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Kapitel 2

(Von Silverbird)

„Du sammelst jetzt...äh ... Skulpturen?", fragte Wesley unsicher, als Angel die Steinfigur mitten in der Lobby abstellte.

„Nope, den hat Angel gewonnen. Beim Preisausschreiben des Schrebergartenvereins ‚Zum Dürren Ast‘. Das war der Trostpreis", murrte Spike und zog die Schultern angewidert hoch, was zum Teil an dem Zwerg, aber auch an den Glibber lag, der inzwischen in seinem Nacken trocknete.

„Du bist Mitglied in einen Schrebergartenverein?" Wesleys Stimme schwankte zwischen Verwunderung und Schock.

Spike verdrehte die Augen, erwiderte aber todernst. „Jepp, so etwas gibt's jetzt auch für Vampire. Wir buddeln nachts in der Erde rum und freuen uns dann irrsinnig, dass wir nicht sehen, wie alles blüht und gedeiht. Weil. Es. Nacht. Ist! Blödmann."

„Hör nicht auf das, was er sagt, Wesley. Und du Spike, geh duschen."

„Ja, Massa. Wie du wünschst, Massa." Spike murrte noch einiges vor sich hin, trollte sich dann aber, denn eine schöne heiße Dusche war wirklich das, was er jetzt am Dringendsten brauchte.

„Wir haben die Statue im Park gefunden", klärte Angel seinen Mitarbeiter auf. „Ich habe das Gefühl, sie hat was Mystisches an sich. Vielleicht kannst du herausfinden, ob es dazu irgendetwas in den Büchern gibt. Steinfiguren, Zwerge. Eventuell Verzauberung, Versteinerung, keine Ahnung, irgendetwas in der Art."

„Gut, aber ich glaube nicht...also in meiner langjährigen Erfahrung ist mir noch nie...obwohl, Versteinerung, da habe ich doch...wo war das noch gleich? Ja. In den Isonatexten. Ich glaube, da habe ich..." Wesley kramte schon in seinem riesigen Bücherstapel herum und Angel musste trotz seiner bleiernen Müdigkeit lächeln.

„Danke, Wes. Aber es muss nicht gleich sein. Der Tag bricht an. Geh nach Hause."

„Ja gleich, ich will nur nachsehen, ob es das richtige Buch ist." Wes fiel plötzlich auf, wie müde Angels Stimme klang und er schaute seinen Freund an. Angel sah wirklich fertig aus und Wesley sagte besorgt: „Geh schlafen, Angel, du siehst erschöpft aus. Du mutest dir in letzter Zeit zu viel zu. Vielleicht solltest du ein bisschen kürzer treten."

„Sag das den Dämonen. Ich habe das Gefühl, wenn wir einen erledigt haben, wachsen dafür zwei neue nach."

„Es wird nie aufhören, oder?", fragte Wesley bedrückt, doch Angel antwortete entschlossen. „Nein, das wird es nicht, aber das wird uns nicht daran hindern, weiter zu machen."

Wes nickte zustimmend „Nun ja, ich habe nichts anderes angenommen. Geh jetzt, ich schau noch rasch ob ich finde, was ich suche."

                                                               ~*~

Als Angel in die Wohnung kam, war Spike nirgends zu sehen. Auch die Dusche lief nicht. Angel warf einen Blick in das Schlafzimmer und stellte verwundert fest, dass Spike bereits tief und fest schlief. Das war ungewöhnlich, denn Spike war nach einem Kampf meist so aufgedreht, dass er oft Stunden brauchte, bis er endlich müde genug war, um schlafen zu gehen. 'Auch für ihn ist es in letzter Zeit zu viel geworden. Wir werden der ganzen Sache nicht mehr Herr und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir kapitulieren müssen', dachte Angel beklommen. Er befürchtete zu resignieren und seine Aufgabe nicht erfüllen zu können.

Zudem war es schlimm für ihn, sein Childe so erschöpft zu sehen. Der Sire in Angel wünschte sich sein Childe zu beschützen, ihm ein schönes Leben zu bieten und ihn glücklich zu sehen. Aber in letzter Zeit taten sie nichts anderes als kämpfen, in Büchern recherchieren und letztendlich völlig fertig ins Bett zu fallen.

