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X. Wicked game

I never dreamed that I meet somebody like you

I never dreamed that I love somebody like you

 

I don`t want to fall in love (This world is only gonna break your heart)

I don`t want to fall in love (This world is only gonna break your heart)

With you. With you. (This world is only gonna break your heart)

 

(Chris Isaak, Wicked Game)

 

Draco hatte keine Ahnung, wie spät es war, als er in den Slytherin Kerker zurück kehrte. Er hatte solange auf dem Astronomie-Turm ausgehalten wie möglich, bis der Regen ihn erneut bis auf die Knochen durchnässt und der Sturm seine Glieder hatte taub werden lassen.

Er fühlte sich so wütend, wie schon lange nicht mehr. Am liebsten würde er jetzt einem der Erstklässler einen Fluch auf den Leib jagen oder Crabbe oder Goyle in Grund und Boden schreien. Nach dem Gespräch mit Harry, hatte er tatsächlich seine eigene Siegesfeier verpasst, mit voller Absicht! Verdammt !Warum musste es sich selbst dann anfühlen, als ob er verloren hatte, wenn er doch der Gewinner war?

`Ganz einfach`, sagte die kleine Stimme in seinem Hinterkopf. `Weil er dich hat gewinnen lassen.`

`Halt die Klappe`, knurrte er wütend, aber er wusste, es war die Wahrheit.

Nur dass er keine Ahnung hatte, wie er damit umgehen sollte. Die letzten Wochen waren schwer genug gewesen, sich selbst und allen anderen zu beweisen, dass er immer noch der selbe arrogante Mistkerl war, wie früher. Doch irgendwie hatte er es hin bekommen, die anderen zu täuschen.

Die Momente, in denen er Harry gegenüber stand, waren die schwersten. Er wollte den anderen nicht verletzten und musste es doch tun. Danach fühlte er sich schlecht und schuldig. Von den Nächten ganz zu schweigen. In einer der ersten Nächte nach ihrer Trennung, hatte ihm Goyle morgens verkündet, dass er im Traum laut Potters Namen geschrien hatte. Natürlich hatte Draco ihn angelogen und verkündet, er hätte von einer besonders gelungenen Racheaktion an dem dunklen Gryffindor geträumt. Seitdem verhängte er jeden Abend vorsichtshalber einen Silencio-Zauber über seinem Bett.

Dracos Zorn war fast verraucht, als er endlich den Weg bis zum Kerker zurück gelegt hatte. Es war ganz einfach ein langer Tag gewesen und er war froh, dass er endlich vorbei war. Der blonde Slytherin fror und war entsetzlich müde und wollte nur noch in sein Bett. Frustriert seufzte er auf, als er in den Gemeinschaftsraum trat. Snape würde toben, wenn er morgen das Chaos hier sah. Das Feuer war fast herunter gebrannt und in seinem roten Lichtschein sah der Blonde auf den Tischen dutzende von Flaschen. Die meisten hatten ganz offensichtlich Butterbier enthalten, aber es waren auch einige Feuerwhiskey-Flaschen dabei. Die Luft war schwer vom Zigarettenrauch, was Draco nicht wunderte. Er selbst rauchte gelegentlich auch, wenn er aus Hogsmeade mal wieder eine Packung organisieren konnte.

Beinah wäre er über den Körper eines seiner Mitschüler gestolpert, der ausgestreckt auf dem Boden schnarchte. Bei näherem Hinsehen erkannte Draco Vincent Crabbe. Offensichtlich war er zu betrunken gewesen, um noch den Weg in sein Bett zu finden. Als sich Dracos Augen an das Zwielicht gewöhnten, sah er noch einige andere Slytherins auf den Sofas, in den Sesseln und sogar auf dem nackten Fußboden schlafen. Draco hob erstaunt die Augenbrauen. Die Party musste wirklich interessant gewesen sein.

Halt, war das nicht? Tatsächlich, auf einem der Sofas lag Pansy Parkinson, mit aufgeknöpfter Bluse, in den Arm von Blaise gekuschelt. Draco konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Er wusste, dass Zabini schon lange scharf auf das Mädchen war, aber Pansy war bisher so damit beschäftigt gewesen, sich an Draco zu hängen, dass sie ihn gar nicht wahr genommen hatte. Tja, Alkohol änderte eben manchmal den Blickwinkel auf gewissen Personen. Nicht, dass es ihm etwas ausgemacht hätte. Fast jeder Slytherin wusste, dass Draco im letzten Jahr tatsächlich etwas mit ihr laufen gehabt hatte, aber wenn der Blonde damals noch Zweifel hatte, wusste er danach mit Sicherheit, dass Mädchen nicht sein Ding waren.

