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XXXIX. Telling everybody 

Tellin` everybody

Tellin`everybody what we did last night

Tellin` everybody

You`re the reason why I had a good time 

( Human Nature, Telling everybody ) 

Er hatte keine Ahnung, wann es angefangen hatte, aber nach der schmerzhaften Erfahrung der ersten Verwandlung war Draco ganz froh, als er irgendwann nachts in seinem eigenen Körper aufgewacht war. Es war wirklich ein irres Erlebnis gewesen, für einige Stunden ein Mädchen zu sein, aber ihm war sehr viel wohler, als bei einem Griff unter die Decke alles wieder an seinem Platz gewesen war. Daraufhin hatte er sich zurück an Harrys warme Schulter geschmiegt und war erleichtert wieder eingeschlummert, bis ihn am Morgen ein dringendes Bedürfnis weckte. Harry neben ihm lag auf dem Bauch und seine tiefen Atemzüge zeugten davon, dass er noch schlief, daher drehte sich Draco auf den Rücken, in dem Versuch, das Drücken seiner Blase noch eine Weile zu ignorieren und weiter den Frieden des Augenblicks zu genießen. Aber schon wenig später musste er sich eingestehen, dass das Gefühl nicht wieder verschwinden würde.

So vorsichtig wie möglich um Harry nicht zu wecken, schlüpfte er aus dem Bett heraus und verwandelte mit Hilfe seines Zauberstabes das Ballkleid, das noch immer auf dem Fußboden lag, in einen seidenen Bademantel und das Spitzenhöschen in eine Boxershorts, um seine Blöße zu bedecken. Nachdem er so akzeptabel bekleidet war, steckte er den Zauberstab in die Seitentasche des Bademantels und schlich fast lautlos aus dem Zimmer. Heute war Sonntag, deshalb waren erwartungsgemäß nur wenige Schüler im Gemeinschaftsraum anzutreffen. Lediglich die Creevey Brüder, die zu den jüngeren Jahrgängen zählten und noch nicht zum Ball zugelassen waren, sowie ein sehr verkatert wirkender Dean Thomas, an dessen Seite sich ein Mädchen kuschelte, das Draco vage nach Ravenclaw einordnete, lümmelten sich auf den Polstermöbeln.

Professor Dumbledore hatte es den Schülern der beiden ältesten Jahrgänge gestattet, ihre möglichen Balleroberungen für eine Nacht ausnahmsweise mit auf die Zimmer zu nehmen. Vermutlich weil er ahnte, dass ohnehin zwei Drittel der Jungen und Mädchen den Ball nutzen würden, um „es" heimlich zu tun und es war dem alten Mann lieber, sie taten es in der Sicherheit des Schlosses, als irgendwo draußen in den Büschen, wo sie wer weiß welchen Gefahren ausgesetzt waren. Es handle sich um eine Ausnahme, ließ er die Schüler wissen, die nur bis Sonntag Abend gellte. Danach müsse jeder Schüler wieder in dem Bett schlafen, das ihm bei seiner Ankunft in Hogwarts zugewiesen worden war. Natürlich hatte er sie vorher noch eindringlich darauf hingewiesen, dass auch Zauberer bei gewissen körperlichen Aktivitäten Vorkehrungen treffen mussten. Die meisten Schüler wären bei dieser Rede am liebsten im Erdboden versunken und Draco gratulierte sich nicht zum ersten Mal zu der Entscheidung, das eigene Geschlecht den Mädchen vorzuziehen. Was die Verhütung betraf, musste er sich da zumindest keine Sorgen machen.

Als Draco an den Gryffindors vorbei ging, hob Dean verschlafen den Blick. Der Mund, den er gerade zum Gähnen geöffnet hatte, blieb ihm vor Überraschung offen stehen, als er sah, wer da aus dem Vertrauensschülerraum geschlendert kam. Draco bemühte sich nicht, sein Tempo zu beschleunigen. Federnden Schrittes stolzierte er an dem fassungslosen Dean vorbei und lachte leise in sich hinein. Der Gesichtsausdruck des Gryffindors war wirklich Gold wert. Auch die Creeveys warfen ihm neugierige Blicke zu und steckten tuschelnd die Köpfe zusammen, bevor sie sich in Richtung der Schlafräume davon machten. Das würde lustig werden. Draco war bereit sein letztes Hemd darauf zu verwetten, dass der Gemeinschaftsraum bei weitem nicht mehr so leer sein würde, wenn er von der Toilette zurück kam.

