File 1: stories/1/534.txt
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Vor einem lang gestreckten Gebäude, welches mit roten Schindeln gedeckt war, setzten die Rentiere den Schlitten in den Schnee. Sekunden später war der Schlitten von zig Weihnachtselfen umringt, die alle zugleich auf Santa einredeten. Nur einer der Elfen, welcher eine rote Schärpe über seiner grünen Jacke trug, wandte sich direkt an Spike und fragte streng: „Was hast du angestellt, Vampir?"

„Gibt es auf diesem verdammten Planeten jemanden, der mir NICHT die Schuld für alles gibt? Hast du in den letzten 50 Jahren keinen anderen getroffen, den du beschuldigen kannst. Soll ich dir was sagen, Phemoel? Du kannst mich mal!"

Buffy schaute neugierig zwischen den beiden hin und her, doch noch, bevor sie etwas sagen konnte, breitete sich ein Lächeln auf Spikes Gesicht aus und er sprang aus dem Wagen. Er eilte auf eine kleine, dickliche Elfe zu und umarmte sie herzlich. „Flo! Es tut so gut, dich zu sehen. Wie geht es dir?"

Buffy hörte nicht mehr, was die kleine Frau antwortete, denn sie zog Spike mit sich und die beiden verschwanden in dem Gebäude.

Gleichzeitig kümmerte sich ein Teil der anderen Elfen um Santa Claus und trugen ihn davon, während der andere Teil sich um die Rentiere kümmerte.

Buffy war nicht nur frustriert, sondern auch ziemlich sauer. Nicht nur, dass noch immer die eklige Masse an ihr klebte und zum Teil auch noch angetrocknet war, es schien sich auch keiner bemüßigt zu fühlen, sich um die Jägerin zu kümmern.

„Da rette ich wer weiß wie oft die Welt, war sogar zwei Mal tot und wen schert es? Niemanden. Selbst Spike ist einfach so abgehauen. Mit dieser kleinen... Frau und auch, wenn das jetzt völlig unverständlich für mich ist, frage ich mich, was hat sie, was ich nicht habe? Okay, darüber werde ich sicher nicht nachdenken, denn es ist... abartig. Nicht, dass sie eine Konkurrenz für mich wäre, denn Spike und ich, das wird nie mehr passieren. Das habe ich hinter mir. Ich liebe ihn nicht, ich habe ihn nur benutzt. Und das ist Geschichte. Ein für alle Mal vorbei. Ja, genauso ist es. Daher kann er mit Dicken, Dünnen, Großen oder Kleinen, Schwarzhaarigen oder Frauen jeglicher nur erdenklicher Haarfarbe rummachen. Genau!"

Warum nur tat es weh, dort wo Buffys Herz schlug? Und warum verspürte sie plötzlich den Drang, Spike zu schlagen und gleichzeitig zu küssen?

Zu Buffys Glück wurde sie in dem Moment abgelenkt, denn der Elf, der Spike bei der Ankunft angesprochen hatte, zog ihr das Fell weg, welches Spike so fürsorglich über sie gebreitet hatte, und forderte Buffy auf mit ihm zu kommen.

„Ich kann es ja versuchen", murmelte sie, unsicher, ob Santas Zauber noch wirkte und sie somit den Schlitten nicht verlassen konnte. Zu ihrer Freude jedoch gab es damit kein Problem und so folgte sie dem Elf, der sie ins Haus führte. Während sie die breite Treppe hoch schritten, erklärte Phemoel: „Oben sind die Wohnräume. Ich bringe dich in dein Zimmer, damit du dich frisch machen kannst. Du... ähm... stinkst nämlich."

„Danke, das weiß ich selber und wenn mich dieser Santa Claus nicht entführt hätte, läge ich schon längst frisch geduscht in meinem warmen Bett", entgegnete Buffy patzig.

„Nun, alles, was unser Boss tut, hat seinen Grund. Hier entlang bitte."

Buffy ging automatisch hinter dem Elf her, der plötzlich eine Tür öffnete und die Jägerin bat einzutreten.

