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LX. Please forgive me

Please forgive me

I know not what I do

Please forgive me

I can`t stop lovin` you

Don`t deny me

It`s pain I`m going through

Please forgive me

If I need ya like I do

Oh believe me

Every word I say is true

Please forgive me

I can`t stop lovin` you

 

(Bryan Adams, Please forgive me)  

Ein Jahr später

Verbissen bearbeitete Harry mit einer Bürste seine widerspenstigen Haare vor dem mannshohen Spiegel. Diese verfluchten, schwarzen Borsten wollten heute sogar noch weniger in die Richtung fallen, die er wollte als sonst. Oder kam es ihm vielleicht nur so vor, weil er sonst nie viel Aufhebens um sein Aussehen machte? Möglich, aber immerhin war heute ein ganz besonderer Tag und da wollte Harry einfach gut aussehen. Zufrieden ließ er den Blick an sich herab gleiten und prüfte den Sitz seines anthrazitfarbenen Smokings. Ein bisschen kam er sich verkleidet vor, aber das gehörte zu so einem Anlass nun einmal dazu. Und er musste zugeben, dass der Smocking wirklich perfekt saß. Wie angegossen. Naja, aber das sollte man eigentlich auch von einem maßgeschneiderten Anzug erwarten können. Allein bei dem Gedanken daran, was dieses Stückchen Stoff gekostet hatte, wurde Harry beinah schlecht, aber Blaise, der es sich nicht hatte nehmen lassen, ihn bei der Auswahl seiner Garderobe zu unterstützen, hatte darauf bestanden, dass er dieses sündhaft teure Stück nahm. Der Slytherin hatte verschmitzt die Schultern gezuckt und gemeint, dass sei er seinem Freund schuldig, dass sein Partner wenigstens zur Hochzeit aussah wie ein normaler Mensch.

Merlin, in weniger als einer halben Stunde würde er mit Draco tatsächlich vor den Traualtar treten. Harrys Magen machte bei diesem Gedanken den gefühlten hundertsten Salto an diesem Tag. Allein schon die Vorstellung daran, dass jetzt bereits an die achtzig Menschen in der Kapelle von Malfoy Manor saßen und auf sein Eintreffen warteten, ließ in Harry den Wunsch aufsteigen, einfach klammheimlich davon zu apparieren. Aber natürlich würde er nichts dergleichen tun, sondern stattdessen würde er das Gästezimmer verlassen, welches er nur zum Umziehen bezogen hatte und lächelnd die Treppe hinunter steigen, wo ihn Hermine in Empfang nehmen und hinüber zur Kapelle begleiten würde. Seine beste Freundin war natürlich seine Trauzeugin geworden, so wie Blaise es bei Draco war. Es war Harry nicht leicht gefallen, Hermine um diesen Gefallen zu bitten, doch gleichzeitig konnte er sich nicht vorstellen, jemand anderem diese Aufgabe zu übertragen.

Ein Klopfen an der Tür riss ihn aus seinen Gedanken und schon einen Augenblick später lugte das Gesicht der jungen Frau, das von kunstvoll hoch gestecken Haaren umrahmt war, um die Ecke. Sie hatte erst kurz vor der Hochzeit angefangen, die wilden Locken in ihre ursprüngliche Farbe zu hexen, doch trotzdem konnte dies nicht darüber hinweg täuschen, dass Hermine um Jahre gealtert wirkte. Obwohl seit Rons Tod bereits ein Jahr vergangen war, hatte sie sich immer noch nicht von diesem Verlust erholt. Harry konnte es ihr nicht verdenken. Gerade an so einem Tag wie dem heutigen fehlte ihm sein bester Freund mehr denn je, doch das Leben musste weiter gehen. Die Toten waren beerdigt und die Zeit der Klage war vorbei. Jetzt war es an der Zeit nach vorn zu schauen.

„Du bist ja immer noch nicht fertig", tadelte ihn die junge Frau und schlüpfte schnell in das Zimmer, so dass Harry das wunderschöne, altrosafarbende Kleid bewundern konnte, das Hermine heute trug und das sich perfekt an die Kurven ihres Körpers schmiegte.

