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Changes III / Sentebale von silverbird
Inhalt: Dean und Sam freuen sich auf ihren Kurzurlaub. Doch bevor sie ihn antreten können, verschwindet Sam.
Fandom(s): Originale Pairing(s): Dean Wilson/Sam Hensen
Story-Genre: Romanze
Lšnge der Story: Mehrteiler
Story-Typ: Slash - M/M
Warnungen: Keine
Challenges:
Serie: Changes
Kapitel: 16 Story vollendet: Nein Anzahl der Wörter: 23241 Wörter Gelesen: 1317 Mal Datum der Veröffentlichung: 22.02.13 Letztes Update: 14.07.13
Kommentar:

Alle Charaktere und Elemente sind mein Eigentum und dürfen ohne meine Erlaubnis nicht weiterverwendet werden. Es besteht keinerlei Bezug zu realen Personen, sollte es Ähnlichkeiten geben waren diese nicht beabsichtigt.

Beta: SilentThunder

1. Kapitel 1 von silverbird

2. Kapitel 2 von silverbird

3. Kapitel 3 von silverbird

4. Kapitel 4 von silverbird

5. Kapitel 5 von silverbird

6. Kapitel 6 von silverbird

7. Kapitel 7 von silverbird

8. Kapitel 8 von silverbird

9. Kapitel 9 von silverbird

10. Kapitel 10 von silverbird

11. Kapitel 11 von silverbird

12. Kapitel 12 von silverbird

13. Kapitel 13 von silverbird

14. Kapitel 14 von silverbird

15. Kapitel 15 von silverbird

16. Kapitel 16 von silverbird

Kapitel 1 von silverbird
  

„Wir werden definitiv keine Kinder haben", erklärte Sam vehement und ließ sich aufseufzend neben Dean auf das Sofa fallen. Er war hundemüde, geschafft und hatte nie gedacht, dass ein kleines Menschenwesen so anstrengend sein konnte wie seine kleine Nichte es war.

Dean grinste. „Schade, du hättest sicher sexy mit einem Babybauch ausgesehen."

„Idiot", brummte Sam.

„Ja, ich lieb dich auch", konterte Dean grinsend und küsste Sam dann kurz, der den Kuss perplex erwiderte. Dean hatte ihm seine Liebe gestanden, auch wenn es nur so wie dahingesagt geklungen hatte. Natürlich wusste Sam, dass Dean ihn liebte. Auch wenn er es nie zuvor gesagt hatte, bewies er es immer wieder. Doch es zu hören, berührte Sam tief im Herzen. Dennoch wollte er Dean nicht in Verlegenheit bringen, daher entgegnete er lächelnd: „Ich liebe dich auch, trotzdem will ich kein Kind von dir."

„Ehrlich gesagt, mir genügt es auch völlig, wenn wir hin und wieder auf den kleinen Käfer aufpassen", gestand Dean und kuschelte sich eng an Sam, der sofort den Arm um ihn legte. Sie wollten einfach die kurze Zeit genießen, bis sich die Kleine wieder lautstark melden würde.

Kate und Jasper hatten nämlich für dieses Wochenende ihren Babysitter-Gutschein eingelöst, den sie von Sam und Dean zu Weihnachten bekommen hatten. Für Aldin hatte Dean den Oldtimer restauriert und war pünktlich zu Weihnachten fertig geworden. Mit Sams Hilfe hatten sie den Wagen dann noch auf Hochglanz poliert und Aldins erstaunter Blick, und daraufhin sein begeistertes Strahlen, hatte Dean immer noch vor Augen. Sophia hatten sie eine Schlittenfahrt geschenkt. Sam hatte dem Schlitten- und Kutschenbesitzer als Tausch für die Fahrt eine unentgeltliche Werbeanzeige im Tagesboten vorgeschlagen und der war sofort einverstanden gewesen. Tessa, Sams Schwester, hatte Fahrstunden bekommen und die ersten auch schon bei Dean eingelöst, der nun von ihr verlangte, „Gott der Geduld" genannt zu werden.

Aber auch er und Sam würden ihr Geschenk bald in Anspruch nehmen und Dean konnte es kaum noch erwarten.

„Ich kann es kaum erwarten, bis wir endlich unseren Geschenksgutschein einlösen können", sagte Sam plötzlich und Dean begann leise zu lachen. „Was?", wollte Sam daraufhin natürlich wissen.

„Gerade habe ich das auch gedacht", wurde er von seinem Freund aufgeklärt. Der lächelte, beugte sich zu ihm hinunter und küsste ihn zärtlich.

„Mhh... mehr", verlangte Dean, als Sam den Kuss abbrach, und Sam kam dieser Aufforderung selbstverständlich sofort nach. Doch gleich darauf mussten sie voneinander lassen, weil das Baby sich meldete. Dean löste sich seufzend von seinem Freund. „Ich geh schon", erklärte er und erhob sich, um die kleine Pia aus ihrem Bettchen zu holen, als gerade sein Magen zu knurren anfing.

„Ich mach uns inzwischen etwas zu essen", bot Sam lachend an, was ihm einen schnellen Kuss von Dean einbrachte, bevor er endgültig davoneilte.

Wenig später kam er mit der Kleinen auf dem Arm zurück und begab sich geradewegs in die Küche. Sam war gerade dabei Sandwiches zu belegen. Er hatte auch schon das Fläschchen für Pia aus dem Kühlschrank genommen und in den Wärmer gestellt. Er beobachtete Dean, der mit einer Selbstverständlichkeit mit Pia umging, die Sam verwunderte. „Wieso kannst du so gut mit Babys?", wollte er daher wissen.

„Undercoverauftrag", bekam er die einsilbige Antwort, während Dean die Wärme des Fläschchens überprüfte, sie für genau richtig befand und begann, Pia zu füttern.

Sam lachte leise und fragte weiter: „Echt? So eine Vater, Mutter, Kind Geschichte?"

„So etwas ähnliches. Aber ich darf nicht darüber reden."

Doch Sam war zu neugierig, daher ließ er nicht locker. „Ach komm schon, Darling. Erzähl es mir. Ich will auch gar nichts über den Auftrag wissen. Nur die Babygeschichte."

„Au pair, ein halbes Jahr und ich warne dich. Wage es ja nicht, zu lachen, es irgendjemanden zu erzählen, oder mich süß zu nennen. Du kannst dir die Konsequenzen und was ich dann mit dir machen werde nicht in deinen kühnsten Träumen ausmalen", drohte Dean, grinste aber dabei.

Sams Mund wurde sofort staubtrocken und jede Menge Bilder schossen ihm durch den Kopf. Er leckte sich über die Lippen, bevor er mit rauher Stimme fragte: „Genügt es, wenn ich sage, du bist so was von süß, damit du deine Handschellen auspackst?"

Deans Grinsen wurde breiter.

~*~

Leider musste Sam frustriert feststellen, dass Dean weder die Handschellen noch irgendetwas anderes auspackte. Natürlich konnten sie nicht stundenlang Sex haben. Schließlich befanden sie sich nicht nur im Haus seiner Schwester, sondern hatten zudem die Aufsicht über die kleine Pia, aber ein Quicky wäre doch möglich gewesen, während die Kleine schlief. Doch Dean wehrte alle Versuche Sams diesbezüglich ab und darüber machte er sich große Sorgen. Schließlich nützen sie doch sonst jede sich bietende Gelegenheit, warum wollte Dean plötzlich nicht mehr?

Fand er ihn nicht mehr sexy genug, oder etwa gar langweilig? Dean war viel herumgekommen bevor sie zusammen gekommen waren. Bestimmt war er mit Männern zusammen gewesen, die viel mehr Erfahrungen im Bett hatten und ihm dahingehend wesentlich mehr geboten hatten, als Langweiler Sam. Das er verrückt nach ihm war und die Finger nicht von ihm lassen konnte, reichte da sicher nicht aus, um Dean zufrieden zu stellen. Sam beschloss, unbedingt etwas unternehmen zu müssen.

Sobald sie wieder zu Hause waren, würde er sich schlau machen. Wozu gab es das Internet? Die Informationsquelle schlechthin. Doch er wollte damit warten, bis sie wieder Daheim waren. Sam wusste, Männer waren visuelle Wesen. Es war also damit zu rechnen, dass ihm Bilder im Internet unterkamen, die ihn so richtig scharf machten. Wie er dann die restliche Zeit, bis sie wieder in ihren eigenen vier Wänden sein würden, überstehen sollte, daran wagte er gar nicht zu denken.

~*~

Es war früher Nachmittag, als Dean und Sam in ihrer Wohnung über der Redaktion eintrafen. Dean ließ seine Tasche fallen und sank zufrieden aufseufzend auf die Couch. „Home sweet Home", gab er grinsend von sich und meinte es auch genauso. Es war großartig, endlich ein richtiges Zuhause zu haben und das noch dazu mit einem geliebten Menschen zu teilen. Doch jetzt wollte er etwas ganz anderes teilen... und zwar mit Sam die Dusche. Gerade als er ihn dazu auffordern wollte, klingelte sein Handy. Seufzend zog er es aus der Tasche und sah am Display den Namen Sally aufleuchten. „Na großartig", schnaubte Dean, hob aber pflichtbewusst ab. Er wusste, seine Sekretärin würde ihn nicht anrufen, wenn es nicht wirklich wichtig wäre.

Kaum hatte er sich gemeldet, flüsterte sie auch schon ins Telefon: „Tut mir wirklich leid, dass ich Sie störe, Boss, aber die Bürgermeisterin ist da und macht einen riesen Aufstand wegen Max. Kimbly ist total überfordert und..."

„Komme", wurde sie von Dean unterbrochen, dann legte er auf.

„Ich muss noch mal ins Büro, Babe, versuche aber so schnell wie möglich zurück zu sein. Ich bringe auch gleich etwas zu essen mit", teilte er Sam mit und drückte ihm einen raschen Kuss auf die Lippen, bevor er davon eilte.

Verdutzt schaute Sam ihm nach und seufzte frustriert. Doch dann beschloss er, die Zeit zu nützen und die Internetrecherche zu betreiben, die er sich vorgenommen hatte.


Kapitel 2 von silverbird

Dean hörte die schrille Stimme der Bürgermeisterin schon, bevor er das Bürogebäude betrat. Er seufzte genervt und schritt durch die Tür. Dort sah er die Frau vor dem Pult stehen, Owen Kimbly sowie Max Barnes standen auf der anderen Seite. Ihnen war anzusehen, dass sie froh waren, hinter der Abtrennung zu stehen, die ihnen einen gewissen Schutz vor der keifenden Frau bot.

Mit festem Schritt ging Dean auf sie zu und lächelte sie an. „Einen wunderschönen guten Tag, Frau Bürgermeisterin. Darf ich Sie in mein Büro bitten? Wir haben einiges zu besprechen. Kaffee?", fragte er freundlich, fasste die Frau am Ellenbogen und lenkte sie bestimmend in Richtung seines Amtszimmers. Noch bevor sie etwas erwidern konnte, sagte er während des Gehens an seine Sekretärin gewandt: „Sie sind doch so nett, Sally?"

Die nickte grinsend, indessen der Marshall mit der Bürgermeisterin in seinem Büro verschwand. „Bitte, nehmen Sie doch Platz", bat er, geleitete sie zu dem Besucherstuhl und setzte sich dann hinter seinen Schreibtisch auf seinen Sessel. „Wie kann ich Ihnen helfen?", wollte er gleich darauf wissen und schaute die Bürgermeisterin aufmerksam an.

Die war immer noch perplex von Deans freundlicher Bestimmtheit und räusperte sich erstmal, bevor sie antwortete: „Nun, Sie haben diesen Max Barnes eingestellt und ich muss schon sagen, dass ich..."

„Sie hatten ja so Recht, Regina. Ich darf Sie doch Regina nennen?", fragte Dean charmant lächelnd, woraufhin sie, völlig aus dem Konzept gebracht, zustimmend nickte. Als sie dann weitersprechen wollte, ließ Dean das gar nicht erst zu, sondern sagte sogleich: „Wie gesagt, Sie hatten völlig Recht. Selbstverständlich muss rund um die Uhr jemand da sein, der für die Sicherheit der Leute in Ihrer Stadt sorgt. Verständlich, dass sich eine derartig umsichtige Frau wie Sie um die Sicherheit der Bevölkerung sorgt; und das tue ich auch. Zumindest diesbezüglich ist es ja auch meine Stadt und zweifellos arbeiten wir deswegen auch zusammen. Sie und ich. Für die Sicherheit der Menschen, die uns anvertraut sind."

Sally unterbrach Deans Rede, als sie eintrat und ein Tablett auf den Schreibtisch stellte. Dean bedankte sich und sie nickte lächelnd, bevor sie das Zimmer wieder verließ.

„Wo war ich? Ach ja. Auf Grund Ihrer Anregung habe ich Barnes eingestellt. Wissend, Ihre Unterstützung zu haben. Auch wenn ich weiß, dass die Kompetenz ausschließlich bei mir liegt, ist es sehr erfreulich, dass wir so gut zusammen arbeiten", erklärte Dean lächelnd und dachte. ‚Na Drachenlady, jetzt bin ich mal gespannt wie du dich da rauswindest. Wobei du ohnehin keine Chance gegen mich hast. Und wenn du mir ganz blöd kommst, kenne ich immer noch mindestens 20 Arten, dich über den Jordan zu schicken, ohne dass man mir was nachweisen könnte. Na gut, so was mache ich nicht mehr. Hast also Glück gehabt.'

„Milch? Zucker?", fragte er nach wie vor freundlich lächelnd und schob ihr die Utensilien zu. Sie griff automatisch zur Milch und goss sich ein wenig in den Kaffee. So verschaffte sie sich ein wenig Zeit, um über das Gehörte nachzudenken. Hatte sie wirklich angeregt, einen weiteren Hilfssheriff einzustellen? Offenbar hatte der Marshall das so aufgefasst und eigentlich war auch gar nichts dagegen zu sagen. ‚Die Stadt ist gewachsen und daher ist es unbestritten, dass das Personal aufgestockt werden muss', dachte sie.' Trotzdem wollte sie in Zukunft informiert werden und es nicht aus zweiter Hand erfahren. Das sagte sie Dean auch.

„Selbstredend. Schließlich zahlt die Stadt ja die Gehälter. Daher habe ich Ihnen auch eine Mail geschickt", entgegnete Dean und trank einen Schluck aus seiner Tasse.

„Mail? Ich habe keine bekommen", behauptete die Bürgermeisterin Stirn runzelnd.

„Hm... eigenartig. Vielleicht ist sie in den Spam Ordner gerutscht? Jedenfalls finde ich es gut, dass wir uns ausgesprochen haben."

Regina stellte die Tasse ab. „Ja, diese Meinung teile ich und ich hoffe, dass wir auch weiterhin auf dieser Basis arbeiten."

„Halte ich für eine gute Idee", erwiderte Dean und erhob sich. Auch die Bürgermeisterin stand auf und lächelte das erste Mal, seit sie und Dean zusammen getroffen waren. Sie reichte ihm zum Abschied die Hand und ging. Kaum hatte sie den Raum verlassen, ließ sich Dean schnaufend in seinen Sessel fallen. Dann grinste er. „Eins zu Null für mich und jetzt nichts wie raus hier. Sammy wartet sicher schon."

~*~

Als Dean mit zwei Tüten chinesischem Essen die Wohnung betrat, hörte er das Wasser im Badezimmer rauschen. Sofort stahl sich ein Grinsen auf sein Gesicht und rasch trug er die Tüten in die Küche, wo er sie abstellte. Anschließend lief er in Richtung Badezimmer und bemerkte, dass die Tür einen Spalt offen stand. ‚Die Gelegenheit, um Sam zu überraschen‘, dachte er und lugte durch den Türspalt, um sich zu vergewissern, dass sein Freund schon unter der Dusche stand. Doch dem war nicht so, denn Sam stand vor dem Spiegel und musterte sich offenbar äußerst kritisch.

„Narzisstische Anwandlungen, Babe?", fragte Dean grinsend, während er die Tür ganz aufstieß.

Erschrocken darüber, ertappt worden zu sein, zuckte Sam zusammen. Seine Wangen nahmen einen rötlichen Schimmer an und er stotterte: „Was? Nein... ich... es... bin... bin ich noch... das, was du willst?", fragte er dann leise und schaute Dean unsicher an.

Der runzelte verwundert die Stirn. „Natürlich bist du das. Wie kannst du nur so etwas fragen?"


„Weil du mich seit Tagen nicht mehr anfasst. Nicht im Haus meiner Schwester... keinen Quicky... zu Hause... weggegangen... Essen wichtiger..." war alles was Dean den genuschelten Worten seines Geliebten entnehmen konnte, doch zum Glück konnte er sich zusammenreimen, was sein Sammy da mit hochrotem, gesenktem Kopf von sich gab.

Dean ging die zwei Schritte auf Sam zu, die sie voneinander trennten, und nahm ihn fest in die Arme. „Ich finde dich nach wie vor rattenscharf und das wird auch immer so bleiben. Ich will dich. Immer. Im Haus von Kate hab ich mich zurückgehalten, weil ich dachte, dort willst du es bestimmt nicht treiben. Offenbar ist es nicht so, daher hättest du nur etwas sagen müssen und schon wäre ich über dich hergefallen", erklärte Dean lächelnd und küsste Sam kurz.

Der schaute aber noch immer skeptisch drein, woraufhin Dean seufzte und weiter erklärte: „Du erinnerst dich an den Anruf? Die Drachenlady hat wieder mal den Aufstand geprobt und ich bin nun mal der Boss, also musste ich das regeln. Was das Essen betrifft: Ich habe es nicht mitgebracht, weil es mir wichtiger ist als du. Denk das ja nie wieder. Ich hab's geholt, weil du nicht mal mehr im Stande sein wirst, dir ein Sandwich zu machen, wenn ich mit dir fertig bin", behauptete Dean, grinste anzüglich und eroberte dann stürmisch Sams Lippen.

~*~

Als Sam am nächsten Morgen erwachte, wusste er sofort, dass er ziemlich dümmlich vor sich hingrinste. Dean hatte seine Drohung wahr gemacht. Oh ja, und wie er das hatte. Und er hatte ihn hingehalten. Stundenlang war es Sam vorgekommen, und er hatte jede Sekunde mehr als genossen. Schon in der Dusche hatte ihn sein Freund so scharf gemacht, dass er befürchtet hatte, es nicht mehr ins Bett zu schaffen, weil sich seine Beine wie aus Gummi angefühlt hatten. Dann diese zarten Küsse, die Sams Bauchdecke zum Flattern gebracht hatten. Er hatte nur noch abgehackt atmen können und irgendwann zu betteln begonnen, das wusste er noch.

Aber Dean hatte keine Gnade gekannt und wieder von ihm abgelassen. Dann hatte er ihm noch gezeigt, dass er nicht nur ein Gourmand war, sondern durchaus auch ein Gourmet sein konnte, als er die Früchte, die er auf Sams Körper verteilt hatte, herunter naschte. Erst als die letzte Köstlichkeit von Deans Lippen aufgenommen worden war und er sie mit Sam teilte, erlöste er ihn endlich von seinen Qualen. Nach dieser Nacht hatte Sam nicht mehr den geringsten Zweifel, von Dean begehrt zu werden, und es hatte durchaus etwas für sich, ein paar Tage abstinent zu sein. Trotzdem konnte er es kaum erwarten, bis sie ihren Gutschein von Weihnachten einlösen konnten, denn dann würde er es Dean heimzahlen. Schließlich hatte er sich im Internet schlau gemacht, und auch wenn er mit den meisten Dingen die er da gefunden hatte nichts anfangen konnte, aber das, was man mit Schokoladeneis anstellen konnte, würde er auf jeden Fall an Dean erproben.

Kapitel 3 von silverbird

Ein paar Tage später machte Sam gerade seine Reisetasche zu, als sein Handy klingelte. „Dean", erkannte er nach einem Blick auf das Display und er nahm den Anruf rasch entgegen. „Hey, Darling."

„Tasche gepackt?", wollte Dean auch schon wissen.

„Ja, gerade fertig geworden. Ich freue mich schon so. Hoffentlich kommt nicht wieder etwas dazwischen."

„Wird es nicht, Sammy. Und eigentlich ist es gut, dass wir bis jetzt keine Zeit hatten, das Weihnachtsgeschenk deiner Eltern einzulösen. Nun ist es warm genug und wir können im See schwimmen und noch ganzen andere Sachen im Wasser machen", versprach Dean und Sam stellte sich vor, wie sein Freund bei diesen Worten versaut grinste. Was er sich zusätzlich noch vorstellte, trieb ihm die Schamesröte in die Wangen. Trotzdem, oder gerade deswegen, konnte er es kaum erwarten, endlich zu der Hütte zu fahren. In zwei Stunden sollte es losgehen und er musste sich beeilen, denn er hatte noch einiges in der Redaktion zu regeln. Das sagte er Dean auch und so beendeten sie das Gespräch.

