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Wünsch dir was von silverbird
Inhalt: Weihnachten steht vor der Tür, doch durch die starke Dämonentätigkeit in Sunnydale kommt Buffy nicht dazu das Fest so vorzubereiten, wie sie es gerne tun würde.
Fandom(s): Buffy the Vampire Slayer / Angel the Series Pairing(s): Buffy/Spike
Story-Genre: Abenteuer, Allgemeine Story
Länge der Story: Mehrteiler
Story-Typ: Hetero - M/F
Warnungen: Keine
Challenges:
Serie: Keine
Kapitel: 9 Story vollendet: Ja Anzahl der Wörter: 19136 Wörter Gelesen: 4140 Mal Datum der Veröffentlichung: 29.11.10 Letztes Update: 18.12.10
Kommentar:

Beta: Lorias und SilentThunder

Storypic:  SilentThunder

1. Kapitel 1 von silverbird

2. Kapitel 2 von silverbird

3. Kapitel 3 von silverbird

4. Kapitel 4 von silverbird

5. Kapitel 5 von silverbird

6. Kapitel 6 von silverbird

7. Kapitel 7 von silverbird

8. Kapitel 8 von silverbird

9. Kapitel 9 von silverbird

Kapitel 1 von silverbird
Kommentar:
Diese Geschichte habe ich für den Adventkalender 2010 geschrieben, mit einem für mich eher ungewöhnlichen Pairing. Ich hoffe, die Story gefällt trotzdem.
   

„Ganz toll. Ich habe noch nicht mal ein einziges Geschenk. Von einem Baum rede ich erst gar nicht und wenn an Weihnachten der Pizzadienst nicht arbeitet, werden wir zu den Feiertagen ver...hun...gern", schnaufte Buffy und unterstrich jede Silbe mit einem noch härterem Schlag. Letztendlich traf der Pflock den Vampir und er verpuffte. Sie klopfte sich den Staub von der Kleidung und wollte sich gerade Spike zuwenden, als sie erneut von einem Vampir angegriffen wurde.

Spike vernichtete gerade seinen letzten Vampir, als auch Buffy ihren zu Staub verarbeitete. „Was zur Hölle ist in diesem verfluchten Sunnyhell los? Hat eine Vampirfabrik aufgemacht, von der wir nichts wissen?"

„Keine Ahnung. Jedenfalls sind es heute mehr als normaler Weise. Irgendetwas ist im Busch. Wie auch immer. Ich bin echt zu müde, um jetzt noch darüber nachzudenken. Machen wir Schluss für heute."

Spike schaute zum Himmel. „Ja, es wird Zeit, die Sonne geht schon auf. Ich könnte dich nach Hause bringen, wenn du ein Plätzchen für mich hast, wo ich den Tag verbringen kann?", fragte Spike hoffnungsvoll.

„Vergiss es, Spike."

„Also ich finde, ich habe eine Belohnung verdient", entgegnete Spike und wackelte lasziv mit den Augenbrauen.

„Ja, aber nicht so eine. Niemals."

Spike legte den Kopf schief und schaute der Jägerin intensiv in die Augen. „Woran denkst du denn, Liebes, wenn du sagst, so eine?"

„Lass es einfach, Spike, sonst überlege ich es mir noch und lade dich nicht zu unserem Weihnachtsfest ein", entgegnete sie drohend.

Spike keuchte überrascht. „Du lädst mich zu ... nicht, dass ich mit Weihnachten was am Hut hätte. Aber wenn du mich unbedingt dabei haben willst. Na gut. Ich komme", sagte er rasch, als er Buffys genervten Blick bemerkte.

~*~

Als Buffy kurz vor Morgengrauen nach Hause kam war sie dreckig, frustriert und hundemüde. Nach einem Blick auf die Uhr, stellte sie fest, dass sie noch rasch duschen konnte, bevor sie für Dawn das Frühstück herrichten musste.

Als Buffy fünfzehn Minuten später die Treppe wieder herunter eilte, konnte sie schon Tara am Herd stehen sehen, die Pfannkuchen buk, während Dawn auf sie einplapperte.

„Guten Morgen", grüßte Buffy, ging zum Kühlschrank und goss für sich und Dawn Orangensaft in die Gläser. „Danke, Tara. Die Dämonentätigkeit in letzter Zeit kosten mich fast die ganzen Nächte. Keine Ahnung, was da los ist. Vermutlich ein neuer Weltuntergang."

„Aber hoffentlich doch erst nach Weihnachten. Ich will ein tolles Fest, mit Baum, Geschenken, einer Menge Schokolade und allem, was sonst noch dazugehört", verlangte Dawn und biss in den ersten Pfannkuchen, den Tara ihr auf den Teller gelegt hatte.

„Dafür bin ich auch. Hoffen wir einfach, die Vampire halten sich an deinen Plan, Süße." Buffy strich ihrer Schwester kurz über das Haar und lächelte sie an.

Dawn lächelte zurück und widmete sich dann ihrem nächsten Pfannkuchen. „Ich bin für Dämonenverbot an Weihnachten."

„Ja, das wäre klasse. Am besten Weihnachten, Ostern und das ganze restliche Jahr." Buffy seufzte und gähnte gleich darauf herzhaft.

„Hätte ich dann immer Ferien? Wohl nicht", beantwortete Dawn ihre Frage gleich selbst, stand auf und schnappte ihre Tasche. „Bis später, Leute."

Kaum war Dawn zur der Tür raus, ließ Buffy ihren Kopf auf den Tresen fallen und schloss seufzend die Augen.

Doch die Ruhe währte nicht lange. „Lange Nacht gehabt?", fragte Willow, die gerade die Küche betrat.

„Du sagst es und ich habe beschlossen, gleich hier zu schlafen", brummte Buffy ohne aufzusehen.

„Ich könnte dich in dein Bett zaubern. Das geht ganz leicht", erklärte Willow und sagte: Ascend..."

Buffy sprang erschrocken auf. „Lass das, Will. Ich will nicht, dass du ohne triftigen Grund zauberst. Du weißt, wie gefährlich das sein kann. Ich gehe also selbst ins Bett, klar?" Buffy warf ihrer Freundin einen mahnenden Blick zu und Willow nickte. „Du hast natürlich Recht. Also ab mit dir und schlaf gut."

Buffy gähnte daraufhin wieder und schleppte sich nach oben.

„Wieso hast du das getan?", wollte Tara wissen, nachdem Buffy verschwunden war.

„Tara, Baby, ich wollte nicht zaubern. Glaub mir, ich habe mich im Griff. Ganz ehrlich. Mein Vorsatz ist immer noch, kein Zauber, wenn es auch anders geht. Sonst könnte ich auch keine Scherze darüber machen. Ascendere heißt soviel wie hinaufsteigen, die Treppe. Verstehst du? Buffy - Treppe - hinaufsteigen. Ganz ohne zaubern." Willow lächelte und Tara konnte nicht anders, als dieses Lächeln zu erwidern.

„Ich weiß, dass du nur noch zauberst, wenn es notwendig ist. Das meinte ich auch nicht, sondern, wieso hast du Buffy so erschreckt?"

„Eigentlich wollte ich sie nur ein bisschen aufmuntern. War wohl nicht das Richtige." Willow ließ resigniert die Schultern sinken.

„Nicht so ganz", erwiderte Tara schmunzelnd. „Du machst dir Sorgen um Buffy. Das verstehe ich. Mir geht es nicht anders. Die Dämonentätigkeit in Sunnydale ist stärker als je zuvor und ich frage mich warum?"

„Irgendwas oder irgendwer steckt dahinter. Da bin ich sicher. Und wenn das so weiter geht, kann Buffy das alleine nicht mehr schaffen."

Spike hilft ihr aber doch", warf Tara ein und Willow nickte. „Stimmt schon und ich bin echt froh, dass er auf unserer Seite ist und dass sein Chip funktioniert. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn der kaputt geht. Gerade jetzt wäre das sehr ungünstig."

„Spike hat sich verändert und ich glaube nicht, dass das an dem Chip liegt. Es mag der Auslöser gewesen sein, aber wenn er gewollt hätte, hätte er einen Weg gefunden, trotzdem Menschen zu beißen. Er kann ganz schön einfallsreich sein, wenn er will. Und überleg doch mal. Er hätte Buffy nicht helfen müssen. Und doch hat er sich für Dawn foltern lassen, anstatt mit Glory einen Blutpakt zuschließen. Ich denke, hinter Spikes Machogehabe steckt ein gutes, wenn auch totes Herz und den Chip benutzt er jetzt als Ausrede."

Xander kam gerade zur Tür herein und Tara verstummte. „Was geht ab, Ladies?", fragte er, als er die nachdenklichen Gesichter der zwei Hexen bemerkte.

Willow zuckte mit den Schultern. „Eigentlich das Übliche. Buffy. Vampire. Spike."

„Spike ist wieder ein böser Vampir? Er war natürlich immer einer, nur halt harmlos. Was ich meinte, er ist nicht mehr impotent? Er kann wieder beißen? Ja, er ist wieder böse. Ich wusste es. Weiß es Buffy schon? Sicher weiß sie es und bestimmt ist sie jetzt auf dem Weg, um ihn in ein Häufchen Staub zu verwandeln. Wird ja auch endlich Zeit, er..."

„Hol mal Luft, Xander", verlangte Willow. „Spike ist nicht böse. Doch, eigentlich schon." Sie warf Tara einen Blick zu, beschloss jedoch Xander nichts von der Meinung ihrer Freundin über Spike zu erzählen, denn er würde es ohnehin nicht verstehen und sagte stattdessen nur. „Spike ist nicht das Problem, sein Chip funktioniert nach wie vor. Zumindest hat Buffy nichts anderes gesagt und sie müsste es wissen. Schließlich gehen sie jede Nacht gemeinsam auf Jagd. Und genau das ist es, worüber wir uns Sorgen machen."

„Das Buffy und Spike gemeinsam jagen gehen?", fragte Xander verständnislos.

„Nein, dass immer mehr Dämonen in Sunnydale auftauchen. Es kann nicht nur daran liegen, dass hier der Höllenschlund ist. Wir sollten Nachforschungen anstellen. Treffen wir uns nach der Vorlesung in der Magic Box."

Xander nickte genervt. „Genau. Meine Lieblingsbeschäftigung. Alte Bücher. Was würde ich auch sonst mit meiner Freizeit anfangen?"

„Genau", entgegnete Willow fröhlich.

Kapitel 2 von silverbird

„Wo soll dieses tote Gestrüpp hin, Slayer?", fragte Spike, der gerade einen riesigen Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer schleppte.

„Gleich in den Ständer. Xander, hilf ihm bitte", entgegnete Buffy, während sie in den Kartons mit dem Weihnachtsschmuck kramte.

„Da fällt mir was Besseres ein. Spike soll ihn während der Feiertage halten. Zwei Tote im Wohnzimmer, geschmückt mit Kugeln, Glitterkram und Süßigkeiten, davon habe ich schon immer geträumt."

„Halt den Rand, Welpe, sonst landet dein Gipskopf auf der Baumspitze", knurrte Spike und knallte den Baum in den Ständer. „Mach schon fest das Ding, damit ich endlich das blöde, klebrige Zeug von den Fingern kriege."

„Baumharz an deinen ohnehin dreckigen Griffeln, das passt doch wie die Faust aufs Auge", maulte Xander weiter und Spike konterte. „Meine Faust passt auch genau auf dein Auge."

„Ja, das würde dir gefallen, aber der Chip. Kopfschmerzen, tierische Kopfschmerzen. Ein Hoch auf die Initiative."

„Das ist es mir wert, wenn du jetzt nicht endlich diese verdammten Schrauben fest machst, Obertrottel", knurrte Spike und zeigte sein dämonisches Gesicht.

„Wenn ihr jetzt nicht sofort aufhört, nagle ich euch Beide am Dach fest, als besondere Weihnachtsdekoration, verstanden? Ich werde mir von euch diese Weihnachten nicht ruinieren lassen. Ich träume schon seit Wochen davon. Von wunderschönem, perfektem, dämonenfreiem Weihnachten. Ich will, dass das Haus hübsch mit grünen Zweigen und roten Schleifen dekoriert ist, der Baum GERADE im Ständer steht und mit dem ganzen, schönen alten Weihnachtsschmuck meiner Mutter geschmückt ist. Ich will, dass ein Engel auf der Baumspitze steckt und ...."

Spike verzog angewidert sein Gesicht. „Das ist doch wohl nicht dein Ernst. Da lasse ich mich von dir zum Baumträger degradieren, schleppe die Kartons mit dem ganzen Tand vom Dachboden herunter und du setzt mir einen verdammten Engel vor die Nase?"

„Tja, so ist sie unsere Jägerin. Bei allen Untoten bist du nur zweite Wahl", bemerkte  Xander grinsend, der sofort wusste, worauf Spike anspielte.

„Halt die Klappe, Xander", riefen Buffy und Spike wie aus einem Mund und Buffy fügte hinzu, während sie Spike anschaute. „So ist es nicht. Engel sind...schön. Die weißen Flügel und das hübsche weiße Kleid mit den goldenen Rändern und....

Spike fing plötzlich schallend zu lachen an und hielt sich den Bauch.

„WAS?" fragte Buffy irritiert.

„Oh ja, Angel im Nachthemd, goldenen Löckchen um die grüblerische Stirn, weil der Heiligenschein drückt. Du hast dieses blöde Fest für mich gerettet, Slayer."  Spike lachte wieder und konnte sich nicht beruhigen. Selbst Xander stimmte bei der Vorstellung, die Spike von Angel schilderte, mit lautem Lachen ein. Aber Buffy schnaubte genervt. „Ihr zwei seid richtige Idioten. Hört auf mit dem Gegacker und macht endlich den Baum fertig. Und damit ihr euch wieder einkriegt, dürft ihr ihn auch gleich schmücken. Zusammen! Und wehe ihr streitet wieder. Das mit dem auf das Dach nageln ist noch nicht vom Tisch", sagte sie, beiden einen warnenden Blick zuwerfend.

Von da an hatten Spike und Xander zusammen richtig Spaß. Hauptsächlich, weil sie über Angel lästerten.

Als Buffy später alleine vor dem herrlich geschmückten Baum stand und der Engel, der auf der Spitze prangte, sie lieblich anlächelte, seufzte sie glücklich. „Ja, das ist alles genauso, wie ich es mir gewünscht habe", sagte sie zu dem Engel.

Der lächelte, zwinkerte Buffy zu und gratulierte ihr zu ihrem Wunsch. Buffy lächelte zurück und bestätigte dem Engel, dass sie ganz seiner Meinung war. Dann ging sie in die Küche. Der Braten duftete im Ofen und der Geruch mischte sich mit frisch gebackenen Plätzchen. Dawn schichtete aufgeregt die Geschenkpakete unter den Baum, Tara und Willow deckten den Tisch besonders festlich. Giles saß auf der Couch und Spike rührte in der Bowle und...

Buffy schlug die Augen auf, schaute sich um und ließ sich wieder in das Kissen sinken. „Na toll, wieder nur ein Traum. Jetzt träume ich das schon das zweite Mal und bei meinem Glück wird es auch bei dem Traum bleiben. Hoffentlich. Zumindest, was einige Sequenzen angeht. Das mit Spike und Xander war echt gruselig." Buffy schüttelte sich, seufzte tief und zog sich frustriert die Decke über den Kopf.

 

~*~

Ein paar Stunden später betrat Buffy die Magic Box und lief die paar Stufen hinunter. „Hi Leute. Schon was gefunden?"

Giles seufzte, nahm seine Brille ab und begann sie zu putzen. „Nun, was auch immer diese Dämonenpopulation hervorgerufen hat, es hat nichts mit irgendeiner Prophezeiung zu tun. Zumindest konnten wir in den Büchern diesbezüglich nichts finden."

„Der Rat. Sie könnten Quentin anrufen. Vielleicht wissen sie ja was", schlug Buffy vor.

„Diese Idee ist mir ebenfalls gekommen. Aber auch der Rat konnte mir nichts sagen. Wir tappen im Dunkeln und das ist... nun ja, gefährlich."

„Wann ist es das nicht? Aber ich wüsste schon gerne, womit wir es zu tun haben. Also sucht bitte weiter, Freunde. Ich sorge inzwischen dafür, dass sich die Menge an Blutsaugern ein wenig reduziert."

Xander schloss das Buch, in dem er gelesen hatte. „Ich komme mit. In diesen Vorzeitschinken finden wir sowieso nichts."

„Das geht nicht", meldete sich Anya zu Wort. „Du hast mir versprochen, dass wir heute Geschenke kaufen gehen. Darauf freue ich mich schon die ganze Woche."

„Stimmt, das habe ich ganz vergessen, oder eher verdrängt", murmelte Xander leise hinterher.

„Xander Harris. Wie konntest du das nur vergessen? Wir haben zwei Mal davon gesprochen. Bevor und nachdem wir Sex hatten", schimpfte Anya und Xander eilte zu ihr.

„Anya, Schatz. Du hast mir doch versprochen, nicht mehr vor den anderen darüber zu reden, wenn wir ... du weißt schon ...", flüsterte er verlegen.

„Du denkst doch nicht ernsthaft, sie wissen es nicht?"

„ANYA!"

Anya verdrehte die Augen. „Ist ja schon gut und ich sage es auch nicht mehr, wenn du jetzt mit mir Geschenke kaufen gehst."

„So etwas nennt man Erpressung. Das tut man nicht", entgegnete Xander, doch Anya zuckte die Schultern. „Das wird zwar behauptet, aber trotzdem tun das alle und das schon seit tausenden von Jahren. Gehen wir jetzt?"

