File 1: stories/1/63.txt
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Besorgt beugte sich Spike über Angel. „Hast du sie nicht mehr alle, Peaches? Was sollte das? Denkst du, ich kann mit so einem Stachelschwein nicht alleine fertig werden? Man, Angel, da sehe ich dich jahrelang nicht, und kaum bist du da, machst du mir Scherereien, verdammt“, murmelte der blonde Vampir und hievte Angel vorsichtig auf seine Schultern. „Und eine verfluchte Diät würde dir auch einmal ganz gut tun, du hast vielleicht ein Gewicht. Dein Glück, dass ich so stark bin, sonst müsste ich dich wie einen Sack hinter mir herschleifen, obwohl... der Gedanke reizt mich, irgendwie.“

Sich über diese Vorstellung amüsierend, schleppte Spike seinen Sire in seine Gruft. Dort kletterte er die Stufen in sein ‚Schlafzimmer’ hinunter und ließ Angel auf das Bett plumpsen.

„Bloody hell, was für eine Schinderei. Ich hätte dich liegen lassen sollen. Wie bescheuert bin ich eigentlich, dich hierher zu schleppen? Die Sonne hätte mein Problem gelöst und ich wäre dich für immer losgeworden. Manches Mal denke ich ernsthaft, ich hab sie nicht mehr alle. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, bin ich mir sogar sicher. Wenn du nicht so verdammt schwer wärst, würde ich dich wieder raus tragen. Genau, das sollte ich tun. Aber vermutlich hast du nach Buffy gesucht, und die würde mir fürchterlich in den Hintern treten, wenn sie es irgendwann heraus kriegt. Zur Hölle Poof, mach endlich die Augen auf und verschwinde aus meiner Gruft. Ich hab hier kein Asyl für Vampire, schon gar nicht für so einen wie dich.“

Langsam machte Spike sich ernsthafte Sorgen. Noch niemals war Angelus so lange bewusstlos gewesen, schon gar nicht von so einem harmlosen Sturz. Da stimmte etwas nicht.

‚Ob er das Gift des Batoidae – Dämon abgekriegt hat? Aber das ist nicht tödlich, zumindest nicht für Vampire, soweit ich weiß’, überlegte Spike und strich Angel übers Haar. Spike erlaubte sich das nur, weil sein Sire bewusstlos war und so von der zärtlichen Geste nichts mitbekam.

Doch plötzlich begannen Angels Augenlider zu flattern. Schnell zog Spike seine Hand zurück und setzte den ‚ich kann dich nicht leiden, also was tust du hier’ Blick auf.

„Mister?“, fragte Angel leise und schaute Spike unsicher an. Dieser runzelte die Stirn.

„Was soll der Scheiß, Angel?“, murrte der blonde Vampir und zog seine Augenbrauen zusammen.

„Angel? Wer ist Angel?“

„Was zur Hölle ist los mit dir? Spielst du wieder deine Spielchen, Angelus?“, knurrte Spike verärgert.

„Spielchen? Angelus? Ich weiß nicht was Sie meinen. Was ist passiert? Ich wollte ein Grab aufsuchen und da war plötzlich so ein großes grünes Ding. Er fiel auf mich, dann wurde mir schwarz vor Augen, und jetzt wache ich hier auf in dieser… Was ist das eigentlich? Wohin haben sie mich entführt?“ Angel sah so verwirrt drein, wie es ihm nur möglich war.

„Entführt? Entführt?“ Spikes Stimme kippte. „Spinnst du, oder was? Du mischt dich in meinen Kampf ein, der dich übrigens nichts anging. Lässt dich von diesem Winzling umhauen, was ich schon mehr als eigenartig finde und ich bezweifle sehr, dass du überhaupt noch so stark bist, wie du immer tust. Dann bist du so blöd und rutscht aus und ungeschickt wie du nun mal bist, knallst du mit deinem sturen Schädel auch noch auf eine Marmoreinfassung, sodass du bewusstlos liegen bleibst. Ich schleife deinen muskul... äh, deinen… na dich, dann auch noch hierher, damit die verdammte Sonne nicht zu Staub verarbeitet und du behauptest ich hätte dich entführt? DICH? Wo ich froh bin, wenn ich deinen Anblick nicht ertragen muss. Das ist ja wieder einmal typisch für dich. Mach, dass du Land gewinnst. Raus aus meiner Gruft. SOFORT“, schrie Spike und kletterte wütend die Leiter hoch.

