File 1: stories/6/520.txt
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Logan war definitiv betrunken. Er fragte sich gelangweilt, was er auf Dicks Weihnachtsparty machte. Ein paar Mal hatte er versucht zu flirten, aber nachdem er abgeblitzt war, hatte er aufgegeben. Eine Weile hatte Logan auf die langen Beine der verschiedenen Kellnerinnen in knappen Weihnachtskostümen geglotzt. Nun lag er ausgestreckt auf einer Liege am Pool, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, und starrte in die Sterne.

 

Er erkannte das Geräusch nicht sofort. Als Logan seinen Kopf senkte, entdeckte er die Bikergang, die um das Haus gefahren den Rasen zerpflügte und am anderen Ende des Pools hielt. Fünf Motorräder parkten imposant nebeneinander aufgereiht.

 

 

Thumper stieg mit einem filmreifen Schwung von seinem Motorrad.

 

Dick, der sich seinen roten Weihnachtsmannmantel fest gürtete, ging einige energische Schritte auf die Motorradgang zu. „Das ist eine Privatparty. Verschwindet!“

 

„Hey Surfer, ich glaube, der Weihnachtsmann hat sich verirrt, wir wollen nur unsere Geschenke abholen“, antwortete Thumper lautstark und grinste breit. Er schlenderte zu einem der Tische hinüber und schob sich ein Lachshäppchen in den Mund.

 

„Verpisst euch! Oder ich rufe die Polizei!“, warnte Dick.

 

„Ach ja?“, fragte Thumper, „Mit deiner Socke etwa?“

 

Dick, dessen Mantel sich unfreiwillig geöffnet hatte, stemmte die Hände in die Hüften. Bevor er etwas erwidern konnte, übernahm Logan die Führung.

 

„Jetzt ist die ganze Neptune-Familie hier. Was für eine Wiedervereinigung! Großartig, großartig! Ich beginne wirklich, Weihnachten zu mögen“, rief Logan über den Pool hinweg. Aus seinem Mund kam beißender Sarkasmus, seine Augen funkelten wütend. Er erinnerte sich nur allzu gut, dass diese Kerle ihm fast die Eier gegrillt hätten und er war deswegen immer noch verdammt angepisst.

 

„Oh, habe ich deinen Lover Surferboy beleidigt?“, spottete Thumper.

 

„Wirklich, Dick, wir hätten das schon lange publik machen müssen.“ Logan warf Dick einen Blick zu, den dieser mit einem ‚Was zur Hölle hast du vor?’-Blick quittierte.

 

Thumper gab seinen Jungs ein Zeichen, sich unter die Gäste zu mischen. Fast alle hatten das Eintreffen der PCH-Gang mitbekommen und gafften wie Unfallzeugen, was als nächstes passieren würde. Selbst der DJ hatte irgendwann mitbekommen, dass ungebetene Gäste eingetroffen waren und hatte die Musik leiser gedreht.

 

Logan zauberte unter den Augen aller eine Knarre hinter seinem Rücken hervor und spielte damit. Es war doch gut zu wissen, wo die Casablancas ihre Schusswaffen aufbewahrten. „Keiner bewegt sich“, sagte Logan entschlossen.

 

„Oder was? Machst du mich mit deiner Wasserpistole nass?“, erwiderte Thumper.

 

„Jack Bauer hat nur einen schlechten Tag. Ich habe ein schlechtes Jahr!“, brüllte Logan und peilte mit der Waffe Thumpers Kopf an.

 

„Logan, mach keinen Scheiß“, wisperte Veronica, die an seiner Seite aufgetaucht war.

 

„Was meinst du, wer schneller ist?“ Thumper war ebenfalls genauso wie die anderen Biker  bewaffnet. Einer nach dem anderen entblößte ihre Waffen.

 

„Ihr seid ja echt verrückt... Das gefällt mir!“ Logan grinste irrsinnig.

 

„Gib mir die Waffe, Logan“, bat Veronica vorsichtig.

 

Dick war zu ihm gekommen. „Hör auf Ronnie! Du triffst sowieso nicht. Du verletzt noch jemanden“, warnte er ihn zappelig. Waffen an sich machten ihn nicht nervös, aber diese Situation war wirklich gefährlich.

 

„Genau das habe ich vor“, erwiderte Logan grimmig.

 

Veronica hatte ihr Handy aus der Tasche geholt. „Ich rufe jetzt die Polizei.“ Sie wählte und wartete, dass die Notrufzentrale sich meldete. Thumper machte mit einem Kopfnicken seinen Mitgliedern deutlich, dass es Zeit war, zu verschwinden.

 

Logan zielte. „Es gibt Situationen im Leben eines Mannes, in denen er nicht zögern darf.“

 

Endlich hatte Veronica jemandem am Ohr und erzählte von der Belästigung durch ungebetene Gäste. Aber Logan war nicht bereit Thumper einfach so ziehen zu lassen. Bevor er schießen konnte, entriss Dick ihm die Waffe und stieß Logan von sich. Der stürzte ungehindert in den Pool.

 

Er feuerte einen Schuss über die blauen Weiten des beleuchteten Pools – und erwischte den Seitenspiegel Thumpers Motorrad. Die Gang verschwand mit einer kleinen Beute Essen und Alkohol, bevor es zu weiteren Ausschreitungen kommen konnte.

 

Duncan und Dick machten einen Hechtsprung ins Wasser. Logan spuckte Wasser, als sie mit ihm an die Oberfläche kamen. Weder wehrte er sich, noch half er ihnen. Veronica zog ihn auf die Veranda. Mit Alkohol in Magen und Blut sollte man auch nicht schwimmen gehen, schoss es Logan durch den Kopf. Eine Kellnerin ging neben ihm in die Knie. Ihre Strumpfhose bekam dabei eine lange Laufmasche. „Liebling, alles in Ordnung?“, fragte die Frau ernsthaft besorgt.

 

„Mam?“, flüsterte Logan kaum hörbar. Er halluzinierte. Chlorwasser brannte in seinen Augen. Er wischte sich einmal übers Gesicht, machte aber keine Anstalten aufzustehen. Er presste die Augen gegen die aufkommenden Tränen zusammen.

 

„Die Party ist für dich vorbei.“ Dick sah auf zu Duncan. „Bringen wir ihn ins Gästezimmer.“

 

Veronica fragte Dick nach Handtüchern. Der erzählte ihr, dass im Poolhaus ein ganzer Stapel bereit lag. Gemeinsam schleppten sie Logan ins Haus.

 

Die Party verlor sich, als die Polizei eintraf. Dick erstattete Sheriff Lamb frustriert Bericht, was passiert war. Es war gerade erst halb eins. Dick hatte eigentlich geplant, bis in den Morgengrauen zu feiern, stattdessen gab er den Kellnerinnen vorzeitig frei.

 

Beaver und er standen auf der Veranda. „Nur wir zwei, Bro“, sagte Dick und packte seinen Bruder mit einer Hand im Nacken, schließlich hatten sie noch eine Rechnung offen.