reichte ihr Harry das Buch, in dem die Freundin hektisch zu blättern begann. „Das gibt es nicht... unmöglich...", murmelte sie mit einem Blick auf die leeren Seiten.

„Dann war das alles umsonst?" fragte Ron entgeistert.

„Aber Dumbledore hat gesagt, dass ich das Notizbuch holen soll", ereiferte sich Harry. „Es muss etwas darin stehen, was uns weiter bringt. Es muss einfach!"

„Ich glaube, ich habe etwas gefunden", verkündete Hermine in diesem Augenblick. Ganz vorn, direkt hinter dem Einband stand in einer winzigen, kaum lesbaren Schrift ein einziger Satz.

Wenn Feinde zusammen arbeiten, wenn Geschwister an einem Strang ziehen und wenn Freundschaft mehr zählt als der Blutstatus, kann das Böse besiegt werden."

Nachdenklich blickten die drei Gryffindors in die Flammen des Kamins.

„Es war anzunehmen, dass Dumbledore seine Notizen schützend würde. Ich denke, es ist ein Rätsel", sagte Hemine schließlich. „Nur demjenigen der es löst, wird das Buch seine Geheimnisse anvertrauen."

Frustriert seufzte der Rothaarige auf. „Es wäre ja auch zu schön, wenn es mal einfach gewesen wäre."

„Wir haben schon ganz andere Rätsel geknackt", erwiderte Harry zuversichtlich. „Wenn Dumbledore mir zugetraut hat, das Buch zu holen, wird er auch das Rätsel so verfasst haben, dass wir es lösen können."

„Aber nicht vor morgen früh." Ron gähnte herzhaft und Hermine fügte hinzu: „Ich gebe es ja ungern zu, aber Ronald hat recht. Wir haben morgen in der ersten Stunde Zaubertränke und wenn wir da einschlafen, wird Snape uns so lange nachsitzen lassen, dass wir mit der Horcrux-Jagd erst nach unserem Schulabschluss anfangen können."

„In Ordnung." Fürsorglich wickelte Harry das Heft in seinen Tarnumhang, bevor er aufstand. „Vielleicht ist es ohnehin besser, eine Nacht darüber zu schlafen, bevor wir uns ans Rätselraten machen. Gute Nacht, Mine!"

Die Freunde taten es ihm gleich und erhoben sich. „Gute Nacht, Jungs", erwiderte Hermine und löschte schnell noch das Feuer im Kamin. Als Harry die Treppe zu den Jungenschlafräumen empor ging, hörte er, wie Ron dem Mädchen noch eine gute Nacht wünscht und ihr einen Kuss auf die Wange drückte, bevor er seinem Freund nach folgte. Nicht zum ersten Mal wünschte sich der dunkle Gryffindor, dass Draco im gleichen Haus wäre wie er selbst. Es würde viele Dinge sehr viel einfacher machen.

XXXXXX

Bei Salazar Slytherin! Ich und ein Gryffindor?" entrüstete sich Draco. „Wir Malfoys sind seit Generationen in Slytherin! Das wäre ja beinah als würdest du Minerva mit Nevilles Kröte Trevor vergleichen!"

Bin ich in deinen Augen vielleicht ein Frosch?" fragte Harry gespielt verärgert.

Um ehrlich zu sein, warst du mal einer, aber inzwischen habe ich dich ja oft genug geküsst, um einen Prinzen aus dir zu machen", grinste der Blonde.

Der Eisprinz von Slytherin und der Prinz der Frösche?" meinte Harry neckend.

Klingt doch gut, oder?" fragte Draco lachend.

Von mir aus, Love", gab der Dunkle schulterzuckend zurück. „Für dich spiele ich auch gern den Frosch."

Dann hüpf doch mal schnell ins Bad und lass uns eine Badewanne ein", schlug der ehemalige Slytherin vor.

Harry deutete eine halbe Verbeugung an. „Quack!"

Tbc....

Kapitel 21 von redangeleve

XLVIII. Toy Soldiers (Part One)

Step by step

Heart to heart

Left, right, left

We all fall down

Like toy soldiers

(Matika, Toy Soldiers) 

Konzentriert ließ Draco den Graphitstift über das Pergament wandern. Seine Augen klebten förmlich an der Zeichnung fest. Auf seiner Stirn hatte sich eine steile Falte gebildet, als er die Szene aus seinen Gedanken auf dem Pergament lebendig werden ließ. Er hatte schon immer gut und gerne gezeichnet. Bereits als kleiner Junge hatte er die Bilder aus den Geschichten, die ihm seine Mutter vorlas, auf Papier gebannt.. Drachen, Gnome, Thestrale... er hatte sie alle gemalt noch bevor er sie in Natura gesehen hatte. Stolz hatte Narzissa die kleinen Kunstwerke gerahmt und in den privaten Räumen des Manor aufhängen lassen, die für Besucher unzugänglich waren. Auch wenn er sich nicht erinnern konnte, sie jemals malen, noch andere Handarbeiten ausführen gesehen zu haben, wusste Draco doch, dass er seine künstlerische Ader von ihr geerbt hatte. Einige verstaubte Gemälde in einem der Keller des Manor zeugten davon, dass auch sie in ihrer Jugend einmal kreativ tätig gewesen war. Doch wie so vieles andere war diese Freude durch die Heirat und den dunklen Schatten über dem Haus Malfoy verschlungen worden.

Dracos Vater hingegen hatte nie viel auf dieses Talent gegeben. Wenn eine Fähigkeit nichts mit der Magie zu tun hatte oder dazu dienen konnte, das Vermögen und die Macht der Malfoys zu vermehren, so war sie es in Lucius Augen auch nicht wert gefördert zu werden.

Seit er in Hogwarts war, hatte Draco nicht mehr oft die Gelegenheit gefunden zu zeichnen, aber manchmal, wenn er sich unbeobachtet fühlte und seiner Phantasie Raum geben wollte, griff er nach wie vor gern zu Pergament und Graphit. Im Augenblick war er allein im Gemeinschaftsraum. Blaise und Pansy hatten sich mal wieder davon gestohlen und Harry erwartete die Rückkehr seiner Freunde im Gryffindor Turm. Auch Draco hörte während seiner Arbeit mit einem Ohr hinaus auf die Gänge vor dem Kerker. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis der Hogwarts Express ankam und die zurückkehrenden Slytherins in den Gemeinschaftsraum stürmten. Dann würde es mit der Ruhe erst einmal wieder vorbei sein.

Tatsächlich musste er nicht lange warten, bis er das Geräusch von vielen Füßen hörte, die die Treppen hinab liefen. Vorsorglich schrumpfte Draco das Pergament und den Stift auf Streichholzgröße, bevor er beides in der Tasche seines Umhangs verschwinden ließ. Es wäre nicht gut für sein Image, wenn die jüngeren Schüler ihn beim Zeichnen sehen würden. Er hatte düster und geheimnisvoll zu sein und in seiner Freizeit Zauberschach zu spielen oder jüngere Schüler zu schikanieren, zumal das Bild, an dem er gerade arbeitete, mal wieder ein Portrait eines dunkelhaarigen Gryffindors war.

Die erste Welle der Slytherins, die herein schwappte, bestand hauptsächlich aus den unteren Jahrgängen. Die Jungen und Mädchen lachten und schwatzten laut - bis ihr Blick auf Draco fiel - dann verstummten sie schnell und eilten in ihre Schlafräume, um sich dort weiter ihre Ferienerlebnisse zu erzählen. Nachdenklich runzelte Draco die Stirn. War er auch jemals so unbekümmert und ausgelassen aus den Ferien zurück gekehrt? Er konnte sich kaum daran erinnern und die Erinnerungen, die er hatte, schienen bereits ein ganzes Menschenleben her zu sein. An dem Tag, an dem der Dunkle Lord zurück gekehrt war, hatte seine Kindheit ein plötzliches Ende gefunden.

Weitere Schüler kamen in kleinen Gruppen durch die Wand des Kerkers getrottet, doch zu Dracos Verwunderung waren immer noch keine Schüler der oberen Jahrgänge dabei. Vielleicht hatte Professor Snape sie abgefangen, um sie über Dumbledores Erkrankung zu unterrichten oder sie warteten oben bis zum Abendessen, ging Draco schließlich seine Vermutungen durch. Doch mitten in seine Gedanken, kam schließlich Blaise hinein gestürmt. Er sah mehr als besorgt aus. Sein Blick scannte sofort den Raum und auf seinen olivfarbenen Wangen hatten sich hektische, rote Flecken gebildet.

„Wo hast du denn deinen Schatten?" pisackte Draco den dunklen Slytherin. Seit dem Beginn ihrer Beziehung war es kaum noch möglich, Blaise ohne seine Freundin anzutreffen.

„Pansy wartete bei den Anderen. Du musst mit hoch kommen. Es gibt Ärger", informierte ihn Zabini.

„Was für Ärger?" fragte der Blonde alarmiert. „Warum kommen die Anderen nicht runter?"

„Ich erkläre dir alles unterwegs", gab Blaise kurz angebunden zurück. „Komm mit, wir haben nicht viel Zeit bis zum Abendbrot."

Die Art wie Blaise das sagte, ließ Draco Übles erahnen. Es musste schon etwas Gravierendes vorgefallen sein, wenn sich die Slytherins nicht in ihren eigenen Gemeinschaftsraum trauten und er würde den Schlüssel zu seinem Verlies bei Gringotts darauf verwetten, dass es etwas mit dem Dunklen Lord zu tun hatte.

Ehe er sich versah, war Draco auf den Füßen. Gemeinsam verließen sie den Gemeinschaftsraum und stürmten die Treppen aus den Kerkern nach oben. In der Eingangshalle trafen sie auf einige Hufflepuffs und Ravenclaws, die sich auf dem Weg zu den Gemeinschaftsräumen befanden. Nachdem sie auf der Treppe ein paar Gryffindors überholt hatten, stellte Draco seinen Freund schließlich zur Rede.

„Schieß los", forderte er Zabini auf. „Was bei Salazar Slytherin ist passiert?"

„Ich habe Crabbe und die Anderen vorhin in der Halle getroffen. Sie sind total durch den Wind. Der Dunkle Lord hat Greg eingesackt."

„Was?" rief Draco entsetzt aus. „Wieso? Ich meine, was will er von ihm?"

„Kanonenfutter", erwiderte Blaise leicht hin. „Die meisten Seiner Anhänger werden gesucht. Einem Minderjährigen misstraut so schnell niemand und wenn er gefasst oder getötet wird, ist er leicht zu ersetzten."

„Aber er ist doch noch nicht einmal siebzehn!"

„Das bist du auch nicht und trotzdem hat Er dich in seine Reihen aufgenommen", erinnerte ihn der Dunkle. „Und das wird nur der Anfang sein. Schon länger ruft er seine Anhänger dazu auf, ihre Solidarität zu bekunden. Was gibt es für eine höhere Ehrerbietung, als seinen Sohn als Blutsklaven anzubieten?"

Erschüttert schüttelte Draco den Kopf. „Dieser Wahnsinn muss aufhören. Das kann einfach nicht wahr sein!"

„Leider ist es wahr und die Anderen haben furchtbare Angst, dass sie die Nächsten sind. Die wenigsten von ihnen stehen wirklich hinter den Idealen des Dunklen Lord, wissen aber nicht, was sie von der anderen Seite erwarten sollen. Sie brauchen einen Anführer. Jemanden, der ihnen sagt, was sie tun sollen."

Draco verzog das Gesicht zu einem schmerzlichen Lächeln. „Und da hast du ausgerechnet an mich gedacht?"

„Du bist der geborene Anführer, Dray. Eigentlich warst du es schon immer", erwiderte Zabini ernst. „Deine momentanen Probleme ändern nichts daran. Im Gegenteil, du bist in der gleichen Lage wie sie. Und du kannst reden, auf dich werden sie hören. Ganz egal, was du ihnen rätst."

Der Blonde nickte geistesabwesend. Ein wenig schämte er sich dafür, dass er nie darüber nachgedacht hatte, in welch schwieriger Situation die Mitglieder seines Hauses waren. Nicht wenige von ihnen hatten Todesser in der Familie oder im Freundeskreis. Doch Draco war so sehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt gewesen, dass er nie auf die Idee gekommen war, sie könnten sich genauso in Gefahr befinden wie er.

Denn auch wenn Blaise Vertrauensschüler war, so war Draco doch der heimliche Prinz seines Hauses. Die Slytherins - von Nott und ein paar wenigen Idioten einmal abgesehen - hörten auf ihn. Das Führen lag ihm im Blut. Das war wohl ein Talent, was er von seinem Vater geerbt hatte. Wenn Lucius etwas konnte, dann war es zu reden, die Menschen von seinen Ideen zu überzeugen. Nun, Draco würde sein möglichstes tun, um sein Versäumnis wieder gut zu machen.

Sie waren so vertieft in ihr Gespräch gewesen, dass Draco gar nicht gemerkt hatte, wohin sie ihr Weg führte. Erst als Zabini vor dem Raum der Wünsche anhielt, wurde er sich wieder seiner Umgebung bewusst. Offensichtlich war dieses angeblich exklusive Versteck inzwischen ein offenes Geheimnis. Es dauerte nicht lange, bis die Tür in der zuvor glatten Wand sichtbar wurde. Blaise ergriff den Türknopf als erster und öffnete für sie beide die Tür.

Der Raum im Inneren war beinah identisch mit dem Gemeinschaftsraum der Slytherins, nur dass hier noch mehr Sofas und andere Sitzgelegenheiten entstanden waren. Auf den Tischen befanden sich Krüge mit Kürbissaft und Butterbierflaschen. Irgendjemand hatte sich offenbar auch Elfenwein und Feuerwhiskey gewünscht. Die aufgeregte Unterhaltung, die im Gange gewesen war, als Blaise die Tür geöffnet hatte, verstummte schlagartig, als die beiden Neuankömmlinge den Raum betraten. Einige der Schüler starrten auf den Boden, andere sahen in das knisternde Feuer und wieder andere blickten Draco und Blaise entgegen. In ihren Blicken las Draco Verunsicherung, Trotz und Wut.

Einen Moment lang fühlte er sich beklommen, doch dann erinnerte er sich daran, dass das sein Haus, seine Freunde waren und eine plötzliche Ruhe erfüllte ihn.

Vincent Crabbe war der Einzige, der aufstand und ihn begrüßte. Er wirkte seltsam verloren ohne seinen Companion. „Hallo Draco."

„Hey Vince. Leute." Der Blonde nickte den versammelten Slytherins zu. „Blaise hat mich gerade darüber informiert, was passiert ist. Greg ist unser aller Freund und es ist ein schwerer Schlag, ihn zu verlieren."

Zustimmendes Gemurmel erklang.

Komisch, bis vor kurzem hatte er nie von Vince und Greg als seine Freunde gedacht. Sie waren seine Bodyguards, seine Schatten gewesen, aber die Dinge hatten sich geändert. Sie hatten zu ihm gehalten, als er von Nott gedemütigt worden war. Sie hatten immer hinter ihm gestanden, genauso wie Blaise, Pansy und die meisten Mitglieder seines Hauses. Jetzt war es an der Zeit, etwas zurück zu geben.

„Ich weiß, ihr seid verunsichert und ihr habt Angst, doch vielleicht ist das die Chance, dass wir alle noch mehr zusammen wachsen."

„Du hast leicht reden! Dich hat er schon zu einem Todesser gemacht!" rief Millicent Bulstrode aus.

„Ja, er hat mich gebrandmarkt", gab Draco zu. „Gegen meinen Willen. Doch ich bin trotzdem kein Todesser. Ich will nicht so enden wie mein Vater."

„Das sagst du nur, weil du jetzt mit Potter zusammen bist", warf ein rothaariger Siebtklässler ein.

„Nein", erwiderte Draco ruhig. „Das ist nicht der Grund. Oder zumindest nicht der Einzige. Mir ist im letzten Jahr klar geworden, dass ich nicht erleben will, wie Er über die Zauberwelt herrscht."

„Und warum nicht?" hakte der Junge von eben erneut nach.

„Weil Sein Regime nur eines bedeutet: Unterdrückung und Tod. Muggelstämmige werden verfolgt und eingesperrt und danach ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die Halbblüter dran glauben müssen. Wer Seine Entscheidungen in Frage stellt, wird gefoltert und nach Askaban geschickt. Er kennt keine Gnade, kein Mitleid oder sonstige Gefühle. Ich möchte nicht den Rest meines Lebens in Angst verbringen und schon gar nicht auf den Knien vor einem Mann herum rutschen, der sich selbst für den König aller Zauberer hält. Die Zauberwelt mag nicht perfekt sein, aber sie ist immer noch besser so, als wenn sie von einem Wahnsinnigen regiert wird."

„Was sollen wir tun, Draco?" fragte Pansy nach einer Minute, in der das Schweigen wie eine Decke über dem Raum hing.

„Ich kann für niemanden von euch eine Entscheidung fällen", sagte Draco ehrlich. „Alles was ich euch rate, ist in euch zu gehen und euch selbst zu fragen, was ihr wollt. Sind die Ziele, die er-dessen-Namen-nicht-genannt-werden-darf anstrebt auch eure Ziele? Seid ihr bereit dafür zu sterben? Oder wollt ihr dafür kämpfen, dass die Welt, so wie sie wir kennen, erhalten bleibt? Eine Welt, in der man nach seiner Leistung und seiner Persönlichkeit bewertet wird und nicht nach seinem Blutstatus. Eine Welt, in der die gegenseitigen Beziehungen von Respekt gekennzeichnet sind und nicht von Angst. Darüber solltet ihr euch Gedanken machen."

„Aber unsere Eltern...", warf Millicent erneut ein.

„Ich habe nicht gesagt, dass es einfach werden wird. Es kann sein, dass ihr euch gegen eure Familien stellen müsst, so wie ich es getan habe. Ich gebe zu, das war der schwerste Schritt in meinem Leben. Doch ich bereue ihn nicht. Ich stehe hinter Harry Potter - auch wenn er ein verdammter Gryffindor ist - und unterstütze ihn dabei, gegen den Mann zu kämpfen, der mir meine Kindheit, meine Familie und meine Freiheit gestohlen hat. Doch das ist meine Entscheidung, nicht eure. Es steht jedem frei, eine andere Wahl zu treffen, wenn es soweit ist."

Abermals senkte sich eine angespannte Stille über den Raum der Wünsche. Die Schüler sahen sich untereinander an und Draco meinte beinah, es hinter ihren Stirnen rumoren zu hören. Er hatte ihnen eine Menge zum Nachdenken gegeben, doch er war sich sicher, dass sie die richtige Entscheidung treffen würden. Nach einer Weile erhob sich erneutes Gemurmel, als die Slytherins untereinander ihre Situation besprachen und Draco beschloss, sich zurück zu ziehen, um ihnen nicht das Gefühl zu geben, dass er sie belauschte.

„Hast du mal eine Zigarette?" fragte er Zabini von der Seite. Seine angespannten Nerven benötigten dringend eine Ablenkung. Blaise nickte und zog unter seinem Umhang eine zerknickte Packung hervor. Gemeinsam zündeten sich die beiden Jungen eine Kippe an und rauchten etwas abseits von den Anderen in stiller Eintracht. Wenigstens um Zabinis Unterstützung musste sich Draco keine Sorgen machen. Die Mutter des dunklen Slytherin machte sich nichts aus Politik und tourte stattdessen lieber mit ihren wechselnden Ehemännern durch die Weltgeschichte, daher war es ihr vermutlich egal, für welches Lager sich ihr Sohn entschied. Und wenn jemand loyal zu Draco stand, dann war es mit Sicherheit Blaise Zabini.

Ein Räuspern neben sich, ließ Draco einen Blick zur Seite werfen. Nervös knetete Crabbe seine Finger, als wisse er nicht, ob er tatsächlich sagen sollte, was ihm auf der Zunge brannte. „Du weißt, mein Dad ist der beste Freund von Gregs Vater", begann er schließlich und errötete dabei bis zum Haaransatz. „Er wollte mich nicht gehen lassen. Ich sollte auch in seine Fußstapfen treten. Am Ende bin ich nur davon gekommen, weil ich ihm gesagt habe, dass ich nach Hogwarts zurück will, um dich zu töten."

„Oh", war alles was Draco dazu einfiel.

„Natürlich war das nur so gesagt", fügte Vince schnell hinzu. „Du weißt, dass ich das nie tun würde."

„Ich weiß", erwiderte der Blonde mechanisch, doch sein Mund fühlte sich seltsam trocken an. „Es ist okay. Ich hätte in deiner Situation vermutlich das selbe gemacht."

Der Junge atmete zittrig aus. „Ich kann jetzt nicht mehr nach Hause zurück. Wenn du also meine Hilfe willst, ich bin dabei."

Draco fühlte eine Welle der Dankbarkeit aufsteigen. Er war nicht immer nett zu Crabbe gewesen und gerade deshalb bedeutete es ihm viel, dass dieser sich als Erster hinter ihn stellte. Vince mochte nicht sehr helle sein, aber er hatte das Herz auf dem rechten Fleck. Auch der Rest der Schüler hatte Crabbes Geständnis gehört, so dass nach und nach immer mehr Schüler den Mut fanden, sich gegen Voldemort und für die Seite des Lichts auszusprechen. Am Ende waren es mehr als zwei Drittel, die offen Farbe bekannten. Das waren mehr, als Draco zu hoffen gewagt hatte.

Als sie gerade noch rechtzeitig zum Abendessen den Raum der Wünsche verließen, taten sie das als geschlossene Einheit und Draco war stolz auf sich und seine Slytherins. Kein anderes Haus hatte es so schwer wie sie, eine Seite in diesem Krieg zu wählen. Die Tatsache, dass sie sich mehrheitlich für die Seite des Guten entschieden hatten, gab ihm mehr als nur ein wenig Hoffnung, dass sie diesen Kampf tatsächlich gewinnen konnten.

XXXXXX

„Wie war deine Unterredung mit Granger und Weasley?" fragte Draco später am Abend, als er sich mit Harry wie verabredet in dem ungenutzten Klassenraum traf.

„Informativ", erwiderte Harry kryptisch. „Und wie lief es mit deinen Slytherins?"

„Sagen wir mal so: Politik ist ein äußerst anstrengendes Geschäft", gab Draco zurück und streckte sich auf der Matratze aus, die auf einem Bettgestell lag, welches aus er aus einem alten Pult transformiert hatte.

„Politik?" Der Gryffindor zog eine fragende Augenbraue hoch.

„Nicht so wichtig", winkte Draco ab. „Das geht ohnehin über deinen Gryffindor-Verstand hinaus."

„Hey!" spielerisch boxte der Dunkle seinen Freund in die Seite.

„Was?" fragte der Slytherin unschuldig. „Gib ruhig zu, dass du von Diplomatie keine Ahnung hast. Dein Herz liegt doch immer auf deiner Zunge und was du nicht aussprichst, kann dir jeder Bergtroll vom Gesicht ablesen."

In diesem Punkt musste er Draco im Stillen recht geben. Für viele seiner Freunde war Harry ein offenes Buch. Wenn er ein Problem mit sich herum trug - wie zum Beispiel im Moment - brauchte man keine Legilimentik zu beherrschen, um ihm das anzusehen. Und gerade weil das so war, fiel es ihm noch unendlich schwerer, das Geheimnis, mit dem ihn Dumbledore betraut hatte, für sich zu behalten. „Ich mag es einfach nicht, um den heißen Brei herum zu reden", bekannte Harry schließlich. „Mir ist es lieber, mit offenen Karten zu spielen."

„Und das ist genau der Grund, weshalb du in Gryffindor gelandet bist und nicht in Slytherin", erwiderte sein Freund. „Aber keine Sorge, ich gleiche das im Hintergrund schon aus. Im Fäden ziehen bin ich richtig gut."

„Das glaube ich gern", schnurrte Harry, während er sich zu dem Blonden herunter beugte, der sich genüsslich auf dem weichen Untergrund räkelte. „Manchmal glaube ich, dass ich schon längst nach deiner Pfeife tanze."

„Und wenn dem so wäre, welche Rolle hättest du dann gern in diesem Stück?" fragte Draco ganz nah an seiner Wange.

„Die des Helden natürlich", gab der Dunkle rau zurück. „Der bekommt am Ende nicht nur den Sieg, sondern auch den schönen Jüngling."

„Ich denke, das ließe sich einrichten." Ungeduldig presste der Slytherin seine Lippen auf die seines Gegenübers. „Aber auf keinen Fall warten wir mit dem Küssen bis zum Happy End."

Mit geschlossenen Augen gab sich der Gryffindor Dracos Liebkosungen hin. „Ganz deiner Meinung."

XXXXXX 

Hermine, schön dass du mal wieder vorbei flohst." Harry versuchte auf dem beigen Läufer vor dem Kamin eine angenehme Position zu finden, während er seinen Kopf in die Flammen hielt.

Ich wäre gern persönlich gekommen, aber die Arbeit hier nimmt mal wieder kein Ende", erwiderte die braunhaarige Frau. Selbst durch das grüne Feuer konnte er ihre Augenringe erkennen.

Du arbeitest einfach zu viel, Mine."

Was soll ich tun? Im Moment sind alle Räume im Manor belegt und du weißt, wie groß das Haus ist."

Ja, natürlich." Schließlich hatte er es selbst für die gemeinnützige Organisation zur Verfügung gestellt, die darin Langzeitfluchgeschädigte behandelte. „Aber du musst dir auch mal eine Pause gönnen. Sonst ist es nur eine Frage der Zeit, bis du zusammen brichst."

Es sind einfach so viele die unsere Hilfe brauchen", seufzte sie resigniert. „Ich dachte, es würden über die Jahre weniger werden."

Ganz egal, wie vielen du hilfst, es wird ihn nicht zurück holen", erinnerte sie der Dunkelhaarige ernst.

Das weiß ich, Harry", gab sie kühl zurück. „Aber es hilft mir, damit zurecht zu kommen."

Wenn ich irgendetwas tun kann..." Er ließ den Rest des Satzes unvollendet.

Nein, es ist schon gut. Aber weshalb ich dich eigentlich anflohe: Ist Draco zu Hause?"

Er probiert im Labor ein paar neue Träne, wieso?"

Marcus Flint war gestern hier. Sein Onkel ist ein Patient."

Und?" fragte Harry betont unbeteiligt.

Er beschwert sich darüber, dass du ihn nicht Draco besuchen lässt", begann die Freundin vorsichtig.

Und wenn es so wäre?" erwiderte er gereizt.

Harry, er ist Dracos Freund."

Dann hätte er sich beim letzten Besuch an die Regeln halten sollen. Draco war noch Tage später völlig durch den Wind."

Es tut ihm ja auch leid, aber du hast kein Recht, ihn einfach so von allen fern zu halten."

Ich habe jedes Recht, meinen Mann vor Leuten zu schützen, die seine Gesundheit gefährden!" fuhr der Dunkle auf.

Harry...."

Du weißt genau, wie instabil er ist!"

Ich weiß, dass du ihn nur beschützen willst, aber irgendwann wird er die Wahrheit heraus finden."

Harry hatte die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen gepresst. „So Merlin will, wird das niemals passieren."

Leise seufzte Hermine auf. „Überleg es dir noch einmal. Draco würde sich bestimmt freuen, Marcus mal wieder zu sehen und wenn du bei ihnen bleibst, kannst du ihn notfalls stoppen, falls er sich versehentlich wieder verplappert."

Ich denke drüber nach", murmelte Harry, doch es klang nicht sehr überzeugend.

Ich muss dann auch Schluss machen. Die Patienten warten. Es war schön, mal wieder mit dir zu sprechen."

Gleichfalls, Hermine. Falls du doch mal Zeit findet, bist du uns jederzeit willkommen."

Ich weiß, Harry. Bis bald. Grüß Draco von mir."

Mach ich. Bis bald, Mine."

Tbc...

Kapitel 22 von redangeleve

XLIX. The Riddle

 

Near a tree by a river

There`s a hole in the ground

Where an old man of Aran

Goes around and around

And his mind is a beacon

In the veil of the night

For a strange kind of fashion

There`s a wrong and a right

But he`ll never, never fight over you

 

(Nik Kershaw, The Riddle) 

„Findest du nicht, dass das Rätsel geradezu für uns gemacht zu sein scheint?" fragte Hermine ihre beiden Freunde.

Harry blätterte eher mäßig interessiert in einem Buch über berühmte Zauberer des zwanzigsten Jahrhunderts, während Ron mit dem Zeigefinger auf der angefrorenen Fensterscheibe der Bibliothek herum malte. Bis zur Mittagspause war noch ein wenig Zeit und die drei Gryffindors verbrachten ihre Freistunde hier oben, da sie an diesem Ort nicht befürchten mussten, gestört zu werden. Bei den frostigen Temperaturen, die hier herrschten, war das auch kein Wunder. Madam Pince vertraute den Schülern nicht genug, um in dem vorhandenen Kamin ein Feuer zu entzünden. Schließlich bestand die - wenn auch eher unwahrscheinliche Möglichkeit - dass eines der Kinder zu nah mit einem der kostbaren Bücher an die Flammen ging.

Bei dem Gedanken an den warmen, gemütlichen Gemeinschaftsraum seufzte der dunkle Gryffindor sehnsüchtig auf. „Was meinst du?" fragte er Hermine zerstreut.

„Naja, überlegt mal: `Wenn Feinde zusammen arbeiten, wenn Geschwister an einem Strang ziehen und wenn Freundschaft mehr zählt als der Blutstatus, kann das Böse besiegt werden.`", zitierte das Mädchen den Text aus dem Gedächtnis. „Das klingt doch beinah, als ob wir damit gemeint sind. Die Feinde, das waren du und Draco früher und bei den Geschwistern könnten Ron und Ginny gemeint sein. Nur bei der Freundschaft, die mehr zählt als der Blutstatus, bin ich mir noch nicht ganz sicher, wen Dumbledore da im Sinn gehabt haben könnte."

„Wie wäre es mit dir und mir?" schlug Ron vor und steckte seine klammen Finger in die Taschen seiner Schulrobe. „Immerhin bist du muggelstämmig und ich ein echter Reinblüter."

„Könnte sein", murmelte Hermine und machte sich schnell eine Notiz auf dem Pergament, auf dem sie ihre Gedanken ordnete.

„Vergesst ihr da nicht etwas?" schaltete sich Harry in das Gespräch ein. „Eigentlich wollte Dumbledore doch gar nicht, dass ich mit irgendjemandem über die Horcruxe spreche."

„Da ist was dran", erwiderte Ron ehrlich, doch Hermine schüttelte den Kopf.

„Als er dir das gesagt hat, waren die Bedingungen ja auch noch ganz andere. Ich denke, das Notizbuch war sein Notfallplan und ihm muss klar gewesen sein, dass du dir Unterstützung holst, wenn er nicht mehr da sein sollte, um dir bei der Suche zu helfen."

„Mag sein", gab der dunkelhaarige Gryffindor zu. „Aber was ist mit Draco? Ich musste Dumbledore versprechen, dass ich ihm auf gar keinen Fall etwas davon anvertraue. Also kann er wohl schlecht ein Bestandteil des Rätsels sein."

„Es war ja auch nur ein erster Gedanke", verteidigte Hermine ihre Theorie. „Man könnte natürlich auch jemand anderen nehmen. Zabini oder so.

„Naja, ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, dass Blaise und ich Freunde sind", erwiderte Harry mit einer Grimasse. „Es ist eher eine Art von Waffenstillstand, Draco zu Liebe."

Das Mädchen ließ genervt die Luft entweichen. „Die Rede war ja auch nur von zusammen arbeiten und nicht davon, die besten Freunde zu werden!" Und bevor Harry ihr erneut widersprechen konnte, fuhr sie schnell fort: „Ich weiß, die Idee ist noch nicht ganz ausgereift, aber immerhin habe ich schon einen Anhaltspunkt. Wie sieht es denn mit euch aus?"

Ron zuckte entschuldigend die Schultern. „Du kannst echt nicht verlangen, dass ich unter diesen Umständen auch noch denken soll. Erstens habe ich in der Nacht kaum geschlafen, dann hatten wir gleich zu Beginn des Tages eine Doppelstunde Zaubertränke und jetzt sitzen wir hier in dieser Kälte. Außerdem habe ich Hunger, da funktioniert mein Gehirn ohnehin nur eingeschränkt."

Tadelnd schüttelte Hermine ihren braunen Lockenkopf, sagte aber nichts weiter. Es hatte ohnehin keinen Zweck, da konnte sie sich ihre Puste ebenso gut sparen.

„Ich muss zugeben, dass ich bislang nicht die leiseste Ahnung habe", gestand Harry zerknirscht. „Obwohl ich den ganzen Morgen darüber nachgedacht habe, ist mir noch keine Lösung zu dem Rätsel eingefallen. Aber - mal abgesehen von der Sache mit Draco - finde ich Hermines Theorie gar nicht mal so schlecht."

„Es ist natürlich noch nicht ausgereift", warf die Freundin schnell dazwischen. „Doch ich denke, ich bin auf dem richtigen Weg."

„Apropos Weg", sagte Ron und rieb über seinen Bauch, der ein knurrendes Geräusch von sich gab. „Wir müssen uns langsam auf den Weg zur Großen Halle machen, sonst kommen wir zu spät zum Mittagessen."

„Na, dann los", seufzte Hermine und erhob sich. „Wir wollen ja nicht riskieren, dass du uns noch vom Fleisch fällst."

XXXXXXX

Auch die Slytherins hatten zur gleichen Zeit eine Freistunde, da sie in der letzten Stunde vor dem Mittagessen Kräuterkunde gemeinsam mit den Gryffindors gehabt hätten, doch die Alraunen hatten eine fiese Erkältung und Professor Sprout hatte alle Hände voll zu tun, um die übel gelaunten Pflanzen zu besänftigen. Die meisten Schüler nutzten die Zeit für eine Schneeballschlacht oder einen Spaziergang, so dass der Gemeinschaftsraum der Slytherins beinah leer war. Eine angenehme Ruhe lag über dem Kerker, während sich im grünlichen Licht Blaise und Draco bei einer Partie Zauberschach gegenüber saßen.

Blaise Springer hatte gerade eiskalt den Ritter von Dracos Pferd genietet, als der dunkle Slytherin bemerkte: „Ich finde, wir sollten mehr tun, als nur Farbe zu bekennen."

Stirnrunzelnd starrte Draco auf das Schachbrett, bis er seinen nächsten Zug machte. „Was meinst du?" fragte er abwesend, während seine Damen dem Springer den Kopf abschlug.

„Ich meine, dass wir vorbereitet sein sollten, falls es zum Kampf kommt. Wir wissen doch alle, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bevor er-dessen-Namen-nicht genannt-werden-darf, seine Todesser nach Hogwarts schickt", erklärte Zabini seinen Gedankengang.

„Und wie stellst du dir das vor?" fragte Draco, ohne den Blick vom Schachspiel zu nehmen.

„Wir könnten Verteidigungs-, Abwehr- und andere Zauber üben. Gerade du wirst doch zu Hause eine Menge Flüche gelernt haben, mit denen man einen Gegner außer Gefecht setzen kann."

Oh ja, davon konnte Draco wahrhaftig ein Lied singen. Er würde nie den Tag vergessen, an dem er ohne die Erlaubnis seines Vaters in dessen Arbeitszimmer gewesen war. Dummer Weise hatte er dort ein Tintenfass umgeworfen und die Tinte hatte den halben Schreibtisch überschwemmt, bevor es Draco gelungen war, sie aufzuhalten. Drei Stunden hatte sein Vater ihn dafür in einem Albtraumzauber eingesperrt. Doch alles was Draco daraus gelernt hatte war, beim nächsten Mal keine Spuren zu hinterlassen.

„Ja, ich kenne einige Zauber, die man im Kampf einsetzten könnte", gab Draco zu. „Und da bin ich garantiert nicht der Einzige." Gedankenverloren starrte er auf die schwarzen und weißen Figuren. Je länger er über Zabinis Vorschlag nachdachte, desto besser gefiel er ihm. Endlich würde er etwas tun können, anstatt dazu verdammt zu sein abzuwarten und dabei zuzusehen, wie Harry den Kampf gegen Voldemort aufnahm. Er ertappte sich tatsächlich dabei, wie er bereits verschiedene Zauber im Kopf zurecht legte.„Wir könnten in den Freistunden üben; an den Wochenenden und vor dem Schlafengehen", überlegte er laut. Seine Augen funkelten vor Begeisterung.

„Man müsste es so anstellen, dass die Lehrer nichts mitbekommen", spann Blaise den Faden weiter. „Nicht einmal Snape. Je weniger Leute eingeweiht sind, desto geringer ist die Gefahr, dass etwas zum Dunklen Lord durchdringt."

„Als Ort wäre der Raum der Wünsche perfekt dafür", fügte der Blonde dazu. „Wir müssten nur noch klären, wie viele Slytherins denn Interesse an dem Training hätten."

„Ich denke schon, dass du mit der Hälfte des sechsten und siebten Jahrgangs rechnen kannst. Die jüngeren Schüler würde ich eher nicht mit einbeziehen. Ihre Zauberkraft ist einfach noch nicht so weit. Wenn es wirklich zu einem Kampf im Schloss kommen sollte, muss jemand sie in Sicherheit bringen." Mit diesen Worten machte Blaise seinen nächsten Zug und setzte seinen Turm ein Feld nach vorn.

„Trotzdem wären das noch ganz schön viele", meinte Draco, der sich die Situation auf dem Brett genau ansah.

„Keiner kann es sich leisten so einfach abzulehnen", erwiderte Zabini. „Es geht hier um unser aller Leben, da werden sie für jede Hilfe dankbar sein, die sich bietet. Außerdem sind die meisten von ihnen schon lange scharf darauf, mal einen Blick in deine Trickkiste werfen zu dürfen."

Mit einem hinterhältigen Grinsen schob Draco seine Dame über das Spielfeld. „Glaub ja nicht, dass ich euch alles zeigen werde, ihr Amateure. Ein Malfoy behält immer ein Ass im Ärmel. Schach Matt."

Der gemurmelte Fluch des dunklen Slytherin ging in dem Geräusch der Figuren unter, als Dracos Dame den schwarzen König in handliche kleine Stücke zerschlug.

XXXXXX

Die kalten Januartage zogen sich endlos dahin, ohne dass die drei Gryffindors der Lösung des Rätsels näher kamen. Tief in seinem Herzen hatte Harry immer noch die Hoffnung, dass Professor Dumbledore schneller wieder genesen würde, als es am Anfang den Anschein gehabt hatte. Doch der Zustand des alten Mannes änderte sich nicht und mit der Zeit musste der Junge sich eingestehen, dass es illusorisch war, die Mission wieder an den erfahrenen Zauberer abgeben zu wollen. Es war sinnlos auf ein Wunder zu hoffen. Niemand würde ihm diese Verantwortung abnehmen können. Das Aufspüren und die Vernichtung der Horcruxe war nun ganz allein seine Aufgabe.

Mehrfach versuchte Hermine, Harry dazu zu drängen, ihre Theorie bezüglich des Rätsels auszuprobieren, doch der Junge lehnte ihre Vorschläge immer wieder ab. Er wollte seine Freundin nicht kränken, zumal er sich sicher war, dass ihr Grundgedanke stimmte, doch seiner Meinung nach, fehlte etwas ganz Entscheidendes bei ihren Gedanken. Es war schwierig zu erklären, denn es war nur ein Gefühl, doch wenn Harry etwas im Kampf gegen Voldemort gelernt hatte, dann war es der Umstand, dass er seiner Intuition vertrauen musste.