„Was bildet der sich überhaupt ein. Bloody hell, da rettet man seinem Sire den Hintern und zum Dank kriegt man nichts als blöde Sprüche. Spielt mir einen Mann ohne Gedächtnis vor. Wieder einmal ein neues Spielchen von Angelus, Angel. Was weiß ich, wer er gerade ist. Hat wahrscheinlich wieder Lust den blöden Spike auf die Schippe zu nehmen. Aber nicht mit mir. Nie mehr. Punkt“, schimpfte er vor sich hin, ließ sich in seinen grünen Sessel fallen und fischte nach einer Zigarettenschachtel in seiner Manteltasche. Er blickte aus dem Fenster und stellte seufzend fest, dass die Sonne bereits aufging. ‚Das heißt ich muss den Poof den ganzen Tag ertragen, das überleb ich nicht.’ Spike rutschte tiefer in seinen Sessel und ärgerte sich, dass er Angel in seine Behausung gebracht hatte.

~*~

Angel sah sich inzwischen in Spikes Schlafraum um. Wie konnte Spike hier nur leben? Es war feucht und roch vermodert. Und wie der dunkelhaarige Vampir feststellte, war sein Childe immer noch so unordentlich wie eh und je. Angel war entschlossen Spike aus dieser Behausung unter allen Umständen herauszuholen. ‚Das hätte ich schon viel früher tun sollen. Es ist einfach schrecklich hier. Und wenn ich mich schon eher um ihn gekümmert hätte, wäre vieles ausgeblieben. Der Chip zum Beispiel. Und egal wie lange wir beide am Unleben sein werden, ich war und bleibe für alle Zeiten Spikes Sire. Und ob als Angelus oder nun als Angel, ich bin durchaus imstande, Spike unter Kontrolle zu halten. Meistens jedenfalls.’

Doch Angel wollte Spike nicht zwingen mit zu kommen, das würde nichts als Ärger und Streit mit sich bringen, daher hatte er sich diese List mit dem ‚Batoidae’ ausgedacht und er hoffte, dass sein Plan gelang, sodass Spike freiwillig mit ihm kam. War sein Childe erst einmal bei ihm in L.A. und würde den Komfort einer Dusche, warmen Blutes und eines anständigen, sauberen Bettes genießen, wäre es sicher leichter, ihn dazu zu bewegen zu bleiben.

Und so beschloss Angel, Spike weiterhin vorzuspielen, dass er verwirrt und ohne Gedächtnis sei, um sein Ziel zu erreichen.

„Gut Mister, da sie mich anscheinend gerettet und nicht entführt haben, danke ich Ihnen und gehe jetzt.“ Angel war die Holztreppe heraufgekommen, hielt sich den Kopf und wankte zur Tür.

Erschrocken sprang Spike auf. „Bist du verrückt, Pet? Bleib gefälligst von der Tür weg. Die verdammte Sonne scheint. Willst du zu Staub werden, oder was?“ Er riss Angel zurück und schubste ihn zu dem Sarkophag.

Angel setzte einen verwunderten Blick auf. „Wie Staub?“, murmelte er, griff sich wieder an den Kopf.

Spike baute sich vor Angel mit verschränkten Armen auf. „Hör auf mit dem Theater, denn das weißt du sehr gut. Weil du ein verdammter Vampir bist, zum Geier!“, schnauzte er Angel an. Dieser schaute Spike erst verdutzt an und brach dann in schallendes Gelächter aus.

