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 Kapitel 2

IV. A whole new world

A whole new world

Every turn a surprise

With new horizons to pursue

Every moment red-letter

I`ll chase them anywhere

There`s time to spare

Let me share this whole new world with you

 

(Soundtrack „Disney`s Aladdin", A whole new world)

 

Warm schien die Sonne auf die beiden ausgestreckten Körper, die auf dem kühlen Waldboden lagen. Der Mai näherte sich mit schnellen Schritten seinem Ende. Die Temperaturen zeugten schon vom nahenden Sommer und sowohl Draco, als auch Harry hatten ihre Schuhe und Strümpfe ausgezogen und gruben ihre nackten Zehen in den angenehm kühlen Untergrund. Nur noch sechs Wochen und das Schuljahr würde vorüber sein.

Der Verbotene Wald erschien den meisten Schülern erschreckend und dunkel, doch wenn man sich in ihm auskannte, hatte er auch seine angenehmen Seiten. Als Harry vor einigen Wochen Hagrid bei seiner Arbeit als Wildhüter begleitet hatte, war er durch Zufall auf diese kleine unberührte Lichtung gestoßen. Hier war es ruhig und abgeschieden. Kein Schüler würde sich jemals so weit in den Wald wagen, dass er sie entdecken konnte. Es gab nur sie beide. Ganz allein.

„Was für eine Hitze", stöhnte Draco und zog sich sein T-Shirt über den Kopf. Es war Sonntag, daher hatten die beiden Jungen auf die vorgeschriebene Schulkleidung verzichten können.

„Wäre es dir lieber, es würde wieder anfangen zu stürmen und zu hageln?" neckte ihn der Gryffindor und entledigte sich nun ebenfalls seines Oberteils.

„Natürlich nicht. Es ist schlimm genug, dass wir die Wintermonate immer in diesen Mauern festsitzen. Da freut man sich richtig auf jede Gelegenheit mal raus zu kommen." Wohlig räkelte er sich neben seinem Freund im Gras und sandte von Zeit zu Zeit nur so zum Spaß einen Schwarm bunter Vögel aus der Spitze seines Zauberstabs.

„Nicht mehr lange und du hast genug Gelegenheit diese Mauern zu vermissen", stichelte Harry in Anspielung auf die Sommerferien.

„Glaub mir, das werde ich noch tun." Draco runzelte bei der Erwähnung ungehalten die Stirn. Hatte er sich doch seit Wochen bemüht, nicht an die Zeit zu denken, die vor ihnen lag. „Obwohl es wirklich genug Dinge gibt, die ich nicht vermissen werde."

„Zum Beispiel?"

Der Blonde setzte sich auf und hob nachdenklich die Augenbrauen. „Das frühe Aufstehen. Die ausschweifenden Reden von Professor Binns. Das Schnarchen von Crabbe und Goyle..."

„Und mich?" Unschuldig suchte Harry den Blick des Slytherin.

„Natürlich werde ich dich vermissen, du Nervensäge." Grinsend beugte sich Draco zu ihm herunter und küsste zärtlich seine Lippen.

„Wirst du mir schreiben?" fragte der Dunkle hoffnungsvoll, als er seinen Freund wieder neben sich zog.

„Ich werde es versuchen", antwortete Draco wahrheitsgemäß. „Es ist nicht so einfach. Du weißt, mein Vater..."

„Ja, dein Vater." Harry seufzte. Sicher, die Dursleys waren nie begeistert, wenn Hedwig wieder einmal mit einem Brief am Bein auf dem Fensterbrett saß, aber sie fürchteten sich zu sehr davor, dass Harry sie verhexen könnte, als dass sie ihm tatsächlich den Kontakt mit seinen Freunden verboten. Bei Draco war die Sache doch etwas komplizierter. Harry wollte gar nicht wissen, wie Lucius reagieren würde, wenn er von dem Verhältnis seines Sohnes erfahren würde.

„Ich werde ins Dorf apparieren und eine von den Posteulen zu dir schicken, wann immer ich kann", erbot sich Draco.