„Sorry, Mine, aber diese dummen Haare wollen einfach nicht sitzen", entschuldigte sich der Schwarzhaarige und fuhr sich ein weiteres Mal mit den Fingern durch die Strähnen, die kreuz und quer durcheinander standen.

„Ach was, andere Leute bezahlen einen Haufen Galleonen, um deine Frisur zu imitieren", winkte Hermine ab. „Aber das hier geht auf keinen Fall." Mit geschickten Fingern öffnete sie den Knoten von Harrys Fliege und begann noch einmal von vorn den leuchtend grünen Stoff zu binden.

„Nicht zu fest, du schnürst mir ja die Luft ab!" beschwerte sich der junge Mann launig.

„Stell dich nicht so an. Das muss so sitzen", verteidigte sich die brünette Frau. „Und wenn du`s gar nicht aushältst, kannst du sie ja nach der Zeremonie abnehmen." Zufrieden betrachtete sie ihr Werk. „Toll siehst du aus. Mit dem Outfit würdest du es glatt ein weiteres Mal auf die Titelseite der Hexenwoche schaffen."

„Nein, danke", stöhnte der Dunkle genervt. „Es ist schlimm genug, dass ich tatsächlich Sicherheitszauberer für die Feier engagieren musste, um die Reporter fern zu halten. Der Tagesprophet hat noch bis gestern versucht mich davon zu überzeugen, die Exklusivrechte für Bilder von der Trauung an sie zu verkaufen."

„Es ist eben nicht leicht, ein Held zu sein", meinte Hermine schulterzuckend.

„Du weißt doch wohl am Besten, dass ich kein Held bin, Mine", erwiderte Harry leise. „So viele Menschen sind durch meine Schuld gestorben. Ich wache immer noch nachts auf und sehe ihre Gesichter vor mir."

Mitfühlend legte ihm die junge Frau eine Hand auf die Schulter. „Es war nicht deine Schuld, Harry. Es ist tragisch, aber es war ein Unfall."

„Trotzdem habe ich versagt. Ich hätte sie retten müssen. Irgendwie."

„Du kannst nicht jeden retten."

„Das hat Draco auch immer gesagt."

„Und er hat recht. Tust du es deshalb? Um wenigstens ihn zu retten?"

„Was?" fragte Harry verwirrt.

„Nun ja." Sie machte eine ausladende Handbewegung. „Diese prunkvolle Hochzeit. Harry, du weißt was die Heiler gesagt haben..."

„Ja, Hermine, das weiß ich sehr wohl", gab Harry etwas lauter als beabsichtigt zurück. „Ich war schließlich neun Monate lang jeden verdammten Tag im Mungos."

„Ich will doch nur, dass du dir darüber im Klaren bist, warum du Draco unbedingt heiraten musst", beschwichtigte ihn die Freundin.

„Wenn das deine Sorge ist, ich heirate ihn nicht aus Schuldgefühlen oder aus Mitleid", erwiderte der Dunkle schroff. „Ich heirate ihn, weil ich ihn liebe."

„Aber die Heiler haben gesagt...", versuchte die Brünette einzuwerfen.

„Die Heiler haben zugegeben, dass sie genauso wenig wissen, was passieren wird, wie wir selbst. Schließlich hat es so einen Fall noch nie gegeben. Aber falls der Tag kommt, möchte ich auf der sicheren Seite sein, vor allem rechtlich. Ich will nicht noch einmal darum betteln müssen, zu dem Mann gelassen zu werden, den ich liebe, weil mir dieser verfluchte Schein fehlt!" Harrys Wangen waren am Ende dieser kurzen Rede rot vor Aufregung. Die Monate, die Draco in der Langzeitpflege des St. Mungo Hospitals verbracht hatte, waren auch an ihm nicht spurlos vorüber gegangen und er hatte keine Zeit verloren und den Termin für die Hochzeit direkt nach Dracos Entlassung und dem Ablauf des Trauerjahres für die Opfer der Schlacht festgelegt.

„Du musst dich vor mir nicht rechtfertigen", sagte Hermine ruhig. „Ich verstehe dich. Wenn es Ron gewesen wäre, würde es mir wahrscheinlich genauso gehen."