~*~

Dean lächelte noch vor sich hin, während er das Handy einsteckte. Er musste noch für die Verpflegung sorgen. Bettwäsche und den anderen Kram, den sie noch brauchten, war bereits im Wagen verstaut. Es fehlte nur noch seine Tasche. Aber er hatte ohnehin nicht vor, viel mitzunehmen. Wozu auch, die meiste Zeit würde er keine Kleidung brauchen. Davon war er überzeugt und erneut grinste er breit.

Er verließ sein Büro und wandte sich Sally zu, die an der Kaffeemaschine stand. „Auch einen Kaffee, Boss?", wollte sie wissen, noch bevor Dean sie ansprechen konnte.

„Ja, warum nicht. Kaffee geht immer", stimmte er zu und nahm zwei Minuten später die Tasse entgegen, die sie ihm reichte. Er trank einen Schluck, bevor er sagte: „Sie wissen ja Bescheid. Im Notfall können Sie mich auf dem Handy immer erreichen. Im Notfall wohlgemerkt", betonte er eindringlich und Sally grinste.

 „Schon verstanden, Boss. Ich halte Ihnen die paar Tage alle vom Leib. Versprochen. Außerdem, um diese Jahreszeit ist ohnehin nie viel los. Max und Kimbly werden das Kind schon schaukeln."

„Und Sie, Sally. Wie wir alle wissen, sind Sie im Grunde der Boss von diesem Laden hier", behauptete Dean und zwinkerte ihr zu. Sie lachte etwas verlegen über dieses Kompliment und nachdem Dean seine Tasse ausgetrunken hatte, verabschiedete er sich. Sein Weg führte ihn in den nächsten Lebensmittelladen. Er kaufte einige Dosen Bier und Essensvorräte ein. Sam würde kochen und hatte eine Liste erstellt, die Dean sorgfältig abarbeitete. Zu seiner Erleichterung hatte er schneller alles beisammen, als er gedacht hatte und bald darauf war alles in den Kühlboxen seines Autos verstaut. Er hatte noch eine gute halbe Stunde Zeit, bis er Sam abholen konnte, daher führte ihn sein Weg ins Diner. Schließlich brauchte er etwas im Magen, bevor sie die Fahrt antraten.

~*~

„Okay, das war's. Guter Artikel, Tom. Kann in den Druck gehen", sagte Sam und schob seinem Mitarbeiter die korrigierten Blätter zu. Dann schaute er ihn lächelnd an. „Wie ich sehe, machst du enorme Fortschritte. Gefallen dir die neuen Kurse, die du belegt hast?"

Der junge Mann nickte. „Jupp, war ganz gut, dass Sie mir deswegen die Hölle heiß gemacht haben, Chef. Aber ich glaube immer noch nicht, dass Sie mich entlassen hätten, wenn ich mich nicht eingeschrieben hätte", erklärte er mit einem schiefen Grinsen.

„Nein, als Zeitungsjunge hättest du bleiben können, aber nicht als angehender Reporter", entgegnete Sam ernst und Tom erkannte, dass sein Boss es genau so meinte.  Gerade wollte er darauf antworten, als ein Mann mittleren Alters die Redaktion betrat.

„Der ist wohl dem Film Men in Black entsprungen", behauptete Tom leise, als er den Mann im schwarzen Anzug, ebensolcher Krawatte und blütenweißem Hemd betrachtete. „Fehlt nur die Sonnenbrille", ergänzte er noch. Sam unterdrückte ein Schmunzeln, doch in Gedanken gab er Tom Recht. Der Mann sah seltsam aus und Sam fragte sich, was er wohl wollte.

„Sam Henson?", fragte er auch schon und Sam stand auf. „Ja, das bin ich. Was kann ich für Sie tun?"

Der Mann schaute sich um, dann richtete er sein Wort wieder an Sam. „Ich möchte Sie unter vier Augen sprechen."

Sam hob etwas verwundert die Augenbrauen, da er sich nicht vorstellen konnte, was der Typ von ihm wollte. Aber natürlich machte ihn das Ansinnen neugierig. „Okay, dann kommen Sie mit", bat er daher und führte den Mann in sein Büro. Tom schaute äußerst interessiert hinterher. „Komischer Vogel. Was er wohl will? Mal gucken, mit welcher Karre er dahergekommen ist."

Toms Neugierde war geweckt und so lief er nach draußen. Ein schwarzer Hummer stand vor der Tür. Neuestes Modell, erkannte der angehende Reporter. Die Scheiben waren verdunkelt, so daß Tom nicht sehen konnte, ob noch jemand im Wagen saß. Daher schlenderte Tom ein paar Schritte weiter und schaute in die Auslage von Mrs. Collins Strickwarengeschäft. ‚Gott, bitte lass keinen meiner Freunde jetzt hier vorbeikommen‘, betete er in Gedanken. Denn er konnte sich sehr gut vorstellen, was er sich würde anhören müssen, wenn sie ihn erwischten, wie er Pullover mit Häschen und Blumen betrachtete. Was er im Grunde gar nicht machte. Er recherchierte. Aber das würden sie ihm nie abnehmen.

 ‚Lass dich nicht ablenken, Tom‘, mahnte er sich selbst, beobachte in der Auslage das Auto und schaute auf dessen Kennzeichen. Verwundert hob er die Augenbrauen, als Sam plötzlich mit einer kleinen Reisetasche in der Hand aus der Redaktion kam. Neben ihm ging der fremde Mann und beide stiegen in den Hummer ein, ohne Tom zu beachten.

~*~

Auf der Fahrt zu der Redaktion hatte Dean ein Dauerlächeln im Gesicht. Er freute sich dermaßen auf das kommende Wochenende, dass er gar nicht anders konnte. Er würde seinen Sammy so was von verwöhnen und das in jeder Hinsicht. Dass hatte er sich fest vorgenommen, damit sein Geliebter nicht wieder auf die dumme Idee kam, nicht begehrenswert genug zu sein. Dean konnte es immer noch nicht fassen, dass Sam überhaupt jemals solche Gedanken gehabt hatte. Vielleicht hatte ein unangenehmes Erlebnis zu dieser Unsicherheit geführt? Aber wie auch immer, Dean würde dafür sorgen, dass Sam nie wieder von solchen Gedanken heimgesucht wurde. Er sollte sich immer und in jeder Hinsicht sicher fühlen und wissen, Dean war immer für ihn da. In jeder Situation. 

Er erreichte das Redaktionsgebäude und parkte direkt davor. Rasch und voller Vorfreude sprang er aus dem Wagen, eilte ins Haus und war gerade ein paar Stufen zum Obergeschoss  hochgelaufen, als sein Name gerufen wurde. Genervt drehte er sich um und sah Tom am Treppenabsatz stehen.

„Ich habe es eilig und wehe es ist nicht wichtig", schnauzte er den angehenden Reporter an.

Besorgt, ja fast ängstlich schaute Tom den Marshall an. „Ich... es... weil Sam... er...", stotterte der junge Mann herum.

Tom konnte gar nicht so schnell gucken, als er auch schon von Dean an den Schultern gepackt und durchgeschüttelt wurde. „Was ist mit Sam? Sag schon."

„Er ist weg. Aber es ist nicht meine Schuld. Ich bin nur der Bote, okay? Also erschießen sie mich nicht."

„Rede nicht so wirres Zeug. Sag mir endlich, wo ist Sam. Und was heißt, er ist weg?"

Tom atmete tief durch, dann begann er zu berichten was er beobachtet hatte. Dean hörte aufmerksam zu und ließ den Jungen dann los.

„Okay, auch wenn ich nicht verstehe, was das zu bedeuten hat. Sehr gut gemacht, Tom. Schreib mit bitte das Kennzeichen auf. Ich sehe mich inzwischen in der Wohnung um."

Dean rannte los und Tom begab sich zum Schreibtisch, wo er sich einen Zettel schnappte.

Als Dean das Schlafzimmer betrat, bemerkte er sofort, dass die Tür zu dem begehbaren Schrank offen stand. Schnell durchsuchte er den kleinen Raum und erkannte, dass Sams Tasche fehlte. An und für sich nicht weiter verwunderlich, da sie vorgehabt hatten, zu verreisen. Aber Sam war zu einem Fremden ins Auto gestiegen und Dean fragte sich, warum? Gedankenverloren schloss er einen der offen stehenden Spiegelschränke und runzelte die Stirn, denn mit einem schwarzen Filzstift stand dort in großen Lettern:

Sentebale

Nachdenklich starrte Dean auf dieses Wort. Ganz offensichtlich hatte Sam ihm eine Nachricht hinterlassen, denn Dean erkannte die Handschrift eindeutig. Nur, was hatte sie zu bedeuten?

Kapitel 4 von silverbird

Es dauerte ein paar Minuten, bis wieder Leben in Dean kam und er seinen Blick von der Schrift am Spiegel lösen konnte. Doch dann überfluteten ihn die verschiedensten Gefühle, wobei die Angst um Sammy alles übertönte. Dean zwang sich ruhig zu atmen, damit er wieder klar denken konnte. ‚Nein! Angst und Hass bringen dich dazu, Fehler zu machen. Denk rational und umfassend. Du bist bestens ausgebildet, daher kannst du Sam aufspüren und ihn gegebenenfalls retten‘.

In diesem Moment war Dean heilfroh über den strengen Drill, den sein Vater ihm auferlegt hatte. Genau diese Konzentration brauchte er jetzt, um vor Angst um Sam nicht durchzudrehen und das tun zu können, was notwendig war. Noch während er die Treppe wieder hinunterlief, holte er sein Handy aus der Tasche und wählte die Nummer von Bill Sutton. Dem einzigen Menschen außer Sam, dem er vorbehaltlos vertraute. Zu seinem Ärger ging nur die Mailbox ran und er steckte sein Handy wieder ein.

Als er das Treppenende erreichte, stand Tom gerade von seinem Schreibtisch auf und kam mit einem Zettel auf ihn zu, den er sogleich an den Bundesmarshall weitergab. Der Junge schaute Dean unsicher an und fragte besorgt: „Denken Sie, Sam kommt bald zurück?"

„Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Aber ich werde der Sache auf den Grund gehen", gab Dean zurück, woraufhin Tom nickte und wissen wollte: „Was sollen wir jetzt machen? Ich meine, mit der Zeitung, denn ohne Sam..."

„Macht einfach das, was ihr sonst auch tut."

„Aber ohne unseren Boss fehlen uns Beiträge und er macht ja auch die Korrekturen und... und... das kann ich alles nicht." Tom versagte die Stimme und Dean sah dem Jungen an, dass er am Verzweifeln war.

Er legte ihm die Hand auf die Schulter und blickte ihn eindringlich an. „Ich bin sicher, dass Sam dir inzwischen genug beigebracht hat, damit du für ein, oder zwei Tage die Zeitung voll kriegst. Du bist ein angehender Reporter, Tom, und kannst das. Wir dürfen Sam jetzt nicht im Stich lassen. Du weißt doch, wie sehr ihm der Tagesbote am Herzen liegt. Außerdem werde ich dir Hilfe organisieren, sollte es nötig sein. Aber vielleicht taucht Sam ja schneller auf als wir denken. Also mach dir nicht allzu große Sorgen. Ich erledige jetzt erstmal ein paar Anrufe und dann sehen wir weiter. Du bist hier inzwischen der Boss. Okay?"

Tom schluckte erstmal, doch dann nickte er und straffte seine Schultern. „Okay, ich werde mein möglichstes tun, damit Sam zufrieden ist, wenn er zurückkommt", erklärte er bestimmt und Dean konnte Entschlossenheit und Stolz in den Augen des jungen Mannes erkennen, und wusste, er würde alles tun, um sich würdig zu erweisen. Dean nickte ihm zu und lief dann wieder hinauf in die Wohnung. Er musste in Ruhe telefonieren.

„Ich brauche dringend Kaffee", brummte er und während er die Kaffeemaschine in Gang setzte, wählte Dean erneut Bills Nummer. Zu seiner Erleichterung wurde diesmal abgenommen. „Wo zum Henker warst du? Ich versuche schon zum zweiten Mal dich zu erreichen", motzte Dean, noch bevor sich der Teilnehmer am anderen Ende melden konnte.

„Dort wo selbst der Kaiser zu Fuß hin geht und dahin schleppe ich mein Handy ganz sicher nicht auch noch mit. Und wenn du nicht sofort einen anderen Ton anschlägst, leg ich sofort wieder auf", gab Bill ungehalten zurück.

Postwendend ruderte Dean zurück. „Tut mir Leid. Ich bin etwas durch den Wind und brauche dringend eine Hilfe."

„Schon gut, Junge. Was ist passiert?", entgegnete Bill, sofort wieder versöhnt.

„Sam ist verschwunden und nenne mich paranoid, aber ich denke, dass unser Verein etwas damit zu tun hat. Jedenfalls, wenn das so ist, ist das ganz sicher meine Schuld. Aber ich schwöre, sollte ihm etwas passiert sein, ziehe ich jedem, der damit auch nur im Geringsten etwas zu tun hat, die Haut in feinen Streifen ab", versicherte Dean grimmig.

„Abgesehen davon, dass ich dir das zutraue und auch weiss, dass du es könntest, wie kommst du darauf, dass ausgerechnet der Verein die Finger im Spiel hat. Du bist schon eine Weile weg vom Fenster, was also sollte sie veranlassen, jetzt auf diese Weise zu agieren?", wollte Bill wissen.

„Erpressung?", stellte Dean die Gegenfrage, dann seufzte er. „Keine Ahnung. Gemeldet hat sich keiner bei mir und wie mir erzählt wurde, ist Sam mehr oder weniger freiwillig mitgegangen."

Dean erzählte in knappen Worten, was Tom ihm berichtet hatte, erwähnte aber nichts von dem Kennzeichen des Autos.

Bill hörte zu, ohne Dean auch nur ein einziges Mal zu unterbrechen bis er geendet hatte. Dann wollte der ältere Mann wissen: „Also noch einmal. Wie kommst du darauf, dass der Verein dahinter steckt?"

„Was sagt dir dieses Autokennzeichen?" stellte Dean die Gegenfrage und gab seinem Mentor die Nummer durch.

~*~

Sams Haltung war kerzengerade. Ohne Regung saß er in seinem Sitz und starrte vor sich hin. Drei weitere Männer, die ungefähr im selben Alter waren wie er, saßen ebenfalls im Passagierraum des Flugzeuges, dessen Motor leise vor sich hin brummte. Keiner der Männer regte sich, oder sprach. Sam wusste, was er zu tun hatte. Es war extrem wichtig. Es gab nichts anderes. Durfte nichts anderes geben. Doch sein Unterbewusstsein sagte ihm, dass es etwas, beziehungsweise jemanden gab, der wichtiger war als alles andere. Verschwommen sah er ein Gesicht vor sich. Grüne Augen schauten ihn durchdringend an und von den Lippen dieses Menschen konnte er ein Wort ablesen. Sentebale!

Kapitel 5 von silverbird

Bill hatte nicht lange über das Kennzeichen nachdenken müssen. Dean hatte Recht, diese Nummer gehörte zu der Serie, die der Verein für sich beanspruchte.

„Okay, ich höre mich um. Ruf mich in einer Stunde wieder an", sagte er daher und beendete das Gespräch, ohne sich mir langen Erklärungen aufzuhalten. Dean steckte sein Handy ein und überlegte, was er als nächstes tun sollte. Um Sams Familie zu unterrichten war es noch zu früh. Erstmals mußte er wissen was Sache war. Daher beschloss er gleich mal seine Tasche zu packen. Leider würden er nicht die geplanten Urlaubsutensilien einpacken, sondern Dinge von denen er gedacht hatte sie nie wieder brauchen zu müssen. Nachdem er seine Tasche bereit gestellt hatte, öffnete er daher ein verborgenes Fach auf dem Schrankboden und betrachtete die Waffen und anderes Spielzeug, das er dort versteckte. Kurz überlegte er, dann tat er in seine Tasche, was er dachte zu brauchen. Anschließend suchte er Kleidung für jede Gelegenheit heraus, bedeckte die Waffen damit und ging ins Badezimmer. Er füllte den Kulturbeutel mit dem Wichtigsten und legte ihn oben auf die Kleidung, bevor er den Zipp der Tasche zuzog.  Letztendlich holte er noch die Kassette in dem sich die verschiedenen Ausweise befanden aus dem Versteck und klaubte sie durch.  „Bringt nichts, bevor ich nicht weiß wo es hingeht", brummte er und entschied sich,  alle einzustecken. Nachdem das erledigt war, blieb ihm nichts anderes übrig als das zu tun, was er in solchen Situationen am meisten hasste, nämlich zu warten.

„Kaffee", beschloss er und begab sich in die Küche um sich das Heissgetränk zuzubereiten. Während der Kaffee in die Tasse floß, dachte er ständig über das Wort, dass Sam für ihn hinterlassen hatte.

„Sentebale. Was hat das, verdammt noch mal, zu bedeuten? Ich könnte googeln. Vielleicht bringt es ja was", fiel Dean ein und das würde er dann auch gleich tun.

Zuvor holte er aber sein Handy aus der Hosentasche. Nach einem Blick auf die Uhrzeit seufzte er frustriert, da er feststellte, dass gerade einmal 20 Minuten vergangen waren, seit er mit Bill telefoniert hatte. Die Kaffeemaschine piepte gerade in diesem Augenblick, deswegen legte er das Handy auf den Tresen, um sich erst mal Kaffee einzuschenken. Indessen kreisten seine Gedanken weiterhin um seinen Geliebten. „Verdammt Sammy wo bist du und was haben sie mit dir gemacht?  Gnade ihnen Gott, wenn sie dir auch nur ein Haar gekrümmt haben und ich bete, dass du nicht meinetwegen irgendwelche schlimmen Dinge erleben musst. Denn dann müßte ich gehen, sobald ich dich, von wo auch immer, rausgeholt habe. Zu deinem Schutz müsste ich dich verlassen und das würde mich umbringen."

Der Kaffee wurde kalt, ohne dass Dean es bemerkte, denn alles an was er denken konnte was Sam. Die Sorge um ihn brachte Dean an den Rand des Wahnsinns. Dazu kam das Warten, was so gar nicht sein Ding war. Er war ein Mann der Tat. Sobald er aktiv werden konnte, lief er auf einen ganz anderen Level. Zielsicher, geplant und absolut tödlich, wenn es erforderlich war. Und ganz besonders für Sammy würde er über Leichen gehen. Das stand für ihn felsenfest.

Erschrocken zuckte Dean zusammen, als plötzlich die ersten Töne von Hells Bells aus seinem Handy zu hören waren. „Bill", stellte er erleichtert fest, froh darüber, dass sich sein Mentor schon vor der vereinbarten Zeit meldete. „Was hast du?", fragte er auch sogleich.

„Wenn es stimmt was ich in Erfahrung bringen konnte, dann hab ich nichts Gutes für dich. Allerdings hat die Sache nicht das Geringste mit dir zu tun. Höchstens wieso sie Sam persönlich abgeholt haben. Da vermute ich, es ist deinetwegen gewesen um dich gegebenenfalls auszuschalten, wenn du im Weg gestanden wärst."

„Okay, geht ein bißchen weniger kryptisch? Ich verstehe kein Wort von dem was du sagst."

„Wie solltest du auch. Selbst ich blicke noch nicht ganz durch. Wovon ich aber überzeugt bin ist, dass Sams Entführung, wenn man es so nennen kann, bestimmt nichts mit dir zu tun hat, sondern mit einem Sportprojekt, an dem er in seiner Zeit an der Uni teilgenommen hat. Aber das alles am Telefon zu erörtern bringt nichts. Am Besten du kommst zu mir ins Hauptquartier. Von hier aus können wir auch besser planen. Ich schicke dir einen Helikopter. Nenn mir einen Platz wo er gut landen kann."

„Am Stadtrand ist ein freies Feld. Dort geht es", entgegnete Dean, nachdem er kurz überlegt hatte.

„Gut, dann sagen wir in circa einer Stunden holt er dich ab. Ach ja, noch etwas. Du musst Aldin und Sophie irgend etwas erzählen, wieso Sam plötzlich verschwunden ist. Denk dir irgendeine Geschichte aus. Für alles andere ist es noch zu früh."

Dean überlegte kurz bevor er antwortete: „Nein, ich finde sie haben das Recht die Wahrheit zu erfahren. Kann aber sein, dass du umsonst auf mich wartest, weil Aldin mir die Schuld wegen Sams Verschwinden gibt und mich erschießt", erklärte Dean mit versuchtem Galgenhumor."

„Gut möglich", gab Bill zu. „Ich ruf ihn an und erkläre ihm das Nötigste."

„Hey, ich bin kein Feigling und bin sehr wohl im Stande mich Aldin zu stellen", erwiderte Dean entrüstet.

