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XLVI. Reach out I`ll be there 

When you feel lost and about to give up

`Cause your best just ain`t good enough

And you feel the world has grown cold

And you`re driftin` out all on your own

And you need a hand to hold

Darlin` reach out, darlin` reach out for me

 

(Michael Bolton, Reach out I`ll be there)

Es hatte irgendwie etwas tröstliches, als die Wintersonne endlich über den Hügeln von Hogwarts aufging. Die Nacht war Harry beinah endlos erschienen, wie eine dunkle, dicke Decke, die ihn zu ersticken drohte. Er hatte sich nicht getraut, Draco in den Kerker der Slytherins zurückkehren zu lassen, weshalb die beiden Jungen die Stunden bis zum Morgen auf einer Matratze in dem ungenutzten Klassenraum im zweiten Stock verbracht hatten, in dem sie sich sonst heimlich trafen. Obwohl Draco die meiste Zeit über reglos in den Armen seines Freundes gelegen hatte, war sich Harry sicher, dass der Slytherin - wie er selbst - trotz der Erschöpfung in dieser Nacht kein Auge zugemacht hatte. Zu sehr lastete die alles entscheidende Frage über ihnen, als dass sie sich dem erlösenden Schlaf überantworten konnten: Wie sollte es weiter gehen?

Harrys Gedanken schienen sich im Kreis zu drehen, so sehr versuchte er, eine Lösung für ihr Dilemma zu finden: Wenn Dumbledore ihm in Zukunft keine Hilfe mehr sein konnte, musste er die Horcruxe ohne ihn finden und er musste sie bald finden, bevor Voldemort zu mächtig wurde. Dass Draco unter seinem Einfluss durch das Schloss geisterte, zeigte dem Gryffindor nur noch deutlicher, wie nah der Dunkle Lord seinem Ziel offensichtlich bereits war. Was Harry zu seinem zweiten Problem führte: Wie sollte er das Schloss verlassen und sich auf die Suche konzentrieren und gleichzeitig seinen Freund im Auge behalten? Es führte kein Weg daran vorbei: Harry brauchte Hilfe, wenn er nur die kleinste Chance haben wollte, diesen Krieg zu gewinnen, ohne dabei Draco zu verlieren. Denn es war nahezu unmöglich alles gleichzeitig zu tun, auch wenn ihm der Schulleiter eingeschärft hatte, mit niemandem über die Mission zu sprechen.

„Ich muss gehen", sagte Draco schließlich in die Stille des Raumes hinein. Er setzte sich auf der Matratze auf und rieb sich mit den Handflächen über die geschwollenen Augen.

„Wohin?" fragte Harry perplex und setzte sich ebenfalls auf. Es war noch früh, die Sonne war gerade erst aufgegangen. Bis zum Frühstück dauerte es mit Sicherheit noch zwei Stunden.

„Packen", erwiderte der Slytherin resigniert. „Ich will hier weg sein, bevor die Anderen aufgestanden sind."

„Du musst nicht gehen", versuchte der Dunkle seinen Freund zu überzeugen. „Wir finden einen anderen Weg."

„Es gibt keinen anderen Weg", gab Draco entschieden zurück. „Ich bin eine Gefahr für jeden hier im Schloss und selbst wenn Dumbledore mich nicht wegschicken würde, werde ich freiwillig gehen."

„Wo willst du denn hin?" fragte der Gryffindor alarmiert. „Du sagst doch selbst, dass es keinen Platz gibt, der so sicher ist wie Hogwarts."

„Keine Ahnung", gab der Blonde zu. „Ins Ausland, nach Übersee, so weit weg wie irgendwie möglich."

„Auf keinen Fall", erwiderte Harry vehement. „Das wäre Wahnsinn und das weißt du auch. Er würde dich finden und wenn du bis zum Ende der Welt gehst."

„Dann sag mir, was ich tun soll!" verlangte Draco verzweifelt. „Sag es mir! Was ist, wenn ich nachts einen Mensch töte? Was ist, wenn ich dich töte?"