Wenn er Draco nicht gehabt hätte, der ihn immer wieder aus seinen schwermütigen Gedanken riss, wäre Harry vermutlich verzweifelt. Es war erstaunlich, wie der bis vor kurzem noch niedergeschlagene Slytherin sich gewandelt hatte. Im Gegensatz zu seinem Freund schien der Blonde voller Tatendrang und wenn Harry in ihren gemeinsamen Schulstunden einen Blick in seine Richtung warf, lag meist ein zufriedenes Grinsen auf seinem Gesicht. Doch was es war, das ihn in solch eine Hochstimmung versetzte, wollte Draco dem Gryffindor nicht verraten.

„Du hast deine Geheimnisse und ich habe meine", erwiderte er kryptisch. Natürlich gefiel das Harry ganz und gar nicht, doch er musste es wohl oder übel so hinnehmen. Es blieb ihm nur die Hoffnung, dass Blaise - der ja von Dracos Problemen wusste - ein wachsames Auge auf den Blonden haben würde.

Der Februar begann beinah genauso frostig, wie der Monat zuvor und brachte noch mehr Schnee, so dass die dunklen Tannen des Verbotenen Waldes unter der Last der weißen Pracht ächzten. Gelangweilt saß Harry mit seinen Klassenkameraden in einer totlangweiligen Stunde Geschichte der Zauberei und spielte im Kopf zum tausendsten Mal die Worte des Rätsels durch, das Dumbledore ihnen hinterlassen hatte, während er mit einem Ohr der leiernden Stimme von Professor Binns lauschte. Ohne seine Schüler wirklich wahrzunehmen, schwebte der Geist vor dem Lehrerpult auf und ab und erzählte ihnen von den Anfängen von Hogwarts. Die Geschichte von Godric Gryffindor, Helga Hufflepuff, Rowena Ravenclaw und Salazar Slytherin war dem Jungen nicht neu und deshalb verzichtete er darauf, sich auf dem bereitliegenden Pergament Notizen zu machen. Er hatte wichtigeres zu tun. Schließlich ging es hier um ihrer aller Leben.

Moment?!

Ihrer aller Leben?!

Genau!

Das war die Lösung!

Beinah verschluckte sich Harry an Druhbels bestem Blaskaugummi in seinem Mund, als ihn dieser Geistesblitz durchzuckte. Konnte es wirklich so einfach sein? Unglaublich, die ganze Zeit hatten sie die Lösung vor sich gehabt und es nicht gemerkt.

Ron, der neben ihm saß, war der Ruck nicht entgangen, der durch seinen Freund gegangen war, doch Harry wagte es nicht, ihm während der Stunde seine Eingebung zu verraten. Unruhig rutschte er auf seinem Stuhl herum und wartete darauf, dass die Glocke endlich zur Pause läuten würde. Als das erlösende Geräusch endlich kam, stopfte er seine Sachen unsanft in die Tasche und hastete aus dem Raum; Ron und Hermine an den Ärmeln mit sich ziehend.

Er konnte es kaum erwarten, endlich ungestört zu sein und direkt nachdem die Tür des unbenutzten Klassenraums hinter ihnen ins Schloss gefallen war, sprach er einen Muffliato Zauber, um sich vor ungewollten Zuhörern zu schützen, bevor er den beiden staunenden Gryffindors seine neuen Erkenntnisse präsentierte. Als er geendet hatte, sah er mit Stolz geschwellter Brust, wie Hermines Mund offen stand, während Ron immer wieder ungläubig den Kopf schüttelte.

Harry war sich sicher, das Rätsel gelöst zu haben, nun musste er seine Theorie nur noch ausprobieren.

XXXXXX

Etwas unsicher rutschten die Schüler auf den Kissen herum, die den Fußboden des Raumes der Wünsche bedeckten. Die Gryffindors Neville Longbottom und Parvati Patil, Blaise Zabini von den Slytherins, Hannah Abbott aus Hufflepuff und Padma Patil aus Ravenclaw wussten nicht genau, warum sie hier waren und es hatte Harry einiges an Überredungskunst gekostet, sie hierher zu locken. Und wenn er in ihre verschlossenen Gesichter sah, während sie einander kritisch musterten, flammten Zweifel in ihm auf, ob es nicht vielleicht doch ein Fehler gewesen war, sie herkommen zu lassen. Doch wenn er es nicht ausprobierte, würde er niemals erfahren, ob seine Theorie richtig war.

Eigentlich war die Lösung des Rätsels simpel, beinah zu einfach, doch es passte hundertprozentig zu Dumbledores Denkweise. Wie oft hatte er ihnen Einigkeit gepredigt? In Zeiten der Not war es wichtig, dass die Häuser zusammen hielten. Nur so würden sie den Dunklen Lord besiegen und genau das würde Harry nun den versammelten Schülern sagen. Er räusperte sich unbehaglich, damit er ihre volle Aufmerksamkeit bekam. „Danke, dass ihr alle gekommen seid. Ich weiß, es ist ungewöhnlich, dass ein Gryffindor Vertreter aller vier Häuser zu sich ruft, aber ich habe das aus einem bestimmten Grund getan."

Harry machte eine kurze Pause und wie erwartet, sahen ihn die Anderen erwartungsvoll an. „Wie ihr wisst, liegt Professor Dumbledore in einem tiefen Zauberschlaf. Doch bevor es dazu kam, hat er mir etwas anvertraut. Etwas, womit es möglich ist, Lord Voldemort zu besiegen."

Ron, Neville, Hannah, Padma und Parvati zuckten bei der Erwähnung des Namens zusammen, während Blaise nur müde gähnte. „Damals, zu den Zeiten der Gründer von Hogwarts, hatte Zweitracht die Häuser gespalten und schließlich zum Bruch mit Salazar Slytherin geführt. Deshalb ist es nur logisch, dass uns Eintracht retten wird. Nur wenn die Häuser zusammen arbeiteten, wird es uns gelingen, das Böse zu bekämpfen. Also, seid ihr dabei?"

Padma und Parvati wechselten einen zweifelnden Blick, während Neville sofort eifrig nickte. Etwas zögerlich schloss Hannah sich ihm an, nur Blaise verschränkte die Arme abwehrend vor der Brust. „Warum wir?" fragte er. „Es gibt doch noch dutzende anderer Schüler."

Mit bedeutungsschwerer Miene zog der schwarzhaarige Gryffindor das Notizbuch unter seinem Umhang hervor. „Ganz einfach: `Wenn Feinde zusammen arbeiten, wenn Geschwister an einem Strang ziehen und wenn Freundschaft mehr zählt als der Blutstatus, kann das Böse besiegt werden.` Das sind wir: Blaise und ich, Padma und Parvati, Neville und Hannah. Und zugleich decken wir damit jedes Haus ab."

Ernst sah Harry in die Runde. „Ich brauche euch, Leute. Nur mit eurer Hilfe kann ich die Informationen bekommen, die ich brauche, um das Monster zu erledigen."

„Was müssen wir tun?" fragte Neville ohne zu zögern.

„Die mächtigsten Zauber erfordern immer Blut", schaltete sich Hermine in das Gespräch ein. Sie war bis jetzt schweigend im Hintergrund geblieben. „Ich mache jedem von euch mit dem Zauberstab einen kleinen Schnitt in den Unterarm - wirklich nur winzig - und wir lassen einen Tropfen Blut auf das Buch tropfen."

„Moment! Ich soll mich von dem Sch....", fuhr Blaise auf, doch Ron viel ihm ins Wort, noch bevor er geendet hatte. „Wage es ja nicht, das Wort auszusprechen, Zabini!"

Der Slytherin ließ ein verächtliches Schnauben hören. „Oder was, Wiesel? Willst du mich verfluchen?"

Im Bruchteil einer Sekunde hatte Ron den Zauberstab unter dem Umhang hervor gezogen, doch Hermine hielt ihn im letzten Moment zurück. „Nein", sagte sie eindringlich. „Habt ihr zwei nicht zugehört? Es geht hier um die Einheit der Häuser! Wie sollen wir den Zauber durchführen, wenn ihr euch schon vorher an die Gurgel geht? Zabini, wenn es dir wirklich so schwer fällt, dich von mir schneiden zu lassen, dann mach es gefälligst selbst!"

Mit verkniffenen Gesichtern taxierten sich die beiden Jungen, dann zuckte Blaise die Schultern. „Von mir aus, Granger."

Auf ein Zeichen von Hermine steckte Ron seinen Zauberstab wieder weg, ließ den Slytherin aber nicht aus den Augen. Die Situation war für den Moment entschärft. Zittrig ließ Harry die angestaute Luft entweichen. Er war so angespannt gewesen, dass er gar nicht gemerkt hatte, dass er sie angehalten hatte. „Gut, noch irgendwelche Fragen?"

Erleichtert nahm er zur Kenntnis, dass die anwesenden Schüler die Köpfe schüttelten. „Dann fangen wir an." Schnell schob er den Ärmel seiner Schulrobe zurück und entblößte seinen Unterarm. „Hermine."

Es ziepte ein wenig, als das Mädchen den Spruch murmelte, doch der Schmerz war minimal und schon wenig später entstand eine kleine blutende Wunde in Harrys Unterarm. Er hielt den Arm über das Notizbuch, so dass ein Blutstropfen darauf tropfte. Ein bisschen war er enttäuscht darüber, dass so gar nichts passierte, aber er war ja auch der Erste gewesen. Herausfordernd sah er dem dunklen Slytherin ins Gesicht. „Du bist dran."

Ohne mit der Wimper zu zucken, rollte Blaise den Ärmel seiner Robe zurück und ritzte mit dem Zauberstab in die olivfarbene Haut. Sofort quoll etwas dunkelrotes Blut hervor, das er lässig auf das Buch tropfen ließ. „Kein Problem, Potter."

Als nächstes waren die Patil Zwillinge dran. Padma machte ein quietschendes Geräusch, als Hermines Zauber in ihre Haut schnitt und Parvati sah aus, als ob sie gleich in Ohnmacht fallen würde, doch Merlin sei Dank, geschah nichts dergleichen. Neville gab sich vor seiner Freundin natürlich keine Blöße und zuckte bei dem Zauber nur kurz zusammen. Dafür hielt er tröstend Hannahs Hand, als sie schließlich an der Reihe war. Mit der Hufflepuff Schülerin als Letzte, war der Zauber komplett. Das Buch stieg einige Zentimeter in die Höhe und leuchtete plötzlich so hell, dass Harry geblendet die Augen zusammen kneifen musste, bevor das Licht schließlich wieder verblasste und das Buch zurück auf den Boden vor ihnen sank.

Das war genau die Ablenkung, die Harry gebraucht hatte. Alle Anwesenden starrten gespannt auf das unscheinbare Notizbuch. Verstohlen nickte der dunkle Gryffindor Ron und Hermine zu, die mit ihm gemeinsam ihre Zauberstäbe zogen. „Amnesia!" riefen sie im Chor und richteten die Stäbe auf Padma, Blaise und Parvati. Sofort wurden die Augen der drei Jugendlichen glasig und ohne Zeit zu verlieren, wiederholten Hermine und Harry den Zauber bei Neville und Hannah, die so überrascht waren, dass sie gar keine Zeit zum Reagieren fanden. Nacheinander schnappte sich jeder der drei Gryffindors einen der mit dem Vergessenszauber belegten Schüler und schob ihn auf den Gang vor die Tür des Raumes der Wünsche. Wenn alles so klappte, wie sie es geplant hatten, würden die Schüler in wenigen Augenblicken zu sich kommen. Sie hatten den Zauber absichtlich nicht sehr stark dosiert, schließlich sollten ihre Mitschüler nur die letzte Stunde vergessen und nicht so enden wie der arme Gilderoy Lockhart, der noch immer in der Langzeitpflege des St. Mungos vor sich hinvegetierte.

„Es tut mir leid", murmelte Harry an Neville gewandt, als er ihn vorsichtig gegen die Statue von Nils, dem Niesenden lehnte. Er wünschte wirklich, dass es einen anderen Weg gegeben hätte, doch das Risiko so viele Mitwissen zu haben, war einfach zu groß. Hoffentlich war das Ergebnis diesen Verrat an ihren Freunden wenigstens wert gewesen.

Gespannt kehrten Harry, Ron und Hermine in den Raum der Wünsche zurück, wo sie sich im Kreis um das Notizbuch auf dem Fußboden setzten. Äußerlich sah es nun wieder genauso unscheinbar aus wie zuvor, doch als Harry es öffnete, waren die Seiten vom Anfang bis zum Ende mit Dumbledores winziger, krakeliger Handschrift gefüllt.

„Hier", forderte Harry das Mädchen auf, indem er das Buch an sie weiter gab. „Du kannst seine Schrift am Besten lesen."

Mit gerunzelter Stirn vertiefte sich Hermine in die Lektüre. Die erwartungsvollen Blicke ihrer beiden Freunde hatte sie bereits nach wenigen Minuten völlig vergessen. Von Zeit zu Zeit entfuhr ihr ein „Oh" oder ein „Ah", aber ihre Augen verließen nie die Seiten vor ihr. Es kam Harry geradezu endlos vor, bis das Mädchen das Buch endlich zur Seite legte.

„Du hattest recht", sagte sie an Harry gewandt. „Dumbledore hatte tatsächlich sehr genaue Vorstellungen davon, wo sich die Horcruxe befinden könnten. Aber im Moment hoffe ich, dass er sich geirrt hat."

„Wieso?" fragte der dunkle Gryffindor gespannt. „Wo finden wir den nächsten?"

„Wenn Dumbledores Vermutung stimmt, dann ist er in einem Verlies in Gringotts."

XXXXXX

Den Zauberstab wie ein Skalpell zwischen den rot gefrorenen Fingern haltend, umschritt Draco die Eisskulptur, an der er arbeitete, während er hier und da kleine Verbesserungen durchführte.

Was soll das sein?" fragte Harry, der sich leise von hinten anschlich. „Ein Selbstportrait?"

Das ist ein Troll, du Cretin!" fauchte der Blonde seinen Partner an.

Sag ich doch", gab der ehemalige Gryffindor grinsend zurück. „Ein Selbstportrait."

Na, warte!" Der Schneeball traf den Dunklen, bevor er Zeit hatte sich zu ducken, mitten ins Gesicht. „Volltreffer, du Kobold-Nase!"

Wer hat hier eine Kobold-Nase?!" Harrys Schneeball verfehlte das Ziel nur um Millimeter.

Immer der, der fragt!" rief Draco zurück und landete einen weiteren Treffer an der Schulter des Dunklen. Mit einem Aufschrei stürzte sich Harry auf den Blonden und warf ihn in den weichen Pulverschnee. Prustend rieben sich die beiden Männer gegenseitig mit der kalten, weißen Pracht ein, bis sie beide durchgefroren und völlig außer Atem waren.

Wie war das mit dem Troll?" fragte Draco spielerisch, während er mit dem Körper seinen Partner auf dem Boden festpinnte. Der ehemalige Slytherin mochte zwar leichter sein als Harry, aber dafür war er drahtiger, wendiger und das hatte ihm in dieser Situation den entscheidenden Vorteil verschafft.

Habe ich noch nie erwähnt, dass ich eine besondere Vorliebe für blonde Trolle habe?" fragte der Dunkle mit einem treuherzigen Blick in die grauen Augen seines Gegenübers.

Das trifft sich gut, denn ich habe einen Faible für Männer mit Kobold-Nasen", erwiderte der Blonde grinsend.

Verlangend reckte Harry den Kopf nach oben und wurde mit einem Kuss von eiskalten Lippen belohnte. „Perfekt", murmelte er in den Mund seines Partners.

Genau", gab Draco zurück, bevor er sie beide mit einem Schwenk seines Zauberstabs ins Haus apparierte.

Tbc...

Kapitel 23 von redangeleve

L. Let it rock

Because when I arrive

I, I`ll bring the fire

Make you come alive

I can take you higher

What this is, forgot?

I must now remind you

Let it rock

Let it rock

Let it rock

(Kevin Rudolf, Let it Rock)

Gringotts... Warum musste es ausgerechnet Gringotts sein? Dieser eine Gedanke kreiste die ganze Zeit in einer Endlosschleife in Harrys Gehirn, als er missmutig in seinem Kessel rührte und auf die schlammig braune Substanz starrte, die sanft vor sich hin blubberte und dabei dem Moor in der Nähe des Verbotenen Waldes verblüffend ähnlich sah. Eigentlich sollte der Trank inzwischen ein sattes Grün angenommen haben, aber aus irgendeinem Grund weigerte sich Harrys Gebräu mal wieder sich so zu entwickeln, wie es sollte. Scheiß drauf... Er hörte weder die kalte Stimme von Professor Snape, der gerade eine Reihe weiter Dean Thomas maßregelte, weil dessen Trank die falsche Temperatur hatte, noch nahm er Hermines hektische Bemühungen wahr, die noch in letzter Minute versuchte, ihrem Trank durch eine Spulenwurzel eine intensivere Farbe zu verleihen.

Seit sie vor etwas mehr als vier Wochen in der Lage waren, den Inhalt von Dumbledores Tagebuch zu lesen, hatte es bei den drei Freunden kaum ein anderes Thema gegeben. Hermine hatte Berge an dicken Wälzern aus der Bibliothek geholt, welche sie einen nach dem anderen akribisch studierte und Ron hatte seinem Bruder Bill einen Brief geschickt, in dem er sich möglichst unauffällig nach den Sicherheitsbestimmungen der Bank erkundigte. Schließlich hatte Bill eine ganze Weile bei Gringotts gearbeitet und war - für einen Menschen - ziemlich gut mit der Denkweise der Kobolde dort vertraut. Ron hatte sein Interesse damit begründet, dass er angeblich eine Diskussion mit Hermine darüber habe, welche Banken sicherer seien: Die der Zauberer oder die der Muggel.

Doch was Bill ihnen geantwortet hatte und was von Hermines Recherchen bestätigt wurde, ließ die ohnehin schon spärlichen Hoffnungen der drei Jugendlichen auf eine erfolgreiche Mission dahin schwinden. Die Tunnel und Höhlen unter der Zauberbank waren voller Fallen. Von tiefen Abgründen, gefährlichen Flüchen, unüberwindbaren Bannsprüchen und sogar von Drachen war da die Rede. Nie war es jemandem gelungen in Gringotts einzubrechen, bis auf das eine Mal in Harrys erstem Schuljahr, als jemand versucht hatte, den Stein der Weisen zu stehlen, der dort aufbewahrt worden war. Doch der Raub schlug fehl. Der Zufall hatte es gewollt, dass Hagrid diesen Stein unmittelbar vorher aus dem Verlies geholt hatte. Allerdings wusste bis heute niemand, wie es dem Dieb gelungen war, sich im Labyrinth der Tunnel zurecht zu finden und das Verlies zu öffnen.

„Mr. Potter, sind Sie nicht langsam aus dem Alter raus, in dem man Schlammkuchen backt?"

Harry zuckte erschrocken zusammen, als er ihn die hämische Stimme des Zaubertränkemeisters so plötzlich aus seinen Gedanken riss und um ein Haar wäre ihm die Kelle, mit der er in dem brodelnden Gebräu rührte, in den Kessel gefallen. Sein Blick zuckte nach oben und traf sich dort mit Professor Snapes kalten Augen. Einen Moment fixierten sich die beiden Kontrahenten wortlos, dann lehrte sich auf einen Wink des Lehrers Harrys Kessel und Snape ging weiter, ohne sich noch einmal umzudrehen.

„Sie werden bis Morgen einen Aufsatz schreiben, Potter. Eine Pergamentlänge über das richtige Abmessen von Zaubertrankzutaten und eine weitere Rolle darüber, warum man bei der Herstellung von Tränken nicht schlafen sollte."

Einige Slytherins kicherten boshaft und Harry merkte, wie ihm das Blut in den Kopf schoss, doch er schaffte es irgendwie sich zu beherrschen. Als hätte er nicht schon genug Mist am Hals! Aber wenn er seiner Wut jetzt freien Lauf ließ, würde er noch Schlimmeres bekommen, als nur eine Strafarbeit. Bei den langwierigen Recherchen konnte er es wirklich nicht darauf ankommen lassen, sich auch noch Nachsitzen einzuhandeln.

Natürlich ging es nicht um den Trank, darum ging es eigentlich nie. Bei einigen anderen Schülern war das Ergebnis noch sehr viel schlechter ausgefallen als bei ihm und trotzdem bekamen die keine Strafarbeit. Nein, die behielt sich Snape immer für ihn vor. Es war eine Demonstration der Macht. Als könne der Lehrer durch den Jungen endlich Genugtuung für die Demütigungen erlangen, die ihm durch Harrys Vater und dessen Freunde angetan worden waren. Doch auch ohne James Schatten, wären die Beiden vermutlich nie Freunde geworden. Im Großen und Ganzen ging es darum, dass Snape Harry einfach nicht leiden konnte. Schon seit seinem ersten Tag in Hogwarts war das so gewesen. Und wenn er auch nur irgendetwas Positives in ihm gesehen hatte, war das an dem Tag verschwunden, an dem Harrys Beziehung mit Draco begonnen hatte.

Doch heute hatte Harry das Gefühl, dass es noch um mehr ging als nur um die üblichen Spielchen. Bisher hatte er beharrlich über die Nacht geschwiegen, in der Professor Dumbledore ins Koma gefallen war, doch Snape ließ keine Gelegenheit aus, gegen Harrys gedankliche Barriere anzurennen und wenn Draco für ihn nicht ein sehr viel besserer Lehrer in Okklumentik gewesen wäre, als der Snape, wäre der Gryffindor vermutlich längst eingebrochen.

Doch ganz egal wie viele Strafarbeiten ihn Snape noch schreiben lassen würde, Harry würde nicht klein bei geben. Diese Mission war zu wichtig und er hatte geschworen, ihr Geheimnis zu wahren. Koste es was es wolle.

XXXXXX

Verbissen kratzte Harrys Feder über die Rolle Pergament, die vor ihm auf dem Tisch ausgebreitet lag. Seit dem Abendessen saß er über den Aufsätzen, die ihm Snape aufgegeben hatte. Die anderen Hausaufgaben hatte er schon in der Mittagspause gemacht, damit er wenigstens eine winzige Chance hatte, vor dem Schlafengehen weiter mit Hermine und Ron über ihr Gringotts-Problem zu diskutieren.

Erfolglos versuchte er, die Geräusche der anderen Schüler, die den Gryffindor Gemeinschaftsraum bevölkerten, auszublenden, doch das Summen ihrer Worte hallte trotzdem in seinen Ohren wieder. Draußen regnete es in Strömen, so dass sich niemand der noch ganz bei Verstand war, außerhalb der schützenden Schlossmauern aufhielt. Kurzfristig hatte Harry darüber nachgedacht, seinen Aufsatz lieber in der Bibliothek zu schreiben, aber die Aussicht auf die Kälte dort, hatte ihn diesen Gedanken schnell verwerfen lassen. Doch das Arbeiten im rappelvollen Gemeinschaftsraum stellte sich nun als mehr als unmöglich heraus. Mehrere Schüler hatten heute Lieferungen von Weasleys Zauberhafte Zauberscherze erhalten und konnten es kaum abwarten, die diversen Scherzartikel zu testen. Mehrfach ertappte sich Harry dabei, wie er Worte wie Nasenblutnougat und Kanariencremeschnitten in seinen Aufsatz schrieb und es kostete ihn jedes Mal wertvolle Zeit und Geduld, die Worte mit einem Schwenk seines Zauberstabs verschwinden zu lassen.

„Ich gebe es auf!" knurrte er schließlich und warf die Feder frustriert auf den Tisch, nachdem er den gleichen Satz schon zum vierten Mal korrigierte. „Dann bekomme ich eben morgen Nachsitzen von Snape aufgebrummt! Wen kümmert das schon? In seinem Büro ist es wenigstens warm und ich kann dort in Ruhe arbeiten!"

„Na, gib schon her", seufzte Hermine versöhnlich. Sie hatte die ganze Zeit solidarisch neben ihrem Freund ausgeharrt und in einem Buch gelesen, während Ron mit Seamus am anderen Ende des Raumes Snape explodiert spielte. „Ich tue das zwar nicht gern, aber heute mache ich eine Ausnahme."

Noch bevor Harry fragen konnte, was sie meinte, holte Hermine ihren Zauberstab hervor, tippte mit ihm zuerst auf die bereits geschriebenen Sätze und dann auf die Feder. Anschließend murmelte sie einen kurzen Spruch. „Ich werde den Aufsatz mit deiner Handschrift zu Ende schreiben", erklärte das Mädchen kurz angebunden. „Aber wie schon gesagt: Das ist eine Ausnahme, okay? Das bedeutet nicht, dass ich jetzt öfter deine Hausaufgaben für dich schreibe."

„Danke, Hermine!" Strahlend umarmte Harry die Freundin. „Du bist die Beste!"

„Ich weiß, ich weiß", erwiderte sie errötend. „Aber erzähl bloß nicht Ron von dem Spruch. Seit drei Tagen schiebt er den Kräuterkunde-Aufsatz vor sich her und wenn er hiervon hört, wird er mich solange bearbeiten, bis er mich breit geschlagen hat."

„Versprochen, Mine. Ehrenwort!" schwor Harry treuherzig. Er sprach einen schnellen Tempus-Zauber, dann sprang er aus dem Sessel auf. „Ich geh mir dann mal ein bisschen die Beine vertreten. Bis später!"

„Bis später", antwortete das Mädchen, während sie das Pergament zu sich heran zog.

Im Vorbeigehen nickte Harry Ron und Seamus zu, die ganz versunken in ihr Spiel waren, dann hastete er schnell die Treppen zu den Jungenschlafräumen empor. Ohne lange suchen zu müssen schnappte er sich den Tarnumhang und rannte leichtfüßig den Weg zurück, den er gekommen war. Zwar warfen ihm die anderen Gryffindors verwunderte Blicke zu, als er den Gemeinschaftsraum in Richtung des Portraitloches durchquerte, doch Harry kümmerte sich nicht darum.

In der letzten Zeit hatten er und Draco kaum einen Moment für sich gehabt. Entweder hatte Harry mit seinen Freunden über ihrem Gringotts-Problem gebrütet oder Draco hatte irgendwelche fadenscheinigen Ausreden gefunden, weshalb er sich nicht mit Harry treffen konnte. Natürlich hatte der Gryffindor das nicht einfach gelten lassen, zumal er sich Sorgen machte, dass es etwas mit Dracos Auftrag von Voldemort zu tun haben könnte. Doch er war zu beschäftigt mit seinen eigenen Problemen gewesen, um Dracos Geheimnis auf den Grund zu gehen. Außerdem schien der Blonde geradezu immun gegen Harrys Versuche ihn auszuhorchen. Wenn der Slytherin nicht mit der Sprache heraus rücken wollte, konnte ihn vermutlich nicht einmal ein Zauber zum Sprechen bewegen.

Durch Zufall hatte der Gryffindor heute im Vorbeigehen gehört, wie Blaise Draco gefragt hatte, ob es bei acht Uhr bleiben würde und sofort war in Harry die Eifersucht hoch gekocht. Er wusste schon, warum er Blaise nicht leiden konnte. Was, wenn Draco eine Affäre hatte? Seiner Meinung nach verbrachte sein Freund ohnehin viel zu viel Zeit mit Zabini. Okay, Blaise hatte eine Freundin, aber das sagte nichts aus. Er konnte ja auch bi sein. Schließlich hatte Harry früher auch nicht wahr haben wollen, dass er auf Jungen stand. Passen würde es zu dem dunklen Slytherin, der immer wie aus dem Ei gepellt aussah. Für einen Hetero war Zabini definitiv viel zu eitel und leider auch verdammt gut aussehend.

Harry musste einfach Gewissheit haben, lieber jetzt als später. So schnell ihn seine Beine trugen, stürmte der Gryffindor die Treppe zu den Kerkern herab. Als er die Wand erreichte, hinter der der Eingang zum Gemeinschaftsraum der Slytherins lag, schaffte er es gerade noch, den Tarnumhang über den Kopf zu ziehen. Keine Minute später traten Draco und Blaise in den Korridor. Misstrauisch sahen sie sich um, dann gingen sie in Richtung der Treppe davon, nicht ahnend dass sie einen unsichtbaren Verfolger hatten. Schweigend schlenderten die beiden Slytherins nebeneinander her und Harry hatte Mühe, geräuschlos mit ihnen Schritt zu halten. Ein paar Mal drehte sich Draco um, so dass sich der Gryffindor beinah sicher war, dass er ihn bemerkt hatte, doch dann setzten die Jungen einfach ihren Weg fort. Wütend ballte Harry seine Hände unter dem Tarnumhang, als sie vor dem Raum der Wünsche ankamen. Dieser Schuft! Ohne Harry wüsste der Slytherin nicht einmal von der Existenz dieses Raumes und nun nahm er einfach seinen Liebhaber mit hier her! Aber die Suppe würde er ihnen gehörig versalzen...

Es dauerte einen Moment, bevor die Tür in der Wand erschien und einen weiteren, bis Blaise sie schließlich geöffnet hatte und hinein ging. Dicht hinter Draco betrat Harry den Raum, bereit die beiden Verräter in wer weiß was zu verfluchen, doch gerade, als er sich den Tarnumhang herunter reißen wollte, erstarrte er. Der Raum sah nicht aus, als wäre er für ein romantisches Rendez-Vous gedacht. Das Licht der Laternen war so hell, dass es beinah in den Augen schmerzte. Es gab kein Bett oder eine Couch; nicht einmal einen Stuhl. Stattdessen lagen einige Kissen auf dem Boden. In einer Ecke stand ein Tisch mit Gläsern, einem Krug und einem Teller mit Keksen. Sie waren auch nicht allein. Bestimmt zwei Dutzend Slytherins standen in kleinen Gruppen herum und sahen ihnen entgegen. Soweit Harry erkennen konnte, waren es fast alles Schüler aus ihrem Jahrgang. Ein paar waren ein Jahr älter und ein oder zwei ordnete er der fünften Klasse zu. Durch die verspiegelten Wände schien es beinah, als wäre der ganze Raum voller Slytherins.

Harry stand immer noch da, wie vom Donner gerührt, während Draco und Blaise lässig auf ihre Hauskameraden zugingen. Er wurde einfach nicht schlau daraus, was diese Versammlung zu bedeuten hatte.

„Sind wir vollzählig?" fragte Zabini an seine Freundin Pansy gewandt. Das Mädchen nickte.

„Gut", erwiderte Draco. Er winkte die anderen Schüler zu sich heran. „Ich hoffe, es hat keiner mehr irgendwelche Schrammen oder blauen Flecke vom letzten Mal. Wenn doch, dann beißt gefälligst die Zähne zusammen, okay? Bei einem echten Kampf wird darauf auch keine Rücksicht genommen, ob ihr fit seid oder nicht. Ich möchte als erstes noch mal sehen, ob jeder von euch inzwischen den Schildzauber beherrscht. Findet euch also wieder in Zweier-Gruppen zusammen und verflucht euch gegenseitig. Aber bitte dieses Mal keine Schneideflüche oder Unverzeihliche!"

Ein leichtes Murren ging durch die Slytherins, dann verteilten sie sich gehorsam im Raum und begannen damit, sich gegenseitig Flüche an den Hals zu hexen, die dann abgewehrt werden mussten. Erstaunt stellte Harry fest, dass sich die Slytherins verdammt gut dabei anstellten. Crabbe war einer der wenigen, der seinen Schildzauber nicht halten konnte und bekam das bitter zu spüren, als ihn ein Fluch mit dem Kopf nach unten in der Luft hängen ließ. Auf Zehenspitzen folgte der Gryffindor Draco durch den Raum, während der seine Mitschüler überwachte und - wenn es nötig war - korrigierend eingriff. Tatsächlich fühlte Harry eine Art von Stolz für seinen Freund in sich aufflammen, als er sah, wie souverän Draco seine Rolle als Lehrer meisterte. Seit wann übten sie schon so im Verborgenen? Und warum hatte Draco ihm nichts davon gesagt oder noch wichtiger: Warum war er nicht selbst auf diese Idee gekommen?

Nach den Schildzaubern übte Draco mit den Slytherins noch einen Explosionszauber, indem er einige Kissen aufeinander stapelte und sie von den Schülern mit einem „Expulso!" in die Luft sprengen ließ. Dann erklärte er die Übungsstunde für beendet. „Das war gar nicht mal so schlecht", lobte der Blonde seine Mitschüler. „Nächste Woche werden wir dann etwas Kniffligeres probieren. Falls jemand von euch Diptam-Essenz besorgen kann, sollte er sie ruhig mitbringen. Ich garantiere euch, der Eine oder Andere wird es brauchen können."

Die Jungen und Mädchen stärkten sich noch schnell mit Kürbissaft und Keksen, bevor sie in kleinen Gruppen nacheinander den Raum verließen. Bis schließlich nur noch Blaise, Draco und Harry übrig waren. „Kommst du?" fragte der dunkle Slytherin seinen Freund, der mit einem Besen die zerstörten Kissen zu einem Haufen zusammen kehrte.

„Geh schon mal vor", erwiderte Draco ohne aufzublicken. „Ich möchte für die nächste Stunde noch was ausprobieren und das klappt besser, wenn ich allein bin."

„Alles klar", gab Zabini schulterzuckend zurück. „Bis später dann."

Eine gespenstische Ruhe senkte sich über den Raum der Wünsche, nachdem Blaise gegangen war und Harry wagte es kaum zu atmen. Eine ganze Weile stand Draco vor einer der verspiegelten Wände und betrachtete schweigend seine Refektion. Doch plötzlich zog der Blonde mit einem Ruck seinen Zauberstab aus der Hosentasche, drehte sich mit Schwung um die eigene Achse und rief in den Raum hinein: „Homenum revelio!"

Ein Lufthauch fuhr durch Harrys Haare, als ihm der Tarnumhang vom Kopf flog und er nur wenige Meter von seinem Freund entfernt sichtbar wurde. Der Slyhterin zog eine fragende Augenbraue hoch und verschränkte seine Arme vor der Brust. „Äh.... Hi, Draco!" begrüßte Harry den Blonden verschämt und er fühlte, wie sich seine Wangen rot verfärbten. „Woher wusstest du, dass ich hier bin?"

„Ich weiß schon seit den Kerkern, dass du uns hinterher läufst, Potter. Wer sonst trampelt wie ein Troll durch die Gänge? Es ist ein echtes Wunder, dass dich keiner der Anderen bemerkt hat. Und hast du gesehen, was du sehen wolltest?"

„Ich weiß, wie das aussieht, aber ich wollte dir nicht hinterher spionieren", rechtfertigte sich der Dunkle, worauf Draco ein verächtliches Schnauben hören ließ. „Ehrlich nicht. Ich habe mir einfach Sorgen gemacht. Du warst so komisch in letzter Zeit."

„Das sagt ausgerechnet der König der Geheimniskrämer!" platzte Draco dazwischen.

„Ich weiß, es ist nicht fair", fuhr Harry fort zu erklären. „Aber als ich dann gehört habe, wie sich Blaise mit dir verabredet hat..."

„Moment!" Auf das ernste Gesicht des Blonden stahl sich ein Lächeln. „Hast du etwa geglaubt ich hätte was mit ihm? Mit Zabini?! Ha! Der ist gut!"

Jetzt prustete Draco richtig los. „Zuerst bist du eifersüchtig auf Pansy und nun auf Blaise?! Der wird sich nicht einkriegen, wenn ich ihm davon erzähle! Auf so einen Blödsinn kannst auch nur du kommen!"

„Was sollte ich denn sonst denken, Malfoy?" schoss der Gryffindor beleidigt zurück. „Du wolltest mir ja nicht sagen, was du ohne mich treibst."

„Du musst ja auch nicht alles wissen, oder?" grinste der Slytherin verschlagen. „Und was sagst du jetzt, wo du weißt, was ich tue?"

„Ich finde die Idee gut. Sehr gut sogar. Eigentlich finde ich sogar, dass die Schüler aller Häuser so ein Training machen sollten. Die Lehrer versuchen ja lieber, uns von allem fern zu halten, aber ich denke, es ist besser, vorbereitet zu sein, als sich zu verkriechen."

„Meine Rede", erwiderte Draco zustimmend. „Wir können nicht den Kopf in den Sand stecken und hoffen, dass es uns nicht trifft. Der Krieg kommt immer näher und wir sind mitten drin. Ob wir wollen oder nicht."

„Du bist ein guter Lehrer, Draco. Die anderen Slytherins können viel von dir lernen", schmeichelte Harry, um die letzten Wogen zu glätten.

„Ich bin ein phantastischer Lehrer, Potter", konterte der Blonde selbstbewusst. „Sogar du könntest etwas von mir lernen."

„Mag sein", erwiderte der Dunkle ausweichend.

„Wollen wir wetten?" grinste der Slytherin und wackelte mit den Augenbrauen. „Lust auf ein kleines Training, Potter?"

„Ich denke nicht, dass das so eine gute Idee ist", gab Harry ausweichend zurück.

Das Grinsen des Anderen wurde breiter. „Angst?"

„Davon träumst du, Malfoy", knurrte der Gryffindor dunkel.

„Dann lass mal sehen." Draco umkreiste seinen Freund wie ein Raubtier seine Beute. Seine Augen hingen an Harrys Gesicht und der Dunkle wagte es kaum zu zwinkern. Eine Weile belauerten sich die beiden Jungen, dann riss der Dunkle den Zauberstab geschmeidig in die Höhe. „Expelliarmus!"

Locker blockte der Slytherin den Entwaffnungszauber ab. „Das ist nicht dein Ernst!" höhnte er kopfschüttelnd. „Damit willst du den Dunklen Lord besiegen?"

Blitzschnell schleuderte er nun seinerseits einen Fluch auf Harry ab. „Obscuro!"

Rasch führte der Gryffindor einen Schildzauber durch und der Augenbindenzauber verpuffte wirkungslos. Er konterte sofort mit einem Tarantallegra Zauber und dieses Mal war Draco nicht schnell genug, um den Fluch zu blocken. „Nicht schlecht", keuchte er, während seine Beine unkontrolliert herum zappelten. Doch trotz des Handicaps feuerte er nun seinerseits einen Zauber. Zwar hatte Harry den Schild rechtzeitig oben, doch der Rictusempra rauschte einfach darunter durch.

Kichernd wand sich der Dunkle unter dem Kitzelfluch, während er versuchte einen Zauber durchzuführen, doch er war zu abgelenkt, so dass Draco den Oppugno Fluch locker abwehrte und sofort seinerseits einen Zauber hinterher schickte.

„Aguamenti!"

Die Wasserfontäne durchnässte Harry bis auf die Haut, was er wegen des immer noch anhaltenden Kitzelfluches allerdings nur mit einem Lachen quittierte. „Diffindo!" schoss er zurück und Sekunden später lag Dracos Kleidung in feine Streifen geschnitten um ihn herum auf dem Fußboden.

„Na warte! Impedimenta!"

In Zeitlupe hob Harry seinen Zauberstab. „Incarcerus!" murmelte er schwerfällig und sofort schossen Seile auf Draco zu. Zwar schaffte es der Slytherin die Seile abzuwehren, doch eines streifte seine Wange und hinterließ dort einen roten Striemen.

