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XLVIII. Toy Soldiers (Part One)

Step by step

Heart to heart

Left, right, left

We all fall down

Like toy soldiers

(Matika, Toy Soldiers) 

Konzentriert ließ Draco den Graphitstift über das Pergament wandern. Seine Augen klebten förmlich an der Zeichnung fest. Auf seiner Stirn hatte sich eine steile Falte gebildet, als er die Szene aus seinen Gedanken auf dem Pergament lebendig werden ließ. Er hatte schon immer gut und gerne gezeichnet. Bereits als kleiner Junge hatte er die Bilder aus den Geschichten, die ihm seine Mutter vorlas, auf Papier gebannt.. Drachen, Gnome, Thestrale... er hatte sie alle gemalt noch bevor er sie in Natura gesehen hatte. Stolz hatte Narzissa die kleinen Kunstwerke gerahmt und in den privaten Räumen des Manor aufhängen lassen, die für Besucher unzugänglich waren. Auch wenn er sich nicht erinnern konnte, sie jemals malen, noch andere Handarbeiten ausführen gesehen zu haben, wusste Draco doch, dass er seine künstlerische Ader von ihr geerbt hatte. Einige verstaubte Gemälde in einem der Keller des Manor zeugten davon, dass auch sie in ihrer Jugend einmal kreativ tätig gewesen war. Doch wie so vieles andere war diese Freude durch die Heirat und den dunklen Schatten über dem Haus Malfoy verschlungen worden.

Dracos Vater hingegen hatte nie viel auf dieses Talent gegeben. Wenn eine Fähigkeit nichts mit der Magie zu tun hatte oder dazu dienen konnte, das Vermögen und die Macht der Malfoys zu vermehren, so war sie es in Lucius Augen auch nicht wert gefördert zu werden.

Seit er in Hogwarts war, hatte Draco nicht mehr oft die Gelegenheit gefunden zu zeichnen, aber manchmal, wenn er sich unbeobachtet fühlte und seiner Phantasie Raum geben wollte, griff er nach wie vor gern zu Pergament und Graphit. Im Augenblick war er allein im Gemeinschaftsraum. Blaise und Pansy hatten sich mal wieder davon gestohlen und Harry erwartete die Rückkehr seiner Freunde im Gryffindor Turm. Auch Draco hörte während seiner Arbeit mit einem Ohr hinaus auf die Gänge vor dem Kerker. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis der Hogwarts Express ankam und die zurückkehrenden Slytherins in den Gemeinschaftsraum stürmten. Dann würde es mit der Ruhe erst einmal wieder vorbei sein.

Tatsächlich musste er nicht lange warten, bis er das Geräusch von vielen Füßen hörte, die die Treppen hinab liefen. Vorsorglich schrumpfte Draco das Pergament und den Stift auf Streichholzgröße, bevor er beides in der Tasche seines Umhangs verschwinden ließ. Es wäre nicht gut für sein Image, wenn die jüngeren Schüler ihn beim Zeichnen sehen würden. Er hatte düster und geheimnisvoll zu sein und in seiner Freizeit Zauberschach zu spielen oder jüngere Schüler zu schikanieren, zumal das Bild, an dem er gerade arbeitete, mal wieder ein Portrait eines dunkelhaarigen Gryffindors war.

Die erste Welle der Slytherins, die herein schwappte, bestand hauptsächlich aus den unteren Jahrgängen. Die Jungen und Mädchen lachten und schwatzten laut - bis ihr Blick auf Draco fiel - dann verstummten sie schnell und eilten in ihre Schlafräume, um sich dort weiter ihre Ferienerlebnisse zu erzählen. Nachdenklich runzelte Draco die Stirn. War er auch jemals so unbekümmert und ausgelassen aus den Ferien zurück gekehrt? Er konnte sich kaum daran erinnern und die Erinnerungen, die er hatte, schienen bereits ein ganzes Menschenleben her zu sein. An dem Tag, an dem der Dunkle Lord zurück gekehrt war, hatte seine Kindheit ein plötzliches Ende gefunden.