Die junge Frau erinnerte sich gut daran wie viel Befriedigung sie gefühlt hatte, als der Lebensfunke aus Bellatrix Augen gewichen war. Die Verstärkung durch ihre Hauskameraden, die plötzlich durch das Portraitloch auf die Todesser zugestürmt waren, kam gerade noch rechtzeitig. Und während die anderen Schüler mit den vermummten Gestalten kämpften, war Bellatrix ihre ganz persönliche Gegnerin. Die Lippen der schwarzhaarigen Zauberin hatten sich hämisch verzogen, in Erwartung eines einfachen Sieges. Doch letztendlich war es Hermine, die triumphiert hatte. Ein Leben für ein Leben. Es brachte ihr Ron zwar nicht wieder zurück, aber das Wissen, ihn gerächt zu haben, machte den Schmerz ein wenig leichter.

Zweifelnd studierte Harry erneut sein Spiegelbild. „Glaubst du, es wird ihm gefallen?"

„Aber sicher wird es das", erwiderte Hermine aufmunternd. „Du siehst toll aus und du hast die besten Leute engagiert, um daraus die Hochzeit des Jahres zu machen. Er kann gar nicht anders, als es großartig zu finden."

Tatsächlich hatte Harry keine Kosten und Mühen gescheut, um das Manor in einen wahren Garten Eden zu verwandeln. Am Anfang hatte er sich zwar mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, die Hochzeit ausgerechnet hier stattfinden zu lassen, doch die abgelegene Lage, die es leicht machte, das Grundstück gegen fremde Augen zu sichern, sowie die wunderschöne Landschaft, in die das Herrenhaus eingebettet war, hatten ihn schließlich überzeugt.

Wenn es nach Harry gegangen wäre, hätten sie vermutlich einfach im kleinen Kreis geheiratet, aber es ging hier darum, ein Zeichen zu setzten. Die Zeitungen hatten sich nach dem Krieg geradezu mit Vermutungen überboten, die sich um Dracos Rolle in der finalen Schlacht drehten. Von Spionage, gekauftem Schweigen und Unverzeihlichen Flüchen war dort die Rede gewesen und es wurde kaum ein gutes Haar an dem blonden Slytherin gelassen. Harry selbst war beim Lesen der Artikel von Tag zu Tag wütender geworden, doch er hatte es vorgezogen zu schweigen und die ketzerischen Worte des Tagespropheten den Flammen zu überantworten. Niemals würde er ihnen die Wahrheit über diese Nacht erzählen. Alles was zählte war, dass die Anklage vor dem Zaubergamot wegen Mordes nach den Aussagen von Harry und Professor Dumbledore fallen gelassen wurde. Merlin sei Dank hatte eine ärztliche Verfügung eine Befragung von Draco durch die Auroren verhindert, ebenso wie das Erscheinen des Blonden vor dem höchsten Zaubergericht. Dracos Zustand war zu instabil, als das man es wagen konnte, in seinen Geist einzudringen.

Doch gerade aus diesem Grund wollte Harry der ganzen Welt zeigen, dass Draco und er zusammen gehörten. Sollten sie sich ruhig den Mund zerreißen, es scherte ihn nicht. Alles was zählte war, dass Draco in wenigen Minuten auch vor dem Zauberergesetz zu ihm gehören würde. Ob nun bis in alle Ewigkeit, oder zumindest so lange wie das Schicksal ihnen an Zeit zur Verfügung stellte.

„Du hast nicht zufällig eine Flasche Feuerwhiskey dabei?" fragte er seine beste Freundin mit einem unsicheren Grinsen.

„Nervös?" fragte sie lächelnd. „Keine Sorge, du packst das schon. Sag einfach an der richtigen Stelle `ja` , dann kann gar nichts schief gehen."

Ein letztes Mal atmete der Schwarzhaarige tief durch. „Okay, dann lass uns gehen."