Reflexartig zuckte Dracos Hand zu seinem Gesicht. Überrascht sah er den dunklen Blutstropfen, der an seinen Fingern klebte.

„Tut mir leid", rief Harry bestürzt herüber. „Das wollte ich nicht."

Der Blonde ließ ein abfälliges Schnauben hören, dann packte er seinen Zauberstab fester. „Achte auf deine Deckung, Potter! Bei einem echten Kampf kannst du auch keine Beileidskarten schreiben, wenn du jemanden verletzt! Locomotor Mortis!"

Der Gryffindor gab einen quietschenden Laut von sich, als seine Beine zusammen schnappten und er wie eine Puppe zur Seite umkippte. Mit immer noch wild zappelnden Beinen kam Draco näher. „Gibst du auf, Potter?" 

„Davon träumst du, Malfoy! Levicorpus!"

Der Beinklammerfluch streifte Dracos Ohr und schon wurde er von unsichtbaren Händen an den Fußknöcheln gepackt und hing mit dem Kopf nach unten in der Luft. Sich mit den Armen vorwärts über den Boden ziehend, kam Harry näher und hob grinsend den Zauberstab. Doch auch Draco hatte sich schnell von seiner Überraschung erholt und hielt ihm seinen Stab entgegen.

„Unentschieden?" fragte der Dunkle treuherzig.

„In Ordnung", knurrte der Slytherin. „Und jetzt lass mich runter."

„Finite Incantatem."

Ein dumpfer Knall ertönte, dann lagen die beiden Jungen schwer atmend nebeneinander.

„Das war gut", keuchte Draco schließlich. „Das sollten wir öfter machen."

„Gut?! Ich werde morgen lauter blaue Flecken haben!" beschwerte sich Harry.

„Sei nicht so ein Mädchen, Potter", feixte der Blonde grinsend. „Vor allem nicht jetzt, wo ich gerade so heiß auf dich bin."

„Du bist was?" fragte der Gryffindor alarmiert.

Der Slytherin drehte sich auf die Seite und stützte seinen Kopf auf eine Hand. „Weißt du eigentlich, wie sexy du bist, wenn du gerade mit Flüchen um dich wirfst?"

„Oh Merlin, Draco." Harry rollte mit den Augen. „Sag nicht, du stehst auf so was?"

Der Blonde wackelte anzüglich mit den Augenbrauen. „Von dir würde ich mir sogar einen Crucio verpassen lassen."

„Du bist echt nicht ganz dicht."

„Halt endlich die Klappe und küss mich." Auffordernd streckte Draco seinem Freund den Mund entgegen und kaum, dass Harry der Aufforderung nach kam, zog ihn der Blonde ungeduldig an sich. Stöhnend rieb Draco seinen Körper an dem des Dunklen und schon Sekunden später war auch Harry nackt bis auf die Haut.

„Sollten wir nicht vorher noch die Tür verriegeln?" versuchte der Gryffindor die Vernunft zu wahren.

„Das ist der Raum der Wünsche, Harry", knurrte der Blonde, während er verlangende Küsse auf dem Hals seines Freundes verteilte. „Wir wünschen uns einfach, dass uns keiner stört und dann wird es auch niemand tun. Aber was viel wichtiger ist: Kennst du einen Spruch, um meine Klamotten wieder heil zu zaubern?"

„Äh, nein", gab der Dunkle bedauernd zu und liebkoste nun seinerseits den Körper des Slytherin.

„Super, wie soll ich dann nachher zurück in die Kerker gehen? Etwa nackt?"

„Darüber machen wir uns Gedanken, wenn es soweit ist", erwiderte Harry rau, dann drehte er Draco auf den Rücken und glitt geschmeidig zwischen seine Beine.

XXXXXX

Verflucht!" Schimpfend riss Draco die Haustür auf und rannte in die Küche, wo er schnell den Wasserhahn aufdrehte.

Was ist passiert?" fragte sein Partner, der durch den Lärm angelockt, ebenfalls in den Raum geeilt war.

Gar nichts", knurrte der Blonde und hielt seine linke Hand in das kühlende Nass.

Ist das etwa eine Brandwunde?" rief Harry, als er alarmiert die Hand betrachtete. Tatsächlich waren die Finger von dicken Brandblasen übersät. „Ich hole schnell die Diptam Essenz. Wie ist das denn nur passiert?"

Jetzt hör auf überzureagieren!" schnappte Draco und zog wütend seine Hand aus Harrys Griff.

Das ist gar nichts! Okay? Ich habe mich einfach beim Zaubern versprochen."

Versprochen?" fragte Harry ungläubig, während er im Medizinschrank nach der richtigen Flasche kramte.

Ja, versprochen", grummelte der Blonde. „Ich wollte die Steine zu unserem Gartentor mit `Flagrate` markieren und habe stattdessen `Flagrante` gesagt, wodurch die Steine leider glühend heiß geworden sind."

Beinah unmerklich schüttelte der ehemalige Gryffindor den Kopf. „Gib mal her", forderte er seinen Partner auf, nachdem er die Diptam Essenz gefunden hatte. „Wenn ich die Verbrennung gleich bepinsele, wird Morgen nichts mehr zu sehen sein."

Mach es einfach, Potter und hör auf zu reden", presste Draco durch die zusammen gebissenen Zähnen hervor.

Wie wäre es mit `bitte` ?"

JETZT SOFORT!"

Na also, es geht doch."

Tbc....

Kapitel 24 von redangeleve

LI. The Key: The Secret

I`ve got the key, I`ve got the secret

I`ve got the key to another way 

(Urban Cookie Collective; The Key: The Secret) 

„Und wie war dein nächtlicher Naktspaziergang gestern?"

Schadenfroh grinsend ließ Harry die Beine von dem umgestürzten Baumstamm baumeln, auf dem er es sich bequem gemacht hatte. Die letzte Stunde vor dem Mittagessen war Pflege magischer Geschöpfe gewesen und die beiden Jungen genossen gemeinsam noch ein wenig die Frühlingsluft, bevor sie zurück ins Schloss gehen mussten.

„Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich im Adamskostüm in die Kerker gegangen bin?" fragte der Blonde spöttisch, während er mit dem Zauberstab ein Eichhörnchen, das auf dem Baum über ihnen herum kletterte, mit den verschiedensten Farben bedachte.

„Ach, hast du unterwegs einen Schneider getroffen oder bist du einfach in eine von den leeren Rüstungen geschlüpft?" witzelte der Gryffindor weiter.

„Besser", erwiderte Draco. „Ich habe ganz einfach Dobby gerufen und der hat mir eine Robe aus meiner Truhe besorgt."

„Ich wusste gar nicht, dass Dobby immer noch auf dich hört", gab Harry verwundert zurück.

„Er war jahrelang für mein Wohlergehen verantwortlich, das kann er nicht von einem Tag auf den anderen ablegen. In meinem ersten Schuljahr ist er sogar öfter vom Manor hier her geschickt worden, wenn ich irgendetwas von zu Hause haben wollte."

„Ich dachte, nach Hogwarts kann man nicht apparieren", wandte der Dunkelhaarige ein.

„Zauberer können das nicht, aber Elfen nutzen eine andere Art von Magie", korrigierte ihn sein Freund.

„Gut zu wissen", erwiderte Harry grinsend. „Dann weiß ich ja, wen ich das nächste Mal schicken kann, wenn mir nach Süßigkeiten aus dem Honigtopf ist."

„Oh, das muss ich Granger erzählen: Der ach so edle Harry Potter will eine arme Hauselfe zu seinem persönlichen Nutzen ausbeuten!" stichelte Draco mit einem teuflischen Gesichtsausdruck.

„Das wagst du nicht!" Mit einem Satz war Harry von seinem Baumstamm herunter gesprungen.

„Wollen wir wetten?" fragte der Slytherin frech.

„Dann mach dich darauf gefasst, dass ich den Diffindo Zauber das nächste Mal während eines Quidditch Spiels benutze", gab der Dunkle drohend zurück.

Der Schlag hatte gesessen. „Seit wann bist du eigentlich so hinterhältig, Potter?"

„Seit ich mit dir zusammen bin", erwiderte der Gryffindor prompt.

XXXXXX 

„Nach diesem Plan, den ich in einem alten Buch über Gringotts gefunden habe, sind nur eine Handvoll Hochsicherheitsverliese auf der untersten Ebene." Hermine deutete auf eine zerfledderte Karte, die so aussah, als ob sie jeden Moment zu Staub zerfallen würde. „Die ältesten dieser Höhlen sind mehrere hundert Jahre alt. Je weiter man zur Erdoberfläche kommt, desto neuer sind die Verliese."

Schweigend starrten die drei Freunde im Schein der Öllampe auf den Plan, der auf Harrys Bett ausgebreitet lag. Wie so oft in letzter Zeit hatten sie sich nach dem Abendessen hierher zurück gezogen, um über eine Möglichkeit nachzudenken, wie sie in die Zaubererbank gelangen konnten - und lebendig wieder hinaus.

„Dumbledore vermutet, dass sich der Becher von Helga Hufflepuff, den Voldemort gestohlen und in einen Horcrux verwandelt hat, im Verlies der Lestranges befindet. Außer diesem sind hier noch vier weitere Höhlen", fuhr das Mädchen fort.

„Avery, Rosier", begann Ron die vergilbten Namen zu entziffern. „Lestrange... gibt es unter den alten Familien eigentlich nur Todesser?!"

„Die Norringtons sind keine und haben dort auch ein Verlies", fuhr Hermine fort. „Und das letzte gehört...."

„.... den Malfoys!" entfuhr es Harry verblüfft, als er den Namen las.

„Exakt", stimmte ihm die Freundin zu. „Sie prahlen ja auch immer damit, zu den ältesten Zaubererfamilien Großbritanniens zu gehören, aber das wird uns hier nicht weiter helfen."

„Vielleicht doch", erwiderte der dunkelhaarige Gryffindor, der an sein Gespräch mit Draco zurück dachte und bevor die Anderen Zeit hatten, ihn zu fragen, was er damit meinte, rief er laut: „Dobby!"

Mit einem lauten „Plopp" erschien der Hauself mitten auf dem Bett. Erschrocken wichen die Freunde zurück und Hermine entfuhr vor Überraschung ein spitzer Schrei. „Harry Potter hat Dobby gerufen!" jauchzte der Elf glücklich. „Harry Potter Sir hat Dobbys Namen ausgesprochen!"

Tränen der Freude rannen dem kleinen Geschöpf aus den Tennisball großen Augen und tropften von der Nase hinunter, so dass Hermine schnell die wertvolle Karte in Sicherheit brachte.

„Hallo Dobby", begrüßte Harry den Elf. „Ich freue mich auch, dich zu sehen und ich brauche deine Hilfe."

„Was kann Dobby für Harry Potter tun? Hat Harry Potter Hunger oder Durst? Ein Sandwich? Eine frische Siruptorte? Oder ein Krug Kürbissaft?" fragte Dobby sofort eifrig.

Obwohl das Abendessen erst eine Stunde her war, bekam Ron bei der Erwähnung der Leckerbissen sofort glasige Augen, doch bevor er bei dem Elfen die halbe Vorratskammer bestellen konnte, kam Harry gleich zu dem wahren Grund, weshalb er Dobby hergerufen hatte. „Nein, danke. Wir sind nicht hungrig. Ich habe nur eine Frage an dich: Draco hat mir erzählt, dass du früher oft Sachen für ihn aus dem Manor hergebracht hast."

„Ja, der junge Master wollte ständig irgendwelche Dinge haben", erwiderte der Elf schnell. „Manchmal musste Dobby jeden Tag nach Hogwarts kommen und Sachen bringen."

„Kannst du jetzt immer noch ins Manor apparieren?" schob der dunkle Gryffindor schnell hinterher.

Der Elf nickte zaghaft. „Dobby denkt schon. Wenn der Master keinen Bannspruch über das Haus verhängt hat."

„Du hast doch früher oft Besorgungen für die Malfoys gemacht, nicht wahr Dobby?"

„Dobby hat alles gemacht, was von ihm verlangt wurde."

„Warst du auch bei Gringotts?" stellte Harry letztendlich die entscheidende Frage.

„Nicht allein, aber Dobby hat den Master ein paar Mal begleitet, um das Gold zu tragen", gab der Elf zur Auskunft.

„Weißt du vielleicht auch, wo der Schlüssel für das Verlies ist?"

„Den Schlüssel trägt der Master immer bei sich", erwiderte der Elf und Harry merkte, wie seine Hoffnung dahin schwand. „Aber Dobby weiß, wo Mistress ihren Schlüssel aufbewahrt."

Die Spannung war plötzlich mit den Händen zu greifen und Harry musste sich sehr bemühen, den Elfen seine Erregung nicht merken zu lassen. „Kannst du bitte ins Manor apparieren und den Schlüssel herbringen?"

Einen langen Moment schien Dobby unentschlossen, was er tun sollte. „Dobby weiß nicht, Harry Potter Sir. Der Schlüssel gehört der Mistress...."

„Wir leihen ihn uns doch nur aus Dobby", warf Harry schnell ein und Hermine nickte eifrig. „Bitte, Dobby. Es ist sehr, sehr wichtig."

Es war offensichtlich, dass der Elf hin und her gerissen war, zwischen seinem alten Herrn und demjenigen, der ihn aus seinem Elend gerettet hatte. Doch schließlich gewann seine Treue zu Harry die Oberhand. „Dobby wird es tun", versprach der Elf treuherzig. „Harry Potter kann sich auf Dobby verlassen."

Erleichtert atmeten die Freunde auf. „Danke, Dobby", sagte Harry freundlich. „Das ist sehr nett von dir."

Wieder traten Tränen der Rührung aus den Augen des Elfen. „Harry Potter hat Dobby gelobt. Harry Potter ist zu gut zu Dobby."

„Es ist schon gut, Dobby", versuchte der Junge den Elfen zu trösten. „Aber jetzt musst du gehen. Es ist wirklich sehr wichtig."

Der Elf schneuzte sich noch ein letztes Mal in das Geschirrtuch, das er wie eine Toga um den Bauch geknotet trug, dann verschwand er mit einem lauten „Plopp".

„Das war wirklich clever", lobte Ron seinen Freund enthusiastisch. „Hoffentlich findet er den Schlüssel."

„Selbst wenn, bringt er uns nur auf die Ebene der Hochsicherheitsverliese", schränkte Hermine die Begeisterung des Jungen ein. „Aber was dann?"

„Wenn wir erst drin sind, sehen wir weiter", erwiderte Harry zuversichtlich. „Ich habe da sogar schon eine Idee, aber darüber sprechen wir später."

Wie aufs Stichwort ploppte es erneut und der Hauself erschien mitten auf der Bettdecke. In der Hand hielt er einen Schlüssel, der fast so lang war, wie einer seiner Arme. „Dobby hat ihn gefunden!" quieckte der Elf triumphierend. „Bitte, Harry Potter Sir."

Ehrfürchtig nahm Harry den Schlüssel entgegen. Wie alle von Kobolden gearbeiteten Dinge, war er wunderschön. Das Metall war glatt und glänzend und zeigte nicht die geringsten Ablagerungen oder Patina, obwohl der Schlüssel uralt zu sein schien. Edelsteine verzierten die geschwungenen Ornamente in seinem Griff, die sich bis hinunter zu den Zähnen fortsetzten. Schon in dem Moment, in dem Harry den Schlüssel berührte, konnte er die Magie fühlen, die in ihm pulsierte. Zwar wusste der Junge nicht, was für eine Art von Zauber es war, doch er hätte wetten können, dass die Malfoys ihn nachträglich hinein gehext hatten, damit er von niemandem als ihnen selbst benutzt werden konnte.

„Danke, Dobby", sagte Harry zu dem Elfen, der ihm dabei zusah, wie seine Finger über das glatte Metall strichen. „Du hast uns sehr geholfen."

„Dobby hilft Harry Potter gern", antwortete der Elf voller Inbrunst. „Harry Potter ist immer gut zu Dobby gewesen."

„In Ordnung, du kannst jetzt gehen, Dobby. Wir rufen dich, wenn wir noch etwas brauchen."

„Gute Nacht, Harry Potter Sir. Gute Nacht Freunde von Harry Potter."

„Gute Nacht Dobby."

Der Elf verschwand mit einem „Plopp" und ließ die drei Gryffindors zurück, die andächtig auf den Schlüssel starrten. Schließlich war es Ron, der als Erster seine Sprache wieder gefunden hatte. „Also Harry, dann spann uns mal nicht länger auf die Folter und lass uns hören, was du dir ausgedacht hast."

XXXXXX

„Nun, wie sehe ich aus?" In typischer Malfoy-Manier zog Harry fragend eine helle Augenbraue hoch, als er sich vor dem Spiegel in seinem Schlafsaal hin und her drehte, während ihn Ron und Hermine auf dem Bett sitzend skeptisch begutachteten. Durch das geöffnete Fenster wehte der Lärm der Schüler herein, die sich beim Quidditch Match der Slytherins gegen die Ravenclaws amüsierten. Das Wetter meinte es gut mit den Schülern. Jetzt, Mitte April, kletterten die Temperaturen das erste Mal über die zehn Grad Marke und die Zuschauer auf den Tribünen konnten das Spiel auch ohne Umhänge genießen. Von Zeit zu Zeit glaubte Harry in der Ferne einen hellbonden Haarschopf aufblitzen zu sehen, doch er hatte keine Zeit um dem Spielverlauf zu folgen. Alle drei Gryffindors wären im Moment lieber draußen auf dem Quidditch Feld gewesen, aber ihr Plan hatte nun einmal höchste Priorität.

„Echter als der echte Malfoy", erwiderte der rothaarige Gryffindor nach einer Weile und sah fasziniert, wie sich Harry die silberblonden Strähnen aus der Stirn strich.

„Wirklich Harry, wenn wir nicht wüssten, dass du es bist, würden wir dich für Draco halten", sagte auch Hermine.

„Hoffen wir, dass die Kobolde das auch finden", seufzte Harry angespannt. Jetzt, wo die Durchführung ihres Planes unmittelbar bevor stand, war er sich plötzlich nicht mehr sicher, ob es so eine gute Idee gewesen war, sich als Draco auszugeben. Sicher, er hatte im letzten Jahr mehr Zeit mit ihm verbracht als irgendjemand sonst und er kannte Dracos Mimik und Gestik beinah so gut wie seine eigene, aber er hatte den Blonden nie außerhalb von Hogwarts agieren sehen. Er konnte also nur ahnen, wie sich Draco gegenüber den Kobolden verhalten würde.

Gedankenverloren strich Harry über die Schlange, die auf seine Brust gestickt war. Es war ein ungewohntes Bild, das Zeichen der Slytherins an sich selbst zu sehen. Vor ein paar Tagen hatten sie die Schuluniform aus der Wäscherei besorgt und nachdem der Vielsafttrank heute endlich fertig geworden war, hatten sie beschlossen, dass heute der große Tag sein sollte. Harrys eigene Kleider lagen in einem wirren Haufen auf dem Bett. Sie würden ihm nun ohnehin nicht mehr passen, da Draco fast einen halben Kopf größer war, als sein Freund.

„Wollen wir das wirklich durchziehen?" fragte Harry mehr an sich selbst gewandt. „Noch können wir über einen anderen Weg nachdenken."

„So sehr es mir widerstrebt das zu sagen, aber ich denke, es gibt keinen anderen Weg", erwiderte Hermine ehrlich. „Seit Monaten grübeln wir und tragen Informationen zusammen, jetzt sollten wir endlich Nägel mit Köpfen machen."

„Mine hat recht", gab nun auch Ron zu. „Wir verlieren zu viel Zeit. Nun heißt es eben: Jetzt oder nie."

„Ihr müsst nicht mitkommen, das wisst ihr", gab Harry zu bedenken und sah seine beiden Freunde aus seinen jetzt silbergrauen Augen an. „Wenn euch etwas passiert...."

„... dann haben wir es so gewollt", vollendete Hermine den Satz für ihn.

„Du glaubst doch nicht, dass wir dich da allein reingehen lassen", fügte auch Ron hinzu.

Harry schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch, dann endlich war er bereit. „In Ordnung. Lasst uns gehen, solange die Anderen noch beschäftigt sind."

XXXXXX

Sich aus dem Schloss zu schleichen war keine Schwierigkeit. Die schweren Eichentore standen wegen des Quidditch Spiels Sperrangel weit offen. Nachher wieder hinein zu kommen, würde das größere Problem darstellen, aber damit würden sie sich befassen, wenn sie heil und gesund zurück waren. Wie erwartet, begegneten sie auf dem Weg Richtung Hogsmeade keinem Menschen. Alle waren bei dem großen Spiel, ob es nun Schüler oder Lehrer waren. Als die ersten Häuser des Zaubererdorfes in Sicht kamen, apparierten die drei Freunde schließlich in die Winkelgasse. Da Harry als einziger von ihnen noch keine Siebzehn war, hatten sie verabredet, dass Hermine mit ihm Seite-an-Seite reisen würde. Wenige Augenblicke später fanden sie sich auf dem Hinterhof des Tropfenden Kessels wieder. Um ein Haar wären sie sogar mitten in den Mülltonen der Schänke gelandet.

„Tut mir leid", sagte Hermine zerknirscht, während sie den Ärmel ihrer Robe, der den Rand einer Tonne gestreift hatte, wieder sauber zauberte. „Ich bin noch nicht so exakt in der Landung."

„Ist schon okay", erwiderte Harry. „Wenigstens hast du den Apparierkurs schon hinter dir. Ich kann es kaum erwarten, endlich siebzehn zu werden."

„Du solltest schnell die zweite Vielsaft-Ration nehmen", mischte sich Ron in das Gespräch. „Deine Haarwurzeln fangen schon an wieder schwarz zu werden."

Harry nickte und zog unter seiner Robe eine Phiole hervor. Sie hatten insgesamt zwei Röhrchen des silberfarbenen Tranks als Vorrat mitgenommen. Auch er selbst bemerkte, dass die Rückverwandlung unmittelbar bevor stand, weil seine Sehkraft schwächer wurde, daher entkorkte er eilig die Phiole und setzte sie an die Lippen. Entgegen seiner ersten Erfahrung mit diesem Zaubertrank schmeckte die Essenz, die eines von Dracos Haaren enthielt richtig angenehm. Beinah so, wie der Slytherin selbst schmeckte, wenn Harry beim Küssen seine Zunge in den Mund des Blonden wandern ließ. Doch für solche Gedanken war nun keine Zeit. Schnell stürzte er den Trank hinunter und schon einen Augenblick später wurde seine Umgebung wieder scharf.

„Alles klar?" fragte Harry an seine Freunde gewandt. Die beiden Gryffindors zogen sich als Antwort den Tarnumhang über den Kopf. „Dann los."

Mit erzwungener Langsamkeit schritt Harry über das Kopfsteinpflaster der Winkelgasse. Eigentlich war dem Junge eher danach zu rennen, aber er durfte keine unnötige Aufmerksamkeit erregen. Aus dem Augenwinkel nahm er wahr, dass ein paar Hexen und Zauberer stehen blieben und flüsternd mit dem Finger auf ihn zeigten. Es war kein neues Gefühl für Harry, doch er musste sich selbst daran erinnern, dass sie nicht den vermeintlichen Retter der Zauberwelt sahen, sondern den Sohn des Todessers. Ohne nach rechts und links zu schauen ging er geradewegs in die Richtung der Zaubererbank, die in ihrem schneeweißen Gebäude hoch über den anderen Läden der Winkelgasse zu trohnen schien.

An dem prunkvollen Portal musste er sich zwingen, nicht die Bronzetür zu öffnen, sondern den dort postierten Kobold die Arbeit machen zu lassen. Auch den Dank, der ihm auf der Zunge lag, schluckte er unausgesprochen herunter. Draco würde sich nicht bei einem Kobold bedanken. Für ihn war es selbstverständlich, bedient zu werden. Stattdessen nickte er mit stolz erhobenem Kopf dem Kobold in der scharlachroten Uniform zu, der sich höflich vor ihm verbeugte, dann trat er durch die silberne Doppeltür in die große Marmorhalle, die wie immer vor Geschäftigkeit brummte. Den eingravierten Spruch, der eine Warnung an alle Diebe aussprach, versuchte er dabei so gut es ging zu ignorieren. Warum nur musste er ausgerechnet in diesem Moment an den Tag denken, als er damals mit Hagrid das erste Mal durch diese Tür gegangen war? „Wie ich gesagt hab, du musst verrückt sein, wenn du den Laden knacken willst", hatte der Halbriese zu ihm gesagt. Vielleicht war er das tatsächlich, aber Harry wusste, dass es jetzt ohnehin zu spät war, um noch einen Rückzieher zu machen.

Wie Könige saßen die Kobolde an ihren erhöhten Tresen und sahen auf die Zauberer und Hexen herab, die bei ihnen anstanden, um Gold aus ihren Verliesen heraus zu holen oder welches in sie hinein zu bringen.

Aus den Büchern und Hermines unerschöpflichem Wissensschatz wusste Harry, dass das Verhältnis zwischen Kobolden und Menschen schon seit jeher angespannt war. Die Zauberer akzeptierten diese Wesen nicht als gleichwertige Partner in ihrer Gemeinschaft und die Kobolde fühlten sich von den Zauberern unterdrückt und betrogen. Wenn es irgendwie möglich war, lebten sie getrennt voneinander. Nur hier, in den heiligen Hallen von Gringotts trafen sie gezwungener Maßen aufeinander, um Geschäfte miteinander zu machen.

Der Kobold, vor dessen Pult Harry anhielt, tat eine geschlagene Minute so, als habe er seine Anwesenheit noch nicht bemerkt und kritzelte auf einem vergilbten Pergament herum, bevor er schließlich den Kopf hob und den Jungen durch seine Metallbrille kritisch musterte.

„Name?" fragte er mit einer heiseren Stimme, die Harrys Nackenhaare zu Berge stehen ließen.

„Ha... Draco Malfoy", stotterte Harry und versuchte, sich von dem stechenden Blick des Kobolds nicht einschüchtern zu lassen. „Mein Vater schickt mich, um etwas aus seinem Verlies zu holen."

Der Kobold streckte seine langen, knochigen Finger aus. „Schlüssel?"

Etwas mühsam kramte Harry den geschrumpften Schlüssel aus der Innentasche seiner Robe hervor. Mit einem Engorgio gab er ihm seine ursprüngliche Größe wieder und legte ihn schweren Herzens in die Hand des Kobolds. Dieser drehte und wendete den Schlüssel ein paar Mal hin und her, dann gab er ihn Harry zurück und nickte schließlich. „Gut. Griphook!"

Ein weiterer Kobold kam herbei gelaufen und blieb abwartend vor dem sitzenden Kobold stehen. „Bring den jungen Herrn Malfoy hinunter in das Familienverlies."

Der angesprochene Kobold nickte und nahm einen Lederbeutel in Empfang, den er zu einem riesigen Schlüsselbund an seinen Gürtel hängte. „Folgen Sie mir bitte", sagte er an den wartenden Harry gewandt, dann ging er zügig davon.

Harry musste sich beeilen um mit dem Kobold Schritt zu halten, der auf eine der vielen Türen zu steuerte, die aus der Halle heraus führten. Hinter der Tür war nichts mehr von der Pracht der Schalterhalle zu sehen. Sie betraten einen groben, steinernen Gang, der von lodernden Fackeln erleuchtet wurde. Mit jedem Schritt klopfte Harrys Herz immer lauter, je weiter sie sich von der Tür entfernten und immer tiefer in die ungastliche Dunkelheit eintauchten. Jede Sekunde rechnete er damit, dass dem Kobold auffiel, dass außer ihren eigenen noch zwei weitere Paar Füße auf dem felsigen Boden zu hören waren. Doch der Kobold sagte nichts und drehte sich auch nicht um, sondern ging zielstrebig zu der Stelle, wo der Gang auf das Schienennetzwerk traf.

Dort hielt Griphook an und pfiff einen kleinen Karren herbei, der auf den Schienen aus der Dunkelheit auf sie zugerollt kam. Es war ziemlich eng, als sich Harry mit dem Kobold nach vorn setzte, doch sie mussten schließlich die Rückbank für Ron und Hermine frei lassen. Merlin sei Dank kam in diesem Moment gerade ein anderer Karren aus den Gängen zurück und der Lärm, den der Kobold und ein scheinbar uralter Zauberer machten, als sie aus dem Gefährt stiegen, übertönte die Geräusche, die entstanden, als Harrys Freunde in den Karren kletterten.

Mit einem Ruck fuhr der Karren los und gewann schnell an Geschwindigkeit. Bereits kurz nach der Abfahrt begann das Gefährt durch labyrinthartige Gänge zu schlingern und zu kurven, die unaufhörlich weiter in die Tiefe führten. Wenn Harrys Magen schon vorhin rebelliert hatte, schlug er nun einen Salto nach dem anderen. Der Fahrtwind zerrte an den Haaren des Jungen und er betete dafür, dass er nicht den Tarnumhang fortwehen würde. Verschwommen nahm er wahr, dass sie zwischen Stalaktiten und Stalakniten hindurch kurvten und dabei immer tiefer in die Erde hinab rauschten.

Vielleicht kam es ihm nur so vor, aber Harry war sich sicher, dass er jetzt bereits tiefer in den Gängen unter der Zaubererbank war, als jemals zuvor. Nach einer weiteren, unglaublich engen Haarnadelkurve stoppte der Karren so plötzlich, dass Harry beinah frontal hinaus gekippt worden wäre.

„Wir sind da", erklärte der Kobold, der von der holprigen Fahrt nicht im geringsten mitgenommen wirkte. „Den Rest des Weges müssen wir zu Fuß zurück legen."

Behände sprang er aus dem Wagen und schnappte sich eine der Fackeln, die in einer Halterung an der Felswand steckten. „Hier entlang, bitte."

Harry folgte ihm mit zitterigen Beinen. Ihm war, als würden die Wände vor und zurück schwanken, doch vermutlich war das nur eine Nachwirkung der wilden Fahrt. Erneut schritten sie durch dunkle Gänge, bis sie schließlich um eine Ecke bogen und auf einmal in einer großen Höhle standen. Erschrocken hielt Harry in der Bewegung inne, so plötzlich, dass seine Freunde unter dem Umhang von hinten gegen seinen Rücken prallten.

Nur wenige Meter vor ihnen war ein gigantischer Drache angekettet worden und versperrte den Zugang zu den fünf tiefsten Verliesen von Gringotts. Die Schuppen der Echse waren während der langen Gefangenschaft unter der Erde blass und rissig geworden und seine Augen wirkten wie von einem Nebel überzogen. Seine großen, stacheligen Flügel trug der Drache eng am Körper und Harry bezweifelte, dass das Tier sie in den letzten Jahren jemals auseinander gefaltet hatte. Trotz ihrer Situation überkam ihn eine Welle des Mitleids für die arme Kreatur. Drachen sollten in Freiheit leben, wo sie fliegen und jagen konnten und nicht wie Höllenhunde in einem engen Felsloch unter der Erde eingesperrt sein. Wenn Rons Bruder Charlie diesen Drachen sehen würde, würde es ihm vermutlich das Herz brechen.

In diesem Moment wurde der Drache auf die Besucher aufmerksam und wandte ihnen seinen wuchtigen Kopf zu. Ein Brüllen ließ die Felswände erzittern, als er sein Maul öffnete. Ihm folgte ein heller, orangefarbener Feuerstrahl. Harry war sich sicher, Hermine unter dem Umhang aufkeuchen gehört zu haben, doch jegliche Geräusche wurden von einem weiteren Brüllen der Kreatur verschluckt.

„Zurücktreten!" Griphook schien von dem wilden Gebaren des Drachen nicht eingeschüchtert zu sein. Routiniert zog er den ledernen Beutel hervor, öffnete ihn und holte eine Reihe kleiner, metallener Instrumente heraus, die wenn man sie schüttelte, ein lautes, klirrendes Geräusch erzeugten. „Bleiben Sie eng hinter mir", wies er Harry an, der hoffte, dass auch Ron und Hermine diesen Rat beherzigen würden. Sicheren Schrittes ging der Kobold auf den Drachen zu, wobei er die Instrumente heftig schüttelte. Durch den Widerhall der Felswänden schien es beinah, als seien hunderte Griphooks in der Höhle und der Drache gab ein markerschütterndes Heulen von sich, während er Schritt für Schritt zurück wich, bis sein schuppiger Rücken beinah die Wand hinter ihm berührte. Harry wollte gar nicht wissen, wie es den Kobolden gelungen war, den Drachen zu dieser Reaktion zu bringen. An seinem Verhalten und den vielen wulstigen Narben auf dem Körper der Kreatur konnte er jedenfalls ablesen, dass es mit unerträglichen Schmerzen zu tun haben musste.

Unbehelligt kamen sie so an dem Drachen vorbei, bis sie vor den Hochsicherheitsverliesen angekommen waren. „Halten Sie die Fackel, bitte", wies Griphook Harry an, ohne ihn dabei anzusehen. Das war der Moment, auf den sie gewartet hatten. Eine Hand, die einen Zauberstab trug, erschien wie aus dem Nichts unter dem Tarnumhang und richtete sich auf den Kobold. „Imperio!" rief Hermine fast zeitgleich mit der Bewegung und ihre Stimme schien durch die Steinwände um sie herum unnatürlich laut.

Sie hatten lange darüber diskutiert, bei dieser Mission Flüche einzusetzen und natürlich war die ehrliche und gesetzestreue Hermine vehement dagegen gewesen. Zumal sie als einzige von ihnen volljährig war und gleichzeitig die zauberischen Fähigkeiten besaß, einen solchen Fluch durchzuführen. Es machte die Sache nicht gerade einfacher, dass nur ein unverzeihlicher Fluch in Frage kam, um dem Kobold ihren Willen aufzuzwingen. Doch letztendlich konnte Harry die Freundin überzeugen, denn was machte es schließlich noch für einen Unterschied, ob sie einen solchen Fluch benutzten oder nicht? Wenn man sie bei dem Einbruch erwischen sollte, würden sie ohnehin alle drei nach Askaban geschickt werden.

Vorsorglich nahm Harry dem Kobold die Fackel ab, der völlig in seiner Bewegung eingefroren zu seien schien. Seine Augen wirkten plötzlich glasig und sein Gesichtsausdruck war leer. „Öffne uns das Verlies der Lestranges", wies ihn Hermine an, nachdem sie und Ron unter dem Tarnumhang hervor gekommen waren. Griphook nickte abgehackt, zog den gigantischen Schlüsselbund hervor und wählte nach kurzem Suchen einen Schlüssel, der dem der Malfoys sehr ähnlich sah.

Beinah mechanisch steckte er den Schlüssel in das Schloss des Hochsicherheitsverlieses und legte gleichzeitig seine flache Hand auf das alte Holz, das sich plötzlich bewegte und nach oben im Fels verschwand. Dahinter lag eine höhlenartige Kammer, die vom Boden bis zur Decke mit Gold vollgestopft war. Überall lagen Goldmünzen und Kelche, Truhen voller Edelsteine, Schmuck und anderes Geschmeide. Aber auch schwarzmagische Artefakte waren dabei, nach denen sich die Auroren des Ministeriums vermutlich alle zehn Finger ablecken würden: Häute fremdartiger Lebewesen, Mumienhände, halb zerfallene Bücher, Zaubertränke in juwelenbesetzten Flaschen und sogar einige alte, offenbar menschliche Knochen waren dabei.

Die drei Freunde stürmten fast gleichzeitig in das Verlies, während Griphook immer noch wie erstarrt in der Öffnung stand. Von den Aufzeichnungen in Dumbledores Tagebuch hatten sie eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wonach sie suchten, aber trotz allem bestand immer noch die Möglichkeit, dass der Horcrux, der hier versteckt war, ein ganz anderer sein konnte. Fieberhaft begannen die Gryffindors in dem Schätzen zu wühlen. Sie öffneten Truhen, kramten in Schrankkoffern und gruben sich durch Berge an Gold und Edelsteinen. Harry vertraute ganz seinem Gefühl. Wenn der Horcrux hier sein sollte, ganz egal welche Form er auch haben mochte, würde er es fühlen, wenn er ihn in der Hand hielt. Doch Ron und Hermine konnten sich nur auf die Beschreibung verlassen.

Plötzlich stieß der rothaarige Gryffindor einen Jubelschrei aus, seine Hand war triumphierend nach oben gestreckt. „Schaut her: Ich habe ihn! Der Kelch, ich habe ihn gefunden! Hurra.... Aua!"

Der Jubelschrei ging in einen Schmerzensschrei über, als Ron den Kelch fallen ließ und entsetzt auf seine blutende Hand starrte, um die sich eine grüne Schlange wand. Voller Sorge rannte Hermine herüber, um ihrem Freund zur Hilfe zu eilen, während Harry in die andere Richtung davon spurtete. Denn im selben Moment senkte sich die Tür des Verlieses herab und Harry gelang es gerade noch, den lethargischen Griphook ins Innere zu ziehen, bevor dieser von dem schweren Holz zerquetscht werden konnte.

Auf einen Schlag war es stockdunkel, nur das Licht der einzigen Fackel erleuchtete die nackten Steinwände. Geschockt sahen sich die drei Gryffindors an, zu verängstigt um Worte zu finden. Sie waren eingesperrt. Die Falle hatte zugeschnappt. Jetzt war alles aus. Doch es kam noch schlimmer: In die gespenstische Stille über dem Verlies mischte sich ein Geräusch, ein leises Rascheln. Erst hier, dann dort und schließlich von überall her und als Harry die Fackel, welche er in der Hand hielt auf den Boden richtete, sahen sie dutzende von Schlangen aus jeder Ecke auf sie zukriechen.

XXXXXX

Bist du so weit, Love?" frage Harry seinen Partner bestimmt schon zum dritten Mal. „Du weißt doch, dass wir vor unserer Verabredung noch zu Gringotts müssen."

Ich hab`s gleich", ertönte Dracos Stimme durch die angelehnte Schlafzimmertür. „Ich kann nur den Schlüssel zu meinem Verlies nicht finden."

Da kannst du lange suchen", erwiderte Harry und drückte die Tür weiter auf. Der Anblick dahinter entlockte ihm ein leises Seufzen, denn der Raum sah aus, als hätte in ihm ein Tornado gewütet. Mitten drin stand sein Ehemann und sah ihn ratlos an. „Du hast keinen Schlüssel bei Gringotts", klärte ihn der Dunkle auf. „Unser Verlies läuft auf meinen Namen."

Wieso habe ich keinen Schlüssel?" fragte Draco verdutzt nach. 

Die Kobolde haben dir dein Verlies gekündigt, nachdem du dort eingebrochen bist", setzte Harry den Tatbestand auseinander. „Naja, eigentlich bin ich es gewesen, der eingebrochen ist, aber mit deinem Gesicht... Naja, jedenfalls hast du dort Hausverbot auf Lebenszeit."

Großartig", schnarrte Draco frustriert. „Ich habe auch nur Ärger deinetwegen, Potter."

Jaja", erwiderte Harry, während er den Blonden einfach hinter sich her zog. „Du kannst mich gern verfluchen, wenn wir wieder zu Hause sind. Jetzt müssen wir aber endlich los."

Worauf du dich verlassen kannst."

Tbc....