Als er die Tür des Waschraums öffnete bemerkte er, dass sich ein weiterer Junge gerade an einem Pissoire erleichterte. Ein diabolisches Grinsen stahl sich auf das Gesicht des Blonden, dann stellte er sich daneben und holte sein bestes Stück aus seiner Shorts. Der Gryffindor reagierte zuerst überhaupt nicht auf seine Anwesenheit, da er noch zu sehr im Halbschlaf gefangen war, bis Draco ihm ein deutliches „Guten Morgen" entbot.

„Morgen", murmelte Seamus Finnegan und warf einen Blick zur Seite. Wie bei seinem Freund Dean nur wenige Augenblicke zuvor, weiteten sich seine Augen vor Überraschung und er hätte sich um ein Haar auf die Füße gepinkelt.

„Malfoy", stieß der Junge hervor und seine Stimme schwankte zwischen Unglauben und Entsetzen. „Was zur Hölle tust du hier?"

Scheinheilig ließ der Blonde seinen Blick abwärts gleiten. „Ich pinkele, würde ich sagen. Oder wie nennst du das?"

„Das meine ich nicht." Seamus verstaute schnell sein eigenes Glied, bevor er sich erneut an Draco wandte. „Was tust du im Gryffindor-Turm?"

Draco warf ihm den typischen Malfoy Blick zu, der ganz genau kund tat, was er von Seamus Geisteszustand hielt. „Wenn ich mich recht erinnere, hat Dumbledore es erlaubt, seinen Tanzpartner über Nacht bei sich zu behalten."

„Willst du damit sagen, eine Gryffindor hat dich....?" Der andere Junge konnte es einfach nicht glauben.

So einfach würde Draco es ihm nicht machen, an Informationen über sein Date zu kommen. „Sag nur, du hattest kein Glück?" konterte er stattdessen.

„Doch klar", beeilte sich der Ire zu versichern. „Ich meine, nicht dass dich das überhaupt was angeht, aber meine Begleitung macht sich gerade frisch."

„Schön für dich." Draco war damit fertig sich zu erleichtern und zog unter Seamus wachsamen Augen seine Kleidung zurecht, als sich die Tür erneut öffnete und Ron mit einer Zahnbürste in der Hand den Waschraum betrat. Seamus hielt gespannt die Luft an. Der Rothaarige erstarrte für einen Augenblick in seiner Bewegung, als sein Blick auf Draco fiel, er schluckte hart, doch dann entspannte er sich und ging locker zu den Waschbecken.

„Seamus, Malfoy", sagte er zur Begrüßung und nickte in Richtung der beiden Jungen.

„Weasley", erwiderte Draco in neutralem Tonfall und erwiderte die Geste. Der andere Gryffindor war zu überrascht, um auf den Gruß zu antworten. Fassungslos starrte er von einem zum anderen und bekam den Mund überhaupt nicht wieder zu.

`Gryffindors`, dachte der blonde Slytherins spöttisch, dann ließ er die beiden Junge allein und machte sich auf den Weg zurück zum Vertrauensschülerraum. Wie erwartet, war der Gemeinschaftsraum jetzt nicht mehr leer. Im Gegenteil, es gab kaum noch einen freien Sitzplatz. Hauptsächlich die älteren Jahrgänge hatten sich eingefunden, die jüngeren waren vermutlich schon zum Frühstück aufgebrochen. Unverhohlene Neugier schlug ihm entgegen, als Draco lässig den Raum durchquerte. Sein Blick streifte mal das eine, mal das andere bekannte Gesicht, bis er schließlich an der Gestalt von Dean Thomas hängen blieb, der sich ihm in den Weg stellte. Der Gryffindor schien auf einmal sehr munter zu sein.

„Malfoy, was tust du hier?" stellte Dean die selbe Frage, die auch sein Freund Seamus gerade gestellt hatte.

Draco seufzte theatralisch auf. „Ich gehe, Thomas. Eben habe ich mich erleichtert und nun gehe ich wieder ins Bett. Es ist nämlich Sonntag und ich hatte vor, noch eine kleine Weile zu schlafen."

Die anwesenden Gryffindors sahen gespannt von einem zum anderen, mischten sich aber nicht ein.

„Und wo gedenkst du das zu tun?" fragte Dean argwöhnisch.

