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XLIV. All I want for Christmas is you

I don`t want a lot for Christmas

There is just one thing I need

I don`t care about the presents

Underneath the Christmas Tree.
 

I just want you for my own

More than you could ever know

Make my wish come true

All I want for Christmas is you

(Mariah Carey, All I want for Christmas is you) 


 

„Herein!"

Etwas zögerlich öffnete Harry die Tür zum Büro des Schulleiters. Auf dem Weg hierher hatte er sich genau zurecht gelegt, wie er seine Bitte vortragen wollte, doch jetzt wo der Zeitpunkt gekommen war, fühlte er sich doch etwas vermessen, Professor Dumbledore mit so etwas Profanem zu belästigen.

„Ah, Harry!" Der alte Mann sah von seinen Papieren auf und lächelte dem Jungen aufmunternd zu. „Komm doch herein und setz dich. Ich bin gleich für dich da."

Etwas steif ließ sich Harry in den Stuhl vor dem Schreibtisch des Schulleiters sinken. Er fühlte die Blicke der Portraits an den Wänden auf sich ruhen und das machte ihn noch nervöser, als er es ohnehin schon war. Seine Hände spielten unruhig mit den Knöpfen seiner Robe, bis Professor Dumbledore seine Feder sinken ließ und ihm seine Aufmerksamkeit zu wandte.

„So, mein Junge. Was hast du auf dem Herzen?"

„Ich, äh", stotterte Harry unsicher darüber, wie er beginnen sollte.

„Möchtest du vielleicht erst einmal einen Zimtstern kosten?" fragte Dumbledore und hielt ihm einen Teller hin. „Die Hauselfen haben mir einen ganzen Berg Weihnachtsleckereien gebracht."

„Nein danke, Sir", lehnte der Gryffindor höflich ab.

„Wirklich nicht? Aber ich hoffe, es stört dich nicht, wenn ich einen esse, während ich dir zuhöre." Er nahm sich einen Keks vom Teller und biss genüsslich eine Ecke davon ab. „Hm, köstlich. Also Harry, was kann ich für dich tun?"

„Es geht um Draco, Sir. Wir werden ja Weihnachten beide hier verbringen müssen und ich wollte ihm gern etwas besonderes schenken." Der Junge erläuterte dem Schulleiter seinen Plan. „Wäre es möglich, dass sie mir damit helfen?"

Mit einem letzten Bissen ließ der alte Mann den Rest des Kekses in seinem Mund verschwinden, bevor er Harry über seine Halbmondbrille hinweg musterte. „Das ist wirklich eine schöne Idee. Draco wird sich bestimmt darüber freuen, dass du dir so viel Mühe mit seinem Geschenk gibst."

Der Gryffindor zuckte geschmeichelt mit den Schultern. „Ich möchte einfach, dass er trotz allem ein schönes Fest hat."

„Das wird er bestimmt haben." Mit einem entschuldigenden Lächeln nahm der Schulleiter einen weiteren Keks. „Bring den Gegenstand nachher zu mir, dann werde ich dir helfen."

Erleichtert atmete der Junge auf. „Danke, Sir. Das ist wirklich sehr nett von Ihnen."

„Auch ich möchte, dass ihr ein schönes Weihnachtsfest habt."

Harry war bei diesen Worten bereits aufgestanden, doch Professor Dumbledore hielt ihn mit einer Geste zurück. „Da du nun schon einmal hier bist, würde ich gern etwas mit dir besprechen: Ich denke, ich weiß, wo sich der erste Horcrux befindet."

„Wirklich?" Die Augen des Jungen wurden groß. „Worauf warten wir dann noch?"

„Bevor wir uns vergewissern, dass meine Vermutung richtig ist, möchte ich dir einige Informationen über Lord Voldemorts Vergangenheit geben. Es ist sehr wichtig, dass du weißt, wer unser Gegner überhaupt ist. Denn in der Vergangenheit liegt der Schlüssel zu den anderen Verstecken."

„Dann lassen Sie uns keine Zeit verlieren." Harry machte Anstalten, sich erneut zu setzten.
 

„Nicht so hastig." Der alte Mann lächelte belustigt über den Enthusiasmus seines Schülers. „Ein Leben wie das des Dunklen Lords lässt sich nicht bei Tee und Keksen analysieren. Deshalb möchte ich dich bitten, dass du in den Ferien jeden Abend zu mir kommst, damit wir gewisse Ereignisse genauer betrachten können. Und am Ende dann hoffentlich den ersten Horcrux in Händen halten werden."

