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Light up my Life von sleepless, Peate
Inhalt: Angel und Spike sind High - School -Schüler. Spike hat Mist gebaut und muss als Strafe einige Auflagen erfüllen...
Fandom(s): Buffy the Vampire Slayer / Angel the Series Pairing(s): Spike/Angel
Story-Genre: Allgemeine Story, Alternatives Universum
Lšnge der Story: Mehrteiler
Story-Typ: Slash - M/M
Warnungen: Keine
Challenges:
Serie: Keine
Kapitel: 3 Story vollendet: Ja Anzahl der Wörter: 5862 Wörter Gelesen: 4001 Mal Datum der Veröffentlichung: 28.07.08 Letztes Update: 28.07.08
Kommentar:

E-Mail Adresse Peate: Sarasa1984@gmx.net
E-Mail Adresse sleepless: sleepless3333@web.de 

Homepage Peate: http://sarasa_1984.livejournal.com/
Homepage sleepless: http://sleepless3333.livejournal.com/

Das Storypic ist von anja25ive - vielen Dank dafür.
Alternate Universe - diese Story basiert auf den Film "A Walk to Remember"

Kommentar von silverbird:
Beate und Stephie haben diese Story für mich geschrieben. Ursprünglich sollte sie ein Geburtstagsgeschenk werden, doch die Beiden kamen über die drei Teile nicht hinaus. Trotzdem finde ich, dass die Geschichte durchaus auch so stehen bleiben kann. Danke für euer Geschenk Mädels. *drück*

1. Kapitel 1 von sleepless

2. Kapitel 2 von sleepless

3. Kapitel 3 von sleepless

Kapitel 1 von sleepless

Verfluchte Hölle! Ich konnte einfach nicht glauben, dass ich hier wirklich saß und diesen Mist über mich ergehen ließ!

Ich drehte die Musik der Sex Pistols in meinem Discman noch ein wenig lauter und versuchte den Gedanken zu verdrängen, dass ich an dieser Situation im Grunde selbst Schuld war.

Hätte ich mich nach dieser dämlichen und eigentlich vollkommen überflüssigen Mutprobe nicht von den Bullen erwischen lassen, dann wäre es niemals so weit gekommen. Aber sie hatten mich erwischt. Sie hatten Xander verletzt auf dem verlassenen Gelände der alten Fabrik gefunden und waren natürlich sofort auf mich gekommen, nachdem ich viel zu schnell an ihnen vorbei gefahren war.

Und nun stand mein DeSoto in der Werkstatt und ich saß in diesem verdammten, gelben Schulbus und vergeudete meinen freien Samstag an irgendeinen lernbehinderten Teenager, der wahrscheinlich nicht einmal Lust hatte, sich in irgendeiner Weise von mir helfen zu lassen.

Dies war meine Strafe.

Ich musste an jedem zweiten Samstag Nachhilfe in Mathe geben, an der Sommeraufführung der Theatergruppe teilnehmen und als krönenden Abschluss auch noch den Hausmeistern beim Putzen und Instandhalten der Schule helfen.

Und das alles, während meine Freunde Spaß hatten.

Wahrscheinlich machten sie sich schon über mich lustig, lachten darüber, dass ich geschnappt worden war und freuten sich, dass es sie nicht erwischt hatte.

Ein leises Seufzen kam über meine Lippen und ich bemerkte, wie sich einer der anderen ‚Nachhilfelehrer’ zu mir umdrehte.

Angel.

Ich kannte ihn seit Jahren, war seit beinahe einer Ewigkeit mit ihm in einer Klasse. Allerdings hatte ich bisher noch nie wirklich ein Wort mit ihm gewechselt.

Er war anders. Man könnte sagen, so ziemlich das genaue Gegenteil von mir und meinen Freunden.

Meiner Meinung nach lag es zu einem Großteil daran, dass er der Sohn des Pfarrers war. Vielleicht war das auch der Grund, weshalb ich mich immer von ihm ferngehalten hatte.

Irgendwie wollte ich nie jemandem zum Freund haben, der sich DIES hier freiwillig antat, da er von Kindesbeinen an, an einem unheilbaren Helfersyndrom litt und glaubte, jedem Hilflosen helfen zu müssen.

Nochmals drehte ich meine Musik lauter und richtete meinen Blick wieder demonstrativ aus dem Fenster, um jedem zu signalisieren, dass ich meine Ruhe haben wollte.

Doch der edle Ritter hielt es nicht für nötig, auf meine eindeutige Körpersprache zu achten und setzte sich dreist neben mich. Und als wenn das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, besaß er die Frechheit, mich auch noch anzusprechen.

„Will…?“

„Wag es nicht, den Namen auszusprechen!“, fiel ich ihm ins Wort. „Niemand nennt mich so!“

„Entschuldigung, SPIKE!... Hast du vor Xander irgendwann im Krankenhaus zu besuchen?“

Da ich es unter meiner Würde fand, ihm eine Antwort darauf zu geben, verdrehte ich nur die Augen und schwieg.

„Das heißt dann wohl ‚nein’“, murmelte Angel mehr zu sich selbst. „Aber du weißt schon, dass sie ihn in die Reha-Klinik verlegt haben?!...“

Genervt riss ich mir meine Kopfhörer herunter und blaffte ihn an: „Ist das deine Vorstellung von Smalltalk? Wenn ja, solltest du an deinen sozialen Fähigkeiten arbeiten! Und noch was: Niemand hat ihn gezwungen von diesem blöden Turm ins Wasser zu springen!“

„So etwas nennt man Gruppenzwang“, erwiderte Angel und sah mich vorwurfsvoll an.

Unbewusst zuckte ich mit den Schultern.

„Und überhaupt, woher willst du das wissen? Steht das in deinem schlauen Buch?“, entgegnete ich und deutete mit einem hämischen Grinsen auf die Bibel, welche auf Angels Schoß lag.

„Tu nicht so, als würdest du mich kennen, denn das tust du nicht!“

In meiner männlichen Ehre verletzt, fühlte ich mich gezwungen auf seinen Vorwurf einzugehen und Stellung zu beziehen.