„Das weiss ich Dean. Aber Eile ist geboten und glaube mir, er würde dich mit seinen Beschuldigungen und Endlosausführungen nur unnötig Zeit kosten, die wir vermutlich nicht haben. Außerdem wird er auch noch mitkommen wollen. Wir wissen nicht was uns erwartet und du, genauso wie ich und selbst Aldin, wissen, dass Missionen nicht immer gut ausgehen. Daher ist es besser ich rede mit ihm, sodass er gar nicht erst die Möglichkeit hat sich bei dir anzuhängen. Ich will nicht, dass Sophie womöglich außer ihrem Sohn auch noch ihren Mann verliert. Das kann ich nicht verantworten."

„Das will ich nicht hören, verstanden? Ich bringe Sam zurück und wenn es das letzte ist was ich tue", knurrte Dean in das Telefon und Bill seufzte resigniert. „Schon klar, ich meine ja nur."

„Behalte deine verdammte Meinung für dich und schick mir einfach den Huby. Und bevor du dir weiteren Blödsinn ausdenkst, sag den Hensens auch noch, dass sie sich um Sams Zeitung kümmern sollen, bis er zurück ist. Ich will nicht, dass sie den Bach runtergeht. Schließlich hat Sam viel Zeit und Mühe investiert. Außerdem haben Aldin und Sophie zu ihren eigenen Jobs dann noch was zu tun und so weniger Zeit um nachzudenken. Ach ja noch etwas. Um Tratsch und Spekulationen abzuwürgen. Die Hensens sollen den Leuten von der Redaktion einfach sagen, dass ein Freund von Sam dringend Hilfe gebraucht hätte und er deswegen so unvermittelt abgereist ist."

„In Ordnung. Mach ich. Bis später", entgegnete Bill und somit war ihr Gespräch beendet.

~*~

Ein paar Minuten bevor die vereinbarte Stunde abgelaufen waren, parkte Dean sein Auto vor dem Feld. Es hatte länger gedauert als er gedacht hatte um alles in seinem Sheriffbüro für die nächsten Tage zu regeln. Zuvor hatte er noch die Mannschaft der Redaktion informiert, dass sie Hilfe von den Hensens bekommen würden und ihnen auch diese „Freund-in-Not-Geschichte" aufgetischt. Die Bestätigung würden ihnen Sams Eltern liefern. Damit müsste Ruhe sein.

Jetzt saß Dean nervös im Helikopter und konnte es kaum erwarten endlich ins Hauptquartier zu kommen, damit er erfuhr was Bill herausbekommen hatte. Dort würde er auch endlich nachforschen können, was dieses Sentebale bedeutete, denn die letzten zwei Stunden hatte er keine Zeit gehabt und im Huby war wegen des Funkverkehrs Handyverbot und auch sein Tablett dufte er natürlich nicht verwenden. Hibbelig rutschte er auf seinem Sitz hin und her. Noch niemals hatte ihn ein Einsatz wirklich nervös gemacht, aber hier ging es um Sammy, da war die Situation eine völlig andere. Er war Deans große und einzige Liebe. Für ihn würde er durch die Hölle gehen und  notfalls sogar sterben. Doch erstmal würde er alles versuchen um sie beide zu retten.

~*~

Sam und den anderen vier Leute begaben sich wie ihnen befohlen wurde  in ein getarntes, rechteckiges Zelt, wo schon ein Mann wartete, den Sam sofort erkannte. Er war damals an der Uni an dem Sportprojekt beteiligt gewesen, wußte er.

„Ich begrüße Sie, meine Herren", sagte er auch schon. „Bei dieser Mission bin ich Mister Smith für Sie. Von mir erhalten sie meine Befehle und hier Ihre Order. Je zwei Mann arbeiten zusammen. Sam mit Steve. Karl mit Olson. Treten Sie näher", befahl Smith. Sam und die anderen Männer folgten wortlos und traten an den Tisch, wo ihnen Smith ihre Aufgaben erklärte. Zwei Tage würden sie noch in dem kleinen Camp bleiben. In dieser Zeit würden sie ihr Training ein wenig auffrischen, um dann ihren Auftrag auszuführen.

Kapitel 6 von silverbird

Dean stand auf dem Dach des 20- stockigen Gebäudes und schaute dem Hubschrauber nach, der sich rasch entfernte. Wie oft war er hier oben schon ausgestiegen? Er wusste es nicht mehr, und eigentlich hatte er auch nicht mehr damit gerechnet, dieses Gebäude je wieder zu betreten. Zumindest nicht, um einen Auftrag für den Verein auszuführen. Gut, in diesem Fall war es nicht für den Verein, sondern für Sam. Aber dennoch, seine Vergangenheit schien Dean nicht loszulassen und jetzt trat er erneut vor die Eisentüre, hielt sein Gesicht in die Kamera, die oberhalb der Tür angebracht war und sagte wissend, dass auch eine Stimmüberprüfung nötig war, damit ihm geöffnet wurde: „Ja, ich sehe immer noch phantastisch aus, also mach endlich auf, ein Schönerer kommt nicht mehr."

„Und einer, der sich noch mehr einbildet als du, auch nicht", kam es lachend aus dem Lautsprecher, bevor ein leiser Summton ankündigte, dass Dean die Tür aufmachen konnte. „Nur kein Neid", entgegnete er grinsend und trat direkt in einen Aufzug ein, der hinter der Tür verborgen war. Er drückte auf den Knopf, der ihn in den achten Stock bringen würde. Der Lift setzte sich lautlos in Bewegung und eine Minuten später hatte er sein Ziel erreicht.

~*~

„Hallo, Dean", grüßte Bill, gleich nachdem er das Büro seines Mentors betreten hatte.

„Hey, Bill", entgegnete Dean und setzte sich auf den freien Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches.

„Du schaust beschissen aus", stellte Bill besorgt fest, nachdem er Dean von oben bis unten gemustert hatte.

„Freut mich auch, dich zu sehen. Und nachdem wir jetzt alle wichtigen Höflichkeiten ausgetauscht haben... Was hast du bisher herausgefunden?", wollte Dean rasch wissen.

Der ältere Spezial-Agent antwortete nicht sofort, sondern drehte sich mit seinem Sessel um und drückte auf den Knopf der Kaffeemaschine. Eine Tasse hatte er schon vorsorglich untergestellt und eine Minute später stellte er Dean den dampfenden Kaffee hin.

Der quittierte diese Fürsorglichkeit mit einem dankbarem Lächeln, bevor er einen vorsichtigen Schluck nahm und erneut fragte: „Also, was hast, beziehungsweise, weißt du?"

Bill stellte seine Tasse, aus der er gerade getrunken hatte, ab und entgegnete: „Nun ja, ich habe ja diese Sportstudie erwähnt, als wir telefoniert haben."

„Hast du. Und Sam hat sie auch bereits erwähnt", wurde Bill von Dean unterbrochen. „Aber was hat das mit seinem Verschwinden zu tun? Nimmt er jetzt an einer geheimen Olympiade teil oder was?"

„Schön wäre es, aber ich befürchte, es ist etwas anderes. Du erinnerst dich doch noch an Mark Enders?"

 „Klar. Menschenschinder Mark. Jeder in unserem Verein, der bei ihm die Kampfausbildung machen musste, kennt und hasst ihn gleichermaßen. Und soweit ich weiß, hat er bisher jeden Agenten in die Knie gezwungen. Nur bei mir hat er sich die Zähne ausgebissen. Nachdem ich durch harte die Schule meines Vaters gegangen bin, war Mark für mich nur noch ein Fitnesstrainer vom Pensionistenheim", entgegnete Dean mit einem boshaften Grinsen.

„Stimmt. Das er dich nicht klein kriegen konnte, nagt heute noch an ihm", bestätigte Bill und auch er musste lächeln. Doch rasch wurden seine Gesichtszüge wieder ernst. „Aber wie auch immer, ich habe mit ihm telefoniert. Er ist zwar schon im Ruhestand, aber sein letzter Auftrag war diese Sportstudie, an der Sam teilgenommen hat", entgegnete Bill mit ernstem Gesicht.

Dean lachte trocken auf. „Das ist absoluter Unsinn, Bill. Erstens kennen wir doch beide den Unterschied zwischen einem Sporttraining und einer Agentenausbildung, und auch Sam hätte den Unterschied unter Garantie gemerkt, vor allem wenn der Schinder - Mark - der Ausbilder gewesen ist und ..." Plötzlich runzelte Dean nachdenklich die Stirn. „Sam hat erzählt, dass er sich das Bein gebrochen hatte, als er an dieser Studie teilnahm. Aber nicht nur das, er war auch ständig mit blauen Flecken übersät. Das klingt sehr nach Enders. Aber selbst wenn, weswegen diese Studie?"

„Das werden wir hoffentlich bald er fahren. Mark wollte mir am Telefon keine Details nennen. Du weißt, keine Leitung ist wahrhaft abhörsicher und auch, wenn ich mein Büro dahingehend ständig überprüfe, gehen wir jetzt." Bill stand auf und Dean folgte ihm wortlos. Er wusste, jetzt weiter darüber zu reden, brachte nichts.

~*~

Sie fuhren mit dem Aufzug nach unten und durchquerten die großzügige Lobby. Amanda, die hinter dem Empfangstresen stand, rief Dean einen freundlichen Gruß zu und lächelte ihn gewinnend an. Dean lächelte abwesend zurück und hob grüßend die Hand. In der Lobby war ein ständiges Kommen und Gehen, denn offiziell war dieses Haus als Versicherungsgebäude bekannt und nur wenige eingeweihte Personen wussten, dass sich ab dem achten Stockwerk eine Sonderabteilung des Pentagons befand. Eine perfekte Tarnung, denn durch den regen Parteienverkehr fielen die Agenten nicht auf, die aus und eingingen.

Bill und Dean verließen das Gebäude und durchquerten einen kleinen Park, der nur eine Querstrasse von ihrem Hauptquartier entfernt war, um sich dann auf einer Bank nieder zu lassen. Sie waren es gewohnt, ihre Umgebung zu sondieren und ganz automatisch schweiften die Blicke der Beiden über das Gelände. Dean sah die spielenden Kinder, herumtobende Hunde und erwachsene Menschen, die ihre Schützlinge von den Bänken aus überwachten oder mit ihnen spielten. Verwundert schaute Dean auf dieses Szenario und fragte sich, wieso die Welt nicht still stand, wo doch sein Sammy bestimmt in höchster Gefahr schwebte. Erst als Bill ihn an der Schulter rüttelte, kam er wieder ins Hier und Jetzt zurück und schaute den Freund fragend an.

„Es wird alles gut", behauptete Bill beruhigend, da er sich denken konnte, was in Dean gerade vorging.

Der nickte nur. „Ja, sicher", murmelte er und um sich von seinen trüben Gedanken abzulenken holte Dean sein Tablett aus seiner Reisetasche, die er neben die Bank gestellt hatte, und schaltete es ein. Er tippte mit einer Hand, die andere verschwand in der rechten Jackentasche.

 „Sagt dir Sentebale etwas?", wollte er anschließend von Bill wissen.

Der überlegte kurz, dann schüttelte er den Kopf. „Sagt mir überhaupt nichts. Wieso fragst du?"

„Sam hat es aufgeschrieben, kurz bevor er verschwunden ist", entgegnete Dean und gab das Wort dann in die Suchmaschine ein. Kurz darauf wurden ihm verschiedene Antworten aufgezeigt. „Vergiss mich nicht", murmelte Dean, als er in der Übersetzung fand, was dieses Wort bedeutete. Plötzlich wurden seine Augen feucht. ‚Als ob ich dich je vergessen könnte, Sammy‘, dachte er und blinzelte schnell die auftretenden Tränen weg. Er würde ganz sicher jetzt nicht zu heulen anfangen. Abgesehen davon, dass es nichts brachte, dieser Peinlichkeit würde er sich nicht aussetzten. Er versuchte, sich wieder auf das Geschriebene auf dem Minicomputer zu konzentrieren, doch so richtig gelang es ihm nicht. Nach weiteren zehn Minuten des Wartens wurde Dean nervös. „Wo bleibt er denn, verdammt? Die Zeit rennt uns weg. Sam kann inzwischen wer weiß was passieren. Aber was will man erwarten. Enders ist halt auch nicht mehr der Jüngste und mit den kurzen Beinen braucht er vermutlich auch länger als andere Leute ..."

„Nach wie vor eine freche Klappe, Wilson", wurde Dean plötzlich von einer Stimme unterbrochen, die er hinter sich hörte. „Außerdem scheinst du alles vergessen zu haben, was dir beigebracht worden ist, denn früher hätte keiner so nah an dich herankommen können, ohne das..."

Marks Augenbrauen schnellten in die Höhe, als er die Waffe in Deans Hand sah, dessen Mündung genau auf seinen Bauch zielte. Dass Dean grinste, wusste der ehemalige Ausbilder, ohne in dessen Gesicht sehen zu müssen. Doch als er es dennoch tat, bemerkte er die Härte in dessen Augen, ignorierte es aber gekonnt.

„Trotzdem, früher hättest du dir gleichzeitig einen Hot Dog reingestopft", entgegnete Mark ungerührt und deutete zu dem Hot Dog Stand, der ein paar Meter von der Bank entfernt aufgebaut war.

Dean hatte ihn gar nicht bemerkt und ehrlich gesagt, interessierte es ihn auch nicht. Ihm war nicht nach Essen. Sein Magen rebellierte sogar, wenn er nur an Essen dachte. Alles was er wollte, war, Sam finden, und daher erwiderte er kalt: „Erspar mir deine blöden Bemerkungen, Enders. Du weißt, weswegen wir hier sind. Also, entweder du kannst mir brauchbare Informationen liefern oder unser Treffen ist hiermit beendet."

Mark hob die Augenbrauen an und lächelte süffisant. „Seit wann hast du keinen Humor? Nicht, dass du jemals wirklich etwas Witziges von dir gegeben hättest, aber zumindest deine Versuche waren komisch."

„Komm, Bill, lass uns verschwinden. Wir vergeuden nur Zeit", sagte Dean an seinen Freund gewandt und stand auf.

„Setzt. Dich. Sofort. Wieder. Hin", befahl Mark in strengem Ton und Dean fühlte sich sogleich wieder in die Vergangenheit zurück versetzt, als Enders noch sein Ausbilder gewesen war. Doch die Betonung lag auf war. Selbst damals hatte er nicht jeden Befehl befolgt und jetzt würde er es erst Recht nicht tun. Daher baute er sich vor Mark auf und knurrte: „Sonst was, alter Mann?"

Natürlich ließ sich Enders nicht einschüchtern und zischte zurück. „Pass auf was du sagst, junger Mann. Ich habe dir nicht alles beigebracht, was ich weiß und kann. Daher bin ich durchaus noch im Stande dir den Hintern so zu versohlen, dass dieser Henson eine ganze Weile keine Freude an ihm hat."

„Sexistisches Arschl..."

„Halt die Klappe, Dean", verlangte Bill streng und wandte sich dann Mark zu. „Und du hältst dich jetzt auch zurück. Verstanden? Oder hast du vergessen, wie du dich gefühlt hast, als Mary..."

Mark warf Bill einen bitterbösen Blick zu. „Das wirst du nicht wagen. Ich warne dich. Nur ein Wort und ich..."

„Liegt ganz bei dir. Und versuch mich nicht einzuschüchtern. Das klappt bei mir genausowenig wie bei Dean. Also. Kommen wir zur Sache. Was ist es, dass du mir am Telefon nicht sagen wolltest?"

„Mach Platz, Wilson. Ich habe keine Lust die ganze Zeit zu stehen, während ich die komplette Geschichte erzähle", forderte Mark Dean auf und Dean stand auch sofort und ohne ein Wort zu erwidern auf, und setzte sich stattdessen auf die Lehne neben Bill. Schließlich wollte er keine weitere Zeit mit sinnlosem Streit vergeuden, sondern endlich mehr über Sams Verschwinden erfahren.

Kapitel 7 von silverbird

Zufrieden darüber, dass Dean ihm ohne Diskussion Platz gemacht hat, setzte Enders sich neben Bill und erklärte: „Wir suchten ja immer wieder junge Leute mit besonderen Fähigkeiten. Im Grunde nichts Neues. Wie ihr ja wisst, tun wir das des Öfteren, wenn wir Nachwuchs brauchen. Üblicher Weise sehen wir uns da bei den verschiedenen militärischen Einheiten um und auf den Unis, wenn wir Nerds brauchen. Wenn brauchbares Material dabei ist, kriegen sie das Angebot für uns zu arbeiten."

„Ja, ja. Das wissen wir doch alles. Kommt endlich zum Punkt. Warum Sam? Er ist zwar äußerst klug, aber sicher nicht in einer Sparte, die unser Verein gebrauchen kann", behauptete Dean ungehalten.

„Stimmt", gab Mark nickend zu. „Er ist weder ein Sprachgenie, noch ein Superhacker, aber er hat einen hohen IQ und ist sehr sportlich. Perfekt für unsere Studie."

„Was denn für eine verdammte Studie? Rede endlich Klartext, verdammt", verlangte Dean und Mark entgegnete ruhig. „Dann sag ich es kurz und bündig. Sam und die anderen Protagonisten haben die Prüfungen bestanden und wurden als Agent für geheime Missionen ausgebildet."

Dean lachte trocken auf und schüttelte den Kopf. „Sam hätte mir unter Garantie erzählt, wenn er zu irgendeiner Ausbildung fahren würde. Er würde niemals einfach so verschwinden, ohne mir Bescheid zu sagen. Da bin ich mir ganz sicher."

„Du hast mir nicht zugehört. Ich sagte er wurde, nicht er wird", gab Enders zur Antwort.

Dean runzelte die Stirn. „Schwachsinn", behauptete er dann. „Sam hat weder seiner Familie noch mir davon erzählt, und das hätte er, wenn er an so einer Ausbildung teilgenommen hätte."

„Aber nicht, wenn er ein Schläfer ist", gab Bill plötzlich überlegend zu bedenken und Mark nickte nur wortlos dazu.

Entsetzt schaute Dean die beiden älteren Männer an und krächzte: „WAS?"

„Es tut mir ehrlich Leid, Dean", sagte Bill leise und er meinte es auch so. „Ich habe bemerkt, wie glücklich du in seinem neuen Leben bist und hätte dir wirklich gewünscht...." Bill brach seine Rede ab, denn als er Dean anschaute, erkannte er, dass der junge Mann gar nicht zuhörte und um Fassung rang.

„Schon gut, nicht zu ändern", sagte Dean nach ein paar Minuten plötzlich und wandte sich dann Mark zu. Wieder ganz im Kampfmodus, verlangte er: „Ich will alle Informationen die du hast. Und das sofort! Vor allem, wo er ist und das Codewort natürlich. Ich muss ihn da rausholen, bevor wer weiß, was passiert und sie ihn womöglich umbringen."

 „Ein Haufen guter Fragen, die ich dir leider nicht restlos beantworten kann. Der Initiator und Leiter des Projektes war Silvester Clemens und..."

„Gut, dann befragen wir ihn. Welches Büro?", wollte Dean wissen und stand auch sofort auf, doch Mark schüttelte den Kopf. „Streng geheimer Auslandseinsatz. Wo? Unbekannt."

Dean trat ganz nahe an Enders heran und drohte knurrend: „Dann beweg auf der Stelle deinen faulen Hintern und krieg es gefälligst heraus. Denn du hängst da mit drin und eines schwöre ich dir, sollte Sammy irgend etwas passieren, dann wirst du darum betteln, dass ich dir eine Kugel in den Kopf jage."

Doch statt eingeschüchtert zu sein, zischte Enders zurück: „Pass auf mit wem du dich anlegst, Kleiner. Denn du müsstest wissen, was mit Leuten passiert, die mir drohen."

„Und du müsstest wissen, dass ich niemals leere Drohungen ausstoße", kam es seinerseits von Dean.

„Und ich weiß, dass ihr zwei Idioten seid. Wieso ihr das noch nicht kapiert habt, ist mir schleierhaft", warf Bill trocken ein. „Wollt ihr also noch weiter kostbare Zeit verschwenden, oder unternehmen wir jetzt endlich etwas?"

„Tut mir leid, Bill, du hast völlig Recht. Vorrangig geht es um Sam. Enders ist ohnehin für nichts zu gebrauchen", sagte Dean mit einem abfälligen Blick auf Mark. Dann trat er einen Schritt zurück und griff nach seiner Tasche.

„Du hast offenbar noch immer keine Ahnung, wozu ich fähig bin. Wirst es aber bald merken. Los, gehen wir diesen Henson retten. Wir fahren zu mir und kein Wort dazu, Wilson. Vertrau mir wenigstens in diesem Punkt", verlangte Mark ziemlich sauer und erhob sich, ebenso wie Bill.

Dean gab zur Verwunderung der beiden älteren Männer wirklich keinen Kommentar ab und gute 15  Minuten später hielt Mark seinen Wagen vor einem breiten, eisernen Tor an. Mit einer Fernbedienung öffnete er es und nachdem es lautlos zur Seite glitt, fuhr er eine längere Auffahrt hinauf. Das Gebäude vor dem er sein Auto zum Stehen brachte, war ein moderner, langgezogener Bau, das zwei Etagen aufwies. Glasfronten im oberen Stockwerk und eine kurze Freitreppe gaben dem Ganzen einen edlen Touch.