Kapitel 25 von redangeleve

LII. Toy Soldiers (Part Two)

 

I`m supposed to be the soldier who never blows his composure

Even though I hold the weight of the whole world on my shoulders

I`m never supposed to show it, my crew ain`t supposed to know it

 

(Eminem, Like Toy Soldiers) 

 

Die Entfernung zwischen den Schlangen und den drei Jugendlichen schmolz von Sekunde und Sekunde, während die Gryffindors sich immer weiter zurück zogen, wobei Harry den unter dem Imperius-Fluch stehenden Kobold Griphook mit sich zog. Keiner von ihnen achtete darauf, dass der Vielsafttrank dabei war seine Wirkung zu verlieren und Harry immer mehr wie Harry aussah.

„Oh Merlin, wir werden alle sterben", wimmerte Ron leise, den Arm mit dem Schlangenbiss eng an den Körper gedrückt. Mit der anderen Hand umklammerte er den Zauberstab, den er in Richtung der angriffslustig zischenden Reptilien gerichtet hielt.

„Niemand stirbt hier", erwiderte Harry verbissen, als er den Becher, den Hermine ihm gegeben hatte, unter seinem Umhang verstaute und dann den Kobold mit beiden Händen heftig schüttelte. „Griphook, Sie müssen mir sagen, wie man hier raus kommt!"

„Es gibt keinen Weg", erwiderte der Kobold mit der Stimme eines Schlafwandlers. „Dieses Verlies besitzt eine besondere Diebstahlsicherung. Sie wurde bei Betreten nicht deaktiviert und ist nun in Kraft getreten."

„Hätten Sie uns das nicht vorher sagen können?" fragte Hermine entrüstet.

„Miss hat nicht gefragt", erwiderte Griphook prompt.

Natürlich, durch den Imperius-Fluch war der Kobold wie eine Marionette. Hermine hatte ihm befohlen, das Verlies zu öffnen und genau das hatte er getan. Nicht mehr und nicht weniger. Doch jetzt war es zu spät, um über das Wie und Warum zu diskutieren. Im Moment galt es erst einmal zu überleben.

„Wir werden schon einen Weg finden, wenn wir erst einmal mit diesen Viechern fertig geworden sind", sagte Harry, um sich und seinen Freunden Mut zu machen. „Ich werde ihnen einfach befehlen, uns in Ruhe zu lassen."

Er konzentrierte sich so gut es unter diesen Umständen ging, dann sah er der Schlange, die ihm am nächsten war, direkt in die Augen. Ein Zischen entwich seinen Lippen. Die Worte in Parsel waren leise und doch beschwörend, von einer unterschwelligen Eindringlichkeit erfüllt. Die Schlange antwortete ebenfalls mit einem Zischlaut. Ihre Zunge zuckte dabei aus ihrem Mund und auch wenn Ron und Hermine nicht verstanden, was sie sagte, so hörte es sich in ihren Ohren ganz sicher nicht freundlich an. Die anderen Schlangen stimmten mit ein und schon einen Augenblick später war die Höhle erfüllt von Zischgeräuschen, die den Jugendlichen eine Gänsehaut über den Körper schickten.

„Sie hören nicht auf mich", übersetzte Harry die Laute der Reptilien. „Alles was sie sagen ist: Töten, töten, töten..."

„Das ist ja sehr ermutigend", stöhnte Ron mit zusammen gebissenen Zähnen. „Ich hoffe schwer, du hast noch einen Plan B in der Hinterhand."

Frustriert fuhr sich der dunkle Gryffindor mit der Hand durch die inzwischen wieder rabenschwarzen Haare. „Das Einzige, was mir einfällt ist sie zu bekämpfen. Eine Schlange nach der anderen." Entschlossen zog er seinen Zauberstab hervor.

„Nein, Harry", schaltete sich Hermine ein. „Du darfst deinen Stab nicht benutzen! Sonst weiß das Ministerium sofort Bescheid!"

„Na und?" schrie Harry, während er voller Panik auf die herannahende Gefahr starrte. „Vergiss das Ministerium, Mine! Wir sind eingeschlossen und werden hier von giftigen Schlangen bedroht!"

„Achte du nur auf Griphook. Ich halte die Schlangen auf. Stupor!" Mit einem gezielten Schockzauber traf Hermine die erste Schlange, die nach ihrem Fuß schnappte. In einem hohen Bogen schnellte das Reptil in die Luft und prallte gegen die gegenüber liegende Wand. Ermutigt durch den Erfolg, gelang es auch Ron eine Schlange zu schocken.

Harry war hin und her gerissen. Einerseits wusste er, dass Hermine recht hatte. Er durfte nicht zaubern, wenn er sich nicht in furchtbare Schwierigkeiten bringen wollte. Andererseits konnte er nicht einfach hier stehen und dabei zusehen, wie Ron und Hermine um ihr Leben kämpften. Entschlossen schob er den teilnahmslosen Kobold hinter sich und drückte ihm die Fackel in die Hand, die die einzige Lichtquelle war. Dann bückte er sich und kramte aus einer Truhe ein altes, rostiges Schwert hervor. Nun ja, es war nicht gerade Gryffindors Schwert, aber es würde als Waffe reichen müssen. Mittlerweile waren sie in die hinterste Ecke des Verlieses zurück gewichen. Es war kaum genug Platz da, um die Arme auszustrecken, geschweige denn um zu kämpfen. Mit dem Mut der Verzweiflung warf sich Harry nach vorn und schlug einer der Schlangen den Kopf ab, aus dem Augenwinkel registrierend, dass seine Freunde einen Fluch nach dem anderen abschossen. Doch so viele Schlangen sie auch töteten, es kamen immer mehr nach. Es war wie ein endloser Strom aus grünen, braunen und schwarzen Leibern, der aus jeder Ecke auf sie zugekrochen kam, mit nur einem Ziel: Die drei Jugendlichen zu töten.

Doch die Gryffindors gaben nicht auf. Innerhalb von Minuten war Harry umgeben von Dutzenden toter Schlangen. Vor Anstrengung lief ihm der Schweiß in Strömen die Stirn herab und mischte sich dort mit dem Blut der Reptilien.

Auch Hermine kämpfte wie noch nie in ihrem Leben. Im Sekundentakt schoss sie Flüche auf die angreifenden Tiere und versuchte nebenbei Ron zu decken, dessen Kraft immer mehr nachließ. Das Schlangengift zeigte bereits seine Wirkung. Sein Gesicht war auffallend blass und verschwitzt und die Hand, die seinen Zauberstab hielt, zitterte. Es war nur noch eine Frage von Minuten, bevor er zusammen brechen würde.

Harry hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, als ein plötzliches „Plopp" hinter ihm ertönte. „Harry Potter Sir! Dobby hat Sie gefunden! Harry Potter und Freunde müssen schnell hier raus!"

„Dobby!" Mit einer Mischung aus Überraschung und Erleichterung sah Harry den Hauselfen hinter sich in der Ecke stehen. Die Tennisball großen Augen der kleinen Gestalt leuchteten im schwachen Licht, als er strahlend von einem zum anderen sah. „Kannst du uns nach Hogwarts bringen?"

„Dobby kann. Dobby ist hier her geschickt worden, um zu helfen." Er streckte Harry seine kleine Hand entgegen.

„Nimm zuerst Ron mit", befahl der dunkle Gryffindor dem Elfen, als er im letzten Moment eine Schlange in zwei Hälften teilte, die gerade zum Sprung auf sie ansetzte.

„Nein, Hermine geht zuerst", widersprach Ron schwach, während er sich mit der Schulter an der Wand abstützte.

„Sei nicht albern", erwiderte das Mädchen barsch. „Du kannst kaum stehen. Geh mit Dobby. Wir kommen hier schon klar."

Zwar sah der rothaarige Junge nicht begeistert aus, aber er wusste, dass sie recht hatte. „Passt auf euch auf", sagte er und schoss noch einen letzten Fluch ab, bevor er Dobby die Hand hin streckte. Erneut ploppte es, dann war der Elf mit dem Gryffindor verschwunden.

Hermine straffte sich. „Ich denke, wir müssen hier mal härtere Geschütze auffahren. Serpensortia!"

Eine grüne Schlange schoss aus ihrem Zauberstab hervor und ging auf die anderen Reptilien los. Ein wilder Kampf entbrannte und die Höhle war erfüllt von lautem Zischen und dem schleifenden Geräusch sich bewegender Schlangen. Durch einen Schwellzauber vergrößerte das Mädchen die verzauberte Schlange, die wie ein Berserker unter ihren Artgenossen wütete.

„Wow", entfuhr es Harry beeindruckt. „Das war richtig gut."

„Danke." Das Mädchen errötete leicht, doch sie hatten nur kurz Zeit sich über den Triumph zu freuen. Das Licht der Fackel zitterte und Harry erkannte mit Schrecken, dass das Pech am Ende des Stocks fast aufgebraucht war. Wenn sie erlöschen sollte, solange sie noch hier drinnen waren.... Darüber wollte Harry lieber nicht nachdenken.

Ein erneutes „Plopp" kündete Dobbys Rückkehr an. „Hast du Ron nach Hogwarts gebracht?" fragte Hermine sofort. Die Besorgnis war ihr mehr als deutlich ins Gesicht geschrieben.

Der Elf nickte. „Dobby hat ihn vor der Krankenstation abgesetzt."

„Gut, dann nimm jetzt Hermine mit", wies ihn Harry an.

„Nein!" rief Hermine bestimmt. „Das kommt gar nicht in Frage! Du gehst als nächstes, Harry!"

„Nein, Mine", erwiderte der Junge. „Ich gehe als letzter."

„Das ist Wahnsinn, Harry! Das Licht wird gleich erlöschen und du kannst nicht zaubern!"

„Ich könnte Ron nie wieder in die Augen sehen, wenn dir was passiert und deshalb gehst du jetzt. Mach dir keine Sorgen um mich." Der dunkle Gryffindor schob das Mädchen in die Richtung des Hauselfen.

„Harry, du sturer...!" Der Rest des Satzes blieb unvollendet, als Dobby das Mädchen einfach am Arm berührte und mit ihr aus dem Verlies verschwand.

Zitternd atmete der Junge durch. „Dann bleiben nur noch wir zwei", sagte er zu Griphook, der vor sich hin starrte, als existiere das alles um ihn herum gar nicht. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in einem Verlies an der Seite eines Kobolds sterbe", murmelte Harry und umfasste das Schwert fester.

Die anderen Schlangen hatte mittlerweile Hermines verzaubertes Reptil eingekreist und attackierten es von allen Seiten. Zwei schwarze Schlangen schossen schließlich gleichzeitig vor und gruben ihre Zähne in den Kopf der magisch vergrößerten Kreatur, dann wurde auf einen Schlag alles schwarz. Die Fackel rauchte ein letztes Mal und erlosch mit einem leisen Knistern.

Eine eisige Hand legte sich um das Herz des Gryffindors. Er wusste, dass er keine Chance hatte, den nächsten Angriff der Schlangen abzuwehren. So weit wie möglich tastete er sich rückwärts, bis er den Körper des Kobolds und die kalte Steinwand hinter sich fühlte. Aufmerksam lauschte er in die Dunkelheit, darauf wartend, dass die Schlangen sich wieder nähern würden. Ein Lufthauch direkt vor ihm ließ ihn zusammen zucken, doch es war keines der Reptilien, sondern Dobby, der ihn wortlos ergriff und mit ihm verschwand. Harry hatte keine Zeit zu protestieren. Ehe er sich versah, stand er auf dem Flur vor der Krankenstation.

„Alles in Ordnung, Harry Potter Sir?" fragte der Elf besorgt. „Harry Potter und seine Freunde sind jetzt in Sicherheit."

„Danke, Dobby", sagte der dunke Gryffindor sofort. „Mir geht es gut. Das war wirklich Rettung in letzter Sekunde. Aber so leid es mir tut, du musst noch mal zurück. Wir können Griphook nicht in dem Verlies lassen. Bitte Dobby, hol ihn zu uns."

Der Elf kniff skeptisch die Augen zusammen. „Dobby soll den Kobold nach Hogwarts bringen?"

„Nur vorübergehend, bis wir sein Gedächtnis verändert haben", erwiderte Harry schnell. „Bitte Dobby, tu es für mich."

„Dobby wird es tun. Dobby wird den Kobold aus dem Verlies holen." Mit einem Plopp verschwand der Elf.

Erschöpft lehnte sich Harry an die kühle Wand des Schlosses. Es war vorbei. Sie hatten es tatsächlich geschafft, aus dem Verlies zu entkommen. Obwohl es nicht ihr Verdienst war. Das hatten sie nur Dobby zu verdanken. Doch wer mochte ihn dorthin geschickt haben? Es wusste schließlich niemand von ihrem Plan. Eine Welle der Übelkeit kämpfte sich in Harrys Magen nach oben und er beschloss, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, wenn der Hauself zurück war. Seine Nerven lagen im Moment einfach zu blank, als dass er vernünftig hätte denken können. Das Blut rauschte in seinen Ohren und seine Knie fühlten sich an, als seien sie aus Pudding. Noch immer hielt er das alte, rostige Schwert in der Hand. Die Schneide war klebrig vom Blut der Reptilien.

Einen langen Moment stand der Junge einfach da und starrte auf die Waffe, bevor er sich vorsichtig umsah und sie dann in der hohlen Statue von Hortensia, der Heilenden versteckte, die gegenüber der Krankenstation in einer Nische stand. Es würde schwer genug werden, Madam Pomfrey Rons Zustand zu erklären, auch ohne dass er mit einem gestohlenen Schwert in den Krankensaal trat.

Harry hatte die Hand schon zum Türgriff ausgestreckt, als es erneut ploppte und Dobby einige Meter entfernt landete. Der kleine Elf atmete schwer. Der schlaffe Körper des Kobolds in seinen Armen zwang ihn in die Knie. Sofort stürzte Harry zu ihm herüber und nahm Griphooks aus Dobbys festem Griff. Er brauchte nur einen Blick in die starren Augen des Kobolds zu werfen, um zu wissen, dass ihr Rettungsversuch fehlgeschlagen war. „Harry Potter, es tut Dobby leid, aber Dobby ist zu spät gekommen", keuchte der Elf. „Der Kobold war schon von mehreren Schlangen gebissen worden. Dobby konnte nichts mehr tun."

„Es ist nicht deine Schuld, Dobby", beruhigte Harry die zitternde Gestalt. Sein Magen fühlte sich plötzlich wie Eis an. „Es ist allein meine. Ich habe ihn gezwungen uns in das Verlies zu lassen und ich habe ihn hinein gezogen, als die Tür sich schloss. Ich hätte einen anderen Weg finden müssen. Niemals hätte ich einen unschuldigen Kobold gefährden dürfen. Es ist meine Schuld. Meine Schuld."

Wie in Trance saß der dunkle Gryffindor da und ließ die Ereignisse in der Zaubererbank Revue passieren, während Dobby etwas abseits kniete. Doch plötzlich gab der Elf einen gequälten Laut von sich. Seine Muskeln gaben nach und er kippte einfach um, so dass er auf der Seite auf dem kalten Steinboden lag. Die großen Glubschaugen verdrehten sich, so dass nur noch das Weiße zu sehen war und Schaum trat aus seinem Mund.

„Dobby!" schrie Harry entsetzt. Auf allen Vieren stürzte er zu dem zitternden Hauselfen. Fieberhaft suchte er den kleinen Körper nach Verletzungen ab. Am Oberschenkel, unter dem Rand des Geschirrtuchs fand er schließlich die verräterischen Bissspuren einer Schlange.

„Nein, Dobby, nein!" Beherzt nahm Harry den Elfen auf seine Arme. „Halt durch", beschwor er ihn, als er sich mühsam auf die Beine kämpfte. „Ich bring dich zu Madam Pomfrey."

Dobbys Kehle entkam ein schwaches Gurgeln. Seine Fledermausohren hingen schlaff herab und Tränen rannen aus seinen Augen. „Es tut Dobby leid, Harry Potter", flüsterte er erstickt. „Dobby kann jetzt nicht mehr helfen. Harry Potter muss jetzt ohne Dobby zurecht kommen...."

Mit dem letzten Wort entwich dem kleinen Geschöpf der Atem, seine Muskeln erschlafften und sein Kopf sackte nach hinten. Die Tennisball großen Augen starrten blicklos ins Leere. Dobby war tot. Gestorben um Harry und seine Freunde zu retten. Gestorben, weil Harry ihn zurück geschickt hatte, um Griphook aus dem Verlies zu holen. Gestorben weil er ein gutes Herz hatte.

Harry Beine knickten ein und er sackte mit dem Elfen erneut auf den Fußboden. Alles in ihm war leer. Er wollte schreien. Er wollte weinen. Er wollte Dobby in seinen Armen schütteln, bis der Elf ihn ansehen und mit ihm sprechen würde. Aber Dobby würde das nie wieder tun. Dobby war fort. Er hatte ihn verlassen. Wie seine Eltern. Wie Sirius. Wie der Kobold, der neben ihm auf dem Steinboden lag. Harry fühlte den Becher durch die Kleidung gegen seinen Körper drücken. Wieder hatten sie einen hohen Preis für einen Horcrux bezahlt. Wieder hatten sie ihn durch Blut erkaufen müssen. Wieder hatte Voldemort ihm etwas weggenommen.

Harry wusste, dass er aufstehen musste. Nur eine Tür trennte ihn von der Krankenstation und Madam Pomfrey und seinen Freunden. Es grenzte ohnehin schon an ein Wunder, dass sie nichts von den Ereignissen hier draußen mitbekommen hatten, doch jeden Moment konnte jemand die Tür aufmachen, um nach ihm zu sehen. Er musste Dobby und Griphook von hier weg bringen, doch Harry konnte sich nicht rühren. Er wollte Dobby nicht loslassen. Wenn er ihn erst ablegte, dann würde es real werden, dass der Elf wirklich tot war. Lieber wollte er ihn weiter halten. Ihm das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit geben, das Dobby im Leben nie gekannt hatte. Harry hatte ihm nicht einmal mehr sagen können, wie dankbar er ihm war. Er verdankte Dobby sein Leben. Das würde er nie vergessen. Niemals, das schwor er sich.

Vielleicht war es eine Ewigkeit oder auch nur eine Minute, bis Harry endlich wieder Kontrolle über seine Muskeln erlangte. Mühsam beherrscht schloss er den beiden Toten die Augen, bevor er Dobby auf dem Boden ablegte und sich aufrichtete. Auch wenn er ihn noch nie benutzt hatte, wusste Harry, dass sich hier in der Nähe ein Geheimgang befand, der bis zum Verbotenen Wald reichte. Mit einem Locomotor-Zauber ließ er die beiden Leichen neben sich schweben, bis er den Eingang erreichte, wo er eine Öllampe fand. Der Gang war uneben, eng und zum Teil so niedrig, dass er nur gebückt laufen konnte, doch Harry schaffte es dennoch den Kobld und den Elfen nicht fallen zu lassen. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, doch irgendwann führte der Weg steil bergauf. Frische Luft wehte herein und plötzlich fand sich Harry in einem hohlen Baum wieder. Als er hinaus ins Freie trat, stellte er fest, dass sich bereits der Abend über Hogwarts herab gesenkt hatte. Der Himmel war sternenklar und ein großer, voller Mond tauchte das Schloss und die Ländereien in sein kaltes, blasses Licht.

Schweigend brach Harry zwei lange Äste von einer alten Eiche ab und transformierte sie in große, weiße Laken, in die er Dobby und Griphook einwickelte. Er dachte kurz daran, dass es vielleicht besser wäre, ins Schloss zurück zu kehren und morgen fortzufahren. Bestimmt sorgten sich seine Freunde schon. Doch Harry hatte Angst, dass sich wilde Tiere aus dem Wald an den beiden Toten vergreifen könnten, deshalb beschloss er, es heute zu beenden. Er brach einen weiteren Ast ab, den er in eine Schaufel verwandelte. Ohne zu zögern begann er am Waldrand zu graben. Der Boden war feucht, die Erde dunkel und schwer, denn es hatte gestern noch geregnet. Natürlich hätte er die Grube mit Magie innerhalb von Sekunden ausheben können, doch das wollte Harry nicht. Es sollte echt sein. Es sollte zeigen, wie viel ihm an Dobby gelegen hatte. Er wollte jede Schaufel voller Erde in seinen Muskeln fühlen.

Innerhalb kürzester Zeit war sein Körper Schweiß nass. Seine Arme und sein Rücken schmerzten und an seinen Händen hatten sich Blasen gebildet, doch Harry schuftete wie ein Besessener. Er wollte nicht denken. Stattdessen wollte er den Schmerz in jeder Faser seines Körpers fühlen. Es half ihm den Schmerz in seinem Herzen besser zu ertragen. Immer wieder drückte er die Schaufel in das tiefe Erdreich und immer wieder warf er die kühle Erde auf einen Haufen neben der Grube. Immer wieder. Immer weiter. Immer tiefer. Bis er endlich der Meinung war, dass das Grab nun tief genug war.

Vorsichtig, so als seien die beiden Körper aus Glas, nahm er erst den Kobold und dann den Elfen und legte sie nebeneinander in die kleine Grube, bevor er das Grab sorgsam wieder mit Erde bedeckte. Er hätte gern mehr getan. Von seiner Tante und seinem Onkel wusste er, dass ein Geistlicher auf Muggel-Beerdigungen sprach, doch Harry war erschöpft, ganz allein und er kannte keine Gebete, die er hätte sagen können. Daher pflückte er lediglich ein paar Blumen ab, die in der Nähe am Waldrand wuchsen und legte sie auf den frischen Erdhaufen.

„Danke", flüsterte er in die Stille hinein. Das war alles. Ein kurzes, einfaches Dankeschön für die beiden Wesen, die ihm heute geholfen und diese Hilfe mit ihrem Leben bezahlt hatten. Der Junge fühlte Tränen in sich aufsteigen, doch er drängte sie zurück. Er würde jetzt nicht weinen, dafür war später im Bett noch genug Zeit. Nun musste er zuerst einmal zurück ins Schloss und nachsehen, ob mit seinen Freunden alles in Ordnung war.

XXXXXX

„Wo bist du gewesen? Und wie siehst du überhaupt aus? Ist alles in Ordnung mit dir?" Kaum dass Harry durch den Geheimgang die Schule erreicht hatte, stürmten Hermine und Draco auf ihn zu. Der Anblick, den der Gryffindor bot, war geradezu beängstigend. Er taumelte, seine Kleidung getränkt von Erde, Schweiß und Blut. Ihre Mienen waren ernst, als sie ihn ausgiebig musterten, doch Harry hatte nicht mehr die Kraft, um auf ihre Fragen zu antworten. Er wusste nicht, wie er den Rückweg überhaupt bewältigt hatte, doch jetzt wo er sein Ziel erreicht hatte, brach er völlig zusammen. Seine Beine verweigerten ihm den Dienst, er strauchelte und wäre wohl zu Boden gestürzt, wenn ihn seine Freunde nicht aufgefangen und vorsichtig an der Wand abgesetzt hätten.

„Rede mit mir Harry", bat Hermine eindringlich. „Was ist passiert?"

Mühsam schüttelte er den Kopf. Seine Zunge fühlte sich dick und taub an. Schwarze Flecken tanzten vor seinen Augen. Vorsichtig nahm das Mädchen seine Hand in die ihre. Sie erschauderte, als sie die blutigen Wunden erblickte. Die Haut an seinen Handflächen hing in Fetzen herab. Darunter kam das rote, schiere Fleisch zu Vorschein.

Auch Draco war entsetzt über den Zustand, in dem sich sein Freund befand. Während der Siegesfeier der Slytherins , die im Anschluss an das Quidditch Spiel stattfand, hatte die Münze, die an einer Kette um seinen Hals hing, plötzlich angefangen hell zu leuchten. Harry war in Gefahr! Sofort hatte sich Draco auf die Suche nach dem dunklen Gryffindor gemacht und war schließlich Hermine in die Arme gelaufen, die ihm eine wirre Geschichte vom Wiesel und Schlangen im Verbotenen Wald aufgetischt hatte. Nachdem sie zu zweit erneut das ganze Schloss durchkämmt hatten, war Draco kurz davor gewesen, Harrys Abwesenheit einem Lehrer zu melden, doch dann taumelte der Schwarzhaarige ihnen ganz unerwartet vor der Krankenstation in die Arme.

„Das kann ich nicht einfach heilen", sagte der Slytherin an das Mädchen gewandt. „Ein Episkey würde da nicht reichen. Außerdem müssen die Wunden vorher gereinigt werden."

Vorsichtig strich er seinem Freund das verschwitzte Haar aus der Stirn. „Kannst du aufstehen, Harry? Wir bringen dich zu Madam Pomfrey."

Der Gryffindor nickte mechanisch. Er wehrte sich nicht, als ihn Draco auf die Beine zog und seinen Arm um Harrys Taille legte, um ihn zu stützten, doch sein Blick blieb ausdruckslos und er ließ sich mehr von Draco tragen, als dass er selbst lief. Madam Pomfrey stellte gerade einen Paravent um das Bett, in dem Ron schlief, als die Drei den Raum betraten. Der rothaarige Junge wirkte immer noch sehr blass, aber dank Dobbys schneller Hilfe und der Erfahrung der Schulschwester, war er nicht mehr in Lebensgefahr.

„Gütiger Himmel", entfuhr es der Frau, als ihr Blick auf die Neuankömmlinge fiel. „War Mr. Potter etwa auch mit im Wald?"

Hermine nickte nur. Gemeinsam mit Draco gelang es ihr, den verletzten Jungen auf einem der Betten abzulegen. Harry war ihnen dabei keine Hilfe. Er ließ alles mit sich geschehen, doch rührte selbst keinen Muskel. Seine Augen waren starr auf den Fußboden gerichtet, während Madam Pomfrey ihre Diagnose-Zauber anwendete, seine Hände reinigte und mit Diptam-Essenz versorgte.

Die Wanduhr zeigte bereits Mitternacht, als Harry gesäubert und mit verschiedenen Tränken versorgt im Bett lag. Er hatte sich geweigert, seine Robe auszuziehen, in deren Tasche immer noch der Becher steckte. Zu viel Blut war geflossen, um diesen Horcrux zu beschaffen. Selbst in seinem geschwächten Zustand würde er eher sterben, als zu riskieren, dass dieser Gegenstand in die falschen Hände geriet. Nach endlosen Diskussionen war es der Schulschwester gelungen, Hermine in ihr Bett im Gryffindor Turm zu scheuchen, doch bei Draco biss sie da aus Granit. Der blonde Slytherin war nicht bereit von der Seite seines Freundes zu weichen, auch wenn das bedeuten würde, die ganze Nacht auf einem unbequemen Holzstuhl auszuharren.

Schweigend streichelte Draco die dick verbundenen Hände seines Freundes, während sich die Gedanken hinter seiner Stirn überschlugen. Er war sich sicher, dass Hermine ihm nicht Wahrheit darüber erzählt hatte, was passiert war und das bedeutete vermutlich, dass der Zustand seines Freundes etwas mit Voldemort zu tun hatte. Seine Augen studierten aufmerksam Harrys Gesicht, das trotz der Tränke selbst im Schlaf leer und gleichzeitig voller Sorge zu sein schien.

Merlin, er hatte gewusst, dass es gefährlich sein würde, gegen das Monster zu kämpfen, doch erst jetzt wurde ihm richtig bewusst, dass Harry tatsächlich dabei sterben konnte. Ohne es zu wissen, hätte er ihn heute um ein Haar verloren. Zitternd entwich die Luft seinen Lungen, als er seinen Kopf vorsichtig neben den Körper seines Freundes bettete. Er wollte ihm so nah wie möglich sein; musste fühlen, dass Harry immer noch bei ihm war.

Als Madam Pomfrey einige Zeit später einen Kontrollgang machte, um nach ihren Patienten zu sehen, war Draco - die Arme schützend über Harry ausgebreitet - eingeschlafen.

XXXXXX 

Nachdenklich legte Harry das Pergament und die Feder beiseite und nahm stattdessen die Bibel zur Hand, die ihm Hermine nach dem Krieg geschenkt hatte. Auch wenn Draco manchmal den Kopf darüber schüttelte, so fand Harry doch einen gewissen Trost in den Worten, die dort geschrieben standen. Eine Stelle hatte er mit einem Zettel markiert, damit er die Seite schneller wieder fand und gerade nach dem, was er eben aufgeschrieben hatte, war ihm danach die Worte erneut zu lesen:

Es gibt keine größere Liebe,

als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt."

 

Johannes 15, 1 

Bis zum heutigen Tag hatte der ehemalige Gryffindor Dobbys Opfer niemals vergessen und er würde den Elfen immer in Ehren halten, solange er lebte.

Tbc...

Kapitel 26 von redangeleve

We weren`t born to follow  

 

We weren`t born to follow

Common get up off your knees

Life is a bigger pill to swallow

You gotta hold on to watcha believe 

(Bon Jovi, We weren`t born to follow) 

Mutterseelenallein saß Harry am Rand des Sees und wog mit den Fingern einen flachen Stein, den er in der Hand hielt. Er war völlig unauffällig. Glatt. Grau. Ein typischer Kiesel. Einer von vielen. Der ganzen Strand um den See war mit grauen Steinen bedeckt. Jeder trat auf ihnen herum, ohne sie überhaupt zu bemerken. Mit genau bemessenem Schwung holte Harry aus und ließ den Kiesel ein paar Mal über das Wasser hüpfen, bevor der Stein in den Wellen verschwand. Nur die immer schwächer werdenden Kreise auf der Wasseroberfläche zeugten davon, dass er gerade noch da gewesen war. Bis der See genauso glatt da lag, als ob es ihn nie gegeben hätte. So wie bei Dobby.

Die Tat des Elfen hatte Harry und seine Freunde gerettet und wenn es in der Welt auch nur einen Hauch Gerechtigkeit geben würde, müsste er als Held verehrt werden. Doch seit er gegangen war, schien es beinah, als hätte es ihn nie gegeben. Die anderen Schüler ahnten nichts von dem Drama, das sich vor ihren Augen ereignet hatte und selbst wenn sie davon wüssten, würde es sie vermutlich nicht berühren. Er war nur ein Hauself gewesen. Einer von vielen, die - unsichtbar für die Schüler - ihre Arbeit im Schloss verrichteten. Doch für Harry war er so viel mehr gewesen. Es war schlimm für ihn, dass er Dobby nicht einmal einen Grabstein zaubern konnte, aber es hätte zu viele Fragen gegeben, wenn bekannt wurde, dass der Elf tot war. So war er einfach nur abwesend. Vielleicht davongelaufen. Niemand kümmerte sich darum. Er war ja nur ein Elf.

Die anderen Schüler sprachen über die bevorstehenden Quidditch Spiele, die Prüfungen und den Sommer der langsam aber sicher immer näher kam. Selbst seine Freunde waren in ihrem Leben fortgefahren. Sicher, Hermine war in Tränen ausgebrochen, nachdem sie von Dobbys Tod erfahren hatte und sogar Ron, der sonst nicht viel für die Hauselfen übrig hatte, fand einige nette Worte für ihn, doch nach ein paar Tagen waren sie durch den Unterricht und die Probleme des Alltags so abgelenkt, dass Dobbys Opfer immer mehr in den Hintergrund rückte. Im Gegenteil, Harry hatte beinah das Gefühl, dass es für sie unangenehm war, wenn er immer wieder von dem Elfen zu sprechen anfing. Für ihn waren die Geschehnisse in Gringotts immer noch so nah, dass er kaum an etwas anderes denken konnte. Manchmal lag er die halbe Nacht wach und betrachtete die beiden Horcruxe, die nun in seinem Besitz waren und fragte sich, ob sie die Opfer wirklich wert gewesen waren und wenn er doch einmal einschlief, träumte er von Schlangen, von Elfen und Kobolden.

Harry machte seine Hausaufgaben nicht, schwänzte den Unterricht und selbst wenn er anwesend war, konnte er den Worten der Lehrer nicht folgen. Erst vor ein paar Tagen hatte er sowohl in Zaubertränke als auch in Verwandlung ein „Unannehmbar" bekommen, doch es kümmerte ihn nicht. Na und, dann würde er eben nicht Auror werden können. Was machte das schon? Vermutlich würde er den Krieg ohnehin nicht überleben.

Missmutig betrachtete er seine Hände. Madam Pomfrey hatte ganze Arbeit geleistet. Bereits am nächsten Tag hatte Harry keine Verbände mehr gebraucht und mittlerweile waren die Narben, dort wo seine Haut in Fetzen herunter gehangen hatte, fast völlig verblasst. Es wäre ihm lieber gewesen, die Handflächen wären mit wulstigen roten Striemen bedeckt gewesen, statt mit den weißen, dünnen Linien, damit er ein Leben lang für die Schuld gezeichnet gewesen wäre, die er auf sich geladen hatte. Von jetzt bis in alle Ewigkeit klebte das Blut des Kobolds und das des Hauselfen an seinen Händen und er würde nie aufhören, dafür um Vergebung zu bitten.

„Hier steckst du also." Harry war so versunken gewesen, dass er Draco nicht hatte kommen hören. Ohne auf eine Erwiderung zu warten, setzte sich der Blonde neben ihn in den Kies, jedoch nicht ohne die Stelle vorher genau in Augenschein zu nehmen, damit danach kein Moos oder Schlamm an seiner Robe klebte.

„Störe ich oder bist du nur wieder dabei dich selbst zu bedauern?" fragte der Slytherin sarkastisch.

Überrascht zuckte der Blick des Gryffindor nach oben. Solch harte Worte hatte er wirklich nicht erwartet, denn erstaunlicher Weise hatte selbst Draco, nachdem er von Dobbys Tod erfahren hatte, versucht Harry zu trösten. Der Blonde hatte eins und eins zusammen zählen können, als am Tag nach Harrys „Unfall" Auroren nach Hogwarts gekommen waren, um ihn über einen Einbruch bei Gringotts zu befragen, den er angeblich begangen haben sollte. Wie gut nur, dass beinah das ganze Schloss bezeugen konnte, dass er zur selben Zeit gerade ein Quidditch Match bestritten hatte. So waren die Auroren unverrichteter Dinge wieder abgereist.

Natürlich hatte Harry ihm nicht sagen können, was wirklich vorgefallen war, aber als Dobbys ehemaliger Herr hatte er Harrys Meinung nach das Recht zu erfahren, dass der Elf nicht mehr lebte. Auch wenn sich der Gryffindor sicher war, dass Draco diese Tatsache ziemlich wenig berührte.

„Geh einfach weg", erwiderte Harry, ohne den Blonden dabei anzusehen. „Lass mich allein."

Draco ließ ein abfälliges Schnauben hören. „Damit du weiter in deinen Schuldgefühlen baden kannst? Vergiss es, Potter."

Mühsam rappelte sich Harry auf. „Du verstehst das nicht!" warf er dem anderen Jungen vor.

„Was verstehe ich nicht?" gab Draco zurück, der sich ebenfalls erhoben hatte. „Dass du dir die Schuld an Dobbys Tod gibst?"

„Es ist meine Schuld! Er ist gestorben, weil er mir helfen wollte!"

„Und du tust wirklich eine Menge, um dieses Opfer zu ehren", erwiderte Draco.

„Ach, lass mich doch in Ruhe!" Harry wandte sich zum Gehen, doch der Slytherin hielt ihn an der Schulter zurück.

„Nein, das werde ich nicht. Du bleibst jetzt hier und hörst mir zu! Ich habe es satt zu sehen, wie du dich in deiner Trauer wälzt und dabei völlig vergisst, um was es hier geht."

„Ja?" Der Gryffindor schoss wütende Blicke auf seinen Freund ab. „Klär mich mal auf: Um was geht es denn?"

„Es geht immer nur um das Eine: Du musst einen Weg finden, um das Monster zu töten."

„Und wenn ich das nicht mehr will? Wenn ich einfach genug davon habe, dabei zuzusehen, wie diejenigen sterben, die mir etwas bedeuten? Nur weil ich sie in etwas hinein ziehe, was ich nicht unter Kontrolle habe? Weil ich sie nicht retten konnte? Ich kann nicht mehr! Ich gebe auf! Soll doch jemand anderer den Dunklen Lord töten! Ich bin raus!" Harrys Atem ging schnell und sein Puls raste nach diesem Ausbruch.

„Dann ist Dobby völlig umsonst gestorben", erwiderte Draco ruhig. „Dann wird Er gewinnen und wir werden alle untergehen."

„Das weißt du nicht sicher", warf der Gryffindor ein.

„Doch, ich weiß es und du weißt es auch."

Erneut ließ sich Harry auf den Fußboden sinken. Er barg das Gesicht in seinen Händen, unfähig noch länger die Verzweiflung zu verbergen, die ihm die Kehle hinauf stieg. „Ich habe solche Angst", gestand er leise. „Ich habe Angst davor, wer der nächste sein wird. Ich will nicht noch jemanden sterben sehen. Das stehe ich nicht durch. Ich kann einfach nicht mehr kämpfen. Nicht, wenn es bedeutet, solche Opfer bringen zu müssen."

Draco war neben seinem Freund in die Hocke gegangen und legte jetzt eine Hand auf dessen Schulter. „Oh doch, du kannst das. Und du wirst es tun. Ganz egal, was passiert. Selbst, wenn es bedeutet, dass Granger sterben sollte oder das Wiesel. Oder auch wenn es mich erwischt, will ich, dass du weiter kämpfst. Verstehst du? Du bist der Einzige, der das Monster töten kann. Du hast die Verantwortung für die ganze Zauberwelt und du wirst dich verdammt noch mal zusammen reißen und tun, was nötig ist, um dieses Ziel zu erreichen."

Harry schluchzte leise zwischen den Fingern hindurch.

„Hör auf zu heulen, du Mädchen", tadelte ihn der Slytherin liebevoll. „Sonst schwöre ich dir, ich komme als Geist und suche dich dein ganzes restliches Leben heim."

Der Gryffindor schniefte noch einmal hörbar, dann hob er den Kopf und versuchte ein schwaches Lächeln.

„Schon besser." Der Blonde fuhr ein paar Mal mit den Fingern durch Harrys hoffnungslos verstrubbeltes Haar und klopfte seine Kleidung ab, bevor er ihn auf die Füße zog. „Und jetzt komm, wenn ich deinetwegen das Abendbrot verpasse, werde ich richtig sauer."

XXXXXX

„Da machen die nie und nimmer mit. Ich würde das auch nicht tun wollen." Abwehrend verschränkte Ron die Arme vor seiner Brust. Er hatte sich mit Hermine Harry gegenüber auf das Fußende seines Bettes gesetzt.

Das Mädchen kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe herum. „Ich weiß, du hörst das jetzt nicht gern, aber ich denke fast, dass Ron recht hat. Du verlangst wirklich etwas viel von den Gryffindors, wenn du sie dazu bringen willst, unter Dracos Anleitung kämpfen zu lernen."

Ärgerlich sah Harry von einem zum Anderen, bevor er vom Bett sprang und begann, im Zimmer auf und ab zu gehen. Das Gespräch mit Draco vor ein paar Tagen hatte ihn wachgerüttelt und er hatte begriffen, wie wichtig es war, für den Kampf gerüstet zu sein. Er selbst würde nicht alle seine Freunde retten können, aber er konnte dabei helfen, dass sie vorbereitet waren. Doch zuerst einmal musste er seine Kameraden von seiner Idee überzeugen. „Ich habe es so satt, dass es immer nur darum geht, wer in welchem Haus ist. Versteht ihr denn nicht, Voldemort wird uns alle töten, egal ob Slytherin, Hufflepuff oder Gryffindor! Wer nicht für ihn ist, ist sein Feind!"