Xander seufzte geschlagen und nahm Anyas Hand. Sie lächelte, flüsterte ihm etwas ins Ohr, woraufhin Xander einen roten Kopf bekam und miteinander turtelnd gingen sie davon.

Buffy verdrehte die Augen, nahm Anyas Platz am Tisch ein und griff nach einem der Bücher.

„Ich hab da etwas", rief Willow aus und alle in der Runde schauten sie an.

„Vielleicht doch nicht", gab die Hexe gleich darauf zu und zog entschuldigend die Schultern ein.

Buffy las ein paar Zeilen, dann schlug sie das Buch zu. „Okay. Da steht nichts von dem, was wir suchen. Ich sollte auf Patrouille gehen und Monster töten, bevor es noch mehr werden."

Giles nahm seine Brille ab und rieb sich die Nasenwurzel. „Dem stimme ich zu. Nimm ...nimm Spike mit. Bei der momentanen Menge an Dämonen, solltest du Unterstützung haben und Spike ist, nun, er ist hilfreich und...nimm ihn einfach mit."

„Geht klar", erwiderte Buffy. „Außerdem könnte ich ihn ohnehin nicht davon abhalten.

Meldet euch, falls ihr was findet. Bis dann." Buffy lief davon und die anderen beugten sich wieder seufzend über die Bücher.

Einige Stunden später, Anya und Xander waren inzwischen wieder zurück und halfen ebenfalls bei der Suche, schlug Giles das Buch, in dem er recherchiert hatte, frustriert zu.

„Es hat keinen Sinn. Darin finden wir einfach nichts", stellte er fest.

„Wünsche", rief Anya plötzlich. „Irgendjemand hat sich viele Vampire und Dämonen gewünscht."

„Spike, das war sicher Spike", hakte Xander ein und schaute beifallheischend in die Runde.

Giles nahm seine Brille ab und rieb sich die Nasenwurzel. „Nun. Das denke ich nicht. Er könnte keinen Vorteil daraus ziehen. Nein, es muss...machen wir Schluss für heute. Ich habe noch ein paar Bücher zu Hause, die vielleicht weiterhelfen. Ich werde sie durchgehen." Gedankenverloren stand der Wächter auf und ging zur Tür.

„Gute Nacht, Giles", rief Willow hinterher und die anderen stimmten ein.

Er blieb stehen und schaute sie irritiert an. „Was? Ach ja, euch auch. Euch auch."

„Wir müssen auch los. Dawn ist ganz alleine zu Hause und ich habe ihr versprochen, dass wir Kartons mit Geschenkpapier überziehen", erklärte Willow und Tara nickte zustimmend, während sie sich erhob und ihre Sachen zusammen packte.

„Xander darf auch ein Geschenk auspacken. Aber ich muss es vorher noch anziehen. Es wird ihm gefallen und dann haben wir Se..."

Xanders Hand legte sich über Anyas Mund und er lachte verlegen. „Oookay, Leute, dann sehen wir uns morgen." Er packte Anyas Hand und schleifte die protestierende Ex -Dämonin hinter sich her.

~*~

Buffys Patrouille verlief wie die anderen zuvor. Ihr Pflock war im Dauereinsatz. „Wenn das so weiter geht, dann verkokelt mein Pflock noch von der vielen Reibung", bemerkte sie und lehnte sich schnaufend an einen Grabstein.

„Du verstehst was von Physik? Hätte ich nicht vermutet", entgegnete Spike, der gerade einen Vampir pfählte.

„Willst du meine Intelligenz anzweifeln? Ich habe kein Problem damit, die Physik praktisch bei dir anzuwenden. Du weißt schon, Pflock trifft großmäuligen Vampir. Reaktion - Puff. Ergebnis - Staub. Physikalisches Gesetz."

„Bleib locker, Jägerin. Man wird doch wohl noch einen Spaß machen dürfen." Plötzlich runzelte Spike die Stirn. „Was soll das überhaupt? Du bedrohst mich? Nach allem, was ich für dich getan habe? Du erinnerst dich doch, oder soll ich deine Erinnerungen auffrischen. Glory. Dawn? Die Rettung der Welt."

„Die Welt haben wir zusammen gerettet", warf Buffy rasch ein, dann seufzte sie. „Und so wie es aussieht, steht der nächste Weltuntergang bevor. Wenn ich Pech habe, gehe ich drauf und das war's dann mit Weihnachten."

„Kann sein, außer du duckst dich."

„Was?"

„Ducken, Slayer", verlangte Spike erneut und seine Stimme klang dringlich.

Buffy reagierte rasch und verschwand hinter dem Grabstein. Der Stachel am Schwanz eines  P'snisk - Dämon ging ins Leere, Spike hechtete nach vorn, packte den Schwanz und schleuderte den Dämon im Kreis herum.

„Ein Schwert wäre jetzt gut, oder eine Axt", rief Spike schnaufend, sich immer noch im Kreis drehend.

„Du hast Recht. Mach weiter, ich hol schnell das Eine oder Andere", bemerkte Buffy trocken.

„Verflucht, Buffy, hilf mir gefälligst", brüllte Spike und ließ den Dämon an eine Gruft krachen.

Doch Buffy war ohnehin schon bereit gewesen, stürzte sich auf den P'snisk und packte ihn am Genick, während Spike den peitschenden Schwanz einfing und festhielt. Kurz darauf ertönte ein unangenehm knackendes Geräusch und der Dämon sackte in sich zusammen.

„Puh, das war knapp und eklig", bemerkte Buffy und wischte sich ihre Hände im Gras ab.

„Knapp? Knapp? Ich hätte beinahe einen Drehwurm gekriegt und der Stachel von dem Ding hat mich fast aufgeschlitzt. Sieh dir mal meinen Mantel an. Lauter Löcher und überall klebt dieser eklige, rosa Schleim. Das dauert Stunden, bis das Zeug runter ist. Und wessen Schuld ist das? Deine! Wie bescheuert kann man nur sein, wenn man ohne Waffen auf Dämonen Jagd geht, Jägerin!"

„Sagte der Vampir ohne Waffen", konterte Buffy.

Spike zeigte sein dämonisches Gesicht und erklärte triumphierend. „Ich habe meine Waffe immer dabei."

„Und wieso hast du dann diesem Nisk..."

P'snisk Liebes, er heißt P'snisk", besserte Spike aus.

„Wie auch immer. Was mich interessiert, wieso hast du diesem...Dämon nicht mit deiner Superwaffe in den Schwanz gebissen, statt mit ihm Ringelreihen zu spielen?"

„Damit du etwas hast, womit du mir auf die Nerven gehen kannst. Jetzt hilf mir gefälligst dieses Monster in die Kanalisation zu werfen", antwortete Spike brummig und packte den Dämon an einem Bein.

~*~

Nachdem sie den Dämon entsorgt hatten, schleppte sich Buffy nach Hause. Unter der Dusche schlief sie fast ein und nachdem sie sich dürftig abgetrocknet hatte, fiel sie völlig fertig ins Bett. Kaum hatte ihr Kopf das Kissen berührt, schlief sie auch schon. Und bald lächelte sie im Schlaf, als der schöne Weihnachtstraum wieder kam. Ein Fest, so wie sie es sich wünschte. Nicht nur für sich, sondern auch für Dawn. Ihre kleine Schwester hatte so viel mitmachen müssen in ihrem jungen Leben und hätte ein paar glückliche, sorgenfreie Stunden verdient. Der Engel an der Baumspitze lächelte sie wieder an. „So ein schöner Wunsch, der wird dich sicher glücklich machen."

„Ja, wenn er sich nur erfüllen würde", seufzte Buffy in ihrem Traum.

„Erfülle mir meine Wünsche, dann erfülle ich dir deinen."

„Was?" Buffy schoss aus dem Schlaf und schaute die eigenartige Gestalt irritiert an, die vor ihrem Bett stand, ständig das Aussehen wechselte und gerade die Augen verdrehte, sodass nur doch das Weiße zu sehen war.

„Was, was?", sagte die Gestalt. „Ist doch ganz einfach. Stell dir einfach vor, was mir gefallen würde. Soviel Fantasie wirst du doch wohl haben."

Die Jägerin war sich nicht sicher, ob sie immer noch träumte, doch die Gestalt ignorierte ihre Verdutztheit und lachte nur. „Das wird sicher lustig. Viel Spaß. Ich werde ihn auf jeden Fall haben."

Kapitel 3 von silverbird

Als Buffy erwachte, fiel ihr gleich wieder der Traum ein, den sie gehabt hatte. Der Baum, das schön geschmückte Zimmer, die Geschenke, der...Gnom. „Oder was auch immer das war. Ob das ein prophetischer Traum war?", überlegte sie laut, schüttelte dann aber den Kopf. „Wohl kaum. Das Ding sah einfach zu lächerlich aus. Vermutlich träume ich so einen Mist, weil ich komplett neben der Spur bin."

Seufzend quälte sie sich aus dem Bett und tapste ins Badezimmer. Kaum war sie fertig, als Dawn auch schon aufgeregt an die Tür klopfte und rief: „Buffy, komm schnell. Es ist total verrückt. Draußen ist..."

Buffy riss die Tür auf. „Was ist passiert?

„Es schneit und alles sieht total anders aus sonst." Sie packte die Hand ihrer Schwester und zerrte sie nach unten. „Komm, das musst du dir ansehen."

Alarmiert eilte Buffy hinter Dawn her und traf an der Tür auf Willow und Tara, die staunend auf die Strasse schauten.

„Was ist hier los?", fragte Buffy, nachdem sie hinter die beiden getreten war und eine völlig veränderte Landschaft vor sich sah.

„Keine Ahnung. Wir wollten zur Vorlesung, machen die Tür auf und dann war da  plötzlich", Willow machte eine ausholende Handbewegung, "... das."

„Ich sehe es, aber glauben kann ich es nicht. Wo ist die Straße hin und unser Haus steht ganz alleine. Die paar Häuser, die ich da vorne sehen kann, sehen aus wie im Mittelalter", mutmaßte Buffy.

Willow schüttelte den Kopf. „Eher 18. Jahrhundert würde ich sagen. Aber wieso? Als wir gestern nach Hause gekommen sind, war alles noch normal."

„Keine Ahnung. Rufen wir Giles an. Können wir Giles überhaupt anrufen? Ich versuch es am besten einfach." Buffy wandte sich um, lief zum Telefon und wählte die Nummer des Wächters. „Gehen Sie mal zur Tür, Giles", forderte sie ihn auf, „und sagen Sie mir, was Sie sehen."

„Buffy. Was soll diese Frage? Sprich nicht in Rätseln. Was ist geschehen? Sag es mir und schick mich nicht sinnlos ...Grundgütiger." Giles war zur Tür gegangen und hatte sie geöffnet.

„Bei Ihnen also auch? Na toll. Wissen Sie, was das zu bedeuten hat?"

„Nun, um ehrlich zu sein. Ich weiß es nicht. Wir...wir sollten uns unbedingt treffen, bevor sich noch mehr verändert, oder womöglich verschwindet, was ich befürchte, nach diesem ...Anblick vor meiner Tür. Ich schlage vor, wir treffen uns in dreißig Minuten in der Magic Box. Oder nein. Das ist vermutlich nicht möglich. Es ist zu befürchten, dass auch sie nicht mehr existiert, denn die Häuser und überhaupt alles sieht völlig anders aus in dieser...Welt. Und es schneit. Und...wir müssen uns treffen, und das so rasch als möglich, bevor sich noch mehr verändert und wir nicht mehr zusammenfinden."

„Sie glauben, das könnte passieren?", fragte Buffy alarmiert.

„Nun, ich weiß es natürlich nicht. Dennoch wäre es möglich, dass diese...Verwandlung noch nicht abgeschlossen ist. Daher ist vermutlich der einzige Platz...nun, ich denke der Friedhof. Meines Wissens bleiben Friedhöfe bei den meisten unnatürlichen Ereignissen verschont. Daher schlage daher vor, wir treffen uns bei Spike. Auch wenn ich davon nicht begeistert bin."

„Hoffentlich haben sie Recht. Aber das werden wir ja bald merken. Dann sehen wir uns in zwanzig Minuten bei Spike, wenn wir Glück haben. Ich rufe Xander an und sage ihm Bescheid", erklärte Buffy, doch Giles rief: „Moment noch. Nehmt ein paar Sachen mit. Warme Kleidung und Decken würde ich empfehlen, falls wir eine Nacht dort verbringen müssen."

Buffy stimmte mit einem „Okay", zu, legte auf und wollte Xanders Nummer wählen, als das Telefon läutete. Es war Xander. Sie  ließ seinen Wortschwall über sich ergehen, unterbrach ihn dann aber doch und erklärte ihm den vorläufigen Plan. Nachdem Xander unter Protest zugestimmt hatte, legte sie auf und wandte sich an die Mädchen. „Packt ein paar Sachen ein und nehmt Schlafsäcke mit. Sicherheitshalber. Giles sagt, es könnte sein, dass wir eine Nacht bei Spike verbringen müssen."

„Cool." Dawn strahlte über das ganze Gesicht und lief nach oben, um ihre Sachen zu packen. Buffy verdrehte die Augen. „Sie ist wohl die Einzige, die das findet."

„Ich finde es gruselig", warf Tara mit unsicherem Blick ein.

Willow nahm ihre Freundin in den Arm. „Vielleicht finden wir vorher eine Lösung, Baby,  und können heute Nacht wieder in unserem Bett schlafen."

Tara lächelte. „Das wäre schön, aber jetzt sollten wir packen."

Buffy schaute den zwei Hexen nach, als sie nach oben liefen. Tara war stark, stärker als es den Anschein hatte und sie war gut für Willow. Die Beiden waren ein glückliches Paar und sie hatten etwas zusammen, was sie, Buffy, nie haben würde. Buffy erlaubte sich kurz eine sentimentale Phase, doch dann riss sie sich zusammen und lief ebenfalls nach oben.

~*~

Buffy trat die Grufttür auf und die vier Mädchen traten ein. „Spike?", rief sie und legte ihre Sachen auf den Steinsarg.

Keine Minute später tauchte der Kopf des Vampirs in der Öffnung zu seinem Untergeschoss auf. „Was soll das werden? Pfadfinderausflug zu eurem Lieblingsvampir? Es ist früher Morgen, verflucht. Habt ihr nichts Besseres zu tun als meinen Schönheitsschlaf zu stören?" Spike stieg die Treppe hoch und schaute Buffy fragend an.

Doch sie war damit beschäftigt seinen nackten Oberkörper zu betrachten und brauchte einen Augenblick, um sich loszureißen. Als sie dann in sein Gesicht blickte, sah sie ihn grinsen. Rasch wandte sie sich ab und begann in der Gruft hin- und herzulaufen. „Wenn es keinen triftigen Grund geben würde, wären wir nicht da. Schon mal raus geguckt?

„Es ist Tag, Liebes, schon vergessen? Da schlafe ich, zumindest solange, bis eine wild gewordene Jägerin meine Tür eintritt. Schon wieder. Dabei dachte ich, das hätten wir hinter uns."

Buffy zuckte mit den Schultern. „Tut mir Leid. Macht der Gewohnheit."

Spike verdrehte die Augen. „Großartig. Dann gewöhn es dir wieder ab, verflucht. Ich habe keine Lust dauernd den Riegel zu reparieren. Wozu habt ihr diesen ganzen Krempel mit?", fragte er, als die Rucksäcke und Schlafrollen bemerkte.

„Gut, ihr seid schon da. Fehlt nur noch Giles. Mann, Spike, du solltest echt mal aufräumen." Xander stellte seine und Anjas Tasche ab, doch bevor Spike etwas erwidern konnte, trat Giles ein. „Es schneit noch immer, sehr ungewöhnlich. Ich bin kurz zur Magic Box und wie ich vermutet habe, existiert sie nicht."

„Was? Dann ist auch mein Geld weg? Wir müssen sofort etwas machen. Giles?" Anya stellte sich vor den Wächter und schaute ihn auffordernd an.

Der seufzte, nahm seine Brille ab und begann sie zu putzen, bevor er sagte: „Nun, ich bin sicher, es ist alles noch da, irgendwo."

„Klärt mich jetzt vielleicht mal irgendjemand auf, was ihr alle in meiner Wohnung zu suchen habt?" rief Spike ungehalten, der gerade wieder die Treppe hoch gekommen war und sich ein Shirt überzog.

„Wir wohnen ein paar Tage bei dir. Oder Wochen. Je nachdem, wie lange der Zauber anhält. Cool, oder?" Dawn hüpfte begeistert auf und ab, doch Spike riss erschrocken die Augen auf.

Dann brüllte er: „WAS? Zum Henker... seid ihr jetzt alle verrückt geworden? Ihr könnt hier nicht einziehen. Geht  gefälligst nach Hause, oder sucht euch eine eigene Gruft. Was auch immer, aber verschwindet. Auf der Stelle." 

„Jetzt krieg dich wieder ein, Spike. Ich kann mir bei weitem einen besseren Ort vorstellen als den hier, aber das ist eine Notsituation. Irgendwo mussten wir uns treffen", erklärte Buffy.

„Also das verstehe ich jetzt nicht. Wenn es hier für dich nicht gut genug ist, wieso kommt ihr dann hier her? Und von welcher verdammten Notsituation redest du?"

Giles war es, der Spike die spärlichen Informationen gab, die sie hatten, und erklärte ihm auch, wieso sie seine Gruft als Treffpunkt ausgewählt hatten. „Es ist natürlich nicht gesagt, dass Buffys Haus sich verändert hat, oder verschwunden ist. Es handelt sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Nur hier konnten wir sichergehen aufeinander zu treffen."

„Wir brauchen deine Hilfe, Spike", erklärte Buffy eindringlich und sofort wurde Spikes Gesichtsausdruck milder. „In Ordnung. Ich helfe dir. Du und deine...Freunde können hier bleiben, solange es notwendig ist."

