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Paradise City von anja25ive, Indiansummer
Inhalt: Angels Durchbruch in Hollywood als Schauspieler ist zum Greifen nahe, als ihn ein kleiner Rückschlag dazu bringt, seiner verheimlichten Sexualität nachzugehen. Auf dem Straßenstrich will er sich eine Ablenkung für die Nacht kaufen und trifft auf Spike. Er nimmt ihn über Nacht mit nach Hause, doch anstatt ihn danach wieder zu vergessen, wird er wie magisch von ihm angezogen und taucht schon bald wieder auf dem Straßenstrich auf...
Fandom(s): Buffy the Vampire Slayer / Angel the Series Pairing(s): Spike/Angel
Story-Genre: Alternatives Universum, Drama, Hurt/Comfort, Romanze
Länge der Story: Mehrteiler
Story-Typ: Slash - M/M
Warnungen: Adult/Dirty Talk, Charakter-Tod, Drogenmissbrauch, Prostitution
Challenges:
Serie: Keine
Kapitel: 6 Story vollendet: Ja Anzahl der Wörter: 28290 Wörter Gelesen: 8238 Mal Datum der Veröffentlichung: 23.07.08 Letztes Update: 23.07.08
Kommentar:

Warnung: Diese Story beschäftigt sich mit Prostitution und Drogen, in einigen Szenen kommt es zu Adults-Talk und ist nichts für zarte Gemüter, sowieso nicht für Minderjährige! Also bitte erst ab 18 lesen!!!
Beta war CloeGirl, die Storypics sind von anja25ive
Promovid gibt es unter http://www.indis-garden-of-delight.de/pcpro_0001.wmv - made by anja 25ive
Credits: Die verwendeten Ideen dieser Story können Ähnlichkeiten mit Filmen wie Pretty Woman und Christian F. - Wir Kinder vom Bahnhofzoo aufweisen.
Lyrics und Titel: Nur in Auszügen werden Lyrics aus Songs von Guns´n Roses verwendet, die natürlich nur der Band Guns´n Roses gehören und die wir nicht komplett verwendeten und mit denen wir kein Geld verdienen.
Special Thanks: Wir danken Silverbird ganz besonders für ihre Unterstützung und ihren Zuspruch und vor allem, weil sie sich unser Geschreibsel ganz selbstlos als Testleser und Slashexperte reingezogen hat. Wir lieben dich, Schatz.
Kommentar von Anja: Eigentlich vergesse ich B-Days immer. *schandeübermich* Aber als Indi mich fragte, was sie Stephie zu ihrem schenken könnte, hatte ich wie immer keine Idee und sie offenbarte mir, dass sie eine Angel/Spike - FF im Kopf hätte. Rotzfrech wie ich bin, fragte ich, ob ich mitschreiben könnte und Indi sagte ja. *ggg* Es war wundervoll, denn Indi hat wundervolle Ideen und ließ mich regelmäßig an der Decke kleben. Du bist meine Heldin. Und alles entstand für eine zauberhafte Person namens Stephie. Und darum auch von mir:
Alles Gute zum Geburtstag, Stephie *smooches anja*
Kommentar von Indi: Weder Anja noch ich wollten jemals eine Slash-Story, geschweige denn eine Spangel schreiben. Aber für EINE haben wir es dann doch gemacht, für dich, meine Soulmate Sleepless. Ich hoffe, du fällst nicht vor Schock vom Hocker, dass ausgerechnet WIR dir eine Spangel zum Geburtstag schenken und kannst die Story einigermaßen genießen, da ja keine Slash-Experten am Werk waren *kicher* Nimm dir mal auf alle Fälle eine Packung Taschentücher zur Hand.
Mir schwirrten noch zwei andere Storyideen im Kopf herum, aber beide im Buffyverse und am Ende bin ich dann doch wieder bei einer AU gelandet, denn gleich zwei Sachen auf einmal (Slash und Buffyverse) zu schreiben, in denen ich Neuling bin, habe ich mich dann doch nicht getraut. Anja gefiel die Idee spontan und bot sich an, mit zu schreiben und ich bin froh darum, denn ohne sie wäre die Story nicht das, was sie ist. Und nun haben wir nur noch eins zu sagen:
Happy Birthday, Stephie, My beloved Soulmate *smooches* Always yours, Indi :-)

1. Kapitel 1: One in a Million von anja25ive

2. Kapitel 2: Think About You von anja25ive

3. Kapitel 3: You Could Be Mine von anja25ive

4. Kapitel 4: Drift Away von anja25ive

5. Kapitel 5: Don't Cry von anja25ive

6. Epilog: 14 Years von anja25ive

Kapitel 1: One in a Million von anja25ive

*Verdammt*, fluchte Angel und ließ seine Faust auf das Lenkrad seiner schwarzen Viper sausen. Warum schlug er schon wieder diesen Weg ein? Warum konnte er es nicht lassen? Es war nicht gut für ihn. Es war gefährlich. In vielerlei Hinsicht. Sollte jemand ihn erkennen oder auch nur einer der Jungs sich verquasseln, könnte er seine Karriere vergessen. Gerade jetzt, wo er mit einem Fuß auf dem roten Teppich stand und die Filmangebote für die wirklich großen Movies langsam anrollten. Sein Image als Frauenheld hatte einen großen Anteil an seinem Erfolg. Wenn sein Geheimnis aufflöge, würde er wohl als tingelnder Möchtegernschauspieler in irgendwelchen drittklassigen Theaterstücken enden, der nebenbei noch kellnern musste, um genug Geld zum Leben zu haben. Und selbst wenn ihm dieses Schicksal nicht blühen würde, so konnte noch immer einer der Jungs durchdrehen. Er wäre nicht der Erste, der von einem Strichjungen ermordet und ausgeraubt worden wäre. Angel sah schon die Schlagzeilen vor sich. Ihm wurde für einen Moment schlecht. Tief Luft holend, damit sein Magen sich wieder beruhigte, steuerte er den Wagen zur nächsten Ausfahrt, auf der in großen Lettern *Airport Los Angeles* stand.

Angel lebte nun seit einigen Jahren in Los Angeles und kannte sich hier aus. Er kannte die Stellen, wo man sich ungesehen einen Spielgefährten für eine Nacht besorgen konnte. Natürlich fuhr er nicht auf den Rodeo-Drive, wo all die Paparazzies nur auf die Gelegenheit warteten, einen der Stars von Hollywood abzulichten. Mit einem Schaudern dachte er an die Geschichte von seinem Kollegen Hugh Grant zurück. Andererseits, Hugh hatte eine Nutte gehabt, würde man ihn, Angel, erwischen, käme er sicher nicht mit solch einem blauen Auge davon. Er nahm den Fuß vom Gas und fuhr etwas langsamer in die Auffahrt zum Airport ein. Im Schritttempo ließ er die Abflughalle hinter sich und bog nach links zu dem riesigen Greyhound - Busbahnhof. Hinter der Wartehalle, der letzen Haltestelle, der Nummer 95, dort standen sie und genau dieses Ziel steuerte Angel nun an.

Mit einem Surren ließ er die Seitenscheiben seiner Viper hinab und sah aus dem nun offenen Fahrerfenster. Der verbreiterte Auspuff röhrte, als er, so langsam es ging, bis zum anderen Ende der Haltestelle fuhr, denn er wollte sich Zeit lassen beim Aussuchen von einem der Jungs. Sie genau mustern. Nicht wieder einen dieser elenden Junkies, die schon halb auf Turkey waren. Nein, heute brauchte er etwas anderes. Einen, der noch frisch genug war, ein paar Runden mit ihm zu überstehen und der nicht gleich nach der ersten Nummer sein Geld wollte, nur um es draußen auf der Straße in Drogen umzusetzen.

Einige der Gesichter, die dort standen, kannte Angel. Manche von ihnen hatte er schon mit nach Hause genommen. Viele Neue waren hinzugekommen. So war es immer, wenn er nach langer Zeit wieder hier aufkreuzte. Los Angeles war ein Moloch, tausende junge Menschen kamen täglich in diese Stadt, mit Träumen nach Anerkennung, Ruhm und Erfolg, aber nur die Allerwenigsten schafften den Sprung nach ganz oben, die meisten landeten hier, ganz unten, am letzen Ende der Gesellschaft. Der Dreck der Stadt hatte sich hier versammelt und er, Angel, war ein Nutznießer dieses Elends.

In den letzten Monaten hatte er diesen Ort gemieden, sein wahres Ich verleugnet. Er hatte kein Risiko eingehen wollen, nicht auffallen, immer schön lächeln, denn er hatte für die Rolle seines Lebens vorgesprochen. Der ganz große Durchbruch sollte ihm damit gelingen, ihn in eine Reihe stellen mit Tom Hanks, George Cloony und wie sie alle hießen und dabei konnte er es sich nicht leisten, erwischt zu werden an der Haltestelle Nr. 95. Aber er hatte die Rolle nicht bekommen, alles umsonst. Als seine Managerin ihn heute angerufen hatte, war eine Welt für Angel zusammengebrochen. Er hatte solche Hoffnungen in dieses Projekt gesetzt. Nicht nur seinen Sprung in die Riege der Superstars, nein, auch die Figur an sich, die er hätte charakterisieren können, interessierte ihn ungemein.

Und jetzt stand er wieder am Anfang. Am Anfang seiner Karriere und dort, wo er nicht sein dürfte, an der Haltestelle Nr. 95.

Jetzt kam einer der Jungs an sein Auto. „Hey Süßer, wie wäre es mit uns? Ich kann dir einen blasen… „

„Nein.“ Angel tippte kurz fester auf das Gaspedal, um den aufdringlichen Kerl loszuwerden. Er wollte sich seinen Liebhaber selbst aussuchen, er mochte es nicht, wenn sie sich ihm anbiederten. Fast am Ende besagter Haltestelle und einige Anmachsprüche später wollte Angel aufgeben. Warum sollte er hier Glück haben, wenn doch auch der Rest seines Lebens in die Hose ging? Seufzend sah er nach unten auf den Knopf, um seine Seitenfenster zu schließen, als in seinem Augenwinkel etwas aufblitze. Er wendete seinen Kopf zur Seite und sah ihn. Blond. Jung. Drahtig. Sexy.

Ohne weiter nachzudenken, trat Angel auf die Bremse und winkte sich den blonden Boy ans Auto.

„Hey“, begrüßte der junge Mann Angel und ließ seinen Blick über den teuren Wagen gleiten. Vielleicht war das der Fang des Abends. Er nahm einen letzten Zug von seiner Zigarette und schnipste sie lässig von sich, als er vor der Viper stehen blieb und seine Finger in seine Hosentaschen grub.

"Ich suche Gesellschaft", erklärte Angel und versuchte, nicht allzu verkrampft zu wirken. Er war nicht zum ersten Mal hier. Er fragte nicht zum ersten Mal einen Strich-Jungen. Er war nicht zum ersten Mal hier und dennoch war er immer noch angespannt. Vielleicht war es auch einfach die Paranoia, die ihn verfolgte. Oder schlicht die Tatsache, dass er nur hier das bekam, was er wirklich wollte. So abgründig das auch war, aber hier, am Ende des Busbahnhofes, konnte er das sein, was er wirklich war. Selbst wenn er dafür Geld bezahlen musste.

"Ich bin frei", antwortete der Blonde und musterte seinen potentiellen Kunden genauer. Dunkler teurer Anzug und ein dunkelblaues ebenso teures Hemd. Aalglatt. Gutaussehend. Ein seltener Bonus bei dem Job, den er hier tat. Normalerweise war die Kundschaft nicht so edel. Und normalerweise gefiel ihm keiner dieser Männer, aber der hier konnte eine Ausnahme sein. Wenn er ihn bekam.

Er trat noch einen Stück näher, beugte sich nach unten und stütze seine Hände auf das heruntergelassene Fenster.

"30 Dollar, einmal Blasen. 50 Dollar, wenn du meinen Hintern willst", sagte er seinen Standardspruch auf. Die Preise hatte er ein wenig getunt. Gewöhnlich tat er es für weniger Geld, doch diesem Kunden hier konnte er locker mehr aus der Tasche ziehen.

Angel schluckte kurz, strich sich über seinen Nacken und musterte diesen jungen Mann eingehender. Er war vielleicht Mitte 20, hatte blondiertes, zurückgekämmtes Haar, ein schmales Gesicht mit attraktiven Wangenknochen und wunderschönen Lippen. Er trug eine ausgewaschene Jeans, die an einigen Stellen Löcher aufwies, ein schwarzes einfaches Shirt und eine extrem abgetragene Lederjacke. Doch das Auffälligste an ihm waren seine stahlblauen Augen. Selbst in diesem düsteren Licht leuchteten sie und ließen Angel für eine Sekunde vergessen, wo er war.

"Hey! Was ist nun?", machte sich der Mann wieder bemerkbar und klopfte auf die Fahrertür.

"Ja ...", kam Angel wieder zurück aus seinen Überlegungen. "Stehst du auch für eine ganze Nacht zur Verfügung?", fragte er schließlich und hoffte, dass der andere nicht ‚Nein’ sagen würde. Er musste ihn nur mit genügend Geld locken, schließlich stand hier keiner aus Spaß. Alle hier waren käuflich.

"Das wird teurer."

"Kein Problem. Ich gebe dir 200 Dollar und du verlierst kein Wort über diese Nacht", schlug Angel vor und bemerkte, wie der Blonde anfing darüber nachzudenken.

200 Dollar waren eine Menge Geld. Soviel verdiente er manchmal in einer ganzen Woche nicht. Davon könnte er locker eine Weile überleben und dieser Kunde sah nicht schlecht aus. Er fuhr sich kurz durch sein Haar und klopfte erneut auf die Fahrertür.

"Einverstanden."

"Steig ein!", erwiderte Angel, beugte sich kurz über den Beifahrersitz und öffnete die Tür. Lässig ließ der andere sich auf den Sitz fallen und lehnte sich zurück. Wenn sein Kunde jetzt keine Ahnung davon hatte, wie er diesen Wagen zu fahren hatte, würde er sich vorkommen wie in "Pretty Woman". Ein kitschiger Film, den er irgendwann mal mit seiner Mutter gesehen hatte und der das Leben auf dem Strich keineswegs realistisch darstellte. Er schmunzelte unauffällig, als er an das Ende dachte. Purer Kitsch. Der Mann neben ihm war einfach nur ein weitere Geldgeber und heute Nacht ein verdammt guter.

Angel legte den ersten Gang ein, lenkte seinen Wagen, verließ den Busbahnhof und den Flughafen in die andere Richtung als die, aus der er zuvor gekommen war. Wieder ein Teil seiner Paranoia. Er war noch ein kleiner Stern in Hollywood, doch Papparazzis nahmen alles, was sie vor die Linse bekamen. Und ein Schauspieler, der als großer Frauenheld galt, aber in Wirklichkeit schwul war, würde ein gefundenes Fressen sein. Er sah in den Rückspiegel, als er auf die Schnellstraße Richtung Santa Monica einbog, um sich zu versichern, dass ihm niemand gefolgt war. Verdammte Paranoia.

"Wie heißt du?", fragte Angel, als ihm das Schweigen unangenehm wurde.

"Spike", antwortete der junge Mann neben ihm und stützte seinen Ellenbogen auf die Tür.

"Ich bin Angel. Ist das ein Spitzname?", versuchte Angel das Gespräch voranzutreiben.

"Yeah", antwortete Spike knapp, wandte sich zu ihm und ließ seine rechte Hand kurz in seinen Schritt gleiten.

Angel schluckte, als sein Blick seiner Geste folgte und er mehr, als deutlich verstand, was Spike damit sagen wollte. Unwillkürlich schob sich das Bild seines Beifahrers, vollkommen nackt, vor sein inneres Auge. Er war bestimmt drahtig, gut gebaut, mit Muskeln an den richtigen Stellen. Seine blasse Haut bildete mit Sicherheit einen guten Kontrast zu seiner eigenen leicht Gebräunten. Angel unterdrückte ein Seufzen und wandte seinen Blick auf die Straße.

"Was treibt dich auf den Strich?", fragte Angel weiter und hoffte, dass die Unterhaltung endlich in Gang kam. Er war ein Freier. Er bezahlte dafür, dass Spike hier war, aber er wollte immer etwas mehr über die Männer erfahren, die er mit nach Hause nahm. Vielleicht nur, um sich das Gefühl einbilden zu können, dass sie nicht vollkommen Fremde waren, dass er nicht allein war.

"Geld", antwortete Spike knapp und zeigte wenig Interesse daran, irgendwelche Details über sein Leben auszutauschen. Er saß hier in der Viper, weil er Geld brauchte, weil er seinen Körper verkaufte. Und er, Angel, war hier, weil er bezahlte. Kein Grund, auch noch ein Gespräch mit jemandem anzufangen, den man nach dieser Nacht nie wieder sehen würde.

"Hast du keine Familie hier?", gab Angel nicht auf und verließ die Schnellstraße.

"Nope", blieb Spike weiterhin wortkarg und fing an, die Häuser am Straßenrand zu betrachten, an denen sie vorbeifuhren. Ihre Geschwindigkeit ließ die Lichter der Stadt ineinander fließen und Spike fühlte sich einen Augenblick davon abgelenkt, hypnotisiert.

"Ich höre einen britischen Akzent. Stammst du aus England? Aus dem Norden oder Süden. Ich tippe auf Liverpool oder Manchester", bemühte Angel sich weiterhin. "Meine Familie stammt aus Irland, aber ich bin schon zu lange hier. Außerdem ist es in meinem Job von Vorteil, wenn man keinen Akzent hat."

"Uh uh ...", war alles was Spike von sich gab, während er begann, mit seinem Feuerzeug zu spielen.

Erleichtert bog Angel in die Einfahrt seines Apartments ein. Es war fast wie ein kleines Haus. Mehr als einhundert Quadratmeter, eine gemütliche Terrasse, eine Raumaufteilung, die ihm gefiel und es waren nur wenige Meter zum Strand. Ein weiterer Vorteil war, dass es nicht mitten in Hollywood lag. Hier konnte er ungestört sein. Hier konnte er auch Besuch mit nach Hause bringen.

Er stieg aus und deutete Spike an ihm zu folgen. Er schloss die Haustür auf und bat Spike hinein. Angel warf den Schlüssel auf die kleine Kommode neben der Tür, schaltete das Licht ein und dämmte es zugleich, so dass eine gemütlichere Atmosphäre entstand. Vielleicht trug es auch dazu bei, dass sich die Atmosphäre zwischen ihnen entspannte.

"Willst du einen Drink?", fragte Angel und deutete auf seine kleine Bar.

"Yeah", antwortete Spike und fing an sich umzusehen. Auch hier sah alles teuer aus. Alles schrie danach, dass ein Innenarchitekt seine Finger bei der Einrichtung im Spiel gehabt hatte. Es war ein bisschen zu modern, zu edel, aber es passte zu diesem Mann mit der schwarzen Viper. Er lief um die dunkelrote Couch und strich mit seinen Fingern über den weißen Plasma-Fernseher. Dann fiel sein Blick auf die vielen Bilder, die auf einem Klavier standen, das sich wohl mehr aus dekorativen Gründen in diesem Apartment befand.

Ein Schauspieler also, stellte Spike fest, als er zwischen Familienbildern auch Bilder vom roten Teppich entdeckte. Teri Hatcher. Jude Law. Robert Redford. Nur eine kleine Auswahl von denen, die Spike erkannte. Und plötzlich wurde ihm auch bewusst, warum er über diese Nacht kein Wort verlieren sollte. Wahrscheinlich kannte keiner seiner Hollywoodfreunde seine wirklichen Vorlieben. Spike lachte kurz auf und ging weiter, als sein Blick auf ein altes Filmplakat fiel.

"Frankie und seine Spießgesellen", entfuhr es Spike unwillkürlich.

"Ich liebe Frankie. Genauso wie das Ratpack. Dean Martin. Sammy Davis Jr. Großartig", machte sich Angel wieder bemerkbar und reichte Spike seinen Drink. "Ich hoffe, dass ich irgendwann auch mal in so einem Klassiker mitspielen werde. Vielleicht verfilmen sie eines Tages Frankies Leben, obwohl ...." Er machte eine Pause und nippte an seinem Whiskey. "Ich bin ein lausiger Sänger..."

Im nächsten Moment setzte Angel an und sang die ersten Zeilen von "My Way". Unwillkürlich fing Spike an zu schmunzeln, als er die schiefen Töne hörte. Er war wirklich kein guter Sänger. Er hob sein Glas, das er noch immer unangerührt in der Hand hielt und prostete ihm zu.

"Mmm ... verdammt guter Whiskey", stellte Spike fest, als die Flüssigkeit samtig weich seine Kehle hinunter glitt.

"Echter irischer Whiskey. Ein echter Jameson's Gold Irish Whiskey", erklärte Angel und hielt das Glas ein Stück von sich, um die goldbraune Farbe zu betrachten. "Ein letztes Stück Heimat, das ich mir noch bewahre."

Spike verschluckte sich fast, als er den Namen hörte. "Der ist schweineteuer..."

Angel lächelte nur und hob nun seinerseits das Glas: "May your friends respect you, illness neglect you, the angels protect you and heaven accept you." Das war der alte Trinkspruch seines Großvaters.

‚Dafür ist es wohl zu spät’, dachte Spike und nahm einen erneuten Schluck, bevor das Glas auf die Fensterbank stellte. "Okay, was ich soll ich tun für das Geld?"

Unbemerkt seufzte Angel und fing an, das Glas in seinen Händen zu drehen. Er hatte gehofft, dass Thema ein wenig hinaus schieben zu können und einfach nur ein bisschen zu reden, doch Spike schien ein ungeduldiger Mann zu sein.

"Machst du auch besondere Sachen?", fragte Angel nun direkt heraus.

Sofort schellten bei Spike die Alarmglocken. Es wäre auch zu schön gewesen, wenn er mit einem gutaussehenden Kunden in einer Nacht leichtes Geld verdienen würde.

"Hey! Wenn du irgendwelche perversen Sachen machen willst. Vergiss es!!"

Spike wandte sich ab und wollte den Ausgang anpeilen. Er hatte das Geld nötig, aber für alles, war er auch nicht zu haben.

"Nein. Nein!!", versuchte Angel ihn aufzuhalten und umfasste Spikes rechten Arm. "Ich will nichts Perverses. Keine Sorge. Wenn du willst, erhöhe ich auch den Preis." Eindringlich sah Angel in diese blauen Augen, die noch immer eine Spur von Zweifel aufzeigten, obwohl sich der Mann nicht weiter vom Fleck rührte. "Ich will wirklich nichts Perverses", versuchte er, ihm erneut zu verdeutlichen, in dem er seine Worte wiederholte.

"250 Dollar", erwiderte Spike schließlich und schüttelte Angels Hand ab.

"Okay", gab Angel nach und war erleichtert. Er wollte heute Nacht einfach nicht allein sein. Nicht nach dieser weiteren Enttäuschung. "Komm' ich zeige dir das Schlafzimmer." Er nickte leicht mit dem Kopf und als Spike ihm bereitwillig folgte, lächelte er kurz.

Spike blieb vor dem großen Bett stehen, legte seine alte Lederjacke ab und fing ebenfalls an, diesen Raum zu betrachten. Das Schlafzimmer war ebenso edel eingerichtet wie der Rest des Apartments. Das Bett war groß, weiß. Die schwarzen Highlights auf den Möbeln verliehen dem ganzen eine eher kühle Atmosphäre, doch der Blick aus der großen Fensterfront entschädigte dafür.

"Okay. Was soll ich tun?", fragte Spike, schlüpfte aus seinen Schuhen und streifte sein T-Shirt ab.

"Oh ....", sagte Angel nur, als er seinen nackten Oberkörper sah. Sehnig. Drahtig und an den richtigen Stellen Muskeln. So wie er es sich vorgestellt hatte. Er musste sich fantastisch anfühlen, doch in dieser Nacht hatte Angel anderes im Sinn. Er wollte keinen Sex, wollte nicht einfach nur sein ungestilltes Bedürfnis befriedigen. Er wollte schlicht nur ein bisschen Nähe. Angel verdrängte die Tatsache, dass er sich diese gekauft hatte, dass er nur Ware bekam und dass Spike es niemals echt meinte. Er trat an ihn heran und erlaubte sich eine kleine Berührung. Sanft strich er über die Oberarme des Blonden. Dann sah er in diese wundervollen blauen Augen.

"Ich will, dass du einfach nur neben mir liegst. Dass du einfach nur da bist. Dass du mich einfach nur hältst."

Spike zog ungläubig die Brauen zusammen und sagte einen Moment gar nichts. Dann grinste er schief. „Yeah, alles klar… du zahlst 250 Dollar damit ich dich halte… und wo ist der Haken an der Sache?“

„Kein Haken… das ist der Deal. Gehst du darauf ein oder…?“ Angel sprach nicht weiter, er wollte nicht über einen schlechten Verlauf des Abends nachdenken. Im Grunde wollte er überhaupt nicht denken, nicht über seine Karriere und schon gar nicht über sein scheinheiliges ‚Ich’, das sich einen Stricher für die Nacht holte und dem Rest der Welt vorgaukelte, heterosexuell zu sein. Nein, alles was er wollte, brauchte, war fühlen. Nähe, Körper an Körper, Wärme, Geborgenheit und es war ihm egal, dass alles nur gelogen und gekauft war. Darüber konnte er morgen grübeln, wenn er wieder allein sein würde.