„Du hast sehr genau gesehen, aus welchem Zimmer ich vorhin gekommen bin", wich Draco der Antwort aus. Das Spiel fing an, ihm Spaß zu machen. Sollten sie doch noch eine Weile raten. Mal sehen, ob einer von ihnen auf die richtige Antwort kam.

Dean jedenfalls zog die falschen Schlüsse. „Das...das kann nicht sein..... Du hast doch nicht mit Hermine...?"

In echtem Entsetzten verzog der Slytherin das Gesicht. „Merlin, nein! Mit einem Sch..... ? Was denkst du denn von mir?"

Darüber wollte der Gryffindor jedenfalls lieber keine Antwort geben. „Raus damit, Malfoy: Welches Gryffindor Mädchen hast du eingewickelt um in den Turm zu kommen? Denn darum ging es dir doch vermutlich, oder?"

Wenn die wüssten, dass er schon vor einem halben Jahr das erste Mal in ihrem Allerheiligsten gewesen war...

Der Blonde lächelte teuflisch. „Wer sagt dir denn, dass es ein Mädchen war?"

Ein Raunen ging durch die versammelten Schüler und Dean Thomas wurde erst dunkelrot und dann schließlich auffallend blass. Alle Augen waren auf Draco gerichtet, so dass die Anwesenden gar nicht merkten, dass die Tür zum Vertrauensschülerraum einen Spalt geöffnet war. Drinnen hatte Harry eine Hand auf der Klinke. Sein Herz schlug rasend schnell in seiner Brust. Das Geräusch von lauten Schritten auf der Treppe und aufgeregtes Getuschel hatte ihn aufgeweckt. Und als er bemerkt hatte, dass Draco nicht mehr neben ihm lag, war er schnell aufgestanden um nachzusehen, ob sein Freund die Ursache für diesen Tumult war.

Natürlich war der Blonde mitten drin, wie hätte es auch anderes sein können?

Jetzt war sein Stichwort. Er sollte da hinaus gehen und sich offen zu Draco bekennen. Warum nur waren seine Hände so nass und seine Knie so weich, als seien sie aus Pudding? Die Hitze in seinen Wangen stieg hinauf bis in seine Ohren und er konnte wetten, dass sein ganzer Kopf dunkelrot glühte. Verdammt, er war ein Mann und kein Kind mehr! Er war Harry Potter und wem es nicht passte, mit wem er zusammen war, der konnte ihn mal kreuzweise! Entschlossen straffte er seine Schultern und atmete tief durch, als er die Tür schließlich mit Schwung öffnete. Die Scharniere quietschten vernehmlich und plötzlich hatte er die volle Aufmerksamkeit.

Das Getuschel verstummte. Im Raum wurde es still. Totenstill. Dutzende Augen waren in diesem Moment auf ihn gerichtet, wie er dastand, mit nicht mehr als einer Shorts bekleidet, das Haar noch strubbeliger als sonst, die Brille schief auf der Nase und in dem Versuch, seinen Kopf hoch zu halten.

„Draco", sagte er und Harry hoffte, dass seine Stimme nicht zitterte. „Kommst du?"

Der blonde Slytherin schob sich an Dean Thomas vorbei, der aussah, als hätte er den Dunklen Lord persönlich gesehen. „Du entschuldigst mich? Mein Typ wird verlangt."

Der Gryffindor sagte nichts. Ungläubig starrte er in Harrys Gesicht, genauso wie es in diesem Moment die etwa zwanzig anderen anwesenden Schüler taten. Als Draco seinen Freund erreicht hatte, grinste er den Dunklen frech an, bevor er ihn zu einem Kuss heran zog. Zuerst war Harry steif - er fühlte, wie die Gryffindors entsetzt die Luft anhielten - doch dann entspannte er sich und erwiderte den Kuss. Es war okay. Draco war sein Freund, das sollte jeder wissen und jetzt hatte es auch jeder gesehen. Seine Arme schlossen sich ganz von selbst um den Blonden und er verlor sich in dem Gefühl, dass die weichen Lippen des Slytherin in ihm auslösten, bis dieser schließlich den Kontakt unterbrach.

Lächelnd nahm Draco die Hand seines Freundes und zog ihn durch die geöffnete Tür ins Innere des Raumes. Harry folgte ihm widerstandslos nach. Seine Wangen glühten immer noch, doch er fühlte keine Scham, sondern unendliche Erleichterung. Zwar fühlte er die Blicke seiner Mitschüler auch dann noch auf sich ruhen, als er die Tür hinter sich schloss, aber es war ihm egal. Er hatte es endlich geschafft, über seinen Schatten zu springen und schon das allein musste gebührend gefeiert werden.