Zu Angels Bedauern, benutzten sie das Bett auch nur noch zum Schlafen. Und während Angel sich auszog um zu duschen, dachte er darüber nach, wann sie das letzte Mal Sex gehabt hatten. Erschreckender Weise konnte er sich nicht mehr daran erinnern. Das versetzte ihm einen Stich im Herz und gleichzeitig fragte er sich, warum Spike überhaupt bei ihm blieb. Sie hatten eigentlich keine Zeit mehr füreinander. Wann hatten sie das letzte Mal einen Film angesehen und sich dabei mit Popkorn voll gestopft? Wann hatten sie das letzte Mal ein ganzes Wochenende im Bett verbracht, bei dem es nur um Sex und Blut ging? Angel wurde heiß bei diesem Gedanken, aber selbst seine Libido war zu müde, um zu reagieren. Er wusch sich rasch fertig, trocknete sich ab und fiel wenig später neben Spike ins Bett. Kaum, dass er die Decke über sich gezogen hatte, war er auch schon eingeschlafen.

                                                             ~*~

„Welcher Vollidiot hat diesen verfluchten Gartenzwerg mitten ins Wohnzimmer gestellt? Wenn ich diesen Trottel erwische, töte ich ihn, das schwöre ich." Weiter vor sich hinfluchend, auf einem Bein hüpfend und sich gleichzeitig den Fuß reibend, den er sich an der Statue gestoßen hatte, schaute Spike den Zwerg grimmig an.

Von Spikes Gezeter aufgeweckt kam Angel aus dem Schlafzimmer, die Haare verstrubbelt und die Augen noch halb geschlossen. „Was ist passiert? Alles okay mit dir?", fragte er sein Childe besorgt.

Beim Anblick seines Sires vergaß Spike seinen schmerzenden Fuß sofort. „Bloody hell, siehst du heiß aus. Ich will dich, sofort." Wie ein Raubtier schlich er auf Angel zu.

„Angel? Ich habe da etwas gefunden, was diverse Versteinerungen betrifft." Rief Wesley und eilte die Treppe zu Angels Wohnung hinunter.

„Er ist so was von tot. Dieser verfluchte Wächter und sein beschissenes Timing ist mir ein Mord wert. Oder ich stopfe ihm seine vermaledeiten Bücher dorthin, wo er..."

Angel seufzte. „Beruhige dich, Spike. Es ist meine Schuld. Ich habe ihn gebeten, wegen des Steinzwergs zu recherchieren. Wir holen es nach. Versprochen."

„Aber sicher, am Sankt Nimmerleinstag vermutlich." Spike versetzte der Statue einen wütenden Tritt und jaulte sofort auf, als sein Fuß erneut Bekanntschaft mit dem harten Stein machte. Daraufhin keifte er den Steinzwerg an. „Blödes Monstrum. Jetzt hol ich einen Vorschlaghammer und verwandle dich in Sand, damit du es weißt."

Angel presste die Lippen zusammen, denn jetzt zu lachen, hielt er für äußerst ungünstig.

Während Spike davon humpelte, tauchte Wesley in der Tür auf, ein aufgeschlagenes Buch in der Hand. „Die Sage der Medusa ist ja hinlänglich bekannt. Dann gibt's noch den Hahn von Obesk, diese Geschichte verhält sich ähnlich wie die von Medusa. In unserem Fall kommt beides eher nicht in Frage. Aber...", Wes trat nahe an Angel heran und zeigte auf eine bestimmte Stelle in dem Buch. „Hier steht etwas von einem Fluch, der im Land der kleinen Leute vor vielen Hundert Jahren angewandt wurde, um Abtrünnige abzuschrecken und... „Elorana Basum", das konnte ich noch nicht übersetzen. Aber sobald es mir gelungen ist, wissen wir sicher mehr."

Plötzlich lugte Spike um die Ecke des Türstocks. „Hast du einen an der Klatsche? Du störst uns für NICHTS? Mach dich vom Acker, aber hurtig und nimm diesen verfluchten Gartenzwerg mit, dann kannst du ihn ja fragen was Elorana Basum heißt, denn ich verrate es dir bestimmt nicht. Und jetzt RAUS!"

Spikes Kopf verschwand wieder und Wesley schnappte vor Aufregung nach Luft und rief: „Du weißt es? Woher? Spike?"

Da der Vampir nicht antwortete, bewegte sich Wes in Richtung Schlafzimmer, doch Angel hielt ihn auf. „Spike ist im Moment ein wenig überdreht. Es ist besser, ich gehe und frage ihn."

„Jepp, und Spike hat ein Vampirgehör, also hört auf, über mich zu reden, als wäre ich nicht anwesend. Und, um dich ganz genau aufzuklären, Wesley Wyndam-Pryce, bald toter Ex-Wächter. Denn, wenn du nicht auf der Stelle verschwindest, wird dich der Vampir mit dem Supergehör killen, weil er notgeil ist, da er seit Wochen KEINEN Sex hatte. Ist das jetzt endlich angenommen?"

