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VII. Hole in my soul

 

Tell me how it feel`s to be

The one who turns

the knife inside of me

 

There`s a hole in my soul

That`s been killing me forever

It`s a place where the garden never grows

There`s a hole in my soul

Well, I should have known better

Cause your love`s like a thorn without a rose

 

(Aerosmith, Hole in my soul)

 

Irgendwie hatte Harry es geschafft, doch noch in sein Bett zu kommen und die Vorhänge um sich herum zu schließen, bevor er völlig zusammen brach. Der Schmerz schien so groß, dass er glaubte, in ihm unter zugehen. Seine Hände krallten sich in sein T-Shirt oberhalb seines Herzens, in dem Versuch, den Schmerz aus seiner Brust zu reißen, aber das machte es nicht besser.

Verzweifelt zog er sich die Decke über den Kopf und presste sein Gesicht in das Kissen, in dem Versuch, das unkontrollierte Schluchzen vor seinen Freunden zu verbergen. Er wusste, er sollte einen Silencio-Zauber über seinem Bett verhängen, aber ihm fehlte ganz einfach die Kraft, um ihn durchführen zu können.

Heiße Tränen liefen ihm über die Wangen und benetzten das Kissen, aber das Weinen erleichterte ihn nicht. Niemals im Leben hatte er sich so leer gefühlt. Beinah wünschte er sich, niemals diese Liebe kennen gelernt zu haben, um nicht diesen sengenden Schmerz fühlen zu müssen.

Irgendwann waren alle Tränen aufgebraucht und Harry fiel in einen leichten Schlaf, doch selbst dorthin verfolgte ihn Dracos Gesicht und die Worte, die dieser zu ihm gesagt hatte, halten in seinen Ohren. Als endlich die Sonne blass am Horizont erschien und ihr Licht schwach durch einen schmalen Spalt seiner Vorhänge herein fiel, fühlte sich Harry zerschlagen und krank. Seine Augen waren rot und dick geschwollen. Sein Kopf schmerzte und der Stein in seinem Magen schien schwer wie Blei.

Er hörte, wie seine Bettnachbarn einer nach dem anderen munter wurden und in die Badezimmer gingen, aber er konnte sich nicht aufraffen, ihnen zu folgen. Alles erschien ihm sinnlos und leer. Er wollte ganz einfach liegen bleiben und nie wieder aufstehen.

„Hey Harry, werd endlich wach! Wir müssen zum Frühstück", hörte er Rons Stimme durch die geschlossenen Vorhänge. Entweder hatte er ihn in der Nacht tatsächlich nicht gehört oder er hatte den Anstand, es nicht weiter zu erwähnen.

„Ich bin krank", teilte der Dunkle mit belegter Stimme mit. „Sag Professor McGonagall, mir geht`s nicht gut, okay?"

„Okay", antwortete sein Freund. „Soll ich Madame Pomfrey Bescheid sagen?"

„Nein, ist schon gut", beeilte sich Harry zu versichern. Das letzte, was er brauchte war, dass ihn die Schulkrankenschwester so sah. „So schlimm ist es auch nicht. Magenverstimmung, denke ich."

„Alles klar. Na dann, gute Besserung."

„Danke." Harry lauschte auf die sich entfernenden Schritte, dann drehte er sich auf die andere Seite und schloss die Augen. Er wünschte sich, einen Traumlos-Trank in seiner Truhe zu haben, damit er wenigstens für ein paar Stunden den Erinnerungen entfliehen konnte, aber leider war alles, was er hatte, ein paar Kanariencreme-Schnitten von Fred und George und ihm war beileibe nicht danach zu Zwitschern.

Harry wusste nicht, wie lange er so in seinem Bett lag und in seinem Schmerz versank, doch am Stand der Sonne konnte er ablesen, dass es fast Mittag sein musste, als sein Magen laut zu knurren anfing. Er hatte seit gestern Abend nichts mehr gegessen und wenn er auch noch so unglücklich war, sein Körper hatte offensichtlich andere Sorgen.

Eine Weile versuchte er den Hunger einfach zu ignorieren, doch es gelang ihm nicht, das Gefühl zu unterdrücken, bis ihm beinah schlecht vor Hunger war. Doch um nichts in der Welt wollte er mit den anderen Schüler in der Großen Halle zu Mittag essen. Merlin sei Dank, kannte er durch Hermines B.Elfe.R Projekt den Eingang zur Küche und so beschloss der Junge, sich etwas Essbares zu organisieren, bevor die anderen Schüler aus dem Unterricht zurück kamen.