„Ich bin was? Ein Vampir? Ich glaub SIE sind verrückt, nicht ich. Obwohl, ich erinnere mich nicht. An nichts. Nur dass ich auf einem Friedhof nach einem Grab gesucht habe und sie mit diesem stacheligen Etwas kämpfen sah. Ich kam gerade dazu, bin ausgerutscht und hingefallen. Von da an weiß ich nichts mehr. Sie haben mich Angel genannt. Ist das denn mein Name, Sir?“

„Ich bin kein verdammter Sir und ein Sire bin ich auch nicht. Ich bin Spike zur Hölle und ja, du heißt Angel, vormals Angelus. Liam war dein Name als du noch ein Mensch warst, du bist Ire, ein irischer Sturschädel um genau zu sein. Dann wurdest du von Darla zum Vampir gemacht und nanntest dich Angelus. Und weil du eine Zigeunerin ausgesaugt hast, bekamst du von ihrer Sippe eine Seele, wegen der Buße und so. Seit dem bist du Angel, hast eine Agentur, die den Hilflosen hilft. Wobei ich bemerken möchte, dass so ein bescheuerter Text nur von dir kommen kann. Und du lebst in L.A., der Stadt der Engel. Klingelt es nun endlich bei dir?“, murrte Spike und steckte sich wieder eine Zigarette an. Nun war es an Spike verwirrt zu sein. Stimmte es etwa? Hatte Angel wirklich keine Erinnerung, an irgendwas?

„Nein, und ich glaube Ihnen kein Wort. Das sind blöde Märchen. Vampire gibt es nämlich nicht.“ Nun war es Angel, der seine Arme verschränkte und Spike bockig ansah. ‚Er ist immer noch so hübsch wie früher. Wie konnte ich vergessen, wie wunderschön mein Childe ist? Sogar diese blondierten Haare sehen bei ihm gut aus. Und die Augen, diese wundervollen, tiefblauen Ozeane, in denen ich am liebsten versinken möchte. Doch ich kann die Veränderung darin sehen. Einsamkeit und Sehnsucht. Es wird schwierig werden, doch das war es mit ihm immer. Trotzdem möchte ich alles auf mich nehmen, um seine Augen wieder leuchten zu sehen, um ihn wieder lachen zu hören und um ihn in meinen Armen zu halten. Nein nicht in den Armen halten. Angelus Zeiten sind vorbei. Ich werde ihn nur helfen, aus diesem Drecksloch herauszukommen, weil ich sein Sire bin und für ihn zu Sorgen habe, mehr nicht.’

Spike riss ihn aus seinen Gedanken, indem er sagte: „Du glaubst mir nicht? Es gibt uns nicht? Schön dann beweise ich es dir.“ Spike setzte sein Gameface auf und knurrte ihn bedrohlich an. Erschrocken wich Angel zurück. „ Ihr Gesicht, was..?“

„Das, verdammt, ist unser dämonisches Ich. Wir sehen so aus wenn wir auf Menschenjagd gehen.“ Sagte Spike und wechselte sein Aussehen wieder zurück.

„Ich sehe nicht so aus und ich jage keine Menschen.“ ‚Wenigstens das ist nicht gelogen’, dachte Angel. ‚Ich jage und beiße keine Menschen. Jetzt nicht mehr.’ Er versuchte so überzeugend wie möglich auszusehen.

„Okay, du irischer Sturschädel, dann halt anders.“ Spike packte Angel an der Hand und zerrte ihn zur Tür. Er öffnete sie einen Spalt breit, und hielt Angels Finger kurz in die Sonne. Angel musste sich sehr beherrschen um seine Hand nicht schon zurückzuziehen, bevor die ersten Strahlen seine Haut trafen. Aber Spike wäre sofort misstrauisch geworden und dann wäre Angels Plan mit einem Schlag zunichte und alles wäre umsonst gewesen.

Daher hielt er still, bis seine Finger zu rauchen anfingen, schrie dann leise auf und zog seine Hand rasch zurück. Verwundert betrachtete er seine angesengten Fingerspitzen.

