File 1: stories/1/64.txt
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Geld.

Er würde Spike Geld anbieten, damit er mit nach L.A. kam. Nicht viel, denn Geld war knapp bei Angel Investigations. Aber Giles sagte, Spike würde etwas Geld für seine Hilfe und Informationen bekommen, daher würde eine kleine Summe sicher reichen, damit er zustimmte. Vielleicht. Hoffentlich.

Nervös ging Angel wieder auf und ab. Wo war Spike nur so lange? Er würde doch nicht etwa Buffy oder Giles anschleppen, denn das wäre nicht gut, das würde seinen Plan nicht nur erheblich komplizieren, sondern völlig zunichte machen und...

Spike kam die Luke hoch, mit Karten und zwei braunen Papiertüten in der Hand, die er auf dem kleinen Tisch abstellte und Angel atmete erleichtert auf.

„Du musst nicht atmen, Luv. Vampire brauchen keine Luft“, kicherte Spike kopfschüttelnd. Irgendwie amüsierte es ihn, dass Angel nicht mehr wusste wer er war. Aber sofort fiel ihm ein, wie sein Sire sich ihm gegenüber verhalten würde, sobald sein Gedächtnis wieder zurückgekehrt war und Spikes Gesichtszüge wurden wieder ernst. Und nach wie vor hatte Spike das Gefühl, dass irgendetwas an der Geschichte nicht stimmte. Er kam nur nicht drauf was es war, aber er war nicht dumm, die Alarmglocken in seinem Kopf hörten nicht auf zu klingeln.

„Hier hast du eine Landkarte, die dir zeigt, wie du nach L.A. kommst. Und ich hab dir auch noch einen Stadtplan besorgt und die Route zu deinem Hotel eingezeichnet.“ Spike knallte ihm die beiden Pläne vor die Brust und wandte sich ab.

„Woher weißt du so genau, wo ich wohne? Warst du schon einmal da, bei mir, in dem … diesem Hotel, das mir gehört?“ Angel hoffte so zu erfahren, wieso Spike so genau bescheid wusste.

Spike lachte bitter. „Gott bewahre mich. Ich bei dir und deinen Menschen? Kann es etwas Schlimmeres geben? Gut, kann es, aber nicht viel. Aber nein, ich war niemals und werde sicher nie einen Fuß in dein bescheuertes Hotel setzen.“

„Oh, das ist … Also eigentlich wollte ich dich fragen, ob du mich nicht begleiten könntest. Nur bis ich wieder zu Recht komme. Ich hab keine Ahnung, was da auf mich zukommt und du bist der Einzige, den ich kenne. Na ja, nicht so richtig kenne, aber ... ich würde dich auch bezahlen. Ich hab Geld, glaube ich zumindest.“ Angel hoffte sehr, dass er glaubwürdig genug klang, sodass Spike darauf einging und mit ihm kam, denn sonst wusste er nicht, was er noch tun könnte.

„Das ist jetzt aber nicht dein Ernst. Ich soll mit nach L.A.?“ Spike dachte nach. Er würde für eine Weile rauskommen aus dem öden Nest und müsste Buffy, Giles und den verblödeten Harris eine Weile nicht ertragen. Das wäre ja schon mal was. Ein bisschen Abwechslung konnte ihm auch nicht schaden. Andererseits müsste er mit dem Poof zusammen sein, und das wäre … schrecklich ... gar nicht so schlecht ... eigentlich.

Dennoch seufzte Spike theatralisch auf. „Na gut. Wenn du ohne mich nicht zu Recht kommst, lass ich mich halt breitschlagen. Ich bring dich hin. Schließlich war ich ja schon öfter in der Stadt der Engel, widerlicher Name übrigens, für eine Stadt, aber was soll’s. Jedenfalls kenne ich mich so leidlich dort aus, zwar nicht in der Gegend in der du wohnst, aber egal. Ich bring dich hin, doch wenn deine Menschen da sind, sollen sie sich um dich kümmern. Ich bin keine verdammte Nanny, verstanden?“

Angel nickte befriedigt und war mit seinem neuen Plan äußerst zufrieden. „Das ist ausgesprochen nett von dir“, meinte er und hielt ihm zur Bekräftigung ihres Deals die Hand hin.