„Ist schon in Ordnung. Es sind ja nur sechs Wochen. Das bekommen wir schon hin."

„Und dann haben wir wieder ein ganzes Jahr für uns", versuchte der Blonde die dunklen Wolken zu vertreiben. „Wir könnten ja schon mal etwas `vorarbeiten`, damit wir im Sommer etwas haben, woran wir uns erinnern können."

„An was denkst du da so im Einzelnen?" Gespielt naiv zog Hary seine Augenbrauen hoch.

„Wart`s ab. Ich werde es dir gerne zeigen." Hungrig wanderten Dracos Hände über den nackten Oberkörper des Gryffindor, bevor er sich zu einem weiteren, verlangenden Kuss herüber beugte.

XXXXXX

Du hast schon immer nur an das eine gedacht", stellte Harry fest, als Draco ihm schweigend die Notizen reichte.

Ans Eulen verschicken?" fragte der Blonde mit einem unschuldigen Augenaufschlag.

Nein, an Zauberschach", konterte Harry sarkastisch. „Tu nich so, du weißt, was ich meine."

Ist es ein Problem, wenn ich gern mit meinem Partner schlafe?" fragte Draco entrüstet.

Im Gegenteil. Ich würde bestimmt etwas vermissen, wenn wir nicht so ein göttliches Sexualleben hätten."

Yeah, sag mir nur immer wieder, dass ich sexy bin."

Brauche ich nicht, das tust du jeden Morgen vor dem Spiegel."

Willst du heute Nacht auf dem Sofa schlafen, Potter?" fragte Draco drohend.

Nur, wenn du es auch tust, love", grinste Harry versöhnlich.

Für die dummen Sprüche bin ich hier zuständig", grollte der Blonde beleidigt.

Ach komm, nun sei doch nicht so, Malfoy. Du weißt, ich liebe dich."

Dann sei doch auch mal nett zu mir." Schmollend schob Draco die Unterlippe vor.

Bin ich nett, wenn ich uns beiden eine schöne warme Badwanne einlassen würde?" schlug Harry vor, seine Arme um den Blonden legend.

Es wäre ein Anfang", antwortete Draco und suchte die Lippen seines Geliebten.

 

V . Nothing else matters

Never opened myself this way

Life is ours, we live it our way

All these words I don`t just say

And nothing else matters

Never cared for what they do

Never cared for what they know

But I know

(Metallica, Nothing else matters)

 

„Oh Merlin, Potter. Ich will dich. Jetzt. Hier." Mit dem Gewicht seines Körpers presste Draco den dunkelhaarigen Gryffindor gegen die Wand der engen Besenkammer. Verlangend tasteten seine Finger unter die Robe, auf der Suche nach warmer, unbedeckter Haut.

„Nicht Malfoy, wir müssen zum Unterricht." Harry hasste es, die Stimme der Vernunft sein zu müssen, aber wenn sie jetzt nicht aufhörten, würde es kein Halten mehr geben. Mit so viel Willenkraft, wie er aufbringen konnte, schob er seinen Freund von sich.

Die Augen des Blonden blitzten vor Verlangen. „Fuck auf den Unterricht, fuck auf diese ganze Schule. Ist mir alles fuckegal." Erneut machte er einen Versuch, Harry an sich zu ziehen, doch der Dunkle blieb hart.

„Aber mir nicht", erwiderte er ruhig. „Wir können nicht von Luft und Liebe leben, wenn wir hier raus fliegen. Also reiß dich zusammen und komm mit zu Geschichte der Zauberei."

„Als ob der alte Binns tatsächlich mitbekommt, ob wir in seinem Unterricht sitzen oder nicht", stöhnte der Slytherin frustriert.

„Er vielleicht nicht, aber die anderen sehr wohl. Oder willst du ihnen vielleicht erklären, warum wir beide in dieser Stunde gefehlt haben?"

„Wir könnten sagen, wir waren im Krankenflügel", erwiderte Malfoy ungerührt. „Gib mir nur zwei Sekunden und ich präpariere dein Gesicht glaubwürdig." Suchend wanderte seine Hand in die Innentasche seines Umhangs, um den Zauberstab hervorzuholen.