„Aber das tu ich, Liebes! Du bist Liam Giles, wirst jedoch von allen Angel genannt, gehst seit Jahren in die gleiche Klasse wie ich und sitzt in der Mittagspause immer an Tisch Sieben. Nicht gerade der ‚Aussätzigentisch’, aber auf der Beliebtheitsskala tendierst du eher nach unten. Du besitzt nur schwarze Pullover und hast nur diesen einen, abgewrackten, schwarzen Mantel. Du verbringst deine Freizeit damit irgendwelche Bücher zu lesen, an den Wochenenden gibst du freiwillig Nachhilfe und du bist genauso schwul wie ich… okay, vielleicht ein bisschen schwuler … na, wie hört sich das für dich an?“ Selbstsicher erwiderte ich seinen Blick und wartete gespannt auf seine Antwort.

„Nicht gerade überraschend. Du erzählst mir hier nicht Neues!“

Verblüfft sah ich ihn an.

„Ist es dir egal, was andere von dir denken?“

„Ja.“

~*~

Was bemerkt?“

Das wir Zwei uns lieben?“

Lieben? Ähm… Baby, verlieb dich lieber nicht in einen Kerl wie mich!“

Es ist zu spät Tommy, du weißt, dass ich verrückt nach dir bin! Ich atme… trinke diese Liebe wie ein Verdurstender… du nicht, Tommy?“

Na ja, ich weiß nicht, was ich trinke, mein Hübscher! Aber wenn das Liebe ist, hätte ich gerne noch ein Glas davon!“

Bei den letzten Worten des wirklich grottenschlechten Textes, kam mir beinahe das Mittagessen wieder hoch. Wie konnte man nur so einen Müll schreiben?

Spätestens nach diesem Satz, konnte ich nicht mehr an mich halten. Als wenn die Nachhilfe nicht schon schlimm genug gewesen wäre, traf ich Angel auch noch bei der Theatergruppe.

Ms. Calendar hatte ironischerweise MICH für die Hauptrolle ausgewählt! In dem Stück ging es um den Aufstieg und Fall des Tommy Thornton, der sich während der Prohibition in New York in einen jungen, gut aussehenden Kerl verliebte. Und welch Überraschung: dies war Angels Rolle! Mit seinen kurzen, braunen, leider ständig durch Gel verunstalteten Haaren und seinen dunklen, braunen Augen war er die perfekte Besetzung dafür.

Eigentlich dachte ich ja immer, dass Theaterrollen nicht nach Aussehen, sondern nach ‚Können’ vergeben werden. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich vermuten, dass er mit der Calendar ins Bett gestiegen ist, um die Rolle zu kriegen.

„Mr. Summers, müssen Sie sich sehr anstrengen, um so schlecht zu sein?“, fragte mich Ms. Calendar mit unterdrücktem Zorn in der Stimme.

„Nein, das liegt mir im Blut!“, erwiderte ich und erntete dafür ein leises Lachen der Gruppe.

~*~

Mürrisch stand ich am Straßenrand und wartete auf meinen Freund Gunn, der mir hoch und heilig versprochen hatte, mich abzuholen, da ich mir bei unserer kleinen Mutprobe den Fuß verstaucht hatte und derzeit kein Auto fahren durfte.

Als ich Angel in sein Auto steigen sah, entschloss ich mich zu einer Verzweiflungstat und humpelte mit meinen Krücken direkt auf ihn zu. Demonstrativ blieb ich vor seinem Wagen stehen, bis er das Seitenfenster herunter gekurbelt hatte.

„Verstößt es gegen deinen Glauben, wenn du mich mitnimmst?“

Ohne etwas auf meine blöde Frage zu erwidern, stieß er die Beifahrertür auf und deutete mir einzusteigen.

„Anschnallen!“, erklang gleich darauf der karge Befehl von Seiten meines Fahrers, worauf ich nur genervt seufzte, dann aber – aus Dankbarkeit, dass er mich von diesem Ort erlöste – nach dem Gurt griff und mich widerstandslos angurtete.

Ich hörte mir etwa 30 Sekunden das Gejaule an, welches aus seinem Autoradio ertönte, bis ich entschied, dass es Zeit für einen Senderwechsel wurde.

„42“, erklang kurz darauf Angels Stimme, der seine volle Konzentration auf die Straße richtete.

„Was?“, verwirrt sah ich ihn an.

„42… zu jemanden, den man nicht mag, besonders nett sein... das steht auf meiner Liste von Dingen, die ich mir in meinem Leben vorgenommen habe…“

„Zum Beispiel dir einen neuen Charakter zulegen?“, konnte ich nicht widerstehen.

„Ein Jahr zum Friedenschor gehen, etwas Medizinisches erfinden, mich tätowieren lassen, mich so geben zu dürfen, wie ich bin und möglichst an zwei Orten gleichzeitig sein…“, zählte Angel auf, wurde dann aber von mir ungeduldig unterbrochen.

„Und was ist Punkt Eins?“

„Ich könnte es dir verraten, aber dann müsste ich dich leider umbringen“, antwortete mir Angel lächelnd, sah kurz zu mir herüber, blickte dann aber wieder auf die Straße.

~*~

Nachdem ich den ganzen Nachmittag mit Gunn zusammen versucht hatte, meinen Text für das Stück zu lernen und mir die Dialoge schon zum Hals raus hingen, stellten wir entsetzt fest, dass ich ohne Hilfe eines erfahrenen ‚Schauspielers’ aufgeschmissen war.

Das ‚Drama’ sollte in drei Wochen aufgeführt werden und ich hatte nicht den blassesten Schimmer, wie um alles in der Welt ich das schaffen sollte.