Spike ergriff sie und zuckte kurz zusammen, als er Angels Hand in seiner spürte. „Ich bin nicht nett. Ich bin böse, damit du es weißt. Das ist nur ein Geschäft. Ich bring dich hin, du bezahlst mich. Ende. Nicht, dass du womöglich glaubst, ich bleibe. Nur solange bis die Cheerleaderin oder der Wächter da sind, damit wir uns Recht verstehen, Angel“, meinte er mit Nachdruck.

„Ja, sicher. Sie werden ja da sein, denke ich zumindest.“

‚Gut, das ich ihnen eine Woche frei gegeben habe. Hoffentlich taucht Wes nicht auf, um irgendwelche Bücher zu holen, das würde alles ruinieren’, dachte Angel und hoffte das auch weiterhin alles so gut lief.

„Okay, dann auf nach L.A. Wir müssen noch deinen Wagen suchen. Viele Möglichkeiten gibt es ja nicht, also dürfte das kein Problem sein. Doch erst müssen wir essen. Ich hab was mitgebracht.“ Spike griff nach einer Tüte, nahm zwei Becher Blut heraus und reichte einen an Angel weiter. Dann nahm er die Zweite holte Doughnuts und Mashmallows heraus und stopfte sich einen der Doughnuts genüsslich in dem Mund, bevor er Angel aufforderte.

„Na los, trink“, als Angel zögerte, öffnete Spike seinen Becher, um das Blut in einem Zug zu leeren.

„Mach schon, wir haben nicht ewig Zeit. Ich weiß, dass du Hunger hast. Finde dich damit ab, dass du ein Vampir bist, die ernähren sich nun mal von Blut. Gut, ich mag auch Menschenessen, aber du nicht, also mach und trink.“

Spike biss in den zweiten Doughnut und sah Angel interessiert zu, wie er seinen Becher öffnete und angewidert daran roch. Doch dann setzte der dunkelhaarige Vampir seine Lippen an den Becher, trank ihn in einem Zug aus und stellte fest, dass er wirklich sehr hungrig gewesen war. Als er immer noch den Blick seines Childes auf sich spürte, schüttelte sich schnell, um seinen Widerwillen zu bekunden.

„Äh… schmeckt scheußlich“, murmelte er.

„Ja, das tut es. Menschen schmecken viel besser, aber ich kann nicht und du darfst, oder willst nicht, wie auch immer.“ Spike sah ihn immer noch prüfend an, bevor er seinen Blick abwandte und Angel hätte zu gerne gewusst, was sein Childe jetzt gerade dachte.

‚Da stimmt etwas nicht. Auch wenn er nicht weiß, wer er ist, müsste da ein unbändiger Blutdurst sein’, schoss es Spike durch den Kopf.

„Warum kannst du nicht?“, unterbrach Angel Spikes Gedanken.

„Was kann ich nicht?“ Spike hob seine vernarbte Augenbraue.

„Menschen beißen. Du sagtest vorhin, du..."

„Ich hab nen blöden Chip im Schädel, Kismet, Initiative, Pech gehabt, wie auch immer, lassen wir das, das geht dich nichts an. Ich komme zu Recht, wie ich es in dieser Hölle schon seit 100 Jahren alleine tue. Also quatsch mich nicht voll. Suchen wir lieber deinen Wagen“, knurrte Spike verärgert über sich selbst, weil er Angel etwas verraten hatte, das der eigentlich nicht wissen sollte. Er steckte sich noch die Mashmallow-Tüte in die Manteltasche, dann traten sie ins Freie und Spike schloss sorgfältig seine Grufttür ab. Angel bemerkte es lächelnd. ‚Wer will aus dieser Bruchbude schon etwas entwenden’, dachte er. Doch schlagartig wurde ihm klar, das Spike nichts anderes besaß, als die paar Dinge in dieser Gruft und das machte ihm wieder bewusst, das er als Sire vollkommen versagt hatte.