Der Gryffindor versuchte sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. So lange schon wartete er nun auf den Moment, an dem sie beginnen konnten, die Bruchstücke von Voldemorts Seele zu zerstören, dass er es nur widerwillig in Kauf nahm, es noch länger hinaus zu zögern. „In Ordnung", sagte er gehorsam. „Dann werde ich morgen Abend, nachdem die anderen Schüler nach Hause gefahren sind, in Ihr Büro kommen."

„Ich werde erst nach dem Abendessen ins Schloss zurück kehren", erklärte Professor Dumbledore. „Also würde ich vorschlagen, du kommst so gegen zwanzig Uhr."

„In Ordnung. Ich werde da sein."

XXXXXX 

Die Große Halle wirkte leer ohne die Scharen von Schülern, die sich schwatzend um die Tische drängelten. Die wenigen Verbliebenen verloren sich beinah in dem gewaltigen Raum. Abgesehen von Harry, Draco, Blaise und Pansy waren etwa noch zwanzig andere Schüler über die Ferien im Schloss geblieben, weshalb die Haustische ihre Gültigkeit verloren hatten und stattdessen alle Schüler am Tisch der Hufflepuffs in der Mitte der Halle saßen.

Von den Lehrern waren, außer Professor Dumbledore, nur noch Professor Snape und Professor McGonagall in Hogwarts geblieben und Harry stellte erstaunt fest, dass er sich nie darüber Gedanken gemacht hatte, ob die Lehrer eventuell eine Familie hatten, bei der sie Weihnachten feiern konnten. Um so überraschter war er, als er erfuhr, dass die Professoren Sprout und Flitwick verheiratet waren und Madam Hooch sogar Kinder hatte. Aus irgendeinem Grund hatte er immer angenommen, dass Hogwarts für sie alle das einzige Zuhause war und er fühlte sich noch wehmütiger, als er es ohnehin schon war.

Vor zwei Tagen hatte er sich schweren Herzens am Bahnhof von Hogsmeade von Hermine und Ron verabschiedet und schon wenige Stunden später waren der dunkle Gryffindor und Professor Dumbledore das erste Mal gemeinsam ins Denkarium abgetaucht, um einen Blick in Lord Voldemorts Vergangenheit zu werfen.

Auch wenn Harry noch nicht begriff, wie ihm das Wissen - das er hier sammelte - auf der Suche nach den Horcruxen weiter helfen sollte, so war es doch interessant zu erfahren, dass der dunkle Zauberer tatsächlich ein Nachfahre von Salazar Slytherin war. Die Umstände, die dazu geführt hatten, dass Voldemort, der damals noch Tom Riddle hieß, im Waisenhaus aufwuchs, stimmten den Jungen beinah traurig und er erkannte die Parallelen zu seinem eigenen Leben. Tief in seinem Herzen fragte er sich sogar, ob vielleicht die Möglichkeit bestanden hätte, dass er ebenso geendet wäre, doch als habe Professor Dumbledore seine Gedanken durchschaut, sagte er in diesem Moment zu ihm: „Voldemort wurde nicht zu dem gemacht, was er ist Harry. Es war seine eigene Entscheidung. Sobald er erkannt hat, dass er anders ist und dass er die Fähigkeit hat, andere zu manipulieren, hat er sie nur zu seinem eigenen Vorteil genutzt. Das Leben und die Gefühle anderer Menschen bedeuten ihm nichts. Er kennt die Macht der Liebe nicht, Harry. Und genau deshalb bist du anders als er."

Ja, die Liebe war schon eine ganz eigene Art der Magie. Seit Harry der Einfall mit dem Geschenk gekommen war, hatte er unermüdlich daran gearbeitet, seine Vorstellung in die Tat umzusetzten. Es sollte perfekt sein. Das perfekte Geschenk für den Jungen, den er liebte.

Draco schien ihm heute noch etwas blasser, als in den letzten Tagen. Seit der Hogwarts Express die anderen Schüler abgeholt hatte, war er schweigsam gewesen, von einigen sarkastischen Kommentaren einmal abgesehen. Lustlos rührte er in seinem Yorkshire Pudding herum und starrte Löcher in die Weihnachtsdekoration, die zwischen den gefüllten Schüsseln auf dem Tisch lag.

