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L. Let it rock

Because when I arrive

I, I`ll bring the fire

Make you come alive

I can take you higher

What this is, forgot?

I must now remind you

Let it rock

Let it rock

Let it rock

(Kevin Rudolf, Let it Rock)

Gringotts... Warum musste es ausgerechnet Gringotts sein? Dieser eine Gedanke kreiste die ganze Zeit in einer Endlosschleife in Harrys Gehirn, als er missmutig in seinem Kessel rührte und auf die schlammig braune Substanz starrte, die sanft vor sich hin blubberte und dabei dem Moor in der Nähe des Verbotenen Waldes verblüffend ähnlich sah. Eigentlich sollte der Trank inzwischen ein sattes Grün angenommen haben, aber aus irgendeinem Grund weigerte sich Harrys Gebräu mal wieder sich so zu entwickeln, wie es sollte. Scheiß drauf... Er hörte weder die kalte Stimme von Professor Snape, der gerade eine Reihe weiter Dean Thomas maßregelte, weil dessen Trank die falsche Temperatur hatte, noch nahm er Hermines hektische Bemühungen wahr, die noch in letzter Minute versuchte, ihrem Trank durch eine Spulenwurzel eine intensivere Farbe zu verleihen.

Seit sie vor etwas mehr als vier Wochen in der Lage waren, den Inhalt von Dumbledores Tagebuch zu lesen, hatte es bei den drei Freunden kaum ein anderes Thema gegeben. Hermine hatte Berge an dicken Wälzern aus der Bibliothek geholt, welche sie einen nach dem anderen akribisch studierte und Ron hatte seinem Bruder Bill einen Brief geschickt, in dem er sich möglichst unauffällig nach den Sicherheitsbestimmungen der Bank erkundigte. Schließlich hatte Bill eine ganze Weile bei Gringotts gearbeitet und war - für einen Menschen - ziemlich gut mit der Denkweise der Kobolde dort vertraut. Ron hatte sein Interesse damit begründet, dass er angeblich eine Diskussion mit Hermine darüber habe, welche Banken sicherer seien: Die der Zauberer oder die der Muggel.

Doch was Bill ihnen geantwortet hatte und was von Hermines Recherchen bestätigt wurde, ließ die ohnehin schon spärlichen Hoffnungen der drei Jugendlichen auf eine erfolgreiche Mission dahin schwinden. Die Tunnel und Höhlen unter der Zauberbank waren voller Fallen. Von tiefen Abgründen, gefährlichen Flüchen, unüberwindbaren Bannsprüchen und sogar von Drachen war da die Rede. Nie war es jemandem gelungen in Gringotts einzubrechen, bis auf das eine Mal in Harrys erstem Schuljahr, als jemand versucht hatte, den Stein der Weisen zu stehlen, der dort aufbewahrt worden war. Doch der Raub schlug fehl. Der Zufall hatte es gewollt, dass Hagrid diesen Stein unmittelbar vorher aus dem Verlies geholt hatte. Allerdings wusste bis heute niemand, wie es dem Dieb gelungen war, sich im Labyrinth der Tunnel zurecht zu finden und das Verlies zu öffnen.

„Mr. Potter, sind Sie nicht langsam aus dem Alter raus, in dem man Schlammkuchen backt?"

Harry zuckte erschrocken zusammen, als er ihn die hämische Stimme des Zaubertränkemeisters so plötzlich aus seinen Gedanken riss und um ein Haar wäre ihm die Kelle, mit der er in dem brodelnden Gebräu rührte, in den Kessel gefallen. Sein Blick zuckte nach oben und traf sich dort mit Professor Snapes kalten Augen. Einen Moment fixierten sich die beiden Kontrahenten wortlos, dann lehrte sich auf einen Wink des Lehrers Harrys Kessel und Snape ging weiter, ohne sich noch einmal umzudrehen.

„Sie werden bis Morgen einen Aufsatz schreiben, Potter. Eine Pergamentlänge über das richtige Abmessen von Zaubertrankzutaten und eine weitere Rolle darüber, warum man bei der Herstellung von Tränken nicht schlafen sollte."

