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Changes II, Wintertime von silverbird
Inhalt: Dean Wilson und Sam Hensen haben beschlossen sich ein gemeinsames Leben aufzubauen.
Fandom(s): Originale Pairing(s): Dean Wilson/Sam Hensen
Story-Genre: Abenteuer, Romanze
Lšnge der Story: Mehrteiler
Story-Typ: Slash - M/M
Warnungen: Keine
Challenges:
Serie: Changes
Kapitel: 23 Story vollendet: Ja Anzahl der Wörter: 21584 Wörter Gelesen: 3430 Mal Datum der Veröffentlichung: 19.11.12 Letztes Update: 24.12.12
Kommentar:

Fortsetzung zu Changes.

Alle Charaktere und Elemente sind mein Eigentum und dürfen ohne meine Erlaubnis nicht weiterverwendet werden. Es besteht keinerlei Bezug zu realen Personen, sollte es Ähnlichkeiten geben waren diese nicht beabsichtigt. 

Beta: SilentThunder

1. Kapitel 1 von silverbird

2. Kapitel 2 von silverbird

3. Kapitel 3 von silverbird

4. Kapitel 4 von silverbird

5. Kapitel 5 von silverbird

6. Kapitel 6 von silverbird

7. Kapitel 7 von silverbird

8. Kapitel 8 von silverbird

9. Kapitel 9 von silverbird

10. Kapitel 10 von silverbird

11. Kapitel 11 von silverbird

12. Kapitel 12 von silverbird

13. Kapitel 13 von silverbird

14. Kapitel 14 von silverbird

15. Kapitel 15 von silverbird

16. Kapitel 16 von silverbird

17. Kapitel 17 von silverbird

18. Kapitel 18 von silverbird

19. Kapitel 19 von silverbird

20. Kapitel 20 von silverbird

21. Kapitel 21 von silverbird

22. Kapitel 22 von silverbird

23. Kapitel 23 von silverbird

Kapitel 1 von silverbird
  

Du willst also wirklich, daß ich zuschlage, Sam? Dir ist klar, das ist dann endgültig."

„Tu es einfach, Dean", verlangte Sam und umschloss den schweren Schlegel fester mit seinen Händen, während Dean schon das erste Mal ausholte und den Hammer gegen die Mauer krachen ließ. Auch Sam schlug zu und im Nu waren sie in eine dicke Staubwolke gehüllt. Die Schutzmasken an ihrem Mund verhinderten, dass sie husten mussten, und so arbeiteten sie zügig weiter, bis sie die Zwischenwand herausgeschlagen hatten.

Langsam legte sich auch der Staub, zog teilweise durch die geöffneten Fenster ab, und die beiden jungen Männer betrachteten ihr Werk, während sie die Masken abnahmen. „Was sagst du?", wollte Sam wissen und reichte eine Flasche Bier an Dean weiter, die er aus der kleinen Kühlbox auf dem Boden genommen hatte.

Dean nahm einen großen Schluck, um das trockene, kratzige Gefühl aus dem Hals zu bekommen, bevor er antwortete: „Nicht schlecht bisher. Wenn wir die letzte Wand draußen haben, wird das ein toller Raum sein."

Sam nickte zufrieden, trank ebenfalls aus seiner Flasche und schaute seinen Freund liebevoll an. Der grinste daraufhin verwegen. „Du findest mich verdammt  sexy, wenn ich so dreckig bin", behauptete er überzeugt.

„Eingebildet bist du wohl gar nicht", gab Sam lachend zur Antwort.

Deans Grinsen wurde breiter. „Da es sich um eine Tatsache handelt. Nein."

Im Stillen musste Sam ihm recht geben. Der Mann war einfach umwerfend und so zog er ihn unvermittelt an sich und küsste ihn stürmisch.

„Ich mag es, wenn du so besitzergreifend bist und ich will mehr davon", verkündete Dean, nachdem sie den Kuss abgebrochen hatten.

Sam hob fragend die Augenbrauen. „Hier? In all dem Dreck? Das kann nicht dein Ernst sein.

„Klar doch. So haben wir dann einen Grund, gemeinsam zu duschen." Wieder grinste Dean, küsste seinen Freund zärtlich und rieb sich auffordernd an ihm. Mehr brauchte es nicht, um Sams Widerstand zu brechen und bald darauf verteilten sich stöhnende Geräusche auf ihrer Baustelle.

~*~

Einige Stunden später, unter der Dusche hatten sie ebenfalls die Finger nicht voneinander lassen können. Jetzt lagen sie im Bett, in der kleinen Wohnung, oberhalb der Garage auf der Farm von Sams Vater. Dean lag fest in Sams Armen und schlief selig, während der ihn lächelnd betrachtete. Sein Vater hatte nicht Recht behalten. Dean war durchaus beziehungsfähig. Obwohl er so gut wie nie über seine Gefühle sprach, so zeigte er Sam doch, wie sehr er ihn liebte und das nicht nur im Bett, oder wo sie es sonst noch so trieben.

Sam wurde sogar hier im Bett rot um die Nase, wenn er daran dachte, wo Dean ihn schon überall verführt hatte. Doch er musste auch für sich zugeben, dass er nie abgeneigt gewesen war. Im Gegenteil. Er war selbst an so manchen Orten über seinen Geliebten hergefallen, außer Acht lassend, dass sie erwischt werden konnten. Aber auch wenn sie verrückt nacheinander waren, verbrachten sie natürlich nicht ihre ganze Zeit im Bett.

Gerade heute hatten sie zwei Wände im Obergeschoss des Redaktionsgebäudes herausgeschlagen, das jetzt ihm gehörte. Okay, nicht ganz ihm. Dean war Miteigentümer, was den ersten Stock und somit die Wohnung des Redaktionshauses anlangte. Er argumentierte es so, dass es doch Unsinn wäre, der Bank unnötig Kreditzinsen zu zahlen, wenn er das Geld hätte und es so auf vernünftige Weise anlegen könnte. Da zu jeder Wohnung logischer Weise auch eine Einrichtung gehörte, wollte er auch diese Kosten übernehmen. Dean bestand allerdings darauf, die Einrichtung gemeinsam auszusuchen und Sam, dass sie nicht zu teuer sein durfte. Nachdem sie sich geeinigt hatten, wurde alles notariell festgehalten, denn das hatte Sam zur Bedingung gemacht.

Den Pakt hatten sie auf der alten Druckermaschine besiegelt. Auf Sams Hintern prangten dann allerdings die nächsten drei Wochen der Buchstabe M und ein Ausrufungszeichen. 

Dean war vor Lachen fast zusammengebrochen und Sam war daraufhin tierisch sauer auf ihn gewesen. „Das ist nicht witzig", hatte er Dean angebrüllt.

„Doch", hatte er nach seinem Lachanfall behauptet. „Jetzt trägst du mein Brandzeichen, oder vielmehr Stempel."

„Das ist ein M Dean, falls du das noch nicht bemerkt hast. In deinem Namen kommt der Buchstabe nicht mal vor", hatte Sam ihn wütend angeschrieen.

Doch Dean hatte sich nicht beirren lassen, war auf Sam zugegangen, hatte ihn in den Arm genommen und kurz geküßt. Dann sagte er: „Ist doch ganz einfach, mein Hübscher. M wie Meins, und auch noch mit Ausrufungszeichen. Das bedeutet", erklärte er, küsste Sam noch mal kurz, bevor er ihn weiter aufklärte, „doppelt Meins."

Natürlich konnte Sam Dean nicht mehr böse sein und es war müßig zu sagen, dass es nicht bei den paar Küssen geblieben war.

Und als das Zeichen nach einiger Zeit blass wurde, bedauerte das Sam schon ein bißchen, denn er mochte es sehr, wenn Dean den Buchstaben mit der Zunge nachfuhr.

Kapitel 2 von silverbird

Dean erwachte am frühen Morgen und sein erster Blick galt Sam, der auf dem Bauch lag, das schlafende Gesicht ihm zugewandt. Der ehemalige Agent und jetzige Sheriff, oder vielmehr Marshall, strich Sam eine der langen Haarsträhnen aus dem Gesicht und hauchte einen sanften Kuss auf dessen Nase, bevor er so vorsichtig wie möglich aufstand, um seinen Geliebten nicht zu wecken. Doch bevor er das Schlafzimmer verlassen konnte, mußte er noch sein tägliches Ritual vollziehen. Daher hob er die Decke leicht an, legte somit Sams Hinterteil frei und drückte einen Kuss auf den inzwischen verblaßten Buchstaben. Sams leises Brummen entlockte Dean ein Schmunzeln. Er deckte seinen Geliebten sorgfältig zu, der sich mit einem zufriedenen Seufzen tiefer ins Kissen kuschelte und trotz Deans Attacke nicht wach geworden war.

Fünfzehn Minuten später lief Dean frisch geduscht und in Jeans, schwarzem T- Shirt, sowie seiner Lederjacke, die Treppe hinunter. Obwohl Sonntag war, musste er heute zur Arbeit, aber sein erster Weg führte ihn über den Hof zum Haus der Hensens und dort in die Küche. Sams Mutter Sophie bestand darauf, dass ihr Sohn und ebenso Dean, den sie inzwischen sehr ins Herz geschlossen hatte, zum Frühstück ins Haus kamen, bevor sie ihren Tätigkeiten nachgingen.

Anna, die Küchenperle des Hauses, stand wie gewohnt am Herd, als Dean eintrat und freundlich grüßte.

„Du kannst Eier mit Speck und Pfannkuchen haben", verkündete sie, nachdem sie den Gruß freundlich erwidert hatte.

„Du bist die beste Anna die ich kenne", entgegnete Dean und strahlte sie an, während er sich eine Tasse aus dem Bord nahm und sich Kaffee einschenkte. Anschließend nahm er am Küchentresen Platz und schaute der Köchin bei ihrer Arbeit zu.

„Wahrscheinlich, weil ich die einzige Anna bin die du kennst", gab sie lachend zurück und füllte einen Teller. Dann stellte sie ihn Dean hin und legte Besteck dazu.

„Dazu verweigere ich die Aussage. Aber soviel will ich sagen, ich tu mir jetzt schon Leid, wenn wir in der Stadt wohnen."

„Ihr hättet ja hier wohnen bleiben können, dann könntet ihr meine Köstlichkeiten weiterhin genießen, aber ihr habt euch ja dagegen entschieden." Annas Stimme klang schon etwas beleidigt, fand Dean, und deshalb erwiderte er tröstend: „Wenn ich könnte, würde ich dich mitnehmen, aber Mr. und Mrs. Doc würden mich ungespitzt in den Boden rammen, wenn ich auch nur versuchen würde, dich abzuwerben. Mal ganz davon abgesehen, dass du hier nie weg gehen würdest. Daher rechne fest damit, dass Sam und ich oft, sehr oft hier aufkreuzen werden, damit wir nicht verhungern. Zum Glück sind es nur 30 Minuten von der Stadt bis hierher." Dean kratzte noch den letzten Rest von seinem Teller und stand dann rasch auf. „Ich muss jetzt los. Danke, es war wieder köstlich."

„Es gibt Steaks und Bratkartoffel heute Abend", rief sie ihm lächelnd nach und Dean drehte sich noch mal um, bevor er die Tür erreichte. „Kuchen auch?", wollte er neugierig wissen.

Anna schüttelte lachend den Kopf. „Gab's denn schon mal keinen?"

„Sagte ich schon, dass du die Beste bist?", gab er breit grinsend zurück, was ihm ein „verschwinde du Charmeur und sei pünktlich", von der Köchin einbrachte.

Er lachte und winkte ihr zum Abschied. Dann eilte er zu seinem Wagen.

~*~

„Mhh... Dean", keuchte Sam erregt und rieb sich an seinem Freund, der ihn in immer größere Erregung versetzte und ihn dazu brachte, sich schneller zu bewegen, bis er letztendlich mit einem tiefen Stöhnen kam. Sam brauchte ein paar Minuten, um seine Augen zu öffnen, und was ihm dann bewußt wurde, trieb ihm die Schamesröte ins Gesicht. Langsam richtete er sich auf und stellte entsetzt fest, dass ein Teil seines Traumes wahr geworden war. Rasch schaute er sich um und stellte erleichtert fest, dass Dean nicht im Zimmer war. Augenblicklich fiel Sam ein, dass Dean heute Dienst hatte und daher sicher schon vor Stunden aufgestanden war.

„Wenigstens kriegt er so nicht mit, was mir in meinem Traum passiert ist. Sein Ego ist ohnehin schon groß genug", brummte Sam vor sich hin, mußte darüber aber lächeln, während er aufstand und erstmal rasch die Bettwäsche wechselte. Er nahm sich vor, später gleich in den Keller im Haupthaus aufzusuchen, um die Wäsche zu waschen. Doch erstmal brauchte er dringend selbst eine Dusche. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass er sich beeilen mußte, wenn er noch frühstücken wollte.

Obwohl, oder gerade weil Sonntag war, würde er sich mit Joe Peters treffen. Joe hatte beim Tagesboten gearbeitet, bevor der Besitzer ums Leben gekommen war und Sam hoffte, ihn wieder als Mitarbeiter gewinnen zu können, da dieser Mann mit allen Maschinen der Zeitung arbeiten konnte.

~*~

Sam hatte sich sehr beeilt und als er die Küche seiner Eltern betrat, traf er nicht nur auf Anna, sondern auch auf den Rest seiner Familie, die um den Küchentisch saß und bereits frühstückte.

„Guten Morgen zusammen", rief er fröhlich und wurde ebenso freundlich von allen zurückgegrüßt.

„Wo ist Dean?", wollte sein Vater wissen und Sam verkniff sich eine genervte Antwort. Sein Vater traute Dean noch immer nicht und befürchtete nach wie vor, er wäre nicht gut für seinen Sohn. Aber zumindest behandelte er Dean höflich, wenn auch distanziert. Seine Mutter und Tessa jedoch verstanden sich sehr gut mit ihm und waren seinem Charme komplett erlegen.

„Dean arbeitet heute, wie jeden zweiten Sonntag im Monat", erklärte Anna spitz und wandte sich dann Sam zu, um besonders freundlich zu sagen: „Ich habe extra Waffeln gebacken, die magst du doch so gerne."

Kapitel 3 von silverbird

Gerade als Dean die Tür zum Sheriffbüro aufschloß, kam Tom Parks hektisch auf ihn zu. „Gut, dass sie da sind, Sheriff", sprach er Dean aufgeregt an. „Gut, dass sie endlich da sind", erklärte er noch ein Mal und seufzte erleichtert. „Ich brauche dringend ihre Hilfe. Irgend so ein Gauner hat mein Fahrrad gestohlen. Finden sie diesen Verbrecher und sperren sie ihn für den Rest seines erbärmlichen Lebens ein. Ich brauche mein Rad. Wie soll ich sonst..."

„Nicht aufregen, Tom. Das schadet Ihnen nur", unterbrach Dean den alten Mann und klopfte ihm beruhigend auf die Schulter, während er ein Schmunzeln unterdrückte, weil er daran denken mußte, wie sehr sich sein Leben verändert hatte. Bis vor kurzem hatte er noch Mafiabosse, Terroristen und andere Schwerverbrecher gejagt, und Dinge gemacht, die er nun so gut es ging verdrängte.

Jetzt machte er sich auf die Suche nach einem Fahrraddieb. Und für Dean stand fest, dass er niemals wieder mit seinem alten Leben tauschen wollte, oder würde. Er hatte, dank Sam, eine Chance bekommen, ein neues Leben zu führen. Und er würde es nicht vergeigen. Aus diesem Grund weigerte er sich auch, die von Doc Aldin Hensen vorgeschlagene Therapie zu machen. Er hatte nichts aufzuarbeiten und auch Sam würde er nie erzählen, was er alles hinter sich hatte. Die Vergangenheit war abgeschlossen. Ende und Aus.

„Was ist jetzt, Sheriff. Kommen Sie endlich in die Hufe. Ich will mein Fahrrad wiederhaben." Toms ungehaltene Stimme holte Dean aus seinen Gedanken und er schaute den Mann etwas konfus an. Doch dann riß er sich zusammen, sperrte die Tür wieder zu und widmete seine Aufmerksamkeit wieder Tom Parks. „Okay. Dann erzählen sie mal, wo haben Sie ihr Rad abgestellt, bevor es verschwunden ist?"

~*~

Sams Unterredung mit Joe war sehr gut verlaufen und er hatte somit seinen ersten Angestellten. Deswegen war er auch dementsprechend enthusiastisch, als er das Diner betrat, in dem er sich mit Dean treffen würde.

Sam schaute sich um und bemerkte, dass der kleine Ecktisch, an dem er gerne saß, an diesem Tag frei war. „Heute ist definitiv mein Glückstag", stellte er erfreut fest und beeilte sich, den Platz zu erreichen, bevor ihm doch noch jemand zuvor kam. Natürlich war das nicht der Fall. Mit seinen langen Beinen war er ohnehin nach drei Schritten dort. Kaum hatte er sich gesetzt, kam auch schon Dean herein, lächelte, als er Sam entdeckte, und setzte sich ihm gegenüber.

Die Bedienung kam sofort zu ihnen und begrüßte sie freundlich, bevor sie die Bestellung aufnahm. Nachdem sie gegangen war, hatte Sam wieder die ganze Aufmerksamkeit Deans. „Es ist also alles nach Plan gelaufen", stellte er grinsend fest.

Sam runzelte erst die Stirn, dann lächelte er. „Du durchschaust mich immer. Und ja, Joe ist an Bord. Jetzt brauche ich nur noch einen Lehrling, alles andere mache ich vorläufig selbst. Wenn die Auflagen natürlich ins Unermessliche steigen, muss ich noch Leute einstellen", feixte er und lachte.

„Dann such schon mal, oder noch besser: Gib eine Annonce auf. Ich kenne da einen Redakteur, der macht dir einen Sonderpreis", erklärte Dean und zwinkerte Sam zu.

Dessen Lächeln wurde breiter und seine Augen strahlten. „Das wäre klasse, wenn du das regeln könntest. Ich revanchiere mich auch dafür", bot er an und zog seine Unterlippe zwischen seine Zähne.

„Wie denn?", wollte Dean natürlich mit einem breiten Grinsen wissen.

Sam beugte sich zu Dean hinüber und flüsterte: „Ich werde dich erst füttern und dann... so einige andere Dinge mit dir machen, die du so gerne magst."

„Das ist Folter, was du da mit mir machst, Sammy. Jetzt werde ich den ganzen restlichen Tag an nichts anderes denken können", krächzte Dean daraufhin und seine Stimme klang so verzweifelt, dass Sam lachen mußte. „Wie war dein Tag? Böse Buben gefangen in unserer verbrecherverseuchten Stadt", fragte er daher, um Dean abzulenken.

Dean nickte zustimmend und setze einen wichtigen Gesichtsausdruck auf. „Jupp. Heute waren all meine detektivischen Fähigkeiten gefragt. Du kennst sicher den alten Tom Parks. Er stand heute schon ganz früh aufgeregt vor meinem Büro, um den Diebstahl seines Drahtesels anzuzeigen. Jedenfalls, um es kurz zu machen: Es stellte sich heraus, dass er gestern einen Drink zu viel hatte. Er hatte schlicht vergessen, dass er in zwei Bars war und seinen Pedalengaul vor der ersten Bar abgestellt hatte und dann zu Fuß weiter zur nächsten ist. Fall gelöst. Kein Papierkram."