Das Einzige, wenn auch wenig Hilfreiche, was Gunn von sich gab, war: „Alter,

ich werde bei der Premiere in der ersten Reihe sitzen und Tomaten dabei haben!“

~*~

Schweren Herzens fasste ich den Entschluss, mir Unterstützung von Angel zu holen. Ich versuchte den geeigneten Zeitpunkt abzupassen, um zu vermeiden, dass mich jemand mit ihm sprechen sah. Das würde meinem Ruf als ‚Big Bad’ schaden. Der würde zwar spätestens nach der Aufführung des Theaterstücks eh hin sein, aber zumindest würde ich bis dahin alles tun, um mir eine Galgenfrist zu verschaffen.

„Angel?“, sprach ihn kleinlaut an, als ich ihn nach Unterrichtsschluss an seinem Spind stehen sah.

„Spike, was willst du? Ich kenne dich schon seit Jahren und du hast noch niemals freiwillig mit mir gesprochen.“

„Ich brauche Hilfe beim Text lernen.“

„Spike Summers bittet MICH um Hilfe?“, erkundigte sich Angel ungläubig und schlug mit Schwung seine Spindtür zu, um mich dann mit großen Augen anzusehen.

„Ja“, gab ich zögernd zur Antwort.

„Na schön, ich bete für dich!“

„Angel, verdammt… hör mir zu…“

„Du hast offensichtlich noch nie jemanden um Hilfe gebeten, kann das sein? ... ein Anliegen wie deins verlangt nach Schmeicheleien und Unterwürfigkeit. Es darf nicht nur um dich gehen. Es könnte zum Beispiel dem Gemeinwohl dienen…“

„Na, es dient dem Allgemeinwohl! Wesley Wyndham-Pryce verdient nur das Beste für sein Stück! ... Bitte…“

„Also gut… aber nur unter einer Bedingung, Spike! Du darfst dich nicht in mich verlieben!“

Obwohl ich ein Meister der Selbstbeherrschung war, entglitten selbst mir bei diesem Spruch die Gesichtszüge.

„Ich bin zwar schwul, aber DAS sollte deine geringste Sorge sein!“, antwortete ich wahrheitsgemäß.

Angel musterte mich mit einem undefinierbaren Blick, ging jedoch nicht näher darauf ein.

„Gut. Dann treffen wir uns heute Nachmittag bei mir.“

~*~

Später am Nachmittag stand ich ein wenig nervös vor Angels Haustür und zögerte einen Moment zu klingeln. Inzwischen war ich der Meinung, dass dies der dämlichste Einfall war, den ich jemals gehabt hatte.

Immerhin hatte ich vor, mit dem Sohn des Pfarrers, in dessen Haus zu lernen, obwohl ich mich bisher bei jedem sonntäglichen Kirchenbesuch, zu dem mich meine Mutter grundsätzlich schliff, daneben benommen oder im günstigsten Fall geschlafen hatte.

Da ich mir langsam blöd vorkam, vor der verschlossenen Tür zu stehen und zu grübeln, klingelte ich.

Angel bat mich herein und erklärte mir dann, dass sein Text in seinem Zimmer liegen würde. Er sagte, ich sollte es mir gemütlich machen und verschwand anschließend nach oben.

Neugierig sah ich mich im Wohnzimmer um. Schließlich bekam man nur selten die Chance, sich im Hause eines Pfarrers umzusehen.

Mein Blick fiel auf eine handgeschnitzte, kleine, pottenhässliche Figur, die mit Leidensmiene und Dornenkranz auf dem Kaminsims vor sich hin vegetierte.

„Boah… ist das ein gruseliger, alter…“, flüsterte ich und wandte mich ab. „Jesus!“

„Nein, ich bin Liams Vater. Hallo Mr. Summers. Wie ich hörte haben Sie die Hauptrolle in dem Theaterstück ergattert, Glückwunsch!“

„Tja… danke, dass Sie mir erlauben mit Angel zu lernen.“

„Ich war dagegen. Kommen Sie selbst darauf warum. Eins sollte zwischen uns klar sein, Mr. Summers: Sie denken, ich kann Sie sonntags nicht sehen, von dort aus wo ich stehe. Doch ich sehe Sie! Immer!“, versuchte mich Mr. Giles einzuschüchtern und fügte anschließend noch hinzu: „Ich bin dann in meinem Arbeitszimmer gleich hier um die Ecke.“

„Alles klar?“, fragte Angel, während er die Treppe hinunter kam.

„Glasklar. Lass uns anfangen.“

~*~

In den nächsten Tagen versuchte ich Angel in der Schule so gut es ging aus dem Weg zu gehen, da es mir noch immer unangenehm war, mit ihm gesehen zu werden. Was sollten meine Freunde von mir denken? Ich hatte schließlich einen Ruf zu verlieren.

Trotz allem war und bin ich ein neugieriger Mensch, daher folgte ich ihm, als er eines Abends durch den Eingang des Friedhofs schlich.

„Was machst du hier? Auf einem Friedhof. Im Dunkeln. Mutterseelenallein“, sprach ich ihn unerwartet an und erschreckte ihn damit, allem Anschein nach, beinahe zu Tode. Mit einem riesigen Satz sprang er zur Seite und sah mich vorwurfsvoll an.

„JESUS! Bist du des Wahnsinns, mich so zu erschrecken? … Und außerdem könnte ich dich das gleiche fragen!“

„Wo zum Teufel… ähm wo zum Geier willst du hin?“

„Wenn es dich so brennend interessiert, dann folg mir doch einfach“, bekam ich die nicht gerade aussagekräftige Antwort.

Durch meine gedankenlose Mutprobe noch immer etwas gehandicapt, hinkte ich ihm langsam hinterher.

Als ich ihn endlich eingeholt hatte, stand er vor einem großen, undefinierbaren, grauen Gebilde.

„Was. Ist. Das?“

„Das ist mein Teleskop. Ich hab’s mit Zwölf gebaut. Allein“, erklärte er mir voller Stolz und deutete mir, hindurch zu schauen.

Nachdem ich den Sternenhimmel betrachtet hatte, hätte ich am liebsten das ausgesprochen, was mir gerade durch den Kopf ging. Doch anstatt ihm ehrlich zu sagen, wie fucking langweilig und poofig, geradezu schwul ich die ganze Aktion fand, riss ich mich zusammen und versuchte es in nette Worte zu verpacken.