„Nimmst du nichts mit? Kleidung, oder so?“, fragte Angel verwundert.

„Warum sollte ich? Das ganze wird höchstens 24 Stunden dauern, bis dahin will ich wieder zurück sein. Schließlich fahre ich nicht in den Urlaub. Ich bringe dich nur nach L.A. … und das war's“, entgegnete Spike bestimmt und marschierte los.

Sie begaben sich zum Ausgang und umrundeten den Friedhof, in der Hoffnung Angels Auto zu finden, da Spike annahm, dass Angel nicht allzu weit entfernt geparkt hatte, als er, Spikes Meinung nach, auf der Suche nach Buffy war.

Sie wurden auch bald fündig und standen wenig später vor Angels Auto.

„Steh nicht da wie angewurzelt. Sieh in deinen Taschen nach, du musst den Wagenschlüssel eingesteckt haben, oder soll ich das Ding kurzschließen?“, grinste Spike augenzwinkernd und Angel wühlte schnell den Schlüsselbund aus seiner Manteltasche.

Zielsicher wählte er den passenden Schlüssel aus und stieg ein, während Spike auf dem Beifahrersitz Platz nahm.

Angel startete seinen Wagen und sah Spike fragend an. „Wohin?“

„Es wäre einfacher, wenn ich fahre, dann müsste ich nicht so viel reden, weil ich dir die Strecke ansagen muss.“, meinte Spike in der Hoffnung, dass Angel ihn vielleicht doch fahren ließ.

„Ich fahre gerne. Du redest gerne. Also lassen wir es besser so, wie es ist“, grinste Angel, weil er sehr wohl Spikes Taktik durchschaut hatte und fuhr dann, Spikes Anweisungen folgend, aus der Stadt.

Spike sprach allerdings nur das Notwendigste während der Fahrt, kaute aber seine Süßigkeiten und Angel dachte, dass sein Childe es vermutlich schon bereute, zugestimmt zu haben, ihn zu begleiten.

Als sie nach Stunden endlich L.A. erreichten, dirigierte Spike ihn zum Hyperion. Er benutzte dabei den Stadtplan, da er selbst noch nie in dem Hotel gewesen war und nur von Gesprächen der Scoobies von Angels zu Hause wusste. Angel hielt vor dem Haus und sah sich um.

„Das also ist es?“

„Jepp.“

„Bist du sicher?“

„Ob ich sicher bin? Zur Hölle, wie soll ich DAS denn wissen. Ich kenne den Schuppen doch nicht. Ich hab die Adresse von Red ... Willow meine ich. Sie haben in der Magic-Box von dir gesprochen und dabei auch immer wieder das Hotel erwähnt. Und in ihrem Computer hab ich die Adresse gelesen. Wir haben zwei Möglichkeiten, entweder wir bleiben hier sitzen, bis wir gegrillt werden, oder wir gehen hinein. Beim Hineingehen bin ich dabei, beim Grillen nicht. Wenn es nicht dein Haus ist, werden wir es schon merken. Da es ein öffentliches Gebäude ist, kommen wir auf jeden Fall rein, außer es gibt einen Schutzzauber. Also? Worauf wartest du?“

Spike hob fragend seine vernarbte Augenbraue und sah Angel auffordernd an.

Der zuckte mit den Schultern, stieg aus und Spike tat es ihm gleich. Sie gingen die Stufen hoch und Angel versuchte verschiedene Schlüssel, bis er einen fand, der die hohe Türe aufsperrte. Triumphierend grinste er Spike an.

Der verdrehte genervt die den Augen. „Bloody hell, Angel, du hast eine Tür aufgesperrt, was für eine phänomenale Leistung. Nun geh schon endlich rein.“

Angel trat ohne Mühe ins Haus und Spike folgte ihm. „Na endlich, wurde auch Zeit, die verdammte Sonne geht bald auf. Ich muss noch bis zum Abend hier bleiben, dann will ich mein Geld und dann verschwinde ich“, grummelte er und sah sich interessiert um. „Nette Hütte“, stellte er fest. „Düster, farblos, so richtig ... Angelus-mäßig.“

„Wie meinst du das?“ Angel war erstaunt über Spikes Aussage.

