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We weren`t born to follow  

 

We weren`t born to follow

Common get up off your knees

Life is a bigger pill to swallow

You gotta hold on to watcha believe 

(Bon Jovi, We weren`t born to follow) 

Mutterseelenallein saß Harry am Rand des Sees und wog mit den Fingern einen flachen Stein, den er in der Hand hielt. Er war völlig unauffällig. Glatt. Grau. Ein typischer Kiesel. Einer von vielen. Der ganzen Strand um den See war mit grauen Steinen bedeckt. Jeder trat auf ihnen herum, ohne sie überhaupt zu bemerken. Mit genau bemessenem Schwung holte Harry aus und ließ den Kiesel ein paar Mal über das Wasser hüpfen, bevor der Stein in den Wellen verschwand. Nur die immer schwächer werdenden Kreise auf der Wasseroberfläche zeugten davon, dass er gerade noch da gewesen war. Bis der See genauso glatt da lag, als ob es ihn nie gegeben hätte. So wie bei Dobby.

Die Tat des Elfen hatte Harry und seine Freunde gerettet und wenn es in der Welt auch nur einen Hauch Gerechtigkeit geben würde, müsste er als Held verehrt werden. Doch seit er gegangen war, schien es beinah, als hätte es ihn nie gegeben. Die anderen Schüler ahnten nichts von dem Drama, das sich vor ihren Augen ereignet hatte und selbst wenn sie davon wüssten, würde es sie vermutlich nicht berühren. Er war nur ein Hauself gewesen. Einer von vielen, die - unsichtbar für die Schüler - ihre Arbeit im Schloss verrichteten. Doch für Harry war er so viel mehr gewesen. Es war schlimm für ihn, dass er Dobby nicht einmal einen Grabstein zaubern konnte, aber es hätte zu viele Fragen gegeben, wenn bekannt wurde, dass der Elf tot war. So war er einfach nur abwesend. Vielleicht davongelaufen. Niemand kümmerte sich darum. Er war ja nur ein Elf.

Die anderen Schüler sprachen über die bevorstehenden Quidditch Spiele, die Prüfungen und den Sommer der langsam aber sicher immer näher kam. Selbst seine Freunde waren in ihrem Leben fortgefahren. Sicher, Hermine war in Tränen ausgebrochen, nachdem sie von Dobbys Tod erfahren hatte und sogar Ron, der sonst nicht viel für die Hauselfen übrig hatte, fand einige nette Worte für ihn, doch nach ein paar Tagen waren sie durch den Unterricht und die Probleme des Alltags so abgelenkt, dass Dobbys Opfer immer mehr in den Hintergrund rückte. Im Gegenteil, Harry hatte beinah das Gefühl, dass es für sie unangenehm war, wenn er immer wieder von dem Elfen zu sprechen anfing. Für ihn waren die Geschehnisse in Gringotts immer noch so nah, dass er kaum an etwas anderes denken konnte. Manchmal lag er die halbe Nacht wach und betrachtete die beiden Horcruxe, die nun in seinem Besitz waren und fragte sich, ob sie die Opfer wirklich wert gewesen waren und wenn er doch einmal einschlief, träumte er von Schlangen, von Elfen und Kobolden.

Harry machte seine Hausaufgaben nicht, schwänzte den Unterricht und selbst wenn er anwesend war, konnte er den Worten der Lehrer nicht folgen. Erst vor ein paar Tagen hatte er sowohl in Zaubertränke als auch in Verwandlung ein „Unannehmbar" bekommen, doch es kümmerte ihn nicht. Na und, dann würde er eben nicht Auror werden können. Was machte das schon? Vermutlich würde er den Krieg ohnehin nicht überleben.

Missmutig betrachtete er seine Hände. Madam Pomfrey hatte ganze Arbeit geleistet. Bereits am nächsten Tag hatte Harry keine Verbände mehr gebraucht und mittlerweile waren die Narben, dort wo seine Haut in Fetzen herunter gehangen hatte, fast völlig verblasst. Es wäre ihm lieber gewesen, die Handflächen wären mit wulstigen roten Striemen bedeckt gewesen, statt mit den weißen, dünnen Linien, damit er ein Leben lang für die Schuld gezeichnet gewesen wäre, die er auf sich geladen hatte. Von jetzt bis in alle Ewigkeit klebte das Blut des Kobolds und das des Hauselfen an seinen Händen und er würde nie aufhören, dafür um Vergebung zu bitten.

