File 1: stories/1/526.txt
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Die nächsten Tage verbrachte Angel fast ausschließlich auf den Pisten. Hin und wieder wurde er von den anderen begleitet, aber selbst Doyle und Xander konnten mit dem Tempo und der Besessenheit, die Angel an den Tag legte, nicht mithalten.

Cordelia und Hamony hatten sich schon nach dem ersten Tag ausgeklinkt und Willow beteiligte sich erst gar nicht an diesen verrückten Aktionen. Sie verbrachte nicht einmal mehr die Abende mit der Gruppe, da sie an einem Workshop teilnahm, zu dem ihre neue Freundin Tara sie animiert hatte.

Angel bekam das alles nur am Rande mit. Alles was ihn interessierte und was er wollte, war Ski zu fahren. Er konnte einfach nicht genug davon bekommen. Hier in Jackson Hole war das mit Abstand anspruchsvollste Ski-Gebiet der gesamten USA, das stand für Angel außer Frage.

Nirgends sonst gab es so herrlichen Pulverschnee und Schwierigkeitsgrade die wirklich allen Ansprüchen gerecht wurde.

Angel verdrängte den Gedanken, dass seine Freunde den übernächsten Tag nach Hause zurückkehren würden. Er selbst würde bleiben. Allerdings hatte er vor, das Hotel zu wechseln und in das kleine Hoteldorf Teton Village zu ziehen. Es lag etwa 15 Kilometer von Jackson Hole entfernt, dafür aber direkt an den Pisten, die Angel noch befahren wollte. So musste er sich nicht jeden Tag einen Wagen mieten. Morgen würde es daher das letzte Mal sein, dass er ein Auto brauchte, um nach Snowbird zu kommen um dort den berühmten Utah-Powder zu genießen. Trockener Pulverschnee, der einmalig auf der Welt war. Angel konnte es kaum erwarten.

Weder Xander noch Doyle würden morgen mitkommen. Aber das war Angel sehr recht, so würde er ungestört sein.

~*~

Angel stand am nächsten Tag auf dem Berg und schaute voller Vorfreude hinunter auf die weite, weiße Ebene, die sich unendlich vor ihm erstreckte. Angel war gleich nach Sonnenaufgang aufgebrochen, denn der jungfräuliche Schnee sollte ganz ihm gehören und wie er es sich gedacht hatte, war weit und breit niemand zu sehen.

Mehr als zufrieden darüber, überprüfte er, ob die Skibindung ordentlich eingerastet war. Dann zog er den Zipp seiner Anorakjacke ganz nach oben, setzte die Skibrille auf schlüpfte in die Handschuhe. „Auf geht's", murmelte er und setzte die Stöcke in den Schnee um sich abzustoßen.

„Na großartig. Da stehe ich extra so früh auf, um endlich mal Ruhe von den Touristen zu haben und was passiert? Natürlich krebst einer rum auf den ich jetzt wieder aufpassen muss."

„Spike." Erbost drehte Angel sich um, schob seine Skibrille hoch und schaute den Ski-Lehrer wütend an.

„Jepp, in voller Größe und Schönheit. Und ziemlich sauer. Was zur Hölle willst du alleine hier?"

„Ich wusste es. Wasserstoff verätzt das Gehirn. Was glaubst du was ich hier ALLEINE mache!", brüllte Angel unkontrolliert.

Spike zuckte ungerührt mit den Schultern. „Auf mich warten, was sonnst?"

„NEIN, verdammt noch mal. Die Betonung liegt auf ALLEINE! Also VERSCHWINDE!"

„Tja Kumpel, dann hat MEIN Wasserstoff wohl DEIN Hirn verätzt. Denn jeder Idiot weiß, dass man nicht alleine, die Betonung liegt auf alleine, so eine Abfahrt macht. Also sag Dankeschön Spike, dass du dich bereit erklärst auf mich auf zu passen."

Angel hatte in diesem Augenblick nur einen Wunsch, Spike sein dreckiges Grinsen aus dem Gesicht zu schlagen. Er knurrte wütend und riss sich die Handschuhe von den Händen. Dann warf er seine Skistöcke zur Seite und machte Anstalten seine Skier abzuschnallen, als Spikes leises Lachen Angel innehalten ließ.