Vorsichtig bahnte er sich einen Weg durch den am Boden liegenden Müll und die Leiber seiner Mitschüler, zu seinem Zimmer. Aufatmend schloss er die Tür hinter sich und begann sich von den nassen Klamotten zu befreien, als er hörte, wie sich jemand auf seinem Bett bewegte. Im ersten Impuls wollte Draco den Zauberstab aus der Tasche seiner Quiddich-Uniform ziehen, doch dann bemerkte er, dass er das Oberteil bereits auf den Boden geworfen hatte.

In diesem Moment hörte er ein leises „Lumos" und das sanfte Leuchten eines Zauberstabes tauchte das Zimmer in ein angenehmes Licht. Draco blinzelte leicht, bis sich seine Augen an die plötzliche Helligkeit gewöhnt hatten, dann fixierte er die Person, die den Zauberstab in der Hand hielt.

Er kannte den Jungen, auch wenn er einen Moment brauchte, um sich an seinen Namen zu erinnern. David Donovan war im Jahrgang unter Draco. Schon seit ein ganzen Weile wusste der Blonde, dass der Andere an ihm interessiert war. Er war süß, keine Frage. Ein südländischer Typ mit schwarzen, dichten Haaren und eben solchen Glutaugen, die von einem Kranz aus dunklen Wimpern umrahmt wurden. Sein Körper war auch nicht schlecht, aber Dracos Herz schlug nun einmal für einen grünäugigen Gryffindor und so war er gegen Davids sehnsüchtige Blicke bislang immun gewesen.

An der spärlichen Bekleidung konnte Draco ablesen, was der andere im Schilde führte, aber er fragte trotzdem: „Was machst du hier? Hast du dich im Zimmer geirrt, Donovan?"

Der Junge lächelte schüchtern und kletterte aus Dracos Bett. „Ich wollte dir gratulieren", sagte er, langsam auf den Blonden zu kommend. Der Ältere konnte die Feuerwhiskey-Fahne bei diesen Worten bereits riechen. Tatsächlich schwankte David leicht und Draco musste ihn am Arm festhalten, da der Junge sonst auf den Boden gefallen wäre.

David nutzte diese Gelegenheit, um seine Hände auf Dracos Schultern abzustützen. „Du warst unglaublich", fuhr er mit schwerer Stimme fort. „Ich wusste gar nicht, dass Fliegen so sexy sein kann."

Draco dachte, dass es mit Sicherheit alles andere als sexy ausgesehen haben musste, nass und dreckig und erschöpft gegen den Sturm anzukämpfen, aber er sagte nichts. Stattdessen versuchte er seinen offensichtlich betrunkenen Mitschüler wieder auf der Bettkante abzusetzen, doch Donovan klammerte sich hartnäckig an ihm fest.

„Weißt du, ich fand dich schon immer heiß. Schon seit meinem ersten Jahr." Er versuchte seine Hände über Dracos nackten Oberkörper gleiten zu lassen, merkte aber schnell, dass er dann erneut das Gleichgewicht verlieren würde.

Bestimmt wehrte Draco die Annährungsversuche des Jüngeren ab.

„Ich bin nicht interessiert, Donovan", knurrte er, als der andere versuchte seine Arme erneut um Dracos Schultern zu legen.

„Nun sei doch nicht so", lallte David. „Du sollst mich doch nicht gleich heiraten."

Er schaffte es, den Blonden am Arm zu erwischen und mit sich aufs Bett zu ziehen. Bevor Draco sich versah, hatte der Dunkle seine Lippen auf die seinen gedrückt. Er schmeckte Rauch und Whiskey und etwas Süßes, was wohl der Pudding vom Abendessen gewesen sein konnte. Für einen Moment gestattete Draco es sich zu phantasieren, dass es Harry war, der ihn küsste, doch Davids Lippen waren nicht mit denen des Gryffindor zu vergleichen. Der Junge küsste ungeschickt und sein Körper, der sich gierig gegen Dracos presste, war zwar okay, aber nicht so gut gebaut wie Harrys.

Der Jüngere versuchte, seinen Körper auf den des anderen Jungen zu rollen, um ihn daran zu hindern, wieder aufzustehen, doch obwohl Draco erschöpft war, hatte er mehr Kraft. Mit einem wütenden Knurren, stieß er David von sich herunter, so dass dieser halb aus dem Bett fiel.

„Raus", sagte er mit drohender Stimme und es war ihm ganz egal, wie der andere das in seinem angetrunkenen Zustand bewerkstelligte. „Und zwar ganz schnell."

Donovan schluckte bei diesem Tonfall und beeilte sich auf die Füße zu kommen. Er war lange genug in Slytherin um zu wissen, dass er jetzt besser tat, was von ihm verlangt wurde. Zwar taumelte er leicht und stieß diverse Male gegen die anderen Betten, als er seinen Weg durch den Raum suchte, aber es gelang ihm irgendwie, bis zur Tür zu kommen.