XXXXXX 

Weißt du, was mein Highlight dieses Tages war? Als wir zum Mittagessen in die große Halle gegangen sind", erinnerte sich Draco versonnen.

Harry lächelte. „Es war beinah ein Sakrileg, als du dich tatsächlich neben mich an den Gryffindor Tisch gesetzt hast."

Ich weiß gar nicht, was sie mehr geschockt hat, als ich dich vor aller Augen geküsst habe oder als ich Weasley um die Kartoffeln gebeten habe und er sie mir tatsächlich gegeben hat."

Wahrscheinlich hat jeder nur darauf gewartet, dass er dir die Schüssel über den Kopf kippt", meinte Harry schulterzuckend.

Also wenn ich statt ihm seine Schwester gefragt hätte, wäre das vermutlich sogar passiert", gab der Blonde zurück. „ Die hat mich angeguckt, als wolle sie mich verhexen."

Naja, ihr hattet ja auch nicht unbedingt den besten Start", erinnerte ihn sein Ehemann.

Draco atmete hörbar aus. „Und heute bringt sie ihre Kinder zu uns zum Babysitten."

Tja, vom Erzfeind zum Kinderfreund."

Vielleicht sollte ich ihr ihre Bälger mal mit lila Haaren zurück geben, damit sie weiß, dass ich nicht komplett weich geworden bin."

Seufzend schüttelte Harry den Kopf. „Du kannst es einfach nicht lassen, Love, oder?"

Einmal Slytherin, immer Slytherin", erwiderte Draco bestimmt.

Vor allem, wenn man von einem Malfoy spricht, nicht wahr?" Der Dunkle stahl sich einen Kuss von den sinnlichen Lippen seines Gegenübers.

Der Blonde lächelte vielsagend in den Mund des Anderen. „Du hast es erfasst, Babe."
 

XL. Right about now

I wanna write ya name on my teeshirt

Right about now hey hey hey

Yo ya definitely my kinda company

I wanna feel ya next to me

Right about now hey hey hey

Yo ya definitely my kinda company
 

(Mousse T., Right about now)
 

„Kommst du Ron?" Ungeduldig scharrte Harry mit den Füßen. Das Wochenende war vorbei und eine neue arbeitsreiche Woche lag vor ihnen. Das Schuljahr war erst wenige Monate alt, doch schon standen die ersten Prüfungen an. Sonst immer war Ron schon lange vor Harry damit fertig, sich anzuziehen und zu frisieren, aber heute brauchte der Rothaarige eine gefühlte Ewigkeit im Waschraum.
 

„Ja, gleich", gab der Freund zurück und zupfte mit kritisch verzogenem Gesicht an einer Strähne seines Haares. „Wie sehe ich aus?" fragte er und wandte sich zu Harry.

„Wie immer", erwiderte der Schwarzhaarige genervt. „Können wir jetzt zum Frühstück gehen?"

„Okay, von mir aus", gab Ron zurück und riskierte noch einen letzten Blick in den Spiegel.

Die beiden Jungen verließen den Waschraum und trafen am Portraitloch auf Hermine, die schon auf sie wartete. Irgendwie sah die Freundin verändert aus, aber es wollte Harry nicht gelingen auszumachen, woran es lag.

„Hallo Mine", grüßte er sie höflich.

„Guten Morgen, Harry", gab sie zurück, schenkte ihm aber nur einen kurzen Blick, dann blieben ihre Augen auf Ron hängen. „Ronald."

Jetzt fiel Harry plötzlich ein, was an dem Mädchen anders war: Sie hatte keine Bücher dabei! Seit sie vor fünf Jahren nach Hogwarts gekommen waren, war Hermine wohl nie ohne ein Buch zu den Mahlzeiten erschienen.

Der rothaarige Junge trat noch einen Schritt näher an sie heran und drückte seine Lippen etwas scheu auf die ihren. „Hermine", hauchte er zur Begrüßung.

Vor Überraschung blieb Harry beinah der Mund offen stehen: Ron und Hermine?! Wann war denn das passiert? Und noch viel wichtiger: Warum wusste er nichts davon? Sicher, sie waren zusammen zum Ball gegangen, aber Harry hatte eigentlich immer gedacht, dass das auf rein freundschaftlicher Basis war. Okay, wenn er länger darüber nachdachte, hatte es schon Anzeichen gegeben, dass Ron Interesse an der Freundin gehabt hätte, aber er hatte nie gemerkt, dass es Hermine ebenso ging.