Nun grinste er und da auch gerade die Bedienung kam, um ihnen ihr Essen hinzustellen, widmete sich Dean sofort seinem Teller, während Sam gedankenverloren vor sich hinstarrte und überlegte. ‚Vielleicht hat Vater doch recht, denn wie kann Dean auf Dauer so ein langweiliges Leben aushalten? Seine einzige Herausforderung ist es, ein falsch abgestelltes Fahrrad zu finden. Bestimmt wird ihm sein altes Leben bald fehlen. Das Abenteuer. Der Kick. Das Adrenalin. Und wenn es soweit ist und er gehen will, werde ich ihn nicht aufhalten. Denn auch wenn es mir das Herz zerreißt, alles was ich will ist, daß er glücklich ist. ‘

„Hey, Sam, alles okay?", riss Deans besorgte Stimme ihn aus seinen Gedanken. Sofort wandte Sam seinen Blick wieder dem Marshall zu und Sam gelang es sogar zu lächeln. „Ich war nur in Gedanken. Wegen des Umbaus unserer Wohnung", log er gekonnt.

Dean lächelte zurück und drückte kurz Sams Hand. „Kriegen wir schon hin. Ich habe ja Zeit, immer wieder mal den Handwerkern auf die Finger zu gucken."

‚Ja, du hast Zeit. Viel zu viel Zeit. Aber ich werde mir jetzt keine Sorgen machen was kommen wird, sondern die Zeit einfach nützen, die wir zusammen haben‘, dachte Sam entschlossen und griff nach seiner Gabel.

Kapitel 4 von silverbird

Nach dem sie gegessen hatten, trennten sich ihre Wege. Sam mußte sich um verschiedene Dinge für seine Zeitung kümmern und Dean beschloss, seine Runde durch die Stadt zu machen. Zuvor klebte er einen Zettel mit seiner Telefonnummer an die Tür des Sheriffsbüros, damit er im Notfall erreicht werden konnte, dann schlenderte er los.

Die Leute, auf die er traf, grüßten ihn zwar, aber bei so manchen Menschen konnte er erkennen, daß sie mißtrauisch dem neuen Sheriff gegenüber waren. Dean wunderte das nicht. Er war nicht auf die übliche Weise zum Sheriff geworden und im Grunde war er ja nicht mal Sheriff, sondern trug das Abzeichen eines Bundesmarhalls. Außerdem hatte er ihren alten Gesetzeshüter erschossen, wobei die meisten Leute wussten, was der getan hatte und das der tödliche Schuss durchaus seine Berechtigung hatte.

Dennoch, er war ein Fremder in dieser Stadt und musste sich das Vertrauen der Bevölkerung erst erwerben. Aber das würde er hinkriegen. Dessen war er sich sicher. Denn er mochte diese Stadt und auch seinen Job. Allerdings würde er sich bald mit seinem obersten Vorgesetzten treffen müssen, um die neue Lage zu klären. Bis Ende des Jahres hatte er noch Urlaub. Da er bisher noch nie einen in Anspruch genommen hatte, fand er das eine gute Lösung, um sein neu gewähltes Leben auszuloten. Eigentlich hatte ihm das Bill Sutton, sein unmittelbarer Vorgesetzter und Freund vorgeschlagen, der sich schwer vorstellen konnte, dass Dean nun plötzlich ein beschauliches, bürgerliches Leben führen wollte.

So blieb Dean immer noch die Möglichkeit, seine Entscheidung zu revidieren. Wobei, er würde immer dem PCI angehören. Einmal drinnen, kam man nicht mehr raus. Doch zumindest würde Dean versuchen, nur im äußersten Notfall für die Organisation tätig zu werden.

Dean wurde von seinen Gedanken abgelenkt, weil er extrem lauten Motorradlärm aus einer Nebengasse vernahm. Alarmiert lief er um die Ecke und sah zwei junge Burschen, die an ihren Kleinmotorrädern herumschraubten und einen Höllenkrach verursachten. Sie bemerkten ihn erst, als er an den Lenker griff und so das Fahrzeug ausschaltete.

„Hey, hast du sie nicht alle, wir...." Dem Jungem vor dem Motorrad blieben die weiteren Worte im Hals stecken, als er sah, wer vor ihm stand. 

„Ähm... Hallo Sheriff", krächzte der andere und kratzte sich verlegen am Hinterkopf.

„Hey, Jungs. Probleme mit euren Öfen, oder wollt ihr nur die Nachbarn ärgern?", fragte Dean und schaute die Beiden streng an.

„Was? Sorry. Nein. Ich will keinen Ärger, vor allem nicht mit Ihnen. Dieser verdammte alte Krempel. Irgendetwas hat sich verkeilt und... es tut mir Leid. Es ist, wir wollten... ich sollte... okay, ich schieb das Ding", stotterte er resigniert und der andere nickte sofort zustimmend.

Einen Marshall als Hüter des Gesetzes jetzt in der Stadt zu haben war nicht nur ungewöhnlich, sondern schüchterte die jungen Burschen auch ziemlich ein. Es war auf jeden Fall besser, sich mit dem nicht anzulegen. Es gab genug Geschichten über Bundesmarshalls, und wenn nur die Hälfte davon stimmte, machte man sich besser so unsichtbar wie möglich.

„Macht euch nicht gleich ins Hemd und lasst mal sehen", sagte Dean und mußte ein Grinsen unterdrücken. Ja, hier war er eine richtige Respektsperson und keiner wollte ihm gleich das Licht ausblasen, wie es früher oft der Fall gewesen war.

Dean hatte den Fehler schnell gefunden, holte sein Letherman Multifunktionswerkzeug hervor und schraubte ein bißchen herum, bestaunt von den zwei Teenagern, die es nicht fassen konnten, was sich da vor ihren Augen abspielte.

„Wirf mal an", verlangte Dean da auch schon und der Junge gehorchte sogleich, und strahlte Sekunden danach vor Freude.

„Lag am Gasseilzug", erklärte Dean und zeigte ihnen auch gleich, was sie machen mussten, sollte das wieder passieren. „Keine Wettfahrten in der Stadt", mahnte er noch, worauf die Beiden synchron nickten.

„Wen mal was ist, also, Sie uns brauchen oder so..., " sagte der Eine und Dean nickte. „Schon klar. Und jetzt ab mit euch."

Sie hoben ihre Hände zum Gruß und Dean schaute ihnen zufrieden hinterher, dann beschloß er, seine Runde zu beenden und noch im Diner vorbei zu schauen. Das Frühstück war ja doch schon eine Weile her und ein Stück Kuchen ging immer.

Den ganzen Weg über mußte er daran denken, wie gut er es jetzt hatte, und Angst stieg in ihm auf, daß es nicht so bleiben könnte. Nachdem, wie er bisher existiert hatte, denn viel anders konnte man es nicht nennen, konnte er es nicht fassen, jetzt ein so schönes Leben zu führen. Wie lange würde es wohl dauern, bis sein Traum zerplatze? Würde ihn seine Vergangenheit einholen? Und... würden die Albträume irgendwann einmal aufhören? Sie kamen nicht mehr so häufig und er schlief jetzt auch länger als vier Stunden. Vor allem, wenn Sam neben ihm lag, was zum Glück so gut wie immer der Fall war. Trotzdem wagte es Dean nicht, daran zu glauben, daß es für immer so bleiben oder sogar noch besser werden würde.

Kapitel 5 von silverbird

Als Sam nach Hause kam, war es schon sehr spät und er war dementsprechend  müde. Wie zu erwarten, brannte im Haus seiner Eltern kein Licht mehr. Um diese Zeit schliefen sie schon alle. Sam rechnete auch nicht damit, dass Dean noch wach war, doch als er sich der Werkstatt zuwandte, sah er das beleuchtete Fenster. Dean war bestimmt seinetwegen wach geblieben und sofort regte sich bei Sam das schlechte Gewissen. Er wollte nicht, dass Dean seinetwegen aufblieb, wo er nun endlich besser schlafen konnte.

Seufzend stieg er die Treppe hoch und betrat die Wohnung. Wie erwartet saß Dean vor dem Fernseher und schaute sich einen alten Film an. „Hey, Darling", begrüßte er Sam grinsend, der aufgrund dieser Anrede die Augen verdrehte. „Du solltest schon längst im Bett sein", entgegnete er tadelnd.

„Aber Daddy. Ich kann nicht einschlafen, bevor du mir eine Gute Nacht Geschichte erzählst", gab Dean im kindlichen Ton zurück.

Erst wollte Sam seinem Freund ungehalten antworten, doch als er ihn da so sitzen sah, die Arme vor der Brust verschränkt und schmollend, musste er lachen. „Blödmann", sagte er, dann beugte er sich über Dean und küsste ihn sanft. „Ich hab dich vermisst", raunte er leise, dann küsste er Dean erneut.

„Ich mag es, wenn du mich vermisst", stellte Dean zwischen den Küssen fest und zog Sam auf seinen Schoß.

Was mit sanften Küssen begonnen hatte, ging in eine heftige Knutschei über und leises Stöhnen erfüllte den Raum, sobald sich ihre Lippen kurz trennten. Sam bewegte seine Hüften, rieb sich an Dean und der drückte sich dagegen. Doch plötzlich löste Dean seinen Mund von Sams, er packte ihn an den Hüften und zwang ihn so seine Bewegungen einzustellen. „Was ist?", fragte er verunsichert.

„Wenn du so weiter machst, komm ich noch in meiner Hose", gab Dean die Erklärung ab.

Sam grinste verrucht. „Vielleicht will ich das."

Sofort begann Deans ganzer Körper zu kribbeln und er knurrte ein heiseres „Sammy", bevor er ihn wieder hungrig küsste.

Zwei Minuten später war es Sam, der seinen Freund stoppte und aufstand. Er atmete ein paar Mal tief durch, um seine Fassung so wenigstens halbwegs wieder zu erlangen, bevor er verlangte: „Ich will dich nackt. Sofort!"

Dean grinste versaut, erhob sich und erklärte, während er sein Shirt über den Kopf zog: „Ich liebe es, wenn du so bestimmend bist."

„Dann mach. Ich warte", verlangte er und schaute Dean begehrlich an.

Unter diesem Blick tanzten sofort tausend von Schmetterlingen in Deans Bauch und er streifte Schuhe und Socken ab, bevor er langsam seine Hose aufknöpfte. Fast in Zeitlupe schob er sie von den Hüften und bemerkte, wie Sam rascher zu atmen begann. Ein guter Grund für Dean, noch langsamer zu machen.

„Das reicht. Mehr halte ich nicht aus", bekannte Sam, ging unvermittelt vor Dean in die Knie und zog ihm mit einem Ruck die restlichen Kleider vom Leib. Was Sam dann mit seinem Mund machte, entlockte Dean einen heiseren Aufschrei.

~*~

„Langsam wird's kalt", stellte Sam eine halbe Stunde später fest.

„Yeah. Und auch wenn ich ein harter Kerl bin...

„Schon wieder?", wurde Dean von seinem Freund leise lachend unterbrochen.

Dean lachte ebenfalls. „Du bist ganz schön versaut, Sammy."

Der vergrub sein Gesicht in Deans Schulter und nuschelte verlegen: „Du färbst halt ab."

 „Und du lernst auch verdammt schnell, du Intelligenzbestie." Dean drehte sich ein bißchen, damit er Sams Gesicht mit den Händen fassen konnte. Dann schob er ihn in die richtige Position, um ihn hingebungsvoll zu küssen.

„Bett?", fragte Sam eine Weile später.

„Essen", bestimmte Dean, stand auf und zog seinen Freund hoch. „Sonst fällst du mir noch vom Fleisch, denn wie ich dich kenne, hast du heute darauf völlig vergessen. Aber fürsorglich wie ich nun mal bin, lasse ich dich nicht verhungern." Gerade als Dean sich umwenden wollte, um in die Küche zu gehen, wurde er von Sam aufgehalten. Fragend schaute ihn der Marshall an.

„Ja, das bist du wirklich. Fürsorglich meine ich." Sam drückte Dean einen kurzen Kuss auf. „Und mutig. Und wunderschön. Und so verdammt sexy", erklärte er noch, wobei er ihn zwischendurch immer küsste.

„Verdammt sexy, du sagst es, und jetzt ab in die Dusche mit dir. Ich mach dir inzwischen dein Essen." Dean gab seinen Geliebten einen Klaps auf den Hintern und schob ihn dann in Richtung Badezimmer, welches der dann auch brav aufsuchte.

Dean schaute ihm lächelnd hinterher. Sams Worte hatten ein unbeschreibliches Glücksgefühl in ihm ausgelöst. Diese Form der Liebeserklärung hatte ihn aber auch verlegen gemacht. Er selbst würde solche Worte nie aussprechen. Aber sein Sammy konnte das und wußte vermutlich nicht einmal, was er damit bei Dean anstellte.

Und so stand Dean einfach noch ein paar Minuten da und genoss das wärmende Licht, welches sich von seinem Herzen über den ganzen Körper ausbreitete.

Kapitel 6 von silverbird

Sam und Dean hatten noch gemeinsam gefrühstückt, dann war Sam wieder losgefahren. Er hatte noch viel für seine Zeitung zu tun, da sein erstes Blatt in drei Wochen erscheinen sollte.

Dean hatte heute einen freien Tag und den wollte er nutzen, um an den Autos des Docs weiter zu arbeiten. Zuvor wollte er aber noch zu Anna. Vielelicht hatte sie ein Stück Kuchen für ihn. Man arbeitete schließlich wesentlich leichter mit etwas Süßem im Magen. 

Er überquerte gerade den Hof, als er eine schrille, hysterisch klingende Stimme rufen hörte. „Keinen Schritt weiter, oder ich schieße!"

Dean stoppte seinen Schritt sofort und griff automatisch nach hinten zu seinem Hosenbund zu seiner Waffe. Er entsicherte sie und schlich leise weiter. Die Stimme war von dem Gebäude gekommen, wo die Patienten des Docs, derzeit alles ehemalige Soldaten, untergebracht waren. Dean lugte um die Ecke des Haupthauses und sah einen jungen Mann, der die Waffe auf drei andere Leute richtete. Der Marshall überlegte kurz, dann steckte er die Waffe zurück in den Hosenbund und ging mit festem Schritt auf die Gruppe zu.

 „Was ist hier los?", rief er scharf und alle Blicke richteten sich auf ihn. Dean bemerkte, dass sein Auftritt auch den Mann mit der Pistole irritierte und ablenkte, daher brüllte er im Befehlston weiter: „Ich bin hier der ranghöchste Offizier, also nehmt gefälligst Haltung an und Meldung machen!"

Sofort standen die Männer stramm und einer von ihnen erklärte. „Gefreiter Barnes will sich erschießen, Sir. Wir wollten ihn davon abhalten, Sir."

„Gut. Wegtreten und bei Mr. Pering melden, und zwar ihr drei. Im Laufschritt!!", befahl Dean weiter scharf und die Männer gehorchten sofort. Darüber war Dean sehr erleichtert, denn so waren sie zumindest aus der Gefahrenzone. Er hatte aber auch damit gerechnet, dass sie parieren würden. Diese Männer waren noch nicht lange hier und daher noch gewohnt, Befehle sofort auszuführen. Barnes jedoch war von Dean derart aus dem Konzept gebracht worden, dass er fassungslos zwischen den verschwindenden Männern und Dean hin und her schaute. Diese Unsicherheit nützte Dean und fuhr Barnes an, während er näher trat. „Voller Name, Rang und Einheit Soldat!"

Obwohl einer der Ex-Soldaten, den Dean weggeschickt hatte, einen Teil dieser Informationen bereits kundgetan hatte, ratterte der darauf gedrillte Mann automatisch herunter, was Dean forderte. Der hoffte inzwischen nahe genug an Barnes heran zu kommen, um ihn zu entwaffnen. Doch so leicht wie erwünscht, ließ sich der Soldat nicht übertölpeln. Er erkannte Deans Vorhaben richtete die Waffe auf ihn und rief mit zittriger Stimme. „Keinen Schritt weiter, ich... ich schieße sonst."

Dean blieb sofort stehen und hielt seine Hände mit den Handflächen offen nach oben, um zu signalisieren, dass er unbewaffnet war und keinen Angriff plante. Er erkannte sogleich, dass der Mann völlig überfordert und dadurch auch besonders gefährlich war, deshalb änderte er seine Taktik und entgegnete ruhig. „Wieso willst du mich erschießen? Ich hab dir weder etwas getan, noch kennst du mich überhaupt."

~*~

Nachdem die Ex-Soldaten dem Verwalter Pering Bericht erstattet hatten, war dieser zu Aldin Hensen geeilt, um ihn zu verständigen. Nun rannte der Doc höchst besorgt aus dem Haus, auf das Patientengebäude zu, in der Hoffnung, das Schlimmste verhindern zu können. Als er Barnes brüllen hörte, verlangsamte er seine Schritte und stoppte sie, als er die Hausecke erreichte, um die er vorsichtig schaute, damit er sich ein Bild von der Lage machen konnte. Was, oder vielmehr wen er da außer Barnes sah, steigerte seine Sorge noch um einiges. Denn ausgerechnet Wilson stand dem offenbar psychisch schwer gestörten Ex-Soldaten gegenüber. ‚Das kann nur in einem Desaster enden', dache Aldin höchst beunruhigt und während er überlegte, wie er am besten eingreifen konnte, schrie Barnes Dean auch schon an.

„Ich will nicht Sie erschießen. Ich will...Lassen Sie mich in RUHE! GEHEN SIE WEG! Ich will doch nur, dass es vorbei ist", brüllte Barnes plötzlich völlig außer sich.

„Schon gut, ich hab's ja kapiert. Du willst dich erschießen. Kein Grund so rumzubrüllen. Ich bin ja nicht taub. Aber wie auch immer. Dann kann ich ja deine Kippen haben", entgegnete Dean ruhig, woraufhin Barnes ihn perplex anschaute.

„Was?"

„Na, deine Zigaretten, die da aus deiner Brusttasche gucken. Du brauchst sie ja nicht mehr und ich will sie, bevor sie voller Blut oder Gehirnmasse sind. Beides verdirbt nämlich den Geschmack, musst du wissen. Bei Blut schmecken sie nach Kupfer. Das ist noch schlimmer als diese Mentholzigaretten, kann ich dir sagen, und Hirn mag ich nur mit Ei. Wobei Menschenhirn..." Dean zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, wird auch nicht anders schmecken als vom Tier. Aber wie schon gesagt...."

„Bist du völlig irre?", unterbrach ihn Barnes fassungslos, woraufhin Dean die Stirn runzelte und entgegnete: „Ich? Du bist doch der, der sich erschießen will. Also krieg ich nun die Kippen? Unter Kameraden ist das üblich. Müsstest du doch wissen, und in der Hölle hast du bestimmt Rauchverbot. Die sind ja streng da unten."

„Hölle. Ich werde in die Hölle kommen", kam es leise und geschockt von Barnes, so als ob ihm erst jetzt diese Tatsache bewußt werden würde.

„Jupp, ist so. Selbstmörder fahren ohne Zwischenstopp eine Etage tiefer. Weißt du ja sicher noch von der Sonntagsschule", bestätigte Dean ungerührt.

Kapitel 7 von silverbird

Aldin indessen stöhnte verzweifelt auf. ‚Ich wusste zwar, dass Wilson psychisch einiges aufzuarbeiten hat, aber dass er andere bewusst in den Tot treibt, hätte ich nie vermutet. Ich muss einschreiten, sobald ich auch nur die geringste Chance sehe. Aber jetzt geht es noch nicht. Nicht solange Barnes die Waffe noch direkt auf Wilson richtet. Ich würde auch Sam verlieren, wenn ich riskiere, dass Dean erschossen wird, und solange sie reden, habe ich noch Zeit mir eine Strategie zu überlegen, dachte Aldin, während er die Beiden aufmerksam weiter beobachtete.

Barnes dachte offensichtlich über Deans Worte von der Hölle nach, bevor er resigniert antwortete: „Ich komme ohnehin in die Hölle, weil ich im Krieg Menschen umgebracht habe."

„Wir haben Befehle befolgt", hielt Dean dagegen.

