File 1: stories/1/529.txt
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Angel stellte seine Ski in die Halterung und griff dann in seine Jackentasche. Spike verstand es offensichtlich die Leute auszunehmen, denn die Summe, die Angel in der Hand hielt war auf jeden Fall zu hoch für eine Unterrichtsstunde. Angels Wut auf Spike steigerte sich dadurch noch. Nicht weil Spike Mrs. Fletcher eine hübsche Summe für den Unterricht abnahm, von der Angel nichts hatte, sondern weil Spike Angel diesen hoffnungslosen Fall untergejubelt hatte.

„Natürlich, was habe ich erwartet. Es war klar, dass er meine Notsituation ausnützen würde. Noch ein Grund es durchzuziehen. Weder Spike noch mein Vater werden mich klein kriegen."

Mit grimmiger Entschlossenheit betrat Angel den kleinen Geschäftsraum der Schule und ging zum Tresen, hinter dem Dawn saß und offensichtlich lernte. Angel fasste in die Tasche und legte das Geld, das er von Mrs. Fletcher bekommen hatte auf das Pult.

Dawn runzelte erst die Stirn, dann grinste sie. „Du scheinst da was missverstanden zu haben. Du musst nicht fürs Unterrichten bezahlen, du wirst dafür bezahlt."

„Was du nicht sagst", entgegnete Angel mürrisch. „Das ist von Mrs. Fletcher. Sie hat die Stunde bezahlt."

Dawn schüttelte den Kopf. „Wieder falsch. Die Kurse werden im voraus bezahlt. Alles was du von deinen Schülern bekommst ist dein Trinkgeld. Aber erwarte von den anderen nicht so viel. Nur Mrs. Fletcher ist so großzügig."

„Trinkgeld", murmelte Angel und langsam dämmerte es ihm. Natürlich, wieso hatte er daran nicht gedacht? Schließlich hatte er für Dienstleistungen auch immer reichlich Trinkgeld gegeben. Da er nun ebenfalls Dienstleister war, musste er sich erst an die umgekehrte Situation gewöhnen. 'Es fühlt sich... eigenartig an', dachte Angel. 'Aber nicht so unangenehm wie ich befürchtet habe. Eigenes Geld zu verdienen fühlt sich eigentlich... gut an', stellte Angel erstaunt fest. Gleichzeitig fragte er sich, wieso Spike seine potentiellste Schülerin an ihn, Angel, abgetreten hatte. Lag es nur daran, dass sie sehr anstrengend war, oder steckte da mehr dahinter?

„Wie ging's dir mit Fletcher? Ich weiß, sie lernt es nie und ist nervig, aber das Geld stimmt und Spike dachte, du könntest den Mammon gut gebrauchen." Dawn zuckte plötzlich zusammen und schaute Angel geschockt an. „Ups, das hätte ich nicht verraten dürfen. Bitte sag ihm bloß nichts, sonst macht er mich einen Kopf kürzer."

Angel nickte automatisch und war verwirrt. Wieso tat Spike das? Angel wusste nun überhaupt nicht mehr, wie er das Verhalten seines derzeitigen Bosses einordnen sollte. 'Wir mögen uns wirklich nicht besonders. So ist es doch, oder? Okay, sooo unsympathisch ist er mir auch wieder nicht. Aber was mich irritiert, warum macht er das alles? Gibt mir einen Job und dann auch noch die großzügigste Schülerin.' Angel überlegte hin und her, dann kam ihm die Erkenntnis. 'Klar doch. So steht er vor seiner Schwester und den beiden anderen Mädels gut da. Und je mehr ich verdiene umso schneller ist er mich los. So schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe', dachte Angel und wunderte sich, wieso ihn das plötzlich traurig stimmte.

Doch Angel wurde abgelenkt, denn Spike und die anderen Skilehrer trafen nach und nach ein, begrüßten Angel und behandelten ihn so, als würde er immer schon zu ihnen gehören.

Für Angel war diese Art Gemeinschaft unbekannt, aber er fühlte sich wohl in dieser Runde.

„Wo wohnst du?", wollte Faith, eine hübsche, braunhaarige, geradeheraus wissen.