„Hier steckst du also." Harry war so versunken gewesen, dass er Draco nicht hatte kommen hören. Ohne auf eine Erwiderung zu warten, setzte sich der Blonde neben ihn in den Kies, jedoch nicht ohne die Stelle vorher genau in Augenschein zu nehmen, damit danach kein Moos oder Schlamm an seiner Robe klebte.

„Störe ich oder bist du nur wieder dabei dich selbst zu bedauern?" fragte der Slytherin sarkastisch.

Überrascht zuckte der Blick des Gryffindor nach oben. Solch harte Worte hatte er wirklich nicht erwartet, denn erstaunlicher Weise hatte selbst Draco, nachdem er von Dobbys Tod erfahren hatte, versucht Harry zu trösten. Der Blonde hatte eins und eins zusammen zählen können, als am Tag nach Harrys „Unfall" Auroren nach Hogwarts gekommen waren, um ihn über einen Einbruch bei Gringotts zu befragen, den er angeblich begangen haben sollte. Wie gut nur, dass beinah das ganze Schloss bezeugen konnte, dass er zur selben Zeit gerade ein Quidditch Match bestritten hatte. So waren die Auroren unverrichteter Dinge wieder abgereist.

Natürlich hatte Harry ihm nicht sagen können, was wirklich vorgefallen war, aber als Dobbys ehemaliger Herr hatte er Harrys Meinung nach das Recht zu erfahren, dass der Elf nicht mehr lebte. Auch wenn sich der Gryffindor sicher war, dass Draco diese Tatsache ziemlich wenig berührte.

„Geh einfach weg", erwiderte Harry, ohne den Blonden dabei anzusehen. „Lass mich allein."

Draco ließ ein abfälliges Schnauben hören. „Damit du weiter in deinen Schuldgefühlen baden kannst? Vergiss es, Potter."

Mühsam rappelte sich Harry auf. „Du verstehst das nicht!" warf er dem anderen Jungen vor.

„Was verstehe ich nicht?" gab Draco zurück, der sich ebenfalls erhoben hatte. „Dass du dir die Schuld an Dobbys Tod gibst?"

„Es ist meine Schuld! Er ist gestorben, weil er mir helfen wollte!"

„Und du tust wirklich eine Menge, um dieses Opfer zu ehren", erwiderte Draco.

„Ach, lass mich doch in Ruhe!" Harry wandte sich zum Gehen, doch der Slytherin hielt ihn an der Schulter zurück.

„Nein, das werde ich nicht. Du bleibst jetzt hier und hörst mir zu! Ich habe es satt zu sehen, wie du dich in deiner Trauer wälzt und dabei völlig vergisst, um was es hier geht."

„Ja?" Der Gryffindor schoss wütende Blicke auf seinen Freund ab. „Klär mich mal auf: Um was geht es denn?"

„Es geht immer nur um das Eine: Du musst einen Weg finden, um das Monster zu töten."

„Und wenn ich das nicht mehr will? Wenn ich einfach genug davon habe, dabei zuzusehen, wie diejenigen sterben, die mir etwas bedeuten? Nur weil ich sie in etwas hinein ziehe, was ich nicht unter Kontrolle habe? Weil ich sie nicht retten konnte? Ich kann nicht mehr! Ich gebe auf! Soll doch jemand anderer den Dunklen Lord töten! Ich bin raus!" Harrys Atem ging schnell und sein Puls raste nach diesem Ausbruch.

„Dann ist Dobby völlig umsonst gestorben", erwiderte Draco ruhig. „Dann wird Er gewinnen und wir werden alle untergehen."

„Das weißt du nicht sicher", warf der Gryffindor ein.

„Doch, ich weiß es und du weißt es auch."

