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Burning Desire von silverbird
Inhalt:

Der Brandermittler William Pratt und der putative Versicherungsagent Angel Galway treffen aufeinander, um gemeinsam dubiose Brandursachen zu untersuchen.


Fandom(s): Buffy the Vampire Slayer / Angel the Series Pairing(s): Spike/Angel
Story-Genre: Abenteuer, Allgemeine Story, Alternatives Universum
Lšnge der Story: Mehrteiler
Story-Typ: Slash - M/M
Warnungen: Keine
Challenges:
Serie: Keine
Kapitel: 10 Story vollendet: Ja Anzahl der Wörter: 22432 Wörter Gelesen: 9402 Mal Datum der Veröffentlichung: 28.11.11 Letztes Update: 24.12.11
Kommentar:

Vielen Dank an SilentThunder für die Betaarbeit und das Storypic.

Ach diesmal gilt wieder, kursiv stellen die Gedanken der Charas dar.

 

1. Kapitel von silverbird

2. Kapitel 2 von silverbird

3. Kapitel 3 von silverbird

4. Kapitel 4 von silverbird

5. Kapitel 5 von silverbird

6. Kapitel 6 von silverbird

7. Kapitel 7 von silverbird

8. Kapitel 8 von silverbird

9. Kapitel 9 von silverbird

10. Kapitel 10 von silverbird

Kapitel von silverbird
       Die Stahlträger ragten wie mahnende Finger in den Himmel. Viel war nicht mehr von der Kleiderfabrik zu erkennen, die hier gestanden hatte. An manchen Stellen stieg noch feiner Rauch auf, aber der Feuerwehrhauptmann hatte bereits „Brand aus" gegeben. Das Feuer war völlig gelöscht, das wusste der Feuerwehrmann aus seiner langjährigen Berufserfahrung. Es waren auch seine Erfahrungswerte gewesen, die ihn veranlasst hatten, die Brandermittlung zu verständigen.

„Ich hoffe für dich, das dein Verdacht stimmt, Harris, ich hatte ein verdammt gutes Blatt in der Hand und es waren 780 Mäuse im Pott, als mein Boss anrief." Einigermaßen genervt sah der blonde Mann auf die noch kokelnden Überreste der Fabrik. Gerade heute schien ihm das Glück beim Pokern hold und er war alles andere als glücklich darüber, ausgerechnet nun einen neuen Fall übernehmen zu müssen.

„Hallo, Spike, freut mich auch nicht, dich zu sehen. Das nächste Mal werde ich Giles bitten, mir deinen Anblick zu ersparen und mir jemand anderen zu schicken", entgegnete Harris schnaubend und warf dem Brandermittler einen Schutzhelm zu.

„Für dich immer noch Mr. Pratt, wenn ich bitten dürfte. Und du hast den besten Fire Marshall angefordert, den die BFI hat. Wie wir alle wissen, bin das nun mal ich. Du weißt das natürlich, und hast diese Hütte vermutlich selbst angezündet, nur damit du mich sehen kannst. Ich weiß ja, du bist verrückt nach mir, aber ich sag's dir zum tausendsten Mal, Harris, du bist nicht mein Typ." Er warf seinem Gegenüber einen hinterlistigen Blick zu, wackelte anzüglich mit den Augenbrauen und grinste dann fies.

„Halt dein schändliches Maul und mach deine Arbeit, Spike, so wie ich es tue. Und zu deiner Information, ich habe eine Freundin!"

Abrupt blieb Spike stehen, legte seine Hand theatralisch auf die Brust und schaute den Feuerwehrmann entsetzt an. „Was? Du wirst mir untreu? Alexander Harris, du brichst mir das Herz."

Xander schaute sich erschrocken um. „Bist du völlig irre, Mann? Wenn dein blödes Geschwafel einer hört, denkt er sich, ich wäre schwul. Also hör endlich auf mit dem Scheiß und mach deine Arbeit."

Spike betrachtete Xander mit gerunzelter Stirn:„Ich bin sicher, du warst in deinem früheren Leben eine Gießkanne."

Xander verstand gar nichts mehr. „Wie kommst du denn auf diesen Blödsinn?"

„Ganz einfach, du redest nur Blech und bist zum Heulen!"

„Spike, du bist ein Idiot und wenn du mich noch lange mit deinen blöden Sprüchen nervst, dreh ich dir den Hals um."

„Das schaffst du nicht mal in deinem nächsten Leben! Und nachdem wir das geklärt haben, sag mir, warum du glaubst, dass es sich um Brandstiftung handelt. Auf mich wartet eine Kartenrunde und ich will nicht mehr Zeit verplempern als notwendig."

Xander beschloss, sich wieder ganz auf seine Aufgabe zu konzentrieren und Spikes blöde Bemerkungen einfach zu vergessen, auch wenn ihm das wirklich schwer fiel. „Gleich als wir hier ankamen, ist mir der Ethanol-Geruch aufgefallen, daher dachte ich..."

Xander wurde von Spike unterbrochen. „Das hier ist eine Kleiderfabrik, ergo verwenden sie sicher Spiritus, um Flecken oder Klebstoffreste zu entfernen. Putzspiritus ist das billigste Fleckenmittel, daher ist es gut möglich, dass sie das hier Eimerweise auf Lager haben. Aber da ich schon mal hier bin." Spike seufzte Gottergeben, dann zog er seinen Mantel aus. „Lauf nicht weg, ich muss nur schnell das gute Stück in Sicherheit bringen", erklärte Spike und lief zurück zu seinem Wagen.

„Ich möchte echt wissen, warum er so einen Kult um den alten Fetzen macht?", murmelte Xander, während er dem verhassten Mann hinterher schaute, der den Mantel sorgfältig in sein Auto legte, seinen Arbeitskoffer schnappte und, während er zurück schlenderte, den Schutzhelm aufsetzte.

Während Spike Xander in das zerstörte Gebäude folgte, schaute er sich aufmerksam um. Der Löschschaum bedeckte den Boden Knöchel hoch und Spike war wieder einmal froh, Boots zu tragen. Als Fire Marshall, hatte er nur bedingt mit der normalen Feuerwehr zu tun, deswegen hatte er die Wahl, Zivilkleidung oder die Ausgehuniform der Feuerwehr zu tragen. Aber er hatte es nicht so mit Uniformen, daher trug er sie nur, wenn es nicht anders ging.

Seine Kollegen behaupteten allerdings, sein Outfit sei auch eine Art Uniform, da Spike ständig in schwarzen Jeans, schwarzen Shirt und seinem obligatorischen schwarzen Ledermantel herumlief.

Trotz des Brandgeruches bemerkte Spike den feinen Geruch von Spiritus und war fair genug, das Xander gegenüber auch zuzugeben. „Deine Hundenase hat dich nicht getäuscht, Welpe. Dann werde ich mal meine Arbeit machen."

Der Brandmeister nickte zufrieden und auch wenn er sich über den Spitznamen ärgerte, den Spike ihm gegeben hatte, sagte er nichts dazu. Sie hatten fast sechs Stunden gebraucht den Brand zu löschen und Xander war einfach zu müde, um sich weiter mit ihm zu streiten. Alles was er heute noch wollte, war eine schöne heiße Dusche und ab ins Bett. „Okay, dann hau ich jetzt ab, meinen Bericht bekommst du morgen."

Xander verschwand und Spike machte sich an die Arbeit. Mehr als drei Stunden dauerte es, bis Spike alles fotografiert, diverse Proben entnommen, sie in Tüten verpackt und beschriftet hatte.

Da es sich erst mal nur um den Verdacht der Brandstiftung gehandelt hatte, hatte Giles Spike alleine losgeschickt und er fluchte deswegen. Nicht, weil er alleine arbeiten musste, sondern weil er gerne im Team arbeitete. Zum einen, weil es dann oft bei der Fachsimpelei mit den Kollegen zu interessanten Ergebnissen kam, zum anderen, weil er gerne Gesellschaft hatte. Deswegen hielt er sich auch oft länger im Büro auf als nötig, denn Zuhause wartete niemand mehr auf ihn.

Doch Spike wollte sich nicht eingestehen, wie einsam er war und auch nicht, dass ihm der Mut fehlte, das zu ändern. Um diese Gefühle zu verdrängen, ging er nach seinem Dienst meistens in eine Kneipe, die in der Straße lag, in der er auch seine Wohnung hatte und die einem zwielichtigen Typen Namens John gehörte. Doch zwielichtig oder nicht... Spike mochte das Bier und der irische Whisky nicht nur Spitzenqualität, sondern auch bezahlbar. Spike beschloss daher auch heute, wieder in die Kneipe zu gehen. „Duschen wäre gut", murmelte er. „Der Dreck klebt wirklich überall und ich stinke wie ein verfluchtet Iltis. Ach was, scheiß drauf, in Johns Kneipe fällt das keinem auf."

Er steckte die Glasröhrchen mit den entnommenen Proben in den dafür vorgesehenen Behälter und packte die restlichen Utensilien in den Koffer. Die Kanister, die er gefunden hatte, packte er ebenfalls in eine große Beweismitteltüte. Als er die Ruine verließ, sah er, wie ein Mann, der modisch verwegen gekleidet war, auf Xander einredete und dabei wild mit den Händen gestikulierte.

Xander war sichtlich entnervt und kurz vor dem Durchdrehen, das war unverkennbar. Spike grinste schadenfroh vor sich hin, während er auf die Absperrung zuging. Gerade als er hindurchschlüpfen wollte, packte Xander ihn am Ärmel und hielt ihn zurück. „Spike, bitte erkläre Mr. Krevlor, dass dies ein Tatort ist. Er will es mir einfach nicht glauben und unbedingt da rein."

Xanders Stimme klang echt verzweifelt und fast tat er ihm leid. Im Grunde mochte er den Feuerwehrmann, aber es machte einfach Spaß, ihn auf die Palme zu bringen. Spike beschloss aber in dem Augenblick, dass er genug Spaß gehabt hatte. Schließlich hatte die gute Nase des Welpen den Verdacht eines Verbrechens aufgespürt und außerdem hatte Xander einen echt harten Tag gehabt. „Dann will ich mal nicht so sein", erklärte Spike gönnerhaft. „Aber du schuldest mir was."

„Das ist mir heute auch schon egal", brummte Xander resigniert und gab damit unbewusst zu, wie fertig er war.

„Geh Heim, Schatz, wir sehen uns morgen, ich mach das schon", erklärte Spike, der es sich einfach nicht verkneifen konnte, dem erschöpften Feuerwehrmann wenigstens einen Kosenamen um die Ohren zu knallen.

Doch er reagierte nicht darauf, nickte nur und schlurfte davon. Spike vermutete, dass sein Kollege vor Müdigkeit nicht einmal richtig mitbekommen hatte, was er gesagt hatte.

„Sie und er? Nicht verwunderlich, er ist ein echtes Sahneschnittchen. Aber für Sie, Honey, würde ich jederzeit eine neue Kollektion entwerfen und glauben Sie mir, Sie haben es nötig", bemerkte Mr. Krevlor, indem er Spike von oben bis unten musterte.

„Ich bin modisch up to date", entgegnete Spike. „Schwarz ist immer in. Aber ich vermute mal, Sie sind nicht hier, um über Modegeschmack zu diskutieren. Also erklären sie mir mal, wer genau Sie sind und was sie hier zu suchen haben, Mr. Krevlor."

„Lorne, nennen Sie mich bitte Lorne." Plötzlich schien Mr. Krevlor wieder einzufallen, das sein Haus ein Opfer der Flammen geworden war und er begann zu jammern. „Das ist mein Studio. Hier designe ich meine Kreationen, meine Babys. Nun scheinen alle meine Werke zerstört zu sein. Das alles ist so schrecklich. Ich muss unbedingt nachsehen, was noch geblieben ist, daher muss ich da rein. Das versteht ein Honigkuchen wie Sie bestimmt. Ich zeige mich auch erkenntlich. Suchen Sie sich etwas aus meiner Kollektion aus, egal was es ist, es gehört schon Ihnen."

Mr. Krevlor klimperte mit den Wimpern und lächelte verführerisch. Doch das wirkte bei dem Fire Marshall offensichtlich nicht, denn er schnaubte und schaute den Designer böse an. „Jetzt hören Sie mir mal zu, Sie modisches Unglück. Erstens ist das versuchte Beamtenbestechung und kann bis zu fünf Jahren Knast einbringen. Und Zweitens, das was Sie da als Kleidung bezeichnen, würde ich nicht mal zu Halloween anziehen. Wenn die Stoffe sich wehren könnten, würden sie Sie als Vergewaltiger anzeigen. Und noch mal zum Mitschreiben. Das ist ein GESPERRTER Tatort. Sie kriegen da keinen Fuß rein bis er freigegeben ist, damit das klar ist."

„Das, das... ist unerhört. Wie können sie es wagen, so mit mir zu reden! Ich bin eine bekannte Persönlichkeit in dieser Stadt. Lornes Kreationen will jeder haben und wer eines meiner Werke tragen darf, ist GLÜCKLICH! Ich werde mich über Sie beschweren", rief Mr. Krevlor aufgebracht, doch Spike zuckte nur mit den Schultern.

„Tun Sie sich keinen Zwang an, Sie sind nicht der Erste."

Dann wandte er sich an seine Feuerwehrkollegen, die diesen Disput grinsend verfolgt hatten. „Keiner betritt das Gelände, sorgt dafür Kumpels, okay? Aber nehmt seine Aussage auf."

Nachdem die Männer zustimmend nickten, ging Spike zu seinem Wagen, das laute Gezeter von Mr. Krevlor ignorierte er dabei völlig.

~*~

Ein paar Tage später betrat Angel sein Büro und betrachtete seufzend den Aktenberg auf seinem Schreibtisch. Erst drei Wochen arbeitete er inzwischen bei der Versicherungsgesellschaft Wolfram und Hart. Der Job als Ermittler war zwar interessant, doch es waren zu viele Fälle, die er bearbeiten musste und er kam kaum noch mit der Arbeit nach. Es gab immer mehr Kunden, die anscheinend glaubten, die Versicherung betrügen zu können und Angels Aufgabe war es, solche Fälle aufzudecken. Zumindest war das die offizielle Version im Haus.

Angel war froh, dass der Boss von Wolfram und Hart ihm eine Sekretärin zugesichert hatte, die heute ihren Job antreten würde. ‚Endlich jemand der mir den Kleinkram abnimmt, dann bin ich das wenigstens los', dachte Angel und setzte sich auf seinen Stuhl. Er griff nach der ersten Akte, als es an der Tür klopfte.

Nach Angels, „Herein", betrat Dawn aus der Personalabteilung Angels Büro. Ihr folgte eine Blondine im engen Kostüm und High Heels an den schlanken Füßen.

'Eine hübsche Erscheinung', dachte Angel, als Dawn auch schon zu sprechen anfing. „Darf ich vorstellen, das ist Mrs. Harmony Kendall, deine neue Sekretärin. Mrs. Kendall, Mr. Galways, Ihr Boss."

„Freut mich sehr, Sie kennen zu lernen", flötete die Blondine auch schon, eilte zum Schreibtisch und streckte Angel ihre Hand hin.

„Auf gute Zusammenarbeit", entgegnete Angel, während er ihre Hand schüttelte.

„Dawn, sind Sie so nett, und zeigen Mrs. Kendall alles?"

Die junge Frau nickte zustimmend. Sie hatte zwischendurch immer wieder mal ausgeholfen und wusste daher bestens Bescheid. Schwatzend verließen die beiden Frauen Angels Büro, der sich wieder der Akte zuwandte und sie aufschlug. „Lorne Krevlor erhebt Anspruch auf seine Feuerversicherung. Schon der zweite Fall in den letzten 14 Tagen. Vielleicht komme ich der Sache endlich näher. Daher werde ich mich mal mit dem Bureau of Fire Investigation in Verbindung setzen. Mal sehen, was die dazu sagen", murmelte Angel vor sich hin und griff zum Telefon.

~*~

Spike betrat das Labor und schlich sich leise hinter die Frau, die konzentriert über das Mikroskop gebeugt stand und hindurch schaute.

„Buh", machte Spike leise und die Frau zuckte erschrocken zusammen. „Kannst du das nicht endlich mal sein lassen? Irgendwann falle ich noch tot vom Stuhl und dann ist es deine Schuld."

„Tut mir Leid, Fred. Ich konnte einfach nicht widerstehen. Frühstück, zur Entschädigung?"

Skeptisch schaute die Laborchefin auf die Tüte, die Spike auf den Tisch stellte. Als er jedoch begann den Inhalt auszupacken, stahl sich ein Lächeln auf ihr Gesicht und Sekunden später machte sie sich über die Leckereien her.

Spike wunderte sich schon lange nicht mehr darüber, wie diese zarte Person solche Mengen verdrücken konnte, ohne auch nur ein Gramm zuzunehmen. Winifred Burkle, wie der volle Name der Laborchefin lautete, war nicht nur ein Ass auf ihrem Gebiet, sondern inzwischen auch eine gute Freundin.

„Kannst du mir schon was Genaueres über den Brand von dieser Klamottenfabrik sagen?", wollte Spike von Fred wissen, nachdem sie den letzten Donut verputzt hatte.

„Das sich der Brand so schnell und umfassend ausbreiten konnte, liegt an großen Mengen Spiritus, der offensichtlich als Brandbeschleuniger verwendet wurde."

„In der Bude standen jede Menge Fässer rum", sinnierte Spike, doch Fred winkte ab. „Ich weiß was du meinst, aber die Flüssigkeit wurde in der ganzen Fabrik verteilt. Alle Proben, die du mir gebracht hast, waren mit Spiritus durchtränkt. Also nicht nur der Boden. Du hast wohl einen Fall von Brandstiftung aufzuklären."

„Großartig! Dann fällt mein Angelausflug wohl aus." Spike grinste und Fred lächelte.

„Ich könnte dich jetzt drankriegen und Giles sagen, ich hätte den Täter schon geschnappt. Nur, was machst du dann? Du würdest doch alles geben, um nicht mit ihm angeln zu müssen."

Spike zwinkerte Fred zu. „Verrate mich bloß nicht", lachte er, nahm die Akte vom Tisch und verließ das Labor.

In seinem Büro las er sich den Bericht genau durch und machte sich gerade eine Liste der Personen, die er wegen des Brandes befragen wollte, als sein Telefon läutete. „Pratt", meldete er sich kurz und bündig.

„Hallöchen, hier spricht Harmony von der Versicherung Wolfram und Hart. Mein Boss möchte sie sprechen. Momentchen, ich verbinde."

Spike verdreht die Augen. 'Was für eine verrückte Tussi', dachte er. Dann hörte ein leises Knacken in der Leitung und eine angenehme Männerstimme meldete sich. „Guten Tag Mr. Pratt. Mein Name ist Galways, Angel Galways. Ich wurde an Sie verwiesen, da Sie den Fall des Modehauses Caritas bearbeiten. Da es da für uns ein paar Ungereimtheiten gibt, hätte ich ein paar Fragen."

Da Spike öfter mit Versicherungen zu tun hatte die seine Fälle betrafen, war für ihn dieser Anruf nicht ungewöhnlich. Zudem wusste er inzwischen, dass er dabei meistens ein gutes Essen herausschlagen konnte. Das passte ihm gut. Er hatte ohnehin Hunger. Trotzdem wollte er ehrlich sein, daher erwiderte er. „Viel wissen wir noch nicht, aber das wenige was wir haben, kann ich ihnen gerne mitteilen. Wenn Sie mich zum Essen einladen! Mittagessen. Im Joe`s. In einer Stunde. Kennen Sie das Lokal?"

Angel zog seine Augenbrauen hoch. Der Kerl wollte sich offenbar auf Kosten der Versicherung den Bauch voll schlagen. Aber die Stimme klang sympathisch und außerdem mochte er es, wenn jemand ehrlich war und offen sagte, was er wollte.

„Gerne", stimmte er daher zu und nach ein paar verabschiedenden Worten, legte er auf. Spike lehnte sich grinsend in seinem Bürostuhl zurück. „Endlich mal kein Fastfood."

