File 1: stories/1/67.txt
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Nach dem siebenten Glas beschloss Spike, nicht mehr nach Sunnydale zurückzukehren. Das war ihm viel zu nahe bei Angel, denn er wollte ihn auf keinen Fall jemals wieder sehen.

Die Welt war groß und Spike wollte schon lange einmal wieder nach Europa reisen. Gut, nicht wirklich, aber es schien ihm die einzige Möglichkeit, weit genug von seinem Sire wegzukommen. Nach der zweiten Flasche stand sein Entschluss endgültig fest. Er würde sich einen Frachter suchen. Dort konnte er sich im Laderaum versteckt halten, geschützt vor der Sonne. Wo auch immer er ankam, würde er sich auf einem gemütlichen Friedhof einnisten. Gruften gab es ebenso überall und eine war so gut wie jede andere. Außerdem war es ihm völlig egal wo er landete, denn der einzige Platz wo er sein wollte, war bei Angel. Spike hatte dieses Wissen fast einhundert Jahre lang verdrängt, aber er wollte sich nichts mehr vormachen. Seine ganze Sehnsucht galt seinem Sire, der ihn wieder betrogen hatte, der nach wie vor mehr Angelus, als Angel war und nur ein Spielzeug in ihm sah. Nicht, dass er Angel jemals wirklich kennen gelernt hatte. Aber die paar Tage hatten ihm genügt, um ihm klar zu machen, dass kein großer Unterschied zwischen den beiden war.

Deshalb war es schon besser dieses Land zu verlassen. Und noch etwas würde er tun. Es gab da etwas das wirklich half, wenn auch nur für eine kurze Zeit, um den Schmerz in seinem Inneren zu vertreiben.

~*~

Angel erhob sich rasch und schlüpfte in seine Jacke. Er wusste nun, was er tun musste. Er würde Spike suchen - und wenn er ganz L.A. nach ihm durchkämmen musste.

Und logischer Weise, würde er mit den Bars anfangen. Er kannte sein Childe. Wenn er Sorgen oder Kummer hatte, versuchte er ihn erst einmal zu ertränken.

Zielstrebig verließ Angel das Hotel, um zuerst die Bars in seiner nähren Umgebung abzuklappern. Überall sagte er geduldig seinen Spruch auf: „Ich suche einen Mann, mittelgroß, weißblondes Haar, schwarzer Ledermantel, Raucher.“ Doch wohin er auch kam, keiner hatte Spike gesehen.

Nach der zehnten oder zwölften Bar, Angel wusste es nicht mehr so genau, schrumpfte seine Hoffnung, aber er hatte sich vorgenommen sein Childe zu finden, und er war Ire, die waren für ihre Sturheit bekannt.

Der dunkelhaarige Vampir hatte noch gut zwei Stunden Zeit, bevor die Sonne aufging, also konnte er noch einige Kneipen abklappern.

Wieder trat er in eine Bar, steuerte den Tresen an und befragte den Keeper. Der sah von seiner Tätigkeit auf. „Blond? Schwarzer Mantel? Der hat eben Streit angefangen. Meine zwei Türsteher sind mit ihm hinten raus“, sagte der Barmann ungerührt und polierte weiter seine Gläser.

Angel rannte zum Hinterausgang, riss die Tür auf und trat ins Freie, als er auch schon sein Childe am Boden liegen sah, der von zwei bulligen Männern zusammengeschlagen und getreten wurde.

Voller Zorn stürmte Angel auf die beiden Schläger zu und riss sie von Spike weg.

Die gingen nun auf Angel los und er musste sich sehr beherrschen, um die Beiden nicht in der Luft zu zerreißen, als er sein geschundenes Childe blutend am Boden liegen sah.

Der Vampir streckte die Zwei mit ein paar kurzen, harten Schlägen nieder und beugte sich über sein bewusstloses Childe. Vorsichtig hob er ihn hoch und drückte ihn an sich, um mit ihm auf den Armen zurück ins Hyperion zu eilen.

