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XLII. It`s the most wonderful time of the year 

It`s the most wonderful time of the year

There`ll be much mistletoe-ing

And hearts will be glowing

When loved ones are near

It`s the most wonderful time of the year 

(Garth Brooks, It`s the most wonderful time of the year) 

Gedankenverloren kritzelte Harry kleine Figuren auf sein Zauberkunst-Buch, während Professor Flitwick mit seiner Piepsstimme versuchte, gegen das Chaos anzukommen, das sich mehr und mehr seines Klassenraums bemächtigte. Die letzte Schulwoche vor den Weihnachtsferien hatte begonnen, die lästigen Arbeiten waren geschrieben und die Lehrer zeigten sich von ihrer großzügigen Seite, indem sie den Schülern die Hausaufgaben ersparten.

Natürlich bildete Professor Snape die große Ausnahme. Gerade jetzt trug Harry den angefangenen Aufsatz über stimmungsverändernde Zaubertränke in seiner Tasche mit sich herum. Er hatte sich fest vorgenommen, gleich nach dem Mittagessen hinauf in die Bibliothek zu gehen, um ihn zu Ende zu schreiben, was ihm von Ron einen geradezu entsetzten Seitenblick eingetragen hatte. Der rothaarige Gryffindor hatte den Aufsatz ebenfalls noch vor sich, aber die Tatsache, dass sich einige Jungen ihres Jahrgangs zu einer Schneeballschlacht mit den Ravenclaws verabredet hatten, ließ seinen Arbeitseifer auf unter Null Prozent sinken.

Die ganze Nacht über war der Schnee in dicken Flocken vom Himmel gefallen und wenn Harry jetzt seinen Blick aus dem Fenster schweifen ließ, so wirkten die Hügel um das Schloss herum wie von einer dicken Zuckerwatteschicht bedeckt. Zum wiederholten Mal seufzte er leise auf. Er wusste, es würde nichts bringen, weiter an dem Aufsatz zu arbeiten, da er mit seinen Gedanken ohnehin nicht bei der Sache war, doch es bot ihm einen guten Vorwand um nicht vor den anderen Gryffindors so tun zu müssen, als sei er in Anbetracht der nahen Ferien völlig aus dem Häuschen.

Die Vorweihnachtszeit war beinah die schönste Zeit in Hogwarts. Hagrid hatte für jedes der vier Häuser einen eigenen Tannenbaum aus dem Verbotenen Wald geholt und in der großen Halle aufgestellt. Die Schüler hatten sie mit Begeisterung per Zauberstab über und über mit Kugeln, Feen und Lametta in ihren Hausfarbe geschmückt. Überall im Schloss hingen Tannenkränze und Mistelzweige und Draco nutzte jede Gelegenheit, um seinen Freund unter einen dieser Zweige zu schleifen und ihn zu küssen. Wobei sich Harry fragte, wozu der blonde Slytherin diese Ausrede überhaupt benötigte. Er ließ schließlich auch sonst keine Gelegenheit aus, um seinen Anspruch auf ihn vor den anderen Schülern in einer sehr eindeutigen Weise zu betonen.

Harry hatte vergessen, wie oft Draco und er sich deswegen schon Strafarbeiten und Nachsitzen bei Professor Snape eingehandelt hatten. Die Vorweihnachtszeit schien den Zaubertränkemeister noch griesgrämiger werden zu lassen, als er es sonst war. Manchmal schien es ihm beinah so, als patrouillierte der Lehrer absichtlich in den Gängen, auf der Suche nach Opfern, die er wegen „Sitten widrigem Verhaltens" verdonnern konnte.

Ein dumpfer Knall ließ den dunklen Gryffindor aus seinen Gedanken auffahren, als Professor Flitwick bei dem Versuch einem verirrten Zauber auszuweichen von dem Bücherstapel hinunter fiel, der ihm als Podest gedient hatte. Vereinzelt war unterdrücktes Kichern zu hören, während sich der kleine Zauberer mühsam wieder aufrappelte und fort fuhr, als ob nichts gewesen wäre.

„Gehst du Morgen mit nach Hogsmeade?" fragte Ron leise und tat so, als übe er weiter an dem Illusionszauber, der dem Betrachter weismachen sollte, es läge keine Feder, sondern ein gesamtes Huhn vor ihm auf dem Tisch. Allerdings sah in Rons Fall das Huhn eher nach einem Grillhähnchen aus, dem eine einzige Feder im Bürzel steckte. Hermine, die sich hinter Ron ausgerechnet einen Tisch mit Lavender Brown teilen musste, hatte den Zauber schon vor einer halben Stunde fehlerfrei durchgeführt.