XXXXXX

Das Geländer der großen Freitreppe war mit Girlanden aus frischen Blumen umwickelt und die Decken waren so verzaubert worden, dass sie das englische Sommerwetter widerspiegelten. Der frische Geruch von Rosen, Hyazinthen und Gerbera lag in der Luft und komplettierte das Gefühl, sich mitten in der Natur zu befinden. Eine Hauselfe wartete in der Eingangshalle des Manor, um verspätet ankommende Gäste zu empfangen und hinüber zur Kapelle zu führen. Da die Ahnenportraits der Malfoys mit einem Dauerklebefluch an der Wand befestigt waren, wurden sie mit samtenen Tüchern verhängt, um unangenehmen Situationen vorzubeugen. Demütig senkte die kleine Kreatur vor Harry den Kopf, so dass ihre langen Fledermausohren schlackerten, was Harry mit einem schnellen Nicken beantwortete. Er mochte diese offene Ehrerbietung nicht, aber trotzdem würde er sich vorläufig an sie gewöhnen müssen. Zumindest so lange, bis ihm eine andere Lösung eingefallen war oder er wusste, was er mit dem Manor anfangen sollte.

Erst gestern hatte er die Papiere unterschrieben, die der Rechtsmagier vorbereitet hatte und die ihm mit dem Tag der Hochzeit volle Verfügungsgewalt über das Manor zugestanden. Auch wenn Harry zwiespältige Gefühle gegenüber dieses Arrangements hatte, so wusste er doch, dass es notwendig war. Die Heiler hatten Draco nur für bedingt geschäftsfähig erklärt und so war es nun an ihm, die finanziellen Aspekte ihrer Zukunft zu lenken. Doch Merlin sei Dank, sah ihre Lage in dieser Hinsicht ziemlich rosig aus. Die Verließe der Malfoys bei Gringotts waren auch nach dem Krieg sehr gut gefüllt und - soweit Harry die Ausführungen des Anwalts richtig verstanden hatte - gehörten ihnen beinah so viele Ländereien wie der Königin der Muggel. Das machte es einfacher in aller Ruhe nach einer neuen Bleibe zu suchen, denn in der kleinen Wohnung, die Harry nach dem Krieg gemietet hatte, konnten sie nicht auf Dauer bleiben. Trotz der vielen Sicherheitszauber, die Harry über die Wohnung verhängt hatte, war es schon zu dem einen oder anderen Zwischenfall mit aufdringlichen „Fans" gekommen, die den Retter der Zauberwelt ganz privat erleben wollten. Das Manor kam für ihn als Option dennoch nicht in Frage, denn abgesehen davon, dass an diesem Haus nicht die besten Erinnerungen hafteten, würde es dauerhaft zu schwierig werden, Draco das Fernbleiben seiner Eltern zu erklären.

Merlin sei Dank lag der kleine Friedhof des Anwesens hinter der Kapelle, so dass er vom Eingangsportal nicht zu sehen war. Die Woche nach der finalen Schlacht, war für Harry geradezu ein Begräbnismarathon gewesen, dennoch hatte er es sich nicht nehmen lassen, auch an der Beerdigung von Lucius und Narcissa teilzunehmen. Er hatte es für Draco getan, der zu diesem Zeitpunkt noch mit ungewissem Ausgang im St. Mungo Hospital behandelt wurde und nicht die geringste Ahnung hatte, dass er beide Eltern verloren hatte. Trotz des strahlenden Sommerwetters war die Beisetzung eine sehr trostlose Angelegenheit gewesen. Abgesehen von Harry selbst, waren Narcissas Schwester Andromeda mit ihrem Mann und ihrer Tochter die einzigen Trauergäste und der Geistliche machte den Eindruck, als ob er diese Sache so schnell wie möglich hinter sich bringen wollte.

Vor einem Monat, am Jahrestag der großen Schlacht, hatte Harry von einer Florstikfirma ein großes Bouquet auf die beiden weißen Marmorplatten legen lassen und er schwor sich, dies jedes Jahr zu tun, solange er lebte. Denn ganz egal, was für Menschen Dracos Eltern gewesen waren, so war es doch der kombinierte Todesfluch gewesen, der aus Harrys Stab entwichen war, der sie getötet hatte.

