File 1: stories/1/65.txt
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Beruhigend sprach Spike auf seinen Sire ein, der sich fest in seine Umarmung schmiegte. Spike strich ihm die verschwitzten Haare aus der Stirn, küsste ihn behutsam auf die Schläfe und schaukelte Angel hin und her. „Es war nur ein Traum, du bist jetzt wach. Keine Sorge ich bin ja da. Es war nur ein Traum“, flüsterte Spike immer wieder und drückte Angel noch fester an sich, glücklich ihn halten zu dürfen. Das einzige Wesen, nach dem er sich seit 100 Jahren sehnte, lag in seinen Armen und nichts, absolut nichts, kam jemals auch nur annähernd an dieses wundervolle Gefühl heran.

Plötzlich begann Angel an Spikes Hals spielerisch zu knabbern, bevor er wild und stürmisch die Brust seines Childes mit Küssen zu bedeckte. Angels Hände wanderten dabei über Spikes nackten Rücken und erfühlten jeden Zentimeter der makellosen weißen Haut.

Spike warf den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und biss sich auf die Unterlippe, um nicht laut aufzustöhnen. Angel war bei seiner linken Brustwarze angekommen und neckte die kleine Wölbung mit seiner Zunge, schnalzte dagegen, saugte daran um gleich darauf auf der anderen Seite dasselbe zu machen. Der Blonde riss die Augen auf, ein Schauer rieselte seine Wirbelsäule entlang und sendete kleine Stromstöße direkt in seine Hoden, die sich schmerzhaft zusammen zogen.

Der blonde Vampir umfasste Angels Gesicht und sah ihm tief in die Augen, bevor sich seine Lippen den seinen näherten und er ihn unendlich zart küsste. Seine Zunge glitt heraus und teilte bittend die Lippen seines Sires, der sie willig für ihn öffnete. Spikes Zunge drang in Angels Mund ein, erforschte jeden Millimeter, bis er schließlich dessen Zunge anstupste, spielte, tanzte mit ihr, bis Angel sie zurückdrängte um dasselbe in Spikes Mund zu tun. Er ließ sich aus Bett zurücksinken und zog sein Childe mit sich. Ihre harten Erektionen prallten aufeinander, pulsierten und pochten.

Der Kuss wurde immer intensiver, stürmischer. Plötzlich riss Spike seine Lippen von Angels, rollte sich von dessen Körper und sprang aus dem Bett. „Das ist nicht gut. Du weißt nicht was du tust und ich zur Hölle auch nicht. Das ist alles … Blödsinn, nur die verdammten Hormone, oder so. Schließlich weißt du nicht wer du bist und hast wahrscheinlich nur irgendeinen Schwachsinn geträumt. Du warst gar nicht richtig wach und ich war halt gerade da, also hat es absolut nichts zu bedeuten“, sagte Spike mehr zu sich selbst, als zu Angel.

„Spike nein, ich glaube…“

„Klappe, Peaches. Es ist wie ich sage. Sobald du wieder bei Verstand bist, wird es dir peinlich sein, oder schlimmeres. Wir hassen uns. Und das war, das war… irgendwas… ich weiß auch nicht. Also was ich sagen will: Wir hassen uns… wie ich schon sagte... du mich und ich dich. So war es schon immer und es wird nie anders sein. Du hast geträumt ich war da und deshalb ist es passiert. Es hat nichts mit uns persönlich zu tun. Und jetzt schlaf. Ich gehe hinauf und versuche irgendeinen Hinweis zu finden, wie wir einen von deinen verdammten Menschen erreichen können, damit der Schwachsinn ein Ende hat und ich endlich von hier weg kann.“

Spike wusste, er hatte Recht. Angel war nicht er selbst, sonst wäre das niemals passiert und er, Spike hätte ihn nicht provozieren dürfen, indem er sich nackt seinem Sire präsentierte. Und es war auch falsch gewesen, ihn zu halten und zu küssen.