„Pfoten weg, Malfoy oder du zwingst mich, dich in ein Frettchen zu verwandeln." In der Wange des Blonden zuckte ein Muskel, bei der Erwähnung dieses peinlichen Vorfalls aus dem vierten Jahr. Mit einem versöhnlichen Lächeln versuchte Harry, über den missglückten Scherz hinweg zu trösten. „Gedulde dich einfach noch ein bisschen, okay? Heute Abend kannst du mit mir machen, was immer du willst und das ist doch viel besser, als so ein Quickie in der Besenkammer, oder?"

„Könnte ich nicht beides haben?" fragte Draco gespielt naiv und ließ seinen Blick sehnsüchtig hinab zu Harrys Gürtel wandern, wo sein Hemd aus der Hose gerutscht war und ein Stück von seinem flachen Bauch Preis gab.

„Nein, bedaure." Tadelnd stopfte der Dunkle sein Hemd zurück an seinen Platz. „Naschen gibt`s nicht. Und jetzt sieh zu, dass du hier raus kommst. Ich warte ein paar Minuten, dann komme ich nach."

Der Slytherin schien noch einen Moment mit sich zu kämpfen, dann seufzte er frustriert auf und ordnete seine Kleider. „Heute Abend bist du dran, Potter", knurrte er leise und stahl sich noch einen schnellen Kuss, bevor er den Silencio- und Versiegelungszauber, den sie über die Tür verhängt hatten, auflöste und lässig in Richtung der Treppe davon stolzierte.

Harry stieß hörbar die Luft aus. Die Sache fing an richtig kompliziert zu werden. Die Nächte waren ihnen nicht mehr genug, zumal sich der Schlafmangel am Tag bemerkbar machte. Es war wie eine Sucht, von der sie beide nicht genug bekommen konnten. Ständig suchten sie nach abgelegenen Plätzen und unbenutzten Kammern, um heimlich übereinander herfallen zu können. Doch das Schloss schien kaum groß genug, um ihr geheimes Doppelleben noch lange geheim bleiben zu lassen.

Prüfend sah der dunkle Gryffindor an sich herab und kontrollierte den Sitz seiner Robe. Dann strichen seine Finger noch einmal durch das wirre schwarze Haar, bevor er die Tür öffnete und so unauffällig wie möglich aus der Besenkammer schlüpfte. Ein verstohlener Blick verriet ihm, dass der Kellergang verlassen da lag. Erleichtert wandte sich Harry zur Treppe. Wenn er sich etwas beeilte, würde er gerade noch rechtzeitig zum Unterricht kommen.

Keiner der beiden Jungen hatte den dunklen Schatten gesehen, der sich hinter einer Säule versteckt hatte. Kopfschüttelnd wandte sich der Slytherin ab, um nun seinerseits auf dem schnellsten Weg zum Klassenraum zu eilen.

XXXXXX

„Bist du wahnsinnig, Draco, dass du ausgerechnet Gryffindors Golden Boy vögelst?!" Blaise Wangen glühten vor Zorn, während er in ihrem Schlafraum auf und ab ging. Er hatte Draco abgefangen, als dieser vor dem Abendessens die Bücher zurück in seine Truhe bringen wollte. „Nicht genug damit, dass er ein Schlammblut ist, ein Muggel-Freund und ein Gryffindor. Nein! Er ist fucking Holy Saint Potter! Hast du deinen Verstand verloren, Dray? Verdammt noch mal!"

„Bist du fertig?" Gespielt gleichgültig ließ sich der Blonde auf sein Bett fallen. „Ich sag`s dir ja nur ungern, Zabini, aber: Misch dich nicht in meine Angelegenheiten."

„Deine Angelegenheiten?! Lassen wir mal außer acht, dass ich dein Freund bin, der wirklich nur dein Bestes will, aber hast du schon mal was von Hausehre gehört, Draco? Er ist ein Gryffindor, du ein Slytherin. Das sagt doch eigentlich schon alles aus."