Barnes nickte, erwiderte jedoch: „Trotzdem war es meine Entscheidung Soldat zu werden und damit auch alles, was damit zusammen hängt zu akzeptieren."

‚Blöd ist er nicht, aber Hauptsache er redet lange genug, sodass ich ihm die Pistole abnehmen kann‘, dachte Dean und überlegte kurz, bevor er antwortete. „Stimmt. Aber du warst wie alt? 20 als du dem Verein beigetreten bist?"

„18."

„18 also. Dann würdest du noch unter die Ausnahmeregelung fallen. Aber du bringst dich ja um. Also wird das nichts", erklärte Dean und zuckte mit den Schultern.

Aldin griff sich an den Kopf und dachte. ‚Was soll das den jetzt wieder? Wieso erinnert er ihn erneut daran, dass er sich erschießen will? ‘

„Ausnahmeregelung? Was redest du denn für einen Blödsinn. So etwas gibt es doch gar nicht. Du willst mich nur davon abhalten, zu schießen", entgegnete Barnes, doch Dean konnte Unsicherheit in dessen Stimme erkennen und so schüttelte er den Kopf.

„Stimmt nicht. Ich wollte nur die Kippen. Dann sind wir irgendwie ins Quatschen gekommen. Aber jetzt sollten wir wirklich zu einem Ende kommen. Ich hab zu tun, du hast zu tun. Ich muss weiter an meiner Ausnahmeregelung arbeiten. Du willst endlich in die Hölle. Also zum letzten Mal, was ist jetzt? Krieg ich die verdammten Glimmstengeln?"

Barnes lachte plötzlich und griff in seine Brusttasche, nahm die Zigaretten heraus, behielt sie aber in der Hand. „Du bist ziemlich verrückt."

Dean grinste und zuckte mit den Schultern. Dann deutete er auf die Zigarettenpackung. „Und du ein verdammter Geizkragen."

„Ich gebe sie dir, wenn du mir sagst, was es mit dieser Ausnahmeregelung auf sich hat."

‚Hab dich‘, dachte Dean und bemühte sich um einen ernsten Gesichtsausdruck.

‚Unfaßbar, aber er hat ihn‘, dachte Aldin im selben Augenblick. ‚Es wird offenbar höchste Zeit, dass ich auf Sams Gefühl vertraue und auch Dean mehr Zugeständnisse mache', überlegte der Doc beschämt und beschloss, weiterhin im Hintergrund zu bleiben. Denn so wie es aussah, hatte Dean die Situation ganz gut im Griff und Aldin konnte immer noch eingreifen, wenn es doch noch zu einer Eskalation kommen sollte.


Inzwischen verdrehte Dean die Augen. „Okay, was tut man nicht alles für die Sucht. Also, pass auf. Es gibt drei einfache Regeln. Erkenntnis, Wiedergutmachung, Lebensrecht. Erkennen ist auf jeden Fall der wichtigste Punkt. Denn wer nicht erkennt, kann ja auch nichts ändern. Logisch. Also fragt man sich da erstmal, was ist falsch gelaufen? Was kann oder will ich ändern? Das wusste man zuvor ja nicht, besonders wenn man jung ist, daher ist es auch logisch, dass man Fehler gemacht hat und auch immer wieder mal macht. Na wie auch immer. Sobald man das erkannt hat, kann man Wiedergutmachung leisten. Klar soweit?", wollte Dean wissen und Barnes nickte nach einigem Zögern.

„Okay, dann zum letzten Punkt. Lebensrecht. Du hast das Recht so zu leben wie du willst und dabei auch noch glücklich zu sein. Und glaub mir, das zu erkennen, ist das Schwerste. Aber du bist ein kluges Bürschchen, wie ich bemerkt habe, also kriegst du das hin. So, jetzt gibst du mir deine Waffe, damit du dir das aufschreiben und auswendig lernen kannst." 

Dean war Barnes inzwischen so nahe gekommen, dass er ihm kurzerhand die Waffe wegnehmen konnte und sie auch gleich sicherte. Dann klopfte er dem jungen Mann auf die Schulter und lächelte ihn an. „Die Kippen wirfst du am Besten auch gleich weg. Wäre echt blöd, wenn du frühzeitig an Lungenkrebs krepierst, jetzt, nachdem du beschlossen hast zu leben."

„Aber... aber ich... hab doch gar nicht beschlo..."

„Doch, hast du. Und jetzt komm mit. Der Doc steht sich deinetwegen schon die Beine in den Bauch." Dean zerrte den perplexern Barnes einfach hinter sich her bis zu der Ecke, wo Aldin stand.

„Ihr Patient, Doc. Bringen sie ihn auf Vordermann und wen er nicht mehr völlig durchgeknallt ist, hab ich einen Job für ihn. Falls er will."

An Barnes gewand sagte er dann noch. „Du hast Glück, hier gelandet zu sein. Der Doc hat's echt drauf. Also hör auf ihn." Dann drehte er sich um und ging langsam auf das Haupthaus zu.

„Dean? Gut gemacht!", rief Aldin im hinterher und er meinte es nicht nur so, es war ihm auch ein echtes Bedürfnis das zu sagen.

Dean verstand und wusste auch, dass es ehrlich gemeint war, denn Aldin hatte ihn per Vornamen angesprochen und das fühlte sich für Dean derart gut an, dass er nicht antworten konnte. Daher hob er ohne etwas zu erwidern die Hand zum Gruß, bevor er im Haupthaus verschwand. Hoffentlich hatte Anna noch Kuchen. Nach all dem rührseligen Gequatsche hatte er tierischen Hunger.  

Kapitel 8 von silverbird

Dean hatte den restlichen Tag an dem alten Wagen gearbeitet und war zu seiner Freunde sehr gut voran gekommen. Gegen seine Befürchtungen hatte Aldin ihn nicht aufgesucht. Er wusste, dass er auch beim Abendessen kein Gespräch mit dem Doc über die Ereignisse des Vormittags führen musste. Sams Mutter, Sophie, würde das nicht dulden. Daher ging Dean nach einer ausgiebigen Dusche sehr entspannt rüber ins Haupthaus. Sam würde bald eintreffen, wie er ihm per SMS mitgeteilt hatte, und so würde es recht bald etwas zu essen geben. Inzwischen hatte es angefangen leicht zu regnen. Dean stand am Fenster in der Küche und hielt nach Sam Ausschau, als Sophie seufzend bemerkte: „Was für ein mieses Wetter."

„Ich finde schön, was ich da draussen sehe", entgegnete Dean leicht abwesend, während er lächelnd beobachtete, wie Sam aus dem Wagen stieg.

Sophie, verwundert über die über diese Aussage, schaute in Deans Richtung. Sie bemerkte das Lächeln in seinem Gesicht und wusste, dass es immer nur erschien, wenn er Sam sah. Auch wusste sie, was er jetzt gleich machen würde: Seine Bierflasche abstellen und Sam entgegengehen. Das tat er immer, wenn er vor ihrem Sohn im Haus war. Und so auch dieses Mal. Die Flasche landete unbeachtet auf dem Küchentresen und Dean ging ohne ein Wort zu sagen hinaus.

„Er hat mit Sam wohl wieder was Wichtiges zu bereden", bemerkte Anna grinsend.

Sophie lächelte ebenfalls, während sie weiter den Tisch deckte. „Reden würde ich das nicht gerade nennen. Lippenbekenntnisse. Ja, unter diesem Namen können wir das durchgehen lassen."

Beide Frauen lachten daraufhin laut auf und als gerade in diesem Augenblick Aldin die Wohnküche betrat, hob er fragend die Augenbrauen.

„Nichts wichtiges, Schatz, nur über was Frauen so tratschen und zu lachen haben", wiegelte sie ab und er nahm es weiterhin wortlos zur Kenntnis. Sein Kopf war ohnehin mit Barnes beschäftigt. Daher hatte er vor, nur rasch etwas zu essen und sich dann wieder an die Arbeit zu begeben.

~*~

Dean hatte Sam inzwischen an der Haustüre erwartet. Das war inzwischen schon fast so etwas wie ein Ritual geworden, das Dean eingeführt hatte, um Sam küssen zu können, bevor sie sich an den Familientisch setzten. Auch wenn er kein Problem damit hatte, seinen Freund vor dessen Familie zu küssen, so wußte er, dass Sam das ein bisschen peinlich war. Aus diesem Grund tat Dean es daher auch nicht. Außerdem, in ein paar Wochen würden sie ohnehin in ihrer eigenen Wohnung leben und dann konnte er über Sam herfallen, wann immer er mochte. Dieser Gedanke ließ Dean schmunzeln und auf Sams fragenden Blick sagte er ihm auch gleich, was er dachte.

Sam verdrehte die Augen und wurde auch ein bißchen Rot um die Nase, doch sein Grinsen verriet, dass  ihm der Gedanke durchaus gefiel.

„Wenn ihr dann endlich die Finger voneinander lassen würdet, könnten wir essen, solange die Speisen noch warm sind", ertönte Sophies Stimme plötzlich aus der Küche und daraufhin wurde Sams Gesicht so richtig rot. Dennoch nahm er Dean an der Hand und zog ihn hinter sich her, bis sie am Esstisch anlangten. „Hey, Mom, Dad. Was gibt es heute wieder Gutes, Anna?", begrüßte er die Menschen, die bereits warteten.

„Etwas Gesundes und anschließend noch etwas Süßes, aber nur, wenn der Gemüseauflauf aufgegessen wird", fügte die Köchin sich an Dean wendend streng hinzu. Der zog gespielt ängstlich die Schultern ein, machte aber ein schmollendes Gesicht, was alle anderen zum Lachen brachte.

Während des Essens wollten Sams Eltern wissen, wie es mit dem Aufbau der Redaktion lief und er berichtete, dass in den nächsten Tagen die restlichen Lieferungen ankommen müßten. „Wenn alles so funktioniert, wie ich es geplant habe, wird die erste Ausgabe des Tagesboten zu Weihnachten erscheinen. Ein oder zwei Hilfskräfte brauche ich allerdings noch und zwei Zeitungsjungs wären auch nicht schlecht."

„Kannst ja eine Anzeige im Tagesboten aufgeben", witzelte Dean und Sam verdrehte die Augen und konterte schmunzelnd: „Sehr lustig. Dafür, dass du so frech bist, wirst du dazu verurteilt, die Weihnachtsfeiertage mit Zeitungen austragen zu verbringen.

„Kein Problem. Ich hab's ohnehin nicht so mit Weihnachten", gab Dean grinsend zurück, doch in seinen Augen war kein Schalk zu erkennen.

Alle schwiegen, betroffen von Deans Aussage. Keiner wußte recht, was er darauf sagen sollte, und fragen, wieso er dieses Fest nicht mochte, wollte auch niemand. Alle, selbst Sam, stellten fest, dass sie im Grunde nichts über Dean wußten und auch nichts erfahren würden, solange er das nicht wollte. Und so aßen alle schweigend weiter.

Dean hingegen dachte an das bevorstehende Fest. Natürlich wusste er, dass Sam nur Spass gemacht hatte. Er würde ihn nie als Zeitungsjungen auf die Straße schicken. Aber Dean würde es dennoch tun. Das war auf jeden Fall um einiges besser, als dieser unnötige Weihnachtskram.

Kapitel 9 von silverbird

Nach dem Essen wurde Dean von Aldin gebeten, ihm ins Arbeitszimmer zu folgen, worüber Dean nicht gerade erfreut war. Er befürchtete, dass der Psychologe das Thema Weihnachten diskutieren wollte, doch als er Aldin gegenüber Platz nahm, sprach er ihn wegen Barnes an.

„Auch wenn Ihre Methode jeglicher psychologischen Grundlage entbehrt hat, Sie haben Edward Barnes zweifellos das Leben gerettet. Offenbar scheint das einer Ihrer hervorstechenden Eigenschaften zu sein. Wobei es nicht wirklich dem Berufsbild entspricht, das ich mir von Ihnen gemacht habe. Nun, ich hoffe, Sie sehen mir das nach, da meine vorherigen Erfahrungen diesbezüglich in eine andere Richtung liefen."

Dean verstand diese Art der Entschuldigung und er entgegnete: „Schon klar, Doc. Thema abgeschlossen. Sonst noch etwas?"

Der Doc nickte, antwortete jedoch nicht sofort, sondern zog zuerst die unterste Schublade seines Schreibtisches auf. Dann holte er eine Flasche und zwei Gläser hervor und schaute Dean fragend an. Als der zustimmend nickte, füllte Aldin die Gläser halb mit dem Whiskey voll.

„Ich weiß, dass Sie mir nichts über sich erzählen wollen. Daher werde ich auch keine Fragen stellen, die Sie mir ohnehin nicht beantworten. Sie wissen, dass ich darüber nicht erfreut bin. Schließlich sind Sie mir meinem Sohn liiert, und jeder Vater möchte sein Kind in guten Händen wissen. Bestimmt ist Ihnen klar, dass ich Sie beobachte und auch Erkundigungen über Sie eingezogen habe."

„Natürlich haben Sie das. Hab ich auch, bevor ich auf ihre Farm kam. Wobei das damals aus beruflichem Interesse geschah", gab Dean zur Antwort, dann hob er sein Glas und prostete dem Doc zu, bevor er einen Schluck nahm.

Aldin tat es dem Marshall gleich und nachdem er ebenfalls getrunken hatte, sagte er unzufrieden: „Wenn Sie sowenig über uns erfahren haben, wie ich über Sie, dann wissen Sie nichts. Selbst Bill schweigt sich über Sie aus."

„Sie kennen unseren Verein doch. Da gilt die gleiche Schweigepflicht wie bei Ihrer Zunft. Wobei, über Sie und ihre Familie habe ich ein paar Dinge erfahren, die jedoch eher allgemein und ziemlich uninteressant sind."

Aldin runzelte die Stirn. Der Agent wußte offenbar mehr, als Aldin je geahnt hatte, und das löste ein ungutes Gefühl in ihm aus. Nicht, daß er etwas zu verbergen gehabt hätte, aber der Junge war halb so alt wie Aldin selbst und wußte mehr über ihn, als er über Dean Wilson vermutlich je erfahren würde. Wahrscheinlich war das nicht einmal sein richtiger Name. So jemanden in seinem Haus zu haben, noch dazu als Sams Freund, war irgendwie beängstigend.

„Und das wäre?", fragte er daher nicht gerade freundlich.

„Ich habe mich damals nur wegen des Kriminalfalles schlau gemacht und wie gesagt, nichts was Sie beunruhigen könnte oder müsste. Was auch ihre Familie betrifft", gab Dean ruhig zur Antwort und trank dann erneut.

„Was meinen Sie mit meiner ... Familie?" Aldin wurde immer mißtrauischer und sofort hatte er neue Vorbehalte gegenüber Dean.

„Sie kennen das doch. Durchleuchtung der Vergangenheit. Die übliche Vorgehensweise, wenn man Undercover arbeitet."

‚Jetzt will ich es genau wissen‘, dachte Aldin und hakte nach. „Verstehe. Sie wissen also alles über mich, meine Frau und meine Kinder."

„Und jeden, der hier sonst noch herumgeistert. Aber Sie müssen sich keine Sorgen machen. Zumindest ihre Frau hat eine blütenweiße Weste, " schmunzelte Dean und zwinkerte dem Doc zu.

Aldin mußte daraufhin einfach lachen. So sehr er sich auch sträubte. Dean hatte etwas derart Gewinnendes in seinem Wesen, das er ihn einfach mögen musste, wenn auch immer noch mit Vorbehalt. Wobei Aldin sehr genau wusste, dass er nur wegen Sam so eingestellt war.

Auch wenn sein Sohn mit einem anderen Mann als Dean zusammen sein würde, Aldin hätte Vorbehalte. Untypisch für einen Psychologen, aber völlig logisch, wenn man das aus der Sicht eines Vaters betrachtete. Außerdem konnte er sich nach wie vor nicht vorstellen, dass Dean auf Dauer in dieser kleinen Stadt würde leben können. Aber Sam hatte sich für den ehemaligen Agenten entschieden, und es war unbestritten, dass der seinen Sohn sehr liebte. Doch davon ganz abgesehen beschloss Aldin, nicht immer wieder darüber nachzudenken und besser zu ihrem Thema zurück zukehren. Deswegen entgegnete er. „Und ich hätte geschworen, es ist Tessa."

Dean lächelte inzwischen. „Theresa und ihre andere Tochter, Kate, sind die mit den superweißen Waschmittelkleidern. Ihre Familie ist schon fast unanständig sauber. Sogar Sam. Verwunderlich, wenn ein Junge so gar nichts anstellt, oder er wurde nie erwischt. Wobei mir Beides egal wäre", fügte er bestimmt hinzu.

Aldin schüttelte den Kopf. „Nein, Sam ist schon immer das ruhigste meiner Kinder gewesen. Er überlegt bevor er etwas tut. Selbst mir ist das manchmal suspekt. Hin und wieder denke ich, er sollte... nein. Quid pro quo, Mr. Wilson. Ich erzähle Ihnen ein paar interessante Geschichten von Sam, im Gegenzug erzählen Sie mir etwas von Ihrer Kindheit."

„Netter versuch, Doc", grinste Dean und trank sein Glas leer.

Aldin lächelte ebenfalls. Irgendwann würde er den Freund seines Sohnes zum
Reden bringen. Das nahm er sich fest vor. Er musste nur Geduld haben.

Kapitel 10 von silverbird

Ruckartig setzte Dean sich auf. Er atmete schwer und war völlig verschwitzt.

„Dean? War ist los?", fragte Sam verschlafen und strich seinem Freund über den Rücken. Der mußte sich erst einmal räuspern, bevor er antworten konnte. „Nichts, hab nur blöd geträumt."

„Albtraum, wie mir scheint. Du bist ja vollkommen durchgeschwitzt."

„Sorry, ich hol gleich mal frische Bettwäsche", entgegnete Dean verlegen und wollte aus dem Bett steigen, aber Sam ließ es nicht zu. Er hatte sich inzwischen ebenfalls aufgesetzt und nahm Dean fest in die Arme. „Geht's dir gut, Darling?", wollte er leise wissen und schmiegte sich eng an den Körper seines Freundes.

Teilweise noch immer von seinem Traum gefangen, wollte sich Dean erst aus Sams Armen winden, doch es war zu schön so gehalten zu werden. Es war wundervoll, dass es jemanden gab, der sich um ihn sorgte, und das nur wegen eines blöden Traums. Und, auch wenn er es nicht mal unter Folter zugeben würde, dass Sam ihn gerade eben als seinen Liebling bezeichnet hatte, setzte sich Deans Herz in Flammen. Es wurde von einem Licht umhüllt, das nur Sam erzeugen konnte und Dean legte seine Arme ebenfalls um ihn, vergrub seinen Kopf in Sams Halsbeuge, schloß die Augen und seufzte zufrieden, bevor er nuschelte: „Mir geht es hervorragend."

Sam lachte leise und drückte Dean noch fester an sich. „Lügner", behauptete er und verteilte Küsse auf Deans Nacken.

„Gar nicht wahr. Mir geht's wirklich gut. Was sag ich gut. Ausgezeichnet! Und wenn du so weiter machst, gibt es gar keinen Ausdruck dafür, wie ich mich fühle", entgegnete Dean und drehte seinen Hals so, dass Sam noch besser herankam.

„Ahh... Sam", keuchte Dean, als sein Freund mit seiner Zunge eine besonders empfindliche Stelle erwischte und auch noch seine Hände einsetzte, indem er sie unter Deans Schlafshirt schob und zärtlich dessen weiche Haut streichelte.

In dem Augenblick, als Dean ebenfalls tätig werden wollte, wurde er plötzlich auf den Rücken geschubst und Sam fiel endgültig über ihn her.