„Danke dir." Buffy lächelte Spike freundlich an. „Wir sehen uns erst mal in der Stadt um, vielleicht löst sich unser Problem schneller als wir befürchten."

„Ich bleibe bei Spike", entschied Dawn und hockte sich sogleich auf den Steinsarg.

„Spike?" Buffy schaute den Vampir fragend an und der nickte. „Keine Sorge, Liebes, ich pass gut auf den Krümel auf."

„Ich weiß." Sie nickte ihm zu und forderte dann die anderen auf, mit zu kommen.

Als sie den Friedhof verlassen hatten und die Straße hinunter gingen, waren sie in einer anderen Welt. Nichts erinnerte mehr an Sunnydale, wie sie es kannten. Die Menschen waren altertümlich gekleidet und trugen Päckchen. Pferdeschlitten fuhren durch die Hauptstrasse und die Häuser waren weihnachtlich geschmückt. An einer Ecke sass ein kleines Mädchen und verkaufte Schwefelhölzer. Und sie kamen auch an der ehemaligen Magic- Box vorbei, die jetzt ein Confiserie Geschäft war.

Buffy betrachtete die Hausfassaden. „Es ist Sunnydale, aber auch irgendwie wieder nicht, aber das haben wir ja schon bemerkt, als wir zum Friedhof gingen. Die Stadt ist im Grunde noch so vorhanden wie zuvor. Okay, ich gebe es zu, es sieht alles etwas anders aus. Aber trotzdem fühlt es sich wie Sunnydale an. Ich schlage vor, wir gehen mal zu meinem Haus", sagte Buffy und schlug auch schon den Weg dorthin ein.

Es war ja nicht weit, und ein paar Minuten später bogen sie Richtung Revello Drive ab. „Ich möchte wissen, wie das jetzt aussieht. Wobei ich mich frage, wieso wir uns nicht bei mir getroffen haben. Sicher, die Magic Box ist unsere Kommandozentrale, aber das heißt nicht, dass....oh."

Sie hatten den Revello Drive erreicht, oder vielmehr die Stelle, wo er sein sollte. Aber da war nichts zu sehen außer einer tief verschneiten Landschaft.

„Nun, das habe ich befürchtet. Daher auch mein Vorschlag mit dem Friedhof", erklärte Giles. „Dieser Zauber, oder was auch immer das ist, hat die Stadt verändert, weil....nun ich weiß es nicht. Aber ich glaube, es hat was mit dir zu tun, Buffy. Wahrscheinlich wollte der Dämon, oder derjenige, der den Zauber ausgesprochen hat, dass du, gemeinsam mit deinem Haus verschwindest, oder aber obdachlos wirst. O...oder. Grundgütiger. Meine Bücher. Die Kostbarsten sind in meiner Wohnung. Wie konnte ich das vergessen? Wenn sich alles verändert hat, was mit der Jägerin und offenbar auch mit ihren Freunden zu tun hat, dann sind sie für immer verloren. Ich muss...." Giles machte kehrt und eilte davon.

„Giles. Warten Sie, wir kommen mit." Buffy rannte ihrem Wächter hinterher und auch die anderen folgten.

„Warum sollte ein Dämon wollen, dass mein Haus verschwindet? Das ist doch völlig absurd", meinte Buffy, während sie neben ihrem Wächter herlief.

„Möglicherweise, um dich von den anderen zu isolieren, oder um...ich weiß es nicht, Buffy. Ohne meine Bücher.... Wir müssen rasch zu meiner Wohnung." Giles lief schneller und auch Buffy beschleunigte ihre Schritte.

„Buffys Haus ist weg, die Magic Box und wahrscheinlich auch unsere Wohnung. Alles war besser, als ich noch ein Rachedämon war", stellte Anya unzufrieden fest.

„Aber dann hättest du mich nicht", hielt Xander entgegen.

„Anya blieb stehen und schaute ihren Freund an. „Das stimmt", entgegnete sie und strahlte ihn an.

Nach kurzer Zeit hatten sie die Wohngegend von Giles fast erreicht, als ein Pferdeschlitten auftauchte, der von zwei schneeweißen Rössern gezogen wurde und in rasender Fahrt die Straße entlang fuhr. Eine wunderschöne Frau in weißem Pelz gehüllt, saß in dem offenen Schlitten, an dessen hintern Kufen ein kleiner Junge seinen Schlitten befestigt hatte. Er lachte und genoss die rasende Fahrt ganz offensichtlich. Ein kleines Mädchen rief ihm warnend hinterher, doch er reagierte nicht.

Die Scoobies beobachteten die Szene kurz, dann machten sie sich wieder auf den Weg. Sie kamen zu dem Haus von Giles, beziehungsweise zu dem Gebäude, dass vor diesem Albtraum Giles Haus gewesen war, denn da befand sich jetzt ein Pferdestall. Geschockt schaute der Wächter auf die offen stehende Stalltüre. „Das ist...demütigend."

Buffy lachte verhalten. „Wieso? Passt doch. Sie sind das beste Pferd im Stall."

„Ja, ein toller Hengst, wie man so sagt", bemerkte Xander.

Willow runzelte die Stirn. „Heißt das nicht Hecht?"

„Hecht? Auch möglich." Xander zuckte mit den Schultern.

Giles seufzte genervt. „Hört auf. Das ist nicht komisch. Wir sollten..." Giles lief auf einen Mann zu, der seiner Meinung nach ein Stallknecht war und sprach ihn an. „Guter Mann, können sie mir sagen..."  Doch der Mann reagierte nicht. Offenbar sah er weder Giles noch die anderen.

Anya machte sofort auch einen Versuch und sprach eine Frau an. Ebenso Xander, doch die Beiden wurden genauso ignoriert wie zuvor Giles.

„Auch das noch. Wir sind unsichtbar. Was machen wir jetzt?"

Giles ergriff wieder das Wort. „Wir sollten erstmal zurück zum Friedhof. Ich habe ein paar Bücher in Spikes Gruft mitgenommen, die uns eventuell weiterhelfen. Außerdem sollten wir genau recherchieren, was in den letzten Tagen geschehen ist. Möglicher Weise liegt da der Auslöser."

„Und wenn nicht, werden wir wahrscheinlich verhungern, oder erfrieren, oder Beides, aber hey, dafür haben wir weiße Weihnachten", bemerkte Xander sarkastisch, während er neben den anderen herlief.

„Nein. Das werden wir verhindern. Leute, wir haben schon Schlimmeres durchgestanden. Wo kommt denn der Brunnen her?", fragte sie verwundert. „War der vorhin auch schon da? Na egal, ich würde meine Hände jedenfalls nicht da rein halten. Das Wasser ist sicher eisig", bemerkte Buffy und beobachtete kurz ein Mädchen, das offenbar irgendetwas in Brunnen wusch.

„Hier passieren lauter verrückte Dinge und da ist ein Dorfbrunnen noch etwas Harmloses. Es schneit immer stärker, wir sollten uns beeilen", verlangte Giles und lief schneller.

Kapitel 4 von silverbird

Als sie die Gruft wieder betraten, begann Dawn gleich auf sie einzureden. „Spikes Fernseher geht nicht. Wir haben keinen Strom und ich habe Hunger. Spike hatte nur ein paar Chips da. Die habe ich aufgefuttert und die zwei Schokoriegel, die ich in meinem Rucksack hatte, sind auch schon verputzt."

„Ich sagte doch, wir werden verhungern. Wir hätten mehr zum Essen mitnehmen sollen", warf Xander ein. „Und schweinekalt ist es hier auch."

„Das tut mir aber Leid. Wenn ich gewusst hätte, dass ich so hohen Besuch bekomme, hätte ich natürlich eine Zentralheizung eingebaut", entgegnete Spike bissig. „Das ist meine Gruft, verstanden? Wenn es dir hier nicht gefällt, dann geh doch."

Buffy hob beschwichtigend die Arme. „Das bringt doch nichts, Leute. Xander, halte dich bitte zurück."

Xander schnaubte. „Wieso schützt du den Blutsauger immer? Das verstehe ich echt nicht."

„Ach, nicht? Dann solltest du mal nachdenken. Er hat Dawn gerettet und auch dir schon mehr als einmal das Leben gerettet. Also hör endlich auf, ständig auf Spike rumzuhacken. Wir haben keine Zeit für diesen Mist." Als Spike etwas sagen wollte, stoppte Buffy auch ihn.

Spike schnaubte ungehalten, schnappte seinen Mantel und verließ die Gruft. Draußen atmete er erst mal tief durch. Es war ein echtes Glück, dass der Himmel voller Schneewolken war, und er so seine Gruft verlassen konnte. Von Giles wusste er, was sich ereignet hatte und er war sehr neugierig auf dieses veränderte Sunnydale.

Die Gaslaternen auf der Hauptstrasse brannten und Spike fühlte sich sofort in seine Jugend zurückversetzt. ‚Vielleicht funktioniert der Chip jetzt auch nicht mehr', dachte er hoffnungsvoll und schaute sich suchend um. Einen Versuch würde er auf jeden Fall wagen und keine Minute später hatte er sein Opfer gewählt. Die junge Frau trug einige Päckchen in ihren behandschuhten Händen und bog gerade in eine Nebengasse ab.

„Perfekt", brummte Spike grinsend und ging ihr geschmeidig hinterher, ganz der Jäger, der er nun mal war. In der Mitte der Gasse holte er sie ein und stellte sich ihr in den Weg. Die junge Frau stutzte kurz, runzelte die Stirn und machte ein paar Schritte zur Seite, bevor sie weiter ging.

„Hallo? Das gibt es doch nicht. Hast du mich nicht gesehen, du dumme Pute?" Spike eilte ihr nach und redete weiter auf sie ein. „Schau mich gefälligst an wenn ich mit dir rede. Das ist ein höfliches Jahrhundert. Da erschrickt man angemessen und stößt kleine, spitze Schreie aus, wenn man einem Dämon begegnet. Verstanden? Hey du Schlampe, ich rede mit dir", schrie Spike, doch sie beachtete ihn nach wie vor nicht.

Spike ließ sich an eine Hauswand sinken. „Was für ein verfluchter MIST geht hier ab? Verdammt noch mal, ich glaub das jetzt nicht. Und kann mal wer diese verflixte Schneemaschine abstellen? Das versaut mir meinen Mantel", brüllte er zornig in den Himmel.

~*~

Buffy hatte beschlossen, dass sie und die anderen Mädchen Spikes „Schlafzimmer" für sich in Beschlag nehmen würden und so standen sie nun in dem von Spike geschaffenen Raum.

„Wo hat er nur dieses riesige Bett her. Da ist mindestens Platz für drei", bemerkte Willow und Tara nickte. „Ja und sogar die Bettwäsche ist frisch. Wie macht er das nur? Ich habe hier keine Waschmaschine gesehen."

„Und noch ein Geheimnis, das wir von Spike nicht kennen und das ich auch nicht wirklich wissen muss", stellte Buffy fest. „Dawn, du Willow und Tara, ihr schlaft im Bett. Anja und ich auf diesem Teppich hier. Der ist weich genug. Buffy rollte ihren Schlafsack aus und setzte sich drauf.  Dann seufzte sie. „Also die Weihnachten habe ich mir wirklich nicht gewünscht."

„Gewünscht? Du hast einen Wunsch ausgesprochen? DU bist also Schuld, dass wir hier in dieser, dieser ...Gruft gelandet sind", ereiferte sich Anja und schaute Buffy vorwurfsvoll an.

„Was? Nein. Ich würde doch niemals...Nein", wehrte sie ab. „Ich habe nur geträumt. Geträumt von ruhigen, schönen Weihnachten. Träume zählen nicht als Wunsch, oder?"

„Nein. Außer, du hast in deinem Traum einen Sgnall getroffen und mit ihm geredet. Aber ein Sgnall kommt nur dann in einen Traum, wenn man zwei bis drei Mal das gleiche träumt und das kommt äußerst selten vor. Dann allerdings stellt er sich sehr geschickt an, um den Wunsch so zu interpretieren, dass er Gültigkeit hat. Und er stellt Bedingungen, die nicht erfüllbar sind. Zumindest habe ich nie davon gehört, dass es jemanden gelungen ist." Anya zuckte die Schultern und rollte nun ihrerseits den Schlafsack aus.

Buffy hatte sich inzwischen auf ihren Schlafsack gesetzt und starrte nachdenklich vor sich hin. Nein, sie hatte keinen Traumdämon gesehen, das wäre ihr doch sicher aufgefallen. Außerdem hatten nur prophetische Träume bei ihr Bedeutung. So war es immer gewesen. Das war nur ein Traum über Weihnachten gewesen, weil halt bald Weihnachten war. Nichts anderes. Natürlich nicht. „Ähm...Anya? Wie sieht so ein Gnall denn aus?"

„Sgnall. Er heißt Sgnall und er hat keine fixe Gestalt. Er sieht einfach aus, wie er aussehen will."

„Auch wie ein Engel?", wollte Buffy nervös wissen.

Anya warf die Hände in die Luft. „Engel, Teufel. Jede Fantasiegestalt, die du dir vorstellen kannst."

„Oh", war alles, was Buffy heraus brachte, dann sprang sie auf und lief die Stufen hinauf. „Giles?"

Der Wächter saß auf Spikes Stuhl, ein Buch auf seinen Knien und als Buffy ihn ansprach, schaute er auf. Doch bevor sie weiter etwas sagen konnte, ging die Tür auf und Spike trat ein, zwei große Säcke in den Händen. „Der Weihnachtsvampir ist da", rief Spike fröhlich und stellte die Säcke ab.

„Was hast du da drin? Und vor allem, wo hast du es her?", wollte Buffy wissen und trat misstrauisch näher.

„Essen. Kleidung. Decken. Der Krümel hat Hunger und kalt ist ihr auch. Ich habe keine Lust auch noch Krankenschwester zu spielen", erklärte er brummig.

Giles richtete sich auf. „Nun, auch wenn ich es sehr begrüße, dass Sie diese Sachen besorgt haben, so frage ich mich doch, wie Sie das bewerkstelligen konnten."

Spike zuckte mit den Schultern. „Ich bin eben gut im Organisieren."

„Das kann man wohl sagen. Seht mal, was da alles drin ist." Xander packte gerade die Säcke aus und türmte Braten, Kuchen, Brot und Konfiseriewaren auf den kleinen Tisch.

Die Mädchen waren inzwischen ebenfalls herauf gekommen und Dawn wühlte in dem zweiten Sack. „Cool", sagte sie, als sie ein Samtkleid mit Puffärmeln entdeckte, das sie gleich für sich beschlagnahmte.

Giles war inzwischen aufgestanden und zu Spike getreten. „Das meinte ich nicht und ich stelle auch nicht in Frage, dass Sie ein gewisses Talent haben, sich den Dingen zu....bemächtigen. Was ich wissen will, wie ist das möglich? Konnten Sie Menschen....nun...äh...beißen?"

„Keine Sorge, Wächter, alle haben ihr Blut noch. Leider." Spike seufzte tief. „Ich habe wirklich alles versucht. Ganz ehrlich. Aber sie ignorierten mich einfach. Ist das zu fassen? So als ob sie mich nicht sehen würden."

„Das kommt daher, dass sie Sie nicht gesehen haben. sie sehen keinen von uns. Was ich mich frage, diese Waren", Giles schaute auf den Haufen, „TEE. English Breakfast. Gute Güte." Giles stürzte sich sofort auf das Säckchen und nahm es an sich. Seine Frage schien er völlig vergessen zu haben.

„Typisch Engländer", murmelte Spike. „Gib ihnen vertrocknetes Kraut und heißes Wasser  und schon sind sie glücklich." Spike fasste in seine Jackentasche, holte eine Flasche Whiskeys heraus und verzog sich grinsend in eine Ecke. Als er herausgefunden hatte, dass er alles anfassen konnte, was nicht lebte, hatte es ihm tierischen Spaß gemacht, die Kaufleute zu bestehlen. Aber dass das ging, würde er den anderen erst später erzählen.  Wenigstens hatte er auf diese Weise etwas von seinem Frust abbauen können.

Die Mädchen hatten inzwischen die Kerzen gefunden, die in einem der Säcke waren, hatten sie im Raum verteilt aufgestellt und angezündet. Sie wärmten zwar nicht wirklich viel, aber ihr Schein schaffte eine angenehme Atmosphäre. In Decken gewickelt saßen sie am Boden und aßen. „Wir brauchen Geschirr, wenn wir länger hier sind", ließ Anya plötzlich verlauten. So ein Picknick ist ja hin und wieder ganz nett, aber auf Dauer nicht lustig."

„Und wir brauchen etwas, womit wir Wasser wärmen können. Wie soll ich sonst meinen Tee zubereiten?", kam es von Giles ziemlich frustriert, der mit einer Hand immer noch das Säckchen hielt, während er mit der anderen nach einem Kuchenstück griff.

„Das glaube ich jetzt nicht. Was muss ich denn noch alles tun, damit ihr zufrieden seid?" Spike runzelte plötzlich die Stirn. „Hab ich noch alle? Was geht es mich eigentlich an, ob ihr erfriert oder verhungert? Das muss an dem Zauber, oder was auch immer das ist, liegen. Aber jetzt sehe ich wieder klar und wisst ihr was? Von mir aus könnt ihr hier verrotten. Ich mach mich vom Acker." Doch bevor er die Gruft verlassen konnte, hielt Buffy ihn auf. „Ich weiß durchaus zu schätzen, was du für mich tust. Getan hast. Na, du weißt schon."

Spike schaute Buffy tief in die Augen. „Für dich immer." Dann straffte er plötzlich die Schultern. „Ich meine, ich mache alles, um euch endlich los zu werden."