Mit allem hatte Buffy gerechnet, nur nicht mit so einem Zimmer. Die Wände waren mit hellgrüner Seide ausgeschlagen und im weichen, hellroten Teppichboden versank Buffy fast bis zu den Knöcheln. Ein Himmelbett, von weißen Wolkenvorhängen umsäumt, stand an einer der Wände. Gegenüber eine entzückende Frisierkommode, die sofort Buffys Herz eroberte, da sie mit kleinen Parfumflakons und vielen anderen Utensilien, die eine Frau so dringend brauchte, bestückt war. Ein dreiteiliger Spiegelschrank vervollständigte die Zimmerausstattung und hinter der Tür daneben vermutete Buffy das Badezimmer, was ihr Phemoel auch bestätigte. „In einer Stunde gibt es Essen. Wir erwarten dich pünktlich in der Halle", sagte er, bevor er das Zimmer verließ.

Buffy registrierte diese Worte nur am Rande, denn alles, woran sie denken konnte, war, endlich den klebrigen Dreck von ihrem Körper zu bekommen. Sie öffnete daher die Badezimmertür und verharrte erstmal sprachlos auf der Schwelle. „Dusche, Badewanne, flauschige Badetücher." Buffy quietschte vor Begeisterung, schloss die Tür hinter sich und schälte sich aus ihren ruinierten Klamotten. Dann drehte sie das Wasser für die Wanne auf, schnüffelte an den verschiedenen Badezusätzen, die auf der Konsole standen und entschied sich dann für eine belebenden Mandarinenduft.

Während die Wanne voll lief, beschloss die Jägerin sich rasch zu duschen und die Haare zu waschen, um erstmal all den Dreck loszuwerden. Erst dann wollte sie sich zur Entspannung in die Badewanne legen.

Als sie bald darauf mit geschlossenen Augen in der Wanne lag und sich wohlig räkelte, fand sie es auf einmal gar nicht so schlecht, entführt worden zu sein.

„Wo bleibst du, Slayer? Verdammt, wir warten schon eine Ewigkeit auf dich!"

„WAS?" Erschrocken riss Buffy die Augen auf, denn anscheinend war sie eingeschlafen und blickte nun in das grinsende Gesicht Spikes. „Was fällt dir ein? Verschwinde auf der Stelle aus meinem Badezimmer."

„Erstens ist es nicht dein Bad und zweitens..." der Badeschwamm, den Buffy ihm mitten ins Gesicht schleuderte, stoppte die Rede des Vampirs. Trotzdem lachte er, griff nach einem der flauschigen Badetücher, wischte sich damit das Gesicht ab und breitete es dann zwischen seinen Händen aus: „Kommst du freiwillig raus, Liebes, oder soll ich dich holen?"

Buffy seufzte und erwiderte mit müder Stimme. „Bitte Spike, geh mir einfach mal nicht auf die Nerven. Ich bin müde und hungrig und was all das hier soll, weiß ich auch nicht. Wir haben doch nur einen bösen Dämon vernichtet und dafür werden wir bestraft? Das verstehe ich nicht und wir werden an Weihnachten nicht zu Hause sein und das ist doch das wichtigste Familienfest und..."

Die hohe Dämonenaktivität der letzten Zeit in Sunnydale forderte ihren Tribut und Buffy war mit ihren Nerven völlig fertig. Gerade deswegen hatte sie sich so auf das Fest mit ihrer Familie gefreut. Wenn alle Menschen, die sie liebte, um sie herum versammelt waren und sie gemeinsam feierten, war das wenigstens ein kleines Stück Normalität, nach dem sich Buffy oft so sehr sehnte.

Spike wusste genau, was in Buffy vorging und er hätte ohne Zögern sein Leben geopfert, um ihr all das zu geben, was sie sich so sehr wünschte. Ein normales Leben. Doch das stand nicht in seiner Macht, aber er konnte etwas anderes tun, daher legte er das Badetuch zur Seite und sagte er entschlossen. „Lass dir Zeit, ich regle das schon mit dem Dicken, denn ich habe einen Plan."

Noch bevor Buffy etwas erwidern konnte, war Spike wieder verschwunden.