Die Sonne strahlte vom fast wolkenlosen Himmel, als sich Hermine bei ihrem Freund unterhakte und mit ihm aus dem festlich geschmückten Portal ins Freie trat. Der weiße Kies knirschte unter ihren Schuhen, während sie gemeinsam den Vorplatz überquerten und dem kleinen Weg folgten, der zwischen prächtigen Blumenbeeten hindurch zur Kapelle führte. Durch die geöffneten Türen des kleinen Steingebäudes drang lautes Stimmengewirr nach draußen und Harry merkte, wie sein Herz bis zu seinem Hals hinauf klopfte. Wenn Hermine nicht an seinem Arm gehangen hätte, wäre jetzt vermutlich endgültig der Punkt gekommen, an dem er Reissaus genommen hätte, doch so ging er tapfer Schritt für Schritt auf die steinernen Stufen zu, die ins Innere der Kapelle führten. In dem Moment, in dem sie die Tür erreichten, drückte Hermine aufmunternd seinen Oberarm, dann betraten sie das Innere des Gotteshauses. Auf einen Schlag verstummten die Stimmen und machten einer gespannten Stille Platz, durch die Harrys trommelnder Herzschlag nur noch lauter in seinen Ohren pulsierte.

Es dauerte einen Moment, bis er sich nach dem strahlenden Sonnenschein draußen an das dämmerige Licht in der Kapelle gewöhnte. Bunte Bleiglasfenster dämpften die hellen Strahlen und gaben diesem Ort etwas feierliches. Die Bänke rechts und links des Mittelganges waren gut gefüllt, doch Harry bemühte sich, den Blick nur geradeaus zu richten, aus Angst, dass ihm doch noch die Knie weich wurden, wenn er in die gespannten Gesichter der Gäste sah. Er war sich sicher, dass das Grinsen, dass er mit so viel Mühe auf sein Gesicht zwang, eher einer Grimasse glich, doch Hermine an seiner Seite strahlte dafür genug für sie beide. Erst als sein Blick den Mann seines Lebens traf, der bereits vor dem Altar auf ihn wartete, entspannte sich Harry ein wenig.

Draco sah in seinen Augen so schön aus, dass es beinah überirdisch war. Ein einzelner Lichtstrahl traf auf seine Haare und ließ sie wie einen Heiligenschein leuchten. Der hellgraue Smoking mit dem weißen Hemd und der dunkelroten Fliege saß wie eine zweite Haut auf den geraden Schultern und reizte Harry, seine Hände überall über das weiche Material gleiten lassen zu wollen. Blaise` elegante Erscheinung verblasste beinah neben der seines Freundes, doch das lag wohl eher daran, dass Harry ein wenig voreingenommen war, als an seiner Kleiderauswahl. Der dunkelhäutige Slytherin trug einen weißen Anzug, der in wunderbarem Kontrast zu seiner Haut und zum schwarzen Kleid seiner Freundin Pansy stand. Ein leichtes Lächeln lag auf Dracos Lippen, als er in die Richtung seines zukünftigen Ehemannes sah. Er wirkte wie die Ruhe selbst, nur die in den Hosentaschen vergrabenen Hände zeugten davon, dass auch er nicht so cool war, wie er sich gab.

Kurz bevor Harry und Hermine die beiden Männer erreicht hatten, ging Blaise auf sie zu, um Harry eine einzelne Rose ans Revers zu stecken.

„Na, Potter", feixte er leise. „Noch nicht die Hosen voll? Ich hätte ja gedacht, dass du kneifst... oder hat dich Granger mit Gewalt hier her geschleift?"

„Davon träumst du wohl, Zabini", gab Harry ebenso leise zurück. „Gewöhn dich lieber daran, dass Draco gleich ein verheirateter Mann ist."

Hermine verdrehte bei dem spielerischen Kräftemessen genervt die Augen. Auch wenn optisch aus den Jungen inzwischen Männer geworden waren, konnten sie es trotzdem nicht lassen, einander zu ärgern. Blaise zupfte demonstrativ noch einmal an Harrys Kragen herum, dann trat er zurück und ließ Harry an Dracos Seite treten. Etwas schüchtern nahm der ehemalige Gryffindor die langen, weißen Finger seines Freundes in die seinen, als er ihm sehnsüchtig in die Augen sah, die hinter einer randlosen Brille funkelten. Es hatte Harry einiges an Überredungskunst gekostet, Draco zu dieser Sehhilfe zu überreden, doch letztendlich hatte der Wunsch, die Umgebung scharf zu sehen über Dracos Eitelkeit gesiegt und inzwischen hatten sich alle an den neuen Anblick gewöhnt.