Spike fuhr sich mit der rechten Hand nervös durchs Haar. Wenn es stimmte, was Angel sagte, wäre dies tatsächlich das am leichtesten verdiente Geld seit langer Zeit. Verwirrt bemerkte er wie Angel das Schlafzimmer verließ. Hatte er es sich anders überlegt, wollte er doch nicht? Spike wurde einen Moment panisch und folgte seinem Freier, nur um sich wenig später im Wohnzimmer wiederzufinden, wo er beobachten konnte, wie Angel sich ein weiteres Glas Whiskey einschenkte. Seine Hände zitterten. Also war er, Spike, nicht der einzig Nervöse in diesem Raum. Diese Erkenntnis beruhigte ihn ein wenig. Und doch war er plötzlich so aufgeregt, dass er am liebsten irgendetwas eingefahren hätte, um ruhiger zu werden. Er tastete seine Jeans ab und nach einigen Sekunden beförderte er eine Schachtel Lucky Strikes hervor.

„Kann ich?“ Er hob kurz die Zigarettenschachtel in Angels Richtung, um ihm zu signalisieren, um was er bat.

„Ja, sicher. Ich hole dir einen Aschenbecher.“ Angel war schon auf dem Weg in die Küche, als er über seine Schulter rief: „Bin gleich wieder da.“

Das Zippo gab ein klackendes Geräusch von sich, als Spike es mit einer Hand aufspringen ließ und die Flamme an das untere Ende seine Zigarette hielt. Mit einem erneuten metallischen Klacken schloss er das Zippo und inhalierte im selben Moment tief den Rauch in seine Lunge. Nach vier oder fünf tiefen Zügen begann er, sich zu entspannen und tigerte erneut im Wohnzimmer seines Freiers umher, bis er dessen Schritte hinter sich hörte und sich wieder umwandte.

„Ich musste ganz schön suchen, als Nichtraucher hat man ja nicht allzu oft einen Aschenbecher im Gebrauch“, startete Angel erneut einen kläglichen Versuch, Smalltalk zu führen.

Spike schnippte die Asche ab und zuckte kurz mit den Schultern. Jetzt wo Angel wieder im Raum war, konnte er diese Unruhe erneut in sich spüren, wie sie in ihn kroch, größer wurde, sich ausbreitete und schlussendlich als Schweiß aus jeder seiner Poren trat. Nur Halten… einfacher ging es doch gar nicht, was war daran schlimm. Nichts. Oder?

„Was ist nun? Bleibst du?“, bohrte Angel noch einmal.

Spike zog eine Braue in die Höhe und schüttelte dann ganz eigentümlich den Kopf, so als wolle er irgendwelche Gedanken verscheuchen. „Yeah… für 300.“

Angel schluckte, nickte dann aber doch zustimmend. „Deal. Ich zeig dir das Bad, du kannst dich vorher noch duschen.“

Duschen. Er sollte duschen?! Keiner seiner Freier hatte das bis jetzt von ihm verlangt. Aber auch keiner seiner Freier wollte bisher nur gehalten werden - eine ganze Nacht lang. Spike sah an sich hinunter und betrachtete seinen nackten Oberkörper. Vielleicht hatte er seit zwei Tagen nicht geduscht, aber er roch nicht und sah nicht aus wie ein Obdachloser. Er nahm erneut einen kräftigen Zug von seiner Zigarette und sah Angel wieder an.

"Duschen?!", wiederholte er und zog eine Augenbraue nach oben.

"Ja, du hast doch kein Problem damit? Ich habe dir schon frische Handtücher und einen Bademantel rausgelegt. Ich mag es, wenn meine Lover frisch duften. Oder ist dir das jetzt zu pervers?" Angel musste kurz über sich selbst grinsen, hörte aber sofort damit auf, als er Spikes grimmigen Gesichtsausdruck sah. "Hör zu, es muss nicht sein, aber mir wäre es lieber."

Er war ein merkwürdiger Kunde. Er wollte nur kuscheln und bezeichnete ihn als Lover. Er versuchte, ihm krampfhaft ein Gespräch aufzuzwingen und jetzt machte er dumme Scherze. Merkwürdig. Aber immer noch leicht verdientes Geld. Spike nahm den letzten Zug seiner Zigarette und drückte den Filter, der übrig geblieben war, im Aschenbecher aus. Was schadete eine Dusche? Und wer wusste, wann er wieder dazu kam.

"Alles klar", stimmte er schließlich zu und ließ seinen Blick wieder durchs Wohnzimmer gleiten. "Wo ist das Bad?"

Mit Spike schien alles zu einem Balanceakt zu werden. Als er nun doch zustimmte, stieß Angel den unbewusst angehaltenen Atem aus und drehte sich um.

"Komm mit, hier den Gang hinunter, eine Tür neben dem Schlafzimmer. Ich werde dort auf dich warten und nach dir duschen." Er öffnete bereits die Tür zum Bad und Spike folgte ihm hinein. Auch hier sah man, dass Angel kein armer Mann war. Das Bad war riesig und vollkommen in Schwarz/Weiß gehalten. Eine riesige, runde Badewanne stand in der Mitte des Raumes und bildete das Zentrum. An den vielen Knöpfen konnte Spike erkennen, dass es sich um eine Wanne mit integriertem Whirlpool handeln musste. In der rechten Ecke war eine große Duschkabine eingebaut, auf die Angel nun deutete. "Duschgel und Shampoo stehen bereit, such dir einfach den Duft aus, der dir am meisten zusagt. Die Handtücher sind hier." Angel drückte Spike einen Stapel Handtücher in die Hand. "Ich denke, du kommst zurecht, oder?"

"Yeah", antwortete Spike, ließ die Handtücher auf den Toilettendeckel fallen und sah Angel hinterher, als er das Bad wieder verließ. Im nächsten Moment öffnete Spike seinen Gürtel und ließ seine Jeans auf den Boden fallen. Mehr trug er nicht. Shorts waren in diesem Geschäft nur hinderlich und irgendwie engten sie ihn auch ein.

Er warf einen kurzen Blick in den großen Spiegel über den zwei Waschbecken. Er sah abgemagert aus. Nicht dass er schon mal besonders dick gewesen wäre, aber die letzten Jahre hatten ihn gezeichnet. Kurz schnitt er sich selbst eine Grimasse und stieg in die Duschkabine. Nach ein paar Sekunden wahllosem Herumdrehen an den Hähnen hatte er die richtige Temperatur eingestellt und genoss das warme Wasser, das sanft auf ihn fiel. Er fuhr sich mit den Fingern durch sein Haar, bevor er nach dem erstbesten Duschgel griff. Er verrieb es in seinen Händen und fing an sich einzuseifen. Ohne großartig darüber nachzudenken, schäumte er auch seine Haare damit ein.

Vielleicht sollte er diese Dusche länger genießen als nur diese fünf Minuten. Er spülte sich die Seife aus den Haaren und vom Körper, stellte das Wasser ab und stieg aus der Dusche. In einer fließenden Bewegung griff er nach dem ersten Handtuch und wickelte es sich um die Hüften. Er griff nach einem weiteren und rubbelte sich seine Haare trocken. Ohne sich darum zu kümmern, ließ er es auf den Boden fallen und verließ das Bad.

"Ich bin fertig", sagte er, als er nur mit einem Handtuch bekleidet wieder im Wohnzimmer stand. Allein. Verwirrt sah er sich um. Wo war denn Angel? Unschlüssig blieb er einen Augenblick stehen, bevor ihm einfiel, dass er nach der Dusche ja ins Schlafzimmer kommen sollte. Er machte auf dem Absatz kehrt und ging erneut den Gang hinab.

Angel blickte ihm entgegen und wieder schnürte ihm Spikes Anblick für einen Moment die Kehle zu. Möglicherweise wäre es doch ganz nett mit ihm. Aber jetzt … jetzt war es zu spät. „Ich geh dann auch mal schnell ins Bad. Mach es dir schon mal bequem“, sagte er hastig und floh schon fast aus dem Raum. Im Bad räumte er schnell Spikes Kleidung vom Boden und legte sie ordentlich zusammen, die nassen Handtücher flogen in den Korb für die Dreckwäsche. Dann begab auch Angel sich unter die Dusche und brach beinahe einen Rekord, so schnell war er wieder fertig. Ebenfalls nur mit einem Handtuch um die Hüften öffnete er nur eine Viertelstunde später die Schlafzimmertür und betrat nahezu ängstlich das Zimmer. Als er Spikes hellen Schopf auf den Kissen sah, atmete er erleichtert aus, ließ das Handtuch fallen, hob die Bettdecke in die Höhe und schlüpfte unter die Laken. Spike lag mit dem Rücken zu ihm.

„Ich… ich werde mich jetzt an dich lehnen, ja?“, murmelte Angel fast schon schüchtern.

'Kay", war alles, was Spike von sich gab, als er spürte, wie sich Angels nackter Körper an ihn schmiegte. Angel war nicht nur ein gutaussehender Kunde, er fühlte sich auch noch gut an. Und zum ersten Mal beschlich Spike ein merkwürdiges Gefühl. Irgendwie gelang es ihm nicht, alles abzuschalten und Angel einfach nur als Freier zu sehen. Spike unterdrückte ein Aufseufzen und vergrub sein Gesicht tiefer in das weiche Kissen. Das war einfach abgedreht. Das alles hier. Aber er blieb. Er würde bleiben und das Geld wert sein, das der Mann mit den unergründlichen braunen Augen gezahlt hatte.

Angel schloss die Augen und genoss. Er genoss es, an einen warmen Körper gekuschelt zu sein. Sein Bein schob sich zwischen Spikes Beine und sein Geschlecht drückte sich an dessen Hintern. Spike war warm. Er roch gut. Angel drückte seine Nasenspitze in den Nacken des anderen Mannes, dessen kurze Haare dort hinten noch etwas nass waren. So zarte Haut besaß er. Die Hand des Dunkelhaarigen fuhr um Spikes Hüfte, seine Fingerspitzen streichelten in kleinen kreisenden Bewegungen immer wieder dessen Bauch und seine Augen blieben weiterhin geschlossen. Zum ersten Mal seit langem spürte Angel wie Ruhe in ihn einkehrte. Spike atmete friedlich. Angel konnte spüren, wie sich sein Brustkorb hob und senkte. Plötzlich war er nicht mehr allein, er fühlte sich ganz. Nun war er einfach Angel. Der schwule, schüchterne Angel, der sich seine Geliebten auf der Straße aufgabeln musste und dem diese Tatsache in diesem Moment vollkommen egal war, weil er sich schon lange nicht mehr so gewärmt, geborgen und aufgehoben gefühlt hatte.

Kapitel 2: Think About You von anja25ive

Das Rauschen der Brandung, die im gleichmäßigen Sekundentakt an den Strand spülte, ließ Angel langsam aus seinen Träumen erwachen. Träume von einem blonden Mann, der Hand in Hand mit ihm besagten Strand entlang lief, ihn unter dem Sternenhimmel umarmte, ihn warm und behutsam liebte und ihm dabei versprach, ihn vor allem Bösen der Welt zu beschützen. So entspannt wie schon lange nicht mehr schlug er die Augen auf und registrierte erst jetzt bewusst die andere Person in seinem Bett, in seinen Armen. Er war noch da. Spike.

Noch immer lag Angel an Spikes Rücken gelehnt und rückte jetzt auch ein wenig enger an den anderen Mann. Er wollte die paar Minuten, bevor Spike aufwachen und gehen würde, noch ausdrücklich genießen und ein wenig in den schönen Gefühlen, die ihm diese Zweisamkeit vorgaukelte, schwelgen. Seine Nasenspitze drückte er wie am Vorabend in den Nacken des Blonden und genoss den Geruch, der von Spike ausging. Der Duft des Duschgels war verflogen und nun konnte er seinen Eigengeruch riechen. Etwas ganz besonderes, etwas herbes, vielleicht die Zigaretten und vielleicht etwas Sandelholz und Leder, aber vor allem ganz viel Undefinierbares und doch Köstliches.

Ein kleines Seufzen entwich Angels Kehle, als er vorsichtig einen Kuss auf die weiche Haut in Spikes Nacken hauchte. Ein Frösteln schien den anderen Mann zu durchlaufen und Angel musste gerührt lächeln. Seine Finger fuhren Spikes Arm auf und ab und das Lächeln wich nicht von seinen Lippen, als er das erneute Zittern des anderen Mannes wahrnahm. Und dann war da ein Keuchen. Ein seltsames Luftholen, das sich nicht angehört hatte wie das erschrockene Einatmen, wenn Liebkosungen Gefühle in einem weckten und man kurz davon überwältigt wurde. Nein, tatsächlich klang es ziemlich krank. Angel schlug irritiert die Augen auf. Sein Kopf fuhr in die Höhe, er stützte sich auf seine Ellbogen und betrachtete den Blonden eingehend. Er schlief noch, ein feiner Film Schweiß überzog dessen Haut und er zitterte jetzt am ganzen Körper. Angel schloss einen Moment erneut seine Lider, als eine böse Vorahnung ihn beschlich. Dieser kurze Augenblick half ihm die Kraft für weitere Nachforschungen zu finden, er öffnete wieder die Augen und setzte sich auf. Vorsichtig, um den Blonden nicht zu wecken, schlug er die Bettdecke zurück und hob Spikes Arm in die Höhe. Er zog scharf den Atem ein, als sich seine Vermutung bestätigte. Er hatte gehofft, es wäre nicht so… wirklich, er hatte einen anderen Eindruck von Spike gehabt. Natürlich war das lächerlich, nein, geradezu blauäugig gewesen. Meistens gab es nur einen Grund, warum sich ein Kerl als Stricher schnelles Geld verdiente, aber irgendwie hatte er bei Spike gehofft, es sei anders. Er ließ den Arm des anderen Mannes los, als hätte er sich verbrannt, sprang aus dem Bett und ging zu seinem Schrank. Er gab sich nicht viel Mühe mit der Kleidung, er griff wahllos nach einer ausgewaschenen Jeans und einem weißen Sweatshirt, stülpte es über und beeilte sich, aus dem Schlafzimmer zu kommen. Die Tür ließ er mit einem lauten Knall hinter sich zufallen, in der Hoffnung Spike würde davon aufwachen.

Wenig später stand er mit einer Tasse Kaffee in der Hand auf seiner Veranda und beobachtete trübsinnig das Strandleben. Schon am frühen Morgen war hier Leben. Einige Sportfreaks joggten den Strand entlang und wie immer waren die unermüdlichen Schatzsucher mit ihren Metalldetektoren unterwegs um ein paar verlorene Münzen zu finden. Angel nahm dies alles jedoch gar nicht richtig wahr. Viel zu sehr waren seine Gedanken mit dem blonden Mann in seinem Schlafzimmer beschäftigt. Und mit dem, was er war.

Spikes Kopf fuhr mit einem Ruck in die Höhe, als die Tür laut ins Schloss fiel.

‚Shit’, war sein erster Gedanke. Er hatte zu lange geschlafen. Es ging ihm schlecht. Er schwitzte, jeder Muskel in seinem Körper krampfte und dieser elende Schmerz, den er so hasste, zog sich durch jede seiner Venen, ließ keinen klaren Gedanken mehr zu. Alles brannte. Zu lange geschlafen, zu lange gewartet. Nur mühsam konnte er sich erinnern, wo er war. Panisch stand er auf und suchte im Dämmerlicht des fremden Schlafzimmers seine Jacke. Über dem Stuhl lag sie. Er schnappte sie sich und floh, ohne sich darum zu kümmern, dass er nackt war, ins Bad und schloss sich dort ein. Mit zitternden Fingern zog er das Besteck aus seiner Jackentasche. Der Löffel fiel ihm zweimal aus seinen Händen in das Waschbecken.

‚Bleib ruhig… verdammt, bleib ruhig…’, versuchte er sich selbst in den Griff zu bekommen. Seine Hände durften nicht zittern, während er sich seinen Stoff zusammen mischte… Er hielt den Löffel über die Flamme seines Zippos und erwärmte das Gemisch. Wenig später setzte er sich auf den Toilettendeckel, band mit geübten Griffen seinen Oberarm ab und jagte sich die Spritze in seine Vene.

Sein Kopf fiel zurück, seine Augen drehten sich nach hinten, nur das Weiße konnte man noch erkennen und seine Arme fielen leblos an seine Seiten. Kein Schmerz mehr. Fliegen… Schweben… Körperlos… keine Sorgen… kein Schmerz… kein Schmerz… kein Schmerz… Fliegen...

Langsam verschwand das Gefühl zu schweben. Auf einer großen Wolke zu schweben. Irgendwo im Nichts zu sein. Sein Atem kam in einem gelassenen Rhythmus. Sein Körper fühlte sich wieder normal an und das Zittern war verschwunden. Er war wieder normal. Er fühlte sich wieder besser. Träge richtete er sich auf und lief zu einem der Waschbecken, stützte sich auf den Rand und sah wie am Abend zuvor, in den Spiegel. Er sah furchtbar aus. Seine Augen waren glasig, seine Pupillen so klein wie Stecknadeln und der Schweiß stand noch immer auf seiner Stirn. Die Dusche neben ihm war verlockend, doch er hatte keine Zeit. Er war lange genug hier. Viel zu lang. Hatte viel zu lange etwas genossen, was niemals greifbar für ihn sein würde. Er unterdrückte einen resignierenden Seufzer und drehte den Wasserhahn an. Ein paar Sekunden ließ er das kalte Wasser in seine Hände laufen, bevor er es in seinem Gesicht verteilte. Katzenwäsche. Das musste reichen. Er griff wahllos nach einem Handtuch, das neben dem Waschbecken hing, trocknete sich ab und fuhr sich kurz durch sein vollkommen verwuscheltes Haar.

"Wo sind meine Sachen?", fragte er sich selbst und erinnerte sich daran, dass er einen Teil gestern hier ausgezogen hatte. Nach ein paar Sekunden fiel sein Blick auf seine ordentlich zusammengelegten Sachen. Er schmunzelte kurz und stellte fest, dass das ebenfalls vollkommen in das Bild von Angel passte, das er hatte.

Nachdem er seine Jeans übergestreift hatte, fing er an, seine Utensilien zusammenzuräumen und beseitigte so gut er konnte die Spuren seiner Sucht. Er stopfte alles wieder in seine Lederjacke und ging zurück ins Schlafzimmer, wo der Rest seiner Sachen lag.

"MerkwĂĽrdige Nacht", schoss es durch seinen Kopf, als er vollkommen angezogen war und noch einmal einen Blick auf das groĂźe Bett warf, dessen Laken kaum verwĂĽstet war. Wie sollten sie es auch sein, nach einer Nacht, in der er nur von jemandem gehalten worden war. Von ihm. Angel.

Spike wusste noch immer nicht, was es war, was dieses seltsame Gefühl in ihm heraufbeschwor. Vielleicht war es einfach nur die Ungewöhnlichkeit dieser Nacht. Er rieb sich über seinen Nacken und kontrollierte ein letztes Mal, ob er alles eingesteckt hatte, dann entdeckte er Angel auf der Veranda.

Jetzt würde die Rechnung beglichen werden und Spike hoffte inständig, dass Angel bei den 300 Dollar blieb. Er hätte ihn vor der Nacht abkassieren sollen, bei so einer großen Summe, aber er war zu überrumpelt gewesen.

Er schob die GlastĂĽr zur Veranda auf und trat hinaus.

"Guten Morgen", ertönte Angels Stimme, als er ihn bemerkte. "Ich hole dir einen Kaffee." Bevor Spike etwas erwidern konnte, hatte sich Angel bereits abgewandt und war in der Küche verschwunden, die ebenfalls einen Ausgang zur Veranda hatte.

Hatte er sich wirklich so täuschen können? Hatte er sich wirklich so blenden lassen? Irgendetwas war anders an diesem jungen, blonden Mann mit den blauen Augen, die Angel trotz der Tatsache, dass er nur ein weiterer Junkie war, nicht vergessen konnte. Aber er sollte der Realität ins Auge sehen. Spike war nun mal nur ein weiterer Junkie in dieser verfluchten Stadt, der das Geld für seine Droge auf dem Strich verdiente. Angel seufzte leise, griff nach einem leeren Kaffeebecher und goss die schwarze, starke Flüssigkeit ein.

"Hier!", streckte er ihm den Becher entgegnen und wandte seinen Blick wieder auf das Strandleben.

"Danke", murmelte Spike, sah auf den Kaffee und stellte die Tasse unberührt auf das hölzerne Geländer. "Ich hätte gern meine 300 Dollar", kam Spike direkt auf den Punkt und lehnte sich mit dem Rücken an die Brüstung.

"Einen Moment", antwortete Angel knapp und verschwand erneut in der KĂĽche.

Spike bemerkte die Veränderung in Angels Verhalten. Gestern Abend noch hatte Angel versucht, jedes Wort in ein Gespräch zu verwickeln. Redete fast ununterbrochen und heute war er so kurz angebunden. War das die Reue nach der Nacht? Wurde ihm jetzt bewusst, was er getan hatte und dass es nicht das war, was er eigentlich wollte? Wieso machte er sich Gedanken darüber? Er war nur diese eine Nacht hier gewesen. Mehr nicht. Nie wieder würde er diesen Mann sehen.

"Hör' auf, darüber nachzudenken", forderte Spike sich selber auf. Er ist unwichtig. Es ist unwichtig. Egal wie gutaussehend du ihn findest. Egal, dass du sein Gerede doch charmant fandest. Egal, wie gut du neben ihm geschlafen hast.

"Hier! 300 Dollar. Du kannst es nachzählen", durchbrach Angels Stimme seine Gedanken und hielt ihm ein kleines Bündel Scheine entgegen.

"Schon gut", entgegnete Spike, nahm es und stopfte es in seine Hosentaschen. "Danke fĂĽr den Kaffee." Er deutete kurz auf die unberĂĽhrte Tasse und wollte verschwinden, als Angel ihn aufhielt.

"Du wirst dir von dem Geld Drogen kaufen." Es war mehr eine Feststellung, als eine Frage und dass der Blonde innehielt, zeigte ihm, dass er einen wunden Punkt getroffen hatte. "Du bist ein Junkie", sprach Angel weiter. "Ich habe die Einstiche in deinen Armen gesehen."

"Was interessiert es dich?", fuhr Spike herum und sah ihn verärgert an.

Ja, warum interessierte es Angel? Warum konnte es ihm nicht einfach egal sein? Er konnte es sich noch so oft einreden, aber irgendetwas an Spike hatte ihn berĂĽhrt.

"Ich ....", setzte Angel an und suchte nach den richtigen Worten.

"Du hast bekommen, was du wolltest und ich habe das Geld dafür", sprach Spike weiter und stopfte seine Hände angespannt in seine Hosentaschen. "Glaubst du, ich stehe am Bahnhof, weil ich geil auf Sex mit irgendwelchen Pennern bin? Es bringt schnelles Geld, dass ist alles. Und du warst ein goldener Esel."

Ohne ein weiteres Wort wandte sich Spike ab und verschwand.

Getroffen stand Angel auf der Veranda und sah Spike hinterher. Wieso trafen ihn seine Worte so sehr? Er wusste, dass Spike nur ein Stricher war. Er wusste, dass er nur ein Kunde war. Das war alles. Er musste es vergessen. Er musste ihn vergessen. Irgendwann würde so etwas vielleicht seine Karriere kaputt machen. Sein Leben zerstören. Sein wahres ICH konnte zurückstecken, er konnte es verdrängen, so wie er es nun schon seit Jahren tat, nur unterbrochen von kleinen Aussetzern, wie die letzte Nacht einer gewesen war.

Er griff nach Spikes vollem Kaffeebecher, schĂĽttete ihn aus und stellte die leere Tasse in die SpĂĽle, dann verschwand er in seinem Badezimmer, um sich auf ein weiteres Casting vorzubereiten.

-Zwei Wochen später-

Gott, wie er es hasste, auf Turkey zu sein. Wie er es hasste, jeden noch so abgefuckten Penner anzubaggern und jeden noch so ungewaschenen Schwanz in den Mund zu nehmen, nur um ein paar lausige Dollar für den nächsten Schuss zu verdienen. Das Blatt hatte sich gewendet. Die leicht verdienten 300 Dollar waren viel zu schnell aufgebraucht und Spike sah sich viel zu schnell gezwungen, erneut an der Haltestelle 95 seinen Körper zu verkaufen. Und sein Glück schien ihn vollkommen verlassen zu haben. Seit zwei Tagen hatte er keinen anständigen Job mehr gehabt, die vier Blowjobs brachten nicht genug ein für den nächsten Schuss. Er hatte Hunger, Durst, er sah elend aus. Er sah aus wie ein Junkie. Und die Freier nahmen keine Typen mit sich, die aussahen wie Junkies. Ein Teufelskreis, aus dem es kein Entkommen gab. Übelkeit drohte ihn zu übermannen, er krümmte sich und drückte seine Hände in den Magen, um das Gefühl, jeden Moment zu sterben, loszuwerden. Diese Übelkeit war mit das Schlimmste am Turkey. Sein Körper begann zu Beben… ihm wurde immer wieder schwarz vor Augen, das Zittern… dieser elende Schmerz… zuviel…

Spike fiel wie in Zeitlupe nach vorne und drohte auf das harte, kalte Pflaster der Straße zu knallen. Angel rannte wie ein Verrückter auf ihn zu und konnte ihn gerade noch abfangen, bevor der Sturz auf dem Boden geendet hätte.