„Das ist uns schon klar, Harry, aber Malfoy....", begann Ron einzuwenden.

„Draco kennt vermutlich mehr dunkle Flüche, als irgendjemand sonst im Schloss", schnitt ihm sein Freund das Wort ab. „Ich habe ihn gesehen, wie er die Slytherins unterrichtet. Er ist ein wirklich toller Lehrer. Und ihr wollt diese Chance einfach wegwerfen, nur weil er ein Slytherin ist."

„Das wollen wir gar nicht", versuchte Hermine die Wogen zu glätten. „Aber du kannst die Rivalität unter den Häusern nicht einfach ignorieren. Draco hätte einen wirklich schweren Stand. Er hat sich über die Jahre nicht gerade massenhaft Freunde gemacht. Viele wären nicht bereit, Befehle von ihm anzunehmen und es gibt genug Schüler, die die Gelegenheit nutzen würden und versuchen würden, alte Rechnungen zu begleichen."

„Dann macht ihr doch einen Vorschlag, wenn ihr alles so viel besser wisst!" entfuhr es Harry genervt. Sein Blick fixierte seinen besten Freund, der ein großes Fragezeichen im Gesicht stehen hatte. Hermine hingegen starrte auf die gegenüber liegende Wand. Man konnte ihr ansehen, dass es hinter ihrer Stirn auf Hochtouren arbeitete.

„Wie wäre es, wenn - pro forma - ein Gryffindor dafür verantwortlich wäre das Training für unser Haus zu leiten?" dachte das Mädchen laut. „So ähnlich wie beim Schulsystem. Da sind auch die Schulsprecher die oberste Instanz, aber die Vertrauensschüler setzten deren Beschlüsse in den Häusern um."

Ron kratzte sich verwirrt am Kopf. „Kannst du das wohl noch mal übersetzten? Ich habe kein Wort verstanden."

„Stell es dir doch einfach wie Quidditch vor", sprang Harry hilfreich ein. „Draco wäre der Trainer beider Teams, aber die Gryffindors haben zusätzlich ihren Kapitän, der die Taktik an seine Mitspieler weiter gibt."

„Ah! Warum hast du das nicht gleich gesagt? Jetzt ist alles klar." Zufrieden lehnte sich Ron zurück, während Hermine hinter seinem Rücken die Augen verdrehte. „Das hört sich sogar machbar an. Ich denke, das geht." 

Auch Hermine nickte bestätigend. „Ich bin der Meinung, die Anderen werden damit leben können. Es ist ein fairer Kompromiss."

Entschlossen straffte Harry seine Schultern. „Dann lasst uns in die Höhle des Löwen gehen. Je eher sie mit dem Training anfangen können, umso besser."

XXXXXX 

Es war wirklich ein hartes Stück Arbeit, die Gryffindors zu überzeugen. Nicht das Training an sich war das Problem, denn diese Idee fand allgemeine Zustimmung, aber der Gedanke von einem Slytherin trainiert zu werden, behagte den meisten Schülern überhaupt nicht. Auch wenn Harry es hasste im Mittelpunkt zu stehen, aber jetzt waren seine Fähigkeiten als Führer mehr denn je gefragt und mit Ron und Hermine als Verstärkung gelang es ihm schließlich, die meisten seiner Kameraden auf ihre Seite zu ziehen.

„Ich mach`s", sagte Ginny in das Gemurmel der Gryffindors hinein. „Ich werde Draco eine Chance geben und den Co-Trainer geben."

Ihr Bruder schüttelte vehement den Kopf. „Kommt nicht in Frage. Nur die beiden oberen Jahrgänge werden das Kämpfen trainieren."

Und Harry fügte hinzu: „Wenn es wirklich zum Kampf um Hogwarts kommt, werden wir dafür sorgen, dass die Jüngeren in Sicherheit gebracht werden."

Wütend stemmte Ginny die Fäuste in ihre Hüften. „Das könnt ihr vergessen! Ich habe genauso ein Recht darauf zu kämpfen, wie ihr! Was ist, wenn wir in den Ferien angegriffen werden? Soll ich dann auch darauf hoffen, gerettet zu werden?"

„Mum und Dad werden nie...", begann Ron zu protestieren.

„Mum und Dad können nicht immer da sein! Außerdem will ich mich nicht hinter ihrem Rockzipfel verstecken, wie ein kleines Kind!" Einige andere Gryffindors nickten zustimmend.

„Harry, habe ich dir nicht gezeigt, dass ich Verantwortung übernehmen kann? Ich bin dein Co-Kapitän beim Quidditch und halte dir schon die halbe Saison den Rücken frei! Was ist so anders daran, wenn ich auch das Kampftraining mitleite?"

Hilfe suchend sah der dunkle Gryffindor seinen Freund an, doch Ron zuckte nur ratlos mit den Schultern. Wenn seine Schwester sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, würde nur ein wilder Hippogreif sie davon abbringen können. Zwar waren sie beide nicht begeistert von dieser Idee, aber sie mussten zugeben, dass Ginny recht hatte. Sie war kein Kind mehr und sie hatte die Fähigkeit, andere zu führen. Vermutlich war sie sogar die Beste für diesen Job, so sehr es ihrem Bruder auch gegen den Strich ging.

„Okay", sagte Harry schließlich zögerlich, was Ginny über das ganze Gesicht strahlen ließ. „Probieren wir es aus."

XXXXXX 

„Na, Feierabend?" grinste Harry, als er den Raum der Wünsche betrat, in dem Draco gerade dabei war, die letzten Spuren ihres Trainings zu beseitigen.

„Oh Merlin, deine Gryffindors machen mich alle", seufzte der Slytherin theatralisch und ließ sich auf einen Haufen geplatzter Kissen fallen, so dass die Federn in alle Richtungen flogen.

„Ach, komm schon", piesackte ihn sein Freund liebevoll, während er sich neben ihn setzte. „So schlimm können sie doch gar nicht sein."

„Naja, einer oder zwei haben vielleicht etwas Talent", gab der Blonde zu, was ihm einen Klaps auf den Oberschenkel einbrachte, den er aber gekonnt parierte. Grinsend verschränkte er die Arme hinter dem Kopf. „Dafür ist Longbottom wirklich ein hoffnungsloser Fall. Statt eines Erblindungsfluchs hat er heute versehentlich einen Erdbebenzauber durchgeführt und um ein Haar wäre der ganze Raum eingestürzt."

„Er ist halt etwas tolpatschig", versuchte Harry seinen Hauskameraden zu verteidigen.

„Unfähig wäre das bessere Wort", korrigierte ihn Draco. „Wenn die kleine Weasley nicht gewesen wäre, hätte das böse enden können."
 

„Ginny hat den Zauber aufgehoben?" fragte ihn der Dunkle perplex.

Draco zuckte die Schultern. „Ich war auch total überrascht, aber scheinbar steckt in der rothaarigen Nervensäge doch mehr, als man auf den ersten Blick sieht."

„Oh, ein Kompliment für einen Weasley aus deinem Mund! Diesen Tag muss ich mir merken!" lachte Harry amüsiert.

„Wehe du erzählst das jemandem", knurrte der Slytherin dunkel.

„Keine Sorge", winkte der andere Junge ab. „Das würde mir ohnehin niemand glauben."

„Wird auch nicht wieder vorkommen", gab Draco zurück und streckte müde die schmerzenden Glieder. „Am liebsten würde ich jetzt direkt in den Kerker apparieren. Meine Muskeln schreien geradezu nach einer entspannenden Badewanne und einem warmen Bett."

„Das kann ich dir zwar nicht bieten", erwiderte der Gryffindor und ließ seine Hände über die Beine des Blonden wandern. „Aber wie wäre es stattdessen mit einer Massage?"

„Hm, hört sich auch nicht schlecht an", antwortete der Slytherin in gespannter Erwartung.

Für einen Moment schloss Harry die Augen und konzentrierte sich still. Als er sie dann wieder öffnete, stand eine kleine Flasche mit Öl direkt neben seinem Knie. Leise lächelte er in sich hinein. Es hatte definitiv seine Vorteile im Raum der Wünsche zu sein.

Mit sicheren Fingern öffnete er die Robe, einen Knopf nach dem anderen, bis er Dracos nackten Brustkorb vor sich hatte. Danach war die Hose dran und am Ende räkelte sich der Slytherin nur noch mit einer Shorts bekleidet in den Kissen.

„Dreh dich um", befahl er rau.

Draco warf ihm einen anzüglichen Blick zu, tat dann aber wie gewünscht und schon kurz darauf fühlte er eine warme Flüssigkeit auf seinen Rücken tropfen. Er konnte es nicht verhindern, zusammen zu zucken, als das Öl seine Schulterblätter hinab lief, doch als Harrys Hände begannen, es in kleinen Kreisen in seine Haut zu massieren, entspannte er sich. Der angenehme Duft nach Vanille und Mandeln schickte ihn auf eine Reise der Sinne. Mit halb geschlossenen Augen vergaß Draco völlig, dass er sich auf dem Fußboden in einem Schloss in Schottland befand, sondern träumte sich weit weg an einen Ort, wo es nur Sonne und Wärme und sie beide gab.

Harry genoss es zu beobachten, wie Draco unter seinen Händen förmlich dahin schmolz. Es war nicht leicht, den Blonden dazu zu bewegen, die Kontrolle abzugeben, doch wenn er es einmal zuließ, dann tat er es völlig, mit Leib und Seele. Immer wieder entglitten dem Slytherin wohlige Laute und er lehnte sich genussvoll in die Berührung, die kleine Schauer über seinen Körper schickte. Nachdem er ausgiebig Dracos Nacken und seine Schultern massiert hatte, glitten seine Hände tiefer, fuhren die Wirbelsäule entlang und es kostete ihn eine Menge Selbstbeherrschung am Bund der Shorts zu stoppen. Stattdessen widmete er sich zuerst Dracos rechtem Arm und dann dem linken, sorgfältig darauf bedacht, das Dunkle Mal dabei nicht zu berühren.

Danach waren die Beine dran, wobei sich Harry zwischen die leicht geöffneten Schenkel setzte. Fasziniert beobachtete er, wie sich die hellen Härchen aufstellten, als er sacht über die empfindliche Haut streichelte und die festen Muskeln darunter knetete. Dracos Atem beschleunigte sich je weiter er in Richtung der Körpermitte kam und auch Harrys eigene Hose fühlte sich immer enger an.

Wie zufällig streichelten seine Hände kurz über die festen Backen, was dem Blonden ein tiefes Grollen entlockte. Mit einem Ruck drehte er sich herum und begann wortlos an Harrys Hose zu fummeln, bis er sie offen hatte. Seine Augen brannten Löcher in den Körper des Gryffindors, während dieser darum kämpfte aus dem dunklen Stoff heraus zu kommen. Seine Schuhe und Strümpfe warf er achtlos in die Ecke, ebenso wie sein Hemd und entledigte sich noch schnell seiner Shorts, bevor er sich erneut seinem Freund widmete. Quälend langsam entblößte er den Unterleib des Blonden, leckte und saugte an dessen Leiste und den Innenseiten seiner Schenkel, bevor er sich endlich der steilen Erektion vor sich widmete.

Die Hände des Slytherin gruben sich in das dichte schwarze Haar, auf der Suche nach Halt. Sein Becken ruckte leicht, als Harry seinen Schwanz in den Mund nahm und er konnte sich kaum beherrschen, um nicht hart nach oben zu stoßen. Der Gryffindor genoss es, den Blonden wimmern und keuchen zu hören, während seine Zunge dessen Vorhaut umkreiste. Sein eigener Penis ragte heiß und steinhart gegen seine Bauchdecke und konnte es kaum erwarten, in Dracos erhitzten Körper gestoßen zu werden. In aller Eile benetzte er seine Hand mit Öl und bereitete den Blonden vor, während dieser nun seinerseits Harrys Erektion mit seinen geschickten Fingern verwöhnte.

Ein erstickter Laut entwich dem Slytherin, als sich der Dunkle in seinem Körper vergrub. Es war diese Mischung aus Schmerz und Lust und dem Gefühl, gleich das Bewusstsein zu verlieren, das Draco den Atem raubte. Für einen Moment lagen sie ganz still und der Blonde konnte in Harrys angespanntem Gesicht lesen, dass auch er um die Kontrolle kämpfen musste. Ihre Münder krachten aufeinander, fochten den niemals endenden Kampf um die Vorherrschaft, während sich ihre Becken wie von selbst zu bewegen begannen. Zuerst langsam und vorsichtig, dann immer schneller und härter werdend, wiegten sie sich im gemeinsamen Rhythmus als wären sie eins. Ihre Hände erkundeten jedes Fleckchen Haut, streichelten und liebkosten, kratzen und kniffen sich gegenseitig zum Höhepunkt. Immer wieder stöhnte Draco in Harrys Mund, überwältigt von dem Gefühl, wenn der Schwanz des Dunklen gegen seine Prostata stieß und ihn in den siebten Himmel versetzte.

Seine Beine klammerten sich an ihn, versuchten ihn noch tiefer aufzunehmen, eins mit ihm zu werden. Als die Hände des Gryffindor schließlich begannen, seinen Penis zu stimulieren, wusste Draco, dass es nicht mehr lange dauern würde. Er fühlte den Orgasmus kommen, wie eine gewaltige Feuerkugel, die sich in seinem Inneren zusammen ballte und anschwoll, bis sie seinen ganzen Körper einzunehmen schien. Er brannte lichterloh vom Kopf bis zu den Zehenspitzen. Und genau in dem Moment, in dem er glaubte, zu Asche zu verbrennen, entlud sich das Feuer in einer Eruption, die einem Vulkanausbruch nah kam. Mit einem erstickten Schrei ergoss sich der Blonde in die Hand seines Freundes. Sein Körper zitterte und zuckte, seine Muskeln zogen sich zusammen, so dass Harry glaubte, in ihm zu verbrennen. Auch in ihm baute sich bereits sein Höhepunkt auf und schon wenige Stöße später kam er mit einem tiefen Grollen im Körper seines Freundes.

Erschöpft schloss er die Augen, zu überwältigt von den Gefühlen, die in ihm tobten. Sein Atem ging schwer und das Blut rauschte in seinen Ohren, doch als er sich schließlich wieder unter Kontrolle hatte und den Blick hob, sah er direkt in Dracos silbergraue Iris und das Herz wurde ihm weit. Seine Lippen fanden die des Blonden und sie küssten sich lange und zärtlich. Umgeben von Bergen weißer, flauschiger Federn, die bei ihrem Liebesspiel aus den Kissen gerieselt waren, schliefen die beiden Jungen wenig später ein.

XXXXXX 

Wann können wir endlich mal wieder in Urlaub fahren?" nörgelte Draco beim Blick aus dem Fenster. Dicke Tropfen klatschten gegen die Scheibe und liefen in langen Bahnen zu den Pfützen auf der Fensterbank hinab. „Ich drehe hier noch völlig durch!"

Bald", versprach ihm Harry abwesend, während er den gerade geschriebenen Text überflog.

Das sagst du schon seit Monaten", schmollte der Blonde. „Du bist echt bequem geworden, Potter."

Wo würdest du denn gerne hinfahren?" erkundigte sich Harry ruhig, ohne auf das Lamentieren seines Ehemannes einzugehen.

An die Küste zum Beispiel", schlug Draco sofort vor. „Weißt du noch, das kleine Cottage, wo wir unsere Flitterwochen verbracht haben."

Ja, ich erinnere mich", erwiderte Harry. „Du hast recht, es war wirklich schön dort. Ich verspreche dir, dass ich einen Portschlüssel beantragen werde, sobald ich bei der Arbeit mal ein paar Tage aussetzen kann."

Pah, wozu einen Portschlüssel? Wir sind doch keine alten Leute!" ereiferte sich der ehemalige Slytherin entrüstet.

Darf ich dich daran erinnern, dass du immer derjenige bist, der den halben Hausstand mit nimmt, wenn wir nur mal einen Tag weg wollen? Auf einen Besen werden deine drei Schrankkoffer kaum passen."

Okay, dann eben ein Portschlüssel", schmollte der Blonde. „Hauptsache, wir kommen hier endlich mal raus."

Bald, Love", beruhigte ihn Harry. „Ich verspreche es dir."

Damit schien Draco fürs Erste beruhigt und er starrte wieder hinaus in den Regen. Der Dunkle seufzte lautlos. Dieses Mal würde er wohl keinen Rückzieher mehr machen können, obwohl er sich jetzt schon fragte, wie er mit Draco in der fremden Umgebung klar kommen sollte. Die Probleme nahmen ja sogar Zuhause immer mehr zu. Wie sollte es da im Cottage klappen? Aber vielleicht hatte er Glück und konnte seinen Ehemann irgendwie ablenken. Nächste Woche startete schließlich die neue Quidditch Saison. Das würde ihn hoffentlich auf andere Gedanken bringen.

Tbc....

Kapitel 27 von redangeleve

LIV. Russian Roulette

And you can see my heart beating

You can see it through my chest

And I`m terrified but I`m not leaving

Know that I must pass this test

So just pull the trigger
 

(Rihanna, Russian Roulette) 

Harry wurde davon geweckt, dass sich etwas Kaltes gegen seine rechte Seite kuschelte. Er murrte ungehalten und versuchte instinktiv den Gegenstand, der ihm eine Gänsehaut über den Rücken jagte, von sich fortzuschieben, um zurück ins Reich der Träume zu gelangen, aber stattdessen rutschte er von den geplatzten Kissen herunter und landete auf dem eiskalten Steinboden.

Das reichte, um Harry endgültig aufzuwecken. Er schlug die Augen auf, nur um festzustellen, dass er es Draco zu verdanken hatte, dass er auf den Fußboden gefallen war.

„Hey!" stieß er mit klappernden Zähnen hervor, während er schnell wieder auf das provisorische Nachtlager kletterte. Der Blonde murmelte nur etwas Unverständliches und schob sich erneut näher an Harry heran. Seine Haut war so kalt, dass sich sofort die Haare auf Harrys Armen aufstellen. Kein Wunder, schließlich waren sie beide unbekleidet und ohne Decke eingeschlafen.

„Bleib weg von mir", knurrte der Gryffindor launig. „Du bist ja der reinste Kühlschrank."

„Was bei Merlins Socken ist ein Kühlschrank?" fragte Draco verschlafen blinzelnd.

„Also das ist so ein Ding...", begann Harry zu erklären.

„Vergiss es Potter", fiel ihm der Slytherin ins Wort. „Mach dich lieber nützlich und gönn uns beiden einen Aufwärmzauber."

„Wenn du mir sagst, wo mein Zauberstab ist?" gab Harry ironisch zurück. Suchend ließ er den Blick durch den Raum gleiten, doch außer den Kissen, auf denen sie lagen und Unmengen weißer Federn, um sie herum, konnte er nichts entdecken.

„Hier", erwiderte der Blonde gähnend und reichte ihm das Gesuchte. „Der piekt mich schon die halbe Nacht in den Rücken."

„Wenn du ohnehin wach warst, warum hast du dann nicht einen Wärmezauber durchgeführt?"

„Wozu?" fragte Draco grinsend. „Ich hatte ja meine ganz persönliche Heizung."

„Na toll", murrte der Dunkle ungehalten, während er den Zauberstab schwang. „Dann bist du Schuld, wenn ich mir eine Lungenentzündung geholt habe." Im selben Moment erfüllte die beiden Jungen eine wohlige Wärme.

„Ach, sei nicht so ein Hühnchen, Potter", erwiderte der Slytherin und pflückte grinsend eine Feder aus Harrys verstrubbelten Haaren. Er suchte sich seinen eigenen Zauberstab, dann führte er einen Tempus-Zauber durch. „Außerdem müssen wir ohnehin zurück in die Schlafräume. In einer Stunde gibt es Frühstück."

„Und danach habe ich Zaubertränke." Harry zog eine Grimasse. „Mal sehen, was Snape sich heute einfallen lassen wird, um uns zu quälen."

„Du glücklicher", gab Draco zurück, als er sich ein letztes Mal streckte, bevor er seine Kleidung zusammen suchte. „Ich habe in der ersten Stunde Kräuterkunde und Professor Sprout hat uns letzte Stunde wissen lassen, dass Madam Pomfrey wieder Bubotubler Eiter benötigt."

„Igitt." Harry schüttelte sich, während er in in seine Short und anschließend in die Hose schlüpfte. Es gab wirklich kaum etwas Ekeligeres, als den stinkenden, gelblich-grünen Eiter aus den Beulen der Pflanzen zu entleeren. „Du hast mein vollstes Mitgefühl."

„Danke." Sorgfältig knöpfte der Slytherin seine Robe zu. „Vielleicht habe ich ja Glück und Voldemort greift noch vorher die Schule an."

Vor Schreck wäre Harry bei dem Versuch, im Stehen die Socken anzuziehen, beinah umgekippte. „Draco!" rief er seinen Freund vorwurfsvoll an.

Entnervt rollte der Blonde mit den Augen. „Reg dich ab, Potter. War nur ein Witz."

„Du bist echt unmöglich", knurrte Harry, als er in seine Schuhe schlüpfte.

Du musst dich ja auch nicht mit den Bubotublern herum ärgern." Draco fuhr sich mit den Fingern durch die Haare.

„Du hast recht, ich bin ja so zu beneiden", gab der Gryffindor sarkastisch zurück, dann verließ er kopfschüttelnd den Raum.
 

XXXXXX 

Harry hatte es gerade noch rechtzeitig geschafft zu duschen und in eine frische Robe zu schlüpfen, bevor er mit seinen Freunden zum Frühstück ging. Weder Hermine noch Ron fragten danach, wo er die Nacht verbracht hatte, doch als sie die Treppe des Turmes herunter gingen, zog Hermine eine weitere weiße Feder aus den Haaren des Dunklen hervor, die sie ihm wortlos reichte.

Harry konnte nicht verhindern, dass er bis zu den Haarwurzeln errötete, doch Merlin sei Dank war Ron mit den Gedanken schon zu weit weg, um es zu bemerken. Ostern stand unmittelbar vor der Tür und der rothaarige Gryffindor träumte schon von riesigen Eier gefüllt mit Trüffeln, Nougat und Krokant. „Fred und George haben mir neulich sogar geschrieben, dass sie einen Weg gefunden haben, die Füllung nach allen Geschmacksrichtungen gleichzeitig schmecken zu lassen. Allerdings ist das Produkt noch in der Testphase, denn dummerweise fällt einem nach dem Essen die Zunge heraus."

Harry unterdrückte ein Lachen und Hermine rollte verstohlen mit den Augen, doch noch bevor sie ihn wegen seines ständigen Süßigkeiten-Konsums rügen konnte, erreichten die drei Freunde die Große Halle, vor der bereits eine große Menschenmenge versammelt war. Slytherins, Ravenclaws und Gryffindors diskutierten lautstark miteinander, während die versammelten Hufflepuffs mit Tränen in den Augen daneben standen.

„Was ist los? Warum geht ihr nicht rein?" fragte Harry an Blaise gewandt, der mit Pansy etwas abseits stand.

„Hast du die Nachricht noch nicht gehört, Potter? Professor Sprout ist tot", gab der dunkelhäutige Slytherin Auskunft.

„Was?!" mischte sich Hermine in das Gespräch. „Wie? Wann? Warum?"

Zabini lächelte überheblich. Offensichtlich genoss er es, vor dem goldenen Trio über die Geschehnisse Bescheid zu wissen. „Laut den Hufflepuffs war sie gestern Nacht im Gewächshaus, weil sie einigen Alraunen, die sich erkältet hatten, Medizin bringen musste und wurde dabei von einer Teufelsschlinge attackiert."

„Aber das kann doch nicht sein", widersprach Hermine. „Professor Sprout kennt die Pflanzen in den Gewächshäusern so gut wie sonst niemand. Sie würde nie so unvorsichtig sein und zu nah an eine Teufelsschlinge heran gehen. Außerdem tötet diese Pflanze doch nur, wenn man sich gegen sie wehrt. Das kann einfach nicht wahr sein.

„Dann glaub es halt nicht, Frau Neunmalklug", erwiderte Blaise Schulter zuckend. „Ich erzähle dir nur, was ohnehin schon das ganze Schloss weiß."

Ron lag schon ein fieser Spruch auf den Lippen, doch in diesem Moment kam Bewegung in die Menge und Zabini wandte sich ab, um mit seiner Freundin in die Halle zu gehen. Hermines Stirn lag in tiefen Falten und Rons Mund klappte mehrfach auf und zu, so als würde er etwas sagen wollen, während Harry einfach nur dumpf ins Leere starrte. Der Hunger, den er bis eben noch verspürt hatte, war wie weg geflogen. Er hatte ein ganz ungutes Gefühl im Bauch, welches er jetzt noch nicht einordnen konnte, doch er wusste, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte.

Erst als alle anderen Schüler bereits hinein gegangen waren, kam Bewegung in die drei Gryffindors. Hier draußen würden sie nichts Neues erfahren und Harry hoffte insgeheim, dass Professor McGonagall in ihrer morgentlichen Rede die Gerüchte als Lügen entlarven würde. Doch schon nach den ersten Schritten durch die schwere Eichentür wurden seine Hoffnung zu Nichte gemacht, als er sah, dass die Große Halle mit schwarzem Trauerflor dekoriert war.

An den Decken und den Wänden hingen schwarzen Fahnen und die Haustische waren mit schwarzen Tüchern versehen. Es waren auch noch keine Speisen oder Getränke zu sehen, stattdessen standen Vasen mit weißen Lilien auf den Tischplatten. Die Ravenclaws, Gryffindors und Slytherins flüsterten eifrig untereinander, während die Hufflepuffs wie ein Häuflein Elend an ihrem Tisch saßen. Unwillkürlich zuckte Harrys Blick zum Lehrertisch. Sein Magen zog sich fast schmerzhaft zusammen, als er sah, dass der Platz von Professour Sprout leer war. Schweigend ging er mit seinen Freunden zu ihren Plätzen und wartete dort darauf, dass die Hauslehrerin der Gryffindors und stellvertretende Direktorin von Hogwarts das Wort ergreifen würde. Er musste auch nicht lange warten, bis Mr. Filch ihnen andeutete, ruhig zu sein.

Erst als auch der letzte Schüler sich erwartungsvoll dem Lehrertisch zugewandt hatte, stand Professor MacGonagall auf und ging nach vorn zu einem Stehpult in Form eines goldenen Adlers. Sofort fiel Harry auf, wie müde die Frau heute aussah. Die Augen hinter der Brille lagen tief in den Höhlen und die Falten in ihrem Gesicht schienen über Nacht noch tiefer geworden zu sein. „Dies ist ein sehr trauriger Tag in der Geschichte von Hogwarts. Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Professor Sprout in der Nacht einem tragischen Unfall zum Opfer gefallen ist." Erneut erhob sich ein Murmeln unter den Schülern, doch ein ernster Blick über den Brillenrand hinweg ließ die Geräusche schnell verstummen. „Pamona Sprout war eine gute Freundin, eine hervorragende Lehrerin und ein warmer, herzlicher Mensch. Ein Hufflepuff, der dem Namen ihres Hauses Ehre gemacht hat. Stets hat sie sich für die Schüler auch über die Grenzen der Häuser hinweg eingesetzt. Dass sie uns in so schwierigen Zeiten nicht mehr zur Seite stehen kann, ist ein furchtbarer Verlust für uns alle. Mit ihr stirbt ein Wissen über das Reich der Pflanzen, das in der Zauberwelt seinesgleichen sucht. Ich bitte Sie aufzustehen und mit mir zusammen eine Schweigeminute einzulegen."

Professor MacGonagall trat einen Schritt zurück und faltete die Hände. Einen Moment lang hörte man nichts außer dem vereinzelten Schluchzen eines Hufflepuffs, dem Rascheln von Umhängen und dem Scharren von Füßen, dann standen die Schüler neben ihren Bänken und taten es der Lehrerin gleich. Die meisten Schüler blickten auf den Boden. Es war ihnen anzusehen, dass sie darauf hoffen, dass es nach dieser Schweigeminute endlich Frühstück geben würden. Nur Harrys Augen starrten ins Löcher in die Luft. In seinem Innerem war wieder diese große Leere, die er immer dann empfand, wenn er an Dobby dachte und seine Schultern sacken traurig nach vorn. Er fragte sich, ob der Mann von Professor Sprout schon Bescheid wusste und ob er kommen würde, um die sterblichen Überreste seiner Frau nach Hause zu holen. Würde sie in ihrem Wohnort beerdigt werden oder auf den Ländereien von Hogwarts? Er hörte die Stimme seiner Hauslehrerin von sehr weit weg, die ihnen gestattete, sich wieder zu setzten und verkündete, dass Madam Hooch bis zum Schuljahresende die Hufflepuffs betreuen würde, bevor im Herbst ein neuer Hauslehrer bestimmt werden würde.

Wieder ertönte Geraschel und Gescharre, als die Schüler ihre Plätze einnahmen, dann erschienen wie von Zauberhand Teller, Gläser und Besteck vor ihnen auf dem Tisch, gefolgt von gefüllten Schüsseln, Platten und Krügen und schon wenig später stürzten sich die Schüler auf das reichhaltige Frühstück, doch Harry hatte keinen Hunger. Er sah vor seinem inneren Auge, die immer gut gelaunte, rundliche Hexe mit dem Flickenhut und der erdverkrusteten Robe vor sich und er wusste, Hogwarts würde ohne sie nie wieder das selbe sein.

XXXXXX 

Einige Zeit später saßen die drei Gryffindors unter einer alten Eiche in der Nähe des Sees. Hermine blätterte in „Eine Geschichte von Hogwarts", Harry riss vor sich hin starrend Grashalme aus und Ron hielt die Augen geschlossen. Der Unterricht am Vormittag war aufgrund der Ereignisse der Nacht ausgefallen und die Schüler hatten sich nach dem Frühstück über das ganze Gelände verstreut. Da die Slytherins am Wochenende ein wichtiges Quidditch-Spiel hatten, war Draco - nachdem er die Erlaubnis seines Hauslehrers eingeholt hatte - mit dem Rest des Teams aufs Spielfeld abgezogen, um die Zeit für ein Extratraining zu nutzen.

Auch die anderen Schüler waren trotz des Schocks dazu übergegangen, der Situation etwas positives abzugewinnen und genossen die freie Zeit. Einige Mädchen aus Ravenclaw führten ihre Minimuffs spazieren, Seamus und Dean spielten am Ufer des Sees Snape explodiert und Pansy und Blaise knutschten ungehemmt in der freien Natur. Nur die Hufflepuffs blieben unter sich und hatten sich in ihren Gemeinschaftsraum neben der Schulküche zurück gezogen.

„Ich kann es immer noch nicht fassen", begann Hermine schließlich, während sie ihr Buch ins Gras legte.

Ron drehte sich auf die Seite und stürzte seinen Kopf auf der rechten Hand auf. „Wer hätte gedacht, dass die Sprout tatsächlich von einem ihrer eigenen Geschöpfe gekillt wird. Das ist beinah, als würde Snape vergiftet oder Hagrid von einem Hippogreif zertrampelt werden." Er stutzte. „Wobei letzteres gar nicht so unwahrscheinlich wäre."

„Trotzdem glaube ich das einfach nicht", schaltete sich Harry in das Gespräch ein. „Professor Sprout hat seit wir in Hogwarts sind nicht mal eine Schramme von den Pflanzen zugefügt bekommen. Dass sie von einer Teufelsschlinge erwürgt worden sein soll, ist völlig unmöglich."

„Aber was ist sonst passiert? Wer sollte ihr denn etwas antun wollen?" fragte Hermine ihren Freund. „Du glaubst doch nicht, dass du-weißt-schon-wer...?"

„Nein, oder ich weiß es nicht", gab der dunkelhaarige Gryffindor zu. „Und wie sollte Er auch durch die Schutzzauber kommen?"

„Professor Sprout war doch total harmlos", fügte Ron hinzu. „Warum sollte du-weißt-schon-wer sie töten wollen?"

„Vielleicht ging es ja gar nicht um sie", überlegte Hermine. „Vielleicht hat sie etwas gesehen, was sie nicht sehen sollte. Oder jemanden bei etwas überrascht."

„Im Gewächshaus?" fragte Ron ungläubig. „Mitten in der Nacht? Wer soll denn da herum geistern oder wieso?"

Auf einmal war es wieder da, das ungute Gefühl, das Harry heute Morgen gehabt hatte. Sein Augen weiteten sich, während er dabei zuhörte, wie seine Freunde weiter diskutierten. Konnte es etwas sein, dass....?

„Ich weiß es doch auch nicht, Ron", erwiderte Hermine. „Aber wir müssen alle Möglichkeiten in Betracht ziehen."

Verwundert sahen die Beiden zu Harry, der plötzlich aufstand und sich hastig das Gras von der Hose klopfte. „Ich habe was vergessen", sagte der Dunkelhaarige an seine Freunde gewandt. „Ich muss mal schnell ins Schloss."

Und noch bevor Hermine oder Ron die Chance gehabt hätten, den Grund für Harrys plötzlichen Aufbruch zu erfahren, eilte dieser schon in großen Schritten davon.

XXXXXX 

Harry sah weder nach rechts noch nach links, als er den Weg zum Portal entlang hastete. Sogar Hagrid, der ihm mit seinem Saurüden Fang und einem großen Korb voller Fische entgegen kam, nahm er nicht wahr. Die Gedanken in seinem Kopf liefen Amok und er würde sich am liebsten selbst dafür schlagen, dass er so dumm gewesen war. Zwar versuchte er sich einzureden, dass es unmöglich war; dass er so etwas niemals tun würde, doch die Zweifel wollten einfach nicht verstummen. Wenn er wirklich damit zu tun hatte, dann war es allein seine Schuld. Dann hatte er nun nach Dobby und Griphok auch noch einen Menschen auf dem Gewissen. Wie sollte er dann jemals wieder in den Spiegel sehen können? Er musste mit jemandem reden, sich anvertrauen, doch was, wenn er sich irrte? Dann hatte er das Vertrauen, was ihm entgegen gebracht worden war, ganz umsonst missbraucht. Er musste Gewissheit haben, doch wie sollte er heraus finden, ob er mit seiner Befürchtung richtig lag?

Unruhig tigerte Harry vor dem Raum der Wünsche auf und ab, bis endlich die Tür in der vorher glatten Wand erschien. Eilig öffnete er sie und trat hinein, sich vergewissernd, dass der Raum genau so aussah, wie er ihn heute Morgen verlassen hatte. Sein Blick streifte die verspiegelten Wände, den Tisch mit dem Krug und den Gläsern und blieb schließlich an den geplatzten Kissen hängen, die zu einem Berg aufgetürmt, in der Mitte des Zimmers lagen. Dort, wo er sich mit Draco gestern Abend ungehemmt seiner Leidenschaft hingegeben hatte.

Wie hatte ihm das nur passieren können? Immer wieder hatte er Blaise eingeschärft, wie wichtig es war, dass er jeden Abend den Zauber sprach, der Draco an sein Bett fesselte. Ja, er hatte ihm sogar vorgeworfen, dass er durch seine Liebelei mit Pansy nachlässig werden würde, was der Slytherin aber sofort abgestritten hatte. Und nun hatte ausgerechnet Harry im Eifer des Gefechts vergessen, seinen Freund für die Nacht vom Schlafwandeln abzuhalten. Er war einfach zu ausgelaugt von ihrem Liebesspiel gewesen, so dass er eingeschlafen war, ohne auch nur einen Gedanken an den Zauber zu verschwenden.

Und nun das...

Plötzlich fühlte er wieder Dracos kalten Körper neben sich, als er heute Morgen aufgewacht war, erinnerte sich daran, wie unnatürlich ihm das vorgekommen war, wo er selbst im Gegensatz zu seinem Freund ganz warm gewesen war. Aber die Menschen waren doch unterschiedlich, oder? Konnte es nicht einfach sein, dass Dracos Körper nachts stärker auskühlte als der seine? Oder war es wirklich ein Indiz dafür, dass der Slytherin im Gewächshaus gewesen war?

Es war zwar nur eine Theorie, eine sogar weither geholte Möglichkeit, aber was, wenn Draco gestern tatsächlich den Raum der Wünsche verlassen hatte? Wenn er es gewesen war, den Professor Sprout überrascht hatte? Wenn er dann schließlich die Lehrerin getötet hatte? Harry wurde schlecht bei dem Gedanken. Nein, es konnte einfach nicht sein. Es durfte nicht sein. Draco würde so etwas niemals tun. Aber die kleine Stimme in seinem Hinterkopf erinnerte ihn daran, dass der Slytherin keine Kontrolle über das hatte, was er im Schlaf tat. Oh Merlin, was sollte er tun? Sollte er Draco zur Rede stellen? Aber was würde das nützen, wenn der Slytherin doch keine Erinnerung an diese Tat haben konnte? Oder sollte er lieber gleich zu Professor MacGonagall gehen? Doch alles was er hatte, war ein Verdacht und er wollte seinen Freund nicht einfach bloß stellen, ohne die Gewissheit zu haben, dass er wirklich Schuld am Tod der Lehrerin war.

Harry seufzte schwer.

Er konnte es einfach nicht tun. Es fühlte sich nicht richtig an. Vielleicht weil er einfach nicht daran glauben wollte, dass Voldemort wirklich so viel Macht über Draco hatte. Solange es keine eindeutigen Beweise dafür gab, dass sein Freund wirklich damit zu tun hatte, würde er ihn nicht aufgeben. Doch er würde den Slytherin noch engmaschiger im Auge behalten müssen, als er es ohnehin schon tat, auch wenn Harry keine Ahnung hatte, wie das anstellen sollte. Dennoch würde er alles dafür tun, damit sie nicht getrennt wurden. Er brauchte den Blonden, konnte den Gedanken nicht ertragen, den Kampf gegen den Dunklen Lord aufnehmen zu müssen, ohne Draco in seinem Rücken zu wissen. Auch wenn er wusste, dass er vermutlich selbstsüchtig handelte, so wollte Harry doch einmal etwas für sich tun und nicht immer nur für die Anderen. Und er schwor bei seinen toten Eltern, dass er den Fesselungszauber nie wieder vergessen würde. Mit einem letzten Blick auf die Kissen verließ Harry den Raum, um sich auf die Suche nach Draco zu machen.

XXXXXX 

Als Harry das Quidditch-Feld betrat, beendeten die Slytherins gerade ihr Training. Mit geübtem Griff räumte Draco den Quaffel, die Klatscher und den Schnatz in die hölzerne Truhe zurück, während Montague und die anderen mit geschulterten Besen in Richtung der Umkleidekabinen davon marschierten. Der Keeper der Sytherins, der die Statur eines Gorillas hatte, warf dem dunkelhaarigen Gryffindor im Vorbeigehen ein anzügliches Lächeln zu, doch Harry ignorierte ihn einfach. Er hatte im Augenblick wirklich dringendere Probleme.
 

„Hey", sagte er zaghaft, während er auf Draco zuging, der sich gerade aufrichtete. Der Blonde war so durchgeschwitzt, dass ihm das Oberteil am Körper festklebte, doch er schaffte es irgendwie selbst dabei gutauszusehen. Harry hatte sich vorgenommen, sich nichts anmerken zu lassen, doch er merkte, wie seine Kehle eng wurde, als ihn sein Freund so offen angrinste.