„Das wirst du nicht tun", sagte Harry bestimmt.

„Ach ja? Und wer wird mich davon abhalten?" fragte der Slytherin bitter. „Du?"

„Ja." Der Gryffindor nickte verbissen. „Wenn es sein muss."

„Und wie willst du das tun? Willst du etwa bis in alle Ewigkeit jede Nacht neben meinem Bett sitzen und aufpassen, dass ich nicht türme?"

Nachdenklich zog der Dunkle die Stirn kraus. „Nein, sicher nicht. Hast du es schon mit einem Schlaftrank versucht?"

„Ja, sogar mit zwei verschiedenen, aber das hat auch nicht geholfen", erwiderte Draco resigniert.

„Und wenn wir einen Zauber über die Tür legen würden..."

„Dir ist schon klar, dass ich nicht immer in meinem Bett schlafe, oder?" unterbrach ihn der Blonde und deutete auf die Matratze, auf der sie saßen. „Außerdem könnte ich immer noch mit dem Besen durchs offene Fenster fliegen."

Einen Augenblick hing jeder seinen Gedanken nach, dann sagte Harry plötzlich: „Dann bleibt nur noch eins übrig: Wir binden dich am Bett fest."

„Was?" fragte der Slytherin, der glaubte, sich verhört zu haben.

„Wir binden einen Arm oder ein Bein von dir am Bettgitter fest", wiederholte der andere Junge seinen Gedanken.

„Die Matratze hier hat aber kein Gitter", stellte der Blonde fest.

„Dann verwandeln wir eben das nächste Mal ein Pult in ein Bettgestell", wischte Harry den Einwand beiseite.
 

„Und wo ist die Garantie, dass ich mich nicht losbinde?"

„Ich habe da mal von einem Zauber gelesen, der im ersten Krieg verwendet wurde", erinnerte sich der Gryffindor. „Mit ihm konnte man einen Gefangenen fesseln und nur der, der den Zauber ausgesprochen hat, konnte ihn dann wieder losbinden."

Draco war einen Moment lang zu perplex, um darauf zu antworten. „Du willst mich ans Bett fesseln?" fragte er schließlich noch einmal nach.

„Ich oder vielleicht Blaise, wenn du im Kerker schläfst", fasste Harry zusammen.

„Ohne, dass ich mich selbst befreien kann", resümierte Draco erneut.

Der Dunkle nickte. „Das ist der Plan."

„Großartig." Der Slytherin ließ sich erneut auf die Matratze fallen.
 

„Hast du ein Problem damit?" hakte sein Freund nach.

„Nur, dass ich euch dann auf Gedeih und Verderb ausgeliefert bin", gab der Blonde sarkastisch zurück.

„Glaubst du etwa, ich würde das ausnutzen?" fragte ihn der Gryffindor empört.

Draco atmete leise durch. „Du vielleicht nicht."

„Blaise ist dein Freund", erinnerte ihn Harry. „Er wird uns helfen, denn er würde genauso wenig wollen, dass du Hogwarts verlässt, wie ich. Also, was sagst du?"

Der Slytherin seufzte tief. „Ich habe ja wohl keine andere Wahl."

Erleichtert sank Harry neben seinem Freund nach hinten. Sie hatten tatsächlich einen Weg gefunden. Ob sich dieser Plan als Lösung für ihr Problem eignete, würde sich noch zeigen müssen, doch dass Draco ihm zugestimmt hatte, bedeutete, dass er es wenigstens versuchen wollte.
 

XXXXXX

So sehr es Harry gegen den Strich ging, doch kurz vor dem Frühstück mussten sich die beiden Jungen schließlich trennen, um sich umzuziehen. Draco trug immer noch den Flanell-Pyjama, mit dem er in der Nacht auf dem Astronomie-Turm gestanden hatte und Harrys Kleidung war von seinem Abenteuer in der Höhle dreckig und zerknittert.