„Im Teton Mountain Lodge", entgegnete Angel und Faith zog die Augenbrauen hoch. „Wenn du dir den Schuppen leisten kannst, wieso arbeitest du dann als Skilehrer?"

„Ist nur vorübergehend, bis ich was anderes gefunden habe", antwortete Angel schnell und gleichzeitig wurde ihm bewusst, dass er wirklich eine andere Bleibe brauchte. Das Geld, das er als Skilehrer verdiente, würde nicht einmal für die Hotelrechnung reichen, vom Essen ganz zu schweigen.

„Du kannst bei uns wohnen. Ich wäre sogar froh darüber. Bald bin ich weg und dann ist Spike nicht alleine im Haus, wenn du einziehst."

„Dawn, was soll das? Ich kann gut alleine wohnen", knurrte Spike seine Schwester an und warf gleichzeitig einen bösen Blick in die Runde seiner kichernden Freunde.

„Schon gut, ich finde schon etwas. Aber danke, Dawn", brummte Angel. Er kam sich blöd vor und stellte fest, fast kein Geld mehr zu haben war unangenehmer, als er gedacht hatte.

„Unsinn, wir haben Platz, also hol später deinen Krempel. Jetzt wieder an die Arbeit Leute", befahl Dawn.

„Ich dachte du bist der Boss, Spike." Gunn klopfte Spike lachend auf die Schulter und der erwiderte mürrisch. „Nur auf dem Papier, wie es aussieht."

~*~

Am Abend zog Angel mit seinen Koffern in das Pratt-Haus. Spike hatte Angel das Zimmer im Dachgeschoss zugewiesen und Angel fluchte über die schrägen Wände und die niederen Türzargen, an denen er sich andauernd den Kopf anstieß. Nun saß er auf dem Bett und grübelte vor sich hin. Hauptsächlich über Spike.

„Dieser hinterhältige Bastard. War ja zu erwarten, dass er mich in das kleinste Loch steckt, das dieses Haus hat. Dieser blonde Teufel will mich fertig machen. Aber da hat er sich geschnitten. Ich bin stärker. Er wird mich nicht unterkriegen, genauso wenig wie mein Vater. Das hier, der Job und alles, sind nur Übergangslösungen bis ich weiß was ich in Zukunft machen werde.

Angel hatte im Grunde keine Ahnung, wie seine Zukunft aussehen würde. Er wusste nur eines ganz genau, er wollte auf eigenen Beinen stehen, auch wenn der Weg noch so hart sein würde.

Doch im Augenblick war er einfach nur müde. All die neuen Eindrücke und die für ihn ungewöhnlichen Arbeiten, hatten ihn geschafft. Daher dauerte es nicht lange, bis er eingeschlafen war.

~*~

„Hey Faulpelz, aufstehen. Du hast 20 Minuten."

Angel schlug erschrocken die Augen auf und sah gerade noch, wie Spike das Zimmer verließ.

Angel brauchte einen Augenblick um sich zu orientieren, gleichzeitig tastete er mit den Fingerspitzen übe seine Wange. „Spike, er hat mich berührt und... Unsinn, ich habe geträumt. Ich habe von Spike geträumt!" Völlig geschockt saß Angel plötzlich kerzengerade im Bett und starrte mit weit aufgerissenen Augen vor sich hin.

„15 Minuten", brüllte Spike und Angel schnaufte genervt. Dann schälte er sich aber, jeden Gedanken seines Traums verdrängend, aus de Decke und schleppte sich müde in das winzige Badezimmer. Für Angel in Rekordzeit, duschte er, putzte sich die Zähne und zog sich an, bevor er zur Tür stolperte.

„Pass auf, die Tür--"

„Aua!", hörte Spike Angel auch schon.

„--zarge", vollendete Spike das Wort grinsend und nippte an seinem Kaffee.

Sich die Stirn reibend schlurfte Angel in die Küche und verlangte herrisch. „Frühstück!"