„Gott William, was hast du denn jetzt wieder angestellt“, flüsterte er besorgt und versuchte zu verstehen, was Spike dazu bewogen hatte, sich mit Menschen anzulegen, obwohl er sich durch den Chip gegen sie nicht wehren konnte.

Im Hotel angekommen, trug er ihn in seine Wohnung und legte ihn vorsichtig auf sein Bett. Er entkleidete Spike und tastete den blutenden Körper ab, um ihn nach seinen Verletzungen zu untersuchen. Einige Rippen waren gebrochen und der rechte Arm war ausgekugelt. Platzwunden und Blessuren waren überall zu sehen und das linke Auge war völlig zugeschwollen.

Angel befasste sich zuerst mit Spikes Arm und als er ihn einrenkte, erwachte Spike mit einem Schrei aus seiner Bewusstlosigkeit. „Was zur Hölle? ...“, keuchte der blonde Vampir schmerzvoll auf und verstummte erschrocken, als er Angel vor sich sah.

„Angelus. Nein, bitte nicht, ich…“ Er versuchte sich aus dem Bett zu rollen, aber sein Sire drückte ihn sanft zurück.

„Shhh… schon gut little One, keine Angst. Ich werde dir nichts tun. Ich will dir helfen, ganz ruhig“, murmelte Angel leise, als er die Panik in den Augen seines Childes erkannte, die urplötzlich einen trotzigen Ausdruck annahmen.

„Ich brauche deine verdammte Hilfe nicht. Ich komme gut ohne dich zurecht und außerdem muss ich zum Hafen. Lass mich, ich will auf mein Boot“, krächzte er kraftlos und versuchte erneut aufzustehen, um jedoch stöhnend auf das Bett zurückzusinken.

„Du gehst nirgendwohin. Erst musst du wieder gesund werden, dann kannst du immer noch Boot fahren“, erklärte Angel bestimmt und strich seinem Childe zärtlich durchs Haar.

„Will jetzt auf mein Boot“, murmelte Spike stur, bevor er wieder in die Bewusstlosigkeit fiel.

Angel musste schmunzeln. „Erst mach ich dich sauber und verbinde dich und wenn es dir besser geht, wirst du mir erklären müssen, was das Ganze soll. Die Schlägerei und das mit dem Boot, mein Will.“

Angel erhob sich um Wasser, saubere Tücher und Verbandszeug zu holen. Dann begann er Spike vorsichtig zu waschen, verteilte Salbe auf seinen Wunden und legte Verbände an. Nachdem er ihn verarztet hatte, zog Angel sich selbst aus und legte sich neben sein Childe.

So würde er, sollte er einschlafen, sofort bemerken, wenn Spike sich rührte, oder, was er ihm durchaus zutraute, versuchen sollte, sich davonzuschleichen.

Die Sonne ging gerade auf und Angel wurde tatsächlich vom Schlaf übermannt, um einige Stunden später durch ein scharrendes Geräusch aufzuwachen. Er öffnete alarmiert die Augen und sah, wie sich Spike leise stöhnend, mühsam in seine Hose zwängte.

„Ich sagte doch, du gehst nirgendwo hin“, erklärte der dunkelhaarige Vampir ruhig, erhob sich, nahm den heftig protestierenden Spike auf die Arme und trug ihn zurück ins Bett.

Der begann zu zappeln und zu schimpfen. „Verdammt Angel, las mich runter, du hast kein Recht, und ich will...“

„Es ist mir egal was du willst und ich habe jedes Recht. Ich bin dein Sire und du tust, was ich dir sage.“ Angel wickelte Spike fest in eine Decke, sodass er sich kaum rühren konnte, legte sich zu ihm und hielt ihn fest. Spike zappelte weiter, soweit es seine Verletzungen erlaubten und keifte: „Du kannst Sire sein für wen du willst. Ich werde niemals, auf keinen Fall, nie wieder in meinem verdammten Unleben, kein einiges verfluchtes Mal *Sire* zu dir sagen. Damit du es weißt.“

Mit einem beleidigten Schmollmund starrte er an die Decke und hörte auf sich zu wehren, da ihm die Sinnlosigkeit, Angels starken Armen zu entkommen, bewusst wurde.