„Ahh… die Naturwunder. Ich kann verstehen, dass dich dieser ganze Kram interessiert.“

„Dieser Kram?“, entgegnete Angel mir entrüstet. „Dieser KRAM?!... Ich habe meine Überzeugung. Meinen Glauben. Du nicht?“

„Nein!“, antwortete ich aus tiefstem Herzen. „Dafür gibt es zuviel Scheiße auf dieser Welt!“

„Ohne Leid gäbe es auch kein Mitleid“, versuchte mir Angel mit sanfter Stimme zu erklären, doch seine Worte prallten an mir ab.

„Pfff… Erzähl das mal denen, die leiden!“

~*~

Ich stand gerade mit meinen Freunden auf dem Flur und unterhielt mich, als ich Angel auf mich zukommen sah.

„Hey Spike. Heute nach der Schule?“, fragte er mich und sah mich erwartungsvoll an.

Gunn und der Rest der Clique sahen mich entgeistert an und warteten auf meine Reaktion auf Angels unerwartete Frage.

Warum musste er mich auch ausgerechnet hier und jetzt fragen? Hatte er vollkommen den Verstand verloren?

„Träum weiter, Peaches!“ Mit einem gehässigen Grinsen sah ich zwischen ihm und meinen Freunden hin und her und registrierte zufrieden ihr herablassendes Lachen.

Der Ausdruck in Angels Augen schlug innerhalb einer Sekunde von Erwartung in Enttäuschung um. Das Braun seiner Augen wurde für einen Augenblick noch dunkler, als es von Natur aus war und ohne ein weiteres Wort zu verlieren, wandte er sich von mir ab und verschwand um die nächste Ecke.

~*~

Ein paar Stunden später stand ich, wie ursprünglich verabredet, vor Angels Haustür und klingelte. Es dauerte nur einen kleinen Moment, bis Angel die Tür öffnete…und sie ohne zu zögern wieder zuschlug, als er mich erblickte.

Er hatte mir meinen Spruch vom Vormittag also übel genommen und war nun eingeschnappt. Ganz toll! Das lief ja wieder mal genau nach Plan!

„Angel! Angel komm schon… mach auf!“

Die Tür wurde kurze Zeit später wieder schwungvoll aufgerissen und Angel kam, in meinen Augen vollkommen untypisch heraus gestürmt und baute sich zu seiner vollen Größe vor mir auf.

„Was willst du?“

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich aus einer Familie von Kleinwüchsigen stamme. Herrgott noch mal… ich kann doch auch nichts dafür. Mir blieb also nichts anderes übrig, als meinen Kopf ein Stück nach hinten zu legen, um Angel direkt in die Augen blicken zu können.

„Ich dachte wir gehen den Text noch mal durch“, umgarnte ich Angel und sah ihn mit meinen tiefblauen Augen und meinem besten Dackelblick treuherzig an.

„Ach ja… aber dann bitte nur so, dass es niemand mitbekommt, ja?“, fragte er mich emotionslos und lehnte sich mit vor der Brust verschränkten Armen an die geschlossene Tür.

„Yeah! Ich hab gedacht, wir könnten alle damit überraschen, dass ich plötzlich so gut geworden bin…“

„Ja, wir sind einfach heimlich Freunde?!“

„Yep, so ungefähr hatte ich mir das vorgestellt! Du kannst wohl meine Gedanken lesen?“

Der Junge war ein Blitzmerker!

„Schön… Vielleicht kannst du dann auch meine lesen?!“, erkundigte er sich und schaute mich aufmerksam an.

Wäre es meine Stirn gewesen, würden dort solche Worte wie ‚Verpiss dich’, ‚du Wichser’, ‚Fick dich’ oder ‚Verfluchte Hölle, sieh zu, dass du mir aus den Augen gehst’, stehen.

Auf Angels entgegen, las ich eher die Worte ‚Du hast mich verletzt, ich bin enttäuscht von dir und ich möchte, dass du mich nun allein lässt!’

Ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, drehte er sich um, öffnete die Tür und wollte sie gerade wieder schließen, als ich meinen Fehler erkannte.

„Angel, es tut mir Leid, aber ich kann nicht so einfach dein Freund sein.“

„Spike, ich dachte ich hätte etwas in dir entdeckt. Etwas Gutes. Aber ich habe mich geirrt!“ Mit diesen Worten sah er mich traurig mit seinen sanften, braunen Augen an und schloss dann leise die Tür.

Unsicher starrte ich auf die geschlossene Tür und war zum ersten Mal in meinem Leben sprachlos. Ich wusste nicht, was mich mehr schockierte, dass Angel in mir etwas Gutes gesehen, oder die Tatsache, dass ich ihn enttäuscht hatte.

Kapitel 2 von sleepless

Als ich abends auf meinem Bett lag, fiel mir unser letztes Jahrbuch in die Hände. Gelangweilt blätterte ich darin herum, als mir auf einmal Angels Bild ins Auge sprang.

Neugierig, wie ich von Natur aus nun mal bin, begann ich aufmerksam zu lesen. Seine Hobbys waren Literatur, Astronomie, der Theaterclub und den Rest konnte ich leider nicht lesen, da an dieser Stelle ein undefinierbarer Fleck war, den ich auch nicht näher inspizieren wollte.

Lediglich sein Lebensziel konnte ich noch entziffern.

‚Ein Wunder erleben.’

Ach ja, das war ja klar, dass der Poof sich gleich so ein Ziel gesteckt hatte. Ich für meinen Teil wäre schon froh, in die nächst höhere Klasse versetzt zu werden. Aber nein, das Weichei musste ja gleich mit der Tür ins Haus fallen und es maßlos übertreiben.

~*~

„Kennst du die Antwort?“, fragte ich meinen Zögling, den ich in den letzten Wochen bei der Nachhilfe betreut und der mich seitdem beinahe in den Wahnsinn getrieben hatte.