Als sie später gemeinsam unter der Dusche standen und sich gegenseitig einseiften, lag auf Sams Gesicht ein glückseliges Lächeln und das nicht nur, weil Dean ihn soeben mit seinem überaus talentierten Mund verwöhnt hatte, sondern weil das Gesamtpaket Dean einfach unbeschreiblich war. Er konnte sein Glück oft gar nicht fassen, denn jeder Blick, jede Geste von Dean zeigte Sam, wie sehr er geliebt wurde. Natürlich hätte er es auch gerne einmal gehört, aber Sam wußte inzwischen, dass sich Dean mit solchen Worten schwer tat. Aber er hatte auch bemerkt, dass Dean selbst es gerne hörte. Nicht nur das. Indem er Sam bei jeder sich bietenden Gelegenheit berührte,  mal nur kurz, wenn sie nicht alleine waren, manchmal ließ Dean es auch wie zufällig aussehen, so zeigte er Sam unwillkürlich, wie sehr er dessen Berührungen brauchte. Und Sam liebte es.

~*~

Um noch einmal ins Bett zu gehen, war es schon zu spät, daher beschlossen sie, in der Stadt zu frühstücken, bevor sie wieder ihren Jobs nachgingen.

„Um zehn Uhr kommt der Tischler", erinnerte Sam seinen Freund, während er sich sein Brötchen schmierte.

„Weisch isch", nuschelte Dean kauend, was ihm einen strafenden Blick Sams einbrachte. Daher schluckte Dean erstmal alles hinunter, bevor er ergänzte. „Geht sich locker aus. Ich muss nur kurz zur Bürgermeisterin. Keine Ahnung was sie will. Dann sag ich noch im Büro bescheid wo ich zu erreichen bin."

„Gut, denn es wird knapp. Generell glaube ich nicht, dass es sich mit allen Möbeln bis Weihnachten ausgeht. Schon blöd, dass das Obergeschoss so verbaut ist und man daher keine fertigen Möbel reinstellen kann", bemerkte Sam und seufzte genervt.

„Hauptsache wir haben ein Bett, in das dein langer Luxuskörper reinpasst, und zur Not tut's auch ein russischer Schrank, bis der Tischler den Verbau machen kann.

„Russischer Schrank?", fragte Sam Stirn runzelnd nach.

Dean nickte und grinste. „Jupp. Ein paar Nägel in die Wand und schon ist er fertig."

Sam schüttelte belustigt den Kopf und lachte laut auf. „Vergiss es. Ich will einen Kasten mit ordentlichen Türen."

„Alles was du willst, Sammy", entgegnete Dean und war völlig hingerissen von dem Anblick der blitzenden Augen und der hübschen Grübchen, die sich in Sams Wangen bildeten, wenn er lachte.

„Alles?", hakte Sam fragend nach und machte große Augen.

„Außer rosa Tüllvorhängen und diesen Spitzenüberdecken, die es für Betten gibt. Da streike ich, oder geh nur in unser Schlafzimmer, wenn es stockdunkel ist", wehrte Dean ab.

„Idiot", grummelte Sam, schmollend darüber, was Dean ihm unterstellte.

Der seufzte herzzerreißend. „So schnell geht das also bei dir. Vor ein paar Stunden war ich noch dein Darling und nun bin ich nur noch dein Idiot."

‚Ich habe mich schon gewundert, dass er mich nicht zu Recht gewiesen hat, weil ich ihm einen Kosenamen gegeben hatte. Aber offensichtlich mag er es', dachte Sam und ihm wurde ganz warm ums Herz. Daher sagte er laut: „Aber immerhin mein Idiot. Doch da du es offenbar vermisst, dass ich dich Darling nenne..."

„Tu ich nicht. Wer braucht schon Kosenamen", entgegnete Dean entrüstet, stand auf und warf ein paar Geldscheine auf den Tisch. „Jetzt komm schon, Babe, die Arbeit ruft", sagte er dann und grinste Sam breit an.

Kapitel 11 von silverbird

Als Dean kurz nach zehn Uhr das zukünftige Schlafzimmer des Redaktionshauses betrat, war der Tischler schon dabei diverse Vermessungen vorzunehmen. Der Marshall grüßte kurz, dann wollte er wissen: „Wie sieht es aus? Sind unsere Vorstellungen umsetzbar?"

Der Tischler schaltete sein elektronisches Messgerät ab und wandte sich seinen beiden Auftraggebern zu. „Da Sie ein extragroßes Bett benötigen, wird es sehr knapp mit dem Platz."

„Was bist du auch so lang", maulte Dean Sam grinsend an.

„Das ist doch nicht meine Schuld", gab der entrüstet zurück.

Dean schnaubte. „Klar ist es deine Schuld. Du hättest bloß aufhören müssen zu wachsen, aber nein....."

„Ganz toll, Dean. Du bist so..."

„Ähm... wenn ich einen Vorschlag machen dürfte?", unterbrach der Tischler die beiden Streithähne. Ihm war es sichtlich unangenehm diesem Disput beizuwohnen. Aber zumindest hatte er mit seinem Eingreifen erreicht, dass er die Aufmerksamkeit von Sam und Dean hatte, der antwortete: „Schlagen Sie, Meister. Hauptsche wir finden eine Lösung."

Während der Tischler den Raum durchquerte, um auf eine schmale Tür zuzugehen, trat Dean ganz nah an Sam heran und flüsterte ihm ins Ohr. „Tut mir Leid, Sammy, ich habe nur Spaß gemacht. Ich stehe nämlich auf deine langen, unglaublich sexy Beine." Nach diesem Geständnis trat er einen Schritt zurück und schaute seinen Freund treuherzig an. Sam seufzte hilflos. Wie sollte er Dean böse sein, wenn der ihn so ansah? Aber sie würden auf jeden Fall reden müssen. So konnte Sam das nicht stehen lassen. Doch vorerst sagte er nichts weiter, weil der Handwerker sie gerade bat, ihm zu folgen. Er hatte die Tür geöffnet und zeigte in den Raum, in dem sich turmhoch Bücher stapelten.

„Ich würde Ihnen empfehlen, diese Bücher anderweitig unterzubringen. Dann könnte ich Ihnen hier einen begehbaren Schrank bauen", schlug der Tischler vor.

Sam und Dean schauten sich kurz an und verständigten sich mit einem Blick. Dann entgegnete Sam: „Sehr gute Idee. So machen wir es."

Nachdem der Tischler das Haus verlassen hatte, wandte sich Sam seinem Freund zu. „Das war ganz schön unangenehm vor einem Fremden", bemerkte er und Dean wusste natürlich sofort, was er meinte. „Mach doch nicht gleich so ein Drama daraus. War doch nur Spaß, Sam, und ich hab mich ja auch entschuldigt", antwortete Dean genervt, weil sein Freund nun offenbar auf diesem Thema herumreiten wollte.

„Ja, das hast du. Trotzdem, ich mag das nicht. Lass das bitte in Zukunft", verlangte er unerbittlich.

„Ja, ja, schon gut du Mimose. Wenn du keinen Spaß verstehst, dann halt nicht. Ich muss zurück ins Büro", entgegnete Dean eingeschnappt und während er sich zur Tür begab, hörte er Sam murmeln: „Ja toll, renn nur davon. Tolle Taktik, mal abgesehen davon, dass ich mit dem ganzen Krempel alleine zu Rande kommen muss."

Dean regierte nicht darauf und verließ das Haus. Er hatte einfach keine Lust wegen so einer Kleinigkeit herum zu streiten und schon gar nicht stundenlang darüber zu diskutieren. Trotzdem entschuldigte er Sams Verhalten in Gedanken, den er konnte gar nicht anders. „Keine Nerven, mein Sammy. Ist total überfordert und besorgt, dass er nicht alles rechtzeitig hinkriegt. Dann werde ich mal für ein bißchen Unterstützung sorgen."

Dean lief die Hauptstrasse entlang und bog nach ein paar hundert Meter in eine Seitengasse ein. Wie er erwartet hatte, standen dort ein paar junge Burschen mit ihren Kleinmotorrädern herum. Dean wusste inzwischen, dass dies der Treffpunkt der Jungs war und ging auf sie zu.

~*~

Noch immer sauer auf Dean, begab sich Sam in den Keller, um nach Kartons zu suchen, in die er die Bücher packen konnte. Er hatte im Moment keine Zeit sie durchzusehen. Das würde er machen, wenn seine kleine Firma lief und alle Umbauten abgeschlossen waren. Die Zeit rann ihm langsam davon und er befürchtete, das alles mit so wenigen Leuten, die er hatte, nicht zu schaffen. Zumindest nicht so, wie er es geplant hatte. Und Dean war auch keine Hilfe. ‚Nein, nur weil ich sauer auf ihn bin, wäre es ungerecht, das zu behaupten', gestand sich Sam in Gedanken ein.

Was ihre Wohnung betraf, hatte so gut wie alles Dean organisiert. Er hatte Muster für Bodenbeläge und Tapeten angeschleppt, ebenso Fliesen und Armaturen. Seiner Meinung nach konnte man nur so beurteilen, ob sie den Vorstellungen entsprach. Bilder im Internet konnten da nicht mithalten. Das alles hatte er Sam ins Haus gebracht, damit er mit aussuchen und sie so beurteilen konnten, wie es vor Ort aussehen würde. Anschließend hatte Dean die Handwerker beauftragt und beobachtet, ob sie alles so machten, wie sie es sich vorgestellt hatten. Daher arbeiteten sie auch fleißig und gewissenhaft.

Doch jetzt hatten sie ihren ersten Streit gehabt und Sam war inzwischen auch klar, wie kleinlich er sich verhalten hatte. Im Nachhinein betrachtet, war es eher lustig gewesen, und Sam stellte fest, dass er völlig falsch reagiert hatte. Im Grunde mochte er es sogar sehr, sich verbal so zu kabbeln.

„Ich muss mich bei Dean entschuldigen. Er war ziemlich wütend und das mit Recht", erkannte er plötzlich und erschrak darüber, während sich sein Herz schmerzhaft zusammenzog. Was, wenn Dean ihn für launenhaft hielt und keine Lust mehr hatte, mit ihm zusammen zu sein?

„Dean hat sein ganzes Leben für mich umgestellt und ich schnauzte ihn an, nur weil er sich einen Spaß erlaubt hat. Es würde mich nicht wundern, wenn er nicht mehr mit mir zusammen sein will."

Kapitel 12 von silverbird

„Mr. Hensen?",  hörte Sam eine jugendliche Stimme rufen. Daraufhin stellte er den Karton ab, den er gerade in Händen gehalten hatte, und lief die Treppe hinauf. In der Lobby standen fünf Jugendliche und Sam runzelte die Stirn. Noch bevor er etwas sagen konnte, sprach ihn einer schon an.

„Der Marshall schickt uns. Sie haben Arbeit für uns, hat er gesagt. Ich bin übrigens Jim, die neben mir sind Tarek, Garry, Tom und Jerry."

„Keine Witze über Katzen und Mäuse bitte", sagte derjenige, der als Jerry vorgestellt worden war.

„Äh... was? Ach so. Verstehe. Nein, keine Sorge. Also der Marshall. Okay. Gut. Aber um gleich mal klar zu stellen, viel kann ich euch nicht zahlen."

„Kein Thema. Hat der Hüter des Gesetzes schon übernommen. Für die nächsten fünf Stunden gehören wir ganz ihnen. Arbeitsmäßig meine ich."

„Oh gut. Also dann holt mal bitte die leeren Kartons aus dem Keller. Sie müssen rauf in den ersten Stock. Kommt einfach mit. Ich zeige euch was zu tun ist." Sam ging voraus, die Jungs folgten und bald darauf begann sich das zukünftige Ankleidezimmer zu leeren.

Während vier der Jugendlichen die Bücher mit den Kartons füllten und in die Lobby brachten, half Jerry Sam Regale aus dem Keller zu tragen. Er wollte sie in der Lobby aufstellen und mit den Büchern füllen, von denen er dachte, dass sie es wert waren, aufgehoben zu werden. Während sie arbeiteten, dachte Sam über Deans Aktion nach.

‚Ich habe ihn angemotzt und meine Launen an ihm ausgelassen. Trotzdem hat Dean Hilfe organisiert und sie auch noch bezahlt. Dieser Mann ist einfach unglaublich‘, dachte Sam und sein schlechtes Gewissen wuchs noch um ein Stück.

„Wie hält er es nur mit mir aus?", murmelte Sam leise vor sich hin, worauf Jerry fragte: „Was haben Sie gesagt, Mr. Hensen?"

Sam, aus seinen Gedanken gerissen, schaute den Jungen an. Dann lächelte er freundlich. „Nenn mich Sam. Komm, lass uns die nächsten Regale holen."

Nach zwei Stunden war das Zimmer ausgeräumt und sogar ein Teil der Regale mit Büchern gefüllt.

 „Pause", rief Sam daher und ging zum Kühlschrank, holte ein paar Dosen Cola heraus und reichte sie an die Jungs weiter.

„Wenn wir fertig sind, lade ich euch noch zu einer Pizza ein, wenn ihr wollt", bot Sam an.

„Hey, cool", entgegnete Tom und die anderen nickten.

„Wir haben nachmittags fast immer Zeit und am Wochenende können wir auch helfen", bot nun Jerry an, woraufhin die anderen wieder zustimmend nickten.

Sam überlegte gar nicht erst lange, und nahm das Angebot sofort an. Ein Stundenlohn wurde ausgehandelt und beschlossen, dass sie gleich am nächsten Nachmittag wieder kommen würden.

„Jetzt aber wieder los, Jungs. Sonst reißt uns der Marshall den Hintern auf", befahl Tom, der ganz offensichtlich der Anführer war.

Sam musste lächeln. Dean hatte ihnen offenbar ganz schön Dampf gemacht und sie hatten bisher auch wirklich fleißig gearbeitet. ‚Ich liebe ihn so sehr, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann. Und das nicht nur, weil er immer genau weiß, wie er mich unterstützen kann', dachte Sam verträumt, während er sich Deans Gesicht vorstellte, wenn er lächelte und seine Augen blitzten.

„Boss? Hey, Mr. Hensen", sprach ihn Jerry plötzlich an und riss Sam so aus seinen Träumen. Er fühlte sich ertappt und leichte Hitze schoss ihm in die Wangen, bevor er sich dem Jungen zuwandte.

„Machen wir weiter?", wollte der Junge wissen.

~*~

Sie hatten die nächsten zwei Stunden viel geschafft und die Jungs hatten ihre Pizzen verdrückt. Jetzt war Sam wieder alleine und schaute auf die Uhr. Nur noch eine Stunde, dann würde Deans Arbeitszeit zu Ende sein. Sam spürte, wie sein Magen nervös revoltierte. „Dean hat mir die Jungs geschickt. Das hätte er nicht gemacht, wenn er nichts mehr mit mir zu tun haben wollte", redete er sich selbst gut zu und beschloss, sich bei Dean nicht nur ordentlich zu entschuldigen, sondern ihn auch anderweitig zu verwöhnen.

Rasch lief er nach oben ins Badezimmer, drehte den Heizkörper auf und richtete Badetücher her. Dann begab er sich ins Wohnzimmer. Dort stand noch die alte Couch des Vorbesitzers. Sie war optisch ziemlich hinüber, aber die Federung war noch in einem akzeptablen Zustand. Zudem konnte man sie zu einem Bett ausziehen. Das tat Sam dann auch gleich, holte anschließend Bettwäsche und richtete alles für eine schöne Nacht her, bevor er noch den Kamin mit Holz befüllte. Anzünden würde er es erst, wenn er und Dean zurückkamen. Es fehlte gerade noch, wenn das Haus abfackeln würde, nur weil es einen Funkenflug gab. Falls Dean bereit war mit ihm mitzukommen, würde er ihn so richtig verwöhnen. Sam hoffte sehr, dass es soweit kam. Ein weiterer Blick auf die Uhr ließ ihn erkennen, dass er sich beeilen musste, wenn er noch Essen besorgen und Dean anschließend von der Polizeistation abholen wollte.

~*~

Dean saß hinter seinem Schreibtisch und dachte an sein Treffen mit der Bürgermeisterin. Sie mochte ihn nicht, das hatte Dean sofort bemerkt, aber das beruhte auf Gegenseitigkeit. Dean fand, sie war ein böser, selbstsüchtiger Drache und er irrte sich so gut wie nie in seiner Einschätzung. „Mit ihr werde ich noch viel Spaß haben", brummte er vor sich hin und ein böses Lächeln umspielte plötzlich seine Lippen.

Kapitel 13 von silverbird

Ziemlich nervös trat Sam von einem Fuß auf den anderen, während er darauf wartete, dass Dean aus dem Gebäude kam. Er hoffte nach wie vor, Dean hätte ihm schon verziehen und er würde seine Einladung annehmen.

„Hallo, Sam. Was führt dich her?", wollte Dean wissen, nachdem er aus dem Gebäude gekommen und seinen Freund gewahr wurde.

‚Shit. Kein Sammy. Kein Babe. Er ist immer noch sauer auf mich. Aber was habe ich auch erwartet‘, dachte Sam niedergeschlagen. Doch er riß sich zusammen und versuchte ein Lächeln, bevor er, fast ohne Punkt und Komma antwortete: „Ich dachte... ich wollte... es tut mir Leid, Dean. Ich bin ein Idiot und habe total überzogen reagiert und... es tut mir ehrlich Leid und ich will es wieder gut machen, hab Essen besorgt und wir könnten es uns in unserem neuen Haus gemütlich machen, dachte ich und... also, wenn du willst?"

Sam schaute seinen Freund mit einem Dackelblick an, dass der nur noch ergeben seufzen konnte. Natürlich gefiel es Dean, dass er vor ihm fast auf die Knie ging, und das, obwohl Dean gar nicht böse auf ihn war. Er hatte auch gar nicht die Absicht das auszunutzen. Wozu Konflikte heraufbeschwören, die auf Grund von Nichtigkeit eigentlich jeder Grundlage entbehrten. Außerdem würde er so auf einen sehr heißen Abend verzichten. Er müsste also ein totaler Trottel sein, oder ein bescheuerter Egomane, wenn er jetzt auf einem Thema herumritt, das eigentlich gar keines war.

„Schon gut, Sammy. Entschuldigung angenommen. Was gibt's zu futtern?", fragte er und grinste breit.

Sam lachte erleichtert auf und er hätte Dean gerne kurz geküsst. Das wagte er aber doch nicht und erklärte stattdessen: „Ich habe eine chinesische Tafel bestellt. Also von allem etwas. Wir sollten uns beeilen, damit nichts kalt wird."

Dean nickte nur und sie liefen rasch zu seinem Wagen. Keine zehn Minuten später hielt der Marshall vor dem Redaktionsgebäude und nach weiteren fünf Minuten betraten sie das Wohnzimmer.

„Ich hab ganz vergessen mich für die Jungs zu bedanken, die du mir geschickt hast", sagte Sam, während er zum Kamin eilte, um das Holz darin anzuzünden. „Einer oder zwei von ihnen sind eventuell sogar an einer Ausbildung bei mir interessiert."

Dean schaute sich inzwischen neugierig um. Sein Freund hatte sich ganz schön Mühe gegeben, stellte er erfreut fest. Dann entgegnete er: „Schön. Mich interessiert jetzt aber etwas ganz anderes. Wo ist das Fell?"

Sam schaute ihn Stirn runzelnd an. „Welches Fell?"

Dean fing verrucht zu grinsen an. „Na das Eisbärfell, auf dem ich dich sehen will. Nackt, versteht sich."

Sam lächelte verlegen und seine Wangen färbten sich ein wenig, weil er genau wußte, was in Deans Kopf vorging. Doch er hatte absolut nichts dagegen und antwortete daher, wobei er nun ebenfalls grinsen musste: „Bärenfell hab ich zwar keines, aber du kannst mich nackt haben wann und wo du willst."