Angel lächelte auf ihn herab, und unterdrückte sein Verlangen, diesen wundervollen Schmollmund zu küssen. „Was auch immer du sagst, ich bin dein Sire, für ewig. Je früher du das du einsiehst desto besser für dich. Ich bin viel stärker als du, also sei brav, dann bringe ich dir Blut. Du musst wieder zu Kräften kommen. Und ich will wissen, was du dir dabei gedacht hast, dich mit Menschen anzulegen. Also?

„Das geht dich nichts an“, grummelte Spike und versuchte sich nicht allzu wohl in Angels Armen zu fühlen.

„Es geht mich sehr wohl etwas an, aber darüber reden wir später. Bleib still liegen. Ich hole dir zu essen.“ Angel erhob sich und ging in die Küche.

Spike wimmerte leise. Nicht vor Schmerzen, sondern weil die schützenden Arme seines Sires nicht mehr um seinen Körper lagen, doch er hatte nicht die Absicht, das jemals zuzugeben, weder sich selbst gegenüber - und schon gar nicht ein Wort davon an Angel zu verlieren. Auf keinen Fall. Nope.

Als Angel zurückkam, schaute Spike so böse wie möglich drein, trank aber gierig das erwärmte Blut, das Angel ihm an die Lippen hielt. Der holte ihm eine weitere Tasse mit Blut und als der blonde Vampir auch diese getrunken hatte, schloss er erschöpft die Augen.

„Schaf jetzt. In ein bis zwei Tagen, bist du wieder auf den Beinen.“ Angel stellte die Tasse weg, legte sich erneut neben sein Childe und zog ihn in seine Arme.

„Autsch, pass auf, du Trottel. Ich bin verletzt, schwer möchte ich betonen, und du hast Arme wie ein Schraubstock.“

„Tut mir leid, William, das wollte ich nicht“, meinte Angel erschrocken und lockerte seinen Griff. „Besser so?“

„Hm… ja. Nicht, das ich das will, hier liegen... in deinem Armen... meine ich. Es ist nur… weil ich verletzt bin, nur deshalb bist du stärker und kannst mich festhalten, denn wenn ich wieder ganz geheilt bin, hast du keine Chance, und dann werde ich...“

„Vergiss es Will, und ich bin immer stärker“, unterbrach in Angel bestimmt und schmunzelte.

„Hmm, gut vielleicht, aber ich bin schlauer.“

„Bist du nicht.“

„Bin ich doch, weil ich dich durchschaut habe, also habe ich gewonnen, denn ich bin klüger als du. Punkt“, murmelte Spike, ruckelte noch etwas näher an seinen Sire heran und schlief sofort ein.

„Aber sicher, William, natürlich bist du das“, flüsterte Angel lächelnd, drückte einen Kuss auf das blondierte Haar seines Childes und schloss ebenfalls die Augen.

Die nächsten zwei Tage und Nächte schlief sich Spike gesund, gefüttert und behütet von seinem Sire.

Als der blonde Vampir am letzten Abend, bevor Angels Leute wieder ins Büro kamen erwachte, blieb er ganz still liegen. Nicht weil er das wollte, aber er war ja fest in die Decke und in Angels Armen eingehüllt, daher blieb ihm ja nichts anderes übrig, versuchte er sich selbst im Gedanken zu rechtfertigen. Denn er wollte sich nicht eingestehen, dass er am Liebsten die nächsten hundert Jahre hier im Bett mit seinem Sire verbringen würde. Aber das hier neben ihm war seiner Meinung nach immer noch ein ‚wie-quäle-ich-Spike’ Angel, daher begann er mit trotziger Stimme zu sprechen. „Also, warum hast du mich gesucht und hierher gebracht? Aus Rache nehme ich an, weil ich den großen Angelus ausgetrickst habe. Legst du mich wieder in Ketten, um neue Foltermethoden an mir auszuprobieren, oder wie hast du dir das jetzt gedacht?“