Spike schloss die Tür wieder und sah Angel an. “Vampir-Sonne-Staub. Capisce?

„Nicht so ganz, aber möglicherweise stimmt es, was Sie sagen“, murmelte Angel leise, bemühte sich geschockt auszusehen und rieb seine Hand.

„Na da kommt ja Freude auf. Er glaubt mir, weil ich ihn fast abgefackelt habe. Danke für dein Vertrauen, Angelus.“ Spike verdrehte die Augen und schnaubte genervt. „Hör mal, Kumpel. Sobald es dunkel wird, bringe ich dich zu Freunden, die dich kennen und die du kennst - kennen solltest. Na ja, sie sind nicht so richtig deine Freunde, aber sie kennen dich. Vielleicht fällt dir wieder ein, wer zur Hölle du bist, sobald du sie siehst. Dass du dich an mich nicht erinnern kannst, oder willst, muss daran liegen, dass du mich nie leiden konntest, und mich für immer aus deinem Gedächtnis gestrichen hast, denke ich mal. Und nun setz dich irgendwo hin. Wir müssen warten bis die Sonne untergegangen ist, sonst löst sich zu deinem bisschen Hirn, auch noch dein Körper auf. Wäre schade drum.“ Spike betrachtete verstohlen Angels wundervollen Körper, wie er so vor ihm stand. Die harten Muskeln zeichneten sich unter der Kleidung ab, sein engelsgleiches Gesicht mit dem herrlichen Mund, luden zum Küssen ein und Spike leckte sich rasch über die Lippen, bevor er Angel kurz in die samtigen, braunen Augen schaute, die ihn irgendwie anzulächeln schienen.

Da war er nun, sein Sire, und erinnerte sich nicht ein Stück an ihn. Nicht ein kleines winziges bisschen an William oder Spike, an sein Childe.

‚Verdammt was soll das? Ist doch egal, ob er sich erinnert. Er hasst mich, ich hasse ihn. Punkt. Alles was ich tun muss, ist ihn so schnell wie möglich loszuwerden, alles andere geht mich nichts an.’, dachte Spike und konnte nicht verhindern, dass sich sein totes Herz zusammenkrampfte.

Als er bemerkte, dass Angel ihn ebenfalls betrachtete, schnauzte er ihn verlegen an. „Nun setz dich schon, und nenn mich Spike, nur Spike, verstanden?“

„Gut... Spike. Wir sind also Vampire, das muss ich erst verarbeiten. Es ist zu unglaublich. Der Mythos ist keiner und alles was ich gehört oder gelesen habe stimmt. Unfassbar.

Und ich lebe in L.A. und du hier in? Wo sind wir hier eigentlich? Und warum bin ich hier?“

Angel sprach schnell und abgehackt, wobei er einen völlig fassungslosen Gesichtausdruck aufsetzte und sich haltsuchend am Sarkophag abstützte, um seinen Schock darüber, ein Vampir zu sein, deutlicher zu machen.

„Wir sind am verdammten Höllenschlund. Und was du hier willst? Wie soll ich das wissen? Du gehst mir jedenfalls tierisch auf die Nerven und wir haben noch sieben Stunden, bis wir raus können. Außer, wir gehen durch die Kanalisation. Doch das ist nicht ratsam, weil du erstens, wahrscheinlich auch nicht weißt wie man kämpft und ich für dich, na ja so etwas wie verantwortlich bin, bis deine Erinnerung wieder einsetzt. Was hoffentlich bald sein wird, weil ich sonst verrückt werde, und zweitens, muss ich den verfluchten Schleim von meinem Mantel kriegen und das wird Stunden dauern.“

Spike wusste, dass das nur eine billige Ausrede war, denn es gab kaum Vampire oder Dämonen in der Kanalisation, die ihnen gefährlich werden konnten und wenn, würde er mit ihnen spielend fertig werden. Aber so hatten sie noch sieben Stunden. Sieben ganze Stunden, die er mit Angel verbringen konnte und obwohl er sich dafür innerlich selbst verfluchte, freute er sich unerklärlicher Weise über Angels Anwesenheit. Das verwirrte ihn und machte ihn noch wütender.