Ebenso wie an die lange Narbe auf der Stirn des Blonden, die auf der Höhe des Haaransatzes begann und wie eine lange Zornesfalte die Stirn in zwei Hälften teilte, bevor sie in der linken Augenbraue verschwand. Und auch wenn es Harry oftmals schmerzte, die Auswirkungen der Schlacht immer wieder aufs Neue im Gesicht seines Geliebten zu sehen, waren die kosmetischen Folgen, wie die Brille und die Narbe immer noch besser als die Konsequenz, die der Todesfluch unter normalen Umständen mit sich gebracht hätte.

„Ich liebe dich", flüsterte der ehemalige Gryffindor dicht am Ohr seines Partners.

Draco sagte nichts, sondern beugte sich stattdessen zu Harry hinüber, um seine Lippen auf die des Schwarzhaarigen zu drücken. Genau in dem Moment, in dem sich ihre Münder fanden, begann die Orgel zu spielen und der Geistliche erhob sich von seinem Stuhl.

„Liebe Gäste, wir haben uns hier versammelt, um diese beiden jungen Männer....", begann der Priester die Trauung zu eröffnen.

Harry bekam von der ganzen Zeremonie kaum etwas mit, zu versunken war er in seinen Gedanken. Verstohlen warf er aus dem Augenwinkel einen Blick auf die Gäste, die andächtig den Worten des Priesters lauschten. Molly und Arthur Weasley saßen natürlich in der ersten Reihe, neben Professor Dumbledore, der sich tatsächlich verstohlen eine Träne aus dem Auge wischte. Auch in den Reihen hinter ihnen schimmerte es fast durchgehend rot, da dort Rons sämtliche Geschwister mit ihren Begleitungen Platz genommen hatten. Harry sah außerdem Neville, der mit Luna Lovegood gekommen war, Seamus, Lee Jordan und Dean, der seine Videokamera mit gebracht hatte, sowie die Patil Zwillinge und noch einige weitere ehemalige Hogwarts Schüler. Von den Slytherins waren allerdings außer Blaise und Pansy nur Vincent Crabbe und Marcus Flint gekommen. Hagrid nahm eine ganze Bank für sich ein und schniefte die ganze Zeit in ein überdimensionales, rotkariertes Taschentuch. Madame Pomfrey hätte er ohne ihre Schwesterntracht beinah nicht erkannt und Professor Trelawney nippte immer wieder heimlich an einer Flasche, die sie in ihrer riesigen Handtasche verborgen hatte.

So viele gute Menschen waren ihrer Einladung gefolgt und doch musste Harry an all diejenigen denken, die nicht hier sein konnten, da sie im Krieg ihr Leben gelassen hatten. Es hatte Monate gedauert, Hogwarts in seinen Urzustand zurück zu bringen und dennoch hatten die meisten Zauberer gezögert, ihre Kinder wieder in die Schule für Hexerei und Zauberei zurück zu schicken. Zu groß war das Misstrauen darüber, ob die Schreckensherrschaft des Dunklen Lords nun endlich vorüber war. Schließlich hatten sie sich schon einmal in Sicherheit gewiegt, bevor die Geißel der Zauberwelt schlimmer als zuvor zurück gekommen war. Doch inzwischen ging auch im Schloss in den schottischen Highlands alles wieder seinen gewohnten Gang. Nur die Gräber, die am Ufer des Sees errichtet worden waren und in denen drei der vier Hauslehrer und Professor Vektor ruhten, erinnerten an die Katastrophe, die Hogwarts in jener Nacht heimgesucht hatte. Es erschien Harry beinah wie ein Wunder, dass er nun heute hier mit Draco stand. Doch er würde nie vergessen, welchen hohen Preis sie für dieses Wunder gezahlt hatten und immer noch zahlten.

Harry war so versunken gewesen, dass er beinah seinen Einsatz verpasst hätte. Nur Hermines Ellenbogen, den sie ihm im richtigen Moment zwischen die Rippen jagte, verhinderte, dass er sich vor der ganzen Gesellschaft blamierte. Und so antwortete er auf die Frage, ob er sein Leben in guten wie in schlechten Tagen, in Krankheit und Gesundheit, bis dass der Tod sie schied mit Draco verbringen wolle, mit einem lauten und sicheren: „Ja, ich will."