Weitere Schüler kamen in kleinen Gruppen durch die Wand des Kerkers getrottet, doch zu Dracos Verwunderung waren immer noch keine Schüler der oberen Jahrgänge dabei. Vielleicht hatte Professor Snape sie abgefangen, um sie über Dumbledores Erkrankung zu unterrichten oder sie warteten oben bis zum Abendessen, ging Draco schließlich seine Vermutungen durch. Doch mitten in seine Gedanken, kam schließlich Blaise hinein gestürmt. Er sah mehr als besorgt aus. Sein Blick scannte sofort den Raum und auf seinen olivfarbenen Wangen hatten sich hektische, rote Flecken gebildet.

„Wo hast du denn deinen Schatten?" pisackte Draco den dunklen Slytherin. Seit dem Beginn ihrer Beziehung war es kaum noch möglich, Blaise ohne seine Freundin anzutreffen.

„Pansy wartete bei den Anderen. Du musst mit hoch kommen. Es gibt Ärger", informierte ihn Zabini.

„Was für Ärger?" fragte der Blonde alarmiert. „Warum kommen die Anderen nicht runter?"

„Ich erkläre dir alles unterwegs", gab Blaise kurz angebunden zurück. „Komm mit, wir haben nicht viel Zeit bis zum Abendbrot."

Die Art wie Blaise das sagte, ließ Draco Übles erahnen. Es musste schon etwas Gravierendes vorgefallen sein, wenn sich die Slytherins nicht in ihren eigenen Gemeinschaftsraum trauten und er würde den Schlüssel zu seinem Verlies bei Gringotts darauf verwetten, dass es etwas mit dem Dunklen Lord zu tun hatte.

Ehe er sich versah, war Draco auf den Füßen. Gemeinsam verließen sie den Gemeinschaftsraum und stürmten die Treppen aus den Kerkern nach oben. In der Eingangshalle trafen sie auf einige Hufflepuffs und Ravenclaws, die sich auf dem Weg zu den Gemeinschaftsräumen befanden. Nachdem sie auf der Treppe ein paar Gryffindors überholt hatten, stellte Draco seinen Freund schließlich zur Rede.

„Schieß los", forderte er Zabini auf. „Was bei Salazar Slytherin ist passiert?"

„Ich habe Crabbe und die Anderen vorhin in der Halle getroffen. Sie sind total durch den Wind. Der Dunkle Lord hat Greg eingesackt."

„Was?" rief Draco entsetzt aus. „Wieso? Ich meine, was will er von ihm?"

„Kanonenfutter", erwiderte Blaise leicht hin. „Die meisten Seiner Anhänger werden gesucht. Einem Minderjährigen misstraut so schnell niemand und wenn er gefasst oder getötet wird, ist er leicht zu ersetzten."

„Aber er ist doch noch nicht einmal siebzehn!"

„Das bist du auch nicht und trotzdem hat Er dich in seine Reihen aufgenommen", erinnerte ihn der Dunkle. „Und das wird nur der Anfang sein. Schon länger ruft er seine Anhänger dazu auf, ihre Solidarität zu bekunden. Was gibt es für eine höhere Ehrerbietung, als seinen Sohn als Blutsklaven anzubieten?"

Erschüttert schüttelte Draco den Kopf. „Dieser Wahnsinn muss aufhören. Das kann einfach nicht wahr sein!"

„Leider ist es wahr und die Anderen haben furchtbare Angst, dass sie die Nächsten sind. Die wenigsten von ihnen stehen wirklich hinter den Idealen des Dunklen Lord, wissen aber nicht, was sie von der anderen Seite erwarten sollen. Sie brauchen einen Anführer. Jemanden, der ihnen sagt, was sie tun sollen."

Draco verzog das Gesicht zu einem schmerzlichen Lächeln. „Und da hast du ausgerechnet an mich gedacht?"

„Du bist der geborene Anführer, Dray. Eigentlich warst du es schon immer", erwiderte Zabini ernst. „Deine momentanen Probleme ändern nichts daran. Im Gegenteil, du bist in der gleichen Lage wie sie. Und du kannst reden, auf dich werden sie hören. Ganz egal, was du ihnen rätst."