„Ähm..." Angel schaute betreten zur Seite und offenbar war es auch Wesley unangenehm, über das nicht vorhandene Sexleben der beiden Vampire aufgeklärt zu werden. Daher war es ihm sehr recht, dass Angel sagte: „Warte einen Moment. Ich frage Spike rasch wegen dieses Elorana Basum", und schon eilte er davon.

Wesley betrachtete den Steinernen Zwerg inzwischen eingehend, während Angel ins Schlafzimmer ging und die Tür hinter sich schloss.

„Er ist noch immer nicht weg, ich kann ihn riechen", maulte Spike sofort.

„Spike, bitte."

„Bitte was? Ist es denn zu viel verlangt, wenn ich dich will? Dann sag es einfach. Kein Problem, ich finde jederzeit jemand anderen. JEDERZEIT. Verstehst du?"

Angel spürte, dass Spike kurz davor war überzuschnappen und er konnte es gut verstehen, denn es ging ihm selbst nicht anders. Sie waren beide völlig fertig. Durch die vielen Dämonen, die plötzlich in L.A. auftauchten, hatten sie überhaupt kein Privatleben mehr und das zehrte nicht nur an ihren Nerven, sondern langsam, aber sicher auch an ihrer körperlichen Kraft. Trotzdem meldete der innere Dämon Angels seinen Besitzanspruch sofort, und er packte Spike grob an der Kehle. „Du bist MEIN. Vergiss das nie", knurrte er warnend und küsste sein Childe hart.

„Geht doch", grinste Spike, nachdem Angel ihn losgelassen hatte und küsste ihn ebenso stürmisch zurück. Beide begannen unnötiger Weise zu atmen, rieben ihre Leiber aneinander und strichen mit ihren Händen über den Körper des jeweils anderen.

„Ähm...Angel? Weißt du jetzt, was diese Worte bedeuten?" Bei Wesleys Frage zuckten die beiden Vampire zusammen, Spike wand sich aus Angels Armen und stürmte mit einem animalischen Knurren zur Tür. Noch bevor er sie aufreißen konnte, hatte Angel sein Childe erreicht und packte ihn an den Armen. Schnell drehte er ihn herum und küsste ihn besänftigend. „Ich wimmle ihn ab und dann gehöre ich ganz dir. Versprochen."

Noch ein weiterer rascher Kuss, ein Blick aus sanften braunen Augen und schon war Spike beruhigt.

„Okay, aber wenn er noch einmal stört, kille ich ihn, ohne Umschweife", murmelte Spike, bevor er erklärte: „ Elorana Basum" bedeutet soviel wie Fluch des Zauberers. Sag das dem Trottel, damit er endlich verschwindet."

„Woher weißt du das? Ach egal. Was bedeutet es denn?", wollte Angel wissen.

„Woher, zum Teufel, soll ich das wissen? Der Wächter soll es rauskriegen, dann hat er wenigstens zu tun. Los jetzt, sag's ihm und schmeiß ihn raus", forderte Spike seinen Sire mit Nachdruck auf. Angel nickte und verließ das Schlafzimmer.

Während Angel mit Wesley redete, zog sich Spike aus und legte sich voller Vorfreude auf das breite Bett. Er probierte verschiedene Positionen aus, um seinen Körper perfekt zur Geltung zu bringen, beschloss dann aber, ohnehin immer gut auszusehen. Daher war es egal, wie er sich hinlegte, Angel würde ihm auf keinen Fall widerstehen können, das war klar.

Angel hatte Wesley inzwischen klar gemacht, dass er und Spike noch ein paar Stunden Ruhe benötigten, auch wenn sie beide wussten, welche Art von Kräfte raubender Ruhe das war.

„Sobald ich ausgeschlafen habe, besprechen wir alles weitere."

„Gut, Angel. Zwar kann ich mit Spikes Information nicht viel anfangen, aber ich versuche mein Bestes."

„Das weiß ich, Wes, tust du ja immer. Und wegen Spikes Ausraster, du kennst ihn ja, er meint es nicht so."

'Doch, tut er, dachte Spike böse grinsend, da er natürlich jedes Wort mitgehört hatte. Aber als Angel Sekunden später durch die Schlafzimmertür kam, stehen blieb und sich langsam begann auszuziehen, war Spikes Groll auf Wesley mit einem Schlag verschwunden. Mehr noch, er hatte keine Ahnung, wer Wesley überhaupt war.

Angel ließ sich mit jedem Kleidungsstück Zeit, denn er wusste, wie sehr Spike diese Show genoss und bald darauf konnte er es auch an einer bestimmten Region Spikes sehen, wie Angel schmunzelnd feststellte.