„Das Lachen wird dir noch vergehen, wenn ich mit dir fertig bin", rief Angel wütend, doch Spike zuckte wieder mit den Schultern. „Du überschätzt dich und was noch schlimmer ist, du hast keine Fantasie. Alles was dir einfällt ist dich zu prügeln? Wie erbärmlich."

Spike wusste selbst nicht genau, warum er einer körperlichen Konfrontation mit Angel aus dem Weg ging. Denn eigentlich wich er einer netten Prügelei nie aus. Spike hatte einige Erfahrung was das Kämpfen betraf und war ziemlich sicher, mit dem größeren Mann fertig zu werden. Das Zauberwort hieß Wendigkeit, man musste schneller als der Andere sein und als Erster zuschlagen. All das waren Bedingungen, die Spike beherrschte. Trotzdem, Angel zur Weißglut zu treiben, machte einfach mehr Spaß, obwohl sie vermutlich irgendwann doch die Fäuste sprechen lassen würden.

„Okay, du Großmaul", sagte Angel plötzlich und hatte gleich wieder Spikes Aufmerksamkeit. „Ich kann auch anders, und das werde ich dir beweisen. Ich schlage dir ein Wettrennen vor. Das wirst du wohl kaum ablehnen, Super-Ski-Lehrer der du bist", entgegnete Angel sarkastisch.

„Bin dabei, Kumpel. Was ist der Preis?", wollte Spike wissen.

„Preis?"

„Jepp." Spike nickte heftig. „Für den Gewinner muss es doch eine Belohnung geben."

„Da stimme ich dir ausnahmsweise zu. Aber ich will großzügig sein. Du darfst morgen meinen Umzug ins Teton Village übernehmen", erklärte Angel überheblich.

„Träum weiter. Da ich gewinne, darfst du meinen Ski-Stall aufräumen und alle Skier wachsen. Los geht's." Spike rammte seien Skistöcke in den Schnee um sich Schwung zu geben und raste auch schon los.

„Hinterhältiger Bastard", rief Angel hinterher und flitzte Spike nach.

Hohe Fontänen feinsten Pulverschnees stoben um die Beiden, die in langen, eleganten Schwüngen den jungfräulichen Schnee durchpflügten. Die Zwei kämpften verbissen darum, die Führung zu übernehmen, doch keinem von beiden gelang es, länger vorne zu bleiben. Nach zwei Drittel der Strecke war immer noch nicht klar, wer als Sieger hervorgehen würde. Sie passierten gerade nebeneinander eine Kuppe, als sie schräg vor ihnen eine Person stehen sahen, die verzweifelt mit beiden Armen winkte und irgendetwas rief.

Ohne nachzudenken stoppten sowohl Spike als auch Angel ihre rasante Fahrt und kamen in einem großen Schwung zum Stehen.

„Da braucht anscheinend jemand Hilfe", erkannte Angel und Spike antwortete mit einem knappen: „Jepp."

Kaum bei der Person angekommen, die sich als Frau entpuppte, plapperte sie auch schon aufgeregt los. „Was für ein Glück, dass Sie vorbei gekommen sind. Mein Freund, er ist gestürzt, das Bein, er kann sich nicht mehr bewegen. Helfen Sie ihm. Bitte!"

„Bringen Sie uns hin", verlangte Angel. Die Frau nickte nur, wendete, und führe die zwei Männer zu einer kleinen Baumgruppe unter der ein Mann lag und leise wimmerte.

Spike stieg aus seinen Skiern und kniete sich zu dem Verletzten. „Wadenbeinbruch", stellte er gleich darauf fest und griff nach seinem Handy. „Kein Netz", brummte er, nachdem er sich ein paar Meter von der Baumgruppe entfernt hatte und herumgewandert war.

„Dann müssen wir wohl improvisieren", entgegnete Angel und Spike nickte, während er seine Jacke auszog. „Deine brauche ich auch und Ihre", wandte sich Spike an den Verletzen.

„Aber dann wird er erfrieren", protestierte die Frau sofort.

Angel merkte, dass die Frau kurz davor war durchzudrehen und wandte sich an sie, während er seinen Anorak auszog und Spike zuwarf. „Wie heißen Sie? Und wie ist das passiert?"

Sie schaute Angel irritiert an, antwortete jedoch: „Anne, mein Name ist Anne und das ist mein Freund Riley. Wir sind..."