Einige Slytherins kicherten boshaft und Harry merkte, wie ihm das Blut in den Kopf schoss, doch er schaffte es irgendwie sich zu beherrschen. Als hätte er nicht schon genug Mist am Hals! Aber wenn er seiner Wut jetzt freien Lauf ließ, würde er noch Schlimmeres bekommen, als nur eine Strafarbeit. Bei den langwierigen Recherchen konnte er es wirklich nicht darauf ankommen lassen, sich auch noch Nachsitzen einzuhandeln.

Natürlich ging es nicht um den Trank, darum ging es eigentlich nie. Bei einigen anderen Schülern war das Ergebnis noch sehr viel schlechter ausgefallen als bei ihm und trotzdem bekamen die keine Strafarbeit. Nein, die behielt sich Snape immer für ihn vor. Es war eine Demonstration der Macht. Als könne der Lehrer durch den Jungen endlich Genugtuung für die Demütigungen erlangen, die ihm durch Harrys Vater und dessen Freunde angetan worden waren. Doch auch ohne James Schatten, wären die Beiden vermutlich nie Freunde geworden. Im Großen und Ganzen ging es darum, dass Snape Harry einfach nicht leiden konnte. Schon seit seinem ersten Tag in Hogwarts war das so gewesen. Und wenn er auch nur irgendetwas Positives in ihm gesehen hatte, war das an dem Tag verschwunden, an dem Harrys Beziehung mit Draco begonnen hatte.

Doch heute hatte Harry das Gefühl, dass es noch um mehr ging als nur um die üblichen Spielchen. Bisher hatte er beharrlich über die Nacht geschwiegen, in der Professor Dumbledore ins Koma gefallen war, doch Snape ließ keine Gelegenheit aus, gegen Harrys gedankliche Barriere anzurennen und wenn Draco für ihn nicht ein sehr viel besserer Lehrer in Okklumentik gewesen wäre, als der Snape, wäre der Gryffindor vermutlich längst eingebrochen.

Doch ganz egal wie viele Strafarbeiten ihn Snape noch schreiben lassen würde, Harry würde nicht klein bei geben. Diese Mission war zu wichtig und er hatte geschworen, ihr Geheimnis zu wahren. Koste es was es wolle.

XXXXXX

Verbissen kratzte Harrys Feder über die Rolle Pergament, die vor ihm auf dem Tisch ausgebreitet lag. Seit dem Abendessen saß er über den Aufsätzen, die ihm Snape aufgegeben hatte. Die anderen Hausaufgaben hatte er schon in der Mittagspause gemacht, damit er wenigstens eine winzige Chance hatte, vor dem Schlafengehen weiter mit Hermine und Ron über ihr Gringotts-Problem zu diskutieren.

Erfolglos versuchte er, die Geräusche der anderen Schüler, die den Gryffindor Gemeinschaftsraum bevölkerten, auszublenden, doch das Summen ihrer Worte hallte trotzdem in seinen Ohren wieder. Draußen regnete es in Strömen, so dass sich niemand der noch ganz bei Verstand war, außerhalb der schützenden Schlossmauern aufhielt. Kurzfristig hatte Harry darüber nachgedacht, seinen Aufsatz lieber in der Bibliothek zu schreiben, aber die Aussicht auf die Kälte dort, hatte ihn diesen Gedanken schnell verwerfen lassen. Doch das Arbeiten im rappelvollen Gemeinschaftsraum stellte sich nun als mehr als unmöglich heraus. Mehrere Schüler hatten heute Lieferungen von Weasleys Zauberhafte Zauberscherze erhalten und konnten es kaum abwarten, die diversen Scherzartikel zu testen. Mehrfach ertappte sich Harry dabei, wie er Worte wie Nasenblutnougat und Kanariencremeschnitten in seinen Aufsatz schrieb und es kostete ihn jedes Mal wertvolle Zeit und Geduld, die Worte mit einem Schwenk seines Zauberstabs verschwinden zu lassen.

„Ich gebe es auf!" knurrte er schließlich und warf die Feder frustriert auf den Tisch, nachdem er den gleichen Satz schon zum vierten Mal korrigierte. „Dann bekomme ich eben morgen Nachsitzen von Snape aufgebrummt! Wen kümmert das schon? In seinem Büro ist es wenigstens warm und ich kann dort in Ruhe arbeiten!"