Seufzend erhob sich der Gryffindor aus dem Kissen und schlüpfte in seine Hose und seine Schuhe, bevor er den Schlafsaal verließ und leise durch das Portraitloch nach draußen schlüpfte. Der Gang lag verlassen vor ihm. Er hörte nichts, als seinen eigenen dumpfen Herzschlag. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass kein Mensch in der Nähe war, schlug er den bekannten Weg zu dem Bild ein, dass den Eingang zur Küche verbarg.

Er hatte sein Ziel beinah erreicht und bog gerade um die letzte Ecke, als er mit einem Pulk Körper zusammen stieß, der ihm plötzlich entgegen kam. Harry hatte sie nicht kommen gehört und als er rückwärts taumelte und beinah fiel, sah er auch wieso. Die drei Slytherin Jungen waren barfuss, ihre mit Schlamm bedeckten Schuhe trugen sie in der Hand. Ihm lag schon eine Entschuldigung auf der Zunge, als sein Blick aufwärts glitt und in die Gesichter der Slytherins sah.

Sein Herz setzte einen Moment aus, als seine Augen in das Eisgrau von Dracos Iris eintauchten und Harry merkte, wie er errötete, unfähig den Blick abzuwenden. Die Welt schien einen Herzschlag lang still zu stehen, während sich die beiden Jungen ansahen, doch dann brach der Blonde den Blickkontakt. Sein Gesicht, eben noch den Anflug eines Lächelns auf den Lippen, verhärtete sich, als er seine beiden Begleiter ansah.

„Pass auf, wo du hin rennst, Potter", schnarrte er böse. „Wir wollen doch nicht, dass du deine Sommerferien im Krankenflügel verbringst."

Crabbe und Goyle, die Malfoy zu beiden Seiten flankierten, ließen ein dreckiges Lachen hören, dann wandten sie sich ab und setzten ihren Weg fort, als ob nichts geschehen wäre.

Harry blieb wie betäubt stehen. Früher hätte er den Slytherins einfach eine passende Antwort entgegen geschmettert, doch jetzt war sein Kopf wie leer gefegt. Diese Worte aus dem Mund zu hören, den er so unzählige Male geküsst hatte, verursachte ihm fast körperliche Schmerzen. Auf einmal war der Hunger aus seinem Körper verschwunden. Stattdessen fühlte er Übelkeit in sich aufsteigen. Schnell durchforstete er sein Hirn nach dem nächstgelegenen Badezimmer und machte sich mehr stolpernd als laufend auf den Weg dorthin.

Kaum dass er die Tür des WCs erreicht hatte, merkte er, wie sich sein Bauch zusammen zog. Er schaffte es gerade noch, den Kopf über die Toilette zu halten, als sein Magen das wenige, was er in sich trug, schwallartig erbrach.

XXXXXX

Draco atmete hörbar durch. „Ich wusste nicht, dass es dich so verletzt hat."

Es war einfach nicht mehr das selbe wie früher", gestand Harry. „Ich war es gewöhnt, dass du schlimme Dinge zu mir sagst, aber nach all dem, was wir zusammen hatten, tat es einfach mehr weh."

Ich wollte mir selbst beweisen, dass sich nichts geändert hat. Dass ich meine Gefühle im Griff habe."

Und, hattest du?"

Nein." Der Blonde zuckte die Schultern. „Ich hätte dich in dem Moment lieber geküsst, als dir zu drohen."

Dafür warst du aber recht überzeugend."

Hilft es dir, wenn ich sage, dass es mir leid tut?" fragte Draco, dem nicht entgangen war, wie verletzt Harry bei der Erinnerung bis heute war.

Es hilft." Der Dunkle lächelte. „Es ist ja auch eine Menge Zeit seitdem vergangen."

Eine Menge Zeit in der gelernt habe, es besser zu machen", stellte der Blonde richtig.

Sehr viel besser", grinste Harry. „Heute drohst du mir nur noch damit, mich nicht zu küssen."

Und, wirkt die Drohung?" fragte der Andere mit hochgezogenen Augenbrauen.

Eher lasse ich mich von dir in den Krankenflügel hexen, als auch nur auf einen Kuss zu verzichten."

Siehst du, ich sage doch, ich habe dazugelernt", grinste der Blonde und gab seinem Geliebten, wonach dieser verlangte.