Der Blonde nickte geistesabwesend. Ein wenig schämte er sich dafür, dass er nie darüber nachgedacht hatte, in welch schwieriger Situation die Mitglieder seines Hauses waren. Nicht wenige von ihnen hatten Todesser in der Familie oder im Freundeskreis. Doch Draco war so sehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt gewesen, dass er nie auf die Idee gekommen war, sie könnten sich genauso in Gefahr befinden wie er.

Denn auch wenn Blaise Vertrauensschüler war, so war Draco doch der heimliche Prinz seines Hauses. Die Slytherins - von Nott und ein paar wenigen Idioten einmal abgesehen - hörten auf ihn. Das Führen lag ihm im Blut. Das war wohl ein Talent, was er von seinem Vater geerbt hatte. Wenn Lucius etwas konnte, dann war es zu reden, die Menschen von seinen Ideen zu überzeugen. Nun, Draco würde sein möglichstes tun, um sein Versäumnis wieder gut zu machen.

Sie waren so vertieft in ihr Gespräch gewesen, dass Draco gar nicht gemerkt hatte, wohin sie ihr Weg führte. Erst als Zabini vor dem Raum der Wünsche anhielt, wurde er sich wieder seiner Umgebung bewusst. Offensichtlich war dieses angeblich exklusive Versteck inzwischen ein offenes Geheimnis. Es dauerte nicht lange, bis die Tür in der zuvor glatten Wand sichtbar wurde. Blaise ergriff den Türknopf als erster und öffnete für sie beide die Tür.

Der Raum im Inneren war beinah identisch mit dem Gemeinschaftsraum der Slytherins, nur dass hier noch mehr Sofas und andere Sitzgelegenheiten entstanden waren. Auf den Tischen befanden sich Krüge mit Kürbissaft und Butterbierflaschen. Irgendjemand hatte sich offenbar auch Elfenwein und Feuerwhiskey gewünscht. Die aufgeregte Unterhaltung, die im Gange gewesen war, als Blaise die Tür geöffnet hatte, verstummte schlagartig, als die beiden Neuankömmlinge den Raum betraten. Einige der Schüler starrten auf den Boden, andere sahen in das knisternde Feuer und wieder andere blickten Draco und Blaise entgegen. In ihren Blicken las Draco Verunsicherung, Trotz und Wut.

Einen Moment lang fühlte er sich beklommen, doch dann erinnerte er sich daran, dass das sein Haus, seine Freunde waren und eine plötzliche Ruhe erfüllte ihn.

Vincent Crabbe war der Einzige, der aufstand und ihn begrüßte. Er wirkte seltsam verloren ohne seinen Companion. „Hallo Draco."

„Hey Vince. Leute." Der Blonde nickte den versammelten Slytherins zu. „Blaise hat mich gerade darüber informiert, was passiert ist. Greg ist unser aller Freund und es ist ein schwerer Schlag, ihn zu verlieren."

Zustimmendes Gemurmel erklang.

Komisch, bis vor kurzem hatte er nie von Vince und Greg als seine Freunde gedacht. Sie waren seine Bodyguards, seine Schatten gewesen, aber die Dinge hatten sich geändert. Sie hatten zu ihm gehalten, als er von Nott gedemütigt worden war. Sie hatten immer hinter ihm gestanden, genauso wie Blaise, Pansy und die meisten Mitglieder seines Hauses. Jetzt war es an der Zeit, etwas zurück zu geben.

„Ich weiß, ihr seid verunsichert und ihr habt Angst, doch vielleicht ist das die Chance, dass wir alle noch mehr zusammen wachsen."

„Du hast leicht reden! Dich hat er schon zu einem Todesser gemacht!" rief Millicent Bulstrode aus.

„Ja, er hat mich gebrandmarkt", gab Draco zu. „Gegen meinen Willen. Doch ich bin trotzdem kein Todesser. Ich will nicht so enden wie mein Vater."

„Das sagst du nur, weil du jetzt mit Potter zusammen bist", warf ein rothaariger Siebtklässler ein.

„Nein", erwiderte Draco ruhig. „Das ist nicht der Grund. Oder zumindest nicht der Einzige. Mir ist im letzten Jahr klar geworden, dass ich nicht erleben will, wie Er über die Zauberwelt herrscht."