„Spike“, rief er und klatschte dem Blonden links und rechts eine auf die Backe, damit er wieder zu sich kam. „Scheiße… komm schon, wach auf… Spike.“ Der Blonde rührte sich nicht und Angel sah unschlüssig in dessen Gesicht. Was sollte er tun? Ihn ins Krankenhaus bringen? Sein Blick richtete sich auf die anderen Stricher, die teilnahmslos zuschauten, wie dreckig es Spike ging.

‚Scheißidee, Angel’, redete er mit sich selbst. ‚Scheißidee überhaupt hier her zu kommen und Scheißidee von anderen armseligen Junkies Hilfe zu erwarten!’ Doch im Krankenhaus würden sie nur Fragen stellen, unangenehme Fragen, die Angel nicht beantworten wollte. Er wollte nicht mit diesem Junkie in Verbindung gebracht werden. Aber warum war er dann überhaupt hier? Warum ging dieser Kerl ihm seit vierzehn Tagen nicht aus dem Kopf, warum sorgte er sich um ihn?

Angel hatte das Gefühl, sein Schädel würde gleich platzen vor lauter unbeantworteter Fragen. Er schob alles weg und begann zu handeln. Hier liegen lassen würde er ihn nicht. Niemand würde sich um ihn kümmern, keiner in dieser Stadt interessierte sich für den Abschaum der Gesellschaft, wen scherte es schon, ob ein weiterer Junkie elend verreckte. Einer weniger, der von der Hand in den Mund lebte. Er hob Spike hoch, legte ihn über seine Schulter. Eine viel zu leichte Last, ein Mann von Spikes Größe sollte nicht so wenig wiegen. Vorsichtig setzte er ihn in seinen Wagen, schlug die Beifahrertür zu und setzte sich selbst in das Auto. Auf dem schnellsten Weg fuhr er nach Hause. Er würde Spike erst mal in seine Wohnung bringen… vielleicht kam er dann zu sich. Vielleicht würde er ihm sagen können, wie er ihm helfen könnte. Gott… mit Heroin wäre ihm geholfen, dass wusste Angel nur zu gut, aber er würde ihm den Stoff nicht besorgen, nein… das würde er nicht tun.

‚Scheiße, auf was hab ich mich da nur eingelassen?’, dachte er noch, als er Spike auf sein Bett legte und begann, ihn von seinen Kleidern zu befreien. Sein ganzer Körper wirkte hager. Noch dünner, als er ihn in Erinnerung hatte. Verdammte Drogen! Die Leute wussten doch, was sie sich damit antaten und dennoch nahmen sie dieses teuflische Zeug. Angel schloss für einen Moment die Augen und holte tief Luft. Er war verrückt, das hier zu tun. Das mit Spike zu tun. Aber was in L.A. war nicht verrückt?

Er schob Spikes Sachen mit den Fuß beiseite und legte die Bettdecke um seinen unkontrolliert zitternden Körper. Das war das Schlimmste. Diese Hilflosigkeit, die Angel empfand. Er wollte ihm das Zittern nehmen. Wollte die Kälte aus Spikes Körper vertreiben? Doch er wusste, dass das nur Spike selbst schaffen konnte. Kalter, harter Entzug und Spike hatte erst die Türklinke nach unten gedrückt. Der Weg durch die suchtfreie Tür lag noch meilenweit vor ihm.

Angel wusste nicht, ob er das durchhalten würde. Ob er wirklich die Kraft hatte, dass hier alles zu tun. Was war mit seinem Leben? Seiner versteckten Identität? War Spike nur ein verloren geglaubter Cousin aus England, den er durch Zufall wieder getroffen hatte. Am Flughafen??? An der Haltestelle 95??? Angel lachte über sich selbst. Niemand würde ihm diese verrückte Ausrede abkaufen. Unwillkürlich griff er zu dem Telefon, das auf dem Nachttisch neben ihm stand.

"Lilah? Hier ist Angel! Ich bin für die nächste Woche nicht in der Stadt", log Angel und sah sorgenvoll zu Spike, der schmerzerfüllte Geräusche von sich gab.

"Lilah. Ich brauche einen freien Kopf. Ich habe keine Rolle in den letzten zwei Wochen bekommen. Das hat mich fertig gemacht. Ich brauche eine Auszeit. Ruhe. Ich melde mich, wenn ich wieder zurück bin", erklärte Angel, und ohne ein weiteres Wort von seiner Agentin abzuwarten legte er auf und warf das Telefon zurück auf den Nachttisch.

Er musste sich ablenken. Irgendetwas tun, um selbst ruhig zu werden. Die Anspannung zu verlieren. Es wĂĽrde alles gut gehen. Es musste einfach alles gut gehen. Noch einmal holte Angel tief Luft, sammelte Spikes Sachen ein und verschwand damit im Bad. Er stopfte alles in die Waschmaschine und als er sie mit Waschpulver bestĂĽckt hatte, stellte er sie an. Im selben Moment vernahm er einen lauten Knall aus dem Schlafzimmer. Sofort lieĂź er alles stehen und liegen und rannte hinĂĽber.

Sein Blick fiel auf Spike, der vollkommen nackt auf dem Boden lag. Benommen. Neben sich. Bedeckt mit Splittern der Nachtischlampe, die er zerstört hat.

"Spike", entfuhr es Angel sofort, als er sich neben ihn hockte und ihn ansah. Er war noch immer bewusstlos. Angel packte ihn und hievte ihn zurĂĽck auf das Bett.

"Du musst hier liegen bleiben. Okay???" Er war sich nicht wirklich sicher, ob er ihn hörte und er war sich nicht sicher, ob es Spike beruhigte, aber es beruhigte ihn. "Ich bin hier. Du bist in Sicherheit", flüsterte er weiter und strich ihm sanft über das Gesicht. "Ruh' dich aus.“

Angel wandte sich ab und begann leise, die Scherben aufzulesen. Das hier würde nicht einfach werden. Aber was in seinem Leben war schon leicht. Er selbst war kompliziert. Und es gab jede Menge unbeantworteter Fragen. Fragen, die er verdrängte. Fragen, die im Moment zu viel waren. Jetzt reagierte er einfach, tat, was er aus welchen Gründen auch immer tun musste. Das waren die Fakten.

Noch einmal strich er ĂĽber Spikes Gesicht und versicherte sich, dass er auf irgendeine Art und Weise schlief, bevor Angel das Schlafzimmer verlieĂź.

-Tag 1-

Blinzelnd öffnete Spike die Augen. Die Sonne schien ihm grell ins Gesicht und er hatte keine Ahnung, wo er war. Übelkeit. Zittern. Schmerzen. All das war zu deutlich als irgendetwas anderes wahrzunehmen. Er brauchte etwas. Er brauchte dringend einen weiteren Schuss. Jetzt. Hier. Sofort. Als würde er schlafwandeln, schob sich Spike aus dem Bett und krümmte sich im nächsten Moment, als ein stechender Schmerz seinen Magen durchfuhr. Er sank zu Boden, als sich nach dem Schmerz das ekelige Gefühl von Übelkeit seine Kehle hinauf schlich. Er würgte. Versuchte, den Brechreiz zu überwinden. Versuchte, wieder auf die Beine zu kommen. Ein Krächzen drang aus seine Kehle, als er versuchte zu husten. Es tat weh. Aber es war egal. Ein Schuss. Ein bisschen Stoff vom süßen Leben. Das war alles, was er wollte.

Er raffte sich wieder auf und schwankte zur Tür, ungeachtete dessen, dass er vollkommen nackt war, dass er keine Ahnung hatte, wo er eigentlich war. Stolpernd folgte er dem Gang. Hangelte sich von einer Wand zur nächsten. Sekündlich übermannt von weiteren Schmerzen. Von dem Gefühl, sich immer und immer wieder übergeben zu müssen. Und dieses Zittern. Dieses verdammte Zittern, das einfach nicht aufhören wollte.

Er trat ins Wohnzimmer und blinzelte erneut, als er das grelle Sonnenlicht sah. Dort war draußen. Dort musste er ihn. Er hangelte sich weiter. Fiel über einen Hocker. Blieb an der Couch hängen. Nur noch zwei Schritte, dann war er draußen. Draußen, wo er seine Medizin fand. Sein Elixier zum Leben. Er holte Schwung, verdrängte den erneuten Anflug von heftigem Schmerz und krachte mit voller Wucht gegen die Fensterscheibe. Mit einem lauten, schmerzerfüllten Aufschrei knallte Spike zu Boden.

Aufgeschreckt von den Geräuschen rannte Angel aus dem Zimmer, das er zu einem kleinen Fitnessraum umgewandelt hatte. Erschrocken und voller Entsetzen sah Angel zu Spike, der sich wieder aufgerichtet hatte und wie ein Verrückter gegen die Glastür zur Veranda schlug.

"Lass mich raus! Du Dreckskerl!", schrie Spike vollkommen außer sich und hämmerte weiterhin gegen die Scheibe.

"Spike!!", machte sich Angel bemerkbar, lief zu ihm und packte ihn an den Armen. Doch Spike registrierte gar nichts mehr. Alles was er wollte, war nach drauĂźen kommen. Weg von hier. Hin zum Stoff. Mit einem Ruck stieĂź er Angel von sich und dieser landete unsanft auf dem Boden.

"Lass mich raus", schrie Spike unkontrolliert weiter und griff in seinem Wahn nach einem Stuhl, der vor dem großen, gläsernem Esstisch stand.

"Spiiike! Neeeein!", brüllte Angel fast, doch es war zu spät. Mit voller Wucht knallte der Stuhl durch die Scheibe auf die Veranda. Die Scherben fielen zu Boden. Spike ließ sie vollkommen außer Acht. Ungerührt lief er nach draußen, doch weiter kam er nicht. Die Übelkeit und der Schmerz waren zu groß. Er brach zusammen und übergab sich. Kotzte alles aus, was sein Magen noch hergab. Der Geschmack von widerlicher Magensäure verteilte sich in seinem Mund. Er wollte aufhören, sich zu übergeben, doch er konnte nicht. Immer wieder überfiel ihn der Brechreiz, bis er nur noch Galle erbrach.

Angel war längst aufgesprungen, hatte die Tür aufgeschoben und lief nach draußen zu Spike, ohne auf die Glassplitter zu achten, die unter seinen Schuhsohlen knirschten. Mühsam hievte er ihn nach oben, versuchte das wilde Umsichschlagen des anderen zu kontrollieren. Doch er konnte nicht vermeiden, dass er ein paar Schläge einsteckte. Erleichtert stellte er fest, dass Spike die Kräfte zu schwinden schienen, als er ihn auf die Couch legte.

"Irgendetwas muss es doch geben, um ihn zu beruhigen?", fragte Angel sich selbst und im nächsten Moment fiel sein Blick auf den Whiskey, den sie bereits vor zwei Wochen miteinander geteilt hatten. Sofort griff er nach der Flasche, öffnete sie und hielt Spike die Flasche an den Mund.

"Trink, Spike!", forderte er ihn auf und hob seinen Kopf einen wenig an. "Das wird dich beruhigen und ich weiĂź du stehst auf Whiskey."

Der erste Schluck rann seine Kehle hinunter. Spike krächzte, verschluckte sich, und dennoch nahm er den nächsten Schluck. Es brannte. Es schmeckte. Es beruhigte. Gierig trank er, als wäre er wochenlang durch die Wüste gewandert.

"Das ist genug!" Angel entzog ihm die Flasche wieder. Er vernahm einen Fluch. Irgendetwas Unverständliches murmelte Spike, bevor er wieder davon driftete und Angel ins Bad an seinen Medizinschrank rannte und die Flasche mit Aspirin suchte, die er Spike beim nächsten Anfall einflössen wollte. Als er ins Wohnzimmer zurückkam, lag Spike noch immer apathisch auf der Couch und Angel begann, das Chaos zu beseitigen, das er angerichtet hatte.

-Tag 2-

"Du bist ein Arschloch", fluchte Spike, packte Angel am Kragen und versuchte, ihn von der SchlafzimmertĂĽr weg zu zerren. Doch Angel stieĂź ihn zurĂĽck auf das Bett.

"Du bist noch auf kaltem Entzug", erwiderte Angel ruhig und schob Spike, ungeachtet von seinen FlĂĽchen, zurĂĽck in die Kissen.

"Du hast mir gar nichts zu sagen." Wütend stand Spike erneut auf, doch im nächsten Augenblick überrollte ihn wieder eine knallharte Welle des Entzuges. Er presste ein lautes Aufstöhnen durch seine Zähne und seine Arme gegen seinen krampfenden Bauch. Es würde nie aufhören. Es würde erst dann aufhören, wenn er endlich was dagegen bekam. Doch er hing hier fest. Er würde keine einhundert Meter weit kommen und dieser verfluchte Typ mit den sorgenvollen braunen Augen würde ihm nichts geben.

Er wollte etwas sagen, wollte diesen Mann erneut mit einem Fluch provozieren, doch der Wein, den er vor einer Stunde zu sich genommen hatte, kam in diesem Augenblick unverdaut wieder raus. Ächzend gab er auf und ließ sich stumm von Angel zurück aufs Bett legen. Er war zu schwach. Zu erschöpft. Zu gezeichnet von den letzten Tagen.

Angel schĂĽttete die Aspirinflasche in seine Hand. Es war bereits die Zweite, er hatte Nachschub im Drugstore besorgen mĂĽssen. Und er war sich sicher, es war nicht sein letzter Besuch im Drugstore. Alkohol und Schmerztabletten waren das Einzige, was Spike einigermaĂźen ruhig stellte, zumindest eine Weile, bis er sich wieder erbrach. Angel hatte kaum geschlafen in den letzten achtundvierzig Stunden. Immer wieder wurde er durch Spikes Schreie abgehalten, auch nur fĂĽr eine Stunde die Augen zu schlieĂźen. Die Idee, Spike ans Bett zu fesseln, hatte er zerschlagen, sobald sie in seine Gedanken sprang. Stattdessen hielt er den Blonden fest, wenn dieser wie ein VerrĂĽckter um sich schlug oder zu fliehen versuchte.

Mit einem Aufseufzen sank Spike nun in die Laken zurück. Der Alkohol und die Tabletten wirkten für einen Moment… eine Sekunde… bis der nächste Anfall kam.

Kälte… Taubheit… seine Beine waren tot, er spürte sie nicht mehr und setzte sich mit einem Ruck auf.

„Spike, was ist los?“ Angel war sofort an seiner Seite. Spike ignorierte ihn, er umfasste seinen linken Oberschenkel und versuchte, ihn zu massieren, ihm Leben einzuhauchen. Seine Lippen waren blau angelaufen, ohne sich dessen bewusst zu sein, jaulte er wie ein Welpe und trieb Angel damit beinahe in den Wahnsinn. Das andere Bein… Spike schlug sich wie ein Irrer auf das Bein. Er wollte es fühlen, irgendetwas spüren in diesen gottverdammten Beinen.

„Nein… hör auf, Spike, hör auf“, schrie Angel, der nicht mit ansehen konnte, wie Spike sich selbst schlug. Er setzte sich hinter den Blonden und bog dessen Arme auf den Rücken, hielt ihn fest umklammert.

Spike schrie. Laut. Gellend. Markerschütternd und hörte nicht auf. Hörte einfach nicht auf und Angel konnte sich nicht die Ohren zu halten. Tränen stiegen in Angels Augen und flossen lautlos über seine Wangen. Er wollte dem anderen keinen Schmerz zufügen, ihn nicht verwunden. Helfen, er wollte helfen und er musste stark bleiben, nicht nachgeben. Auch nicht, als Spike anfing zu flehen. Zu betteln um einen Schuss. Ihm alles anbot, was er hatte und ihn am Ende wieder beschimpfte und er erneut kreischte, als wieder Leben in seine Glieder kam und das Kribbeln, das dadurch verursacht wurde, ihn fast in den Wahnsinn trieb.

-Tag 3-

Unaufhörlich wackelte Spikes rechtes Bein in einem ungleichmäßigen Rhythmus. Eine Zigarette nach der anderen rauchte er und lauschte Angel, wie dieser Rollen einstudierte. Er versuchte alles, um sich abzulenken. Um nicht an das sich ständig aufdrängende Bedürfnis zu denken, sich wieder einen Schuss zu setzen. Das Verlangen war so groß. So unerträglich. So fordernd.

"Hier", sagte Angel, als er das Schlafzimmer mit einem Glas Rotwein betrat.

"Betrunken sein bringt mich nicht weiter", blaffte Spike ihn an, nahm den letzten Zug seiner Zigarette, nur um sich gleich die Nächste anzuzünden.

"Zumindest hat es dich vom Kotzen abgehalten", erwiderte Angel und blieb hartnäckig. "Trink' es oder kotz den letzten Rest deines Magens raus."

Mit einem Murren nahm Spike das Glas, nahm einen Schluck und sah Angel an. "Zufrieden!?!" Er stellte das Glas beiseite und fing nun auch mit seinen Fingern an, einen unregelmäßigen Rhythmus auf seine Knie zu trommeln.

Das hier war die Hölle und dennoch blieb er hier. Freiwillig. Angel hatte ihm gesagt, er könne gehen. Er hätte die Wahl. Und doch war er geblieben, stand weiter das Zittern durch, hielt den Schmerz aus und versuchte einfach, nur die nächste Minute zu erleben. Ohne Heroin. Mit Angel.

"Mit Angel!", wiederholte Spike in Gedanken. Dieser Gedanke war plötzlich nicht mehr fremd, seltsam oder verrückt. Es war noch immer alles abgedreht. Das hier. Dass Angel ihn aufgegabelt hatte, als er den Tiefpunkt seines Lebens erreicht hatte. Er hatte es nicht allein durchstehen müssen. Das war das Seltsamste. Seit er in L.A. war, war er allein gewesen. Und jetzt hatte er angefangen, etwas in seinem Leben zu teilen. Auch wenn es der ganze Müll seines Lebens war. Aber auf diese ganze abgedrehte Weise fühlte es sich gut an.

Spike drĂĽckte den Rest der Zigarette in den Aschenbecher, der bereits viel zu voll war, lehnte seinen Kopf gegen die Wand hinter sich und schloss de Augen. Es wĂĽrde vorbeigehen. Der ganze kalte Entzug wĂĽrde vorbeigehen und er hatte dann vielleicht die Chance auf ein anderes, ein besseres Leben.

-Tag 4-

Langsam wachte Spike auf, spürte das sanfte Sonnenlicht auf seiner Haut und fühlte zum ersten Mal, dass sein Körper entspannt war. Kein Zittern. Kein Schmerz. Keine Übelkeit. Keine Kälte oder Taubheit. Es fühlte sich alles entspannt an. Das Kissen unter seinem Kopf empfand er als wundervoll warm und weich. Zum ersten Mal seit Tagen fühlte er sich gut. Fast zufrieden. Dann nahm er die sanfte Berührung in seinem Nacken wahr, die warme Hand, die auf seinem Bauch lag.

"Hi", ertönte Angels sanfte Stimme und Spike wandte seinen Kopf zu ihm.

Unwillkürlich fing Angel an zu lächeln, als er in noch immer erschöpfte, aber klare, wunderschöne, blaue Augen blickte.

Kapitel 3: You Could Be Mine von anja25ive

Den ersten Augenblick des Morgens, an dem Spike zum ersten Mal clean erwacht war, würde Angel nie vergessen. Dieser ruhige Blick aus seinen so faszinierenden Augen, erst leicht irritiert, dann fragend und dann, als hätte ihm sein Körper signalisiert, dass alles in Ordnung mit ihm sei, Entspannung, Ruhe und Frieden. Und Angel wusste, dass dies Spike wie ein Wunder vorkommen musste. Was es ja auch war. Es war ein Wunder, dass er Spike kennen gelernt hatte und es war ein Wunder, dass sie den Entzug tatsächlich gemeinsam überstanden hatten.

"Hi", sagte auch Spike und kam sich plötzlich fremd in dieser Situation vor. Er hatte vier Tage hier verbracht. Vier Tage, in denen Angel mehr von ihm gesehen hatte als jemals ein anderer zuvor. Und nun fühlte er sich fremd hier. Abgedreht. Einfach nur abgedreht.

Angel spürte, dass Spike die Situation merkwürdig vorkam. Ihm selbst ging es nicht anders, doch er hatte einen Vorteil, er war wenigstens in seiner gewohnten Umgebung, in seinem Zuhause. Und er sollte Spike das Gefühl geben, hier willkommen zu sein.

"Wie geht es dir?", wollte er darum von dem Blonden wissen und ärgerte sich darüber, dass seine Stimme so belegt klang.

"Gut", erwiderte Spike und richtete sich in dem großem Bett auf. "Denke ich ..." Er wusste nicht wirklich, was er sagen sollte und sah nach draußen zum Meer. Erst jetzt wurde im bewusst, wie schön der Ausblick war und wie verlockend das sanfte Rauschen des Meeres klang.

"Hast du Hunger?" Angel richtete sich ebenfalls auf. "Wenn du möchtest, können wir nachher runter zum Meer gehen. Spazieren... vielleicht. Wenn du möchtest..."

Spike schmunzelte leicht, als er Angels Unbeholfenheit bemerkte, aber er fühlte sich nicht besser. Es war einfach eigenartig nach diesen vier extremen Tagen. Er wandte seinen Blick vom Meer ab und sah zu Angel. "Yeah. Essen wäre gut. Ich denke, mein Magen verträgt wieder feste Nahrung."

"Ich hoffe es. Aber ein Versuch kann ja nicht schaden." Angel stand auf und kümmerte sich nicht weiter darum, dass Spike ihn in diesem Moment völlig nackt sah. Gemächlich ging er zu seinem Schrank, griff nach ein paar bequemen Klamotten und verließ das Schlafzimmer in Richtung Bad. An der Tür stoppte er kurz. "Ich dusche nur schnell, brauche nicht lange. Bleib ruhig noch liegen, du kannst nach mir ins Bad, während ich dann schon mal das Frühstück vorbereite", wandte er sich noch mal kurz an den Blonden und verließ entgültig den Raum, als er Spikes zustimmendes Nicken wahrgenommen hatte.

Spike ließ sich wieder in die Kissen fallen. Er fühlte sich noch immer schwach, aber nicht zu schwach, um Angels Figur nicht zu bemerken. Ihm war in der ersten Nacht nicht wirklich aufgefallen, was unter dem hübschen Gesicht kam. Er lächelte und wusste jetzt genau, warum Angel sich so gut angefühlt hatte. Und diese Tätowierung auf seinem rechten Schulterblatt. Spike hatte nicht wirklich erkannt, was es war, aber irgendwie war es sexy und passte nicht so ganz zu dem aalglatten Mann, den Angel auf gewisse Art und Weise verkörperte. Wieder schlich dieses merkwürdige Gefühl seinen Rücken hinauf. Unbekannt. Fremd. Ein bisschen beängstigend.

‚Spike, was ist mit dir los?’, fragte er sich in Gedanken und strich über sein Gesicht. Angels Schritte im Flur rissen ihn aus seinen Überlegungen. Träge schob er sich aus dem Bett und tapste nackt wie er war ebenfalls ins Bad.

Angel sah lächelnd auf, als Spike in die Küche kam. „Du hast die Kleider also gefunden. Sind ein paar Sachen von früher, als ich noch schlanker war und ich hatte gehofft, sie passen dir.“ Er plapperte. Angel ertappte sich selbst dabei, dass er unbeholfen wie ein kleiner Schuljunge plapperte. Aber Spikes Anblick, in den ausgewaschenen engen Jeans und dem weißen, gestrickten Wollpulli hatten ihn für einen Moment vollkommen aus der Fassung gebracht.

‚Sexy. Unverschämt sexy’, ging es ihm nur immer wieder durch den Kopf. „Ich habe Rühreier mit Speck gemacht und Pfannkuchen mit Ahornsirup. Oder möchtest du etwas anderes? Kaffee?? Kaffee habe ich auch… warte, ich hol dir eine Tasse. Setz dich… setz dich hin, wenn du magst.“

‚Gott, hör auf zu plappern’, fluchte Angel mit sich selbst, als er Spikes selbstgefälliges Grinsen bemerkte. Schnell wandte er sich um und holte eine frische Tasse aus dem Küchenschrank.

Er konnte es einfach nicht verhindern. Spike musste grinsen. Angel war Zucker, wie er in der Küche hin und herlief und versuchte, ihm alles Recht zu machen. Er sollte vielleicht etwas sagen, irgendetwas erwidern, aber ihm war nicht danach. Außerdem gefiel ihm Angels Stimme. Er grinste weiter, nickte zustimmend und nahm alles, was Angel ihm vor die Nase stellte.

Wenig später saßen sich die beiden Männer am Küchentisch gegenüber. Angel beäugte kritisch, was Spike aß. Es war nicht viel. Dabei müsste er nach vier Tagen ohne feste Nahrung am Hungertuch nagen. Entweder ging es ihm doch noch nicht so gut, wie er behauptet hatte oder aber, er hatte Angst, zu viel auf einmal zu essen und sich dann erneut übergeben zu müssen. Angel selbst wurde auf alle Fälle unruhig und fast schon aggressiv, als er Spike zuschauen musste, wie der mehr mit dem Essen spielte, anstatt zu essen.