Künstlicher Schnee fiel von der verzauberten Decke herab und begrub den steinernen Fußboden unter einer glitzernden, weißen Decken, während dicke, rote Kerzen über dem Tisch schwebten und ihn in ein feierliches Licht tauchten. Mit einem halben Ohr hörte Harry der verträumten Stimme von Luna Lovegood zu, die die verbliebenen Ravenclaws gerade darüber aufklärte, dass jeder zweite Mistelzweig im Schloss mit Nargeln verseucht war, während er gleichzeitig versuchte das permanente Gekichere von Pansy zu ignorieren, an deren Ohrläppchen ein schon recht angetrunkener Blaise knabberte. Ein paar Mal hatte er bereits versucht, Draco in ein Gespräch zu verwickeln, aber der blonde Slytherin schien viel zu weit weg, um ihn überhaupt warhzunehmen. Harry wünschte sich inständig, dass die drei Lehrer endlich das Essen aufheben würden, damit er mit Draco allein sein konnte, doch schon seit einer geschlagenen halben Stunde war Professor Dumbledore in ein Gespräch mit dem Lehrer für Zaubertränke vertieft, bei dem er offenbar Zeit und Raum völlig vergessen hatte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, gerade als die beiden Creevey Brüder „Rudolph, the rednosed Raindeer" zum Besten gaben, erhob sich der Schulleiter endlich und wünschte ihnen allen eine gute Nacht. Augenblicklich kam Bewegung in die Schülerschar und sie strebten in die unterschiedlichen Richtungen davon, wobei sie tiefe Fußspuren im künstlichen Schnee hinterließen. Auch Draco erwachte endlich aus seiner Starre und erhob sich schwungvoll von seinem Stuhl. Ein Zweitklässler aus Hufflepuff fragte Harry schüchtern, ob er vielleicht Lust auf eine Partie Zauberschach habe, doch der dunkle Gryffindor lehnte höflich ab. Er hatte ganz klar andere Pläne für die nächsten Stunden.

Aus praktischen Gründen hatte er gemeinsam mit Draco beschlossen, den Abend im Gryffindor-Turm zu verbringen, ganz einfach deshalb, weil es dort gemütlicher war, als in den dunklen, feuchten Kerkern. Die Fette Dame hatte es sich in ihrem Portrait mal wieder mit ihrer Freundin Violett bequem gemacht und sie tranken gerade munter die dritte Flasche Sherry, als die beiden Jungen vor dem Bild zum Stehen kamen.

Drei Mal musste Harry das Passwort wiederholen, bevor die beiden Damen ihm endlich ihre Aufmerksamkeit schenkten.

„Festtagsstimmung."

„Würden wir mit Sicherheit haben, wenn man uns in Ruhe feiern lassen würde", schnappte die Fette Dame und hob erneut das Glas an ihre Lippen, bevor sie endlich zur Seite schwang.

Kopfschüttelnd kletterte Draco hinter seinem Freund durch das Loch in den Gemeinschaftsraum. „Manchmal frage ich mich ernsthaft, nach welchen Kriterien die Wächter der Eingänge ausgesucht werden. Wenn ein Portrait in meinem Haus so frech wäre, hätte ich es schon längst abnehmen und verbrennen lassen."

„Ich habe mal gehört, dass die Fette Dame die Einzige war, die den Job machen wollte. Es ist ja auch nicht ganz ungefährlich." Harry dachte an sein drittes Schuljahr, als Sirius aus Askaban ausgebrochen war und auf der Suche nach ihm das Portrait am Eingang des Gryffindor-Turmes schwer beschädigt hatte. Die Fette Dame war schreiend durch beinah sämtliche Bilder des Schlosses gerannt und hatte sich wochenlang versteckt, bis sie sich wieder so weit beruhigt hatte, um ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen.

„Vielleicht sollte man das ganze System ohnehin einmal überdenken", gab Draco zurück. „Man könnte doch zum Beispiel einen Fidelius Zauber über den Eingang verhängen und die Vertrauensschüler müssten den neuen Schülern sagen, wo sich der Eingang befindet."

„Findest du nicht, dass das ein bisschen zu viel Aufwand ist?" fragte Harry und ließ sich in einen der Sessel plumpsen. „Wir reden hier schließlich von einer Schule und nicht von einer geheimen Festung."

`Und außerdem bin ich der beste Beweis, dass das Fidelius-System bei weitem nicht unfehlbar ist`, fügte er in Gedanken hinzu.