„Ich weiß noch nicht", gab Harry vage zurück. Sein Huhn sah eigentlich ganz annehmbar aus, auch wenn es alle paar Sekunden kurz verschwand und man stattdessen nur die Feder sah.

„Ach bitte, Mate", versuchte der Rothaarige seinen Freund zu überzeugen. „Es ist schließlich das letzte Mal vor den Ferien. Wenn du schon nicht mit in den Fuchsbau kommen willst..."

„Mit wollen hat das gar nichts zu tun", gab Harry unwirsch zurück. Es gab für ihn nichts Schöneres auf der Welt, als den Gedanken, das Weihnachtsfest im Kreis der Weasleys zu verbringen, so wie er es auch letztes Jahr getan hatte. Allein schon wenn er an die Weihnachtsgans, den leckeren Punsch und den Geruch nach Zimtsternen dachte, zog sich sein Innerstes schmerzlich zusammen. Es war ein Gefühl nach Wärme, nach Familie, das ihn dort willkommen hieß und das er sonst nirgendwo auf der Welt empfand. Die Weasleys hatten ihn so freundlich aufgenommen, dass er sich beinah wie ein Teil von ihnen fühlte. Umso schwerer war es für ihn, das Angebot abzulehnen, die Ferien erneut bei ihnen zu verbringen.

„Ach komm schon, er wird doch wohl ein paar Tage ohne dich zurecht kommen", erwiderte Ron sarkastisch.

„Es geht nicht darum ob Draco zurecht kommt", antwortete der Dunkle. „Ich habe Dumbledore mein Wort gegeben, dass ich ein Auge auf ihn habe."

„Du könntest ihn doch jeden Tag anflohen...", schlug sein Freund vor.

„Das ist nicht das Selbe." Harry schüttelte den Kopf. „Außerdem ist es für Draco das erste Weihnachten ohne seine Eltern. Ich hätte kein gutes Gefühl, wenn ich ihn einfach allein lasse."

Sie schwiegen eine Weile, während Professor Flitwick die Tische entlang schritt, um die Fortschritte der Schüler zu begutachten. Nachdenklich kaute Ron auf seiner Unterlippe. „Ich weiß, dass ich das ganz bestimmt bereuen werde, aber wenn ich vielleicht mit Mum und Dad reden würde, könnte er mitkommen. Nur für einen Tag oder so...

Verdutzt schaute Harry auf. Er ahnte, wie schwer seinem Freund das Angebot gefallen sein musste, als er dessen Gesichtsausdruck sah, der zwischen Verlegenheit und Unwillen gefangen schien. Die Malfoys und die Weasleys hassten einander schon seit Ewigkeiten und Ron tat sich immer noch sehr schwer damit, Draco als Harrys Freund zu akzeptieren. Dass er trotzdem anbot, dass Harry Draco mitbringen konnte, war ein geradezu heroischer Akt.

„Lass gut sein, Ron." Freundschaftlich legte Harry dem anderen Jungen eine Hand auf die Schulter. „Ich denke nicht, dass Draco dein Angebot annehmen würde. So viele Weasleys auf einmal, sind dann wohl doch ein wenig zu viel für ihn."

„Naja, ich musste wenigstens versuchen, dich umzustimmen.", erwiderte der Rothaarige Schulter zuckend. „Also, was ist nun mit Morgen? Ein letztes Butterbier in den Drei Besen für dieses Jahr?"

„Okay." Harry gab sich geschlagen. „Ich komme mit."

Vielleicht war es ganz gut, wenn er mal aus dem Schloss heraus kam. Seit dem Beginn der Horcrux-Suche, hatte er die dicken Mauern von Hogwarts nur verlassen, um Hagrid in seiner Hütte zu besuchen oder um zum Pflanzenkunde Unterricht ins Gewächshaus zu gehen.

Außerdem benötigte er dringend noch ein Weihnachtsgeschenk für Draco. Der Blonde behauptete zwar steif und fest, dass ihm das Fest egal sei, da er ein Zauberer war und kein Muggel, aber Harry wusste, dass das nur ein Teil von Dracos Fassade war, hinter der er seine wahren Gefühle verbarg. Das Problem war nur, dass er nicht den leisesten Schimmer hatte, was er seinem Freund schenken sollte.