„Aber sicher doch. Was darf es denn sein? Spiegeleier, kross gebratener Speck, Croissants und selbst gemachte Edbeermarmelade? Hallo? Was glaubst du Morgenmuffel, wo du hier bist? Das hier ist das reale Leben. Wenn du etwas willst, dann mach es dir gefälligst selbst. Und um eines gleich mal klar zu stellen. Wohnen kannst du hier umsonst, aber für alles andere wirst du genauso deinen Beitrag leisten wie wir. Jetzt komm in die Hufe, die Arbeit wartet."

Spike stapfte wütend hinaus und Angel schaute zornig hinterher. Kurz überlegte er alles hinzuschmeißen, doch dann tauchte das Gesicht seines Vaters vor seinem geistigen Auge auf. Er lachte selbstgefällig und Angel hörte ihn sagen. „Ich wusste es gleich, du bist nicht fähig dein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ohne mich kannst du nicht existieren. Sieh es doch ein."

Angel lachte grimmig. „Das hättest du wohl gerne. Niemals!"

„Was zur Hölle brabbelst du da? Willst du deinen Job nun behalten, oder nicht?", hörte Angel Spike aus dem Flur rufen.

Angel zuckte erschrocken zusammen. Es war ihm nicht bewusst gewesen, dass er laut mit seinem nicht vorhandenen Vater gesprochen hatte. 'Mist, ich MACH  mich noch total zum Trottel und das ausgerechnet bei Spike', dachte er zornig, bevor er ungehalten rief. „Sicher will ich, aber einen Kaffee werde ich wohl noch trinken dürfen."

~*~

Angel hatte gleich am Morgen wieder Mrs. Fletcher als Schülerin und trotz des hohen Trinkgeldes war er ziemlich fertig, als er kurz vor Mittag die Lobby der Skischule betrat.

„Du hast noch eine Gruppe um zwei Uhr. Fortgeschrittenenkurs, acht Leute", erklärte Dawn und stellte Angel eine Tasse dampfenden Kaffee und zwei Croissants auf den Tresen.

Verwundert hob Angel die Augenbrauen, dann lächelte er. „Danke, sehr nett von dir."

„Ist nicht von mir. Spike hat sie geholt. Tut er sehr selten und ich habe keine Ahnung wie wir heute zu dieser Ehre kommen." Dawn grinste und nahm sich ebenfalls eines der köstlichen Hörnchen.

'Kann es sein, dass Spike meinetwegen...? Sicher Angel, träum nur weiter', dachte Angel und schüttelte den Kopf über sich selbst.

~*~

„Wie geht es Angel?" Willow saß mit Dawn in einem kleinen Cafe. Sie warteten auf Tara um mit ihr gemeinsam die Weihnachtsfeier zu planen.

„Frag mich besser wie es Spike geht. Seit Angel bei uns eingezogen ist, benimmt sich mein lieber Bruder echt eigenartig." Dawn kicherte und zog an ihrem Strohalm, bevor sie weiter sprach. „Er hat Angel sein geliebtes Dachzimmer überlassen und heute gab's Croissants. Ich bekam sogar den Auftrag mindestens zwei davon für Angel zu reservieren. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, er führt sich auf wie eine Glucke, die auf ihr Junges aufpasst. Und er benutzt Eau de Toilette."

„Oh, du denkst also dein Bruder hat Interesse an Angel? Das wäre vielleicht gut für ihn", überlegte Willow.

Dawn runzelte die Stirn. „Die Frage ist nur, ist Angel auch gut für Spike? Dass Angel Männer mag, weiß ich, weil ich ihn gesehen habe. Am Tag eurer Ankunft in Jackson bin ich abends noch mal ins Magic, weil ich die Abrechnung dort vergessen hatte. Auf dem Rückweg nach Hause, sah ich Angel mit einem Mann in einem Hotel verschwinden und es war nicht das in dem er wohnte."

„Ja", erwiderte Willow. „Angel nimmt es mit seinen Bettgeschichten nicht so genau. Bisher zumindest. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass sich das ändert, wenn er den Richtigen trifft. Angel verheimlicht, dass er schwul ist. Ich weiß es nur von Xander. Er und ich sind die besten Freunde, schon seit dem Kindergarten. Wie auch immer, zurück zu Angel. Alle unsere Freunde denken, er hat ein tolles Leben, aber so ist es nicht. Sein Vater ist ein Despot und will Angel völlig unter Kontrolle haben.

