File 1: stories/1/524.txt
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Angel stapfte durch den Schnee und hielt nach einer Bar Ausschau. Er wusste selbst nicht, wieso er so wütend war. Der blonde Ski-Lehrer war eigentlich nett und höflich gewesen und es war Angel völlig egal, ob und mit wem Cordelia Ski fuhr, oder was auch immer sie sonst machte.

Vermutlich lag es daran, das ihm die Clique schon seit einiger Zeit auf die Nerven ging und er sich fragte, wieso er immer noch mit ihnen herumhing. Sie langweilten ihn, genauso wie ihn sein Leben immer mehr anödete. Angel- und die Leute mit denen er hier war, zählten zu den reichen Kindern von L.A. Okay, sie waren schon lange keine Kinder mehr, doch sie alle lebten nach wie vor von ihren großzügigen Vätern. Angel hatte sich zwar in der Universität eingeschrieben, aber dort glänzte er nur durch Abwesenheit, was seinen Vater dazu gebracht hatte, ihm ein Ultimatum zu stellen. Entweder Angel nahm sein Studium ernst und beendete es in der vorgeschriebenen Zeit, oder er musste in Papas Firma arbeiten und zwar von der Pieke auf.

Angel erinnerte sich mit Schaudern an den lautstarken Streit, den er deswegen mit seinem Vater gehabt hatte. „Was bildet sich der Alte überhaupt ein? Glaubt er ernsthaft ich stelle mich in einer seiner Läden und verkaufe Stoffe? Großhandel hin oder her, dazu habe ich wirklich keine Lust", grummelte Angel vor sich hin. „Ich bin der Sohn vom Boss. Entweder er holt mich in die Chefetage, oder er kann sich seinen Job sonst wohin schieben."

Gleich nach der Auseinandersetzung mit seinem Vater, war Angel in den Club gegangen, wo er auf seine Freunde traf und sie dazu verdonnerte mit ihm weg zu fahren. So waren sie im Jackson Hole gelandet. Dem einzigen Ski-Gebiet, das um diese Jahreszeit noch nicht ausgebucht gewesen war. Und Angel war es egal gewesen. Hauptsache er musste Weihnachten nicht mit seinem Vater verbringen. Selbst wenn seine Freunde zu den Feiertagen nach Hause fahren würden, Angel war entschlossen zu bleiben.

Angel fand endlich was er suchte und nachdem er sich einige Gläser Whisky genehmigt hatte, fühlte er sich besser und besser. Er wurde leutselig, quatschte mit ein paar anderen Touristen, flirtete mit einem von ihnen und so kam es, dass er ein paar Stunden später in einem fremden Hotelbett landete.

~*~

Spike parkte seinen Jeep vor dem Eingang der Teton Mountain Lodge. „Hoffentlich kommt die Tussi überhaupt. Kann gut sein, dass sie ihrem Schnösel-Freund nur eins auswischen wollte und sie legen jetzt versöhnt in der Kiste. Oder auch nicht", erkannte Spike, da er sah, wie der eben genannte Schnösel rasch die Straße entlang ging und auf den Hoteleingang zusteuerte. Er sah müde aus und ziemlich ramponiert, bemerkte Spike. Denn der Mann trug noch die gleiche Kleidung wie am Abend zuvor und seine Haare standen wirr vom Kopf ab. Offensichtlich fror er auch, denn er hatte die Schultern hochgezogen und die Hände tief in seinen Hosentaschen vergraben.

Spike stieg aus und stellte sich dem Mann in den Weg. „Lange Nacht gehabt? Das wird deiner Freundin nicht gefallen", konnte er sich nicht verkneifen zu sagen.

„Erstens geht dich das nichts an und zweitens, ist sie nicht meine Freundin. Und jetzt geh mir aus dem Weg, Blondie, bevor ich sauer werde." Wütend starrte Angel den Blonden an. Angel hatte schon bei ihrer ersten Begegnung mit Spike das Gefühl gehabt, dass sie an einander geraten würden. Der Blonde strahlte etwas aus, das Angel verunsicherte und dieses Gefühl mochte er so gar nicht. Doch Angel konnte nicht genau definieren, was ihn an dem Mann nervös machte. Wahrscheinlich ging er ihm einfach nur auf die Nerven.

„Dann hast du dich also anderweitig vergnügt. Nun, wie auch immer. Geht mich ja nichts an, wie du so schön knurrtest." Spikes Grinsen wurde größer und Angel wurde immer wütender. Gleichzeitig überlegte er, ob er dem Blonden einen Kinnhaken verpassen sollte. Wieso er aber auf dessen Mund starrte und sich fragte wie diese vollen Lippen sich anfühlten, ließ ihn vollends ausflippen. „Geh mir aus dem Weg, Kleiner. Sofort", zischte Angel drohend und machte einen Schritt auf Spike zu.