 ‚Passt perfekt zu Enders, diesem Angeber‘, dachte Dean, während er ausstieg und den beiden anderen zum Eingang folgte. Mark steckte den Schlüssel ins Schloss, dann öffnete sich ein kleines Türchen an der linken Wandseite. Eine Zahlenleiste wurde sichtbar und er tippte einen sechsstelligen Code ein. Erst dann konnte der Schlüssel bewegt werden und sie traten ein. Auch im Inneren des Hauses war alles edel und gediegen, doch Dean hatte keine Zeit, sich weiter umzusehen, denn Enders eilte durch die Halle, an deren Ende er vor einer weiteren Tür stehen blieb und auch diese mit einer Codekombination öffnete. Er führte sie in den Keller und hielt erneut vor einer dicken Eisentüre an.

„Verfolgungswahn, was?", konnte Dean es sich nicht verkneifen zu sagen, woraufhin Bill verhalten schmunzelte und Mark nur grimmig schnaubte. Dann  gab er in zwei verschiedenen Leisten neben der Tür diverse Codes ein. Erst als er das gemacht hatte, glitt das schwere Metall zur Seite und gab die Sicht in einen riesigen Raum frei, der Deans Schätzung nach fast die Größe des Grundrisses dieses Hauses haben musste.

Zwei der langen Wände waren mit Büchern und diversen technischen Geräten ausgestattet. An der Dritten gab es eine kurze Küchenzeile mit einem extragroßen Kühlschrank und einer supermodernen Kaffeemaschine. Davor stand ein langer Tresen mit einigen Hockern. Die letzte Wand war mit einer Ledergarnitur bestückt, der man ansehen konnte, wie weich und bequem sie war. Auf dem Tisch davor standen einige Gläser und zwei Flaschen Whiskey. Wie Dean auf dem Etikett erkannte, handelte es sich um Single Malt aus den Canisbay Highlands. Bevor er sich weiter umsehen konnte, erklärte Mark mit stolzer Stimme: „Meine persönliche Kommandozentrale."

Er ließ ihnen kurz Zeit, um beeindruckt nicken zu können. Dann forderte er seine beiden Mitstreiter auf, ihm zu einem großen Tisch zu folgen, der mitten im Raum stand. Als sie davor standen, betätigte Mark einen Knopf an der linken Tischkante und Dean sowie Bill erkannten, dass es sich bei der Tischplatte um einen Bildschirm handelte. Einige verschiedene Felder wurden sichtbar und Bill stellte sich höchst interessiert neben Mark.

„Okay, dann fangen wir mal an zu suchen. Kann eine Weile dauern, weil, wir haben... nichts", murmelte Mark, starrte auf die Weltkarte und die unzähligen Punkte, die dort zu sehen waren. „Also können wir nur versuche, Silvester Clemens zu finden und hoffen, dass er wirklich dahinter steckt."

„Wäre möglich. Was mich allerdings stutzig macht ist, dass offenbar keiner in unserem Verein weiß, zu welcher Mission er aufgebrochen ist. Nicht mal Cale, unser Oberboss, oder er hat mich angelogen", gab Bill zu bedenken.

„Warum? Weil es eine extrasupergeheime Mission ist?", tat Dean sarkastisch kund. „Glaubt ihr nicht, dass sie da Agenten einsetzen würden, die jahrelange Ausbildung und Erfahrung haben und nicht Leute mit einem lächerlichen, zweimonatigen Schnellkurs? Also bitte, Leute. Das ist Schwachsinn."

„Ich kann aus einem Mann in zwei Monaten viel herausholen, wie wir alle wissen. Abgesehen davon sind deine Argumente nicht von der Hand zu weisen", gab Mark zu. „Aber dieses ganze Geschwafel bringt uns nicht weiter. Suchen wir Clemens und da wir nichts, aber auch schon gar nichts Konkretes haben, bleibt uns nichts anderes, als jeden Agenten, der auf dieser wunderschönen Welt im Einsatz ist, zuzuordnen. Der Punkt, oder die Punkte die übrig bleiben, müssen wir dann genauer unter die Lupe nehmen."

„Das dauert ja ewig", motzte Dean sofort. „Inzwischen kann Sam..."

„Ja, ja, das hast du schon oft genug erwähnt", wurde Dean von Mark unterbrochen. „Wenn du einen besseren Vorschlag hast, dann heraus damit! Nein?", fragte Enders, als Dean ihn nur ratlos anschaute. „Dann halt die Klappe und fang an zu recherchieren. Und du, Bill, häng dich ans Telefon. Ich weiß ja, Computer sind nicht so deines." Mark wandte sich wieder dem riesigen Tablett zu und Bill holte wortlos sein Handy aus der Tasche. Dean indessen angelte nach seinem iPad und setze es in Betrieb. Gleich nachdem die Verbindung hergestellt war, erschien auf dem kleinen Bildschirm der letzte Begriff, den er eingegeben hatte. Sentebale.

Dean runzelte die Stirn und murmelte leise: „Was, zur Hölle hast du mir sagen wollen, Sammy? Nur *vergiss mein nicht* kann es nicht gewesen sein. Ich kenne dich inzwischen gut, da muss mehr dahinter stecken."

Dean googelte das Wort erneut. Die Bezeichnung kam aus dem Südafrikanischen, es gab da eine Hilfsorganisation die so hieß und.....ich weiß wo wir suchen müssen", rief er plötzlich aufgeregt und hatte sofort die Aufmerksamkeit der beiden Agenten, die ihn fragend anschauten.

Kapitel 8 von silverbird

Dean legte sein Tablet auf den Tisch und begann rasch zu erklären: „Sams Gehirn funktioniert anders als bei gewöhnlichen Leuten. Daher bin ich mir ziemlich sicher, dass er mir noch mitteilen konnte, wo sie ihn hingebracht haben. Obwohl er aktiviert wurde, und, er musste mit einem Wort alles aussagen. Daher schrieb er Sentebale auf die Tür. Er hat einfach gehofft, dass ich verstehe, und das tue ich jetzt. Er ist in Lesotho, Südafrika."

Mark verschränkte die Arme vor der Brust und schaute Dean an, als wäre der vollkommen verrückt geworden. „Das reimst du dir aus einem Wort zusammen? Selbst dir muss klar sein, dass das völliger Unsinn ist." Marks Blick wurde mitleidig. Er mochte Dean, sehr sogar, auch wenn er es ihm gegenüber nie zugeben würde. Der Junge war immer anders gewesen als seine anderen Schüler. Besser in Allem, aber das alleine war es nicht, wovon Mark beeindruckt gewesen war. Was ihm außerdem noch gefallen hatte, war die Unbeugsamkeit, die Dean an den Tag legte. Er ließ sich einfach nicht verbiegen.

Das hatte sein Vater nicht geschafft und auch kein einziger Ausbilder. Selbst Mark war das nicht gelungen, und er war der Härteste des ganzen Vereines. Aber dieser Sam war offensichtlich jemand, der Dean in die Knie gezwungen hatte. Seinetwegen war er augenscheinlich nicht mehr in der Lage, logisch und rational zu denken. Mark war der Überzeugung, er musste Dean zur Vernunft bringen, doch diesmal würde er es anders angehen. Daher legte er ihm den Arm auf die Schulter und bat sanft: „Überleg mal haarscharf, Dean. Versuch deine Beziehung zu Sam außen vor zu lassen und denk so, als wäre das ein ganz normaler Auftrag, den du ausführen musst. Würdest du dann auch so viel in ein Wort interpretieren?"

Dean schüttelte die Hand ärgerlich ab. „Behandle mich nicht wie einen Idioten. Ja, ich liebe Sam, mehr als alles andere auf dieser Welt, aber das bedeutet nicht, dass mein Hirn Matsch ist. Ich bin mir völlig sicher. Sam hat mir alle Infos gegeben, um ihn zu finden. Sentebale ist ein Wort aus der Sotho Sprache, eine Amtsprache in Südarfika, du Unwissender, " erklärte Dean mit leichtem Spott in der Stimme. „Es hat mehrere Bedeutungen. Aber alles worauf es jetzt ankommt, ist, der Ort, an dem Sam sich befindet. Also schau auf deinem bescheuerten Tischbildschirm gefälligst nach einem Stützpunkt in Lesotho", verlangte Dean vehement.

Mark seufzte ergeben und tippte auf seinem riesigen Tablet herum. Sekunden später schüttelte er bedauernd den Kopf. „Tut mir Leid, Junge, aber da haben wir nichts."

„Such nach einem Flugzeug von uns. Jedes hat ein Funksignal, das man nicht so einfach wie ein normales GPS entfernen kann", forderte Dean erneut. Marks Augenbrauen schossen anerkennend in die Höhe, dann tat er, worum Dean ihn gebeten hatte.

Bill, der indessen ununterbrochen telefoniert hatte und nun sein Handy einsteckte, frustriert darüber, nichts erreicht zu haben, stellte sich zu Mark an den Tisch. Plötzlich fing sein Telefon an zu klingeln. Mit krauser Stirn zog er es wieder aus seiner Tasche und schaute auf das Display. „Cale?", murmelte er verwundert und nahm das Gespräch schnell an.

 „Aha... Ja... WAS?... Mist... Bist du sicher? ....Du setzt Chuck an. Okay. Bis später." Bill legte auf und seine beiden Freunde sahen ihn fragend an.

„Ich brauch dringend einen Kaffee, oder nein, lieber etwas Stärkeres", erklärte Bill erstmal und ließ sich auf einen Sessel fallen.

Mark nickte nur und begab sich zu einem Aktenschrank an der linken Seite der Wand. Dean war inzwischen ganz bleich im Gesicht. Er mußte sich räuspern, um überhaupt wieder Herr über seine Stimme zu sein, bevor er ängstlich krächzte: „Sam?"

Bill schüttelte beruhigend den Kopf. „ Nein. Es hat nichts mit Sam zu tun. Zumindest nicht direkt. Cale, er..."

Mark reichte in dem Augenblick Bill ein gut gefülltes Glas mit Whiskey. „Danke", entgegnete der und nahm erstmal einen großen Schluck.

„Nun sag doch endlich", drängte Dean ungeduldig, wurde dann aber kurz abgelenkt, weil Mark ihm ebenfalls ein Glas in die Hand drückte. Dean goß sich die hellbraune Flüssigkeit in einem Zug in die Kehle und schaute Bill sogleich wieder auffordernd an.

„Neandertaler", brummte Mark indessen Kopf schüttelnd, bevor er selbst das Glas an die Lippen setzte und nach einem winzigen Schluck genußvoll mit der Zunge schnalzte.

Dean verdrehte nur die Augen und wandte sich dann wieder Bill zu. „Himmel noch mal, schütt das Zeug runter und rede endlich", verlangte er ungehalten.

„Das war das erste und letzte Mal, dass ich dich von meinem 150 Jahre alten Single Malt habe kosten lassen. Damit du es weißt", kam es tadelnd von Mark.

„Steck dir dein altes Gesöff sonstwohin. Wen interessiert das jetzt. Ich will endlich wissen...."

„Das war Cale", wurde Dean von Bill unterbrochen, der jeden weiteren Disput zwischen den Beiden unterbinden wollte. „Nachdem ich ihn angerufen hatte und ihm Fragen stellte, die er nicht beantworten konnte. Ihr kennt ihn. Er will immer über alles Bescheid wissen. Na jedenfalls ist er stutzig geworden und hat seinerseits nachgeforscht. Bis jetzt hat er herausgefunden, dass Clemens eines unserer Kleinflugzeuge bestiegen hat. In seiner Begleitung waren ein älterer und vier junge Männer. Einer von ihnen wurde mit dem Wagen zum Flughafen gebracht, dessen Kennzeichen mit dem übereinstimmt, welches Sam abgeholt hat."

Also steckt doch Clemens hinter der ganzen Sache", warf Dean grimmig ein und Bill nickte, bevor er weiter erzählte. „Jedenfalls war weder der Flug genehmigt, noch hatte Clemens einen Auftrag. Die Papiere, um das Flugzeug zu übernehmen, sind gefälscht. Auf seinem Computer in der Zentrale sind alle Daten gelöscht, die Festplatte wurde mit Säure übergossen. Cale setzt unseren besten Computerspezialisten dran, aber viel Hoffnung hat er nicht. Außerdem hat er ein Team in Clements Haus geschickt. Doch ich glaube nicht, dass sie etwas finden. Aber wie auch immer. Cale meldet sich, sobald er mehr weiß."

Mark hatte Bills Ausführungen zwar zugehört, dennoch hatte er währenddessen weiter auf seinem Tablet gesucht und war auch fündig geworden. „Gut, dann ruf ihn gleich noch mal an und frage ihn, ob die CPS Daten mit denen übereinstimmen, die ich in Lesotho gefunden habe", Mark sprach das Wort extra betont aus und lächelte Dean kurz an. Dann schrieb er ein paar Zahlen auf einen Zettel und reichte ihn an Bill weiter, bevor er sich Dean zuwandte. Mark erkannte, der Junge brauchte unbedingt etwas zu tun, denn er war offensichtlich kurz davor, durchzudrehen.

„Im Schrank rechts von der Tür findest du große Taschen. Nimm zwei davon heraus. Dann gehst du zu dem breiten Bücherregal. In der zweiten Reihe suchst du nach Shakespeares gesammelten Werken. Leg deinen Daumen auf den Buchrücken, auf das zweite S. Alles weitere, wenn du das gemacht hast", erklärte Mark, wartete erst gar keine Antwort von Dean ab, sondern holte sein Handy aus der Tasche und begann eine Nummer einzutippen.

Wortlos holte Dean erstmal die Taschen, bevor er zum Bücherregal ging. Dort führte er Marks Anweisungen aus und hob verwundert die Augenbrauen, als sich die Bücherwand lautlos zur Seite schob und einen Raum freigab, in dem sich ein riesiges Waffenarsenal befand. Der Agent fing sich rasch und grinste, bevor er das Zimmer betrat, ohne Mark zu fragen. Dann füllte er die Taschen mit diversen Waffen, von denen er glaubte, dass sie sie benötigen würden. Anschließend schloß er die Tür auf gleiche Weise wie er sie geöffnet hatte, und ging zum Tisch zurück.

„Du hast meinen Fingerabdruck zum öffnen deiner Waffenkammer eingespeichert. Was sagt mir das?", wollte er grinsend von Mark wissen, der soeben sein Gespräch beendete.

„Bilde dir nichts ein, Bill kann es ebenfalls und ich überlege mir gerade, dir dieses Recht zu entziehen. Du hast meine Anweisungen schon wieder nicht befolgt", pöbelte Mark ihn tadelnd an.

„Du hast telefoniert und sehr wichtig dabei ausgesehen, da wollte ich nicht stören und hab alles eingepackt, was wir brauchen", entgegnete Dean mit einem noch breiteren Grinsen.

Mark warf einen Blick in die noch offenen Taschen und kniff die Augenbrauen zusammen. „Einen Raketenwerfer?"

Dean zuckte mit den Schultern. „Ist immer gut, so ein Ding mitzuhaben. Wir wissen schließlich nicht, was uns erwartet."

„Das Argument kann ich gelten lassen. Dann nimm den ganzen Krempel, wir müssen bald los. Ich habe ein Flugzeug organisiert. Bill?", wandte sich Mark dann an seinen Freund. „Wie lange brauchst du, um deinen Kram zu packen?"

„Maximal zehn Minuten, du kennst mich doch", entgegnete der fast vorwurfsvoll.

Mark nickte zufrieden, bevor er entgegnete: „Dann mach das. In einer Stunde ist Abflug."

„Wir haben weder einen Auftrag noch eine Genehmigung, nehme ich an", wollte Bill wissen, während er zur Tür strebte.

Marks Antwort war wie erwartet. „Seit wann stellst du so blöde Fragen?"

Bill brummte irgendetwas Unverständliches und verließ den Raum.

Kapitel 9 von silverbird

Genau eine Stunde später bestiegen die drei Männer das Flugzeug und verstauten ihr Gepäck. Ohne ein Wort zu wechseln, begaben sich Mark und Dean ins Cockpit, wobei Mark den Pilotensitz einnahm und Dean sich in den Copilotensessel fallen ließ. Nach dem üblichen Check und der Freigabe vom Tower rollte die Maschine über das Flugfeld, um sich wenig später in die Lüfte zu erheben.

~*~

Sam stand mit seinen Kameraden an dem kleinen Campingtisch und hörte Smith aufmerksam zu, der ihnen die Strategie erklärte, nach der sie vorzugehen hatten. Eine Karte lag vor ihnen ausgebreitet, die sie genau studierten. Das Gebäude, in das sie in ein paar Stunden eindringen würden, war mehrfach gesichert und von einem hohen, mit Starkstrom versehenen Zaun umgeben. Zudem gab es sechs Wachen, die es auszuschalten galt. Vier außerhalb und zwei innerhalb des Hauses, wie Smith erläuterte.

„Legt euch aufs Ohr. Um genau null zweihundert beginnt die Mission und Sam wird die Operation leiten", wies er die jungen Männer an, die daraufhin wortlos nickten und das Hauptzelt verließen, um in das zu gehen, dass ihnen als Quartier diente.

~*~

Dean rieb sich über die Augen. Eine halbe Stunde noch und sie würden landen. Mark hatte in weiser Voraussicht ein Flugzeug gechartert, das groß genug war, um ein paar Mann zusätzlich aufzunehmen. Zudem behauptete der Spezialagent, dieses Ding auf einer Briefmarke landen zu können.

Angeber, obwohl ich sicher bin, dass du das kannst‘, dachte Dean und warf Mark einen Blick zu, um festzustellen, dass der nach wie vor äußerst konzentriert das Gelände beobachtete. Sie flogen natürlich seit ihrer Ankunft auf dem fremden Kontinent unter jeglichem Radar und daher ziemlich tief. Dazu war es Nacht und die Sicht nicht die Beste. Dean bewunderte Enders insgeheim. Er war ohne Zweifel einer der besten Agenten, das sein Land vorweisen konnte, und ihn an seiner Seite zu haben, erhöhten Sams Überlebenschancen um ein vielfaches. Dasselbe galt für Bill. Dean war mehr als froh, diese beiden Männer an seiner Seite zu haben. Trotzdem wurde er mit jeder Minute nervöser. Wie würde er seinen Sammy vorfinden? ‚Wird er mich überhaupt erkennen? ‘, fragte sich Dean besorgt in Gedanken. Er wußte natürlich, er musste damit rechnen, dass das nicht der Fall war und bei diesem Gedanken zog es ihm sein Herz zusammen. ‚Aber das ist jetzt nicht wichtig. Hauptsache es geht ihm gut und er ist nicht verletzt, oder Schlimmeres‘, spann er seine Gedanken weiter.

„Hallo? Würdest du vielleicht die Güte haben und dich konzentrieren und mal was anderes denken, als an deinen Liebhaber? Landeklappen ausfahren habe ich gesagt", fuhr Mark ihn rüde an und Dean zuckte ertappt zusammen.

„Man wird sich wohl noch Sorgen machen dürfen", maulte Dean, bevor er rasch tat, was Enders von ihm verlangte. Das Flugzeug setzte bald darauf butterweich auf und nachdem sie das Gepäck an sich genommen hatten und ausgestiegen waren, tarnten sie das Flugzeug so gut es ging mit Zweigen. Dann nahm jeder von ihnen ein Maschinengewehr aus einer der Taschen. Erst dann machten sie sich auf den Weg und folgten dem Funksignal, das sie in das Lager führen sollte, wo sich hoffentlich Sam, Clemens und die anderen befinden würden. Oder zumindest zu dem Flugzeug. Damit hatten sie schon einen guten Anhaltspunkt.

Während sie durch das Gelände wanderten, behauptete Bill: „Ich bin ziemlich sicher, dass Clements das Flugzeug in der Nähe des Lagers stehen hat. Denn was immer er auch vorhat, er will bestimmt schnell wieder von hier weg, sobald er hat, was er will."

Die beiden andren Männer nickten nur dazu, da sie nicht nur auf den Weg achten mußten, sondern auch die Umgebung ständig im Auge behielten. Es dauerte auch keine 15 Minuten, und sie entdeckten das getarnte Fluggerät. Bill hatte also richtig vermutet. „Da vorne sind zwei Zelte", flüstere er und sie schlichen lautlos näher. Hinter einem Busch gingen sie in die Hocke und beobachteten erstmal das Lager. Gleich darauf bemerkten sie eine Wache, die vor einem der Zelte patrouillierte.

„Da drin wird wohl Clemens sein. Dean?", sagte Mark leise, woraufhin der verständig nickte und langsam aufstand. Noch bevor er losgehen konnte, hielt Bill ihn am Arm fest. „Nicht töten, nur ausschalten", verlangte er und Dean verdrehte die Augen. 