Spike war wirklich froh, dass Angel sofort kapiert hatte und Anne ablenkte. Er konnte jetzt keine hysterische Frau gebrauchen, die ihn von seiner Arbeit abhielt, denn es war wichtig, rasch zu handeln. Der Mann war schon unterkühlt und sie mussten ihn rasch ins Tal bringen.

Spike hörte, wie Angel beruhigend auf die Frau einredete, ihr erklärte, dass Spike wisse was er tut, was Spike kurz aus dem Konzept brachte, denn mit allem hatte er gerechnet, nur nicht mit einem Lob von Angel.

Das Wimmern Rileys brachte Spike wieder dazu sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Er verband durch die Zipps die Anoraks miteinander und zog seine Skistöcke durch zwei der Ärmel. Dasselbe machte er auch mit Rileys Sachen. Als er damit fertig war, fragte er Angel: „Schon mal einen Akia gefahren?"

Der schüttelte den Kopf. „Nein. Aber alles macht man das erste Mal. Was muss ich tun?"

„Es ist nur ein Provisorium das ich gebastelt habe, daher müssen wir langsam und vorsichtig fahren. Aber erst brauchen wir noch eine Schiene, für das Bein."

Mit einem Ski Rileys ging Spike zu einem starken Baum und schlug den Ski dagegen. Er krachte zwar, brach aber, trotz mehrmaligen Zuschlagens nicht. Spike schnaubte wütend und holte erneut aus. Wieder nichts.

„Lass mich mal", verlangte Angel und nahm Spike den Ski aus der Hand. Angel holte Schwung und mit einem lauten Krachen brach der Ski entzwei. „So macht man das", erklärte Angel grinsend.

„Pha, das war leicht, schließlich habe ich die ganze Vorarbeit geleistet", gab Spike maulend zurück.

Weiterhin grinsend reichte Angel Spike das Stück ohne Bindung. „Spar dir deine Ausreden und schiene besser das Bein."

Spike murmelte etwas in seinen nicht vorhandenen Bart und machte sich an die Arbeit. Dann holte Spike eine Rettungsdecke aus seiner Gürteltasche, wickelte Riley damit ein und mit Angels Hilfe hievten sie den Verletzten in den gebastelten Akia. Rasch erklärte Spike Angel was er zu tun hatte, gab Anne Anweisung langsam hinterher zu fahren und der Abtransport begann.

Angel kapierte rasch wie er sich verhalten musste, und passte sich perfekt Spikes Fahrstil an. So kamen sie gut voran und nach zwei Kilometern versuchte Spike noch mal Verbindung mit seinem Handy zu kriegen. Es klappte. „Die Rettungsmannschaft wird schon warten, wenn wir unten sind. Übrigens, gute Arbeit", sagte Spike anerkennend an Angel gewandt.

Angel war außer Stande etwas zu erwidern. Für Arbeit war er noch nie gelobt worden. 'Kommt vielleicht daher, dass ich noch nie gearbeitet habe', dachte Angel erkennend. Doch bevor er weiter darüber nachdenken konnte, riss ihn Spike mit einem „Weiter", aus seinen Gedanken.

~*~

Dawn gehörte als freiwillige Helferin zum Rettungsteam. Für sie war es eine gute Übung, da sie später einmal Ärztin werden wollte. Allerdings war sie mit dem eigenen Auto gekommen, damit Spike gleich nach Hause fahren konnte.

Nachdem Riley notversorgt worden war und er, sowie Anne, im Rettungswagen weggebracht worden waren, wandte Dawn sich an Spike und Angel. „Ihr seid total durchgefroren. Das habe ich mir schon gedacht und schon mal die Sauna aufgeheizt. Ich bin übrigens Dawn, Spikes Schwester", erklärte sie, an Angel gewandt.

„Adoptiert, nehme ich an. Du kannst unmöglich mit Mr. Peroxyd Bluts verwandt sein." Angel lächelte charmant und schüttelte Dawn die Hand.

Dawn runzelte die Stirn und sah zu Angel hoch. „Pass auf was du sagst, denn ich kann es nicht leiden, wenn jemand abfällig über meinen Bruder redet. Daher habe ich kein Problem damit, wenn du dir was abfrierst, weil ich dich hier zurück lasse."