Angel rebelliert natürlich dagegen. Ich denke mal, dass er deswegen oft so unausstehlich ist und auch aus diesem Grund sein wahres Ich verheimlicht. Vielleicht hat er jetzt endlich die Nase voll davon, sich zu verstellen und ist nun bereit, so zu leben wie er es sich vorstellt. Ich würde ihm wünschen, dass es ihm gelingt. Manchmal ist er nämlich richtig nett und hilfsbereit."

„Möglich, dass du recht hast. Aber wenn er Spike weh tut, wird er bereuen jemals nach Jackson Hole gekommen zu sein", entgegnete Dawn grimmig.

~*~

Spike starrte in die Ferne. „Ich bin ein Idiot. Wann ist das überhaupt passiert? Und außerdem, er wird ohnehin nicht bleiben und selbst wenn, mich will er sicher nicht. Shit. Es ist echt besser, wenn er sich bald vom Acker macht, sonst drehe ich noch durch. Ich träume schon von ihm, wie erbärmlich ist das. Verfluchte Hölle, ich habe keine Ahnung, was ich tun soll. Blöder Schnösel. Alles seine Schuld." Spike fluchte noch eine Weile vor sich hin, dann rammte er seine Skistöcke in den Schnee, stieß sich ab und jagte in einem Höllentempo über die Piste, um so seinen Frust abzubauen.

~*~

Angel strich das T-Shit glatt und faltete es so, wie Dawn es ihm gezeigt hat. Er hatte in den paar Tagen viel gelernt. Angel hatte erkennen müssen, dass er von dem, was man „normales" Leben nennt, kaum Ahnung hatte und die Umstellung fiel ihm schwer. Alles selbst machen zu müssen, war ermüdend. Doch gleichzeitig erfüllte es Angel mit Stolz, nach und nach immer selbstständiger zu werden.

Erst war er wütend gewesen, als Dawn und Spike verlangten, dass er, Angel seine Pflichten im Haushalt beizutragen habe. Einer der Gründe war gewesen, dass Angel nicht wusste, wie eine Waschmaschine, oder ein Staubsauger funktionierte. Das war kein Wunder. Sein einziger Job bisher war es gewesen Sohn zu sein. Es war ihm mehr als peinlich gewesen, vor Dawn und vor allem vor Spike zugeben zu müssen, nichts von dem zu können, was für diese Menschen völlig normale Arbeiten waren. Doch zu Angels Verwunderung, verspotteten ihn die Geschwister nicht deswegen, sondern zeigten und erklärten ihm alles ganz selbstverständlich.

Natürlich fiel es Angel sehr schwer auf all die Annehmlichkeiten zu verzichten, die er gewohnt war.

Aber Jackson Hole war ein guter Ort für einen Neustart. Angel mochte die Leute und zu seiner Verwunderung, machte ihm die Arbeit immer größeren Spaß.

'Spike', Angel dachte über seinen Boss nach, wie schon so oft in den letzten Tagen. 'Er benimmt sich mir gegenüber jetzt anders. Nicht freundlicher, oh nein, eher das Gegenteil. Er ist mürrischer denn je. Doch anstatt mich anzumotzen, verschwindet er, sobald ich auftauche. Manchmal schaut er mich auch so eigenartig an und er beobachtet mich, wenn er denkt ich sehe es nicht.

Er kann mich vermutlich immer weniger leiden und das Schlimme dabei ist, dass ich wünschte, es wäre anders. Aber was habe ich erwartet? So wie ich ihn anfangs behandelt habe, wundert es mich immer noch, dass er mir nicht nur einen Job gegeben hat, sondern mich auch noch bei sich wohnen lässt. Wobei diese ...Kammer wirklich unter jeder Kritik ist. Aber zumindest hat sie ein eigenes Bad und auch die Balkon ist toll. Die Aussicht ist fantastisch und im Sommer muss es herrlich sein draußen zu sitzen.'

Angel nahm das nächste Shirt aus dem Korb und schüttelte es aus. Er bemerkte, dass es sich um eines von Spike handelte, das sich unter Angels Wäsche geschlichen hatte. Angels Blick verklärte sich und er drückte das Shirt in sein Gesicht.