„Na, gib schon her", seufzte Hermine versöhnlich. Sie hatte die ganze Zeit solidarisch neben ihrem Freund ausgeharrt und in einem Buch gelesen, während Ron mit Seamus am anderen Ende des Raumes Snape explodiert spielte. „Ich tue das zwar nicht gern, aber heute mache ich eine Ausnahme."

Noch bevor Harry fragen konnte, was sie meinte, holte Hermine ihren Zauberstab hervor, tippte mit ihm zuerst auf die bereits geschriebenen Sätze und dann auf die Feder. Anschließend murmelte sie einen kurzen Spruch. „Ich werde den Aufsatz mit deiner Handschrift zu Ende schreiben", erklärte das Mädchen kurz angebunden. „Aber wie schon gesagt: Das ist eine Ausnahme, okay? Das bedeutet nicht, dass ich jetzt öfter deine Hausaufgaben für dich schreibe."

„Danke, Hermine!" Strahlend umarmte Harry die Freundin. „Du bist die Beste!"

„Ich weiß, ich weiß", erwiderte sie errötend. „Aber erzähl bloß nicht Ron von dem Spruch. Seit drei Tagen schiebt er den Kräuterkunde-Aufsatz vor sich her und wenn er hiervon hört, wird er mich solange bearbeiten, bis er mich breit geschlagen hat."

„Versprochen, Mine. Ehrenwort!" schwor Harry treuherzig. Er sprach einen schnellen Tempus-Zauber, dann sprang er aus dem Sessel auf. „Ich geh mir dann mal ein bisschen die Beine vertreten. Bis später!"

„Bis später", antwortete das Mädchen, während sie das Pergament zu sich heran zog.

Im Vorbeigehen nickte Harry Ron und Seamus zu, die ganz versunken in ihr Spiel waren, dann hastete er schnell die Treppen zu den Jungenschlafräumen empor. Ohne lange suchen zu müssen schnappte er sich den Tarnumhang und rannte leichtfüßig den Weg zurück, den er gekommen war. Zwar warfen ihm die anderen Gryffindors verwunderte Blicke zu, als er den Gemeinschaftsraum in Richtung des Portraitloches durchquerte, doch Harry kümmerte sich nicht darum.

In der letzten Zeit hatten er und Draco kaum einen Moment für sich gehabt. Entweder hatte Harry mit seinen Freunden über ihrem Gringotts-Problem gebrütet oder Draco hatte irgendwelche fadenscheinigen Ausreden gefunden, weshalb er sich nicht mit Harry treffen konnte. Natürlich hatte der Gryffindor das nicht einfach gelten lassen, zumal er sich Sorgen machte, dass es etwas mit Dracos Auftrag von Voldemort zu tun haben könnte. Doch er war zu beschäftigt mit seinen eigenen Problemen gewesen, um Dracos Geheimnis auf den Grund zu gehen. Außerdem schien der Blonde geradezu immun gegen Harrys Versuche ihn auszuhorchen. Wenn der Slytherin nicht mit der Sprache heraus rücken wollte, konnte ihn vermutlich nicht einmal ein Zauber zum Sprechen bewegen.

Durch Zufall hatte der Gryffindor heute im Vorbeigehen gehört, wie Blaise Draco gefragt hatte, ob es bei acht Uhr bleiben würde und sofort war in Harry die Eifersucht hoch gekocht. Er wusste schon, warum er Blaise nicht leiden konnte. Was, wenn Draco eine Affäre hatte? Seiner Meinung nach verbrachte sein Freund ohnehin viel zu viel Zeit mit Zabini. Okay, Blaise hatte eine Freundin, aber das sagte nichts aus. Er konnte ja auch bi sein. Schließlich hatte Harry früher auch nicht wahr haben wollen, dass er auf Jungen stand. Passen würde es zu dem dunklen Slytherin, der immer wie aus dem Ei gepellt aussah. Für einen Hetero war Zabini definitiv viel zu eitel und leider auch verdammt gut aussehend.