„Logisch", flüsterte er zurück und verschwand, ohne das geringste Geräusch zu machen. Keine fünf Minuten später sank die Wache lautlos zusammen und wurde von Dean weggeschleift. Mark konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Auch wenn ich es ihm sicher niemals sagen werde, der Kerl ist einfach nur gut", stellte er zu Bill gewandt fest. Der nickte seufzend. „Ich weiß, trotzdem hätte ich ihm gewünscht, dass er so etwas nie mehr hätte machen müssen."

„Das Schicksal will es wohl anders. Aber wie auch immer, er gibt das vereinbarte Zeichen. Also los. Du gehst mit ihm ins Zelt. Ich bleibe draußen und gebe euch Rückendeckung", erklärte Mark, der Dean nicht aus den Augen gelassen hatte. Sie entsicherten ihre Maschinengewehre und schlichen zu dem Zelt, vor dem Dean inzwischen Wache schob.

Als die Drei wieder vereint waren, schob Bill den Stoff am Eingang des Zeltes zu Seite von dem sie vermuteten, dass es jenes von Clemens war und er, sowie Dean schlichen sich hinein. Auf einem Feldbett am anderen Ende des Zeltes erkannten sie eine schlafende Gestalt. In einer Sekunde war Dean bei ihr, presste eine Hand auf dessen Mund und legte seine andere Hand wie einen Schraubstock um dessen Hals. Der dort liegende Mann riss erschrocken die Augen auf und starrte entsetzt in Deans Gesicht. „Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich, Dreckskerl", bemerkte Dean böse grinsend und drückte noch ein bißchen fester auf den Hals von Clemens.

„Lass ihn sofort los, Dean", hörte er Sam plötzlich mit harter Stimme hinter sich sagen. Gleichzeitig war das Entsichern mehrerer Waffen zu vernehmen.

Kapitel 10 von silverbird

„Genug gespielt, Kinder, und jetzt schön brav die Waffen auf den Boden legen. Langsam, wenn ich bitten darf", erklang plötzlich Enders Stimme, der mit zwei Pistolen auf die vier jungen Männer zielte, die Clements offenbar gegen Dean und Bill hatten schützen wollen. Als die Männer jedoch nicht reagierten, wandte sich Mark an Clemens und erklärte warnend: „Sag's ihnen besser, Silvester, sonst erlaube ich meinem persönlichen Höllenhund, dir die Kehle rauszureißen. Und du weißt, er kann das!"

Der Angesprochene röchelte etwas Unverständliches und ruderte verzweifelt mit den Armen. Bill verdrehte genervt die Augen. „Vielleicht solltest du ihm die Kehle erst zerquetschen, wenn er seine Jungs hier zurückgerufen hat, Dean, sonst erschießen uns diese manipulierten Idioten noch."

Das sah Dean ein, lockerte seinen Griff jedoch nur minimal, bevor er entgegnete: „Um eines klarzustellen, Sammy ist kein Idiot."

„Ach ja, Verliebte. Keinen klaren Blick für gar nichts", warf Mark spottend ein. „Wie blöd kann man sein?", brüllte er Dean plötzlich an. „Er ist jetzt nicht mehr dein süßes Schnuckiputzi, sondern ein programmierter Killer. Krieg das, verdammt noch mal, in deinen verliebten, hirnamputierten Schädel. Und jetzt lass Clemens endlich soviel Luft, dass er wenigstens reden kann! Und dir, Silvester, rate ich, ja nichts Falsches zu sagen", wies er den Agenten warnend an.

Der bekam endlich wieder Luft, nachdem Dean seine Finger vom Hals genommen hatte. Allerdings hatte er Clemens weiterhin gut im Griff. Der wußte, dass es in dem Augenblick besser war, zu tun was Enders verlangte. Aber erstmal musste er gequält husteten. Als er endlich antworten wollte, kam eine Frage von Sam.

„Wie lauten Ihre Befehle, Mr. Smith?", wollte er wissen. Er ignorierte alle anderen Leute im Zelt und war offenbar nur auf seinen Kommandanten fixiert.

Clemens schluckte zuerst, um seine Kehle wenigstens ein bisschen anzufeuchten, bevor er krächzend verlangte: „Legt sofort die Waffen nieder, Männer." Gleich darauf versagte ihm die Stimme erneut.

Die Männer gehorchten sofort, nur Sam zögerte und überlegte. Er war hier, um einen Auftrag auszuführen. Nur der war wichtig. Smith war zweitrangig. Andererseits war er sein Kommandant und zudem würden ihn diese Leute sicher erschießen, was zu Folge hatte, dass er den Auftrag logischer Weise nicht mehr würde ausführen können, wenn er tot war.

„SOFORT", kam der erneute Befehl von Clemens und Sam gehorchte nun doch, während Clemens erneut verkrampft hustete, nach Luft rang und Dean anklagend anschaute.

„Erwarte bloß kein Mitleid, du Mistkerl, und sei froh, dass Mark und Bill anwesend sind, sonst hätte ich dir schon längst den Kehlkopf zerquetscht, " erklärte Dean gefühllos und zerrte Clemens auf die Beine. Er packte ihn an den Schultern, drehte ihn um und ehe sich Clemens versah, waren seine Hände auch schon mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt. Kaum war das geschehen, legte Dean ihm seinen rechten Unterarm locker um den Hals und umfaßte mit der anderen Hand einen der gefesselten Arme. Dann drehte er Clemens so, dass er direkt zu Bill, Mark und den Schläfern schauen konnte. „So, jetzt sag das Codewort, damit dieser verdammte Spuk endlich vorbei und Sammy wieder frei ist", verlangte Dean und spannte ganz kurz seinen Unterarm an, um Clemens zu verdeutlichen, dass Dean jederzeit zudrücken würde, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden.

„Das kann ich nicht", würgte Clements hervor und Dean drückte erbarmungslos zu.

„Was hast du gesagt? Ich habe dich nicht richtig verstanden", behauptete Dean mit gefährlich sanfter Stimme und lockerte seinen Griff ein klein wenig.

„Ruf deinen verfluchten Höllenhund zurück, Enders", rief Clemens rasch, da er nicht wusste, wie lange Dean ihm Luft gewährte.

„Hey, ich bin nicht sein..."

„Halt die Klappe, Dean", wurde er von Enders scharf unterbrochen, dann wandte er sich Silvester Clemens zu und erwiderte grinsend: „Du bist neidisch auf meinen, das verstehe ich. Wenn ich nur solche Pinscher aufzubieten hätte, wäre ich das auch. Aber..."

„Wie kannst du es wagen, Sam einen Pinscher zu..."

„Halt die Klappe, Dean", kam es jetzt unisono von Mark und Bill, woraufhin der schmollend seinen Unterarm fester gegen Clemens Hals drückte und der röchelnd in die Knie ging.

„DEAN!", mahnte Bill nun sichtlich genervt über dessen Verhalten.

„WAS?", gab dieser zurück und schaute seinen Mentor unschuldig an. Der atmete erstmal tief durch, bevor er ruhig anmerkte: „Idiot! Wie willst du an das Codewort kommen, wenn du ihn vorher erwürgst?"

„Okay, dann erwürge ich ihn halt nicht, sondern schneide es aus ihm raus. Und wenn ich damit fertig bin, binde ich ihn an einen Baum und teste den Granatwerfer. Ich wollte immer schon mal wissen, wie weit sich ein zerfetzter Körper in der Landschaft verteilt", entgegnete Dean ungerührt, lockerte aber erneut seinen Griff und zog mit der anderen Hand ein langes Messer aus der Scheide, die an seinem Gürtel hing.

Mark seufzte tief auf und schüttelte missbilligend den Kopf. „Diese Kinder, immer wollen sie spielen. Vielleicht sollte ich ihn lassen? Was meinst du, Silvester?", fragte er überaus freundlich.

Clemens hatte inzwischen stark zu schwitzen begonnen. Er war nie ein Feigling gewesen, aber langsam bekam er es mit der Angst und er wagte nicht, sich zu bewegen. Jeder im Verein wusste, wie gefährlich Dean Wilson war und wenn nur die Hälfte der Gerüchte stimmten, die ihm nachgesagt wurden, dann hatte man ihn besser nicht zum Feind. Und Silvester hat niemals damit gerechnet, je mit ihm konfrontiert zu werden. Enders und Bill Sutton waren Legenden im Verein und standen Dean in Nichts nach. Das wusste Clemens nur zu gut, schließlich hatte er mit beiden schon zusammen gearbeitet. Dennoch fragte er sich, wie es ihnen gelungen war, ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen. So wie er diese überaus geheime Operation geplant hatte, hätte das unmöglich sein müssen.

„Was... was wollt ihr überhaupt von mir?", keuchte er nach Luft ringend.

Bill trat vor ihm hin und entgegnete trocken: „Tja, weißt du, uns war langweilig und da dachten wir, fliegen wir einfach mal rund um den Globus und schauen was Silvester so macht. So ohne Auftrag. Ohne Genehmigung und ohne das irgendjemand im Verein weiß, wo du abgeblieben bist. Abgesehen davon, hast du auch noch vier Jungs entführt und zu deinen Marionetten gemacht. Was denkst du daher, was wir von dir wollen?"

„Was auch immer ihr denkt, es ist falsch. Ich bin im allerhöchsten Auftrag hier."

„Ja klar. Jetzt behauptest du sicher noch, der Präsident hat dich persönlich angerufen", sagte Dean ätzend.

„Nein. Aber der Auftrag kam von der sehr hohen Stelle aus dem Pentagon."

Mark lächelte süffisant. „Aber sicher! Und ich bin der König der Hölle. Für wie blöd hältst du uns eigentlich? Zumindest Cal müsste Bescheid wissen und das tut er nicht."

„Was ist bloß los mit euch beiden", fragte Sylvester offensichtlich derart genervt, dass er kurz vergaß, in welcher Situation er sich befand. „Seid ihr schon so Alzheimer geschädigt, dass ihr völlig vergessen habt, wie das manchmal läuft? Oder hat Wilson euch mit irgendwas in der Hand, so daß ihr nach seiner Pfeife tanzt?"

„Pha. Du müßtest mich besser kennen", knurrte Mark ihn daraufhin an. „Denn niemandem, ich betone NIEMANDEM wird es je gelingen, mich zu erpressen und... „

„Schluss mit dieser ganzen blödsinnigen Diskussion. Ich habe einen brisanten und überaus gefährlichen Auftrag auszuführen, der, wenn er nicht gelingt, verheerende Folgen für unser Land nach sich ziehen wird. Woran auch ihr Schuld tragen werdet, wenn ihr mich nicht tun lasst, was ich tun muss. Daher, entweder ihr unterstützt mich, weil ihr ohnehin schon da seid, oder ihr verschwindet umgehend. Ich hoffe, ich habe mich deutlich genug ausgedrückt. Und jetzt laß mich endlich los, Wilson", forderte er Dean wütend auf.

Der Agent schaute zu Bill und als dieser nickte, nahm Dean seinen Arm weg, dann trat er einen Schritt zurück und drehte sich zu Sam um. Dean brauchte eine Weile, um Sam ins Gesicht zu schauen, denn er fürchtete sich davor, was er sehen würde. Er hatte schon hin und wieder mit Schläfern zu tun gehabt und wusste daher, was ihn erwartete. Diese Leute kannten zwar ihre Umgebung und die Menschen, mit denen sie bis zu ihrer „Erweckung" zu tun gehabt hatten, dennoch waren sie zu jemand anderen geworden. Sie handelten völlig zielorientiert. Besessen davon, das zu tun, wozu sie ausgebildet worden waren, konnte sie nichts davon abhalten ihr Ziel zu erreichen, außer sie wurden getötet. Und selbst das nahmen sie bedingungslos in Kauf.

Doch Dean schwor sich, alles zu tun, was in seiner Macht stand, um das zu verhindern. Auch wenn er selbst dabei draufgehen würde. Sam war es wert. Entschlossen hob der Agent den Kopf und schaute zu Sam. Der spürte seinen Blick und sah Dean direkt an. Dem zog sich das Herz zusammen, denn in Sams sonst so sanften braunen Augen lag nur gleichgültige Kälte, als er Dean musterte.

Kapitel 11 von silverbird

„Dean. DEAN! Verdammt, Junge, ich rede mit dir!"

„Was?" Deans Kopf schnellte zu Bill, der ihn offenbar schon ein paar Mal angesprochen hatte. Doch durch Sam abgelenkt, hatte er ihn nicht gehört. Ein Fehler, der ihm früher nie passiert wäre. ‚Enders hat Recht. Ich bin wirklich zu einem verliebten Idioten mutiert und das kann ich jetzt einfach nicht gebrauchen. Denn es geht um Sammy. Ich muss für ihn da sein. Ihn beschützen. Mit all meinem Wissen und Können, damit wir beide aus diesem Albtraum lebend rauskommen', dachte Dean und beschloss, von nun an so professionell zu arbeiten, wie er es vor seiner Begegnung mit Sam getan hatte.

Er durfte sich nicht von seinen Gefühlen leiten lassen. Nicht jetzt, denn wenn er Sam verlor, war auch sein Leben zu Ende. Diesen Verlust würde er nicht ertragen, das stand für ihn außer Frage. Daher schenkte er von nun an seine ganze Aufmerksamkeit Bill, der auch schon erklärte: „Noch einmal für den Idioten, der nicht zugehört hat. Der Plan: Wir werden Silvester unterstürzen. Sam hat die Leitung und ich will keine Widerworte darüber hören."

„Schon gut, schon gut", brummte Dean gefrustet, obwohl ihm das gar nicht passte. Seiner Meinung nach war es völliger Schwachsinn, einem jungen, unerfahrenen Agenten die Führung zu überlassen. Vor allem, wenn man hier Leute, wie zum Beispiel ihn selbst, Bill oder Enders hatte, die wesentlich mehr Erfahrungen bei solchen Operationen hatten. Aber wahrscheinlich war Sam auch dafür programmiert worden, der Anführer zu sein. Also war es ohnehin zwecklos, da etwas ändern zu wollen und auch wenn Dean es nicht zugeben wollte, insgeheim machte ihn das stolz. Dennoch, alles was er in dieser Situation tun konnte, war, auf Sam gut aufzupassen. Und das würde er auch verdeutlichen, daher sagte er noch: „Aber ich bin sein rechter Flügelmann. Damit das klar ist. Worum geht es eigentlich genau und wie soll das Ganze ablaufen?", fragte er noch, da er wirklich absolut gar nichts mitbekommen hatte.

Mark verdrehte die Augen, seufzte und begann dann zu erklären: „Also noch einmal und spitz diesmal deine Löffel, verstanden?" Er wartete keine Erwiderung Deans ab, sondern sprach weiter: „Wenn man Clemens glauben darf, und das tun Bill und ich inzwischen, dann gibt es ungefähr dreißig Kilometer von hier einen Waffenhändler Namens Skynard, der unsere Feinde nicht nur mit Waffen beliefert, sondern auch alle Pläne unserer Stürzpunkte hat, die sich überall auf diesem Planeten befinden. Wenn das stimmen sollte, dann sind wir jederzeit punktgenau angreifbar.

Was das bedeutet, kannst du dir vorstellen. Jedenfalls soll in sieben Tagen eine Auktion über die Bühne gehen, bei der der Datenstick, auf dem sich alle diese Informationen befinden, an den Meistbietenden versteigert wird. Der Plan ist, diesen Stick vorab in unsere Hände zu bekommen. Deswegen soll das auch nächste Nacht über die Bühne gehen. Clemens und der Mann aus dem Pentagon denken, dass Skynard eine Woche vor der Auktion nicht mit einem Überfall in sein Haus rechnet. Vor allem auch, weil sein Haus technisch auf höchstem Niveau abgesichert ist und er zudem eine Menge Wachen postiert hat.

Aber einer unserer Jungs hier ist ein Elektronik und Computergenie. Zumindest behauptet Silvester das. Er wird also diesen technischen Kram austricksen können und den Rest machen wir. Daher stehen die Chancen generell gut, dass er Coup gelingt. Im Detail bedeutet das Folgendes: Der Techniker macht alles klar. Ich, du, Sam und die zwei anderen holen dann den Sicherheitskoffer, in dem sich der Datenstick befindet. Skynard zu eliminieren, wäre eine gefragte Zusatzoption. Morgen um 0200 geht's los. Denn wie wir alle wissen, ist die Zeit zwischen 0300 und 0500 die tiefste Schlafphase. Wenn wir also auch noch Glück haben, sind wir schneller wieder draußen als drinnen. Alles verstanden? Trotz Herzchen in den Augen?", spottete Mark und griff nach dem Whiskeyglas, das auf dem Campingtisch stand.

„Ja, und du kannst mich mal", brummte Dean verärgert und fragte sich gleichzeitig, wie es Mark gelang, in jeder Situation Whiskey zu haben.

„Nein danke, das überlasse ich lieber deinem Herzbuben", kontere Mark grinsend und nahm einen größeren Schluck.

Bill brummte genervt. „Seid ihr fertig mit flirten? Dann teil ich mal die Wachen ein."

„Ich übernehme die Erste", meldete sich Dean schnell zu Wort. Nachdem er einen Blick auf Sam geworfen hatte, der immer noch völlig emotionslos am selben Platz stand. Und Dean war froh, dass Bill sofort zustimmte. Er hielt es einfach nicht mehr in Sams Nähe aus und verließ fluchtartig das Zelt. Er wusste, Mark und Bill würden alles andere schon regeln und ihn wissen lassen, was er wissen musste. Erstmal war er einfach nur froh im Freien sein zu können, um richtig durchzuatmen und auch in Ruhe nachzudenken.

 Natürlich musste er wachsam sein, aber es war nicht zu erwarten, dass sie hier überfallen werden würden. Dennoch schweifte sein Blick über das Gelände und er umrundete das Lager immer wieder, während er über ihre derzeitige Situation und vor allem über Sam nachdachte.

~*~

Eine gute Stunde später tauchte Bill 40 Schritte vor Dean auf, der es sich nicht verkneifen konnte, ganz nach Vorschrift zu rufen: „Halt, wer da?"

„Brüll nicht herum, du Idiot. Wir müssen reden und zwar so, dass uns keiner hört", verlangte Bill brummig und steuerte einen knorrigen alten Baum an, sicher, dass Dean ihm folgen würde.

„Du glaubst also die Geschichte von Clemens nicht", wusste Dean, gleich nachdem er sich neben Bill nieder gelassen hatte.

Der alte Agent schüttelte den Kopf. „Nicht ein Wort. Oder zumindest sehr wenige davon. Obwohl er alles getan hat, um mich und Mark zu überzeugen. Er hat sogar über eine verschlüsselte Leitung seinen Verbindungsmann im Pentagon angerufen, der dann mit Mark und auch mir gesprochen hat, um Clemens Geschichte zu bestätigen. Ich kenne den Kerl sogar. Ein Vollidiot, dem man alles einreden kann, vor allem dann, wenn man wie Clemens dafür ausgebildet ist. Daher bin ich davon überzeugt, er hat auch diesen Mann manipuliert."

„Kann gut sein. Und zu dem anderen was du gesagt hast: Ganz deiner Meinung", stimmte Dean zu. „Denn wenn es so ein wichtiger Auftrag wäre, hätten sie andere Leute geschickt, um ihn zu erledigen, und nicht vier junge Burschen, die kaum ausgebildet sind. Das ist ein Todeskommando, wenn du mich fragst, und ich würde Clemens am Liebsten auf der Stelle um die Ecke bringen, wenn nicht Sam dadurch für immer in sich gefangen wäre. Also ziehen wir es durch und versuchen, nicht dabei drauf zu gehen."

„Guter Plan. An den halten wir uns. Wobei alles nicht so einfach werden wird, wie Mark es geschildert hat", gab Bill zu bedenken, dann holte er einen Flachmann aus der Tasche, nahm einen kräftigen Schluck und reichte die Flasche anschließend an Dean weiter.

„Ja, da hast du recht, so einfach wird es nicht werden. Aber wir kriegen das schon irgendwie hin. Wir müssen einfach. Aber, Bill, Saufen im Dienst? Noch ein Regelverstoß von dir, der mir sehr sympathisch ist", grinste Dean, bevor er ebenfalls trank.

„Okay, genug Spaß gehabt", fand Bill und nahm Dean den Flachmann weg. „Sam hat die nächste Wache und nein, du wirst nicht auf ihn aufpassen, das mache ich. Also macht dir keine Sorgen und hau dich ein paar Stunden aus Ohr."

„Ja, ja", brummte Dean missmutig, doch Bill packte ihn an der Schulter und schaute ihm eindringlich in die Augen. „Du musst fit sein, Junge, also hör auf mich. Sam zu Liebe. Klar?"

Dean musste Bill da wirklich zustimmen und das sagte er ihm auch. „Okay, du hast Recht. Sobald Sammy mich ablöst, lege ich mich hin."

„Nein, du gehst genau in der Minute, wo er auftaucht. Keine Begegnung zwischen euch beiden. Das wäre derzeit einfach ungünstig. Das weißt du", befahlt Bill streng und Dean nickte ergeben, wohl wissend, wie recht der Freund hatte.