„Schmeckt es nicht?“, fragte er wohl darum schärfer als beabsichtigt.

"Wie?", fragte Spike und zog eine Augenbraue nach oben. Erst jetzt kam Angels Frage vollkommen in seinem Kopf an und er schüttelte den Kopf. "Nein, es ist gut. Sehr gut."

"Aha, und darum isst du wie ein Spatz?", nörgelte Angel weiter.

Spike verdrehte die Augen und ließ die Gabel klirrend auf den Teller fallen. "Besser wie ein Spatz als gar nicht."

Angel zuckte bei Spikes Reaktion zusammen. Das hatte er nicht gewollt. Verlegen sah er auf seinen Teller und wusste nicht, wie er mit der Situation umgehen sollte. Das Geräusch des über den Boden gleitenden Stuhls, als Spike hektisch aufstand, riss ihn aus seiner Erstarrung. Irritiert schaute er hoch. Spike war bereits auf dem Weg ins Schlafzimmer. Schnell sprang Angel hinter ihm her. „Wo gehst du hin?“, fragte er entsetzt. Spike stand in seiner Lederjacke vor ihm.

"Ich gehe. Was hast du gedacht?“, erwiderte Spike in einem harschem Ton. Er schob sich an Angel vorbei, durchquerte das Wohnzimmer und umfasste bereits die Türklinke, als er innehielt und Angel bemerkte, der ihm gefolgt war und mit verwirrtem Blick hinter ihm stand.

"Danke für alles", sagte Spike knapp und wollte gehen.

Ohne nachzudenken schoss Angels Hand vor und drückte die bereits einen Spalt offene Haustür wieder zu. „Nein“, stieß er atemlos hervor.

„Nein?“, wiederholte Spike Angels Wort und seine Augenbraue fuhr in die Höhe. „Was soll das heißen… Nein?“

„Nein, du kannst nicht so einfach verschwinden. Nach all… nach all dem hier“, stotterte Angel und deutete mit fahrigen Bewegungen seiner Arme im Raum umher.

„Was erwartest du? Ich habe mich bedankt. Was willst du noch? Soll ich auf die Knie vor dir fallen? Ich habe dich nicht darum gebeten, mir zu helfen.“ Spike wurde sauer und versuchte, Angels Arm von der Tür zu reißen. Plötzlich fühlte er sich gefangen. Gefangen in dieser seltsamen Situation, in die er ohne seinen Willen geraten war. Die er nicht gewollt hatte und um die er nicht gebeten hatte und Angel… der biedere Freier, der keinen Sex wollte, kam ihm vor wie sein Gefängniswärter. Raus. Sein einziger Wunsch war, von hier weg zu kommen.

"Nimm deine verdammte Hand von der Tür."

"Nein!", beharrte Angel, obwohl er wusste, dass er mit Gewalt Spike garantiert nicht zum Bleiben zwingen konnte. Spike war ein Freigeist. Ruhelos. Ständig in Bewegung. Es gab nur ein Ja oder Nein. Und er konnte nicht mehr, als ihn fragen. Seufzend nahm Angel seine Hand von der Tür und trat einen Schritt zurück.

"Ich kann dich nicht zwingen ...", begann Angel und fuhr sich nervös über seinen Nacken. "Ich möchte einfach, dass du bleibst. Du hast hier ein Dach über dem Kopf. Essen ... ", versuchte er, Spike seine Bitte schmackhaft zu machen. " ... und ich ... ich biete ein bisschen Gesellschaft." Er stieß den Atem aus, den er unbewusst angehalten hatte, und sah Spike fast flehend an.

‚Verdammt!’, fluchte Spike in Gedanken. Wieso musste er ihn jetzt so ansehen? Mit diesen braunen Augen, die so verdammt traurig aussehen konnten. Spike haderte mit sich. Er wusste, dass er hier das Paradies hatte, dass es ihm hier so gut wie noch nie gehen würde seit er in L.A. war.

"Verdammt", fluchte Spike nun laut und schlug die Faust gegen die Tür. "Ich bleibe!"

Erleichtert atmete Angel aus und schenkte Spike ein Lächeln. Er war froh, dass der Blonde blieb, dass dieses Haus ihm nicht mehr so groß erscheinen würde, wenn er nach einem Tag voller Castings nach Hause kam. Doch etwas lag ihm noch auf der Seele. Niemand kannte sein Geheimnis. Niemand wusste, dass er homosexuell war und keiner sollte auf dummen Gedanken kommen, wenn er bemerkte, dass er nicht mehr allein wohnte.

"Spike", begann Angel erneut und versuchte, sich seine Anspannung nicht allzu sehr anmerken zu lassen. "Ich hätte noch eine Bitte."

Unwillkürlich verzog Spike das Gesicht. Er hätte es ahnen müssen. Selbst ein scheinbarer Engel, wie Angel es war, verlangte irgendetwas dafür, dass er hier blieb.

"Würdest du bitte jedem erzählen, der dich fragt, dass du mein Cousin bist?" Bittend sah Angel ihn an.

"Sicher", erwiderte Spike und fing an, mit seinem Feuerzeug zu spielen. "Und aus Dankbarkeit werde ich dir jeden Abend einen Blasen."

"Spike ...", entfuhr es Angel augenblicklich, als er die Bemerkung vernahm, die so voller Zynismus triefte. "Ich verlange nur das von dir. Mehr nicht!"

Für einen kurzen Moment sah Spike ihn einfach nur an. Er glaubte Angel. Das Verrückte war, er glaubte ihm wirklich. Und wenn das alles war, was ihm eine kostenlose Unterkunft verschaffte, dann würde er eben sein Cousin sein. "Alles klar."

Spike zog seine Jacke wieder aus, während er an Angel vorbei zurück ins Wohnzimmer lief, warf sie achtlos auf das Sofa und trat dann nah an Angel, der ihm erneut gefolgt war, heran und sah ihm in die Augen. "Aber dir entgeht was. Ich bin gut im Blasen."

-Zwei Monate später-

Angel betrat nach einem langen anstrengenden Drehtag seine Wohnung. Seit drei Wochen befand er sich nun am Set von *You could be mine*. Er hatte die Rolle des romantischen Helden in dieser Schnulze angenommen, da keine anderen interessanten Rollen für ihn drin gewesen waren. Es schien, als hätte man ihn in eine Schublade gesteckt. Einmal der romantische Held, immer der romantische Held. Es frustrierte ihn, aber andererseits musste er von etwas leben und er musste im Gespräch bleiben. Beides konnte er nur erreichen, wenn er drehte. Und vielleicht fiel er gerade in diesem Film irgendeinem Produzenten auf, der ihm die Möglichkeit gab, in ein anderes Charakterfach zu schlüpfen. Diese Hoffnung wollte Angel einfach nicht ganz aufgeben.

Es brannte kein Licht in der Wohnung. Nur das bläuliche Flimmern des Fernsehers erhellte das Wohnzimmer, als Angel es betrat und Spike vorfand, der wie jeden Abend auf der Couch herumlungerte. Ein Anblick, der Angel in den vergangenen Wochen zur Gewohnheit geworden war, ein Anblick, der ihn langsam aber ganz allmählich tierisch nervte. Genauso wie das Durcheinander und der Dreck, den Spike überall, wo er stand und ging, hinterließ und sich nicht einen Deut darum scherte, wer hinter ihm herräumte. Genervt beugte Angel sich vor, hob eine Chipstüte vom Boden auf und zerknüllte sie geräuschvoll. Er hatte es satt, jeden Abend, wenn er müde und geschafft von der Arbeit nach Hause kam, aufzuräumen, nur weil Spike zu faul war, auch nur einen Finger zu bewegen, wenn es den Haushalt betraf.

Sich von den Geräuschen gestört fühlend, die Angel beim nach Hause kommen machte, stellte Spike den Fernseher lauter und griff nach einem weiteren Bier aus dem Sixpack, der neben dem Sessel auf dem Fußboden stand. Er legte die Fernbedienung beiseite und öffnete die Dose. Als die Flüssigkeit anfing, heraus zu sprudeln, hielt er das Bier sorglos über den Teppich, bis es aufhörte und lehnte sich zurück.

"Hi", sagte er schließlich und warf Angel ein kurzes Grinsen zu. "Willst du auch ein Bier?"

„Nein!“, motzte Angel beleidigt und war sich doch darüber im Klaren, dass Spike seine Verstimmung nicht wahrnehmen würde. Wie er so gar nichts wahrnahm, was ihn, Angel, beschäftigte. Für Spike war er einfach nur ein goldener Esel, den er ausnutzen konnte. Er nahm und er gab nichts. Natürlich war er selbst daran schuld, um nichts anderes hatte er ihn gebeten. Aber was man aussprach und sich dabei tatsächlich wünschte, waren zwei verschiedene Paar Schuhe. Wenn er versuchte, mit Spike in ein Gespräch über dessen Vergangenheit zu kommen, blockte der Blonde dieses vollkommen ab, nicht einmal seinen richtigen Namen verriet er Angel. Sicher, er war froh, dass Spike geblieben war, aber er hatte ebenso die Hoffnung gehabt, dass mehr daraus werden könnte. Dass Spike wenigstens ein bisschen Interesse oder Zuneigung an seiner Person zeigen würde. Gott, er war doch auch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut und er drehte irgendwann noch durch, wenn dieses Zuckerstück ständig vor seiner Nase herumtanzte und er es aber nicht kosten durfte. Und Spike war immer da. Er ging nicht aus, er gammelte den ganzen Tag einfach in der Wohnung herum, zeigte kein Interesse seine weitere Zukunft zu planen, nicht einmal der Strand reizte Spike. Angel war schon klar, warum Spike so gar nicht das Haus verließ. Zum Teil war es sicher Selbstschutz, die Sucht war noch immer allgegenwärtig. Auch wenn er den kalten Entzug hinter sich gebracht hatte, war für Spike das Verlangen nach dem nächsten Schuss groß und immer vorhanden. Um einen Rückfall zu vermeiden, schien er sich lieber selbst hier in dieser Wohnung einzusperren als nach draußen zu gehen. Dort, wo er überall die Möglichkeit hätte, seine Droge zu erwerben und Angel konnte zumindest diese Beweggründe einigermaßen nachvollziehen.

Die Abende verbrachten sie meist, nachdem Angel aufgeräumt hatte, vor dem Fernseher, bis ihm irgendwann die Augen zufielen und er ins Schlafzimmer ging. Nicht mal im gemeinsamen Bett schliefen sie. Spike schlug sich jede Nacht ein Lager auf der Ausziehcouch im Wohnzimmer auf, welches Angel dann jeden Morgen zusammenräumen durfte. Es war zum Mäuse melken. Angel stöhnte genervt und fuhr sich fahrig durch das gegeelte Haar.

"Wohl ein bisschen verspannt heute?", bemerkte Spike und erwartete nicht wirklich eine Antwort. Angel war immer gestresst, wenn er vom Dreh nach Hause kam und Spike ignorierte es für gewöhnlich. Nur gelegentlich, wenn Angel diese nervtötenden Geräusche von sich gab, versuchte Spike ein bisschen Anteilnahme zu zeigen.

"Trink' ein Bier! Das macht dich locker", forderte Spike ihn auf und warf ihm das angefangene Bier zu, das Angel nur mit Mühe und nicht ohne etwas auf seinem Hemd zu verschütten, auffing. "Du siehst immer aus, als hättest du einen Stock im Kreuz. Oder brauchst du doch mal wieder einen ordentlich Fick?"

Spike zuckte mit seiner rechten Augenbraue und stieß ein lautes Rülpsen aus. Dann hob er seine Hand, ballte sie zur Faust und klopfte sich auf seine Brust.

"Scheiße. Das hat gut getan."

„Gott, du bist ein Schwein.“ Angel verzog angewidert das Gesicht, drehte sich um und lief in die Küche. Er zog sein Hemd aus und versuchte, unter dem Wasserhand die Bierflecken rauszuwaschen. Irgendwann übermannten ihn jedoch seine Gefühle.

‚Oder brauchst du doch mal wieder einen ordentlich Fick?’

Spikes Worte hatten ihn verletzt. Brannten in ihm und am liebsten wäre er jetzt ins Wohnzimmer gestürmt, um dem blonden Miststück zu zeigen, wer hier einen ordentlichen Fick nötig hatte. Was glaubte Spike noch abziehen zu können mit ihm? Stinksauer zerknüllte Angel sein Hemd, warf es auf den Boden und kickte es mit dem Fuß in die nächste Ecke.

"Hey … solltest mal wieder einkaufen gehen", drang Spikes Stimme an sein Ohr und Angel bemerkte erst jetzt, dass dieser vor dem Kühlschrank stand und ungeniert aus dem Milchkarton trank."

"Dazu gibt es Gläser", fuhr Angel ihn an. Er versuchte, seine Wut zu beherrschen, doch es gelang ihm nicht wirklich. Er holte ein Glas aus einem der Schränke und stellte es äußerst geräuschvoll auf den Tisch.

"Die muss man nach Gebrauch eh nur abwaschen", erwiderte Spike, wischte sich den Milchbart von der Oberlippe und stellte den leeren Karton zurück in den Kühlschrank.

"Was du auch so oft tust." Der sarkastische Ton in Angels Stimme war deutlich zu hören, doch Spike schien das keinen Moment zu berühren.

"Hey, wenn du keinen hoch bekommst, nur weil du mit 'ner hübschen Frau knutschen musst, kann ich nichts dafür. Lass deinen Stress am Besten im Fitnessraum raus." Spike wollte schon zurück in seinen Fernsehsessel, als er an der Tür noch einmal innehielt. Er gestand sich ein, dass er nicht immer nett und vorbildlich zu Angel war, aber er konnte einfach nicht anders, als ihn immer und immer wieder zu necken. Wenn Angel sich aufregte, fing diese kleine Ader an seiner Stirn an zu zucken und er sah einfach himmlisch dabei aus. Aus diesem Grund grinste Spike nun auch dreist, als er Angel eine weitere Bemerkung reindrückte. "Und noch besser. Du hast zwei kräftige, große Hände. Setz sie ein. Ach, und wenn es dich heiß macht, seh' ich auch gern dabei zu, wie du dir einen runterholst."

Vollkommen entsetzt starrte Angel ihn an. Wieder etwas, was ihn getroffen hatte und dieses selbstgefällige Grinsen traf ihn noch mehr. Hatte Spike denn gar keine Gefühle? War er wirklich so blind, dass er nicht mitbekam, wie es ihn verletzte? Er schluckte den Kloß in seiner Kehle hinunter und versuchte, die Fassung zu bewahren.

"Ich habe dir durch den Entzug geholfen. Ich habe dir ein Dach über dem Kopf gegeben und du benimmst dich wie ein verdammtes Arschloch."

"Ich habe nie behauptet, etwas anderes zu sein", erwiderte Spike kalt und lehnte sich lässig gegen den Türrahmen.

"Hast du keinen Funken Dankbarkeit in dir?" Angel wollte einfach nicht glauben, dass Spike so herzlos war.

"Doch. Ich bin dankbar für das Bier. Für das Essen. Für die neuen Sachen." Er stieß sich vom Türrahmen ab, trat direkt vor Angel und legte seine Hände übereinandergefaltet auf sein Herz. "Und ich bin dankbar, dass du mein Held bist, der mich gerettet hat. Oh, mein edler Ritter!"

Angel schnaubte vor Wut. Spike war ein verwöhnter, rotzfrecher Bengel, der keinen Funken Anstand besaß. Nichts nahm er ernst. Nichts und Niemand.

"Du nimmst nicht mal diese Diskussion ernst!", stellte Angel fest und verschränkte die Arme vor seiner Brust, um Abstand zwischen ihnen zu schaffen. Spike war ihm in dieser Situation viel zu nah.

"Was ist dein Problem?", fragte Spike genervt, weil Angel einfach nicht zum Punkt kam. Eine merkwürdige Eigenart von ihm. Er redete immer um den heißen Brei, machte irgendwelche Andeutungen, die er dann verstehen sollte. Spike war kein großer Denker. Er mochte es direkt, mochte es, wenn man ihm die Dinge klar und deutlich auf einem Tablett präsentierte.

"Mein Problem??? Mein Problem?!", wiederholte Angel und klang fast hysterisch. Er war vollkommen außer sich, dass Spike anscheinend nicht genug Gehirn besaß, um zu begreifen, auf was er hinaus wollte. "Das ist mein Problem", fing er an, ging zum Kühlschrank und holte den leeren Milchkarton wieder heraus. "Der ist leer. Das schmeißt man weg."

"Da war noch was drin", verteidigte Spike sich nicht ernsthaft.

Angel rollte mit den Augen, griff nach einem Glas, stellte es auf den Tisch und ließ die zwei letzten Tropfen im Karton demonstrativ hineinlaufen. Voller Ärger zerknüllte er ihn daraufhin und warf ihn in den Müll. Dann fuhr er fort.

"Das Wohnzimmer sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Es stinkt dort wie in einer Kneipe, die ein Jahr nicht mehr gelüftet worden ist. Du drückst deine Zigaretten auf meinem Teppich aus, weil du zu faul bist, den Aschenbecher auszuleeren. Du schüttest Bier auf dem Boden aus. Essensreste in jeder Ecke und heute Morgen .... " Angel redete sich regelrecht in Rage. " ... ist das passiert." Er wandte sich hab und griff nach einem Schuh, den er unter der Spüle verstaut hatte und zeigte deutlich auf die Sohle. "Ich bin in einen riesigen Kaugummihaufen getreten, weil du ein faules, dreckiges Schwein bist." Wütend warf er mit dem Schuh nach Spike.

"Hey ...", zischte Spike und trat den Schuh, der ihn an der Brust getroffen hatte in eine Ecke. „Wer hat mich den angefleht zu bleiben?" Spike zog eine Schnute, legte seine Stimme eine Tonlage höher und imitierte Angel. "Ich will nicht mehr allein sein. Ich will, dass du bleibst. Ich bin ja so einsam. Wäääh…" Spike rieb sich mit seinen Händen über seine Augen und tat so, als würde er sich Tränen wegwischen.

Im nächsten Augenblick knallte eine volle Vase mit frischen Blumen knapp neben ihm an die Wand. Erschrocken und vollkommen überrascht, blickte Spike zu Angel, dessen Atem vor Wut rasselte und der ihn ansah, als würde er ihn gleich töten. Niemals hätte er geglaubt, dass Angel so weit gehen würde. Natürlich hatte er ihn mit voller Absicht provoziert, ihn versucht, an seine Grenzen zu treiben, aber niemals hatte er angenommen Angel zum Explodieren zu bringen.

"Das ....", machte sich Spike wieder bemerkbar. " ... das hätte mich umbringen können."

"Die Drogen hätten dich auch umbringen können."

Autsch. Das saß. Das war Spikes einziger wunder Punkt und Angel hatte mitten ins Schwarze getroffen. "Ich verschwinde", sagte er vollkommen kalt und verschwand aus der Küche.

"DU gehst nirgendwo hin", schrie Angel ihm hinter her und folgte dem Blonden ins Schlafzimmer.

"DU hast mir gar nix zu sagen", fauchte Spike, umfasste Angels Arme und wollte ihn von der Tür wegziehen, doch Angel packte ihn seinerseits und presste ihn an die gegenüberliegende Wand.

"ICH ... SAGTE ... DU ... GEHST ... NIRGENDWO ... HIN." Sein Griff war stark, fest und bestimmt. Spike hatte keinen Zweifel daran, dass Angel seine Worte vollkommen ernst meinte, dass er handeln würde, wenn er sich ihm widersetzen würde. Doch Spike konnte nicht handeln, wollte nicht handeln. Zu lange hatte er darauf gewartet, dass Angel endlich etwas tat. Die Initiative ergriff. Plötzlich ging sein Atem unkontrollierte, als er sich Angels Körper deutlich bewusst wurde und dessen Blick, der sich in den seinen bohrte.

Angel raste noch immer vor Wut. Er wollte Spike eine kräftige Tracht Prügel verpassen, doch plötzlich war er befangen. Nein, vielmehr gefangen von dessen Körper, von dessen blauen Augen, davon, dass er ihm so verdammt nah war.

"Was nun?", durchbrach Spike die fast bedrohlich wirkenden Stille. "Willst du ... " Weiter kam er nicht. „Halt die Klappe“, zischte Angel und hatte auch schon im nächsten Moment Besitz von Spikes Lippen ergriffen.

Peng. In Spikes Kopf knallten alle Sicherungen durch. Angels Lippen auf seinen. Der erste Kuss, der allererste Kuss von Angel. Voller Inbrunst erwiderte er die Liebkosungen, öffnete seine Lippen ein Stück, damit Angels Zunge in seinen Mund eindringen konnte, ihn erforschen, schmecken konnte. Und er ihn. Gott… köstlich, Angel schmeckte einfach köstlich. Sauber, frisch, nach mehr. Seine Hände konnten längst nicht mehr Angels Unterarme umklammern, sondern suchten sich schon fast eigenständig den Weg zu Angels nackter Haut, streichelten den Brünetten erst durch den Stoff des Unterhemdes, welches er trug, den Rücken und zupften es dann ungeduldig aus dem Hosenbund. Ein erleichtertes Stöhnen entfuhr Spike, als er die warme, weiche Haut Angels ertastete. So zart. Alles nach was er sich seit über zwei Monaten sehnte, hielt er endlich in seinen Armen. Überwältigt von all seinen Gefühlen fuhr Spikes Hand Angels Wirbelsäule hoch, glitt in dessen Haare am Hinterkopf, spielten einen Moment damit und pressten dann mit sanftem Druck Angels Kopf noch näher an den seinen. Er wollte ihm keine Gelegenheit geben, den Kuss zu beenden oder gar über das, was sie hier taten, nachzudenken. Angel sollte nicht denken, sondern handeln. Viel zu sehr brauchte er ihn.

Erst als er fast erstickte, gab Spike Angels Kopf frei. Scharf Luft einziehend, lösten sich die beiden voneinander und starrten sich in die Augen. Stille.

Außer den Geräuschen, die ihre schnelle Atmung verursachte, hörte man keinen Laut in der Wohnung. Es war wie die Grabesstille nach einem gewaltigen Erdbeben. Als würde sich die Weltkugel für den Bruchteil einer Minute nicht mehr drehen, nachdem Urgewalten über sie getobt waren. Und dann, ganz langsam eierte sie wieder los.

Angel war der Erste, der aus seiner Erstarrung erwachte. Vorsichtig hob er seine Hand und fuhr mit den Fingerspitzen die Konturen von Spikes Mund nach. „Ich wollte dich schon lange küssen“, murmelte er verträumt.

„Warum hast du so lange gewartet?“ Spike genoss diese zarte Berührung und hatte gleichzeitig Mühe, sich weiterhin auf den Beinen zu halten, da sie sich anfühlten als seien sie aus Pudding.

„Weil du so… ach scheiße…“ Angel wollte jetzt nicht sprechen. Er wollte endlich das machen, was er sich Tag ein, Tag aus erträumt hatte mit Spike zu tun. Erneut eroberte er die Lippen des Blonden, diesmal zärtlicher, einfühlsamer, forschender. Er ließ sich Zeit, knabberte genüsslich an dessen Unterlippe, biss behutsam mit den Zähnen hinein und zog sie ein Stück weg, nur um sie dann zurückschnellen zu lassen und gleichzeitig seine Zunge tief in Spikes Mundhöhle zu schieben. Seine Hände gingen auf Wanderschaft, befühlten die muskulösen Oberarme seines Geliebten, die nackten Unterarme und schoben sich dann zwischen sie beide, um seinen Bauch zärtlich zu reiben.

„Zieh mich aus“, forderte Spike heiser, der die sanfte Folter, das in die Länge ziehen nicht mehr ertrug. Zu lange wartete er bereits auf Angel. Er wollte ihn spüren, die sonnengebräunte Haut des Schauspielers auf seiner weißen. Ungeduldig hob er die Arme in die Höhe und Angel ließ sich nicht zweimal bitten. Hastig zog er Spikes Shirt aus dessen Hosenbund nach oben über den blonden Schopf und warf es achtlos in irgendeine Ecke. Dann trat er einen Schritt zurück und drückte seinen Mund auf Spikes Hals. Saugte die zarte Haut fest ein, bis er ein Wimmern von dem anderen vernahm. Er ließ ab von Spike und betrachtete sich fast schon mit Besitzerstolz den riesigen Knutschfleck, der am Hals des ehemaligen Strichers prangte. Vorsichtig rieb er mit dem Daumen darüber und lächelte zärtlich, bevor er erneut seinen Kopf herab beugte und seine Zunge um Spikes linke Brustwarze kreisen ließ.

Der Blonde zog keuchend die Luft ein, als Angel zart in seinen Nippel biss und dann eine feuchte Spur entlang seiner Bauchlinie bis zu seinem Bauchnabel zog und diesen nun feucht mit seiner Zunge umkreiste. Er zitterte. Leidenschaft. Erregung. Unsagbare Erregung floss durch jede seiner Poren und ein kehliger, flehender Laut verließ seinen Rachen. Wie lange würde Angel dieses Spiel noch mit ihm treiben? Er war schon jetzt so hart, dass er das Gefühl hatte, jeden Augenblick in seiner Jeans zu kommen.

„Uhh… gosh… Baby… ich kann … nicht mehr… stehen“, keuchte Spike. Sein Atem raste. Er konnte ihn kaum noch beruhigen.