Mathe war eines meiner liebsten Fächer, umso weniger konnte ich verstehen, dass nicht einmal so einfache Sachen wie Geometrie in Louis Kopf wollten. Ich war kurz davor zu verzweifeln, als mein Blick plötzlich auf den Basketballkorb auf dem Schulhof fiel.

Einige Minuten später standen wir gemeinsam mit einem Basketball bewaffnet draußen und ich erklärte ihm anhand eines praktischen Beispiels, den Unterschied zwischen einem gleichschenkligen und einem ähnlichen Dreieck.

Und endlich schien er es zu kapieren…

Kurze Zeit später waren wir beide als Belohnung in einem Spiel vertieft.

~*~

Da ich es mir durch meine dezent charmante Art mit Angel verscherzt hatte und er nicht mehr bereit war, mir zu helfen, verbrachte ich nun jede freie Minute damit, meinen Text zu lernen.

Mittlerweile war mein Ehrgeiz erwacht und ich hatte sogar richtig Spaß bei den Proben. Das würde ich natürlich vehement abstreiten, wenn man mich danach fragen würde, schließlich war ich noch immer der ‚Big Bad’.

Ich konnte die blauen Flecken schon nicht mehr zählen, die ich mir bei den Theaterproben eingefangen hatte, da Angel mich in einer Szene wütend von sich stoßen sollte und eben diese immer und immer wieder bis zur Perfektion geübt wurde.

Wahrscheinlich holte er sich abends bei dem Gedanken an mein schmerzverzerrtes Gesicht einen runter.

Wann immer wir uns im Flur der Schule begegneten, sahen wir geflissentlich aneinander vorbei und taten so, als ob wir uns nicht kennen würden.

~*~

Obwohl Angels Worte bereits eine Weile zurück lagen, ließen sie mir noch immer keine Ruhe. Irgendwie hatte er ja Recht! Ich war Schuld, dass Xander nun bereits seit Wochen in der Reha-Klinik lag und jeden Tag hatte ich mir aufs Neue vorgenommen, ihn zu besuchen.

Nachdem mir so langsam aber sicher die Ausreden mir selbst gegenüber ausgingen, fasste ich mir ein Herz und biss in den sauren Apfel.

„Was willst du denn hier?“, fragte mich Xander sichtlich überrascht und wandte seinen Blick nur widerstrebend von dem kleinen Fernseher ab, in dem gerade eine Wiederholung von Star Wars lief.

„Na ja… also, ich wollte mich bei dir entschuldigen.“

„Prima, das hast du ja jetzt getan. Und fühlst dich jetzt besser?“

„Nein, ich fühl mich ziemlich scheiße“, erwiderte ich zerknirscht und fügte dann hinzu: „Ich bin im letzten Jahr gesprungen und hab allen erzählt, der Bauchklatscher wäre Absicht gewesen.“

„Hat es wehgetan?“

„Verdammt, ja!“

„Gut“, erklärte er und sah mich dann jedoch mit einem leichten Grinsen an.

Scheinbar war das der erste Schritt mir zu vergeben.

~*~

Schneller als ich gedacht hatte, kam der Zeitpunkt, der mein weiteres Leben verändern sollte.

Es war der Abend der Schulaufführung.

Wir hatten in den letzten Tagen unaufhörlich geprobt und konnten unsere Texte mittlerweile im Schlaf aufsagen. Zumindest ich konnte das, was meine Mutter mir mehrmals bestätigt hatte. Sie fragte mich eines Morgens vollkommen verwundert, wer denn Ryan Fielding sei und warum ich nachts immer wieder seinen Namen schreien würde. Zuerst hatte ich sie irritiert angeschaut, doch dann wurde mir klar, dass ich meine Rolle beinahe ‚lebte’ und mich der Name von Angels Charakter selbst im Schlaf verfolgte. Man könnte fast sagen, ich war besessen von ihm.

Gerade eben hatten wir die Szene hinter uns gebracht, bei der Angel mich von sich stoßen sollte.

Ein weiterer blauer Fleck würde morgen meinen wundervollen Alabasterkörper zieren. Mit Sicherheit würde er erst rot, dann blau, dann gelb und irgendwann in allen Regenbogenfarben schimmern. Bloody hell, im Grunde meines Herzens war ich nun einmal ein hoffnungsloses Weichei.

Angel hatte so enthusiastisch ausgeholt, dass mich sein Schlag unerwartet hart getroffen hatte.

Doch all meine Schmerzen waren kurz vor Ende des Stückes vergessen.

Da die endgültigen Kostüme nicht rechtzeitig zur Generalprobe fertig waren, hatte ich Angel bisher noch nicht in seinem jetzigen Outfit gesehen.

Mein schwarzer Anzug unterstrich meine helle Haut und ließ meine blondierten Haare noch mehr hervorstechen und durch den dunklen Anzug wirkten meine strahlendblauen Augen noch intensiver. Aber das war nichts verglichen mit Angels Anblick.

Er trug einen anthrazitfarbenen Nadelstreifenanzug, welcher seine durchtrainierte, aber dennoch schmale Statur perfekt zur Geltung brachte.

Wenn ich nicht ich wäre, wäre mir spätestens in diesem Augenblick die Kinnlade heruntergeklappt. Stattdessen begnügte ich mich damit, einmal trocken zu schlucken, in Gedanken ein ‚Fuck! Sieht dieser Kerl geil aus’ zu brüllen und ihn aus weit aufgerissenen Augen anzustarren.

Mit sanfter Stimme begann Angel gerade seinen Monolog aufzusagen.

Ich lege mein Schicksal in deine Hände und gebe dir alles, was ich bin.“

Und als wäre das Ganze nicht schon schlimm genug, schenkte er mir mit seinen wunderschönen, schokoladenbraunen Augen einen Blick, der mir fast den Boden unter den Füßen wegzuziehen drohte.

Verflucht, seit wann hatten seine Augen einen solch intensiven Farbton?

Ich dankte Gott, dass ich meinen Text bereits hinter mich gebracht hatte, denn bei diesem Anblick hätte ich alles vergessen, was ich mir in den letzten Wochen so mühselig erarbeitet hatte.