XXXXXX

„Warum fährst du nicht zu den Weasleys?" Draco saß auf der Matratze in „ihrem" Raum im zweiten Stock und sah Harry dabei zu, wie dieser sein Hemd zuknöpfte.

„Weil ich Weihnachten lieber bei dir sein will", erwiderte der Dunkle und schlüpfte in seine Hose. Er ahnte schon jetzt, dass er seinem Freund besser nichts von der Einladung hätte sagen sollen.

„Ist es das, oder nur dein Gryffindor-Pflichtbewusstsein? Ich bin sehr wohl in der Lage, auch mal ein paar Tage allein zu bleiben." Stolz reckte der Blonde sein Kinn, was ein wenig grotesk aussah, da er außer der Decke, die er bis zur Brust hoch gezogen hatte, vollkommen nackt war.

„Es hat keiner das Gegenteil behauptet", gab Harry neutral zurück, um Dracos angekratzten Stolz nicht noch mehr zu verletzten.

„Außerdem wäre ich gar nicht allein", fuhr Draco fort, als habe er seinen Freund gar nicht gehört. „Pansy und Blaise werden die Ferien auch in Hogwarts verbringen. Blaise`s Mum flittert gerade mit Ehemann Nummer-keine-Ahnung-wie-viel durchs Bermuda Dreieck und Pansys Eltern haben wohl gerade mal wieder eine Ehekrise. Also mach dir keinen Kopf meinetwegen."

„Mach ich ja gar nicht!" log Harry mit erzwungener Ruhe. „Alles was ich will, ist mit dir unterm Baum sitzen, Punsch trinken - bis wir blödes Zeug reden - und um Mitternacht die Geschenke auspacken." Er war froh, dass er nicht aufsehen musste, weil er sich gerade die Schuhe zu band, denn er war sich sicher, dass Draco ihn dann sofort durchschauen würde.

Der Blonde antwortete nicht sofort und Harry wusste, dass Draco nicht damit rechnete, überhaupt ein Päckchen unter dem Baum vorzufinden, doch er hatte sich vorgenommen, den Slytherin durch sein Geschenk zu überraschen. Es würde wahrscheinlich nicht viel sein, aber trotzdem etwas Besonderes. Wenn er denn endlich wüsste, was er ihm schenken könnte...

Ungeschickt zerrte Harry an der Krawatte seiner Schuluniform herum, in dem verzweifelten Versuch, einen Knoten zu binden, doch im Halbdunkel und ohne Spiegel erschien ihm das wie ein Ding der Unmöglichkeit. Schließlich konnte Draco es nicht länger mit ansehen.

„Komm her, Potter." Seufzend setzte er sich auf, so dass die Decke auf seinen Schoß herunter rutschte. „Du machst mich ganz krank mit deinem ungeschickten Gefummel."

Ergeben kniete sich Harry neben die Matratze. Mit geübten Fingern zupfte der Blonde die Krawatte zurecht, bevor er einen eleganten Knoten knüpfte, den er sanft fest zog. „So macht man das", stellte er zufrieden fest und brachte anschließend noch den Kragen von Harrys Hemd in Ordnung.

„Danke." Der Gryffindor sah an sich herunter. „Ich denke, die lasse ich mir jetzt immer von dir binden."

Der Slytherin ließ ein abfälliges Schnauben hören. „Träum weiter. Ich frage mich nur immer, wie du früher ohne mich zurecht gekommen bist."

Harry zuckte grinsend die Achseln. „Naja, für meine Ansprüche haben meine Fähigkeiten immer gereicht."

„Das glaube ich gern. Was soll man auch von jemandem erwarten, der in einem Muggel-Schrank aufgewachsen ist." Mit gespielter Empörung stürzte sich Harry auf den Freund und zerstrubbelte ihm die weißblonden Haare. Ausgelassen balgten die beiden Teenager auf der Matratze, bis Draco den Gryffindor abschüttelte und sich sorgsam die feinen Strähnen aus der Stirn strich.

„Du musst gehen, sonst kommst du noch zu spät zu deinem Nachsitzen bei Snape", erinnerte er den Dunklen nicht ohne Schadenfreude.

„Das ist so ungerecht", schäumte Harry verärgert und stemmte sich von der Matratze hoch. „Du hast mich geküsst und nicht ich dich und trotzdem hast du nur eine Strafarbeit bekommen, während ich heute wieder bis in die Nacht Krötenaugen zählen darf."