„Kein Grund sich gleich aufzuregen nur weil ich einen Witz gemacht habe." Angel hob abwehrend die Hände.

„Ich mag keine Witze auf Kosten meines Bruders", stellte Dawn klar. „Und jetzt los, einsteigen."

„Meine Güte, die Pratt-Familie ist aber schnell auf die Palme zu bringen", murmelte Angel noch leise und setzte sich in das Auto. Er war müde nach der anstrengenden Abfahrt und hatte keine Lust sich noch herumzustreiten.

Spike lachte belustigt und stieg ebenfalls ein. Die Fahrt verlief wortlos und als Dawn vor ihrem Haus hielt, mussten sie Angel aufwecken.

„Was?" Erschrocken riss Angel die Augen auf und schaute in das grinsende Gesicht Spikes. „Doch nicht der so harte Kerl, der du vorgibst zu sein. Komm schon, aussteigen. Wir sind da."

„Ich sollte besser in mein Hotel", brummte Angel während er sich steif aus dem Auto schälte. Er war verärgert über sich selbst, weil er einfach so eingeschlafen war und auf Spike, weil er...ja wieso eigentlich?

„Bullshit. Du bist über eine Stunde nur mit dem dünnen Pullover in der Kälte gefahren. Wenn du keine Erkältung bekommen willst, tust du was ich dir sage. Also stell dich nicht so an und komm mit", verlangte Spike.

Angel überlegte nicht lange. Das letzte was er wollte, war seinen Urlaub im Bett zu verbringen. Daher folgte er Spike, der ihn ins Haus führte. Dort zogen sie auf Anweisung Dawns die Ski-Schuhe aus und begaben sich in den Keller.

„Handtücher, Bademäntel, Duschgel. Nimm dir was du brauchst", sagte Spike und öffnete einen Schrank. „Die Dusche ist rechts von der Saunakabine. Mach es dir schon mal gemütlich. Ich bin gleich zurück."

Erst jetzt bemerkte Angel wie kalt ihm war und er schlüpfte rasch aus seinen Kleidern. Kurz inspizierte er die verschiedenen Duschgels in dem Regal, entschied sich für einen Zitrusduft, nahm ein großes Badetuch an sich und begab sich dann in die Duschkabine.

Das heiße Wasser war sehr wohltuend und als er sich gewaschen hatte, musste er sich überwinden die Dusche zu verlassen. Doch die Aussicht, sich in der heißen Sauna so richtig aufzuwärmen, erleichterte seine Entscheidung. Daher drehte er das Wasser ab und schlang er sich das Badetuch um die Hüften.

Als er die Saunakabine betrat, saß Spike schon auf der obersten Stufe, den Aufgussbottich in der Hand. „Na endlich. Das hat ja gedauert", sagte er, stand auf und goss mit einem Schöpflöffel das angereicherte Wasser über die heißen Steine. Beißender Dampf stieg auf und Angel schnappte kräftig nach Luft, um gleich darauf heftig zu husten. „Was, zur Hölle, ist das?"

Keuchend ließ Angel sich auf der untersten Stufe nieder.

„Schnapsaufguss", erklärte Spike lachend. „Der tötet jeden Virus ab."

„Ja und uns vermutlich gleich mit", murmelte Angel und lehnte sich zurück.

„Entspann dich. Das reicht nicht mal für einen ordentlichen Rausch." Spike begab sich wieder auf die oberste Stufe und legte sich hin.

Angel schielte so unauffällig wie möglich nach oben um Spike, der die Augen geschlossen hatte, zu betrachten. Schon als Angel die Sauna betreten hatte, war ihm aufgefallen, was für einen wohl proportioniert Körper. Spike hatte. Plötzlich bedauerte Angel, dass sie Handtücher um die Hüften trugen. Er hätte gerne alles von Spike gesehen. Stellte sich vor, wie es sich an fühlte, mit den Händen über die Rippenbögen zu streichen, hinunter zu der Stelle, wo sie sich verjüngten. Angel fragte sich, wie Spike reagieren würde, wenn Angel seine Zunge in den Bauchnabel tauchen würde und wie Spikes Stöhnen klingen würde, wenn er, Angel, tiefer ging, das Handtuch entfernte und..."

Tbc..