Aufatmend ließ sich Draco zurück auf das Bett fallen, als David die Tür hinter sich schloss. Das hatte ihm an diesem Tag gerade noch gefehlt. Er war weiß Gott nicht in der Stimmung für einen Quicky mit einem seiner Mitschüler. Weder mit Donovan noch mit irgendjemandem sonst. Er wollte nur noch schlafen, vergessen, nicht an einen gewissen Gryffindor denken...

Schnell entledigte sich Draco seiner restlichen Sachen und schlüpfte nur mit Shorts und T-Shirt bekleidet unter seine Decke. Er fror plötzlich fürchterlich, ob wegen der Stunden im Regen auf dem Astronomie-Turm oder wegen der Sache mit David eben, wusste er nicht. Unwillkürlich dachte er an das gemütliche Bett mit den schweren, roten Vorhängen oben im Turm. Wie gerne würde er jetzt dort oben liegen und sich von Harry wärmen lassen...

Fuck! Wie auf Kommando raste die Bilder durch seinen Verstand. Warum musste es auch so kompliziert sein? Warum musste es ein Gryffindor sein? Warum musste es Harry sein? Warum musste es die eine Person sein, die sein Vater, die der Dunkle Lord selbst, am meisten auf dieser Welt hasste? Draco seufzte auf. Es war zum Verzweifeln. Die anderen mochte er vielleicht täuschen können, aber sein Herz konnte er nicht hinters Licht führen. Er konnte nicht aufhören an Harry zu denken. Und je mehr Zeit seit ihrer Trennung verging, desto schlimmer wurde der Schmerz.

Draco dachte an das Gesicht des dunklen Gryffindor, als er ihn gefragt hatte, warum Harry den Schnatz nicht gefangen hatte.

Ich habe etwas aufgegeben. Für dich. Ich wünschte, du könntest das auch tun."

Langsam fragte er sich, ob es nicht die falsche Entscheidung gewesen war, die Beziehung einfach zu beenden. Vielleicht sollte er auch so mutig sein und um seine Liebe kämpfen.

XXXXXX

 

Draco überprüfte die Seiten, die er Harry diktiert hatte und nickte zufrieden.

Warum hast du mir nie davon erzählt?" fragte der Dunkle ruhig.

Was meinst du?"

Von David`s Annährungsversuchen in dieser Nacht." Draco war sich fast sicher, Eifersucht aus diesen Worten heraus zuhören.

Es ist nichts passiert, also war es auch nicht wichtig. Wir hatten andere Sorgen."

Für dich vielleicht nicht, love. Ich finde schon, dass es wichtig ist." Harry verschränkte die Arme vor seiner Brust.

Was hättest du gemacht, babe? Wärst du zu ihm gegangen und hättest gesagt: Finger weg von meinem Boyfriend?" stichelte der Blonde belustigt.

Vielleicht", gab Harry zurück. „Vielleicht hätte ich auch irgendetwas Giftiges in sein Essen gemischt."

Draco konnte nicht anders, er lachte laut. „Schatz, der arme David war betrunken und nachdem ich ihn deutlich abgewiesen habe, hat er es nie wieder versucht. Was sollte ich denn sagen? Jede zweite Hexe war scharf auf Gryffindors Golden Boy."

Nur dass ich kein Interesse an Hexen hatte", gab Harry zu bedenken.

Du hast ja gar keine Ahnung, wie viele der männlichen Schüler einen ZAG dafür gegeben hätten, eine Nacht mit dir zu verbringen."

Wie viele denn?" fragte der Dunkle interessiert.

Einige", gab Draco vage zurück.

Was hättest du dafür gegeben, love?" konterte Harry geschickt.

Für eine Nacht? Hm, ich hätte mindestens Nachsitzen bei Filch dafür in Kauf genommen."

Tatsächlich?" fragte der Andere ungläubig. „Für nur eine Nacht?"

Ja, für nur eine Nacht",bestätigte Draco lächelnd.

Gut das zu wissen. So billig wie bisher kommst du mir nämlich nicht mehr davon, Malfoy", grinste Harry und wackelte anzüglich mit den Augenbrauen.

Sieh an, Potter. Wie hoch ist denn jetzt dein Preis?" fragte der Blonde belustigt.

Da fällt mir bestimmt noch etwas ein und so lange nehme ich auch einen Blanko-Schuldschein."

Das Risiko ist es wert."

Das will ich meinen. Schließlich schläfst du mit dem Retter der Zauberwelt."

Oh ja, mein Held", schnurrte Draco und küsste seinen Mann.