„Mmmhhh“, gab Angel von sich und eng umschlungen torkelten sie zum Bett, fielen auf die weißen Laken und küssten sich erneut stürmisch. Ihre Hände konnten nicht mehr ruhen, jeder streichelte den anderen, neckte, liebkoste, forderte. Schon bald lagen sie sich fast nackt in den Armen, Angel zwischen Spikes Beinen. Nur Angels Unterhosen trennten die beiden noch vor der momentan drängendsten Sehnsucht, der Sehnsucht, sich ganz zu spüren, Haut an Haut, leidenschaftlich, heiß, pulsierend.

Erneut riss sich Angel von Spikes drängenden Lippen los und küsste sich eine heiße Spur bis zu dessen Bauchnabel. Der Blonde begann sich unter dem Schauspieler zu winden, wimmerte, flehte mit unverständlichen Worten und trieb Angel damit immer tiefer und tiefer, vorbei am Bauchnabel des Blonden, den er kurz genüsslich ausschleckte, über die kleinen hellen Härchen unterhalb und noch tiefer zu dessen fein säuberlich rasiertem Intimbereich. Für einen Augenblick erstarrte Angel in seiner Bewegung und betrachtete sich genießerisch, was ihm dargeboten wurde. Spikes pochendes Glied war einfach wunderschön, genau so hatte er ihn sich vorgestellt, nicht zu groß, genau richtig, die Haut etwas dunkler als der Rest von Spikes Körperhaut, die Eichel glänzend dunkelrot. Er warf einen schnellen Blick hoch in Spikes Augen und befeuchtete sich dabei die Lippen mit seiner Zunge: „Darf ich?“

„Oh Fuck… ja, verdammt… ja“, kreischte Spike schon fast hysterisch, da er es keine Sekunde länger mehr aushalten konnte, keine Millisekunde länger dieses Vorspiel ertrug, dieses Herantasten, das vorsichtige Anschmiegen.

„Fuck“, schrie er erneut, als Angel jeglichen Gedankengang Spikes unterbrach, indem er seine warmen, feuchten Lippen um dessen Eichel legte. Spikes Hüften drängten nach oben, wollten sich schneller, tiefer in den Mund seines Geliebten bohren, doch der Brünette gab ein glucksendes Geräusch von sich und drückte Spikes untere Mitte zurück in die Laken. Und dann begann er zu saugen. So langsam, so verdammt langsam saugte er Spike immer tiefer in seinen Mund. Umkreiste dabei dessen Rillen unter der Eichel genüsslich mit seiner leicht rauen Zunge und drückte ab und an fest die Hoden des Blonden zusammen.

Spike warf seinen Kopf hin und her, schloss die Augen, riss sie wieder auf und blickte hinab auf den dunklen Schopf seinen Geliebten. Schaute sich selbst zu, wie er immer wieder ein und ausglitt aus dessen Mund. Wie Angel seine Zunge über die steinharte Eichel schnalzen ließ und ihn dann erneut tief in sich aufnahm. Spike hatte das Gefühl, es nicht mehr zu ertragen. Angels Augen, die zu ihm empor schauten, während er, Spike, sich immer wieder zwischen dessen Lippen bohrte, war zuviel. Seine Erregung ergriff jetzt völlig vom ihm Besitz. Eine gewaltige Welle brauhte sich ganz tief in seinem Innern zusammen und suchte einen Ausgang. Er hatte das Gefühl, Schmerzen zu erleiden, Lustschmerzen, so sehr trieb Angel ihn voran, mit seinen Liebkosungen, so sehr hatte er es, hatte er ihn gebraucht.

Angel spürte, wie weit Spike war und ließ ab von dessen Schwanz. Schnell schob er sich selbst seine Unterhose die Beine hinab und kletterte auf allen Vieren hoch zu seinem blonden Geliebten, bis sein Gesicht in gleicher Höhe mit dessen Gesicht war.

„Fuck… Baby… hör nicht auf… bitte… nicht... jetzt“, presste Spike völlig außer sich zwischen seinen Lippen hervor. Er hatte das Gefühl, sich krümmen zu müssen, so hart traf ihn der Verlust von Angels Lippen an seinem besten Stück.

Angels Erregung war nicht kleiner als die von Spike und seine Sehnsucht nach Erlösung ebenso wenig. Er stieß mit den Hüften nach unten, ließ seinen Penis gegen den von Spike reiben, drücken. Dann schob er seine Hand zwischen sie und umfasste den Penis seines Geliebten, schob seine Vorhaut vor und zurück und keuchte auf, als er fühlte, das nun auch Spike sein stahlhartes Glied umschlang und liebevoll verwöhnte. Keuchend sahen sie sich dabei gegenseitig in die Augen.

„Ich will dich“, stieß Angel heiser hervor. „Gott, ich will dich so sehr.“ Seine Lippen pressten sich auf Spikes, seine Finger klammerten sich in das blonde Haar seines Geliebten und sein Schwanz stieß dabei immer wieder pulsierend gegen den seines Partners.

Mit den letzten vernünftigen Gedanken, zu denen Angel noch fähig war, tastete er mit einer Hand zu seiner Nachttischschublade und wühlte einen Kondom hervor. Schwer atmend löste er sich von seinem Geliebten, riss das Päckchen auf und stülpte sich den durchsichtigen Pariser über.

Den verletzten Ausdruck in Spikes Augen konnte er nicht sehen, da dieser nur kurz aufflammte und als Angel sich erneut vorbeugte und eine Plastikflasche mit Gleitgel aus der Schublade zog, war er längst verschwunden.

Angel ließ das Gel in seine Hände tropfen und wärmte es kurz dazwischen, bevor er dem Blonden erneut die Lippen mit einem Kuss verschloss, seine mit Gel beträufelte Hand um dessen Penis legte und ihn zärtlich kurz pumpte, bevor er mit drei Fingern zu dessen Anus fuhr und diesen liebevoll umkreiste, mit ihm spielte. Spike keuchte in Angels Mund. Wimmerte. Bockte sich seinem Geliebten entgegen und dieser zeigte endlich Erbarmen und stieß mit dem Mittelfinger in den Po des Blonden. Zog in wieder raus, rein, raus, rein. Ein zweiter Finger folgte, ein Dritter, weitete Spike, machte ihn bereit für sich.

Und dann konnte Angel sich nicht länger beherrschen. Mit einem Ruck rutschte er erneut zwischen die weit gespreizten Beine seines Lover, hob Spikes Beine über seine Schultern und führte seine pochende,harte Erregung vor dessen bereite Öffnung, hielt einen kurzen Augenblick inne und sah Spike in die Augen. In diese himmelblauen Augen, die sich jetzt vor Leidenschaft verdunkelt hatten und ihn zu verschlingen drohten. Er wollte in diese Augen sehen, wenn er seinen Geliebten das erste Mal eroberte, das erste Mal ganz besaß, ihn zu dem Seinen machte. Denn dies war eine Tatsache über die Angel nicht mehr nachdenken musste, er würde Spike nie wieder gehen lassen.

Und dann schob er seine Hüften nach vorne. Sah, wie sein blonder Engel den Mund öffnete und stumm schrie, wie er seine Lider aufriss und dieser Awww-Ausdruck in seinen Augen zu erkennen war. Angel schmolz. Angel brannte. Lichterloh. Alles gleichzeitig, alles auf einmal und er drang tiefer ein. Immer tiefer, bis er seinen Geliebten ganz erobert hatte. Und Spike schrie seinen Namen. Laut. Immer wieder.

Zuerst liebte Angel Spike langsam und gefühlvoll. Vorsichtig glitt er ein und aus, umfasste dabei den Penis des Blonden, pumpte ihn in seiner Hand, ließ den Daumen über dessen Eichel reiben, zog die Vorhaut straff zurück und wieder hoch, bis Spike die Muskeln seines Anus fester zusammenzog und Angel damit von einer Sekunde auf die andere alle Lichter auf einmal ausblies. Jetzt gab es kein Halten mehr, keine Vorsicht, kein Denken.

Fühlen, nur noch fühlen, spüren und die Erfüllung finden. Diesen unsagbaren Rausch, diesen fassbaren Moment des kleinen Todes. Angel keuchte. Spike schrie und umfasste sein eigenes Glied. Pumpte sich selbst seinem Höhepunkt entgegen, während er seinen Geliebten immer wieder herabzog und ihn in wilde, leidenschaftliche Küsse verwickelte.

„Gott… Spike… Spike.. ich… jaaaa“ Angel drang noch einmal in seinen Partner, stieß ein letztes Mal bewusst tief in ihn, rammte hinein, zog sich heraus und dann klammerte er sich Haltsuchend an dessen Schultern, als sein Orgasmus ihn überrollte und er immer wieder stöhnend mit seinen Hüften vorstieß, unkontrolliert.

Auch für Spike gab es kein Zurück mehr, zu viel, zu lange hatte er sich beherrscht, den Höhepunkt zurückgehalten. Sein Sperma schoss aus dem kleinen Loch in seiner Eichel auf Angels Brustkorb, troff hinab auf seinen eigenen. Aber das alles war egal, das Einzige was jetzt zählte, war dieses Gefühl, dieses Gefühl für wenige Sekunden zu schweben, diese unsagbare Glückseligkeit, diesen kurzen Moment, in dem der Kopf von jedem Gedanken freigeblasen wurde und man nur noch genoss.

Schwer atmend brach Angel auf seinem Geliebten zusammen. Wurde empfangen von einer warmen Umarmung, aufgefangen von zärtlichen, beruhigenden Liebkosungen. Er war noch immer in ihm und spürte die Feuchtigkeit von Spikes Samenerguss zwischen ihnen. Sein Gesicht in Spikes Halsbeuge drückend, murmelte er unverständliche Wörter, strich dem Blonden über den Arm, den Brustkorb und versuchte langsam wieder zurück zu finden in die Wirklichkeit, sich zu beruhigen.

Einen langen Augenblick später hob er seinen Kopf, sah Spike zum ersten Mal nach ihrem Liebesakt in die Augen und plötzlich beherrschte nur noch ein Gedanke sein Gehirn, nein, all sein Denken und Fühlen. Und er konnte nicht anders, er musste es ihm sagen, es war einfach eine Notwendigkeit, ein Grundbedürfnis wie Essen und Trinken.

„Ich liebe dich, Baby… Gott, ich liebe dich so sehr.“

Kapitel 4: Drift Away von anja25ive

"Du bist verrĂĽckt", sagte Angel, als er beobachtete, wie Spike das Handtuch von seinen HĂĽften nahm, es achtlos in den noch warmen Sand fallen lieĂź und ins seichte Meer watete. Angel lachte, hob das Handtuch auf, schĂĽttelte den Sand aus und warf es ĂĽber seine Schulter.

Spike war verrückt, aber er war sein Verrückter und Angel liebte ihn. Er schwebte noch immer auf einer himmlischen Wolke voller süßer Zuckerwatte. Sein Herz klopfte weiterhin wild gegen seinen Brustkorb, sobald Spike ihn einfach nur anlächelte und in seinem Bauch tanzten die Schmetterlinge Tango.

Angel stopfte die Hände in seine Hosentaschen und beobachtete Spike verträumt weiter. In dieser klaren, sternverhangenen Nacht sah Spike unter dem Licht des Vollmondes aus wie ein Gott. Das Wasser umspülte sanft seine Hüften und machte seinen verführerischen Hintern noch verlockender. Sein blasser, sehniger Körper spiegelte sich im ruhigen Meer. Erneut fiel Angel der Vergleich Spikes mit einem Adonis ein und spürte, wie sich auf diesen Gedanken in seiner Hose deutlich etwas regte.

"Los komm rein, Angel", rief Spike ihm zu, als er wieder auftauchte und langsam auf ihn zuging. "Es ist herrlich und das Meer ist verdammt groĂź ohne dich."

"Nein, danke!", wehrte Angel die Aufforderung ab, obwohl er den Strand mochte, vor allen Dingen um diese Zeit, wenn alle in ihren Häusern waren und ihm dieses friedliche Stück Natur scheinbar allein gehörte.

"Komm schon!", bettelte Spike weiter und trat so weit aus dem Wasser, dass Angel deutlich sehen konnte, dass er erregt war. Der Blonde fing an zu grinsen, als er den Blick seines Engels wahrnahm. "Du darfst auch damit spielen, wenn du reinkommst."

"Spike!", erwiderte Angel sofort ein bisschen genervt und verdrehte seine Augen. Das war etwas, was sich nicht geändert hatte, auch nicht seitdem sie ein Paar waren. Spike liebte es, ihn zu necken, ihn aus der Reserve zu locken, mit ihm zu spielen. Und obwohl er es wusste, reagierte er immer wieder darauf.

Spike schnitt eine Grimasse und kam gänzlich aus dem Wasser. "Du wohnst so nah am Meer und ich habe dich nur einmal schwimmen sehen."

"Du bist heute auch das erste Mal im Meer baden gewesen."

"Ja, weil du mir nicht erlaubt hast, es nackt am Tag zu tun", konterte Spike, zog grinsend eine Augenbraue nach oben und blieb nur wenige Zentimeter vor Angel stehen.

"Das wäre Erregung öffentlichen Ärgernisses gewesen." Angel zog den Atem scharf ein, als er Spikes Duft wahrnahm. Diese Mischung aus Meeressalz, frischer Luft und Spike.

"Ich will nur dich erregen", erwiderte Spike mit seidiger Stimme, schlang seine Arme um Angels HĂĽften und presste seine Lippen auf dessen Kehle.

"Du machst mich ganz nass", versuchte Angel gegen die Hände seines Geliebten zu protestieren, die viel zu wissend unter sein T-Shirt fuhren und ihn anfingen zu streicheln.

"Sorgen wir dafĂĽr, dass deine Sachen trocken bleiben", hauchte Spike an sein Ohr, umfasste das untere Ende des T-Shirts und zog es Angel ĂĽber den Kopf.

"Spike!!", versuchte Angel erneut zu protestieren und sah sich unwillkürlich um. Paranoia. Diese verdammte Paranoia ließ ihn auch zu Hause nicht los. Dank seiner letzten Rolle war er bekannter in Hollywood geworden und seitdem das Gerücht, er hätte ein Affäre mit Nina Wolf, die Runde machte, waren die Photografen noch wilder hinter einer Story über ihn her. Natürlich war nichts dran an dem Gerede über ihn und Nina. Sie war eine normale Kollegin, sie hatten sich gut verstanden und waren ab und an in den Mittagspausen zusammen Essen gewesen. Nur weil sie einen romantischen Film gedreht hatten und im Drehbuch einige erotischen Handlungen vorkamen, hieß das noch lange nicht, dass sie tatsächlich etwas miteinander hatten. Außer ein paar Arbeitsküssen am Set war nichts passiert.

Spike bemerkte den Blick, bemerkte Angels kurzes Verkrampfen. Er kannte die Gerüchte. Er wusste auch, wer diese Nina Wolf war und obwohl er sich sicher war, dass er keinen Grund hatte, seinem Geliebten zu misstrauen, störte es ihn dennoch. Doch er schwieg. Er wollte Angel nicht auch noch durch sein Unwohlsein belasten. Angel hatte genug um die Ohren. Sanft umfasste er das Gesicht seines Engels und küsste ihn.

"Du wirst ganz schnell vergessen, wo du bist", hauchte Spike an Angels Lippen, bevor er anfing, ihn leidenschaftlich zu küssen. Seine Hände wanderten wieder zu seinen Hüften und fuhren langsam den Hosenbund entlang. Er spürte Angels Erregung deutlich, spürte das Verlangen, das langsam in ihnen beiden aufloderte. "Sex on the beach", fuhr es Spike durch den Kopf, doch das hier war um einiges besser als dieser Cocktail.

Leise stöhnte Angel auf, als die Hände des Blonden seinen nackten Hintern umfassten und ihn massierten. Spike fühlte sich so wundervoll an. Nur die kleinste Berührung von ihm und Angel stand in Flammen. Die Leidenschaft loderte. Die Sehnsucht brannte. Und im nächsten Moment war einfach alles egal. Nur das hier war wichtig. Spikes Küsse. Seine Berührungen. Diese unglaubliche Nähe. Einfach nur sie beide. Angel umfasste das Gesicht des Blonden, presste sich fester an ihn und vergrub sanft seine Zähne in Spikes Unterlippe. Das wundervolle Gefühl dieser vertrauten Zweisamkeit wurde durch das nervtötende Klingeln seines Handys unterbrochen.

Murrend löste sich Spike von Angel und verzog das Gesicht. "Wieso hast du das Ding mitgeschleppt?"

"Weil ich auf einen wichtigen Anruf warte", erklärte Angel, obwohl er es sehr bedauerte, dass sie so unterbrochen wurden. "Tut mir Leid", flüsterte er, hauchte Spike einen Kuss auf die Lippe und warf ihm das Handtuch zu, bevor er das Gespräch entgegennahm. "Ja, bitte."

"Angel. Hier ist Lilah. Ich habe verdammt gute Nachrichten fĂĽr dich."

"Spann mich nicht auf die Folter", erwiderte Angel angespannt.

"Du hast die Rolle. Du wirst Richard Murphy spielen."

"Das ist nicht dein Ernst?" Ungläubig lief Angel zurück ins Haus, während Spike ihm folgte und dem Gespräch lauschte.

Immer wieder hakte Angel bei seiner Agentin nach, doch als sie ihm auch noch mitteilte, dass sie bereits die ersten Verträge vor sich liegen hatte, wurde es ihm wirklich bewusst. Er verabschiedete sich von Lilah und legte auf. Fassungslos starrte er zu Spike. Er hatte diese Rolle. Er hatte seine erste Charakterrolle. Die Rolle von Richard Murphy, ein schizophrener Mann, der zwei Leben führte, ohne es zu wissen.

"Du wirst ihn spielen?", machte sich Spike bemerkbar, als Angel ihn weiterhin einfach nur anstarrte.

Stumm nickte Angel und Spike brach in lautes Freudengeschrei aus. "YEEEEAAAAH! Das ist Wahnsinn." Er fiel seinem Freund um den Hals und kĂĽsste ihn solange, bis beide atemlos waren. "Ich freue mich so fĂĽr dich."

"Es ist ...." Angel suchte nach den richtigen Worten und sah dann doch nur einfach in Spikes strahlende blaue Augen.

"... ein Grund zum Feiern", beendete Spike den Satz und schob Angel auf die Couch. "Du setzt dich hin und ich öffne den Champagner und dann stoßen wir ordentlich an." Schnellen Schrittes verschwand Spike in der Küche, holte die Flasche aus dem Kühlschrank, schnappte sich zwei Gläser und lief zurück ins Wohnzimmer, wo Angel mit einem großen Grinsen auf dem roten Sofa saß. Spike reichte Angel die Gläser und öffnete mit einem geschmeidigen Plop den Champagner.

Nachdem die Gläser gefüllt waren, stellte Spike die Flasche beiseite, nahm sich ein Glas und prostete seinem Geliebten zu.

"Darauf, dass du ein ganz GroĂźer wirst." Er nahm einen Schluck und stellte auch das Glas beiseite. Mit einem fast schelmischen Grinsen nahm er Angels ebenfalls.

"Ich dachte wir feiern?", fragte Angel und zog die Augenbraun nach oben.

"Tun wir! Auf meine Weise", erklärte Spike, löste das Handtuch wieder von seinen Hüften und lies sich auf Angels Schoss nieder. "Du lehnst dich einfach nur zurück und genießt", flüsterte Spike, bevor seine Zungenspitze in das rechte Ohr seines Geliebten glitt. Seine Finger streichelten währenddessen über dessen Brust. Strichen über die erregten Brustwarzen. Reizten sie noch mehr. Reizten sie solange, bis sein Engel laut aufstöhnte.

Er liebte diesen Geschmack. Angel. Mann. Sein. Langsam glitt seine Zunge ĂĽber die pulsierende Ader an dessen Hals, saugte an den gewissen Stellen, die dafĂĽr sorgten, dass Angels Kopf auf die Lehne sank. Seine Zunge wanderte tiefer, fuhr um seine rechte Brustwarze, bis sich seine Lippen darĂĽber senkten und daran saugten.

"Spike!", keuchte Angel und vergrub seine Finger in den Haaren des Blonden. Herrlich. Herrliche, wunderbare GefĂĽhle durchflutenden ihn. Schrieen nach mehr. Mehr von Spike.

Spike rutschte tiefer nach unten, drehte kleine Kreise mit seiner Zunge auf Angels Bauch, versenkte sie in seinem Bauchnabel, während seine Finger seinen Hosenbund umfassten und Angel von seinen Hosen befreiten. Eine pralle, harte Erregung streckte sich ihm verlockend entgegen und voller Vorfreude leckte sich Spike über seine Lippen.

"Spike ... bitte …", flehte Angel, als er die feuchten Lippen seines Geliebten sah. Sie waren so nah. Nur eine kleine Bewegung und sie würden sich heiß um seinen Schwanz schließen.

Lächelnd senkte Spike seinen Blick und seine Zungenspitze schnellte hervor. Gierig glitt sie über seine Eichel, nahm die ersten Lusttropfen auf. Seine Finger umfassten das untere Ende von Angels Schaft. Bewegten sich unermüdlich auf und ab, während seine Lippen sich fest um ihn schlossen.

"Spike ...", stöhnte Angel immer wieder seinen Namen und konnte das Aufbocken seiner Hüften nicht mehr verhindern. Er sehnte sich so sehr nach Spike. Sehnte sich so sehr nach Erlösung und dennoch wollte er, dass diese köstliche Folter nicht endete.

Fest drückten Spikes Hände Angels Hüften zurück auf die Couch. Nur noch sein Mund regierte Angel. Gab den Rhythmus vor und trieben seinen Geliebten immer höher. Seine Zunge leckte über seine Eichel. Seine Lippen saugten an ihm. Und sein Mund nahm ihn tief in sich auf. Er spürte, wie sich Angels Muskeln anspannten, wie sein Körper verkrampfte und als er ihn das letzte Mal in sich aufnahm, brach der lustvolle Himmel über Angel zusammen. Er stöhnte geräuschvoll. Stöhnte Spikes Namen laut und ließ sich von der Welle, die ihn eingehüllt hatte, treiben.

Noch einmal glitt Spikes Zunge über Angels Spitze, als er langsam nach oben kroch und wieder auf seinem Schoss Platz nahm. Die braunen, liebevollen Augen seines Geliebten sahen ihn an, zeigten ihm das, was er in diesem Moment noch nicht in Worte fassen konnte. Liebevoll lächelte Spike, während seine Finger die Konturen seines Gesichtes nachzeichneten.

"Herzlichen Glückwunsch, Luv", hauchte Spike an seinen Lippen und verschmolz mit ihnen zu einem hingebungsvollen und zärtlichen Kuss.

-Zwei Monate später-

Diese Unruhe. Diese gottverdammte Unruhe machte Spike wahnsinnig. Seit Stunden tigerte er nun schon durch Angels Wohnung. Wartete auf Angel. Setzte sich immer mal wieder gelangweilt vor den Fernseher oder starrte fast schon hypnotisierend auf das Telefon, als wolle er es zwingen zu klingeln. Wenn sein inneres Chaos es nicht mehr anders zuließ, sprang er auf und lief in die Küche, ins Schlafzimmer, zurück ins Wohnzimmer. Wusste nichts mit sich anzufangen. Am liebsten hätte er geschrieen. Laut geschrieen. Es war als würde er innerlich zerrissen. Da war diese Sehnsucht nach Angel in ihm, sein einziger Halt. Wenn Angel endlich heim kommen würde, wäre alles gut. Oder ihn anrufen. Warum rief Angel nicht an und sagte ihm Bescheid, dass es später werden würde? War er ihm egal? Spike raufte sich verärgert seine Haare.

Wann hatte sich alles so verändert? Seit Monaten lebte er nun bei Angel, war sein heimlicher Geliebter, gefangen in dieser Wohnung. Spike ging kaum vor die Tür. Manchmal schnell zum Supermarkt, aber das war es dann auch schon. Seine ganze Welt drehte sich nur um Angel, genauso wie früher um das Heroin. Angel war sein Weg aus der Sucht gewesen, sein Pfeiler, seine Kraft. Um nicht in Versuchung zu geraden oder gar rückfällig, hatte Spike sich hier sozusagen selbst gefangen genommen, denn er wusste, sobald er wieder draußen war, würden seine Schritte ihn automatisch zurück in sein altes Revier führen. Er war labil, nicht stark genug und er spürte diese Lust, diese Sehnsucht nach der Droge immer in sich. Daran hatte auch der Entzug nichts geändert oder all die Monate, in denen er nun schon clean war. In manchen Momenten waren die Stimmen in seinem Inneren leise oder fast stumm. Das waren immer Augenblicke mit Angel, wenn sein Engel bei ihm war, ihn liebte oder einfach nur hielt. Dann aber schrieen die Stimmen ganz laut, so wie jetzt, wenn er allein war oder etwas nicht so lief, wie er es sich vorstellte.