„Nein, glaube mir Spike, ich habe mich geändert. Ich bin nicht mehr Angelus und will es auch nie mehr sein. Ich möchte, dass du hier bleibst, bei mir. Gib mit drei Monate, um dir zu beweisen, dass ich jetzt anders bin. Wenn du dann noch immer fort willst, werde ich dich nicht hindern.“

„Warum willst du mich auf einmal hier haben?“, fragte Spike misstrauisch, er verstand die Beweggründe seines Sires nicht.

„Ich will dich beschützen und für dich da sein. Du bist mein Childe.“

„Das fällt dir etwas spät ein. Ich glaube nicht, dass ich nach fast einhundert Jahren deinen Schutz noch brauche, oder ihn überhaupt will“, knurrte Spike wütend.

Angel seufzte. „Ja ich weiß, mir ist erst klar geworden, dass ich für dich viel früher hätte da sein müssen, als ich von dem Chip gehört habe. Ich habe auch gesehen, dass du ganz gut zu Recht kommst, mit Dämonen zumindest. Aber vor den Menschen, da kann ich dich beschützen und wenn es dir hier gefällt, könntest du mir bei der Dämonenjagd helfen, wir wären wieder eine Familie, und…“

„Wer sagt, dass ich das will und was erwartest du als Gegenleistung von mir? Denn wenn ich eins gelernt habe in meinem verdammten Unleben, dann dies, dass es nichts umsonst gibt. Also, wenn ich bleiben sollte, ich sage wenn, nicht das du dir einbildest ich würde es tun, schließlich wartet ein Boot auf mich, aber falls, was müsste ich tun?“

„Ich sagte schon, du könntest mir bei der Dämonenjagd helfen. Allerdings müsstest du auch versuchen mit meinen Menschen, die für mich arbeiten klar zu kommen. Sie sind mir wichtig. Es sind gute Leute, sie sind schon lange bei mir und absolut loyal. Du würdest hier bei mir in der Wohnung leben, kriegst ausreichend zu essen, Schweineblut natürlich und hast es sauber und warm. Wir könnten uns besser kennen lernen und so feststellen, ob wir miteinander klar kommen.

Doch wenn du versuchst mich zu hintergehen, wirst du die Konsequenzen tragen müssen. Allerdings musst du mich nicht Sire nennen“, beendete Angel seine Ausführungen.

„Würde ich auch nicht, dich Sire nennen, meine ich. Mit dem anderen kann ich leben. Vielleicht. Mal sehen“, nuschelte Spike. Beide schwiegen eine Weile, bis der blonde Vampir sagte: „Drei Monate also? Und ich entscheide? Wenn ich will, kann ich dann gehen und du wirst mich nicht aufhalten?“

„Ich werde dich höchstpersönlich zu deinem Boot bringen, was auch immer das heißen mag, das verspreche ich.“

„Okay, versuchen wir es. Wo werde ich schlafen?“ Spike entschied, dass es vielleicht nicht schlecht sein konnte ein paar Monate hier zu leben und sah seinen Sire mit großen, fragenden Augen an.

„Na hier, dachte ich“, antwortete Angel verwundert.

„Ahhh, das heißt also, ich soll mir als deine Hure meinen Aufenthalt hier verdienen, oder was?“, fragte Spike etwas spitz.

„Was? Nein, so habe ich das nicht gemeint. Keinen Sex, kein...Gott Spike, das ist nicht das, was ich will. Nur schlafen, das… das Bett ist groß genug und bequemer als die Couch, deshalb dachte ich... du kannst natürlich auch im Wohnzimmer, auf dem Sofa...“ Angel brach verlegen ab.