Immer zu Diensten", gab Harry zurück und erwiderte den Kuss.

XXXXXX

 

XI. Back for good

Whatever I said, whatever I did I didn`t mean it

I just want you back for good

....

And we`ll be together, this time is forever

We`ll be fighting and forever we will be

So complete in our love

We will never be uncovered again

 

(Take That, Back for good)

Als Harry am nächsten Morgen aufstand und aus dem Fenster sah, war es beinah, als hätte es den Sturm vom Vortag nie gegeben. Ein paar wenige weiße Schäfchenwolken schwebten am strahlend blauen Himmel. Nur die Pfützen auf dem Fensterbrett und der abgebrannte Baum neben dem Quidditch-Feld zeugten von dem schweren Gewitter.

Der Unterricht begann für Harry mit einer Doppelstunde Verwandlung. Eigentlich mochte er dieses Fach, auch wenn er sich an diesem Morgen nicht ganz wohl in seiner Haut fühlte, als er Professor McGonagalls Klassenraum betrat. Aber seine Hauslehrerin erwähnte den verlorenen Cup mit keinem Wort, auch wenn sie noch etwas steifer wirkte, als sie es sonst schon war.

Im Großen und Ganzen lief es für Harry gar nicht schlecht. Obwohl er die Hausaufgaben nach der Aufregung mit Malfoy nur zur Hälfte gemacht hatte, schaffte er es zwei mal hintereinander den Papagei vor sich in eine fast perfekte Rose zu verwandeln. Nur der Schnabel in der Mittel der Blüte störte etwas, vor allem, da er die ganze Zeit üble Verwünschungen ausstieß.

Doch als sich der Unterricht dem Ende näherte, ergriff ihn die schon bekannte Übelkeit, denn als nächstes stand Zaubertränke zusammen mit den Slytherins auf dem Stundenplan.

Wenn dieses Fach früher schon ein Albtraum für Harry gewesen war, wurde es seit der Trennung von Draco zu einem echten Inferno. Der dunkle Gryffindor hatte leider keine besondere Begabung im Brauen der komplizierten Mixturen und die Anwesenheit seines Ex-Freundes hatte ihn so sehr abgelenkt, dass er in den vergangenen zwei Wochen nicht weniger als drei Zaubertränke in die Luft gejagt hatte. Das schaffte sonst nicht einmal Neville.

Nicht genug damit, dass Snape ihn danach zum Nachsitzen verdonnert hatte, er hatte ihm auch damit gedroht, wenn er bis zum Schuljahresende auch nur einen missglückten Zaubertrank abgab, würde er ihn nicht nur aus seinem Kurs werfen, sondern ihm auch ein „ungenügend" geben. Damit wären Harrys Pläne, sich später einmal um eine Stelle als Auror zu bewerben, zu Nichte gemacht. Denn nur Schulabgänger mit einem glänzenden Zeugnis hatten eine Hoffnung vom Ministerium angenommen zu werden.

Seufzend packte Harry seine Unterlagen in die Tasche, während Ron und Hermine ungeduldig neben seinem Tisch auf ihn warteten.

„Geht schon mal vor", bat der dunkle Gryffindor seine Freunde. „Ich muss noch mal schnell wohin und komme dann gleich nach." Die beiden nickten und gingen dann in Richtung der Kerker davon.

So wie er es den anderen gesagt hatte, suchte Harry die Waschräume auf. Er erleichterte sich schnell und stand dann einen Moment vor den Waschbecken, um sich zu sammeln. Immer wieder ballte er seine Hände zu Fäusten und streckte sie dann wieder, um das Zittern aus ihnen zu vertreiben. Er wusste, er musste sich zusammen reißen. Er konnte sich keinen Fehler mehr leisten.

`Vielleicht hilft eine Erfrischung`, dachte er verzweifelt.

Harry legte seine Brille auf den Waschbeckenrand und drehte tief durch atmend den Kaltwasserhahn auf. Als er gerade dabei war, sein Gesicht mit der kühlen Flüssigkeit zu benetzten, hörte er, wie sich die Tür des Waschraumes erneut öffnete und wieder schloss.

Der Gryffindor trocknete sein Gesicht mit einem der Handtücher und setzte seine Brille wieder auf. Als er einen Blick in den Spiegel warf, um sein Aussehen zu überprüfen, erstarrte er.

Draco stand direkt hinter ihm. Schweigend, abwartend, taxierte er das Gesicht des Dunklen im Spiegel. Die Mimik des Slytherin ließ keinen Rückschluss auf seine Gedanken zu. Sein Gesicht wirkte ausdruckslos. Harry schluckte schwer. Er wusste nicht, was er sagen oder tun sollte. Tatsächlich hatte er Angst vor der Reaktion des Anderen. Sie hatten nicht mehr mit einander gesprochen, seit Draco gestern so fluchtartig ihr Gespräch beendet hatte.