Als sich die Beiden wieder von einander lösten, waren sowohl Rons als auch Hermines Wangen von einem zarten Rose überzogen. Wie selbstverständlich nahm der Junge die Hand seiner Freundin und sie gingen zusammen in Richtung der Großen Halle. Etwas unwohl in seiner neuen Rolle als drittes Rad am Wagen trottete Harry hinter dem Pärchen her, das sich immer wieder verstohlene Blicke zuwarf.

Schließlich wurde es dem dunkelhaarigen Gryffindor zu dumm. Er beschleunigte seinen Schritt und schob sich an Rons freie Seite. „So, du und Hermine also", begann er etwas ungeschickt.

„Jaa, ich und Mine", gab der Freund gedehnt zurück und es schlich sich eine Art seliges Lächeln auf sein Gesicht.

„Hättet ihr mich nicht mal vorwarnen können, bevor ihr so einfach übereinander her fallt?" fragte Harry leicht säuerlich. Er wollte nicht, dass es so klang, als gönne er seinen Freunden ihre Gefühle füreinander nicht, aber dennoch fühlte er sich von ihnen übergangen.

„Also übereinander her gefallen sind wir ja nicht gerade", protestierte Ron und das Rose seiner Wangen verwandelte sich in ein tiefes Magentarot.

„Und wann bitte hätten wir es dir denn sagen sollen?" warf Hermine ein. „Du bist ja den ganzen Sonntag kaum mit deinem Lover aus meinem Zimmer heraus gekommen."

Jetzt war es an Harry rot zu werden. „Naja, das sollte jetzt kein... ich meine.... ich wollte... es ist ja nur, weil.... Was ich sagen wollte ist einfach: Glückwunsch. Ich freue mich für euch."

Hermines eben noch kritischer Gesichtsausdruck verwandelte sich in ein Lächeln. „Danke. Weißt du, als ihr schon weg ward, auf dem Ball, da hat mich Ron gefragt, ob er mich küssen darf und ich habe zu ihm gesagt..."

„...warum ich das nicht schon vor Jahren gefragt habe", beendete der rothaarige Gryffindor den Satz. „Um ehrlich zu sein, hatte ich schon ziemlich viel von dem Punsch getrunken, sonst hätte ich mich das nie getraut, aber als ich sie dann geküsst habe, da fühlte es sich so unglaublich perfekt an."

Auch das Mädchen errötete nun stärker. „Es war, als ob zwei Teile zusammen gefunden hätten."

„Genau." Ron grinste wieder treuherzig und Harry musste stark an sich halten, um nicht laut los zu lachen. Sein bester Freund, der immer die Nase darüber erümpft hatte, wenn er von seinen Gefühlen für Draco sprach, fing plötzlich an gefühlsduselig wie ein Mädchen zu werden. Es wäre wirklich lustig gewesen, wenn er nicht wüsste, dass es die Beiden wirklich ernst meinten.

„Typisch Gryffindors", ertönte eine spöttische Stimme hinter ihnen und die Drei fuhren erschrocken herum. Wie lange Draco sie schon verfolgte, konnte keiner der Freunde sagen, doch offensichtlich hatte er zumindest das Ende der Unterhaltung gehört, denn er schüttelte tadelnd den Kopf. „So verdammt theatralisch."

Mit einem Knurren warf sich Harry auf den blonden Slytherin und pinnte ihn mit seinem Körper an die Wand des Ganges. „Ich glaube, ich muss dir deinen frechen Mund weg fluchen, wenn du solche Sachen über die Mitglieder meines Hauses sagst, Malfoy."

„Ich denke, da fallen dir doch noch bessere Mittel ein, um mich zum Schweigen zu bringen, Potter", konterte Draco anzüglich und bevor er dazu kam, noch einmal Luft zu holen, krachten Harrys Lippen fast brutal auf die seinen.

Ein paar vorbei laufende Mädchen aus Ravenclaw kicherten anzüglich, doch die Jungen ließen sich davon nicht stören. Gierig teilte Dracos Zunge die Lippen des dunklen Gryffindors und drang in dessen Mundhöhle. Auch als sich Ron und Hermine deutlich räusperten, ließen die Beiden nicht voneinander ab. Erst Professor Snapes schneidende Stimme ließ Harry inne halten und erschrocken rückwärts taumeln.