„Sammy, Sammy. Du bist ganz schön versaut."

„Und ich frage mich, wessen Schuld das ist", gab Sam murmelnd zurück.

„Na deine. Wer hat den die längsten und schönsten Beine, die noch dazu genau dorthin führen, wo es noch interessanter wird. Kein Wunder, dass man da ganz wuschig wird. Ach pfeiff aufs Fell", befand Dean, stürzte sich auf seinen Freund und eroberte erstmal dessen Lippen.

„Das Essen", nuschelte Sam, als sie den Kuss kurz unterbrechen mussten.

„Später. Erst verbrennen wir ganz viele Kalorien, okay?", schlug Dean vor. Sam schien mit dem Vorschlag einverstanden zu sein, denn er zog seinen Freund fest an sich und küsste ihn nun seinerseits voller Verlangen, während er ihn zu Boden drängte.

Es lag nicht am Feuer im Kamin, dass die Beiden kurz darauf gehörig ins Schwitzen kamen.

~*~

„Mhh... das sollten wir öfter machen", seufzte Dean zufrieden und legte sich ermattet zurück.

Sam brummte nur etwas Unverständliches. Um zu reden war er viel zu geschafft, aber seine Kräfte reichten noch, um sich eng an seinen Freund zu kuscheln. Lange hielt die Idylle jedoch nicht, denn plötzlich begann Deans Magen laut zu knurren.

„Nicht jetzt", jammerte Sam daraufhin, da er wusste, dass es keine zwei Sekunden dauern würde und er würde seinen gemütlichen Platz verlieren.

Dean lachte leise. „Ich gehe schon. Du darfst liegen bleiben, Babe. Kriegst ohnehin nichts mehr in die Höhe."

„Hey. Gib mir zehn Minuten und ich kann wieder", entgegnete Sam entrüstet, jedoch ohne sich zu bewegen.

Dean konnte nicht anders als schallend zu lachen. „Ich meinte, dich kriegst du nicht mehr in die Höhe. Nicht dein bestes Stück. Wobei, er hat sich echt gut geschlagen."

„Dito und ich gehe. Schließlich bist du es, den ich heute rundherum verwöhnen wollte. Also mach es dir gemütlich. Ich wärme das Essen und dann füttere ich dich", sagte Sam und erhob sich tapfer.

‚Ich steh auf mein neues Leben', dachte Dean und grinste begeistert. Dann sprang er auf und zog Sam an der Hand in die Höhe. „Komm, wir machen das zusammen und dann gucken wir mal, was man außer zu essen noch so in der Küche anstellen kann", ergänzte er und zwinkerte Sam zu.

Kapitel 14 von silverbird

Ein paar Tage später war Dean auf den Weg ins Sheriffgebäude. Es schneite an diesem Tag ziemlich heftig. Überall in der Stadt war Weihnachtsdekoration angebracht und Dean war bereits über zwei Weihnachtsmänner gestolpert, deren Ho, Ho, Ho ihm immer noch in den Ohren gellte. Genervt von der Weihnachtsmusik, die aus allen Geschäften drang, rannte er fast fluchtartig in das Vorzimmer zu seinem Büro, blieb wie angewurzelt stehen und keuchte entsetzt. „Was... zur Hölle...?"

„Cool, nicht? Ich habe nur eine Stunde gebraucht, bis ich alles fertig hatte", erklärte ihm Sally, seine Bürokraft, und schaute ihn beifallheischend an, während der Hilfssheriff dümmlich grinste.

Dean grummelte nur etwas Unverständliches und verschwand in seinem Büro. Eine Sekunde später brüllte er: „SALLYY!!"

Die Sekretärin zuckte erschrocken zusammen und schaute Hilfe suchend zu Owen Kimbly. Der zuckte nur mit den Schultern.

„Was hat er denn?", wollte sie dennoch wissen, doch Kimbly zuckte nur erneut mit den Schultern. Seufzend stand Sally auf und schlurfte in Deans Büro. „Ja, Chef?"

Der sah sie äußerst wütend an, woraufhin sie stotterte: „ Ähm... Sheriff, ... uhm... Marshall?"

„Sie haben genau eine halbe Stunde Zeit, um diesen kitschigen Krempel zu entfernen. Haben wir uns verstanden?", knurrte er sie an, und seine Augen  blitzten zornig.

„Aber Boss, ich mache schon seit Jahren die Weihnachtsdeko und der frühere Sheriff..."

„Eine halbe Stunde", wurde sie von Dean unterbrochen. Dann stürmte er auch schon wieder aus dem Gebäude. Inzwischen war der Schneefall noch heftiger geworden und Dean schlug grummelnd den Kragen hoch. Er hatte eine Stunde Zeit, bis er wieder bei der Bürgermeisterin vorstellig werden mußte, und er fragte sich, was diese Fregatte schon wieder von ihm wollte.

 „Egal womit sie mir diesmal wieder auf die Nerven gehen will. Sie kann mir ohnehin nichts und überhaupt. Wozu warten. Ich habe jetzt Zeit, also auf in den Kampf."

Er wechselte die Richtung und stapfte auf das Rathaus zu.

~*~

Sam stand in ihrem neuen, begehbaren Schrank und lächelte zufrieden. Der Tischler hatte hervorragende Arbeit geleistet und Sam beschloss, in den nächsten Tagen schon mal einiges von seinen Sachen von der Farm zu holen und in seinem neuen Heim einzuräumen. Deans Sachen passten in seine Reisetasche und Sam nahm sich vor, seinen Freund zu mehr Kleidung zu überreden.

 ‚Oder ich verstecke sie', dachte er und stellte sich Dean vor, wie er nackt in diesem Ankleideraum stand und nach Kleidungstücken suchte. Vor Sams geistigem Auge zog Dean die unterste Schublade auf und musste sich dabei tief hinunterbücken.

„Wir sind soweit fertig, Mr. Hensen", wurde Sam plötzlich aus seinen höchst erotischen Gedanken gerissen. Dementsprechend erschrocken zuckte er zusammen, bevor er gewahr wurde, wer ihn angesprochen hatte. Hitze schoss ihm in die Wangen. Langsam drehte er sich zu dem Tischler um und räusperte sich, bevor er antwortete: „Der Schrank ist großartig geworden. Besser als ich es mir vorgestellt habe", lobte er.

„Freut mich, dass Sie zufrieden sind. Wenn Sie jetzt noch das Schlafzimmer begutachten würden? Bett und die diverse Verbauten sind nach Ihren Wünschen fertig gestellt. Zwei Blenden fehlen noch, aber die bringe ich dann mit, wenn ich die Matratze liefere. Müsste Ende der Woche der Fall sein", berichtete der Tischler, während er erklärend auf die verschiedenen Holzteile zeigte.

„Erst Ende nächster Woche", sinnierte Sam laut, dann wandte er sich wieder dem Tischler zu. „Ich hoffe es klappt bis dahin. Wir wollten an Weihnachten eigentlich schon eingezogen sein."

„Wahrscheinlich kommt sie schon in den nächsten Tagen. Aber ich will keine Versprechungen machen, die ich dann womöglich nicht einhalten kann, daher nenne ich lieber einen späteren Termin. Die Matratze ist ja wegen der Größe eine Sonderanfertigung. Aber ich arbeite schon Jahre mit der Firma zusammen und bisher gab es noch nie Lieferschwierigkeiten. Ich melde mich sofort, wenn sie da ist", versprach der Handwerker und Sam bedankte sich freundlich.

Mit einem Handschlag verabschiedeten sie sich. Dann war Sam alleine. Er beschloss, hinunter in die Redaktion zu gehen, um die Artikel zu überarbeiten, die er für seine erste Ausgabe geschrieben hatte.

Als er den Raum erreichte, in der die Druckermaschine stand, schaute sein technischer Leiter Joe Cluster auf. „Es läuft alles wie am Schnürchen. Morgen können wir einen Probedruck machen, wenn du willst", bot er an und Sam konnte die Begeisterung in den Augen des Mannes sehen.

„Klasse, Joe. Das hast du wunderbar hinbekommen", lobte Sam und er fühlte selbst aufgeregte Freude in sich aufsteigen.

„Ich gehe noch mal über den Text, den wir für die Erstausgabe verwenden. Dann können wir morgen die ersten Blätter drucken und wenn alles klappt, brauchen wir nur noch die aktuellen Tagesnachrichten anhängen."

Kapitel 15 von silverbird

„Nun, Sheriff Wilson, wie Sie vielleicht nicht..."

„Bundesmarshall, Bürgermeisterin. Sie haben das unfassbare Glück, dass ein Bundesmarshall über die Stadt wacht", unterbrach Dean die Frau, die ihm gegenüber saß, charmantest lächelnd. Er konnte erkennen, dass sie sich sehr beherrschen musste, damit sie nicht explodierte, und das verstärkte sein Lächeln noch ein wenig.

„Wie auch immer", sagte sie unwirsch. „Jedenfalls nehme ich an, Sie sind noch nicht über alle Gepflogenheiten informiert, die in meiner Stadt üblich sind. Daher möchte ich Ihnen mitteilen, dass Sie dieses Jahr persönlich dafür verantwortlich sind, während der Feiertage für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen. Es war schon immer so, dass das neueste Mitglied die Feiertagsdienste übernimmt und dabei wollen wir es auch belassen, Bundesmarshall", erklärte sie nun betont freundlich.

„Selbstverständlich mache ich das. Ist doch mein Job. War das alles? Oder haben Sie sonst noch etwas auf dem Herzen?", gab Dean zur Antwort und brachte die Bürgermeisterin damit offenbar total aus den Konzept. Anscheinend hatte sie Gegenwehr erwartet. Doch Dean lächelte sie nach wie vor an und schien nicht im Geringsten verärgert darüber, dass er die ganzen Feiertage Dienst schieben musste.

Der Bürgermeisterin entgleisten kurzzeitig die Gesichtszüge, doch dann riß sie sich zusammen und schüttelte den Kopf. „Das wäre alles. Wir sehen und bei der Parade", fügte sie noch hinzu. Damit tat sie unterschwellig kund, dass sie Dean kontrollieren würde. Gleich darauf verabschiedete sie ihn. Dean stand daher auf, nickte ihr noch kurz zu und verließ dann das Büro.

‚Dachte diese Schnepfe vielleicht, dass sie mich mit ihrem absurden Befehl treffen kann? Falsch gedacht. Wenn der alte Uhu wüsste, dass sie mir damit einen Gefallen getan hat, würde sie sich selbst in den Hintern beißen‘, dachte er und grinste vergnügt vor sich hin.

Deans Laune war beträchtlich gestiegen und daher ignorierte er auch großzügig den Weihnachtsmann vor einem Schuhgeschäft, der mit seiner Glocke bimmelte und „Ho, Ho, Ho" in sein Ohr brüllte. Doch bevor er sein Büro erreichte, fiel ihm Sam ein und er seufzte. „Er wird nicht gerade glücklich sein, wenn ich bei dem ganzen Firlefanz nicht dabei bin. Aber ich hoffe, er versteht das. Es ist schließlich mein Job. Zudem hat er auch keine Zeit. Schließlich muss er seine Zeitung herausbringen. Passt also schon", sagte sich Dean und beschloss, das Thema demnächst mit seinem Freund zu besprechen.

~*~

Dean parkte den Wagen vor dem Farmhaus und stieg aus. Sam war offensichtlich schon da, denn er stand vor dem Hauseingang.

„Was ist mit all den Kartons, Sammy?", fragte Dean seinen Freund. Doch bevor der antworten konnte, wurde er erst einmal zu einem innigen Kuss herangezogen. Ein zufriedenes Seufzen entwich beiden, als sie den Kuss abbrachen und sich in die Augen schauten. Was sie dort sahen, sagte alles über ihre Zuneigung zueinander aus.

Plötzlich hörten sie ein leises Kichern. „Das ist Sams Aussteuer. Mom hat für jeden von uns die Erstausstattung besorgt. Da kommen wir nicht Drumherum. Und ja, ich steh schon lange genug hier, um euer Geknutsche mitgekriegt zu haben", erklärte Tessa breit grinsend. Sie stellte schnell einen kleineren Karton zu den großen am Eingang des Hauses und lief dann rasch wieder hinein, um ihrem Bruder zu entkommen, der jetzt genervt seufzte. Doch dann verlangte Dean seine Aufmerksamkeit.

„Wow, dann bist du jetzt eine gute Partie. Da muss ich aufpassen, damit du mir nicht weggeschnappt wirst", witzelte Dean grinsend, bevor er Sam wieder an sich zog. „Aber rechne nicht damit, dass ich dir einen Antrag mache", flüsterte er.

„Darüber reden wir noch", gab Sam frech grinsend zurück, bevor er Dean zu einem weiteren Kuss an sich zog.

Das beeinträchtigte zu Deans Glück sein Denken, denn wenn Sam ihn auf diese Weise küßte, war sein Hirn so gut wie nicht mehr vorhanden.

Auch nachdem sie den Kuss abgebrochen hatten kam er nicht dazu, über Sams Worte nachzudenken, denn sein Magenknurren holte die Beiden wieder in die Realität zurück und Sam lachte: „Komm, wir füttern dich erstmal, bevor wir die Kartons einräumen."

„Ist da wirklich Haushaltskram drin?", wollte Dean wissen, während er neben Sam das Haus betrat.

„Ja, und ich weiß, dass ich deinen Spott ertragen muss, aber bitte halte dich in Gegenwart meiner Mutter zurück. Glaube mir, du würdest es bereuen", erklärte Sam noch schnell, bevor sie die Küche betraten.

Dean wurde einer Antwort enthoben, da die Familie Hensen schon um den Tisch saß und offensichtlich auf sie Zwei wartete.

„Wurde auch Zeit, Jungs. Das Fleisch wird nicht zarter, wenn es stundenlang gebraten wird", meckerte Sams Mutter, die den Küchendienst heute übernommen hatte. Sam und Dean setzten sich rasch.

‚Hoffentlich kann Dean seinen vorlauten Schnabel halten', dachte Sam und schaute zu seinem Freund neben sich, um ihm einen warnenden Blick zuzuwerfen.

Dean grinste ihn offen an, wackelte mit den Augenbrauen und wandte sich dann Mrs. Hensen zu. Doch noch bevor er etwas sagen konnte, beugte sich Sam zu ihm und flüsterte ihm ins Ohr. „Wenn du jetzt ein falsches Wort sagst, schläfst du auf der Couch. Und das mindestens eine Woche!"

„Vertrau mir, Sammy", flüsterte Dean, noch immer grinsend, zurück. Dann wandte er sich erneut an Mrs. Hensen.

Sam wusste, er konnte Dean ohnehin nicht abhalten und was immer jetzt auch kam, es würde in einem Desaster enden. ‚Vertrauen? Das ist ein bisschen viel verlangt. Vater hat ohnehin schon ein Problem mit Dean und jede Wette, gleich schafft er es, dass auch Mom für alle Zeiten auf ihn sauer ist. Diese und alle zukünftigen Weihnachten mit der Familie kann ich vergessen. Dabei habe ich mir das so schön vorgestellt', dachte Sam und unterdrückte ein schweres Seufzen.

„Da Anna ja heute frei hat und es einfach wunderbar duftet... was hast du heute Herrliches in die Töpfe gezaubert?", fragte Dean und schaute Sams Mutter mit großen, fragenden Augen an, während er sie charmant anlächelte.

Kapitel 16 von silverbird

Eine knappe Stunde später, nachdem sie wunderbar gegessen hatten, begannen Sam und Dean die Kartons in ihrer beider Autos zu verteilen.

„Du bist ein verdammter Mistkerl. Ich habe mir schon die größten Sorgen gemacht, was du von dir geben wirst, und an alles was du denken kannst ist Essen", knurrte Sam Dean an und hievte seine Schachtel auf den Rücksitz, wo Dean seine gerade abgeladen hatte.

„Aber Sammy. Was denkst du nur von mir. Ich würde dich doch niemals in Verlegenheit bringen", entgegnete Dean grinsend.

„Pha, du hast bloß keine Lust auf der Couch zu schlafen."

„Okay, das auch. Aber nur deinetwegen. Du könntest gar nicht einschlafen, wenn ich nicht neben dir liege."

„Selbstherrlich bist du wohl gar nicht? Du bist es doch, der zum Oberkuschler mutiert ist. Gib es ruhig zu", konterte Sam und grinste nun seinerseits.

Dean stemmte seine Hände in die Hüften und schaute seinen Freund entrüstet an. „Ich? Davon träumst du wohl."   

Sam trat zu Dean hin, schloss ihn in die Arme und machte sich etwas kleiner, sodass er seinen Kopf in Deans Halsbeuge schmiegen konnte. Dann flüsterte er seufzend. „Mhh... Sammy, soo gut."

„Nie im Leben führ ich mich so auf. Ich bin doch kein Mädchen", behauptete Dean vehement und schob Sam energisch von sich.

„Doch, tust du. Also streite es gar nicht erst ab."

„Ach, halt einfach den Mund", knurrte Dean schmollend und eilte zurück zum Haus, um den nächsten Karton zu holen.

 ‚Toll, vom Killer zum Kuschler. Was für eine Karriere', dachte er missmutig, während er die nächste Schachtel aufnahm. Er horchte in sich hinein, indessen er wieder zurück zum Wagen ging, aber da war kein unangenehmes Gefühl, weil er sich nach Sammys Nähe sehnte. Im Gegenteil. Dennoch, peinlich war es trotzdem, wie er sich aufführte.

Als er auch diese Schachtel abgestellt hatte und zurückgehen wollte, hielt Sam ihn auf, indem er erneut die Arme um ihn schlang. „Ich steh drauf, dich im Arm zu halten und auch darauf, wenn du es tust und mich hältst. Außerdem, du hast völlig Recht. Ich kann nicht mehr ohne dich schlafen. Ich muss dich spüren. Wissen, dass du da bist. Immer."

Dean brachte kein Wort heraus. Sams wundervolles Geständnis hatte ihm buchstäblich die Kehle zugeschnürt. Daher tat er das einzige, wozu er derzeit fähig war. Er nahm Sams Kopf vorsichtig in seine Hände und küsste ihn, legte alle seine Gefühle in diesen Kuss und hoffte, dass Sam verstand.

Das tat er. Dean konnte es in Sams Augen sehen, nachdem sie den Kuss abgebrochen hatten und sich anschauten.

~*~

Am nächsten Vormittag waren die Motorradjungs gerade dabei die Kartons hinauf in die Wohnung zu tragen, als Dean eintraf.

„Ist Sam oben?", fragte er einen der Jungs, von dem er inzwischen wusste, dass er Jerry hieß. Als der nickte, schnappte sich Dean ebenfalls eine Schachtel und erklomm die Stufen in den ersten Stock. Oben angekommen, ging er gleich in die Küche, da auf dem Karton, den er trug, Geschirr stand. So wie er Sophie Hensen inzwischen kannte, brauchte er sich keine Sorgen zu machen, verschnörkelte, mit Rosen und Veilchen verzierte Tassen und Teller vorzufinden.

Daher griff er nach seinem Messer und schnitt die Schachtel auf. Wie erwartet befanden sich Teller und Tassen darin, die zu Sam und ihm passten und Dean nickte zufrieden. Er packte alles aus und stellte das Geschirr auf den Küchentresen. Dann machte er sich auf die Suche nach Sam. Er fand ihn im Schlafzimmer. Beziehungsweise in ihrem neuen Ankleidezimmer, wo er gerade Bettwäsche in einen der Schränke räumte. Ein paar Laken hatte er noch in der Hand.

„Hallo, Sam", wurde er von Dean begrüßt, der ihm auch noch einen kleinen Kuss auf die Lippen drückte.

„Hey, hast du frei?"