„Du liebst schöne Sachen, da hat sich nichts geändert, wie ich sehen kann. Tolle Waffensammlung“, sagte er übergangslos und betrachtete die prächtigen Waffen, die an der Wand hingen.

„Ja, ich hab sie im Laufe der Jahre gesammelt ... äh, denke ich zumindest.“ Angel machte schnell ein nachdenkliches Gesicht. Beinahe hätte er sich verplappert.

„Gibt es hier etwas zu essen? Ich habe Hunger.“ Spike sah sich um, entdeckte die kleine Küche und ging zielstrebig darauf zu. Er erspähte den Kühlschrank und machte ihn auf.

Joghurt, Salat und irgendetwas, das nach einer Obstpampe aussah war alles, was Spike entdecken konnte. „DAS ist definitiv nicht dein Kühlschrank“, stellte Spike fest, nahm allerdings einen Joghurt heraus und warf die Tür zu. Dann suchte er in den Laden ungeniert nach einem Löffel.

„Spike, komm mal, komm hier herunter.“ Angel stand an der untersten Treppe zu seiner Wohnung und wartete darauf, dass sein Childe zu ihm kam. Der durchmaß die Lobby mit schnellen Schritten, ging an Angel vorbei und betrat vor ihm die Wohnung. Er sah sich um, entdeckte die Küche und ging sofort auf den Kühlschrank zu. Nachdem er die Tür geöffnet hatte, strahlte er. „DAS ist dein Kühlschrank.

Er stellte den halbvollen Joghurtbecher weg, nahm zwei Blutbeutel heraus, wühlte im Küchenschrank, bis er zwei Tassen fand und füllte sie mit Blut. Suchend sah er sich um, erspähte die Mikrowelle und stellte die Tassen hinein.

„Warum isst du eigentlich Menschenessen? Erst die Doughnuts, dann dieses süße, klebrige Zeug und jetzt Joghurt? Ich meine, du bist ein Vampir. Vampire nehmen doch eigentlich ausschließlich Blut zu sich.“ Fragend sah er Spike an.

„Du weißt aber ganz schon über Vampire bescheid. Wie das?“, wollte Spike misstrauisch wissen.

„Äh... Anne Rice?!“, sagte Angel schnell.

„Hätte ich mir denken können, an die erinnerst du dich, typisch.“ Spike verdrehte die Augen und die beiden Vampire hingen ihren Gedanken nach.

Angel betrachtete sein schönes Childe verstohlen. Er hatte sich geirrt. Spike kam, wie es schien, überall zu Recht und brauchte ihn wahrscheinlich wirklich nicht. Andererseits, wenn er schon mal da war, hier bei ihm, könnte er ruhig eine Weile bleiben. Nur zur Beobachtung, damit er sicher wusste, dass sein Childe alles alleine zuwege brachte. Denn nach ein paar Stunden, die sie jetzt zusammen waren, konnte man das ja wirklich noch nicht beurteilen, das würde Tage, Wochen vielleicht Monate dauern, bis er absolut sicher war, das Spike alleine zu Recht kam.

Das ‚Bing’ der Mikrowelle holte die Beiden aus ihren Gedanken zurück und Spike entnahm die Tassen um eine Angel zu reichen. Sie tranken weiterhin schweigend.

Anschließend nahm Spike Angel die leere Tasse ab und spülte beide aus.

Angel unterdrückte ein Grinsen. Spike schien sich gar nicht bewusst zu sein, dass er automatisch eine fürsorgliche Rolle übernahm und Angel gefiel es, sehr sogar. Er genoss es, sich einmal um Nichts kümmern zu müssen, weder ob zu Essen da war, noch um Kleinigkeiten, wie das Ausspülen der Tassen.