Doch in diesem Moment hatte er vollkommen abgeschaltet. Es war ein so wundervolles Gefühl gewesen, als Angel sich an ihn geschmiegt hatte, ihn zurück küsste.

Spike war unfähig gewesen zu denken, oder sich gar zu wehren. Er wollte nur noch in den Armen seines Sires versinken, ihn für alle Zeiten halten und ewig von ihm gehalten werden. Aber er wusste, das war alles nur Wunschdenken. Angel würde ihn nie wollen. Und Angelus? Auf den konnte Spike gut und gerne verzichten. Wütend stampfte er mit dem Fuß auf. Bloody hell, verdammt, zur Hölle. Warum war Angel in Sunnydale aufgetaucht?

Spike runzelte die Stirn. ‚Wieso hatte er sein Gedächtnis verloren? Da stimmt etwas nicht’, überlegte er erneut und die Alarmglocken schrillten wieder. Er hatte noch nie davon gehört, dass ein Vampir das Gedächtnis verloren hatte. Den Verstand? Ja. Aber das er nicht mehr wusste wer, oder was er war, das war verdächtig. Irgendein Zauber musste dahinter stecken. Nur welcher? Gab es da jemand, der Angel schaden wollte? Er hatte viele Feinde, das war schon mal sicher. Und wenn es so war, konnte er seinen Sire unmöglich alleine lassen. Nicht, dass er sich Sorgen machte. Warum auch? Es konnte ihm nur Recht sein, wenn Angel der Teufel holte, oder sonst wer. Aber sie waren Familie und hatten füreinander zu Sorgen, so waren nun mal die Regeln.

Gut, er war Angels Childe und eigentlich hatte Angel für ihn zu sorgen, aber der war ja nicht bei Verstand, also war es seine Aufgabe, sich um seinen Sire zu kümmern. Keine Frage. Jedoch nur, bis er sich wieder an alles erinnern konnte, keine Sekunde länger. Pfff, das hatte ihm gerade noch gefehlt, als ob er nicht selbst genug am Hals hätte, beziehungsweise im Kopf, durch den verdammten Chip. Jetzt musste er sich auch noch um seinen vollkommen orientierungslosen Angel kümmern. Sein Unleben war wirklich total beschissen.

Es war ihm so lange gelungen das Verlangen nach seinem Sire zu verdrängen und nun war dieser blöde Poof auf ihn angewiesen und er wusste nicht, wie er damit umgehen sollte, um mit dieser verzwickten Situation fertig zu werden.

Es wäre aber auch möglich, dass Angel oder Angelus, irgendwie war das für Spike fast dasselbe, eines seiner perversen Spiele mit ihm trieb, das galt es herauszufinden.

‚Wie auch immer, ich werde das Rätsel lösen. Und ich bin gut im lösen, von allem, also krieg ich das raus, weil, ich bin gut. Genau. Und wenn dann alles geklärt ist und ich meinen Spaß hatte, dann verlasse ich dieses bescheuerte Hotel mit dem sauberen Bett, der Dusche und dem Kabelfernsehen, vor allem dem Kabelfernsehen und gehe zurück in meine gemütliche modrige Gruft, mit schwarz-weiß Fernsehen, Dusche wenn es regnet, und nervigen Scoobies, die reintrampeln wann immer es ihnen passt. Wunderbar, ich kann's kaum erwarten’, dachte Spike knurrend und sah sich in der Lobby um. Er entdeckte das Büro und trat ein.