„Bei Merlins Bart, Blaise, erzähl mir nichts. Du hast selbst mal nach Kathy Bells Hintern gegrabscht."

„Da war ich zwölf, Dray. Das ist nicht das Selbe und darum geht es jetzt auch gar nicht. Das ist Harry Potter, verdammte Scheiße!"

„Du hast ein echt eingeschränktes Vokabular, Blaise", tadelte ihn sein Freund.

„Mann, jetzt sei doch mal ernst!" entfuhr es dem Anderen. „Was wird Snape dazu sagen? Oder dein Vater? Oder erst der Dunkle Lord? Was ist mit dem Vorhaben, dass du im Sommer in den inneren Kreis aufgenommen werden solltest? Was glaubst du, werden sie sagen, wenn du ablehnst? `Sorry, aber ich ficke Potter lieber, als ihn zu töten.`!"

Angespannt vergrub Draco seine Zähne in der Unterlippe. Am liebsten hätte er Zabini angeschrien, ihn einen Lügner genannt, ihm gesagt, dass er sich zum Teufel scheren solle. Aber er konnte es nicht tun, denn sein Freund hatte recht. Diese Gedanken waren ihm auch immer wieder durch den Kopf gegangen. Eigentlich sprach Blaise nur aus, was er selbst die ganze Zeit gedacht hatte: Es war Wahnsinn. Ein Fehler, ein gottverdammter Fehler, der niemals hätte stattfinden dürfen. Aber, das Problem war, dass er passiert war und er wollte ihn gar nicht zurück nehmen.

„Sag mir, dass du nur mit ihm gefickt hast, Dray. Sag mir, dass du nicht so blöd warst, auch noch dein Herz an ihn zu hängen." Eindringlich sah Blaise ihn an, solange, bis Draco dem Blick nicht mehr Stand halten konnte und die Augen nieder schlug.

„Verdammt." Erschüttert schüttelte Zabini den Kopf. „Verdammt. Verdammt. Verdammt."

Erneut lief er hin und her, von einer Kerkerwand zur anderen, bis er wieder vor Draco zum Stehen kam. „Du weißt, dass Potter sterben muss, Dray. Du weißt es. Der Dunkle Lord wird ihn töten. Und wenn du das hier nicht schleunigst beendest, tötet er dich gleich mit."

Der Blonde schluckte hart. Es war die Wahrheit. Er wusste es, doch hatte er es bis jetzt erfolgreich verdrängt.

„Sei nicht dumm, Draco. Glaub mir, ich bin dein Freund. Ich fände es schade, wenn du wegen so einer blöden Liebelei dein Leben verlierst. Noch ist es nicht zu spät. Keiner außer mir, weiß etwas und ich schwöre dir, von mir erfährt niemand auch nur ein Sterbenswörtchen. Mach Schluss. Beende das Ganze, solange es noch geht."

Draco vergrub sein Gesicht in den Händen. Sein Verstand sagte ihm, dass es sein musste. Es war der einzige, richtige Weg, aber sein Herz weigerte sich, es wirklich zu glauben. Doch als Malfoy hatte er gelernt, den Schmerz in seinem Inneren zu ignorieren und nur an seinen eigenen Vorteil zu denken. Er wollte nicht sterben, selbst für Potter nicht. Einen weiteren tiefen Atemzug später stand seine Entscheidung fest: Er würde Schluss machen, gleich heute Abend. Bevor er es sich noch anders überlegte...

XXXXXX

Hätte nicht eigentlich ich das Kapitel schreiben sollen?" warf Draco beleidigt ein, nachdem er den Text überflogen hatte. „Schließlich warst du damals nicht mal dabei."

Du hast es mir das Ganze schon so oft und so detailgetreu erzählt, dass ich die Szene wirklich bildlich vor mir habe, love", antwortete Harry. „Oder entspricht etwas von dem, was ich geschrieben habe, etwa nicht der Wahrheit?"

Doch, doch", grollte der Blonde. „Ich meine ja nur..."