Angel musste sich ganz schön beherrschen, um sich den rüden Ton seines Childes gefallen zu lassen. Aber er konnte ihn ja schlecht zurechtweisen, ohne dass seine Tarnung aufflog. Und irgendwie gefiel ihm dieses Spiel, weil Spike sich trotz seiner Abneigung ihm gegenüber verantwortlich fühlte, ihn beschützen wollte. Das war neu und ein schönes Gefühl. Und so wartete er gespannt, was Spike nun tun würde.

Dieser zog seinen Mantel aus und legte ihn auf den Sarkophag. Dann ging er zu der alten Kommode und füllte zwei Gläser mit Whisky, um eines davon Angel zu reichen.

Der nickte dankbar und nahm einen Schluck. „Wenn ich hier keine Freunde habe, warum fahre ich dann nicht zurück nach L.A.?“, sagte er leise, wie zu sich selbst, und hoffte, dass Spike darauf reagierte.

„Gute Idee und tschüss.“

„Bist wohl froh, wenn du mich los bist?“, murmelte Angel und beobachtete sein Childe durch halb geschlossene Augen.

„Das kannst du laut sagen, je früher desto besser“, lachte Spike freudlos.

Der dunkelhaarige Vampir war verwundert, als sich sein totes Herz schmerzhaft bei diesen Worten zusammenzog und er schluckte hart, bevor er meinte:„Da wir ja noch einige Stunden miteinander verbringen müssen, erzähl mir, wie ich so war oder bin, als Vampir.“ Angel setzte sich in den alten Sessel und sah Spike abwartend an. Er war gespannt darauf, was Spike ihm erzählen würde.

Automatisch, ohne es recht zu registrieren, ließ Spike sich neben ihm auf dem Boden nieder, wie er es oft bei seinem Sire Angelus gemacht hatte, und begann zu sprechen.

Angel lächelte, als Spike so mit dem Rücken vor ihm saß und fast hätte er ihm wie früher übers Haar gestrichen, doch im letzten Augenblick hielt er inne und zog seine Hand schnell zurück.

Und Spike erzählte von Liams Verwandlung in Angelus und von seiner eigenen. Von Darla und Dru. Von Vampiren und ihrer Art zu leben, zu töten und zu lieben, oder was sie unter Liebe verstanden. Spike berichtete aber auch von Angelus` Erziehungsmethoden, die für William meist sehr qualvoll waren und er verhehlte Angel nicht, wie sehr er ihn dafür heute noch hasste.

Spike sprach davon, wie Angelus seine Familie verließ, weil er von den Zigeunern eine Seele bekam und somit zu Angel wurde. Wie er, Spike, mit Dru weiter durch die Welt zog und wie froh er war, Angelus endlich los zu sein. Und das Darla zu ihrem Meister zurückkehrte, als die Familie zerbrach, weil Angel sie verlassen hatte.

Auch Sunnydale ließ Spike nicht aus. Erzählte die ganze Geschichte mit Buffy und Angel und wie er wieder zu Angelus wurde. Wie er nach seinem Tod aus der Hölle zurückkehrte und Buffy verließ, um sie nicht mehr in Gefahr zu bringen.

All das berichtete er ihm, jedoch über sich selbst, sein jetziges Leben oder den Chip verlor er kein Wort.

Er sprach darüber, dass Angel in einem alten Hotel lebte und eine Detektei gegründet hatte, um den Hilflosen zu helfen und spotte kurz darüber.

Berichtete, dass er Helfer in Los Angeles hatte, wie Cordelia, die Visionen von den Mächten bekam und sie ihre Aufträge dann ausführten. Das ihm ein ehemaliger Wächter zu Seite stand, der Wesley hieß und erklärte ihm, was ein Wächter war.

