File 1: stories/6/519.txt
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„Ich habe deinem Bruder übrigens gesagt, dass du ihm die Kontovollmacht besorgst.“ Logan nahm eine neue Karte auf.

 

„Du hast was?“ Dick sah ihn entsetzt und gleichzeitig empört an. Das Pokerspiel im weihnachtlich geschmückten Poolhaus der Casablancas war augenblicklich vergessen. Dicks Nachbar zur Rechten lugte bei der Gelegenheit in sein Blatt, ohne dass der es merkte.

 

„Ich habe Beaver gesagt, dass du machst, was er will“, wiederholte Logan entspannt. Er trank einen Schluck aus seinem Wodkaglas. Er erreichte gerade das Level, wo er sich ein wenig angenehm benommen fühlte.

 

„Scheiße, Dude.“ Dick war aufgesprungen. Seine Karten fielen achtlos auf den Tisch. Die anderen Mitspieler beschwerten sich, dass sie mittendrin waren und es um Geld ging. „Ich bin draußen“, erklärte Dick und schaute zu Logan hinüber. „Ich auch.“ Logan zuckte nonchalant mit den Schultern und folgte seinem Kumpel nach draußen. Er hatte eh ein schlechtes Blatt.

 

Bisher waren nur ein paar Partygäste im Pool, aber das würde sich ändern, sobald die Anzahl der 09er, die im Moment mit ihren Familie das Feiertagsessen zu sich nahmen, und der Alkoholpegel stieg.

 

„Ich dachte, du wolltest dich darum kümmern“, sagte Dick verärgert.

 

„Das habe ich. Es ist nur fair, wenn Beaver seinen Anteil vom Vermögen bekommt.“

 

„Fair?“, schnaubte Dick.

 

„Oder willst du, dass ich Vroni mit reinziehe? Nein, ich auch nicht. Außerdem glaube ich nicht, dass dein kleiner, harmloser, hühnerbrüstiger Bruder so gemein ist, wie er vorgibt zu sein. Gönn ihm den Sieg, es ist Weihnachten.“

 

Dick warf seine Faust in die Luft. Ein leiser Fluch kam zischend durch seine Zähne.

 

„Ochh, machst du jetzt Schluss mit mir, Dickie?“ Logan deutete eine Schmolllippe an.

 

„Wenn Beav nicht jede verfickte Kopie rausrückt, muss er Chlorwasser schlucken!“, drohte Dick. Kurz darauf fügte er hinzu: „Ach was, er bekommt sowieso Chlorwasser zu schmecken.“

 

~ * ~ * ~

 

Keine halbe Stunde später hockte Dick zu Füßen einer Blondine im Bikini, die es sich auf einer Liege gemütlich gemacht hatte. Er hatte beste Laune. Offensichtlich war das Zusammentreffen der Casablancas blendend verlaufen.

 

„Ich bin frei, verfügbar und reich“, erzählte Dick ungeniert und breitete seine Arme aus.

 

„Um dich ertragen zu können, hatte ich nicht genug hier von.“ Die Blondine hielt ihm ihr leeres Glas entgegen.

 

Dick nahm es ihr ab. „Wenn dem so ist, sorge ist für Nachschub. Ich verspreche dir, danach willst du einen Trip mit dem Dick-Mobile machen.“ Er zwinkerte ihr zu, als er aus der Hocke hochkam und zur Waikiki-Cocktailbar schlenderte.

 

„Keine Leiche im Pool. Hast du ihn im Haus erwürgt?“, stoppte Logan ihn.

 

„Heute ist Weihnachten. Friede und Liebe auf Erden.“ Pathetisch legte sich Dick die Hand aufs Herz, als würde er einen Treueschwur leisten. Dabei hatte er einen herzerweichenden Blick aufgelegt.

 

„Du bist nicht zufällig unter die Kiffer gegangen? Oder Härteres? Wie viele Finger siehst du?“

 

„Ich habe eingesehen, dass es die einzige Lösung des Problems war. Mir ist auch nichts Besseres eingefallen.“

 

„Gott, Dick, trink mehr Alkohol. Was du sagst, macht Sinn!“ Logan lachte, auch Dick grinste. Dann zog Logan die Augenbrauen amüsiert hoch und machte einen Vorschlag. „Beim nächsten Mal ziehen wir Beaver einfach mit rein, dann kann er uns nicht erpressen.“

 

„Haha. Sorry, nee. Ich muss weiter.“ Dick schüttelte das leere Glas. „Das Babe ist heiß. Wie vulkanisch heiß. Wie... autsch!“ Er schüttelte die Finger, als er sie sich verbrannt.

 

Logan sah ihm hinterher. Es ließ seinen Blick über die Leute schweifen. Mit keinem von denen wollte er reden. Er entschloss sich, nach drinnen zu gehen, vom Büffet zu essen und damit dem Alkohol in seinem Körper eine kleine Basis zu geben. Er hatte sich gerade ein paar Häppchen auf seinen Teller gefüllt, als sich eine Frau zu ihm gesellte.

 

„Veronica Mars. Mein Tag wird besser und besser“, begrüßte Logan sarkastisch seine Exfreundin.