~*~

Mr. Galway stieg aus dem Taxi und zog die Schultern hoch. Wind war aufgekommen und dichtes Schneetreiben. Mr. Gallway spürte jeden Knochen. Er schnaubte ungehalten und betrachtete das Schild mit der Aufschrift *Magic Ski*.

„Hier also ist mein Sohn gestrandet. Tiefer kann man wohl nicht sinken. So wie er auch. Dachte mein Herr Sohn ich finde ihn nicht? Er müsste mich besser kennen. Wozu gibt es Kreditkartenabrechnungen." Entschlossen ging Angels Vater auf den Laden zu und trat ein.

Sogleich wurde er von einem blonden Mann begrüßt, der sich als William Pratt vorstellte.

„Ich will mit Angel sprechen. Sofort", verlangte Mr. Galway, ohne Spike noch weiter zu Wort kommen zu lassen.

Spike wurde sofort misstrauisch. Außerdem kam ihm der Ton dieses ungehobelten Klotzes irgendwie bekannt vor. „Was wollen Sie von Angel?"

„Das geht Sie nichts an. Also? Wo ist er?", entgegnete der Mann rüde.

In dem Augenblick wusste Spike an wen der Mann, in seinem edlen Outfit, ihn erinnerte. An...

„Angel, da bist du ja endlich."

„Jepp, genau an diese Person dachte ich", brummte Spike, als Angel genau in diesem Moment in Begleitung von Gunn den Laden betrat.

„Vater." Angel erstarrte und sein Gesicht war urplötzlich vor Schock gezeichnet.

„Erstaunlich, dass du mich noch erkennst. Und jetzt, pack auf der Stelle deine Sachen und mach Schluss mit dem ganzen Unsinn. Du kommst sofort mit nach Hause."

Dieser Befehlston war es, der Angel aus seiner Starre riss. „Nein. Ich gehe nirgendwo mit dir hin. Ich weiß nicht, wie du mich gefunden hast und es ist mir auch egal. Du hast den Weg jedenfalls umsonst gemacht, denn ich bleibe hier. Ich bin genau da, wo ich sein will. Daher gehst du am Besten gleich wieder."

„Treib es nicht zu weit Junge. Solltest du bei deiner Meinung bleiben, werde ich dich enterben", grollte Angels Vater, doch Angel lächelte nur spöttisch. „Ob du es glaubst oder nicht, das ist mir völlig egal. Und um dir deine Entscheidung noch leichter zu machen, bekommst du eine weitere Information. Ich bin schwul. Darf ich also vorstellen", Angel trat zu Spike, legte den Arm um ihn und küsste Spike so plötzlich, dass der zu keiner Reaktion fähig war. „Das ist mein Freund Spike, mit dem ich Tisch und Bett teile. Jetzt entschuldige uns bitte, wir haben noch etwas vor. Du findest selbst hinaus." Angel packte Spike bei der Hand und zog ihn hinter sich her, aus dem Laden. Erst als sie das Haus umrundet hatten, ließ Angel Spikes Hand los. Dann atmete er tief durch und lachte plötzlich befreiend. „Das war Kino-reif", kicherte Angel, nachdem er seinen Lachanfall überwunden hatte. „Hast du sein Gesicht gesehen, als ich behauptet habe, du bist mein Freund? Ich hätte zu gerne ein Foto von dem Gesichtsausdruck meines Erzeugers, als ich dich geküsst habe. Sicher hat er geschaut wie..."

Den Kinnhaken, den Spike Angel verpasste, war so heftig, dass Angel rücklings in den Schnee fiel. „Du bist ein verdammter Bastard", presste Spike wütend hervor, dann stürmte er davon.

Erschrocken schaute Angel Spike nach, während er sich das schmerzende Kinn rieb. Doch dann wurde ihm bewusst, was er getan hatte. „Gott, wie konnte ich nur", murmelte Angel entsetzt. Rasch erhob er sich und rannte zurück zur Schule.