Erneut ließ sich Harry auf den Fußboden sinken. Er barg das Gesicht in seinen Händen, unfähig noch länger die Verzweiflung zu verbergen, die ihm die Kehle hinauf stieg. „Ich habe solche Angst", gestand er leise. „Ich habe Angst davor, wer der nächste sein wird. Ich will nicht noch jemanden sterben sehen. Das stehe ich nicht durch. Ich kann einfach nicht mehr kämpfen. Nicht, wenn es bedeutet, solche Opfer bringen zu müssen."

Draco war neben seinem Freund in die Hocke gegangen und legte jetzt eine Hand auf dessen Schulter. „Oh doch, du kannst das. Und du wirst es tun. Ganz egal, was passiert. Selbst, wenn es bedeutet, dass Granger sterben sollte oder das Wiesel. Oder auch wenn es mich erwischt, will ich, dass du weiter kämpfst. Verstehst du? Du bist der Einzige, der das Monster töten kann. Du hast die Verantwortung für die ganze Zauberwelt und du wirst dich verdammt noch mal zusammen reißen und tun, was nötig ist, um dieses Ziel zu erreichen."

Harry schluchzte leise zwischen den Fingern hindurch.

„Hör auf zu heulen, du Mädchen", tadelte ihn der Slytherin liebevoll. „Sonst schwöre ich dir, ich komme als Geist und suche dich dein ganzes restliches Leben heim."

Der Gryffindor schniefte noch einmal hörbar, dann hob er den Kopf und versuchte ein schwaches Lächeln.

„Schon besser." Der Blonde fuhr ein paar Mal mit den Fingern durch Harrys hoffnungslos verstrubbeltes Haar und klopfte seine Kleidung ab, bevor er ihn auf die Füße zog. „Und jetzt komm, wenn ich deinetwegen das Abendbrot verpasse, werde ich richtig sauer."

XXXXXX

„Da machen die nie und nimmer mit. Ich würde das auch nicht tun wollen." Abwehrend verschränkte Ron die Arme vor seiner Brust. Er hatte sich mit Hermine Harry gegenüber auf das Fußende seines Bettes gesetzt.

Das Mädchen kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe herum. „Ich weiß, du hörst das jetzt nicht gern, aber ich denke fast, dass Ron recht hat. Du verlangst wirklich etwas viel von den Gryffindors, wenn du sie dazu bringen willst, unter Dracos Anleitung kämpfen zu lernen."

Ärgerlich sah Harry von einem zum Anderen, bevor er vom Bett sprang und begann, im Zimmer auf und ab zu gehen. Das Gespräch mit Draco vor ein paar Tagen hatte ihn wachgerüttelt und er hatte begriffen, wie wichtig es war, für den Kampf gerüstet zu sein. Er selbst würde nicht alle seine Freunde retten können, aber er konnte dabei helfen, dass sie vorbereitet waren. Doch zuerst einmal musste er seine Kameraden von seiner Idee überzeugen. „Ich habe es so satt, dass es immer nur darum geht, wer in welchem Haus ist. Versteht ihr denn nicht, Voldemort wird uns alle töten, egal ob Slytherin, Hufflepuff oder Gryffindor! Wer nicht für ihn ist, ist sein Feind!"

„Das ist uns schon klar, Harry, aber Malfoy....", begann Ron einzuwenden.

„Draco kennt vermutlich mehr dunkle Flüche, als irgendjemand sonst im Schloss", schnitt ihm sein Freund das Wort ab. „Ich habe ihn gesehen, wie er die Slytherins unterrichtet. Er ist ein wirklich toller Lehrer. Und ihr wollt diese Chance einfach wegwerfen, nur weil er ein Slytherin ist."

„Das wollen wir gar nicht", versuchte Hermine die Wogen zu glätten. „Aber du kannst die Rivalität unter den Häusern nicht einfach ignorieren. Draco hätte einen wirklich schweren Stand. Er hat sich über die Jahre nicht gerade massenhaft Freunde gemacht. Viele wären nicht bereit, Befehle von ihm anzunehmen und es gibt genug Schüler, die die Gelegenheit nutzen würden und versuchen würden, alte Rechnungen zu begleichen."

