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Kapitel 4

(silverbird)

Spike und Angel hatten den Steinzwerg nach oben getragen und Wesley und Angel saßen  nun in der Lobby und warteten gespannt darauf, dass Elzachiel aufwachte.

Spike hatte sich ins Schlafzimmer verzogen und beschlossen, noch eine Runde zu schlafen, weil er, wie er Angel gegenüber behauptete, dringend einen noch längeren Schönheitsschlaf brauchte.

Den wahren Grund verschwieg der blonde Vampir allerdings, denn der war schlicht und einfach, dass ihn das endlose Gelaber, das sicher bald stattfinden würde, auf die Nerven ging.

Er, Spike, würde über alles ohnehin informiert werden, daher gab es keinen Grund für ihn auf seine Lieblingsserie zu verzichten. Das hatte er in den letzten Monaten oft genug wegen der Übermacht der Dämonen machen müssen. Und so stellte er sich schlafend, bis Angel nach oben gegangen war, dann schnappte er sich die Fernbedienung, machte es sich im Bett gemütlich und schaltete das Fernsehgerät ein.

                                                                ~*~

Inzwischen beobachteten Wes und Angel fasziniert, wie in dem steinernen Zwerg langsam das Leben erwachte. Es dauerte gut zehn Minuten, dann schlug Elzachiel die Augen auf und versuchte sich zu strecken. Anschließend machte er ein paar tapsige Schritte, gab aber dann frustriert seufzend auf, da er kaum von der Stelle kam.

„Da bist du ja wieder", sagte Angel, um Elzachiel abzulenken und gleichzeitig seine Aufmerksamkeit zu erlangen.

Der Zwerg drehte sich erschrocken um. Er war es nicht gewohnt, bemerkt zu werden und erinnerte sich erst jetzt wieder an den letzten Tag. „Mein Gehirn braucht auch schon länger, um sich zu erinnern", seufzte er, als er plötzlich Wesley bemerkte. „Wer ist das?", fragte Elzachiel sofort misstrauisch.

Wes erhob sich und streckte dem Zwerg automatisch seine Hand entgegen. „Gestatten, Wesley Wyndam-Pryce. Mitarbeiter von Angel - Investigations, wir helfen..."

„Ein Freund von mir und mein Mitarbeiter", unterbrach Angel seinen Freund. „Er wird uns helfen, dein Problem zu lösen."

„Auch sehr erfreut", entgegnete Elzachiel. Er hob seinen Arm, der bei der Bewegung bedenklich knirschte und versuchte ein Lächeln, das kläglich misslang.

„Es tut mir Leid, aber wir sollten zum Punkt kommen, wir haben nicht viel Zeit", meldete sich Angel wieder zu Wort und Wes nickte. „Wir haben uns Folgendes überlegt. Wie wäre es, wenn wir diesen Eliseus Beningus einen Tausch anbieten?"

Der Zwerg wiegte überlegend den Kopf hin und her, sodass er knirschte und Angel befürchtete schon, er würde abfallen. Zum Glück war dem nicht so.

„Generell sammeln unsere Völker alle möglichen Schätze und das mit Leidenschaft. Mein Vater zum Beispiel, hat eine beachtliche Sammlung der schönsten und seltensten Federn aus unserem und auch anderen Reichen. Er wird bewundert und beneidet ob dieser Kleinode." Elzachiel seufzte wieder einmal tief traurig. „Diese wunderbaren Kleinode wären einmal mein Erbe geworden. Doch daraus wird jetzt wohl nichts mehr werden."

„Das kann immer noch passieren, wenn wir den Fluch aufheben können, beziehungsweise Beningus dazu bringen, es zu tun", versuchte Angel den Kleinen zu trösten. „Was weißt du über ihn? Was wünscht er sich am meisten?"

„Leider weiß ich nicht viel über das Familienoberhaupt der Beningus. Mich hat nur seine Tochter interessiert", gestand der Zwerg verlegen.

„Toll, wenn er ans Poppen denkt, regt sich keiner auf, aber, wenn ich..."

„SPIKE!", riefen Wesley und Angel gleichzeitig peinlich berührt aus, was Spike überhaupt nicht verstehen konnte. „Was? Ist doch so."

„Wieso bist du denn schon aufgestanden? Du hast doch behauptet, ausschlafen zu wollen."

Angel schaute sein Childe prüfend an und der zuckte mit den Schultern. „Passions war..." Spike bemerkte, dass er sich gerade verplapperte und schwenkte schnell um. „Das, was ich von Passions geträumt habe, war ein derartiger Mist, dass ich davon aufgewacht bin. Also dachte ich, wenn ich schon wach bin, kann ich ebenso gut helfen. Ich helfe gerne, wie du weißt. Außerdem kriegt ihr ohne mich das sowieso nicht hin." Um seine Worte zu unterstreichen, setzte er einen selbstsicheren Gesichtsausdruck auf und ließ sich lässig auf das Sofa fallen.