Nachdem auch die Boxershorts gefallen waren und Spikes Augen voller Lust funkelten, ging Angel betont langsam auf das Bett zu.

„Das reicht, komm her. Sofort", verlangte der blonde Vampir und Angel ließ sich das nicht zweimal sagen. Sich mit seiner ganzen Länge auf Spike legend, fing er an, sein Childe zu küssen, erst sanft, dann immer heftiger.

Begierig kam Spike Angel entgegen, wand sich unter dem Körper seines Sires, seufzte zufrieden und stöhnte leise, als sich ihre Körper aneinander rieben.

„Hallo? Ist hier jemand?" Eine piepsige Stimme ließ die beiden Vampire erstarren.

„Wer auch immer das ist, ich bringe ihn um. Und wenn du jetzt gehst, kille ich dich auch", drohte Spike wütend und schaute Angel so böse an, dass der das sofort glaubte. Trotzdem entgegnete er. „Schau Spike, wir helfen nun mal den Hilflosen und..."

Spike unterbrach seinen Sire schnaubend. „Ich bin auch hilflos und schau erst mal, wie hilflos klein Spike ist, ihm kommen schon die ersten Tränen." Spike deutete auf seinen Unterleib, doch Angel vermied es, dort hin zu sehen, denn das würde er nicht verkraften, da war er sich sicher.

„Hallo?", hörten sie die Frage erneut aus dem Wohnzimmer und inzwischen klang die Stimme noch ängstlicher als zuvor.

„Okay, gehen wir nachsehen", entschied Spike und Angel liebte ihn dafür. Spike war ein Polterer, aber im Grunde ein herzensguter Kerl, auch wenn er eher durch die Hölle gehen würde, als das zuzugeben.

Angel rollte sich von Spikes Körper, was dem einen erneuten unmutigen Laut entlockte. Doch auch Spike stand auf und schlüpfte rasch in seine Jeans, folgte Angel aber erst, nachdem er sich eine Zigarette angezündet hatte.

Angel hütete sich, darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Auch wenn er es sonst nicht erlaubte, dass sein Childe im Haus rauchte, heute tolerierte er es und hakte es als einmalige Beruhigungszigarette ab.

Als die beiden Vampire ins Wohnzimmer kamen, schaute ihnen ein ängstliches Augenpaar entgegen, das einem sehr lebendigen, wenn auch nach wie vor grauen Zwerg gehörte.

„Bloody hell", murmelte erstaunt Spike und Angel konnte dazu nur nicken.

„Wer sind Sie? Und wo bin ich hier?", wollte der Kleine wissen und wich vor den beiden Vampiren zurück, gleichzeitig nach einem Fluchtweg Ausschau haltend.

„Keine Angst, wir tun dir nichts", versuchte Angel den Zwerg zu beruhigen und hielt seine Hände offen nach oben.

„Wir haben dich im Park gefunden, allerdings warst du da noch tot. Stein, na du weißt schon. Jedenfalls, Angel, das ist der hier", Spike deutete aus seinen Sire, „er konnte es nicht lassen, dich mitzunehmen. Aber jetzt lebst du ja wieder, also kannst du verschwinden."

Der Zwerg seufzte zum Gotterbarmen. „Ich würde nicht weit kommen. Es ist zwölf Uhr Mittag, richtig?"

Als die beiden Vampire unisono nickten, seufzte der Zwerg erneut. „Dann bleiben mir genau 30 Minuten, dann werde ich wieder zu Stein."

„Erkläre uns das genauer", verlangte Angel, holte dem Kleinen einen Fußschemel, damit er sich setzen konnte. Dann setzte sich Angel auf die Couch und schaute den Zwerg auffordernd an.

„Mein Name ist Elzachiel und ich...ich wurde verflucht", erklärte der Zwerg und ließ traurig die Schultern hängen.

„Und du wirst jeden Tag nur eine halbe Stunde lebendig?", fragte Spike und kam ebenfalls näher.

Der Zwerg nickte bedrückt. „Ja, und das schon seit 85 Jahren, denn bisher konnte mir keiner helfen, dass der Fluch aufgehoben wird."

„Wir werden versuchen, dir zu helfen, aber dazu müsstest du uns mehr Informationen geben. Erzähl uns einfach alles, was du weißt", verlangte Angel und schaute Elzachiel freundlich an.

„Hey, es dauert nur noch 20 Minuten, dann ist er wieder Stein und wir könnten endlich poppen." Spike wackelte mit den Augenbrauen und grinste Angel an.

Der schaute sein Childe erschrocken an. „ Spike! Wir sind nicht allein."