„Nein, aber 20 Minuten Pause und ich wüsste genau, was wir mit dieser Zeit anstellen... wow, das ist ägyptische Baumwolle", stellte er erstaunt fest und strich ehrfürchtig über den feinen Stoff.

„Woher weißt du das denn?", wollte Sam amüsiert wissen.

„Hab schon darin geschlafen und ich sage dir, es gibt nichts Besseres auf dem Markt."

„Geschlafen? Mit wem?", konnte sich Sam nicht verkneifen zu sagen und Eifersucht schwang in seiner Stimme mit.

„Falsche Frage. Wo... hätte gepasst. Die Antwort; in Ägypten natürlich und dort bleibt man besser keusch, wenn man nicht will, dass einem der Schwanz abgeschnitten wird. Also kein Grund zur Eifersucht, Babe", erklärte Dean grinsend.

Sam fühlte sich ertappt und das zeigte sich, indem sich seine Wangen färbten. Er lächelte verlegen und stahl Dean rasch einen Kuss, bevor er sagte: „Dann werde ich die Laken aufziehen, damit wir heute Nacht testen können, wie sie sich anfühlen, wenn man mehr darauf tut, als schlafen."

„Ein genialer Plan, Sammy, und ich schneide dir auch nichts ab. Im Gegenteil", erwiderte Dean und grinste breit.

Kapitel 17 von silverbird

„Was machst du da?", wollte Dean noch ziemlich verschlafen wissen. Er war aufgewacht, weil er Sam nicht mehr neben sich gespürt hatte, und fand ihn nun in der Küche vor. Ein Zettel lag vor ihm und Dean gab Sam einen Kuss auf die Wange, bevor er zur Kaffeemaschine ging und sie anstellte.

„Die Weihnachtsgeschenkliste", erklärte Sam und hielt Dean seine leere Tasse hin. Der war froh, dass er sich damit beschäftigen konnte Kaffee nachzufüllen. So vermochte er gleichzeitig über Sams Aussage nachdenken. ‚Mist, sicher erwarten jetzt alle aus Sams Familie, dass ich ihnen etwas schenke, und vor allem was? Weihnachten ist echt in jeder Hinsicht ätzend‘, schoß es ihm durch den Kopf, bevor er antwortete: „Geschenke, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Das heißt, wir müssen einkaufen. Schreib bitte auch gleich für mich auf, was sich deine Leute wünschen, damit wir das rasch hinter uns bringen", forderte er Sam auf, so würde dieser Kelch an ihm vorüber gehen, hoffte er. Dann stellte Dean ihm seine gefüllte Tasse, die er mit Zucker und Milch verfeinert hatte, vor die Nase.

„Danke", sagte Sam daraufhin, lächelte Dean an und trank erstmal einen Schluck.

Dean wurde ganz warm ums Herz. ‚Für dieses Lächeln würde ich in die Hölle gehen und zurück‘, dachte er und trank ebenfalls. „Also, was muss ich kaufen?", wollte er dann erneut wissen.

Sam schüttelte leise lachend den Kopf. „So läuft das nicht in meiner Familie. Wir schenken uns Dinge, die nichts kosten. Wenn es gar nicht anders geht, dann darf ein Geschenk den Wert von zehn Dollar nicht überschreiten."

Dean riss erstaunt die Augen auf. „Was? Wie soll das denn gehen? Schenken ohne Geschenke? Schön blöd. Man kauft einfach ein paar Sachen und gut ist."

„Finde ich nicht. Weihnachten hat ja nicht den Sinn in den Konsumrausch zu verfallen. Natürlich ist es schwerer etwas zu finden, das nichts, oder fast nichts kostet, aber so denkt man wirklich über die Leute nach, die man beschenken will. Übrigens, keiner von meinen Leuten wird dir böse sein, wenn du nichts schenkst", erklärte Sam.

„Verstehe, ist ja auch eure Familiensache", entgegnete Dean und versuchte so neutral wie möglich zu klingen. Sam sollte nicht merken, wie sehr ihn dessen Worte getroffen hatten. Aber so war es nun mal. Er gehörte nicht zu dieser Familie. Im Höchstfall gehörte er zu Sam, mehr aber auch nicht.

Doch Sam hatte den Stimmungswandel sehr wohl bemerkt. „Unsere Familiensache. Falls du es noch immer nicht kapiert hast. Meine Mutter hat dich bereits so gut wie adoptiert und Tessa sieht dich inzwischen wie einen Bruder, seit sie es aufgegeben hat, für dich als ihrem Freund zu schwärmen. Pech gehabt. Alles Meines." Sam betrachtete Dean von oben bis unten mit begehrlichen Blicken und leckte sich über die Lippen. „Meins. Meins", murmelte er erneut, zog Dean an sich und küßte ihn stürmisch. Der erwiderte den Kuss nur zu gerne und seufzte enttäuscht, als die den Kuss abbrechen mußten.

 „Wann mußt du los?", wollte Sam mit belegter Stimme wissen.

„Auf jeden Fall später", gab Dean grinsend zurück, zog Sam hoch und drängte ihn mit dem Rücken an den Tresen. Seine Hände glitten unter Sams T-Shirt und er strich über die weiche Haut, die unter seinen Fingerspitzen erschauderte.

„Dean", keuchte Sam als der an seinen Nippeln ankam und mit ihnen spielte. Wieder trafen sich ihre Lippen und die nächste Zeit hörte man nur das Stöhnen der Beiden.

~*~

Dean stapfte durch den Schnee auf sein Büro zu und grinste glückselig vor sich hin. Fantastischen Sex mit seinem Sammy. Besser konnte man den Tag gar nicht beginnen und er beschloss, das in Zukunft als tägliches Ritual einzuführen, sobald sie hier in der Stadt wohnen würden. Auf der Farm waren die Wände ziemlich dünn und Sam zuliebe hielten sie sich da etwas zurück. Selbst in Deans kleiner Wohnung über der Werkstatt waren sie nicht sicher, ob nicht irgendjemand plötzlich vor der Tür stand.

„Farm, Familie, Geschenke", fiel Dean plötzlich ein und er seufzte genervt. „Ich habe nicht die geringste Ahnung was ich den Hensens schenken soll. Was für eine saublöde Idee. Nichts kaufen. Der Humbug kommt sicher von dem Doc. Nur einem Psychoheini kann so etwas Hirnrissiges einfallen. Das einzig Gute ist, dass ich wenigstens nicht anwesend sein muss, wenn die auf merry Christmas machen. Ein Hoch auf die Bürgermeisterin. Die Drachenlady weiß gar nicht, was sie mir damit für einen Gefallen getan hat", brummte Dean vor sich hin. Dabei fragte er sich, wieso er Sam noch nicht gesagt hatte, dass er bei den Festivitäten nicht anwesend sein würde.

„Na ja. Ich hatte heute Morgen halt Wichtigeres zu tun", sagte er sich und mußte grinsen, als er erneut an ihre Aktivitäten in der Küche dachte. 

„Ich sage es ihm, wenn wir uns zum Mittagessen treffen", entschied Dean und betrat sein Büro.

Kapitel 18 von silverbird

Nachdem sie das Diner verlassen hatten, klärte Dean seinen Freund darüber auf, dass er zu den Feiertagen Dienst schieben würde.

„Willst du mir damit sagen, dass du Weihnachten nicht mit mir verbringen wirst?", wollte Sam erzürnt wissen.

„Von nicht wollen kann keine Rede sein, Sammy. Ich muss halt arbeiten. Das ist so in meinem Job und ich kann das nicht ändern", versuchte Dean zu erklären und verschwieg dabei natürlich, dass er deswegen gar nicht böse war.

Sam war sauer. Mehr als das, und er lachte sarkastisch auf. „Ja klar. Du bist der Boss von deinem Laden und musst die ganzen Feiertage anwesend sein? Für wie dämlich hältst du mich eigentlich?"

Dean seufzte genervt. „Schau mal, Sam, es ist doch nicht meine Schuld. Die Bürgermeisterin hat es angeordnet und sie ist nun mal das Oberhaupt der Stadt. Da kann ich nichts machen."

„Kannst nicht oder willst nicht? Soll ich dir sagen, wie ich das sehe? Du magst Weihnachten nicht und da passt es dir perfekt in den Kram, dass du die Feiertage nicht mit mir und meiner Familie verbringen musst." Sam verschränkte die Arme vor der Brust und schaute Dean wütend an.

„Wie kommst du nur auf so einen Unsinn?", wehrte Dean ab, doch insgeheim dachte er: ‚Treffer. Verdammt er hat mich durchschaut. Ich frag mich bloß, wie?‘

„Unsinn? Dann erkläre mir mal, wieso du Sally zur Schnecke gemacht hast, weil sie dein Büro weihnachtlich dekoriert hat? Kläre mich auf, warum du kein Wort dazu sagst, wenn Tessa oder Mom über das Weihnachtsfest reden. Und ich erinnere mich gut an deine Aussage, man kauft einfach ein paar Sachen und gut ist. In Summe sagt mir das, Weihnachten geht dir am Arsch vorbei und es interessiert dich einen Dreck, ob ich gerne mit dir feiern würde."

„Komm schon, Babe, so ist das nicht", versuchte es Dean erneut und wollte Sam in den Arm nehmen, doch der schob ihn von sich und zischte: „Nenn mich nicht Babe und versuch erst gar nicht, mich zu beschwichtigen. Außerdem habe ich keine Lust dieses Thema auf der Straße zu erörtern. Wobei, offenbar hast du dich ohnehin entschieden. Also gibt es nichts mehr zu reden. Ich muss zurück in die Redaktion."

Ohne sich weiter um Dean zu kümmern, eilte Sam davon.

„Zicke", murmelte Dean hinterher und war nun seinerseits sauer. Er schaute sich vorsichtig um und konnte zu seinem Glück feststellen, dass kaum Leute auf der Strasse waren. Das lag vermutlich an dem starken Schneetreiben und Dean war diesmal froh darüber. Es kam einfach nicht gut, wenn sich der Marshall mit seinem Freund auf offener Straße stritt. Mit sich, der Welt, und vor allem dem gerade vorhergegangenem unerfreulichen Streit mit Sam höchst unzufrieden, lief Dean durch die Straßen. Er hatte keine Lust in sein Büro zurückzukehren, wo die überfröhliche Sally ohne Unterlass Jingle Bells vor sich hinplärrte. Abgesehen davon, in der Stimmung, in der er gerade war, würde er ihr den Kopf abreißen. Wie kam sie dazu, Sam zu erzählen, dass er den Weihnachtskram nicht mochte?

„Blöd ist er wirklich nicht", murmelte Dean vor sich her. „Andererseits, in einen Idioten hätte ich mich auch nie verlieben können. Klar zählt es auch, dass er einfach fantastisch aussieht. Aber das reicht auf Dauer nicht und Dauer will ich mit ihm haben. Das steht für mich fest. Okay, er sieht das im Moment wahrscheinlich anders. Aber er wird sich schon wieder einkriegen", redete sich Dean selbst gut zu. Auch wenn er ein mulmiges Gefühl hatte, hoffte er doch, dass sie ihre Unstimmigkeiten schnell bereinigen würden.

Dean kam an einer Auslage vorbei, blieb plötzlich stehen und starrte hinein, bevor er breit zu grinsen anfing.

~*~

Zornig knallte Sam den Papierstapel auf den Tisch. „Offenbar merkt er nicht einmal, wie wichtig mir das Fest ist. Oder es ist ihm schlichtweg egal. Er will das nicht und ich hab mich damit abzufinden. Aber so einfach mach ich es ihm nicht. Wenn er keine Zeit für mich hat, habe ich keine mehr für ihn. Ganz einfach."

Sam beschloss, erstmal an seinen Artikeln weiterzuarbeiten und am Abend noch einmal mit Dean ein ernstes Wort zu wechseln.

~*~

Auch an diesem Abend war es Dean, der als erstes auf der Farm ankam. Wie sonst auch wartete er vor der Eingangstür auf Sam, der eine viertel Stunde danach eintraf.

„Hey, Babe", begrüßte er seinen Freund, als der auf ihn zukam. Doch als er Sam küssen wollte, ließ er das nicht zu.

„Noch immer sauer auf mich?", stellte Dean die eher rhetorische Frage, denn das war ja offensichtlich.

„Was hast du erwartet? Ein Kuss und alles ist wieder gut?", gab Sam patzig zur Antwort.

„Na, das mit dem Kuss hat sich ja erledigt. Mensch, Sam. Jetzt hab dich nicht so. Du tust so, als müsstest du alleine Weihnachten feiern, dabei hast du doch deine Familie. Irgendwann werde mich auch kurz freimachen können. Okay?"

Sam schmollte jedoch immer noch und schaute Dean mit einem Dackelblick an. Dean seufzte. „Was hältst du davon, wenn wir uns gemeinsam die Geschenke für deine Leute ausdenken. So haben wir etwas, das wir zusammen für die Familie tun können."

Kapitel 19 von silverbird

Sam schaute seinen Freund an. Der lächelte gewinnend und so entschied Sam, nachzugeben, aber zumindest einen weiteren Kompromiss auszuhandeln. „Na gut, aber versuch wenigstens, ein paar Stunden mit mir zu verbringen."

„Klar. Hab ich doch bereits versprochen. Also. Versöhnungskuss?", wollte Dean wissen und klimperte mit den Wimpern.

Sam konnte nicht anders und mußte einfach laut lachen. Dann zog er Dean an sich und küsste ihn innig.

Als sie ihren Kuss beendet hatten, fragte Dean grinsend: „Du weißt, was nach einem Versöhnungskuss unbedingt sein muss?"

Sam runzelte die Stirn und schaute Dean verständnislos an.

„Na, Versöhnungssex. Sammy, das weiß man doch", kam die tadelnde Antwort.

Wieder lachte Sam. „Du bist irre."

„Jepp und das macht mich auch so besonders liebenswert", gab Dean selbstsicher zurück.

„Und überhaupt nicht eingebildet", setzte Sam nach, was bei Dean nur ein breites Grinsen hervorrief.

~*~

Sie hatten wie immer Annas gutes Essen genossen und saßen nun auf der Couch in Deans Wohnung. Sam kaute am Ende eines Stiftes herum und hatte seine Stirn in grüblerische Falten gelegt.

Dean fand, sein Sammy schaute zum anbeißen aus und er stellte sich vor, wie er kleine Küsse und Bisse überall auf Sams zarter Haut hinterließ.

 „Okay, wir kommen nicht weiter. Deswegen will ich jetzt endlich meinen Versöhnungssex haben", verlangte Dean vehement.

Sam seufzte. „Du denkst auch immer nur an das Eine."

„Du nicht?", wollte Dean wissen und grinste seinen Freund an, der daraufhin verlegen lächelte. „Öfter als ich sollte."

„Man kann zu oft an Sex denken? Das gibt es doch gar nicht", wehrte Dean verwundert ab, woraufhin Sam lachend den Kopf schüttelte. „Da hast du auch wieder Recht. Aber es kann ganz schön peinlich werden, wenn ich eine Besprechung habe und du währenddessen in meinem Kopf rumschwirrst und all diese Sachen machst, die mich ganz kirre machen."

Sams Wangen hatten einen rosa Schimmer bekommen, als er das sagte, und Dean fand erneut, sein Sammy war einfach nur hinreißend.

„Sag mir, was ich mit dir machen soll, Babe", verlangte er mit rauher Stimme und begann, zarte Küsse auf Sams Haut zu verteilen. Dabei wählte er Stellen von denen er wußte, dass sein Freund dort besonders empfindlich war.

Das tat auch sofort seine Wirkung, denn Sam keuchte ergeben: „Alles... was... was du willst."

~*~

Als Dean erwachte, lag Sam fest in seinen Armen und es fühlte sich unbeschreiblich gut an. Der neue Tag kündigte sich an und es schneite nach wie vor, stellte Dean fest, als er aus dem Fenster blickte. Er betrachtete die schlafende Gestalt neben sich und eine Wärme breitete sich in seinem Herzen aus, die ihm die Tränen in die Augen trieb. Nie hätte er gedacht, dass es jemanden geben würde, der ihn lieben konnte. Aber es war passiert und Dean würde alles tun, damit sein Sammy glücklich war. Daraufhin mußte er an ihren Streit denken und sein schlechtes Gewissen regte sich.

 ‚Soviel dazu, dass ich ihn glücklich sehen möchte‘, dachte Dean und seufzte lautlos. Nachdenklich starrte er vor sich hin. Natürlich nahm er seinen Job ernst und er war sich auch seiner Verantwortung bewußt. Die Bevölkerung sollte sich sicher fühlen, das stand außer Frage.

 ‚Aber wie die Drachenkönigin schon sagte, ich bin der Boss, was bedeutet: Ich bestimme. Das heißt ja nicht, dass ich die Regeln nicht einhalte. Aber Sam ist erste Priorität. Ihn glücklich zu sehen, ist mir am wichtigsten. Daher werde ich auch diesen Weihnachtskram überstehen‘, dachte Dean lächelnd und löste seine Arme vorsichtig von Sam. Dann rollte er sich behutsam aus dem Bett, um Sam nicht zu wecken. Im Badezimmer machte er sich schnell zurecht und eilte dann aus der Wohnung. Sein Ziel war das Haupthaus. Er mußte dringend mit dem Doc reden und da Dean wußte, dass Aldin Frühaufsteher war, würde er ihn sicher in der Küche antreffen. So war es dann auch und nach einem Gruß, schenkte sich Dean Kaffee ein und setzte sich dem Doc gegenüber. Der war ziemlich verwundert darüber, sagte aber nichts, wartete ab und fragte sich, was Dean wohl veranlasste, so früh und ohne Sam hier zu erscheinen.

„Wie geht es eigentlich Barnes?", wollte Dean plötzlich wissen.

„Er hat enorme Fortschritte gemacht und meiner Ansicht nach sollte er so bald als möglich ein normales, gesellschaftliches Leben führen. Wieso fragen Sie?"

„Sehr gut. Ich hätte da nämlich eine Idee, wie wir dem Jungen in dieser Beziehung helfen können", entgegnete Dean grinsend.

~*~

Nach dem Gespräch mit dem Doc hatte Dean noch eine Stunde an einem der Oldtimer herumgebastelt und war so gut wie fertig geworden. Dann schlich er wieder zurück in seine Küche und mache sich daran Kaffee aufzusetzen.

Sam erwachte von einem Geräusch, das er erst nicht zuordnen konnte. Dann aber erkannte er, dass es aus der Küche kam. Dean machte offenbar Frühstück, wie Sam richtig vermutete, denn kurz darauf stand sein Freund mit einem Tablett vor ihm und stellte es vorsichtig auf dem Bett ab.

„Wow. Ich muss echt gut gewesen sein", rutschte es Sam heraus und prompt wurde er gleich darauf rot um die Nase. Als er Dean dann verlegen anschaute, grinste der wie nicht anders zu erwarten.

„Oh yeah, Babe. Du warst fantastisch. Darum muss ich dich füttern. Schließlich sollst du bei Kräften sein, für die nächste Runde."

Kapitel 20 von silverbird

Als Dean am späten Vormittag seine Polizeistation betrat, hatte er Barnes im Schlepptau. Sally und Hilfssheriff Kimbly grüßten und schauten Dean dann fragend an.

„Das ist Max Barnes und sobald ich ihn vereidigt habe, ist er unser zweiter Hilfssheriff. Barnes, das ist Sally Fielding und Owen Kimbly, der erste Deputy hier. Er wird Ihnen alles erklären und zeigen, was Sie wissen müssen. Aber natürlich können Sie mit jeder Frage oder jedem Anliegen zu mir kommen. Jederzeit", sagte Dean. Mit diesen Worten machte er gleichzeitig Kimbly klar, wer der Boss war.

„Aber wieso brauchen wir einen zweiten Deputy? Bisher habe ich das gut alleine hingekriegt", bemerkte Kimbly, sichtlich beleidigt.