„Na, Potter, wenn du gekommen bist, um unsere Strategie auszuspionieren, muss ich dich leider enttäuschen", feixte Draco und ließ seinen Besen vom Boden in die geöffnete Hand schweben.

„Tja, kann man nichts machen", gab der Gryffindor zurück, während er sich bemühte, das Lächeln zu erwidern.

„Aber ich wäre bei dem richtigen Einsatz durchaus bestechlich", erwiderte der Blonde und wackelte mit den Augenbrauen.

Harry seufzte leise. „Ein anderes Mal vielleicht."

Draco Lächeln verblasste zusehends, als er den Blick seines Freundes zu deuten versuchte. „Hey, was ist los, hm? Ist es wegen Professor Sprout?"

Der Dunkle nickte nur, aus Angst seine Stimme könnte mehr verraten, als er es wollte.

Der Slytherin schloss den Abstand zwischen ihnen und legte etwas unbeholfen einen Arm um Harrys Schultern. „Müssen wir das Ganze wirklich noch einmal durch kauen? Menschen sterben nun mal. Das ist so. Vielleicht ist es Schicksal oder Vorherbestimmung, aber das ist eben der Lauf der Welt. Daran kannst du nichts ändern und es wird dich noch umbringen, wenn du jedes Mal in Depressionen verfällst. Mal abgesehen davon, dass du dieses Mal ja wirklich nichts dafür kannst. Also, Kopf hoch, okay?"

Harrys Brustkorb fühlte sich so eng an, dass er glaubte ersticken zu müssen, doch er schaffte es irgendwie einen Laut hervorzubringen, den man vage als Zustimmung deuten konnte. Er hätte nichts dagegen gehabt, hier und jetzt einfach vom Blitz getroffen zu werden, doch falls es einen Gott gab, tat er ihm diesen Gefallen nicht. Stattdessen blieb ihm nichts anderes übrig, als weiterzumachen wie bisher und darauf zu hoffen, dass er die letzten Horcruxe fand, bevor eine weitere Katastrophe passierte. Denn auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, so fühlte er immer mehr, wie ihm die Kontrolle aus den Fingern glitt. Am liebsten hätte er vor Verzweiflung laut aufgeschrieben, als er sich wie eine Puppe von Draco mitziehen ließ und sie zusammen das Spielfeld verließen.

XXXXXX 

Ich gehe jetzt zur Arbeit", informierte Harry seinen Partner, der mit einem Block und Stift im Wohnzimmer saß. Um ihn herum war der Fußboden übersät von zusammen geknülltem Papier.

Was geht mich das an?" fauchte der Blonde in seine Richtung. Er hatte schon den ganzen Morgen eine äußerst explosive Laune und Harry war beinah froh, dass sie sich nun für ein paar Stunden aus dem Weg gehen konnten.

Brauchst du etwas?" fragte er, Dracos Worte einfach ignorierend.

Es reicht mir voll und ganz, wenn ich meine Ruhe bekomme", gab der Andere böse zurück, während er ein Blatt vom Block abriss, es zerknüllte und auf den Boden warf.

Kein Problem, ich bin schon weg. Essen von gestern steht im Kühlschrank, falls du hungrig bist. Ich komme gegen fünf zurück."
 

Jaja, jetzt hau schon ab", knurrte Draco dunkel. Er registrierte ohne aufzusehen, wie Harry noch einmal lautlos seufzte und dann vor die Haustür ging, um von dort zu disapparieren.

Mit zusammen gepressten Lippen begann der Blonde zum x-ten Mal an diesem Morgen mit seiner Zeichnung des Manor. Das festliche Eingangsportal, die imposanten Mauern, die großen Fenster... verdammt! Sein Stift verharrte mitten in der Bewegung und Draco schloss die Augen, um sich zu sammeln, die Erinnerung an das zu Hause seiner Kindheit herauf zu beschwören, doch die Bilder waren wie von einem Nebel überzogen. Er konnte sich nicht daran erinnern, wie die Giebel der Türme ausgesehen hatten oder ob die Fenster einen Bogen gehabt hatten oder nicht. Aber er sollte es doch wissen, oder? So viele Jahre hatte er dort verbracht, jeden Winkel mit verbunden Augen erreichen können, ohne auch nur einmal gegen ein Möbelstück zu stoßen. Und nun konnte er sich nicht einmal mehr an die Ornamente auf der Haustür erinnern.

Wütend riss Draco auch dieses Blatt von seinem Block und knüllte es in seinen Händen zusammen. Was war nur los mit ihm? Warum hatte er so oft das Gefühl, dass sein sonst so messerscharfer Verstand wie von einem Schatten bedeckt war? Manchmal fühlte er sich, als gäbe es Dinge, Ereignisse die hinter einem Vorhang verborgen lagen und nur darauf warteten, dass er sie ans Tageslicht brachte, doch so sehr er sich auch bemühte, es gelang ihm einfach nicht. Es war wie ein Gedanke, den man eben noch gehabt hatte, aber der durch eine Ablenkung plötzlich nicht mehr greifbar war. Dracos Gesciht nahm einen grimmigen Ausdruck an, als er den Stift auf einem neuen Blatt ansetzte. Und wenn er bis zum Abend hier sitzen würde, er musste dieses Bild zeichnen und wenn es auch nur deshalb war, um sich selbst zu beweisen, dass er nicht den Verstand verlor. 

Tbc...

Kapitel 28 von redangeleve
 

 

LV. With a little luck 

With a little luck, we can help it out

We can make this whole damn thing work it out

With a little love, we can lay it down 

(Paul McCartney and Wings, With a little luck)

 

Ostern kam und ging, ohne dass Harry wirklich Notiz davon nahm. Völlig perplex starrte er Erol, die Eule der Weasleys an, die eines Tages beim Frühstück ein großes Nuss-Nougat-Ei auf seinen Teller fallen ließ, so dass der Porridge in alle Richtungen spritzte. Überall luden die Posteulen die Ostergrüße der Familien ab und bald waren die Tische mit buntem Einwickelpapier übersät. Ron stieß einen Freudenschrei aus, als er neben den Ostereiern seiner Eltern auch ein paar aus Freds und Georges Scherzartikelladen erhielt. Trotz Hermines ausdrücklicher Warnung steckte sich der rothaarige Junge sofort eines der Eier in den Mund und saß einen Moment später prompt mit einem Schnabel statt einer Nase am Tisch. Neben Hermine erhielt in diesem Jahr sogar Draco ein kleines Ei von den Weasleys. Offensichtlich hatten Ron (der das allerdings vehement abstritt) oder Ginny bei ihrer Mutter ein gutes Wort für ihn eingelegt. Misstrauisch begutachtete der Slytherin das mit grüner Folie verpackte Schokoladenei, bevor er es etwas widerwillig in seine Tasche packte. Zwar war es nicht so groß wie die anderen Geschenke, aber der gute Wille zählte.

Inzwischen war bereits Anfang Mai, ohne dass sie dem Aufenthaltsort des letzten verbliebenen Horcruxes entscheidend näher gekommen wären. Nach ihrer letzten Schulstunde vor dem Mittagessen saßen die drei Gryffindors auf dem Steg des Sees in der warmen Sonne und ließen ihre Beine in das kühle Wasser baumeln. Harry und Ron hatten gerade eine Stunde Wahrsagen im stickigen Turmzimmer von Professors Trelawny hinter sich, während Hermine sich mit Alten Runen herum geschlagen hatte, was nicht gerade zur Besserung der bedrückten Stimmung beitrug.

„Wir kommen einfach nicht weiter", murrte Harry, der die Hände missmutig in den Taschen seiner Hose vergraben hatte.

„Die Hinweise zu dem Diadem in Dumbledores Notizbuch sind aber auch wirklich dürftig", regte sich Ron auf.

„Vermutlich war er selbst noch mitten in der Suche, Ron", beschwichtigte Hermine ihren Freund. „Er konnte ja nicht wissen, dass er plötzlich...."

Das Mädchen sprach den Satz nicht zu Ende, aber die beiden Jungen wussten auch so, was sie meinte. Über fünf Monate lag Albus Dumbledore bereits auf der Krankenstation. Fünf Monate, in denen sich sein Zustand kein bisschen verändert hatte. Fünf Monate, in denen die drei Gryffindors nur seine Aufzeichnungen hatten, um den Horcruxen auf die Spur zu kommen. Bislang waren sie erfolgreich gewesen, doch die Zeit rann ihnen durch die Finger. Immer häufiger träumte Harry von den Vorbereitungen des Dunklen Lords für die große Schlacht und auch wenn Hermine ihn beschwor, die Verbindung um jeden Preis zu unterbinden, konnte der Gryffindor doch nicht anders, als Nacht für Nacht in Voldemorts Geist einzutauchen. Vielleicht konnte er so die Pläne des Anderen erfahren. Er musste wissen, was der Dunkle Lord vorhatte, nicht zuletzt um wegen Draco endlich Gewissheit zu haben.

„Das Diadem von Rowana Ravenclaw gilt seit Jahrhunderten als verschollen, wie soll du-weißt-schon-wer da überhaupt dran gekommen sein?" gab Ron zu überlegen.

„Wenn ich das wüsste, wäre ich schon viel schlauer", gab Harry zurück. „Wir sind doch wirklich allen Hinweisen nachgegangen. Dank Luna und dem Tarnumhang waren wir sogar im Turm der Ravenclaws und haben dort alles auf den Kopf gestellt, aber es gab nicht eine winzige Spur, wo das Diadem sein könnte."

„Ich finde, wir sollten uns erst einmal mit etwas anderem befassen", warf Hermine ein. „Wir drehen uns schon seit Wochen im Kreis. Es bringt doch nichts, zum hundertsten Mal alle Orte durchzugehen, wo das Diadem versteckt sein könnte. Das bringt uns einfach nicht weiter."

„Hast du eine bessere Idee?" fragte Harry bissig. Obwohl seit Professor Sprouts „Unfall" nichts Verdächtiges mehr geschehen war, hasste er den Gedanken die Suche vorläufig ruhen zu lassen. Er hatte es im Gefühl, dass bald etwas Schreckliches passieren würde. Mit einem Vorwand hatte er Draco dazu gebracht, jede Nacht mit ihm in dem leer stehenden Klassenraum im zweiten Stock zu schlafen, damit er ein Auge auf ihn haben konnte. Sein Versäumnis von damals lastete schwer auf ihm. Ganz egal was sie in den letzten Minuten vor dem Einschlafen trieben, Harry dachte jetzt immer an den Zauber, der seinen Freund ans Bett fesselte. Inzwischen war er sich sogar sicher, dass er gar nicht würde einschlafen können, wenn er den Spruch nicht vorher aufsagte.

„Ich finde, wir sollten die beiden Horcruxe, die du versteckt hast, zerstören. Ich habe kein gutes Gefühl, solange du-weißt-schon-wer sie wieder zurück holen könnte", erklärte Hermine, ohne auf Harrys Tonfall zu achten. An jedem von ihnen zehrte die Suche auf ihre eigene Art und Weise. Hermine wurde immer stiller und zog sich noch mehr in ihre Bücher zurück als früher. Ron überspielte alles und gab mehr denn je den Clown und Harry war so reizbar, dass ihn die kleinste Bemerkung an die Decke gehen ließ. Sie alle waren längst am Ende ihrer Belastbarkeit angekommen, doch sie rissen sich zusammen, um diesen Albtraum endlich hinter sich zu lassen. Zwar gab es immer wieder Tage, an denen Hermine Zweifel hatte, ob es jemals dazu kommen würde, doch wenn es ihr schien, als würden die Jungs manchmal nur noch im Kreis denken, versuchte wenigstens sie selbst einen kühlen Kopf zu bewahren.

„Dafür müsste er erst einmal davon wissen, dass wir sie haben", warf Ron ein. „Und wie sollte er auch überhaupt ins Schloss kommen?"

„Du vergisst, dass er einem Schüler seinen Willen aufgezwungen haben könnte", erwiderte Hermine mit einem Seitenblick auf Harrys gequälten Gesichtsausdruck. „Doch darum geht es auch nicht. Wenn wir das Diadem erst hätten, müssten wir ohnehin nach einem Weg suchen, die Horcruxe unschädlich zu machen. Warum also nicht schon jetzt die, die wir haben vernichten?"

Harrys Gesicht blieb weiter verschlossen, er sagte jedoch nichts.

Ratlos kratzte sich Ron am Kopf. „Ich weiß, du hast es uns schon mal erzählt, aber was genau stand zur Vernichtung eines Horcruxes doch gleich im Notizbuch?"

Hermine zog ein zerknautschtes Heft aus der Innentasche ihres Umhanges und berührte es mit dem Zauberstab, um den Illusionszauber aufzuheben, den sie darüber verhängt hatte. Mit gerunzelter Stirn blätterte sie in den eng beschriebenen Seiten, bis sie fand, was sie gesucht hatte. „Hier steht, dass Dumbledore den Ring der Gaunts mit Drachenfeuer zerstört hat..."

„Das bekommt man nicht gerade an jeder Ecke", gab der rothaarige Junge zu bedenken.

„...aber laut seiner Theorie ist das nicht der einzige Weg", fuhr Hermine unbeirrt fort. „Wenn man einen Gegenstand findet, dessen Macht größer ist, als die des Horcruxes, sollte dieser in der Lage sein ihn zu zerstören."

„Und was soll das bitte für ein Gegenstand sein?" fragte Ron verständnislos.

„Ich weiß es auch nicht", gestand Hermine. „Ich dachte da zum Beispiel an einen mächtigen Zaubertrank, wie den Sud des lebenden Todes oder eine magische Waffe...."

„Ein Basiliskenzahn!" Mit einem Ruck erwachte Harry aus seiner Erstarrung. Schnell zog er seine Füße aus dem Wasser und sprang auf den Steg. Überrascht sahen seine beiden Freunde zu ihm auf. „Ihr erinnert euch doch daran, dass ich Tom Riddles Tagebuch mit einem Zahn des Basilisken durchbohrt habe", erklärte der dunkle Gryffindor aufgeregt. „Dadurch wurde der Horcrux zerstört. Also müssen wir mit dem Medaillon und dem Becher genau das selbe machen!"

Einen Moment lang sagte niemand etwas. Hermine schien angestrengt zu überlegen und auch hinter Rons Stirn arbeitete es fieberhaft, dann nickte das Mädchen schließlich. „Ja, ich glaube, das könnte tatsächlich klappen. Dann müssten wir nur nachsehen, ob der Weg dorthin immer noch funktioniert und ob der Basilisk tatsächlich noch in dem Gewölbe ist."

„Natürlich ist er das", ereiferte sich Ron. „Wohin sollten sie so ein Monster auch bringen?"

„Also abgemacht, dann treffen wir uns um kurz vor Mitternacht in dem Badezimmer, wo der Eingang versteckt ist", beschloss Harry.

„Mitten in der Nacht?" fragte sein Freund entsetzt. „Muss das sein? Ich fand den Weg schon beim letzten Mal schlimm genug."

„Es ist die einzige Möglichkeit, von allen unbemerkt da runter zu kommen", erwiderte der Schwarzhaarige. ' Und außerdem kann ich so dafür sorgen, dass Draco uns nicht folgt', fügte er in Gedanken hinzu.

„In Ordnung", stimmte Hermine zu. „Merlin sei Dank ist morgen Wochenende, da macht es nichts, wenn wir die halbe Nacht auf sind."

„Außerdem hat Flitwick diese Nacht Wachdienst, den können wir leichter umgehen, als Snape oder McGonagall. Vorsichtshalber bringe ich den Tarnumhang und die Karte des Rumtreibers mit. Und ihr vergesst eure Zauberstäbe nicht."

„Für wie blöd hältst du uns eigentlich?!" fragte Ron empört und spritzte mit dem Fuß etwas Wasser in Harrys Richtung.

„Soll ich darauf wirklich antworten?" fragte Harry fies. Mit einem teuflischen Grinsen nahm er seinen Zauberstab und schoss eine Wasserfontäne auf seinen Freund ab, den diese mitten auf den Rücken traf.

„Na, warte!" Prustend schüttelte sich Ron, so dass die Wassertropfen nach allen Seiten spritzten, dann zog auch er seinen Zauberstab hervor und rüstete sich zum Gegenschlag, während Hermine schnell einen Impervius-Zauber über ihre eigene Kleidung sprach.

`Jungs`, dachte sie seufzend und brachte sich schleunigst in Sicherheit, als Harry und Ron sich gegenseitig weiter mit Wasser bespritzten, bis sie nass bis auf die Haut waren.

XXXXXX 

„Willst du reden?" fragte Draco, während er ordentlich seine Sachen auf einem der Pulte in dem ungenutzten Klassenraum zusammen legte. Rund um das Bett, das Harry aus einem weiteren Tisch transformiert hatte, leuchteten ein halbes Dutzend dicke Kerzen und tauchten den Raum in ein angenehmes Zwielicht.

„Was meinst du?" fragte Harry abwesend, als er ebenfalls aus seiner Kleidung schlüpfte und sie mit dem Fuß in eine Ecke beförderte.

„Ich bin vielleicht blond, Potter, aber ich bin nicht blöd", erwiderte Draco sarkastisch. Er setzte sich auf die Kante des mit weißer Wäsche bezogenen Bettes und sah seinen Freund aufmerksam an. „Du bist heute noch merkwürdiger als sonst - und das will schon was heißen."

„Es ist wirklich nichts", beteuerte der Gryffindor treuherzig, doch er konnte kaum verbergen, dass er bereits mehr als nervös war.

„Du bist im Lügen wirklich noch lausiger als im Zaubertränkebrauen", murmelte der Blonde und schlüpfte missmutig unter die Bettdecke. „Aber ich verstehe schon, wenn du es mir nicht sagen willst...."

Harry seufzte leise auf, dann tat er es seinem Freund nach und legte sich neben ihn ins Bett. „Es ist nicht so, dass ich nicht will. Ich kann es einfach nicht. Du weißt doch wieso." Er rückte etwas näher an den Slytherin heran, der mit verschränkten Armen auf dem Rücken lag. „Wir sind jetzt so nah dran, Draco, so nah. Du musst mir jetzt einfach vertrauen."

Der Blonde atmete schwer, dann drehte er sich auf die Seite. Sein Blick, der Harrys traf, war voller Sorge. „Ich hoffe, du weißt, was du tust. Er kommt immer näher, Harry. Ich kann es fühlen. Das Dunkle Mal brennt und kribbelt immer öfter. Die Zeit ist fast gekommen und Er ist sich seiner Sache mehr als sicher."

Harry nahm Dracos Hand in die seine und drückte sie aufmunternd. „Glaub mir, ich weiß was ich tue. Ich brauche nur etwas Zeit und eine Priese Glück, dann werde ich es schaffen."

Einen Moment lang sah Draco seinen Freund nur stumm an, bevor er ihm sanft seine Hand entwand und zur Bettkante rutschte. Etwas umständlich schälte er sich unter der Decke hervor, bevor er aufstand und zu seinen gefalteten Sachen hinüber ging.

Perplex sah Harry ihm dabei zu, wie er in seiner Kleidung herum wühlte. „Du willst jetzt doch wohl nicht gehen, oder?" fragte er beklommen.

Draco murmelte etwas unverständliches, während er weiter nach etwas suchte, dann erhellte plötzlich ein triumphierendes Grinsen sein Gesicht. Er drehte sich zu Harry um, die Hand fest um etwas geschlossen, was der andere Junge nicht sehen konnte und ging zurück zum Bett.

„Ich kann dir vielleicht keine Zeit geben", begann er mit einem feinen Lächeln, als er über das Laken krabbelte. „Aber was das Glück betrifft, kann ich dir vielleicht aushelfen." Er öffnete seine Finger und hielt die Hand so vor Harrys Gesicht, dass der Gryffindor den Gegenstand erkennenkonnte, der auf der Handfläche ruhte. Harry stockte der Atem, als er erkannte, um was es sich dabei handelte: Es war eine kleine Phiole, die an einer Kette hing. Die Flüssigkeit darin leuchtete selbst im schwachen Licht der Kerzen in einem satten Goldton.

„Das... das kann ich nicht annehmen", erwiderte der Gryffindor gepresst, als es ihm endlich gelang den Blick von dem Felix felicitas abzuwenden.

„Doch, du kannst es", gab Draco locker zurück und legte die Phiole auf Harrys nackte Brust. Das Glas fühlte sich kühl an und doch zugleich warm, so als würde das Glück sogar durch den Behälter hindurch seine Haut erwärmen.

Der Dunkle schluckte schwer. „Nein, das geht einfach nicht. Snape hat dir den Trank geschenkt, nicht mir."

„Doch es ist meine Entscheidung, was ich damit tue und ich möchte ihn dir schenken", antwortete Draco bestimmt. „Du brauchst ihn nötiger als ich."

„Aber....", machte Harry einen weiteren Versuch, doch sein Freund ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen. „Sieh es als meinen Beitrag zu deinem Kampf. Wenn du Ihn mit dem Felix besiegen kannst, ist es, als habe ich mit dir zusammen kämpfen können, okay?"

Der Klos im Hals des Gryffindors wurde immer dicker und es fiel ihm schwer, daran vorbei zu schlucken. „Das ist einfach... Mir fehlen die Worte."

Draco grinste ihn schief an. „Großzügig? Selbstlos? Scheinbar verbringe ich einfach zu viel Zeit mit dir, Potter. Du fängst an abzufärben."

Unwillkürlich machte Harry einen zittrigen Atemzug. „Danke." Er hätte gern noch so viel mehr gesagt, aber das Reden war einfach nicht seine Stärke und vermutlich hätten ohnehin keine Worte ausdrücken können, was er in diesem Moment fühlte.

„Ist schon okay", murmelte Draco sichtlich verlegen. „Hauptsache, du fängst jetzt nicht an zu heulen oder so. Leg es am besten zur Seite und denk für eine Weile nicht mehr dran."

„Ich werd`s versuchen", erwiderte Harry halbherzig, während er die Phiole sorgsam unter dem Kopfkissen verstaute.

Der Slytherin ließ sein berühmtes teuflisches Grinsen sehen, als er den Dunklen zu einem Kuss heranzog. „Keine Sorge, ich bringe dich schon auf andere Gedanken."

Sanft leckte seine Zunge über die weichen Lippen seines Gegenübers. „Das glaube ich dir gern", gab der Gryffindor rau zurück. Und tatsächlich waren wenige Minuten später Horcruxe und Voldemort die letzten Dinge auf der Welt, an die Harry gerade dachte.

XXXXXX 

Der Tempus-Zauber verriet Harry, dass es viertel vor zwölf war, als er sich vorsichtig aus Dracos Umarmung löste. Ganz langsam, um den anderen nicht zu wecken, rutschte er zum Rand der Matratze und kletterte aus dem Bett. Seine Augen ruhten auf dem schlafenden Slytherin, der halb auf der Seite lag, einen Arm über dem Kopf am Bettgitter fixiert , während er sich schweigend anzog. Routinemäßig kontrollierte er den kleinen Beutel aus Eselfell, der neben dem Bett lag und den ihm Hagrid letztes Weihnachten geschenkt hatte. Zuerst hatte Harry die beiden Horcruxe gemeinsam mit dem Tarnumhang in seiner Truhe verborgen, doch - ohne es seinen Freunden zu sagen - hatte er vor kurzem das Versteck gewechselt und den Becher und das Medaillon geschrumpft und in diesen Beutel getan, den er immer mit sich herum trug. Er konnte und wollte einfach nicht das Risiko eingehen, dass die Horcruxe gefunden wurden und wo waren sie schon sicherer, als an seinem Körper?

Im Licht der noch brennenden Kerzen öffnete Harry die Karte des Rumtreibers, um sich zu vergewissern, wo sich Professor Flitwick gerade aufhielt. Er hatte Glück, der Hauslehrer der Ravenclaws machte seine Runde gerade in der Bibliothek. Auf Zehenspitzen trat er noch einmal ans Bett, zog die Phiole mit dem Zaubertrank unter dem Kopfkissen hervor und hängte sie sich, nach einem letzten Blick auf Draco, um den Hals. Er schwor sich im Stillen, den Trank nur dann zu verwenden, wenn er wirklich keine andere Wahl hatte. Das Glückselixier war zu kostbar, um es leichtfertig aufs Spiel zu setzten. Mit einem wortlosen Zauber löschte Harry die Kerzen, bevor er zur Tür schlich und sich den Tarnumhang über den Kopf zog. Als er hinaus auf den Gang trat, lag dieser erwartungsgemäß dunkel und leer vor ihm. Im blassen Mondlicht, das durch die großen Fenster herein schien, konnte er sehen, dass auch die Menschen in den Bildern friedlich schliefen. So leise wie möglich ging Harry den Flur hinunter, bis er sein Ziel erreicht hatte: Das Mädchenklo des zweiten Stockwerks. Die Tür quietschte unangenehm, als der Gryffindor sie aufschob und die beiden Gestalten im Inneren zuckten sichtbar zusammen. Angstvoll leuchtete Ron mit seinem Zauberstab hinüber zur Tür, wo Harry in diesem Moment den Tarnumhang vom Kopf zog.

„Alter, du hast mich vielleicht erschreckt", sagte der Rothaarige erleichtert und auch Hermine stieß hörbar die Luft aus, die sie vor Schreck angehalten hatte.

„Wen habt ihr erwartet? Die Maulende Myrte würde wohl kaum die Tür benutzen", erwiderte Harry grinsend. Er stopfte sich den Umhang in den Hosenbund und entzündete nun ebenfalls seinen Zauberstab.

„Nicht so laut", flüsterte Hermine den Jungen zu. „Sonst kommt sie gleich aus einer der Toiletten geflutscht. Hast du alles dabei?"

Harry klopfte auf den Beutel, den er sich ebenfalls um den Hals gehängt hatte. „Natürlich. Und ihr, seid ihr bereit?"

Unwohl zuckte Ron die Schultern. Hermine nickte ernst. „So bereit, wie man seien kann."

„Dann los." Harry atmete noch einmal tief durch, dann trat er zu dem Waschbecken, in dessen defekten Hahn eine Schlange eingraviert worden war. „Öffne dich", zischte er in der Sprache der Schlangen, so wie er es auch damals getan hatte, als Tom Riddle Rons Schwester in die Kammer entführt hatte. Sofort glitt das Waschbecken zur Seite und gab den Blick auf das Abflussrohr frei, das breit genug war, um einen Menschen hinab gleiten zu lassen.

Unwillkürlich musste Harry schlucken, als er in die gähnende Schwärze starrte. Erinnerungen an seinen ersten Besuch in der Kammer des Schreckens kamen wieder hoch, als Ginny beinah von Riddle getötet worden war und er selbst sich mit dem Basilisken einen Kampf auf Leben und Tod geliefert hatte. Unwillig schüttelte er den Kopf, um die ungebetenen Bilder zu vertreiben. Seine Hände tasteten zu der Phiole, die er unter seinem Hemd verborgen hielt, um sich den Mut zu holen, den er nun brauchte.

„Ich gehe als Erster", sagte er mit fester Stimme, um seine Unsicherheit zu überspielen. Er schwang seine Beine über den Rand und stieß sich kräftig ab. Es war, als rauschte er eine endlose, schleimige Rutschbahn hinab. Im Licht seines Zauberstabs sah er andere Rohre in alle Richtungen abzweigen, doch keines war so dick wie seines, das in endlosen Windungen steil abwärts lief. Er fragte sich, wie viele Meter er schon zurück gelegt hatte und wie viele noch vor ihm liegen mochten, bis er endlich unterhalb der Kerker angekommen war. Hinter sich hörte er die Geräusche seiner Freunde, die in den Biegungen sacht gegen die Wände schlugen. Endlich bog sich das Rohr nach oben und lief aus, so dass Harry heraus kullerte und auf dem feuchten Boden landete.

Mühsam rappelte er sich auf und trat zur Seite, um Platz für Ron und Hermine zu machen, die hinter ihm aus dem Rohr plumpsten. Während Ron allein auf die Füße kam, half der dunkle Gryffindor dem Mädchen hoch, das sich interessiert in dem dunklen Steintunnel umsah. Im Gegensatz zu den beiden Jungen war es ihr erster Besuch in dem ehemalige Reich des Basilisken. Doch für lange Erklärungen blieb keine Zeit.

„Hier entlang", erklärte Harry und leuchtete mit dem Zauberstab den Weg. Dicht hintereinander folgten sie dem Tunnel in die Dunkelheit. Obwohl sie wussten, dass es ungefährlich und das Monster seit Jahren tot war, hatten die drei Freunde eine Gänsehaut unter ihrer Kleidung. Ihre Schritte hallten laut von den steinernen Wänden wider, nur unterbrochen von einem gelegentlichen Knirschen, wenn einer von ihnen auf einen der Tierknochen trat, die den Boden des Tunnels bedeckten.

Schweigend folgten sie dem scheinbar endlosen Gang, der in den Fels getrieben worden war, bis sie nach einer Kurve endlich die Stelle erreichten, die früher von einer Wand mit zwei eingemeisselten ineinander geflochtenen Schlangen verschlossen gewesen war. Jetzt waren die Wandhälften zur Seite geglitten und gaben den Eingang zu der Halle frei, in der Harry den Basilisken getötet hatte. Damals war die Halle von einem blassen, grünlichen Licht beleuchtet gewesen, doch dieses Mal lagen die mächtigen Säulen, die bis zur Decke empor ragten, in tiefster Schwärze. Die Luft war schwer vom ekelhaft süßlichen Geruch der Verwesung.

Harry konnte hören, wie Hermine hinter ihm scharf die Luft einsog, als das schwache Licht ihrer Zauberstäbe die Szenerie erfasste, überwältigt von der imposanten Umgebung. Doch obwohl sein Herz wie wild klopfte, bedeutete er den anderen, weiter zu gehen. Wie Donnergrollen hallten die Schritte der drei Jugendlichen auf dem steinernen Boden, als sie zwischen den Säulen hindurch schritten, bis sie die Statue erreichten, die am Ende der Halle erreichtet worden war und an deren Fuß die tote Riesenschlange lag.

„Merlin", entfuhr es Hermine entsetzt, als ihr Blick den gewaltigen Leib des Basilisken traf - oder besser das, was noch von ihm übrig war. Ratten und anderes Getier hatten das Fleisch teilweise von den Knochen herunter gefressen, so dass in der ledrigen Schlangenhaut große Löcher klafften und das, was noch übrig war, stank geradezu bestialisch. Nur der Schädel war noch fast vollständig erhalten. Unheimlich starrten die leeren Augenhöhlen ihnen entgegen. Das Maul war weit geöffnet, so dass die drei Freunde die armlangen Giftzähne erkennen konnten.

„Lasst uns schnell machen, bevor ich mich übergebe", stöhnte Ron, dessen Gesicht bereits eine deutliche Grünfärbung aufwies.

Harry nickte nur, während er näher an das tote Ungetüm heran ging, bemüht möglichst lange die Luft anzuhalten. Zweifelnd besah er sich die messerscharfen Zähne, unsicher wie er sie am besten aus dem Maul heraus brechen konnte, ohne mit dem Gift in Berührung zu kommen. Doch während er noch grübelte, war es wieder einmal Hermine, die zuerst den richtigen Einfall hatte. Sie nahm einen großen Stein vom Boden, der bei Harrys Kampf damals aus einer der Säulen heraus gebrochen war und schlug mit all ihrer Kraft gegen einen der Zähne. Es gab ein knirschendes Geräusch, das Harry die Nackenhaare zu Berge stehen ließ, dann klappte der Zahn nach hinten und fiel vor ihnen auf den Boden.

Mutig geworden nahm nun auch Ron einen Stein und wiederholte den Schlag, so dass ein weiterer Zahn aus dem Maul heraus brach. Als letzter schlug auch Harry einen Zahn aus dem Schlund des Untiers. Nun hatten sie einen Zahn für jeden Horcrux, den sie zerstören mussten. Hermine schlüpfte aus der Strickjacke, die sie über ihren Sweater gezogen hatte und rollte die Basiliskenzähne sorgfältig darin ein. In stiller Übereinkunft nickten sich die drei Freunde zu, dann machten sie, dass sie fort kamen. Der faulige Geruch war kaum noch zu ertragen. Minutenlang liefen sie nebeneinander her, bis sie um etliche Kurven gebogen waren und den Eingang zur Halle nicht mehr sehen konnten. Erschöpft ließen sich die Gryffindors auf den Boden fallen.

„Alter, war das widerlich", stieß Ron gepresst hervor.

„Aber immer noch besser, als meine erste Begegnung mit dem Mistvieh", gab Harry zurück, doch auch er war froh, die Kammer des Schreckens hinter sich gelassen zu haben.

Hermine war auffällig blass, doch auch sie schien mehr als erleichtert. „Hauptsache, wir waren erfolgreich. Und nun? Bringen wir es hier unten zu Ende oder wollen wir lieber erst nach oben klettern?"

Nachdenklich kaute Harry an seiner Unterlippe. Am liebsten wollte er sofort das Gewölbe verlassen, doch vermutlich war die Abgeschiedenheit der Tunnel der beste Ort, um die Horcruxe zu zerstören. Schließlich hatte er keine Ahnung, was er genau zu erwarten hatte. Der Tom Riddle aus dem Tagebuch war auch nicht schweigend gestorben, sondern hatte mit einem fürchterlichen, durchdringenden Schrei sein Leben ausgehaucht. Wenn die Vernichtung der beiden anderen Horcruxe ähnlich ablief, würden sie oben bei dem Krach vermutlich das halbe Schloss aufwecken. Das konnten sie einfach nicht riskieren.

Entschlossen nahm der dunkle Gryffindor den Beutel aus Eselfell von seinem Hals. „Nein", sagte er bestimmt. „Wir machen es hier und jetzt."

XXXXXX

Ich habe es vergessen. Vergessen. Vergessen!" Panisch wirbelte Draco durch das Wohnzimmer. Wahllos nahm er Kissen und Decken hoch, schaute unter den Tisch und in die Schränke.

Suchst du irgendetwas, Love?" fragte Harry seinen Ehemann.

Meinen Umhang", gab Draco gehetzt zurück. „Ich brauche meinen Umhang!" Entschlossen durchwühlte er die Schubladen des Sideboards.

Dein Umhang hängt an der Garderobe", klärte der Dunkle ihn auf. „Aber wo willst du denn so dringend hin?"

Meine Mutter, sie hat heute Geburtstag! Und ich habe es vergessen! Ich habe noch nie ihren Geburtstag vergessen! Ich bringe ihr immer Lilien! Sie liebt Lilien! Und ich habe es vergessen!" platzte es aus dem Blonden heraus.

Beruhigend legte Harry seine Hand auf den Arm seines ausgelösten Partners. „Mach dir keine Sorgen. Ich habe daran gedacht. Es ist alles in Ordnung. Ich habe ihr die Blumen per Kurier schicken lassen."

Aber ich muss doch zu ihr!" beharrte Draco stur. „Sie erwartet mich!"

Du weißt doch, dass deine Eltern geschäftlich im Ausland sind. Was hältst du davon, wenn du ihr stattdessen eine Karte per Eileule schickst? Wenn sie dann zurück sind, werden wir Narzissas Geburtstag natürlich nachfeiern."

Etwas zögerlich nickte der Blonde. „Ich glaube, ich habe noch eine Karte oben. Die schicke ich ihr. Bist du auch sicher, dass du dem Kurier gesagt hast, dass es Lilien sein müssen?"

Ja, Love", antwortete Harry ruhig. „Ganz sicher, aber wenn du möchtest, frage ich nach, ob sie die Blumen erhalten hat."

Ja, bitte." Draco schien mit den Gedanken schon ganz weit weg. „Ich gehe dann nach oben."

In Ordnung." Harry wartete, bis sein Ehemann den Raum verlassen hatte, bevor er sich vor den Kamin kniete und eine Flohnetzwerk-Verbindung zum Blumengeschäft aufbaute. Das Gesicht einer grauhaarigen, beleibten Frau erschien in den Flammen.

Mr. Potter, was kann ich für Sie tun?"

Haben Sie das Bouquet, das ich bestellt habe, ausgeliefert?" fragte der ehemalige Gryffindor ohne Umschweife.

Die Dame nickte eifrig. „Zwei Dutzend Lilien, zum Friedhof von Malfoy Manor, wie in jedem Jahr."

Gut. Das wäre alles." Harry beendete die Verbindung, indem er seinen Kopf aus dem Kamin zog. Er hatte auch nichts anderes erwartet. ' Miss Fannys Flowers' war das beste Blumengeschäft der Winkelgasse und sie hatten in den letzten zehn Jahren nie vergessen, die Blumen an den Geburtstagen von Dracos Eltern auszuliefern. Jetzt konnte er seinen Partner wenigstens beruhigen, wenn er ihm schon nicht die Wahrheit sagen konnte.

Tbc....

Kapitel 29 von redangeleve
 

LVI. Already Over

 

You never go

You`re always here (suffocating me)

Under my skin

I cannot run away

Fading slowly

 

(RED, Already Over)

 

Unter den wachsamen Augen seiner Freunde holte Harry die beiden Horcruxe aus dem Beutel und brachte sie mit einem Zauber auf ihre normale Größe. Im schwachen Licht erschienen die beiden Gegenstände kein bisschen imposant. Helga Hufflepuffs Trinkpokal sah aus wie ein ganz normaler Becher und auch das Medaillon machte keinen besonderen Eindruck, doch Harry konnte die dunkle Magie spüren, die davon ausging. Sie war jetzt sogar noch stärker als sonst, beinah so, als könnten die Horcruxe spüren, dass ihr Ende nahe war.

Der dunkelhaarige Gryffindor atmete tief durch, dann schob er das Medaillon ein wenig zur Seite und rückte den Becher vor sich zurecht. „Okay, bringen wir es hinter uns. Ich nehme jetzt einfach einen der Basiliskenzähne und haue ihn mit aller Kraft in dieses Ding. Hermine, gibst du mir einen der Zähne?"

Das Mädchen starrte einen langen Moment abwechselnd auf den Becher und auf die zusammengerollte Strickjacke vor sich, bis sie schließlich ohne den Blick abzuwenden den Kopf schüttelte. „Nein."

„Nein?" fragte Harry verdutzt.

„Nein", wiederholte Hermine bestimmt. Sie hob den Kopf und sah ihrem Freund gerade ins Gesicht. „Ich werde es tun."

„Du?!" riefen die beiden Jungen wie aus einem Mund.

„Ja, ich", gab Hermine fest zurück. „Denkt doch einmal logisch: Der Tom Riddle aus dem Tagebuch hat versucht, Harry von der Zerstörung des Horcruxes abzuhalten und laut Dumbledores Aufzeichnungen ruhte ein Fluch auf dem Ring der Gaunts, der ihn vermutlich getötet hätte, wenn er nicht vorher gewarnt worden wäre. Was ist, wenn der Pokal ebenfalls geschützt ist? Wenn er Harry verletzt oder sogar tötet, dann wäre alles umsonst gewesen."

„Ach und es wäre besser, wenn du dabei drauf gehst?" frage Ron empört.

„Das kommt gar nicht in Frage", setzt Harry sofort hinzu. „Es ist meine Aufgabe Voldemort aufzuhalten und deshalb werde ich die Horcruxe selbst zerstören."