~*~

Wie Smith/Clemens es befohlen hatte, waren Sam und seine drei Kameraden in ihr Zelt gegangen, um sich schlafen zu legen. Durch das harte Training, das sie den ganzen Tag hatten machen müssen, schlief Sam, ebenso wie die anderen, schnell ein. Doch es dauerte nicht lange, bis er spürte, wie sich jemand neben ihm auf das schmale Feldbett drängte, ihn in die Arme nahm und zärtlich küsste.

„Mhh... Dean", summte er und begann den Kuss zu erwidern. Sam schlang die Arme um seinen Geliebten, drückte ihn fester an sich und als der sich nach einer Weile auf ihn legte, konnten sie die Erregung des anderen deutlich spüren. Sie rieben sich begierig aneinander, ihre Küsse wurden immer stürmischer und ihre Hände begaben sich auf Wanderschaft. Sams leises Stöhnen ging bald in ein Keuchen über und auch Dean war völlig aufgewühlt von den Gefühlen, die ihn überrollten.

Kurz darauf zerrte Sam an Deans Kleidung. Der Drang, mehr von dessen Haut zu spüren, stieg mit jeder Sekunde, doch sein Partner schien andere Pläne zu haben, denn er ließ plötzlich von Sams Lippen ab, um mit seinem Mund Sams Hals hinab zu wandern. Mit seiner Zunge hinterließ er eine feuchte Spur, während er sich immer tiefer an Sams Körper hinunter bewegte. Dessen Bauchdecke flatterte, als Dean dem Bauchnabel besondere Aufmerksamkeit zukommen ließ. Und Sam biss sich auf die Unterlippe, um ein lautes Stöhnen zu unterdrücken.

 

 

 

Kapitel 12 von silverbird

„Sam! Aufstehen!"

„Wa... was? Ich... nein... Bill?"

„Wen hast du erwartet? Adam Lambert?", wollte Bill sarkastisch wissen und Sam verdrehte die Augen, um gleich darauf verwundert zu fragen: „Du kennst Adam Lambert?"

„Nur weil ich alt bin, heißt das nicht, dass ich gute Musik nicht zu schätzen weiß. Aber darüber können wir auch ein anderes Mal NICHT diskutieren. Eine andere Frage: Wie geht's dir, Junge?", wollte Bill besorgt wissen, während er Sam durchdringend und besorgt anschaute.

Sam fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und stand auf, bevor er antwortete: „Gut, mir geht's gut."

„Ja, so lügt Dean mich auch dauernd an. Selbst wenn ihm die Haut in Fetzen runter hängt." Bill seufzte Gott ergeben und beschloss, das Thema zurzeit nicht weiter zu vertiefen. Es hatte jetzt ohnehin keinen Sinn. Sams Hirn tickte im Moment auf einem Level, den Bill nicht nachvollziehen konnte, also war es das Beste, erstmal einfach diese ganze verfluchte Sache hinter sich zu bringen und zu hoffen, dass sie es alle überlebten. Daher sagte er das, was am naheliegendsten war: „Na gut, wie auch immer. Du hast Wache. Also schwing die Hufe." Als er sah, dass Sam sich sofort fertig machte, drehte sich der ältere Agent um und verließ das Zelt, um Dean seinerseits ins Bett zu schicken.

Sam schlüpfte in seine Schuhe und zog seine Jacke an, bevor er nach dem Gewehr griff, das neben seinem Bett abgestellt war. Den Traum, den er gehabt hatte, befand sich nur noch schemenhaft in seinem Gehirn, denn er wurde überlagert von der Aufgabe, die er zu erfüllen hatte. Daher schulterte er das Gewehr und ging aus dem Zelt, um aufmerksam seine Runden zu drehen.

~*~

Der nächste Tag verging mit Besprechungen und Vorbereitungen für die kommende Nacht. Clemens verlangte immer wieder, dass sie den Plan bis ins kleinste Detail durchgingen. Die Waffen wurden nochmals überprüft und auch alle anderen Hilfsmittel, die jeder für den Notfall bei sich trug, wurden inspiziert, bis Enders sich einmischte. „Hör auf, die Jungs zu traktieren. Es ist doch offensichtlich, dass sie alles im Schlaf können und selbst du müsstest wissen, dass es sich ins Gegenteil umkehrt, wenn nicht mal Schluss ist. Sie sollen essen und sich dann ausruhen. Wir übrigens auch. Und wo hast du den Whisky versteckt? Er ist nicht mehr auf demselben Platz wie gestern", stellte er übergangslos fest und stapfte voraus in Clemens Zelt.

Der folgte ihm mit raschen Schritten. „Kein Alkohol vor der Mission", bestimmte er streng und eilte zu der Feldkiste neben seinem Bett.

„Mach dich nicht wichtig und rück die Flasche raus. Oder soll ich meinen Höllenhund rufen? Wobei, mit dir werde ich auch locker alleine fertig, das weißt du. Also her mit damit."

„Und zwei Gläser", war von Bill zu hören, der den Beiden gefolgt war.

„Mach drei daraus. Ich brauche dringend einen ordentlichen Schluck", ertönte nun plötzlich auch Deans Stimme, der gleich hinter Bill das Zelt betreten hatte.

Clemens schaute die drei Männer geschockt an. „Seid ihr völlig durchgeknallt? Ihr könnt euch doch jetzt nicht betrinken!"

„Kommt darauf an, wie viele Flaschen du mit hast. Aber du warst immer schon geizig, selbst zu dir. Also wird es für einen Rausch für uns alle nie und nimmer reichen", stellte Mark trocken fest.

„Genau, also her mit dem Stoff, bevor ich noch endgültig durchdrehe", stimmte Dean zu und schaute Clemens böse an.

Der seufzte ergeben und holte eine neue Flasche, die er an Bill weiter reichte. Es war Silvester anzusehen, dass ihm das überhaupt nicht passte. Weder die Anwesenheit der drei Agenten, noch, dass sie seinen guten Whisky tranken. Aber im Moment blieb ihm nichts anderes übrig, als gute Miene zu diesem Spiel zu machen. Natürlich hatte er über diese ganze Situation nachgedacht und einen neuen Plan entworfen, bei dem er sicher war, sein Ziel letztendlich doch noch zu erreichen. Daher würde er sie vorerst agieren lassen, wie sie wollten. Hauptsache sie holten den Koffer aus diesem Haus. Es war ohnehin nicht damit zu rechnen, dass alle lebend von dieser Mission zurückkehrten. Dafür war sie einfach zu gefährlich. Aber dieses Risiko ging man ein, wenn man dem Verein beitrat. Wobei, seine vier Rekruten hatten das nicht freiwillig getan, aber das kümmerte Clemens nicht. Es war einfach zu wichtig für ihn, diesen Koffer zu erhalten.

~*~

Die Nacht war angebrochen und ganz nach Plan machten sich die Männer auf, um ihre Mission zu erfüllen. Wie abgemacht, war Mark bei Clemens geblieben und Sam führte nun die Truppe an. An der elektrischen Umzäunung angekommen, kam der Techniker ins Spiel, der sofort seinen Laptop aufklappte und wie wild auf den Tasten herumtrommelte. Keine 15 Minuten später war alles aktiviert und deaktiviert, was nötig war, um auf das Gelände zu kommen.

Dean indessen hatte nur Augen für Sam. Beobachtete jede kleinste Bewegung und versuchte, in dessen Gesicht abzulesen, was er dachte oder fühlte. Doch in Sams Gesicht bewegte sich kein Muskel und er schaute Dean auch kein einziges Mal an. Es war offensichtlich, dass er sich nur für eines interessierte, und das war sein Auftrag. Obwohl Dean wusste, dass Sam nichts dafür konnte, tat ihm das Herz weh, bei dieser Gleichgültigkeit, die Sam ihm gegenüber walten ließ, und er musste sehr an sich halten, um nicht ins Lager zurück zu laufen, damit er Clemens den Hals umdrehen konnte. Aber das musste er sich leider für später aufheben. Wenn Sam jedoch wieder „normal" war, würde er sich nicht mehr zurückhalten können und diesem Mistkerl zeigen, wo der Hammer hing.

Sam versuchte sich indessen auf die Umgebung zu konzentrieren und die Bilder, die immer wieder ganz kurz durch seinen Kopf blitzten, zu ignorieren. Anscheinend hatte der Traum der letzten Nacht irgendetwas in seinem Gehirn ausgelöst, dass ihm diese Bilder nun vorgaukelte, die nur von Dean handelten. Er war verletzt und Sam behandelte ihn, Dean mit einer Axt in einem schneebedeckten Wald, Öl verschmiert an einem alten Auto arbeitend. Ein Bild, das Sam sehr erotisch fand und damit sofort andere Bilder in seinem Kopf assoziierte, worauf eine Bilderserie folgte, die ihm vor Erregung die Luft nahm.

„Wir können, Sam. Wie lauten deine weiteren Befehle?", hörte er Bill plötzlich sagen und das Wort „Befehle" legte sofort wieder den Schalter in ihm um. Er atmete tief durch und verlangte leise, doch mit bestimmendem Ton: „Waffen bereit machen. Sturmhauben übers Gesicht. Haben alle ihre Ohrstöpsel drin und sind sie eingeschaltet?", wollte er in die Runde blickend wissen. Nachdem alle zustimmend nickten, sagte Sam an den Techniker gewandt: „Du bleibst wie besprochen hier und zündest den Sprengstoff, den wir anbringen werden."

„Vorzugsweise wenn wir draußen sind", erwähnte Dean noch sarkastisch.

Doch außer einem zustimmenden Nicken kam keine Reaktion von dem Techniker. Dean seufzte ergeben und zog sich die Haube übers Gesicht. Wieder einer der keinen Humor hatte, oder ihn durch Clemens Manipulation nicht verstand. Aber wie auch immer, sie mussten loslegen und nachdem Sam die Männer in zwei Gruppen aufgeteilt hatte, schlichen sie mit entsicherten Waffen und einem Messer in der Hand auf das Gebäude zu. Der Plan war, alles so lautlos wie nur möglich über die Bühne zu bringen, wobei sich ein Messer oder ein gut gezielter Faustschlag da am Besten eignete. Vorausgesetzt, man kam nahe genug an den Gegner heran. Dean war es egal welche Waffe er benutzen würde. Seine erste und einzige Priorität war Sam zu beschützen. Daher war auch er es, der mit Sam ging. Jede Deckung nutzend schlichen sie immer näher an das Gebäude heran und als sie die erste Wache erreichten, die vor dem Haupteingang patrouillierte, war es wiederum Dean, der sie mit einem gezielten Schlag mit seinem Gewehrkolben niederschlug. Sie zerrten den Mann in ein naheliegendes Gebüsch, fesselten ihn und verklebten seinen Mund mit Klebeband, bevor sie sich wieder dem Eingang zuwandten. Zwei weitere Wachen wurden ebenso leise ausgeschaltet, als sie im ersten Stock auf Bill und seine Männer trafen.

„Bisher ist alles gut gegangen, besser als erwartet. Zwei Wachen draußen und eine im Haus ausgeschaltet. Mark hat sie gut vorbereitet", flüsterte Bill Dean zu.

„War auch nicht anders zu erwarten. Mark ist ein Ass in seinem Job. Also steht es vier zu drei. Das bedeutet, wir sind eine Wache voraus und das, obwohl wir nur zu zweit sind. Also strengt euch an, wenn ihr gegen Sam und mich bestehen wollt. Wobei, vergiss es, wir sind einfach zu gut", behauptete Dean mit einem breiten Grinsen.

„Was soll das heißen, du kannst sie die zweite Sicherung nicht öffnen?" Sam sprach offensichtlich mit dem Technik-Genie, der anscheinend doch nicht so genial war, wie erhofft. „Okay, dann lassen wir uns was anderes einfallen. Sieh zu, dass du wenigstens alles andere auf die Reihe kriegst", verlangte Sam und wandte sich dann an seine Truppe.

„Diese Tür ist nicht nur elektronisch gesichert, sie verlangt auch einen Daumenabdruck und die Sicherung scheint extern Strom zu beziehen. Daher konnte unser Mann draußen nur die erste Sperre für uns aufmachen. Für den Fingerabdruckscan brauchen wir Skynard persönlich.

„Oder seinen Daumen", korrigierte Dean grinsend, worauf Sam nur zustimmend nickte. „Jepp, der genügt auch", erwiderte er derart gleichgültig, sodass Bill seine beiden Freunde nur entsetzt anschaute. Er wusste, sollten sie Sam nicht von ihrem Trigger befreien können, würde auch Dean wieder in einen Modus zurückfallen, der für beide Jungs kein gutes Ende nehmen würde.

 

Kapitel 13 von silverbird

Weil Sam von Clemens manipuliert worden war, gab es für ihn nur ein Ziel das er verfolgen musste. Selbst wenn Skynard dadurch seinen Daumen verlor. Natürlich wusste Bill, dass Dean schon wesentlich schlimmeres für sein Vaterland getan hatte. Aber der ältere Agent hatte gehofft, dass das inzwischen der Vergangenheit angehören würde. Doch so wie es aussah, war  Dean schnell in seinen alten Modus zurück gefallen, worüber sich Bill große sorgen machte. Aber wie sich herausstellte, war das gar nicht nötig, denn Dean war nicht minder entsetzt über Sam wie der ältere Agent. Dean hatte das eher zum Spaß gesagt und es niemals ernsthaft in Erwägung gezogen, dem Mann ein Fingerglied abzuschneiden. Natürlich würde er Sam daran hindern, sollte der einfach Skynards Daumen abtrennen wollen. Nicht aus Rücksicht auf diesen Verbrecher. Ob dem irgendein Körperglied fehlte, war Dean ziemlich egal. Ihm ging es nur um Sam und dem Trauma, das er haben würde, sobald er wieder ganz er selbst war. Daher wurde nichts abgeschnitten. Ende und Aus.

 ‚Dabei können wir noch froh sein, dass kein Netzhautscan verlangt wird und Sam sich ein Auge holen will. Nein, das stelle ich mir besser nicht vor‘, dachte Dean, schüttelte den Gedanken ab, wandte sich wieder Sam zu und schaute ihn ernst an. „Wir schneiden niemanden irgendwas ab. Es gibt andere Möglichkeiten. Ich zeig sie dir, okay?"

Sam runzelte die Stirn und nickte dann. „Wenn du meinst, dann los", befahl er sogleich und rief sich rasch den Grundriss des Hauses ins Gedächtnis, um das Schlafzimmer Skynards zu orten. „Hier lang", war sein nächster Befehl, bevor er los marschierte und Dean ihm wortlos folgte. 

Bill indessen atmete tief durch, froh darüber, dass Dean sich anders verhalten hatte, als befürchtet. Natürlich war dem älteren Agenten aufgefallen, dass Dean sich verändert hatte, doch wie umfassend das geschehen war, war ihm nicht bewusst gewesen. „Gut, das ist sehr gut", murmelte er und machte sich aber auch gleich wieder Sorgen, ob Dean nun im Notfall noch dazu bereit war, ein gewisses Maß an Brutalität walten zu lassen, wenn es notwendig sein würde. Da hörte er auch schon zwei aufeinander folgende Schüsse. Nach dem Klang zu urteilen, kamen sie aus nur einer Waffe. Doch noch bevor Bill losrennen konnte, um nachzusehen, kamen zwei Männer um die Ecke gerannt, die Bills ganze Aufmerksamkeit erforderten. Mit einer Geschwindigkeit, die man dem älteren Agenten nicht zugetraut hätte, zog der seinen Revolver und schoss, während ihm und seinen Begleitern ebenfalls ein paar Kugeln um die Ohren flogen.

~*~

Inzwischen hatte sich Sam zu dem Mann am Boden hinab gebeugt und fühlte seinen Puls. „Tot. Der Andere?", wollte er von Dean wissen, der sich gerade um den zweiten Mann kümmerte, der ebenfalls am Boden hockte und sich jammernd das Bein hielt.

„Der wird's überleben", gab er lakonisch zur Antwort und sammelte die Waffen der beiden ein.

„Los, weiter, wir haben keine Zeit", verlangte Sam und rüttelte an der Tür, vor der die beiden Wachen gestanden hatten, bevor Dean auf sie geschossen hatte. Wie erwartet, war sie versperrt, und Sam holte Schwung, dann trat er dagegen und die Tür flog mit einem lauten Krachen auf.

In Sekundenbruchteilen erkannte Dean durch seine Kampferfahrung die Situation und stieß Sam zu Boden, als auch schon eine Kugel über sie hinweg flog.

Sam, genauso wie Dean, robbte hinter ein Sofa. Beide hatten ihre Revolver nach wie vor in der Hand. „Für den Fingerabdruck brauchen wir ihn nicht lebend. Richtig?", wollte Sam emotionslos wissen.

Dean schüttelte den Kopf. „Nein, das nicht, aber Smith, Enders und Bill wollen ihn befragen, und das geht schwer, wenn er tot ist."

„Okay, dann...."

„Vorschlag", wurde Sam von Dean unterbrochen. „Er hat einen Colt wie ich gesehen habe. Das bedeutet, er hat nur sechs Schuss. Zwei hat er schon abgefeuert. Bringen wir ihn dazu auch noch die restlichen Kugeln zu verschießen, dann holen wir ihn uns. Was denkst du?", fragte Dean. Sam hatte schließlich das Kommando und er wusste nicht, wie er durch seine Manipulation reagieren würde. Wichtig war es für Dean vor allem, dass sich Sam nicht selbst in Gefahr brachte. Schließlich ging es Smith um den Auftrag und nur darum. Da zählte es nicht, ob und wer dabei drauf ging.

„Wir brauchen den Koffer. Skynard ist unwichtig", hielt Sam auch schon dagegen.

Dean nickte sofort zustimmend, da er daran dachte, wie Sam derzeit tickte. „Das ist richtig. Nur, was wenn der Koffer nicht dort ist wo wir es vermuten?"

„Das ist ein Argument. Dann sollten wir ihn lebend fassen. Gib mir Feuerschutz. Ich schnappe ihn mir", erwiderte Sam zielstrebig und machte sich auch gleich sprungbereit.

Dean war von diesem Vorschlag nicht gerade begeistert, denn das konnte für seinen Sammy nicht nur sehr gefährlich werden, sondern auch tödlich enden. Daher überlegte er kurz, was er dagegen sagen konnte und es fiel ihm auch gleich etwas ein. Deshalb entgegnete er flüsternd: „Umgekehrt ist es besser. Du bist ziemlich groß und kannst daher die diverse Deckung in dem Raum nicht so gut nutzen wie ich."

Sam runzelte nachdenklich die Stirn, doch der Vorschlag schien ihm einzuleuchten, denn er nickte zustimmend, bevor er auch schon zu schießen begann.

Skynard feuerte sogleich zurück und Dean zählte die Kugeln mit, während er über den Boden robbte. Als er sicher war, dass Skynard keinen Schuss mehr abgeben konnte, sprang er auf und sprintete die paar Meter zu dem Mann, der hinter dem Bett kauerte. Noch ehe der reagieren konnte, hatte Dean ihn auch schon gepackt und verpasste ihm einen Kinnhacken, der den Verbrecher ins Land der Träume schickte.

„Knock out in der ersten Runde", brummte Dran zufrieden, fasste Skynard am Kragen seines Pyjamas und schleifte ihn hinter sich her zur Mitte des Raumes. Dann holte er die Klebebandrolle aus seiner Tasche und fesselte Skynard mit Sams Hilfe die Hände und Beine, bevor er noch einen Klebestreifen über den Mund drapierte. Als das erledigt war, warf sich Sam den Mann einfach über die Schulter und steuerte auf den Flur zu.

Etwas perplex schaute Dean hinterher, bevor er ihnen grinsend folgte und dachte. ‚Kein Wunder, dass ich so verschossen in ihn bin. Es macht mich tierisch an, wenn er seine Muskeln so spielen läßt und wenn das hier vorbei ist, dann darf er das mit mir auch machen. Aber nur, wenn er mich dann auf das nächste Bett wirft.‘

Dean grinste immer noch als sie Bill und die anderen erreichten. Doch er wurde rasch ernst, nachdem er die zwei toten Männer bemerkte, die dort lagen und offenbar von Bill, oder den jungen Agenten erschossen worden waren. „Alles okay bei euch?", wollte er sogleich wissen und Bill nickte. „Jepp. Einer unserer Jungs hat einen Streifschuss am Oberarm abgekriegt, das ist alles. Hab ihn schon verarztet. Wie ich sehe, ist es bei euch auch soweit gut gelaufen und er hat alle Finger noch dran?"

„Klar. Du weißt doch, ich kann doch kein Blut sehen", feixte Dean Augen zwinkernd und Bill murmelte nur ein „Idiot", während er die Augen verdrehte.

„Können wir dann? Der Kerl ist nicht gerade leicht", fragte Sam plötzlich und seine Stimme klang sichtlich genervt, woraufhin Dean schnaubte. Er erwiderte aber nichts darauf, sondern fasste Skynards Hand und drückte dessen Daumen auf den Scanner. Sogleich waren erst ein piepsender Ton und dann ein Klicken zu hören.