~*~

„Was war das jetzt? Bin ich völlig verrückt geworden? Wie konnte ich Spike küssen? Ich wollte doch nur… wie es sich für einen Sire gehört… und dann war er auf einmal da… und es war wundervoll… und nun ist alles so… Verdammt!“ Stöhnend ließ Angel sich aufs Bett zurück fallen. Und was noch schlimmer war, Spike hatte ihn zurückgewiesen. Sein Childe hatte es gewagt, den Sire zurückzuweisen. Das war ungeheuerlich und dafür musste er ihn hart bestrafen. Spike hatte kein Recht dazu. Er, sein Sire bestimmte, was wann zu geschehen hatte. Und Angel hätte sowieso nicht gewollt, es hatte sich nur irgendwie ergeben. Es war so wie Spike gesagt hatte, Angel hatte geträumt und…

Angel wusste natürlich, dass er sich etwas vormachte. Es war genau das passiert, was er sich insgeheim gewünscht hatte. Was sich seit vielen Jahren in seinem Hinterkopf eingenistet hatte. Er wollte Spike bei sich haben, ihn küssen, ihn halten und sich in ihn versenken. Er wollte, dass William wieder sein Childe war. Sein aufmüpfiges, stures, anschmiegsames und anbetungswürdiges Childe. Doch Angel hatte absolut keine Idee, wie er das anstellen sollte. Er konnte die Scharade mit seinem verlorenen Gedächtnis noch höchstens fünf Tage aufrecht halten. Dann war die Woche um und Cordy und Wes würden wieder zur Arbeit kommen.

Bis dahin musste er sich etwas einfallen lassen. Und wirklich gut war es bis jetzt nicht gelaufen. Sein anfänglicher Plan war kein Plan mehr. Es lief überhaupt nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte und das einzig positive war, dass Spike keine Telefonnummer finden würde, da es keine zu finden gab, weil Angel seine Mitarbeiter nur in Notfällen anrief und dann immer nur mit dem Handy.

Das war zum Glück in seiner Jackentasche und daher für Spike unerreichbar. Angel beschloss Wesley anzurufen, solange Spike noch oben war, um noch ein paar Tage länger mit Spike alleine sein zu können, weil er einfach mehr Zeit brauchte, um mit Spike ins Reine zu kommen.

„Was für ein verfluchter Laden ist den das hier? Bücher und Unterlagen über Dämonen, noch mehr Dämonen, Vampire, aber kein verdammtes Telefonverzeichnis“, maulte Spike vor sich hin und wühlte in den Papieren auf Angels Schreibtisch, bis ihm plötzlich ein Schreibblock in die Hände fiel. Verwundert erblickte er seinen Namen darauf. William und Spike stand in verschiedenen Variationen auf dem ersten Blatt und es war komplett voll geschrieben.

Die Namen waren unterschiedlich geschrieben, gerade so, als ob jemand gedankenverloren damit gespielt hatte. „Das ist Angels Büro und Angels Schrift, folglich? ...“, murmelte Spike und setzte sich um das Blatt genauer zu betrachten. Er nahm den Bleistift auf und fuhr die verschiedenen Linien nach, kritzelte selbst auf dem Block ein bisschen herum, bis er hoch schreckte. Was tat er da überhaupt? Er suchte eine verdammte Telefonnummer und wollte hier nicht zum Grübler mutieren.

Spike warf den Stift zur Seite und erhob sich rasch, bevor er ziemlich konfus den Block wieder mit den anderen Papieren zudeckte. Dann ordnete er den Schreibtisch wieder so, wie er ihn vorgefunden hatte und verließ Angels Arbeitszimmer, um wieder nach unten zu gehen. Als er den unteren Treppenabsatz erreichte, hörte er plötzlich Angel sprechen. Erstaunt blieb er stehen und spitzte seine Vampirohren.

„ … ja, sicher geht in Ordnung. Wes, mach dir keine Sorgen. Ich komme zurecht, du kannst nach New York… gut ich melde mich, sollte etwas sein... sicher. Und Cordy sagst du Bescheid, ja? Bye.“ Schnell schaltete Angel sein Handy ab und verstaute es wieder in seiner Jackentasche, bevor er sich zurück ins Bett legte.

„Wusste ich’s doch, dass du Spielchen treibst Angel. Oder soll ich besser Angelus sagen?“ Spike spürte wie kalte Wut in ihm hoch kroch, und beschloss, den Spieß umzudrehen, genauso fies, wenn möglich noch gemeiner zu sein, als sein Sire. Er wartete noch ein paar Minuten, um sich zu beruhigen, bevor er endgültig wieder die Wohnung betrat.