„Ich leide in Gedanken mit dir", gab Draco grinsend zurück und streckte sich erneut genüsslich auf der Matratze aus. „Während ich am warmen Kaminfeuer im Gemeinschaftsraum sitze, heiße Schokolade trinke und Kesselkuchen esse."

„Du bist so ein Arsch", knurrte der Gryffindor. Mit einer schnellen Bewegung versuchte er dem Blonden die Decke wegzuziehen, aber Draco hatte gute Reflexe. Geschickt brachte er seinerseits seinen Freund zu Fall, so dass dieser halb auf ihm drauf landete.

„Und deshalb liebst du mich", grinste er und wackelte mit den Augenbrauen.

„Wo du recht hast, hast du recht", gestand Harry und stahl sich noch einen letzten Kuss, bevor er zu seinem Nachsitzen aufbrach.

XXXXXX

Resigniert betrachtete Harry seine Erscheinung im Spiegel. Wegen eines Termins im Ministerium hatte er seinen geliebten Sweater und die Jeans gegen eine traditionelle Robe eingetauscht und obwohl er schon seit einer geschlagenen Viertelstunde an seinem Krawattenknoten arbeitete, wirkte dieser genauso chaotisch, wie zu seiner Schulzeit. Er war so konzentriert gewesen, dass er Draco nicht hatte kommen hören. Deshalb zuckte er kurz zusammen, als der Blonde plötzlich hinter ihm im Spiegel auftauchte.

Merlin, Potter. Lass mich das machen", seufzte Draco nach einem kurzen Blick auf das Krawattendesaster und drehte seinen Freund herum. Mit geschickten Fingern öffnete er den verknoteten Stoff und hatte mit wenigen, gezielten Handgriffen einen sauberen, eleganten Knoten geknüpft.

Danke, Love." Zufrieden betrachtete der Dunkelhaarige sein Spiegelbild und zupfte an seinen wirren Haaren.

Es ist wirklich unglaublich, dass du immer noch keinen anständigen Krawattenknoten kannst." Draco schüttelte tadelnd den Kopf. „Hast du eigentlich seit der Schule gar nichts gelernt?"

Oh doch", grinste der ehemalige Gryffindor und zog seinen Partner an sich. „Ich war so schlau, einen Mann zu heiraten, der ein Meister im Krawatte binden ist."

Wie gut, dass ich jetzt weiß, warum du mich geheiratet hast", knurrte der Blonde gegen Harrys Mund.

Verlangend berührten sich ihre Lippen. „Du weißt doch, dass ich deine geschickten Finger schon immer geliebt habe", gab Harry gepresst zurück.

So wie ich deinen Mund", entgegnete Draco atemlos.

Zehn Minuten hätte ich noch, bevor ich los muss", murmelte Harry rau.

Sofort glitten die Hände des anderen Mannes zu dem Verschluss seiner Hose. „Dann lass uns keine Zeit mehr verlieren."

  

XLIII. Insomnia 

Deep in the bosom of the gentle night

Is when I search for the light

Pick up my pen and start to write

I struggle, fight dark forces in the clear moon light

Without fear, insomnia, I can`t get no sleep 

(Faithless, Insomnia)

Die vertrauten, windschiefen Häuser von Hogsmeade wirkten wie mit Puderzucker bestäubte Hexenhäuschen, als Hermine, Ron und Harry den Weg vom Schloss hinab stapften. Den ganzen Tag waren beinah ununterbrochen dicken, weiße Flocken vom Himmel gefallen und erst heute Mittag zeigte sich zum ersten Mal wieder die Sonne. Dafür blies nun ein kalter Ostwind über die verschneiten Hügel und trotz des Warmhaltezaubers freuten sich die drei Teenager schon auf die behagliche Wärme in den Drei Besen. In den Fenstern der Häuser brannten Kerzen und verbreiteten eine angenehme Atmosphäre. Zwischen den Hauswänden waren Girlanden aus Tannenzweigen gespannt worden, an denen verzauberte Christbaumkugeln Weihnachtslieder vor sich hin trällerten. Ein Duft nach Zimt, Kardamon und Vanille lag in der Luft und verstärkte das unterschwellige, wehmütige Gefühl, dass Harry jedes Mal überkam, wenn er an den Fuchsbau dachte.