Schatz, deine Schrift kann danach sowieso keiner lesen und du am allerwenigsten. Aber wenn du Verbesserungsvorschläge hast, ich bin ganz Ohr."

Lassen wir das, okay?" Beschwichtigend hob Draco die Hände. „Ich frage mich ohnehin gerade, was wohl so aus Blaize geworden ist."

Als ich das letzte Mal von ihm gehört habe, hat ihm Pansy gerade die Hölle heiß gemacht, weil er seinen Zauberstab lieber bei seiner kleinen Vorzimmerhexe geschwungen hat, statt bei ihr und den Kindern zu sein. Sie hatte geschworen, dass ihm nach der Scheidung nicht eine Galleone bleiben würde."

Siehst du, genau das ist der Grund, warum ich nie heiraten werde."

Wir sind verheiratet, love. Schau, du trägst sogar meinen Ring."

Perplex starrte der Blonde auf seine Hand, an deren Ringfinger ein schlichter, schmaler Ring aus Weißgold steckte. „Kein Wunder, dass ich das verdrängt habe. Verflucht, wie konnte denn das passieren? Muss ein Verwechslungszauber gewesen sein oder ich stand unter dem Imperius-Fluch."

Viel schlimmer, du warst verliebt."

Erinnere mich bitte nicht da dran."

Das brauche ich nicht", grinste Harry. „Ein Hoch auf die Muggel-Technik: Wir haben die Hochzeit sogar auf DVD."

Oh Merlin, weiß das sonst noch irgendwer?"

Nur die etwa achtzig geladenen Gäste."

Ich bin erledigt", stöhnte der Blonde.

Nein, du bist mein Mann."

Das kommt letztendlich auf das Gleiche hinaus."

XXXXXX

 

 

VI. Just take my heart

Just take my heart when you go

I don`t have the need for it anymore

I`ll always love you, but you`re too hard to hold

Just take my heart when you go

(Mr. Big, Just take my heart)

 

„Hey", sagte Harry, als er den unbenutzten Klassenraum in der zweiten Etage betrat. Eine dicke Staubschicht lag über den aufeinander gestapelten Stühlen und Tischen und in den Ecken hingen wagenradgroße Spinnennetze an der Decke. Es war bereits kurz vor Mitternacht und abgesehen von ein paar dicken, schwarzen Kerzen, die auf dem Lehrerpult ein schwaches Licht verströmten, lag der Raum dunkel da.

„Hey." Draco saß auf einem der alten Pulte und ließ seine Beine herunter baumeln. Er stand nicht auf oder ging dem anderen entgegen, so wie er es sonst getan hatte, sondern blieb weiter sitzen, die Arme vor der Brust verschränkt.

„Was ist los?" fragte Harry und trat näher zu seinem Freund. „ Bekomme ich keine Begrüßung?" Er versuchte seine Arme um Dracos Schultern zu legen, doch der Blonde wehrte seine Berührung kühl ab.

„Heute nicht", antwortete er und wich dabei dem Blick des Dunklen aus.

„Was ist passiert?" fragte Harry, verwirrt über Dracos Reaktion. „Hast du Ärger? Macht Snape Probleme?"

„Nein, das ist es nicht." Draco ließ sich geschmeidig von dem Pult gleiten und trat an Harry vorbei zum Fenster.

„Was dann?" bohrte der Gryffindor nach. Er hasste es, wenn er seinem Freund alles aus der Nase ziehen musste.

„Ich habe nachgedacht." Der Blonde starrte hinaus in die rabenschwarze Nacht.

„Worüber?"

„Über dich und mich, unsere Beziehung, über das alles hier."

„Und?" fragte Harry mit einem immer schlechter werdenden Gefühl im Bauch.

Draco seufzte schwach. „Es funktioniert nicht. Wir beide, wir passen einfach nicht zusammen. Ein Gryffindor und ein Slytherin, das ist, als wolle man Feuer und Eis zusammen bringen."

Das Herz des Dunklen begann schneller zu schlagen.„Aber...wieso auf einmal? Heute morgen noch war doch alles okay. Ich dachte, du wärst glücklich. Ich zumindest war es."