„Na los Angel, raus aus den Federn. Du hast Pflichten, die du, Gedächtnis hin oder her, nicht vernachlässigen darfst. Hier gibt’s jede Menge Dämonen… ist ja die Stadt der Engel“, meinte er spöttisch. „Friedhöfe haben sie hier auch genug. Sogar ich kenne da einen, also auf, du Helfer der Hilflosen. Ich hab Lust jemanden zu killen, und wenn du nicht willst, dass du es bist, den ich zu Staub verarbeite, dann beweg deinen Hintern. Ich gebe dir zehn Minuten, dann stehst du gestiefelt und gespornt in der Lobby.“ Spike drehte auf dem Absatz um und ging mit raschen Schritten wieder nach oben, bevor Angel antworten konnte.

„Du wirst dich wundern, mein Engel, das sag ich dir. Ich bin nicht mehr der kleine William, den du herumschubsen kannst. Ich habe viel dazugelernt und so hinterhältig wie du, bin ich schon lange“, murmelte Spike zornig vor sich hin, zog seine Zigaretten aus der Tasche und ließ sich in der Lobby auf das Sofa fallen.

‚Was hat er vor? Und zehn Minuten? Wer zur Hölle kann in der kurzen Zeit fertig sein? Und wie redet er überhaupt mit mir? Ich bin sein Sire und… ah Mist, momentan bin ich so gut wie gar nichts für ihn, aber ich hoffe das ändert sich bald, denn irgendwie passt mir das nicht so ganz, obwohl, ein Spike der mich umsorgt ist auch nicht schlecht. Eine Zeitlang zumindest, dann hab ich wieder das Sagen.’

Angel grinste leicht, schwang sich aus dem Bett und machte sich in aller Eile fertig. Schließlich wollte er seinen „Beschützer“ nicht zu lange warten lassen. Als er nach einer halben Stunde die Treppe hochkam, wartete Spike schon an der Tür. „Na, das hat ja gedauert. Aber du hast ja schon immer eine Ewigkeit gebraucht, um gut auszusehen.“

„Ich sehe also gut aus?“, fragte Angel leicht grinsend.

„Ja... nein... das habe ich nicht gemeint. Ich sagte nur, dass du lange brauchst, dabei hättest du es gar nicht nöt… Ah, was soll der Scheiß. Ist doch egal wie du aussiehst, wir gehen jagen, wen interessiert dein Anblick. Mich jedenfalls nicht, nicht die Spur. Nope.“

Verlegen riss Spike die Tür auf und stürmte hinaus. ‚Ich bin ein verdammter Meistervampir. Er kriegt mich nicht. Diesmal nicht. Dieses eine Mal ist es mein Spiel. Und er sieht scheiße aus. Jawohl. Seine Haare und alles. Und er hat ein bisschen zugenommen. Sieht gut aus, gerade an den richtigen Stellen. So richtig zum knuddeln und…’ Spike keuchte auf, erschrocken über seine Gedanken.

„Hey, alles in Ordnung?“ Besorgt strich Angel ihm über den Arm und blickte ihm in die Augen.

„Das du es weißt, du siehst scheiße aus und gar nicht zum knuddeln. Verstanden?“, knurrte Spike ihn an, bevor ihm bewusst wurde, dass er seine Gedanken laut ausgesprochen hatte.

„Was?“, fragte Angel und sah sein Childe verständnislos an.

„Äh... nichts, gehen wir endlich.“ Spike beschleunigte seine Schritte und dachte wütend: ‚Ich. Bin. Ein. Idiot.’

‚Ich verstehe manchmal noch immer nicht was er sagt, aber ich habe ihn durcheinander gebracht, und das ist schon mal gut’, schoss es dem dunkelhaarigen Vampir befriedigt durch den Kopf.

Endlich am Friedhof angekommen, begann Spike wieder zu sprechen. „Kannst du dich erinnern wie man kämpft?“ Er war neugierig, wie weit Angel sein Spiel treiben würde.