Ein unbequemer Moment der Stille entstand. Endlich drehte sich Harry zu dem anderen Jungen um. Einen Moment sahen sie sich in die Augen und der Gryffindor fühlte, wie sein Herz bis in seinen Hals hinauf schlug, dennoch sagte er nichts.

Der Blonde biss sich auf die Unterlippe. Eben noch hatte er ganz genau gewusst, was er Harry hatte sagen wollen, aber auf einmal war sein Kopf wie leer gefegt. Er streckte zögernd eine Hand nach dem dunklen Gryffindor aus, zog sie dann aber doch wieder zurück.

„Harry...", begann er unsicher und seine eigene Stimme hörte sich fremd an in seinen Ohren.

„Ja?" Der Dunkle sah ihn an und Draco begegnete seinem Blick, obwohl er die Augen lieber auf den Boden gerichtet hatte.

Der Blonde atmete tief durch. „Ich bin ich ein Idiot und ein Arschloch und ich weiß nicht, warum du überhaupt Gefühle für mich hast, aber ich liebe dich. Wenn du mich also trotzdem zurück haben willst..." Er wusste nicht, wie er den Satz zu Ende bringen sollte.

`Scheiß auf Vater, Scheiß auf den Dunklen Lord, Scheiß auf die ganze Zauberwelt`, fügte er in Gedanken hinzu, sprach es aber nicht laut aus. Hilflos lächelte er den Gryffindor an, der mit verschränkten Armen vor ihm stand.

Ein langer Augenblick verging. Dracos Herz schlug so laut, dass er dachte, selbst Harry müsste es hören, doch der Dunkle ließ sich nicht anmerken, falls es so war. Nervös spielten die Hände des Slytherin an der Vorderseite seiner Robe, während er auf eine Reaktion des anderen wartete, doch der Gryffindor sah unbewegt auf einen Fleck an der Wand.

„Ich denke, ich gehe dann mal", sagte Draco resigniert, als ein weiterer Moment verstrich, ohne dass Harry sich geäußert hatte und wollte an dem anderen Jungen vorbei zur Tür gehen, doch der Dunkle hielt ihn an der Schulter zurück. Unsicher sah Draco ihn an.

Um die Lippen des Gryffindor spielte ein leichtes Lächeln, als er sah, wie angespannt sein Gegenüber war. Einen Moment genoss er den Anblick noch, dann war er der Ansicht, dass er den Slytherin nun genug hatte zappeln lassen.

„Du hast Recht", begann er genüsslich. „Du bist ein Idiot und du bist ein Arschloch, aber verdammt ich kann nicht anders." Er zog den verdutzten Draco an der Krawatte zu sich, so dass sich ihre Gesichter beinah berührten. „Ich liebe dich immer noch. Aber ich schwöre, ich bringe dich um, wenn du mir noch einmal so weh tust."

Zärtlich fanden seine Lippen, die des blonden Jungen und Draco küsste ihn zurück, als hinge sein Leben davon ab. Sanft legte der Blonde seine Arme um den Gryffindor und erlaubte sich, das Gefühl des vertrauten Körpers zu genießen.

„Nie wieder", murmelte er in den Mund des anderen. „Ich schwöre es dir, nie wieder." Hungrig ließ er seine Zunge in Harrys Mund wandern, der ihm willig Einlass gewährte. Es fühlte sich einfach so gut an. So richtig. Endlich wieder zusammen, wieder ganz zu sein.

Halt suchend krallte Harry seine Hände in das blonde Haar, fühlte die seidigen Strähnen durch seine Finger gleiten, sog Dracos süßen Duft tief in seine Lungen, sich selbst beweisend, dass es tatsächlich die Wirklichkeit war, die er erlebte.

„Merlin, so gut", knurrte er, als sich ihre Lippen für einen Moment trennten.

„So gut zusammen", keuchte Draco, heftig nach Luft schnappend, als er merkte, wie die Erregung ihn zu überwältigen begann. Seine Hände streichelten über Harrys Rücken, abwärts zu seiner Kehrseite. „So sexy", fügte er mit einem Lächeln hinzu.

Harry konnte nicht anders, er lächelte zurück. „Ich habe dich vermisst."

„Ich weiß." Draco seufzte. „Ich habe dich auch vermisst. Aber ich schwöre dir, lieber darfst du mich wirklich umbringen, als dass ich mich noch einmal von dir trenne."

„Ich nehme dich beim Wort", neckte ihn der Dunkle.

„Ich würde es gar nicht anders haben wollen."