Angel lehnte sich ebenfalls zurück. „Passt ohnehin gut. Für mich alleine habe ich sowieso keine Lust zu kochen", murmelte er. Sein Lebenspartner war auf einer Geschäftsreise und würde erst morgen zurückkommen. Da beide unter Tags höchstens ein Sandwich zu sich nahmen, aßen Angel und sein Partner immer erst abends eine ordentliche Mahlzeit. Angel kochte gerne, und beschloss, für seinen Freund was Besonderes zu kochen, wenn er zurückkam. Ihm fiel auf, dass er seit der Abreise seines Freundes nicht einmal an ihn gedacht hatte, schob es dann aber auf seine Arbeit, die ihn einfach zu sehr in Anspruch nahm.

 
 
Kapitel 2 von silverbird

Als Spike ins Lokal kam, deutete Joe, der Besitzer, auf einen Tisch in der Ecke, an dem ein hochgewachsener, braunhaariger Mann saß. Spike nickte dem Gastwirt zu, ging zu dem Tisch und streckte Angel die Hand entgegen, der sie ergriff und schüttelte. Sie fanden sich gleich auf Anhieb sympathisch und grinsten sich an.

„Bier?", fragte Spike und setzte sich. Nachdem Angel genickt hatte, hielt Spike zwei Finger hoch, ohne sich umzudrehen. Er wusste, Joe würde sofort reagieren und kurz darauf stellte der Wirt auch schon die Getränke auf den Tisch.

Beide nahmen einen Schluck und beide stießen einen wohligen Laut aus. Spike lachte zufrieden. „Schon alleine wegen des Gestensafts lohnt es sich, hierher zu kommen. Aber auch das Essen ist gut. Ich habe schon seit Tagen nichts Vernünftiges mehr zwischen die Zähne bekommen. Egal, reden wir über den Grund unseres Treffens und ich komme auch gleich auf den Punkt. Wir gehen von Brandstiftung aus. Die Beweise sind ziemlich eindeutig, aber wie du weißt, ist es erst amtlich, wenn der detaillierte Bericht vorliegt, den du Montag auf dem Tisch hast. Dann ist das für dich erledigt. Ich muss leider noch den Täter finden."

„Wieso besteht der Verdacht auf Brandstiftung?", wollte Angel wissen und bemerkte gleichzeitig, dass es ihn nicht im Mindesten störte, gleich per du angeredet zu werden, obwohl er das sonst nicht mochte, wenn er jemand nicht gut kannte. Doch bei diesem Fire Marshall hatte er das Gefühl, ihn schon ewig zu kennen. Warum das so war, konnte er nicht sagen, denn er wusste sicher, sie waren sich noch nie begegnet.

Auch Spike schien seinen Gedanken nachzuhängen, denn er hatte auf Angels Frage noch immer nicht geantwortet, da er gerade auf den Tisch starrte. Angel bemerkte allerdings nicht, dass der Marshal seine Hände betrachtete und dabei dachte, wie schön geformt sie doch waren.

„Pratt?" Angel berührte kurz Spikes Hand und der schaute erschrocken auf. „Huh?"

„Verdacht. Brandstiftung. Warum?" Angel lächelte und Spike verschlug es den Atem. 'Shit, für dieses Lächeln braucht er einen Waffenschein. Verfluchte Hölle, Spike. Jetzt reiß dich mal zusammen, sonst hält er dich für einen vollkommenen Trottel. Außerdem hast du dir selbst etwas versprochen.' Er räusperte sich, um überhaupt wieder sprechen zu können. „Kannst mich William nennen", bot er an, bevor er weiter erklärte: „Offensichtlich wurde im ganzen Haus Spiritus verteilt. Der Täter wollte offenbar ganz sicher gehen. Allerdings hätte es auch ausgereicht, wenn er die Kanister mit Spiritus, die massenhaft in der Kleiderfabrik gelagert waren, einfach umgekippt und einen dieser Fetzen angezündet hätte."

„Mit Fetzen meinst du wahrscheinlich die Kleider, von dem ein Stück ab 3000 Dollar aufwärts kostet", bemerkte Angel schmunzelnd.

„Jepp, und erwarte nicht, dass ich das verstehe. Frauen, die meist am Standesamt promoviert haben, schleifen ihre Titel, Adel, beziehungsweise Geld - Adel - tragenden Männer, die ihre Großväter sein könnten, in einen Raum. Auf ihren Stühlen hockend, verrenken sie sich die Hälse, bis sie Genickstarre kriegen, denn auf diesem breiten Brett, das sie Catwalk nennen... Catwalk? Keine Katze würde jemals so bescheuert sein. Also woher haben sie diese Bezeichnung? Na egal. Jedenfalls stelzen ein paar androgyne Hungerhaken darauf herum, auf die ein hoch gejubelter Schneider ein paar Stoffe gehängt hat. Er nennt sie Kreationen." Spike verdrehte die Augen, bevor er sich weiter ausließ. „Aber wie auch immer, diese „Schöpfungen" werden mit Ahs und Ohs bewundert und die alten Säcke zücken ihre Scheckbücher, damit ihre Suggarbabys sie weiterhin lieben."

Angel war indessen in lautes Lachen ausgebrochen und dieser Anblick gab Spike den Rest. 'Verfluchte Hölle, der Kerl kann mir echt gefährlich werden`, dachte Spike und versuchte seine Atmung unter Kontrolle zu kriegen. 'Nein, kann er nicht. Keiner kann das mehr', beschloss er und sofort konnte prompt wieder normal atmen.

„Du hältst offensichtlich nichts von Mode", bemerkte Angel, während er Spikes Outfit unauffällig betrachtete.

„Doch, aber sie sollte tragbar sein. Levi Stauß, der hatte den Bogen raus. Georgio Armani, der kann es auch, oder das Genie, das meinen Mantel entworfen hat!"

Angel beschloss, zu dem Mantel besser nichts zu sagen, stimmte aber ansonsten zu. Ihre Diskussion wurde unterbrochen, als plötzlich Angels Handy läutete. Er entschuldigte sich kurz, bevor er ran ging. „Hi. Alles klar bei dir?"

Der andere Teilnehmer sagte irgendetwas, woraufhin sich Angels Mine verfinsterte. „Schon wieder? Nun gut, nicht zu ändern. Dann sehen wir uns erst wieder Montagabend." Nachdem er das Gespräch beendet hatte, nahm er einen kräftigen Schluck aus seinem Glas.

„Ärger im Paradies? Sorry, geht mich nichts an", sagte Spike schnell, nachdem Angel ihm einen giftigen Blick zu geworfen hatte. Doch dann hatte der Dunkelhaarige das Bedürfnis, mit jemanden zu reden und Spike, als fremde Person, schien ihm wesentlich geeigneter als einer seiner wenigen Freunde, die an seinem Geliebten ohnehin kein gutes Haar ließen. Daher berichtete er: „Mein Freund ist beruflich viel unterwegs. Seit einigen Wochen immer öfter und länger, um genau zu sein. Das nervt mich, ehrlich gesagt. Vor allem, weil er in letzter Zeit auch an den Wochenenden nicht nach Hause kommt. Andererseits verstehe ich, dass er in seinem Job weiter kommen will. Ohne Fleiß keinen Preis, sagt er auf einmal immer. Dabei hatte er, als ich ihn kennen lernte, den Ehrgeiz einer Drohne."

'Schwul, aber leider vergeben. Ich hab wirklich Pech, oder nennen wir es glückliche Fügung. Wie auch immer, es raschelt im Gebälk und wenn dieser Freund nicht aufpasst, ist sein Engel bald der Engel eines anderen. Allerdings müsste sein Geliebter ein vollkommener Trottel sein. Ich würde Angel jedenfalls nicht mehr aus den Krallen lassen. Wenn er mein Freund wäre, würde ich jede freie Minute mit ihm verbringen und ihn auch zwischendurch in irgendeine Ecke schleifen, um ihn zumindest zu küssen, wenn schon sonst nichts machbar wäre.' Spike verdrehte innerlich die Augen. ‚Verflucht. Ich hab's echt dringend nötig. Kein Wunder, es ist schon...' Spike rechnete kurz nach. 'Verdammt, das ist echt lange. Okay, hake es ab, Spike, du weißt, es kommt nie mehr in Frage. Zumindest nichts Festes und für was anderes ist der Hübsche einfach zu Schade. Ende und Aus. Außerdem ist er eh vergeben. Was natürlich gut ist, auch wenn es keine Rolle spielt, weil ich ohnehin nicht will, kann, was auch immer. Jetzt konzentriere dich endlich. Angel, er erwartet eine Antwort, was sag ich jetzt über diesen Trottel - Freund?'

„Vielleicht hast du auf deinen Freund abgefärbt. Du bist sehr gut in deinem Job und verdienst mächtig viel Kohle. Er will dir beweisen, dass er es wert ist", mutmaßte Spike.

Angel lachte. „Wohl kaum. Sein Ego ist dafür zu groß und er ist zu selbstverliebt. Aber wie kommst du auf deine Analyse über mich?"

Spike grinste Angel an. „Dein Anzug ist maßgeschneidert, du trägst handgenähte Schuhe und dein Haarschnitt hat mindestens 60 Dollar gekostet. Ergo hast du `ne menge Kröten. Zudem ist Wolfram & Hart bekannt dafür, nur die Besten einzustellen und auch dementsprechend zu bezahlen. Was das über mich aussagt? Ich bin ein verdammt guter Ermittler."

Wieder musste Angel lachen, auch wenn nicht ganz stimmte, was Pratt vermutete. Dennoch entgegnete er. „Das will ich wirklich nicht abstreiten. Was uns zu dem eigentlichen Grund unseres Treffens bringt. Es hat vor zwei Monaten einen fast identischen Fall gegeben."

„Nicht in meiner Stadt", warf Spike bestimmend ein.

„Nein. In San Francisco", erklärte Angel. „Aber das Feuer wurde auf die selbe Weise gelegt. Und die Fabrik war ebenfalls sehr hoch versichert."

„Da will euch einer wohl kräftig bluten lassen, oder die Modebranche schädigen. Wir sollten die Untersuchungsergebnisse der beiden Brände vergleichen. Vielleicht bringt das was. Aber jetzt brauche ich endlich etwas zwischen die Zähne. Steak?" Fragend schaute Spike Angel an und der nickte zustimmend. Nachdem sie ihre Bestellung aufgegeben hatten, dachte Spike, wieso Angel eigentlich bei seinem Trottel - Freund blieb. Denn so wie er ihn charakterisierte, war er nicht gerade ein Musterknabe. ‚Ganz einfach, er liebt ihn', dachte er, ‚oder, er ist verdammt gut im Bett. Solche Hörigkeiten kennt man ja und selbst der Intelligenteste ist da total verblödet. Gut, dass mir das nicht mehr passieren kann.' Spike war nicht sicher, ob das wirklich so gut war, daher lenkte er seine ganze Konzentration auf sein Steak, das gerade vor ihm abgestellt wurde.

~*~

Angel betrat seine Wohnung und schlüpfte aus den Schuhen. Das Essen mit dem Fire Marshall war nicht sehr informativ gewesen, aber Angel hatte diese Mittagsstunde sehr genossen. Er mochte die ungezwungene Art William Pratts. „Er bringt mich zum Lachen und er mag die Steaks so blutig wie ich. Mit Penn lache ich eigentlich nie und gutes Essen? Penn weiß nicht mal, was das ist. Oder vielmehr, für ihn gibt es nur Burger und Pizza. Ich akzeptiere das alles. Wieso eigentlich? Weil ich ihn liebe, passe ich mich an", beantwortete Angel seine Frage selbst.

Fast vier Monate war es jetzt her, seit Penn bei Angel eingezogen war. Sie hatten sich in einer Bar kennen gelernt und Penns Charme hatte ihn sofort gefangen genommen. Penn war ein Lebenskünstler und schlug sich als Agent für kaum bekannte Schauspieler und Models durchs Leben. Seit zwei Monaten schien sein Job gut zu laufen. Er hatte plötzlich immer Geld und gab es auch großzügig aus. Trotzdem kam Angel nach wie vor alleine für alles auf, was die Wohnung und alle anderen Kosten, die ihr Zusammenleben betraf.

Warum eigentlich?", fragte sich Angel wieder. Noch bevor er weiter darüber nachdenken konnte, läutete sein Handy.

„Es wurde wieder eine Fabrikhalle abgefackelt. Lust mitzukommen und in Ruß und Dreck zu stöbern?"

„William", sagte Angel, als er Spikes Stimme erkannte.

„Jepp. Treffer. Also, was ist. Kommst du?"

„Sicher. Warum nicht. Wo?"

Spike gab Angel die Adresse durch, dann sagte er noch: „Einen Schutzanzug kannst du von mir kriegen, aber ich rate dir trotzdem davon ab, in deinen Designerklamotten aufzutauchen. Und vielleicht hast du in deinem Schrank auch Schuhe, um die es nicht schade ist."

Angel lachte leise. „Sehr fürsorglich, William. Ich werde deine Tipps beachten."

„Guter Plan, Pet. Du kannst mich übrigens Spike nennen. Wir sehen uns in einer halben Stunde." Spike beendete das Gespräch und Angel eilte zu seinem Schrank. Er war froh über diese Ablenkung, auch wenn er sich über den neuen Brand Sorgen machte. Aber wenigstens musste er jetzt nicht alleine in der Wohnung hocken und über Dinge nachdenken, über die er nicht nachdenken wollte.

~*~

Wenig später schaute Angel skeptisch an sich herunter. Er war von Kopf bis Fuß in einen weißen, durchscheinenden Overall mit Kapuze gehüllt und auch über seinen Schuhen trug er weiße Schutzhüllen. „Ich sehe aus, als hätte ich ein.....ein...

„...riesiges Kondom an?", half ihm Spike, sich vor Lachen biegend, auf die Sprünge und Angel schnaubte. „Danke aber auch. Ich lache später, wenn du deines angezogen hast."

„Dann wirst du heute nicht zum Lachen kommen, denn ich würde nie im Leben so etwas Scheußliches anziehen", erklärte Spike immer noch grinsend, während er sich eine Zigarette ansteckte.

„Ich muss das gar nicht tragen?", erkannte Angel knurrend und schälte sich aus dem Schutzanzug.

Spike lachte inzwischen wieder lauthals. „Ich wusste doch, du bist ein schlaues Kerlchen! Und gib zu, es war witzig."

„Für dich vielleicht. Mir hat es weniger Spaß gemacht, mich zum Affen zu machen. Aber sei in Zukunft auf der Hut, ich bin nachtragend. Meine Rache wird fürchterlich sein." Angels Lächeln war diabolisch und Spike fand es einfach nur umwerfend. Das erschreckte ihn sehr.

„Du willst dich an Spike rächen? Fürchterlich? Ich bin dabei. Du kannst mich jederzeit anrufen." Xander hatte den Raum betreten und reichte Angel grinsend seine Visitenkarte, um sich gleich darauf kurz vorzustellen.

Spike jedoch lachte wieder. „Guter Plan, Welpe. Hilf ihm. Das wird lustig und zwar für mich." Aber diesmal ließ sich Xander nicht entmutigen. Ruhig packte er die Schläuche zusammen und sagte zu Angel gewandt: „Jederzeit."

Kapitel 3 von silverbird

Spike und Angel hatten sich gleich nach der Tatortbesichtigung getrennt, damit jeder wieder seiner Arbeit nachgehen konnte. Jetzt saß Angel wieder in seinem Büro. Er legte seine handschriftlichen Notizen in die Akte über die Brandanschläge. Er hatte vor, sie am Wochenende zu Hause zu überarbeiten und sie am Montag zu ergänzen, sobald er von Spike den Bericht der Forensiker des Bureau of Fire Investigation bekam.

Wenigstens gab es eine neue Erkenntnis. Der oder die Brandleger waren dieses Mal unvorsichtiger gewesen, denn Spike hatte einen Fußabdruck entdeckt und einen Stofffetzen am Rahmen eines Fensters, durch das der Täter offensichtlich eingestiegen war. Auch die Befragungen der Fabrikbesitzer, sowie des Wachpersonal standen noch aus. William hatte Angel versprochen, dabei sein zu dürfen, wenn er die Vernehmung vornahm.

„Ich hoffe, das bringt uns weiter. Mein Boss wird langsam ungeduldig. Wird Zeit, dass ich Ergebnisse liefere", murmelte Angel, packte die Akte in seine Tasche und verließ sein Büro. Er dachte mit Schaudern an das Wochenende. Das lag nicht an der Arbeit, die er sich mitnahm, sondern an seinem Freund Penn. Angel hatte sich so daran gewöhnt gehabt, dass Penn anwesend war, wenn er nach Hause kam und nun war er so gut wie nie mehr da. Meist kam er nur noch für ein paar Stunden, um seine Wäsche zu wechseln und für mehr als einen raschen Quicky reichte seine Zeit auch nicht.

Penn war allerdings auch in der Zeit, in der er ständig zu Hause rumhing, nie der große Kuschler gewesen. Ganz im Gegensatz zu Angel, der es liebte, einen ganzen Tag im Bett zu verbringen und das Liebesspiel über Stunden auszudehnen. Kerzen anzuzünden, im Bett zu essen, zu lesen, oder auch Fern zu sehen. Doch all das hatte Penn nie gemocht und Angel hatte es akzeptiert, Verständnis gezeigt und sich von ihm durch die Bars schleppen lassen. Penn brauchte das pulsierende Leben und Angel wollte nicht als Langweiler gelten.

Wieder dachte er über seine Beziehung mit Penn nach, während er sein Auto aufschloss. „Wir haben eigentlich so gut wie nichts gemeinsam. Er zieht gerne durch die Bars und Tanzschuppen. Mir ist das alles zu laut und tanzen kann ich nicht mal. Es ist ja nicht so, dass ich nicht gerne mal essen gehe, oder auch mal in eine gepflegte Bar, aber doch nicht jeden Tag." Angel seufzte. „Trotzdem, er fehlt mir. Ich mag einfach nicht mehr alleine sein. Vielleicht liegt es daran."

Das brachte ihn auf die Idee, William anzurufen, nachdem er sich ins Auto gesetzt hatte. Spontan wählte er dessen Nummer, doch noch während es läutete, kamen Angel Zweifel. 'Er wird keine Zeit haben und selbst wenn, wird er keine Lust haben, mit mir zu essen. Wahrscheinlich hat er ohnehin etwas anderes vor. Nein, das ist keine gute Idee', dachte Angel und wollte gerade auflegen, als Spike sich meldete. „Hi, Angel. Was gibt's?"

„Hallo, William", sagte Angel leise. „Ich..., nun ja, ich habe mich gefragt ob du wohl Lust hättest mit mir zu essen?"

Kurz überlegte Spike, denn Angel wieder zu sehen reizte ihn schon. Andererseits hatte er heute den ganzen Tag in den zwei Fabriken verbracht, um nach weiteren Beweisen zu suchen, nun aber schwebte ihm eher ein ruhiger, gemütlicher Abend vor und das sagte er Angel auch.

„Okay, das verstehe ich", entgegnete Angel und Spike hörte die Enttäuschung in seiner Stimme. Spike seufzte leise und dachte, 'was soll's', bevor er sagte: „Na gut, aber irgendwo, wo kein Wirbel ist, davon hatte ich heute genug. Mach einen Vorschlag, wo wir uns treffen. Ich brauche eine knappe Stunde, um zu duschen und so weiter."

„Ich kann etwas kochen und du kommst zu mir. Oder ich könnte zu dir kommen und etwas mitbringen, dann musst du gar nicht erst außer Haus und...."

„Okay, jetzt hast du mich. Bei dem Vorschlag kann ich nicht widerstehen. Kein Stress für mich, nur für dich. Perfekt also", unterbrach Spike Angel lachend. Er gab seine Adresse durch und beide legten auf.

„Soviel zu meinem ruhigen Wochenende? Meine Serien kann ich jetzt vergessen und das Bett muss ich auch frisch beziehen. Bloody hell, hab ich sie noch alle? Wir sind so etwas wie Kollegen und vermutlich fällt ihm bloß die Decke auf den Kopf, weil sein Freund nicht da ist. Also vergesse ich das verfluchte Bett. Aber ein bisschen aufräumen wäre nicht schlecht", stellte Spike fest, als er sich in seinem Apartment umschaute. Er sammelte die Kleider auf, die in seinem Wohnzimmer verstreut herumlagen und ging damit ins Schlafzimmer und warf sie aufs Bett. „Fertig", stellte er zufrieden fest und eilte unter die Dusche.