Der Priester wiederholte die Frage auch für Draco, der ebenfalls sofort mit einem „Ja, ich will" antwortete. Der Geistliche nickte Hermine zu, worauf sie Harry den Ring reichte, den er gemeinsam mit seinem Partner in einem Juweliergeschäft in der Winkelgasse ausgesucht hatte. Ganz tief sah er Draco in die Augen, dann steckte er den schlichten Weißgoldring auf dessen Ringfinger. Begehrlich leckte sich der Blonde über die Lippen, doch noch war es nicht an der Zeit für den Hochzeitskuss. Stattdessen gab Blaise seinem Freund nun den zweiten Ring, welchen dieser auf Harrys Ringfinger platzieren wollte, doch der Ring mit dem ungarischen Hornschwanz, der auf Harrys Mittelfinger steckte und den Draco seinem Freund zum sechzehnten Geburtstag geschenkt hatte, hatte ganz eindeutig etwas dagegen. Wütend bäumte er sich auf und schlug mit den winzigen Flügelchen, wobei kleine Rauchwolken aus seinen Nasenlöchern aufstiegen.

Harry lachte belustigt auf, doch als der Drache seine kleinen, silbernen Zähne in seine Haut schlug, wurde es ihm doch zu viel. „Du hast es nicht anders gewollt", erklärte er tadelnd, als er den Ring vom Finger streifte und in die Innentasche seines Jacketts steckte.

Belustigt zog Draco eine Augenbraue hoch. „Zweiter Versuch", murmelte er grinsend, dann stülpte er erneut den schmalen Ring über Harrys Ringfinger. Die beiden Ringe leuchteten für einen Augenblick auf, als die Magie, die in ihnen steckte, aktiviert wurde, dann verblassten sie wieder.

Der Priester räusperte sich hörbar. „Meine Damen und Herren, ich darf vorstellen: Das Ehepaar Malfoy-Potter. Sie dürfen sich jetzt übrigens küssen."

Das musste er den beiden Männern nicht zwei Mal sagen. Im Bruchteil einer Sekunde krachten ihre Lippen aufeinander und verschmolzen zu einem hungrigen und doch zärtlichen Kuss. Es war geschafft. So viel hatten sie zusammen durchgemacht, doch jetzt waren sie tatsächlich für immer verbunden. Egal, was noch kommen würde, Harry war sich sicher, dass sie alles meistern würden. Hauptsache sie waren zusammen, bis dass der Tod sie schied. Sie waren tatsächlich so versunken, dass erst das Klatschen ihrer Gäste sie wieder in die Wirklichkeit zurück holte. Ehe Harry und Draco sich versahen, waren sie umringt von ihren Freunden, die ihnen auf die Schulter klopften, ihre Hände schüttelten und Küsse auf ihre Wangen drückten. Dann bildeten die Leute ein Spalier und hielten Bögen aus weißen Rosen in die Höhe, durch die die frisch gebackenen Eheleute nach draußen ins Freie traten, wo sie erneut ein Regen aus Blütenblättern erwartete.

Es war wie in einem dieser furchtbar romantischen Muggel-Filme, auf die die Mädchen so sehr standen und die den jungen Männern sonst nur ein Augenrollen entlockten, doch in diesem Moment machte es Harry nicht das geringste aus. Er genoss es ganz einfach am Leben zu sein und diesen Tag mit dem Mann an seiner Seite zu feiern, den er liebte. Schließlich hatten sie lange genug in Angst und Schrecken gelebt. Der bestellte Photograph dirigierte die Gäste, die sich in mehreren Reihen vor dem Portal aufstellen mussten, bevor er mit vielen „Ah" und „Ohs" begleitet Bilder aus allen Positionen knipste und auch das frische Ehepaar musste sich immer wieder in neue Posen werfen, bis der Photograph seine Arbeit beendet hatte.

Gemeinsam mit ihren Gästen wanderten sie nun in Richtung des Ballsaals, in dem eine Kapelle aufspielte und ein opulentes Buffet dazu einlud, sich den Bauch zu füllen. Auch hier strahlte die warme Frühlingssonne von der verzauberten Decke. Die Fenster waren weit geöffnet, so dass der Duft der riesigen Blumenbeete vom Garten herein wehte. Doch auch im Inneren des Raumes waren überall Blumengirladen und frische Sträuße verteilt worden. Die Tische waren mit zarten Gestecken geschmückt und dezent bekleidete Hauselfen reichten den Gästen Gläser mit Sekt, Elfenwein und verschiedene Canapees, während die Gäste sich in kleinen Gruppen zusammen fanden und über die Feier und die Ereignisse der letzten Monate sprachen.