XXXXXX

 

Und dann hatten wir Sex", meinte der Blonde versonnen grinsend.

Nein, hatten wir nicht", korrigierte ihn Harry kopfschüttelnd.

Nicht?" fragte Draco enttäuscht. „Aber zu einer guten Versöhnung gehört Sex!"

Zu einer guten Versöhnung gehört in erster Linie eine Aussprache", stellte der Dunkle klar.

Und die hatten wir auch nicht", meinte sein Partner frustriert.

Richtig. Du hast dich entschuldigt, mehr nicht. Ich hatte erwartet, du würdest mir erklären, wieso. Aber du hast nichts gesagt."

Ich wollte den Moment nicht verderben", rechtfertigte sich der Blonde. „Wie hätte ich es dir auch erklären sollen?`Weißt du, Harry. Mein Vater will, dass ich im Sommer ein Todesser werde und deshalb habe ich mich von dir getrennt. Aber jetzt denke ich, dass ich einfach zu ihm hingehen und sagen werde: Steck dir das Dunkle Mal sonst wohin.`"

Vielleicht nicht ganz so, aber so ungefähr", meinte Harry und lächelte über die Ausdrucksweise seines Ehemannes. „Du hast alles in dich hinein gefressen. Und ich wusste von nichts."

Ich dachte, es wäre besser so. Du hättest mir nicht helfen können."

Ich wäre zumindest gewarnt gewesen. Außerdem gehört das zu einer Beziehung dazu, dass man sich seine Sorgen erzählt."

Okay, ich habe einen Fehler gemacht. Wieder einmal. Ich bin eben der sture, nicht teamfähige Slytherin.", schmollte Draco mit hochgezogenen Schultern.

Zärtlich legte Harry seine Stirn gegen die des anderen Mannes. „Ich weiß, dass du mich schützen wolltest. Das war edel von dir."

Von wegen, dich schützen", murmelte Draco nah an dem Gesicht des Anderen. „Überleben wollte ich."

Wenn du mit der Erklärung besser leben kannst, love", grinste der Dunkle und vergrub seine Hände in Dracos blondem Haar.

Die Hauptsache war doch, dass du mir verziehen hast."

Wer kann dir schon lange böse sein, wenn du einen so ansiehst." Grün versank in Silber und die Welt schien still zu stehen.

Love ya."

Me, too."

XXXXXX

 

XII. Can`t take my hands off you

I can`t take my hands off you, baby

I can`t get enough off you

I can`t take my hands off you, baby

I can`t get enough off your love

 

(Soultans, Can`t take my hands off you)

 

Unruhig drehte sich Harry unter der leichten Decke auf die Seite und sah durch das geöffnete Fenster hinaus in die sternklare Nacht. Groß und voll hing der Mond am Himmel und erleuchtete den Raum beinah Tag hell. Die Wärme lag wie eine Glocke über dem kleinen Turmzimmer und ein dünner Schweißfilm überzog den Körper des Jungen.

In den Betten neben sich konnte er seine Mitschüler schnarchen hören, aber für den dunklen Gryffindor war an Schlaf nicht zu denken. Sein Herz schlug so heftig in seiner Brust, dass er meinte, es wolle ihm aus der Brust springen. Doch im Gegensatz zu den vielen Nächsten zuvor, in denen er vor Kummer nicht hatte schlafen können, war es dieses Mal ein Zustand freudiger Erregung, der ihn wach hielt.

Draco. Ohne dass Harry es beabsichtigte, tauchte wieder das Bild seines Freundes vor seinem inneren Auge auf. Es war so ein gutes Gefühl, ihn wieder zu küssen. So, als ob er wochenlang nur ein halber Mensch gewesen war und nun plötzlich seine fehlende Hälfte zurück erlangt hatte. Dieses Gefühl seiner Lippen, so weich und doch so fest. Der vertraute Geruch seines Körpers, der Druck seiner Hände auf seinem Rücken... Beinah hätte Harry sich vergessen und den blonden Slytherin einfach mit sich in eine der Toilettenkabinen gezerrt, aber dann hatte sein Verstand gerade rechtzeitig seine Arbeit wieder aufgenommen, um ihn daran zu erinnern, dass sie dringend zum Unterricht mussten.

Es war nicht leicht gewesen, Draco von der Notwendigkeit aufzuhören zu überzeugen, zumal der Blonde von Snape nicht wirklich Ärger zu befürchten hatte, aber irgendwie hatte Harry es geschafft, Draco aus den Waschräumen in Richtung der Kerker zu schleifen, ohne dass sie dabei einem Schüler begegneten.