~*~

„Spike scheint auch einer zu sein, der gerne andere für sich arbeiten lässt. Aber wieso rege ich mich auf. Ich war es doch, der den Vorschlag gemacht hat. Also habe ich auch kein Recht mich zu beschweren", brummte Angel, eilte aber trotzdem nervös zum Kühlschrank und inspizierte dessen Inhalt. Natürlich war er gut gefüllt, da Angel Penn am Wochenende erwartet hatte. Das meiste waren Fertiggerichte, die sein Liebster mochte. Aber Angel hatte auch einiges für sich eingekauft, was ihm jetzt besonders zu Gute kam. Als er die Zutaten, die er brauchte, auf die Arbeitsplatte legte, bekam er ein schlechtes Gewissen. „Unsinn. Es ist ja nicht so, dass ich Penn betrüge. William und ich arbeiten an demselben Fall. Es ist daher ein Arbeitsessen. Nichts weiter und ich habe jedes Recht auf einen netten, unterhaltsamen Abend." Nachdem sich Angel vor sich selbst und auch vor dem nicht anwesenden Penn gerechtfertigt hatte, machte er sich an die Arbeit.

~*~

„Ich platze gleich", erklärte Spike zwei Stunden später und schob den Teller von sich. „Das war das Beste, das ich seit langem gegessen habe."

Angel lächelte geschmeichelt und wusste nicht, was er sagen sollte. Penn war es immer egal gewesen, was auf dem Teller kam und verlor auch nie ein lobendes Wort über seine Bemühungen. Daher kochte Angel kaum noch für ihn und erst jetzt fiel ihm auf, wie viel Spaß es machte für jemanden zu kochen, der es auch zu würdigen wusste.

Spike erlaubte Angel nicht, beim Abräumen des Tisches zu helfen und er revidierte seine Ansicht über ihn, dass er immer nur andere arbeiten ließ. Als Gegenstück fiel Angel auch gleich wieder Penn ein, der noch nie den Tisch abgeräumt hatte. Selbst seine Wäsche machte Angel und plötzlich ärgerte er sich darüber, dass er sich so ausnutzen ließ. 'Es ist nicht Penns Schuld', dachte Angel. ' Schließlich ist er zu mir gezogen und ich war es ohnehin gewohnt, alles zu machen. Ganz automatisch. Das muss jetzt anders werden und ich bin sicher, Penn wird das verstehen.'

Angel sah sich in Spikes Apartment um. Es bestand offenbar aus mehreren Räumen, da von dem großen Ess - Wohnzimmer noch zwei Türen in andere Zimmer führten. Der Raum in dem er sich jetzt befand, war mit schnörkellosen Möbeln eingerichtet und die Wände hell gestrichen. Die wenigen Gegenstände, die im Raum verteilt waren, und einige Bilder an den Wänden gaben dem Ganzen eine persönliche Note. Durchaus ein Ort, an dem Angel sich wohl fühlte. Plötzlich fiel sein Blick auf ein Foto, das auf der Kommode stand. Es zeigte zwei junge Männer, die lachend in die Kamera schauten. Der Größere trug eine Brille und hatte dem Kleineren den Arm um die Schulter gelegt. Der wiederum seinen Arm um die Hüfte des Größeren. Erst als Angel genauer hinsah, erkannte er in dem Kleineren William, der auf dem Bild ganz anders aussah als heute.

Noch bevor er das Foto genauer betrachten konnte, fragte Spike: „Noch Wein?"

Angel schüttelte den Kopf. „Nein, danke. Ich muss noch fahren und ich denke, ich sollte langsam aufbrechen."

„Bevor du gehst, musst du unbedingt noch meinen Spezialkaffee kosten. Du wirst ihn lieben und nie mehr einen anderen mögen. Versprochen. Dauert nicht lange." Spike eilte in seine kleine Küchenzeile und schaltete seine italienische Espressomaschine an. ‚Du musst unbedingt meinen Spezialkaffee kosten? Du wirst ihn lieben. Bla...bla.. Auch wenn es stimmt, was ist nur in mich gefahren? Bin ich wirklich schon so einsam, dass ich alles versuche, um nicht allein zu sein? Krieg dich wieder ein, Spike, du Idiot. Knall ihm die Brühe hin und Ende. Andererseits, was ist schon dabei, wenn wir noch Kaffee trinken? Es ist der Abschluss eines hervorragenden Essens. Und das wir uns gut verstehen, daran ist ja auch nichts auszusetzen. Wie.... Freunde. Genau.' Mit diesem abschließenden Gedanken durchaus zufrieden füllte Spike die Tassen und kehrte zum Tisch zurück.

Die beiden Männer unterhielten sich noch eine gute halbe Stunde über ihre Berufe, dann erhob sich Angel. „Wir telefonieren, sobald neue Erkenntnisse vorhanden sind und wegen der Befragungen?"

„Jepp", erwiderte Spike knapp und brachte Angel zur Tür.

~ * ~

Während Angel nach Hause fuhr, rief er sich das Foto ins Gedächtnis, das er bei Spike gesehen hatte. „Er hat offensichtlich einen Freund. Gut, ich auch, also können wir unbedarft miteinander arbeiten."

Angel wunderte sich, dass er sich darüber Gedanken machte. „Das ist doch völlig irrelevant. Unser Privatleben spielt keine Rolle. William ist sympathisch, kompetent was seine Arbeit angeht und wir verstehen uns gut. Daher ist nichts dagegen einzuwenden, wenn wir hin und wieder gemeinsam essen und über den Job reden. Wenn der Fall abgeschlossen ist, wird unser Kontakt ohnehin abbrechen, weil ich wahrscheinlich nicht in der Stadt bleiben werde." Dass Angel bei diesem Gedanken seufzte, registrierte er gar nicht.

~*~

„Da bist du ja endlich. Ich kann mein Jackett nicht finden und dabei habe ich in einer Stunde ein Treffen mit einem wichtigen Produzenten. Du hast es doch wohl aus der Reinigung geholt?"

„Was für eine nette Begrüßung. Freut mich auch dich zu sehen, Penn, obwohl es mich wundert, denn du wolltest erst Anfang nächster Woche kommen. Was vielleicht besser gewesen wäre, bei der Laune die du hast", entgegnete Angel wütend.

Penn merkte, dass er mit seinem Ton zu weit gegangen war und lenkte sofort ein. Er eilte auf Angel zu, umarmte ihn und drückte ihm einen raschen Kuss auf die Lippen. „Tut mir Leid, Süßer. Ich bin nervös. Es geht um eine Bombensache und die darf ich nicht vermasseln. Wenn ich das heute hin kriege, machen wir uns ein tolles Wochenende, okay?"

Obwohl Angel es hasste, Süßer genannt zu werden, hatte er einfach keine Lust deswegen einen Streit anzufangen. Daher nickte er vage, ging zum Schrank und holte das von Penn gesuchte Jackett heraus.

Penn lächelte erfreut. „Was würde ich nur ohne dich tun? Du bist der Beste." Rasch zog er es an, küsste Angel noch einmal flüchtig und rannte zur Tür hinaus, ohne sie zu zumachen. Genervt schloss Angel die Tür und das erste Mal, seit er mit Penn zusammen war, störte es Angel nicht, dass Penn gleich wieder gegangen war. Er beschloss einfach noch ein wenig zu arbeiten und begab sich zu seinem Schreibtisch. Als er das Durcheinander darauf bemerkte, runzelte er die Stirn. Seine Aktentasche war offen und die Papiere lagen auf dem Tisch verstreut.

„Hat Penn in meinen Sachen gestöbert? Aber warum?", überlegte Angel nahm sich vor seinen Freund deswegen zu befragen, bevor er sich auf seinen Stuhl setzte. Er arbeitete noch eine Stunde, bevor er beschloss, schlafen zu gehen. Im Bett liegend ließ er den Tag Revue passieren und mit den Gedanken an den Abend mit William schlief er ein.

~*~

Spike bäumte sich der Hand entgegen, die seinen Schaft mit festem Druck streichelte. Er wimmerte, drückte seine Hüften hoch, keuchte, als er spürte, dass sein Orgasmus immer näher kam. „Angel", rief Spike leise, als er kam und schlug die Augen auf. „Na großartig. Verfluchter Mist, ich hab's wirklich nötig und dass ich von Angel träume, während ich mir selbst einen runterhole, darüber will ich gar nicht erst nachdenken. Mich hat's ja ordentlich erwischt, was wirklich, wirklich blöd ist. Aber das krieg ich schnell wieder in den Griff. Irgendwelche Fantasien hat man ja immer", beruhigte sich Spike schnell selbst. „Verdammt, mein Bett muss ich jetzt auch frisch beziehen. Ich hasse träumen, besonders von schönen, braunen Augen und weichen, großen Händen, die...Schluss. Aus. Ende. Angel ist besetzt und man kann mir viel nachsagen, aber ich spanne keinem Kerl seinen Freund aus. Natürlich könnte ich. Unbestritten. Ich bin verdammt sexy und wenn ich will, krieg ich jeden. Aber...nein. Kein Interesse. Nope, auf keinen Fall. Nie wieder." Sich jeden weiteren Gedanken diesbezüglich verbietend zog er die Bettwäsche ab und begab sich dann ins Badezimmer, um zu duschen.

~*~

Angel drehte sich seufzend auf den Rücken, während Penn aus dem Bett stieg und in die Küche lief, um den Kühlschrank zu plündern. Mampfend und mit einem beladenen Teller in der Hand kam er zurück. „Du hast die Kekse vergessen. Du weißt doch, wie gerne ich Oreos mag und Bagels sind auch keine da", sagte Penn vorwurfsvoll, während er sich aufs Bett setzte.

Angel war genervt. Penn war gegen vier Uhr Früh, also vor knapp einer Stunde, nach Hause gekommen und hatte rücksichtslos Krach gemacht, sodass Angel aufgewacht war. Der Sex, den sie daraufhin gehabt hatten, war schnell und unbefriedigend gewesen und Angel hatte das Gefühl, sein Freund hatte es nur schnell hinter sich bringen wollen, wie so oft in letzter Zeit. Zudem meckerte er über alles und jedes und Angel überlegte, ob es seine Schuld war, weil so gar nichts zwischen ihnen stimmte. 'Ich muss mehr Verständnis zeigen. Er hat jetzt einen anstrengenden Job und Penn ist nun mal kein Kuscheltyp und das er keine Ordnung halten kann, liegt sicher an seiner vertrackten Kindheit.'

Bei diesem Gedanken fiel Angel plötzlich die Unordnung auf seinem Schreibtisch ein. „Was ist eigentlich mit meiner Aktentasche passiert? Hat da eine Bombe eingeschlagen?", versuchte er zu scherzen und lächelte freundlich.

Doch Penn schien das anders aufzufassen und keifte los. „Glaubst du etwa, ich schnüffele in deinen Sachen rum? Außerdem kann dein Gekrakel sowieso keiner lesen."

„Fühl dich doch nicht immer gleich angegriffen. Mir ist nur aufgefallen, dass alles am Tisch verstreut war. Man sagt übrigens, ich hätte eine schöne Schrift", bemerkte Angel gekränkt.

Doch Penn interessierte es nicht, ob er Angels Gefühle verletzt hatte, sondern bluffte zurück: „Immer hältst du mir vor, nicht ordentlich genug zu sein. Ich bemühe mich wirklich, aber du hast immer etwas zu meckern. Nicht mal die kurze Zeit, die ich hier bin, kannst du es lassen mich anzupflaumen. Mir reicht es. Ich brauche jetzt ein bisschen Spaß. Du kannst ja inzwischen die Wohnung sterilisieren."

Penn schmiss den Teller auf das Bett und alles, was sich darauf befand, verteilte sich auf dem Laken. Doch das kümmerte ihn nicht. Er lief zum Schrank, nahm ein paar Kleidungsstücke heraus und ging damit ins Badezimmer. Angel schaute ihm fassungslos nach. Doch dann begann es langsam in ihm zu kochen. Gerade als er Penn nachgehen wollte, kam der auch schon aus dem Bad. „Warte nicht auf mich, kann spät werden", sagte er ungerührt und war auch schon aus der Wohnung verschwunden.

Hilflos und voller Zorn packte Angel den Teller und schmiss ihn wütend an die Wand. Gleichzeitig stieß er einen animalischen Schrei aus, um sich Luft zu machen. Als er sich etwas beruhigt hatte, räumte er die ganze Sauerei auf, holte sich einen Whiskey und setzte sich in seien Stuhl. Nach einem kräftigen Schluck begann er über seine Beziehung mit Penn genau nachdenken.

~*~

Spike war schon lange nicht mehr im Bronze gewesen. Seit einem Jahr, um genau zu sein. Aber er hatte es Wesley versprochen. An seinem Krankenbett, bevor er starb, hatte sein geliebter Wesley ihm das Versprechen abgenommen, ins Bronze zu gehen und ein Glas auf ihn zu trinken. Jedes Jahr an dessen Todestag. Heute war es das dritte Mal, dass Spike dieses Versprechen einlöste und so stellte er sich an den Tresen und bestellte zwei Gläser Single Malt. „Auf dich, Wes", murmelte er und trank das erste Glas in einem Zug leer. „Du fehlst mir, verdammt."

Fast zwei Jahre hatte es gedauert, bis Wesley den Kampf gegen den Krebs verloren hatte. Die ganze Zeit war Spike ihm nicht von der Seite gewichen, hatte sich vom Dienst freistellen lassen und seinen Geliebten bis zur letzten Stunde beigestanden. Es war ihm egal gewesen, dass er seine Wohnung aufgeben, seinen Wagen verkaufen und alle seine Ersparnisse auf brauchen musste, nur um bei Wes sein zu können. Bis zuletzt hatte Spike gehofft, dass ein Wunder geschieht, doch es traf nicht ein und nach seinem Tod legte sich Spike einen Schutzmantel zu. Äußerlich ebenso wie innerlich. Er färbte sich die Haare, trug Lederklamotten und Springerstiefel. Er nannte sich nun Spike, machte auf obercool, gab flapsige Sprüche von sich und erzeugte so den Eindruck, dass ihm alles am Arsch vorbei ging. So gewappnet ließ er sich nach New York versetzten, um sein neues Leben zu beginnen.

Unterstützt wurde Spike bei seinem Vorhaben von Rupert Giles, seinem ehemaligen Ausbilder und derzeitiger Chef des Bureau of Fire Investigation in New York.

Giles war einer der wenigen Leute, die Williams und Wesleys Geschichte kannte. Nicht nur deswegen war er auch sofort bereit gewesen, Spike in sein Team aufzunehmen. Giles machte sich zwar Sorgen um seinen ehemaligen Schützling und wollte ihn wieder glücklich sehen, doch er war auch froh, ihn als Fire Marshall bei sich zu haben, da er als der Beste in der Branche galt.

Nachdem Spike die zwei Gläser ausgetrunken hatte, verlangte er die ganze Flasche und suchte einen Tisch in einer der Nischen auf, da er vorhatte, sich traditionsgemäß zu betrinken. Während er trank, beobachtete er die Leute in der Bar. Ein blondhaariges Pärchen fiel Spike besonders auf. Die beiden turtelten auffällig miteinander und konnten kaum die Hände voneinander lassen. Die Frau nannte ihren Begleiter dauernd Blondibär und redete auf ihn ein. Spike kam diese nervige Stimme irgendwie bekannt vor, doch er konnte sich nicht erinnern, wo er sie schon einmal gehört hatte. Als er die junge Frau genauer anschaute, wusste Spike aber mit Sicherheit, sie noch niemals gesehen zu haben. „Nehmt euch endlich ein Zimmer", brummte Spike genervt, als der Mann seine Freundin hemmungslos küsste und sie anschließend hinter sich her zog. Das Mädchen kicherte und quietschte auf, als ihr Freund sie in den Hintern kniff, bevor sie die Bar verließen. „Na endlich. Ich dachte schon, er legt sie gleich hier flach." Spike betäubte das aufkommende Gefühl der Einsamkeit mit einem kräftigen Schluck. Trotzdem konnte er nicht verhindern, dass er sofort wieder an Wesley denken musste. Als er dann plötzlich Angels Gesicht vor seinem inneren Auge sah, nahm er erschrocken einen weiteren Schluck. 

Kapitel 4 von silverbird

„Wusstest du, dass Menschen, die wirklich geliebt und ihre Liebe dann verloren haben, statistisch gesehen besonders hohe Chancen haben, einer weiteren großen Liebe zu begegnen? Ich wünsche mir das für dich, Spike. Ich wünsche mir, dass du wieder liebst. Bitte versprich mir, dass du es zulassen wirst. Erlaube dem besonderen Menschen, den du treffen wirst, dich zu lieben", hatte Wes in der letzten Stunde seines Lebens von ihm verlangt.

Er hatte versucht abzulenken, da er dieses Versprechen auf keinen Fall geben wollte und gezwungen lächelnd, hatte er geantwortet: „Du und deine Statistiken, Liebes. Damit kommst du mir immer und ich vermute schon lange, du denkst dir das aus, um deine Aussagen glaubwürdiger erscheinen zu lassen."

„Bitte, Spike", hatte Wesley eindringlich gebeten und widerwillig gab er seinem Geliebten das Versprechen, das ihm so wichtig war. In diesem Augenblick hätte er ihm alles versprochen. Und als Wesley daraufhin beruhigt seufzte und Spike sein letztes Lächeln schenkte, brauchte er all seine Kraft, um seine Tränen zurückzuhalten.

„Shit", Spike wischte sich über die Augen, trank sein Glas schnell leer, warf ein paar Dollar auf den Tisch und verließ eilig das Lokal.

~*~

Der Morgen graute schon, als Penn die Wohnungstür aufschloss. Im Flur stolperte er über eine große Reisetasche und fluchte laut, während er weiter ins Wohnzimmer stolperte. Er bemerkte Angel, der regungslos in seinem Lieblingsstuhl saß.

„Musst du deinen Krempel vor der Tür abstellen? Ich hätte mir den Hals brechen können. Wo fährst du überhaupt hin?", bluffte Penn seinen Freund an.

„Das ist dein Krempel und du bist es, der geht", entgegnete Angel ruhig, ohne sich zu rühren.

Penn stockte kurz, doch er fing sich schnell. ,Ein bisschen auf Reue machen kommt immer gut,' dachte er, ging auf Angel zu und hockte sich vor ihn. „Angel, Süßer, es tut mir Leid, okay?", säuselte er und war sich sicher, Angel damit wie sonst auch um den Finger zu wickeln.

Doch Angel schob Penn von sich, stand auf und erwiderte kalt. „Mir tut es auch leid, Penn. Mir tut es Leid, dass ich meine Zeit mit dir verschwendet habe und jetzt mach das du verschwindest."

„Du bist sauer, das verstehe ich. Ich mach's wieder gut. Komm." Penn fasste Angel an der Hand, um ihn ins Schlafzimmer zu ziehen, doch der entzog sich ihm. „Lass es. Es funktioniert nicht."

Angel schob den verdutzten Penn in den Flur, drückte ihm die Tasche in die Hand und öffnete die Tür. „Den Schlüssel", verlangte er.

Penn nestelte ihn aus seiner Jackentasche und warf ihn zornig auf den Boden. „Das wirst du noch bereuen", keifte er und stürmte aus der Wohnung.

Ruhig schloss Angel die Tür, lehnte sich dagegen und atmete erleichtert aus. Dann begab er sich in die Küche und warf die Kaffeemaschine an. Als er wenig später das heiße Getränk genoss und aus dem Fenster schaute, fühlte er plötzlich eine große Erleichterung in seinem Herzen. Erst nach dem letzten Streit zwischen ihm und Penn war Angel bereit gewesen, kritisch über ihre Beziehung nach zu denken und kam zu der Erkenntnis, Penn war ein Blender. Das war der Grund gewesen, wieso Angel ursprünglich auf ihn hereingefallen war. „Wieso habe ich es nicht bemerkt? Nicht die Unordnung, die war offensichtlich, und damit hätte ich leben können. Aber der Egoismus, sein Desinteresse an allem was ich tue und mag, die Gefühllosigkeit und das nicht nur beim Sex, sondern auch im Alltag. All das hätte mir schon viel früher klar machen müssen, dass er und ich keine Zukunft haben können."