Er beschloss, noch weiter ohne Gedächtnis zu bleiben, schließlich hatten sie eine ganze Woche für sich alleine. Wenn es ihm gelang, dass Spike blieb, würde vieles anders sein, als damals, bei Angelus und William. Natürlich war Spike sein Childe und somit unter seiner Befehlsgewalt, darin bestand kein Zweifel, obwohl ... mit Spike war das so eine Sache. Andererseits, gerade das mochte er an ihm. Er wollte keinen dekadenten willenlosen Lakaien an seiner Seite, sondern sein schönes, starkes, intelligentes Childe, auf das er stolz sein konnte. Nur eine Weile natürlich, bis er sicher war, dass Spike ohne ihn sein Unleben verbringen konnte.

Mehr wollte er nicht, und mehr konnte er auch nicht von ihm erwarten, denn Spikes Hass auf ihn war unverkennbar. Aber wenigstens hatte er sein Childe so gut erzogen, dass er sich seiner Familie, also seinem Sire gegenüber, verpflichtet fühlte. Das war ja immerhin etwas, also würde er versuchen, ihn hier zu behalten. Mit allen, ihm zur Verfügung stehenden Mittel. Seine Gedankengänge und die Nähe seines Childes machten ihn irgendwie nervös.

„Ich muss duschen“, sagte Angel plötzlich und Spike brach in schallendes Gelächter aus.

„Was?“, frage Angel verwirrt.

„Ach nichts, Pet. Manche Dinge ändern sich eben nie.“ Er ließ Angel ohne aufklärende Antwort stehen, ging zurück ins Wohnzimmer und pflanzte sich auf die Couch. Er entdeckte die Fernbedienung des Fernsehgerätes und schaltete es ein. „Super. Farbe und jede Menge Sender, hier lässt sich's aushalten“, murmelte er und zappte durch die Programme.

Angel lächelte zufrieden. Sein Plan schien zu funktionieren. „Ich such das Bad“, brummte er und verschwand, um sich endlich zu duschen. Spike reagierte nicht, da er ein Programm gefunden hatte, das seine ganze Aufmerksamkeit erforderte.

Inzwischen genoss Angel das heiße Wasser, schloss die Augen und Spike erschien vor seinem geistigen Auge. Seine blauen Augen strahlten ihn an und sein markantes Gesicht war von seinen feuchten Locken umrahmt. Das Wasser umfloss seinen nackten Körper und er lächelte ihn an. Angel hob die Hand um ihm über die Wange zu streicheln, doch plötzlich war Spike verschwunden.

Angel öffnete die Augen und seufzte leise, weil sein imaginärer Spike entschwunden war. Erschrocken sah er an sich herunter, als er bemerkte, dass er eine starke Erektion bekommen hatte. Angel atmete unnötig tief durch und versuchte sich in den Griff zu kriegen. War es das? War das der Grund, dass er nach Sunnydale gefahren war? Wollte er Spike wieder, um seinen sexuellen Notstand zu befriedigen? Und auch um nicht mehr einsam zu sein?

Nein, auf keinen Fall. Er wollte nur endlich seine Pflicht erfüllen und endlich für Spike Sorgen, weil... Angel erkannte, dass er sich selbst belog. Er wollte mehr von Spike, mehr als dieser ihm jemals bereit war zu geben. Sicher, er konnte es sich nehmen. Schließlich war er viel stärker als sein Childe und Spike war und blieb sein Eigentum. Er konnte ihn sich nehmen wenn er wollte, und doch …

Das war nicht das, was er sich wünschte. Das war nicht das, was er wollte. Angelus vielleicht, aber Angel … In seiner Vorstellung schmiegte sich Spike an ihn, küsste und liebte ihn aus freien Stücken. Angel lachte bitter auf. Das geschah nur in seinen Träumen. In seinen immer wiederkehrenden, von ihm verdrängten Träumen.