Nicht zum ersten Mal war Harry dankbar für die weiten Roben, aus denen die Schuluniform bestand. Seine offensichtliche Erregung wäre sonst vor Snape kaum zu verheimlichen gewesen. Trotzdem hatten ihm seine Verspätung, das gemeinsame Auftauchen mit Malfoy und die Rotfärbung seines Gesichtes eigenartige Blicke von Ron und einigen anderen Gryffindors eingebracht.

Neidisch fragte er sich, wie Draco es schaffte, von einem Moment auf den anderen sein Gesicht völlig ausdruckslos werden zu lassen. Wenn Harry nicht selbst das Ziel von Dracos heftigen Küssen gewesen wäre, hätte er beim Anblick des Blonden kaum geglaubt, was dieser eben noch getrieben hatte.

Das leise Quietschen der Tür holte Harry plötzlich aus seinen Gedanken. Irritiert setzte er sich in seinem Bett auf und starrte in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Die Tür öffnete sich und eine Gestalt in einem Morgenmantel aus grüner Seide schlüpfte durch den Spalt.

Auch ohne seine Brille erkannte er den Jungen, der gerade den Raum betreten hatte. Harry hielt vor Überraschung die Luft an, als Draco leise auf sein Bett zu kam, den Zeigefinger lächelnd auf die Lippen gelegt. Panisch sah der Gryffindor zu den anderen Betten, aber seine Freunde schienen tief und fest zu schlafen und den Eindringling nicht zu hören.

Mit wenigen Schritten hatte der Blonde das Zimmer durchquert und kletterte auf Harrys Bett. Durch eine flüchtige Bewegung seines Zauberstabes schlossen sich die Vorhänge um die beiden Jungen.

„Silencio", sagte Draco leise, dann schlüpfte er zu Harry unter die Bettdecke.

„Will ich wissen, wie du hier rein gekommen bist?" fragte der Gryffindor trotz des Zaubers flüsternd.

Er konnte das Lächeln in der Stimme des Blonden hören, als dieser antwortete: „Nein, willst du nicht."

„Du hast doch wohl nicht jemanden verhext?" fragte Harry besorgt.

„Was denkst du denn von mir?" kam die entrüstete Antwort und noch bevor der Dunkle antworten konnte, fügte er hinzu: „Natürlich nicht."

Sanft fühlte Harry die Lippen seines Freundes auf den seinen. Kühle Hände gruben sich in sein Haar, während sich der Körper des Blonden an ihn drängte. „Konnte nicht schlafen", murmelte Draco in den Kuss. „Brauche dich."

Ohne etwas dagegen tun zu können, erwiderte Harry den Kuss. Verlangend knabberten seine Zähne an der Unterlippe des Slytherin, als seine Hände den Kopf des anderen fixierten.

Die Finger des Blonden wanderten über seinen Rücken, abwärts bis auf seinen Po. Dracos erwachende Härte rieb sich dabei gegen den Oberschenkel des Gryffindor.

„Wir können nicht", keuchte Harry, der fühlte, wie auch sein Verlangen wuchs. „Meine Freunde..."

„Du hast Recht", flüsterte Draco, seine Zunge leckte feucht über den Unterkiefer des anderen. „Auf keinen Fall..." Aber er machte keine Anstalten sich zurück zu ziehen. Stattdessen wanderte seine Hand verlangend unter das Shirt des Dunklen und streichelte sanft über dessen festen Oberkörper.

Harry erschauderte unter den Berührungen. Seine Brustwarzen zogen sich zu harten Knospen zusammen, die sich danach sehnten, von Draco berührt zu werden.

„So vermisst", hauchte der Blonde in das Ohr seine Freundes, als seine Hand langsam abwärts streichelte. „So einsam gewesen, ohne dich."

Der Dunkle schluckte schwer. „Nicht", murmelte er schwer beherrscht. „Wenn wir erwischt werden..." Doch er bog sich Dracos Händen entgegen, als dieser den Rand seiner Shorts erreichte.

„Schsch", machte der Slytherin leise. Sein Mund ließ den Protest verstummen, als seine Zunge verlangend in Harrys Mundhöhle stieß. Ihre Zungen fochten einen schweigenden Kampf über die Vorherrschaft, leckten und saugten aneinander, bis das Verlangen ins Unermessliche stieg.

Ein gepresstes Stöhnen entwich dem Dunklen, als Dracos kühle Hand sich um seinen halbsteifen Schaft schloss. Unwillkürlich streckte er ihm sein Becken entgegen. Sanft streichelten die Finger des Blonden über Harrys empfindliche Spitze, verrieben mit den Fingern die Feuchtigkeit, die aus ihr hervorquoll, während seine andere Hand weiter den Oberkörper des Gryffindor liebkoste.

„So lange darauf gewartet", flüsterte der Slytherin und seine Zunge spielte mit Harrys Ohr. „So sehr davon geträumt, das wieder mit dir zu tun."