Natürlich hatte Angel nicht erwartet, dass Penn ihm Rosen schenkte oder Kerzen um die Badewanne drapierte. Auch wenn er ein bisschen Romantik durchaus etwas abgewinnen konnte, musste das nicht unbedingt sein. Man konnte genauso gut zusammen Videos anschauen und Popkorn essen. Das wäre durchaus etwas, das Angel als romantischen Abend durchgehen lassen würde, Austausch von gewissen Zärtlichkeiten eingeschlossen, versteht sich. Doch das war gar nicht er Punkt. Erst jetzt war ihm bewusst, warum er über all das hinweggesehen hatte. Er war einsam gewesen, und um nicht mehr alleine zu sein, hatte er zugelassen, dass Penn ihn so behandeln konnte. Daher war es nicht alleine Penns Schuld gewesen, gestand er sich ein. Einsamkeit war schlimm, aber sich so zu verlieren, nur zu geben, ohne je was zurück zu bekommen, war keine Option um glücklich zu sein.

~*~

Am nächsten Tag hatte Angel derart viel im Büro zu tun, dass er erst mach mittag eine Pause machte. Er war mit seiner Leistung zufrieden und beschloss nach dem Desaster mit Penn sich ein bisschen Spass verdient zu haben. Wobei ihm bei dem Wort Spaß einfiel, dass er unbedingt noch etwas in einer bestimmten Richtung etwas unternehmen wollte und was genau das war, fiel ihm jetzt auch ein. Daher ordnete er noch rasch einige Papiere in die Unterschriftenmappe und rief dann seine Sekretärin in sein Büro. Als sie angestöckelt kam erklärte er ihr. „Mrs. Kendall, ich mache Schluss für heute. Die Mappe machen Sie mir bitte fertig. Ich will sie morgen früh zur Unterschrift."

„Okidoki, Bossi. Kann ich dann auch gehen? Mein Freund will heute bei mir einziehen und ich bin ja sooo aufgeregt", flötete Angels Sekretärin und warf kokett ihre langen Haare über die Schulter.

„Wenn sie ihre Arbeit erledigt haben, spricht nichts dagegen." Angel erhob sich, drückte Harmony die Mappe in die Hand und ignorierte ihr endloses Geplapper. Die Kleine ging ihm auf die Nerven, aber sie arbeitete halbwegs zufriedenstellend und Angel beschloss die Zeit, die er bei Wolfram und Hart verbringen würde, keine andere Sekretärin anfordern.

Gleich nachdem er in seinem Wagen saß, griff er nach seinem Handy, denn er brauchte Hilfe für sein Vorhaben.

~*~

„Nike Air Max Schuhgröße 42 und der Stofffetzen stammt von einer Tom Hilfiger Jacke? Nicht gerade billige Sachen. Aber verflucht, jeder dritte Amerikaner hat das vermutlich im Schrank. Das bringt uns überhaupt nicht weiter." Spike seufzte und trat einen Schritt von dem Tisch zurück.

„Nicht unbedingt, aber ich habe auf einem der Verschlüsse der Kanister Blut gefunden. A positiv", entgegnete Fred und legte ihre Notizen auf den Tisch.

„Na wunderbar, die haben 34% aller Amerikaner." Spike verdrehe die Augen und ließ sich auf einen der Stühle fallen.

„Du bist auch mit nichts zufrieden, aber ich bin noch nicht fertig", bemerkte Fred tadelnd. „Da hätten wir noch einen Abdruck eines Handballens."

Spike sprang auf und machte ein begeistertes Gesicht. „Das ist ja so verflucht großartig. Jag ihn gleich durch deinen Handballensscanner Liebes und schon haben wir ihn."

„Erspare mir deinen Sarkasmus. Ich kann nur mit dem arbeiten, was du mir lieferst. Was ich dir allerdings sagen kann ist, dass der Abdruck wahrscheinlich von einer Frau ist, wenn man die Größe beachtet und der Nagellack, den sie trägt, heißt Shining Rose."

„...und das weißt du weil?" Spike schaute Fred fragend an, die erwiderte. „Weil auf einem Kanister eine kleine Lackspur war. Ich vermute die Person ist mit den Nägeln darüber geschrammt. Schade nur, dass sie sich keinen Nagel abgebrochen hat, dann hätte ich die DNA bestimmen können."

„Ich gehe noch mal an beide Tatorte, vielleicht finde ich doch noch etwas, das verwertbar ist. Also was haben wir bis jetzt? Eine Frau die auf Männerkleider steht, Schuhgröße 42 hat und rosa Nagellack trägt. Ne Schwuchtel mit einem Hang zu lackierten Nägeln schließe ich aus, da du sagst der Handballenabdruck ist von einer Frau."

„Vermutlich von einer Frau, der Größe nach zu urteilen", korrigierte Fred.

„Okay, vermutlich", ließ Spike sich belehren. „Ergo handelt es sich um zwei Personen. Liebes, du bist ein Genie." Spike grinste Fred an. Sie lächelte zurück und ihre Augen blitzten schelmisch, während sie eine kleine Plastiktüte vor Spike hin und her schwenkte. „Dreißig Zentimeter, naturblond. Wenn du die Frau findest, der diese Haare gehören, sind wir wahrscheinlich ein gutes Stück weiter."

„Das Beste hast du dir für den Schluss aufgehoben. Ganz schön clever. Ich vermute, das ist das Haarbüschel, das ich im ersten Gebäude am Fensterriegel gefunden habe."

„Genau", stimmte Fred zu. „Die Spektralanalyse hat ergeben, dass die Besitzerin Kokain zu sich genommen hat und das auf einen längeren Zeitraum.

„Okay, danke, Liebes. Da kann ich ansetzen. Mal sehen, ob meine Kontakte sie kennen. Wäre ja möglich. Obwohl, blonde Junkies gibt es wie Sand am Meer." Spike seufzte erneut, lächelte Fred dann aber an, lobte erneut ihre Arbeit und verließ dann ihr Labor. Mit den Papieren, die ihm die Laborchefin gegeben hatte, begab er sich in sein Büro.

Zu seinem Leidwesen hatte er eine Menge Papierkram aufzuarbeiten und seufzend machte er sich an die Arbeit. Es wurde schon dunkel draußen, als Spike seinen Stift endlich weglegte. „Es reicht, ich hasse den verfluchten Papierkram. Morgen bin ich wieder im Außendienst. Wird ohnehin Zeit, ein paar Interviews zu starten‘. Bei diesem Gedanken schnappte er sich das Telefon und rief Angel an. „Lust mitzukommen?", fragte er.

Angel zog skeptisch die Augenbrauen zusammen. „Deine Frage ist nicht sehr aussagekräftig. Was hast du vor? Und um eines gleich klar zu stellen, ich werde nichts anziehen, was aus Gummi, Plastik oder Leder ist. Also versuche erst gar nicht, mir etwas von diesen Dingen aufzuschwatzen."

Spike lachte, obwohl sofort Bilder in seinem Kopf entstanden, die so einiges mit Leder und Latex zu tun hatten. „Nope, keine Verkleidungen. Versprochen. Ich muss ein paar Leute ausquetschen und dachte, das könnte interessant für dich sein."

Angel stimmte zu und sie verabredeten, dass Spike Angel im Büro abholen würde.

~*~

Spike hatte sich noch einen Sechser Pack Bier und eine Pizza besorgt, bevor er seinen Heimweg antrat. Er würde sich einen gemütlichen Abend machen und seine Lieblingssendung im Fernsehen anschauen. Ein guter Plan befand er, den er jedoch nicht ausführen konnte. Denn als er durch den Flur ging, in dem seine Wohnung hätte sein sollen, musste er feststellen, sie war weg. Einfach verschwunden. Wohnung Nr. 17 gab es nicht mehr. Nr. 16. gab es, dann eine lange Wand und danach kam schon Nr. 18.

„Wo, verdammt, ist meine verfluchte Tür?", brüllte Spike und sah sich wieder suchend um.

Er brüllte noch weitere Flüche und trat wütend gegen die Wand.

Dieser Lärm veranlasste einen der Bewohner vorsichtig seine Wohnungstür zu öffnen und heraus zu spähen. „Ach Sie sind es, Mr. Pratt. Haben die Handwerker nicht zu Ihrer Zufriedenheit gearbeitet?"

„Welche verdammten Handwerker? Ich weiß nichts von irgendwelchen verfluchten Handwerkern. Was zur Hölle, haben die gemacht? Meine Wohnung zugemauert, oder was?"

Mr. Rayne trat auf den Flur. „Oh, ihre Wohnungstür. Sie ist weg?"

Spike verdrehte die Augen. „Was Sie nicht sagen. Ist mir gar nicht aufgefallen. Jetzt reden Sie schon. Was war hier los?"

„Genaues weiß ich leider auch nicht. Als ich mittags aus dem Haus ging, begegneten mir zwei Männer, die Gipsplatten in den Flur trugen und noch so anderes Zeug. Sie wissen schon, Farbe, Spachtelmasse..."

Bevor der Mann auch noch jeden Nagel aufzählte, unterbrach Spike ihn. „Schon klar. Kommen wir zum Wesentlichen. Wie sahen die Beiden aus und was haben sie gesagt?"

„Einer war groß, der andere ein Stück kleiner und als ich sie fragte, was sie hier machen, sagte der Größere, eine Wand muss eingezogen werden. Da die Zwei sehr professionell wirkten, habe ich nicht mehr nachgefragt und außerdem musste ich zum Arzt. Obwohl ich einen Termin hatte, musste ich über eine Stunde warten. Ist das nicht unerhört? Dieser Doktor. Ich sage ihnen, wenn er nicht so..."

Spike hörte Mr. Raynes Klagen gar nicht zu, denn seine Gedanken kreisten um die beiden Männer, die offensichtlich seine Wohnungstür zugemauert hatten und Spike überlegte, wer dahinter stecken könnte und vor allem, warum. Das vorherrschende Problem aber war, wie kam er in seine Wohnung? Die Tür schied ja aus. „WEIL NICHT MEHR VORHANDEN!", knurrte Spike zornig und stoppte damit Mr. Raynes Redefluss.

„Nun denn...also, wenn ich helfen kann?" Mr. Rayne schaute Spike unsicher an. Der überlegte kurz. „Jepp, können Sie. Ihr Balkon grenzt an meinen. Ich könnte rüber klettern. Die Balkontür wird ja wohl nicht zugemauert sein. Hoffentlich."

„Das ist aber gefährlich. Sie sind doch bei der Feuerwehr. Wäre es da nicht besser, wenn Ihre Kollegen mit dem Feuerwehrauto kommen und Sie über die Leiter auf Ihren Balkon gelangen? Und Sie sollten die Polizei einschalten, wegen dem was da heute passiert ist. Vielleicht ist es ein Anschlag oder ein...ein Racheakt."

„Racheakt?" Irgendwas klingelte da bei Spike, doch bei dem Gedanken, der ihm kam, schüttelte er den Kopf. „Unmöglich", murmelte er. Noch bevor jedoch weiter darüber nachdenken konnte, wurde er abgelenkt, da Mr. Rayne Spike am Ärmel packte und ihn in die Wohnung zog. „Vielleicht sind sie noch in ihrer Wohnung. Sie müssen sofort die Polizei rufen."

„Nur die Ruhe, Mr. Rayne. Ich bin die Polizei, okay, Feuerpolizei, aber egal. Jedenfalls, ich denke nicht, dass sich die Einbrecher, wobei ich nicht mal glaube, das es Einbrecher waren, selbst einmauern. Ich steige jetzt mal über ihren Balkon und schaue nach. Okay?"

Mr. Ryan nickte zögerlich. „Als Fire Marshall haben sie doch sicher eine Waffe?"

„Jepp, ich knalle jeden ab, der sich in meiner Wohnung ungerechtfertigt aufhält. Versprochen."

Diese Worte beruhigten Mr. Rayn offenbar und er ließ Spike auf den Balkon. Der kletterte behände über die Brüstung und stand eine Minute später vor seiner Balkontür. Gerade dachte er verärgert daran, dass er die Scheibe werde einschlagen müssen, um in die Wohnung zu kommen, als er bemerkte, dass die Tür einen Spalt breit offen stand. Nun doch etwas beunruhigt griff er zu seiner Waffe, schob die Tür soweit auf, dass er hineinschlüpfen konnte und betrat sein Wohnzimmer.

Kapitel 5 von silverbird

Vorsichtig und vollkommen lautlos schlich Spike durch seine Wohnung, umrundete dabei achtsam das Mobiliar, um ja keinen Krach zu machen und konnte nicht fassen, was er sah, als er an der Eingangstür anlangte. An der Klinke waren Kondome angebunden, die wie gasgefüllte Luftballone in der Luft schwebten. Und an der Tür klebte ein Plakat, auf dem in dicken schwarzen Lettern stand. „Das Kondomphantom hat zugeschlagen."

Spike lachte, bis ihm die Tränen kamen. „Verdammt Peaches, das war echt gut und wird schwer zu toppen sein. Aber erst mal wiege ich dich in Sicherheit, bevor ich zurück schlage. Okay, mir muss erst etwas verflucht Gutes einfallen", dachte Spike frustriert und ging wieder auf den Balkon. Er rief Mr. Rayne zu, das alles in Ordnung sei und es sich nur um einen Streich eines Freundes handelte.

Dann holte Spike einen Hammer, öffnete seine Eingangstür und begann ein Loch in die Gipswand dahinter zu schlagen. Als es groß genug war um wieder mühelos aus und eingehen zu können, holte er sein Handy und wählte die Nummer eines Freundes, der in der Baubranche arbeitete. Der versprach ihm, ohne viele Fragen zu stellen, in den nächsten Tagen den Schaden zu beheben.

Während Spike unter der Dusche stand, überlegte er ständig, wie er Angel am nächsten Tag begegnen sollte. Letztendlich beschloss er es mit Humor zu nehmen.

~*~

Als Spike das Vorzimmer Angels betrat, erkannte er die junge Frau sofort wieder, die dort hinter dem Schreibtisch saß.

'Die kichernde Tussi aus dem Bronze . Die Welt ist verdammt klein', dachte Spike und trat an den Schreibtisch. „Mein Name ist Pratt. Mr. Galways erwartet mich", sagte er ohne Umschweife.

„Freut mich, Sie kennen zu lernen. Ich bin Mrs. Kendall, Harmony Kendall."

„Aha, so wie Bond, James Bond", grinste Spike, woraufhin Harmony kicherte. „Aber nein. Nicht Bond, Kendall. Aber Sie dürfen mich Harmony nennen."

Spike unterdrückte den Wunsch die Augen zu verdrehen und sagte stattdessen zuckersüß: „Oder ich nenne Sie B.B."

„Wie Birgit Bardot", rief Harmony begeistert aus, kicherte wieder und klimperte mit ihren langen, falschen Wimpern.

'Nope, wie blond und blöd', dachte Spike und ohne auf das Thema weiter einzugehen, bat er, Angel von seiner Anwesenheit zu unterrichten.

„Schickes Büro, blonde Sekretärin. Du erfüllst alle Klischees, Phantom", sagte Spike grinsend, als er Angel gegenüber stand.

Angel grinste zurück. „Dir hat mein Geschenk also gefallen."

„Jepp, ich finde es immer gut, wenn andere ackern wie die Blöden, um mir eine Freude zu machen. Ich bin schon gespannt, wie sich der Rest des Heliums auswirkt, das ich drinnen gelassen habe, wenn ich die Dinger überziehe", erklärte Spike grinsend.

Angel lachte herzlich. „Du bist ein ziemlich verrückter Kerl."

„Dito", entgegnete Spike, ebenfalls lachend.

Angels Handy klingelte und er schnaubte genervt. Doch als er auf dem Display sah, wer ihn erreichen wollte, nahm er sofort ab. Das Gespräch war sehr kurz und alles was er erwiderte, war: „Ich komme gleich."

Als er aufgelegt hatte, wandte er sich an Spike. „Sorry, ich muss rasch etwas erledigen. Es wird nicht lange dauern. Hast du Zeit auf mich zu warten?"

„Jepp." Spike nickte. „Gegenüber euerem Schuppen habe ich ein Cafe gesehen. Dort warte ich auf dich."

Die beiden Männer verließen Angels Büro und jeder ging seiner Wege.

~*~

Angel betrat das Büro und setzte sich. „Was gibt's so wichtiges, Lindsey, ich habe es eilig."

„Hab's gesehen. Er ist süß. Zu Schade, dass du in festen Händen bist", fügte Lindsey noch spottend hinzu.

„Penn ist Geschichte, falls es das ist, was du wissen wolltest. Und nein, der Fire Marshall ist nicht Schuld daran. Gibt es sonst noch etwas überaus Wichtiges, oder kann ich jetzt gehen? Im Gegensatz zu dir, habe ich nämlich zu arbeiten", gab Angel bissiger zurück, als er eigentlich wollte.

„Sorry, geht mich wirklich nichts an. Obwohl, ich finde es gut, dass du diesen Penner endlich in den Wind geschossen hast." Lindsey grinste, wurde dann aber gleich wieder ernst und beugte sich in seinem Stuhl vor, bevor er leise sagte: „Ich befürchte, sie haben Verdacht geschöpft. Deswegen wollte ich dich persönlich sprechen. Mein Telefon wird abgehört und ich habe bemerkt, dass jemand meine Unterlagen durchgesehen hat."

„Wie kommst du darauf? Hast du Wanzen gefunden?", wollte Angel ebenso leise wissen und Lindsey nickte. Dann drehte er das Telefon um, das auf seinem Tisch stand und entfernte den Deckel, sodass Angel den kleinen, runden Gegenstand sehen konnte.

„Was ist mit deinem Büro?"

„Zwei, ich habe sie heute entfernt und vernichtet. Ich weiß allerdings nicht, wie lange sie schon installiert sind. Trotzdem bin ich ziemlich sicher, dass sie von dir nichts wissen, da deine Einstellung nicht über mich gelaufen ist. Aber sei auf jeden Fall vorsichtig und traue niemanden. Ich verschwinde besser für eine Weile. Darla wird offiziell in zwei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Doch sie und ich haben vereinbart, dass ich sie schon heute abhole. Unsere Sachen sind gepackt und schon im Wagen. Wir fahren gleich vom Krankenhaus aus los. Du weißt, wie du mich erreichen kannst."

Lindsey zog einen Stick aus seinem Laptop und reichte ihn an Angel weiter. Hier ist alles drauf, was du eventuell brauchen kannst", sagte er und begann, diverse Dateien zu löschen.

Angel steckte den Stick in seine Jackentasche. „Okay. Jetzt mach besser, dass du schnell von hier weg kommst. Wenn es in dem Laden so zugeht, wie du mir erzählt hast, und aufgrund dessen, dass sie dich offensichtlich überwachen, bist du hier auf keinen Fall mehr sicher. Wenn du willst, warte ich, bis du deine Sachen gepackt hast und begleite dich hinaus."

„Nein", widersprach Lindsey. „Ich will nicht, dass deine Tarnung auffliegt. Außerdem glaube ich nicht, dass sie mich festhalten würden. Ihre Taktik ist eher unbequeme Leute für immer verschwinden zu lassen. Daher auch mein Plan gleich heute mit Darla zu verschwinden. Natürlich kann ich mich irren und es zu krass sehen. Allerdings gibt es Gerüchte, dass die Firma schon Leute hat verschwinden lassen. Ich habe nachgeforscht, diesbezüglich, aber nichts finden können. Aber der Anschlag auf Darlas Modestudio und die Überwachung meines Büros, da muss ein Zusammenhang bestehen und ich werde auf keinen Fall riskieren, dass Darla noch einmal etwas zustößt."

„Du liebst sie sehr", stellte Angel fest. Lindsey nickte und lächelte verträumt. „Ja. Nie zuvor war mir eine Frau so wichtig und ich werde alles tun, damit sie glücklich ist." Der Anwalt richtete sich in seinem Stuhl auf und verlangte von Angel. „Jetzt verschwinde. Ich warte noch zwanzig Minuten, dann gehe ich auch."

Angel stand auf, beugte sich über den Tisch und erklärte leise: „Ich setzte mich in das Cafe gegenüber dem Haupteingang. Wenn ich dich in der nächsten halben Stunde nicht herauskommen sehe, stürmen wir den Laden und holen dich raus."