Angel seufzte, wollte sich aber jetzt auf keine Diskussion mit seinem Childe einlassen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. „Also gut, dann informiere ich dich kurz."

„Schon alles mitgekriegt. Ihr wollt den alten Eliseus mit irgendwelchem Tand bestechen", brachte es Spike auf den Punkt, zumindest aus seiner Sicht.

„Nun, so würde ich das nicht ausdrücken", warf Wesley ein.

Spike verdrehte die Augen. „Ach ja, ich vergaß. Der vornehme Engländer würde sich gewählter ausdrücken und es Warenaustausch oder geschäftliche Transaktion nennen."

Wesley ging nicht auf Spikes Bemerkung ein, denn es war zu wichtig, eine Lösung zu finden. Daher verfielen alle Anwesenden in dumpfes Brüten, wie Spike sagen würde. Aber selbst der blonde Vampir verhielt sich still und dachte über einen Plan nach.

Das taten sie gute 20 Minuten, bis Elzachiel sich zu Wort meldete.

„Ähm...wenn ich unterbrechen dürfte. Ich habe nur noch knapp fünf Minuten, bevor ich wieder..." Elzachiel schaute die Drei verzweifelt an und Angel ergriff wieder das Wort. „Da du uns über Beningus nichts Genaues sagen kannst, bleibt uns nur ein Weg, wir müssen in deine Heimat, um dein Problem zu lösen."

„Na toll", brummte Spike und Elzachiel rief erschrocken: „Das könnt ihr nicht machen. Was, wenn..." mehr erfuhren die Drei nicht, denn der Zwerg versteinerte sich in diesem Augenblick.

                                                                ~*~

„Hölle, ist der schwer. Dass so ein kleiner Steinbrocken so ein Gewicht haben kann. Jetzt leg doch den blöden Zettel weg, den Spruch musst du doch inzwischen schon in- und auswendig können, und hilf mir gefälligst. Oder mach wenigstens die Tür auf, damit ich das Monstrum endlich abstellen kann", verlangte Spike schnaufend.

Angel sah von dem Zettel hoch, den Wesley ihm mitgegeben hatte und auf dem der Zauberspruch stand, mit dem sie in das Reich der Zwerge gelangen sollten. Rasch steckte er das Stück Papier in seine Manteltasche und öffnete die alte Holztüre, damit Spike Elzachiel in die Hütte tragen konnte.

                                                             ~*~

Nachdem der Zwerg wieder zu Stein geworden war, hatten Angel, Spike und Wesley beschlossen, dass sie nur im Zwergenreich genauere Informationen über Eliseus Beningus erhalten würden.

Daher waren Angel, Spike und natürlich der steinerne Elzachiel gleich nach Sonnenuntergang nach Burbank aufgebrochen. Nach ein paar Stunden hatten sie die alte Hütte erreicht, die als Portal diente, um in Elzachiels Heimat zu gelangen. Elzachiel hatte allerdings den Vorteil, getragen zu werden, sehr zum Unmut Spikes, dem die lange Latscherei durch den Wald ziemlich auf die Nerven gegangen war. Nun aber hatten sie endlich ihr Ziel erreicht und Spike stellte den Zwerg neben dem verfallenen Kamin ab.

„Okay, nun sag endlich dein Sprüchlein auf, damit wir den Scheiß so schnell wie möglich hinter uns bringen." Spike zündete sich eine Zigarette an und inhalierte den Rauch tief. Noch bevor er ausatmen konnte, standen sie auch schon vor dem See mit dem niederen Wald, genauso wie bei ihrem letzten Aufenthalt in der Zwergenwelt.

„Und da sind wir auch schon. Nur der keifende Onkel von unserem Steinchen hier fehlt. Aber den werden wir noch früh genug zu Gesicht bekommen, leider. Wie genau, war noch dein Plan?" Spike schaute seinen Sire fragend an und der schnaubte. „Ich möchte nur ein einziges Mal erleben, dass du mir zuhörst."

„Mach ich doch. Mir sind nur die Details entgangen", entgegnete Spike unschuldig, während er seine aufgerauchte Zigarette auf den Boden warf und austrat.

„Wie auch immer, wir sollten uns jetzt auf den Weg ins Dorf machen. Elzachiel lassen wir besser hier. Erst sondieren wir die Lage und bringen in Erfahrung, was seine Leute von seinem Verschwinden wissen."

Spike nickte zu Angels Vorschlag und die beiden trabten los.

Im Dorf angekommen, wurden sie sofort von den männlichen Zwergen umringt, die sie misstrauisch anschauten. Einer von ihnen fragte nach ihrem Begehr und Angel verlangte,  zu Zecail gebracht zu werden.