Harrys war nicht fähig, irgendetwas zu erwidern. Seine Hände krallten sich fest in Dracos Morgenmantel, als dieser begann seinen Härte in einem langsamen Rhythmus zu pumpen. Wie ein Ertrinkender suchte er die Lippen des Blonden. Er musste sie küssen, immer wieder, um nicht laut zu stöhnen. Der Gryffindor wusste, der Zauber würde die Geräusche nicht nach draußen dringen lassen, aber dennoch war es ihm peinlich, sich hier völlig gehen zu lassen.

Trotzdem konnte er es nicht verhindern, zu keuchen, als die Bewegungen von Dracos Hand schneller wurden. Sein Becken zuckte automatisch, seine Schenkel öffneten und schlossen sich im Rhythmus der Bewegungen.

Seine Finger vergruben sich so fest in das Haar des Blonden, dass es sicher schon schmerzhaft war, aber es schien den Slytherin nur noch zu bestätigen, fester zu pumpen. „Draco", wimmerte er gepresst, als er fühlte, dass es nicht mehr lange dauern würde.

„Ja, babe, tue es", keuchte der andere Junge und rieb sich im Gleichklang der Bewegung seiner Hände fester am Oberschenkel des Dunklen. „Komm für mich."

Als hätte Harry nur diese Worte gebraucht, krampfte sich in diesem Moment alles in ihm zusammen. Überwältigt zog er Draco fest an sich, sein Unterleib schoss noch ein letztes Mal nach oben, als er sich mit einem lauten Stöhnen durch die zusammengepressten Zähne in die Hand des Blonden ergoss.

Wie Trommelfeuer jagte sein Puls in seinen Ohren und sein Körper zitterte wie Espenlaub.

„So gut", keuchte er noch außer Atem.

„So gut mit dir", bestätigte der Andere und küsste die bebenden Lippen. Als der Kuss schließlich endete, sahen sie sich in die Augen und es brauchte keine Worte, um die Gefühle zu beschreiben, die sie in diesem Moment teilten.

Dann war der Augenblick vorbei. Harry schloss erschöpft die Augen und lehnte seinen Kopf an Dracos Brust. Der beruhigende Klang des vertrauten Herzschlages machte ihn müde und er genoss es, die vertrauten Arme um seine Schulter und über seiner Taille zu fühlen.

Zärtlich kraulte Draco in den ewig verstrubbelten Haaren des anderen. Er merkte, wie sich Harrys Atem verlangsamte und sein Körper entspannte und es war gut so. Zwar war er nach wie vor erregt und er wusste, es würde für ihn jetzt keine Erleichterung geben, aber das war auch nicht wichtig. Er war wegen Harry gekommen. Sein Verlangen konnte warten.

Draco murmelte noch einen leisen Reinigungszauber, dann gab auch er sich der Müdigkeit hin. Es konnte kein besseres Gefühl geben, als so nebeneinander einzuschlafen.

XXXXXX

Ineinander verschlungen lagen die beiden Männer auf der Couch. Zufrieden legte Harry seinen Kopf an Dracos Brust und lauschte dem beruhigenden Herzschlag beinah so, wie er es damals in Hogwarts getan hatte. Der Blonde streichelte sanft über die schwarzen Haare, die jetzt zwar kürzer, aber deshalb nicht weniger strubbelig waren.

Wie bist du damals hinein gekommen?" fragte Harry in die angenehme Stille.

Du kannst es einfach nicht lassen, was?" lächelte Draco und fuhr mit dem Zeigefinger die blitzförmige Narbe auf Harrys Stirn nach.

Was dich angeht, bin ich einfach chronisch neugierig", gab der Dunkle zu und stütze sich auf die Ellenbogen, so dass er seinem Ehemann ins Gesicht sehen konnte. „Oder ist es so schlimm, dass du es mir nicht sagen willst?"

Der Blonde lachte leise. „Schlimm? Nein, eigentlich nicht. Hast du eine Ahnung, was ich unter dem Morgenrock an hatte?"

Harry blinzelte verwirrt. „Was hat das denn damit zu tun?"

Alles", erklärte der andere zwinkernd.

Keine Ahnung, Shorts vielleicht?" mutmaßte sein Gegenüber.

Nein", grinste Draco amüsiert. „Ich hatte gar nichts an. Und genau das hat die fette Dame auch zu sehen bekommen. Da war sie so geschockt, dass sie einfach zur Seite geschwungen ist."

Harry schüttelte grinsend den Kopf. „Du bist einfach unmöglich."

Der Blonde zuckte die Schultern. „Ich weiß."

Und genau deshalb liebe ich dich."

Das wusste ich auch."

Tbc...