Lindsey grinste. „Du und dein Fire Marshall nehme ich an? Denkst du, ihr Zwei schafft das?"

Angel schnaubte. „Hör auf blöde Sprüche zu klopfen und mach. Ich melde mich." Die Beiden nickten sich zu und Angel verließ das Büro. Ein paar Minuten später betrat er das Cafe und sah sich suchend um.

Spike hatte einen Platz am Fenster gewählt, von dem aus er das Gebäude von Wolfram und Hart beobachten konnte. 'Perfekt', dachte Angel und gesellte sich zu dem Fire Marshall. Die Straße nicht aus den Augen lassend, lehnte er sich zurück und seufzte leise.

Spike fiel der veränderte Gesichtsausdruck des Versicherungsagenten sofort auf. „Alles okay?"

„Nein", gab Angel abweisend zur Antwort.

Spike hob kurz eine Augenbraue an, lehnte sich dann jedoch in seinem Stuhl zurück. „Schon verstanden, geht mich nichts an."

„Tut mir leid", sagte Angel, als ihm bewusst wurde, wie unfreundlich er sich benahm. Spike schien ein aufrichtiger, hilfsbereiter Kerl zu sein, der nicht nur Humor hatte, sondern sich eventuell auch als Verbündeter erweisen konnte. Daher beschloss Angel den Marshall bis zu einem gewissen Punkt einzuweihen. Allerdings würde er kein Risiko eingehen und nur so viel erzählen, wie unbedingt nötig. Auch wenn Angels Nachforschungen über Spike ergeben hatte, dass er integer war, so hatte er schon öfter erlebt, dass sich selbst der aufrichtigste Mann bestechen ließ, wenn nur die Summe stimmte.

„Schon gut. Wenn du mal jemanden zum Reden brauchst, bin ich da, wenn nicht, passt es auch. Kaffee?", riss Spike Angel aus seinen Gedanken.

Angel lächelte dankbar und nickte.

Nachdem die Bedienung die Tasse vor ihm abgestellt hatte, nahm er einen kleinen Schluck, beobachtete den Eingang des Bürogebäudes aber weiterhin, als er sagte: „Es geht um den Anruf von vorhin. Ein guter Freund von mir steckt in Schwierigkeiten. Es könnte sein, dass es zu Tätlichkeiten kommt, sollte er festgehalten werden. Er rechnet zwar nicht damit, aber möglich ist es schon."

„Tätlichkeiten? Ich hoffe du meinst damit eine hübsche kleine Rauferei." Spikes Augen leuchteten auf und er trommelte vergnügt mit den Fingern auf dem Tisch. „Ich bin dabei."

Angel schaute kurz zu Spike, der über das ganze Gesicht grinste und seine Schultern kreisen lies, um sie zu lockern. Unwillkürlich musste Angel lachen. „Du bist ganz schön verrückt."

„Und das sagt einer, der Türen zumauert und mit Kondomen nichts besseres anzufangen weiß, als sie als Luftballone zu missbrauchen. Denk bloß nicht, dass ich dich damit davonkommen lasse und deinen Komplizen auch nicht", gab Spike leise lachend zurück.

„Wenn ich dich erinnern darf, du hast angefangen, indem du mich in dieses Ganzkörperdings gesteckt hast. Da war es nur gerecht, dass ich zum Gegenschlag ausgeholt habe. Also sind wir quitt. Und was meinen Komplizen betrifft, du wirst selbst unter Folter seinen Namen nicht aus mir herauskriegen."

Spike grinste und wackelte mit den Augenbrauen. „Glaub mir, bei meinen Foltermethoden würdest du mir mehr verraten als ich wissen will."

„Ui, du bist wohl ein ganz Böser", entgegnete Angel, von der Drohung offenbar nicht sehr beeindruckt.

Spike setzte ein besonders dreckiges Grinsen auf. „Du hast ja keine Ahnung Peaches."

 

Kapitel 6 von silverbird

Spike und Angel hatten trotz ihres verbalen Schlagabtausches die Eingangstür von Wolfram und Hart nicht außer Augen gelassen und als Lindsey zwanzig Minuten später mit seiner Aktentasche unter dem Arm herauskam, sagte Angel. „Okay, er ist offenbar problemlos raus gekommen. Trotzdem würde ich ihm gerne folgen, um mich zu überzeugen, dass er unbeschadet aus der Stadt kommt. Bist du mit deinem Wagen da?"

Spike nickte, legte ein paar Münzen für den Kaffee auf den Tisch und stand auf. „Jepp, er steht gleich um die Ecke. Aber wenn ich schon den Beschattungswagen fahren soll, will ich auch genaueres über den Kerl wissen, und alles, was damit zusammen hängt", verlangte er, während sie das Cafe verließen.

Angel überlegte, wieweit er Spike einweihen konnte, beschloss dann, ihn soviel zu erzählen, wie er verantworten konnte. „Lindsey und ich haben zusammen studiert. Nach dem Studium nahm Lin den Job hier bei Wolfram und Hart an und ich blieb in L.A., aber wir haben immer Kontakt gehalten. Vor einem Jahr lernte er Darla kennen, sie heirateten bald darauf und ich war Trauzeuge. Darla ist innerhalb eines Jahres zu einer gefragten Designerin aufgestiegen und hatte ihr eigenes, sehr gut gehendes Studio, das bei Wolfram & Hart versichert war.

Darlas Studio brannte vor drei Monaten ab und sie wurde schwer verletzt. Die Untersuchungen haben ergeben, dass ein Selbstverschulden vorlag. Es wurde vergessen, eine der Kerzen auszumachen, die für die Probe vor der Präsentation angezündet worden waren. Darla hatte ihre Mitarbeiter gegen drei Uhr Früh nach Hause geschickt. Sie selbst war noch geblieben, um noch ein paar Accessoires zuzuordnen. Sie machte das in ihrem Büro und bemerkte daher das Feuer zu spät, um das Gebäude noch verlassen zu können. Die Feuerwehrleute haben sie zwar gerettet, doch sie hatte schwere Verbrennungen.

Jedenfalls, als Darla später aussagen konnte, bestritt sie, dass Kerzen angezündet gewesen waren und auch ihre Mitarbeiter sagten dasselbe aus. Aber die Versicherung zahlte natürlich nicht. Sie beriefen sich auf den Bericht der Brandermittler. So weit war es ja auch korrekt. Lindsey glaubte jedoch Darlas Aussage, und da sie bei Wolfram und Hart versichert gewesen war, begann er nach weiteren Fällen, wie ihrer einer war, zu suchen. Und er wurde fündig."

Spike machte ein nachdenkliches Gesicht. „Also Versicherungsbetrug, aber diesmal andersrum. Doch zu welchem Zweck, außer der Versicherung Geld zu sparen?"

„Wolfram & Hart ist ein riesiger Konzern und hat im ganzen Land Filialen. Wenn man es geschickt anstellt, fällt es nicht auf, wenn ein paar Millionen fehlen", erwiderte Angel.

„Kann ich mir ohne weiteres vorstellen, aber wieso nur Modehäuser?", wollte Spike wissen.

Angel zuckte mit den Schultern. „Das habe ich noch nicht herausgefunden."

Spike schwieg eine Weile, dann sagte er: „Du bist nicht der, der du vorgibst zu sein."

„Ich untersuche Fälle, die auf ein Verbrechen schließen lassen", entgegnete Angel vage, ohne auf seinen Job genauer einzugehen.

Spike wusste, Angel würde nicht mehr verraten und akzeptierte das auch. Vorläufig zumindest. „Schon klar. Wir sind da", sagte er und parkte den Wagen auf der anderen Seite des Krankenhauses, von wo aus sie beobachteten, wie Lindsey ausstieg und auf den Eingang zu ging.

Angel war froh, dass Spike nicht weiter nachbohrte, was seinen Beruf anging und so schauten beide schweigsam auf die Tür des Krankenhauses.

Zwanzig Minuten später kam Lin heraus, einen Arm fürsorglich um eine hübsche, blonde junge Frau gelegt und in der anderen Hand eine elegante Reisetasche, die offensichtlich Darla gehörte. Sie erreichten nach ein paar Schritten das Auto, Lindsey half seiner Frau einzusteigen und nachdem er selbst im Auto saß, fuhr er auch sogleich los.

Ohne dass Angel Spike aufforderte, startete der ebenfalls den Motor und folgte dem Wagen des Anwalts in gebührenden Abstand. Als sie das nördliche Ende der Stadt erreicht hatten und Lindsey auf den Highway abbog, wollte Spike wissen, ob er weiter nachfahren sollte. „Nein, ist nicht notwendig. Soweit ich beobachten konnte ist ihm niemand gefolgt."

„Gut, dann schaffen wir noch die Befragung, bevor die Sonne untergeht", bemerkte Spike und lenkte sein Auto zurück in die Stadt.

~*~

„Ich bin völlig ruiniert. Die Show musste abgesagt werden, ich habe alle meine potentiellen Kunden verloren. Mein Leben ist zu Ende", jammerte Lorne Krevlor, gleich nachdem Angel und Spike das Haus betreten hatten. Plötzlich musterte er die beiden von Kopf bis Fuß, trat einen Schritt zurück und betrachtete Angel und Spike nochmal genauer. „Sie sind richtige Zuckerschnecken und müssen unbedingt für mich laufen. Der Kontrast zwischen ihnen käme wunderbar für meine Frühjahrskreationen."

Angel runzelte die Stirn. Was wollte dieser Mann?

Spike wusste es offenbar, denn er brauste auf. „Sind Sie noch ganz dicht? Erstens bin ich nichts Süßes, und ich renn schon gar nicht über ein blödes Brett, um mich lächerlich zu machen."

„Das wird nicht passieren, das Laufen über den Catwalk ist schnell gelernt", erklärte Mr. Krevlor, der Spikes Reaktion offenbar völlig falsch interpretierte.

„Vergessen Sie das und zwar verflucht schnell. Können würde ich, aber wollen nicht, um das gleich mal klar zu stellen. Nein. Nope. Auf keinen verdammten Fall. Da friert eher die Hölle zu, bevor...."

„Ich denke, Mr. Krevlor hat dich verstanden", mischte Angel sich ein und verkniff sich nur schwer ein Grinsen.

„Okay", sagte Spike plötzlich wieder völlig ruhig und zuckte gleichmütig mit den Schultern.

Angel schaute den Fire Marshall kurz an und schüttelte verwundert den Kopf. ´Versteh einer diesen Kerl. Erst regt er sich so auf, dass ich schon dachte, er geht dem Designer an die Gurgel und eine Sekunde später, ist er die Ruhe selbst`.

Angel beschloss, darüber nicht weiter nachzudenken und sich stattdessen mit Mr. Krevlor zu befassen. Schließlich brauchte er endlich Antworten, und vielleicht brachten die Aussagen des Designers auch Licht in seine anderen Fälle. „Wir wissen inzwischen, dass es sich um Brandlegung handelt. Haben sie einen Verdacht, wer das Feuer gelegt haben könnte?"

„Wie bitte? Das Feuer wurde gelegt? Wer sollte so etwas machen? " Mr. Krevlor war sichtlich geschockt.

„Wenn Sie selbst es nicht waren, der diese Bude abgefackelt hat, dann gibt es jemanden, der Ihnen Schaden wollte", warf Spike ein.

„Ich werde doch nicht meine eigene Kollektion zerstören. Das war meine beste Arbeit", erwiderte Mr. Krevlor entrüstet. „Und ich habe keine Feinde, zumindest nicht wissentlich. Konkurrenten hat jedes Genie, aber keiner würde soweit gehen. Nein, das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen."

„Sie verdienen doch einen ganzen Haufen Kohle mit diesen Fetzen..."

„Spike!", rief Angel warnend und Spike verdrehte die Augen, bevor er fort fuhr. „Mit diesen... feinen... Kleidungstücken. Recht so, Mr. Galways?", sagte Spike kurz an Angel gewandt, der zustimmend grinste.

Spike grinste ebenfalls, dann wandte er sich wieder an Lorne. „Schön, dann also weiter im Text. Also dann denken Sie mal ganz scharf nach ,Mister, wenn es keiner der Konkurrenz war, wer dann? Wem sind Sie so auf seine verfluchten Füße getreten, dass er sie ruinieren will? Eine verschmähte Liebe? Ein Angestellter, den Sie rausgeschmissen haben? Eine von ihren Stelzengängerinnen vielleicht?"

Lorne zuckte Hilflos mit den Schultern. „Nicht das ich wüsste. Meine Schneiderinnen, die Hilfskräfte und ebenso meine Assistentin, arbeiten schon seit Jahren für mich. Sie bucht auch die Models. Natürlich wird eine strenge Auswahl getroffen, aber soweit ich weiß, gab es deswegen nie Unstimmigkeiten. Ich zahle meine Leute auch gut, sehr gut möchte ich behaupten, daher kann ich mir nicht vorstellen, dass es einer von ihnen gewesen sein könnte."

„Toll, wir kommen echt weiter", murrte Spike und seufzte tief, bevor er sich wieder an Mr. Krevlor wandte und ihm seine Visitenkarte reichte. „Wenn Ihnen noch irgendetwas einfallen sollte, rufen Sie mich bitte an."

Lorne nahm die Karte entgegen und nickte. Angel und Spike verabschiedeten sich und verließen das Wohnhaus des Designers.

Während sie zu Spikes Auto gingen, schlug Angel vor: „Lindsey hat mir einen Datenstick gegeben. Sehen wir nach, was drauf ist, vielleicht bringt uns das ein Stück weiter."

„Und das werden wir uns nicht in deinem Büro anschauen", stellte Spike völlig richtig fest, denn Angel nickte zustimmend. „Ich schlage vor, wir fahren zu mir."

„Wenn du Bier zu Hause hast, bin ich dabei", entgegnete Spike und sperrte den Wagen auf.

Nachdem sie eingestiegen waren erklärte Angel. „Sorry, ich bin Weintrinker. Aber einen guten Scotch kann ich dir anbieten."

Spike nickte. Gegen ein Glas war nichts einzuwenden und so lenkte er den Wagen nach Angels Anweisungen durch die Straßen. Es hatte inzwischen zu schneien begonnen und   einige Geschäfte hatten schon mit ihre Weihnachtdekoration angefangen. In drei Wochen war Weihnachten. Der Baum auf dem Rockefeller Plaza stand schon seit ein paar Tagen und Spike musste daran denken, wie sehr Wesley Weihnachten geliebt hatte. Jedes Jahr hatte er einen Baum angeschleppt, ihn mit kitschigem Kram behängt und diesen grauenhaften Eierpunsch gemacht. Und die Augen von Wes hatten gestrahlt vor Glück. Deshalb war auch Spike glücklich gewesen und nach dem fünften oder sechsten Punsch fand er das Getränk auch nicht mehr so ekelig. Spike lächelte versonnen vor sich hin, als er die Bilder heraufbeschwor, die Wes und ihn vor dem Baum sitzend zeigte, besoffen Weihnachtslieder grölend und sich glücklich angrinsend. Damals hatte er wegen Wes dieses Fest gemocht, obwohl er nie so der Weihnachtsfan war. Heute hasste er es und blendete alles aus, was mit Weihnachten zu tun hatte.

„Da, ein Parkplatz", rief Angel aus und Spike war dankbar aus seinen trübsinnigen Gedanken gerissen zu werden. Er richtete seine ganze Aufmerksamkeit darauf einzuparken und wenig später liefen sie durch das immer dichter werdende Schneetreiben auf das Haus zu, in dem Angel wohnte.

Weder Spike noch Angel bemerkten die Gestalt, die beobachtete, wie die Beiden das Gebäude betraten.

Kapitel 7 von silverbird

Nachdem sie das Haus betreten hatten, fuhren sie mit dem Aufzug in das oberste Stockwerk. Angel schloss die Tür auf, trat ein und schaltete das Licht im Flur an. Nachdem sie ihre Jacken abgelegt hatten, führte Angel den Marshal in das Wohnzimmer und bat Spike, Platz zu nehmen, während er durch eine weitere Tür ging, die in die Küche führte.

Während Spike wartete, schaute er sich in dem Wohnraum um. Er sah ganz anders aus als erwartet. Denn im Vergleich zu Angels teurem Outfit, waren seine Möbel von billiger Qualität. Ebenso der Teppich und die Gardinen, die auf jeden Fall schon bessere Zeiten gesehen hatten. ‚Entweder er ist ein Blender, oder es ist mehr dran an meiner Vermutung, als bisher angenommen‘, dachte Spike, denn als er den Laptop vor sich auf dem Couchtisch entdeckte, erkannte er, dass es sich um ein Spitzengerät handelte.

Es juckte ihn in den Fingern, den Laptop anzuwerfen, doch Angel würde jeden Moment zurück sein, daher ließ Spike es bleiben. Das war auch gut so, denn gerade in diesem Augenblick kam Angel wieder ins Zimmer, ein Tablett in den Händen. Er stellte es auf dem Tisch ab und Spike sah, dass sich Gläser, eine exquisite Flasche Rotwein, sowie ein sehr alter Whiskey darauf befanden. Diese Spitzenprodukte passten schon besser zu Angel und bestärkte Spike in seiner Vermutung, dass der große, dunkelhaarige Mann ein Geheimnis hatte, das natürlich seinen Jagdinstinkt weckte, und es stand für ihn außer Frage, dass er Angels wahre Identität herausfinden würde.

„Hey", sagte Angel leise und als er Spikes Aufmerksamkeit hatte, lächelte er ihm zu und reichte ihm ein Glas mit dem goldfarbigen Whiskey. Als sich ihre Finger kurz berührten, rieselte ein angenehmer Schauer über Spikes Wirbelsäule. Daher zitterten seine Finger etwas und rasch führte er das Glas zum Mund, um einen kräftigen Schluck zu nehmen. Danach fühlte er sich etwas besser. 

‚Es sind mehr als seine Augen die mich verzaubern, oder müsste ich es bezaubern nennen? Keine Ahnung und es ist auch nicht wichtig. Er könnte meinen Vorsatz mich auf niemanden mehr einzulassen, durchaus über den Haufen werfen." Angel schüttelte in Gedanken den Kopf. „ Was für unsinnige Gedanken. Er hat einen Freund. Schließlich habe ich die Fotos gesehen. Also vergiss es, Angel, er ist nur da wegen des Sticks‘.  

Entschlossen klappte er den Deckel seines Laptops auf und fuhr ihn hoch. Dann trank er ebenfalls einen großen Schluck Wein, stellte sein Glas ab und holte den Datenträger aus seiner Tasche, um ihn anzustecken.

Die nächste Zeit durchforsteten sie die Dateien, machten sich Notizen und aßen Pizza, die Angel inzwischen bestellt hatte.

„Ich brauch jetzt eine Zigarette", sagte Spike und streckte sich durch. Angel beobachtete, wie sich Spikes Muskeln unter dem engen T-Shirt formten und er seufzte ungewollt auf.

Spike hob eine Augenbraue und schaute Angel an. „Scheinst auch ganz steif zu sein", mutmaßte er und Angel dachte: ‚Wie Recht du hast, nur anders als du denkst‘, bevor er laut sagte. „Kein Wunder. Wir hocken schon seit Stunden hier und wir haben noch immer nicht alle Akten durch. Ich koche uns Kaffee, und dann zeige ich dir einen Platz, wo du rauchen kannst."

Ein paar Minuten später hatte jeder von ihnen einen Becher mit der dampfenden Flüssigkeit in der Hand und Angel führte Spike in einen Raum, der sich als Angels Schlafzimmer entpuppte. Auch dieses Zimmer war spartanisch und mit billigen Möbeln ausgestattet, einzig die Bettwäsche bestand aus edlem Material, wie Spike mit Kennerblick bemerkte. Noch bevor er sich genauer umschauen konnte, griff Angel nach einer Stange, die an der Wand lehnte und an dessen einen Ende ein Hacken befestigt war. Erst als Angel die Stange an die Decke führte, bemerkte Spike den Ring, der dort eingelassen war. Angel zog daran und eine Klappe öffnete sich, wodurch eine ausziehbare Leiter zum Vorschien kam, die Angel bis zum Boden herunter zog.