„Das hat nichts mit Ihnen zu tun, Kimbly. Sie machen ihre Arbeit wirklich gut und ich bin mehr als zufrieden mit Ihrer Leistung. Doch überlegen sie mal. Sie und ich haben kaum Freizeit, Owen, und sicher wollen Sie zu den Feiertagen auch mal einen Tag mit ihrer Familie verbringen. Mit Mr. Barnes haben wir die Unterstützung die wir brauchen."

Nach diesen Worten hellte sich der Gesichtsausdruck von Kimbly deutlich auf und er nickte zustimmend.

„Gut, das wäre geklärt. Nächster Akt. Vereidigung. Ich brauche euch als Zeugen und einen Sheriffstern", sagte Dean an Owen und Sally gewandt. Die junge Frau holte auch gleich einen aus der Lade ihres Schreibtischs und reichte ihn an Dean weiter. Der sagte sein Sprüchlein auf und als Barnes dran war zu antworten, mußte Dean ihn zwei Mal dazu auffordern, denn der junge Mann hatte offensichtlich nur Augen für Sally.

‚Na toll, jetzt verliebt sich der Trottel auch noch auf den ersten Blick. Als ob er sonst keine Probleme hätte. Das kann ja lustig werden‘, dachte Dean, während er Barnes den Stern in die Hand drückte.

„Willkommen in unserer kleinen Runde, Deputy Max Barnes", flötete Sally auch schon und lächelte den Neuen schmachtend an. Dean verdrehte die Augen, Owen bemerkte es und grinste seinen Boss an.

„Okay", sagte Dean und grinste kurz zurück. „Sally, sie sorgen dafür, dass Barnes alles bekommt was er braucht. Kleidung und so weiter. Waffe kriegen Sie irgendwann später mal von mir", klärte er Max auf. „Jetzt noch zur Diensteinteilung für die Weihnachtsfeiertage. In dieser Stadt ist es üblich, dass derjenige, der als letztes eingestellt wurde, den Hauptdienst übernimmt. In diesem Fall sind Sie das Barnes."

~*~

Sam lief durch die Strassen und verteilte Flugblätter an die Menschen die ihm entgegen kamen. Er warb für seine Zeitung und kündigte für Weihnachten Gratisexemplare an. Die Leute waren durchwegs begeistert, dass es wieder eine Tageszeitung in ihrer Stadt geben würde und hatten viele nette Worte für Sam übrig. Gerade hatte er den letzten Zettel weitergegeben, als sein Blick in eine Auslage fiel. Ein breites Lächeln huschte über sein Gesicht, dann betrat er das Geschäft.

~*~

Dean betrachtete sein Werk und grinste zufrieden. Vor einer halben Stunde war die Matratze geliefert worden und er hatte gerade eben die Bettwäsche aufgezogen. Jetzt konnte er es kaum erwarten, das neue Bett mit Sam einzuweihen. Doch das mußte warten. Nicht nur, weil es erst früher Nachmittag war. Die Tages oder Nachtzeit spielte für Dean und auch für Sam keine Rolle, um sich zu vergnügen. Allerdings würden sie das verschieben müssen, denn Dean hatte zugesagt, beim Fällen des Weihnachtsbaumes zu helfen. Bei den Hensens schien das ein besonderes Ereignis zu sein und da Dean ja, wie Sam glaubte, den Weihnachtsabend nicht mit der Familie verbringen würde, wurde der Marshall von seinem Freund genötigt, mitzufahren, um den Baum zu holen.

Ein Blick auf die Uhr verriet Dean, dass er sich beeilen musste und so eilte er zum Wagen. Als er auf der Farm ankam, standen Sam, Tessa und Aldin schon neben dem Truck und warteten ganz offensichtlich ungeduldig auf ihn.

Rasch stieg Dean aus und ging auf die Drei zu. „Hey Leute. Auf geht's, killen wir einen unschuldigen Baum."

Sam verdrehte die Augen. Tessa kicherte und Aldin schaute nur genervt, dann stiegen sie in den Wagen. Die Fahrt dauerte eine gute halbe Stunde und als sie aus dem Wagen stiegen, stellte Dean erstaunt fest, dass sie sich vor einer Tannenplantage befanden.

„Okay, wer ist der Unglückliche", sagte er dann grinsend und nahm eine der Äxte von der Ladefläche.

„Welcher die Ehre hat in unserem Wohnzimmer zu stehen, wird sich noch weisen. Machen wir uns auf die Suche", bestimmte Aldin und marschierte los.

Nachdem sie eine halbe Stunde zwischen den Bäumen herumgegangen waren und noch keinen für würdig befunden hatten, maulte Dean. „Wie lange wollen wir den noch durch diese Schneepampa latschen? Hacken wir doch irgendeinen um. Baum ist Baum. Wenn der Schmuck dranhängt sehen sie eh alle gleich aus."

„Baum ist Baum? Was redest du denn da, du Grinch", schimpfte Tessa sogleich los. „Der Baum ist das Wichtigste überhaupt und er muss perfekt sein."

Da auch Aldin und Sam zustimmten, grummelte Dean nur etwas unverständliches, schulterte seine Axt und trottete hinter den anderen her.

Endlich war der perfekte Baum gefunden. Sam und Dean hackten ihn um und kamen dabei gehörig ins Schwitzen, was Dean auch dementsprechend kommentierte, sehr zur Belustigung der anderen.

Als sie eine Stunde später wieder auf der Farm ankamen, warteten Sophia und Anna mit Plätzchen und heißem Tee auf sie, wobei den Männern ein guter Schuss Whiskey in den Tee gegossen wurde. Damit war Dean wieder mit der Welt versöhnt und er stürzte sich förmlich auf den Keksteller.

Später standen Sam und Dean in der Dusche in Sams Wohnung und genossen es sich gegenseitig zu verwöhnen. Als sie letztendlich ziemlich erschöpft im Bett lagen, schmiegte sich Sam in Deans Arme und seufzte: „Es ist trotzdem schade, dass du bei unserer Familienweihnachtsfeier nicht dabei sein kannst. Ist halt leider nicht zu ändern. Wann denkst du, dass wir uns treffen können?"

Dean grinste freudig vor sich hin: „Ich würde sagen, bei eurer Familienfeier. Wann soll ich den aufsalutieren?"

Sam wand sich aus Deans Armen und setze sich auf. Dann starrte er ihn fassungslos an. „Soll das heißen... du... kommst?"

„Hab ich doch gerade gesagt", entgegnete Dean und sein Grinsen wurde noch breiter.

„Aber wieso jetzt doch und ...ach egal", stellte Sam fest und stürzte sich auf seinen Freund, um ihn heftig zu küssen.

Kapitel 21 von silverbird

Die letzten paar Tage vor dem Weihnachtsfest sahen sich die Beiden vor lauter Arbeit kaum noch. Dean hatte nicht erwartet, dass er und seine Leute so viel zu tun haben würden. Die Bürger der Stadt nahmen sie für so gut wie alles in Anspruch, was auch nur im Entferntesten mit dem Weihnachtsfest zu tun hatte.

Aber auch Sam kam kaum dazu, Luft zu holen. Die Maschinen in seiner Redaktion ratterten Tag und Nacht. Tom und Jerry waren inzwischen offiziell bei ihm angestellt, dennoch hätte er im Moment noch gut ein paar weitere Leute gebrauchen können. Zum Glück half Tessa nach der Schule immer wieder mal aus, um ihr Taschengeld aufzubessern, und auch Dean packte nach seinem Dienst kräftig mit an. Durch alle diese Helfer gelang es, dass sich in der Nacht vor dem Heiligen Abend die gebündelten Zeitungen in der Halle der Redaktion stapelten.

„Fertig. Und das in jeder Hinsicht", erklärte Sam und obwohl man ihm die Erschöpfung ansehen konnte, strahlte er über das ganze Gesicht.

„Das hast du toll hingekriegt, Babe", lobte Dean und küßte seinen Sammy kurz, wobei es ihm egal war, dass Sams Mitarbeiter zuguckten.

Prompt färbten sich Sams Wangen, doch sein Lächeln blieb und der liebevolle Blick, den er Dean zuwarf, schickte sofort wieder Sonnenstrahlen in dessen Herz.

Sam unterbrach den Blickkontakt und wandte sich wieder seiner Mannschaft zu, die überall hinschaute, nur nicht zu Dean und Sam, der sagte: „Danke Leute. Ihr wart klasse. Wenn der ganze Rummel vorbei ist lade ich euch alle zum Essen ein. Aber jetzt ab mit euch nach Hause und richtig ausschlafen." 

Dann drückte er jedem seiner Leute ein Kuvert in die Hand. „Ich wünsche euch frohe Weihnachten."

Erstaunt, aber auch höchst erfreut über die unerwartete Weihnachtsgratifikation, bedankten sie sich und wünschten Sam und Dean ebenfalls ein schönes Fest. Sein Druckermeister, Joe, klopfte Sam anerkennend auf die Schulter. „Sehr gut gemacht, Junge", bemerkte er, dann verließ auch er das Gebäude.

Nun waren nur noch Tom und Jerry übrig, der leise zu Sam sagte: „Wir stehen dann um vier wieder auf der Matte, Boss. Das Zeug muss schließlich unter die Leute und ich hoffe es ist okay, dass wir die anderen Jungs mobilisiert haben, um zu helfen?"

Sam lächelte den schüchternen Jungen an. „Mehr als okay, Jerry. Danke. Aber ehrlich gesagt kann ich von euch nicht erwarten, dass ihr in drei Stunden schon wieder zur Arbeit kommt. Ihr habt wirklich schwer geschuftet, also schlaft euch besser aus."

„Ach was", winkte Tom ab. „Wir sind jung und halten das locker aus. Bis später, Boss", sagte er grinsend, packte Jerry an der Hand und zog ihn mit sich aus dem Haus.

„Die Zwei sind süß zusammen", behauptete Sam und Dean nickte. „Ich mach jedem die Hölle heiß, der sich homophob gegen sie aufführt. Aber jetzt habe ich Hunger."

Sam lachte leise. „Damit habe ich gerechnet. Der Pizzajunge müsste jeden Moment auftauchen."

„Du bist der Beste", strahlte Dean seinen Freund an. „Und verdammt sexy mit dieser Druckerfarbe im Gesicht." Er überwand die paar Schritte zu Sam, zog ihn an sich und küsste ihn erst sanft, dann stürmischer. „Wann kommt die Pizza noch mal?"

„In fünf, höchstens zehn Minuten", nuschelte Sam, um gleich darauf Deans Lippen in Beschlag zu nehmen.

„Mist, aber okay, dann halt erst essen und dann fick..."

„DEAN!", rief Sam mahnend.

„Was denn? Erzähl mir bloß nicht, dass..."

Ein lautes Klopfen an der Tür unterbrach ihren Disput und Sam atmete erleichtert aus, bevor er zur Tür lief. Dean registrierte es grinsend und beschloss gleichzeitig, das Thema in dieser Form nicht mehr zu erwähnen.

Wie erwartet stand der Pizzabote draußen und ein paar Minuten später saßen Sam und Dean in ihrer Küche. Sie waren den ganzen Tag nicht dazu gekommen etwas zu essen, und mit dementsprechendem Heißhunger fielen die Beiden über ihre Pizza her.

„Jetzt brauche ich unbedingt etwas Süßes", behauptete Dean, nachdem er seine Pizza verschlungen hatte.

„Sorry, da muss ich dich enttäuschen. Wir haben nichts da", klärte Sam ihn auf, doch Dean grinste nur. „Doch, ich habe."

„Ach ja? Was denn?", wollte Sam neugierig wissen.

Deans Grinsen wurde breiter. „Na dich", entgegnete er, beugte sich über den Tisch und küsste Sam sanft.

~*~

Dean und Sam hatten gar nicht erst geschlafen. Nach ihren Aktivitäten blieb nicht mehr genug Zeit, dass es sich wirklich gelohnt hätte. Daher standen sie um vier Uhr früh in der Lobby und teilten die Zeitungspacken an die jungen Leute aus, die pünktlich aufgetaucht waren. Auch Sam und Dean beteiligten sich an der Verteilung und so hatten sie um sechs Uhr alle Zeitungen in der ganzen Stadt verteilt.

„Schlafen", brummte Sam nur und ging ohne ein weiteres Wort die Treppe hoch. Dean folgte ihm wortlos und im Schafzimmer angekommen, schälten sich beide aus ihren Kleidern und krabbelten ins Bett. Kaum hatte sich Sam an Dean geschmiegt, schlief er auch schon. Dean bemerkte es schmunzelnd. „Schlaf gut, Sammy", murmelte er, drückte ihm einen kleinen Kuss auf die Stirn und schlief ebenfalls sofort ein.

Kapitel 22 von silverbird

„Dean, wir müssen los", sagte Sam, der im Schlafzimmer stand. Er steckte gerade sein Handy ein und drehte sich um, als Dean aus dem Ankleidezimmer kam.

Und dann stockte ihm der Atem, als Dean so vor ihm stand. In einen eleganten Smoking gekleidet, schneeweißem Hemd und schwarzer Fliege sah er einfach umwerfend aus.

„Wow", keuchte Sam und leckte sich unbewusst über die Lippen.

Dean lächelte geschmeichelt. Natürlich wusste er, dass er gut aussah, doch seinen Sammy so fassungslos zu sehen, weckte ein besonderes Glücksgefühl in ihm. „Du siehst auch fantastisch aus", sagte er und schaute seinen Freund bewundernd an. Dessen Wangen färbten sich und er lächelte verlegen, aber auch freudig, bevor er Dean einen raschen Kuss gab. „Wir sollten jetzt aber wirklich losfahren."

„Ja, leider, aber bei deiner Familie nicht aufzutauchen, ist ein großes Risiko", erkannte Dean seufzend und schlüpfte in seinen Mantel.

Sam lachte leise und zog ebenfalls seinen Mantel über. „Du hast Angst von meiner Mutter."

Dean nickte und grinste. „Ich werde mich hüten, es mir mit ihr zu verderben. Bevor ich das tue, lege ich mich lieber mit jeder gefürchteten Triade an."

„Ich verstehe was du meinst", gab Sam lachend zurück, dann steckte er die Kuverts ein, in denen die Zettel mit den Geschenkideen waren.

~*~

Eine halbe Stunde später betraten sie Sams Elternhaus, hingen ihre Mäntel an die Garderobe und gingen dann ins Wohnzimmer, wo die restliche Familie schon versammelt war. Auch Sams größere Schwester Kate mit ihrem Mann und ihrem Töchterchen waren schon anwesend und Sam begrüßte einen nach dem anderen.

Dean war bei der Tür stehen geblieben und schaute zu, wie liebevoll diese Menschen miteinander umgingen. Er fühlte sich völlig fehl am Platz und wäre am liebsten einfach verschwunden. Aber er wusste natürlich, dass er das nicht tun konnte. So blieb er einfach stehen, in der Hoffnung den Abend einfach irgendwie zu überstehen. Doch plötzlich stand Sophia vor ihm, zog ihn in ihre Arme und wünschte ihm frohe Weihnachten. Tessa tat es ihr gleich und Kate ebenfalls. Ihr Mann Jasper klopfte ihm freundlich auf die Schulter und sogar Aldin hatte sich dem Kreis der Menschen angeschlossen, der sich um Dean gebildet hatte. Dean wusste vor Verlegenheit weder was er sagen, noch was er tun sollte. Sein Herz klopfte vor Aufregung und auch vor Freude. Sams Familie war das, was er sich insgeheim immer gewünscht hatte und das sich dieser Wunsch nun erfüllt hatte, überwältigte ihn beinahe.

„Ich freue mich, dass du jetzt zu unserer Familie gehörst. Wir alle freuen uns darüber", sagte Sophia auf einmal, lächelte ihn warmherzig an und schob ihn dann auf seinen Platz neben Sam. Der griff nach Deans Hand und drückte sie, während er ihn mit strahlenden Augen anschaute. Das war zu viel für Dean. Er löste seine Hand von Sams, stand auf und räusperte sich.

„Bin gleich zurück", murmelte er und lief nach draußen. Die kalte Luft half ihm sich etwas zu beruhigen und er atmete tief durch. Es waren zu viele Emotionen auf einmal über ihn hereingebrochen und er wusste einfach nicht, wie er damit umgehen sollte.

Doch dann war Sam plötzlich da. Er sagte kein Wort, schlang einfach nur seine Arme um Dean und drückte ihn fest an sich. So standen sie ein paar Minuten, bis Dean sich umdrehte, seinen Sammy sanft küsste und dann erklärte: „Ich verhungere, und wenn ich nicht sofort etwas zwischen die Zähne kriege, muss ich dich anknabbern."

„Sonst gerne, aber heute besser nicht", entgegnete Sam lachend, nahm Deans Hand und zog ihn mit sich zurück ins Wohnzimmer.

„Da sind ja unsere Schmusekatzen. Ich dachte schon, ihr kommt gar nicht mehr", maulte Tessa und trug sich damit einen mahnenden Blick ihres Vaters ein, der dazu auch noch sagte: „So etwas sagt man nicht, Kind."

„Genau", stimmte Dean zu und grinste. „Wir sind keine Katzen."

Die ganze Runde lachte daraufhin und nachdem sich Dean und Sam an den Tisch gesetzt hatten, begaben sich Kate, Tessa und Sophia in die Küche, um die Speisen zu holen.

Inzwischen hatte sich Dean soweit gefangen, dass er seine Umgebung endlich richtig wahrnehmen konnte. In der Ecke vor der Terrasse stand ein wunderschön geschmückter Weihnachtsbaum. Auch sonst war der Raum liebevoll dekoriert und Kerzen sendeten ihr warmes Licht aus. Man spürte auch förmlich die Harmonie und das liebevolle Miteinander, das in diesem Haus herrschte. Da war Jasper, der seine kleine Tochter im Arm hielt und sie zärtlich hin und her wiegte. Sam sprach mit seinem Vater und Tessa stellte gerade den Brotkorb auf den Tisch.

‚Sams Familie und so wie es aussieht, jetzt auch meine. Okay, Papa Aldin wird mich wohl nie adoptieren, aber damit kann ich leben‘, dachte Dean und bemühte sich, ein Dauergrinsen zu unterdrücken. Aber es war so ein schönes Gefühl und die Wärme die er ständig in sich fühlte, war einfach so überwältigend, dass er sich zumindest ein Dauerlächeln erlaubte.

~*~

Wie erwartet, war das Essen hervorragend und besonders Dean sparte nicht mit Lob. Doch als Sophia erneut nachlegen wollte, hob er abwehrend die Hände. „Nein danke, sonst muss dir Sam morgen die Schlagzeile widmen, die lauten würde: „Sheriff von Ärztin zu Tode gefüttert."

Damit brachte Dean alle zum Lachen, bis auf Kates kleine Tochter. Sie schaute Dean schon eine Weile mit großen Augen an. Natürlich hatte er es bemerkt und so lächelte er sie an. „Sorry, kleine Lady, aber deine Flirtversuche sind sinnlos. Ich bin schon vergeben, an den zweitattraktivsten Mann hier. Wie du mit Kennerblick erkannt hast, sehe ich natürlich am Besten aus. Aber mal abgesehen davon, mache ich dir einen Vorschlag. Wir können zumindest gute Freunde werden. Was sagst du dazu?"

Die Kleine brabbelte irgendetwas und Dean nickte dazu. „Okay, dann haben wir einen Deal", antwortete er lächelnd, nahm ihr kleines Händchen in seine große Pranke und hauchte einen Kuss darauf. Sie gluckste fröhlich, was Dean als Zustimmung wertete und als sie ihn dann auch noch mit ihren großen Augen anstrahlte, dachte er:  ‚Dieser kleine Wicht macht mich ganz schön fertig und das ist großartig.‘

Es war völlig still im Raum geworden, da alle auf Dean und die Kleine achteten. Da Sam wußte, dass seinem Freund das nicht angenehm sein würde, sobald er es bemerkte, sagte er an seine Mutter gewandt: „Gibt es auch dieses Jahr noch deinen berühmten Grog?"