„Soso, Mr. Potter. Ich denke, Ihnen ist der Paragraph in der Schulordnung bezüglich amouröser Betätigungen in den Gängen bekannt?"

Ohne es zu wollen, errötete Harry bis zu den Haarspitzen. „Nein, Sir."

„Und Ihnen, Mr. Malfoy?"

Der Slytherin, der bis eben lässig gegen die Wand gelehnt gestanden hatte, straffte sich. „Nein, Sir", gab er respektvoll zurück.

„Dann wird es Ihnen beiden nicht schaden, die Schulordnung bis morgen abend abzuschreiben und in mein Büro zu bringen. Das Original wird Ihnen Madame Pince mit Vergnügen zur Verfügung stellen."

Die beiden Junge tauschten einen teils betretenen, teils wütenden Blick. „Ja, Sir."

„Außerdem ziehe ich sowohl Gryffindor als auch Slytherin zwanzig Punkte für ungebührliches Betragen ab", fügte Snape genüsslich hinzu. „Ach nein, legen Sie bei Gryffindor noch zwei mal fünf Punkte dazu." Er wandte sich zu Ron und Hermine, die blitzschnell ihre Hände von einander lösten. „Sagen wir als kleine Warnung an Sie beide für die Zukunft."

Seine Mundwinkel zuckten kurz, dann wandte sich der Lehrer zufrieden ab und schritt mit wehendem Umhang in Richtung der Großen Halle.

„Unglaublich", murmelte Draco erstaunt. „Ich kann mich nicht erinnern, von Snape tatsächlich schon mal eine Strafarbeit bekommen zu haben."

„Tja, scheinbar nimmt er dir die Sache mit uns wirklich übel", resümierte Harry schulterzuckend. „Na dann, willkommen in meiner Welt."

XXXXXX 

Manchmal frage ich mich, wie Snape gewesen wäre, wenn seine Schulzeit in Hogwarts anders verlaufen wäre." Nachdenklich kaute Harry auf dem Federkiel herum.

Keine Ahnung, ob es irgendetwas an ihm geändert hätte", gab Draco zurück, während er hinter seinem Ehemann stand und mit kraftvollen Bewegungen dessen verspannte Schultern massierte. „Snape wäre vermutlich immer Snape geblieben oder kannst du ihn dir in einem geblümten Nachthemd vorstellen wie Dumbledore?"

Der Dunkle musste bei der Vorstellung lauthals lachen, so dass sein ganzer Körper vibrierte. „Nein", sagte er einen Moment später atemlos. „Aber vielleicht wäre er weniger verbissen gewesen."
 

Du meinst, wenn ihn jemand so richtig ran genommen hätte?" Die Finger des Blonden wanderten den Rücken tiefer hinab.

Zum Beispiel", gab Harry genussvoll zurück. Mit geschlossenen Augen lehnte er sich stärker in die Berührung.

Und ihn bis zur Besinnungslosigkeit gefickt hätte?" murmelte Draco ganz nah an seinem Ohr.

Merlin Draco", keuchte der ehemalige Gryffindor, als sich die Hände seines Ehemannes langsam einen Weg nach vorn suchten. „Lass uns nicht mehr über Snape sprechen."

Nicht, dass du beim Sex noch an den falschen Mann denkst", pisackte ihn der Blonde grinsend.

Harry versteifte sich für einen Moment und warf einen vorwurfsvollen Blick über die Schulter, dann zog er Draco auf seinen Schoß. „Ich will überhaupt nicht mehr denken", gab er gepresst zurück. „Nicht, wenn ich das hier haben kann." 

Verlangend krallten sich seine Hände in die Kehrseite des Blonden, der sich ganz der Liebkosung hingab.

XLI. I`m going slightly mad 

I`m going slightly mad

I`m going slightly mad

It finally happened - happend

It finally happend - ooh oh

It finally happend - I`m slightly mad!

(Queen, I`m going slightly mad)
 

Draco stöhnte leise auf, als er seine schmerzenden Glieder streckte. Verflucht, sein Rücken fühlte sich an, als hätte er auf dem Fußboden geschlafen und nicht in seinem weichen Bett im Slytherin Kerker! Verschlafen blinzelte er in das Licht eines neuen Morgens.

Mist, er war tatsächlich nicht in seinem Bett. Auch nicht in dem von Harry. Nicht mal auf der Matratze in ihrem Liebesnest im zweiten Stock. Er lag auf überhaupt keiner Unterlage. Unter ihm war der kalte, harte Steinboden des Schlosses. Aber wo bei Merlin`s Socken war er hier?!