VIII. Always

 

This romeo is bleeding

But you can`t see his blood

It`s nothing but some feelings

That this old dog kicked up

 

It`s been raining since you left me

Now I´m drowning in the flood

You see I`ve always been a fighter

But without you I give up

 

(Bon Jovi, Always)

 

„Harry, kommst du? Das Spiel fängt gleich an." Unruhig scharrte Ron in der Tür des Schlafraums mit den Füßen, doch Harry blieb weiter auf dem Fensterbrett sitzen und starrte in den warmen Juni Nachmittag. Unwillig seufzte er auf. Er wollte nicht dorthin gehen, niemanden sehen. Schon gar nicht ihn...

„Geht ohne mich. Ich... ich habe einfach keine Lust."

„Keine Lust?" fragte Ron verwundert und wechselte einen besorgten Blick mit Hermine, die neben ihm stand. „Aber du hast doch noch nie ein Quidditch-Spiel verpasst. Klar, es ist nur Ravenclaw gegen Hufflepuff und keiner von denen kann uns beim Cup noch gefährlich werden, aber trotzdem..."

„Ist schon gut, Ron", erwiderte sein Freund ehrlich. „Du erzählst mir einfach später, was ich verpasst habe, okay?"

„Wenn du meinst", antwortete der Rothaarige, nicht wirklich glücklich.

„Ja, ich meine. Macht euch keine Sorgen, okay?" Der Dunkelhaarige versuchte zu lächeln.

„Okay", gab Ron schulterzuckend zurück und wollte Hermines Arm nehmen, doch das Mädchen schüttelte den Kopf.

„Geh schon mal vor", bat sie ihren Freund. „Ich komme gleich nach. Ich muss mit Harry mal unter vier Augen sprechen."

Verwundert sah Ron von Einem zum Anderen, sagte aber nichts, sondern wandte sich ab und ging stattdessen die Treppe hinunter.

Hermine trat zu Harry herüber und setzte sich ihm gegenüber auf das Bett. Ihre Augen musterten sorgenvoll das blasse Gesicht ihres Freundes. „Was ist mit dir los?" fragte sie ehrlich besorgt. „Und sag mir nicht, es ist nichts. Ich bin nicht Ron."

„Wirklich Hermine, es ist alles in Ordnung. Ich habe nur einfach keine Lust auf Quidditch", versuchte der Dunkle das Mädchen zu beruhigen.

„Du hast seit über zwei Wochen zu gar nichts mehr Lust", stellte Hermine fest. „Du lachst nicht, du hast keinen Appetit, du passt im Unterricht nicht auf... Soll ich fortfahren?"

„Vielleicht werde ich krank", wich der Gryffindor aus.

„Kann es nicht eher sein, dass du Liebeskummer hast?" fragte die Freundin gerade heraus.

„Mach dich nicht lächerlich", protestierte der Junge, aber es klang nicht sehr überzeugend. „Du weiß genau, dass es seit Cho kein Mädchen mehr gab."

„Wer spricht denn hier von einem Mädchen?"

Harry errötete bis zu den Haarwurzeln.

„Ich bin weder blöd, noch blind, Harry. Und zwing mich bitte nicht dazu, den Namen auszusprechen, sonst werde ich leider auf dein Bett kotzen müssen." Drohend sah sie ihren Freund an.

„Du weißt..?" fragte er schwach.

Das Mädchen nickte. „Wie gesagt, ich müsste schon blind sein, um das nicht zu sehen."

„So offensichtlich?" fragte der Junge geknickt.

„Du brichst jedes Mal fast zusammen, wenn er im Flur an dir vorüber geht."

„Da war etwas zwischen uns", bekannte Harry traurig. „Aber er hat Schluss gemacht."

„Hat er dir gesagt, wieso?"

„Er meint wir passen nicht zusammen. Feuer und Eis könnte man eben nicht zusammen bringen."

„Aber du bist anderer Meinung", stellte Hermine fest.

„Ich liebe ihn", gestand der Dunkle ehrlich. „Es ist mir egal, was er ist. Aber er sagt, er will meine Liebe nicht."

„Dann ist er ein Idiot", sagte die Freundin bissig.

„Hermine!" entfuhr es Harry, der nicht gewohnt war, dass das Mädchen solche Worte in den Mund nahm.