„Gut", kommentierte Sam dieses Ereignis und ließ Skynard von seiner Schulter gleiten. Dann wandte er sich an seine Kameraden und befahl: „Ihr Zwei bewacht Skynard und den Flur. Bill, Dean, ihr kommt mit." Ohne eine Antwort abzuwarten schob Sam die Tür ganz auf und warf einen prüfenden Blick hinein. Nachdem er befand, dass alles in Ordnung war, begab er sich in den Raum, der ganz offensichtlich als Büro diente.

„Kein Koffer", stellte Dean lakonisch fest, nachdem er sich umgesehen hatte.

„Hast du wirklich erwartet, dass es so einfach ist?", fragte Bill, während er die Wände nach einem Safe absuchte.

„Es war gut Skynard am Leben zu lassen. Fragen wir ihn." Sam erwartete offenbar keine Antwort, denn er ging zurück auf den Flur und baute sich vor Skynard auf. „Der Koffer. Wo ist er?"

Der Verbrecher schüttelte den Kopf und brabbelte irgendetwas, das keiner verstehen konnte, weil ja sein Mund mit dem Klebestreifen verschlossen war. Sam lächelte nur böse, setzte seinen Fuß auf Skynards Hand und verlagerte den Druck so lange, bis Skynard Schmerzlaute von sich gab.

Dean, der Sam gefolgt war und sich an die Wand gelehnt hatte, bemerkte ruhig: „Wäre vielleicht günstig, wenn du ihm den Klebestreifen entfernen würdest."

Das leuchtete Sam offenbar ein und er riss den Streifen mit einem Ruck ab, woraufhin Skynard aufschrie. Sam war es augenscheinlich völlig egal, ob er dem Mann Schmerzen bereitete und selbst Dean fand es lächerlich, dass der wegen so einer Kleinigkeit aufjaulte. Doch er wusste aus Erfahrung, dass solche Leute gut austeilen, aber nichts einstecken konnten. Daher war auch damit zu rechnen, dass er ihnen bald verraten würde, wo sich der Koffer befand. So war es dann auch. Denn als Sam erneut fragte: „Koffer! Wo?", und sein Fuß wieder mit der Hand Kontakt aufnahm, beeilte sich Skynard derart mit seiner Antwort, dass er sich ein paar Mal verhaspelte.

„Geht doch", brummte Sam gleich darauf, betrat wieder das Büro und schob den Schreibtisch mit einem kräftigen Ruck zur Seite. Ein Bodentresor wurde sichtbar und Sam gab die Zahlenkombination ein, die Skynard ihm genannt hatte. Keine zwei Minuten später trat er mit dem Koffer in der Hand wieder auf den Flur.

„Wir nehmen ihn mit", entschied Bill, woraufhin Sam ihn fragend anschaute.

„Mr. Smith wird sicher noch einige Fragen an ihn haben", erklärte der ältere Agent kurz. Da Sam unter dessen Befahl stand, wusste Bill, dass diese Erklärung am einfachsten und effektivsten sein würde, um Sam dazu zu bringen, Skynard mitzunehmen. So war es dann auch und er befahl seinen Kameraden, sich darum zu kümmern. Die zerschnitten dessen Fußfesseln und zerrten ihn auf die Beine, um ihn hinter sich herzuschleifen. Als Skynard zu protestieren begann, seufzte Dean genervt auf und verklebte ihm kurzer Hand einfach wieder den Mund. Zufrieden grinsend lief er anschließend voraus, holte den Plastiksprengstoff aus seiner Tasche und begann, ihn an verschiedenen Stellen im Haus anzubringen, während die anderen Männer das Gebäude verließen und auf das Loch im Zaun zustrebten.

Kaum hatte Dean das letzte Sprengstoffpaket angebracht, konnte er plötzlich ein Motorgeräusch hören, das eindeutig von einem Lastwagen kam, der sich rasch näherte. Dean rannte los, auf die schützenden Büsche zu. Doch lange bevor er sie erreichte, hielt der Laster an. Männer sprangen von der Ladefläche und eröffneten das Feuer auf Dean, der im Zickzackkurs über den Rasen hetzte. Kurz bevor er den Zaun erreichte, hörten Sam und die anderen ihn laut fluchen, dann fiel er hin und stieß einen unterdrückten Schrei aus.

Sam ließ den Koffer fallen und rannte zurück, während er ständig Deans Namen schrie.

 

Kapitel 14 von silverbird

 

Sam ignorierte die herumfliegenden Kugeln völlig, während er auf Dean zu lief. Zu seinem Glück gaben ihm seine Kameraden Feuerschutz, nur deshalb kam er unbeschadet bei ihm an. Doch in dem Augenblick, als er sich vor Dean niederkniete, wusste er plötzlich nicht mehr, wieso er hier hergelaufen war und er runzelte verwirrt die Stirn. Auf einmal schossen ihm wieder Bilder durch den Kopf. Zuerst von Dean. Wie er ihn anlachte. Dann plötzlich Smith, Enders. Der Koffer. Wieder Dean. Wie er sich vor Lust unter ihm wand. Ihn begierig küsste. Eine Limousine. Ein fremder Mann, der ihn zum Flughafen brachte. Dort wartete man auf ihn. Er musste etwas Wichtiges erledigen für Smith, wusste er. Eine Bilderreihe folgte. Sein Vater, seine Schwestern und so weiter.

Dean schaute Sam besorgt an, erkannte die Verwirrung und Unsicherheit in seinen Augen. Er hatte das Gefühl, dass Sams Blick nach Hilfe bei ihm suchte und so tat er das, was er in diesem Moment für das einzig Richtige hielt. Er nahm den Kopf seinen Geliebten in die Hände, zog ihn zu sich heran und küsste Sam erst ganz sanft, um zu ergründen, ob der es zuließ. Doch diese Sorge war völlig unbegründet. Denn gleich nachdem sich ihre Lippen berührt hatten, seufzte Sam erleichtert auf und erwiderte den Kuss voller Intensität. Nichts anderes zählte mehr. Die Welt um sie herum verschwand. Es gab nur noch sie Beide, bis Bills Stimme sie zurückholte.

„Seid ihr zwei Idioten jetzt völlig irre geworden? Wir werden von allen Seiten beschossen und ihr knutscht herum, als gäbe es kein Morgen? Den wird es für euch auch nicht geben, wenn ihr eure Ärsche nicht auf der Stelle aus der Schusslinie bewegt. Und das pronto!"

Sam und Dean schauten sich an und lächelten verliebt. „Da bist du ja wieder, Dornröschen. So wie es aussieht, hab ich dich wach geküsst. Ich bin ja so was von gut", bemerkte Dean und grinste. Doch gleich darauf wurden seine Gesichtszüge ernst und er schloss Sam fest in seine Arme. „Ich hab dich wieder. Endlich hab ich dich wieder", murmelte er und schluckte den dicken Kloß hinunter, der sich in seiner Kehle gebildet hatte.

Sam hatte ebenfalls seine Arme fest um Dean gelegt und seine Augen geschlossen, als sie Bill hörten, der sie erneut wüst beschimpfte. Daraufhin wurde ihnen die Situation, in der sie sich befanden, erst so richtig bewusst und vor allem Sam schaute sich gehetzt um, bevor er Dean besorgt von oben bis unten musterte und fragte: „Bist du verletzt, Darling? Kannst du aufstehen? Wenn nicht, ich trag dich und..."

„Mir fehlt nichts", entgegnete Dean rasch, um Sam seine Sorge zu nehmen.

„Aber du bist gefallen, ich hab es gesehen und...."

Wieder wurde er von Dean durch einen kurzen Kuss unterbrochen, der einfach überglücklich war, seinen Sammy wieder zu haben. „Mein Fuß ist nur in dieser verdammten Wurzel hängen geblieben und deswegen bin ich hingefallen. Das ist peinlich genug, also sag es bloß niemanden, okay?" murmelte Dean und schaute Sam bittend an.

Der lachte leise und nickte, bevor er Dean half, seinen Fuß aus der Wurzel zu befreien. „Nenn mich ja nie wieder Donröschen. Ich bin kein Mädchen. Klar?", verlangte er plötzlich, während er Dean auf die Beine half.

„Wer sagt, dass er ein Mädchen war? Aber die Geschichte erzähle ich dir ein anderes Mal. Jetzt sollten wir uns beeilen, sonst erschießt und Bill noch", merkte Dean an, als er sich wieder bewegen konnte. Und nach Sams zustimmendem Nicken rannten sie unter dem Feuerschutz ihrer Freunde los.

 „Jag die Hütte in die Luft", brüllte Dean dem Techniker zu, kaum dass sie ihre Leute erreicht hatten. Der betätigte auch sofort ein paar Tasten und eine Sekunde später detonierten die Sprengkörper, die Dean an den verschiedenen Stellen des Gebäudes angebracht hatte, mit ohrenbetäubendem Getöse.

Im selben Augenblick verstummten die Schüsse, die von dort gekommen waren und noch bevor sich der Staub verzogen hatte, waren die Agenten verschwunden.

Wenig später erreichten sie das Lager und traten nacheinander in das Zelt von Clemens. Sam, der wieder den Koffer in der Hand hatte, stampfte mit wütendem Gesicht auf seinen Boss in dieser Mission zu, der freudig lächelnd die Hand nach dem Objekt seiner Begierde ausstreckte. Doch anstatt Clemens den Koffer zu übergeben, bekam er Sams Faust zu spüren, sodass er quer über den Tisch flog.

„Was zur Hölle...", keuchte Clemens fassungslos und umfasste mit beiden Händen seinen schmerzenden Kiefer. Dann rappelte er sich wieder hoch und brüllte Sam an. „Sind sie wahnsinnig? Sie stehen unter meinem Befehl und ich sage, geben Sie mir sofort den Koffer."

 Doch statt das zu tun, schlug Sam noch einmal zu, was seine unmittelbaren Kameraden veranlasste, Clemens zur Hilfe eilen zu wollen. Doch dazu kam es nicht, denn bevor sie Sam erreichen konnten, stellte sich ihnen Dean in den Weg und richtete die Waffe auf sie. „Ganz ruhig, Jungs. Sam hat was zu klären, also haltet die Füße still bis er damit fertig ist", verlangte er.

„Genau", behauptete auch Bill. Obwohl er genauso wenig wie Dean wusste, was Sam dazu brachte, gerade jetzt derart auszurasten. Clemens hatte es in jedem Fall verdient und vielleicht kamen ja auch ganz interessante Informationen dabei heraus.

„Na, das kann ja ein Weilchen dauern. Da genehmige ich mir noch einen Whisky", entschied Mark trocken und schenkte sich ein.

 Clemens indessen brüllte Sam eine Zahlen-Buchstaben-Kombination entgegen, doch der schüttelte nur böse grinsend den Kopf. „Vergiss es. Dank Dean ist der Trigger gelöscht und du kannst nichts tun, um ihn wieder zu aktivieren. NICHTS! Du Verlierer." Sam schaute den Agent voller Verachtung an, griff sich wieder den Koffer und wandte sich dann an den Techniker. „Kannst du ihn öffnen?"

„Ich denke schon. Lass mal sehen", bekam Sam zur Antwort.

Clemens, der Sam nach dessen Aussage fassungslos angeschaut hatte, erwachte aus seiner Starre und eilte auf den Techniker zu, der gerade den Koffer in Empfang nehmen wollte. Bevor er den Mann jedoch erreichte, wurde er auch schon wieder von Sam aufgehalten, der Clemens einfach einen kräftigen Schubs gab, so dass er zurück stolperte, sich nicht mehr fangen konnte, und prompt auf seinem Hosenboden landete.

„Rühr dich bloß nicht vom Fleck, sonst bist du der Nächste, der mit dem Klebeband Bekanntschaft macht, denn meine Geduld ist am Ende", warnte Sam mit kalter Stimme und Dean hob verwundert die Augenbrauen. Diese Kälte und Verachtung für diesen Mann war eine Seite von Sam, die Dean weder kannte, noch sich je hätte vorstellen können. Es stimmte wohl. In jedem Menschen steckten gute und böse Eigenschaften. Wobei Dean es nicht als böse ansah, wie Sam sich jetzt benahm. Wie er sich Clemens gegenüber verhielt, war nur die Reaktion darauf, was der ältere Agent ihm und auch seinen Kameraden angetan hatte. Daher hatte Sam jedes Recht darauf, so sauer zu sein.

Während sich der Techniker mit dem Zahlenschloss beschäftigte, begab sich Sam zu Dean, schaute erst ihn und dann das Glas in dessen Hand fragend an. Dean verstand sofort und reichte das Glas an Sam weiter. Der lächelte leicht, nahm es dankbar und seufzte nach einem kräftigen Schluck hörbar auf, bevor er sagte: „Ich denke, nur wenn der Koffer geöffnet ist, ist auch die Programmierung bei den anderen gelöscht. Falls das überhaupt jemals Clemens oder Smith Plan war. Aber vermutlich wollte er uns alle über die Klinge springen lassen, sobald er das Ding hat."

„Warum sollte er?", wollte Dean Stirn runzelnd wissen.

Plötzlich mischte sich Mark in das Gespräch ein und argumentierte: „Wenn er zum Beispiel den Chip selbst an den Meistbietenden verkaufen wollte. Dann kann er keine Zeugen gebrauchen."

„Der Koffer ist mit einer Sprengfalle gesichert. Ihr dürft ihn nicht anrühren", brüllte Clemens plötzlich dazwischen.

„Ach, und woher weißt du das?", wollte Bill wissen.

„Das... das... kann man sich doch denken. Würde doch jeder machen, bei so einem wertvollen Inhalt. Wir sollten ihn so wie er ist mitnehmen und ihn von unseren Spezialisten aufmachen lassen", schlug Clemens vor.

Dean, der das viel unkomplizierter sah, erwiderte: „Oder wir fragen einfach Skynard." Er drückte Sam seine Waffe in die Hand und lief dann rasch in die Ecke, wo die Jungs den Verbrecher abgelegt hatten. Ohne Vorwarnung riss Dean den Klebestreifen von dessen Mund, ignorierte dessen Schmerzlaut und zerrte ihn auf die Beine. Dann schnitt er noch die Armfesseln durch und verlangte, während er ihn grimmig anschaute: „Aufmachen."

Skynard wusste offenbar, dass er verloren hatte und gegen diese Leute keine Chance haben würde. Aber er musste unbedingt versuchen, einen Handel abzuschließen, sonst würde er den nächsten Tag nicht erleben. Daher entgegnete er. „Es stimmt, es ist auch eine Sprengfalle angebracht, die mit einer zweiten Zahlenkombination gesichert ist. Ich bin bereit, den Koffer zu öffnen, aber dafür verlange ich als Gegenleistung freies Geleit an den Ort meiner Wahl."

„Glauben Sie tatsächlich, dass Sie sich in der Lage befinden, um Forderungen zu stellen?", fragte Mark belustigt und schenkte sich sein Glas wieder voll.

„Wenn Sie dem nicht zustimmen, werde ich den Koffer nicht öffnen. Denn dann würde ich so oder so sterben", blieb Skynard stur.

„Wieso sprengen wir dieses verfluchte Ding nicht einfach in die Luft? Der Chip wäre hinüber und gut ist. Wir könnten endlich nach Hause", sagte Dean sichtlich genervt von dem ganzen Gelaber.

„Dean, Dean. Ich frage mich ernsthaft, wie du in unserer Branche so lange überleben konntest. Nur mit Glück vermutlich, denn am Verstand kann es nicht gelegen haben. Hast wohl mal wieder nicht richtig zugehört. Auch wenn Sam seinen Trigger los ist, und wie auch immer das passiert sein mag, will ich später genau wissen. Jedenfalls, die anderen Jungs haben ihn noch. Du erinnerst dich? Daher hat sicher keiner von uns Lust auf die Kerle ständig aufzupassen, weil die partout ihren geliebten Mr. Smith befreien wollen. Wir sollten daher schnell machen, bevor wir sie nicht mal mehr mit unseren Waffen aufhalten können", gab Mark zu bedenken und trank von seinem Glas.

Dean wollte wegen der Beleidigung schon eine aufbrausende Antwort geben. Doch das verkniff er sich, als er erkannte, Enders hatte Recht. Die von Clemens manipulierten Männer wurden immer unruhiger und es konnte nicht mehr lange dauern, bis sie angreifen würden, um ihren Boss zu befreien und zu beschützen.

„Okay, es gilt. Freies Geleit. Das ist ein Versprechen, das ich und die anderen einhalten werden. Jetzt machen sie schon", verlangte Dean ungehalten.

Skynard schaute in die Runde und erkannte verwundert, dass alle zustimmend nickten. Enders lächelte sogar ein wenig. Deswegen wagte Skynard eine weitere Forderung, die er jedoch nicht zu hoch schrauben wollte. Das Risiko wollte er nun doch nicht eingehen. Aber er musste unbedingt noch einen Bonus für sich herausschlagen, um nicht völlig mit leeren Händen dazustehen.

„Und fünf Prozent von dem Inhalt des Koffers", sagte er und hoffte, seine Stimme klang fest genug.

„Sie wollen ein Stück des Chips abschneiden? Da sind wohl ein paar Gehirnwindungen draufgegangen, als ich zugeschlagen habe", überlegte Dean, sarkastisch lachend.

Skynard schüttelte den Kopf. „Ich habe nichts von einem Chip gesagt. Ich rede von dem Inhalt dieses Koffers. Fünf Prozent davon. Ja, oder nein?"

 

 

 

 

Kapitel 15 von silverbird

Skynard wusste, dass er hoch pokerte, wenn er fünf Prozent von den Agenten verlangte, die sie ihm eigentlich nicht geben durften. Aber er rechnete damit, dass es ihnen zu wichtig war an den Chip zu kommen, um seinen Vorschlag abzulehnen. Zudem waren Motorgeräusche zu hören, die immer näher kamen. Man suchte ganz offensichtlich nach ihnen und Skynard  musste sehr an sich halten um sich seine Nervosität deswegen nicht anmerken zu lassen, denn es waren nicht seine Leute gewesen, die nach seiner Entführung von diesen Amerikanern auf sie geschossen hatten. Im Gegenteil. Diese Männer, die sich Befreiungsarmee nannten, wollten ihn und das aus gutem Grund. Schließlich hatte er dieses Land und ihre Menschen ausgebeutet. Sie in der Mine schuften lassen du das für geringsten. Ganz abgesehen davon, dass so mancher dabei sein Leben lassen musste. Daher wurde es höchste Zeit um zu verschwinden. Selbst mit den fünf Prozent würde er noch ein sehr gutes Leben führen können und so gesehen war es sogar ein Glück, dass die Amis ihn aus seinem Haus geholt hatten, denn vermutlich hätte er den Angriff dieser sogenannten Befreier nicht überlebt. Der Blonde mit den grünen Augen jedoch hatte ihm freies Geleit zugesichert und seinen Anteil würden sie ihm auch gewähren, da war Skynard sich sicher.

Doch er irrte sich, denn der Agent mit dem Whiskyglas in der Hand schüttelte den Kopf: „Kein Deal mit Verbrechern. Das ist das Credo unser Regierung.“

„Mach dich nicht lächerlich Mark. Außerdem wird es höchste Zeit hier zu verschwinden. Selbst ich, mit meinem alten Gehör kriege mit, dass schwere Fahrzeuge auf uns zukommen“, mischte sich Bill plötzlich ein, bevor er sich an   Skynard wandte und erklärte: „Einverstanden und jetzt öffnen Sie endlich den Koffer.“

Skynard war sichtlich erleichtert und nickte heftig, bevor er sich an den Schlössern zu schaffen machte, welches zwei Sekunden später aufschnappte. Natürlich hatten alle gespannt darauf gewartet was sich in dem Koffer befinden würde und letztendlich war jeder überrascht, denn er war bis oben hin mit Rohdiamanten gefüllt.

„Wow, das ist ja…“ Dean wühlte kurz in den Diamanten herum, fand den Chip und steckte ihn in seine Tasche, bevor er eine Handvoll der Diamanten herausnahm und sie Skynard in die Hand drückte. „Ihre fünf Prozent“, behauptete er grinsend und schloss den Koffer wieder. Als der Verbrecher protestierte, während er sich die Diamanten in die Hosentasche stopfte, bemerkte Dean nur. „Klappe. Sie können froh sein so viel zu bekommen und jetzt los.“

Doch leider hatte sich gerade ein anderes Problem ergeben, denn mit dem öffnen  des Koffers hatten sich auch der Trigger bei Sams Kameraden ausgeschaltet, die sich jetzt orientierungslos umschauten. Auch wenn sie zum Teil wussten was geschehen war, waren sie offensichtlich verwirrt. Mark schaltete sofort, verlangte von ihnen mitzukommen und versprach ihnen später alles zu erklären. Froh darüber einen klaren Befehl erhalten zu haben, folgten sie den anderen, die schon losgelaufen waren. Gleich nachdem sie das Flugzeug erreicht hatten, entfernten sie die Tarnung und stiegen ein. Mark und Dean eilten in das Cockpit und setzten sich in die Pilotenstühle. „Was machen wir mit Skynard? Er ist kein Amerikaner. Daher wird es einen politischen Konflikt geben, wenn er bei uns vor Gericht gestellt wird. Ich will aber auch nicht, dass er so davon kommt. Schließlich sind unter Garantie viele Menschen gestorben, weil sie für diesen Schweinehund Diamanten schürfen mussten. Von den Kindern, die dabei ausgebeutet wurden, rede ich erst gar nicht. Wir wissen ja, wie das in diesem Land läuft. Apartheid und so weiter.“

Mark startete gerade die Maschine und erwiderte mitleidlos. „Schmeiß ihn raus. Sollen sich die um ihn kümmern, die er betrogen hat. Das ist nur gerecht finde ich.“

Dean überlegte kurz, dann nickte er. „Stimmt. Dann roll schon mal los. Ich erledige das.“ Er erhob sich wieder und ging nach hinten direkt auf Skyngard zu, der sich wie die anderen gesetzt und angeschnallt hatte. Der Agent öffnete mit einem Griff den Gurt, und zerrte Skyngard von seinem Sitz.