Der Ausflug mit Professor Dumbledore schien ihm jetzt bei Tageslicht beinah irreal, doch das Medaillon in seiner Tasche und der leere Stuhl des Direktors am Lehrertisch, waren untrügliche Zeichen dafür, dass er diesen Höllentrip tatsächlich erlebt hatte. Er wagte es nicht, vor den anderen Schülern Professor Snape nach dem Zustand des alten Mannes zu fragen, zumal ihm dieser während des Frühstücks ständig bohrende Blicke zuwarf, die Harry unmissverständlich klar machten, dass der Zaubertränkelehrer noch nicht damit fertig war, ihn zu den Geschehnissen der Nacht zu befragen.

Der Gryffindor tat daher so, als sei er brennend an Lunas Vortrag über den Schlickschlupf interessiert, während er auf eine Chance wartete, sich unbeobachtet davon zu stehlen. Am liebsten wollte er so schnell wie möglich nach oben in die Krankenstation, um nach Professor Dumbledore zu sehen und er kaute ungeduldig auf seinem Toast mit Honig herum. Draco saß mit unbewegtem Gesicht neben ihm und rührte gedankenverloren in seinem Müsli. Nur wenn sich ihre Beine unter dem Tisch von Zeit zu Zeit berührten, sahen sich die beiden Jungen an und tauschten ein schwaches Lächeln miteinander.
 

Als Professor MacGonagall schließlich das Frühstück aufhob, rief der Hauslehrer der Slytherins Draco zu sich und Harry sah seine Gelegenheit kommen. Im Aufstehen beugte er sich schnell zu Blaise herüber, der zwei Stühle entfernt saß.

„Tu mir einen Gefallen und bleib nach dem Frühstück eine Weile bei Draco", raunte er dem dunklen Slytherin ins Ohr.

„Was soll das Potter?" knurrte Zabini zurück. „Draco ist alt genug, um auf sich selbst aufzupassen."

„Ich erkläre dir das später, okay? Frag ihn einfach, ob er Lust auf `ne Partie Zauberschach hat oder so. Hauptsache, er bleibt nicht allein."

Blaise sah ihn zwar mit einem Gesichtsausdruck an, der deutlich machte, dass er dachte, Harry sei nicht ganz dicht, aber schließlich nickte er. Der Gryffindor gab das Nicken ernst zurück, dann vergewisserte er sich, dass Snape immer noch mit Draco beschäftigt war, bevor er eilig aus der Halle spurtete.

Erst vor der Tür der Krankenstation verlangsamte er seine Schritte. Sorgfältig glättete er seine widerspenstigen Haare, bevor er leise die Klinke herunter drückte und auf Zehenspitzen in den Krankensaal trat. Helles, weiches Licht fiel durch die hohen Fenster hinein und gab dem Raum etwas Behagliches. Harry war noch nie aufgefallen, wie unterschiedlich die Atmosphäre im Krankenflügel und zu der im St. Mungo Hospital war. Trotz der weißen Betten, die in einer Reihe zu beiden Seiten des Raumes standen, hatte das Zimmer etwas Warmes, Gutes, Beruhigendes. Es war ein Teil von Hogwarts, ein Teil seines Zuhauses.

Wie oft war Harry hier aufgewacht, umgeben von seinen besorgten Freunden und wie oft hatte er selbst einen seiner Freunde hier besucht. Doch egal wie hoffnungslos die Lage auch gewesen sein mochte, er hatte nie geglaubt, einmal jemanden hier sterben zu sehen. Und er wollte es auch jetzt nicht glauben.

Die Schulschwester, Madam Pomfrey, war gerade dabei eines der Betten frisch zu beziehen, als Harry die Krankenstation betrat. Sofort schenkte sie ihm ein freundliches Lächeln und bedeutete ihm, näher zu kommen.

„Harry, mein Lieber", begann die resolute, ältere Frau. „Du bist bestimmt hier, um nach Professor Dumbledore zu sehen."

„Das stimmt", gab der Gryffindor zu. „Wie geht es ihm denn?"