„Ich weiß nicht genau, was du meinst.“

„Okay, dann sieh zu und lerne von einem Meister“, bemerkte Spike großspurig und freute sich darauf, seinem Sire zeigen zu können, wie gut er geworden war.

Angel schmunzelte vor sich hin. ‚Ich weiß ja das er recht gut ist, aber Meister ist wohl mit Sicherheit ziemlich übertrieben. Der Angeber denkt doch nicht ernsthaft, an mich heran zu kommen.’

Doch als die ersten Vampire auftauchten und Angel sein Childe beobachtete, musste er erkennen, dass Spike wahrhaftig ein Meister geworden war und seine Hilfe überhaupt nicht brauchte, zumindest nicht in diesem Punkt. Und wie Angel bereits festgestellt hatte, ihn auch in anderen Dingen nicht brauchte. Panik stieg in ihm hoch. Wieso sollte ein Childe bei seinem Sire bleiben, wenn es ihn nicht mehr brauchte, und schon gar nicht liebte?

„So und jetzt du. Hey, Angel. Wach auf, jetzt ist keine Zeit zum Träumen. Da warten drei Reißzähne auf dich, mach schon.“ Spike gab Angel einen Schubs und riss ihn somit aus seinen Gedanken.

Dann lehnte sich der blonde Vampir mit verschränkten Armen an eine Marmorstatue um seinen *gedächtnislosen* Sire zu beobachten. Der zog automatisch einen Pflock und pfählte die drei übrigen Vampire nach kurzem Kampf mit Leichtigkeit.

„Okay, das war leicht“, bemerkte Spike abfällig.

„Was? Leicht? Was meinst du mit leicht? Schließlich waren das drei gegen einen und du könntest wenigstens...“

Spike unterbrach Angels entrüstetes Geplapper. „Stell dich nicht so an, du bist ein Meister und das ist für dich ein Klacks. So etwas machst du im Schlaf, mit, oder ohne Gedächtnis, das hast du im Blut. Erwarte kein Lob, denn ich hab von dir auch nie eines bekommen, früher meine ich. Wie sehr ich mich auch anstrengte, für den großen Angelus war es nie genug. Aber egal, lassen wir das. Deshalb sind wir nicht hier und außerdem ist das Vergangenheit. Wie auch immer, es ist deine Pflicht die Bösen zu vernichten und ich kille nun mal gerne. Menschen geht ja nicht mehr, aber wenigstens kann ich mich bei Dämonen austoben, was ja auch nicht schlecht ist. Also weiter geht’s. Vielleicht haben wir Glück und es prügelt dir irgendwer dein Hirn wieder rein.“

Nachdenklich ging Angel neben Spike her. Sein Childe hatte Recht. Angelus hatte William nie gelobt. Was immer er auch tat, mehr wie Spott oder abfällige Bemerkungen kamen nie über die Lippen seines Sires. Letztendlich hatte Spike es alleine geschafft zu überleben und so stark zu werden und sein Sire hatte dazu nicht wirklich etwas beigetragen. Er hatte ihn im Stich gelassen, also wie konnte Angel von ihm nun Anerkennung, Achtung oder gar Liebe erwarten, wo er ihn doch so enttäuscht hatte.

Das war absurd und absolut lächerlich. Verachtung und Hass, das war alles, was Spike ihm entgegen bringen würde und Angel verstand es. Er, an seiner Stelle, würde genauso handeln. Deprimiert und mit gesenktem Kopf starrte er vor sich hin.

„Na wunderbar, du grübelst wenigstens schon wieder, also kann es ja nicht mehr lange dauern, bis der alte Angel wieder da ist. Setz dich auf irgendeinen Grabstein. Hab keine Lust ständig auf dich aufzupassen, während ich diese Trottel da vorne zu Staub verarbeite. Ich erledige die alleine und dann ab nach Hause... ich meine, in dein zu Hause. Ich wohn da ja nicht. Zum Glück. Das fehlte noch. Mit dir zusammen. Grauenhafter Gedanke.“

Spike schubste Angel auf einen Grabstein und nötigte ihn sich zu setzen, während er sich mit Vergnügen auf zwei Vampire stürzte, um seinen Frust abzubauen. Kurz darauf klopfte er sich den Staub vom Mantel und kam zurück. Angel sah ihm mit großen, traurigen Augen entgegen.