„Was soll das? Was machen Sie?“, fragte der entsetzt, und begann sich zu wehren, als Dean ihn hinter sich her schleifte.

„Sie steigen aus“, erklärte Dean nur lapidar und zog Skyngard unerbittlich zur Tür. Der schlug panisch um sich, während er ängstlich rief. „Sie haben mir freies Geleit zugesichert. Sie haben mit ihr Wort gegeben. Das Wort eines amerikanischen Soldaten ist..“

„Keine Sorge. Ich halte mein Wort. Freies Geleit. Was bedeutet Sie können sich frei bewegen und gehen wohin Sie wollen. Von Schutz unsererseits war aber nie die Rede“, entgegnete Dean kalt. Sie hatten inzwischen die Tür erreicht, doch Skyngard klammerte sich mit den Händen an einem der Sitze fest und stemmte zusätzlich seine Beine fest auf dem Boden, sodass Dean keine Chance hatte die Tür zu öffnen.

„Mach verdammt noch mal. Sie kommen immer näher und ich muss Gas geben“, brüllte Mark aus dem Cockpit, während er das Flugzeug beschleunigte.

Plötzlich tauchte Sam neben Dean auf und drückte die Tür nach draußen. Dann packte er Skyngards Beine, der verlor seinen sicheren Stand und so war es Dean ein Leichtes sich um dessen Arme zu kümmern. Ohne noch weiter zu fackeln warfen Sam und Dean den jammernden und zeternden Verbrecher aus dem Flugzeug, das inzwischen langsam an Fahrt zunahm. Sie beobachteten noch, wie Skyngard auf seinem Hintern landete und dann einmal über die Schulter rollte, bevor sein Körper zum Stillstand kam. Doch gerade als er sich aufrappelte, hielt ein Lastwagen neben ihm und drei Männer sprangen heraus.

Dean schloss die Luke und blickte dann fragend Sam an. Der wusste auch gleich warum und erklärte Schulter zuckend. „Ich habe gehört wie du und Enders darüber gesprochen habt, wie Skyngard zu den Diamanten gekommen ist. Sollen die über ihn richten, denen er das angetan hat.“

„Sammy?“ Dean sprach den Kosenamen leise und unsicher aus, da er befürchtete, dass der Trigger wieder aktiv war. Vielleicht hatte das öffnen des Koffers genau das Gegenteil bei Sam bewirkt, weil er schon zuvor von Deans Kuss aufgewacht war.

Sam lächelte Dean beruhigend an und seine Augen leuchteten warm, wie immer, wenn er ihn anschaute. Dann drückte er Dean einen raschen Kuss auf die Lippen, bevor er erklärte: „Keine Sorge, ich bin nur von dir verzaubert.“

Dean grinste verlegen, bevor er flapsig entgegnete: „Wundert mich nicht wirklich Dornröschen.“

Sam schnaubte ungehalten und verdrehte die Augen. Doch bevor er etwas sagen konnte, brüllte Enders: „Wenn du mit turteln endlich fertig bist, dann beweg deinen Hintern hierher. Ich brauch meinen Copiloten verflucht nochmal.“

Nach einem genervten Seufzen und einem raschen Kuss für Sam, eilte Dean nach vorne ins Cockpit.

~*~

Viele Stunden später fuhr Dean müde über die Landstraße auf ihre Stadt zu. Sie hatten sich gleich am Flughafen von Enders, Bill und den anderen getrennt. Irgendwann würden er und Sam ihre Aussagen machen müssten. Aber es war jetzt schon sicher, dass Clemens für den Rest seines Lebens hinter Gittern wandern würde. Ebenso seine Mittelsperson in der Firma. Ihnen würde so einiges zur Last gelegt werden. Denn abgesehen davon, dass Clemens eigenmächtig und ohne Befehl gehandelt hatte, war auf Grund von Deans und Bills Befragung im Flugzeug noch herausgekommen, dass er nicht nur von den Chip, sondern auch von den Diamanten gewusst hatte. Er hatte sich beides unter den Nagel reißen wollen, um sich irgendwo damit abzusetzen und sich ein gutes Leben machen. Erschwerend kam hinzu, dass er dafür junge, unerfahrene Männer manipuliert hatte, die nur durch das Einschreiten von Bill, Mark und Dean mit dem Leben davon gekommen waren. Doch die Tage bis zur Verhandlung würde Clemens auf jeden Fall auf der Krankenstation einer geheimen Militärstation verbringen. Der Flug war für ihn sehr turbulent verlaufen. Offenbar war er im Frachtraum hin und her geschleudert worden und hatte sich dabei überall Verletzungen zugezogen. Alle im Flugzeug anwesenden Personen würden das bezeugen, auch wenn Clemens schwören würde, dass Deans und Bills intensive Befragung dafür verantwortlich waren.

Aber das war Dean in dem Moment ohnehin egal. Ihn beschäftigen ganz andere Gedanken und die hingen selbstverständlich mit Sam zusammen. Er hatte Deans brutale Seite miterlebt, ihn so gesehen, wie er ihn bisher nicht gekannt hatte und für Dean war klar, so jemanden wollte Sam nicht haben. Sein Verhalten bestätigte Deans Verdacht, denn Sam hatte kein Wort mehr gesprochen, seit sie aus dem Flugzeug gestiegen waren. Daher beschloss Dean Sam in ihrer Wohnung abzusetzen. Er selbst würde gleich ins Sheriffbüro  gehen, seine Kündigung aufsetzen und die Stadt verlassen. Ohne Sam hielt ihn dort nichts mehr und die Firma würde froh sein, wenn er seinen Dienst wieder aufnahm. Seine Sachen konnte er holen, wenn Sam bei seinen Eltern auf der Farm war. So ersparten sie sich eine peinliche Aussprache, die ohnehin zu nichts führen würde. Deans Hals wurde eng und er würgte die aufsteigenden Tränen die aufsteigen wollten krampfhaft hinunter. Seine Vergangenheit hatte  ihn eingeholt und er hätte es wissen müssen. Man konnte sein Leben nicht einfach so ändern. Es gab keine zweite Chance.

 

 

Kapitel 16 von silverbird

Ebenso wie Dean, hing auch Sam seinen Gedanken nach. Doch seine gingen in eine andere Richtung, obwohl sie sich um den Mann neben sich drehten. Seinen Geliebten, den er fast verloren hätte. Die ganzen letzten Stunden hatte er an nichts anderes denken können, und es hatte ihn in eine Art von Schockzustand versetzt, der ihn einfach nicht loslassen wollte. Der Gedanke Dean nicht mehr bei sich zu haben, ihn nicht halten, ihn nicht lieben zu können, war etwas, das für Sam völlig unvorstellbar war. Das Erlebnis der letzten Tage hatte ihm klar gemacht, dass er ohne Dean einfach nicht mehr leben konnte. Existieren vielleicht, mehr aber nicht.

Zudem hatte Sam durch dieses afrikanische Abenteuer zumindest teilweise begriffen, wie gefährlich und hart Deans Leben gewesen war, bevor sie zusammen gekommen waren. Darüber hatte er sich zuvor nie wirklich Gedanken gemacht. Doch nun begriff er, warum Dean immer wieder Albträume hatte. Auch wenn sich Sam nur vage vorstellen konnte, was er von frühester Jugend an erlebt haben musste, so konnte er nun, nachdem er selbst für kurze Zeit als Agent tätig gewesen war, einiges besser verstehen.

Auch deswegen verfestigte sich sein Entschluss alles zu tun, damit Dean die Schrecken seiner Vergangenheit vergaß und glücklich wurde. Sam würde ihm zeigen, wie sehr er ihn liebte und das er immer an erster Stelle bei ihm stand. Dean hatte das mehr als verdient und es war ja nicht so, als würde Sam ein Opfer bringen. Im Gegenteil. Es war auch für ihn das größte Glück, mit einem Menschen zusammen sein zu können, den er über alles liebte. Dean liebte ihn ebenso. Das wusste Sam, auch wenn sein Partner es nie ausgesprochen hatte und inzwischen machte es ihm auch nichts mehr aus, diese berühmten drei Worte nie von ihm gehört zu haben.

Es war einfach nicht mehr wichtig, denn Dean hatte es oft genug gezeigt und bewiesen. Das genügte Sam inzwischen völlig. Er sehnte sich so sehr nach Dean und seinen Berührungen, dass es ihn körperlich wehtat. Deswegen würde er mit ihm endlich zu der Hütte fahren, zu der sie gewollt hatten, bevor er rekrutiert worden war.

Sie würden schließlich alleine sein und Zeit für sich haben. Gleich nachdem er mit seinen Eltern gesprochen und ihnen alles erzählt hatte. Dean würde sicher begeistert zustimmen und ihre Arbeit konnte die paar Tage auch noch warten. Es galt Prioritäten zu setzen und seine war Dean. Unbestritten.

Gerade als Sam Dean wegen der Hütte ansprechen wollte, hielt der plötzlich den Wagen an. Sam hatte gar nicht bemerkt, dass sie schon auf dem Farmgelände waren und Dean vor dem Haus angehalten hatten.

„Klär du mal alles mit deiner Familie. Ich fahre kurz in mein Büro und gucke nach dem Rechten", erläuterte Dean mit ruhiger, emotionsloser Stimme, woraufhin Sam alarmiert zu seinem Partner schaute. „Alles klar bei dir Dean?", wollte er besorgt wissen.

Doch statt einer Antwort zog Dean Sam plötzlich fest an sich und küsste ihn erst ganz sanft, und dann immer leidenschaftlicher. Dieser atemberaubende Kuss vertrieb sofort Sams Sorge, mit Dean könnte etwas nicht stimmen. Er seufzte zufrieden und erwiderte den Kuss voller Inbrunst.

„Du musst jetzt los", forderte Dean Sam auf, nachdem er den Kuss beendet hatte. Sam nickte und seufzte bedauernd, bevor er sich schweren Herzens von ihm löste.

„Bis dann", sagte er leise und lächelte Dean verliebt an. Er öffnete die Tür und stieg aus. Bevor er von dem Auto zurücktreten konnte, bemerkte er, dass er das Fenster runter gelassen hatte. Sam bückte sich und guckte fragend zu Dean, der sich gerade über den Beifahrersitz beugte. „Ich liebe dich, Sammy", erklärte er leise und lächelte ein wenig.

 Doch bevor Sam etwas erwidern konnte, hatte sich Dean schon wieder zurückgezogen, gab Gas und fuhr davon.

Sam hatte keine Zeit, die Worte seines Freundes auf sich wirken zu lassen, denn in diesem Augenblick stürmte schon seine Schwester aus der Tür und fiel ihm um den Hals. Die anderen Familienmitglieder folgten und wenig später wurde er ins Haus gezerrt.

~*~

Dean war nicht zum Sheriffbüro gefahren. Stattdessen saß er nun auf dem Bett im Schlafzimmer über der Redaktion und starrte vor sich hin. Am liebsten hätte er geschrieen vor Schmerz, der in seiner Brust tobte. Aber so etwas tat ein Dean Wilson nicht. Man ertrug, lebte damit und versuchte zu verdrängen, so gut es möglich war. Alles womit Dean sich trösten konnte, war, dass er sie hatte erleben dürfen. Die Liebe. Das war nicht vielen vergönnt und schon gar nicht mir so einem besonderen Menschen wie Sam. Dean würde den Rest seines Lebens Erinnerungen haben, die ihm niemand wegnehmen konnte. Etwas, woran er sich festhalten würde bis er den verdammten Löffel abgeben würde.

~*~

Sam musste Fragen beantworten, die von allen Seiten auf ihn einstürmten. Während Anna ihm einen riesigen Teller mit Kuchen hinstellte und ihn nötigte zu essen. Schließlich sei er nur noch Haut und Knochen behauptete sie, was Sam zum Lächeln brachte. Denn es war eine typische Aussage von der Perle des Hauses. Bei ihr fiel jeder vom Fleisch, der nicht täglich von ihr kulinarisch verwöhnt wurde. Um ihr eine Freude zu machen, spießte er sich ein Stück der süßen Köstlichkeit auf die Gabel. Bei dem Anblick auf den Kuchen musste er zwangsläufig an sein Schleckermaul denken und unerwartet hielt er mitten in der Bewegung inne. ‚Ich liebe dich‘, hörte er Deans Worte plötzlich in seinem Kopf, sah das Gesicht vor sich, dass er gemacht hatte, als er das sagte. Und er begriff schlagartig, was das wirklich bedeutet hatte. „Er hat sich von mir verabschiedet", murmelte er betroffen, dann sprang er von seinem Stuhl auf.

„Ich muss weg. Keine Sorge, es ist soweit alles in Ordnung", sagte Sam noch rasch, als er die besorgten Gesichter seiner Familie sah. „Ich muss nur dringend mit Dean reden. Ich melde mich", hing er noch an, dann stürmte er aus dem Haus und rannte zu seinem Wagen. In einem Affentempo raste er dann auf die Stadt zu und stellte einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf, bevor er 20 Minuten später mit quietschenden Reifen vor der Redaktion anhielt. Als er aus dem Auto sprang, entdeckte er, wie er es erwartet hatte, Deans Wagen. Im Laufschritt eilte er ins Haus und die Treppe hoch. Kurz hielt er inne, doch er musste nicht lange überlegen, wo er Dean finden würde. Denn wenn er in seiner Vermutung richtig lag, würde Dean im Schlafzimmer sein, um seine Sachen zu packen. Dort fand er ihn dann auch vor. Auf dem Bett sitzend, seine Reisetasche vor den Füßen.

Sams Herz krampfte sich zusammen und er musste ein paar Mal schlucken, bevor er reden konnte. „Es ist meine Schuld." Seine Frage war gleichzeitig Antwort.

Dean zuckte zusammen. Er war so in Gedanken gewesen, dass er gar nicht gemerkt hatte, wie Sam den Raum betreten hatte und er wandte den Blick zur Tür wo Sam stand, bevor er irritiert fragte: „Was?"

„Das du gehst. Es ist meine Schuld", wiederholte Sam leise und deprimiert.

Dean stand auf, drehte sich Sam zu und schaute ihm fragend in die Augen. „Wie kommst du denn auf diese Idee?"

„Du hast gesagt, dass du mich liebst. Das hast du noch nie gesagt. Abgesehen davon glaube ich dir sogar, dass du es tust, aber nicht genug, um bei mir zu bleiben. Nachdem du es gesehen hast, mein zweites Gesicht." Sams Worte waren immer leiser geworden. Er hatte den Blick auf den Boden gesenkt, da er es nicht mehr ertragen konnte, Dean in die Augen zu schauen.

Doch plötzlich war Dean ganz nah bei ihm, umschloss sein Gesicht mit beiden Händen und hob seinen Kopf. „Schau mich an, Sammy. Bitte", fügte er noch hinzu, als Sam seiner Aufforderung nicht gleich nach kam. Unsicher hob Sam seinen Blick und war sofort gefangen von Deans Augen, die ihn warmherzig empfingen.

„Nichts ist deine Schuld. Du bist wundervoll und konntest nichts dafür, was Clemens mit dir gemacht hat. Aber ich habe Schuld. Du realisiert es wahrscheinlich nur noch nicht, weil das Erlebte erst vor sehr kurzer Zeit passiert ist", erklärte Dean resigniert.

Verwirrt runzelte Sam die Stirn. „Was meinst du? Ich verstehe dich nicht."

„Denk nach, Sammy. Du hast es doch gesehen. Mich im Einsatz erlebt. Gesehen, wie ich skrupellos Menschen erschossen habe. Schau genau hin, Sam. Denn das ist es was ich bin, was mich ausmacht. Das ist das Monster, in das du glaubst, dich verliebt zu haben."

Sam sah Dean einige Minuten lang in die Augen und der brach fast zusammen unter diesem prüfenden Blick. Dennoch hielt er eisern stand, wenigstens das war er Sam schuldig, dachte er.

Der lächelte plötzlich, küsste Dean ganz kurz und sagte dann: „Du bist so ein Idiot und blind bist du außerdem."

Deans Augenbrauen zogen sich verwirrt zusammen. „WAS? Du weißt ja nicht, was du da von dir..."

„Sei einfach mal still und lass mich reden, bevor du noch mehr Unsinn von dir gibst. Denn ich werde dir mal erklären, was ich sehe. Nah...", mahnte Sam streng, als Dean wieder den Mund aufmachen wollte und ihn daraufhin verlegen grinsend schloss.

Sam lächelte zufrieden und nahm Deans Hände in die seinen, bevor er zu reden anfing. „Gut. Also. Abgesehen davon, dass ich den Mann sehe den ich liebe, sehe ich einen Helden, meinen Helden, der um die halbe Welt gereist ist, um mich zu retten. Still, du bist noch nicht dran", mahnte Sam wieder, da er merkte, dass Dean was sagen wollte. „Du hast viele Jahre auf ein Leben verzichtet, dass du sicher gerne geführt hättest, nur um unser Land zu schützen. Dafür ständig dein Leben aufs Spiel gesetzt und deinen Kopf für Sesselkleber hingehalten, denen es völlig egal war, ob du bei einer Mission drauf gehst oder nicht. So jemand ist kein Monster, also sag das nie wieder über dich. Denn es stimmt nicht. Du bist gutherzig und aufmerksam. Liebevoll und besorgt um die, die du gern hast. Ich liebe dich, Dean. Alles an dir. Bitte verlass mich nicht, nur weil du glaubst, nicht gut genug für mich zu sein, wo ich doch froh bin, wenn ich gut genug für dich bin."

Dean waren vor Rührung die Tränen in die Augen gestiegen. Er konnte es kaum glauben, was Sam gerade gesagt hatte und seiner Stimme kaum mächtig, zog er seinen Geliebten fest in die Arme, vergrub sein Gesicht in dessen Halsbeuge und murmelte fassungslos dessen Namen.

~*~

„Dean!" Sams ganzer Körper spannte sich an, er bäumte sich auf und es dauerte eine Weile, bis er wieder von der Wolke schwebte, auf die Dean ihn gerade katapultiert hatte. „Wow", nuschelte er und schmiegte sich noch fester in seine Umarmung. Der grinste selbstgefällig und genoss ebenso wie Sam die Nachbeben ihres Orgasmus. „Ja, das trifft es. Ich hab dir doch mal versprochen dir sämtliche Steigerungen von wow zu zeigen und es gibt noch viele Orte hier, wo ich das tun werde. Aber erst essen", fügte er hinzu, worauf sein Magen auch sofort zu knurren anfing.

Sam musste daraufhin laut lachen und wand sich aus Deans Armen. „Okay, du wirfst den Grill an. Ich hole das Fleisch und mach den Salat, und sobald mein Raubtier gefüttert ist, zeige ich dir was wow wirklich bedeutet", erklärte er frech grinsend und wollte aufstehen. Dean hielt ihn zurück, um sich noch einen raschen Kuss zu stehlen, bevor er erwiderte: „Ich steh drauf, wenn du so dominant wirst."

„Ich weiß", entgegnete Sam lächelnd. Dann erhob er sich endgültig und ging, nackt wie er war, den kurzen Weg vom Bett zu der kleinen Küchenzeile. Dean schaute ihm nach und sog diesen herrlichen Anblick, der sich ihm bot, mit allen Sinnen in sich auf.

‚Alles meins‘, dachte er und konnte sein Glück immer noch nicht recht fassen. Seit zwei Tagen waren sie nun schon in der Hütte von Sams Vater und sie genossen jede Sekunde.

Dean seufzte zufrieden, dann stand er auf, um den Sack mit der Grillkohle zu holen, die an der Tür neben der Küchenzeile lehnte. Als er ihn aufnahm, begegnete sein Blick Sams und da war sie wieder, diese Wärme die seinen Körper durchflutete. ‚Ich bin zuhause. Endlich‘, dachte Dean glückselig und lächelte Sam zu, bevor er sich, fröhlich vor sich hin pfeifend, die Kohle schnappte und nach draußen ging.

 

Ende!
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