Madam Pomfrey seufzte. „Severus hat alles in seiner Macht stehende getan, um ihm zu helfen, aber das Gift war sehr stark. Wir hatten wirklich Angst um sein Leben. Doch seit dem frühen Morgen scheint sich sein Zustand zu stabilisieren. Ich denke, er wird es schaffen."

Ein riesiger Stein fiel diesen Worten von Harrys Herzen. Professor Dumbledore würde leben! Er würde es schaffen! Er würde Harry weiterhin bei der Jagd nach den Horcruxen unterstützten!

„Darf ich ihn sehen?" fragte der Junge begierig.

„Natürlich, Harry. Du kannst ihm gern etwas Gesellschaft leisten. Auch wenn ich dir nicht versprechen kann, dass er dich hören wird. Professor Dumbledore liegt in einem tiefen Zauberschlaf, die Muggel würden so etwas Koma nennen. Aber er würde sich bestimmt freuen, wenn du dich zu ihm setzt."

Die Freude, die er gerade noch in seinem Inneren gefühlt hatte, zersplitterte in tausend kleine Scherben. Im Koma, Professor Dumbledore lag im Koma. Und das, wo Harry ihn so dringend fragen wollte, was er nun mit dem Medaillon in seiner Tasche tun sollte. Sicher, er wusste, es musste zerstört werden, aber wie?

Mit gemischten Gefühlen trottete Harry zu dem Bett des Schulleiters herüber, das durch einen Paravent vom Rest des Raumes getrennt worden war. Noch immer war Professor Dumbledore auffallend blass, seine Wangen wirkten eingefallen, seine Augen lagen tief in den Höhlen. Ohne Brille, die knochigen Hände schlaff neben dem Körper liegend, schien der Schulleiter noch älter, als sonst und Harry ertappte sich dabei, dass ihm Dumbledores Gestalt fremd vorkam. Ihm fehlte das lustige Zwinkern, das der Mann immer dann gezeigt hatte, wenn er einer Situation den Ernst nehmen wollte. Ohne das Lächeln auf dem faltigen Gesicht und das Funkeln in den Augen wirkte Professor Dumbledore einfach nur wie ein alter, kranker Mann.

Harry wusste nicht, was er sagen sollte, deshalb setzte er sich wortlos auf den Stuhl, der neben dem Bett stand. Seine rechte Hand, die in der Tasche seiner Hose steckte, schloss sich um das Medaillon, als könnte es ihm zeigen, was er tun sollte. Hilflos ruhte sein Blick auf der reglosen Gestalt im Bett und für einen Moment erwog er, die schlaffen Finger in die Seinen zu nehmen, tat es aber nicht. Es hätte nicht gepasst, wäre zu intim für die Beziehung gewesen, die sie zu einander hatten. Professor Dumbledore war sein Mentor, sein Schulleiter, sein väterlicher Freund. Damals, nach Cedrics Tod, als Harry außer sich vor Trauer und Schmerz vom Friedhof zurück gekommen war, hatte er ihn einmal in den Arm genommen, aber das war eine Ausnahme gewesen. Der körperliche Kontakt war sonst auf ein Händeschütteln oder das Klopfen auf die Schulter beschränkt gewesen.

„Hallo Professor", brachte Harry schließlich heraus, um überhaupt etwas zu sagen. „Ich... ich wäre schon eher gekommen, aber es ging nicht."

Angespannt beobachtete er das Gesicht des Direktors, doch Dumbledore regte sich nicht.

„Ich möchte, dass Sie wissen, dass ich nicht aufgeben werde. Ich werde weiter machen so gut ich kann", versprach Harry flüsternd. „Wenn ich nur wüsste, wo ich weiter suchen muss..."

Der alte Mann stöhnte leise und wälzte sich im Bett hin und her. Seine Augen flatterten, blieben jedoch geschlossen.

„Professor? Können Sie mich hören?"

Wieder stöhnte der Schulleiter auf. Seine linke Hand öffnete und schloss sich, als wolle sie nach etwas greifen. Vielleicht suchte er den Horcrux?

„Er ist in Sicherheit", versuchte Harry den Mann zu beruhigen. „Keine Sorge, ich passe gut auf ihn auf. Aber wie zerstöre ich ihn? Und wie finde ich die anderen?"