Angel setzte sich, wie im Drehbuch vorgesehen, zu mir an den Tisch und beugte sich zu mir herüber.

Ich weiß jetzt, du bist meine einzige Hoffnung.“

Hoffentlich würde mir Wesley Wyndham-Pryce meinen nächsten Schritt irgendwann in seinem Leben einmal verzeihen, denn ich beschloss eigenmächtig, dem Stück ein neues, dramatischeres Ende zu verpassen.

Als ich mich langsam zu Angel hinüber lehnte, sah ich seinen fragenden Gesichtsausdruck, den ich jedoch gänzlich ignorierte.

Mit meiner rechten Hand griff ich in seinen Nacken, zog ihn vorsichtig zu mir herüber und bevor er auch nur einen weiteren Atemzug machen konnte, lagen meine Lippen bereits auf seinen.

Berauscht von seinen samtweichen Lippen, die nach Schokolade und ihm schmeckten, bekam ich kaum mit, wie ein leichtes Raunen durch die Menge der Zuschauer ging.

Im Nachhinein war ich mir nicht mehr sicher, ob Angel meinen Kuss tatsächlich zaghaft erwidert hatte, oder ich mir den leichten Druck seiner Lippen nur eingebildet hatte.

~*~

Angel vermittelte mir den Eindruck, als würde er mir aus dem Weg gehen. Seit der Aufführung hatte ich ihn nicht mehr gesprochen. Vielleicht war ich aber auch nur sensibel und bildete mir Dinge ein, die nicht der Realität entsprachen.

Da ich jedoch inzwischen seine Gewohnheiten kannte, wusste ich, dass ich ihn um diese Zeit in der Cafeteria finden würde.

„Man kann uns sehen!“, begrüßte er mich, als ich mich zu ihm an Tisch setzte.

„Na und? Würde das deinen guten Ruf zerstören? ... Was liest du da?“, fragte ich neugierig.

Demonstrativ hielt er mir sein Buch entgegen, sodass ich ohne Schwierigkeiten den Titel lesen konnte.

Ein Sommernachtstraum – William Shakespeare’

„Ich versuche alle Werke von Shakespeare zu lesen.“

„Wie viele sind das denn?“

„Eine Menge.“

„Ist das auch ein Punkt deiner Liste, diese Bücher zu lesen?“, versuchte ich die Konversation aufrecht zu erhalten.

Angels Antwort drauf bestand lediglich darin, nach seinem Trinkpäckchen zu greifen und auffällig geräuschvoll an dem darin steckenden Strohhalm zu ziehen.

„Angel, verdammt! Ich geb mir Mühe, ist das klar? Was soll ich noch machen? Vielleicht vermisse ich deine Nähe? Vielleicht inspirierst du mich?“, gab ich kleinlaut zu.

„Klingt nach ziemlichem Bullshit, WILLIAM.“

„Was davon?“

„ALLES!“, spie er mir entgegen.

„Ist es nicht, verflucht!“

„Dann beweis es mir!“ Angel sprang auf und verließ fluchtartig die Cafeteria.

Ich brauchte einen Moment, um zu schalten, stürmte dann aber mit Riesenschritten hinter ihm her.

Gerade als er in sein Auto steigen wollte, fing ich ihn ab.

„Angel, warte!“

Ungeduldig drehte er sich zu mir um.

„Du hast nicht den blassesten Schimmer, was es heißt, mit jemandem befreundet zu sein“, warf Angel mir vor und wollte gerade die Fahrertür schließen.

„Verdammt, ich will nicht nur mit dir befreundet sein!“, erwiderte ich gereizt und schob mich zwischen ihn und die Tür.

„Du weißt nicht was du willst, Spike. Das wäre ja mal was ganz Neues!“

„Du doch auch nicht!... Hey, vielleicht hast du ja Angst davor, dass jemand mit DIR zusammen sein will. Denn dann kannst du dich nicht mehr so leicht hinter deinen Büchern, deinem verfluchten Teleskop oder deinem GLAUBEN verstecken… nein, halt stopp, warte! Jetzt weiß ich, wovor du wirklich Angst hast, davor, dass du auch mit MIR zusammen sein willst“, schleuderte ich ihm entgegen, da ich in diesem Augenblick die Beherrschung verlor und mir sonst nicht anders zu helfen wusste.

Mit meiner Tirade hatte ich ihm wohl die Sprache verschlagen, da er mir lediglich einen Schubs gab und mit Schwung die Fahrertür zuwarf. Kurz darauf fuhr er mit quietschenden Reifen davon.

~*~

Am späten Abend wartete ich nervös in meinem DeSoto auf den geeigneten Zeitpunkt, Angel gegenüber zu treten. In diesem Augenblick verfluchte ich, dass ich vor einiger Zeit mit dem Rauchen aufgehört hatte. Was würde ich dafür geben, jetzt die beruhigende Wirkung einer Zigarette genießen zu können.

Kurze Zeit später schnappte ich mir die Papiertüte, die neben mir auf dem Beifahrersitz stand und machte mich damit auf den Weg zu Angels Haus.

Dieser saß gedankenverloren auf der Veranda und zuckte leicht zusammen, als ich etwas zu stürmisch die Stufen herauf sprang.

„William!?“

„Du sollst mich doch nicht… ja, ich.“

Ich ging einen Schritt auf ihn zu und hielt ihm stumm die Papiertüte entgegen.

„Was ist das?“, sagte er und sah mich fragend an.

„Wonach sieht’s denn aus? Es ist ein Geschenk für dich.“

Ich registrierte beiläufig, dass die Haustür geöffnet wurde und Mr. Giles auf die Veranda hinaus trat.