„Dann macht ihr doch einen Vorschlag, wenn ihr alles so viel besser wisst!" entfuhr es Harry genervt. Sein Blick fixierte seinen besten Freund, der ein großes Fragezeichen im Gesicht stehen hatte. Hermine hingegen starrte auf die gegenüber liegende Wand. Man konnte ihr ansehen, dass es hinter ihrer Stirn auf Hochtouren arbeitete.

„Wie wäre es, wenn - pro forma - ein Gryffindor dafür verantwortlich wäre das Training für unser Haus zu leiten?" dachte das Mädchen laut. „So ähnlich wie beim Schulsystem. Da sind auch die Schulsprecher die oberste Instanz, aber die Vertrauensschüler setzten deren Beschlüsse in den Häusern um."

Ron kratzte sich verwirrt am Kopf. „Kannst du das wohl noch mal übersetzten? Ich habe kein Wort verstanden."

„Stell es dir doch einfach wie Quidditch vor", sprang Harry hilfreich ein. „Draco wäre der Trainer beider Teams, aber die Gryffindors haben zusätzlich ihren Kapitän, der die Taktik an seine Mitspieler weiter gibt."

„Ah! Warum hast du das nicht gleich gesagt? Jetzt ist alles klar." Zufrieden lehnte sich Ron zurück, während Hermine hinter seinem Rücken die Augen verdrehte. „Das hört sich sogar machbar an. Ich denke, das geht." 

Auch Hermine nickte bestätigend. „Ich bin der Meinung, die Anderen werden damit leben können. Es ist ein fairer Kompromiss."

Entschlossen straffte Harry seine Schultern. „Dann lasst uns in die Höhle des Löwen gehen. Je eher sie mit dem Training anfangen können, umso besser."

XXXXXX 

Es war wirklich ein hartes Stück Arbeit, die Gryffindors zu überzeugen. Nicht das Training an sich war das Problem, denn diese Idee fand allgemeine Zustimmung, aber der Gedanke von einem Slytherin trainiert zu werden, behagte den meisten Schülern überhaupt nicht. Auch wenn Harry es hasste im Mittelpunkt zu stehen, aber jetzt waren seine Fähigkeiten als Führer mehr denn je gefragt und mit Ron und Hermine als Verstärkung gelang es ihm schließlich, die meisten seiner Kameraden auf ihre Seite zu ziehen.

„Ich mach`s", sagte Ginny in das Gemurmel der Gryffindors hinein. „Ich werde Draco eine Chance geben und den Co-Trainer geben."

Ihr Bruder schüttelte vehement den Kopf. „Kommt nicht in Frage. Nur die beiden oberen Jahrgänge werden das Kämpfen trainieren."

Und Harry fügte hinzu: „Wenn es wirklich zum Kampf um Hogwarts kommt, werden wir dafür sorgen, dass die Jüngeren in Sicherheit gebracht werden."

Wütend stemmte Ginny die Fäuste in ihre Hüften. „Das könnt ihr vergessen! Ich habe genauso ein Recht darauf zu kämpfen, wie ihr! Was ist, wenn wir in den Ferien angegriffen werden? Soll ich dann auch darauf hoffen, gerettet zu werden?"

„Mum und Dad werden nie...", begann Ron zu protestieren.

„Mum und Dad können nicht immer da sein! Außerdem will ich mich nicht hinter ihrem Rockzipfel verstecken, wie ein kleines Kind!" Einige andere Gryffindors nickten zustimmend.

„Harry, habe ich dir nicht gezeigt, dass ich Verantwortung übernehmen kann? Ich bin dein Co-Kapitän beim Quidditch und halte dir schon die halbe Saison den Rücken frei! Was ist so anders daran, wenn ich auch das Kampftraining mitleite?"

Hilfe suchend sah der dunkle Gryffindor seinen Freund an, doch Ron zuckte nur ratlos mit den Schultern. Wenn seine Schwester sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, würde nur ein wilder Hippogreif sie davon abbringen können. Zwar waren sie beide nicht begeistert von dieser Idee, aber sie mussten zugeben, dass Ginny recht hatte. Sie war kein Kind mehr und sie hatte die Fähigkeit, andere zu führen. Vermutlich war sie sogar die Beste für diesen Job, so sehr es ihrem Bruder auch gegen den Strich ging.