„Du bist ein rücksichtsloser Trottel", wurde Angel sogleich von Dawn begrüßt, die ihm einen heftigen Schlag auf die Brust versetzte. „Pack deinen Krempel und verschwinde. Auf. Der. Stelle! Heim zu Daddy. Wenn du Glück hast, erwischt du ihn noch. Ihr passt sooo gut zusammen", sagte sie ätzend.

Zerknirscht und mit seinem besten Dackelaugen-Blick schaute Angel Dawn an. „Es tut mir so leid. Ehrlich. Ihr habt mich so nett aufgenommen und ich habe mich benommen wie ein..."

„Rücksichtsloser Volltrottel", fiel Dawn ihm wütend ins Wort.

„Ja, das sagtest du schon", murmelte Angel geknickt.

Gunn kicherte. „Wenn es um ihren Bruder geht, wird Dawn zur Furie, daher rechne nicht damit, dass du hier lebend herauskommst."

„Es tut mit leid. Es tut mir ja so leid. Ich hätte Spike nicht benutzen dürfen, nur um meinen Vater eins auszuwischen. Spike hasst mich und hat mir trotzdem eine Chance gegeben und ich..."

„Hör auf mit deiner Mitleidstour, das zieht bei mir nicht. Und du bist nicht nur blöd, sondern auch blind. Denn wenn Spike dich nur hassen würde, hätte ihn dein Verhalten nicht so treffen können." Dawn verschränkte die Arme vor der Brust und schaute Angel herausfordernd an.

„Huh?"Angel runzelte die Stirn und bei seinem verwirrten Gesichtsausdruck verdrehte Dawn die Augen. „Kapierst du denn gar nichts? Oder bist du so auf deinem Egotrip, dass du nicht merkst, was um dich herum passiert? Er hat sich in dich verknallt und frag mich bloß nicht warum. Bisher hatte er eigentlich immer einen guten Geschmack, zumindest was Männer angeht."

Angels Augen wurden riesig. „Er hat was?"

„Toll, taub bist du auch noch. Er. Steht. Auf. Dich. Hast du das jetzt verstanden? Und jetzt verschwinde, bevor du ihm noch mehr wehtust. RAUS. HIER!", rief Down ungehalten und zeigte mit dem Finger zur Tür.

Angel ignoriere ihre Geste und murmelte fassungslos: „Das hätte ich nie gedacht. Wieso habe ich das nicht bemerkt, wo ich ihn doch auch... oh Gott, ich bin wirklich ein Idiot." Angel raufte sich verzweifelt die Haare. „Wo ist er. Ich muss ihn finden. Ich muss mit ihm reden... ihm sagen... Dawn, bitte, hilf mir, ich muss... ich will... bitte sag mir wo er ist."

Prüfend schaute Dawn Angel an.

„Bitte", flehte Angel leise.

Doch Dawn war nach wie vor wütend. „Ich befürchte, er ist rauf zu Hütte von Max und das ist deine Schuld. Denn falls du es noch nicht bemerkt hast, es steht ein Schneesturm bevor und wenn Spike etwas passiert, wird dir klar werden, dein Vater ist ein Weisenknabe gegen mich."

Angel bekam Dawns Drohung überhaupt nicht mit, alles was er denken konnte war, 'Schneesturm. Spike.' „Großer Gott", rief Angel und rannte auch schon zur Tür, die zum Ski-Stall führte, um wenige Minuten später, voll ausgerüstet, wieder durch die Lobby zu rennen, auf die Ausgangtür zu.

„Was wird das?", fragte Gunn, der sich Angel in den Weg stellte.

„Lass mich sofort vorbei, ich muss ihm nach", verlangte Angel böse knurrend, doch Gunn schüttelte den Kopf. „Vergiss es, die Lifte sind wegen des bevorstehenden Sturms eingestellt und mit den Skiern schaffst du den Aufstieg auch nicht. Selbst wenn das Wetter nicht umgeschlagen wäre, es wird in einer halben Stunde dunkel."

Doch Angel blieb stur. „Das ist mir egal. Irgendwie schaffe ich das schon. Also, geh mir aus dem Weg."