„Mr. Summers“, sagte er überrascht, doch es war kaum zu überhören, dass er sich nicht gerade freute mich zu sehen. „Was verschafft uns die Ehre Ihres Besuches?“

„Ich wollte gerade gehen“, gab ich ihm zur Antwort und wandte mich noch einmal kurz an Angel, bevor ich ging. „Wir sehen uns dann morgen in der Schule!“

Während ich mich vom Haus entfernte, hörte ich Mr. Giles noch sagen:

‚Liam, Jungs wie Spike haben Erwartungen…’

~*~

Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, als ich am nächsten Morgen sah, dass Angel tatsächlich den cremefarbenen Pullover trug, den ich ihm gestern Abend geschenkt hatte. Andernfalls hätte ich ihm auch ein paar Takte erzählt. Immerhin hatte mich das Teil ein halbes Vermögen gekostet.

Erst jetzt bemerkte ich, dass Angel zwischen meinen Freunden im Flur der Schule stand und allem Anschein nach mit ihnen diskutierte.

Neugierig schlich ich mich näher heran, blieb aber trotzdem auf Abstand, da es mich interessierte, was meine Freunde mit ihm zu besprechen hatten.

„… du bist schuld daran, dass sich Spike neuerdings genauso schwuchtelig aufführt wie du! Dein schlechter Einfluss bewirkt, dass er sich zu einem Softie entwickelt und nicht mehr weiß, wer seine wirklichen Freunde sind!“, hörte ich die Anschuldigungen Rileys, von dem ich bis heute gedacht hatte, dass er nach Gunn mein bester Freund war.

Gespannt wartete ich auf die Reaktion Angels und spannte unbewusst meine Muskeln an, um gegebenenfalls einzugreifen, falls Riley, wie schon so oft, die Beherrschung verlieren würde.

„Du überschätzt meinen Einfluss auf William. Er ist ein eigenständiger Mensch und trifft seine Entscheidungen noch immer selbst“, erklärte Angel in ruhigem Tonfall und drehte sich um, da die Sache für ihn damit scheinbar erledigt war.

Riley enttäuschte mich nicht, denn er handelte wieder aus einem Impuls heraus, griff mit der linken Hand nach Angels Arm und holte mit der rechten zeitgleich zu einem Schlag aus.

Darauf vorbereitet platzte ich in letzter Sekunde dazwischen und kassierte den Hieb an Angels Stelle.

„Dafür, dass du so ein breites Kreuz hast, schlägst du zu wie ein Mädchen!“, warf ich ihm vor und wusste im gleichen Augenblick, dass ich nun ein Freund weniger hatte. Nichts konnte Riley mehr in seiner männlichen Ehre kränken.

Angel, der den Schlag nicht hatte kommen sehen, stand wie versteinert neben mir.

Es gibt Situationen im Leben eines Mannes, in denen er nicht zögern durfte. Dies war so eine Situation. Ich packte Angel also bei den Schultern und zog ihn in Richtung Ausgang.

Ich verfrachtete ihn in meinen schwarzen DeSoto und beschloss ihn nach Hause zu fahren.

Dort angekommen, zog ich den Zündschlüssel ab und blickte Angel, der die gesamte Fahrt über geschwiegen hatte, fragend an.

„Alles okay?“

„Ich danke dir, William.“

„Weißt du, ich fange an den Namen zu mögen… wenn du ihn sagst… und immer wieder gerne, LIAM!“, entgegnete ich und sah, dass Angel mich angrinste.

„Ach Liebes… ich wollte dich noch etwas fragen! Würdest du mich Samstagabend ins Bronze begleiten?“

„Tut mir Leid… ich kann nicht“, kam die leise, fast verzweifelte Antwort von ihm.

„Ähm… nun ja… du hast bestimmt schon was Besseres vor?!“

„Nein, das…das ist es nicht, Will. Das ist es wirklich nicht!“

„Was dann, verdammt? Sags mir!“

„Ich darf nicht mit Jungs ausgehen!“

In diesem Moment war ich so perplex, dass mir sämtliche Gesichtszüge entglitten. Wahrscheinlich hatte nie jemand einen dämlicheren Gesichtsausdruck gesehen.

~*~

Ich hatte mir das Hirn zermartert, was Angel wohl mit seiner Aussage gemeint haben könnte. Nach einer schlaflosen Nacht war ich noch immer keinen einzigen Schritt weiter. Wenn ich ihn richtig verstanden hatte, wollte er mir zu verstehen geben, dass er mit seinem Vater bereits über seine sexuelle Orientierung gesprochen hatte. Aber irgendwie konnte ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Auf der anderen Seite ergab seine Aussage sonst keinen Sinn. Wie sollte er erfahren haben, dass er nicht mit `Jungs’ ausgehen durfte, wenn er den Wunsch nicht schon mal geäußert hatte?

Es war zum Verzweifeln. Ich war mit der Situation gänzlich überfordert.

Der Tag der Theateraufführung hatte alles verändert. Seit ich Angel geküsst hatte, schienen meine Gefühle verrückt zu spielen. Verflucht noch mal, ich wusste nicht, was in mich gefahren war, aber noch immer hatte ich seine wunderschönen, braunen Augen im Kopf und die Art und Weise, wie er mich ansah, kurz bevor ich ihn geküsst hatte.

Plötzlich war es mir wichtig ihn besser kennen zu lernen, ihn besser zu verstehen. Auf einmal war es mein sehnlichster Wunsch, mich mit Angel in aller Öffentlichkeit zu zeigen. Zu Zweit. Als Verabredung. Im Bronze. Dem einzigen Club in Sunnydale, den man als Jugendlicher an einem Samstagabend aufsuchen konnte.

Da ich einmal in meinem Leben etwas richtig machen wollte, stand ich nun vor der Kirche, in der Mr. Giles gerade seine Predigt für den kommenden Sonntag vorbereitete.

„…denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten…“ Mr. Giles notierte etwas auf dem Blatt Papier vor sich.

„Reverend“, sprach ihn zögernd an.

„Kann ich Ihnen helfen?“

„Ja, Sir“, antwortete ich leise. „Es wird Ihnen wahrscheinlich etwas merkwürdig erscheinen, aber ich wollte Sie um die Erlaubnis bitten, morgen Abend mit Ihrem Sohn ins Bronze gehen zu dürfen.“

Mr. Giles griff nach dem Glas Wasser, welches vor ihm stand und nahm einen großen Schluck, bevor er antwortete.