„Ist doch wahr", rechtfertigte sie sich schulterzuckend. „Der kann froh sein, wenn er so einen wie dich erwischt und wenn er dich einfach weg wirft, solltest du ihm keine Träne nachweinen."

„Aber ich kann nicht einfach so tun, als wäre nichts gewesen. Meine Gefühle haben sich nicht geändert."

Hermine runzelte die Stirn. Es fiel ihr nicht leicht, Harry etwas zu raten, zumal nicht, wenn sie in dieser Weise über ihren schlimmsten Feind sprachen. Trotzdem war Harry ihr Freund und sie ertrug es nicht, ihn leiden zu sehen. „Wenn er dir so viel bedeutet, dann solltest du um ihn kämpfen."

Überrascht sah Harry auf. „Wer bist du und was hast du mit Hermine gemacht?" fragte er in dem Versuch einen Scherz zu machen.

„Es ist mein Ernst, Harry. Auch wenn ich meine, dass du die Finger von Malfoy lassen solltest, möchte ich dich einfach wieder fröhlich sehen. Also hör auf hier Trübsal zu blasen und zeig dem Idioten was er an die hat." Zwar sah das Mädchen bei der Erwähnung des Namens aus, als hätte sie etwas besonders Ekliges im Mund, aber sie zwang sich dennoch zu lächeln.

„Du bist wirklich eine gute Freundin, Hermine", sagte er ehrlich. Ein schwaches Lächeln auf den Lippen, stand er auf und ging zu ihr herüber.

„Das kannst du laut sagen", erwiderte sie, als er sie in seine Umarmung zog.

„Danke", flüsterte Harry ehrlich.

„Jederzeit."

XXXXXX

Wer hätte gedacht, dass es tatsächlich Granger sein würde, die uns wieder zusammen bringt", grinste der Blonde.

Dein Problem ist, dass du die Leute einfach nicht richtig einschätzen kannst", stellte Harry fest. „Wenn du nur etwas mehr auf den Menschen und weniger auf die Herkunft geachtet hättest, wäre dir aufgefallen, was für ein Goldstück Hermine ist."

Ich war jung und dumm und folgte den falschen Idealen", verteidigte sich Draco.

Merlin sei Dank, hast du ja jetzt mich, um dich auf den richtigen Weg zu bringen." Versöhnlich schloss Harry seine Arme um den anderen Mann.

Ja, was wäre wohl aus mir geworden, ohne dich?" fragte sich der Blonde mit hochgezogenen Augenbrauen.

Ein arrogantes, selbstherrliches Arschloch, vermutlich", mutmaßte der Dunkle ohne Nachzudenken.

So denkst du also von mir?!" fuhr Draco entrüstet auf.

Überrascht dich das etwa, love?" fragte Harry, der sich bei dem Gesichtsausdruck seines Geliebten auf die Unterlippe beißen musste, um nicht zu lachen.

Bei dir überrascht mich gar nichts mehr, du `Möchte-gern-Retter-der-Welt`", schmollte der andere Mann.

Ohne dich, hätte ich das alles nicht geschafft", erwiderte Harry versöhnlich. „Du hast mich zuerst gerettet. Vor mir selbst. Vor meinen Zweifeln. Vor meiner Angst."

Dann bin ich ja doch zu was gut", murmelte Draco, schon etwas beruhigter.

Du bist mein Mann. Allein das sollte dir schon sagen, was ich für dich empfinde."

Sag`s mir", bettelte der Blonde.

Ohne dich will ich nicht leben", antwortete Harry leise.

Brauchst du auch nicht", stellte der andere fest und küsste sein Gegenüber zärtlich.

XXXXXX

 

IX. Everything I do (I do it for you)

 

Can`t tell me, it`s not worth fighting for

I can`t help me, there`s nothing I want more

...

You know it`s true

Everything I do, I do it for you

 

(Bryan Adams, Everything I do (I do it for you))

 

„Du glaubst es nicht", stöhnte Ron, als er eine Stunde später durch das Portraitloch in den Gemeinschaftsraum schlüpfte.

„Was glaube ich nicht?" fragte Harry, der an einem Tisch über seinen Pflanzenkunde-Aufsatz gebeugt saß. „Gab`s doch noch eine Sensation beim Spiel der beiden Außenseiter Mannschaften?"

„Ach was", wehrte der Rothaarige mit einer Handbewegung ab. „Cho Chang hatte den Schnatz schon nach einer halben Stunde gefangen. Nicht, dass die Hufflepuffs sonst überhaupt eine Chance gehabt hätten. Bei denen denkt man immer, jemand hat über ihre Besen einen Zeitlupenzauber verhängt..."