Die engen Gassen waren gefüllt mit schwatzenden Schülern, die voller Vorfreude die letzten Weihnachtseinkäufe verrichteten. Auch Ron und Hermine wollten noch das eine oder andere Geschenk für Rons Familie besorgen. Das Mädchen würde zwar erst einmal zu ihren Eltern nach Hause reisen, am zweiten Weihnachtstag aber bis zum Ende der Ferien bei den Weasleys wohnen. Ein leiser Stich der Eifersucht überkam Harry, immer wenn sich Ron und Hermine ansahen oder auf offener Straße Zärtlichkeiten austauschten. Er hasste es, sich wie das fünfte Rad am Wagen zu fühlen.

Draco hatte es vorgezogen im Schloss zu bleiben. Angeblich wollte er die Ruhe, die herrschte, während seine Mitschüler durch Hogsmeade streiften dazu nutzen, um zu schlafen. Zuerst hatte Harry das für eine schwache Ausrede gehalten, aber bei genauerem Hinsehen, hatte Draco in den letzten Wochen einen zunehmend erschöpften Eindruck gemacht. Seine weiße Haut wirkte noch blasser als sonst und dunkle Schatten hatten sich unter seinen grauen Augen gebildet. Doch nicht nur der Slytherin schlief schlecht. Auch Harry hatte so manches Mal das Gefühl, wenn er im Unterricht nur für einen Moment der Versuchung nachgeben und die Augen schließen würde, dann würde er so fest einschlafen, dass ihn vermutlich nur noch Voldemort persönlich aufwecken konnte.

„Willst du nicht mit rein kommen, Harry?" Der dunkle Gryffindor zuckte deutlich zusammen, als sich Ron im Türrahmen von Madam Malkins nach ihm umdrehte. Er hatte gar nicht gemerkt, dass seine Freunde in dem Bekleidungsgeschäft verschwunden waren. Einen Moment lang überlegte er, was wohl schlimmer war: Zwischen Festumhängen und Zaubererhüten seinen Freunden bei der Auswahl der Geschenke zuzusehen oder unbestimmte Zeit in der Kälte auf sie zu warten. Seufzend entschied er sich für die erste Möglichkeit. Im Geschäft war es mollig warm, so dass Harry schnell aus seinem Wollumhang heraus schlüpfte. Die Inhaberin, eine ältere Hexe, die eine hochgeschlossene, dunkle Robe trug, warf ihm nur einen taxierenden Seitenblick zu, bevor sie sich wieder zwei fülligen Hexen widmete, die verschiedene Festkleider anprobierten und offensichtlich die Gewinn versprechendere Kundschaft waren.

Unschlüssig streifte der schwarzhaarige Junge durch den Laden, nahm mal einen Umhang, mal eine Robe in die Hand, ohne sich wirklich für etwas zu interessieren, während er mit einem Ohr seinen Freunden lauschte, die darüber debattierten, ob sie Fred und George lieber Handschuhe oder Ohrenschützer schenken sollten. Ein schwarzer Pullover erregte schließlich Harrys Aufmerksamkeit und er nahm ihn von einem Stapel einiger anderer Kleidungsstücke herunter. Die Wolle war ungewöhnlich weich und doch wirkte sie nicht plüschig oder so. Der Pullover hatte einen Rollkragen, Bündchen an den Ärmel und einen Schnitt, der Harry auf Anhieb gefiel. Er war genau Dracos Stil. Zweifelnd wendete er ihn hin und her. Okay, ein Pullover war vermutlich nicht gerade das orginellste Geschenk, aber da er Draco ohnehin nicht geben konnte, was sich dieser zweifelsohne am Meisten wünschte....

Moment.

Warum eigentlich nicht?

Genau!

Und den Pullover würde er trotzdem nehmen.

Mit der Rohfassung eines Planes im Kopf und einer Tüte in der Hand verließ Harry mit seinen Freunden schließlich das Geschäft von Madam Malkins. Hermine und Ron waren schwer bepackt. Sie hatten sich schließlich - nach langen Diskussionen - darauf geeinigt, nicht nur Fred und George mit Handschuhen und Ohrenschützern auszustatten, sondern auch noch Charlie, Bill, Percy und Ginny. Jetzt war ihr Budget beinah erschöpft und der Besuch im Honigtopf und bei Zonkos Scherzartikel-Laden fiel dementsprechend kurz aus, was Harry allerdings nur Recht war. Er hatte die Geschenke für seine Freunde schon vor Wochen besorgt. Für Hermine hatte er eine Ausgabe von Arithmatik für Überflieger gekauft und Ron bekam einen Tüte mit fliegenden Schokolade-Schnatzen.

Mit Mühe ergatterten sie in den Drei Besen den letzten freien Tisch und Harry bot sich an, ihnen allen ein Butterbier von der Bar zu holen.