„Und warum nicht?" hakte der Junge von eben erneut nach.

„Weil Sein Regime nur eines bedeutet: Unterdrückung und Tod. Muggelstämmige werden verfolgt und eingesperrt und danach ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die Halbblüter dran glauben müssen. Wer Seine Entscheidungen in Frage stellt, wird gefoltert und nach Askaban geschickt. Er kennt keine Gnade, kein Mitleid oder sonstige Gefühle. Ich möchte nicht den Rest meines Lebens in Angst verbringen und schon gar nicht auf den Knien vor einem Mann herum rutschen, der sich selbst für den König aller Zauberer hält. Die Zauberwelt mag nicht perfekt sein, aber sie ist immer noch besser so, als wenn sie von einem Wahnsinnigen regiert wird."

„Was sollen wir tun, Draco?" fragte Pansy nach einer Minute, in der das Schweigen wie eine Decke über dem Raum hing.

„Ich kann für niemanden von euch eine Entscheidung fällen", sagte Draco ehrlich. „Alles was ich euch rate, ist in euch zu gehen und euch selbst zu fragen, was ihr wollt. Sind die Ziele, die er-dessen-Namen-nicht-genannt-werden-darf anstrebt auch eure Ziele? Seid ihr bereit dafür zu sterben? Oder wollt ihr dafür kämpfen, dass die Welt, so wie sie wir kennen, erhalten bleibt? Eine Welt, in der man nach seiner Leistung und seiner Persönlichkeit bewertet wird und nicht nach seinem Blutstatus. Eine Welt, in der die gegenseitigen Beziehungen von Respekt gekennzeichnet sind und nicht von Angst. Darüber solltet ihr euch Gedanken machen."

„Aber unsere Eltern...", warf Millicent erneut ein.

„Ich habe nicht gesagt, dass es einfach werden wird. Es kann sein, dass ihr euch gegen eure Familien stellen müsst, so wie ich es getan habe. Ich gebe zu, das war der schwerste Schritt in meinem Leben. Doch ich bereue ihn nicht. Ich stehe hinter Harry Potter - auch wenn er ein verdammter Gryffindor ist - und unterstütze ihn dabei, gegen den Mann zu kämpfen, der mir meine Kindheit, meine Familie und meine Freiheit gestohlen hat. Doch das ist meine Entscheidung, nicht eure. Es steht jedem frei, eine andere Wahl zu treffen, wenn es soweit ist."

Abermals senkte sich eine angespannte Stille über den Raum der Wünsche. Die Schüler sahen sich untereinander an und Draco meinte beinah, es hinter ihren Stirnen rumoren zu hören. Er hatte ihnen eine Menge zum Nachdenken gegeben, doch er war sich sicher, dass sie die richtige Entscheidung treffen würden. Nach einer Weile erhob sich erneutes Gemurmel, als die Slytherins untereinander ihre Situation besprachen und Draco beschloss, sich zurück zu ziehen, um ihnen nicht das Gefühl zu geben, dass er sie belauschte.

„Hast du mal eine Zigarette?" fragte er Zabini von der Seite. Seine angespannten Nerven benötigten dringend eine Ablenkung. Blaise nickte und zog unter seinem Umhang eine zerknickte Packung hervor. Gemeinsam zündeten sich die beiden Jungen eine Kippe an und rauchten etwas abseits von den Anderen in stiller Eintracht. Wenigstens um Zabinis Unterstützung musste sich Draco keine Sorgen machen. Die Mutter des dunklen Slytherin machte sich nichts aus Politik und tourte stattdessen lieber mit ihren wechselnden Ehemännern durch die Weltgeschichte, daher war es ihr vermutlich egal, für welches Lager sich ihr Sohn entschied. Und wenn jemand loyal zu Draco stand, dann war es mit Sicherheit Blaise Zabini.