„Was ist denn dann so Aufregendes passiert?" fragte der Dunkle, mit einem Blick auf die hecktischen Flecken in Rons Gesicht.

„Die Slytherins! Ich habe dir doch erzählt, dass sie bei Dumbledore Beschwerde eingelegt haben, oder?" Harry schüttelte den Kopf. „Klar habe ich dir das erzählt! Da sieht man mal wieder, wie du mir in letzter Zeit zuhörst! Jedenfalls hatten sich die Slytherins beschwert, weil George angeblich einen ihrer Treiber vom Besen geknockt hat. Als ob die Unschuldslämmer wären! Meine Augenbraue tut jetzt noch weh und Fred schwört, dass seine Schulter jedes Mal knackt, wenn er einem Slytherin auf dem Flur begegnet."

„Komm zur Sache, Ron", hakte Harry ein. „Ich muss noch eine ganze Seite schreiben und dann noch die Verwandlungshausaufgabe lösen."

„Ach je, die habe ich auch noch nicht fertig", stöhnte sein Freund. „Dabei wollte ich gleich noch eine Runde mit Dean `Snape explodiert` spielen. Wo war ich? Ach ja, die Slytherins haben also Beschwerde bei Dumbledore eingelegt und jetzt kommt der Hammer: Das Spiel soll wiederholt werden! Ist das zu fassen?!"

Harry fühlte, wie sich ein großer, harter Klumpen in seinem Magen bildete. „Wann?" fragte er mit belegter Stimme.

„Nächsten Sonntag. Es wird das letzte Spiel der Saison. Harry, wir haben nur hundert Punkte Vorsprung gegen die Slytherins. Wenn die den Schnatz fangen, verlieren wir die Meisterschaft!"

Der Dunkle nickte in sich gekehrt. Allein schon bei dem Gedanken daran, wieder gegen Draco auf dem Besen zu sitzen, rutschte ihm sein Herz in die Hose. „Wir werden die Sache schon schaukeln", murmelte er undeutlich, da er merkte, dass Ron ihn immer noch anstarrte. „Hilft ja nix, sich jetzt schon verrückt zu machen. Ist ja noch eine Woche hin. Also, wenn`s dir nichts ausmacht, werde ich jetzt weiter schreiben."

Demonstrativ beugte sich Harry erneut über seine Notizen und tat so, als ob er in seinem Pflanzenkunde Buch nach einem bestimmten Kapitel blätterte, bis Ron schließlich ungehalten vor sich hin murmelnd in Richtung der Schlafräume davon trottete.

XXXXXX

Die Woche zog sich zäh dahin. Die Temperaturen waren nach wie vor sommerlich warm und die meisten Schüler verbrachten die Zeit zwischen den Unterrichtsstunden im Freien. Nur Harry zog sich meist in den Turm zurück, ständig bemüht, Draco so wenig wie möglich zu begegnen. Er fühlte sich noch nicht reif für eine erneute Konfrontation. Nicht solange er keine Argumente dafür hatte, ihre Beziehung erneut aufleben zu lassen.

In den Stunden, die sie gemeinsam hatten, achtete der Gryffindor darauf, den Blick nicht in die Richtung der Slytherins wandern zu lassen und bei den wenigen Gelegenheiten, an denen er es doch tat, merkte er, dass der Blonde wohl die gleiche Taktik verfolgte wie er.

Ernst, mit einem verkniffenen Zug um den Mund fixierte Draco Professor Binns, der sich wieder einmal endlos in den Wirren der Zaubereigeschichte verstrickte. Sicher konnte es sich Harry auch einbilden, doch es schien ihm, als mache der Slytherin keinen glücklichen Eindruck. Er schien noch blasser als sonst zu sein, mit bläulichen Schatten unter den Augen. Nie sah Harry ihn lächeln oder auch nur überheblich grinsen, wie es sonst seine Art war. Aber der Gryffindor traute sich kaum zu glauben, dass Draco tatsächlich seinetwegen leiden könnte. Der Blonde hatte seine Position ja unmissverständlich klar gemacht, aber wenn es wirklich so sein sollte, dann war vielleicht doch noch nicht alles verloren.