Dumbledores Lippen bewegten sich leicht, doch schienen keine Worte seinen Mund zu verlassen. Schnell sprang Harry auf die Beine und hielt sein Ohr dicht über das Gesicht des alten Mannes. „Noch einmal", forderte er Dumbledore auf. „Sagen Sie es mir."

Erneut bewegten sich die Lippen des Schulleiters. „Notizbuch", glaubte Harry zu verstehen. „Mein Büro."

Dann stöhnte der Mann erneut auf und sein Körper wurde wieder schlaff.

Doch Harry wusste nun, was er wissen musste. Neue Hoffnung durchströmte ihn. „Danke, Professor", rief der Junge und drückte nun doch die Hand des Bewusstlosen, bevor er eilig die Krankenstation verließ.

XXXXXX

Ein Blick auf die Karte des Rumtreibers verriet Harry, dass sich Draco und Blaise zusammen in der Bibliothek befanden, weshalb auch er seine Schritte dahin lenkte. Er fand die beiden Slytherins über ein Buch mit alten Runen gebeugt. Draco wirkte beinah gelangweilt, während Blaise verbissen Symbole auf ein Pergament übertrug.

„Arbeitet ihr etwa?" begrüßte der Gryffindor die Beiden mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Draco war so nett, mir bei einer Hausaufgabe zu helfen", erwiderte Blaise mit einem Blick in Harrys Richtung, der ganz eindeutig die ich-habe-etwas-gut-bei-dir Handschrift trug. „Und was verschlägt den Golden Boy hierher?"

Harry überhörte die Stichelei liebenswürdig, als er sich zu den Jungen an den Tisch setzte. „Ich dachte, ich suche mal nach einem Ort, an dem man sich ruhig unterhalten kann."

„Ruhig ist hier im Moment noch untertrieben", sagte Blaise und streckte seinen schmerzenden Rücken. „Seit die Ferien begonnen haben, trifft man höchstens noch eine Spinne in der Bibliothek."

„Wunderbar." Harry sah seinen Freund fragend an und Draco nickte als Zeichen, dass er Harry das Reden überlassen würde. „Zabini, Draco und ich haben eine Bitte an dich."

„Schon wieder, Potter?" gab Blaise schnaubend zurück. „Das wird ja langsam zur Gewohnheit."

„Dieses Mal ist es ernst", erwiderte Harry, mit einem Seitenblick auf Draco, der jetzt den Blick auf seine Hände gesenkt hielt. „Wir hatten schon eine ganze Weile die Vermutung, dass hinter Dracos `Flucht` aus Malfoy Manor ein Plan von Voldemort steckt, doch jetzt wissen wir es mit Sicherheit."

Der dunkle Slytherin lehnte sich angespannt nach vorn. „Schieß los, Potter. Ich bin ganz Ohr."

In kurzen Worten erzählte Harry von Dracos nächtlichen Ausflügen, wobei er die Episode auf dem Astronomie Turm wohl weißlich ausließ. Die ganze Situation war für den Blonden schon unangenehm genug, ohne dass Blaise erfahren musste, dass sich sein Freund um ein Haar das Leben genommen hätte.

„Scheiße, Dray", war letztendlich alles, was Zabini hervor brachte.

„Das kannst du laut sagen, Blaise", erwiderte der blonde Slytherin bitter.

„Ich verstehe jetzt, dass die ganze Sache einfach verdammt beschissen ist, aber was soll ich dagegen machen?" fragte Zabini verständnislos.

„Ich kenne einen Zauber", begann Harry den Plan zu erklären. „Mit dem man jemanden am Bett festbinden kann und nur der, der den Zauber ausgesprochen hat, kann ihn später wieder losbinden."

„Ich soll dich fesseln, Dray?" fragte der dunkle Slytherin mit einem verschlagenen Grinsen. „Schade, dass ich nicht anders herum bin, das würde ja ganz neue Möglichkeiten eröffnen."