Ein Räuspern neben sich, ließ Draco einen Blick zur Seite werfen. Nervös knetete Crabbe seine Finger, als wisse er nicht, ob er tatsächlich sagen sollte, was ihm auf der Zunge brannte. „Du weißt, mein Dad ist der beste Freund von Gregs Vater", begann er schließlich und errötete dabei bis zum Haaransatz. „Er wollte mich nicht gehen lassen. Ich sollte auch in seine Fußstapfen treten. Am Ende bin ich nur davon gekommen, weil ich ihm gesagt habe, dass ich nach Hogwarts zurück will, um dich zu töten."

„Oh", war alles was Draco dazu einfiel.

„Natürlich war das nur so gesagt", fügte Vince schnell hinzu. „Du weißt, dass ich das nie tun würde."

„Ich weiß", erwiderte der Blonde mechanisch, doch sein Mund fühlte sich seltsam trocken an. „Es ist okay. Ich hätte in deiner Situation vermutlich das selbe gemacht."

Der Junge atmete zittrig aus. „Ich kann jetzt nicht mehr nach Hause zurück. Wenn du also meine Hilfe willst, ich bin dabei."

Draco fühlte eine Welle der Dankbarkeit aufsteigen. Er war nicht immer nett zu Crabbe gewesen und gerade deshalb bedeutete es ihm viel, dass dieser sich als Erster hinter ihn stellte. Vince mochte nicht sehr helle sein, aber er hatte das Herz auf dem rechten Fleck. Auch der Rest der Schüler hatte Crabbes Geständnis gehört, so dass nach und nach immer mehr Schüler den Mut fanden, sich gegen Voldemort und für die Seite des Lichts auszusprechen. Am Ende waren es mehr als zwei Drittel, die offen Farbe bekannten. Das waren mehr, als Draco zu hoffen gewagt hatte.

Als sie gerade noch rechtzeitig zum Abendessen den Raum der Wünsche verließen, taten sie das als geschlossene Einheit und Draco war stolz auf sich und seine Slytherins. Kein anderes Haus hatte es so schwer wie sie, eine Seite in diesem Krieg zu wählen. Die Tatsache, dass sie sich mehrheitlich für die Seite des Guten entschieden hatten, gab ihm mehr als nur ein wenig Hoffnung, dass sie diesen Kampf tatsächlich gewinnen konnten.

XXXXXX

„Wie war deine Unterredung mit Granger und Weasley?" fragte Draco später am Abend, als er sich mit Harry wie verabredet in dem ungenutzten Klassenraum traf.

„Informativ", erwiderte Harry kryptisch. „Und wie lief es mit deinen Slytherins?"

„Sagen wir mal so: Politik ist ein äußerst anstrengendes Geschäft", gab Draco zurück und streckte sich auf der Matratze aus, die auf einem Bettgestell lag, welches aus er aus einem alten Pult transformiert hatte.

„Politik?" Der Gryffindor zog eine fragende Augenbraue hoch.

„Nicht so wichtig", winkte Draco ab. „Das geht ohnehin über deinen Gryffindor-Verstand hinaus."

„Hey!" spielerisch boxte der Dunkle seinen Freund in die Seite.

„Was?" fragte der Slytherin unschuldig. „Gib ruhig zu, dass du von Diplomatie keine Ahnung hast. Dein Herz liegt doch immer auf deiner Zunge und was du nicht aussprichst, kann dir jeder Bergtroll vom Gesicht ablesen."

In diesem Punkt musste er Draco im Stillen recht geben. Für viele seiner Freunde war Harry ein offenes Buch. Wenn er ein Problem mit sich herum trug - wie zum Beispiel im Moment - brauchte man keine Legilimentik zu beherrschen, um ihm das anzusehen. Und gerade weil das so war, fiel es ihm noch unendlich schwerer, das Geheimnis, mit dem ihn Dumbledore betraut hatte, für sich zu behalten. „Ich mag es einfach nicht, um den heißen Brei herum zu reden", bekannte Harry schließlich. „Mir ist es lieber, mit offenen Karten zu spielen."

„Und das ist genau der Grund, weshalb du in Gryffindor gelandet bist und nicht in Slytherin", erwiderte sein Freund. „Aber keine Sorge, ich gleiche das im Hintergrund schon aus. Im Fäden ziehen bin ich richtig gut."