Gunn lachte leise und schloss seine Anorakjacke. „Du bist entweder völlig verrückt, oder hoffnungslos verliebt. Wobei das fast das Gleiche ist. Also gut, ich bringe dich mit der Schneeraupe rauf, bevor du dich verirrst, erfrierst - und Spike mir letztendlich noch den Kopf abreißt. Los jetzt, ich will zurück sein, bevor der Sturm so richtig zu toben anfängt."

Kaum hatten Gunn und Angel den Raum verlassen, griff Dawn zu ihrem Handy.

~*~

Gunn hielt sein Fahrzeug ein paar Meter vor Max Hüte an. „Eines noch mein Freund", sagte er zu Angel, als der aussteigen wollte. „Spike ist nicht nur mein Boss, sondern auch mein Freund. Also versau es nicht, sonst binde ich dich hinten an mein Baby und schleife dich bis nach L.A., zu deinem reizenden Vater. Verstanden?"

Angel nickte nur und murmelte ein „Danke fürs Bringen." Dann stolperte er hastig aus der Raupe und rannte zur Tür der Hütte. Der Wind blies schon ziemlich heftig und Angel musste sich dagegen stemmen. Seine Gedanken rotierten, denn auch wenn er von Dawn wusste, dass er Spike nicht gleichgültig war, spürte Angel instinktiv, dass er dieses Wissen in dieser, kommenden Situation, besser nicht benutzte.

Als er die Hütte erreichte, drückte er entschlossen die Klinke hinunter und bemerkte, dass abgeschlossen war. Davon aber wollte Angel sich nicht aufhalten lassen. „Spike? Ich bin's, Angel. Mach bitte auf", rief er laut.

„Was willst du?", kam es von der anderen Seite der Tür zurück.

„Ich muss mit dir reden."

„Dann rede."

„Lass mich erst rein."

„Nope."

„Bitte. Es ist Schweine-kalt."

„Von mir aus frier dir deinen verdammten Arsch ab."

„Komm schon Spike, ich will mich bei dir entschuldigen."

Spike riss die Tür auf und ließ Angel aber eintreten.

„Mach es kurz, ich habe zu tun. Wichtige Dinge", brummte Spike, ohne Angel anzuschauen.

„Okay, also...ich will mich entschuldigen. Sagte ich schon, oder?" Angel war nun doch nervös. Irgendwie hatte er sich das leichter vorgestellt. Er atmete tief durch und begann erneut. „Es tut mir ehrlich leid. Ich weiß das reicht nicht, aber ich hoffe du gestehst mir mildernde Umstände zu. Ich bin ausgerastet, als ich meinen Vater sah und wusste nicht was ich tat. Nein, alles falsch. So meine ich das nicht", sagte Angel schnell, als er Spikes Gesichtsausdruck bemerkte. „Was ich sagen will... ich hoffe ... wünsche mir, dass all das was ich meinem Vater gesagt habe eintreffen würde ... wird."

Spike hob fragend seine Augenbrauen. „Klartext. Was genau willst du mir sagen?"

Angel seufzte genervt über sein eigenes, unverständliches Gestottere. „Das kann ich besser", murmelte er und begann erneut. „Ich wusste es erst genau, als ich dich in der Schule geküsst habe." Angel trat nun nahe an Spike heran und schaute ihm offen in die Augen. „Spike, ich möchte gerne Tisch und Bett mit dir teilen, genauso wie ich es zu meinem Vater gesagt habe."

Angels weicher Blick traf Spike mitten ins Herz und es tat weh. Deswegen konnte er sich nicht verkneifen zu sagen, wobei er todernst blieb: „Du machst mir also einen Antrag."

Erschrocken wich Angel einen Schritt zurück. „Was? Nein, so meinte ich das nicht."

„Du meinst es also nicht ernst?" Spike lobte sich im Geiste selbst, seiner schauspielerischen Fähigkeiten und er genoss es, wie Angel sich wand.

„Doch, schon. Aber sollten wir uns nicht vorher etwas besser kennen lernen? Wir haben uns bisher doch nur geküsst. Da ist ein einen Antrag doch noch etwas verfrüht, oder?"

Spike konnte nicht mehr und brach in schallendes Gelächter aus, was Angel sehr verwirrte.

„Krieg dich wieder ein Angel, das ist echt das Letzte was ich mit vorstellen kann."