„Ach? Kein poppen also? Was war das dann gestern? Ich hab friedlich geschlafen, dachte an nichts Böses, gut ich dachte daran einen Menschen auszusaugen, aber das ist nichts Böses, ich bin schließlich ein Vampir, doch ich schweife ab. Also, ich schlafe friedlich wie gesagt, und plötzlich steckt mir so ein alter Dämon seine Zunge in den Hals und noch so einiges andere in meinen, wie ich sagen muss, ausgesprochen fantastischen Körper. Was also war das, Peaches?“ Spike sah seinen Sire fragend, mit hoch gezogenen Augenbrauen an.

„Das ...das... also das war... wie soll ich sagen, also das…“ Angel schnappte unnötig nach Luft, bevor er erwiderte: „Du hast dich ja nicht gerade gewehrt, hast dich auf mich gesetzt und gesagt du willst mich.“ Triumphierend sah er sein Childe an.

„Was hätte ich den tun sollen? Du hast mich ja im Schlaf überrumpelt, bevor ich es so richtig mitgekriegt habe“, konterte Spike und machte ein hochmütiges Gesicht.

„Das wusste ich nicht. Ich meine ich wollte es nicht und ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte. Alte Gewohnheit, wahrscheinlich. Es wird mit Sicherheit nicht wieder vorkommen, okay? Und jetzt muss ich duschen.“ Angel sprang aus dem Bett und rannte fast ins Badezimmer.

‚Was du nicht sagst. Es wird also nicht mehr vorkommen? Bloody hell, Angel, das träumst du nicht mal. Denn wie es mit deiner Beherrschung bestellt ist, habe ich ja gemerkt, schon am ersten Tag, als ich mich nach dem Duschen nur ganz unschuldig abgetrocknet hab. Da bist du schon vom Zusehen gekommen, ich hab’s gerochen. So sehr du dich auch bemüht hast es zu verstecken. Und letzte Nacht, Gott… ich brauchte gar nichts zu machen, einfach nur unwiderstehlich aussehen. Und wie wir beide wissen, darin bin ich echt gut. Schon Angelus konnte sich nicht zurückhalten. Und so wie es aussieht ist es bei dem guten Angel geht es noch leichter. Langsam denke ich es gibt doch einen Unterschied zwischen den beiden und das gefällt mir, Angel gefällt mir. Daher, wenn ich schon drei Monate da bleibe, will ich meinen Spaß.’ Spike kicherte leise und kuschelte sich tiefer in seine Decke, denn schließlich war er verletzt und musste sich noch schonen.

~*~

Angel stand unter der heißen Dusche und starrte vor sich hin. ‚Er wollte es nicht? Ich habe ihn überrumpelt? Das ist nicht das, was ich will? Kein Sex mit Spike? Was rede ich denn da. Natürlich will ich Sex mit ihm und wie ich diesen wundervollen Körper will. Ich möchte nichts anderes, als mich in ihm zu versenken, seine herrlichen Lippen küssen, seine wundervolle Haut schmecken. Ihn riechen und halten, immerzu.’ Angel seufzte frustriert. ‚Aber ich möchte dass auch er es will, aus freien Stücken. Also werde ich warten, bis er so weit ist. Ich bin sein Sire. Ich bin stärker als es körperlich und mental. Das sind die Vorteile die man als Sire hat, man ist immer und in Allem besser als sein Childe. Und das werde ich ihm beweisen. Er muss wissen, dass er sich auf mein Wort verlassen kann. Immer.’