Harry konnte nicht verhindern, dass ihm ein leises Knurren entwich, doch bevor er etwas sagen konnte, was ihm später leid tun würde, hatte sein Freund schon den passenden Spruch parat.

„Das hättest du gern, was Zabini?" gab Draco schlagfertig zurück. „Aber jetzt im Ernst: Machst du`s oder nicht?"

„Was ist denn das für eine Frage?" entrüstete sich Blaise. „Ich würde dich auch in Ketten legen oder dich k.o. schlagen, wenn`s sein muss."

„Zu liebenswürdig, aber das wird nicht nötig sein", erwiderte Harry etwas angesäuert, während er einen Zettel vor dem Slytherin auf den Tisch legte. „Denk einfach daran, den Zauber abends beim ins Bett gehen durchzuführen und schon können wir alle wieder beruhigt schlafen."
 

XXXXXX

Als Harry an diesem Abend in sein gemütliches Bett im Gryffindor Turm kletterte, übermannte ihn sofort die Müdigkeit. Die Ereignisse der letzten Tage und die durchwachte Nacht zuvor forderten nun ihren Tribut. Nach dem Abendessen hatte er sich noch vergewissert, dass Zabini den Zauberspruch, den er ihm gegeben hatte, auch durchführen konnte, dann hatte er die Zeit bis zum ins Bett gehen mit Draco in ihrem Raum im zweiten Stock verbracht. Auch der Slytherin wirkte schon etwas ruhiger und positiver als in den Tagen zuvor.

Harry war sich sicher, dass sie es schaffen würden. Sollte Voldemort doch seine Finger nach Draco ausstrecken, es würde ihm nicht nützen. Gemeinsam waren sie stärker als der Dunkle Lord.

Jetzt musste er nur noch Dumbledores Notizbuch holen, dann konnte die Jagd nach den Horcruxen fortgesetzt werden.

XXXXXX 

Draco, hast du etwa mit meinem guten Hemd deinen Besen geputzt?" Entgeistert hielt der dunkelhaarige Mann einen Lumpen in der Hand, der vage an ein Herrenhemd erinnerte.

Ups, das war dein gutes Hemd?" fragte der Blonde scheinheilig, als er von seinem Buch aufsah.

Das war ein zehn Galleonen Hemd!" herrschte Harry ihn an.

Krieg dich wieder ein, Potter. Es war doch nur ein Hemd", gab Draco lässig zurück.

Nur ein Hemd?! Soll ich das mal mit deinem neuen Umhang machen?"

Sofort war Draco auf den Beinen. „Untersteh dich! Hände weg von meinen Sachen!"

Klar, wenn es um deine Sachen geht, sind sie dir plötzlich heilig. Aber bei meinen Sachen..."

Schon gut, schon gut. Ich kaufe dir ein neues Hemd." Beschwichtigend hob Draco die Hände. „Kann ich sonst irgendetwas tun, um den Retter der Zauberwelt gnädig zu stimmen?"

Verschlagen grinste Harry seinen Partner an. „Da würde mir schon etwas einfallen...."

Draco wollte eben noch fragend die Augenbrauen heben, als Harry ihn rückwärts zum Bett drängte und ihn auf die Matratze schubste. Im nächsten Moment hatte der ehemalige Gryffindor seinen Zauberstab in der Hand, aus dessen Spitze dünne, weiße Seile hervor schossen, die Dracos Hände an das Kopfende des Bettes fesselten.

Gierig sah Harry auf seinen gefesselten Partner hinab. „Sieh an, sieh an, Malfoy." Er beugte sich vor und nahm das Kinn des Blonden zwischen Daumen und Zeigefinger. „Es sieht so aus, als ob du mir hilflos ausgeliefert bist."

Der Blonde ließ ein leises Knurren hören. „Glaub mir, Potter, auch wenn ich meine Hände nicht bewegen kann, bin ich doch alles andere als wehrlos."

Das werden wir sehen", erwiderte Harry rau, während er ganz langsam einen Knopf von Dracos Hemd nach dem anderen öffnete.

Tbc....