„Okay", sagte Harry schließlich zögerlich, was Ginny über das ganze Gesicht strahlen ließ. „Probieren wir es aus."

XXXXXX 

„Na, Feierabend?" grinste Harry, als er den Raum der Wünsche betrat, in dem Draco gerade dabei war, die letzten Spuren ihres Trainings zu beseitigen.

„Oh Merlin, deine Gryffindors machen mich alle", seufzte der Slytherin theatralisch und ließ sich auf einen Haufen geplatzter Kissen fallen, so dass die Federn in alle Richtungen flogen.

„Ach, komm schon", piesackte ihn sein Freund liebevoll, während er sich neben ihn setzte. „So schlimm können sie doch gar nicht sein."

„Naja, einer oder zwei haben vielleicht etwas Talent", gab der Blonde zu, was ihm einen Klaps auf den Oberschenkel einbrachte, den er aber gekonnt parierte. Grinsend verschränkte er die Arme hinter dem Kopf. „Dafür ist Longbottom wirklich ein hoffnungsloser Fall. Statt eines Erblindungsfluchs hat er heute versehentlich einen Erdbebenzauber durchgeführt und um ein Haar wäre der ganze Raum eingestürzt."

„Er ist halt etwas tolpatschig", versuchte Harry seinen Hauskameraden zu verteidigen.

„Unfähig wäre das bessere Wort", korrigierte ihn Draco. „Wenn die kleine Weasley nicht gewesen wäre, hätte das böse enden können."
 

„Ginny hat den Zauber aufgehoben?" fragte ihn der Dunkle perplex.

Draco zuckte die Schultern. „Ich war auch total überrascht, aber scheinbar steckt in der rothaarigen Nervensäge doch mehr, als man auf den ersten Blick sieht."

„Oh, ein Kompliment für einen Weasley aus deinem Mund! Diesen Tag muss ich mir merken!" lachte Harry amüsiert.

„Wehe du erzählst das jemandem", knurrte der Slytherin dunkel.

„Keine Sorge", winkte der andere Junge ab. „Das würde mir ohnehin niemand glauben."

„Wird auch nicht wieder vorkommen", gab Draco zurück und streckte müde die schmerzenden Glieder. „Am liebsten würde ich jetzt direkt in den Kerker apparieren. Meine Muskeln schreien geradezu nach einer entspannenden Badewanne und einem warmen Bett."

„Das kann ich dir zwar nicht bieten", erwiderte der Gryffindor und ließ seine Hände über die Beine des Blonden wandern. „Aber wie wäre es stattdessen mit einer Massage?"

„Hm, hört sich auch nicht schlecht an", antwortete der Slytherin in gespannter Erwartung.

Für einen Moment schloss Harry die Augen und konzentrierte sich still. Als er sie dann wieder öffnete, stand eine kleine Flasche mit Öl direkt neben seinem Knie. Leise lächelte er in sich hinein. Es hatte definitiv seine Vorteile im Raum der Wünsche zu sein.

Mit sicheren Fingern öffnete er die Robe, einen Knopf nach dem anderen, bis er Dracos nackten Brustkorb vor sich hatte. Danach war die Hose dran und am Ende räkelte sich der Slytherin nur noch mit einer Shorts bekleidet in den Kissen.

„Dreh dich um", befahl er rau.

Draco warf ihm einen anzüglichen Blick zu, tat dann aber wie gewünscht und schon kurz darauf fühlte er eine warme Flüssigkeit auf seinen Rücken tropfen. Er konnte es nicht verhindern, zusammen zu zucken, als das Öl seine Schulterblätter hinab lief, doch als Harrys Hände begannen, es in kleinen Kreisen in seine Haut zu massieren, entspannte er sich. Der angenehme Duft nach Vanille und Mandeln schickte ihn auf eine Reise der Sinne. Mit halb geschlossenen Augen vergaß Draco völlig, dass er sich auf dem Fußboden in einem Schloss in Schottland befand, sondern träumte sich weit weg an einen Ort, wo es nur Sonne und Wärme und sie beide gab.