„Dein Plan ist also, uns zu Tode zu füttern", stellte Buffy schmunzelnd fest.

Spike stieß ungehalten die Luft aus. „Na ja, beißen kann ich euch nicht, aber vielleicht platzt ihr ja, wenn ich genug von dem Zeug anschleppe. Wenigstens der Gipskopf könnte mir den Gefallen tun."

Buffy lächelte, dann wurde ihre Miene ernst. „Aber was ist mit dir? Gibt es hier eine Blutbank oder so was in der Art? Ich meine..."

„Keine Sorge", unterbrach er sie. „Ich war beim Fleischer. Hier gibt es auch einen, weißt du? Trotzdem habe ich die Schnauze voll von dem hier. Also, habt ihr schon herausgefunden, was uns hier festhält?"

„Darauf wollte ich gerade kommen. Hört mal her, Leute", forderte Buffy ihre Freunde auf, die sie daraufhin erwartungsvoll anblickten. Sie atmete tief durch. „Ich habe da etwas geträumt. Nichts Prophetisches", erklärte sie schnell, weil sie bemerkte, dass Giles etwas hatte sagen wollen. „Ich glaube zumindest, dass es kein so ein Traum war. Es ging um Weihnachten. Um schöne, friedvolle Weihnachten und in meinem Traum war so ein Kerl. Der sagte irgendetwas davon, dass er mir einen Wunsch erfüllen würde. Nicht dass ich mir etwas gewünscht hätte. Also nicht bewusst. Aber Anya sagte, das zählt auch, wenn es öfter passiert und..."

„Buffy du sprichst in Rätseln", warf Giles ein und auch die anderen nickten.

„Es geht um einen Sgnall - Dämon. Er schleicht sich in die Träume der Menschen. Das kann er aber nur, wenn ein Mensch einen Wunschtraum hat, der sich zwei bis drei Mal wiederholt. Dann kann der Sgnall seine Bedingungen stellen."  Anja erzählte, was sie zuvor schon Buffy erklärt hatte und fügte noch hinzu. „Das Blöde ist, dass dieser Dämon eine völlig abgedrehte Fantasie hat. Das ist auch der Grund, wieso seine Rätsel, oder wie man das auch immer nennen mag, bisher niemand lösen konnte."

„Dann sollten wir methodisch vor gehen und aufschreiben, was wir bisher wissen", verlangte Giles, warf Buffy aber einen vorwurfsvollen Blick zu.

„Guter Plan, nur blöd, dass wir nichts wissen", maulte Xander. „Aber das ist egal, denn wir werden erfrieren. Meine Zehen haben schon damit angefangen."

„Du bist ein Jammerlappen, Harris", behauptete Spike abfällig. „Ein bisschen Schnee und schon jammerst du wie ein altes Weib."

„Du hast keine Blutzirkulation, was weißt du schon von Kälte? Also halt die Klappe, Untoter."

„Du hast keine Ahnung, aber das ist nichts Neues, du Gipskopf."

Giles machte eine herrische Handbewegung. „Seid still. Alle Beide. Streitereien bringen  uns nicht weiter. Denkt nach, was ist euch aufgefallen, nachdem sich alles verändert hat, oder auch zuvor. Jeder Hinweis kann wichtig sein."

„Es schneit, obwohl wir in Kalifornien sind. Sind wir überhaupt in Kalifornien? Egal. Jedenfalls ist hier auch bald Weihnachten", plapperte Dawn und Willow nickte. „Dann hat es mit Weihnachten zu tun."

„Nicht unbedingt. Der Sgnall ist ein Meister der Täuschung. Als ich noch ein Dämon war, habe ich mal gesehen, wie er ein ganzes Dorf..."

„Das kannst du uns später erzählen, Anya", unterbrach Giles die Ex-Dämonin. „Buffy, berichte uns ganz genau, was sich in deinem Traum abgespielt hat."

Das tat sie dann auch und versuchte alles so genau wie möglich zu schildern und die Worte des Sgnalls genau wiederzugeben.

„Er will also, dass du seine Wünsche erfüllst? Wie sollst du denn wissen, was er sich wünscht?", wollte Giles irritiert wissen und Anya nickte heftig.

„Wie ich schon mehrmals gesagt habe. Das ist noch niemanden gelungen. Rechnet also damit, dass wir hier versauern."

„Auf keinen Fall. Wir finden eine Lösung und wenn ich jeden Stein umdrehen muss", erklärte Buffy vehement.

„Jeden Schneehaufen meinst du wohl. Wenn es so weiter geht, sind wir nämlich eingeschneit", stellte Xander fest, der aus dem Fenster schaute, das schon bis zur Hälfte mit Schnee zugedeckt war.

Kapitel 5 von silverbird

Xanders Aussage, dass die Schneedecke immer dicker wurde, brachte Buffy dazu einen Entschluss zu treffen. „Wir gehen wieder in die Stadt und sehen uns noch mal genau um. Ich glaube, dass wir dort die Lösung finden. Irgendetwas haben wir übersehen."

„Gute Idee", bemerkte Giles. „Ich werde die paar Bücher durchsehen, die ich mitgenommen habe. Vielleicht kann ich darin etwas finden."

„Wenn diese Schinken nicht reichen, können Sie ja immer noch in die Stadtbibliothek gehen", schlug Spike vor.

Giles schaute den Vampir mit großen Augen an. „Es gibt hier eine Bibliothek?"

„Bloody Hell, Wächter. Wie hat Buffy bei Ihrer Flexibilität nur so lange überlebt?", fragte Spike spottend.

Giles nahm seine Brille ab. „Nun, es war ja wohl kaum zu erwarten, dass...also wo ist sie?", wollte er dann ungehalten wissen.

„Gleich neben dem Coffeeshop. Oder vielmehr, wo er früher war. Eins der Mädels kann Sie ja am Händchen hinführen, damit Sie sich nicht verlaufen", fügte Spike grinsend hinzu.

Tara spürte, dass es gleich wieder zu einem Streit kommen würde, daher erhob sie sich. „Ich begleite Sie gerne, Mr. Giles. Ich bin sehr neugierig, wie die Bibliothek hier aussieht."

„Danke, Tara, sehr freundlich von dir. Vier Augen sehen immerhin mehr als zwei." Giles griff nach seiner Jacke und auch Tara legte ihren Umhang um die Schultern.

„Danke, Baby", flüsterte Willow ihrer Freundin ins Ohr und Tara lächelte sie an. Dann folgte sie Giles, der schon an der Tür stand. „Seid bitte vorsichtig, wir wissen nicht, was sich noch alles verändern, oder ereignen kann", warnte er und nachdem Buffy ihm versprach gut aufzupassen, ging er mit Tara davon.

„Okay, machen wir uns auf den Weg", verlangte Buffy und suchte ein paar Kleidungstücke heraus, die sie übereinander anziehen konnte. Dawn hatte schon alles angezogen, was sie hatte und hüpfte auf und ab, in der Hoffnung, dass ihr durch die Bewegung wärmer wurde. „Schnee ist doch nicht so cool, wie ich dachte", brummte sie und schlug die Arme um ihren Körper.

„Wir laufen ein Stück, dann wird es uns sicher wärmer, Süße", versuchte Buffy ihre Schwester aufzumuntern.

„Klar, von eiskalter Luft in den Lungen werde ich bestimmt nicht krank", gab sie brummig zurück.

Spike schaute Dawn an, zog die Augenbraue hoch, sagte aber nichts. Erst als die anderen aufbrachen, um die Gruft zu verlassen, meldete er sich zu Wort. „Und bleibt schöööön lange weg, damit ich wenigstens ein paar Stunden meine Ruhe habe."

„Du kommst mit, Spike", befahl Buffy und blieb bei der offenen Tür stehen. Die anderen standen schon draußen und warteten.

„Vergiss es, Jägerin. Keine Lust."

Buffy schnaufte genervt. Sie hatte jetzt echt keine Lust mit Spike herum zu streiten. Daher griff sie zu einer Taktik, die sie zwar nicht immer mochte, aber bei Spike immer seine Wirkung tat. „Bitte Spike, ich brauche dich. Vielleicht kannst du in dieser verdammten Stadt Dinge sehen oder fühlen, was uns verborgen bleibt. Außerdem hat diese Zeit doch Ähnlichkeit mit der, in der du gelebt hast, als du noch ein Mensch warst."

Spike legte seinen Kopf schief schaute Buffy an und grinste. „Du gibst es also zu ohne mich nichts geregelt zu bekommen?"

Buffy verschränkte die Arme vor der Brust und verdrehte die Augen. „Jetzt beweg schon deinen Hintern und nerv mich nicht, Spike."

„Immer höflich und von ausgesuchter Ausdrucksweise. Das liebe ich so an dir." Sein Grinsen wurde breiter und galant überließ er ihr den Vortritt.

Als sie die Hauptstrasse entlang gingen, schaute sich jeder von ihnen aufmerksam um. Doch es hatte sich nichts verändert, seit sie die ersten beiden Male durch die Hauptstrasse gegangen waren.

„Eigentlich ist es so richtig romantisch hier", schwärmte Willow. „Schaut euch mal die Frauen an. Sie tragen so hübsche, bodenlange Kleider aus Samt und edel schimmernder Seide. So eines hätte ich auch gerne."

„Mir gefallen diese Pelzkappen, die sie tragen und schaut mal da." Buffy war vor einer Auslage stehen geblieben und schaute durch das Glas. „Ist das Cape nicht einfach der Hammer?" fragte sie und bewunderte einen königsblauen Umhang, der mit weißem Pelz verbrämt war. Alle vier Mädchen seufzten sehnsuchtsvoll und es gab plötzlich nur noch das Thema Mode.

„Ich finde diese flauschigen Dinger toll, in dem die Frauen ihre Hände stecken. Sicher sind die Hände dann ganz warm", mutmaßte Dawn.

Xander und Spike standen etwas von den Mädchen entfernt und verdrehten unisono die Augen. „Weiber", murmelte Xander und Spike stimmte zu. „Ausnahmsweise bin ich mal ganz deiner Meinung, Harris. Was ist das nur bei Frauen, dass sich ihr Hirn ausschaltet und sie sogar Schmerzen, oder auch den Tod auf sich nehmen, nur um sich in diese Fetzen zu zwängen."

Xander runzelte die Stirn und schaute Spike fragend an. Spike holte seine Zigaretten aus der Tasche, zündete sich eine an und inhalierte erst mal tief, bevor er mit verstellter Stimme Willow nachahmte. „Ich will auch so ein hübsches, bodenlanges Kleid, damit ich  den ganzen Dreck und die Bazillen aufwischen kann und eine noch hübschere Tuberkulose kriege. Dazwischen falle ich hin und wieder vornehm in Ohnmacht, aber das macht nichts, schnürt mir das Mieder nur noch enger. Es geht doch nichts über eine Wespentaille." Spike verdrehte die Augen und nahm wieder einen tiefen Zug aus seiner Zigarette und als Xander ihn immer noch verwirrt anschaute, erklärte er. „In Geschichte bist du offensichtlich kein Geistesblitz. Wundert mich nicht wirklich."

„Als ob du einer wärst. Du kennst dich nur aus, weil du in dieser Zeit gelebt hast. Also gib nicht so an. Untoter."

„Neidisch, Gipskopf?", fragte Spike grinsend.

„Aber sicher, du hast ja so ein tolles Leben, du großer, furchteinflößender Vampir. Ach nein, das bist du ja nicht mehr. Stimmt's Zahnloser?", konterte Xander sarkastisch. „Jetzt bist du ja nur noch das Schoßhündchen der Jägerin und anstatt sie zu killen, rennst du ihr schmachtend hinterher. Wie erbärmlich."

Spike trat ganz nahe an Xander heran, wechselte in sein dämonisches Aussehen und knurrte gefährlich leise. „Meine Stunde wird kommen und dann werde ich dir jeden Tropfen deines Blutes aus den Adern saugen. Dann mache ich dich zu dem, was du am meisten hasst, einen von meiner Art." Spike verwandelte sich zurück und erklärte plötzlich freundlich. „Das wird ein Spaß. Du und ich auf Jagd. Seite an Seite. Ich kann's kaum erwarten."

Xander Hals war plötzlich staubtrocken und er griff sich an den Hals. Doch als Spike ihn dreckig angrinste, siegte die Wut über seine Angst. „Solltest du den Chip jemals loswerden, wird sie dich zu Staub verarbeiten. Du weißt es und ich weiß es. Aber träum nur weiter, Spike. Was anderes hast du ja nicht. Schon traurig, oder?"

Spike grinste noch immer. „Was sagt dir eigentlich, dass ich dich hier nicht beißen kann. Wir sind hier in einer Art Vergangenheit. Da hatte ich noch keinen Chip. Ich an deiner Stelle würde kein Auge mehr zutun. Wirst du es aushalten, nicht mehr zu schlafen? Wir könnten für lange, sehr lange Zeit hier gefangen sein." Spike hob eine Augenbraue, zwinkerte Xander zu und ging davon.

Xander stellte sich nahe zu Buffy und klopfte ihr auf die Schulter, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Als sie ihn anschaute, fragte er besorgt. „Denkst du, Spikes Chip funktioniert hier auch?"

„Klar. Hat er doch erzählt. Die Leute hier können ihn nicht sehen und er kann sie auch nicht anfassen", entgegnete sie bestimmt.

„Die Leute hier schon, aber was ist mit uns?"

Buffy wurde einer Antwort enthoben, als sie plötzlich weichen Stoff auf ihren Schultern spürte. Verwundert drehte sie sich um und schaute in das grinsende Gesicht Spikes, der auch gleich sagte. „Halt mir jetzt bloß keine Moralpredigt, Slayer. Die haben noch mehr davon und wenn etwas fehlt, merken sie es nicht mal. Außerdem ist das eine Zauberwelt, oder was auch immer." Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte er sich Dawn zu und überreichte ihr einen Muff, der genauso aussah wie der, von dem sie geschwärmt hatte. „Für dich, Krümel", murmelte er.

Dawn kreischte begeistert und fiel Spike um den Hals. Spike genoss die Umarmung, doch dann machte er sich schnell los. „Jetzt kommt endlich. Wir haben zu tun, verdammt", verlangte er, um seine Verlegenheit zu überspielen und lief los.

„Spike schenkt seinen Frauen hübsche Sachen. Ich bin deine Freundin und du hast gar nichts für mich", bemerkte Anya schmollend.

Xander schnaubte wütend. „Um eines klar zu stellen, es sind NICHT seine Frauen. Klar? Und ich stehle nicht."

„Spike sagt aber, das ist kein Stehlen, weil wir hier in einer Zauberwelt sind", entgegnete sie bestimmt.

„Er ist ein Vampir, die lügen doch, sobald sie ihren Mund aufmachen", rief Xander erbost.

„Also eigentlich.."

„Anya!"

„Schon gut. Reg dich nicht gleich so auf. Frag ich halt Spike, ob er dieses süße Spitzenkleid für mich stiehlt."

Xander stöhnte nur noch entnervt, packte Anyas Hand und zog seine protestierende Freundin hinter sich her.

„Wow, was für ein schöner Schlitten. Da würde ich gerne mitfahren", sagte Dawn, da wieder die Frau in weißem Pelz an ihnen vorbei fuhr. Auch diesmal hatte der Junge seinen kleinen Schlitten an die Kufen gehangen und jauchzte vor Freude.

„Erinnert mich irgendwie an die Schneekönigin", bemerkte Willow nachdenklich.

Buffy schaute Willow an und nickte. „Ja, sie sieht wirklich wie eine Königin aus." Als sie sich wieder der Strasse zuwandte, war der Schlitten verschwunden und sie standen plötzlich vor dem Brunnen, in dem das Mädchen ihre Hände wusch.

Buffy beobachtete sie eine Weile, während sie über den weichen Samt ihres Capes strich. „Beides haben wir vorhin schon gesehen, als wir durch die Strasse gelaufen sind. Es passiert immer das Gleiche. Ob das so eine Art Zeitschleife ist?"

„Das ist Blut. Sie wäscht Blut von ihren Händen", murmelte Spike leise.

„Wieso weißt du das? Man kann ihre Hände doch gar nicht sehen", fragte Dawn.

Spike schaute sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Vampir?"

„Oh."

„Genau", bestätigte Spike daraufhin Schulter zuckend.

„Da drüben, das kleine Mädchen. Es verkauft Schwefelhölzer", bemerkte Willow und sofort schauten alle an die Stelle, an die Willow zeigte, außer Spike, der immer noch auf das Mädchen am Brunnen starrte.

„Vergiss es Spike, du kannst sie nicht beißen", sagte Xander schadenfroh, der den Vampir ständig im Auge behielt, weil ihm die Worte von ihm nicht aus dem Kopf gingen, dass hier sein Chip eventuell nicht funktionierte.

„Du bist wirklich ein Idiot, Harris", erwiderte Spike. Dann schaute er zu dem kleinen Mädchen auf das Willow gezeigt hatte und wieder zurück zum Brunnen. „Irgendwie sind das alles Szenen aus Märchen. Das Mädchen mit den Schwefelhölzern. Die Schneekönigin und Frau Holle, tippe ich mal."

Xander fing plötzlich zu lachen an. „Wenn hier einer ein Trottel ist, dann wohl du. Märchen. So ein Schwachsinn." Er kicherte weiter, doch Buffy wandte sich Spike zu. „Wie kommst du auf diese Idee?"