„Na Harry, bist du schon im Ferienfieber?" fragte ihn Madam Rosmerta lächelnd, als sie ihm die Flaschen über den Tresen reichte.

„Jaa", antwortete Harry gedehnt und nahm das Butterbier in Empfang. „Voll und ganz."

Merlin sei Dank, beanspruchte dann ein anderer Gast die Aufmerksamkeit der drallen Wirtin und Harry konnte sich unbemerkt mit seinen Flaschen davon stehlen. Als er zu ihrem Tisch zurück ging, fand er Ron und Hermine in einen innigen Kuss vertieft vor.

„So wie ihr ausseht, gehört ihr eher zu Madam Puddifoot als hier her", grummelte der schwarzhaarige Gryffindor säuerlich. Die beiden Turteltauben stoben augenblicklich auseinander, als hätten sie einen elektrischen Schlag bekommen. Hermines Wangen waren beinah so rot verfärbt, wie Rons Ohren, als sie Harry ansahen.

„Nee, lass mal gut sein", brummte der Rothaarige unbehaglich. „Da kriegen mich keine zehn Pferde rein."

„Dann haltet euer Tintenfisch-Gen mal im Zaum, bis ihr wieder unter euch seid", gab Harry zurück, grinste dabei aber schon wieder.

„Als ob du und Malfoy besser wärt", erwiderte Ron flapsig. „Manchmal habe ich fast Sorge, dass ihr euch gegenseitig auffresst, wenn ihr nicht aufpasst."

„Hahaha." Harry gab seinem Freund einen leichten Klaps auf die Schulter und damit war das Thema schließlich vom Tisch. Er verteilte die Flaschen an seine Freunde und sie tranken alle einen tiefen Schluck.

„Mensch Alter, du wirst uns echt fehlen", sagte Ron schließlich, nachdem er das Butterbier wieder auf dem Tisch abgestellt hatte.

„Ja, wirklich", pflichtete ihm Hermine bei. „Wir haben uns schon so darauf gefreut, bis in die Nacht `Snape explodiert` zu spielen und uns im Dunklen Witze zu erzählen."

„Aber das könnt ihr doch mit Ginny und den anderen Jungs machen", gab Harry schwach zurück. Der Knoten, der schon die ganze Zeit in seinem Inneren steckte, drückte unangenehm gegen seine Rippen.

„Das ist nicht das Selbe", erwiderte Ron bedrückt. „Fred und George haben auch schon gedroht, dass sie dir einen mit Kotzpastillen gespickten Kesselkuchen schicken, wenn du nicht in den Fuchsbau kommst."

„Versteht doch, es geht nicht!" fuhr Harry unvermittelt auf. „So sehr ich es mir auch wünsche, aber, ich kann einfach nicht, okay?"

„Ist schon gut", beschwichtigte Hermine ihren Freund und legte ihm beruhigend eine Hand auf den Arm. „Wir holen das einfach nach, nicht wahr?"

„Genau", stimmte ihr Ron zu. „Im Sommer gibt es keine Ausreden, da musst du kommen. Und wenn du das Frettchen mitbringst."

„Weißt du denn inzwischen, was du Draco schenkst?" fragte Hermine schnell dazwischen.

Harry rollte mit den Augen, zum Einen wegen dem offensichtlichen Versuch, das Thema zu wechseln und zum Anderen, wegen der Erwähnung von Dracos altem Spitznamen.

„Ich hatte gerade einen Geistesblitz, aber um den umsetzten zu können, muss ich erst einmal ein paar Informationen einholen", gab er zu.

„Du machst es aber spannend." Ron war anzusehen, dass er gern noch etwas nach gebohrt hätte, doch die Miene seines Freundes verriet, dass er nicht mehr Preis geben würde.

„Wenn alles so klappt, wie ich es mir vorstelle, erzähle ich euch davon, wenn ihr wieder da seid, okay?" sagte Harry schließlich.

„Okay, aber wenn es irgendetwas mit Sex zu tun hat, will ich es besser gar nicht wissen."

Hermine und Harry tauschten einen stummen Blick, dann schüttelten sie beide seufzend den Kopf.

XXXXXX 

Der Korridor vor dem Kerker, in dem die Schüler normaler Weise Zaubertränke Unterricht hatten, war vollkommen ausgestorben, da die meisten Schüler nach dem Ausflug nach Hogsmeade bereits auf dem Weg zum Abendbrot waren. Der dunkle Slytherin und seine Freundin drückten sich in der engen Nische dicht aneinander. Seine Finger wanderten unter die Bluse des Mädchen, was ihr ein leises Seufzen entlockte.