Die Gruppe führte die beiden Vampire zu Zecails Haus und beide mussten ihren Kopf einziehen, um durch die niedrige Tür zu gelangen.

Zecail stand mir verschränkten Armen im Zimmer und schaute ihnen misstrauisch entgegen. Ebenso die Frau an seiner Seite, die, wie die beiden Vampire richtig vermuteten, Zecails Ehefrau war.

„Hallo Kumpel", begrüßte Spike den Zwerg. „Wir waren gerade in der Nähe und dachten, wir schauen wieder mal vorbei, um zu sehen, wie es euch und euren Bärten so geht. Was gibt's Neues? Hochzeiten? Taufen? Versteinerungen? Oder nur der übliche Kram? Und wie war der Kampf?"

Spike holte seine Zigaretten und sein Zippo aus der Tasche. Gerade, als er sich einen Glimmstängel anzünden wollte, riefen Zecails und Angel gleichzeitig: „Nicht hier, Spike!"

„Überall das Gleiche", maulte Spike, verdrehte die Augen, und steckte seine Rauchutensilien wieder weg.

„Was ist die wahre Absicht eures...Besuches?", wollte der Zwerg wissen, da ihm klar war, dass die beiden Vampire nicht ohne Grund hier auftauchten.

Angel ergriff das Wort. „Vor ein paar Tagen hatten wir eine ungewöhnliche Begegnung, die, wie sich herausstellte, etwas mit euch zu tun hat. Wir haben lange überlegt und sind zu dem Schluss gekommen, dass..."

„Es geht um deinen Neffen Elzachiel", unterbrach Spike seinen Sire unumwunden, da ihm das langatmige Gelaber Angels auf die Nerven ging.

„Was wisst ihr über meinen Neffen?", fragte der Zwerg aufgeregt. „Er ist vor über 80 Jahren verschwunden."

„Nun, wir haben ihn gefunden", entgegneten Angel und Spike zustimmend.

„Setzt euch, setzt euch", forderte der Zwerg die beiden nun sehr freundlich auf und rückte zappelig zwei kleine Stühle zurecht. Die beiden Vampire setzten sich zaghaft. Zu ihrer Verwunderung hielten die Stühle ihr Gewicht aus, trotzdem saßen sie mehr als unbequem auf den kleinen Sitzflächen.

„Bring uns Tee, Frau", bat Zecails seine Ehefrau. „Oder wollt ihr etwas Stärkeres? Wir haben auch Kumquatschnaps."

„Ich nehme den -was immer er auch ist- Schnaps", sagte Spike sofort.

Die Frau nickte und wuselte rasch davon.

„Wir haben meinen Neffen jahrelang gesucht, aber keine Spur, die wir hin und wieder hatten, führte zu einem Ergebnis und jetzt kommt ihr, behauptet, ihn gefunden zu haben. Erzählt, ich will alles wissen. Aber zuerst, wo ist er?"

Noch bevor einer der beiden Vampire antworten konnte, kam die Frau zurück und stellte ein Tablett auf den Tisch. Sie schenkte Tee und Schnaps ein und stellte auch einen Teller mit Keksen auf den Tisch.

„Esst, trinkt. Also, wo ist er?" Zecail beugte sich angespannt über den Tisch und konnte die Antwort offensichtlich kaum erwarten.

„Im Wald. Allerdings gibt es da ein kleines Problem", antwortete Angel und nahm mit zwei Fingern die winzige Tasse auf.

„Ein Männlein steht im Walde, ganz still und stumm, um ein altes Kinderlied zu zitieren", giggelte Spike und griff nach der Schnapsflasche. Kurz sah er sie prüfend an und nahm dann direkt einen kräftigen Schluck, das Glas war ihm doch zu klein. „Guter Stoff", stellte er zufrieden fest und trank erneut.

Zecail zog warnend die Augenbrauen zusammen. „Keine dummen Scherze auf Kosten unseres Volkes, sonst werde ich ungemütlich. Ich denke, du erinnerst dich gut an das letzte Mal?"

„Schon gut, bloß keinen Stress", wiegelte Spike rasch ab, denn er hatte wirklich keine Lust, wieder als Eichhörnchen herumzurennen.

Angel, der befürchtete, dass durch Spikes Ansagen die Sache wieder eskalieren könnte, sagte rasch. „Spike hat leider nicht ganz Unrecht. Ihr Neffe kann sich im Moment nicht bewegen."

„In zehn Minuten schon, aber dann nur kurz", brummelte Spike und nahm einen erneuten Schluck aus der Flasche.

„Was soll das unverständliche Gerede. Sagt mir endlich, was mit meinem Neffen ist." Zecail wurde offensichtlich ungehalten, doch bevor Angel zu einer genauen Erklärung ansetzen konnte, sagte Spike: „Der gute Elzachiel ist jetzt ein versteinerter Gartenzwerg."