„Willow hat es auch bemerkt. Du auch, irgendwie, als du die Zeitschleife erwähntest. Es ist zwar keine, trotzdem tauchen nur diese drei Bilder immer wieder auf. Jede Wette, wenn wir noch mal die Strasse entlang gehen, fährt die Schneekönigen mit ihrem Schlitten wieder vorbei. Machen wir einfach einen Versuch", verlangte Spike und lief auch schon los. Die anderen folgten ihm und tatsächlich, keine Minute später tauchte der Schlitten wieder auf.

„Und was machen wir jetzt?", wollte Xander wissen.

„Keine Ahnung. Vielleicht hat Giles etwas in der Bibliothek gefunden, das uns weiter helfen kann. Daher würde ich sagen, wir gehen hin und erzählen ihm, was wir herausgefunden haben", schlug Buffy vor.

„Guter Plan und ich komme nicht mit. Hab zu tun", erklärte Spike und bevor Buffy etwas einwenden konnte, ging er davon. Xander schaute ihm nach, dann wandte er sich an Buffy. „Besser, ich gehe ihm nach. Wer weiß, welchen Unsinn er sonst wieder anstellt."

„Ja pass nur gut auf, Xander ", meldete sich Dawn zu Wort. „Denn vielleicht besorgt er uns noch etwas zu essen und noch mehr Decken, dieser Schwerverbrecher."

Xander schaute Dawn kurz irritiert an, bemerkte ihren hochmütigen Blick und dass sie wütend mit dem Fuß in den Schnee klopfte. Daher sparte er sich eine Erwiderung und lief einfach Spike nach. Während er versuchte Spike einzuholen, dachte er an Dawns Worte und musste zugeben, dass sie Recht hatte. Und wenn er endlich ehrlich war und neutral betrachtete, was der Vampir in letzter Zeit alles für Buffy, Dawn und deren Freunde getan hat, war es eigentlich ungerecht, ihn nach wie vor ständig zu beschuldigen nur Böses im Sinn zu haben. Andererseits war da der Chip. Wer sagte, dass Spike nicht nur deshalb und aus puren Eigennutz so handelte, wie er es tat, weil er so zu Blut und auch ein bisschen Geld kam, das Buffy oder Giles ihm gab. Demgegenüber...

„Was schleichst du hinter mir her, Gipskopf? Sehnsucht nach mir gehabt?" Xander zuckte erschrocken zusammen. Er hatte Spike nicht bemerkt und jetzt stand er plötzlich neben ihm und grinste ihn an.

„Träum weiter, Spike. Ich pass nur auf, dass du nicht wieder Blödsinn machst", entgegnete Xander, gleich wieder in seine alte, feindliche Haltung verfallend.

Spike lachte trocken. „Glaubst du wirklich, ich wüsste nicht, wieso du mir hinterher rennst? Du willst Spaß haben und den hast du nicht, wenn du in den alten Büchern lesen musst. Mit mir aber schon. Vor allem hier, da du nicht mit Konsequenzen rechnen musst."

Xander verzog abfällig sein Gesicht und machte eine wegwerfende Handbewegung. „Du redest echt nur Unsinn. Ich hau wieder ab."

„Oder wir besorgen das Kleid, das deiner Ex - Dämonin so gut gefallen hat", entgegnete Spike lockend.

Kapitel 6 von silverbird

Als die Mädchen in die Bibliothek kamen, fanden sie Tara und Giles hinter einem gewaltigen Stoß Büchern.

„Bücher, lauter Bücher und...", seufzte Giles, als Buffy zum Tisch trat. „Liegt vermutlich daran, dass wir hier in einer Bibliothek sind. Aber ich bin trotzdem erstaunt, das ausgerechnet von Ihnen zu hören."

Giles warf seine Brille auf den Bücherhaufen und rieb sich den Nasenrücken. „Wenn du mich hättest ausreden lassen, hätte ich dir sagen können, dass es sich hier ausschließlich um Märchenbücher handelt und das,...das ist völlig absurd. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass alles in dieser Stadt völlig absurd ist. So gesehen ist es doch nicht so abwegig, dass hier nur Märchenbücher zu finden sind. Dennoch bleibt die Frage..."

„Märchen. Genau, Giles. Das haben wir auch herausgefunden und das ganz ohne Bücher", unterbrach Buffy ihren Wächter, genervt von seinen endlosen Ausführungen.

„Tatsächlich? Nun das ist...jetzt bleibt noch die Frage, um welche es sich handelt. Hier in diesen Büchern sind sehr viele. Ich wage zu behaupten alle nur bekannten Märchen, die..."

„Die Schneekönigin, Frau Holle und das Mädchen mit den Zündern", unterbrach Buffy Giles erneut.

„Nun es heißt eigentlich Schwefelhölzer, aber, wie... wieso weißt du das?"

Buffy zuckte mit den Schultern. „Spike hat die Märchen identifiziert, oder wie man das nennen soll. Jetzt wäre es halt gut, wenn wir wüssten, was uns das nützt."

„Das kann ich dir leider auch nicht sagen. Doch durch das neue Wissen, können wir jetzt gezielt suchen. Jeder von euch nimmt sich ein paar Bücher und sucht nach genau diesen drei Märchen. Achtet darauf, ob ihr irgendetwas findet, das nicht in diese Märchen passt", wies Giles an.

„Dazu müsste ich diese Märchen erst mal genau kennen", murmelte Buffy kaum hörbar und schlug seufzend das erste Buch auf.

~*~

„Bist du völlig übergeschnappt? Das kannst du doch nicht klauen. Wie sollen wir dieses ganze Zeug überhaupt wegschleppen? Und außerdem, ich dachte wir wollten nur das Kleid für Anya und höchstens ein paar warme Stiefel mitnehmen. Und du Irrer willst fast einen ganzen Hausrat mitgehen lassen! Glaubst du ernsthaft, du kannst dich so bei Buffy noch mehr einschleimen? Vergiss es. Sie wird dich immer nur als das sehen, was du bist. Ein egoistisches Monster."

„Und du wirst immer der Looser bleiben, der du bist und der nichts schnallt. Aber in einem hast du Recht. Ich bin böse, egoistisch und ein Monster, das dich irgendwann killen wird, das ist so sicher, wie wir hier in einer Märchenwelt stecken. Aber bis es soweit ist, mache ich mir das Leben so angenehm wie möglich. Das bedeutet auch, dass ich gewisse Dinge in meiner Gruft haben will. DAS und nur das ist der Grund, wieso ich mir hier hole, was nicht angenagelt ist. Weil das in unserer Welt viel schwieriger ist! Ich mache das also NUR für mich, kapiert? Und nicht wegen Buffy oder sonst irgendwen. Ihr seid höchstens kurzfristige Nutznießer, bis dieses verfluchte Spektakel vorbei ist. Und jetzt halt die Klappe, ich muss das Schloss knacken", verlangte Spike und fummelte mit dem Dietrich im Türschloss herum. Gleich drauf hörte man ein knackendes Geräusch und Spike schob die Tür auf. „Jepp, ich bin verdammt gut", grinste er, stand auf und schlich in den Raum. Nach einigem Zögern folgte Xander ihm nach und dachte dabei, ‚er kann ohne Aufforderung in Wohnungen rein, das ist nicht gut. Das ist gar nicht gut. Sicher funktioniert hier auch der Chip nicht. Ich muss es Buffy sagen. Der Blutsauger hat irgendetwas vor. Oder noch schlimmer, er ist doch Schuld, dass wir hier gelandet sind. Ich muss rauskriegen, was er im Schilde führt. Daher ist es besser, ich mache gute Miene zu seinem hinterlistigen Spiel.'

Kaum im Lager des Geschäftes führte Spike Xander weit nach hinten wo zwei Kisten und ein paar Säcke gestapelt waren. „Das kommt mit. Du nimmst die Säcke, ich die Kisten", wies Spike an und hob die Kisten hoch.

„Was ist da drin?", wollte Xander wissen und hievte sich die Säcke auf die Schultern.

„Verschiedener Kram und jetzt mach, wir sind noch nicht fertig", antwortete Spike und marschierte los.

Xander folgte dem Vampir zwar, aber er ließ nicht locker. „Entweder du sagst mir sofort, was da alles drin ist, oder ich schmeiß alles hin", drohte er.

„Verdammte Hölle, du blöder Trottel. Schau dich hier mal um. Was denkst du denn, was wir von hier mitnehmen? Das hier ist ein Lager für alles. Das war vor 200 Jahren so. Es gab Läden, wo man alles kriegte. Von Lebensmittel bis hin zu Kleidern, Schuhen und Geschirr. Genau das habe ich eingepackt und jetzt halt die Klappe und beweg dich", herrschte Spike Xander an.

Nachdem sie die halbe Strecke zur Gruft hinter sich gebracht hatten, schnaufte Xander unter der Last der Säcke und beschwerte sich auch dementsprechend.

„Als Hirn und Muskeln verteilt worden sind, hast du wohl bei keinem von beiden - „hier" - geschrieen. Gibt es überhaupt irgendetwas, das du kannst, Gipskopf?", fragte Spike sarkastisch.

Xander ließ die Säcke in den Schnee fallen und baute sich vor Spike auf. „Kann ich", knurrte er und schlug dem Vampir seine Faust auf die Nase.

Überrascht taumelte Spike zurück, bemüht die Kisten nicht fallen zu lassen, damit der kostbare Inhalt nicht kaputt ging. Schließlich wollte er, wenn dieser Albtraum vorbei war, den ganzen Krempel für gutes Geld verkaufen. In der Zeit, in der sie normaler Weise lebten, handelte man diese Dinge als Antiquitäten und wenn Spike die Stücke verkaufte, konnte er sich mehr leisten als nur einen Flachbildfernseher und einen DVD Player.

Daher stellte er die Kisten vorsichtig ab, nachdem er sich gefangen hatte und brüllte Xander an.

„Bist du irre? Das war dein Todesurteil. Jetzt bist du fällig." Spike nahm sein dämonisches Aussehen an, dachte sich, ‚Wenn ich ihn schon nicht beißen kann, dann soll er sich wenigstens in die Hosen machen vor Angst, wenigstens ein paar Sekunden.'  Dann ging er langsam auf Xander zu und sah mit Genugtuung, dass sich dessen Augen vor Schreck weiteten. Spike packte Xander an den Jackenaufschlägen, grinste diabolisch und entblößte seine Reißzähne. Plötzlich liess er Xander los, nahm wieder sein menschliches Aussehen an und trat einen Schritt zurück. „Nope, noch nicht. Dich hebe ich mir für eine besondere Gelegenheit auf", sagte er und griff wieder nach seinen Kisten, mit denen er davon ging.

Xander stand noch einige Minuten stocksteif da, dann murmelte er: „Er ist tot. Staub. Nein, ich brate ihn in der Sonne und schaue zu, wie er schreiend zerfällt. Ich schmeiße ihn in ein Becken mit Weihwasser. Nagle ihn an ein Kreuz. Trenne ihm mit der Flex seinen verfluchten Schädel von den Schultern. Ja, das alles mache ich mit ihm, sobald ich so stark wie Buffy bin. Oder ich sag der Jägerin, dass der Zahnlose nicht so zahnlos ist, wie er tut. Oder dieser Peroxyde Bastard macht mir was vor, und alle sind wütend auf den bösen Xander, weil Spike hat ja Dawn gerettet, also ist er ein Held. Und außerdem hat er ja den Chip und kann niemanden etwas tun. Bla, bla, bla...Ich muss gleich kotzen."  Xander nahm die Säcke wieder auf und stampfte Spike nach. „Von nun an bin ich dein Schatten, du seelenloses Monster. Ein falscher Schritt und ich hab dich am Arsch." Entschlossen lief Xander schneller, um Spike nicht aus den Augen zu verlieren.

Als sie das zweite Mal Waren in die Gruft schleppten, enthielt sich Xander jeden Kommentars, beobachtete aber jede Bewegung des Vampirs. Doch als Spike einen Ofen in einem der Häuser abmontierte und Xander das Ofenrohr in die Hand drückte, woraufhin der ganze Ruß über Xander rieselte, flippte er aus. Spike, der inzwischen lachend mit dem Ofen davon lief, wurde von einem wütenden Xander verfolgt, der das Ofenrohr wie eine Keule schwang und damit versuchte Spike zu treffen, während Xander Spike alle Schimpfnamen nachbrüllte, die ihm einfielen. Doch Spike war zu schnell und   wich Xander Attacken geschickt aus. Zudem sang der Vampir die ganze Zeit, „Wer hat Angst vor dem schwarzen Xandermann? Wer hat Angst vor dem schwarzen Xandermann? Niemand. Niemand."

Es wäre für Spike besser gewesen, nicht immer zurück zu schauen, dann wäre er nämlich nicht über den umgefallenen Grabstein gefallen und dann hätte ihm der rußgeschwärzte Racheengel das Ofenrohr nicht in den Bauch rammen können, bevor er den im Rohr verbliebenen Ruß auf den Vampir ausschüttete. Auch das anschließende Gerangel wäre dann wohl ausgeblieben. Aber auch das Lachen, das plötzlich beide überfiel, weil es einfach komisch war, wie sie aussahen, nass vom Schnee und Ruß verschmiert. Und letztendlich lagen sie neben einander im Schnee, Xander rang nach Luft und beide  beschimpften sich gegenseitig, ohne es wirklich ernst zu meinen.

Als sie nach einer Weile aufstanden und Ofen und Rohre zusammen sammelten, waren sie zwar keine Freunde, aber etwas zwischen ihnen hatte sich verändert. Von dieser Veränderung irritiert, trugen sie stumm die Teile in die Gruft. Sie arbeiteten wortlos, bauten sie den Ofen auf und heizten ihn ein. Spike war es dann, der das Wort ergriff. „Schon mal in einem Badehaus gewesen?", wollte er von Xander wissen und schaute ihn fragend an.

Xanders Gesichtsausdruck war ein Abbild des Entsetzens. „Wenn du mich in so ein Etablissement schleppen willst, wo alle nackt herumrennen, nein danke, ich verzichte. Da bleibe ich lieber schmutzig, oder reibe mich mit Schnee ab."

„Das was du meinst ist ein Badebordell. Auch nicht schlecht, aber nur wenn man auf Syphilis oder andere schöne Geschlechtskrankheiten steht. Ich kann ja nicht krank werden und bei dir wär's auch kein Verlust, wenn dir ein Körperteil wegfault. Aber ich dachte eher daran, sauber zu werden, statt noch dreckiger. Daher bin ich für eine kleine, aber feine Badestube. Zu deinem Glück habe ich bei meinen Erkundungsgängen eine entdeckt, die ich jetzt aufsuchen werde. Bleib dreckig oder komm mit, mir egal." Ohne eine Erwiderung von Xander abzuwarten lief Spike aus der Gruft und nach kurzem Überlegen folgte Xander ihm. Schließlich hatte er sich ja vorgenommen, den Blutsauger nicht aus den Augen zu lassen.

~*~

Giles und die Mädchen hatten die ganze Bibliothek nach Hinweisen durchsucht, aber alle drei Märchen hatten in jedem Buch den völlig identischen Text. Frustriert und hungrig hatten sie beschlossen erstmal zur Gruft zurück zu kehren, um etwas zu essen, bevor sie weitere Recherchen anstellen würden. Wobei sie nicht wußten, was sie noch recherchieren sollten.

Als sie sich Spikes Gruft näherten, bemerkten sie, dass feiner, weißer Rauch aus einem Oberlicht aufstieg. „Na toll. Jetzt brennt auch noch die einzige Behausung ab, die wir haben", rief Buffy und rannte los, um eventuell zu retten, was noch zu retten war. Die anderen folgten ihr eilig. Buffy stieß die Tür auf und blieb wie angewurzelt stehen, um fassungslos auf das Bild zu starren, das sich ihr bot. Noch bevor sie etwas sagen konnte, pflaumte Spike sie auch schon an. „Mach gefälligst die verdammte Tür zu. Meine Gruft soll warm werden und nicht der ganze, verfluchte Friedhof. Und da du schon stehst, kannst du auch gleich die Suppe umrühren."

Automatisch ging Buffy zu dem Bollerofen und rührte die Kartoffelsuppe um, dessen köstlicher Duft ihr in die Nase stieg. Spike grinste und Xander schüttelte nur ungläubig den Kopf über Buffys Verhalten.

Gerade als Buffy bewusst wurde, was sie da tat und etwas sagen wollte, kamen die anderen in die Gruft und blieben ebenso wie Buffy zuvor, erstaunt an der Tür stehen.

„Tür zu, verdammt. Wir haben keine Lust noch mehr Holz und Kohle anzuschleppen", sagte Xander und Spike stimmte zu. „Genau."

Alle Anwesenden schauten Xander an und erst jetzt fiel ihm auf, dass er gerade wie Spike geredet hatte. „Ich bin zu viel mit ihm zusammen", murmelte Xander geschockt.

„Nicht meine Schuld, dass du so anhänglich bist wie ein Welpe", konterte Spike grinsend. „Aber sogar ich muss zugeben, wir hatten Spaß."

„Spaß? Du und Spike? Was meint er damit, Xander?", wollte Anya alarmiert wissen und baute sich vor ihrem Freund auf.

„Ja, was meint er damit, Xander?", fragte nun auch Buffy.

Xander hob abwehrend die Hände. „Wir haben nichts Böses getan. Okay, wir sind in ein Lager eingebrochen. Nicht ich, Spike war das", stellte er schnell richtig. „Aber es stimmt, was Spike sagte. Hier merkt das keiner. Und wir haben es für euch getan", fügte er noch verteidigend hinzu.

„Ich nicht", warf Spike schnell ein, doch das schien niemanden zu interessieren, wie er seufzend bemerkte.