„Äh, Zabini?"

Der angesprochene Schüler wirbelte herum, den Zauberstab hatte er in Sekundenschnelle aus seiner Robe gezogen. „Potter! Du hast vielleicht Nerven uns hier zu stören!"

Etwas unsicher trat Harry von einem Bein auf das Andere. Sofort nachdem er mit seinen Freunden ins Schloss zurück gekehrt war, hatte er auf der Karte des Rumtreibers Ausschau nach den Punkten von Blaise und Pansy gehalten. Als er sie allein im Korridor gefunden hatte, hatte er sich beinah schon so etwas gedacht, aber er konnte einfach nicht damit warten, den Beiden eine Frage zu stellen.

„Äh, also die Sache mit deiner Nase tut mir Leid", begann der Gryffindor. Eigentlich war das eine Lüge. Blaise hatte den Schlag mehr als verdient, aber wenn er von dem Slytherin Informationen bekommen wollte, musste er wohl oder übel Abbitte leisten.

Trotzdem ließ Zabini den Stab nicht sinken. Misstrauisch beäugte er den Rivalen, während sich Pansy vorsichtshalber im Hintergrund hielt. „Was willst du, Potter?"

„Du bist Dracos bester Freund", begann Harry sein Anliegen vorzutragen. „Ich finde es toll, dass du ihm nach der Prügelei in eurem Haus beigestanden hast. Er hat mir erzählt, dass Pansy und du über Weihnachten auch hier bleibt und da hätte ich eine Bitte an euch...."

„Du bittest uns um etwas?" fragte Blaise verblüfft. „Ausgerechnet du? Der große Harry Potter?"

„Zabini, ich weiß, dass du mich nicht leiden kannst. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich dich mag. Aber wir haben eine Gemeinsamkeit: Draco ist uns beiden wichtig. Und ich möchte ihm ein schönes Weihnachtsfest bereiten. Nur dafür brauche ich die Hilfe von Pansy und dir."

Die beiden Slytherins tauschten einen langen Blick und es schien beinah so, als würden sie sich stumm beraten, bevor Blaise sich schließlich erneut zu Harry umwandte und den Zauberstab langsam sinken ließ. „Ich traue dir nicht Potter und wenn ich dir helfe, dann tue ich das für Draco und nicht für dich, ist das klar?"

Der Gryffindor nickte stumm.

Abwartend verschränkte Blaise die Arme vor der Brust. „Okay, dann lass mal hören."

„Also, es geht um Folgendes....."

XXXXXX

Müde streckte sich Draco unter seiner warmen Bettdecke. Gerade eben hatte ihn Greg geweckt, um ihm zu sagen, dass es Zeit fürs Abendessen war, doch der blonde Slytherin spielte ernsthaft mit dem Gedanken, das Essen ausfallen zu lassen. Die Möglichkeit einer weiteren Stunde erholsamen Schlafes war einfach zu verlockend.

Zwei Mal in diesem Monat war er erneut außerhalb seines Bettes aufgewacht. Jedes Mal war er steif und durch gefroren gewesen und hatte sich nicht daran erinnern können, sein Bett verlassen zu haben. Beim zweiten Mal war sogar Vince seine Abwesenheit aufgefallen, aber natürlich hatte Draco auf die Frage des Freundes nur erwidert, dass es ihn gar nichts angehe, wo er seine Nächte verbringe. Und der Junge hatte auch nicht weiter gefragt. Vermutlich glaubte er, Draco habe die Nacht bei Potter verbracht.

Es war zum Kotzen, als ob er nicht schon genug Probleme hätte! Am Anfang hatte er sich von Snape regelmäßig Schlaftränke geben lassen, in der Hoffnung, damit das nächtliche Wandern unterbinden zu können, doch einmal war er es trotzdem wieder passiert. Seitdem hatte Draco jeden Abend Angst davor, die Augen zu schließen und sie dann an einem anderen Platz wieder zu öffnen. Er bekam schon Herzrasen, wenn er nur daran dachte. Als Folge des Schlafmangels war er extrem reizbar und fühlte sich gleichzeitig unglaublich erschöpft. Beinah hätte er sich neulich Harry anvertraut, nachdem diesem aufgefallen war, wie müde Draco aussah, doch er hatte sich im letzten Moment auf die Zunge gebissen und dem Gryffindor eine Lüge erzählt. Wenn Harry heraus bekam, dass Draco nachts durchs Schloss geisterte, würde er es mit Sicherheit Dumbledore erzählen. Und der Slytherin war sich sicher, dass es dann nur doch eine Frage der Zeit war, bis der Schulleiter ihn aus Hogwarts weg schickte.