Als Harry am Sonntag Morgen aufstand, überzogen dunkle Wolken den Himmel über Hogwarts. Ungläubig starrte der Junge aus dem Fenster. Es war schon seltsam: Seit Wochen herrschte der herrlichste Sonnenschein und ausgerechnet heute sah es draußen aus, als stünde der Weltuntergang unmittelbar bevor. Scheinbar schien das Wetter die gleiche Ansicht bezüglich des Spiels zu vertreten, wie er selbst.

In der Großen Halle summte die Luft, so aufgeregt schwatzten die Schüler durcheinander. Quidditch war immer ein beliebtes Thema und dieses Spiel war eine Sensation. Man musste schon krank oder verrückt sein, um es sich entgehen zu lassen. Auch Ron und Seamus debattierten über Harrys Kopf hinweg über die taktischen Manöver und die schmutzigen Tricks des Gegners, doch der Dunkle bemühte sich, ihre Stimme auszusperren. Sein Magen war schon genug in Aufruhr, ohne dass er sich anhörte, was die Slytherins anstellten würden, um ihn vom Besen zu holen.

Lustlos rührte er in seinem Haferbrei, die Augen auf den Tisch geheftet, um ja nicht versehentlich den Blick hinüber zu einem gewissen Blonden schweifen zu lassen.

Harry war beinah dankbar dafür, als Professor Dumbledore die Schüler zur Ruhe bat, damit er einige Ankündigungen machen konnte.

XXXXXX

Nervös krampfte Harry seine Hände um den Stil seines Besens, als er mit den anderen Gryffindors die Umkleidekabine verließ. Luna und Hermine warteten draußen, um der Mannschaft noch einmal viel Glück zu wünschen, dann betraten die Spieler das Feld.

Ein begeisterter Jubel aus hundert Kehlen ging durch das Stadion, als die beiden Mannschaften sichtbar wurden. Der dunkle Gryffindor ließ seinen Blick nach oben schnellen, nur um festzustellen, dass die Ränge bis auf den letzten Platz besetzt waren. Ein Meer aus Grün und Rot strahlte ihm entgegen.

Der Himmel schien jetzt beinah schwarz und die Wolken hingen so tief, dass es so wirkte, als berührten sie die Türme des Quidditch Feldes. In der Mitte des Rasens blieben die Spieler stehen und musterten einander verächtlich. Ein plötzlich aufkommender Wind blähte die Umhänge an den Quidditch-Uniformen und Harry dachte unwillkürlich, dass sie aussahen wie eine Gruppe, roter- und grüngewandeter Supermänner. Madame Hooch wies die Mannschaften noch einmal in ihre Schranken und zwang die Kapitäne, ihre Hände zu schütteln. Diesen Moment nutzte Harry, um in Ruhe einen letzten Blick in Dracos Gesicht zu werfen. Der Blonde schien ebenso nervös wie er selbst. Seine Augen waren stur gerade aus gerichtet, seine Hände öffneten und schlossen sich im Sekundentakt und seine Nasenflügel waren gebläht wie bei einem Thestral, bevor dieser in die Luft ging.

Ein schriller Pfiff holte Harry wieder aus seinen Gedanken. Ebenso wie seine Teamkollegen bestieg er seinen Besen und stieß sich vom Boden ab. Sofort fühlte er den Wind hart in sein Gesicht blasen. Der Schweif rüttelte hin und her und er musste die Hände fester um den Stil seines Feuerblitz legen, um den Kurs halten zu können. Hoch über dem Feld schwebte er neben Draco, als Madame Hooch die Bälle entließ und das Spiel begann.

Die Slytherins agierten taktisch ähnlich wie beim letzten Mal, brutale Gewalt und miese Tricks prägten ihren Stil. Die Gryffindors setzten auf schnelle Manöver und exakte Ballwechsel. Die Spielanteile hielten sich die Waage, nach einer halben Stunde stand es fünfzig zu fünfzig. Vom Schnatz keine Spur.

Dann brach das Gewitter los. Grelle Blitze zuckten über den Himmel und tiefes Donnergrollen übertönte den Jubel von den Rängen. Regenschauer peitschten in Harrys Gesicht und benetzten seine Brille, so dass er kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Der dunkle Gryffindor spielte mit dem Gedanken, einen Wasserabwehrzauber über sich und den Besen zu verhängen, aber er wagte es nicht, auch nur eine Hand vom Stil zu nehmen. Der Wind hatte sich in einen Orkan verwandelte. Er zerrte und zog an seinem Umhang und rucktelte bösartig an seinem Feuerblitz.