Anya hatte sich inzwischen auf Xanders Schoß gesetzt, strich ihm mit der Hand über die Brust und lächelte ihn verführerisch an. „Hast du auch an mein Kleid gedacht?" Xander grinste und nickte. Doch bevor er etwas sagen konnte, runzelte die Ex-Dämonin die Stirn. „Du riechst so gut und deine Haare sind gewaschen. Habt ihr auch eine Badewanne gestohlen?"

„Nein, Anya, so ein Ding haben wir nicht auch noch angeschleppt. Wir waren in einem Badehaus und..."

„Badehaus?" Anya sprang auf und keifte ihren Freund an. „Alexander Harris, wie konntest du es wagen? Ich weiß genau, wie es in diesen Badehäusern zugeht. Die Frauen dort tun mehr als sich nur zu waschen."

„Beruhige dich, Anya. Dort waren nur Männer, ehrlich und..."

Doch Anja war alles andere als beruhigt. „Was? Du treibst es jetzt mit Männern? Etwa mit Spike?"

„Du bist wohl nicht ganz dicht. So pervers bin nicht mal ich, um es mit dem zu treiben", wehrte Spike vehement ab und verzog angewidert sein Gesicht.

„Genau, alleine schon die Vorstellung.... Nein, ich will mir das lieber nicht vorstellen." Xander schüttelte sich und weigerte sich, den Gedanken weiterzudenken und um davon abzulenken, erläuterte er. „Sie haben dort solche Abtrennungen. Holzgestelle mit Stoff dran."

„Paravent nennt man das, du ungebildeter Idiot", grummelte Spike und Xander konterte. „Gib nicht so an, du weißt das doch auch nur, weil du aus dieser mittelalterlichen Zeit stammst."

Spike verdrehte die Augen. „Pfff. Mittelalter. Ich sag ja, er ist ein Trottel."

„In so einem Badehaus treffen sich also Männer und Frauen, oder nur Männer, um...oh", erkannte Dawn und ihre Wangen färbten sich.

„Okay, Leute, Themawechsel", verlangte Buffy schnell. „Der Dämon, die Dämonen, oder wie auch immer. Wir wissen jetzt, dass es etwas mit den drei Märchen zu tun hat."

„Wow, ihr wisst jetzt das, was ich euch schon vor Stunden gesagt habe. Was für Genies ihr doch seid."

„Halt die Klappe, Spike", entgegnete Buffy und schaute ihn böse an, doch er grinste nur. „Eine Frage noch. Nachdem ihr das nun endlich wisst. Was wollt ihr Intelligenzbestien jetzt dagegen unternehmen?"

                                                                                                                        

                                            

Kapitel 7 von silverbird

Nachdem auf Spikes Frage niemand eine Antwort wusste und der Duft aus dem Suppentopf einfach zu verführerisch war, wurde beschlossen, erst mal zu essen.

Kaum hatte Tara den Topf vom Ofen genommen, stellte Giles auch schon den Teekessel drauf und holte das Teesäckchen aus seiner Tasche, das er so sehr gehütet hatte, bevor er sich bedächtig einen Tee zubereitete.

Nach dem Essen ging Xander mit zwei Eimern hinaus um Schnee zu holen, den sie auf dem Ofen schmelzen konnten, um warmes Wasser zu haben. Es hatte inzwischen aufgehört zu schneien, aber es war nach wie vor bewölkt. Dawn bestand darauf einen Schneemann zu bauen und Willow sowie Tara waren sofort bereit, ihr dabei zu helfen. Giles Einwand, sie hätten Wichtigeres zu tun als im Schnee zu spielen, blockte Buffy ab. „Dawn ist noch ein Kind und außerdem, wann hat sie schon Gelegenheit in richtigem Schnee zu toben? Lassen wir ihr und auch den anderen das bisschen Spaß. Er wird bald ohnehin vorbei sein.“

„Dein Wort in des Teufels Gehörgang. Bisher habt ihr doch nicht mal eine Spur von Idee“, spottete Spike, doch bevor Buffy antworten konnte, schwang die Tür auf und eine strahlende Dawn, mit vor Kälte geröteten Wangen, forderte: „Komm doch auch raus, Buffy. Wir machen eine Schneeballschlacht. Das ist lustig“, rief sie und war auch schon wieder weg.

 

Buffy überlegte kurz, dann griff sie nach ihrem Umhang und lief hinaus. Wenig später hörten Giles und Spike, wie gut sich die Leute draußen amüsierten.

 

„Kinder“, murmelte Spike und der Wächter nickte seufzend. „Da stimme ich Ihnen ausnahmsweise zu. Wir sind hier in einer unbekannten Dämonenwelt gefangen und sie haben nichts Besseres zu tun, als sich mit Schneebällen zu bewerfen. Die Welt ist dem Untergang geweiht.“

„Jepp. Aber wenn wir schon untergehen, sollten wir es mit Stil tun.“ Spike hob die Whiskeyflasche, in der, wie Giles sofort bemerkte, ein besonders edler Tropfen war. „Nun, gegen eine Verfeinerung meines Tees ist wohl nichts einzuwenden“, bemerkte er und hielt Spike seine Tasse entgegen.

~*~

Zwei Stunden später stolperte die ganze Bande wieder in Spikes Gruft. Sie hatten Schneemänner gebaut, die Ebenbilder der Truppe darstellen sollten. Dawn war zwischendurch immer wieder in die Gruft gekommen, um alle möglichen Utensilien zu holen, damit sie ihre Schneemänner dementsprechend schmücken konnten und ihr fröhliches Lachen war von draußen bis zu Giles und Spike gedrungen.

„Kinder“, hatte Giles immer wieder seufzend gesagt und sich von Spike nachgießen lassen. So war er auch ziemlich angeheitert, als sich die Mädchen und Xander um den Steinsarg versammelten, der ihnen nun als Tisch diente. Spike hatte Tee gekocht und Kekse auf den provisorischen Tisch gestellt, aber natürlich behauptete er, Giles sei das gewesen. Der Wächter war inzwischen eingeschlafen und konnte daher nichts Gegenteiliges behaupten.

Jetzt saß Spike in seinem Sessel und beobachtete die schwatzende Gesellschaft. Und das erste Mal, seit er ein Vampir war, wünschte er sich, wieder ein Mensch zu sein, dort bei ihnen zu sitzen und dazu zu gehören. ‚Scheiß Whiskey. Dieses Zeug bringt einen dazu lauter Blödsinn zu denken’, dachte er und nahm einen besonders kräftigen Schluck.

Dawn hatte aufgehört zu plappern und war offensichtlich eingeschlafen und auch die anderen hatte das Toben im Schnee müde gemacht, denn die Gespräche waren inzwischen völlig verstummt. Buffy beschloss, dass sie alle ein paar Stunden schlafen sollten, bevor sie ihr Problem wieder in Angriff nahmen. Sie bat Spike ihr mit Dawn zu helfen und er stand auf, nahm den Krümel in seine Arme und trug sie nach unten. Auch die anderen Mädchen begaben sich zur Ruhe und Xander schlüpfte in seinen Schlafsack. Giles schnarchte inzwischen leise und Spike legte eine Decke über ihn. Dann schichtete er noch Kohlen in den Ofen, damit das Feuer nicht ausging. Anschließend begab er sich nach draußen, um noch eine Zigarette zu rauchen.

Er inhalierte tief und brummte. „Endlich Ruhe. Hoffentlich ist der verfluchte Zauber bald vorbei, damit dieser irre Haufen schließlich aus meiner Gruft verschwindet“, sagte er betont laut. Er redete sich ein, wenn er es laut aussprach, konnte er es eher glauben, dass er seine derzeitigen Mitbewohner loswerden wollte. Um sich weiter abzulenken, schlenderte Spike auf die Schneemann Gruppe zu und als er sie erreichte, konnte er sich das Lachen nicht verkneifen. Allen Schneemännern, beziehungsweise Schneefrauen, hatten sie Kohlen oder dunkle Kieselsteine für Augen und Mund eingesetzt und wie üblich, Karotten als Nasen. Wobei die Frauen kleinere Karotten bekommen hatten. Zwei der Schneefrauen hatten Besen in den derb geformten Armen. Ganz offensichtlich handelte es sich dabei um Willow und Tara. Xander hatte offenbar aus Draht einen Schlüssel geformt, der die Schneefrau Dawn zierte. Für Giles hatte der Handwerker eine Brille gemacht und die saß nun auf der Karottennase vom Schneewächter Giles. Unter Buffys Arm, wie konnte es anders sein, steckte ein großer Pflock, und Xander, der Schneemann, hielt in einer Hand einen Hammer und in der anderen steckte eine Kekspackung.

 ‚Das war sicher der Krümel’, dachte Spike grinsend. ‚Der Pausenclown denkt ja auch immer nur ans Futtern.’

Spike wandte sich der nächsten Figur zu. Anya. Sie trug eine dicke, eiserne Kette um ihren nicht vorhandenen Hals, die die Schneemannbauer offenbar irgendwo am Friedhof abmontiert hatten. Zudem zierte ein giftgrüner Umhang ihre gedrungene Figur, bei dessen Farbe Spike befürchtete, Augenkrebs zu bekommen, sollte er länger hingucken.

Als er sich letztendlich seinem Ebenbild zuwandte, wusste er nicht, ob er lachen, oder das Ding in den Boden stampfen sollte. Sie hatten dem Schneespike hellblaue Kieselsteine als Augen eingesetzt und er hatte auch die übliche Karottennase, sowie den Mund aus Kohlenstücken, allerdings sahen die zwei Karotten, die sie als Reißzähne in die Mundwinkel gesteckt hatten eher lächerlich aus, als zum Fürchten. Da änderte auch der schwarze Fetzen nichts, den sie ihm über die Schultern gelegt hatten.

„Ich muss etwas töten, sonst drehe ich durch“, grummelte Spike und stapfte los. Nach ein paar Schritten fiel ihm jedoch ein, dass er hier niemanden angreifen konnte und er fluchte wütend vor sich hin, während er den Schnee vor sich her kickte. „Genug mit der Gartenzaunidylle. Ich hab die Schnauze so was von voll. Ich bin ein verfluchter Meistervampir und so sollte ich mich auch benehmen. Ich brauche keine Freunde. Ich hasse Weihnachten. Ich will wieder zurück, dorthin wo ich war, bevor dieser ganze Mist angefangen hat. Oder noch besser, bevor sie mir dieses Mistding von Chip eingepflanzt haben. Dann richte ich ein schönes Blutbad an. Am Besten ich fange damit gleich in meiner Gruft an und dann gehört sie wieder mir. Jawohl!“ Spike seufzte, dann begab er sich wieder in die Gruft, trat ein und schloss die Tür hinter sich. Er schob den Riegel vor und kontrollierte, ob die Tür sicher verschlossen war. Denn schließlich war das hier seine Gruft, was gleichzeitig bedeutete, er trug die Verantwortung für seine Menschen.

~*~

 

„Beobachten? Was zur Hölle soll das bringen?“, fragte Spike, nachdem Giles das vorgeschlagen hatte.

„Nun“, erklärte der Wächter, „es geht primär darum, dass wir herausfinden, ob der Ablauf der Märchenfiguren hier immer der gleiche ist.“

Spike verdrehte die Augen. „Ja verdammt, ist er.“

Doch Giles blieb eisern. „Trotzdem sollten wir das noch einmal überprüfen.“

„Toll, wenn das alles ist, was Ihnen einfällt, sind wir noch am verfluchten St. Nimmerleinstag da“, brummte Spike, verließ jedoch die Gruft und marschierte los, Richtung Innenstadt. Die anderen folgten langsam, aber Buffy eilte an seine Seite. „Hast du auf deinen...Streifzügen nichts entdeckt, was uns weiterhelfen kann?“

„Nein, sonst hätte ich es dir doch gesagt. Denkst du, ich will hier versauern?“, gab Spike zurück.

Buffy seufzte verzagt. „Anya hat vermutlich Recht, auch wir werden das Rätsel nicht lösen können.“

„Blödsinn. Du kriegst das hin. Wie immer. Der komische Vogel, der dir im Raum erschienen ist, ist ein Dämon. Die verputzt du zum Frühstück. Locker“, entgegnete Spike und bog in die Hauptstrasse ein.

Buffy lächelte, sie hatte sehr wohl Spikes Versuch sie zu trösten bemerkt und seine Zuversicht die er ausstrahlte, gab ihr Kraft. „Danke Spike“, sagte sie leise und Spike zuckte mit den Schultern. „Vergiss es, ich will nur von hier weg.“

Sie erreichten das Mädchen mit den Schwefelhölzern und blieben vor ihr stehen, um sie zu beobachten. Plötzlich schaute die Kleine Buffy an. „Möchten Sie Schwefelhölzer kaufen? Sie kosten nur einen Schilling.“

„Du kannst mich sehen?“, fragte Buffy erstaunt und das Mädchen nickte. „Natürlich, Madame. Kaufen Sie mir bitte ein paar ab.“

„Sieh doch, wie sie friert, kauf die Dinger. Bitte“, verlangte Dawn voller Mitleid.

„Würde ich ja, aber ich hab kein Geld“, entgegnete Buffy traurig.

Spike griff in seine Tasche und drückte Buffy ein paar Münzen in die Hand. „Da, zahl dem Balg die Hölzer und dann weiter. Wir haben noch anderes zu tun“, brummte er.

„Spike!“, riefen die Mädchen im Chor, doch der verdrehte die Augen. „Was? Ich bin böse, schon vergessen?“

Buffy schüttelte nur den Kopf, dann wandte sie sich der Kleinen zu und gab ihr alle Münzen, die sie hatte. Das Mädchen überreichte Buffy die Hölzer, bedankte sich traurig und stand auf.

„Warte“, rief Dawn, nahm ihren Umhang ab und legte ihn der Kleinen um. Die guckte Dawn traurig an und warf einen Blick auf den Brunnen. Doch Dawn bemerkte das nicht, denn Buffy nahm ihre Schwester daraufhin liebevoll in den Arm und drückte sie kurz.

„Das war zu einfach“, brummte Spike, doch Xander schien anderer Meinung zu sein.

„Schwachsinn, wir haben herausgefunden, dass wir mit den Märchenfiguren reden können, wissen was ihr Problem ist, und lösen es. Du hast ja gesehen, bei dem Mädchen hat es geklappt.“

„Jedenfalls ist sie jetzt weg, also muss es geklappt haben. Gehen wir zur nächsten Märchenfigur“, verlangte Buffy bestimmt und schaute sich nach der Schneekönigin um, die auch eine Minute später mit dem Schlitten auftauchte.

„Es tut mir Leid, dass wir hier keine Zauberkräfte haben und dir nicht helfen können“, erklärte Willow geknickt.

„Mach dir darüber keine Sorgen. Ich glaube nicht, dass wir die Aufgaben mit Zauber lösen können.“

„Vermutlich nicht, aber was willst du wegen der Schneekönigin machen?“

„In dem Märchen geht es doch um den Jungen, der von der Schneekönigin entführt wird. Ich sorge einfach dafür, dass sie ihn nicht bekommt und fertig“, entgegnete Buffy und beobachtete gespannt die Strasse. Und wirklich, einen Minute später tauchten die Pferde mit dem Schlitten auf, den kleinen Jungen im Schlepptau. Buffy lief neben dem Schlitten her, sprang auf eine der hinteren Kufen und hielt sich mit einer Hand am Schlitten fest, während sie mit der anderen die Schnur des Schlittens von dem kleinen Jungen abriss. Dann sprang sie selbst wieder hinunter und nach einer eleganten Rolle landete sie wieder auf den Füßen. Sie lief zu dem Jungen, doch Spike war schneller gewesen und hatte ihn schon am Kragen gepackt. Er schüttelte ihn und knurrte drohend, während er sein dämonisches Gesicht aufblitzen liess. „Wenn ich dich noch einmal erwische, wie du dich an diesen Schlitten hängst, dann fresse ich dich. Klar?“

Der Junge nickte eingeschüchtert und als Spike ihn los liess, rannte er stolpernd davon.

„Spike! Was soll das?“, rief Buffy tadelnd und der Vampir drehte sich wütend zu ihr um. „Geh mir nicht auf die Nerven, Slayer. Antiautoritärer Kram zieht da nicht. Solche Jungs brauchen Klartext. Aber wenn du glaubst, dass du es besser kannst, lass ich dich das nächste Mal ran.“

„Es wird kein nächstes Mal geben. Ich habe die Aufgabe gelöst“, behauptete Buffy bestimmt, doch Spike schüttelte den Kopf. „Nein, hast du nicht.“

„Doch, hab ich“, entgegnete sie stur. „Auf zum Brunnen, dann sind wir in einer halben Stunde wieder zu Hause.

„Ja klar, träum weiter“, brummelte Spike, folgte aber Buffy und den anderen.

Am Brunnen angekommen sprach Buffy das Mädchen gleich an und fragte, was sie hier tue. Und auch sie reagierte, also konnte sie die Gruppe offensichtlich sehen und antwortete. „Ich will auch so viel Gold wie meine Schwester“, antwortete sie.

„Aha, das ist die Geldgierige, die bald mit Pech überschüttet wird“, bemerkte Xander.

„Jepp, und bald wird sie merken, ohne Fleiß kein Preis, also rein mit ihr“, bestimmte Spike, packte das Mädchen an den Hüften, hob sie hoch und ließ sie in den Brunnen fallen.

Buffy riss Spike zurück, doch es war schon zu spät. Das Mädchen war weg. „Bist du völlig verrückt geworden?“, fragte Buffy und knallte ihm gleich darauf eine.

Spike griff sich auf die Nase. „Au! Verflucht, was soll das, Slayer? Sie muss da runter und du auch, ist doch logisch.“

Buffy dachte einen Moment nach, dann stieg sie auf den Brunnenrand. „Dawn, du bleibst hier. Xander, bring sie bitte zurück zur Gruft. Spike, du kommst mit mir.“

„Vergiss es. Jetzt habe ich keine Lust mehr“, entgegnete Spike schmollend und hielt sich die Nase.