„Peaches, bist du endlich fertig? So dreckig kannst du gar nicht sein. Mach, sonst komm ich dich holen. Ich will auch noch duschen, verdammt.“ Spike öffnete ohne Umschweife die Tür und trat ins Bad. „Los, du bist sauber. Ich bin jetzt dran.“ Wie selbstverständlich schob er den Duschvorhang weg und grinste Angel an. Der riss ein Handtuch vom Haken, um seinen harten Ständer rasch zu verdecken.

„Was fällt dir ein? Ich war noch nicht fertig. Warte gefälligst, bis ich draußen bin“, herrschte er Spike ungehalten an und trat aus dem Wasserstrahl. ‚Hoffentlich hatte er nichts bemerkt, das wäre sehr peinlich.’

„Keine Panik, ich hab dich schon öfters nackt gesehen, und du kannst mir glauben, die Erinnerungen daran sind nicht die Besten, zumindest was du da oft mit mir gemacht hast, und nie wieder mit mir machen wirst, möchte ich betonen. Aber wenn ich darauf warte, bis du endlich aus der Dusche steigst, stehe ich morgen noch vor der Tür“, bemerkte Spike ungerührt und zog sich ohne Umschweife aus.

Angel trocknete sich ab, ganz langsam, und schielte auf sein Childe. Er sah noch besser aus, als er ihn in Erinnerung hatte, und viel besser, als in all seinen Träumen. Sein Körper bestand aus purer Muskelmasse, die Haut war makellos und glatt. In Angels Lenden pochte es verräterisch.

„Rück mal ein Stück Peaches, damit ich unter die Dusche komme.“ Spike legte ihm die Hände auf die Brust und schob Angel sanft zur Seite, wobei seine Finger, als er seine Hände wegnahm, wie unbeabsichtigt über Angels Brustwarzen strichen.

Angel erschauderte und biss sich auf die Unterlippe. Spike sah ihm kurz in die Augen, stieg dann rasch in die Duschkabine und zog en Vorhang zu.

‚Mal sehen ob ich die Erinnerung meines Sires auffrischen kann’, grinste Spike unter der Dusche und überlegte, wie er Angel so richtig aus der Fassung bringen konnte. Sein Grinsen würde breiter, als ihm einfiel wie.

Angel starrte auf den geschlossenen Vorhang, bevor er sich endlich beruhigte und rasch fertig abtrocknete.

Er ging in sein Schlafzimmer, zog sich eine Trainingshose und ein Shirt über und setzte sich auf sein Bett. Er stützte den Kopf in seine Hände und atmete tief durch. „Wie konnte ich nur auf die wahnwitzige Idee kommen, nach Sunnydale zu fahren, um Spike zu helfen. Wenn hier jemand Hilfe braucht, dann bin ich das. Ich muss gerettet werden - und zwar vor meinem schönen, unglaublich erotischen Childe, und das so schnell wie möglich, bevor ich durchdrehe und wer weiß was mache.“ Er stöhnte verzweifelt auf und ließ sich aufs Bett fallen, als Spike aus dem Badezimmer kam.

„Wo sind die Handtücher? Hab keines finden können.“ Spike stand nackt vor ihm. Wassertropfen perlten auf seiner makellosen, weißen Haut und die Muskeln spannten sich bei jeder Bewegung, als er auf Angel zuging. Der starrte sein Childe an, schluckte und deutete, unfähig zu sprechen auf den Schrank neben der Tür.

„Komisches System. Handtücher im Schrank und nicht im Bad. Typisch für dich, Poof“, murmelte Spike und drehte sich um, sodass Angel auch noch seine Rückenansicht zu sehen bekam. Seine Augen glitten über Spikes Schultern und sehnigen Arme, hinab zu dessen festen Pobacken, die seinen Blick festhielten, weil sein Childe sich hinunterbeugte und ihm seine zart-rosa Öffnung präsentierte, während er sich die Beine abtrocknete.