Mühsam rappelte sich Draco auf und ließ den Blick durch den Korridor schweifen. Die Statue, hinter der er gelegen hatte, kam ihm vage bekannt vor. Er tippte auf den dritten Stock. Dort, wo laut Harrys Erzählungen, in ihrem ersten Jahr der dreiköpfige Hund untergebracht gewesen war. Aber er hatte nicht den leisesten Schimmer, wie er hier her gekommen war. Deutlich konnte sich Draco daran erinnern, gestern Abend nach seinem routinemäßigen Schäferstündchen mit Harry, in sein eigenes Bett geschlüpft zu sein. Er hatte sich noch eine gedankliche Notiz gemacht, Blaise dringend zu raten, Pansy endlich flach zu legen, da sein Freund im Schlaf ein Kissen umklammert hielt und immer wieder ihren Namen stöhnte. Einen Silencio-Zauber später war das Problem gelöst, doch dafür schnarchte Greg heute schlimmer als ein Thestral mit einer Nasennebenhöhlenentzündung. Kurzfristig spielte er noch mit dem Gedanken, ihm einfach einen Schuh an den Kopf zu werfen, doch dann hatte ihn das dumpfe Gesäge auch schon sanft in den Schlaf gleiten lassen.
 

Also wie und warum hatte er sein Bett gegen den harten Steinboden eingetauscht? Er wusste es nicht. Soweit sich Draco erinnerte, war er - mit einer Ausnahme - noch nie schlafgewandelt. Damals war er ein Kind gewesen und er hatte hohes Fieber gehabt. Eine Hauselfe hatte ihn im letzten Moment erwischt, bevor er sich aus dem großen Galeriefenster über der Marmortreppe des Manor stürzen konnte. Der blonde Slytherin prüfte kurz seine Stirn. Nein, er hatte kein Fieber und auch sonst keine Symptome, die auf eine Krankheit hinwiesen. Abgesehen davon, dass ihm in seinem Pyjama ziemlich kalt war, fühlte er sich vollkommen gesund.

Vielleicht konnte er sich nur nicht daran erinnern, nachts aufgewacht und einen Spaziergang gemacht zu haben. Oder er fing doch noch an zu schlafwandeln. Oder er wurde langsam aber sicher verrückt. Okay, diese Möglichkeit wollte Draco lieber ausschließen, denn durchzudrehen konnte er sich im Moment wirklich nicht leisten. Harry brauchte ihn. Die Sorgen über die Mission, über die er mit Draco nicht sprechen konnte, standen ihm von Tag zu Tag mehr ins Gesicht geschrieben. Immer seltener gelang es dem blonden Slytherin mal ein Lächeln auf die ernsten Züge seines Freundes zu zaubern. Er wünschte sich so sehr, dass er ihm helfen, seine Last mit ihm tragen könnte, doch Draco verstand, dass Harry sich ihm nicht anvertrauen konnte.

Dieses Mal, dunkler als die Nacht und schlimmer als der schwärzeste Fluch stand zwischen den beiden Jungen und zwang sie dazu, Geheimnisse voreinander zu haben. Draco seufzte leise auf, als er noch etwas steif den Rückweg zum Kerker aufnahm. Nein, Harry hatte genug Sorgen und deshalb würde er ihm auch nicht davon erzählen, was ihm heute widerfahren war.

XXXXXX 

Gedankenverloren saß der dunkle Gryffindor am Fenster seines Schlafraumes und ließ den Blick über die tief hängenden Wolken gleiten. Er war allein, wie so oft in letzter Zeit. Manchmal ertrug er selbst die Gegenwart seiner besten Freunde nicht mehr. Es sah nach Regen aus. Wiedermal. Den ganzen November hindurch hatte es mehr oder weniger stark geregnet und der Dezember hatte auch nicht besser angefangen. Bei ihrem Spiel gegen die Ravenclaws am letzten Sonntag war das ganze Quidditch-Team so durchnässt gewesen, als hätte es voll bekleidet ein Bad im See genommen. Madame Pomfrey hatte alle Hände voll zu tun, die ganzen Schüler mit Grippesymptomen zu kurieren. Als ob das miese Wetter nicht schon schlimm genug gewesen wäre, so schlug die ergebnislose Suche nach weiteren Horcrux-Verstecken mehr und mehr auf Harrys Psyche. Sogar Hermine hatte schon gescherzt, dass er ihr mit seinem neuerlichen Bücherwahn noch Konkurrenz machen würde. Wenn sie wüsste... Harry hatte das Gefühl, dass ihm die Zeit davon lief, ohne dass sie einen Schritt weiter kamen.