„Stell dich nicht so an. Ich habe doch gar nicht so fest zugeschlagen. Komm schon.“ Sie sprang in den Brunnen und nach einem theatralischen Seufzen, sprang Spike hinterher.

Willow und Tara schauten sich an, nickten sich zu und folgten den Beiden.

Während sie den Brunnen hinabfielen, verloren sie das Bewusstsein und als sie wieder erwachten, lagen sie, wie es in dem Märchen vorkam, auf einer Blumenwiese. Spike schrie auf, und riss sich den Mantel über den Kopf. Doch plötzlich stellte er fest, dass die Sonne ihn nicht verbrannte und so lässig wie er konnte, stand er auf. Auch die Mädchen erhoben sich und sahen sich suchend um. „Da sind wir nun und was machen wir jetzt?“, wollte Willow wissen.

 

 

 

Kapitel 8 von silverbird
Kaum hatte Willow die Worte ausgesprochen, drehte sich alles um sie herum und sie standen wieder am Brunnen. 

„Na großartig. Ich wusste es, verflucht“, schimpfte Spike und kramte seine Zigaretten aus der Tasche.

„Aber wieso?“ Buffy ließ hilflos die Schultern hängen und schaute sich um. Was sie sah, dämpfte ihre Stimmung noch mehr. Denn das Mädchen mit den Schwefelhölzern saß wieder an ihrer Ecke und gerade galoppierten die weißen Pferde mit der Schneekönigin vorbei.

„Wir sind wieder ganz am Anfang“, seufzte Willow, „und inzwischen glaube ich fast, es stimmt, was Anya gesagt hat, man kann die Rätsel des Sgnall nicht lösen.“

Buffy schaute noch immer dem Schlitten nach, dann drehte sie sich zu ihren Freunden um. „Nein. Ich habe Weltuntergänge verhindert und habe sogar eine Göttin besiegt. So ein Gnall kann mich nicht aufhalten.“

„Gut, dass die Jägerin durch Zuschlagen überlebt und nicht durch Dämonenkunde, denn sonst wären wir schon längst hinüber. Sgnall ist doch wirklich nicht so schwer zu merken“, maulte Spike leise, doch Tara hatte ihn gehört und kicherte hinter vorgehaltener Hand. Spike zwinkerte ihr zu, dann wandte er sich an Buffy. „Endlich hast du es geschnallt. „Killen. Umbringen. Abmurksen. Hinmachen. Ausrotten. Halsumdrehen. Genau das sollten wir tun. Also los, wo fangen wir an?“

Buffy atmete tief durch. „Okay, also was ist dieser Gnall, ein böser Dämon? Böse wollen Böses. Also wünscht er sich, dass etwas Böses passiert“, überlegte Buffy. „Glaube ich zumindest“, hing sie unsicher an.

„Fast richtig. Applaus für die Jägerin“, rief Spike emotionslos.

„Spar dir deinen Sarkasmus, Spike und tu nicht so, als ob du es besser wüsstest. Anya sagte...“

„Anya hat nur gesagt, was man über ihn sagt“, unterbrach Spike Buffy. „Nicht, was es für ein Dämon ist und mir ist inzwischen auch eingefallen, warum. Weil er für die Konkurrenz arbeitet“, erklärte Spike und warf seine aufgerauchte Zigarette in den Schnee.

„Willst du damit andeuten, dass D'Hoffryn nicht das einzige Rachegeschäft betreibt?“, fragte Willow erstaunt.

„Nicht so ganz. Man müsste eher sagen, es wird ihm ins Handwerk gepfuscht“, stellte Spike richtig.

„Wer ist es und woher weißt du das?“, wollte Buffy wissen.

„Die Ex von D'Hoffryn und ich hatten mal miteinander zu tun. Aber das ist eine lange Geschichte“, wiegelte Spike rasch ab. Es ging die Mädchen nichts an, was er mit Holly erlebt hatte. „Jedenfalls, soweit ich weiß, lagen sich D'Hoffryn und Holly immer in den Haaren. Manche sagen wegen der Methoden, die D'Hoffryn anwendete. Andere wieder sagen, D'Hoffryn sei erst nach der Trennung von Holly ins Rachegeschäft eingestiegen. Aber das alles ist so lange her, dass wahrscheinlich nur die Beiden noch wissen, wie es wirklich war. Jedenfalls macht jeder der Zwei seitdem sein eigenes Ding und die Sgnalls stehen unter Hollys Befehl.“

„Dann müssen wir im Grunde also diese Holly zufrieden stellen. Übrigens, ein ganz schön bescheuerter Name für einen Dämon“, stellte Buffy Kopf schüttelnd fest.

„...sagte die Jägerin mit dem Angst einflößenden Namen …Buffy“, murmelte Spike kaum hörbar und verdrehte die Augen.

„Also was sollen wir nun tun? Die Kinder retten?“, meldete sich Willow zu Wort.

Spike nickte. „Jepp, bis auf die Schneekönigin, die ist ein Dämon, die sollten wir kalt machen. Okay, sie ist schon kalt, also kälter? Am Kältesten? Egal. Wir killen sie einfach und fertig.“

„Gut, womit fangen wir an?“, fragte Buffy und beantwortete ihre Frage auch gleich selbst. „Mit dem Schwefelholzmädchen. Machen wir ihre Familie ausfindig und...“

„Nein. Alles falsch“, sagte Spike plötzlich, während er das Mädchen mit den Schwefelhölzern anstarrte.

Erstaunt schaute Buffy den Vampir an. „Nein? Was soll das jetzt heißen? Du gehst mir echt auf die Nerven mit deinem ewigen Hin und Her, Spike.“

„Leg mal eine neue Platte auf, die ist schon abgenutzt“, konterte Spike genervt. „Nein bedeutet, dass wir es völlig falsch angegangen sind. Der Sgnall sagte zu dir, erfülle mir meinen Wunsch, nicht Wünsche, oder?“

Buffy verdrehte die Augen. „Wunsch, Wünsche, wo ist da der Unterschied?“

„Das es nur um eine Person geht, das ist der Unterschied. Im Grunde geht es nur um das Mädchen mit den Schwefelhölzern. Sie müssen wir retten“, behauptete Spike überzeugt.

„Ach. Und das ist so, weil…?“

„Denk doch mal nach, Slayer. Die Kleine hat sich weder über das Geld noch über den Umhang gefreut, den Dawn ihr gegeben und den ich übrigens unter schwierigsten Umständen gestohl...organisiert habe, nur so nebenbei bemerkt. Nun, wie auch immer. Sie hätte vor Freude im Kreis springen müssen, hat sie aber nicht. Außerdem sieht sie jemanden ähnlich, den ich kenne, wie mir gerade aufgefallen ist.“

„Das stimmt“, warf Willow plötzlich ein. „Das Mädchen war traurig, so als hätte sie etwas anderes von uns erwartet.“

„Na toll, das bringt uns jetzt echt weiter“, brummte Buffy seufzend.

Doch Willow wandte sich an Spike. „Du sagtest, die Kleine erinnert dich an jemanden, den du kennst. Was genau meinst du damit?“

„Sie hat Ähnlichkeit mit...egal. Wenn ich richtig liege, dann weiß ich jetzt, wie wir den Zauber brechen können. Dazu muss erst mal die Schneekönigin weg. Solange sie da ist, kann die Kleine nicht zum Brunnen, jede Wette, da steckt D’Hoffrin irgendwie mit drin.  Allerdings glaube ich, dass nicht die Pechmarie in den Brunnen soll, sondern wir mit dem Zündholzmädchen. Was aber nicht geht, solange die Schneehexe den Weg blockiert.“

„Das klingt komplett irre, Spike“, erklärte Buffy Kopf schüttelnd. „Ich frage mich echt, was in deinem kranken Hirn vorgeht. Hast du schon einen Schneekoller, oder was?“

 

Spike stellte sich ganz dicht vor Buffy hin und knurrte wütend. „Ja, ich will hier weg, wie du auch. Und es ist ja nicht so, als hätte ich dir nicht schon oft geholfen. Also, wie wäre es, wenn du mir einfach glaubst, verdammt?“

Buffy schaute betreten zu Boden, dann blickte sie Spike wieder in die Augen und lächelte verlegen. „Wir drehen wohl alle langsam durch hier. Also, was schlägst du vor?“

„Entschuldigungsversuch angenommen“, brummte er immer noch wütend, doch so wie sie ihn anschaute, konnte er ihr einfach nicht böse sein und er seufzte theatralisch, bevor er erklärte. „Also wir machen Folgendes. Erst killen wir die Schneekönigin. Wenn wir die aus dem Weg geräumt haben, schnappen wir uns die Kleine und springen mit ihr in den Brunnen. Wenn es so ist, wie ich denke, das es ist, müssten wir dort weiterkommen und nicht gleich wieder am Brunnenrand landen.“

„Wir kommen zur Frau Holle?“, wollte Dawn wissen.

„Genau“, stimmte Spike zu.

„Cool. Vielleicht darf ich dann die Betten ausschütteln und es schneit in Sunnydale, wenn wir zurückkommen.“

„Klar, Krümel, genau deswegen machen wir den ganzen Scheiß, damit du die Betten machen darfst“, erwiderte Spike genervt, doch Dawn grinste ihn nur an.

„Diese Summers Frauen treiben mich noch vollkommen in den Wahnsinn“, murmelte er und stapfte über die Strasse. Dort beugte er sich über das Mädchen mit den Schwefelhölzern und hob sie ohne Umschweife hoch. Als er mit ihr auf den Armen die Strasse wieder überqueren wollte, brauste der Schlitten mit der Schneekönigin daher. Sofort änderte sich das Bild wieder und Spike stand bei den anderen am Brunnen, ohne das Mädchen. „Jepp, ich hatte verdammt Recht. Los, Slayer, killen wir sie.“

„Bist du überzeugt davon, dass die Königin ein Dämon ist?“ wollte Buffy unsicher wissen.

„Ja verflucht. Dreh ihr einfach den verdammten Kragen um. Ich halte die Pferde auf.“  Spike stellte sich an den Straßenrand und schaute gespannt in die Richtung, aus der der Schlitten kommen würde.

Buffy wies Dawn noch an, da zu bleiben und nicht in den Brunnen zu springen, woraufhin sie natürlich protestierte. Doch Buffy achtete nicht darauf, spannte ihre Muskeln an und machte sich bereit für Sprung auf den Schlitten. Und dann donnerten die Pferde auch schon heran. Spike lief in die Mitte der Strasse, packte die Zügel der Pferde und hielt sie mit aller Kraft zurück, sodass sie ihre Geschwindigkeit verringern mussten. Sofort sprang Buffy auf den Schlitten. Noch bevor die Schneekönigin reagieren konnte, hatte Buffy schon ihren pelzgeschmückten Kopf gepackt. Auf einen kräftigen Ruck folgte ein unheimliches Knacken und die Schneekönigin sackte auf dem Sitz zusammen. Zugleich verschwanden die Pferde, der Schlitten und der ganze Inhalt. Buffy und Spike fanden sich Schnee liegend wieder.

 

Beide rappelten sich auf und klopften den Schnee von ihrer Kleidung. Spike vergeudete keine Zeit, rannte auf das  Mädchen mit den Schwefelhölzern zu, hob sie auf die Arme und rannte zurück zum Brunnen. Buffy schubste die Pechmarie zur Seite und nachdem Spike im Brunnen verschwunden war, sprang sie ihm nach. Natürlich ließ sich Dawn nicht abhalten, den Beiden zu folgen und so blieb auch Tara und Willow nichts anderes übrig, als ebenfalls nach zu springen.

Sie fanden sich, wie das erste Mal, auf der Wiese wieder und als sie diesmal losmarschierten, wurden sie nicht wieder zurückgeschickt.

Das kleine Mädchen klammerte sich an Spike, blickte ihn aber dennoch ängstlich an. „Ich will nach Hause“, schniefte sie und versuchte ihre Tränen zurück zu halten.

Erst jetzt wurde sich Spike bewusst, dass er die Kleine ohne Erklärung aus der ihr bisher bekannten Welt gerissen hatte. „“Keine Angst, kleine Maus, bald bist du zu Hause. Dir wird nie mehr kalt sein und du wirst immer genug zu essen haben. Ich verspreche es.“

„Wirklich?“, die Kleine schaute Spike mit großen, fragenden Augen an, allerdings schien sie ihm nicht recht zu glauben.

 

„Ich schwöre. Bei meinem Chip“, entgegnete Spike ernsthaft.

 

Die Kleine runzelte die Stirn. „Was ist ein Chip?“

 

„Ein Ding, das dich am Leben lässt. Okay, Holly ist auch ein Grund. DER Grund, um genau zu sein. Wie auch immer. Halt dich fest, wir müssen uns beeilen. Die anderen sind uns schon ein Stück voraus.“ Spike hatte sich auf die Kleine konzentriert und war langsamer gegangen, daher hatte er nicht bemerkt, dass Buffy und die anderen schon einige hundert Meter weit weg waren. Das kleine Mädchen krallte ihre Händchen fest in Spikes Mantel und der lief grinsend los. Im Nu hatte er die anderen eingeholt und der Kleinen gefiel es ganz offensichtlich von Spike getragen zu werden, denn sie lächelte glücklich.

So folgten sie dem Pfad, der sie zu einem Baum führte, der wie erwartet rief. „Rüttle mich, schüttle mich. Meine Äpfel sind schon reif.“

Dawn lief zu dem Apfelbaum und begann an ihm zu rütteln. Ein paar Äpfel fielen auch herunter, aber nicht sehr viele.

Spike reichte das kleine Mädchen an Buffy weiter und ging dann zu Dawn hin. „Lass mich mal, Krümel“, verlangte er und trat zwei Mal kräftig gegen den Stamm. „Geht doch“, brummte er zufrieden, als die Äpfel wie Schnee vom Baum rieselten. „Einsammeln müssen wir sie nicht. Um weitergehen zu können, genügt es, wenn wir die Hauptarbeit machen“, erklärte Spike und Buffy fragte neugierig. „Wieso weißt du das?“

„Hat mir mal jemand erzählt“, entgegnete er ausweichend, nahm Buffy das Mädchen gar nicht erst wieder ab, sondern lief weiter, den Pfad entlang. Die kleine Gruppe erreichte den Brotofen und auch hier holte Spike rasch das Brot heraus, nachdem er dazu  aufgefordert worden war.

Fünf Minuten später standen sie vor dem Haus der Frau Holle, die am Balkon stand. Als sie Spike und die Mädchen sah, stieß sie einen freudigen Schrei aus und gleich darauf hörte man sie die Treppe herunterlaufen. Sekunden später wurde die Tür aufgestoßen und die kleine, dickliche Frau lief die paar Stufen hinunter, um das kleine Mädchen, das ihr entgegenlief, in die Arme zu schließen. „Meine kleine Holly. Endlich habe ich dich wieder“, hörte Spike Frau Holle flüstern und auch die Kleine schien plötzlich zu wissen, dass sie in den Armen ihrer Mutter lag, denn sie wisperte. „Mami, meine Mami.“

„Ich danke euch. Ich danke euch vielmals, dass ihr mir meine Tochter gebracht habt. Viele Jahrhunderte habe ich auf diesen Augenblick gewartet und viele Krieger haben versucht, mir diesen Wunsch zu erfüllen, aber erst euch ist es gelungen. Als Dank werde ich jedem von euch einen Herzenswunsch erfüllen. Aber erst kommt herein. Ich habe heiße Schokolade und Kuchen. Spike, mein Böser, führ deine Damen ins Wohnzimmer, du weißt ja Bescheid“, sagte sie an den Vampir gewandt, warf allen einen gerührten Blick zu und herzte noch einmal ihre Tochter, die fröhlich auf ihre Mutter einredete.

„Du kennst Frau Holle, oder auch Holly, wie wir jetzt wissen, wohl ziemlich gut. Spike, mein Böser“, sagte Buffy spottend und ging hinter dem Vampir her, der ins Wohnzimmer trampelte und dort aus einem Schrank Tassen und Teller nahm. „Vergiss es, von mir erfährst du nichts“, knurrte Spike die Jägerin an und verlangte gleich darauf. „Hinsetzen. Holly kann es nicht leiden, wenn man blöd in der Gegend herumsteht.“ Das Kichern der Mädchen ignorierend, stellte er die Tassen auf den Tisch und knallte die Teller daneben.

Kapitel 9 von silverbird

Zu Spikes Glück betrat Frau Holle den Raum und ersparte ihm weitere spöttische Bemerkungen. Erleichtert seufzte er auf. Holly ließ es sich nicht nehmen jedes der Mädchen fest zu umarmen, doch als sie auch Spike in seine Arme ziehen wollte, knurrte er sie an. „Wage es und ich bringe deine Kleine sofort wieder zurück. Klar?"

Frau Holle machte ein ernstes Gesicht, doch ihre Augen lachten. „Ach, würdest du?"

Spike nickte grimmig. „Worauf du deine grauen Locken verwetten kannst. Mein Ruf ist schon schlecht genug, seit ich diesen verfluchten Chip habe und der Jägerin helfe. Wobei mir zu Chip einfällt... da jeder sich was wünschen kann, wünsche ich mir gleich mal, dass du dieses Ding aus mir raus holst und wir sind quitt."

Frau Holle lachte nur, schüttelte den Kopf und setzte sich neben ihre Tochter an den Tisch, die den Platz neben Spike gewählt hatte und ihn immer wieder anlächelte, während Frau Holle zu ihm sagte: „Jeder, auch du Spike, wird genau das bekommen, was er sich von ganzem Herzen wüscht. Ganz so, wie ich es versprochen habe. Aber jetzt lasst uns ein bisschen feiern, dass ich meine Tochter wieder habe. Sagt einfach, was ihr haben wollt, und es wird auf eurem Teller sein."