Spike schlug mit der Faust gegen die Wand. Immer wieder. Bis seine Hand so sehr schmerzte, dass ihm die Tränen in die Augen stiegen und die Verzweiflung ihn vollends übermannte. ‚Angel, wo bist du… verdammt, wo bist du?’, kreischte er wie ein kleines Kind, rutschte mit dem Rücken an der Wand hinab, die er zuvor noch mit seiner Faust bearbeitet hatte, bis er auf den kalten Fliesen lag. Wie ein Fötus rollte er sich zusammen und drückte seine Hände gegen seinen Schädel. Nein, er wollte nicht daran denken, was Angel am Set tat. Er wollte nicht über diese verdammte Angst nachdenken, dass Angel ihn nicht mehr lieben könnte. Angel vernachlässigte ihn nicht, nein, er steckte nur bis zum Hals in seiner Arbeit, war im Stress. Endlich hatte er die Rolle seines Lebens und er, Spike, sollte sich darüber freuen, ihn unterstützen und Verständnis dafür zeigen, dass Angel sich momentan nicht so um ihn kümmern konnte, wie er es gewohnt war.

All dies versuchte er sich immer wieder einzureden, vernünftig zu sein, ruhig. Doch es ging nicht. Angefangen hatte es mit ein paar kleinen Wermutstropfen, damals mit den Gerüchten über Nina Wolf. Spike hatte sich jeden Kommentar verbissen, konnte sich beruhigen, vertraute seinem Geliebten. Aber dann rollte die Lawine an, die Lawine des Misstrauens, der Furcht, der Zweifel. Immer länger blieb Angel plötzlich am Set, wenn er nach Hause kam, gab es nur noch ein Thema und die Lawine wurde größer und größer und drohte Spike immer weiter zu verschlingen.

Er fühlte sich verstoßen, ausgegrenzt aus Angels Leben. Er hätte gern alles mit ihm geteilt, aber dafür hätte Angel zu ihm stehen müssen. In der Öffentlichkeit war Spike noch immer einfach nur Angels Cousin. Anfangs hatte ihn das nicht gestört, doch je mehr Zeit verging, umso mehr wurde ihm bewusst, wie sehr ihn dies aus Angels Leben ausstieß. Und dann diese ewig langen Dreharbeiten, manchmal kam Angel tagelang nicht nach Hause. Tage, in denen Spike sich betrank, einfach nur um diese innere Unruhe zu dämpfen, zu betäuben. Diese Unruhe, die ihm sagte, dass es Zeit war zu gehen, dass dort draußen etwas auf ihn wartete, etwas, das all seine Schmerzen nahm, ihn vergessen ließ…

Minuten nach Spikes Zusammenbruch kam Angel nach Hause und fand seinen Geliebten völlig aufgelöst auf dem Flur liegend vor. Kaltes Entsetzen packte ihn, er ließ alles, was er in der Hand hielt, fallen und stürzte auf den Blonden zu.

„Spike… Oh Gott, Spike, was ist passiert?“, rief er voller Sorge und Angst, kniete sich neben die zuckende Gestalt und hob Spikes Oberkörper an den seinen.

„Halt mich Angel…“, hauchte Spike, die Worte immer wieder von Schluchzern unterbrochen. „Halt mich einfach.“

Angel drückte Spike so fest er konnte an sich. Legte seine Stirn auf dessen Schopf und wiegte ihn hin und her. „Das werde ich Baby, das werde ich… ich lass dich nie mehr los… nie mehr.“

-1 Woche später-

Beeindruckt saß Spike auf dem Boden und lauschte Angel, der, vertieft in seine Rolle, gerade dabei war, einen Monolog zu rezitieren. Er hatte gewusst, dass Angel ein guter Schauspieler war, aber es live zu hören und zu sehen beeindruckte ihn mächtig. Er spielte ihm gerade eine Szene vor, in der seine Rolle verwirrt in seinem anderen Leben aufwachte. Es war einfach unglaublich. Und es war so etwas wie Routine geworden, dass sie abends zusammen seine Rolle einstudierten und Spike übernahm jeden Part, der nötig war, um Angel zu helfen. Heute war diese romantische Szene dran.

Spike mochte es gar nicht, wenn Angel solche Szenen drehen musste. Ihn zusammen mit anderen so nah zu sehen, bewirkte jedes Mal, dass sich sein Magen krampfhaft zusammenzog. Er wusste, dass diese Eifersucht ungesund und unbegründet war, aber konnte es nicht ändern. Angel war sein Leben. Sein Atem. Sein Herz. Er war alles. Er schluckte den Schmerz hinunter und klatschte Beifall, als sein Engel ihn fragend ansah.

"Du bist unglaublich", bekundete er seine Zustimmung und stand wieder vom FuĂźboden auf.

Angel lächelte gerührt. Spike war einfach wundervoll, er schaffte es mit seiner Art, wie er ihn bewundernd ansah und aufmerksam lauschte, dass Angel vor Freude und Stolz fast abhob. Wahrscheinlich würde Spike ihn irgendwann einmal von der Decke abkratzen müssen, so federleicht kam er sich in solchen Momenten vor.

„Und ich liebe dich“, hauchte er anstatt eines Dankeschöns und gab seinem blonden Geliebten einen zärtlichen Kuss.

„Ich hoffe, der war echt und nicht schon für die nächste Szene?!“, zog Spike ihn auf, als Angel dessen Lippen freigab.

„Du müsstest wissen, dass ich nur einen so küsse“, grinste der Dunkelhaarige zurück.

„Stimmt“, antwortete Spike schlicht und verdrängte diese Stimme, die versuchte, ihn erneut an Angels Worten zweifeln zu lassen.

Angel hatte seinen Kopf bereits wieder über das Script gebeugt und las konzentriert darin. „Vielleicht sollten wir jetzt einfach diese Szene mit Joaquin proben…“, plante er, ohne aufzusehen. In Spikes Augen blitzte es kurz auf. Joaquin … wie er diesen Namen mittlerweile hasste. Joaquin hinten, Joaquin vorne, Joaquin tut jenes, Joaquin sagt das.

"Wieso musst du eigentlich diesen Mann küssen?", fragte Spike nicht zum ersten Mal und Angel würde ihm zum wiederholten Male dieselbe Antwort geben. Fast schmollend verschränkte Spike die Arme vor seine Brust und sah seinen Freund an.

Angel unterdrĂĽckte das BedĂĽrfnis, die Augen zu verdrehen und sah von dem Script auf. Er wusste, dass Spike es nicht gefiel, dass er einen anderen Mann kĂĽssen musste. Es war was anderes, wenn er mit einer Frau drehte, aber ein Mann...

"Weil es wichtig für die Rolle ist. Weil du weißt, dass er schizophren ist und zwei komplett unterschiedliche Leben führt ", erklärte Angel es erneut.

"Als Ehemann und Schwuler?", entgegnete Spike fast trotzig und nahm Angel das Script aus der Hand. "Noch unterschiedlicher ging es nicht. Hätte es Familienvater und Mörder nicht auch getan?"

„Ach Spike… hatten wir das Thema nicht schon durch?“ Angel fuhr sich genervt über den Nacken.

Spike wollte etwas erwidern, ihn anschreien, ihm seine innere Zerrissenheit ins Gesicht schleudern, diese Zweifel, die an ihm nagten, immer tiefer und tiefer… doch er presste die Lippen so fest er konnte aufeinander und schluckte alles hinunter.

„Es ist nur Arbeit, Spike. Nur Arbeit. Du weißt, ich liebe nur dich“, versuchte Angel doch noch eine Erklärung.

„Ja, du sagst es immer. Aber nur ich weiß es. Keiner sonst“, brach es ungewollt aus Spike hervor.

„Wie meinst du das?“ Angel hob irritiert seine Augenbraue und trat einen Schritt auf Spike zu.

„Nichts… schon gut… ich wollte nicht…“ Verunsichert wich Spike vor seinem Geliebten zurück. Er wollte nicht, dass er ihn so ansah, so forschend, fragend… ahnungslos. Ja, das war mit das schlimmste. Angel ahnte nicht einmal, was in Spike vorging.

„Spike… sprich mit mir. Was ist denn los?“

„VERGISS ES!“, schrie Spike aufgeschreckt, stieß Angel weg und lief an ihm vorbei ins Schlafzimmer.

"Spike!", rief Angel ihm nach. Spike war ein verschlossener Mann, das hatte sich auch in den Monaten ihrer Beziehung nicht verändert. Seufzend lief Angel ihm nach. Er wusste, dass seinem Geliebten etwas auf der Seele brannte, etwas dass in den ständigen Nörgeleien über seine Rolle nur einen kleinen Ausgang fand.

"Spike, verdammt ... was ist mit dir los?", entfuhr es Angel energischer, als er es beabsichtigt hatte.

"Nichts", blieb Spike stur, griff nach der Schachtel Zigaretten, die auf dem Nachtisch lagen und nahm eine heraus.

"Wenn es nichts ist, machst du aber eine verdammt große Sache daraus." Alles was Angel daraufhin erntete, war ein böser Blick.

Seufzend fuhr sich Angel über seinen Nacken und unternahm einen erneuten Versuch, ihn zum Reden zu bringen. "Ich liebe dich, Spike. Ich liebe dich wahnsinnig. Mir bricht es das Herz, wenn du deinen Kummer in dich hineinfrisst. Du kannst mir alles erzählen. Wirklich alles!"

Wieder sah Spike ihn nur an, zog sein Zippo aus der Hosentasche und zündete sich eine Zigarette an. Er haderte mit sich. Konnte er Angel wirklich alles sagen? Würde Angel seine Bedenken verstehen? Und seine Angst? Seine Furcht einen Rückfall zu erleiden, weil er unter dem Versteckspiel litt. Unter dieser Eifersucht. Dieses Gefühl einfach nicht zu Angels Leben zu gehören, ausgestoßen zu sein. Er benötigte Sicherheit, er war viel zu labil ohne sie leben zu können und in seinem Inneren tickte noch immer eine Zeitbombe mit dem Namen Heroin.

Spike nahm einen kräftigen Zug, sah hinaus auf das blaue Meer und setzte an.

"Du spielst einen Schwulen. Du hast kein Problem damit, vor einem Millionen Publikum einen Mann zu kĂĽssen. Aber mich versteckst du. Du versteckst dich selbst."

Das war es, was Spike so sehr auf der Seele lag. Er hätte es wissen müssen, er hätte es ahnen müssen, doch er war zu sehr damit beschäftigt gewesen, sich auf diese Rolle zu konzentrieren. Er verstand Spike. Er verstand ihn sehr gut, aber die Realität, die Welt, in der er lebte, war etwas anderes.

"Spike ....", suchte Angel nach Worten. "... du weiĂźt, dass es nicht geht. Dass ich das nicht kann. Hier in Hollywood ist es immer noch etwas anderes, ein Schwuler zu sein oder einen zu spielen."

„Bullshit! Das ist absoluter Bullshit. Du kannst das doch gar nicht wissen…“

„Spike… schau dir doch an, was aus all den Stars wurde, die anders waren… schau dir an, was sie mit Ellen Degeneres gemacht haben, als sie zugab lesbisch zu sein…“, versuchte Angel, Spike zu überzeugen.

„Ach Scheiß drauf… und was ist mit Elton John?“, fuhr Spike ein Gegenbeispiel auf.

„Was soll mit ihm sein?“ Angel sah auf den Boden.

Spike sprang vom Bett. Er war so in Rage. Jetzt wo er angefangen hatte, über seine Probleme zu sprechen, konnte er sich kaum noch zügeln, nicht sofort in die Luft zu gehen. Er lief vor dem Bett auf und ab, wild gestikulierend und redete wie ein Wasserfall. „Elton ist das beste Beispiel. Du bist wie er. Du versteckst dich. Hast Angst vor dem, was die Leute sagen. Er hat sogar eine Scheinehe geführt, nur um sein falsches Image aufrecht zu erhalten. Und was war am Ende? Lern doch daraus, es wird dir nicht anders ergehen. Du kannst dich nicht ewig verstecken, du kannst MICH nicht ewig verstecken. Keiner hat es Elton übel genommen, warum also dir?“

„Elton ist ein Sänger. Sein Ruf baute sich nicht darauf auf, ein Frauenheld zu sein.“

„Ich dachte, das ändert sich nach dieser Rolle“, konterte Spike. Angel starrte ihn einfach nur an. Er wusste keine Antwort.

„Wie soll das weiter gehen mit uns, Angel? Soll ich ewig dein heimlicher Geliebter bleiben, nichts sehen, außer diesen vier Wänden, weiter dein kleiner Hausmann sein, der alles ordentlich putzt und dir abends noch deinen Schwanz fein sauber lutscht?“ Spike wusste, er war zu weit gegangen, aber er konnte sich, obwohl er es wollte, nicht bremsen. Irgendwie schienen all diese aufgestauten Gefühle auf einmal aus ihm herauszubrechen.

Getroffen starrte Angel Spike an. Egal welches Argument Spike vorbrachte und egal wie sehr Angel sich ein einfacheres Leben wĂĽnschte. Er konnte diesen Schritt nicht gehen. Nicht jetzt. Nicht hier.

"Es tut mir Leid, Spike", sagte Angel mit leiser Stimme. "Aber ich kann es nicht. Ich .... " Ihm fehlten die Worte, was sollte er ihm sagen?

"Du hast nicht mal eine plausible Erklärung dafür", stach Spike weiter in die Wunde, die er aufgerissen hatte. "Es ist doch nicht schwer ... Hallo, Presse. Ich bin schwul und das ist mein wundervoller Freund Spike, den ich über alles liebe. ... Siehst du, wie einfach das ist."

„Den ich auf der Straße aufgelesen habe, weil er ein ehemaliger Stricher ist…“ Angel schlug sich auf den Mund. Er hatte gesprochen, bevor er dachte.

„Scheiße… das… das ist es, wovor du wirklich Angst hast, oder?“ Spike fühlte sich, als würde ihm der Boden unter den Füßen weggezogen. Angel schämte sich für ihn. Diese Erkenntnis brannte lichterloh in seinem Innern. Krampfhaft versuchte er, die Tränen zurückzuhalten. Er musste hier raus. Weg von hier, weg von Angel, weg…

"Nein… Gott, Spike, das tut mir… Ach scheiße… für dich ist es einfach. Für dich ist alles kein Problem. Ich kann nicht so sein wie du", versuchte Angel, die Situation zu retten, bevor sie eskalierte. Ihm war klar, was Spike jetzt fühlte und er hätte sich in den Hintern beißen können, so etwas gesagt zu haben. Jetzt stand auch er auf und fing an, im Schlafzimmer auf und ab zu gehen. "Ich ... Spike… ich kann nicht anders, glaub mir… ich würde es anders machen… Was ich eben gesagt habe, tut mir Leid. Es ist mir einfach so rausgerutscht. Es ist nicht das, was ich denke. Ich… ." Wieder brach er ab. Er konnte Spike einfach nur bitten, so weiter zu machen. Dieses gemeinsame Leben so weiter zu leben, wie es bisher war. Dann kam ihm eine Idee. Ja… eine Möglichkeit, vielleicht… vielleicht würde es Spike helfen, wenn er bei den Dreharbeiten zusah. Dann könnte er bei ihm sein, den ganzen Tag und würde gleichzeitig sehen, dass es nur Arbeit war. Schwere, harte Arbeit.

"Komm doch einfach mit, wenn wir diese Szene drehen. Dann siehst du, dass es nur ein Job ist. Das ich das nicht genieĂźen kann, wenn mir ein Regisseur Anweisungen dabei zuruft."

"Als dein Freund oder dein Cousin."

"Als mein Cousin ....", sagte Angel leise und sah, wie Spike wieder die Augen verdrehte. "Bitte, Spike, dräng mich nicht. Ich kann diesen Schritt nicht gehen. Noch nicht! Aber ich brauche dich. Ich liebe dich. Bitte versteh mich."

Spike verstand ihn nicht, verstand diese verdammte Heimlichtuerei nicht. Er hasste sie, aber er liebte diesen Mann. Er liebte ihn so sehr, dass er ihn nicht verlieren wollte. Und schlieĂźlich gab er nach.

"Einverstanden."

Kapitel 5: Don't Cry von anja25ive

"Gleich ist es soweit", riss Angels Stimme ihn aus seinen Gedanken und er sah ihn an. "Jetzt kommt die große Szene. Joaquin ist ganz schön aufgeregt."

Spike verkniff sich das schon fast obligatorische Augenrollen, als er den Namen hörte und verschränkte die Arme vor seiner Brust. "Ist ja nicht so, als würdest du zum ersten Mal einen Mann küssen."

"Nicht vor der Kamera", erwiderte Angel und achtete nicht wirklich auf Spike. Er war viel zu konzentriert auf seine Rolle. Ging in seinen Gedanken immer und immer wieder seinen Text durch und versuchte, sich zu entspannen.

"Wir sind so weit", ertönte eine Stimme aus dem Hintergrund.

"Ich muss los. Wünsch mir Glück!", lächelte Angel seinen Freund an, strich ihm kurz über den linken Oberarm und verschwand zum Set.

"Viel Glück", rief Spike ihm hinterher und war sich sicher, dass sein Engel es nicht mehr gehört hatte. Das war es nun also, das große, berühmte Set von "The Life of Richard Murphy". Eine vollkommen andere Welt. Eine Welt, in der Angel sich wohlfühlte, doch für ihn war sie vollkommen fremd. Er gehörte wirklich nicht hierher. Aber es war Angels großer Karrieresprung. Angels erste Charakterrolle. Die Rolle, die Spike ihm am wenigsten gönnte.

Er schämte sich für diesen Gedanken, versuchte, ihn zu unterdrücken und mit seinem gesunden Menschenverstand an die ganze Angelegenheit heran zu gehen, aber er war nun mal nicht der große Denker. Ganz im Gegenteil, Spike war ein Gefühlsmensch durch und durch. Er hatte sich schon immer mehr von seinen Emotionen als von seinem Verstand leiten lassen. Jetzt bereute er seinen voreiligen Entschluss, Angel hier her zu begleiten, als sein Cousin wohlgemerkt. Was hatte er erwartet? Dass sich Angel spontan dazu entschloss, sich zu outen?

Ein verletzter Zug glitt über seine Gesichtszüge, als er sich eingestand, dass es genau so war. So naiv und dämlich konnte doch nur er sich verhalten. Er hegte Erwartungen und Wünsche, die sich niemals erfüllen würden. So war er schon immer gewesen und jedes Mal war er tief gefallen. Seine bitterste Enttäuschung führte ihn in die Sucht. Damals, als er mit seinem unerschöpflichen Glauben an eine goldene Zukunft nach Los Angels gezogen war, im Gepäck nichts als die unerschütterlichen Illusionen an den großen amerikanischen Traum, der ihn vom Tellerwäscher zum Millionär machen sollte. Wie einfältig er doch gewesen war. Er hatte nicht das Talent und auch nicht das Aussehen und scheiterte bereits daran, einen geeigneten Manager zu finden. Stattdessen traf er die falschen Leute, machte Bekanntschaften, die ihm einen ganz anderen Weg ebneten, die Sackgasse zur Droge. Damit wurde sein Absturz in das soziale Nichts vorprogrammiert.

Jetzt, zum ersten Mal seit Jahren clean, war er doch süchtiger als je zuvor. Er hatte nur eine Sucht mit einer anderen getauscht. Nun bestimmte Angel sein Leben. Genau so wie sich früher jeder Gedanke darum gedreht hatte, wo er den nächsten Schuss herbekam und wie er ihn bezahlen könnte, genau so drehte sich nun all sein Denken um seinen Freund. Er klammerte sich geradezu an Angel und mit ansehen zu müssen, wie dieser so eben einen anderen Mann küsste, trieb ihn dementsprechend in den Wahnsinn. Er war teuflisch eifersüchtig. Ein Gefühl, welches er nicht abstellen konnte. Egal, wie oft ihm Angel versicherte, dass er ihn liebte, dass er wichtig in seinem Leben war, dass er alles war, was Angel brauchte.

Aber was er vor Augen hatte, verbannte jedes Wort von Angel in das hinterste Eck seines Verstandes. Innerlich schäumte er, klammerte seine Hände um die Stuhllehnen, bis das Weiß seiner Knöchel sichtbar wurde und er zuckte bei jedem *Cut*-Ruf des Regisseurs unwillkürlich zusammen. Er konnte fast nicht mehr zuschauen, zwang sich regelrecht, die Augen nicht zu schließen. Immer wenn der andere Mann seinen Freund küsste, bildete sich ein Kloß in seiner Kehle und er musste tief Luft holen und schlucken, um nicht all seiner Eifersucht und seinen Verlassensängsten nachzugeben und davon zu laufen.

Angel behandelte ihn hier wie seinen Cousin. Er hatte eingewilligt, hatte zugestimmt, dass er das für alle anderen war. Aber mit jeder Sekunde störte es ihn mehr. Das war einfach nicht richtig. Es fühlte sich nicht gut an. Er wollte zeigen, zu wem Angel gehörte, ihm seinen Stempel aufdrücken, es in alle Welt schreien, dass er nur ihm gehörte. Ihm ganz allein.

Stattdessen saß er hier, äußerlich ruhig, zwischen all den Leuten, die um ihn herumwuselten und wussten, was sie zu tun hatte. Die Schauspieler drehten. Der Regisseur gab Anweisungen. Die Techniker sorgten für die reibungslose Stromversorgung. Selbst die Kabelhilfen wussten, was sie taten. Nur er nicht. Er war nutzlos. Und das war das Schlimmste - dieses Gefühl, wertlos zu sein.

Was hatte er gegen all das hier seinem Angel schon zu bieten? Wie würde er ihn halten können, wenn der sich in diesen Joaqiun Phoenix verlieben würde, diesen Ausbund an Talent, wie Angel ihm schon einige Male vorgeschwärmt hatte? Alles was er, Spike, zu bieten hatte, war Dreck. Seine Vergangenheit als Stricher und Drogenabhängiger beeinflusste nun auch seine Zukunft und seine Beziehung. Es war der Hauptgrund warum sich Angel offiziell nicht zu ihm bekannte. Er hatte Angel nichts zu bieten und über kurz oder lang würde die erste Verliebtheit auch bei Angel vorübergehen, die rosaroten Wolken würde der Realität weichen und er, Spike, würde wieder dort enden, wo alles begonnen hatte. Im Bodensatz der Gesellschaft.

Eine Ewigkeit später war die Szene im Kasten. Angel kam zu Spike gesprungen, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Enthusiasmus über das Gelingen der Szene schien ihn regelrecht zu beflügeln und Spike verspürte den unheimlichen Drang in sich, Angel das glückliche Lächeln aus dem Gesicht zu schlagen. Doch auch er war in gewisser Weise ein Schauspieler. Statt Angel seine innere Zerrissenheit zu zeigen, hieß er ihn mit einem gespielt herzlichen Lachen willkommen und klatschte Beifall heischend in die Hände.

„Klasse, Baby… ich bin stolz auf dich. Du warst einfach grandios“, rief er laut.

Angels Gesichtszüge verhärteten sich augenblicklich. „Du sollst mich doch verdammt noch mal nicht so ansprechen in der Öffentlichkeit!“, zischte er mit unterdrücktem Zorn so leise wie möglich, damit kein anderer außer Spike verstand, was er sagte.

Auch das Lächeln in Spikes Gesicht verschwand, ein verletzter Ausdruck legte sich darüber. „Sorry… ich… hatte es für einen Moment vergessen. Dein Schauspiel hat mich so überwältigt“, murmelte er zerknirscht und senkte seinen Blick auf den Boden.

„Ja, klasse, sei nur weiterhin so vergesslich. Dann interessiert sich bald kein Mensch mehr für mein Schauspiel, da alle viel mehr damit beschäftigt sein werden, sich über mein Privatleben den Mund zu zerreißen.“ Angel kochte vor Zorn. Er nahm Spike den Irrtum nicht ab. Nach all ihren Diskussionen vom Vorabend, konnte er einfach nicht nachvollziehen, wie Spike solch ein Fehler unterlaufen konnte. Spike wusste genau, wie wichtig ihm sein sauberes Image war, nein, nicht nur das, er wusste wie lebensnotwenig es war und doch hielt er sich einfach nicht an die Regeln, an das Einzige, um was er ihn je gebeten hatte.

„Ja, komm mach mich fertig. Wie kann ich aber auch so vergesslich sein. Tut mir echt Leid, dass ich kein so guter Heuchler wie du bin und meine Gefühle nicht so unterdrücken kann. Und weißt du was, damit das jetzt nicht mehr passiert… vergesse ich am Besten alles…“, schoss Spike unglaublich verletzt zurück. „…dich, mich, UNS. Ich vergesse, dir jeden Abend einen runterzuholen und wie ein braves Hausmütterchen mit dem fertigen Essen auf dich zu warten. Ich warte überhaupt nicht mehr auf dich!“ Vor Zorn bebend, drehte Spike sich auf dem Absatz um.

„Spike, nein… Gott, es tut mir Leid… verdammt… bleib stehen.“ Angel versuchte, seinen Arm zu ergreifen, doch Spike war schneller und wich ihm aus. Peinlich berührt ob auch niemand diese Auseinandersetzung mitbekommen hatte, sah Angel sich um. Als er sich sicher war, dass es keinem aufgefallen war, wollte er hinter Spike hersetzen, doch da war es bereits zu spät. Von Spike war keine Spur mehr zu sehen und Angels Herz sackte sprichwörtlich in seine Hose. Was hatte er nur getan? Wie konnte er Spike so harsch angehen, er wusste doch, wie sensibel dieser reagierte. Am liebsten hätte Angel Spike gesucht, doch der Regisseur rief erneut nach ihm. Die nächste Szene stand an. Hin und hergerissen stand er einen Augenblick auf der Stelle, ohne sich zu bewegen, bis er schließlich verzweifelt aufseufzte und in Richtung Set ging.