Buffy schaute ihm verwundert nach, beschloss dann aber, doch die Wanne zu verlassen. Denn Spike und seine Pläne, das waren so eine Sache.

ooo

„Es ist aber wichtig, also lass mich zu ihm, verdammt."

Phemoel schüttelte stur den Kopf. „Der Boss braucht Ruhe. Zudem solltest du nicht vergessen, dass es deine Schuld war, dass er jetzt in diesem Zustand ist. Außerdem habe ich gesagt, du sollst im Lager helfen. Also mach deine Arbeit."

„Ich sagte später. Jetzt geh mir aus dem Weg, sonst bist du ein toter Elf. Verstanden?"

„Treib es nicht zu weit, Vampir, sonst..."

Ach, halt die Klappe." Spike packte den Elf einfach, klemmte ihn sich unter den Arm und betrat so das Zimmer von Santa Claus.

„Boss, du musst etwas unternehmen. Ich bin der Abteilungsleiter der Versandstelle, aber Spike tut nicht, was ich sage und bringt alles durcheinander." Phemoel zappelte und wandte sich verzweifelt, was Spike einfach ignorierte und zu Santa Claus sagte: „Ich muss mit dir reden. Alleine! Jetzt."

Santa schaute Spike ungehalten an und runzelte die Stirn, was Spike dazu veranlasste, ein gequältes „Bitte", herauszuquetschen.

Santa Claus unterdrückte daraufhin ein Schmunzeln. „Nun gut, aber erst lass Phemoel los. Nicht fallen lassen. Vorsichtig abstellen", verlangte Santa streng und Spike fügte sich, frustriert seufzend.

Als der Elf wieder sicher am Boden stand und gleich darauf wieder zu zetern beginnen wollte, stoppte ihn Santa. „Keine Sorge, ich werde das mit Spike klären. Jetzt lass uns bitte alleine."

Nicht wirklich mit der Aussage seines Bosses zufrieden, verließ der Elf den Raum und Spike atmete unnötiger Weise auf. „Er bewacht dich ja wie ein Höllenhund. Ich sollte ihn in Zukunft Zerberus nennen."

„Er will für mich nur das, was du für Buffy willst", entgegnete Santa und Spike grummelte etwas Unverständliches, bevor er laut sagte. „Da du anscheinend sowieso alles zu wissen glaubst, ist das mein Stichwort. Ich schlage dir einen Deal vor."

ooo

Als Buffy aus dem Badezimmer kam, wartete die Elfe auf sie, welche Spike mit Flo angesprochen hatte. „Ich habe deine Arbeitskleidung bereitgelegt, meine Liebe. Liegt alles hinter dem Paravent. Bitte ziehe dich an, dann werde ich dir unseren Arbeitsbereich zeigen. Dort bekommst du auch etwas zu essen, da du unser gemeinsames Dinner versäumt hast."

„Ganz toll", seufzte Buffy und begab sich hinter den Raumteiler, um eine Sekunde später mit einem grünen, kurzem Kleid in der Hand wieder hervorzuschnellen. „Das ist jetzt nicht Ihr Ernst. So etwas ziehe ich auf keinen Fall an."

„Warum denn nicht?", fragte Flo verwundert. „Es steht dir sicher ausgezeichnet und du wirst deinem Freund William darin bestimmt sehr gefallen." Die kleine Elfe zwinkerte Buffy zu und die Wangen der Jägerin färbten sich in einem hübschen Rot, worüber sie sich allerdings sehr ärgerte und entgegnete: „Spike ist nicht mein Freund. Okay, er ist eine Art Freund, aber nicht so einer. Was ich sagen will, er und ich, wir sind nicht zusammen. Wir waren es mal, aber das ist definitiv vorbei, weil es nicht geht. Er ist ein Vampir, ich die Jägerin und... meine Freunde... es geht nicht."

„Manchmal verstehe ich euch Menschen einfach nicht. So wenigen von euch begegnet die wahre Liebe und anstatt dieses kostbare Geschenk mit ganzem Herzen anzunehmen und festzuhalten, kümmert ihr euch darum, was andere sagen oder denken könnten oder stoßt euch an Nichtigkeiten wie Hautfarbe, Geschlecht, Alter, oder eben in deinem Fall, dass William ein Vampir ist. Wieso begreift ihr Menschen nicht, dass Liebe das Einzige ist, das zählt?" Die Weihnachtselfe schüttelte verständnislos den Kopf. „Ich erwarte dich in fünf Minuten an der Treppe."