Ein greller Lichtstrahl blendete ihn, als der Blitz in einen der Bäume außerhalb des Stadions einschlug. Orangefarbene Flammen züngelten trotz des Regens aus dem verbrannten Holz. Harry betete dafür, dass er den Schnatz finden würde, bevor der Blitz noch in seinen Besen einschlug. Verstohlen sah er sich nach Draco um, der einige Meter entfernt suchend seine Kreise zog. Das Gesicht des Blonden war vor Anstrengung verzerrt und das helle Haar klebte ihm durchnässt am Kopf, aber sonst schien er okay zu sein.

Ein Aufschrei ging durch die Menge unter ihnen, als der Besen des Slytherin Torwarts abwärts taumelte, nachdem ein Klatscher seinen Schweif getroffen hatte, aber der Junge konnte ihn in letzter Minute abfangen und so einen Absturz verhindern.

Harry zitterte, als ein erneuter Windstoß seinen Umhang aufblähte. Der Regen hatte ihn bis auf die Haut durchnässt und die kühlte Luft ließ ihn bis auf die Knochen frieren.

„Zeig dich", murmelte er ungeduldig Ausschau haltend. „Na komm schon. Zeig dich endlich."

Dann, als ein weiterer Blitz das Regendunkel zerriss, sah er ihn plötzlich. Der Schnatz schwebte wenige Meter über der Zuschauertribüne der Hufflepuffs. Er schien beinah still zu stehen, was bei diesem Sturm schon an einem Wunder grenzte. An der Bewegung neben sich erkannte Harry, dass auch Malfoy die Kugel entdeckt hatte. Er riss den Feuerblitz im Bruchteil einer Sekunde herum und stürzte in beinah senkrechtem Fall auf die Tribüne zu.

Harry fühlte den Wind an seinem Haar zerren. Er merkte, wie der Besen unter seinem Körper durch die Geschwindigkeit zu vibrieren anfing und hörte das Geräusch von Dracos Besen neben sich, der nur eine Nasenspitze hinter ihm abwärts trudelte.

Der Schnatz kam immer näher. Unter höchster Anstrengung nahm der Gryffindor eine Hand vom Besenstil und versuchte, den Feuerblitz nur mit dem Druck seiner Schenkel ruhig zu halten. Er streckte die Hand aus, wissend, dass er die Kugel vor dem Slytherin erreichen würde - doch dann plötzlich durchzuckte ein Gedanke sein Gehirn.

Mit voller Wucht trat Harry auf die Bremse seines Feierblitz. Der Besen bockte und der Dunkelhaarige musste den Stil mit beiden Händen fassen, um nicht abgeworfen zu werden, als er die Geschwindigkeit auf einen Schlag auf Null reduzierte. Er sah Draco wie einen grünen Blitz an sich vorbei jagen und die Hand um den Schnatz schließen. Ein triumphierender Aufschrei entrang der Kehle des Blonden, als er die Kugel siegesgewiss in die Höhe hielt.

Das Stadion tobte und die grünen Fahnen wedelten enthusiastisch hin und her, während sich die übrigen Slytherins um Malfoys Besen scharten und gemeinsam auf dem Rasen landeten. Sofort waren sie von ihren Fans umringt, die schrien und jubelten und Draco auf ihre Schultern hoben.

Harry, der die Szene aus der Distanz beobachtete, lächelte leicht, als sein Besen langsam abwärts schwebte. Er sah das Gesicht des Blonden leuchten, als ihm immer wieder auf die Schulter geklopft wurde und hörte die Begeisterung in seiner Stimme, als die Menge seinen Namen rief.

Die anderen Gryffindors landeten neben Harry, die Köpfe gesenkt, die Gesichter enttäuscht.

„Was war los?" hörte der Dunkle Ron fragen. „Du hättest ihn doch beinah gehabt."

Harry zuckte hilflos die Schultern, bemüht sich nichts anmerken zu lassen. „Mein Besen hat gebockt", murmelte er entschuldigend, dann wandte er sich in Richtung der Umkleidekabine.

Dort angekommen, entledigte er sich schnell seiner durchweichten Klamotten und stellte sich unter die heiße Dusche. Seufzend schloss er die Augen und ließ den harten Wasserstrahl auf seine Schultern prasseln. Er fühlte sich eigenartig: Schuldig gegenüber seiner Mannschaft und seinem Haus, weil er absichtlich das Spiel verloren hatte und doch seltsam befreit, weil er Draco etwas hatte geben können, was der andere schon so lange gewollt hatte: Anerkennung.