Schulterzuckend ließ sich Draco auf der Armlehne des Sessels nieder, in den sich sein Freund gesetzt hatte. „So lange die Fette Dame draußen ist und wir hier drinnen ist es mir egal", erwiderte der Slytherin, während er sich zu Harry herunter beugte und seinen Mund mit einem fordernden Kuss eroberte. „Ich habe da meine ganz eigene Methode um in Festtagsstimmung zu kommen."

Das glaubte Harry ungesehen und Dracos Hände an den Knöpfen seiner Robe zeigten ihm, dass der Blonde das Gesagte auch direkt in die Tat umzusetzen gedachte. Okay, eigentlich kam dieser Teil in seiner Planung erst sehr viel später dran, aber er würde natürlich nicht nein sagen, wenn Draco mit so eindeutig - Harry schluckte schwer, als die Hand des Slytherin in seine Hose rutschte - äh, handfesten Argumenten aufwartete.

In diesem Moment schwang das Portrait erneut zur Seite und die beiden Creeveys betraten. immer noch singend den Gemeinschaftsraum. Harry versteifte sich unter den Händen seines Freundes, doch Draco tat, als würde er die Anderen nicht hören und knöpfte langsam aber zielstrebig Harrys Hose auf. Als die Creeveys die beiden älteren Jungen bemerkten, blieben sie neugierig stehen und Dennis hob seine Kamera vors Gesicht, die er wie immer um den Hals trug.

„Creevey, wenn du ein Foto von uns machst, dann schwöre ich dir, dass ich aus deinen Eingeweiden Lametta mache", knurrte Draco den Jungen an, wobei er sich halb nach ihm umdrehte und ihn böse anfunkelte.

Sofort ließ der jüngere Gryffindor die Kamera sinken und verließ mit seinem Bruder beinah fluchtartig den Gemeinschaftsraum in Richtung der Schlafsäle. Zufrieden wandte der Slytherin seine Aufmerksamkeit wieder Harrys Hose zu.

„Du kannst manchmal richtig fies sein, weißt du das?" keuchte Harry, als der Blonde den Stoff schließlich über die Hüfte nach unten schob.

„Wenn du lieber mit den Kinder Weihnachtslieder singen willst, sag nur Bescheid, Potter." Dracos Zunge hinterließ eine feuchte Spur auf seinem Bauch, als sein Kopf langsam abwärts wanderte.

„Das habe ich nicht gesagt", gab der Gryffindor gepresst zurück. Er musste sich wirklich beherrschen, als er die Hände in den Haaren des Blonden vergrub, sein Becken nicht ungeduldig nach oben rucken zu lassen.

Die Stimme des Slytherin klang undeutlich, als sein Mund endlich das Ziel seiner Begierde gefunden hatte. „Das will ich dir auch nicht geraten haben."

XXXXX
 

Sehr, sehr viel später holte die Glocke der Turmuhr Harry wieder zurück in die Wirklichkeit. Er zählte zwölf Schläge. Mitternacht. Jetzt war es wirklich Weihnachten.

Vorsichtig berührte er Draco an der Schulter um ihn aufzuwecken. Der Blonde lag quer über ihm ausgestreckt auf der Couch, den Kopf hatte er in Harrys Halsbeuge vergraben.

„Nur noch fünf Minuten", nuschelte der Slytherin gegen die warme Haut vor sich, als der Gryffindor ihn erneut sanft rüttelte.

„Na komm schon. Mach die Augen auf, Love", flüsterte Harry leise. „Es ist Mitternacht. Weihnachten."

„Du weckst mich, um mir das zu sagen?" knurrte Draco und hob leicht den Kopf, um in die Augen seines Freundes zu sehen. „Du bist doch nicht ganz dicht, Potter."

Mit diesen Worten versuchte sich der Blonde wieder zusammen zu rollen, doch Harry schob ihn entschlossen von sich herunter, was dem Slytherin einen protestierenden Laut entlockte.

„Wenn du deine Geschenke nicht haben willst...", begann der Gryffindor unschuldig und schlenderte langsam in die Richtung des in Rot geschmückten Weihnachtsbaums. Er nahm ein in grünes Seidenpapier eingeschlagenes Päckchen und schüttelte es leicht. „Hm, sieht teuer aus. Was da wohl drin sein mag..."

Die Taktik wirkte. Auf einen Schlag war Draco hellwach und auf den Beinen. „Finger weg von meinen Geschenken, Potter."