Spikes verwunderter Blick brachte Angel zum Grinsen. „Voila", sagte er und ließ Spike den Vortritt, der die Leiter erklomm und gleich darauf hatte er einen wunderbaren Blick über einen Teil der Stadt. „Tolle Aussicht", kommentierte der Marshall und nippte an seinem Kaffee, bevor er seine Zigaretten aus der Tasche zog und auch Angel eine anbot, bevor er sich selbst eine ansteckte. Eine Weile rauchten sie schweigend, dann ergriff Angel das Wort. „So wie ich das sehe, haben wir hier zwei verschiedene Verbrechen, die jedoch zusammenhängen. Brandanschläge und Versicherungsbetrug. Doch für dich sind nur die Brände interessant."

„Aber das wissen wir erst, wenn wir alles durchgearbeitet haben. Also sollten wir uns ranhalten", entgegnete Spike.

„Ich schlage vor, wir machen noch zwei Stunden, damit wir noch ein bisschen Schlaf bekommen", erwiderte Angel und Spike nickte. Dann begaben sie sich wieder in die Wohnung und arbeiteten weiter.

„Wie war der Name der Besitzerin des Ladens bei dem Brand in Los Angeles? Der Fall, wo zuerst Eigenverschulden und nach dem zweiten Gutachten doch Brandstiftung festgestellt wurde?" fragte Spike eine halbe Stunde später und wühlte in den ausgedruckten Blättern. 

„Wieso ist das relevant?", wollte Angel wissen und schaute Spike fragend an.

„Bevor ich nach New York kam, war ich in Los Angeles stationiert. Da gab es einen Fall von Korruption", murmelte Spike, während er weiter in den Unterlagen suchte. „Da ist es", rief er plötzlich aus, ließ das Blatt aber wenig später sinken. „Hm, der Name sagt mir nichts."

Angel schaute interessiert auf das Blatt, bevor er fragte: „Wie lange ist das her?"

„Knapp vier Jahre. Einer aus unseren Reihen hatte falsche Gutachten ausgestellt und sich gut dafür bezahlen lassen. Er war mein Einsatzleiter in L.A. und... es brennt." Spike sprang auf und sah sich um.

„Wie es brennt? Ist das jetzt ein Gedankensprung von dir, den ich nicht verstehe?", wollte Angel verständnislos wissen.

„Nope, es bedeutet schlichtweg, dass es brennt. Ich rieche Rauch und er kommt von... da." Spike ging auf die Diele zu, unter dessen Tür sich feiner Rauch kringelte. „Gib mir mal deinen Feuerlöscher. Schnell wäre gut", wies er Angel an, der inzwischen ebenfalls aufgesprungen war und entsetzt auf die Tür starrte. „Feuerlöscher? So etwas besitze ich nicht", gab Angel kleinlaut zurück und Spike fauchte Angel an. „Du hast keinen Feuerlöscher? Jeder verdammte New Yorker hat einen verfluchten Feuerlöscher."

„Ich bin Ire", entgegnete Angel und verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust.

„Ach soooo, na das ist natürlich etwas anderes und erklärt alles. In Irland gibt es also kein Feuer. Daher braucht auch keiner einen Feuerlöscher. Logisch."

„Spar dir deinen Sarkasmus, Spike, davon geht das Feuer auch nicht aus."

„Kluges Kerlchen. Dazu bräuchten wir nämlich einen verdammten Feuerlöscher, den wir nicht haben, weswegen ich jetzt Xander anrufen muss und das mein Freund, wirst du mir büßen." Spike holte sein Handy aus der Tasche und rief seine Feuerwache an. In kurzen Worten erklärte er was passiert war. Dann legte auf, da sagte Angel auch schon. „Dieses ganze Gerede führt doch zu nichts. Wir müssen hier raus." Angel eilte zur Tür und wollte sie aufmachen, als Spike „Halt" brüllte und Angel an der Schulter zurückriss.

„Lass mich sofort los, ich muss hier raus. Ich..." Angel begann zu husten und Spike drückte ihn rasch an sich. „Ganz ruhig, Liebes. Hör mir jetzt gut zu. Hörst du mir zu?"

Angel nickte, schaute Spike aber panisch an, und er erklärte schnell: „Feuer nährt sich von Sauerstoff. Wenn du die Tür aufmachst, kann es passieren, dass eine Feuerwalze über uns hinwegfegt. Aber im Moment ist es der Rauch, der gefährlicher ist. Meine Leute werden jeden Augenblick da sein und du tust jetzt genau, was ich sage und das rasch. Papiere, Geld, Wertsachen. Hast du das griffbereit?"

Als Angel nickte, fuhr Spike fort. „Okay, hol es dir und dann rauf aufs Dach."

Angel nickte erneut und rannte ins Schlafzimmer, während Spike den Stick aus dem Laptop zog und einsteckte. Die ersten Flammen züngelten unter der Tür durch und Spike warf einen kurzen, aber besorgten Blick darauf. Er seufzte, als er daran dachte, dass gerade sein geliebter Mantel da draußen verbrannte, aber materielle Dinge waren ersetzbar. Was er wirklich hoffte, war, dass die Menschen in diesem Gebäude gerettet wurden. Aber er wusste, Xander würde alles tun, was er nur konnte. Diesbezüglich war er einer der Besten.

Spike lief ebenfalls ins Schlafzimmer, riss eine Schranktür auf, warf einen Blick hinein und zerrte zwei Jacken heraus. Eine zog er an, dann rannte er in die Mitte des Raumes, öffnete die Luke zum Dach und holte die Leiter herunter. „Komm schon, Angel, die Zeit wird knapp", rief er dem Mann zu, der noch in einer Schublade wühlte und Spike sah, dass er eine Waffe, die in einen Holster steckte, in seine Hosentasche schob und sich den Aktenkoffer griff, der auf dem Bett lag, bevor er Spike über die Leiter nach oben folgte.

Kaum hatten sie das Dach erreicht, verschloss Spike die Luke, um dem Feuer, wenn es sich auf die Wohnung ausgebreitet hatte, so lange wie möglich den Sauerstoff vorzuenthalten. Kaum war das erledigt, warf er Angel die Jacke zu, die dieser rasch anzog. Es war bitter kalt und der eisige Wind, der übers Dach wehte, tat sein übriges, dass die Beiden vor Kälte zitterten. Sekunden später hörten sie auch schon das Folgetonhorn und als sie zur Balustrade traten und einen Blick hinunter schauten, konnten sie unter sich emsige Feuerwehrleute sehen, die gerade ins Gebäude eindrangen.

Der Rauch, der inzwischen aus den Fenstern quoll, zwang Spike und Angel zurück und sie begaben sich wieder in die Mitte des Daches. Spikes Handy klingelte plötzlich und als er abnahm meldete sich Xander, dessen Stimme besorgt klang, wie er bemerkte. „Alles klar bei dir?"

„Jepp. Bestens. Uns friert zwar das Hirn ein, aber im Gegensatz dazu wärmt uns das Feuerchen die Füße", entgegnete Spike sarkastisch, bevor er professionell bat. „Gib mir mal einen kurzen Lagebericht."

„Feuer nur im obersten Stock. Der Vorteil ist, wir konnten alle Bewohner unversehrt rausholen, der Nachteil, das Feuer oben breitet sich zu rasch aus. Wie ich es einschätze zu rasch, um euch noch rechtzeitig rauszuholen. Mit den Leitern kommen wir nicht ran. Sprungtuch können wir auch vergessen. In beiden Fällen sind es die Flammen, die aus den Fenstern kommen und das verhindern. Hermes ist angefordert und sollte in ein paar Minuten da sein."

„Großartig! Einen Rundflug über New York... dafür zahlen manche Leute ein paar Tausend Dollar und wir kriegen es gratis und einen Einfrierbonus gibt es auch noch dazu. Ich bin begeistert."

„Halt die Klappe, Spike und sei froh, dass ich dich überhaupt rausholen lasse. Glaub mir, ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, es nicht zu tun", schnaubte Xander ungehalten ins Telefon.

„Hast du nicht. Gib es zu, ohne mich wäre es dir viel zu langweilig", konterte Spike und grinste.

„Lass mich überlegen", entgegnete Xander. „Keiner der mich nervt, mit blöden Sprüchen um sich wirft und mich lächerlich macht? NEIN! Daher war es ein Fehler, den Hubschrauber zu bestellen."

„Tja, zu spät. Außerdem rettest du zwei Leben. Zusätzlich zu den vielen anderen, die du heute schon gerettet hast. Xander, du bist mein Held, ehrlich." Spike lachte leise und Xander brach das Gespräch ohne ein weiteres Wort ab. Spike hätte ohnehin nichts mehr verstanden, denn gerade in diesem Augenblick übertönte das knatternde Geräusch eines Hubschraubers jeden anderen Laut. 

„Wurde auch Zeit. Das ist Hermes.", brüllte Spike Angel ins Ohr, der nach oben schaute und die Schlinge verfolgte, die zu ihnen herunter gelassen wurde. Er legte Angel und dann sich selbst den Gurt an. Dann gab Spike ein Zeichen nach oben und der Hubschrauber wechselte von seiner in der Luft stehenden Position in die fliegende. Keine Sekunde zu früh, denn als Spike und Angel nach unten blickten, sahen sie, wie die Flammen aus der Luke schlugen.

                                                            ~*~

Obwohl es nicht lange dauerte, bis die Beiden in das Innere des Hubschraubers gezogen wurden, waren sie völlig durchgefroren und die Finger so klamm, dass sie sie nicht bewegen konnten. Die beiden Helfer im Helikopter hievten sie auf die Sitzplätze, entfernten den Gurt und hüllten sie in Decken. „Wir bringen euch ins Krankenhaus", erklärte einer der Männer, doch Angel sowie Spike schüttelten den Kopf. „Wir sind okay", erklärte Spike. „Nimm uns mit in die Zentrale. Ich muss mit Giles reden."

„Spike, du kennst die Regeln. Ihr müsst euch untersuchen lassen. Wenn alles okay mit euch ist, schicke ich dir jemand, der dich abholt", erklärte der Mann bestimmt und Spike gab nach. Seine Erfahrung sagte ihm zwar, dass sie in Ordnung waren, trotzdem wollte er sicher gehen, dass Angel nichts abbekommen hatte.

Kaum hatte sie der Hubschrauber abgesetzt, wurden sie auch schon in die Untersuchungsräume gebracht und eine knappe Stunde später wurde Angel sowie auch Spike bestätigt, dass sie durch den Brand keinerlei Folgeschäden davon getragen hatten. Die Beiden trafen auf dem Krankenhausflur wieder aufeinander, jeder eine Decke um die Schultern und Angel überlegte laut, was er nun zu tun gedachte. „Wenn einer deiner Männer kommt, könnt ihr mich in einem Hotel absetzten?"

„Jepp, können wir schon, aber da wirst du kein Glück haben. Ein paar Wochen vor Weihnachten ist New York völlig ausgebucht. Erst von den Einkäufern, dann von den Leuten die hier die Feiertage verbringen wollen. Aber es gibt zwei Möglichkeiten die ich dir anbieten kann. Entweder du schläfst in einem der Bereitschafsunterkünfte bei uns im FDNY, viel Ruhe hast du da aber nicht. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen und so etwas wie Privatsphäre gibt es nicht. Oder du kannst bei mir unterkommen, bis du wieder etwas Eigenes hast", bot Spike Schulter zuckend an.

Feuerwache oder Spikes Couch? Da gab es für Angel nicht viel zu überlegen. Trotzdem wunderte er sich über sein Angebot. Was war mit seinem Freund? War er auf Reisen? Oder führten sie eine offene Beziehung und lebten eventuell auch in getrennten Wohnungen? Solche Arrangements waren in letzer Zeit sehr beliebt und Angel kannte Spike nicht gut genug, um ihn diesbezüglich einschätzen zu können. Daher beschloss er offen zu sagen, was er dachte. „Natürlich wäre es mir lieber ein paar Tage bei dir zu wohnen als in einer Feuerwache. Worüber ich mir allerdings Gedanken mache ist dein Freund. Was wird er dazu sagen?"

Kapitel 8 von silverbird

Gute Frage. Was würde Wesley dazu sagen? ‘, überlegte Spike und wusste auch gleich die Antwort. Sollte er auf Wes hören? Spike beschloss, sich später damit auseinander zu setzten und Angel erst mal zu antworten, bevor der aus seinem Schweigen falsche Schlüsse zog. „Er hat nichts dagegen", sagte er daher knapp. „Machen wir also, dass wir nach Hause kommen. Ich brauche wenigstens ein paar Stunden Schlaf. Einer meiner Männer wartet schon vor dem Krankenhaus auf uns.

Angel beschloss, keine weiteren Fragen zu stellen. Wozu auch? Zudem war er müde und deprimiert. Nicht nur, weil er all sein Hab und Gut verloren hatte. Das würde die Versicherung ersetzten. Außerdem hatte er die billigen Möbel vom Vormieter übernommen. Spikes Aussage war es, was ihm zusetzte. Dabei wusste Angel schon lange, dass er einen Freund hatte. Aber irgendwie hatte er es einfach immer verdrängt. Vermutlich würde er ihn bald kennen lernen und dann vielleicht auch in Erfahrung bringen, in welcher Art Beziehung die Zwei lebten. Wobei, es ging ihn ja nichts an.

Keine halbe Stunde später waren sie in Spikes Wohnung und kaum dort angekommen, bot er Angel an, zuerst unter die Dusche zu gehen, was Angel dankbar annahm.

 Inzwischen stand Spike vor seinem Schrank und starrte auf das Fach in dem noch einige Kleidungstücke von Wesley lagen. „Soll ich oder soll ich nicht?", murmelte er und nahm dann doch entschlossen einige Kleidungstücke heraus. Wes würde nichts dagegen haben, da war Spike sicher und auch wenn Angel die Sachen nicht so ganz passen würden, Spikes Kleider waren ihm definitiv zu klein.

„Ist ja nur für diese eine Nacht. Morgen kann er sich ja Klamotten kaufen gehen", brummte Spike und marschierte mit den Kleidern in der Hand zum Bad. Er klopfte, merkte dann aber, dass die Dusche noch lief. Angel würde ihn daher nicht hören können. Deswegen öffnete Spike die Tür und legte die Kleider auf den Hocker neben dem Waschbecken.

Er wollte das Bad rasch wieder verlassen, doch als er einen Blick auf die durchscheinende Duschwand warf, konnte er nicht umhin, Angels Konturen zu betrachten und schon das bisschen, was er sah, genügte, dass ihm ziemlich warm wurde. ‚Wieso habe ich eigentlich eine Duschwand aus Milchglas, verdammt? ‘, dachte Spike frustriert und gönnte noch eine Minute des Betrachtens, bevor er laut rief, um das Raschen des Wassers zu übertönen: „Hab dir frische Sachen hingelegt. Werden nicht ganz passen, aber zur Not geht's."

Angel zuckte erschrocken zusammen, als er Spikes Stimme hörte, rief dann aber ein „Danke", zurück. Er sah die Sache so, wie sie war. Der Marshal war in keiner Weise aufdringlich und hatte bestimmt auch angeklopft. Doch Angel hatte es wegen des Wassers nicht gehört. Außerdem hatte er einen Freund, dem er offensichtlich treu war. Angels Magen krampfte sich zusammen und er seufzte. „William ist so anders als Penn. Wir interessieren uns für gleiche Dinge, haben ähnliche Berufe. Mit ihm hätte es klappen können." Er weigerte sich, weiter darüber nach zu denken, denn es war sinnlos. Daher konzentrierte er sich darauf, sich rasch fertig zu waschen, damit Spike endlich unter die Dusche konnte.

Zehn Minuten später trat er aus dem Bad und Spike konnte sich bei Angels Anblick ein Grinsen nicht verkneifen. „Krevlor würde durchdrehen. Das geht so gaaar nicht, Sahneschnittchen. Da müssen wir sofort was machen", imitierte Spike die Stimme des Modeschöpfers und Angel musste unweigerlich lachen.

Er fühlte sich alles andere als Wohl in der zu kurzen Trainingshose und dem zu engen Shirt, aber Spike hatte die Situation mit seiner kurzen, aber komischen Parodie entschärft. Daher machte Angel ein paar Schritte, wobei er ein Model nachahmte. „Aber, William, das ist doch schon aus der neuen Frühjahrskollektion. Wie man sieht, trägt man da die Hosen über den Knöcheln, um die Fesseln zu betonen." Angel streckte einen Fuß aus, um das zu verdeutlichen. „Der elegante Herr trägt dazu ein ausgewaschenes, betont enges Shirt", Angel spannte seinen Bizeps an, dann sprach er weiter, „dessen Saum kaum den Bund der Hose erreicht. Schuhe sind ebenfalls out. Besonders im Winter", erklärte er grinsend.

Spike hielt sich inzwischen den Bauch vor Lachen und das tat so unglaublich gut. Er konnte sich nicht erinnern, wann er zuletzt so gelacht hatte. Aber Angel war auch zu komisch, wie er sich und seine neue Modekollektion auf diese tuntige Art präsentierte.

Angel, der von Spikes Lachen angesteckt worden war, ließ sich neben ihm auf die Couch fallen. „Wir werden für Krevlor über den Catwalk laufen, aber nur, wenn wir unsere eigenen Kreationen vorführen dürfen", sagte er, nachdem sie sich etwas beruhigt hatten.

„Dann müssen wir uns keine Sorgen machen, als Models genommen zu werden", entgegnete Spike grinsend und erhob sich. „Ich springe jetzt schnell unter die Dusche. In der Küche findest du alles Mögliche zu trinken. Mein Kühlschrank gibt nichts her, also habe ich Pizza bestellt. Ich hoffe das ist dir Recht. Der Bote müsste bald auftauchen. Geld liegt auf dem Küchentisch", erklärte er noch und verschwand ins Badezimmer.

Natürlich bezahlte Angel und als Spike aus der Dusche kam, war der Tisch schon gedeckt. „Du hast Wein besorgt", stellte Angel fest und betrachtete das Etikett auf der Flasche. „Gute Qualität", bemerkte er und entkorkte sie.

„Dachte, wenn du wieder mal vorbei kommst...", nuschelte Spike etwas verlegen und nahm zwei Gläser aus dem Schrank.

„Das wäre wirklich nicht nötig gewesen", erwiderte Angel und schenkte ein, bevor er sich setzte.

Spike nahm die Pizzen aus den Kartons und bugstierte sie auf die Teller. Dann nahm er ebenfalls Platz. „Wenn man immer nur tut, was nötig ist, wo bleibt dann der Spaß."

Angel nickte nur und begann zu essen. Spike hatte recht, wo blieb der Spaß? Mit Penn hatte er die ganze Zeit, die sie zusammen gewesen waren, nicht einmal so viel Spaß gehabt, wie mit Spike in der kurzen Zeit, die sie sich kannten. Penn hätte nie Rotwein besorgt, nur um Angel eine Freude zu machen. Er wusste wahrscheinlich nicht mal, dass er Rotwein mochte. Und noch eine Erkenntnis erlangte Angel in diesem Moment. Penn war es nicht wert, noch einen weiteren Gedanken an ihn zu verschwenden. Es war Zeit mit diesem Kerl abzuschließen. Das hatte nichts mit Spike zu tun, oder irgendwie doch. Der Fire Marshal hatte ihn unbewusst zum Nachdenken gebracht und so hatte er erkannt, wie es zwischen ihm und Penn stand. Und das war untragbar geworden. Das mit Spike konnte vielleicht eine sehr gute Freundschaft werden, mehr wohl nicht, das war Angel klar. Dennoch war er neugierig, wer genau sein Freund war und so wagte er sich vor. „Darf ich dich was fragen?"

Spike schaute von seinem Teller auf und hob seine linke Augenbraue. „Jepp, worum geht's?"

„Es ist etwas persönlich und du musst natürlich nicht antworten", gab Angel vorsichtig zurück.

„Schon klar, wenn ich nicht will, sage ich ohnehin nichts dazu. Also, was willst du wissen?"

Angel legte sein Besteck weg und lehnte sich zurück. „Deine Wohnung sieht nicht so aus, als würde dein Partner bei dir wohnen. Lebt ihr in getrennten Wohnungen? Oder ist er viel auf Reisen? Nicht dass ich mich beschweren will. Ich bin froh, dass ich ein paar Tage bei dir unterkommen kann. Mir ist es nur aufgefallen und deine Behausung ist auch zu groß für eine Person. Außerdem, diese tolle Modekollektion die ich von dir bekommen habe, sagt mir, dass er zumindest ein paar Sachen bei dir hat."