Harry genoss es zu beobachten, wie Draco unter seinen Händen förmlich dahin schmolz. Es war nicht leicht, den Blonden dazu zu bewegen, die Kontrolle abzugeben, doch wenn er es einmal zuließ, dann tat er es völlig, mit Leib und Seele. Immer wieder entglitten dem Slytherin wohlige Laute und er lehnte sich genussvoll in die Berührung, die kleine Schauer über seinen Körper schickte. Nachdem er ausgiebig Dracos Nacken und seine Schultern massiert hatte, glitten seine Hände tiefer, fuhren die Wirbelsäule entlang und es kostete ihn eine Menge Selbstbeherrschung am Bund der Shorts zu stoppen. Stattdessen widmete er sich zuerst Dracos rechtem Arm und dann dem linken, sorgfältig darauf bedacht, das Dunkle Mal dabei nicht zu berühren.

Danach waren die Beine dran, wobei sich Harry zwischen die leicht geöffneten Schenkel setzte. Fasziniert beobachtete er, wie sich die hellen Härchen aufstellten, als er sacht über die empfindliche Haut streichelte und die festen Muskeln darunter knetete. Dracos Atem beschleunigte sich je weiter er in Richtung der Körpermitte kam und auch Harrys eigene Hose fühlte sich immer enger an.

Wie zufällig streichelten seine Hände kurz über die festen Backen, was dem Blonden ein tiefes Grollen entlockte. Mit einem Ruck drehte er sich herum und begann wortlos an Harrys Hose zu fummeln, bis er sie offen hatte. Seine Augen brannten Löcher in den Körper des Gryffindors, während dieser darum kämpfte aus dem dunklen Stoff heraus zu kommen. Seine Schuhe und Strümpfe warf er achtlos in die Ecke, ebenso wie sein Hemd und entledigte sich noch schnell seiner Shorts, bevor er sich erneut seinem Freund widmete. Quälend langsam entblößte er den Unterleib des Blonden, leckte und saugte an dessen Leiste und den Innenseiten seiner Schenkel, bevor er sich endlich der steilen Erektion vor sich widmete.

Die Hände des Slytherin gruben sich in das dichte schwarze Haar, auf der Suche nach Halt. Sein Becken ruckte leicht, als Harry seinen Schwanz in den Mund nahm und er konnte sich kaum beherrschen, um nicht hart nach oben zu stoßen. Der Gryffindor genoss es, den Blonden wimmern und keuchen zu hören, während seine Zunge dessen Vorhaut umkreiste. Sein eigener Penis ragte heiß und steinhart gegen seine Bauchdecke und konnte es kaum erwarten, in Dracos erhitzten Körper gestoßen zu werden. In aller Eile benetzte er seine Hand mit Öl und bereitete den Blonden vor, während dieser nun seinerseits Harrys Erektion mit seinen geschickten Fingern verwöhnte.

Ein erstickter Laut entwich dem Slytherin, als sich der Dunkle in seinem Körper vergrub. Es war diese Mischung aus Schmerz und Lust und dem Gefühl, gleich das Bewusstsein zu verlieren, das Draco den Atem raubte. Für einen Moment lagen sie ganz still und der Blonde konnte in Harrys angespanntem Gesicht lesen, dass auch er um die Kontrolle kämpfen musste. Ihre Münder krachten aufeinander, fochten den niemals endenden Kampf um die Vorherrschaft, während sich ihre Becken wie von selbst zu bewegen begannen. Zuerst langsam und vorsichtig, dann immer schneller und härter werdend, wiegten sie sich im gemeinsamen Rhythmus als wären sie eins. Ihre Hände erkundeten jedes Fleckchen Haut, streichelten und liebkosten, kratzen und kniffen sich gegenseitig zum Höhepunkt. Immer wieder stöhnte Draco in Harrys Mund, überwältigt von dem Gefühl, wenn der Schwanz des Dunklen gegen seine Prostata stieß und ihn in den siebten Himmel versetzte.