„Nun ja… das… das wird nicht möglich sein.“

„Bei allem Respekt, Sir…“

„Mr. Summers, auch wenn es nicht immer den Anschein erweckt, so bin ich doch durchaus darüber im Bilde, welche… ähm… Ambitionen mein Sohn verfolgt. Auch wenn ich Mann Gottes bin, versuche ich so gut es mir möglich ist, seinen Wünschen zu entsprechen. Und weil ich Liam so sehr liebe, lautet meine Antwort ‚Nein’… Sie können dort hinausgehen, wo Sie auch herein gekommen sind.“

In diesem Moment wurde mir klar, dass dies der entscheidende Augenblick war. Wenn ich es jetzt verbocken würde, dann gäbe es keine zweite Chance! Angel war mir zu wichtig, als das ich jetzt klein bei geben würde, also schluckte ich meinen Stolz herunter und überlegte mir ganz genau, wie ich unseren Revenrend davon überzeugen konnte, dass ich es ernst meinte und mir Angel mindestens genauso wichtig war, wie ihm.

„Es tut mir Leid. Ich weiß, dass ich Angel manchmal echt mies behandelt habe und er hat weiß Gott etwas Besseres verdient als mich! Ich bitte Sie nur um eins, um das, was Sie uns jeden Sonntag in der Kirche lehren: Vertrauen.“

~*~

„Ich glaube einfach nicht, dass du meinen Dad um Erlaubnis gefragt hast… und er auch noch ‚ja’ gesagt hat!“, erklärte Angel vollkommen verblüfft und betrat vor mir das Restaurant, welches wir im letzter Sekunde dem Bronze vorgezogen hatten, da wir keine Lust auf Gedränge und laute Musik hatten.

„Yeah… du hättest dabei sein sollen! Ich hab mir vor Angst fast in die Hosen gemacht“, erwiderte ich grinsend und dachte voller Vorfreude an die Überraschungen, die ich für den Rest des Abends noch geplant hatte.

~*~

„Also, was ist Punkt Eins auf deiner Liste?“, fragte ich Angel neugierig, als wir gemütlich beim Nachtisch saßen.

Doch er schüttelte nur lächelnd den Kopf.

„Okay, auf meiner Liste ganz oben steht raus aus Sunnydale!“

„Weißt du, ich denke, dass Problem ist nicht aus Sunnydale raus zu kommen, sondern eher die Frage, was du machst, wenn du nicht mehr hier bist.“

„Wie meinst du das?“, fragte ich ihn irritiert.

„Es gibt so viele Möglichkeiten.“

Kapitel 3 von sleepless

Nach dem Essen verfrachtete ich ihn ins Auto, ignorierte seine neugierigen Fragen, wohin wir fuhren und wohin ich überhaupt mit ihm wollte.

„Warts ab, wir sind gleich da!“, antwortete ich ihm lediglich und hielt im nächsten Moment an.

„Komm schon, steig aus!“, rief ich, sprang aus dem Wagen und lief zur Beifahrerseite, um ihn am Arm hinter mir her zu ziehen. Mitten auf der Straße blieb ich dann stehen.

„William, was soll das? Kann es sein, dass du ein bisschen spinnst?“

„Vertrau mir! Stell deinen rechten Fuß hierhin…“, wies ich ihn an. „Okay und den Linken hierhin!“

„Und jetzt?“

„Jetzt stehst du auf der Staatsgrenze!“

„Ja und?“, fragte er irritiert und sah mich ratlos an.

„Du befindest dich in diesem Augenblick an zwei Orten gleichzeitig!“

Angel brütete einen Moment über die Bedeutung meiner Worte, um mir dann lachend um den Hals zu fallen.

„Hey Großer nicht so stürmisch! Das war doch erst der Anfang…“, antwortete ich und schob ihn grinsend zurück zum Wagen.

~*~

Als wir im Auto saßen, griff ich in das Handschuhfach und zog drei kleine Kärtchen hervor.

Neugierig beobachtete Angel jede meiner Bewegungen.

„Tribal, Schriftzeichen oder dieses… dieses undefinierbare Irgendwas… hat irgendwas von einem Vogel“, erklärte ich und hielt ihm die Abziehtattoos unter die Nase.

„Ich nehm den Vogel, der hat was Verwegenes und erinnert an ein Geschöpf der Nacht…“, erklärte er und zog sich sein T-Shirt über den Kopf. „Auf die Schulter, bitte!“ Angel drehte mir entsprechend den Rücken zu.

Bei dem Anblick seines nackten Oberkörpers brauchte ich einen Moment, um zu realisieren, dass er von dem Tattoo gesprochen hatte. Eine Sekunde später kam ich seiner Aufforderung nur zu gerne nach und nachdem das Motiv auf seiner Schulter war, sah er mich mit seinen wundervollen, braunen Augen an, mit einem Blick den ich nicht zu deuten wusste.

~*~

„Wie kannst du das alles sehen, ohne zu glauben?“, fragte mich Angel, nachdem wir eine Weile durch die Nacht spaziert waren.

„Du hast Glück, dir so sicher zu sein!“

„Es ist wie beim Wind. Ich kann ihn nicht sehen, aber fühlen“, erklärte mir Angel, der für einen Moment genießend seine Augen schloss.

„Und was genau fühlst du?“

„Ich fühle Schönheit, Freude und Liebe. Ich meine, darum dreht sich doch alles…“

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, machte ich einen Schritt auf Angel zu und küsste ihn. Diesmal war ich mir sehr sicher, dass er die Berührung erwiderte. Behutsam zog ich mich zurück, sah ihm tief in die Augen und gestand ihm dann, was ich fühlte.

„Angel, ich liebe dich.“

Entsetzt sah er mich an.

„Jetzt wärst du an der Reihe etwas zu sagen!“

„Du solltest dich doch nicht in mich verlieben…“, flüsterte er und zog mich anschließend in seine Arme, um mich dann von sich aus zu küssen.

Ende!

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