„Das glaube ich gern", schnurrte Harry, während er sich zu dem Blonden herunter beugte, der sich genüsslich auf dem weichen Untergrund räkelte. „Manchmal glaube ich, dass ich schon längst nach deiner Pfeife tanze."

„Und wenn dem so wäre, welche Rolle hättest du dann gern in diesem Stück?" fragte Draco ganz nah an seiner Wange.

„Die des Helden natürlich", gab der Dunkle rau zurück. „Der bekommt am Ende nicht nur den Sieg, sondern auch den schönen Jüngling."

„Ich denke, das ließe sich einrichten." Ungeduldig presste der Slytherin seine Lippen auf die seines Gegenübers. „Aber auf keinen Fall warten wir mit dem Küssen bis zum Happy End."

Mit geschlossenen Augen gab sich der Gryffindor Dracos Liebkosungen hin. „Ganz deiner Meinung."

XXXXXX 

Hermine, schön dass du mal wieder vorbei flohst." Harry versuchte auf dem beigen Läufer vor dem Kamin eine angenehme Position zu finden, während er seinen Kopf in die Flammen hielt.

Ich wäre gern persönlich gekommen, aber die Arbeit hier nimmt mal wieder kein Ende", erwiderte die braunhaarige Frau. Selbst durch das grüne Feuer konnte er ihre Augenringe erkennen.

Du arbeitest einfach zu viel, Mine."

Was soll ich tun? Im Moment sind alle Räume im Manor belegt und du weißt, wie groß das Haus ist."

Ja, natürlich." Schließlich hatte er es selbst für die gemeinnützige Organisation zur Verfügung gestellt, die darin Langzeitfluchgeschädigte behandelte. „Aber du musst dir auch mal eine Pause gönnen. Sonst ist es nur eine Frage der Zeit, bis du zusammen brichst."

Es sind einfach so viele die unsere Hilfe brauchen", seufzte sie resigniert. „Ich dachte, es würden über die Jahre weniger werden."

Ganz egal, wie vielen du hilfst, es wird ihn nicht zurück holen", erinnerte sie der Dunkelhaarige ernst.

Das weiß ich, Harry", gab sie kühl zurück. „Aber es hilft mir, damit zurecht zu kommen."

Wenn ich irgendetwas tun kann..." Er ließ den Rest des Satzes unvollendet.

Nein, es ist schon gut. Aber weshalb ich dich eigentlich anflohe: Ist Draco zu Hause?"

Er probiert im Labor ein paar neue Träne, wieso?"

Marcus Flint war gestern hier. Sein Onkel ist ein Patient."

Und?" fragte Harry betont unbeteiligt.

Er beschwert sich darüber, dass du ihn nicht Draco besuchen lässt", begann die Freundin vorsichtig.

Und wenn es so wäre?" erwiderte er gereizt.

Harry, er ist Dracos Freund."

Dann hätte er sich beim letzten Besuch an die Regeln halten sollen. Draco war noch Tage später völlig durch den Wind."

Es tut ihm ja auch leid, aber du hast kein Recht, ihn einfach so von allen fern zu halten."

Ich habe jedes Recht, meinen Mann vor Leuten zu schützen, die seine Gesundheit gefährden!" fuhr der Dunkle auf.

Harry...."

Du weißt genau, wie instabil er ist!"

Ich weiß, dass du ihn nur beschützen willst, aber irgendwann wird er die Wahrheit heraus finden."

Harry hatte die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen gepresst. „So Merlin will, wird das niemals passieren."

Leise seufzte Hermine auf. „Überleg es dir noch einmal. Draco würde sich bestimmt freuen, Marcus mal wieder zu sehen und wenn du bei ihnen bleibst, kannst du ihn notfalls stoppen, falls er sich versehentlich wieder verplappert."

Ich denke drüber nach", murmelte Harry, doch es klang nicht sehr überzeugend.

Ich muss dann auch Schluss machen. Die Patienten warten. Es war schön, mal wieder mit dir zu sprechen."

Gleichfalls, Hermine. Falls du doch mal Zeit findet, bist du uns jederzeit willkommen."

Ich weiß, Harry. Bis bald. Grüß Draco von mir."

Mach ich. Bis bald, Mine."

Tbc...