 

„Freut mich auch, Logan Echolls.“

 

„Wo ist denn Duncan? Sag bloß, er hat dich allein in die Höhle des Löwens gelassen? Nein, warte, ich weiß, eine Mars hält so etwas nicht auf.“

 

„Der wurde von Connor entführt.“ Veronica neigte den Kopf. „Und wo ist dein Busenfreund?“

 

„Dick? Der ist im Moment mit jemand anderes Busen beschäftigt.“

 

Veronica sah ihn plötzlich ernst an. „Logan, ich bin froh, dass du dich wieder mit Duncan versöhnt hast. Du hast ihm gefehlt. Und ich weiß, dass es dir auch gut tut...“

 

„Hast du in letzter Zeit mit meinem Therapeuten gesprochen?“, erwiderte Logan spitz.

 

Bevor es ins peinlichen Schweigen ausartete, wurde ihre Aufmerksamkeit auf einen Typen im Weihnachtsmannkostüm mit passender Kopfbedeckung gelenkt. Der Weihnachtsmann stieg vor der breiten Fensterfront auf den Tisch und begann sich mit einer Flasche in einer und einem Glas in der andern Hand zu tanzen. Als er sich umdrehte, erkannten beide den blonden Typen unter der roten Mütze.

 

„Heilige Mutter aller...“ Logan lachte auf.

 

Gemeinsam ging er mit Veronica auf die Veranda. Die Show wollte er sich nicht entgehen lassen. Der DJ, den Dick engagiert hatte, drehte die Musik lauter und gab ihm einen derben Beat.

 

Dick bewegte die Hüften vor und rückwärts, während der Weihnachtsmantel langsam über seine Schultern nach unten rutschte. Die Mädchen johlten und auch einige von Dicks Kumpels ließen es sich nicht nehmen, ihn mit Pfiffen zu unterstützen.

 

„Wie viel hat er schon getrunken?“, fragte Veronica.

 

„Zwei Bier“, antwortete Logan.

 

„Drogen?“

 

„Bitte keine Unterstellungen.“

 

Dick johlte. Er nahm seine Mütze ab und wirbelte sie durch die Luft wie ein Lasso. „Wuuuuhuuu, yeah. Dick. Dick Casablancs, meine Damen. Meine Party! Keine Angst vor gar nichts!“ Er war die Mütze der Blondine seiner Wahl zu. Dann löste er den Knoten seines Gürtels und ließ die Enden fallen, wobei er jedoch den Mantel geschlossen hielt.

 

Logan hatte angefangen im Takt der Bässe zu klatschen.

 

„Oh Gott“, stöhnte Veronica, die ahnte, worauf das hinauslief, „Ich will’s nicht sehen.“

 

„Ronnie!“, rief Dick begeistert aus, als er sie durch ihren lauten Kommentar bemerkte, „Du bist gerade rechtzeitig gekommen.“ Er grinste sie breit an.

 

Veronica bedeckte ihre Augen. „Dick, bitte, dreh dich in eine andere Richtung. Dick, bitte!“ Dick kannte keine Schamgrenze, er konnte sogar ungeniert in der Schulpause über Masturbation reden.

 

"Gib es zu – Vroni, du wollest schon immer mal im Stehen pinkeln können", tönte Dick.

 

Veronica wandte sich deutlich zur Seite.

 

Dick ließ alle Hüllen fallen. Logan pfiff zwischen zwei Fingern. „Du kannst hinsehen, er hat etwas an“, amüsierte sich Logan. Veroncia warf einen kurzen Blick auf Dick. „Ooorrrhhhh“, stöhnte sie. Dick trug eine Socke á la Chili Peppers über seinem besten Stück.

 

„Dreh ich mich halt um“, erwiderte Dick und zeigte ihr seine blanke Kehrseite.

 

Veronica verdrehte die Augen. Der Partykönig stieg von seinem Tisch und ging zu der Blondine von vorhin, um ihr ihren Drink zu überreichen.

 

„Ich fange an, Weihnachten zu mögen“, meinte Logan verschwörerisch an Exfreundin gewandt. Er sah sie versunken an. Logan wünschte sich, sie würde sich besinnen, mit Duncan Schluss und ihm sagen, dass sie sich geirrt hatte und ihn immer noch liebte.

 

Stattdessen tauchte Duncan auf der Bildfläche auf und nahm Veronica in Beschlag. „Hey“, begrüßte Duncan sie und legte den Arm um ihre Taille. „Hi Logan.“

 

„Hi“, gab Logan lahm zurück, „Wie gefällt dir die Party?“

 

„Dick weiß, wie man Partys schmeißt.“

 

„Er hat keine Eltern, keine anwesenden, und die Kohle dafür“, meinte Veronica.

 

„Ich bin der Tango zu seinem Cash oder so ähnlich“, sagte Logan und beobachtete, dass Dick immer noch an der gleichen Blondine hin. Wahrscheinlich war er auf dem besten Weg, sie abzufüllen und einen Treffer zu landen.

 

„Hast du schon etwas gegessen?“, fragte Duncan seine Freundin.

 

„Eine ganze Ente mit meinem Dad.“

 

„Nachtisch passt immer“, erklärte Duncan und entführte sie zum Büffet.

 

Tbc