Die Mädchen taten wie ihnen geheißen und sofort waren ihre Teller mit allem gefüllt, was sie sich wünschten. Spike wünschte sich natürlich eine riesen Tasse voll mit warmen Blut und auch sein Wunsch wurde erfüllt. Willow konnte ihre Neugierde nicht bezähmen und fragte Frau Holle nach der Hintergrundgeschichte von ihr und ihrer Tochter, und Holly erzählte.

Es war die Rache von D'Hoffrin gewesen. Er hatte diesen Fluch ausgesprochen, weil Frau Holle ihn verlassen hatte. Seine Grausamkeit hatte nicht einmal vor seiner eigenen Tochter halt gemacht und er hatte auch in all den Jahren nie verstanden, dass es genau diese Grausamkeit gewesen war, wieso Frau Holle sich von ihm getrennt hatte und so hatte er ihre gemeinsame Tochter in das Mädchen mit den Schwefelhölzern verwandelt.

Mit Hilfe der Schneekönigin, einer alten Feindin Frau Holles, gelang es D'Hoffrin, die kleine Holly von dem Brunnen fern zu halten, sodass sie nicht zu ihrer Mutter gelangen konnte. Doch nun war der Albtraum vorbei. In Frau Holles Welt würde ihre Tochter schnell wachsen und bald wieder die junge Frau sein, die sie vor dem Fluch war.

Etwas später durfte Dawn natürlich das Federbett ausschütteln und auch Buffy sowie Tara und Willow konnten sich nicht zurückhalten es auf der Erde scheinen zu lassen.

Spike verkniff sich jede spottende Bemerkung und Frau Holle lächelte darüber, denn sie wusste genau, warum. Doch sie ließ ihm seine Würde, denn schließlich hatte er geholfen,  ihre Tochter zu retten.

Nach einer Weile jedoch bat Buffy, wieder nach Hause gehen zu dürfen. Beziehungsweise zu Spikes Gruft zurückzukehren. Denn Giles und Xander würden sich sicher schon Sorgen machen.

Und so fanden sich alle plötzlich in Buffys Wohnzimmer wieder. Ein herrlich geschmückter Baum stand mitten im Zimmer und in der Küche duftete ein Weihnachtsessen. Der Tisch war festlich geschmückt und unter dem Baum häuften sich Pakete. Durch die Fenster sahen sie, dass es schneite. Selbst diesen Wunsch hatte Frau Holle ihnen erfüllt und es in dem sonst warmen, sonnigen Sunnydale schneien lassen.

Alle trugen neue, festliche Kleidung und selbst Spike hatte einen nagelneuen schwarzen Mantel an. Grinsend strich er über das teure, dicke Leder und schaute sich um. Seine Mitstreiter standen um den Baum herum und stießen bewundernde Laute aus. Keiner von ihnen beachtete ihn. ‚Wie gehabt', dachte Spike frustriert. ‚Der Vampir hat seine Schuldigkeit getan, der Vampir kann gehen.'  Und das tat er dann auch. Ohne dass jemand seinen Abgang bemerkte, verließ er das Haus durch die Küchentür. Er schlenderte er durch die Strassen, um sich ein Opfer zu suchen. Er war sicher, Holly hatte seinen Wunsch erfüllt und den Chip entfernt, sodass er sich endlich wieder ernähren konnte, wie es sich für einen anständigen Vampir gehörte.

Eine junge Frau mit Paketen beladen kam ihm entgegen und er grinste, bevor er ihr nachschlich. Als ein paar Minuten später der fürchterliche Schmerz in seinem Kopf aufhörte, brüllte er: „Holly, du verfluchtes, hinterhältiges Miststück. Ich drehe dir deinen verdammten hässlichen Hals um. DAS ist alles, was ich mir noch wünsche!" Wütend und Frau Holle mit allen Schimpfwörtern betitelnd, die ihm einfielen, lief er über den Friedhof.

„Bei meinem Glück ist sicher alles weg, was ich aus der anderen, verfluchten Welt angeschleppt habe. Ich hasse mein verdammtes Unleben und...oh." Spike hatte seine Gruft erreicht und die Tür geöffnet. Der Ofen verbreitete mollige Wärme in seiner Gruft und nicht ein Stück von den Dingen fehlte, die Spike organisiert hatte. Im Gegenteil. Er besaß nun auch noch einen neuen Kühlschrank und eine Mikrowelle, sowie einen neuen Fernseher und einen DVD - Player.  „Okay, damit kann ich vorläufig leben und irgendwann werde ich auch den verdammten Chip los.", brummte Spike, der die Gabe hatte, immer das Beste aus einer Situation zu machen.

Er schloss die Tür hinter sich und holte sich eine Flasche Whiskey, bevor er sich in seinen Stuhl setzte. Dann schaltete er den Fernseher ein. Doch trotz der Geräuschkulisse, die aus dem TV Gerät kam, war es nicht das, was er hören wollte. Auch wenn er es in 1000 Jahren nie zugeben würde, er vermisste das Geschnatter der  Mädchen, das aus seinem Schlafzimmer nach oben gedrungen war. Er hätte gerne seinen Whiskey noch einmal mit Giles geteilt und sogar der Welpe fehlte ihm, was Spike besonders bedenklich fand. Doch am meisten vermisste er seine Jägerin, die nie die SEINE sein und für ewig unerreichbar für ihn sein würde. Daher würde er ab morgen wieder das tun, was er schon seit einiger Zeit tat. Ihr bei der Dämonenjagd zu helfen, um sich wenigstens in ihrer Nähe aufhalten zu können. All diese Gedanken schossen Spike durch den Kopf und zeigten ihm, wie erbärmlich sein Leben inzwischen geworden war. Also hatte er jedes Recht die Flasche an seinen Mund zu setzen und sie gleich mal zur Hälfte auszutrinken.

~*~

 Buffy drehte sich strahlend zu ihren Freunden um. „Der Baum und das alles. Traumhaft! Und wir haben keinen Finger dafür rühren müssen. Okay, wir mussten ein Rätsel lösen, das uns fast in den Wahnsinn getrieben hat. Ich habe der Schneekönigin den Hals umgedreht und wir sind in einen Brunnen gesprungen, ohne zu wissen, was uns erwartet und sind bei Frau Holle gelandet. Wenn ich sage, das war das Verrückteste, was wir je erlebt haben, ist das noch untertrieben. Aber trotzdem hatten wir eine Menge Spaß. Und in deiner Gruft war es sehr...gemütlich, vor allem nachdem du...Spike?" Erst jetzt fiel Buffy auf, dass der Vampir gar nicht da war. „Wo ist er hin?"

Auch die anderen schauten sich suchend um, doch von Spike gab es keine Spur. Xander zuckte die Schultern. „Der Blutsauger hat wahrscheinlich gemerkt, dass er unerwünscht ist. Seid ehrlich Leute, wer will schon einen Untoten an Weihnachten am Tisch sitzen haben?"

„Ich zum Beispiel", widersprach Dawn und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Und ich auch", meldete sich Willow zu Wort und verschränkte ihre Arme ebenfalls. Tara schloss sich an, nickte zustimmend, stellte sich neben Dawn und Willow und schaute Xander genauso ungehalten an wie die zwei anderen Mädchen.

Auch Anya baute sich vor ihrem Freund auf und schimpfte. „Alexander Harris. Du bist so ein Heuchler. Gib es doch endlich zu, du hattest mit Spike genauso deinen Spaß und das nicht nur im Badehaus. Außerdem hat Spike uns in dieser Märchendimension das Leben so angenehm wie möglich gemacht. Auch dir, mein Lieber." Sie bohrte ihren Finger in seine Brust und ihm entwisch ein schmerzhaftes „Aua. Das tut weh, An. Du..."

„Sei still. Du hast es verdient und wenn ich noch ein Rachedämon wäre, würde ich noch etwas ganz anderes mit dir machen. Und wenn du nicht zugibst, dass du Spaß mit Spike hattest, dann rufe ich Halfrek und....."

„Buffy, sag doch auch mal was", rief Xander und schaute Hilfe suchend zur Jägerin. Doch die hatte sich bei den anderen eingereiht und blickte Xander genauso ungehalten an. „Anya und die anderen haben völlig Recht. Spike ist schon lange nicht mehr das, was er einmal war. Er hilft uns, wo er kann und auch jedem von uns. Sicher, er nervt manchmal und klopft blöde Sprüche. Aber hast du dir schon einmal überlegt, warum er das tut? So wie wir ihn behandeln, ist es kein Wunder. Da sollten wir uns eher wundern, wieso er immer noch an unserer Seite kämpft. Ich mag ihn inzwischen und zwar sehr." ‚Mehr als ich bisher zugeben wollte', dachte Buffy und lächelte, bevor sie weiter sprach. „Meiner Meinung nach sollten wir ihm endlich den Status geben, der ihm gebührt, den eines Freundes."

„Genau", pflichteten ihr die anderen Mädchen bei, als sich Giles zu Wort meldete. Buffy verdrehte schon mal vorsorglich die Augen, da sie sich denken konnte, was jetzt kommen würde, doch zu ihrem Erstaunen sagte ihr Wächter. „Nun, es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Spike seine Qualitäten hat. Natürlich ist der Chip der Auslöser für seine Verhaltensveränderung gewesen. Jedoch sollte man nicht außer Acht lassen, dass er nicht notwendiger Weise dazu verpflichtet gewesen wäre..."

„Giles!", riefen die Mädchen im Chor und er seufzte, nahm die Brille ab und begann sie zu putzen. „Nun, ich schließe mich der Meinung Buffys an", erklärte er nun endlich knapp und Xander gab sich geschlagen. „Ist ja schon gut. Ihr habt ja Recht und ich gebe es zu. Er ist gar nicht so übel." Zu mehr konnte sich Xander nicht durchringen, aber das schien zu genügen, denn alle nickten ihm wohlwollend zu. Dann erklärte Buffy, was sie wegen Spike unternehmen würden.

~*~

Spike zappte durch die Kanäle seines neuen Fernsehers und fluchte bei jedem Sender über die Weihnachtsgeschichten, die gezeigt wurden. „Was für ein verfluchter Mist. Ich hasse dieses elendige falsche Getue. Das ganze Jahr gehen sie sich an die Kehle, aber den einen verdammten Tag machen sie auf „ich lieeeebe euch alle." Was für ein verlogenes Pack. Gut, dass ich mit so einem schwachsinnigen Müll nichts am Hut habe.

Das fehlte mir noch. Eierpunsch trinken und blöde Lieder mit der Jägerin singen. Da stürze ich mich lieber in einen Pflock, oder fackel mich selbst ab."

Die Tür flog auf und verhinderte, dass Spike noch weiter lamentieren konnte. Allerdings hätte es ihm ohnehin die Sprache verschlagen, bei dem Bild, das sich ihm bot. Denn Xander trug einen kleinen, hübsch geschmückten Weihnachtsbaum herein. Buffy und die anderen Mädels hatten diverse Tupperdosen in den Händen, sowie einige Päckchen. Giles trat als letztes ein, zwei Flaschen edlen Scotch in der Hand.

„Fröhliche Weihnachten", riefen alle im Chor und grinsten den fassungslosen Vampir an. Noch bevor er fähig war in irgendeiner Weise zu reagieren, begannen die Mädchen schon das von Spike organisierte Geschirr zu holen und den Sargdeckeltisch einzudecken. Xander stellte den Baum auf einen freien Platz in der Gruft und Giles stellte die Flaschen auf den Tisch, während die Mädchen schon die Köstlichkeiten aus den Dosen auf Servierplatten verteilten und sich dabei fröhlich unterhielten.

„Was, verfluchte Hölle ist hier los?", brüllte Spike plötzlich, völlig überfordert und die Unterhaltungen verstummten augenblicklich. Buffy begab sich zu Spike, stemmte die Arme in die Hüften und erwiderte. „Hast du ernsthaft gedacht, du kannst ohne deine Freunde Weihnachten feiern?"

Stirnrunzelnd starrte Spike zurück. „Freunde? Seit wann seid ihr meine Freunde?"

„Eigentlich schon länger, aber richtig bemerkt haben wir es erst heute. Also leb damit. Jetzt komm, das Essen wird kalt", verlangte Buffy und zerrte Spike zum Tisch, wo die anderen schon warteten und ihn angrinsten. Spike wusste nicht, wie er mit der Situation umgehen sollte, und beschloss daher, sich erst mal zu fügen. Er würde später darüber nachdenken, was dahinter steckte. Jetzt wollte er es einfach genießen, nicht alleine zu sein. Außerdem müsste er verrückt sein, ein ausgezeichnetes Essen und einen Scotch auszuschlagen, der älter war, als er selbst.

Spike und seine Freunde feierten die ganze Nacht und diskutierten darüber, was sie sich wünschen könnten. Doch das wollte genau überlegt werden und daher wurde beschlossen, sie sich Zeit damit zu lassen, diesen besonderen Wunsch auszusprechen.

Müde und angeheitert von Eierpunsch und Scotch schlug Buffy vor, gleich bei Spike zu übernachten. Spikes lautstarken Protest, das sei schließlich seine Wohngruft und kein Hotel und außerdem hätte er alle Decken und Kissen weggeworfen, wurde dementiert, da Dawn schon längst das Schlafzimmer überprüft hatte und ihn lachend als Lügner hinstellte. Also gab er sich, wenn auch grummelnd, geschlagen.

Aber zumindest Giles wollte in seinem eigenen Bett schlafen und verabschiedete sich.

Zu Spikes Erleichterung bestand Anya darauf Sex zu haben und das brachte Xander dazu die Gruft fluchtartig, Anya hinter sich her zerrend, zu verlassen.

Als die Mädchen endlich im Bett waren, ging Spike hinaus, um noch eine Zigarette zu rauchen. Er lehnte sich an einen Grabstein und tat einen tiefen Zug. „Okay Holly, du mieser, alter Drachen. Ist das dein Dank dafür, dass ich deine Tochter gerettet habe? Ich wünsche dir die Pest an den Hals und ich schwöre, irgendwie schaffe ich es und mache dir das Leben zur Hölle." Spike wusste natürlich, dass er keine Antwort erhalten würde, dennoch schimpfte er weiter. „Ich mach dich fertig und wenn es das letzte ist, was ich tue. Du hast mir versprochen den Chip zu entfernen und was habe ich gekriegt? Eine Traumwelt für eine, verfluchte Nacht."

„Spike, mein Lieber. Ich HABE dir deinen Wunsch erfüllt. Genau das, was du dir am meisten gewünscht hast, hast du bekommen. Und es ist kein Traum für eine Nacht. Es ist echt", sagte Frau Holle plötzlich.

Spike schaute sich suchend um und hörte Holly lachen. „Wir treffen uns ein anderes Mal persönlich. Dann kannst du dich auch für den alten Drachen entschuldigen", sagte sie besonders liebenswürdig.

Spike wusste, wenn Holly diesen Ton anschlug, wurde es gefährlich. Aber er war zu sauer, um sich darum zu kümmern und brüllte. „Glaubst du wirklich, dass ich Freunde haben will, die du manipuliert hast, sodass sie glauben, ich gehöre zu ihrem Verein? Hältst du mich für völlig bescheuert?"

Spike wurde plötzlich von einer unsichtbaren Hand gepackt und flog ein paar Meter durch die Luft, bevor er auf einem Grabstein landete. Er erhob sich fluchend und hielt sich die Seite. „Du hast mir meine verdammten Rippen gebrochen, verfluchte Hexe."

„Ich werde dir noch etwas ganz anderes brechen, wenn du dich nicht endlich benimmst. Und jetzt hör mir genau zu. Ich habe deine Freunde nicht manipuliert. Ich habe ihnen nur klar gemacht, was sie im Grunde ohnehin schon wussten, es aber nur nicht zugeben wollten. Okay, dieser Xander hat noch gewisse Vorbehalte. Lass ihm einfach noch ein bisschen Zeit und es wird schon."

„Als ob ich mit diesem Gipskopf befreundet sein will", murmelte Spike grantig.

„Doch, das tust du und jetzt geh und genieße, was du hast, sonst werde ich wirklich böse", erwiderte Frau Holle und Spike fühlte ein leichtes Streicheln an seinen Rippen.

Gleich darauf war der Schmerz weg und er brummte erleichtert, doch seine Gedanken rotierten. Konnte es tatsächlich wahr sein, dass die Scoobies ihn mochten, wirklich mochten? Und vor allem Buffy? Es war kaum zu glauben. Aber eines was sicher. Holly hatte ihn nie angelogen.

Ein völlig neues Gefühl machte sich in Spikes Brust breit und es fühlte sich verdammt gut an. Er hatte niemals wirklich Freunde gehabt und wenn es so war, wie Holly sagte, konnte er auch darüber hinwegsehen, den Chip noch zu haben. Vorläufig zumindest. Spike beschloss, Hollys Rat anzunehmen und ihr Geschenk einfach zu genießen. Mit diesem Gedanken lief zur Gruft zurück. Als er die Tür öffnete, stand Buffy an der Schwelle. Spike hob fragend seine Augenbrauen, als sie plötzlich lächelte und nach oben schaute. Spike folgte ihrem Blick und bemerkte den Mistelzweig, der über der Tür hing. Noch bevor er ein dreckiges Grinsen aufsetzen konnte, hatte Buffy sich auf die Zehenspitzen gestellt und ihre Lippen auf seinen Mund gepresst. „Frohe Weihnachten", wisperte sie und küsste den verdutzten Vampir erneut.

Ende!

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