Sie nickte zustimmend. „Nach wie vor Tradition. Ebenso darf heute jemand ein Päckchen öffnen. Also hoffe ich, ihr habt alle eine gute Geschichte zu erzählen."

„Ich bin raus", erklärte Aldin sofort und Jasper schloß sich nickend an. Dean schaute Sam fragend an und der seufzte, bevor er erklärte: „Du musst wissen, diese Sache fing mit einem Film an. Der absolute Lieblingsfilm meiner Mutter ist einer, den du bestimmt nicht kennst. Er heißt Notthing Hill. Jedenfalls, da sitzen Familie und Freunde beim Essen zusammen und es geht darum, wer den letzten Cookie bekommen soll, der noch übrig ist. Kurz und gut, es wird beschlossen, dass derjenige ihn kriegt, der das traurigste Leben von allen in dieser Runde hat."

„Jupp, die beste Szene in dem ganzen Film", warf Dean grinsend ein.

„Du kennst ihn?", fragte Sam verwundert und fing leise zu lachen an.

Deans Grinsen jedoch war inzwischen verschwunden. Er zuckte mit den Schultern und er entgegnete: „Ich habe viel Zeit in Hotelzimmern verbracht. Da kann man nicht viel anderes tun als vor dem Fernseher zu hocken."

Als Sam das hörte, verging ihm das Lachen und ihm wurde bewusst, wie einsam Dean gelebt haben musste. „Sorry, Darling", flüsterte er und küßte seinen Freund kurz auf den Mund. Und das vor der ganzen Familie, wie Dean freudig registrierte.

Tessa verdrehte daraufhin die Augen. „Hört auf rumzuknutschen, ich erhebe Anspruch auf mein erstes Geschenk und will endlich meine Geschichte erzählen."

Sam lächelte verlegen und seine Wangen hatten einen rosa Schimmer angenommen, wie Dean sofort bemerkte. Um von Sams Verlegenheit abzulenken, sagte er daher: „Wenn ich das richtig verstehe, dann spielt ihr diese Tischszene nach?"

„Genau. Und es muss mit Weihnachten zu tun haben. Und ich bin jetzt dran", verlangte Tessa bestimmt, woraufhin alle lachten, da sie wussten, wie gierig sie darauf war, schon einen Tag zuvor ihr erstes Geschenk zu bekommen. Daher ließen sie sie gewähren und anschließend erzählte jeder nach und nach seine mehr oder weniger dramatische Geschichte, die auch dementsprechend von der Familie kommentiert wurde.

Am Schluss kam Sam an die Reihe. „Ich muss ein bißchen weiter ausholen, da Dean ja nicht weiß, dass ich letztes Jahr die Weihnachtstage im Krankenhaus verbringen mußte."

Entsetzt schaute der ihn an. „Hölle, was ist passiert, Babe?"

Sam seufzte theatralisch. „Ich war jung und brauchte das Geld."

Als auf Grund dieser Aussage alle lachten, war Deans Gesicht ein einziges Fragezeichen. Sam fing sich wieder und erzählte weiter: „Okay, hier also meine Geschichte. An der Uni wurden für eine Studie Probanten gesucht. Man musste sechs Wochen lang mit speziellen Trainern verschiedene sportliche Aktivitäten absolvieren und sie versprachen gutes Geld, also meldete ich mich. Im November ging es los und umfasste alle möglichen Sportarten. Laufen, Radfahren, Schwimmen, Gymnastische Übungen und so weiter. Ich bin ein recht sportlicher Typ, ist also kein Problem, dachte ich. Trotzdem hatte ich immer wieder blaue Flecken und an manchen Tagen spürte ich jeden Muskel. Frag mich nicht warum, denn sie forderten nichts wirklich so Anstrengendes, um das zu rechtfertigen. Wie auch immer. Zwei Tage vor Weihnachten hatten wir das übliche Training in der Halle und als ich wieder aufwachte, lag ich im Krankenhaus. Bein gebrochen. Schulter ausgekugelt und Blessuren am ganzen Körper. Man sagte mir, ich sei von der Kletterwand abgestürzt, kurz bevor ich ganz oben war. Das Sicherungsseil ist gerissen. Ich war also nicht nur schwer verletzt, sondern mußte auch die ganzen Feiertage im Krankenhaus verbringen. Einsam und verlassen, lag ich da, ohne Familie oder Freunde, da auch noch so viel Schnee gefallen war, dass mich niemand besuchen konnte", schloß Sam seine Erzählung ab,  machte ein tot trauriges Gesicht dabei und seufzte schwer.

„Armer Sammy, du hast viel durchleiden müssen", stellte Dean fest und strich seinen Freund tröstend über den Arm, während er ihn mitleidig anschaute. Doch dann grinste er plötzlich teuflisch. „Trotzdem Pech gehabt, denn ich bin der, der das erste Geschenk heute aufmachen wird. Also wetten, dass ich deine Story toppen kann?"

Kapitel 23 von silverbird

Erst schaute Sam seinen Freund perplex an, dann grinste er ebenfalls und verschränkte die Arme vor der Brust und sagte: „Na, dann lass mal hören."

Dean atmete tief durch und war verärgert über sich selbst. ‚Verdammter Gruppenzwang. Ich habe mich hinreißen lassen und den Mund aufgemacht, ohne vorher nachzudenken. Wie komme ich da bloß wieder raus? Gar nicht‘, beantwortete sich Dean diese Frage gleich selbst. ‚Aber andererseits haben sie mich in ihrem Kreis aufgenommen und es fühlt sich wirklich gut an. Der Familie kann man ja so gut wie alles erzählen, also wieso nicht? Das einzige, was mich dabei wurmt, für Aldin ist es ein gefundenes Fressen. Ach was soll's, soll er auch seinen Spaß haben. Jetzt Augen zu und durch.‘

„Was ist jetzt, Dean? Dir fällt wohl kein besseres oder traurigeres Szenario aus deinem Leben ein als meines", behauptete Sam und riss somit Dean aus seinen Gedanken.

Schnell setze der wieder ein Grinsen auf. „Abwarten." Dann wurden seine Gesichtszüge wieder ernst. „Also. Es waren die ersten Weihnachten nach dem Tod meiner Mutter und ich mußte alle Überredungskunst aufbieten, damit mein Vater zustimmte, das Fest überhaupt zu feiern. Allerdings machte er es zur Bedingung, dass ich mich um alles kümmere. Nicht leicht in meinem damaligen Alter, aber ich wollte es unbedingt tun. Für meinen Vater. In der Hoffnung, dass er dann nicht mehr so traurig war. Viel Geld hatte mein Dad nicht herausgerückt und so klapperte ich die ganze Stadt ab, um bei den diversen Discountern die Sachen, die ich wollte, so günstig wie möglich zu erstehen. Wir wohnten ja inzwischen nicht mehr in unserem frühern Haus, weil uns da alles an Mutter erinnerte. Deswegen gab es auch keine Weihnachtsdekoration aus der Sammlung meiner Mutter mehr."

Dean trank einen Schluck aus seinem Glas und fuhr dann fort: „Wie auch immer. Letztendlich hatte ich alles beisammen und sogar zwei festliche Fertiggerichte besorgt. Vater erledigte irgendeinen Auftrag und wollte am frühen Abend zurück sein. Also machte ich mich zuerst dran, den Baum zu schmücken. Als ich damit fertig war, stellte ich ein kleines Renntier, das ich fast umsonst bekommen hatte, weil ein Stück des Geweihes fehlte, als Wegweiser zum Baum vor dem Wohnzimmer auf. Der Tisch wurde noch schön gedeckt und dann wartete ich aufgeregt auf meinen Vater. Ich hatte mir große Mühe gegeben, und hoffte sehr, dass es ihm gefiel. Natürlich vermisste ich meine Mutter mindestens genauso wie er, aber sie hatte dieses Fest so geliebt und schon alleine ihr zu Ehren, sollten wir Weihnachten feiern. In meiner kindlichen Naivität dachte ich, auch Vater würde das so sehen. Ich liebte ihn sehr und ich hatte jetzt nur noch ihn. Daher wollte ich, dass er sich ein bißchen freuen konnte und vielleicht sogar einmal lächelte.

Der Nachmittag verging, doch er tauchte nicht auf. Es wurde immer später und ich immer nervöser. Mein Zimmer lag im ersten Stock und ich schaute immer wieder durch das schräge Dachfenster hinaus, ob der Wagen meines Vaters endlich in den Hof fuhr. Es schneite inzwischen noch stärker als zuvor und das Dach hatte schon eine dicke Schneedecke, als mein Vater endlich eintraf. Ich schaltete schnell den CD-Player ein und das erste Lied erklang. Dann öffnete ich rasch das Fenster, damit mein Vater die Melodie auch hören konnte. Dabei beugte ich mich raus, um die Reaktion von ihm erkennen zu können, während ziemlich laut „Leise rieselt der Schnee" erklang.

Leider hatte ich mich zu weit aus dem Fenster gebeugt und dadurch ein Schneebrett ausgelöst, das geradewegs auf meinen Vater zuraste, der in dem Moment unter meinem Fenster stand und das Haus betreten wollte. Der Schnee rieselte zu meinem Entsetzen alles andere als leise und traf in vollem Schwall meinen Vater. Seine Schimpftirade gellt mir noch heute in den Ohren. Na jedenfalls, nach einem kurzen Schockmoment, raste ich die Treppe hinunter, um ihm die Tür aufzumachen. Gerade als ich sie öffnete, hatte er sich dagegengestemmt. Das hatte zur Folge, dass er nach vorne stolperte. Er wäre auch nicht hingefallen, wenn da nicht das Renntier gestanden hätte, das ihn letztendlich doch zu Sturz brachte. Das arme Tier flog in hohem Bogen durch den Raum, verlor nach dem Aufprall auch noch das restliche Geweih, während mein Vater über den Boden auf den Weihnachtsbaum zuschlitterte. Die CD sprang auf das nächste Lied, Jingle Bells um, und zugleich krachte Vater in den Baum, woraufhin er auch in seinem Kopf alle Glocken läuten hörte."

Sam, aber auch die anderen Familienmitglieder, bogen sich inzwischen vor Lachen. „Sorry, Darling, aber es ist zu komisch, wie du das erzählt hast."

Dean schaute seinen Freund mit einem vernichtenden Blick an und dessen Gesichtszüge wurden schlagartig ernst, und auch die restliche Familie hörte sofort auf zu lachen.

Sam griff nach Deans Hand  und hauchte einen Kuss drauf. „Mir ist natürlich klar, dass es für dich als Kind furchtbar gewesen sein muss und es tut mir ehrlich Leid, dass ich so gelacht habe", entschuldigte er sich voller Reue und schenkte Dean seinen besten Dackelblick.

Dean war ihm gar nicht böse, denn im Nachhinein konnte auch er diesem Erlebnis damals durchaus etwas Komisches abgewinnen. Aber das würde er Sam nicht sagen. Nicht jetzt. Denn Freund hin oder her, Dean wollte sein Geschenk. Schließlich würde es das Erste seit sehr vielen Jahren sein. Deswegen sagte er: „Gib zu, dass meine Geschichte besser ist als deine und es sei dir verziehen."

„Vergiss es. Ich durchschaue dich. Du willst mich erpressen, damit du das erste Päckchen aufmachen darfst. Aber um noch mal zu verdeutlichen. Ich war schwer verletzt und Mutterseelen alleine, daher habe ich mehr gelitten als du." Sam verschränkte seine Arme vor der Brust und grinste seinen  Freund überheblich an.

Dean tat es ihm gleich, verschränkte ebenfalls die Arme und maß seinen Freund mit einem verächtlichen Blick, während man in seinen Augen sehen konnte, wieviel Spaß ihm die ganze Sache mache.

„Pffft... du hast mehr gelitten? Das ich nicht lache. Ich war ein Kind und nach dem Debakel mußte ich die restlichen Feiertage in meinem Zimmer verbringen. Doch das war noch nicht alles. Eine Woche danach steckte mich mein Vater in ein Internat, wo ich die nächsten Jahre auch meine Weihnachten verbrachte. ALLEINE. Denn alle anderen Kinder durften nach Hause, nur ich nicht. Das kannst du nicht toppen. Seelenqualen ohne Ende. Frag deinen Vater, der kennt sich da aus. Und jetzt, wo ist mein Päckchen?"

„Und ich frage mich, wo ist der nächste Kindergarten, damit ich die beiden Jungs gleich mal anmelden kann?", murmelte Sophie Kopf schüttelnd, die gerade aus der Küche gekommen war und nun einen riesigen Teller mit Weihnachtsplätzchen auf den Tisch stellte.

„Hey", kam es gleichzeitig von Sam und Dean, der noch ergänzte: „Da bemüht man sich, die Familie zu unterhalten und... oh Plätzchen." Dean war sichtlich abgelenkt von diesem Berg an Köstlichkeiten, womit er alle zum Lachen brachte.

Der restliche Abend verlief harmonisch, es wurde viel gelacht, gegessen und getrunken. Außerdem hatte das Familientribunal beschlossen, dass sowohl Dean als auch Sam ihr Geschenk verdient hätten. Da es ohnehin für Beide gedacht war, spielte es letztendlich auch keine Rolle und so wurde ihnen das Kuvert übergeben, um das natürlich kurzes Gerangel herrschte, bis Dean sich durchsetzte, das Kuvert öffnete, den Zettel darin jedoch großzügig an Sam übergab. Der las daraufhin laut vor: „Gutschein für einen Picknickkorb und ein Wochenende in der Hensen- Hütte am See.

Seit wann haben wir eine Hütte am See?", wollte Sam verwundert wissen und sein Vater klärte ihn auf. „Es ist die alte Hütte von Clay. Er hat mir sein Grundstück günstig abgetreten."

„Klasse, eine Hütte am See. Wir werden drei Tage nur futtern und f..."

„Dean", zischte Sam und warf seinem Freund einen vernichtenden Blick zu. Der jedoch grinste und fuhr fort: „... und faul sein."

Sam atmete erleichtert aus, seine Wangen hatten sich gerötet und Dean fand ihn einfach nur anbetungswürdig. Er musste ihn einfach kurz küssen. Anschließend bedankten sie sich und die Unterhaltung am Tisch ging weiter.

Aldin blickte in die Runde, die jetzt ein neues Familienmitglied hatte. ‚Dean hat seine eigene Methode die Vergangenheit aufzuarbeiten. Sarkastisch in eine Geschichte verpackt, das passt genau zu ihm. Der Junge hat viel durchmachen müssen und trotzdem weniger Schaden angenommen, als zu erwarten war. Er ist ein sehr starker Charakter. Zudem macht er meinen Sam glücklich. Wenn ich sehe, wie der Junge strahlt, könnten wir eigentlich die Weihnachtsbeleuchtung abdrehen‘, dachte der Doc amüsiert. Er fühlte sich gut und war glücklich, weil seine Familie glücklich war.

~*~

Es war bereits zwei Uhr morgens, als Sam und Dean die Wohnung in der Redaktion betraten. Sie hatten beschlossen, noch ein kleines bisschen für sich zu feiern, und zwar auf eine Weise, bei der es schon mal laut werden konnte.

„Home sweet home", stellte Dean fest und zog Sam an sich, um ihn sanft zu küssen.

„Was hältst du davon, wenn wir uns noch ein bisschen vor den Kamin setzen? Ich muss erst um zehn Uhr bei der Parade sein und ich will noch naschen", bekannte Dean mit einem Augenzwinkern.

Sam schüttelte lächelnd den Kopf. „Ich bin dran, sonst bekommst du noch einen Zuckerschock."

„Mhh... verwöhnen, da steh ich drauf", konterte Dean und löste sich von seinem Freund. „Ich mach mal Feuer. Holst du uns inzwischen etwas zu trinken? Aber erst mal raus aus diesen unbequemen Klamotten und duschen", ordnete er an.

„Ich könnte dir helfen", bot Sam an und zog Dean wieder an sich. Doch der wehrte grinsend ab. „Ansonsten gerne, aber ich will dich vor dem Kamin und das klappt nie, wenn wir nicht sofort die Finger voneinander lassen."

Sam seufzte ergeben. „Okay, dann geh ich zuerst unter die Dusche, während du Feuer machst."

„Guter Plan", entgegnete Dean und schob Sam von sich, der sich auch brav trollte.

Kaum war Sam im Badezimmer verschwunden, schlich Dean zum Schrank,  holte sein Geschenk heraus und legte es unter das Sofa. Dann machte er Feuer im Kamin und ging schnell ins Schlafzimmer, um endlich den Anzug los zu werden.

~*~

„Rühr dich nicht von der Stelle. Schlimm genug, dass ich nicht sofort über dich herfallen kann", befahl er eine Minute später und schaute Sam begehrlich an. Der kam gerade aus dem Badezimmer und war nur mit einer weiten Trainingshose bekleidet.

Sam lachte leise und seine Augen leuchteten vor Freude, dass Dean bei seinem Anblick immer wieder so aus der Fassung geriet. „Mach schnell. Ich mache uns jetzt etwas zu trinken, während du duscht, und warte dann vor dem Kamin auf dich", erklärte Sam, hauchte seinem Freund blitzschnell einen Kuss auf die Lippen. Dann eilte er davon, wohl wissend, dass er es sonst sein würde, der über Dean herfallen würde. Doch da er einen anderen Plan hatte, mußte er sich wohl oder übel beherrschen.

Sam bereitete heißen Grog zu und holte dann sein Geschenk für Dean aus seinem Versteck in der Küche. Indessen duschte Dean in Windeseile. Der Anblick, den Sam ihm gerade geboten hatte, brachte ihn fast um den Verstand. Seine Haut, die sich über den mehr als gut definierten Muskeln spannte, war noch feucht gewesen und Dean wusste sehr gut, wie unvergleichlich gut sie schmeckte. Von den Geräuschen, die er seinem Sammy entlockte, wenn er mit seiner Zunge auf Forschungsreise ging, gar nicht erst zu reden. Während dieser Gedanken, die Dean durch den Kopf schossen, hatte er sich fertig gewaschen. Flüchtig trocknete er sich ab und lief in ihren begehbaren Schrank. Er entschied sich ebenfalls für eine bequeme Trainingshose, und zwei Minuten darauf betrat er den Wohnraum. Sam stellte gerade die beiden Tassen auf den Kaminsims, als Dean eintrat. Ohne ein Wort zu sagen, eilte er auf seinen Freund zu und zog ihn an sich und küßte ihn innig.

„Ich hab ein Geschenk für dich und ich habe das Preislimit nicht überschritten", erklärte Dean und Sam entgegnete, während er die Umarmung löste: „Ich ebenfalls." Er ging die paar Schritte zum Bücherregal, neben dem ein längliches, in weißes Papier geschlagenes Paket lehnte, und nahm es an sich.

Indessen hatte sich Dean zum Sofa begeben und zog sein Paket darunter hervor. Als sich die Beiden mit den identisch aussehenden Päckchen vor dem Kamin wieder trafen, schauten sie sich perplex an. „Sag jetzt nicht, du warst auch in dem Laden neben dem Diner?", wollte Dean wissen.

„Doch", gestand Sam und beide mußten lachen, während sie ihre Geschenke austauschten und gleichzeitig die Verpackung herunterrissen. Zum Vorschein kamen zwei ununterscheidbare Eisbärfellimitate, die Sam und Dean grinsend nebeneinander vor dem Kamin ausbreiteten. Müßig zu sagen, dass sie sofort eingeweiht wurden.

Ende!

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