„Was?“, fragte der blonde Vampir unsicher.

„Ach nichts.“ Angel blickte zu Seite und die Beiden gingen wortlos zurück ins Hotel.

„Ich gehe duschen“, war das Erste, was Angel sagte, als sie wieder in der Wohnung waren, und Spike lachte. „Schon wieder?“

„Wie meinst du das?“, fragte Angel irritiert.

„Du duscht andauernd und schon als Angelus hast du ständig gebadet, zu meinem Leidwesen gab es kein fließendes Wasser in den Häusern zur damaligen Zeit und warmes schon gar nicht. Ich Trottel schleppte eimerweise das Wasser, das ich vorher erwärmen musste in dein Zimmer, um die Wanne zu füllen.“ Spike verdrehte die Augen. „Und ständig hast du mich angeschnauzt. William achte auf die Temperatur. Wenn das Wasser nicht exakt 40° hat, kannst du die Peitsche gleich mitbringen. Bürste mir den Rücken, ordentlich. Sind die Handtücher vorgewärmt? Ich hasse es, wenn sie kalt sind.“, imitierte Spike Angelus Stimme.

„So bin ich nicht mehr“, verteidigte sich Angel kleinlaut.

„Ach? Bist du nicht? Aber wie auch immer. Das ist mir heute egal. Ich will nur so schnell wie möglich weg hier und hoffe, deine verdammten Menschen tauchen bald hier auf. Und das du es weißt: Heute schlafe ich nicht auf dieser verfluchten Couch. Ich werde in deinem Bett schlafen. Von mir aus kannst du dich dazulegen, ist ja groß genug das Ding, oder verrenke dir die Knochen auf dem schmalen Brett das du Sofa nennst, wie immer du willst. Und ich will endlich mein Geld.“ Spike hielt Angel demonstrativ seine offene Hand hin.

Der ging zum Nachttisch, öffnete die Lade und nahm einige Geldscheine heraus, die er dem blonden Vampir reichte.

Spike nickte zufrieden, steckte die Scheine in seine Manteltasche, drehte sich weg und ging in die Küche, während Angel seufzend das Badezimmer betrat.

Als Angel eine Stunde später frisch gewaschen ins Schlafzimmer kam, saß Spike mit nacktem Oberkörper auf dem Bett und hielt ihm eine Tasse frisch gewärmtes Blut entgegen. „Du musst essen“, nuschelte er und vermied es, seinen Sire anzusehen.

Der musste über sein aufmerksames Childe lächeln und nahm das Blut dankend entgegen. Als sie fertig getrunken hatten, nahm Spike beide Tassen und trug sie in die Küche, um sie auszuspülen.

Wenig später kam er zurück, zog ganz selbstverständlich seine Hose aus und legte sich nackt ins Bett. Er zog sich die Decke über den Unterkörper und blickte zu seinem Sire, der ihn anstarrte.

„Was ist? Kommst du jetzt ins Bett, oder was?“, fragte der blonde Vampir und zog seine vernarbte Augenbraue hoch.

„Äh... ich... na ja“, stotterte Angel.

„Na, wie auch immer. Ich schlafe jetzt.“ Spike drehte Angel den Rücken zu und grinste vor sich hin. ‚Mein Spiel, Angelus’, dachte er belustigt und schloss die Augen.

Angel schluckte, schloss kurz die Augen, um den erotischen Anblick seines perfekten Childes aus seinen Gedanken zu vertreiben. Er zog seine Boxershorts, die ihm ziemlich eng geworden war zurecht, und schlüpfte vorsichtig unter die Decke.