Entschlossen begann Angel sich zu waschen, um wenig später vollkommen angezogen aus dem Badezimmer zu kommen. Als er sah, dass Spike fest schlief, betrachtete er ihn liebevoll. ‚Wenn er mich anblickt, mein William, mein Childe, seine Augen sind so voller Sinnlichkeit und Leidenschaft, dass ich schon hart werde, wenn ich in dieses atemberaubende Blau blicke. Ich dachte nicht, dass es so schwer sein würde ihm zu widerstehen, aber wir haben Zeit und ich habe es schon so lange ausgehalten. Ich darf nur nicht daran denken, wie ich in ihm war, wie er mich geküsst hat, wie er schmeckt und… nein ich werde nicht daran denken. Ich werde hinaufgehen und arbeiten, sehr viel und ununterbrochen arbeiten, denn wenn ich an seine duftende Haut… verdammt.’

Angel fluchte noch eine Weile lautlos vor sich hin und beschloss hinauf in die Lobby zu gehen. Seine Leute waren inzwischen aus ihrem Urlaub zurück und er wollte sie über die neue Situation zu informieren.

~*~

„Wes und Cordy waren nicht begeistert über Spikes Anwesenheit, als Angel ihnen sagte, dass er eine Zeit lang hier wohnen würde und Gunn tat seine Ablehnung lautstark kund. Angel bat sie um ihre Mitarbeit und Toleranz, erklärte, dass es seine Pflicht war, sich um sein Childe aus Familiengründen zu kümmern, und das sie nichts zu befürchten hatten, da er für Menschen keine Gefahr darstellte. Nachdem er auf sie eingeredet hatte, versprachen sie sich ihm zu Liebe zu bemühen, halbwegs friedlich mit Spike auszukommen.

~*~

Als Spike erwachte und realisierte wo er war, setzte er sich erschrocken auf und sah sich um. Er war allein und ließ sich mit einem erleichterten Seufzen zurück ins Bett sinken. Was war passiert in den letzten Tagen - und was passierte jetzt? Was sollte er tun? Wie sollte er sich verhalten? An Angel war so einiges anders als bei Angelus, das verwirrte ihn und machte ihm gleichzeitig Angst. Trotzdem fühlte es sich auch irgendwie gut an.

‚Doch Angel zu vertrauen wäre ein Fehler den ich bestimmt nicht mache’, beschloss Spike und stand auf, um erst einmal zu duschen, dann würde er weitersehen.

Drei Monate waren schließlich eine kurze Zeit, wenn man das aus Vampiraugen betrachtete und vielleicht war es ja auch ganz lustig den alten Poof so lange zu ärgern, bis er ihn, Spike vorzeitig hinauswarf.

‚Da gibt es sicher unerschöpfliche Möglichkeiten. Andererseits ist es schön in den Armen seines Sires zu liegen und ich könnte die Zeit einfach genießen, wenn ich schon zugestimmt habe und… Nein, das ist keine gute Idee', dachte Spike. ‚Womöglich gefällt es mir, und ich will bleiben. Dann wird sicher alles so wie damals. Ich muss für ihn den Trottel machen, weil er ja letztendlich doch mein Sire ist, auch wenn ich es niemals mehr zugeben oder sagen werde, egal was er mit mir macht, weil ich ihn nicht mehr als solchen anerkenne. Nein. Niemals. Auf keinen Fall. Nope.’

Der blonde Vampir schälte sich aus der Decke und ging unter die Dusche. Seine Wunden waren völlig verheilt und als er fertig war, zog er sich rasch an. Denn obwohl es schon März war, fror er in dem alten Gemäuer und Spike sehnte sich nach den schützenden Armen seines Sires. Sie hatten ihm in den letzten Tagen das Gefühl einer Wärme gegeben, die er sich schon seit hundert Jahren ersehnte, und er wurde wütend auf die Macht, die Angel in diesen wenigen Tagen über ihn errungen hatte. Deswegen stampfte er wie ein kleiner Junge mit dem Fuß auf, bevor er die Treppe zur Lobby hochstieg.

Angel hatte ihm erzählt, dass seine Menschen heute wieder zur Arbeit kommen würden und Spike wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen, sie, gezwungenermaßen, kennen zu lernen.