Spike bewegte sich keinen Zentimeter und verschränkt stur die Arme vor der Brust. Dieser Angel hatte etwas an sich, das Spike herausforderte. Es reizte ihn einfach, den Schnösel zu ärgern. Daher war es kein Wunder, dass er seinen Mund nicht halten konnte. „Aha, die Nacht war doch nicht so gut. Falsche Wahl, nehme ich an. Tja, so kanns kommen, wenn man sich für den Größten hält."

Schneller als Spike gucken konnte, hatte Angel ihn an den Aufschlägen seines Anoraks gepackt. „Ich sagte. Geh. Mir. Aus. Dem. Weg", knurrte Angel und schubste Spike zur Seite in den Schnee.

„Wie erbärmlich", rief Spike und rappelte sich auf. Er schätze seine Möglichkeiten ab und beschloss dann, dass es kein gutes Bild machen würde einen Touristen zu schlagen. Vor ein paar Jahren wäre ihm das egal gewesen und er hätte sich mit Freuden in den Kampf gestürzt, aber jetzt trug er die Verantwortung für Dawn. Kurz bedauerte er es, vernünftig sein zu müssen, aber zumindest wollte er seine Klappe nicht halten. „Verbal unfähig, also zuschlagen. Dabei tust du so vornehm und bist doch nichts weiter als ein armseliger Schlägertyp", stieß Spike daher verächtlich aus.

Spike bemerkte das betroffene Gesicht Angels und plötzlich fiel ihm auf, wie traurig dessen Augen waren. Doch der Moment war rasch vorüber, denn Angel erwiderte barsch: „Nein, das bin ich nicht, aber bei so einer Nervensäge wie dir flippt jeder aus. Daher, geh mir in Zukunft besser aus dem Weg."

„Vergiss es du Poofter. Das hier ist meine Stadt und..."

„Hallo Jungs, wie ich sehe, habt ihr euch angefreundet." Cordy kam mit ihrem schönsten Lächeln auf die Beiden zu und sagte, zu Spike gewandt: „Können wir los? Ich bin schon sehr gespannt, was du mir so alles beibringen wirst." Dabei klimperte sie mit ihren Wimpern und hakte sich bei Spike unter.

„Ich bin sicher, da wird mir so einiges einfallen", entgegnete Spike charmant, bedachte Angel noch mit einem dreckigen Grinsen und führte Cordy zu seinem Auto.

Angel konnte ein Knurren nur mühsam unterdrücken. Vor seinem geistigen Auge sah er wie sich seine Hände um Spike legten. Angel drückte langsam und genüsslich zu, und...wieso war es plötzlich Cordelias Gesicht, aus dem die Augen hervorquollen?

Erschrocken schüttelte Angel das Bild ab und beschloss, dass er dringend einen großen Pott Kaffee brauchte.

~*~

„Das reicht. Ich bin auf und auf voll mit diesem feinen Schnee." Cordy schüttelte sich und der Schnee fiel ganz leicht von ihr ab.

Spike lachte. „Das ist feinster Pulverschnee, Liebes. Den gibt es sonst nirgends und deswegen kommen die Leute hier her. Dabei ist diese Piste noch harmlos."

„Ich bin nicht wegen des Schnees hier. Ich bin ,.. ach, ich weiß auch nicht."

Spike betrachtete den Gesichtsausdruck Cordys, der verärgert und zugleich unglücklich wirkte.

„Dieser düstere Prinz macht dir wohl das Leben schwer. Vergiss den Kerl, er ist es nicht wert. Du kriegst einen Besseren als den."

„Düstere Prinz?". Cordy schaute Spike erst fragend an, dann lachte sie herzlich. „Du meinst Angel. So hat ihn noch niemand genannt, aber diese Bezeichnung ist treffend für ihn. Aber nein, ihn meine ich nicht. Es geht um Doyle. Ach, es ist alles so kompliziert, also lassen wir das Thema", erklärte sie seufzend.

„Komm Liebes, wir fahren jetzt zu Max. Der betreibt eine Hütte gleich hier in der Nähe. Er macht da so ein Getränkt aus seiner Heimat, das wird dich aufmuntern." Spike zwinkerte Cordy zu und gemeinsam glitten sie durch den Schnee, über eine kleine Anhöhe, hinter der eine Holzhütte stand. Weißer Rauch quoll dünn aus dem gemauerten Kamin und als sie schwungvoll vor der Hütte abbremsten, erkannte Cordy das warme Licht, das durch die Fenster schimmerte. Es sah gemütlich und anheimelnd aus. Sie schnallten ihre Skier ab und Spike lehnte die Bretter zum Abtropfen an die Wand. Dann betraten sie den einzigen Raum und Cordelia wunderte sich, dass sie sich sofort wohl fühlte.

„Bring uns bitte zwei Becher von deinem Glühwein, Max", bat Spike den Wirt, der nickte und Spike führte Cordy zu einem der derben Holztische.