Der Blonde schnappte dem anderen Jungen das Päckchen weg und schüttelte es nun seinerseits, bevor er die daran befestigte Karte öffnete. „Aha, es ist von Pansy. Dann weiß ich schon, was drin ist." Ohne Rücksicht auf das feine Papier zu nehmen, riss er die Verpackung auseinander und hielt eine Flasche Parfüm in den Händen. „Wusste ich es doch. Sei vorsichtig, wenn du daran riechst. Pansy hat eine Vorliebe für extrem stark duftende Männer."

„Und dann schenkt sie ausgerechnet dir so etwas?" fragte Harry mit einem leicht eifersüchtigen Unterton.

Der Slytherin zuckte die Schultern. „Macht der Gewohnheit. Mal sehen, was es noch so gibt."

Harry hatte fast ein schlechtes Gewissen bei all den Geschenken, die für ihn bestimmt waren: Rons Eltern hatten ihm wieder den obligatorischen Pullover geschenkt. Von Fred und George bekam er eine Auswahl an selbst entwickelten Scherzartikeln und von Ron selbst Quidditch-Handschuhe aus Leder. Hermine hatte ihm ein Buch mit dem Titel „Zaubertränke brauen leicht gemacht" geschickt, da er in dem Fach nach wie vor große Schwierigkeiten hatte. Außerdem lagen noch diverse Süßigkeiten unter dem Baum, die ihm andere Mitglieder seines Hauses geschenkt hatten.

Aber auch für Draco lagen noch vier weitere Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. In dem Paket von Blaise befand sich ein Zauberschachspiel aus Elfenbein. Von Crabbe und Goyle (deren Geschenke so aussahen, als sei das Papier eine gefärbte Seite des Tagespropheten) bekam Draco Kürbispasteten, Zigaretten und Feuerwhiskey. Das letzte Geschenk, dessen Verpackung schwarz wie die Nacht war, kam von Professor Snape. Neugierig betrachtete Draco die kleine Phiole, die zum Vorschein kam, als er den Karton öffnete.

„Wow", entfuhr es Harry beeindruckt und sein Blick klebte an der glänzenden, goldenen Flüssigkeit in dem Glasfläschchen. „Ist es das, was ich denke, dass es ist?"

Der Slytherin nickte feierlich. „Felix felicitas."

Einen Moment war Harry sprachlos und ein wenig eifersüchtig. Pures Glück. So ein Geschenk war kaum zu toppen. „Gratuliere", sagte er, nachdem er den Neid herunter geschluckt hatte. „Wenn jemand wirklich Glück benötigt, dann du."

Draco verzog gequält das Gesicht. „Merlin, du hast wirklich eine ganz tolle Art einen aufzubauen."

Beschämt errötete Harry bis zu den Haarwurzeln. „Entschuldige. Es war nicht so gemeint, wie es sich anhörte. Magst du jetzt vielleicht mein Geschenk aufmachen?" Er hielt seinem Freund ein einfaches, rotes Päckchen entgegen, das er bis jetzt hinter einem Sessel versteckt hatte. Es war wichtig, dass Draco es unbedingt als letztes öffnete.

Neugierig nahm der Slytherin das Päckchen an sich und öffnete die goldene Schleife. In dem Moment, in dem er das Papier zurück schlug und seine Hände den schwarzen Pullover berührten, fühlte er auch schon das bekannte Ziehen hinter seinem Bauchnabel. Harry blieb gerade noch genug Zeit, um seine Hand ebenfalls auf den Pullover zu legen, dann drehte sich alles um die Jungen und der Gemeinschaftsraum verschwand vor ihren Augen.

XXXXXX

„Ein Portschlüssel?" fragte Draco, als seine Füße erneut den steinernen Fußboden berührten. Suchend sah er sich auf dem dunklen Korridor um. „Du schenkst mir einen Portschlüssel innerhalb von Hogwarts?"

„Nicht ganz", antwortete Harry und nach einem `Lumos` erleuchtete die Spitze seines Zauberstabs den Flur. „Eigentlich schenke ich dir den Pullover und etwas, das sich hinter dieser Tür befindet."

Er deutete auf die Wand hinter sich.
 

„Welche Tür?" fragte Draco verwirrt. „Dort ist doch gar keine."

„Jetzt noch nicht, aber gleich", informierte ihn sein Freund, während er versuchte sich zu konzentrieren. Drei Mal ging er vor dem Bild von Barnabas dem Bekloppten auf und ab, bis an der bis eben noch glatten Wand plötzlich eine Tür erschien. Als sich der Gryffindor triumphierend lächelnd zu Draco umdrehte, war dieser sichtlich beeindruckt.