Nach einer kurzen Pause sprach Spike plötzlich sehr ernst weiter. „Ich glaube dir kein verdammtes Wort. Nein, lass mich ausreden, verflucht", rief Spike ungehalten, als Angel etwas erwidern wollte.

„Es kann ja sein, dass du jetzt alles glaubst was du gesagt hast. Ich aber glaube, dass du mich nur benutzt hast, um deinem Vater eine reinzuwürgen. Für solche Spielchen bin ich mir zu schade, also verschwinde einfach wieder."

Bedrückt schaute Angel Spike an. „Ich kann verstehen, dass du das annimmst, aber das was ich für dich empfinde, hat überhaupt nichts mit dem Auftritt vor meinem Vater zu tun. Ich habe dich geküsst, weil ich es wirklich wollte."

„So etwas nennst du einen Kuss?" Spikes Augen blitzten zornig, als er auf Angel zutrat, ihm am Nacken packte und ihn zu sich herunterzog. Fest presste Spike seinen Mund auf Angels, entfernte sich ein winziges Stück um mit der Zunge zart über Angels Lippen zu streichen. Der öffnete seinen Mund sofort willig und Spike eroberte was er schon lange begehrte.

Als Angel sehnsuchtsvoll aufstöhnte und sich enger an Spike drücken wollte, ließ Spike von Angel ab und trat einen Schritt zurück. „DAS ist ein Kuss", murmelte er und bereute es sogleich Angel geküsst zu haben. 'Blöde Idee, ganz blöde Idee. Warum tue ich mir das an? Ich bin echt ein Masochist', dachte Spike und stampfte, wütend auf sich selbst hinter den Tresen um sich irgendetwas Starkes zu trinken zu suchen.

Währenddessen stand Angel immer noch wie angewurzelt auf der Stelle, an der Spike ihn hatte stehen lassen und versuchte sich zu beruhigen. Denn Spikes Kuss hatte nicht nur Angels Innerstes aufgewühlt.

Doch noch bevor sich Angel darüber weitere Gedanken machen konnte, schlug einer der Fensterläden krachend an die Wand. Erschrocken zuckten beide Männer zusammen. Spike fing sich als Erster. „Jetzt bricht der Sturm richtig los. Wir müssen alles dicht machen und das rasch. Kann sein, dass wir ein paar Tage hier aushalten müssen. Aber zumindest hat Max genug zu Essen gelagert und drei Gästezimmer gibt's im ersten Stockwerk auch", erklärte Spike sachlich, während sie aus dem Haus gingen.

Zehn Minuten später war das Haus so gut es ging gesichert und die Beiden kehrten frierend ins Haus zurück. Mit klammen Fingern legte Spike ein paar Holzscheite in den Kamin um das Feuer erneut anzufachen. „Das kann dauern. Der Sturm baut sich erst auf", bemerkte er seufzend. „Wenn wir Pech haben, dauert es sogar eine Woche."

„Pech? Glück würde ich sagen. Jetzt kann ich dir beweisen wie sehr ich dich will." Angel pirschte sich an Spike heran, doch der wich zurück. „Vergiss es. Ich will keinen Sex mit dir."

Angel folgte Spike unbeirrt und nahm Spike fest in die Arme. Spike wehrte sich nur halbherzig, wie Angel zufrieden fest stellte und er flüsterte Spike ins Ohr: „Das will ich auch nicht, ich will mehr. Da gibt es erhebliche Unterschiede."

'Der Schnösel, mein Schnösel hat recht, er gibt erhebliche Unterschiede. Und ich glaube, Angel hat sich wirklich geändert. Selbst Dawn ist davon überzeugt. Sie hat mir vor einer halben Stunde am Telefon geschildert, wie fertig Angel war. Meine Schwester erkennt sofort, ob ihr jemand ein Theater vorspielt und sie sagte, bei Angel war das sicher nicht der Fall. Das ist verdammt großartig.' Spike lächelte und es war ihm egal, wie lange der Schneesturm dauerte. Und Spike wusste, Angel dachte genauso.

Spike schloss die Augen und die Wärme und Geborgenheit in Angels Armen breitete sich bis in sein Herz aus.

Ende!