Eine Weile starrte Buffy auf die Tür, die Flo hinter sich geschlossen hatte, weigerte sich jedoch über die Worte der Elfe nachzudenken, doch sie hatte zumindest ein paar Fragen an Flo. Daher zog sie sich rasch an und lief aus dem Zimmer.

„Wenn ich das richtig verstanden habe, war Ihre letzte Begegnung mit Spike vor 50 Jahren. Er war damals ein böser, blutrünstiger Vampir, trotzdem mochten Sie ihn. Wieso?", wollte Buffy wissen.

„Dazu möchte ich weiter ausholen. William hat in manchen Dingen einiges mit dir gemeinsam", entgegnete Flo, während sie die Treppe hinunter gingen und durch eine riesige Schwingtüre traten. „Zum Beispiel für andere so zu sein, wie sie ihn haben wollen. Auch er wollte, dass ihn seine Vampirfamilie akzeptierte. Ich will seine Taten nicht schönreden. Es ist schrecklich, was er getan hat, das steht außer Frage. Allerdings war er ein seelenloser Dämon, der so etwas wie Gewissen nicht kannte und er lebte nach den Regeln seines Clans. Doch seine Menschlichkeit hat er trotzdem nie ganz verloren und in besonderen Momenten brach sie durch. Ich habe einen solchen Moment erlebt und das war ein Grund für mich, ihn nie aufzugeben. Und wie ich heute sehen konnte, hat es sich gelohnt. So, meine Liebe", wechselte die Elfe plötzlich das Thema. „Hier ist unsere Produktions- und Verpackungsabteilung. Wie du siehst, läuft alles auf Hochtouren und Spike belädt schon den Schlitten. Dann geht's bald los." Flo zeigte mit dem Finger nach vorne, wo Phemoel auf Spike einredete.

„Nein auf den anderen Stapel, William, und ein bisschen schneller bitte, in 30 Minuten ist Abfahrt."

Phemoel machte es sichtlich Spaß, Spike zu befehligen und der Vampir knurrte vor sich her. „Wichteliger Sklaventreiber. Du wirst dich noch wundern. Nächstes Jahr bin ich ohne Jägerin hier und dann drehe ich dir deinen hässlichen, faltigen, dürren Hals um und zwar langsam, gaaaanz langsam, damit wir beide etwas davon haben. Und ich werde es genießen, wenn dir die Augen aus den Höhlen quellen. Wenn du dich windest und um dich trittst. Und wenn dein ganzer Körper letztendlich den letzten Zuckungen erliegt, dann bin ich es, der zuletzt lacht. Bloody hell, das wird ein Spaß. Und selbst, wenn mich Santa bis in alle Ewigkeit Puppengesichter anmalen lässt, das ist es mir wert."

Flo und Buffy beobachteten die beiden eine Weile. „Spike arbeitet? Das kann nur bedeuten, dass er sich wirklich vor Santa fürchtet", gluckste Buffy, doch Flo stemmte ihre Hände in die Hüften und schaute die Jägerin tadelnd an. „Buffy Anne Summers! Langsam frage ich mich, ob du es überhaupt wert bist, was er alles für dich getan hat und immer noch bereit ist zu tun."

Wütend stapfte die Elfe davon und ließ eine verblüfft dreinschauende Jägerin zurück. „Was meint sie denn damit? Oh." Buffy wurde bewusst, dass die Elfe anscheinend genau wusste, was sich auf der Erde abspielte. „Spanner", murmelte sie und war einerseits wütend darüber, andererseits war es ihr peinlich.

Doch bevor sie sich weiter darüber aufregen konnte, sah sie, dass Spike mit seiner Arbeit fertig war und die Halle verließ. Zugleich kamen auf Buffy Phemoel und eine junge Elfe zu, die einen großen Teller mit Kuchen und Keksen trug.

Tbc..