Seine Beine klammerten sich an ihn, versuchten ihn noch tiefer aufzunehmen, eins mit ihm zu werden. Als die Hände des Gryffindor schließlich begannen, seinen Penis zu stimulieren, wusste Draco, dass es nicht mehr lange dauern würde. Er fühlte den Orgasmus kommen, wie eine gewaltige Feuerkugel, die sich in seinem Inneren zusammen ballte und anschwoll, bis sie seinen ganzen Körper einzunehmen schien. Er brannte lichterloh vom Kopf bis zu den Zehenspitzen. Und genau in dem Moment, in dem er glaubte, zu Asche zu verbrennen, entlud sich das Feuer in einer Eruption, die einem Vulkanausbruch nah kam. Mit einem erstickten Schrei ergoss sich der Blonde in die Hand seines Freundes. Sein Körper zitterte und zuckte, seine Muskeln zogen sich zusammen, so dass Harry glaubte, in ihm zu verbrennen. Auch in ihm baute sich bereits sein Höhepunkt auf und schon wenige Stöße später kam er mit einem tiefen Grollen im Körper seines Freundes.

Erschöpft schloss er die Augen, zu überwältigt von den Gefühlen, die in ihm tobten. Sein Atem ging schwer und das Blut rauschte in seinen Ohren, doch als er sich schließlich wieder unter Kontrolle hatte und den Blick hob, sah er direkt in Dracos silbergraue Iris und das Herz wurde ihm weit. Seine Lippen fanden die des Blonden und sie küssten sich lange und zärtlich. Umgeben von Bergen weißer, flauschiger Federn, die bei ihrem Liebesspiel aus den Kissen gerieselt waren, schliefen die beiden Jungen wenig später ein.

XXXXXX 

Wann können wir endlich mal wieder in Urlaub fahren?" nörgelte Draco beim Blick aus dem Fenster. Dicke Tropfen klatschten gegen die Scheibe und liefen in langen Bahnen zu den Pfützen auf der Fensterbank hinab. „Ich drehe hier noch völlig durch!"

Bald", versprach ihm Harry abwesend, während er den gerade geschriebenen Text überflog.

Das sagst du schon seit Monaten", schmollte der Blonde. „Du bist echt bequem geworden, Potter."

Wo würdest du denn gerne hinfahren?" erkundigte sich Harry ruhig, ohne auf das Lamentieren seines Ehemannes einzugehen.

An die Küste zum Beispiel", schlug Draco sofort vor. „Weißt du noch, das kleine Cottage, wo wir unsere Flitterwochen verbracht haben."

Ja, ich erinnere mich", erwiderte Harry. „Du hast recht, es war wirklich schön dort. Ich verspreche dir, dass ich einen Portschlüssel beantragen werde, sobald ich bei der Arbeit mal ein paar Tage aussetzen kann."

Pah, wozu einen Portschlüssel? Wir sind doch keine alten Leute!" ereiferte sich der ehemalige Slytherin entrüstet.

Darf ich dich daran erinnern, dass du immer derjenige bist, der den halben Hausstand mit nimmt, wenn wir nur mal einen Tag weg wollen? Auf einen Besen werden deine drei Schrankkoffer kaum passen."

Okay, dann eben ein Portschlüssel", schmollte der Blonde. „Hauptsache, wir kommen hier endlich mal raus."

Bald, Love", beruhigte ihn Harry. „Ich verspreche es dir."

Damit schien Draco fürs Erste beruhigt und er starrte wieder hinaus in den Regen. Der Dunkle seufzte lautlos. Dieses Mal würde er wohl keinen Rückzieher mehr machen können, obwohl er sich jetzt schon fragte, wie er mit Draco in der fremden Umgebung klar kommen sollte. Die Probleme nahmen ja sogar Zuhause immer mehr zu. Wie sollte es da im Cottage klappen? Aber vielleicht hatte er Glück und konnte seinen Ehemann irgendwie ablenken. Nächste Woche startete schließlich die neue Quidditch Saison. Das würde ihn hoffentlich auf andere Gedanken bringen.

Tbc....