„Ich habe dir was vorgemacht. Nein, ich habe mir selbst etwas vorgemacht. Unsere Beziehung hat keine Zukunft. Ich mache Schluss."

Harry fühlte sich, als hätte ihm jemand mit der Faut in den Magen geschlagen.

„Aber was ist mit unseren Träumen? Was ist mit den Plänen, die wir gemacht haben? Das kannst du doch nicht einfach wegwerfen!" Er konnte, er wollte nicht so einfach aufgeben.

„Sie sind das, was du schon gesagt hast: Träume. Nicht mehr. Und nicht mehr meine."

Der Gryffindor kämpfte mit den Tränen. „Aber ich liebe dich."

„Ich will deine Liebe nicht. Ich will dich nicht. Glaub mir, es ist besser so."

Etwas in Harrys Innerem zerbrach bei diesen Worten und er konnte nur hilflos zusehen, wie Draco sich abwandte und ohne ein weiteres Wort den Raum verließ. Sein Herz fühlte sich an, als wolle es aus seiner Brust springen. Fassungslos starrte er zum Fenster, wo Draco bis eben gestanden hatte. Es konnte, es durfte nicht wahr sein! Wieso? Was hatte er falsch gemacht? War denn doch alles wieder nur ein Spiel gewesen? War Draco seine Nähe einfach leid?

Kraftlos ließ er sich auf den staubigen Fußboden sinken und vergrub das Gesicht in den Händen.

Er wollte nicht zurück in den Schlafraum. Er wollte nichts und niemanden sehen. Er wollte nicht, dass es jemals wieder Morgen wurde. Er wollte nicht dazu gezwungen sein, Draco jeden Tag vor sich zu sehen und doch nie wieder in seinen Armen liegen zu können.

Er wollte am liebsten sterben.

XXXXXX

Du warst so ein Arsch", sagte Harry und gab seinem Geliebten die Blätter.

War?" fragte der Blonde mit einem provozierenden Grinsen.

Du hast mir damals das Herz gebrochen", erwiderte der Dunkle, ohne auf Dracos Sticheleien einzugehen.

Ich dachte, es sei besser so", erklärte sich der Andere. „Lieber ein gebrochenes Herz, als dass wir beide tot wären."

Nein, wie edel", murmelte Harry sarkastisch. „Sei ehrlich, was hast du gefühlt, nachdem du mit mir Schluss gemacht hast?"

Es hat weh getan", gab Draco zu. „Sogar sehr. Ich bin zurück in den Slytherin Kerker gegangen und habe solange mit der Faust gegen die Wand geschlagen, bis der Schmerz in meiner Hand stärker war, als der in meinem Herzen."

Schade, dass du dir dabei nicht die Hand gebrochen hattest", grollte Harry in der Erinnerung an seine eigene Seelenpein.

Es ist tröstlich zu sehen, wie du immer um mein Wohlergehen besorgt bist, babe", konterte der Blonde bissig. „Aber wenn es dir damit besser geht: Es hatte nicht fiel gefehlt. Geblutet hat es jedenfalls wie Sau."

Eine gebrochene Hand heilt wieder, aber ein gebrochenes Herz ..."

Ach bitte, ja? Ich meine, was willst du? Es ist doch letztendlich alles gut ausgegangen."

Aber du hättest uns beiden eine Menge erspart, wenn du damals nicht so ein Idiot gewesen wärst."

Die Weisheit des Alters..."

Wer ist hier alt?" fragte Harry gespielt entrüstet. „Darf ich dich daran erinnern, dass du fast zwei Monate älter bist, als ich?"

Aber ich habe die besseren Gene", gab Draco triumphierend zurück.

Treib es nicht zu weit, Malfoy", knurrte Harry rau. „Oder ich muss dir mal wieder zeigen, wer hier das Sagen hat."

Au ja, ich gehe dann schon mal vor." Der Blonde wackelte anzüglich mit den Augenbrauen. „Aber vergiss die Peitsche nicht."

Tbc....