Merlin, alles, was er wollte, war doch nur ein erholsamer, tiefer Schlummer, wie ihn all die anderen Schüler auch hatten, doch irgendwie ahnte Draco, dass die Schlaflosigkeit in Zukunft noch sein kleinstes Problem sein würde.

XXXXXX

Schweigend stand Harry am Fenster und sah Draco dabei zu, wie dieser im Garten das Holz für den Kamin hackte. Der schwarze Wollpullover, den er ihm damals in der Winkelgasse gekauft hatte, saß wie eine zweite Haut über seinem Oberkörper und ließ das Spiel seiner Muskeln erahnen, als er die Axt wieder und wieder auf die Holzscheite nieder sausen ließ. Natürlich hätte er auch einfach seinen Zauberstab die Arbeit tun lassen können, doch der ehemalige Slytherin genoss es, seinen Körper zu fordern. Da er seit dem Ende der Schulzeit nicht mehr aktiv Quidditch spielte, hielt er sich mit Gartenarbeit, regelmäßigem Laufen und Schwimmen fit.

Eine ganze Weile später kam Draco mit blass Rosa gefärbten Wangen durch die Terrassentür herein.

Na, hast du dich ausgetobt?" fragte Harry grinsend und zupfte ein Stück Rinde aus den Haaren seines Ehemanns.

Voll und ganz", erklärte der Blonde und wischte sich einen leichten Schweißfilm von der Oberlippe. „Solltest du auch mal probieren."

Danke", winkte Harry ab. „Ich ziehe es vor, die Stellung zu halten und dir dabei zu zusehen."

Wie du meinst. Aber etwas Training täte dir auch mal wieder gut." Mit hochgezogenen Augenbrauen piekte Draco den Dunklen in der Höhe seines Nabels in den Bauch.

Willst du damit etwa sagen, ich werde fett?" fragte Harry entrüstet.

Naja, vielleicht nicht fett, aber doch ein wenig füllig", erwiderte Draco neckend.

Du spinnst doch." Eilig lüpfte der ehemalige Gryffindor seinen Pullover und inspizierte kritisch seine Leibesmitte. „Ich habe seit Hogwarts höchstens ein oder zwei Kilo zugenommen."

Verlangend leckte sich Draco bei dem leckeren Anblick über die Lippen. Es war so einfach, seinen Partner aus der Reserve zu locken. „Trotzdem hast du eher einen Waschbärbauch, als einen Waschbrettbauch", bemerkte er betont lässig und machte sich in Richtung des Badezimmers davon.

Sofort nahm Harry die Verfolgung auf. „Das nimmst du zurück!"

Seelenruhig öffnete Draco die Badezimmertür und zog sich nun seinerseits den Pullover über den Kopf. „Lass uns das später klären. Ich will jetzt duschen."

Nein, wir klären das jetzt", erwiderte Harry bestimmt und folgte dem Blonden ins Bad. „Du willst mir doch nicht ernstlich weiß machen, ich hätte zugenommen!"

Und selbst wenn dem so wäre, ich liebe jedes Pfund an dir." Grinsend kickte Draco seine Schuhe von den Füßen und schlüpfte gleichzeitig aus Jeans und Shorts.

Ich bin immer noch genauso gut in Form, wie zu meiner Zeit als Sucher!" ereiferte sich Harry weiter, während sein Partner wortlos in die Dusche stieg und das warme Wasser an stellte. Ein paar Minuten ließ er den ehemaligen Gryffindor noch lamentieren, bevor er den Duschvorhang zur Seite schob und Harry zu sich in die Dusche zog.

Der Dunkelhaarige protestierte sofort heftig, als das warme Wasser seine Kleidung durchnässte, doch Draco war schon dabei, seinem Freund den Pullover über den Kopf zu ziehen.

Merlin, Potter", knurrte er dunkel. „Du hast den heißesten Körper, den ich kenne und nur damit du es weißt, du siehst sogar noch besser aus, als zu Hogwarts-Zeiten."

Zufrieden half Harry mit die Knöpfe seiner Jeans zu öffnen. „Genau das wollte ich hören."

Tbc....