Spike tat es besonders langsam, in aller Ruhe und drehte sich dabei hin und her. „Bin müde“, murmelte Angel und kroch unter die Decke. Er rollte sich zusammen und drückte seine pochende Erektion an der Wurzel zusammen, um nicht auf der Stelle zu kommen. Er presste die Augen zu und dankte den Mächten, dass er nicht atmen musste, denn sonst würde er hecheln wie ein Wolf.

„Okay, ich auch. Dann schmeiß ich mich mal ein paar Stunden auf die Couch.“

„Gut“, würgte Angel heraus und wagte es nicht, sein Childe anzusehen, denn sonst würde es endgültig mit seiner Beherrschung zu Ende sein. Sonst würde er ihn küssen, auf diese wundervollen zarten Lippen, seine Zunge eintauchen in Spikes feuchten, in seinen Träumen so willigen Mund und sich in ihn rammen, bis er...

„Oh Gott.“ Angel stöhnte unterdrückt auf, weil er nur durch seine Fantasie von Spike gekommen war, ohne dass er es hatte verhindern können.

„Angel? Alles okay?“ Spike kam auf ihn zu, seine Kleider in der Hand, ein Handtuch um die Hüften und sah ihn besorgt an.

„Kopfschmerzen, nur leichte Kopfschmerzen“, murmelte Angel und versank in dem irisierenden Blau von Spikes Augen.

„Oh, ich kann sie dir vertreiben. Ich kenne da Punkte am Körper, die so gut wie alles vertreiben. Rück ein Stück.“ Spike wollte sich auf das Bett setzen.

„NEIN, da ... danke, ich meine ... es … es geht schon. Ich brauche nur Schlaf. Ich will einfach nur schlafen, bitte.“ Angel war in Panik. Wenn Spike merkte, dass er nass in seiner Hose war, weil er seinen Orgasmus nicht hatte zurückhalten können, wäre das mehr als peinlich. Außerdem war er sicher, dass sein Childe Punkte im Körper kannte, die ihm gut tun würden, mehr als gut, und die absolut nichts mit Akupressur zu tun hatten.

„Wie du meinst.“ Spike zog die Luft durch die Nase und ging vor sich hingrinsend ins Wohnzimmer, um sich auf die Couch zu legen. ‚Ich kann's immer noch. Selbst wenn er nicht weiß, wer er ist, bringe ich ihn soweit, dass er so scharf auf mich ist, dass er kommt, und ich muss ihn nicht einmal anfassen. Ich kann’s immer noch’, wiederholte Spike in Gedanken. „Aber ich lass ihn nicht mehr an mich ran, nie mehr, weil ich weiß, wohin das führt und ich will diese Art von Schmerz nicht. Nie mehr.“, grummelte Spike, bevor er einschlief.

Angel wartete, bis er sicher war, dass Spike schlief. Dann stand er auf, um sich sauber zu machen und frische Boxer-Shorts anzuziehen. Er ging zurück zum Bett und griff nach einer Decke, mit der er sich ins Wohnzimmer begab. Spike lag auf dem Rücken, den Kopf zur Seite gedreht und ein Arm hing von der schmalen Couch herunter. Das Handtuch war etwas verrutscht und gab einen Teil des Unterleibes frei. Zu wenig, wie Angel frustriert feststellte.

Schnell rief er sich zur Ordnung und breitete die Decke über Spikes erotischen Körper, bevor er sich rasch zurück in sein Schlafzimmer begab. „Ich dachte die Zeit hätte mich gelehrt mich zu beherrschen und dann sehe ich ihn und … verdammt“, murmelte Angel und verkroch sich wieder im seinem Bett.

Angel träumte. Schlimme Träume, Albträume quälten ihn, wie in so vielen Nächten. Mit einem Schrei wachte er auf und sah sich verwirrt um. Er seufzte tief, als er erkannte dass es nur ein Traum war und strich sich durch die Haare. Spike kam angerannt. Besorgt sah er seinen Sire an, setzte sich ohne zu fragen aufs Bett und nahm ihn einfach in die Arme. Er drückte Angels Kopf an seine Brust und strich ihm beruhigend über den Rücken. Und Angel genoss es einfach, so gehalten zu werden.