Hermine rollte genervt die Augen. „Sei doch vernünftig. Alles allein machen zu wollen, ist nicht heldenhaft sondern einfach nur dumm. Mein Vorschlag ist eine Verteilung des Risikos."

„Also, wenn hier schon jemand anders als Harry die Horcruxe zerstören muss, dann mache ich das", warf Ron ein.

Mit vor Wut funkelnden Augen sah Hermine ihren Freund an. „Ich brauche keinen Beschützer, Ron."

„Das hat gar nichts mit Beschützer zu tun", wehrte der Rothaarige ab.

„Ach, dann meinst du also, dass du besser die Horcruxe vernichten kannst, als ich? Liegt es vielleicht daran, dass ich ein Mädchen bin oder ist es, weil ich von Muggeln abstamme?" herrschte ihn Hermine an.

Wütend starrten sich die Jugendlichen entgegen. Sie waren so mit ihrem Streit beschäftigt, dass sie den Widerschein zweier roter Augen, der sich im Metall des Trinkpokals spiegelte, gar nicht wahrnahmen. Nur Hary, der die ganze Zeit zwischen seinen beiden Freunden hin und her geguckt hatte, bemerkte die Gefahr, die plötzlich wie ein dunkler Schatten über ihnen schwebte. „Leute, merkt ihr denn gar nicht, dass ihr den Horcruxen in die Hände spielt? Sie vergiften eure Gedanken mit ihrer Magie, damit ihr euch so in die Haare bekommt, dass ihr darüber ganz vergesst, worum es eigentlich geht."

„Genau", pflichtete ihm Hermine bei. „Wir sind hier, um Horcruxe zu vernichten und genau das werde ich jetzt auch tun."

Bevor einer der Jungen wusste, wie ihm geschah, warf sie sich nach vorn und schnappte sich den bronzenenTrinkpokal. Dann zog sie blitzschnell einen Basiliskenzahn hervor und rammte ihn beherzt mitten in das matt glänzende Metall. Just in dem Moment, in dem der Zahn den Becher durchbohrte, ertönte ein Mark erschütternder Schrei, der so laut und so unmenschlich war, dass die Freunde glaubten, ihnen müssten die Trommelfelle platzen. Reflexartig presste Harry die Hände auf die Ohren, um zu versuchen, den Lärm auszusperren, als sich der Schrei plötzlich verwandelte und zu einer sehr menschlichen, bekannten Stimme wurde. Erschrocken hob Harry den Blick. Sein Herz setzte für einen Moment aus, als er sah, wie Hermine sich auf dem Boden wälzte. Ihre Hände krallten sich in die langen, brauen Haare. Das Gesicht war verzogen vor Schmerz und ihr Mund war zu einem nicht enden wollenden, qualvollen Schrei geöffnet.

„Hermine!" rief er panisch und stürzte hinüber zur Freundin. „Was ist? Was fehlt dir? Sprich mit mir, bitte!"

Tränen rannen aus den Augen des Mädchens, doch der Schmerz war augenscheinlich so groß, dass sie es nicht schaffte, ihre Schreie zu unterbrechen. Hilflos musste Harry mit ansehen, wie Hermine ihren Kopf auf den Steinboden schlug, in dem Versuch, die Pein daraus zu vertreiben. Verzweifelt rang der Junge die Hände, probierte mit einem Finite Incantatem den Zauber zu beenden, der Hermine quälte, doch nichts geschah. Mutlos legte er den Zauberstab neben dem Mädchen ab, um sie einfach nur zu halten und ihr so wenigstens beistehen zu können.

Er war so damit beschäftigt, der Freundin helfen zu wollen, dass Harry gar nicht merkte, dass Ron immer noch einige Schritte abseits saß. Die Kiefer des rothaarigen Gryffindors mahlten, seine Augen waren zu Schlitzen verengt, während sich sein Blick in seine beiden Freunde bohrte. In dem Medaillon , das nur wenige Zentimeter vor seinen Knien lag, schienen die roten Augen geradezu zu glühen. Leise Worte, wie pures Gift, sickerten in Rons Verstand. Sie sprachen von Verrat, von brennender Eifersucht, betrogener Liebe und dem Schicksal immer im Schatten des allmächtigen Harry Potters zu stehen.

Plötzlich hörten Hermines Schreie auf, ihr Körper wurde schlaff und ein heiseres Schluchzen entwich ihren Lippen. Rons Hände ballten sich zu Fäusten, als er sah, wie Harry über Hermines Schultern streichelte. Der Mund des Dunkelhaarigen senkte sich zum Ohr, des halb auf seinem Schoß liegenden Mädchens. Ihr Körper zitterte, bebte. Die verkrampften Hände klammerten sich an die des Jungen, von dem Ron immer gedacht hatte, dass dieser sein Freund sei. Das war zu viel. Mit einem Aufschrei warf er sich auf Harry und zerrte ihn von Hermine fort. Seine Hände suchten dessen Kehle, wollten ihn packen, ihn erwürgen. Die Falschheit, das Begehren ein für alle Mal aus ihm heraus pressen.

„Ron", stieß Harry hervor, während er sich gegen die rohe Gewalt seines Freundes wehrte. „Was tust du?"

„Wie konntest du nur?!" stieß der Andere wütend hervor. „Sie ist meine Freundin! MEINE FREUNDIN! Reicht es dir nicht, dass du sonst schon alles hast? Muss es ausgerechnet sie sein?!"

„Spinnst du?! Ich versuche Hermine zu helfen", gab Harry gepresst zurück. Er bemühte sich, den Rothaarigen von sich herunter zu werfen, ohne ihn dabei zu verletzten, aber Ron war größer und kräftiger als er selbst.

„Oh ja, der große Harry Potter", höhnte Ron böse. „Der Retter der Zauberwelt, der Kämpfer für das Gute.... das ich nicht lache! Wenn die Leute wüssten, was für ein Versager du in Wirklichkeit bist."

„Ron, das bist nicht du, der da spricht", versuchte der Dunkelhaarige seinen Freund zur Besinnung zu bringen. „Es ist der Horcrux! Er manipuliert dich!"

„Ach ja? Vielleicht bin ich nur endlich aufgewacht und habe erkannt, was für eine Art von Mensch mein so genannter, bester Freund wirklich ist!"

„Ron, bitte, Hermine braucht uns jetzt!"

„Hermine braucht dich nicht!" schrie Ron außer sich. „Sie braucht mich und niemanden sonst!"

„Dann hilf ihr verdammt noch mal und lass mich den Horcrux vernichten, bevor es zu spät ist!" brüllte Harry zurück.

„Du hast mir nichts zu sagen! Das ist ein für alle mal vorbei!" Drohend richtete Ron seinen Zauberstab auf den anderen Jungen. Der Stupor traf Harry so unvorbereitet, dass dieser einige Meter nach hinten gegen den Felsen flog, wo er benommen liegen blieb. Diesen Moment nutzte Ron, um das am Boden liegende Medaillon aufzuheben. Gierig sogen seine Augen den Anblick des glänzenden Metalls auf, bevor er sich die Kette um den Hals hängte. Den durchbohrten Trinkpokal würdigte er keines Blickes. „Ich denke, ich werde das Medaillon dorthin bringen, wo es hingehört und wo ich als die Person gewürdigt werde, die ich bin."

„Bitte Ron", brachte Hermine krächzend hervor. Sie war noch zu schwach, um sich aufzurichten, doch mit der Kraft der Verzweiflung schaffte sie es, sich auf die Seite zu drehen. Ihr Gesicht war nass von Tränen und die Augen vom Weinen rot und geschwollen. Doch das Erschreckendste war der Anblick ihres Haares: Es war auf einen Schlag schneeweiß geworden. Zitternd streckte sie eine Hand nach ihm aus. „Wach endlich auf! Voldemort benutzt dich nur!"

„Du bist es, die mich benutzt hat", gab Ron kalt zurück. Das Medaillon auf seiner Brust glühte immer heller, während sein Zauberstab nun auf Hermine zielte. „Du hast mich nur genommen, weil du ihn nicht haben konntest!"

Neue Tränen schossen aus Hermines Augen hervor. „Das ist nicht wahr! Harry ist mein bester Freund, aber dich... dich liebe ich!"

„Aber ich dich nicht", erwiderte der rote Gryffindor ohne jede Gefühlsregung. „ Ich bin nicht mehr der dumme Trottel, der sich von dir herum kommandieren lässt! Ich bin zu mehr auserwählt!"

Die Spitze seine Zauberstabs begann zu leuchten, als er ihn auf den Kopf des Mädchens richtete. „Leb wohl Hermine, grüß Dobby von mir."

Doch bevor Ron seinen Zauber wirken konnte, sah er aus dem Augenwinkel einen weiteren Zauberstab aufglühen. „Weg von ihr!" knurrte Harry, als er sich mühsam auf die Beine kämpfte. Seine Hand umklammerte den wieder erlangten Zauberstab mit grimmiger Entschlossenheit. „Oder..."

„Oder was?" fragte Ron lauernd. „Wirst du mich töten? Deinen besten Freund?"

„Nein, aber ich werde dafür sorgen, dass du niemandem mehr schadest, bis du wieder zur Vernunft gekommen bist", erwiderte Harry ehrlich, während er langsam näher kam.

„Bedauere, kein Interesse", gab der Rothaarige zurück. Plötzlich ging alles sehr schnell: Im Bruchteil einer Sekunde richtete er seinen Zauberstab auf die Decke und feuerte einen Expulso ab. Hunderte Gesteinsbrocken wurden dabei heraus gesprengt und regneten auf sie hinab. Harry wollte gerade ebenfalls einen Zauber auf seinen Freund abfeuern, als ein spitzer Schrei seine Aufmerksamkeit ablenkte. Schützend hatte Hermine die Arme über den Kopf gehoben, als ein großer Felsen direkt neben ihrem Körper in den Boden einschlug. Seine Augen zuckten zurück zu Ron, der sich mit einem letzten hämischen Blick umdrehte und im Dunkel des Tunnels verschwand. Sein Verstand sagte Harry, dass er hinterher laufen musste, um seines Freundes und des teuer bezahlten Horcruxes wegen. Doch sein Herz weigerte sich, Hermine die noch zu schwach war, um sich in Sicherheit zu bringen, im einstürzenden Tunnel allein zu lassen.

Mit dem Zauberstab erschuf er einen Schutzschild, der groß genug für sie beide war, dann kämpfte er sich durch die hinab stürzenden Gesteinsmassen zu dem Mädchen. Vorsichtig hievte er Hermine auf seine Arme. „Nein!" Mit letzter Kraft wehrte sie sich gegen Harrys Fürsorge. „Lass mich hier! Du musst Ron zurück holen!"

„Ich kann nicht." Mit sanfter Gewalt drückte der schwarzhaarige Junge Hermine an sich. „Ich muss dich in Sicherheit bringen."

„Aber Ron....!" presste sie erstickt hervor. „Ron!"

„Ich werde ihn finden, Hermine. Ich verspreche es dir. Aber zuerst musst du in den Krankenflügel."

Das Mädchen in seinen Armen wurde von unkontrollierten Schluchzern geschüttelt, während Harry sie durch das Labyrinth der Tunnel nach draußen führte. Als sie das Rohr erreichten, das von dem Badezimmer nach unten führte, schaffte er es durch einen Reverso-Zauber die Eigenschaft des Rohres umzukehren, so dass sie von unten nach oben rutschen konnten. Zu zweit war es ziemlich eng in der Röhre, doch Harry hielt Hermine die ganze Zeit an sich gepresst. Er durfte sie nicht loslassen, würde es nicht, konnte es nicht. Tatsächlich schaffte er es erst sich von ihr zu lösen, als er sie in dem weiß bezogenen Bett der Krankenstation ablegte. Die Phiole mit dem Felix felicitas, an das er die ganze Zeit nicht gedacht hatte, fühlte sich plötzlich eiskalt auf seiner Haut an.

XXXXXX

Die Tür der Krankenstation quietschte leise, als Harry sie aufdrückte. Er brauchte den Blick gar nicht erst zu heben, um zu wissen, dass Hermines Blick ab diesem Moment bereits auf ihm ruhte. Er konnte es fühlen. Ihre Augen durchbohrten ihn förmlich und er wusste, wenn er sie ansehen würde, würde er den Funken Hoffnung in ihnen leuchten sehen, der schon da gewesen war, als er zu seiner Suchaktion aufgebrochen war. Doch Harry fürchtete sich davor, sie anzusehen und dabei zugucken zu müssen, wie dieser Funken verlöschte und stattdessen der Verzweiflung Platz machte, die auch er in seinem Inneren fühlte.

Gleich nachdem er Hermine in die Krankenstation gebracht hatte, war er wieder hinab in die unterirdischen Tunnel gestiegen und hatte versucht, Rons Spur aufzunehmen. Doch es war vergebens gewesen. Nirgendwo in dem verzweigten Labyrinth hatte er auch nur den geringsten Hinweis erhalten. Weder die Karte des Rumtreibers, noch die Suche in den Ländereien des Schlosses hatte irgendeinen Erfolg gebracht. Er konnte überall hinappariert sein. Dennoch wollte er Ron nicht aufgeben. Er war sein Freund, sein bester Freund und er hatte es Hermine versprochen, aber als schließlich die Sonne am Horizont über die Hügel hinauf kletterte, wusste Harry, dass er umkehren musste. Zum Einen war er die ganze Nacht auf den Beinen und langsam zum Umfallen erschöpft und zum Anderen war Draco vermutlich bereits aufgewacht und bestimmt nicht glücklich darüber, allein an das Bett gefesselt zu sein. Außerdem würde es sich nicht vermeiden lassen, Professor McGonagall über Rons Verschwinden zu benachrichtigen. Auch wenn Harry noch nicht wusste, was er seiner Hauslehrerin über die Ereignisse der Nacht erzählen sollte.

„Harry?"In diesem einen Wort lag Hermines ganze Angst davor, was er ihr zu berichten hatte.

Der dunkelhaarige Gryffindor schüttelte nur stumm den Kopf. Seine Kehle fühlte sich plötzlich furchtbar eng an und er schaffte es nicht, auch nur ein einziges Wort über seine Lippen zu bekommen. Bittend suchte er ihren Blick. Ihre dunklen Augen schwammen schon wieder in Tränen und ihr Gesicht wirkte durch die weißen Haare furchtbar blass. „Es ist meine Schuld", flüsterte sie rau, als die erste feuchte Spur ihre Wange hinab rann. „Wenn du mich nicht aus dem einstürzenden Tunnel gerettet hättest, wäre genug Zeit geblieben, um ihm nachzulaufen."

„Nein, es ist meine Schuld", gab Harry gequält zurück,als er den Abstand zu ihr schloss. „Ich hätte ihn aufhalten müssen, bevor er den Expulso abgefeuert hat."

„Wenn wir doch nur zu ihm durchgedrungen wären", seufzte das Mädchen gequält.

„Voldemorts Macht ist selbst in seinen Horcruxen noch stark. Er hat sofort erkannt, dass Ron das schwächste Glied in der Kette ist, dass er immer an sich und an seinen Fähigkeiten gezweifelt hat. Und das hat Er eiskalt ausgenutzt."

„Ich dachte, es wäre ein guter Plan, einen Teil des Risikos auf mich zu nehmen, doch stattdessen habe ich alles noch viel schlimmer gemacht."

„Nein." Harry schüttelte vehement den Kopf. „Wenn du nicht den Becher vernichtet hättest... vielleicht hätte mich der Horcrux wirklich umgebracht."

„Ich konnte Ihn hören, weißt du", sagte das Mächen leise. „Es war, als würden Seine Worte in meinem Kopf ein Feuer entzünden, das mich von innen verbrennt. Ich dachte wirklich, das ist das Ende."

„Aber der Fluch hat dich nicht getötet", stellte Harry fest. „Warum?"

„Ich bin mir nicht sicher", antwortete Hermine. „Aber es schien, als ob durch deine Berührung eine Art Magie in mich geschickt wurde, die den Zauber aufgehoben hat."

„Aber ich habe doch gar nichts gemacht", erwiderte der Junge verdutzt. „Ich habe dich nur gehalten."

„Genau das ist es doch: Du hast mich getröstet, dir Sorgen um mich gemacht. Du-weist-schon-wer hat die Macht der Liebe und der Freundschaft schon immer unterschätzt."

Schüchtern streichelte Harry erneut den Arm des Mädchens. „Ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist."

Hermine lächelte gequält. „Abgesehen davon, dass ich jetzt öfter mal einen Haarfärbezauber durchführen muss..."

„Wir finden ihn, Mine", tröstete der Dunkelhaarige die Freundin. „Ich werde gleich zu McGonagall gehen und sie wird bestimmt die halbe Auroren-Zentrale losschicken, um ihn zu suchen. Und was deine Haare angeht, bin ich mir sicher, dass es Ron ganz egal ist, welche Farbe sie haben. Er liebt dich, Hermine, auch wenn er in seinem Wahn etwas anderes gesagt haben mag."

Erschöpft schloss das Mädchen die rot geweinten Augen. „Ich hoffe du hast recht. Wenn Er ihn in die Finger bekommt...."

„Das wird nicht passieren", erwiderte Harry entschlossen. Es konnte nicht passieren und es durfte nicht passieren. Nicht nur Rons Leben hing davon ab. Wenn Voldemort von der Jagd auf seine Horcruxe erfuhr, .... aber daran wollte Harry am liebsten gar nicht denken.

XXXXXX

Es fiel ihm nicht leicht, seine Hauslehrerin zu belügen, auch wenn Harry langsam Routine darin bekam. Gemeinsam mit Hermine hatte er sich eine Geschichte zurecht gesponnen, in der sich das Mädchen mit Ron gestritten hatte und dieser daraufhin blindlings davon gestürmt war. Hermine hatte sich daraufhin bei Harry ausgeheult und gemeinsam hatten sie beschlossen, den Freund mit einem Liebeszauber zu überraschen, was dann aber vollkommen schief gelaufen war. Dass Ron tatsächlich das Schloss verlassen hatte, war Hermine und Harry durch das ganze Durcheinander erst am Morgen aufgefallen.

Ob Minerva McGonagall ihnen diesen haarsträubenden Unfug wirklich glaubte, war der älteren Dame nicht anzusehen, als sie Harry über den Rand ihrer Brille hinweg musterte, doch nachdem sie ein paar Mal nachgehakt hatte, tätigte sie schließlich die alles entscheidende Flohpulver-Verbindung ins Ministerium und Harry atmete auf. Ganz egal was ihm nun noch bevor stand, Hauptsache die Suche nach Ron wurde endlich in die Wege geleitet.

XXXXXX

Die Frühstückszeit war längst zu Ende und von überall strömten die Schüler zum Unterricht, als Harry den unbenutzten Klassenraum im zweiten Stock betrat. Nachdem seine Hauslehrerin ihre Befragung endlich beendet hatte, war er zu seinem Unglück auch noch Professor Snape in die Arme gelaufen und nur der Umstand, dass Peeves einem Schüler ein gutes Dutzend Wasserbomben geklaut hatte und diese nun auf alles warf, was sich bewegte, rettete ihn vor einem weiteren Verhör.

„Ach, lässt du dich heute auch noch mal hier blicken?!" kam sofort die giftige Begrüßung aus der Richtung des Bettes. Mit verschränkten Armen saß Draco auf der Matratze und funkelte seinen Freund wütend an.

„Es tut mir leid", begann Harry den Versuch, sich zu verteidigen, aber der Slytherin ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen.

„Leid? Leid??? Ich sitze hier seit Stunden fest! Mein Magen hängt mir in den Kniekehlen und ich muss dringend mal pinkeln und es tut dir einfach nur leid?!" blaffte der Blonde zornig.

„Ja", sagte der Gryffindor simpel, nachdem er den Zauber intoniert hatte, der die Fesseln löste. „Es tut mir ehrlich furchtbar leid."

Erleichtert rieb sich Draco das schmerzende Handgelenk, bevor er sich erneut Harry zuwandte. Erst jetzt sah er die Kratzer im Gesicht des Dunklen, bemerkte die Schatten unter den Augen und nahm die zerknitterte und dreckige Kleidung wahr.

„Was ist passiert?" fragte er besorgt, während seine Finger vorsichtig über einen Riss auf Harrys Wange tasteten.

„Es ist etwas schief gelaufen", gab Harry zu und ließ sich müde auf die Matratze sinken. „Ich befürchte, Voldemort hat Ron in seiner Gewalt."

„Das Wiesel?" fragte Draco verwundert, als er sich neben seinen Freund setzte. „Was soll Er denn mit dem?"

„Er hat etwas, was Voldemort unbedingt zurück haben will", erklärte der Gryffindor so gut wie möglich den Sachverhalt.

„Dann ist er schon so gut wie tot", sprach Draco die Vermutung aus, die Harry schon die ganze Zeit quälte.

„Ich weiß", flüsterte er tonlos. Schnell schloss Harry die Augen, um die Tränen zurück zu halten, die bereits gegen seine Wimpern drängten. Die ganze Nacht und den ganzen Morgen hatte er seine Emotionen verdrängt, doch nun wollten sie mit Macht an die Oberfläche. Er spürte, wie Draco sich seinen Kopf an die Schulter zog, so dass Harrys Gesicht in seiner Halsbeuge ruhte und als er den Arm des Blonden um seine Schulter fühlte, brachen schließlich alle Dämme und heiße Tränen der Verzweiflung quollen aus ihm heraus, wie Lava aus einem Vulkan, bis nichts in ihm übrig blieb, als kalte, tote Asche.

XXXXXX

Die Sonne schien unbeeindruckt von den Ereignissen vom blauen, schottischen Himmel, als Harry am nächsten Morgen mit Dean und Seamus zum Frühstück ging. Etwas verloren tappte er hinter seinen Freunden her, die sich eifrig miteinander unterhielten. Rons Verschwinden war in der Schule das Thema Nummer eins und er hatte es sogar mit einem Artikel in den Tagespropheten geschafft. Als Hermine die Zeitung gesehen hatte, war sie abwechselnd grün und blass geworden und hatte wieder stundenlang geweint, bis ihr die Schulschwester einen Beruhigungstrank gegeben hatte. Auch deshalb war das Mädchen nicht in der Lage am Schulalltag teilzunehmen, weshalb sie weiter auf der Krankenstation blieb.

Die Jungen durchquerten gerade die Eingangshalle, als Harry eine Gruppe von Männern sah, die von Mr. Filch durch das Portal ins Schloss gelassen wurden. Auch wenn Harry den einen Mann, einen hühnenhaften Farbigen, nicht gekannt hätte, hätte er anhand der Bewegungen sofort gewusst, dass es sich bei ihnen um Auroren handelte. Harrys Herz schlug schneller in seiner Brust, während er sich von den anderen Gryffindors entfernte und auf die Männer zusteuerte.

Der Hausmeister war gerade dabei sie zur Treppe zu führen, als sich der Junge ein Herz nahm und den Anführer ansprach: „Entschuldigung, Mr.Shaklebolt Sir, aber sind Sie wegen Ronald Weasley hier?"

Kingsley Shaklebolt, der farbige Leiter des Aurorenbüros, verlangsamte seine Schritte und drehte sich zu Harry um. Im Laufe seiner Karriere hatte er immer wieder Kontakt mit dem bekanntesten Jungen der Zauberwelt gehabt und er hatte gelernt, dass dieser seine Berühmtheit nicht nur dem schicksalhaften Ereignis aus seiner Kindheit verdankte, sondern auch seinem äußerst wachen Verstand.

„Ja, Mr. Potter", bestätigte er mit seiner tiefen, vollen Stimme. „Das ist richtig."

„Gibt es etwas Neues?" fragte Harry hoffnungsvoll. „Haben Sie ihn gefunden?"

Shaklebolt lächelte traurig, bevor er eine seiner riesigen Hände auf die Schulter des Gryffindors legte. „Das haben wir in der Tat, aber leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Mr. Weasley zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr am Leben war."

XXXXXX

Unruhig tigerte Harry im Wohzimmer hin und her. Aus der oberen Etage des Hauses hörte man lautes Scheppern und das Geräusch von zerbrechendem Glas. Endlich knisterten die Flammen und leuchteten grünlich auf, als Hermine in der Feuerstelle erschien und hinaus in das Wohnzimmer trat. Sorgsam klopfte sie den Ruß von ihrem Hexenhut und vom Reiseumhang, bevor sie sich an Harry wandte.

Wo ist er?" fragte sie routiniert.

Oben", antwortete der Freund niedergeschlagen. „Er hatte wieder einen Anfall und hext jetzt das Schlafzimmer kurz und klein."

Überrascht zog Hermine die Augenbrauen hoch. „Warum hast du ihm nicht einfach einen Schockzauber verpasst?"

Ich kann das nicht", gestand Harry. „Ich kann ihm einfach nicht weh tun."

Aber so geht es doch auch nicht weiter. Sein Zustand wird schließlich nicht besser, sondern schlimmer. Hast du schon mal darüber nachgedacht, ihn zu uns ins Manor zu bringen?"

Nein." Vehement wehrte Harry ab. „Er braucht mich. Ich bin der Anker, der ihn hier hält."

Mitfühlend legte die Freundin einen Arm um den dunkelhaarigen Mann. „Ist es nicht vielleicht eher so, dass du ihn nicht gehen lassen willst?"

Mit einer unbestimmten Bewegung wischte Harry den Einwand zur Seite. „Nenn es, wie du willst, aber Draco bleibt hier bei mir."

Wie du meinst." Leise seufzend zog Hermine ein Fläschchen unter ihrem Umhang hervor. „Zehn Tropfen zu jeder Mahlzeit sollten ihn ruhig stellen."

Ein weiteres Klirren von oben ließ die Beiden zusammen zucken. „Ich gehe dann mal für Ruhe sorgen." Mit gezogenem Zauberstab wandte sich Hermine in Richtung der Treppe, doch Harry hielt sie am Arm zurück. „Danke, Mine."

Die braunhaarige Frau warf ihm ein blasses Lächeln zu. „Dafür sind Freunde doch da."

Tbc....

Kapitel 30 von redangeleve

 LVII. The show must go on 

The show must go on!

The show must go on! Yeah!

Inside my heart is breaking,

My make-up may me flaking,

But my smile, still stays on 

(Queen, The show must go on) 

In seinen schlimmsten Albträumen hätte Harry nie geglaubt, dass er einmal zu so einem traurigen Anlass in den Fuchsbau kommen würde. Soweit er sich erinnern konnte, war er noch nie auf einer Beerdigung gewesen, wenn man einmal von dem Begräbnis von Dobby und Griphook absah. Doch auch wenn der Anlass in seinen Grundzügen der selbe war, so konnten die beiden Ereignisse nicht unterschiedlicher sein. Es war Nacht gewesen, als er damals die beiden Körper am Rande des Verbotenen Waldes in die Grube in der Erde legte, welche er mit seinen eigenen Händen gegraben hatte. Niemand war dabei gewesen, nur die Bäume und die Tiere des Waldes waren seine Zeugen. Da er keine andere Wahl gehabt hatte, war Harry Totengräber, Priester und einziger Trauergast in einer Person gewesen. Doch so furchtbar es damals auch war, mit seiner Trauer allein zu sein, beinah wäre es ihm lieber, wenn er jetzt nicht mit den ganzen Leuten hier wäre oder wenn er wenigstens irgendetwas tun könnte. Aber hier und heute war er zum Zuschauen verdammt. Harry fühlte sich so furchtbar hilflos und fehl am Platz, als auf dem Feld um den Fuchsbau die Zelte wie Pilze aus dem Boden schossen und immer mehr rothaarige Verwandte der Weasleys aus allen Teilen Großbritanniens herbei strömten, um gemeinsam den immensen Verlust zu betrauern, den ihre Familie erlitten hatte.

Mit aufeinander gepressten Kiefern stand er da, die Hände in den Hosentaschen vergraben und musste mit ansehen, wie ein Gast nach dem anderen Arthur und Molly in die Arme schloss und ihnen ihr Beileid zu Rons Tod bekundete. Arthur schien in den letzten Tagen um Jahre gealtert zu sein. Tiefe Falten sprachen von den durchwachten Nächten und der Trauer, die sein Herz zusammen schnürte. Doch er litt still, quittierte jede wohl gemeinte Kondolenz mit einem stummen Nicken. Molly hingegen brach bei jedem Wort, jeder gut gemeinten Geste ein weiteres Mal zusammen, schien nur noch aus Tränen, Kummer und Leid zu bestehen. Das sommersprossige Gesicht war rot und verquollen und die Haare hingen wirr auf ihre schwarze Trauerkleidung herab. Harry wünschte so sehr, dass er etwas sagen könnte, irgendetwas, um den Schmerz auch nur ein wenig erträglicher zu machen, doch er wusste, es gab nichts, was den gramgebeugten Eltern im Moment helfen konnte. Hände tätschelten seine Schulter, so wie sie es auch bei Ginny und Hermine taten, die neben ihm im Wohnzimmer standen. Während Rons Schwester leise vor sich hin weinte, war Hermine völlig erstarrt. Seit dem Moment, an dem sie von Rons Tod erfahren hatte, weinte sie beinah ununterbrochen, doch jetzt schienen alle Tränen verbraucht zu sein. Das weiße Haar, das sie sich geweigert hatte zu färben, hing ihr in einem schweren Zopf den Rücken herab, ihre Augen waren leer und aus ihrem blassen Gesicht schien jegliches Leben verschwunden zu sein.

Die Zwillinge, sonst nie um einen Scherz verlegen, standen ernst neben Percy, Bill mit seiner Frau Fleur, die er erst im Herbst geheiratet hatte und Charlie, der extra aus Rumänien angereist war. Noch nie waren Rons Geschwister Harry so erwachsen vorgekommen, wie in diesem Moment, als die Kondolierenden fest ihre Hände drückten und ihnen Mut zusprachen. Es war verrückt, aber irgendwie hatte Harry immer den Gedanken im Hinterkopf, dass Ron gleich mit einem Stück Kürbiskuchen aus der Küche kommen und ihn angrinsen würde. So wie er es immer getan hatte. Doch zugleich wusste er, dass dies nicht passieren würde. Ron würde nicht zurück kommen. Nie wieder.

Am frühen Morgen, gleich nachdem der Portschlüssel ihn und Hermine von Hogwarts hierher gebracht hatte, war Harry in dem großen, weißen Zelt gewesen, in dem Rons Körper für die letzte Ehre aufgebahrt worden war. Ganz allein war er an den Sarg getreten, um sich von seinem Freund zu verabschieden, während Hermine mit Ginny in der Küche gewartet hatte. Sie brachte es einfach nicht über sich, Ron noch einmal ins Gesicht zu sehen und an die Liebe zu denken, die sie verloren hatte. Auch Harry schnürte es die Kehle zu, als er seinen Freund in dem einfachen Holzsarg liegen sah. Er trug den kastanienbraunen Festumhang mit den Rüschen, von dem Harry wusste, wie sehr er ihn gehasst hatte und irgendjemand hatte sein Haar glatt nach hinten gekämmt, so wie Ron es niemals selbst getan hätte.

Obwohl sich die Auroren, die Ron gefunden hatten, redlich bemühten, waren die Spuren der Folter noch deutlich von seinem Gesicht abzulesen. Violette Hämatome und feine Linien, dort wo sich die Schnittwunden befunden hatten, schimmerten unter der wächsernen Haut hervor und brannten sich für immer in Harrys Gedächtnis.

Er fühlte, wie die Wut in seinen Adern zu kochen begann. Sein bester Freund war für immer aus seinem Leben heraus gerissen worden. Gefoltert und ermordet durch Voldemort oder einen seiner Schergen. Allein dafür würde er ihn töten. Er würde ihn für all die Schmerzen büßen lassen, die er Ron angetan hatte. Für all die Tränen, die Hermine seitdem geweint hatte. Für all das Leid, das er der gesamten Familie Weasley angetan hatte. Und nicht zuletzt für die Leere, die er verursacht hatte, als er Harry den ersten und besten Freund genommen hatte. Voldemort würde bezahlen, das schwor er auf Rons toten, kalten Körper und wenn es ihn selbst umbringen sollte.

XXXXXX 

Nach unzähligen Umarmungen und einem von weiteren Tränen begleiteten Abschied, reisten Harry und Hermine noch am gleichen Abend zurück nach Hogwarts. Zwar hatte Molly ihnen angeboten, die Nacht im Fuchsbau zu verbringen, doch die beiden Jugendlichen sagten unabhängig von einander ab. Obwohl jeder versuchte Harry wie ein Mitglied der Familie zu behandeln, fühlte er sich doch als Eindringling in die private Trauer der Weasleys und er hatte das Gefühl, dass es Hermine ähnlich ging. Außerdem hätte er es einfach nicht ertragen, in dem Zimmer zu schlafen, in dem er so viele Male mit Ron bis in die Nacht geredet und Pläne geschmiedet hatte. Allein bei dem Gedanken an die unzähligen Poster der Chudley Canons, die die Wände des Raumes schmückten und ihn in ein grelles Orange tauchten, fühlte er einen wehmütigen Stich im Herzen. Selbst Quidditch würde nie wieder das selbe für ihn sein.

Schweigend trennten sich die beiden Freunde vor dem Büro von Professor McGonagall, wo der Portschlüssel sie abgesetzt hatte. Hermine würde in den Turm der Gryffindors zurückkehren, während Harry in Richtung der Kerker ging. Obwohl es noch nicht sehr spät war, begegnete er keinem einzigen Schüler. Die meisten von ihnen waren bereits abgereist und diejenigen, die noch in den Mauern des Schlosses verweilten, würden in den nächsten Tagen von ihren Eltern abgeholt werden. Gleich nachdem Professor McGonagall als stellvertretende Direktorin die Nachricht von Rons Tod erhalten hatte, hatte sie das Schuljahr offiziell für abgebrochen erklärt. Die Untersuchungen darüber dauerten zwar noch an, aber da nicht geklärt werden konnte, wie Ron trotz des geschlossenen Portals und der Schutzzauber das Schloss verlassen konnte, erklärte sich die Lehrerschaft von Hogwarts außer Stande länger für die Sicherheit der Kinder zu garantieren. Nur ein paar vereinzelte Schüler, deren Eltern nicht erreicht werden konnten und einige Slytherins, die augrund ihrer Gesinnung nicht nach Hause zurückkehren konnten, würden auch weiterhin in Hogwarts bleiben.

Nicht ganz unerwartet war Harry am gestrigen Abend in Professor McGonagalls Büro gerufen worden, wo ihm seine Hauslehrerin ins Gewissen redete, dass es für seine Sicherheit unerlässlich sei, wieder zu den Dursleys zurückzukehren, doch zum ersten Mal hatte Harry sich geweigert, dieser Aufforderung nachzukommen. Auch wenn er damit den Schutz verlor, den sein so genanntes „Zuhause" ihm jedes Jahr aufs neue verschaffte, konnte und wollte er Hogwarts nicht verlassen. Nicht jetzt, wo er sich sicher war, dass der große Kampf unmittelbar bevor stand. Ron hatte das Medaillon nicht bei sich gehabt, als die Auroren ihn gefunden hatten. Dieser Umstand ließ nur einen Schluss zu: Voldemort wusste von ihrer Jagd auf seine Horcruxe und sobald er feststellen würde, dass er drei bereits verloren hatte, würde er kein Risiko eingehen und die Burg angreifen. Auch wenn Harry keine Ahnung hatte, wie es der Dunkle Lord schaffen sollte, die schier unüberwindlichen, magischen Barrieren zu durchbrechen, gegen die er schon seit Jahren erfolglos anrannte, war er sich sicher, dass Voldemort es dieses Mal schaffen würde und er wusste ebenso sicher, dass Draco ein wesentlicher Teil dieses Plans war.

Seit Rons Verschwinden war Voldemorts Einfluss auf den blonden Slytherin offensichtlicher als je zuvor. Stundenlang musste Harry dabei zusehen, wie Draco im Schlaf an seinen Fesseln riss und zerrte und sich wie wild gebärdete, doch wenn es der Gryffindor nicht mehr ertrug und ihn schließlich weckte, hatte Draco keine Erinnerung daran was geschehen war. Nur seine schmerzenden Gelenke und die bleiernde Müdigkeit zeugten davon, dass ihm keine erholsame Nachtruhe vergönnt war. Immer öfter fielen ihm mitten am Tag die Augen zu und vor kurzem war er sogar beim Mittagessen in der Großen Halle einfach eingeschlafen. Es war Harry mehr als schwer gefallen, Draco für die Dauer der Beerdigung im Schloss zurück zu lassen, aber auch wenn die Weasleys Harry zu Liebe seine Anwesenheit vielleicht akzeptiert hätten, so waren doch genug Leute anwesend, die nicht so leicht vergessen würden, dass der Slytherin der Sohn von Voldemorts rechter Hand war.

Erst nachdem Blaise ihm geschworen hatte, Draco nicht eine Minute aus den Augen zu lassen, war Harry beruhigt genug gewesen, um an der Beerdigung teilzunehmen. Trotzdem konnte er es nach seiner Rückkehr in Hogwarts kaum erwarten, Draco aus dem Gemeinschaftsraum der Slytherins abzuholen und mit ihm gemeinsam in „ihr" Zimmer zu gehen.

Als er die Steinmauer erreichte, hinter der sich der Eingang verbarg, nannte er deutlich das Passwort, das ihm Draco verraten hatte, woraufhin die Mauer knirschend zur Seite glitt. Obwohl es nicht das erste Mal war, dass Harry durch den Durchgang trat, war es schon ein eigenartiges Gefühl einfach so in den Gemeinschaftsraum der Slytherins zu gehen. Früher hätte er sich das nur mit dem Tarnumhang und mit erhobenem Zauberstab getraut, doch die Dinge hatten sich geändert. Trotzdem gefielen ihm die Räume seines eigenen Hauses wesentlich besser, als dieses Zimmer mit den rohen Steinwänden und den grünen Kugellampen, die immer ein kaltes, unwirkliches Licht verströmten. Aber wie immer vergaß er alle Gefühle, die seine Umgebung betrafen, als sein Blick auf Draco fiel, der eingerahmt zwischen Crabbe und Zabini saß und mit ihnen eine Runde „Snape explodiert" spielte. Das war auch etwas, was früher undenkbar gewesen wäre, aber inzwischen war beinah nichts mehr so, wie es früher einmal war.

Deshalb war es für Harry auch nicht weiter verwunderlich, dass ihm die anwesenden Slytherin lediglich einen kurzen Blick zuwarfen, bevor sie mit ihren Beschäftigungen fortfuhren. Pansy saß mit Millicent und einigen anderen Mädchen an einem Tisch und blätterte in einer Ausgabe der Hexenwoche. Ein paar jüngere Slytherins spielten Zauberschach oder probierten sich in einfachen Zaubern. Doch trotz dieser scheinbaren Normalität sah Harry in allen Gesichtern die Sorge darüber, wie es weiter gehen sollte. Mehr noch als alle anderen Schüler hatten die Slytherins Angst vor der heran nahenden Schlacht. Schließlich bestand eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass einige von ihnen in den Reihen des Dunklen Lords ihren Vätern, Müttern oder Geschwistern gegenüberstehen würden.

„Hey", grüßte Harry zaghaft in die Runde von Dracos Freunden.

„Potter", erwiderte Blaise den Gruß und Crabbe nickte wortlos, während Draco sich vom Sofa erhob. Stirnrunzelnd suchte er Harrys Blick, bevor er den Abstand zu ihm schloss und ihn vor allen Augen auf den Mund küsste.