Der Tagesprophet berichtete fast täglich von Angriffen, eigenartigen Wetterphänomenen und vereinzelten Sichtungen von Todessern. Unglaubliche Gerüchte machten die Runde. Von Riesen war da die Rede und von desertierten Dementoren, ja sogar Vampire, Werwölfe und Inferi sollten zu Seiner Armee gehören. Merkblätter mit Schutzmaßnahmen wurden herausgegeben und man riet allen Zauberern zu erhöhter Wachsamkeit. Als ob man Harry das sagen musste! Noch nie war er so schnell darin gewesen, seinen Zauberstab zu ziehen. Im Zaubertränke Unterricht hatte er sich neulich so erschrocken als Nevilles Gebräu mal wieder explodierte, dass er dem Freund um ein Haar einen Schockzauber verpasst hätte.

Nicht einmal in seinen Träumen ließen ihn seine Gedanken zur Ruhe kommen und es war nicht im geringsten förderlich, dass er vor zwei Nächten mal wieder einen Traum von Voldemort gehabt hatte. Es war nur eine kurze Sequenz gewesen. Der schlangengleiche Mann hatte brütend auf dem Thron gesessen, eine Traube aus schwarzgewandeten Gestalten um sich herum. Dann war es auch schon wieder vorbei gewesen. Nichts, was auf Voldemorts Pläne schließen ließ.

Die einzigen Momente, in denen er die Mission für einen kurzen Moment vergessen konnte, waren die, wenn er mit Draco zusammen war. Der Blonde tat alles, um ihn aus der Reserve zu locken, ihn nur für einen Augenblick aus der düsteren Stimmung zu reißen, in der er mehr und mehr zu versinken drohte. Wenn er in Dracos Armen lag, dann glaubte er tatsächlich daran, dass er es schaffen konnte. Er gab ihm das Gefühl, dass das Unmögliche möglich war. Er war sein Anker, seine Erdung. Harry war so dankbar dafür, dass Draco unverzagt zu ihm hielt, denn er war sich sicher, dass er ohne ihn schon längst aufgegeben hätte.
 

XXXXXX 

Konzentriert saßen sich die beiden Männer am Küchentisch gegenüber und starrten sich an. Keiner der Beiden sagte etwas. Ihre Blicke schienen ineinander verwoben zu sein, sie trauten sich beinah nicht zu blinzeln.

Schließlich seufzte Draco auf und brach den Kontakt, indem er die Augen niederschlug. „Okay, ich gebe auf. Ich habe keine Ahnung, an was du gerade gedacht hast."
 

Also bist du doch nicht so gut in Leglimentik, wie du immer behauptest", stichelte der Dunkle grinsend.

Bin ich schon, aber dein Gehirn tickt auch nicht so, wie das von normalen Leuten", gab sein Partner frech zurück.

Ruckartig schnellte Harry vor und knuffte den Blonden spielerisch am Arm. „Mein Gehirn ist völlig in Ordnung."

Dann sag mir, an was du gedacht hast." Schmollend rieb sich Draco die Stelle, an der der Andere ihn getroffen hatte.

Ich habe an Schrumpfhörnige Schnarchkackler gedacht", verriet der ehemalige Gryffindor überlegen.

Ich sage ja, dein Gehirn tickt nicht richtig", erwiderte Draco kopfschüttelnd. „An diese Viecher würde ich keinen müden Gedanken verschwenden. Abgesehen davon, gibt es sie nicht einmal."
 

Na, erzähl das mal Luna", piesackte der Dunkle ihn.

Der Blonde warf ihm einen viel sagenden Blick zu. „Die tickt sogar noch schräger als du."

Vielen Dank auch."
 

Gern geschehen", erwiderte Draco nonchalent. „Jetzt bin ich dran."

Harry winkte ab. „Den Versuch können wir uns sparen, Love."

Wieso?" fragte sein Partner verwirrt.
 

Weil du ohnehin immer nur an das Eine denkst", gab der andere Mann prompt zurück.
 

Draco grinste ohne ein Spur von Scham. „Du kennst mich einfach viel zu gut, Potter."

Der Angesprochene gab das breite Grinsen zurück. „Wusste ich es doch."
 

Tbc....