~*~

Der restliche Drehtag hatte sich endlos gezogen. Angel drückte das Gaspedal seiner Viper noch weiter durch, es war ihm vollkommen egal, ob die Cops ihn anhalten würden, um ihm ein Ticket zu verpassen. Er wollte nur so schnell er konnte nach Hause. Spike. Er wollte zu Spike. An nichts anderes hatte er seit dem Streit mehr denken, sich auf keine Szene konzentrieren können, hatte alles verbockt und war selbst daran Schuld gewesen, dass sich der Dreh ewig in die Länge zog, bis alles im Kasten war. In jeder Pause hatte er auf Spikes Handy angerufen und zu Hause in seiner Wohnung, doch niemand meldete sich am anderen Ende der Leitung. Angel war unruhig, nein, er war panisch, er hatte Angst. Angst davor, Spike für immer verloren zu haben, dass Schluss war, dass Spike seine Drohung wahr gemacht hatte und gegangen war. Schlimmstenfalls zurück zur Haltestelle 95. Nein, darüber wollte oder konnte Angel nicht nachdenken. Das wäre noch ärger als verlassen zu werden, das wäre, als sei er daran schuld, dass Spike sich umbrachte und mit dieser Erkenntnis würde er niemals weiter leben können. Niemals!

Er bog rechts ab und endlich konnte er sein Appartement in der Ferne erkennen. Noch einmal tippte er fester auf das Gaspedal. Brannte Licht? War irgendwo Licht? Sein Herz schlug so schnell und hart, dass er es in seinem Hals spürte und dann setzte es für ein paar Sekunden aus. Die Sekunden in denen ihm klar wurde, dass alles dunkel war. Dass Spike nicht zu Hause auf ihn wartete.

Was jetzt? Sollte er gleich weiterfahren und nach Spike suchen? Oder erst in die Wohnung gehen, nachschauen, ob Spike seine Sachen mitgenommen und vielleicht einen Zettel hinterlassen hatte?

Angel entschloss sich für Letzteres, parkte seinen Wagen und rannte den Weg zu seiner Haustür hoch. Ein wenig außer Atem schloss er auf, öffnete die Tür und quiekte wie ein kleines Ferkel, dass von der Mutterzitze gelöst wird, als zwei Hände seinen Kragen fest packten, ihn in den Flur zogen und hart gegen die Wand drückten. Ein warmer Körper presste sich an seinen und Angel hatte nicht einmal mehr die Gelegenheit, Luft zu schnappen, als schon glühende Lippen sich um seine schlossen.

Stöhnend öffnete Angel seinen Mund und hieß die Zunge des anderen willkommen, streichelte sie mit der seinen, saugte sie tiefer ein und löste sich erst von Spike, als ihm wegen Sauerstoffmangels schwarz vor Augen wurde.

„Shit… oh verdammt Spike… ich hatte mir solche… uuhhh.“ Alles vergessend was er gerade hatte sagen wollen, gab er sich ganz den Sensationen hin, die Spike in ihm auslöste, als dieser mit einer groben Bewegung seinen Gürtel öffnete, seinen Schwanz befreite und ihn ohne jegliches Vorspiel in den Mund nahm. Angels Kopf flog nach hinten, seine Knie gaben nach, langsam glitt er an der Wand hinab bis er auf seinem Hosenboden landete. Spike ließ ihn keinen Moment los, er saugte an ihm, wie ein Kind an seinem Schnuller, feucht und hart zugleich. Innerhalb von Sekunden wurde Angels Geschlecht steinhart und all die Sorgen des Tages, die aufgestaute Angst, der Frust und die Freude, dass es Spike gut ging, trugen ihr Übriges dazu bei, dass Angel schneller als je zuvor zu seinem Höhepunkt kam.

„Oh Baby… guuhhh ja… so ist es gut… aaahh.“ Seine Hand legte sich auf Spikes Hinterkopf, drückte ihn hinab, er wollte noch tiefer in dessen Mund, in diese hartsaugende Süße, die ihm den Verstand wegblies ins ewige Vergessen. Er bockte auf, immer wieder, bis er schlussendlich hart kam und Spikes Namen schrie.

Immer wieder rief er, wie sehr er ihn liebte und spritzte in Intervallen den Beweis dafür in Spikes Rachen. Dieser schluckte die Köstlichkeit, die ihm sein Geliebter schenkte, genüsslich hinab und eine Art Schnurren entwich seiner Kehle, als er mit seiner Zunge die Tropfen aufschleckte, die daneben gegangen waren.

Angel sah Spike eine Weile bei dessen Säuberungsaktion zu, noch viel zu betäubt von dem Höhepunkt, der gerade über ihn hereingebrochen war, bis plötzlich eine neue Welle von Emotionen durch seinen Körper schwappte und er das Gefühl hatte zu sterben, wenn er jetzt nicht sofort Spike ganz eng an sich drücken könnte. Er riss den Blonden in seine Arme, presste seinen Lippen gegen dessen Hals und wiegte ihn als sei er ein Kind hin und her.

„Baby, ich liebe dich… liebe dich so sehr. Brauche dich so… geh nie wieder weg, bitte, versprich es mir… geh nie wieder weg“, brabbelte er unzusammenhängend, nuschelnd, ängstlich wie ein Neugeborenes am Hals seines Geliebten und doch waren die Worte so bedeutend und wichtig für ihn, dass er sehnlichst auf Spikes Antwort wartete.

„Nie wieder…“ kamen die erlösenden Worte von seinem Geliebten. Zwei kleine Worte und doch bedeuteten sie die Welt.

~*~

Wollte Angel heute ewig bleiben? Gar nicht mehr das Haus verlassen? Nervös trommelten Spikes Finger auf die Platte des Küchentischs. Es war bereits zehn Uhr am Morgen, sie hatten ausgiebig gefrühstückt, wie jeden Tag und jetzt wartete er darauf, dass Angel zum Set fuhr. Doch anstatt sich endlich anzuziehen, saß Angel ihm immer noch gegenüber und schenkte sich seelenruhig eine frische Tasse Kaffee ein.

„Kommst du nicht zu spät?“, platzte es nun aus dem Blonden heraus.

Angel sah verschmitzt lächelnd hoch. „Überraschung! Ich habe heute frei.“

‚Shit!’, Spike riss geschockt seine Augen auf und versuchte sofort, wieder seine Fassung zu finden, als er den verletzten Ausdruck auf Angels Gesicht bemerkte.

„Freust du dich nicht?“, wollte Angel auch prompt enttäuscht wissen.

„Doch… doch, sicher. Ich war nur zu überrascht für einen Moment…“, antwortete Spike gehetzt.

Angel lachte erleichtert, stand auf und drückte seinem Geliebten einen Kuss ins Haar. „Und ich glaubte schon für einen Moment, du wolltest mich loswerden. Ich dachte, wir könnten vielleicht einen Tag am Strand verbringen und heute Abend schön Essen gehen. Nur du und ich. Was hältst du davon?“

"Wundervoll", erwiderte Spike und versuchte, seine Nervosität zu unterdrücken. Er hatte andere Pläne für diesen Tag gehabt, wollte jetzt aber Angel nicht vor den Kopf stoßen. Er strich sich über den Nacken und suchte nach einem anderen Vorschlag.

"Wie wäre es mit shoppen?", sagte er schließlich und blickte hoffnungsvoll seinen Freund an.

„Das ist eine großartige Idee“, strahlte Angel und küsste seinen Geliebten erneut, diesmal jedoch auf den Mund. „Ich wollte dir schon lange ein hellblaues Shirt kaufen. Das muss klasse zu der Farbe deiner Augen aussehen“, schwärmte er, als er seine Lippen von Spike löste. „Ich geh mich anziehen, ich war schon duschen. Willst du noch ins Bad?“

Das war das Stichwort. Spike sprang so schnell von seinem Platz hoch, dass der Stuhl nach hinten kippte. Er zuckte kurz zusammen, als der Stuhl geräuschvoll auf den Boden knallte, hob ihn rasch auf und verschwand angespannt im Bad und verschloss die Tür hinter sich. Er hatte nur ein paar Minuten. Geradewegs peilte er die Badewanne an, kniete sich auf den Boden und begann an einer Fliese herumzuhantieren. Vor geraumer Zeit hatte er auf der Suche nach einem Versteck entdeckt, dass es einen Hohlraum unter der Wanne gab. Ein perfektes Versteck. Mit fahrigen Fingern löste er die Fliese und legte sie leise auf den Boden. Dann fuhren seine Finger in das dunkle Loch und holten ein kleines Etui heraus. Spike musste schmunzeln. Ein teures Etui von Armani, so was hätte er früher sofort zu Geld gemacht. Doch heute konnte er sich diesen verspielten Luxus leisten, den ihm Angel nichts ahnend finanzierte. Aber es musste so bleiben. Angel durfte nicht wissen, was mit ihm los war.

Er stand auf und lief zum Waschbecken. Behutsam öffnete er das Etui und grinste erneut verschmitzt. Ein Etui von Armani barg die Hölle in sich. Eine Hölle, die für Spike längst wieder Wirklichkeit war und sich anfühlte wie das Paradies. Er nahm das Pulver, das in Alufolie gut verpackt war, heraus. Öffnete die Folie und schüttete das Pulver in seinen Löffel. Jeder Handgriff saß, Spike zitterte nicht einmal, sondern freute sich auf den baldigen Flug.

Minuten später saß er nackt auf dem Toilettendeckel und überlegte sich, an welche Stelle an seinem Körper er den Schuss diesmal setzen könnte? Eine unauffällige Stelle, eine die Angel nicht zu Gesicht bekam. Sein Blick fiel auf seinen Fuß und die Entscheidung war getroffen. Ein letztes Mal stand er auf und drehte die Dusche voll auf. Das Rauschen des Wassers sollte Angel glauben lassen, dass er duschte. Dann ging er zurück auf seinen Platz auf der Toilette und jagte sich die Spritze in die Vene neben seinem Knöchel. Kaum rauschte die Droge durch sein Blut, sackte Spike nach hinten, knallte mit dem Kopf gegen die Wand und riss die Augen weit auf. Keine Gedanken mehr, nur noch fühlen… schweben… fliegen… Freiheit.

Eine Stunde später saß Angel ungeduldig wartend im Wohnzimmer. Spike war noch immer im Bad und hatte die Tür verschlossen. Er hatte mehrmals dagegen gehämmert, aus Furcht, Spike wäre etwas passiert. Als er erst keine Antwort bekam, überlegte er schon wie er die Tür aufbrechen konnte. Dann endlich vernahm er Spikes Rufen. „Komme gleich Baby… Minute noch.“

Erleichtert war er zurück ins Wohnzimmer gegangen, aber dies war nun schon wieder zwanzig Minuten her. Und noch immer hörte er das Plätschern des Wassers. Wie lange wollte Spike noch duschen? War wirklich alles in Ordnung?

Schon wollte er erneut aufspringen, als die Tür zum Bad sich öffnete. Spike stand, sich die Hände reibend vor ihm. „Auf was wartest du? Gehen wir?“

Irritiert sah Angel ihn an… irgendwas stimmte nicht… sein Gefühl sagte ihm, dass irgendetwas gar nicht in Ordnung war. „Willst du nicht die Dusche abstellen?“

"Die Dusche ... jaa ... " Spike machte auf den Absatz kehrt, stellte das Wasser ab und war wieder zurück bei Angel "… ich bin mit den Gedanken nur bei dir." Er grinste breit, drückte Angel einen Kuss auf die Lippen und zog ihn aus der Wohnung.

~*~

Spikes Hände vergruben sich ungeduldig in seine Hosentaschen. Wieder war er hier. Erneut versetzte er irgendetwas, um ein bisschen höllisches Paradies zu bekommen. Sein Lebenselixier. Angespannt sah er zu dem etwas dicklichen Mann, mit dem dichten Schnauzer und den fettigen Haaren und wartete darauf, dass er ihm endlich einen Preis für die goldenen Manschettenknöpfe nannte, die er sich mehr oder weniger von Angel geliehen hatte. Nein, er war nicht zum ersten Mal hier, bereits sein schickes Armani-Etui lag schon zwischen den anderen wertvollen Gegenständen in diesem stickigen Laden.

Von alldem wusste Angel nichts und in den wenigen Sekunden, in denen Spike einen klaren Kopf hatte und über seine Situation nachdachte, meldete sich das schlechte Gewissen. Doch schnell waren diese Schuldgefühle wieder verschwunden, denn Angel trug die Schuld an seinem Schicksal. Er hatte gearbeitet, hatte ihn allein gelassen, hatte von ihm verlangt, sich zu verstecken. Es war kein Leben für Spike, aber er liebte Angel und für ihn hatte er diesen Weg mitgewählt. Doch er hatte einen Ausgleich gebraucht, etwas was sich ihn wieder nützlich fühlen ließ, die Sorgen vergessen ließ. Und dann war es passiert. Der Tag am Set. Der Streit mit Angel. Die Wut über sein Verhalten. Die verdammte Eifersucht, sie seine Seele zerfraß.

Orientierungslos war er durch die Straßen gelaufen, hatte gehofft, dass das schwere Gefühl der Einsamkeit verpuffen würde. Doch alles blieb. Nichts änderte sich in seinem Inneren. Und plötzlich war er wieder dort. Dort, wo sein Abstieg zur Hölle begonnen hatte, dort, wo sein Leben nur aus einem einzigen Ziel bestanden hatte - dem Schuss zum Glück. Er hatte gezögert, doch die kleine teuflische Stimme in ihm hatte ihn verführt, hatte ihm eingeredet, dass nur ein Schuss ihn nicht zurückbringen würde.

Er lachte kurz auf. Und wie ihn das alles zurückgebracht hatte. Er lebte von einem Schuss zum anderen und zwischendrin gab es ein bisschen Angel.

Manchmal einen nörgelnden Angel, weil dieser irgendwie zu spüren schien, dass etwas nicht stimmte. Aber Spike war geschickt, er konnte sich gut verstellen, war vorsichtig, setzte die Spritzen immer an anderen Stellen an und wenn doch mal alles blau wurde, dann hielt er sich fern von Angel. Ließ ihn nicht an sich heran, schlief nicht mit ihm, brachte Abstand zwischen sie beide.

Meistens jedoch war es der alte Angel. Der Angel, in den er sich verliebt hatte und den er noch immer liebte, auch wenn diese Liebe nun nicht mehr an erster Stelle in Spikes Leben stand. Die Heroinsucht hatte ihr den Rang abgelaufen. Jetzt beherrschte die Droge wieder fast sein ganzes Dasein und alles, was er dafür brauchte, waren diese grünen Dollarnoten, die ihm der dickliche Pfandleiher so eben in die Hand zählte. Dass er dafür seine Liebe betrogen, ja gar bestohlen hatte, war Spike in diesem Augenblick vollkommen egal. Nein, er rechtfertigte sich sogar damit, dass es Angel sicher lieber war, dass er sich so das Geld für seine Sucht besorgte, als wieder an der Haltestelle 95. Außerdem war Angel doch an allem Schuld, erst hatte er ihn mit seinem verletzenden Verhalten in die Sucht getrieben und dann drehte er ihm den Geldhahn zu. Kurz blitzte Spike der Streit von vorgestern durch die Gedanken, als Angel von ihm wissen wollte, warum seine Kreditkarte so überzogen war und wo all die Sachen waren, die er doch wohl damit gekauft hatte. Doch als er vor seinem Dealer stand und mit ihm um einen guten Preis schacherte, war jeglicher Gedanke an Angel längst vergessen.

~*~

"Spike..." Angel wusste nicht recht, wie er beginnen sollte. "Spike, irgendwas stimmt nicht zwischen uns. Ich weiß nicht, was es ist oder ob ich Schuld bin. Aber ich habe das Gefühl, wir entfremden uns."

Angel war nach Hause gekommen, nach einem anstrengenden Tag am Set und hatte die Wohnung in einem absoluten Chaos vorgefunden. Etwas, was er eine Weile gar nicht gewohnt gewesen war, aber in letzter Zeit immer häufiger geschah. Es war nicht so, dass er Spike dazu verdonnern wollte, seine Hausarbeit zu erledigen, doch bisher hatte er den Eindruck gehabt, Spike würde es gerne für ihn tun. Vielleicht war es ein Zeichen von Spike, wie damals, als er ihm damit zeigen wollte, dass er ihn, Angel, begehrte. Möglicherweise wollte ihm Spike nun sagen, dass etwas in ihrer Beziehung nicht in so lief, wie er annahm.

"Es ist alles in Ordnung", wehrte Spike Angels Sorgen ab und fing an, lustlos ein paar Dinge vom Boden aufzuheben. "Du arbeitest zu viel. Du fehlst mir. Ich langweile mich. Das ist alles." Er konnte Angels Fragen nicht ertragen. Immer wieder bohrte er weiter und Spike glaubte manchmal in einem Verhör zu sein. Vielleicht war es auch einfach nur die Angst, dass alles aufflog. Er wusste es nicht, aber er würde Angel niemals offenbaren, was wirklich mit ihm passierte.

„Spike… jetzt hör doch mal auf.“ Angel hielt Spike an seinem Arm fest und drehte ihn zu sich um. „Es tut mir Leid, wenn du den Eindruck hast, dass ich… ach verdammt… da ist mehr, ich weiß es. Sag es mir. Ich fühle es. Kann es sein, dass du mich gar nicht mehr liebst?“

Fast genervt, rollte Spike mit seinen Augen. "Ich liebe dich, Angel!", antwortete er mit wenig überzeugendem Ton und befreite sich aus Angels Griff. "Ich muss aufräumen, schließlich will ich auch was zu diesem Haushalt beitragen."

'Wohl eher dein Gewissen beruhigen', fügte Spike in Gedanken hinzu und las die leeren Getränkedosen auf. Einfach beschäftigt sein. Angels Fragen ignorieren, vielleicht würde das seinen Freund zum Schwiegen bringen.

Angel biss sich in die Lippen. Am liebsten hätte er Spike geschüttelt. Er wusste, etwas war nicht in Ordnung und er wusste, dass es nicht nur daran lag, dass Spike sich langweilte oder sich vernachlässigt fühlte. Irgendwas anderes war mit ihm im Gange und wenn Angel ehrlich war, so hatte eher er den Eindruck, vernachlässigt zu werden und zwar von Spike. „Ich habe immer mehr das Gefühl, dass es umgekehrt ist. Dass du froh bist, wenn ich nicht zu Hause bin… geradezu erleichtert. Langsam komme ich mir vor, wie ein Eindringling in meinem eigenen Haus“, platzte es nun doch ungewollt aus ihm heraus.

"Du hast Wahnvorstellungen", entgegnete Spike gereizt, schob sich an Angel vorbei, der ihm im Weg stand und versuchte, ihn weiter zu ignorieren. Er wollte nicht reden. Er wollte nicht antworten. Er wollte einfach nur seinen Freund. Fühlen. Spüren. Nahesein. Doch wenn Angel ihn weiter so bedrängte, dann würde er explodieren. Es würde zu einem heftigen Streit kommen und Spike befürchtete, dass er nicht gut für ihn ausgehen würde. Er brauchte Angel. Seine Liebe. Sein Geld. Er brauchte ihn einfach. Aus so vielen verschiedenen Gründen.

„Oder willst du mit mir Schluss machen?“, ging er nun doch auf das Thema ein.

„Nein… Oh Gott nein.“ Schnell eilte Angel auf Spike zu, als dessen hilfloser Blick ihm fast das Herz brach und schloss ihn in seine Arme. „Nein, ich würde dich niemals…“ Mit beiden Händen umfasste er jetzt Spikes Gesicht und sah ihm tief in seine wunderschönen Augen. „Spike, ich liebe dich. Glaub mir das. Aber ich habe Angst dich zu verlieren, weil dich irgendetwas von mir abstößt, dich mir entzieht. Manchmal habe ich Angst… und bitte, tick jetzt nicht gleich aus, aber manchmal befürchte ich, dass du wieder abhängig bist.“

"Ja, ich bin abhängig ...", antwortete Spike und spürte, wie sich Angels Körper anspannte, wie sein Blick sich verhärtete und wie jeden Moment die Verzweiflung über ihm zusammenbrechen würde. "... von dir!", beendete Spike seinen Satz und lächelte dünn. Er war so schlecht. Es war so schlecht Angel auszunutzen, seine Liebe für seine Sucht zu benutzen, aber er konnte nicht anderes, denn er war schwach und wenn Angel gehen würde, wäre alles vorbei und er würde entgültig zusammenbrechen.

Spike schlang die Arme um Angels Hals und drückte sich fest an ihn. Ihn so nah zu fühlen, war so herrlich, ließ ihn für eine Sekunde alles vergessen. "Ich liebe dich, Angel. Es ist alles in Ordnung", murmelte er an dem Hals seines Engels. "Ich brauche einfach nur einen Job, eine Beschäftigung."

'Ich brauche einen Entzug', verbesserte sich Spike in Gedanken. 'Für Angel. Für alles, was ich liebe. Für alles, was ich meinen Armen halte.' Langsam löste er sich wieder von Angel und sah in dessen so wundervolle braune Augen. "Du musst dir keine Sorgen machen, mir geht es gut."

Angel konnte nicht anders, er küsste Spike stürmisch. Immer wieder, wenn sich ihre Lippen kurz trennten, murmelte er beruhigende Worte. „Wir finden einen Weg Baby.“ Beruhigende Worte für Spike und vor allem für sich selbst. Er schaltete damit alle Zweifel aus, wollte an das glauben, was Spike ihm so eben gesagt hatte, griff danach wie ein Ertrinkender. „Solange wir zusammenhalten, kann uns nichts trennen.“ Sanft schob er Spike immer weiter zurück, bis sie gemeinsam auf die Couch fielen.

„Ich liebe dich… liebe dich so sehr.“

~*~

Spike stand im Bad vor dem Spiegel. Noch immer hallte das Geräusch der Haustür in seinen Ohren, die Angel gerade hinter sich zugezogen hatte, als er die Wohnung verließ. Sie hatten sich die ganze Nacht geliebt. Zärtlich, einfühlsam, hungrig und gleichzeitig wild. Spike hatte das Gefühl, von Angel noch nie so genommen worden zu sein. So besitzergreifend, so als wolle er ihn nie vergessen lassen, zu wem er gehörte. Noch immer fühlte sich sein Körper wund an und die Nachwehen der intensiven Liebesnacht hallten in ihm nach. Er hatte sich seinem Engel vollkommen hingegeben, ihm seine Seele geschenkt, versucht, wieder gut zu machen, was er ihm heimlich angetan hatte. Hintergangen. Betrogen. Belogen. All dass hatte er seinem Geliebten angetan und er schämte sich so sehr dafür. Fahrig fuhr er sich über den Nacken und starrte weiter auf sein Spiegelbild. Er sah nicht gut aus. Die Droge begann, wieder an ihm zu zehren, nahm ihm die gesunde Farbe seiner Haut, ließ tiefe Ringe unter seinen Augen entstehen und seine Wangen wirkten eingefallen und hohl.

Sein Blick glitt auf die Spritze in seiner Hand. Es war Zeit für den nächsten Schuss, das Verlangen in ihm stieg von Sekunde zu Sekunde mehr. Doch alles was er tat, war auf den Gegenstand in seiner Hand starren. Den Gegenstand zum falschen Glück. Das richtige Glück hatte gerade die Wohnung verlassen und würde heute Abend zu ihm heimkehren und ihn auf ganz eigene Weise schweben lassen.

So ging es nicht weiter. Er würde seinen Rückfall nicht ewig vor Angel verheimlichen können, bereits jetzt stellte dieser immer mehr unangenehme Fragen und irgendwann würde er sich nicht mehr mit, in Spikes Ohren hohl klingenden Phrasen, abspeisen lassen. Irgendwann wäre es zu spät.

Und das wollte Spike nicht. Er wollte Angel nicht verlieren, nicht für diesen Scheiß in seiner Hand. Für diesen Dreck. Für dieses Teufelzeug.

Wütend ballte er seine Hand um die Spritze zur Faust und warf sie dann mit einem wütenden Aufschrei zu Boden und kickte sie in die rechte Ecke des Bades. Er würde aufhören damit. Jetzt. Sofort. Für Angel. Und für das, was sie hatten.

Er kannte den kalten Entzug, er hatte ihn schon einmal überstanden und er würde es wieder schaffen. Nur musste er es irgendwie vor Angel geheim halten. Davor hatte er Angst. Aber er wusste ja, wie er sich beruhigen konnte. Er musste nur möglichst viele Schmerztabletten nehmen, Alkohol. Es würde schon gut gehen. Und zur Not konnte er Angel erzählen, er hätte eine Magen/Darm-Infektion.

Spike lief bereits zehn Minuten später in den Drugstore und deckte sich mit allen möglichen Schmerztabletten ein. Den argwöhnischen Blick des Verkäufers ignorierte er und bezahlte so schnell er konnte, mit seinem letzten Geld aus dem Verkauf der Manschettenknöpfe. Kaum war er zu Hause, nahm er die ersten Pillen und spülte sie mit Rotwein seine Kehle hinab. Dann setzte er sich auf die Couch, steckte sich eine Zigarette an und blickte hinaus auf das Meer. Mit seinen Füßen tippte er einen hektischen Takt auf den Boden. Dann stand er wieder auf. Er konnte nicht ruhig sitzen. Tigerte durch die Wohnung. Begann sogar, sie aufzuräumen. Versuchte sich abzulenken, so gut es ging und schluckte alle halbe Stunde eine Handvoll Tabletten.