Als das heiße Weingetränk vor ihnen stand, schnupperte Cordy daran und runzelte die Stirn. „Riecht eigenartig."

„Das kommt davon, dass du es nicht kennst. Probier einfach", forderte Spike sie auf und Cordelia kostete. Erst zog sie die Augenbrauen hoch, dann lächelte sie, bevor sie einen weiteren Schluck nahm. „Nicht übel." Weitere Schlucke folgten und ihre Wangen färbten sich, von dem heißen Alkohol.

„Vorsicht Liebes. Das Zeug ist stark und steigt schnell zu Kopf", warnte Spike grinsend.

„Und wenn schon." Cordy war nicht zu bremsen und nach dem dritten Becher erzählte sie Spike von ihrem Kummer. Nach dem Vierten konnte Spike kaum noch etwas verstehen von dem was sie sagte und seufzend überlegte er, wie er sie in diesem Zustand ins Hotel schaffen sollte.

Mit den Skier war das auf keinen Fall mehr möglich und auf diese Hütte kam man nur mit einer Pistenraupe. Allerdings hatte Spike keine Lust Cordy in diesem Zustand im Hotel abzuliefern.

Kurz dachte er nach und grinste, als ihm eine Idee kam. „Bin gleich wieder da", sagte er zu Cordy, die ihm daraufhin zuwinkte, kicherte und sich wieder ihrem Becher widmete.

Spike ging zu Max, redete kurz mit ihm und begab sich dann wieder zurück zum Tisch. „Gib mir mal dein Handy, Liebes", forderte er Cordelia auf. Sie schaute ihn verständnislos an und als er seinen Satz wiederholte, versuchte sie den Zip ihrer Anoraktasche zu öffnen. Nachdem ihr das nach einigen Versuchen nicht gelang, seufzte Spike und griff ein. Eine Minute später durchsuchte er das Telefonbuch ihres Handys. Nachdem er den Namen gefunden hatte, den er suchte, drückte er die entsprechende Taste um den Teilnehmer anzurufen.

~*~

„Kann ich euch noch etwas bringen?", fragte Tara mit einem schüchternen Blick auf Willow.

„Nein, danke. Aber ich würde mir gerne die Stadt ansehen. Kennst du jemanden der mich herumführen könnte?"

„Ja, so jemanden suche ich auch. Kannst du mir diesen blonden Kerl besorgen? Diesen Spike, na du weißt schon. Du kennst ihn sicher. In so einem Dorf kennt ja jeder jeden. Ruf ihn an und sorge dafür, dass er herkommt." Harmony schaute die Kellnerin auffordernd an, die geschockt zu Boden schaute. „Sp..Spike ist nicht so einer. Ich meine man kann ihn nicht mieten. Also schon, a... a... aber nur als Ski-Lehrer. E... er..."

„Lass den Blödsinn, Harmony. Wenn du dir einen Kerl aufreißen willst, dann mach das gefälligst alleine und lass Tara in Ruhe."

Harmony schaute ihre Freundin verwundert an. „So kenne ich dich gar nicht, Will. Sonst bist du immer still und freundlich. Was ist den auf einmal los mit dir?"

„Ich kann es einfach nicht leiden, wie ihr alle, du, Angel, oder Cordy, mit den Leuten umgeht. Das sind nicht eure Angestellten uns selbst wenn, so redet man mit niemanden, Harm", sagte Willow erbost und wandte sich dann mit einem Lächeln Tara zu. „Normaler Weise bin ich nicht so, aber manchmal geht es mit mir durch, wenn jemand ungerecht oder, ...oder eben so ist wie Harmony. Ignoriere sie einfach", erklärte Willow, über sich selbst erschrocken. Doch dann lächelte sie Tara wieder an. „Also, hättest du vielleicht Lust mir die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt zu zeigen? Ich suche auch einen Buchladen um einen Bildband von dieser Gegend zu kaufen."

„Ich.. ich.. müsste auch in den Buchladen, also, wenn du magst, kann ich dich hinführen. Ich habe heute Nachmittag frei und wenn du willst..."

„Gerne." Willow strahlte Tara an und die lächelte schüchtern zurück.

~*~

„Angel? Angel verdammt, mach auf." Doyle hämmerte an die Tür von Angels Hotelzimmer, aus der jetzt ein lautes Fluchen und gleich darauf ein Poltern kamen.

Wenig später öffnete Angel die Tür und Doyle musste bei dem Anblick, den sein Freund bot, laut lachen. Angel sah völlig fertig aus. Seine Haare standen in allen Richtungen ab und die Augen waren völlig verquollen. Seine Boxershorts saß mehr schlecht als Recht auf den Hüften und er trug nur an einem Fuß eine Socke. „Wenn du mit deinem dämlichen Gegackere fertig bist, dann komm auf den Punkt. Ich hoffe du hast einen guten Grund, denn sonst ist dein Leben keinen Cent mehr wert", knurrte Angel wütend.

Tbc..