„Hey", sagte er, nachdem er sich schließlich von Harry gelöst hatte. „Alles klar?"

Der Gryffindor zuckte leicht die Schultern. „Wollen wir gehen?"

„Klar." Herausfordernd drehte sich Draco in die Richtung seiner Freunde. „Ich hatte ohnehin so gut wie gewonnen."

„Sicher", gab Zabini mit einem Augenrollen zurück. „Genauso sicher wie Vince in diesem Schuljahr ein Ohnegleichen in Zaubertränke bekommen hätte."

„Also ich war in diesem Jahr wirklich nah dran!" beschwerte sich Crabbe, dessen Wangen in einem dunklen Zinnoberrot brannten.

„Nah dran, mal kein Schrecklich in einem deiner Prüfungsergebnisse zu bekommen", parierte Blaise grinsend.

Crabbe sah aus, als ob er etwas genauso Gemeines zurückgeben wollte, doch scheinbar fiel ihm nichts Passendes ein, deshalb schloss er seinen bereits geöffneten Mund wieder und starrte Zabini stattdessen finster an, während er seinen Zauberstab zwischen den Fingern rollte.

„Beruhige dich, Vince ", beschwichtigte Draco seinen stämmigen Freund. „Du weißt doch, dass Zabini seinen Mund nicht öffnen kann, ohne jemanden zu ärgern. Aber falls du ihm trotzdem eine Lektion verpassen willst, denk dran, dass du ihm nichts abfluchst, was er im Kampf noch brauchen könnte."

Ohne auf Blaise Erwiderung zu warten, schnappte er sich seine Tasche, die neben der Couch auf dem Boden stand und ging mit Harry an der Hand in Richtung des Ausgangs.

XXXXXX 

Auf einen Wink von Dracos Zauberstab entzündeten sich die Kerzen eine nach der anderen, so dass der unbenutzte Klassenraum nach und nach von einem sanften Leuchten erhellt wurde. Wortlos transformierte Harry das bereits bezogene Bett, bevor er seine Schuhe von den Füßen kickte und sich kraftlos auf den Rand der Matratze setzte. Er legte seine Brille neben das Kopfkissen und massierte mit den Fingern über seine schmerzenden Augen. Still stellte Draco seine Tasche ab und zog sich ebenfalls die Schuhe aus, bevor er sich neben seinen Freund setzte.

„Willst du reden?" fragte er ruhig.

Seufzend schüttelte Harry den Kopf. „Lass uns einfach eine Weile hier sitzen, okay?" antwortete er leise. „Nur sitzen und gar nichts sagen."

„Okay." Draco rutschte mit dem Rücken an das Kopfende des Bettes und lehnte sich an das schmiedeeiserne Gitter, während Harry die Augen schloss und das Gesicht in seinen Händen verbarg. Immer wieder rauschten die Bilder der letzten Tage an ihm vorbei. Quälten ihn. Ließen ihm keine Ruhe. Steigerten die in ihm schwelende Wut immer weiter, bis er meinte das Blut in seinen Adern kochen zu fühlen. Harry merkte die sanften, kreisenden Bewegungen, die Dracos Hand auf seinem Rücken machte, um ihn zu beruhigen, aber im Moment war er so aufgewühlt, dass er sogar diese Geste des Trosts nicht ertrug. Unwirsch schüttelte er sie ab, schnappte sich seine Brille und begann im Zimmer auf und ab zu laufen. Er musste etwas tun. Je eher desto besser. Er konnte einfach nicht darauf warten, dass Voldemort den ersten Schritt tat. Wenn er gewusst hätte, wo sich der Unterschlupf dieser Schlange befand, wäre er sofort dorthin appariert, auch wenn das wahrscheinlich sein Verderben gewesen wäre. Diese Untätigkeit brachte ihn noch um.

Eine Weile sah ihm Draco schweigend dabei zu, wie er seine Kreise durch das Zimmer zog, bereit für ihn da zu sein, wenn Harry es zu ließ, doch als der Gryffindor keine Anstalten machte, sich erneut zu setzten, holte er seinen Block und den Graphitstift aus der Tasche hervor und begann zu zeichnen. Er wusste, wenn der Augenblick gekommen war, an dem Harry seinen Trost wollte, würde er es ihn wissen lassen.

Minutenlang durchmaß Harry den Raum mit seinen Schritten, dann hielt er am Fenster an und starrte hinaus in die sternklare Nacht. Er dachte an all Nächte, in denen er nicht hatte schlafen können, weil Ron im Bett neben ihm geschnarcht hatte und er wünschte sich, alle zukünftigen, ruhigen Nächte eintauschen zu können, wenn es nur seinen Freund zurück bringen würde. Entschlossen wandte er sich schließlich ab und ging hinüber zum Bett. Dieses Mal würde er es nicht zulassen, dass er in Trauer und Selbstvorwürfen versank. Er würde einen klaren und ausgeschlafenen Kopf brauchen, wenn er sich einen Plan zurecht legen wollte, wie er Rons Mörder zur Strecke bringen konnte.

„Was machst du da?" fragte er seinen Freund eher um zu zeigen, dass er wieder ansprechbar war, als aus echtem Interesse.

„Fingerübungen", erwiderte Draco leicht, während er den Stift über das Papier wandern ließ. „Ich habe festgestellt, dass ich die Bewegungen mit dem Zauberstab besser hin bekomme, wenn ich regelmäßig zeichne."

Mit einem flüchtigen Blick auf die halb fertige Zeichnung wollte sich Harry neben dem Slytherin auf das Bett setzten, doch kaum dass seine Augen das Bild erfasst hatten, gefror er in seiner Bewegung. Ungläubig starrte er auf die schwarz-weiße Zeichnung, so als könnte er nicht fassen, was er dort sah. Sie zeigte einen schrecklich hässlichen, alten Zauberer, der eine Perücke auf dem Kopf hatte, auf der ein ramponiertes, angelaufenes Diadem thronte.

„Draco", fragte er mit plötzlich krächzender Stimme. „Wo hast du das gesehen?"

„Was? Das hier?" fragte der Blonde und sah ihn verdutzt an. „Vor ein paar Wochen kam ich gerade von unseren Kampfübungen, als ich einige Erstklässler aus meinem Haus dabei erwischt habe, wie sie mit einer ganzen Kiste Feuerwhiskey „Wahrheit oder Pflicht" gespielt haben. Also habe ich die Flaschen beschlagnahmt und im Raum der Wünsche versteckt. Man kann ja nie wissen, ob man das Zeug nicht noch mal braucht und da stand diese total hässliche Büste neben einem verstaubten Kleiderschrank mit zerbrochenem Spiegel..."

Harry fühlte sich auf einen Schlag so high, als ob er selbst gerade eine Kiste Feuerwhiskey getrunken hätte. Es gab keinen Zweifel, das Diadem auf dem Bild war das verschwundene Diadem von Rowena Ravenclaw und es befand sich tatsächlich in Hogwarts! Er hatte es ja gewusst! Er hatte es die ganze Zeit gewusst! Sie mochten das Medaillon erneut verloren haben, aber nun war wenigstens das Diadem zum Greifen nahe. Harry hörte nur noch mit einem Ohr zu, als Draco ihm davon erzählte, dass die betrunkenen Erstklässler damals den ganzen Gemeinschaftsraum vollgekotzt hatten und Blaise als Vertrauensschüler die halbe Nacht damit beschäftigt war, die Sauerei wegzuzaubern, bevor Professor Snape bemerkte, dass er seine Pflichten vernachlässigt hatte und lieber mit Pansy in einem der Gewächshäuser herum gemacht hatte.

Es erschien ihm geradezu endlos, bis Draco endlich erste Anzeichen von Müdigkeit zeigte und Harry war beinah versucht, ihn einfach unter einem Vorwand zurück zu lassen, um endlich zum Raum der Wünsche aufzubrechen, doch er wusste, wie leichtsinnig diese Gedanken waren und deshalb mahnte er sich zur Ruhe. Gegen zweiundzwanzig Uhr ließ Draco es zu, von seinem Freund an das Bettgitter gefesselt zu werden, dann löschte Harry mit einem Zauber die Kerzen und kuschelte sich neben dem Blonden unter die weiße Daunendecke. So reglos wie möglich horchte er auf Dracos gleichmäßige Atemzüge, die von Minute zu Minute immer langsamer wurden, bis er schließlich sicher war, dass der Slytherin eingeschlafen war. Trotzdem wartete er noch weitere, quälend langsam verstreichende Minuten, bevor er sich vorsichtig aus der Umarmung seines Freundes entwand. Im schwachen Licht des Mondes schlüpfte er in seine Kleidung, bevor er auf Zehenspitzen aus dem Raum schlich.

XXXXXX 

„Hermine! Hermine!" Behutsam rüttelte Harry die Freundin an der Schulter. Obwohl er vorsichtshalber einen Muffliato über ihr Bett verhängt hatte, traute er sich kaum, ihren Namen laut zu sagen, um das schlafende Mädchen nicht zu erschrecken. Es tat ihm ohnehin schon leid genug, sie aus ihrem bitter nötigen Schlaf zu reißen, aber es ließ sich leider nicht vermeiden.

Schon beim zweiten Mal, als Harry ihren Namen aussprach, schlug Hermine ihre Augen auf. Obwohl sie einen Traumlos-Trank genommen hatte, schlief sie nicht besonders tief und die Dringlichkeit in seiner Stimme ließ sie sofort hellwach werden. „Harry", fragte sie, als sie sich eine ihrer weißen Haarsträhnen aus dem Gesicht strich und sich verwundert aufsetzte. „Was ist passiert?"

„Ich brauche einen der Basiliskenzähne", sprudelte es sofort aus dem Dunkelhaarigen heraus. „Ich weiß jetzt, wo das Diadem versteckt ist."

Das erste Mal seit vielen Tagen sah Harry in den Augen seiner Freundin wieder einen Funken Leben aufblitzen. „Großartig. Warte, ich ziehe nur schnell etwas über." Doch als Hermine aus dem Bett steigen wollte, hielt sie der Junge am Arm zurück.

„Nein, du kommst nicht mit", erwiderte er bestimmt. „Sag mir nur, wo ich die Zähne finde."

„Und ob ich mitkomme!" Entschlossen schüttelte das Mädchen Harrys Hand ab. „Du glaubst doch nicht, dass ich dich allein gehen lasse."

„Sei vernünftig, Hermine. Das letzte Mal hat dich der Horcrux beinah umgebracht", versuchte der Freund sie zu überzeugen.

„Und deshalb willst du jetzt allein gehen? Willst du unbedingt bei der Zerstörung sterben?" fragte Hermine erregt.

„Ich will vor allem keinen meiner Freunde mehr sterben sehen!" schleuderte ihr Harry entgegen.

„Dann lass mich mitkommen! Nur gemeinsam sind wir stark, hast du das immer noch nicht begriffen?!" Einen Moment lang sahen sich die beiden Jugendlichen in die Augen, dann wandte sich der dunkle Gryffindor ab.

„Wenn dir auch etwas passiert, könnte ich mir das nicht verzeihen", brachte Harry mühsam hervor.

Behutsam legte Hermine ihre Hand auf die Schulter des Freundes. „Es gibt nichts zu verzeihen. Ich will es so. Versteh doch bitte, dass ich das tun muss. Ich kann nicht einfach nur hier sitzen und warten. Das hätte Ron nicht gewollt."

„Ron hätte vor allen Dingen gewollt, dass du weiter lebst, Mine."

„Ron wusste, dass es nicht meine Art ist, den Kopf in den Sand zu stecken und das werde ich auch nicht tun." Entschlossen streckte Hermine das Kinn nach oben. „Wir haben bisher immer alles gemeinsam gemacht und ich habe nicht vor, jetzt damit aufzuhören. Also lass uns den Horcrux zerstören, bevor die Nacht zu Ende ist."

XXXXXX 

Der Flur im siebten Stock lag in samtener Dunkelheit, als die beiden Freunde vor der Wand gegenüber des Teppichs mit dem Bild von Barnabas, dem Bekloppten, ankamen. Sofort begann Harry damit sich darauf zu konzentrieren, was er brauchte, während er langsam auf und ab ging. Genau drei Mal wanderte er hin und her, bis plötzlich eine Klinke in der eben noch glatten Fläche erschien, welche er dankbar ergriff. Als er die Tür schließlich öffnete und mit seinem Zauberstab in das Innere leuchtete, stockte ihm für einen Moment der Atem, bei dem Anblick des Chaos, welches sich dahinter erstreckte.

In endlosen Haufen tummelten sich all die Gegenstände, die Generationen von Hogwarts-Schülern und - Lehrern vor ungebetenen Augen versteckt hatten. Hier lagerten Dutzende volle und leere Butterbier-, Goldwasser- und Feuerwhiskey Flaschen, Kisten voller Knallkörper und Produkte von Zonkos und Weasleys Zauberhafte Zauberscherze. Regale voller verbotener Bücher standen neben zerbrochenen Kristallkugeln, illegalen, magischen Artefakten und vergilbten Ausgaben der Playwitch. Besen verschiedener Fabrikate verstaubten neben mottenzerfressenen Roben und Umhängen, Phiolen mit heimlich beschafften Zaubertränken und Konfektdosen, deren Inhalt längst verschimmelt war. Der ganze Raum roch nach Moder, Staub und abgestandener Luft.

„Das Diadem muss auf der Büste eines hässlichen Zauberers mit einer Lockenperücke sein", informierte Harry die Freundin. „Direkt neben einem Schrank mit einem kaputten Spiegel. Ich gehe rechts an der Wand entlang, du links. Wenn einer etwas findet, ruft er entweder oder sprüht rote Funken. Wage es ja nicht, allein etwas zu unternehmen. Wir werden das Ding zusammen vernichten, okay?"

Hermine nickte ernst. Mit der einen Hand presste sie den Beutel mit den Basiliskenzähnen eng an sich, während der Zauberstab in der anderen Hand ihr den Weg leuchtete. Mit klopfendem Herzen entfernte sie sich von ihrem Freund und schon bald war er hinter den Bergen an Unrat verschwunden, so dass sie nur noch den Widerschein seines Zauberstabs sehen konnte, wenn sie sich umdrehte. Es war schon ziemlich unheimlich in diesem riesigen Raum in fast völliger Dunkelheit umher zu streifen. Von Zeit zu Zeit raschelte es leise und Hermine fragte sich unwillkürlich, ob Ratten es schafften, in den Raum der Wünsche zu gelangen, aber wenn sie in die Richtung leuchtete, aus der das Geräusch kam, war der Verursacher schon wieder verschwunden. Das schwache Licht ihres Stabes streifte mal den einen, mal den anderen Gegenstand und ließen ihn beinah lebendig erscheinen. Da war ein misslungenes Bild einer Meerjungfrau, die sie zornig anfunkelte, eine mumifizierte Hand, die beim Lichteinfall gierig ihre Finger bewegte und schließlich ein ausgestopftes Einhorn, dessen tote, gläserne Augen ihre einen Stich im Herz versetzten.

Hermine konnte nicht sagen, wie viel Zeit verstrichen war, als sie vor sich einen Lichtschein wahrnahm. Zuerst dachte sie, dass es wahrscheinlich Harry war, der ihr entgegen kam, aber auf ihr Rufen kam keine Antwort und das Leuchten bewegte sich auch nicht, weshalb sie vorsichtig näher ging. Als sie nur noch wenige Meter von der Quelle des Lichtes entfernt war, stellte Hermine fest, dass es sich um einen gesprungenen Spiegel handelte, der den Widerschein ihres Zauberstabs zurück warf. Er nahm fast die ganze Front eines alten Schranks ein, der früher einmal ein wahres Schmuckstück gewesen sein mochte. Verzierungen und Ornamente umfassten das ovale Glas und die bronzenen Griffe waren in Form von Vögeln gearbeitet. Doch jetzt war der Spiegel - einem Spinnennetz gleich - zerbrochen und blind und die Tür, an der er befestigt war, hing halb aus den Angeln.

Moment, ein Schrank mit einem kaputten Spiegel?!

Hecktisch drehte sich Hermine um die eigene Achse und leuchtete dabei die Umgebung ab. Plötzlich machte ihr Herz einen Sprung. Da war sie: Die Büste des hässlichen Zauberers, der eine Lockenperücke trug und oben drauf thronte das Diadem. Ihre Hände zitterten leicht, als Hermine sie ausstreckte und das Schmuckstück vom Kopf des Zauberers nahm. Sie hatten es gefunden, Merlin, sie hatten es wirklich geschafft! Sie wollte schon ihren Zauberstab heben, um daraus rote Funken als verabredetes Zeichen sprühen zu lassen, als ihr plötzlich Zweifel kamen. Würde er wirklich mit ihr zusammen den Horcrux vernichten? Oder würde er doch versuchen, sie daran zu hindern, so wie er es auch bei Hufflepuffs Trinkpokal versucht hatte? Hatte sie nicht bewiesen, dass sie genauso gut, nein, besser noch als die Jungen war? Wozu also sollte sie ihn her rufen? Damit er den Ruhm an sich riss, so wie er es immer tat?

„Nein", sagte Hermine laut und deutlich. „Du kannst meine Gedanken nicht vergiften, so wie du es mit Ron getan hast. Ich bin stärker als du. Nichts wird zwischen mich und Harry kommen, nur damit du es weißt. Also spar dir deine Puste."

Entschlossen streckte sie den Stab zur Decke und nur Sekunden später stoben rote Funken, hundert winzigen Sternen gleich, heraus. Es dauerte danach nicht lange, bis sie das Leuchten von Harrys Zauberstab hinter einem Stapel kaputter Pulte auftauchen sah. Rasch kam er näher und näher und schließlich stand er direkt vor ihr.

„Mine", sagte er noch ganz außer Atem, weil er sich so beeilt hatte. „Du hast ihn gefunden."

Bestätigend hielt ihm das Mädchen den Horcrux entgegen. „Er hat versucht, mich zu beeinflussen, genau wie bei Ron, aber wie du siehst, hatte er keinen Erfolg. Trotzdem kann ich nicht erwarten, ihn endlich loszuwerden."

„Je eher desto besser", bestätigte Harry.

Vorsichtig legte Hermine das Diadem auf dem Boden ab, dann holte sie einen der zwei übrig gebliebenen Basiliskenzähne aus ihrem Beutel hervor. In ihren Augen lag die stumme Frage, als sie ihm den Zahn entgegen streckte. Harry antwortete mit einem Nicken, dann schloss sich seine Hand um die von Hermine.

Der dunkle Gryffindor atmete tief durch. „Auf drei", sagte er fest. „Eins, zwei, drei."

Mit aller Kraft, die die beiden Jugendlichen aufbringen konnten, rammten sie die Spitzes des Basiliskenzahns in die Mitte des Diadems, so dass es in zwei Teile zerbrach. Wie schon beim letzten Mal ertönte ein Schrei, so laut und so schrill, dass Harry glaubte, seine Trommelfelle müssten platzten. Doch es dauerte nicht lange, dann verstummte die Stimme und es wurde still. Totenstill.

„Wie, das war`s?" fragte er perplex in die Ruhe hinein.

Hermine wollte schon den Mund aufmachen, um etwas zu sagen, als das Dunkel des Raumes plötzlich von einem Blitz zerrissen wurde. Er schien mitten aus dem zerbrochenem Diadem zu kommen, stieg von dort in die Höhe und teilte sich in alle Himmelrichtungen.

Verdutzt starrte Harry auf den zerstörten Horcrux. „Was ....?"

Doch bevor er noch wusste, wie ihm geschah, wurde er unsanft von Hermine auf die Beine gezogen. „Lauf!" rief ihm das Mädchen zu. „Lauf so schnell du kannst!"

Ein Stapel Lumpen neben ihm ging in Flammen auf und machte Harry den Ernst der Lage bewusst. Gemeinsam rannten sie den Gang hinunter in die Richtung, in der sie die Tür vermuteten. Innerhalb von Minuten war die Luft schwer von Qualm und Rauch und die beiden Freunde konnten kaum die Hand vor Augen sehen. Die Hitze ließ ihnen den Schweiß in die Augen rinnen und machte das Atmen schwer. Obwohl sie rannten wie noch nie in ihrem Leben, kamen die Flammen immer näher.

„Wir schaffen es nicht", keuchte das Mädchen. „Ich weiß überhaupt nicht mehr, wo wir sind."

„Nicht aufgeben", gab Harry kurzatmig zurück. „Die Tür kann nicht mehr weit sein. Das Trollbein da vorn kommt mir ziemlich bekannt vor."

Die beiden Jugendlichen mobilisierten noch einmal alle Kraftreserven, doch plötzlich stolperte Hermine und fiel der Länge nach auf den Boden.

„Mine!"

Als hätten die Flammen nur auf diesen Moment gewartet, stürzten sie sich gierig auf ihren Pullover und versengten ihn am Rücken.

„Aguamenti!" Eine blaue Fontäne schoss aus Harrys Zauberstab und löschte das schwelende Feuer, bevor er sich besorgt über sie beugte. „Bist du okay?"

„Ja, mir fehlt nichts." Schnell kämpfte sich das Mädchen wieder auf die Füße, gerade noch rechtzeitig bevor ein Funkenregen über der Stelle niederging, an der sie eben noch gelegen hatte.

„Da drüben!" rief Harry und deutete neben die Kiste mit den zerbrochenen Kristallkugeln. „Die Tür!"

Tatsächlich konnte auch Hermine durch den Rauch die Umrisse des Ausgangs ausmachen und eine Welle der Erleichterung durchflutete sie. Gemeinsam spurteten sie los, streckten beinah gleichzeitig die Hände nach der Klinke aus und öffneten die Tür. Sie fielen fast mehr nach draußen, als dass sie rannten. Mit letzter Kraft warfen sie die Tür hinter sich ins Schloss, in der Hoffnung, dass damit der Rest des Schlosses vom Feuer verschont werden würde. In Sicherheit... Merlin sei Dank.

Schwer atmend ließ sich Harry auf den Boden fallen. Seine Augen schmerzten und seine Lunge brannte wie Feuer. Doch sie hatten es geschafft. Sie hatten es wirklich geschafft! Zitternd ging auch Hermine in die Knie. Der letzte Spurt hatte ihr alles abverlangt.

„Er ist zerstört", sagte Harry erleichtert, als er wieder zu Atem gekommen war. „Wir haben ihn zerstört."

„Gemeinsam", gab Hermine zurück und ein schwaches Lächeln huschte über ihr vom Laufen gerötetes Gesicht.

„Gemeinsam", bestätigte Harry und auch er lächelte leicht. So kaputt wie er sich im Moment auch fühlte, das Triumphgefühl war stärker als die Schwäche. Wortlos nahm er das Mädchen in die Arme und hielt sie einen Moment fest. Es war ein kleiner Sieg auf ihrem Weg, auch wenn sie wussten, dass der eigentliche Kampf noch kommen würde.

Mit wackeligen Knien standen sie auf und klopften sich die Asche von der Kleidung. „Wir sollten zurück gehen", schlug Hermine vor und wandte sich zum Fenster. „Bevor...."

„Bevor was?" Harry setzte sich gerade die Brille wieder auf, die er vom Ruß befreit hatte, als er sah, wie das Mädchen in der Bewegung erstarrte. „Hermine?"

Ahnungslos folgte er ihrem Blick hinaus aus dem Fenster. „Nein, nein!" stieß er entsetzt hervor. Unheilvoll prangte das Dunkle Mal in der sternklaren Nacht. Die leeren Augenhöhlen des Totenkopfes starrten ihn an, schienen eine Botschaft direkt an ihn persönlich zu senden. Und Harry wusste es. Er wusste es einfach. „Draco!"

XXXXXX 

Müde legte Harry die Feder zur Seite und pustete auf die noch trockene Tinte. Die Kerze an seinem Schreibtisch flackerte leicht, als er das Pergament noch einmal glatt strich und zu den anderen in den Schrank legte. Seine Augen brannten und die Hand schmerzte vom langen Schreiben, doch er wusste, es war beinah geschafft. Nicht mehr lange und er würde ihre Geschichte vollendet haben. Doch der schwierigste Teil fehlte noch.

Tbc.....

Kapitel 31 von redangeleve

 

LVIII. Blaze of Glory 

Lord, I got to ask a favour

And I`ll hope you`ll understand

`Cause I`ve lived life to the fullest

Let the boy die like a man

Staring down the bullet

Let me make my final stand 

(Jon Bon Jovi, Blaze of Glory)

Schon beim Aufwachen wusste Draco, dass etwas nicht in Ordnung war. Normaler Weise wachte er nie abrupt auf, es sei denn, er hatte einen Weckzauber durchgeführt. Es war eher ein dahin Dämmern unter der Oberfläche, zwischen Wachen und Schlafen, bis er nach oben glitt und die Augen öffnete. Heute jedoch war alles anders. Heute saß er im Bett, bevor er überhaupt gewahr wurde, dass er wach war. Ihm war, als habe ihn jemand gerufen, doch war es kein Rufen von außerhalb seines Körpers. Nein, der Ruf entstand mitten in seinem Kopf - 

- und sein Körper antwortete. Panik stieg in ihm auf, als er begriff, dass nun der Moment da war, den sie schon so lange befürchtet hatten. Mechanisch öffnete er den Verschluss seiner Kette mit der magischen Münze und legte sie auf das weiße Kopfkissen, dann drehte er sich zum Bettgitter herum. Mit einem Ruck riss er an der magischen Fessel, so dass Draco am liebsten aufgeschrieben hätte vor Schmerz. Doch er konnte es nicht. Er konnte nicht einmal die Tränen hinaus lassen, die ihm in die Augen stiegen, als sein Arm - der seit der Quidditch-Verletzung angeschlagen war - aus dem Gelenk sprang. In einem schier unmöglichen Winkel vom Körper abstehend, nur noch durch Muskeln und Sehnen mit dem Oberkörper verbunden, drehte und wand sich der Arm in der Fessel, bis er es schließlich schaffte, durch die magische Barriere zu schlüpfen, so dass der Zauber zusammen fiel. Er war nicht darauf ausgelegt, Bewegungen zu folgen, die außerhalb der Möglichkeiten eines gesunden Menschen standen.

Der Schmerz raubte Draco beinah den Atem. Bunte Punkte tanzten vor seinen Augen und er betete dafür wegzutreten, doch der fremde Willen trieb ihn unbarmherzig vorwärts. Wie ein Roboter streckte er die Beine aus dem Bett und stand auf. Sein geschundener Arm baumelte wie der einer Puppe an seiner Seite. Harry, wo bist du nur? Aus dem Augenwinkel hatte Draco wahrgenommen, dass der Platz neben ihm leer war. Scheinbar war sein Freund wieder einmal zu einer seiner nächtlichen Missionen aufgebrochen und diesen Moment nutzte Voldemort eiskalt aus.

Es war etwas mühsam mit nur einem funktionierenden Arm in die Hose zu schlüpfen und Draco wunderte es, warum der Dunkle Lord sich überhaupt damit aufhielt, ihn sich ankleiden zu lassen, aber trotz des Ernstes der Situation war er dankbar dafür, nicht nackt durch das Schloss laufen zu müssen.

Nachdem er in seine Schuhe geschlüpft war und sich seinen Zauberstab genommen hatte, verließ er den Raum in Richtung der Treppen. Draco hatte weder eine Ahnung, wohin er unterwegs war, noch was ihn dort erwartete. Seine Beine trugen ihn ganz ohne sein Zutun vorwärts. Mehrmals bestieg er eine Treppe und ging eine Etage höher, nur um dann gleich wieder die nächste abwärts zu nehmen. Jedes Mal zwischen Hoffen und Bangen, dem patrouillierenden Lehrer zu begegnen. Doch das Schloss war wie ausgestorben und so führte ihn sein Weg immer weiter nach oben, bis er im siebten Stockwerk ankam, von dem man in den Turm gelangte, in dem sich der Gemeinschaftsraum der Ravenclaws befand. Was zum Teufel hatte Voldemort vor? Sollte er etwa in ein fremdes Haus einbrechen?

Doch sein Weg führte an der Tür mit dem Adler vorbei, direkt zu einer anderen, welche aus dunklem, schweren Holz gearbeitet war. Wie Draco wusste, waren hier die Privatgemächer von Professor Flitwick, dem Hauslehrer der Ravenclaws, untergebracht. Nur wieso war er hier? Seine Füße stoppten direkt vor der Tür und ehe sich der Slytherin versah, hatte er auch schon gegen das alte Holz geklopft. Einen langen Moment lang passierte überhaupt nichts und Draco hegte schon die winzige Hoffnung, dass ihn der Lehrer nicht gehört hatte, doch schließlich war das Geräusch von Schritten zu hören und im nächsten Augenblick wurde die Tür vorsichtig geöffnet.

Exakt in diesem Moment durchzuckte Draco die Erkenntnis. Es war, als ob in seinem Kopf ein Vorhang zur Seite geschoben wurde, der ihn die ganze Zeit daran gehindert hatte, klar zu sehen. Plötzlich wusste er, was seine Aufgabe war. Er kannte den ganzen furchtbaren Plan, den sich Voldemorts krankes Gehirn zurecht gelegt hatte. Alles in ihm schrie auf, dass er das nicht tun würde, nicht tun konnte und doch wusste er, dass er keine andere Wahl hatte.

Der Lehrer, der dem hochgewachsenen, blonden Slytherin gerade einmal bis zum Bauchnabel ging, trug ein langes Nachthemd und eine Zipfelmütze, was unter anderen Umständen auf Draco komisch gewirkt hätte. Doch in diesem Moment wünschte er sich nur, dass er dem Mann eine Warnung zurufen könnte, als er ihn durch seine Nickelbrille verschlafen anblinzelte.

„Mr. Malfoy, was tun Sie hier mitten in der Nacht?" fragte der Professor, nachdem er sich von der ersten Überraschung erholt hatte.

„Professor Flitwick, Sir, verzeihen Sie die späte Störung, aber es ist ein Notfall", sprudelte es zu Dracos Entsetzen aus seinem Mund. „Ich kam gerade von einer Strafarbeit bei Professor Snape, als ich auf Ihre Schülerin Luna Lovegood traf. Sie steckt bis zur Brust in einer Trickstufe fest und ich bekomme sie einfach nicht heraus."

„Ach herrje", quiekte der kleine Zauberer erregt. „Was tut das dumme Mädchen auch mitten in der Nacht im Schloss?"

„Ich hörte sie irgendetwas von Schrumpfhörnigen Schnarchkacklern faseln...", erwiderte der Slytherin schulterzuckend.

„Immer das selbe", seufzte Flitwick resigniert. „Warten Sie, ich ziehe mir nur eben meinen Morgenrock über..."

Der Hauslehrer der Ravenclaws wandte sich ins Innere des Raumes, so dass er Draco den Rücken zudrehte und genau in diesem Moment hob dieser seinen Stab. „Avada Kedavra!"

Der Körper des Lehrers wurde augenblicklich schlaff, als ihn der Fluch traf, danach kippte er nach vorn, ohne einen Laut von sich zu geben. Schnell trat Draco durch die Tür und warf einen Blick in das starre Gesicht, um sich zu vergewissern, dass er auch wirklich tot war. Dann ging er zurück in den Flur und schloss die Tür hinter sich. Nach außen war er völlig still, als er den Weg zurück zum Treppenhaus ging, doch in ihm tobte ein furchtbarer Orkan. Es war entsetzlich, Voldemort hatte ihn soeben zum Mörder gemacht. Hinterhältig hatte er Flitwick den Todesfluch in den Rücken gejagt. Das würde ihn garantiert nach Askaban bringen und sein Auftrag war gerade einmal zur Hälfte erledigt. Draco blieb nur der Trost, dass er diese Nacht vermutlich nicht überleben würde.

XXXXXX 

„Mr. Malfoy, was tun Sie hier mitten in der Nacht?" Draco hatte das dringende Bedürfnis sich zu übergeben, als er in das von Falten zerfurchte Gesicht Professor McGonagalls sah. Ihr Zauberstab lag locker in den knochigen Fingern und trotz der fortgeschrittenen Stunde wirkte sie nicht, als ob er sie geweckt hätte. Tatsächlich war sie sehr schnell an der Tür gewesen, nachdem er geklopft hatte. Sie trug einen karierten Morgenrock über ihrem burgunderroten Nachthemd und ebenfalls rote Pantoffeln. Das graue Haar, das sonst immer zu einem strengen Knoten frisiert war, steckte in einem Haarnetz. Wache Augen musterte ihn hinter den Brillengläsern und schienen ihn bis in sein Innerstes durchleuchten zu wollen.

„Es ist Harry, Professor", sagte Draco mit bekümmerter Miene. „Er schreit und stöhnt im Schlaf und ich kann ihn einfach nicht aufwecken. Ich befürchte, es ist wieder ein Trick von Sie-wissen-schon-wem."

Die Hauslehrerin der Gryffindors straffte sich. „Schlafen Sie wieder in dem unbenutzten Klassenraum im zweiten Stock?"

Verblüfft hielt Draco einen Moment inne. Woher wusste die alte Hexe davon? Er hatte es nicht für möglich gehalten, dass einer der Lehrer hinter ihr Geheimnis gekommen war. „Ja", hörte er sich selbst bestätigen.

„Gut." Sorgenvoll sah Professor McGonagall auf seinen Arm, der unnatürlich schlaff an seiner Seite baumelte. „Das sieht nicht gut aus. Sie sollte Madam Pomefrey einen Blick auf den Arm werfen lassen."

„Es ist nichts", log Draco. „Ich habe gestern wohl zu hart trainiert. Das wird schon wieder. Doch Harry geht es wirklich schlecht."

Die Frau runzelte kurz die Stirn, dann trat sie in den Flur ohne sich noch einmal umzudrehen. „In Ordnung, gehen Sie voran."

Draco fühlte den Unwillen in sich, der nicht sein eigener war, doch er tat, was sie verlangte. Schweigend gingen sie zum Treppenhaus und bestiegen die unsteten Stufen, bis sie das zweite Stockwerk erreichten. Auch hier hielt sich die Lehrerin immer hinter Draco, der sie zielstrebig zu dem richtigen Raum geleitete. In einer fließenden Bewegung öffnete er die Tür und bedeutete Professor McGonagall mit einer höflichen Geste einzutreten - was diese fataler Weise auch tat.

„Avada Kedavra!"

Erneut verließ ein grüner Blitz seinen Zauberstab und traf die ahnungslose Frau in den Rücken. Im Gegensatz zu ihrem Kollegen stand sie noch einen Moment völlig reglos, bis sie in sich zusammen fiel, wie eine Marionette, der man die Fäden durchgeschnitten hatte.

Oh Merlin, oh Gott.... Dracos Herz blutete, als er über ihren Körper hinweg stieg, um einen Blick in ihre gebrochenen Augen zu werfen. `Es tut mir leid. Es tut mir so leid`, wiederholte er immer wieder stumm. Draco wünschte sich nichts mehr, als den Stab an seine Schläfe zu heben und sich mit einem Todesfluch von weiteren Morden abzuhalten, doch er hatte keine Kontrolle über sein Tun. Stattdessen schob er mit dem Fuß den Körper der toten Lehrerin über die Schwelle in den Raum, bevor er die Tür wieder schloss. Er durfte keine Zeit verlieren. Noch war sein Auftrag nicht beendet.

XXXXXX

„Draco." Professor Snapes schwarze Augen musterten den Schüler, der vor seiner Tür stand einen langen Moment. „Solltest du um diese Zeit nicht in deinem Bett liegen?"

„Da war ich auch, aber ich kann einfach nicht schlafen. Mein Arm..." Der Blonde deutete mit schmerzhaft verzogenem Gesicht auf seine verletzte Extremität.

„Warum bist du dann nicht zu Madam Pomfrey gegangen?" fragte der Hauslehrer der Slytherins argwöhnisch.

Unbehaglich trat Draco von einem Fuß auf den anderen. „Ich wollte sie nicht wecken. Sie sieht mich ohnehin so komisch an, seit... damals."

„Ich verstehe." Der schwarzhaarige Tränkemeister machte einen Schritt zur Seite und bedeutete dem Jungen einzutreten. Obwohl es schon nach Mitternacht sein musste, trug er immer noch die für ihn charakteristische, dunkle Robe.

Der Magen des Blonden zog sich schmerzhaft zusammen, als er dicht neben seinem Lehrer vorbei ging. Er wusste, warum Voldemort ihn erst am Ende zu seinem Hauslehrer geschickt hatte. Von Natur aus misstrauisch, würde Snape am schwersten zu töten sein. Schließlich war er selbst lange genug Todesser gewesen, um die Handschrift seines ehemaligen Meisters zu kennen. Um so perfider war der Plan des Dunklen Lords, ausgerechnet seinen Patensohn in der Rolle des Todesengels zu ihm zu schicken.

`Nein, bitte`, flehte Draco stumm, als er in einem der abgewetzten Ledersessel Platz nahm. `Bitte, bitte, nicht.`

Vorsichtig hob der Hauslehrer der Slytherins den schlaffen Arm an, was Draco einen gequälten Laut entlockte. „Der Oberarm ist wieder aus dem Gelenk gesprungen", stellte der Tränkemeister nüchtern fest. „Ich kann ihn wieder einrenken, aber es wird nicht ohne Schmerzen gehen."

„Ich weiß." Der Blonde grub die Finger seiner gesunden Hand in die Armlehne des Sessels. „Tu es."

Mit einer Hand den verletzten Arm in Position haltend, hob Professor Snape den Zauberstab und murmelte die entsprechende Formel. Es ruckte und knirschte, als der Knochen wieder zurück in das Gelenk sprang. Scharf zog Draco die Luft ein. Erneut tanzten bunte Punkte vor seinen Augen und er fühlte, wie ihm die Realität zu entgleiten drohte, nur der fremde Wille in seinem Kopf verhinderte, dass er ohnmächtig wurde.

Wie durch einen Nebel hörte er den Lehrer sagen: „Ich hole etwas gegen die Schmerzen und eine Schlinge." Wortlos nickte der Blonde, den Tränkemeister nicht aus den Augen lassend, der hinüber zu seiner Tasche ging, die neben dem Schreibtisch stand. Dracos Hand zuckte zu dem Zauberstab, der in seinem Hosenbund steckte, doch wie durch ein Wunder drehte ihm Snape kein einziges Mal den Rücken zu, während er in der Tasche wühlte, bis er das Gesuchte gefunden hatte.

Mit wenigen Schritten war er wieder bei seinem Schüler. „Hier, trink das." Auffordernd hielt er eine Phiole an die Lippen des Blonden und Draco trank gehorsam den bitteren Heiltrank. Dann stülpte ihm der Schwarzhaarige die Schlinge über den Kopf und legte den Arm hinein.

„Danke." Der Slytherin sah seinen Hauslehrer lange an.

„Das ist nur eine provisorische Lösung. Du lässt den Arm Morgen auf jeden Fall noch einmal von der Schulschwester angucken und jetzt gehst du ohne Umwege in dein Bett. Habe ich mich klar ausgedrückt, Draco?"

„Natürlich." Der Slytherin atmete geräuschvoll aus. „Ich weiß, ihr macht euch alle Sorgen um mich und es tut mir leid, dass ich zu so einer Belastung geworden bin."

„Es ist nicht deine Schuld, Draco." In einer freundschaftlichen Geste legte Snape eine Hand auf die Schulter des Jungen. &bd