Doch sie betäubten ihn nicht vollkommen. Die Gier nach der Droge wurde immer größer, begann, ihn in den Wahnsinn zu treiben, ließ ihn jeglichen vernünftigen Gedanken vergessen, Schweiß brach aus jeder seiner Poren, sein Kreislauf sackte ab, ihm war kalt. So bitterkalt und gleichzeitig so verdammt heiß. Wie ein Ertrinkender trank er Angels teuren Whisky aus der Flasche. Leerte sie halb in einem Zug. Und rannte danach ins Bad, um sich zu übergeben.

Nachdem der Brechreiz endlich überstanden war, sackte er auf den Boden, umarmte die Kloschüssel und ließ seine Stirn auf seinen Unterarm fallen. Die Schmerzen in seinem Körper waren unerträglich. Alles brannte, sie fraßen ihn auf und vor lauter Verzweiflung konnte er die Tränen nicht länger zurückhalten.

Irgendwann lag er gekrümmt auf den kalten Fliesen im Bad und schluchzte wie ein Baby. Weinte wegen der Schmerzen, wegen der Dummheit, dass er sich wieder auf die Droge eingelassen hatte und darüber, dass Angel ihn in ein paar Stunden so finden würde. So kaputt und fertig wie er war. Und Angel würde sofort wissen, was los war. Er hatte sich selbst etwas vorgemacht. Niemals wäre Angel so dumm und würde nicht den wahren Grund hinter seinem Elend entdecken und dann würde er ihn verlieren. Seinen Engel. Seinen Geliebten. Seinen Halt im Leben.

Und er wäre verloren für immer.

Mehrmals schoss Spike der Gedanke durch den Kopf, dass er sich nur einen Schuss setzen musste und alles wäre wieder gut. Doch er blieb hart, sich selbst gegenüber. Standhaft wehrte er sich dagegen aufzugeben. Er musste dies hier durchziehen. Für sich und für Angel und vor allem für das, was sie verloren hatten. Die Leichtigkeit ihrer Liebe, den rosaroten Traum vom Glück. Das war, was er wieder haben wollte, war er brauchte, seine wahre Droge.

Die Stunden glitten an Spike vorbei wie ihm Rausch und doch zogen sie sich zäh wie Gummi. Irgendwann schleppte er sich wieder ins Wohnzimmer, schmiss erneut einige Tabletten ein und beruhigte sich mit schwerem Alkohol. Bald würde Angel nach Hause kommen. Bald. Und für ihn da sein. Er würde ihn halten und nicht mehr los lassen, ein Fels in der Brandung für ihn sein.

Zehn Minuten später war er wieder im Bad und ließ warmes Wasser in die Wanne laufen. Vielleicht würde es ihn beruhigen zu baden. Ihm war noch immer so kalt. Es würde sicher das Zittern beruhigen. Er stellte den Whirlpool an und starrte auf die blubbernden Blasen.

Mittlerweile war es ihm egal, ob Angel hinter sein Geheimnis kam. Alles was er jetzt wollte war Hilfe, um das Ganze zu überstehen, nicht wieder rückfällig zu werden. Fast all seine Hoffnung war jetzt auf die Ankunft seines Geliebten gerichtet und so lange versuchte er, sich zusammen zu reißen. Bis dahin würde er alle Kraft aufbringen und dann konnte er sich fallen lassen. Angel würde ihn auffangen. Angel würde ihm helfen. Angel war immer für ihn da. Angel…

Das schrille Klingeln des Telefons riss ihn aus seinem Mantra. Ohne lange zu überlegen, lief er ins Wohnzimmer und griff danach: „Ja“, krächzte er in den Hörer.

„Spike?“ Angel war am anderen Ende. „Spike, hör zu, es wird später heute. Der Dreh verzögert sich… das Wetter hat nicht mitgespielt… du brauchst nicht zu warten. Geh ruhig schon ins Bett, es wird wirklich spät.“

‚NEIN!’, schrie Spike in seinen Gedanken, das konnte Angel ihm nicht antun. Nicht heute. Nicht jetzt!

„O… kay..“, brachte er stattdessen zitternd über die Lippen.

„Alles klar bei dir?“, erkundigte sich Angel, plötzlich besorgt.

„Alles… k..lar“, log Spike und plötzlich überkam ihn das Gefühl, noch etwas anderes sagen zu müssen. „Ich … Angel… ich liebe dich.“

Er hörte Angel gerührt lachen und leise „Ich liebe dich auch“ wispern.

„Für immer“, setzte Spike eindringlich hinterher.

„Für immer.“ Angels Stimme war wieder laut und deutlich zu hören. „Warte nicht auf mich.“

Spike starrte auf den Hörer. Angel hatte aufgelegt. Angel würde jetzt nicht nach Hause kommen. Angel würde…

Ein plötzlicher Krampf unterbrach jeglichen Gedankengang. Der Hörer fiel ihm aus der Hand, er drückte seine Arme in den Magen und schrie laut seinen Schmerz in die Stille des Wohnzimmers.

Einige Zeit später war er wieder im Bad, starrte in die Wanne und fühlte sich vollkommen leer. Sein Blick glitt über den Beckenrand auf den Boden und da sah er sie. Seine Erlösung.

Angel würde nicht kommen. Ihm nicht helfen. Aber das hier würde ihm helfen. Würde diese elenden Schmerzen vertreiben und ihn sich wieder gut fühlen lassen. Schnell zog er sich seinen Pullover über den Kopf und kniete sich, nur noch mit Jeans begleitet auf den Boden und griff zitternd nach der Spritze, die er am Morgen achtlos in die Ecke getreten hatte. Einen kurzen Augenblick schwankte er. Versuchte noch einmal die Kraft aufzubringen, sie wegzuwerfen.

Und gab dann einfach auf.

Das war alles zuviel. Er war schwach, er würde immer schwach sein und er hielt diese Krämpfe, diese Schmerzen, dieses Verlangen nach dem Heroin nicht mehr aus. Ohne weiter darüber nachzudenken, was er tat, setzte er sich auf den Beckenrand der Wanne, mit dem Ärmel seines Pullovers band er sich den Oberarm ab, hielt ihn mit seinen Zähnen fest und drückte sich die Spritze hart und viel zu schnell in seine Vene.

Sekunden später riss er die Augen weit auf, seine Zähne gaben den Ärmel frei und er holte röchelnd Luft, während er rückwärts in die Wanne fiel. Das warme Wasser umschloss seinen Körper und er tauchte unter. Jetzt schwappte die Flüssigkeit über den Beckenrand auf den Boden und Spike tauchte wieder auf. Noch immer waren seine Augen weit offen… seine blauen, klaren Augen waren auf die weiße Decke des Badezimmers gerichtet und das Wasser um ihn herum begann langsam, sich wieder zu beruhigen.

~*~

Angel versuchte möglichst leise, die Tür aufzuschließen. Er wollte Spike nicht wecken. Er freute sich darauf, nach diesem langen, harten Tag zwischen die Laken zu seinem Geliebten zu schlüpfen. Er würde ihn die ganze Nacht halten, Haut an Haut, warm und weich und schwelgen in dem Glück, in zu lieben und wieder geliebt zu werden.

Den ganzen Tag über hatte Angel sich dabei erwischt, wie er mit seinen Gedanken mehr bei der letzten Liebesnacht als bei der Arbeit war und mehr als einmal war ein verträumtes Lächeln über seine Züge geblitzt. Wie hatte er nur an Spike zweifeln können? Er war so dumm. Es war nur der täglich Alltag, der ihre Beziehung ein wenig hatte einfahren lassen. Aber in der letzten Nacht hatte Spike ihm gezeigt, wie sehr er in liebte und das war alles, was Angel gebraucht hatte.

Als er in den Flur trat, stutzte er kurz, als er den dünnen Lichtstreifen unter der Badezimmertür bemerkte. Er verzog seine Lippen zu einem gerührten Lächeln.

Spike! Er hatte doch auf ihn gewartet. Oh, er war so süß. Wahrscheinlich hatte er überall kleine Teelichter im Bad verteilt und wartete, nackt wie Gott ihn erschaffen hatte, in der Wanne, die er mit warmem Wasser und duftendem Schaumbad gefüllt hatte.

Voller Vorfreude lockerte Angel seine Krawatte und zog sie sich über den Kopf. Achtlos ließ er sie zu Boden fallen und hüpfte abwechselnd auf einem Bein in Richtung Bad, um sich links und rechts die Schuhe auszuziehen. Bis er vor der Badezimmertür ankam, war er bereits vollkommen nackt. Mit einem Lächeln, das seine Vorfreude nicht verbergen konnte, öffnete er die Tür.

„Hey Baby“, flüsterte er mit verführerischer Stimme. Ein Schwall feuchter Luft vernebelte ihm die Sicht und er wedelte sie mit der Hand von seinem Gesicht fort. „Wow… heiß hier drinnen… wolltest du das Bad in eine Sauna verwandeln?“, scherzte er und trat an die Wanne.

Durch die kalte Luft die durch die offenstehende Tür kam, wurde die feuchtwarme Luft aus dem Bad getrieben und die Sicht auf seinen Geliebten wurde endlich frei. Angel hob ein wenig irritierte die Augenbrauen, als er bemerkte, dass Spike noch immer seine Jeans trug. „Ich dachte, dass wäre in den Sechzigern gewesen, als man die Jeans noch nass angezogen hat.“ Er musste über seinen eigenen Witz leise lachen und hob einen Fuß in die Wanne. Dadurch dass der Whirlpool an war, war das Wasser angenehm temperiert und ein genüssliches Seufzen verließ Angels Kehle. Während sein zweites Bein dem ersten folgte, glitt sein Blick Spikes Körper empor und plötzlich erstarrte Angel mitten in der Bewegung.

Was war das? Spikes Arm… Spritze? Nein…

„NEIN… Oh … Gott… nein“, keuchte er und glitt aus, fiel ins Wasser, auf den leblosen Körper seines Geliebte… das Wasser spritzte erneut aus der Wanne, Angel zog röchelnd nach Luft… „Nein… nein…“, wiederholte er immer wieder. Nicht fähig etwas anderes zu sagen, zu denken, zu denken und zu realisieren, was seine Augen ihm längst gezeigt hatten.

Er griff um den Oberkörper seines Freundes, zerrte ihn hoch, riss ihn in seine Arme. Der Kopf des Blonden fiel kraftlos in den Nacken, Angel half ihm, drückte mit seiner Hand auf dessen Hinterkopf und presste Spikes Gesicht an seine Halsbeuge. Längst liefen ihm die Tränen über die Wangen, ohne dass er sich dessen bewusst war, längst holte er immer wieder schluchzend Luft, längst hatte ein Teil von ihm registriert, was geschehen war, aber ein anderer wollte es nicht glauben. Es nicht zu lassen, der Teil der eine Art Eigenschutz bildete, ähnlich dem Schockzustand eines Unfallopfers.

"Wach auf, Baby... bitte...."

Angel küsste die Haare seines Geliebten, die Ohren, die Stirn, schnelle kleine Küsse, verzweifelt Küsse, zitternde Küsse… ließ seine Hände über dessen Rücken fahren, wiegte ihn, hielt ihn, umklammerte ihn und … dann sah er ihm in die Augen.

Blau. So blaue Augen. So wunderschöne blaue Augen. So leere Augen, so leere, tote Augen.

„Spike… nein… oh Baby, nein, bitte nein… nicht... Oh Gott, warum??? Warum Baby… warum nur…“

Epilog: 14 Years von anja25ive

Da saß er nun mitten im Kodak Theatre und lauschte gebannt den Worten von Charlize Theron, die die einleitenden Worte für die Nominierungen des "Actor in a leading role" sprach. Er war nominiert. Nach vierzehn Jahren war er tatsächlich nominiert. Für die Rolle seines Lebens. Es war nicht Frank Sinatra, sondern Spike. Er hatte den Mann gespielt, der sein Leben auf den Kopf gestellt und sein Herz erobert hatte, es mit Liebe gefüllt hatte und auch nach vierzehn Jahren noch immer füllte. Spike war sein Leben. Seine Liebe. Sein Atem. Spike war alles. Und er hatte ihn gespielt.

Jahrelang hatte er gebraucht, um Spikes Tod zu verarbeiten. Zu verstehen, was passiert war. Die Vorwürfe hatten ihn zerfressen. Die Schuldgefühle sein Leben bestimmt. Nur seine Arbeit, sein Schauspiel, die kleinen Rollen hatten ihn am Leben gehalten und von irgendeiner Dummheit abgehalten.

Bis die große Wende gekommen war. Eine plötzliche Welle, die ihn erfasst und mitgezogen hatte. Es kam ihm immer noch wie ein Traum vor, aber es war Wirklichkeit, pure Realität. Er saß tatsächlich hier im Kodak Theatre, mitten in der Oscar-Verleihung und sah gespannt auf die riesige Leinwand, wo die Nominierungen vorgestellt wurden. Und da ertönte sein Name. Sein Name. Er war dabei. Er gehörte in diesem Jahr zu den Besten und er war unglaublich stolz darauf, denn in keine Rolle hatte er soviel Liebe, soviel Herzblut, soviel Energie gesteckt, wie in diese - wie in seine Darstellung von Spike.

Nach all dem Schmerz, dem Leid, der Trauer hatte er angefangen zu schreiben. Hatte sich alles von der Seele geschrieben. Hatte Spike ein neues Leben in seinen Worten sinnbildlich eingehaucht. Tag für Tag, Nacht für Nacht, Stunde für Stunde hatte er nichts anderes getan, als sich seinen Erinnerungen hinzugeben. Bis Lilah seine Worte in die Hände fielen und plötzlich bekam er einen Auftrag, daraus ein Drehbuch zu machen.

Er hatte sich zuerst geweigert. Sich dagegen gewehrt, sein Leben, seine Homosexualität noch einmal so zum Mittelpunkt zu machen. Zuviel war geschehen. Zuviel Kraft hatte es ihn gekostet. Doch ein einziger Traum. Ein Traum mit Spike hatte ihn anders denken lassen. Vielleicht würde dieser Film kein Erfolg werden, aber er hatte gewusst, dass er es für Spike tun musste und für sich selbst, um die Wunden der Vergangenheit zu schließen. Um Spike zu zeigen, dass er noch immer ein Teil seines Lebens war. Um endlich in seinem Leben weitergehen zu können.

Plötzlich hatte alles ein Eigenleben entwickelt. Das Drehbuch war fertig geworden. Die Schauspieler gecastet. Ein Regisseur gefunden. Drehorte standen fest. Und Angel befand sich mitten drin in der Rolle seines Lebens. Er spielte Spike mit allen Höhen und Tiefen, mit allen Ecken und Kanten. Angel lebte Spike. Es war nicht einfach eine Rolle. Spike war ein Teil seines Lebens gewesen und niemand anderes hätte ihn so spielen können. So richtig spielen können.

Und es hatte gut getan. Zum ersten Mal seit Spikes Tod hatte Angel sich wieder gut gefühlt. Alles hatte sich wieder gut angefühlt. Seine Karriere. Sein Beruf. Die Schauspielerei. In sein Leben kam plötzlich wieder Ordnung, eine gewisse Leichtigkeit, die er so lange vermisst hatte. Kein Versteckspiel mehr. Er war frei und das fühlte sich unglaublich gut an. Er verschwendete keinen Gedanken an Kritiken, an Zuschauerzahlen, an Einnahmen. Es zählte einfach Spike und seine Lebensgeschichte.

Was dann passierte, erschien Angel immer noch so fremd, aber es war geschehen. Es war echt. Genauso wie Charlize Theron, die unglaublich langsam den bedeutungsvollen Umschlag öffnete. Dann fielen die magischen Worte.

"And the Oscar goes to ..."

War das sein Name? Hatte sie gerade seinen Namen erwähnt?

Angel starrte einfach nur ins Leere. War sich plötzlich gar nicht bewusst, dass die Auszeichnung an ihn gegangen war. Das musste nun wirklich ein Traum sein. Das konnte niemals Wirklichkeit sein. Er konnte doch niemals einen Oscar bekommen.

Erst als Lilah ihn anstieß und regelrecht vom Stuhl zog, sickerte das Unglaubliche in seinen Verstand, begann er langsam zu verstehen, was eben geschehen war. Er hatte gewonnen. Es war real, eine Tatsache. Unfassbar, aber wahr. Für die wichtigste und bedeutsamste Sache in seinem Leben hatte er diesen wertvollen Preis gewonnen.

Er lächelte verwirrt, als Lilah ihn umarmte, ihm einen Kuss auf die Wange drückte und ihm gratulierte. Überwältigt von allem reagierte er einfach nur noch. Er hatte keine Ahnung, wie er es schaffte einen Fuß vor den anderen zu setzen oder wie es kam, dass er plötzlich vor Lindsey stand.

Lindsey. Ein neuer Agent in Lilahs Firma. Angel hatte keine Ahnung, ob Lilah ihn wirklich brauchte oder ob sie ihn nur angestellt hatte, weil sie der Meinung war, dass er einen neuen Freund brauchte. Seit Spike gestorben war, hatte er niemanden an sich herangelassen. Zu verletzt war er gewesen. Zu tief saßen die Wunden. Zu stark war diese Liebe gewesen. Doch Lindsey war anders. Er mochte ihn, lachte gern mit ihm und er war dankbar, dass er ihm Zeit ließ, dass er ihm das Tempo überließ. Und vielleicht war er irgendwann so weit. Vielleicht konnte er auch in diesem Punkt in seinem Leben einen Schritt nach vorn gehen.

Angel erwiderte sein Lächeln, drückte ihn kurz und lief noch immer wie in Trance, begleitet von tosendem Applaus, auf das Podium. Dort stand sie, Charlize Theron, lächelte ihn an und wartete nur darauf, ihm endlich den kleinen goldenen Mann zu überreichen.

Er schwebte. Getragen von einer wundervollen Wolke aus purem Glück. Er war wirklich glücklich. Und dann stand er vor dem Mikrofon. Sah auf den Award. Sah ins Publikum. Dann spürte er, wie sich langsam Tränen in seine Augen schlichen. Er würde hier nicht stehen. Er hätte all das niemals erreicht, wenn er, Spike - sein blonder Engel, nicht in sein Leben getreten wäre und wenn er es in dieser einen Nacht nicht schlagartig geändert hätte.

Keinen einzigen Moment hatte er vergessen. Keinen einzigen Augenblick. Er war nach Hause gekommen. Ahnungslos. Erschöpft. Dann hatte er den Whirlpool gehört und er hatte sich auf einen wundervollen Ausklang des harten Tages gefreut. Doch dann war alles über ihm zusammengebrochen. Seine Welt war stehen geblieben. Sein Herz hatte aufgehört zu schlagen. Sein ganzes Leben war von einer auf die andere Sekunde vorbei gewesen.

Starr. Kalt. Blass. So hatte er in der Wanne gelegen. Leblos. Tod. Verloren. Er hatte versucht, die Wahrheit zu verleugnen. Hatte versucht, alles zu verdrängen. Doch die Realität hatte ihn knallhart getroffen. Nahm ihm die Besinnung. Nahm ihm den Atem. Nahm ihm alles.

Er konnte sich bis heute noch nicht daran erinnern, wie er die Nummer des Notrufes gewählt hatte. Doch irgendwann waren sie da. Standen in seinem Badezimmer. Stellten ihm Fragen, die er nicht beantworten konnte. Er kam sich vor, als wäre er nicht in seinem Körper, als stände er neben sich und beobachtete dies alles. Die nasse, kalte Leiche, die sie aus der Wanne hoben, in den schwarzen Plastiksack. Das Geräusch, als sie den Reisverschluss hochzogen und er nicht mehr auf das starre, bleiche Gesicht seines blonden Engels schauen konnte. Die furchtbare Leere, die er empfand und gleichzeitig diesen tosenden, alles verbrennenden Schmerz, der ihn schier zu zerreißen drohte. Tiefer, grausamer, kalter Schmerz.

Danach brach alles über ihm zusammen. Alles in seinem Leben geriet aus der üblichen Bahn. Noch in der Nacht tauchte die Presse auf, noch während er im Bad stand und auf den schwarzen Leichensack starrte und am liebsten selbst hineingekrochen wäre. Bis heute wusste er nicht, wie die Reporter Wind von der Sache bekommen hatten. Ob sie den Polizeifunk abhörten oder einer der Pfleger sich ein paar Dollar verdient hatte? Tatsache war, dass sie sich auf ihn stürzten wie Hyänen. Er war ein gefundenes Fressen, die brandheißeste Story aus Hollywoods Traumfabrik und das schwarze Loch, in dem er sich bereits befunden hatte, wurde größer und dunkler, tiefer und verschlang alles, was sein bisheriges Leben ausgemacht hatte.

Plötzlich war er nicht mehr der Casanova, dessen Karriere gerade im Aufwind war. Er war einfach nur noch der Schwule, der einen drogenabhängigen Stricher zum Freund gehabt hatte. Alles was die Welt draußen noch interessierte, war seine Homosexualität, Spike und sein Versteckspiel. Von Tag zu Tag wurde es schlimmer. Er war genau in der Hölle, in die er nie geraten wollte. Und er hatte nicht einmal mehr Spike, der ihm zu Seite hätte stehen können.

Ein leichtes Antippen an seinen Rücken riss ihn aus seinen Gedanken. Charlize lächelte ihn an und verdeutlichte ihm mit kleinen Gesten, dass alle auf seine Dankesrede warteten. Ja, er stand noch hier. Mitten auf dieser großen, strahlenden Bühne und ein voll besetztes Kodak Theatre sah ihm erwartungsvoll entgegen. Er musste etwas sagen. Er räusperte sich, sah noch einmal auf die goldene Statur und begann mit seiner Rede.

"Ja ... wenn man hier oben steht, sollte man etwas sagen." Er machte eine Pause, suchte nach den richtigen Worten und fuhr fort. "Ich komme mir vor, wie in einem dieser Alpträume, in denen man vor der Klasse steht, irgendetwas vortragen muss und wenn ich jetzt an mir hinunter sehe, bin ich wahrscheinlich vollkommen nackt."

Das Publikum lachte und Angel spürte, dass er sich hier wohlfühlen konnte. "Wahrscheinlich würde das manchen Frauen ... oder Männern gefallen." Wieder lachte das Publikum. "Doch das alles hier ist Wirklichkeit. Ein wahr gewordener, wundervoller Traum nach einem langem Alptraum."

Plötzlich legte sich eine fast ehrfürchtige Stille über das Kodak Theatre.

"Es ist kein Geheimnis, was mir passiert ist. Man muss nur ein Klatschblatt aufschlagen. Ich bin noch immer interessant genug für die eine oder andere Schlagzeile. Doch ich glaube daran, dass nach so langer Zeit auch die Presse endlich erkennen wird, dass ich nicht nur ein Homosexueller bin, sondern ein ernstzunehmender Schauspieler, der sich alles hart erarbeitet hat. Und all das habe ich nur geschafft, weil ein Mensch an mich geglaubt hat und ich weiß, dass er es immer noch tut. Ich bin sicher, dass uns das Schicksal zusammengeführt hat, dass er mein Seelenverwandter ist, ohne den mein Leben nicht komplett ist. Doch er ist von mir gegangen, weil ich nicht stärker war, als das, was ihm das Leben genommen hat."

Angel wusste, dass seine Redezeit längst abgelaufen war, doch weder die berüchtigte Musik, noch der Regieassistent des heutigen Abends unterbrach ihn. Jeder hier schien zu wissen, wie wichtig ihm dieser Moment war. Wie wichtig ihm diese Worte waren.

"Ich habe mich oft gefragt, warum er von mir gegangen ist, warum er mich mit all dem Schmerz und all dem Chaos allein gelassen hat. Ich habe das Schicksal verflucht, mir dies anzutun und mich selbst, weil ich nicht gesehen habe, was mit ihm los war. Erst jetzt verstehe ich es. Ich will nicht sagen, dass ich glaube, dass er sterben musste, aber ich habe zumindest einen Sinn dahinter entdeckt. Er hat mir gezeigt, nein, mich gezwungen, mir selbst einzugestehen wer ich wirklich bin, dass ich mich nicht verstecken muss, dass ich der sein kann und muss, der ich bin.“ Ergriffen stockte er einen Moment, hatte für einen Augenblick keine Kontrolle über seine Stimme.

Kurz schloss er die Augen und setzte erneut an: „Ohne ihn würde es diesen Film nicht geben, ohne ihn hätte ich niemals diese Rolle gespielt, ohne ihn stünde ich jetzt nicht hier." Angel machte erneut eine Pause, es fiel ihm immer schwerer zu sprechen. Er sah auf den Oscar in seinen Händen und spürte die Tränen seine Wangen hinunter laufen. Er holte tief Luft und richtete seinen Blick nach oben an die Decke.

"Wo auch immer du bist, Spike? Von wo auch immer du mir zusiehst? Ich liebe dich. Du wirst immer bei mir sein. Du wirst immer in meinem Herzen sein. Du wirst immer ein Teil von mir sein. Ich liebe dich, Spike! Für immer und ewig."

Ende!

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