Spike legte nun ebenfalls sein Besteck auf den Teller und erklärte ruhig. „Du hast schon Recht. Eigentlich brauche ich so eine große Bude gar nicht. Aber ich mag es, viel Platz zu haben und fühle mich wohl hier. Nachdem Wesley gestorben ist und ich umgezogen bin, hab ich mir automatisch wieder eine große Wohnung genommen."

„Das... das tut mir leid. Wenn ich gewusst hätte.... Tut mir echt Leid. Ich hätte nicht..."

„Schon gut, du konntest das nicht wissen", winkte Spike ab und nahm einen großen Schluck aus seinem Glas. „Ist jetzt vier Jahre her. Krebs", erklärte er leise, nachdem er das Glas abgesetzt hatte.

„Und seither bist du alleine?", fragte Angel verwundert.

Spike zuckte mit den Schultern und erwiderte knapp. „Jepp. Hat nie gepasst."

„Ja, das verstehe ich. Bei mir hat es auch nicht mehr gepasst. Daher habe ich es beendet. Aber so etwas ist leichter, als jemanden so zu verlieren wie du."

„Du hast dich von diesem Penner getrennt?", wollte Spike verwundert wissen.

„Penn, er heißt...oh." Angel musste plötzlich lachen. „Du hast schon Recht. Deine Bezeichnung für ihn ist besser."

„Okay, dann muss ich wegen dem genauen Grund nicht nachfragen. Es geht mich ohnedies nichts an. Außerdem hast du mir ein paar Dinge erzählt. Die waren aufschlussreich genug. Da hatte ich mehr Glück. Mit Wes." Spike starrte vor sich hin und Angel sagte nichts mehr. Der junge Marshal war mit seinen Gedanken offenbar in der Vergangenheit und Angel beneidete ihn ob einer Liebe, die er nie kennen gelernt hatte. Es stimmte schon, es war besser jemanden wirklich geliebt und verloren zu haben, als nie geliebt zu haben, vor allem, wenn diese Liebe erwidert wurde.

„Ich brauche einen Whiskey. Was ist mit dir?", riss Spike Angel aus seinen Gedanken.

„Bin nicht abgeneigt", kam es von ihm zurück und so saßen sie, nachdem sie die Küche aufgeräumt hatten, auf dem Sofa und leerten ein Glas nach dem anderen. Das lag zum Teil an der Stimmung, die sich nach ihrem Gespräch aufgebaut hatte, aber auch an den Erlebnissen des Tages, die sie noch nicht verdaut hatten.

Einige Zeit und eine Flasche später, begann Spike schon ziemlich betrunken, von Wesley zu erzählen. Nach all den Jahren, redete er sich das erste Mal alles von der Seele. Angel war ein guter Zuhörer und als er geendet hatte, fühlte er sich plötzlich befreit. Vielleicht war er jetzt so weit, um mit Vergangenem abzuschließen.

Spike fragte dann aber nach Penn und auch Angel erzählte von dem Desaster, während sie der zweiten Flasche Whiskey den Garaus machten. Und so kam es, dass sie letztendlich auf dem Sofa einschliefen.

Als Angel ein paar Stunden später erwachte, spürte er seinen steifen Nacken. Doch er bemerkte, dass Spike sich eng an ihn geschmiegt hatte und um nichts auf der Welt, wollte er dieses Gefühl missen. Deswegen rührte er sich auch nicht, schmerzender Nacken hin oder her. Er konnte seine Gefühle für Spike nicht fassen, hatte er doch erst das Drama mit Penn hinter sich. Aber dennoch, so neben ihm zu sein, löste ein Hochgefühl in ihm aus, das einfach wunderbar war.

Doch es dauerte nicht lange und Spikes Augenlider flatterten. „Verdammt, wir sind eingeschlafen und jetzt ist mir kalt", murmelte er und richtete sich auf.

Angel hatte sofort das Gefühl von Verlust, nachdem Spike nicht mehr neben ihm war. „Bett", befahl der gerade, stand auf, nahm Angel einfach an der Hand und zog ihn hoch. „Du kannst bei mir schlafen. Mein Bett ist groß genug, sodass wir uns nicht in die Quere kommen. Sorry, aber ich bin echt zu müde, um jetzt noch das Gästebett zu beziehen. Sonst bleibt dir die Couch. Aber bei deiner Größe ist das nicht so bequem." Spikes Augen bleiben halb geschlossen, während er auf Angels Antwort wartete.

Der wollte es sich auf keinen Fall entgehen lassen, neben dem jungen Marshal zu schlafen, daher erwiderte er so lässig wie möglich. „Ich bin froh, wenn ich mich ausstrecken kann und wir sind erwachsen. Also kein Problem."

„Jepp, sind wir, also Abmarsch, bevor ich hier anfriere", murmelte Spike und marschierte in Richtung Schlafzimmer. Dort schlug er die Decke zurück, legte sich hin und war auch schon eingeschlafen, bevor Angel sich auf der anderen Seite niederließ.

Angel schmunzelte und zog die Decke über sie Beide. Es war einer dieser großen Decken die für zwei Personen gedacht war, nur, Angel war größer als der Durchschnitt, daher war es nicht seine Schuld, dass er näher an Spike heranrücken musste. Und es war auch nicht seine Schuld, dass Spike sich gleich darauf Angel zuwandte und sich an ihn kuschelte. Was also blieb Angel übrig, als den Kleineren an sich zu ziehen, um eine bequeme Schlafposition für sie Beide zu schaffen? Schließlich war es wichtig, dass sie am Morgen gut ausgeruht aufwachten, um mit Elan an ihrem Fall zu arbeiten.

Kapitel 9 von silverbird

Warm. Schön.

Zwischen Wachen und Träumen waren das die beiden ersten Gefühle, die Spike durchströmten und er seufzte leise, schmiegte sich enger an den Körper neben sich und fühlte sich einfach nur gut. Solange bis er den völligen Wachzustand erreichte, und mit einem Schlag verkrampften sich alle seine Muskeln. ‚Was zur Hölle...‘, dachte er und wandte den Kopf vorsichtig zur Seite. Was er sah, war das schlafende Gesicht eines Engels. Spike entspannte sich gleich wieder und er konnte nicht anders, dem inneren Drang zu folgen und mit den Fingerspitzen hauchzart über Angels Gesicht zu streichen. Beginnend den Schwung der Augenbrauen nachzuziehen, glitten die Finger weiter über die linke Wange, bis sie schließlich den Mund erreichten und übers Kinn der Linie des Halses folgten. Es war ewig her, dass er jemanden so berührt hatte. Niemanden nach Wesley, um genau zu sein und Spike gestand sich ein, dass er mehr als bedürftig war.

‚Ich will immer wieder so aufwachen. Ich will Hände auf meiner Haut. Ich will Küsse bis mir schwindlig wird und ich will, verdammt noch mal, Sex. Was nach vier Jahren Handarbeit mehr als verständlich sein dürfte. Und ich will all das von dem Mann in meinem Bett, der diese Schmetterlinge in meinem Bauch aufgeweckt hat. Wes hatte Recht und es wird wirklich Zeit, wieder zu leben. Bleibt noch die Frage, ob der Engel in meinem Bett das auch will. Nächste Frage, wie krieg ich das raus? Soll ich jetzt gleich mal aktiv werden, oder warten, ob er es wird? Shit, ich habe echt keine Ahnung was ich tun soll. Aber ich will ihn, unbedingt und...‘.

„Guten Morgen, William", flüsterte Angel und verlor sich in den Augen, die ihn in einer Weise musterten, die er nicht definieren konnte.

„Morgen", murmelte Spike, schlug die Decke zurück und sprang rasch aus dem Bett. „Du kannst nach mir duschen", tat er noch kund und verschwand ins Bad. Dort stützte er sich am Waschbecken ab und atmete schwer. ‚Ich will ihn unbedingt? Klar, wird sicher funktionieren, wenn ich wegrenne. Was wird er jetzt bloß von mir halten, wenn ich mich wie ein pubertierender Teenager aufführe. Aber was macht er auch so plötzlich die Augen auf. Mich hat fast der Schlag getroffen. Da überlegt man gemütlich vor sich hin und auf einmal sagt eine sexy Stimme einfach so „Guten Morgen, William." Was denkt er sich dabei, so etwas zu mir zu sagen? Ich war auf so etwas nicht vorbereitet und überhaupt, ich glaube, ich kann das nicht‘, Spike seufzte auf.

Angel schaute inzwischen immer noch perplex auf die Tür, hinter der Spike verschwunden war. Einen kurzen Augenblick, als sie sich in die Augen gesehen hatte, hatte Angel gedacht Spike würde diese Situation genauso gut gefallen wie ihm selbst. Doch dann hatte er unvermittelt die Flucht ergriffen. Wahrscheinlich war er mit der Situation völlig überfordernd gewesen und Angel plagte das schlechte Gewissen. Er hätte doch das Sofa wählen sollen. Spike gehörte offenbar noch immer ganz seinem toten Freund und als er Angel neben sich liegen sah, war das zu viel für ihn gewesen.

Bei diesen Gedanken verspürte Angel einen Stich in seiner Brust. Es war dieser Moment gewesen, gleich nach dem Erwachen, als er in Williams Augen geschaut hatte, da wusste er es sicher. Er wollte Spike, trotz des Desasters mit Penn. Offenbar konnte man nicht steuern, in wen man sich verliebte. Dabei war absolut nichts zwischen ihnen passiert. Nicht einmal ein Kuss, und trotzdem war Spike davongelaufen. Angel musste zugeben, dass er vorgehabt hatte, ihn zu küssen und möglicher Weise hatte Spike das geahnt und deswegen die Flucht ergriffen. „Ich muss das klären", beschloss Angel und stand auf.

„Alles in Ordnung, William?", rief Angel und klopft leise an die Tür. Er war besorgt, denn es drangen keine Laute und auch kein Wasserrauschen aus dem Badezimmer. Als keine Antwort kam, öffnete Angel entschlossen die Tür. Spike stand an einem der beiden Waschbecken und starrte in den Spiegel.

Er zuckte zusammen, als er Angel bemerkte und sagte dann schnell: „Ich habe dir eine neue Zahnbürste herausgelegt. Duschgel und alles andere findest du im Regal." Rasch griff er zu seiner eigenen Zahnbürste, tat Creme drauf und begann seine Zähne zu putzen. So verhinderte er, reden zu müssen.

Angel sagte nichts darauf, stellte sich aber an das zweite Waschbecken und griff zu der Zahnbürste, die noch verpackt auf dem Etagere lag. Spike war als erstes fertig und verließ fluchtartig das Bad. Er konnte Angels Nähe einfach nicht ertragen und beschloss, später zu duschen. Um nicht weiter nachdenken zu müssen, begab er sich in die Küche und begann Frühstück zu machen. Er musste sich beschäftigen und irgendetwas zu tun, würde ihn ablenken. Natürlich wusste er, dass ein Gespräch unvermeidlich sein würde, aber alles an was er denken konnte, waren Angels Augen, als er aufwachte und dieser besondere Ausdruck darin.

Während Angel unter der Dusche stand, dachte er darüber nach, was er nun machen sollte. Doch wie er es auch drehte und wendete, Spike hatte offenbar kein Interesse an ihm. ‚Sicher hat er den Tod seines Freundes noch immer nicht überwunden, oder ich bin für ihn einfach nur sowas wie ein Kumpel, mit dem er zusammen arbeitet. Daher ist es wohl das Beste, sofort mit ihm zu reden ‘. Angel wurde schwer ums Herz, doch es war leider nicht zu ändern und da sie noch den Fall zusammen lösen mussten, war es notwendig, eine klare Situation zu schaffen. Nachdem Angel tief geseufzt hatte, beeilte er sich fertig zu werden und fünf Minuten später fand er Spike in der Küche.

„Kaffee?", fragte der sogleich. „Ich weiß nicht genau, wie du ihn magst. Milch und Zucker, oder schwarz? Ich..."

„Ich will jetzt keinen Kaffee." Angel nahm Spike an den Schultern und verlangte: „Was ist los, William?"

Spike sah Angel nur kurz in die Augen, senkte dann seinen Blick wieder zu Boden. „Ich weiß nicht, ob ich das noch kann. Was wenn... nein, es geht nicht", flüsterte er verlegen.

Damit hatten sich Angels Vermutungen leider bestätigt und er verspürte ein schmerzhaftes Ziehen in seiner Brust. Doch er riss sich zusammen und antwortete ruhig. „Ich verstehe. Ich hatte zwar gehofft,... aber ich bin nicht der, den du willst und es ist ja auch nichts passiert, also machen wir kein Drama draus und vergessen wir die Sache einfach. Okay?" Angel ließ Spikes Schultern los und wandte sich um, dem Tisch zu, als er Spikes Hand auf seinem Arm spürte.

„Was? Nein, du hast mich völlig falsch verstanden. Es ist weil...". Spike holte tief Luft und als Angel sich zu ihm umdrehte, erklärte er leise: „Es ist inzwischen vier Jahre her, das ich... und.... das ist lange... und..." Spike stieß die angestaute Luft aus seinen Lungen und vermied wieder Angels Blick. „Ich weiß natürlich noch, wie es geht. Sowas verlernt man nicht, aber...."

Angel fing plötzlich an zu lachen und Spike verzog beleidigt das Gesicht. „Klar! Du Trottel findest das natürlich lustig, hast ja bis vor kurzem einen Kerl gehabt, im Gegensatz zu mir. Nicht dass es mir an Angeboten gefehlt hatte. Ich hätte täglich einen abschleppen können, nur damit du das weißt. Aber ich wollte nicht, bis jetzt, und es wäre auch besser gewesen, es wäre dabei geblieben, denn wie ich sehe, bin ich für dich nur ein Witz." Spike schubste Angel von sich und verließ fluchtartig die Küche. Das heißt er versuchte es, doch Angel war schneller und packte ihn fest am Arm. „Hörst du jetzt endlich mal auf, ständig wegzurennen und alles falsch zu interpretieren?"

Spike befreite sich mit einem Ruck, blieb jedoch stehen und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich renne nicht ständig weg."

„Doch, das tust du."

„Nennst du mich einen Feigling?", wollte Spike wissen und zog seine Augenbrauen grimmig zusammen.

Angel seufzte. „Hör auf damit, William, du weißt genau wie ich es meine."

Spike ging nicht weiter darauf ein, denn es war wirklich peinlich, wie er sich gerade benahm und er wunderte sich, dass Angel so eine Geduld aufbrachte. „Sorry. Du wolltest noch was sagen wegen... vorhin?"

„Richtig. Setzten wir uns", verlangte Angel und schob Spike auf einen der Stühle in der Küche, bevor er sich ihm gegenüber setzte. Ihre Hände ruhten auf dem Tisch und Angel setzte fort: „Ich hatte nie die Absicht, gleich über dich herzufallen. Okay? Ich wollte nach dem Desaster mit Penn überhaupt nur meine Ruhe. Aber du... du bist alles andere als ein Witz. Es hat mich getroffen wie ein Blitz, als ich aufwachte und in deine Augen sah. Und genau in diesem Augenblick habe ich mir eingestanden, dass ich schon länger etwas für dich empfinde. Es ist wirklich verrückt, wir haben uns noch nicht mal geküsst und trotzdem ist da dieses Gefühl...." Angel legte seine Hand auf Spikes und der schaute ihn mit einem besonderen Strahlen in den Augen an. „Himmel, William, was hast du mit mir nur gemacht?", fragte Angel hingerissen.

„Dito", nuschelte der, beugte sich plötzlich über den Tisch und berührte mit seinen Lippen kurz die von Angel, setzte sich dann wieder, um dann aufzuspringen. „Das kann ich besser", erklärte er bestimmt, umrundete den Tisch, umfasste Angels Gesicht und schaute ihm tief in die Augen, bevor er erneut seinen Mund auf den seines Gegenübers senkte. Er ließ sich Zeit, bis er seine Zunge einsetzte und Angels Einladung annahm, der willig seine Lippen geöffnet hatte. Der Kuss wurde schnell stürmischer, zu groß war das Verlangen nacheinander und ehe sie sich versahen, lagen sie im Bett. Spike auf Angel liegend und sich fortwährend küssend. Als Spike begann, sich über Angels Hals nach unten zu küssen, umfasste Angel dessen Kopf, schüttelte seinen eigenen und hielt Spike so von seinem Tun ab.

„Du willst nicht?", fragte der verwundert aber auch unsicher.

„Doch, schon, aber ich will dich nicht gleich überfordern und..."

„Halt die Klappe, Peaches. Ich will es und außerdem will ich wissen, ob ich es noch kann", unterbrach ihn Spike, befreite seinen Kopf aus Angels Händen und machte dort weiter wo er aufgehört hatte. Als Spike nach einiger Zeit sein Ziel erreicht hatte und Angel sich der warmen Mundhöhle entgegen bäumte, war dessen immer lauter werdendes Stöhnen Musik in Spikes Ohren und als sein Engel kam, tat er es mit einem Schrei auf den Lippen.

Angel zog Spike fest in seine Arme. „Oh Gott", murmelte er erschöpft, woraufhin Spike selbstgefällig grinste. „Jupp, ich kann's definitiv noch", stellte er fest.

Angel lachte etwas verlegen und zog Spike fest an sich, um ihn hingebungsvoll zu küssen.

Natürlich ging auch Spike nicht leer aus und so dauerte es eine Weile, bis sie endlich zum Frühstücken kamen.

~*~

Am frühen Nachmittag zwangen sie sich endlich, die Finger soweit voneinander lassen, um sich wieder ihrer Aufgabe zuzuwenden.

„Ich werde mal alles was auf dem Stick ist ausdrucken. Mit Papier in der Hand kann ich einfach besser", erklärte Spike und schaltete seinen Computer ein. Angel nickte, und holte seinen Aktenkoffer aus dem Flur. Er legte ihn neben sich auf das Sofa, öffnete ihn und zog eine Mappe heraus. Darin befand sich Ermittlungsmaterial, das er bisher gesammelt hatte und er begann, es erneut durchzusehen. Er wusste, er hatte irgendetwas übersehen, doch er kam nicht drauf, was es war. Frustriert schob der die Papiere wieder zusammen und lehnte sich zurück. Er musste an Spike denken und an die unerwartete Wende zwischen ihnen, mit der er nie gerechnet hatte. Es war so anders als mit Penn. Nicht nur der Sex. Er und Spike waren noch nicht Mal bis zu äußersten gegangen und trotzdem war es viel besser gewesen, als je mit seinem Ex.

Angel verdrängte die Bilder auch ganz schnell, die sich daraufhin in seinen Kopf schleichen wollten. Jetzt war es wirklich wichtig, sich um ihre Arbeit zu kümmern. Es stand für Angel außer Frage, dass auch der Brand in seiner Wohnung etwas damit zu tun hatte. Also glaubte der Täter, dass er etwas in seiner Wohnung gehabt hatte, dass dem Verbrecher gefährlich werden könnte. Aber alles was mit den Brandanschlägen in den Modehäusern zu tun hatte, waren in dem Aktenkoffer. Vielleicht war es auch ein Mordanschlag auf ihn. Schwer zu sagen. Angel nahm die Papiere wieder zur Hand. „Also auf ein Neues. Irgendwo hier drin muss etwas stehen, das wichtig ist."

„Ich habe während des Druckens rein gelesen. Dein Freund hat so einiges auf den Stick geladen, dass recht interessant ist", bemerkte Spike, der in den Stapel Papieren, die er in der Hand hielt, blätterte. Deswegen achtete er auch nicht darauf, dass Angels Koffer auf dem Sofa lag und als er sich setzte, fiel der Koffer zu Boden. Der Inhalt verteilte sich auf dem Parkett und ein Foto rutschte zwischen den Papieren heraus. Spike hob es auf und betrachtete es kurz. „Den Kerl habe ich schon mal wo gesehen", sagte er stirnrunzelnd. Plötzlich erhellte sich sein Gesicht. „Jetzt weiß ich auch wieder wo."