„Ich präsentiere den Raum der Wünsche." Mit einem feierlichen Ausdruck öffnete er die Tür und bedeutete seinem Freund einzutreten. Dracos Augen weiteten sich vor Überraschung und er blieb mitten im Türrahmen stehen, als er sah, was sich hinter der Tür verbarg.

„Das ist... das ist...", stammelte er verwirrt.

„Der Salon von Malfoy Manor", bestätigte ihm Harry. „Wenn du Weihnachten nicht zu Hause feiern kannst, hole ich dein Zuhause eben hier her."

Tatsächlich sah der Raum genau so aus, wie das Wohnzimmer der Familie Malfoy. Teure Teppiche bedeckten den weißen Marmorfußboden. Ein großer Kronleuchter hing an der Decke und Ölgemälde schmückten die Wände. Vor dem Kamin, auf dessen Sims einige Familienfotos standen, waren die antiken Rokkoko-Möbel um den Kaffeetisch arrangiert, genau so wie es bei seinem Besuch zu Hause im Sommer gewesen war. Nur der gewaltige, in Silber dekorierte Weihnachtsbaum, der eine Ecke des Raumes ausfüllte, veränderte das gewohnte Bild.

„Wie ist das möglich?" fragte Draco, als er die erste Überraschung verdaut hatte.

„Man muss nur ganz fest daran denken, wie der Raum aussehen soll und schon passiert es. Weil ich aber noch nie in eurem Wohnzimmer gewesen bin, haben mir Pansy und Blaise mit ihren Erinnerungen geholfen", erklärte ihm der Gryffindor.

„Du hast mit Blaise gesprochen?" hakte der Slytherin kopfschüttelnd nach. „Und dabei schwört er immer noch Stein und Bein, dass er dich hasst."

„Blaise hat mir ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass er es nicht für mich tut. Aber wir haben zumindest so eine Art von Waffenstillstand. Komm, lass uns was trinken."

Harry führte seinen Freund zum Tisch, wo eine große Schüssel mit Punsch stand. „Dann hast du das Ernst gemeint, dass du mit mir Punsch trinken willst, bis wir dummes Zeug reden?" fragte Draco, während der Gryffindor ihm eine Tasse füllte.

Der Dunkle grinste verschlagen. „Klar. Ich fülle dich heute so lange ab, bis du mindestens ein Weihnachtslied gesungen hast."

„Eher saufe ich mich ins Koma, als dass du von mir so einen gefühlsduseligen Muggelquatsch hörst", gab Draco Augen rollend zurück.

„Wir werden sehen." Harry füllte auch sich selbst eine Tasse mit Punsch, dann prostete er seinem Freund zu. „Fröhliche Weihnachten, Love."

Der Slytherin gab sich alle Mühe, seine coole Fassade zu wahren, als er mit Harry anstieß. „Ein frohes Fest auch für dich, Babe."

XXXXXX
 

Leise vor sich hin summend öffnete Draco den Karton mit der Weihnachtsdekoration. Mit dem Zauberstab ließ er eine Kugel nach der anderen heraus schweben und sich selbstständig an den Zweigen des Baumes befestigen. In seinem Gesicht lag dabei eine beinah kindliche Vorfreude, während Harry hinter ihm im Rahmen der Wohnzimmertür stand und ihn schweigend bei seiner Arbeit beobachtete.

Der Blonde hatte wie in jedem Jahr darauf bestanden, den Weihnachtsbaum allein zu schmücken und Harry durfte nicht herein kommen, bevor er fertig war. Wenn Draco bemerken würde, dass er mogelte, würde er fuchsteufelswild werden. Daher wollte Harry gerade wieder leise hinaus gehen und die Tür schließen, als es einen lauten Knall gab. Eine der roten Kugeln war explodiert und feine Splitter flogen in alle Richtungen.

Verflucht und zugenäht!" schimpfte Draco und fügte die Scherben mit einem schnellen Schwenk seines Zauberstabs wieder zusammen, bevor er die Kugel erneut empor schweben ließ. Doch wieder erreichte sie ihr Ziel nicht in einem Stück, sondern explodierte in einem roten Scherbenregen.

Ein trauriger Ausdruck huschte über Harrys Gesicht, als er sich auf Zehenspitzen zurück zog und die Tür vorsichtig schloss. Geräuschvoll ließ er die Luft aus seinen Lungen entweichen, bevor er die Stirn gegen das kühle Holz lehnte und die Augen schloss.

Tbc...