Angel hörte aufmerksam zu, sah so manches mit anderen Augen, weil Spike es aus seiner Sicht erzählte. Und Angel fragte sich bedrückt, warum Spike das alles ertragen hatte, die Zeit mit ihm, die Qualen, die Demütigungen. Und wie er all das jetzt ertrug. Das alles hier, in Sunnydale. Dieser furchtbare schmutzige Ort, den er sein Heim nannte.

Giles und die anderen, die ihn gerade so duldeten, weil er für sie nicht gefährlich und seine Informationen nützlich waren. Und ihm kam die Erkenntnis, dass er nur blieb, weil Spike nicht wusste, wohin er sonst sollte. Es gab keine Familie mehr. Darla war tot und außerdem hätte sie ihn niemals in ihrer Nähe geduldet. Sie tat es damals nur Dru zu Liebe, aber Dru hatte Spike verlassen. Und Angel, sein Sire? Auch zu dem konnte und wollte er nicht, da er auch von ihm, Spikes Meinung nach, nichts erwarten konnte, außer Spott und Hohn.

Angel wunderte sich aber genauso, wieso Spike soviel über sein jetziges Leben wusste und fragte sich, woher er all diese Informationen hatte. Von seiner Arbeit in L.A., seinen Menschen-Freunden, vom Hyperion und Cordelias Visionen.

Der dunkelhaarige Vampir nahm sich vor, das herauszufinden, bevor er sagte:

„Wenn das alles stimmt, was du sagst, mit Buffy, Giles und Jenny, was ich so alles getan habe, möchte ich eigentlich nicht zu diesen Leuten. Da wäre es besser, wenn ich nach L.A. fahren würde und versuche dort mein Gedächtnis wieder zu erlangen.“ Bedrückt sah Angel Spike in die Augen.

„Komm schon Pet, so schlimm ist es nicht, das ist schon lange her, sie haben dir verziehen...fast. Aber vielleicht hast du Recht und L.A. wäre besser für dich. Die Sonne ist bald weg und du wirst sicher mit deinem Wagen gekommen sein, also wenn du willst, fährst du eben zurück in die Stadt der Engel“, sagte Spike gleichgültig.

„Ja, schon, aber…“ Angel brach ab und sah Spike verzweifelt an, der fragend seine vernarbte Augenbraue hob. „Was hast du jetzt wieder für ein Problem?“

„Wo ist mein Wagen? Wie sieht er aus? Und wo ist L.A?“, fragte er leise.

„Na wunderbar, das wird ja immer besser. Weißt du wenigstens noch wie man Auto fährt?“

Angel überlegte schnell. Was sollte er sagen? Er beschloss letztendlich das Autofahren nicht vergessen zu haben, da er auf keinen Fall wollte, dass Spike seinen Wagen fuhr, denn sonst konnte er sich womöglich von seinem geliebten Cabrio gleich verabschieden. Also antwortete er: „Ja, ich denke, ich weiß wie man ein Auto fährt.“

„Das ist gut. Dann besorg ich dir eine Straßenkarte und du kannst in einer Stunde los. Warte hier ich bin gleich zurück. Wir suchen deine Karre sobald es dunkel ist. Ich schreib dir deine Adresse in L.A. auf und deine Menschen, mit denen du dort lebst, werden dir schon wieder auf die Sprünge helfen“, erklärte Spike entschlossen. Er sprang durch die Luke in sein ‚Schlafzimmer’ hinunter, um seine Behausung über einen Zugang ins Kanalsystem zu verlassen.

Angel stand auf und fing an hin und her zu laufen. ‚Das gehörte aber nicht zu meinem Plan. Spike hat nicht die Absicht mich zu begleiten. Damit habe ich nicht gerechnet. Gut, warum sollte er das auch tun? Er ist froh, wenn ich verschwinde, das hat er mehr als deutlich gesagt. Verdammt, das läuft gar nicht so wie ich mir das gedacht habe. Ich hätte sagen sollen, das ich mich nicht erinnere wie man ein Auto fährt, dann hätte Spike mich nach L.A. gefahren. Ein neuer Plan muss her und das rasch, denn Spike wird sicher bald zurück sein.’