Harry musste einfach Gewissheit haben, lieber jetzt als später. So schnell ihn seine Beine trugen, stürmte der Gryffindor die Treppe zu den Kerkern herab. Als er die Wand erreichte, hinter der der Eingang zum Gemeinschaftsraum der Slytherins lag, schaffte er es gerade noch, den Tarnumhang über den Kopf zu ziehen. Keine Minute später traten Draco und Blaise in den Korridor. Misstrauisch sahen sie sich um, dann gingen sie in Richtung der Treppe davon, nicht ahnend dass sie einen unsichtbaren Verfolger hatten. Schweigend schlenderten die beiden Slytherins nebeneinander her und Harry hatte Mühe, geräuschlos mit ihnen Schritt zu halten. Ein paar Mal drehte sich Draco um, so dass sich der Gryffindor beinah sicher war, dass er ihn bemerkt hatte, doch dann setzten die Jungen einfach ihren Weg fort. Wütend ballte Harry seine Hände unter dem Tarnumhang, als sie vor dem Raum der Wünsche ankamen. Dieser Schuft! Ohne Harry wüsste der Slytherin nicht einmal von der Existenz dieses Raumes und nun nahm er einfach seinen Liebhaber mit hier her! Aber die Suppe würde er ihnen gehörig versalzen...

Es dauerte einen Moment, bevor die Tür in der Wand erschien und einen weiteren, bis Blaise sie schließlich geöffnet hatte und hinein ging. Dicht hinter Draco betrat Harry den Raum, bereit die beiden Verräter in wer weiß was zu verfluchen, doch gerade, als er sich den Tarnumhang herunter reißen wollte, erstarrte er. Der Raum sah nicht aus, als wäre er für ein romantisches Rendez-Vous gedacht. Das Licht der Laternen war so hell, dass es beinah in den Augen schmerzte. Es gab kein Bett oder eine Couch; nicht einmal einen Stuhl. Stattdessen lagen einige Kissen auf dem Boden. In einer Ecke stand ein Tisch mit Gläsern, einem Krug und einem Teller mit Keksen. Sie waren auch nicht allein. Bestimmt zwei Dutzend Slytherins standen in kleinen Gruppen herum und sahen ihnen entgegen. Soweit Harry erkennen konnte, waren es fast alles Schüler aus ihrem Jahrgang. Ein paar waren ein Jahr älter und ein oder zwei ordnete er der fünften Klasse zu. Durch die verspiegelten Wände schien es beinah, als wäre der ganze Raum voller Slytherins.

Harry stand immer noch da, wie vom Donner gerührt, während Draco und Blaise lässig auf ihre Hauskameraden zugingen. Er wurde einfach nicht schlau daraus, was diese Versammlung zu bedeuten hatte.

„Sind wir vollzählig?" fragte Zabini an seine Freundin Pansy gewandt. Das Mädchen nickte.

„Gut", erwiderte Draco. Er winkte die anderen Schüler zu sich heran. „Ich hoffe, es hat keiner mehr irgendwelche Schrammen oder blauen Flecke vom letzten Mal. Wenn doch, dann beißt gefälligst die Zähne zusammen, okay? Bei einem echten Kampf wird darauf auch keine Rücksicht genommen, ob ihr fit seid oder nicht. Ich möchte als erstes noch mal sehen, ob jeder von euch inzwischen den Schildzauber beherrscht. Findet euch also wieder in Zweier-Gruppen zusammen und verflucht euch gegenseitig. Aber bitte dieses Mal keine Schneideflüche oder Unverzeihliche!"

Ein leichtes Murren ging durch die Slytherins, dann verteilten sie sich gehorsam im Raum und begannen damit, sich gegenseitig Flüche an den Hals zu hexen, die dann abgewehrt werden mussten. Erstaunt stellte Harry fest, dass sich die Slytherins verdammt gut dabei anstellten. Crabbe war einer der wenigen, der seinen Schildzauber nicht halten konnte und bekam das bitter zu spüren, als ihn ein Fluch mit dem Kopf nach unten in der Luft hängen ließ. Auf Zehenspitzen folgte der Gryffindor Draco durch den Raum, während der seine Mitschüler überwachte und - wenn es nötig war - korrigierend eingriff. Tatsächlich fühlte Harry eine Art von Stolz für seinen Freund in sich aufflammen, als er sah, wie souverän Draco seine Rolle als Lehrer meisterte. Seit wann übten sie schon so im Verborgenen? Und warum hatte Draco ihm nichts davon gesagt oder noch wichtiger: Warum war er nicht selbst auf diese Idee gekommen?