Als seine Mannschaftskameraden in die Kabine kamen, seifte sich Harry schnell ab und beendete die Dusche. Er wollte nicht länger als nötig in ihre enttäuschten Gesichter sehen. Eilig schlüpfte er in seine Kleidung und machte sich auf den Rückweg in den Gryffindor Turm, als er Draco vor der Umkleidekabine warten sah.

Es war eine Art von Deja-vu, nur das dieses Mal die Rollen vertauscht waren. Der Blonde war offensichtlich noch nicht geduscht. Sein Haar hing ihm feucht und unordentlich in die Stirn und seine nasse Quidditch Uniform klebte an seinem Körper. Doch selbst so derangiert sah er in Harrys Augen einfach nur göttlich aus.

„Auf ein Wort, Potter", sagte er in neutralem Ton.

Harry schauderte innerlich, unsicher was jetzt passieren würde. Dennoch folgte er Draco, als dieser in den Hohlraum unter den Tribünen trat.

Der Blonde drehte sich zu ihm um, die Augenbrauen zusammen gezogen. „Was sollte das?" fragte er herausfordernd.

Der Gryffindor tat überrascht. „Was meinst du?"

„Du weißt sehr wohl, was ich meine!" fuhr Draco auf und trat einen Schritt näher. „Du warst näher am Schnatz. Du hattest deine verdammte Hand schon danach ausgestreckt. Warum hast du nicht zugegriffen?"

Harry zögerte. Er sah in Dracos Augen, die in dem schwachen Licht beinah so dunkel wie die Sturmwolken am Himmel wirkten. Er wusste nicht genau, wie er es erklären sollte. Er hatte während des Spiels fast instinktiv gehandelt.

Letztendlich räusperte er sich unbehaglich, doch hielt den Augenkontakt. „Ich habe etwas aufgegeben. Für dich. Ich wünschte, du könntest das auch tun."

Dracos Augen wurden weit. Offensichtlich hatte er nicht mit dieser Antwort gerechnet. Sein Mund öffnete sich und schloss sich dann wieder, ohne dass ein Wort herauskam. Schließlich schüttelte er fassungslos den Kopf und verließ fluchtartig die Szene.

XXXXXX

Was für ein theatralischer Abgang", grinste Harry bei der Erinnerung.

Ja, ich hatte schon immer ein Talent fürs Drama", gab Draco ebenfalls grinsend zurück.

Wie war eigentlich deine Siegesfeier?"

Der Blonde zuckte die Schultern. „Kein Ahnung. Ich war nicht da. Nach dem Gespräch mit dir, war ich irgendwie nicht mehr in Stimmung."

Was hast du stattdessen getan?" fragte sein Partner interessiert.

Ich war auf dem Astronomie Turm und habe dem Sturm zugesehen. Ich brauchte Zeit zum Nachdenken."

Du hättest stattdessen lieber eine Dusche nehmen sollen", neckte ihn Harry liebevoll. „Du hast grauenvoll gestunken."

Hey!" verteidigte sich Draco. „Das war der Geruch des Sieges!"

Also stinkt Erfolg wie eine Kiste voller Knallrümpfiger Kröter", sinnierte der Dunkle und verzog das Gesicht.

Ich dachte immer, du findest es sexy, wenn ich schwitze", gab Draco zurück, anzüglich mit den Augenbrauen wackelnd.

Nur wenn ich es bin, der dich zum Schwitzen bringt", erwiderte Harry schlagfertig und leckte sich bei dem Gedanken verlangend über die Lippen.

Okay, genug geschrieben", entschied der Blonde und nahm seinem Geliebten die Blätter aus der Hand. „Es sei denn, du willst, dass ich dich gleich hier auf dem Schreibtisch flach lege."

Einen Moment schien es, als würde Harry überlegen, doch dann schüttelte er den Kopf. „Ich glaube doch, das Bett wäre mir lieber."

Gehen oder apparieren?" Ungeduldig öffnete Draco die Knöpfe seines Hemdes, unfähig noch länger zu warten.

Ich denken, der Tisch wird doch reichen", murmelt der Dunkle, als der Anblick seines Geliebten die Hitze in seinem Unterleib ins Unermessliche steigerte.

Tbc...