„Ich wünschte, Ron wäre hier. Er würde sich so für dich freuen", schniefte Mrs Weasley sichtlich um Fassung berührt, als sie Harrry in die Arme schloss.

„Das wünschte ich auch. Er fehlt mir immer noch", antwortete Harry ehrlich, während er Mollys Umarmung erwiderte.

„Du weißt, dass du in unserem Haus immer willkommen bist", bekräftigte Arthur und klopfte Harry freundschaftlich auf die Schulter. „Und du natürlich auch", fügte er etwas zurückhaltender an Draco gewandt hinzu.

„Danke, das bedeutet uns wirklich viel", erwiderte Harry und drückte die Hand seines Partners fester. Für ihn waren die Weasleys schon lange eine Familie und er wusste, dass dieses Gefühl auf Gegenseitigkeit beruhte, dennoch freute er sich sehr, dass sie dieses Gefühl nun auch auf Draco ausdehnten.

Die Kapelle spielte einen Walzer und Draco zog mit einer höflichen Entschuldigung seinen Partner mit sich zur Tanzfläche, wo sie traditionell den ersten Tanz für sich hatten. Bei Dracos Erziehung hatte es keiner Übung mehr bedurft, doch Hermine hatte in den Wochen vor der Feier einige blaue Flecken und breit getretene Zehen über sich ergehen lassen, damit Harry fit genug war, um diesen Tanz mit Bravour zu meistern. Tatsächlich schwebten die beiden Männer über das Parkett, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Es war wunderbar, nachdem sie den ganzen Tag noch keinen Augenblick für sich allein gehabt hatten, den Partner so neben sich zu spüren und in diesem Moment hatten Harry und Draco nur Augen für einander.

„Es ist schade, dass meine Mutter jetzt nicht hier sein kann", sagte Draco mit einem Anflug von Melancholie.

„Du weißt doch, dass das Ministerium sie vorübergehend mit einer anderen Identität ausstatten musste, um sie vor Racheakten zu schützen", erwiderte Harry, während er an Dracos linken Ohr vorbei starrte. Es fiel ihm nicht leicht, seinen Freund zu belügen, doch mit den Monaten fühlte sich diese Lüge beinah wie die Wahrheit an. „Sie wäre bestimmt gern hier, wenn es ihr möglich gewesen wäre. Aber es ist einfach zu gefährlich."

„Ich weiß", erwiderte Draco seufzend. „Wenigstens kann sie sich später die Photos ansehen."

„Natürlich", gab Harry zurück, doch die Worte schmeckten auf einmal bitter. „Wir schicken sie deinen Eltern so bald wie möglich per Eule."

Das Lied ging nahtlos in ein nächstes über und es gesellten sich nun mehr und mehr andere Paare zu den Tanzenden. Harry tanzte mit Mrs Weasleys, während Draco Madame Pomfrey über das Parkett führte. Die Zeit verging wie im Fluge und als sich die frisch gebackenen Eheleute mit roten Wangen und wund getanzten Füßen an ihrem Tisch nieder ließen, stand bereits ein großer, voller Mond an der verzauberten Decke.

„Ich finde, wir sollten jetzt gehen", flüsterte Draco in das Ohr seines Geliebten. „Sonst bin ich bald zu erledigt für eine ausschweifende Hochzeitsnacht."

„Und die Gäste?" fragte Harry skeptisch.

„Solange die Elfen genug Essen auftischen und Wein ausschenken, bemerken die gar nicht, dass wir weg sind", erwiderte der Blonde spitzbübisch.

Harry kaute einen Moment nachdenklich auf seiner Unterlippe herum, doch als er Fleur seinen Namen rufend in ihre Richtung kommen sah, willigte er schließlich ein. „Na dann, auf in die Flitterwochen."

Die beiden Männer zogen ihre Zauberstäbe beinah gleichzeitig und nur einen „Plopp" später waren sie schließlich verschwunden.

Tbc...