Nach den Schildzaubern übte Draco mit den Slytherins noch einen Explosionszauber, indem er einige Kissen aufeinander stapelte und sie von den Schülern mit einem „Expulso!" in die Luft sprengen ließ. Dann erklärte er die Übungsstunde für beendet. „Das war gar nicht mal so schlecht", lobte der Blonde seine Mitschüler. „Nächste Woche werden wir dann etwas Kniffligeres probieren. Falls jemand von euch Diptam-Essenz besorgen kann, sollte er sie ruhig mitbringen. Ich garantiere euch, der Eine oder Andere wird es brauchen können."

Die Jungen und Mädchen stärkten sich noch schnell mit Kürbissaft und Keksen, bevor sie in kleinen Gruppen nacheinander den Raum verließen. Bis schließlich nur noch Blaise, Draco und Harry übrig waren. „Kommst du?" fragte der dunkle Slytherin seinen Freund, der mit einem Besen die zerstörten Kissen zu einem Haufen zusammen kehrte.

„Geh schon mal vor", erwiderte Draco ohne aufzublicken. „Ich möchte für die nächste Stunde noch was ausprobieren und das klappt besser, wenn ich allein bin."

„Alles klar", gab Zabini schulterzuckend zurück. „Bis später dann."

Eine gespenstische Ruhe senkte sich über den Raum der Wünsche, nachdem Blaise gegangen war und Harry wagte es kaum zu atmen. Eine ganze Weile stand Draco vor einer der verspiegelten Wände und betrachtete schweigend seine Refektion. Doch plötzlich zog der Blonde mit einem Ruck seinen Zauberstab aus der Hosentasche, drehte sich mit Schwung um die eigene Achse und rief in den Raum hinein: „Homenum revelio!"

Ein Lufthauch fuhr durch Harrys Haare, als ihm der Tarnumhang vom Kopf flog und er nur wenige Meter von seinem Freund entfernt sichtbar wurde. Der Slyhterin zog eine fragende Augenbraue hoch und verschränkte seine Arme vor der Brust. „Äh.... Hi, Draco!" begrüßte Harry den Blonden verschämt und er fühlte, wie sich seine Wangen rot verfärbten. „Woher wusstest du, dass ich hier bin?"

„Ich weiß schon seit den Kerkern, dass du uns hinterher läufst, Potter. Wer sonst trampelt wie ein Troll durch die Gänge? Es ist ein echtes Wunder, dass dich keiner der Anderen bemerkt hat. Und hast du gesehen, was du sehen wolltest?"

„Ich weiß, wie das aussieht, aber ich wollte dir nicht hinterher spionieren", rechtfertigte sich der Dunkle, worauf Draco ein verächtliches Schnauben hören ließ. „Ehrlich nicht. Ich habe mir einfach Sorgen gemacht. Du warst so komisch in letzter Zeit."

„Das sagt ausgerechnet der König der Geheimniskrämer!" platzte Draco dazwischen.

„Ich weiß, es ist nicht fair", fuhr Harry fort zu erklären. „Aber als ich dann gehört habe, wie sich Blaise mit dir verabredet hat..."

„Moment!" Auf das ernste Gesicht des Blonden stahl sich ein Lächeln. „Hast du etwa geglaubt ich hätte was mit ihm? Mit Zabini?! Ha! Der ist gut!"

Jetzt prustete Draco richtig los. „Zuerst bist du eifersüchtig auf Pansy und nun auf Blaise?! Der wird sich nicht einkriegen, wenn ich ihm davon erzähle! Auf so einen Blödsinn kannst auch nur du kommen!"

„Was sollte ich denn sonst denken, Malfoy?" schoss der Gryffindor beleidigt zurück. „Du wolltest mir ja nicht sagen, was du ohne mich treibst."

„Du musst ja auch nicht alles wissen, oder?" grinste der Slytherin verschlagen. „Und was sagst du jetzt, wo du weißt, was ich tue?"

„Ich finde die Idee gut. Sehr gut sogar. Eigentlich finde ich sogar, dass die Schüler aller Häuser so ein Training machen sollten. Die Lehrer versuchen ja lieber, uns von allem fern zu halten, aber ich denke, es ist besser, vorbereitet zu sein, als sich zu verkriechen."