 

Kapitel 10 von silverbird

„Ich habe ihn in einem Lokal mit einer blonden, aufgetakelten Tussi gesehen. Sie hingen aneinander wie die Kletten. Wieso hast du das Bild bei den Akten? Ist er ein Verdächtiger?", wollte Spike verwundert wissen.

„Das ist Penn", erklärte Angel tonlos und Spike pfiff leise. Dann legte er seine Hand auf die von Angel, bevor er bedauernd sagte. „Tut mir Leid, Peaches."

Angel wandte den Kopf und schaute Spike lächelnd an. „Mir nicht", sagte er, zog Spike an sich und verwickelte ihn in einen atemberaubenden Kuss.

„Hey! Daran könnte ich mich gewöhnen", bemerkte Spike und leckte sich genießerisch über die Lippen.

„Wenn wir nicht dringend einen Verbrecher fassen müssten, dann..."

„Leider hast du Recht." Spike seufzte, hob dann aber entschlossen den Koffer und die verstreuten Papiere auf. Als er wieder zu Angel schaute, bemerkte er, dass der vor sich hin starrte. „Es macht dir doch zu schaffen", bemerkte er und ungewollt spürte er, wie sich sein Herz zusammen zog, weil Angel ganz offensichtlich noch an diesem Penn hing.

„Was?", fragte Angel irritiert, dann wurde ihm klar, was Spike meinte und er schüttelte den Kopf. „Nein, das ist es nicht. Ich habe gerade über die blonde Frau nachgedacht."

„Muss ich mir Sorgen machen?", wollte Spike irritiert wissen?

Angel schüttelte den Kopf. „Eher ich, weil mir da ein Verdacht kommt. Moment." Er kramte in seinem Koffer, wurde fündig und legte ein Foto auf den Tisch, das ein paar Personen zeigte. „Das sind die Leute aus meiner Abteilung. Erkennst du da jemanden?", fragte er. Spike nahm das Bild in die Hand. „Jepp, die Blonde da, die war mit dem Kerl in der Kneipe."

„Sie und Penn also. Nun, das legt den Verdacht nahe, dass mehr als nur eine Affäre dahinter steckt. Denn wieso sollte sich Penn sonst ausgerechnet an meine Sekretärin ran machen?"

„Hat er dich mal im Büro aufgesucht? Denn dann könnte er sie von daher kennen", warf Spike ein.

„Stimmt, er war zwei oder drei Mal da, weil er mal wieder seinen Schlüssel nicht finden konnte. Allerdings wusste niemand, dass er mein Freund war. Penn wollte nicht, dass es jemand weiß. Er sagte, dass es berufliche Nachteile hätte, wobei ich ihm da nicht widersprechen kann. Doch jetzt glaube ich, er hatte andere Beweggründe. So konnte er sich ungehindert an Harmony heranmachen. Offiziell war er ja mein Cousin. Ein paar Puzzleteile können wir also einsetzen, denn jetzt fällt mir ein, dass ich Penn erwischt habe, wie er zu Hause an meinen Akten war. Er hat es zwar bestritten und blöd wie ich bin, habe ich ihm geglaubt, doch jetzt weiß ich es besser. Harmonie hat er offenbar zu seiner Komplizin gemacht. Sie weiß, wann ich nicht im Büro bin und kann so ungehindert rumstöbern. Viel gab's allerdings bisher nicht, was sie hätte ausspionieren können. Ich habe immer alles mitgenommen und von dem Stick weiß keiner."

„Wenn du mit deinem Verdacht richtig liegst, dann bleibt aber die Frage, wie hängt dein EX- Freund mit der ganzen Modesache zusammen?"

„Gute Frage und ich denke, das kann uns Harmony beantworten. Aber zuerst, was hast du auf dem Stick gefunden?", wollte Angel wissen.

Spike suchte aus den Zetteln, die er ausgedruckt hatte, einen heraus, den er an Angel weiter gab. „Mir ist ein Name aufgefallen. Holland Manners. Er entscheidet offenbar, ob und wie viel den Kunden beim Schadensfall ausgezahlt wird. Doch das ist noch nichts, was ihn verdächtig macht. Was mich stutzig gemacht hat, ist, dass er vor einem Jahr einem Modehaus namens „Eve" nach einem Brand anstandslos die ganze Summe, die übrigens exorbitant hoch war, ausgezahlt hat. Bei den neuen Fällen, die wir jetzt bearbeiten, sieht das ganz anders aus. Da kommen ein paar Fragen auf. Was hat Manners damit zu tun? Besteht zwischen ihm und diesem Eve eine Verbindung? Wenn ja, sind unsere Verdächtigen die Handlanger von ihm? Außerdem will ich wissen, ob es schon Ergebnisse über den Brand in deiner Wohnung gibt. Wobei ich ziemlich sicher bin, dass da auch eine Verbindung zu unseren Fällen besteht."

Während Spikes Erläuterungen hatte Angel die Papiere durchgelesen. „Das ist wirklich interessant und ich bin ganz deiner Meinung. Manners ist übrigens der Boss dieser Abteilung und hat uneingeschränkte Verfügungsgewalt. Daher ist es für ihn ein Leichtes, da so einiges nach seinem Gutdünken zu entscheiden. Wolfram und Hart ist eine der größten Versicherungen des ganzen Landes. Da fällt so eine, in Anführungszeichen, kleine Summe nicht auf, die er möglicher Weise diesem Modehaus Eve hat zukommen lassen. Immer für den Fall, dass wir mit unserem Verdacht richtig liegen. Manners ist entweder unschuldig, oder fühlt sich zu sicher, weil er nie von der Firmenleitung unter Verdacht stand. Und selbst wenn er mit dem ganzen zu tun hast, es wird schwer sein, das zu beweisen."

„Außer es ist wirklich so, dass deine Sekretärin und dieser Penn mit drin stecken. Wenn wir ihnen einen Deal anbieten, reden sie bestimmt", entgegnete Spike.

„Dazu müssten wir sie erst überführen", konterte Angel.

„Jepp. Also brauchen wir Beweise und da kommst du ins Spiel. Wir brauchen einen Handabdruck von deiner Harmony und ihren Nagellack. Ein paar Haare wären auch gut", erklärte Spike grinsend und er erklärte Angel wieso.  

~*~

Angel saß in seinem Büro und orderte bei seiner Sekretärin Kaffee. Das war die einfachste Art, um an ihren Handabdruck zu kommen. Ein paar Minuten später stöckelte sie auch schon herein, lächelte überfreundlich und stellte ihm die Tasse hin. „Dein Kaffee, Bossi."

„Danke", murmelte Angel und nahm einen Schluck. Dann drückte er ihr die Tasse so in die Hand, dass sie sie komplett umschließen musste. „Stellen Sie mir meinen Kaffee rüber auf den Couchtisch bitte, und den Ordner legen Sie mir dazu", verlangte er und deutete auf den Aktenordner auf seinem Tisch.

Sie tat was er verlangte und fragte dann: „Brauchen Sie noch was? Wenn nicht, dann würde ich jetzt gerne in die Pause gehen."

Perfekt', dachte Angel und nickte gönnerhaft. „Sicher. Gehen sie nur", sagte er und tat, als wäre er schwer beschäftigt, woraufhin Harmony rasch verschwand. Angel wartete noch drei Minuten, dann ging er in sein Vorzimmer. Es war wie erwartet niemand da, daher begab er sich zum Schreibtisch seiner Sekretärin und zog die erste Lade auf.

„Natürlich hat sie ihre persönlichen Sachen in der ersten Lade, wie könnte es auch anders sein?", murmelte er und schaute suchend hinein. Die Haarbürste bemerkte er als erstes und zupfte ein paar Haare heraus, die er in eine der Tüten steckte, die er für diesen Zweck eingesteckt hatte. Dann entdeckte er fünf Nagellackfläschchen und seufzte. Rasch nahm er ein Fläschchen heraus und drehte es hin und her. Er versuchte irgendwo den Namen der Farbe zu finden, den Spike ihn genannt hatte, doch das war gar nicht so einfach, wenn man keine Ahnung von solcher Kosmetik hatte. Deswegen dauerte es eine ganze Weile, bis er endlich fand, was er suchte, denn erst das vierte Fläschchen trug den Namen Shining Rose. Der Name passte, doch Angel wollte einen genauen Beweis. Er nahm schnell einen kleinen Notizzettel vom Schreibtisch und pinselte einen breiten Strich darauf. Dann räumte er alles wieder zurück wie er es vorgefunden hatte und ging zurück in sein Büro. Den Zettel legte er zum Trocknen auf den Tisch, dann holte er eine Plastiktüte aus der Innentasche seines Jacketts, leerte den Kaffee ins Waschbecken und packte die Tasse in die Tüte.

Eine Stunde später verließ er sein Büro, sagte seiner Sekretärin, dass sie auch Schluss machen kann und machte sich auf den Weg zum Bureau of Fire Investigation.

Spike erwartete ihn schon und Angel gab ihm die Tasse, sowie den Zettel mit dem Nagellackstreifen darauf.

 „Das ist so gar nicht deine Farbe, Peaches. Du bist eher der Rosenholz - Typ", bemerkte Spike grinsend und Angel schnaubte. Doch dann grinste er ebenfalls. „Aha, Experte also. Was ist denn deine Farbe so? Knallrot?"

„Pffff, du hast echt keine Ahnung. Also ob ich etwas anderes als Schwarz tragen würde", konterte der Marshal entrüstet, woraufhin ihn Angel nur fassungslos anstarrte. Spike musste daraufhin laut lachen, ging auf das Thema aber nicht mehr ein, nahm einen kleinen Karton von seinem Tisch und forderte Angel auf, ihm zu folgen. Er führte ihn durch ein paar Gänge und letztendlich durch eine Tür ins Labor.

„Fred, das ist Angel. Angel, das ist die Chefin das Labors und gleichzeitig ein Genie ihres Faches", stellte er die beiden aneinander vor.

Nachdem sie sich die Hände geschüttelt hatten, stellte Spike den Karton und die Tasse auf den Tisch, sowie den Zettel daneben. „Könnte sein, dass da der Handballenabdruck drauf ist den wir suchen. Und überprüfst du bitte auch den Nagellack? Es gibt neue Cupcake Sorten, hab dir ein paar mitgebracht", erklärte er noch grinsend und sie strahlte ihn an.

„Ich ernenne dich offiziell zu meinem Wahlbruder. Aber jetzt raus. Schließlich willst du die Ergebnisse wie immer am liebsten schon gestern. Also gib mir 20 Minuten. Ich ruf dich an", bemerkte sie lachend, verabschiedete sich von Angel und machte sich an die Arbeit. Die beiden Männer beschlossen, in der Cafeteria eine Kleinigkeit zu essen, während sie auf Freds Anruf warten mussten.

„Wenn sich unser Verdacht bestätigt, müssen wir die Zuständige Behörde einschalten. Ich bin befugt zu befragen, aber nicht zu verhören", erklärte Spike und biss in sein Sandwich.

Angel sagte eine Weile nichts, dann blickte er Spike intensiv an. „Ich muss dir was sagen, William."

Der runzelte die Stirn. Ein unangenehmes Gefühl breitete sich in seinem Bauch aus und er murmelte. „Will ich es hören?"

„Ich bin beim FBI", sagte er unvermittelt, ohne auf Spikes Frage einzugehen. Der Marshal stieß erleichtert die Luft aus. „Gut, das ist...gut."

„Gut? Du bist nicht böse?", fragte Angel verwundert. Doch plötzlich verstand er. „Nein, William. Was auch immer das zwischen uns ist, ich werde nachdem wir diesen Fall beendet haben, nicht so einfach verschwinden, denn ich hoffe, es wird mehr daraus."

Als Spike Angel daraufhin anschaute, konnte er in dessen Augen Wärme, aber auch Unsicherheit erkennen und so lächelte er sein Gegenüber etwas verlegen an, bevor er zustimmend nickte. „Reden wir darüber, wenn wir den Fall gelöst haben?"

Angel wollte gerade antworten, als Spikes Handy klingelte. Fünf Minuten später erklärte er. „Wir haben sie. Stimmt alles überein."

~*~

Harmony wollte gerade die Haustüre aufsperren, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte. Erschrocken drehte sie sich um, dann stieß sie erleichtert die Luft aus. „Sie haben mich ganz schön erschreckt. Was machen Sie denn hier?"

„Harmonie Kendall, Sie sind vorläufig festgenommen", erklärte Angel ernst.

Von diesem Augenblick an ging es schnell. Harmony erwies sich als nicht sehr standhaft, was daran lag, dass sie offenbar an Entzugserscheinungen litt. Sie gestand, Penn bei den Brandanschlägen geholfen zu haben. Im Gegenzug dafür hatte er sie mit Drogen versorgt. Angel erfuhr auch, dass sie schon zwei Monate mit ihm zusammen war. Außerdem gab sie zu, in Angels Papieren geschnüffelt zu haben, jedoch nicht fündig geworden zu sein. Sie hatte das alles für Penn und aus Liebe getan, erklärte sie und Angel glaubte ihr. Auch dass sie über die genauen Hintergründe, wieso Penn das alles gemacht hatte, nichts wusste. Als Angel ihr versprach, beim Staatsanwalt ein gutes Wort für sie einzulegen und ihr etwas gegen die Entzugserscheinungen besorgen zu lassen, wenn sie denn auch noch bereit war, Penns Aufenthaltsort zu verraten, stimmte sie sofort zu. So groß war die Liebe zu ihm offenbar doch nicht und so kam es, dass sie Penn zwei Stunden später verhaften konnten. Da Angel eine persönliche Beziehung zu Penn gehabt hatte, musste er denn Fall abgeben und so erfuhr er erst später die ganze Wahrheit. Denn er hatte wieder zu seiner alten Dienststelle zurückkehren müssen.

Jetzt saß er im Flugzeug, das ihn nach New York zurück zu Spike bringen würde. Er konnte es kaum erwarten, seinen Fire Marshal wieder in die Arme zu schließen. Einen genauen Bericht über die ganze Sache würde er ihm nach einer ordentlichen Begrüßung geben.

~*~

Nervös warf Spike die Zigarette auf den Boden und trat sie aus. Dieses verfluche Flugzeug hatte Verspätung und das bedeutete, er musste noch länger auf Angel warten. Sie hatten sich zwei Wochen nicht gesehen und Telefonsex war einfach nicht das Wahre. Aber Angel musste einiges regeln, bevor er nach New York versetzt werden konnte, daher war es nicht anders möglich gewesen. Ein Großteil seiner Sachen waren aber schon in Spikes Wohnung geschickt worden.

Wenn Spike ehrlich war, war es ein mutiger Schritt, denn die beiden wagten. Denn obwohl sie sich erst so kurz kannten, hatten sie beschlossen, gleich zusammen zu ziehen. Ob es gut ging? Sie hoffen es einfach. Die täglichen Telefonate hatten sie auf jeden Fall näher gebracht und wenn Spike an die Telefonrechnung dachte, wurde ihm schlecht. Doch wie auch immer, jetzt war es soweit. Sie würden Zeit für sich haben, denn es war bald Weihnachten und da hatten sie ein paar Tage frei.

So konnte sich Angel ein bisschen einleben und Spike rechnete auch damit, dass sie den Monstervorrat an Kondomen die er gekauft hatte, dezimieren würden. Ein versautes Grinsen zierte sein Gesicht, als er daran dachte. Doch das verschwand rasch, als er an Wesley denken musste. Doch dann musste er lächeln. Wes hatte recht gehabt und er hatte seine Bitte erfüllt. Wesley würde immer einen Platz in seinem Herzen haben, doch die Zukunft gehörte Angel.

~*~

Angel saß auf der Couch, den Arm um Spike gelegt, der an seiner Schulter lehnte. Ihre Begrüßung war sehr heftig ausgefallen. Ausgehungert waren sie übereinander hergefallen und jetzt saßen sie erschöpft auf dem Sofa und warteten auf die Bestellung, die Spike beim Chinesen geordert hatte.

Angel strich Spike durch die vom duschen feuchten Haarsträhnen und berichtete: „Es ging wie bei den meisten Verbrechen um Liebe und Macht. Holland Manners hat Penn für die Brände angeheuert, um die Kollektionen der Designer zu zerstören, damit sie zur Fashion Week keine Kollektion haben. Du erinnerst dich, Krevlor hat von dem Spektakel erzählt. Na jedenfalls, das Modehaus Eve gehört der Freundin von Manners und so wollten sie die Konkurrenz ausschalten. Penn hat alles gestanden. Nachdem wir ihm auch den Fußabdruck zuordnen konnten, den du damals entdeckt hast und er mit Harmony Kendalls Aussage konfrontiert wurde.

Daraufhin hat er alles auf Manners geschoben, der wegen einigen belastenden Delikten angeklagt wird. Meine Kollegen haben zudem ausreichendes Beweismaterial bei Manners zu Hause und bei seiner Freundin gefunden, um den Kerl für lange Zeit hinter Gittern zu bringen. Kontoauszüge, Unterlagen über die anderen Designer, die ausspioniert wurden und verschiedenes andere. Jedenfalls, bei Penn kommt noch versuchter Mord dazu. Harmony wird besser davon kommen."

„Ist es schlimm für dich, das mit Penn meine ich?", wollte Spike leise wissen.

„Ja und nein. Großteils bin ich wütend auf mich selbst, weil ich so blauäugig gewesen bin", gestand Angel frustriert.

Spike nickte verstehend. „Manche Leute sind halt sehr geschickt darin, andere zu täuschen."

„Allerdings. Aber andererseits bin ich ihm auch dankbar. Denn ohne ihn hätte ich dich nie getroffen", erklärte Angel schmunzelnd, was ihm einen stürmischen Kuss von Spike einbrachte.

~*~

Spike lief über den Friedhof. Heute war Heilig Abend und er war auf dem Weg zu Wesleys Grab. Auch diese Tradition würde er nie aufgeben und so legte er wenig später einen geschmückten Tannenzweig vor den Stein, daneben eine Kerze. „Frohe Weihnachten, Liebes", flüsterte er und zündete die Kerze an. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich mein Versprechen eingelöst habe, doch jetzt bin ich wieder glücklich, wie du es vorher gesagt hast. Er heißt Angel und ist beim FBI. Passt irgendwie. Er wartet zu Hause und richtet für Weihnachten her." Spike verdrehte die Augen. „Da komm ich, so wie immer bei dir, wohl auch wieder nicht davon, wie es aussieht. Na ja, ich werd es überleben. Jedenfalls, ich hoffe, es geht dir gut, dort wo du jetzt bist. Ich vermisse dich."

Spike stand noch eine Weile da und blickte in die Flamme der Kerze, doch mit der Zeit begann er zu frösteln. „Jetzt muss ich aber los, sonst friere ich mir noch den Hintern ab, was nicht so gut wäre. Mach es gut Wes. Ich schau bald mal wieder vorbei", verabschiedete sich Spike und ging mit raschen Schritten davon. Seine Gedanken galten Wesley, bis er vor seinem Haus ankam, dann drifteten sie zu Angel und er holte tief Luft, um sich dagegen zu wappnen, was nun auf ihn zukommen würde. „Hoffentlich ist er nicht noch schlimmer als Wes, sonst krieg ich noch Augenkrebs von dem ganzen Weihnachtskrempel", murrte er und ging ins Haus. Vor der Wohnungstür atmete er nochmal tief ein und öffnete die Tür. „Bin wieder da", rief er und hängte seinen Mantel an die Garderobe.

„Schön. Bin im Wohnzimmer", hörte er Angel rufen. Spike schlüpfte aus den Schuhen und folgte dem Ruf. An der Wohnzimmertür blieb er erstaunt stehen, fassungslos über das Bild, das sich ihm bot. Auf dem Boden lagen dicke Decken und in dessen Mitte viele kulinarische Köstlichkeiten. Als einziger Zimmerschmuck waren überall Kerzen aufgestellt. Am Rand der Decke saß Angel. Er trug eine schwarze Hose und ein gleichfarbiges Hemd, bei dem fast alle Knöpfe offen standen. „Frohe Weihnachten William. Ich hoffe so ist das Fest nach deinem Geschmack?"

Spike brachte kein Wort heraus, doch was Angel in seinen Augen sehen konnte, genügte ihm und als sich Spike dann auf ihn stürzte, um ihn hemmungslos zu küssen, dachte er: ‚Gut, dass ich auch noch Kondome besorgt habe.'

Ende!

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