„Meine Rede", erwiderte Draco zustimmend. „Wir können nicht den Kopf in den Sand stecken und hoffen, dass es uns nicht trifft. Der Krieg kommt immer näher und wir sind mitten drin. Ob wir wollen oder nicht."

„Du bist ein guter Lehrer, Draco. Die anderen Slytherins können viel von dir lernen", schmeichelte Harry, um die letzten Wogen zu glätten.

„Ich bin ein phantastischer Lehrer, Potter", konterte der Blonde selbstbewusst. „Sogar du könntest etwas von mir lernen."

„Mag sein", erwiderte der Dunkle ausweichend.

„Wollen wir wetten?" grinste der Slytherin und wackelte mit den Augenbrauen. „Lust auf ein kleines Training, Potter?"

„Ich denke nicht, dass das so eine gute Idee ist", gab Harry ausweichend zurück.

Das Grinsen des Anderen wurde breiter. „Angst?"

„Davon träumst du, Malfoy", knurrte der Gryffindor dunkel.

„Dann lass mal sehen." Draco umkreiste seinen Freund wie ein Raubtier seine Beute. Seine Augen hingen an Harrys Gesicht und der Dunkle wagte es kaum zu zwinkern. Eine Weile belauerten sich die beiden Jungen, dann riss der Dunkle den Zauberstab geschmeidig in die Höhe. „Expelliarmus!"

Locker blockte der Slytherin den Entwaffnungszauber ab. „Das ist nicht dein Ernst!" höhnte er kopfschüttelnd. „Damit willst du den Dunklen Lord besiegen?"

Blitzschnell schleuderte er nun seinerseits einen Fluch auf Harry ab. „Obscuro!"

Rasch führte der Gryffindor einen Schildzauber durch und der Augenbindenzauber verpuffte wirkungslos. Er konterte sofort mit einem Tarantallegra Zauber und dieses Mal war Draco nicht schnell genug, um den Fluch zu blocken. „Nicht schlecht", keuchte er, während seine Beine unkontrolliert herum zappelten. Doch trotz des Handicaps feuerte er nun seinerseits einen Zauber. Zwar hatte Harry den Schild rechtzeitig oben, doch der Rictusempra rauschte einfach darunter durch.

Kichernd wand sich der Dunkle unter dem Kitzelfluch, während er versuchte einen Zauber durchzuführen, doch er war zu abgelenkt, so dass Draco den Oppugno Fluch locker abwehrte und sofort seinerseits einen Zauber hinterher schickte.

„Aguamenti!"

Die Wasserfontäne durchnässte Harry bis auf die Haut, was er wegen des immer noch anhaltenden Kitzelfluches allerdings nur mit einem Lachen quittierte. „Diffindo!" schoss er zurück und Sekunden später lag Dracos Kleidung in feine Streifen geschnitten um ihn herum auf dem Fußboden.

„Na warte! Impedimenta!"

In Zeitlupe hob Harry seinen Zauberstab. „Incarcerus!" murmelte er schwerfällig und sofort schossen Seile auf Draco zu. Zwar schaffte es der Slytherin die Seile abzuwehren, doch eines streifte seine Wange und hinterließ dort einen roten Striemen.

Reflexartig zuckte Dracos Hand zu seinem Gesicht. Überrascht sah er den dunklen Blutstropfen, der an seinen Fingern klebte.

„Tut mir leid", rief Harry bestürzt herüber. „Das wollte ich nicht."

Der Blonde ließ ein abfälliges Schnauben hören, dann packte er seinen Zauberstab fester. „Achte auf deine Deckung, Potter! Bei einem echten Kampf kannst du auch keine Beileidskarten schreiben, wenn du jemanden verletzt! Locomotor Mortis!"

Der Gryffindor gab einen quietschenden Laut von sich, als seine Beine zusammen schnappten und er wie eine Puppe zur Seite umkippte. Mit immer noch wild zappelnden Beinen kam Draco näher. „Gibst du auf, Potter?" 

„Davon träumst du, Malfoy! Levicorpus!"

Der Beinklammerfluch streifte Dracos Ohr und schon wurde er von unsichtbaren Händen an den Fußknöcheln gepackt und hing mit dem Kopf nach unten in der Luft. Sich mit den Armen vorwärts über den Boden ziehend, kam Harry näher und hob grinsend den Zauberstab. Doch auch Draco hatte sich schnell von seiner Überraschung erholt und hielt ihm seinen Stab entgegen.

„Unentschieden?" fragte der Dunkle treuherzig.

„In Ordnung", knurrte der Slytherin. „Und jetzt lass mich runter."

„Finite Incantatem."

Ein dumpfer Knall ertönte, dann lagen die beiden Jungen schwer atmend nebeneinander.

„Das war gut", keuchte Draco schließlich. „Das sollten wir öfter machen."

„Gut?! Ich werde morgen lauter blaue Flecken haben!" beschwerte sich Harry.

„Sei nicht so ein Mädchen, Potter", feixte der Blonde grinsend. „Vor allem nicht jetzt, wo ich gerade so heiß auf dich bin."

„Du bist was?" fragte der Gryffindor alarmiert.

Der Slytherin drehte sich auf die Seite und stützte seinen Kopf auf eine Hand. „Weißt du eigentlich, wie sexy du bist, wenn du gerade mit Flüchen um dich wirfst?"

„Oh Merlin, Draco." Harry rollte mit den Augen. „Sag nicht, du stehst auf so was?"

Der Blonde wackelte anzüglich mit den Augenbrauen. „Von dir würde ich mir sogar einen Crucio verpassen lassen."

„Du bist echt nicht ganz dicht."

„Halt endlich die Klappe und küss mich." Auffordernd streckte Draco seinem Freund den Mund entgegen und kaum, dass Harry der Aufforderung nach kam, zog ihn der Blonde ungeduldig an sich. Stöhnend rieb Draco seinen Körper an dem des Dunklen und schon Sekunden später war auch Harry nackt bis auf die Haut.

„Sollten wir nicht vorher noch die Tür verriegeln?" versuchte der Gryffindor die Vernunft zu wahren.

„Das ist der Raum der Wünsche, Harry", knurrte der Blonde, während er verlangende Küsse auf dem Hals seines Freundes verteilte. „Wir wünschen uns einfach, dass uns keiner stört und dann wird es auch niemand tun. Aber was viel wichtiger ist: Kennst du einen Spruch, um meine Klamotten wieder heil zu zaubern?"

„Äh, nein", gab der Dunkle bedauernd zu und liebkoste nun seinerseits den Körper des Slytherin.

„Super, wie soll ich dann nachher zurück in die Kerker gehen? Etwa nackt?"

„Darüber machen wir uns Gedanken, wenn es soweit ist", erwiderte Harry rau, dann drehte er Draco auf den Rücken und glitt geschmeidig zwischen seine Beine.

XXXXXX

Verflucht!" Schimpfend riss Draco die Haustür auf und rannte in die Küche, wo er schnell den Wasserhahn aufdrehte.

Was ist passiert?" fragte sein Partner, der durch den Lärm angelockt, ebenfalls in den Raum geeilt war.

Gar nichts", knurrte der Blonde und hielt seine linke Hand in das kühlende Nass.

Ist das etwa eine Brandwunde?" rief Harry, als er alarmiert die Hand betrachtete. Tatsächlich waren die Finger von dicken Brandblasen übersät. „Ich hole schnell die Diptam Essenz. Wie ist das denn nur passiert?"

Jetzt hör auf überzureagieren!" schnappte Draco und zog wütend seine Hand aus Harrys Griff.

Das ist gar nichts! Okay? Ich habe mich einfach beim Zaubern versprochen."

Versprochen?" fragte Harry ungläubig, während er im Medizinschrank nach der richtigen Flasche kramte.

Ja, versprochen", grummelte der Blonde. „Ich wollte die Steine zu unserem Gartentor mit `Flagrate` markieren und habe stattdessen `Flagrante` gesagt, wodurch die Steine leider glühend heiß geworden sind."

Beinah unmerklich schüttelte der ehemalige Gryffindor den Kopf. „Gib mal her", forderte er seinen Partner auf, nachdem er die Diptam Essenz gefunden hatte. „Wenn ich die Verbrennung gleich bepinsele, wird Morgen nichts mehr zu sehen sein."

Mach es einfach, Potter und hör auf zu reden", presste Draco durch die zusammen gebissenen Zähnen hervor.

Wie wäre es mit `bitte` ?"

JETZT SOFORT!"

Na also, es geht doch."

Tbc....