File 1: stories/1/535.txt
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„Du musst etwas essen, du hast einige anstrengende Nächte vor dir. Und keine Angst, du wirst kein Gramm zunehmen, dafür ist gesorgt", erklärte der Elf lächelnd, der den besorgten Blick Buffys auf den Teller sehr wohl bemerkt hatte. „Geh jetzt mit Sariella. Sie zeigt dir, wo du essen kannst, bevor Santa Claus dich sehen will."

Phemoel wartete keine Antwort ab und eilte zurück zum Schlitten. Somit blieb Buffy nichts anderes übrig, als Sariella zu folgen, die sie über eine Treppe wieder nach oben führte und ununterbrochen plapperte.

Buffy bekam nicht viel davon mit, nur, dass Flo eigentlich Florance hieß und Spike sie damals vor einem Yasik-Dämon gerettet hatte. Erst da wurde Buffy hellhörig. „Was ist passiert?"

„Dasher war krank geworden und Florance verbrachte die Nächte im Stall, um sich um das kranke Tier zu kümmern, als plötzlich eine kleine Horde Yasik-Dämonen bei den Ställen auftauchte. Du musst wissen, sie kommen sonst nie in unsere Gegend, aber der Winter war in diesem Jahr so streng. Nun, wie auch immer, Spike hatte die Yasik bemerkt, als er vor dem Haus eine Zigarette rauchte. Er stürmte in den Stall und verarbeitete die Yasik zu Hackfleisch, wie Flo später erzählte, und rettete damit nicht nur sie, sondern auch unsere Rentiere. Seitdem hat William einen riesigen Stein bei unserer Chefin im Brett und immer, wenn sie in all den Jahren die Geschichte erzählt, erwähnt sie, dass William, obwohl er ein Vampir ist, mit den anderen seiner Gattung nicht zu vergleichen und etwas Besonderes ist."

Die beiden erreichten das obere Stockwerk, in der Santas Wohnung lag und Sariella blieb stehen. „Der Boss ist noch beschäftigt. Bitte setz dich und warte ein bisschen, er wird dich rufen, sobald er fertig ist. Ich muss wieder hinunter, um zu helfen, die Zeit drängt."

„Oder Spike ist mit ihm beschäftigt", murmelte Buffy leise, da sie den Vampir durch die Tür fluchen hörte.

Sarielle kicherte, sagte aber nichts weiter dazu, sondern stieg die Treppe wieder eilig hinab.

Kaum war die Elfe verschwunden, schlich Buffy zur Tür. Da drinnen ging es ganz schön ab und sie konnte sich nicht beherrschen und musste einfach lauschen.

„Nope, auf keinen verdammten Fall. Nein!", hörte sie Spike brüllen.

„Soweit ich mich aber erinnere, haben wir einen Deal, William. Und du warst es, der vorgeschlagen hat, mich zu vertreten und das zwei Weihnachten hindurch, wenn ich Buffy das schönste Weihnachtsfest ermögliche, das sie je gehabt hat. Also was ist jetzt mit unserer Abmachung?"

„Geht das nicht ohne, dass ich mich optisch zum Trottel mache?", fragte Spike fast bettelnd, doch Santa erwiderte bedauernd: „Es tut mir Leid, William, aber das geht nicht. Stell dir mal vor, dich würde eines der Kinder entdecken. Wie willst du das dann erklären?"

„Gar nicht, ich esse es einfach?"

„WILLIAM!!"

„Bloddy hell, reg dich nicht so auf, war ja nur Spaß. Also gib schon her den Fummel", brummte Spike resigniert. Buffy zog sich schnell von ihrem Lauschposten zurück und setzte sich rasch wieder auf den Stuhl.

Kurz darauf rief Santa die Jägerin herein und obwohl sie Spike nicht beachtete, bluffte er sie schon an. „Kein Wort, Slayer, sonst sage ich dir, wie du aussiehst, verstanden?"

Die Jägerin schaute sofort unsicher auf ihr Outfit und maulte frustriert: „Gerade hatte ich für einen Augenblick vergessen, wie bescheuert ich aussehe, aber du musstest mich ja daran erinnern. Vielen Dank, Spike!"

„Blödsinn, du siehst absolut heiß aus. Ich meine süß? Nett? ..ähm...Elfenhaft? ", verbesserte er schnell, da Buffy ihm einen vernichtenden Blick zuwarf.

„Ach, sei doch einfach still." Buffy seufzte gespielt, freut sich aber insgeheim über Spikes Kompliment. Dazu kam, dass es sie sehr rührte, was Spike für sie tun wollte, nur um ihr ein schönes Weihnachtsfest zu bescheren.

Unwillkürlich musste sie an Florences Worte denken und fand es plötzlich gar nicht mehr so falsch, was sie gesagt hatte. Daher schaute sie Spike direkt an und... biss sich auf die Lippen, um nicht laut aufzulachen. Spike trug ein Weihnachtsmannkostüm, doch das war noch nicht das Schlimmste. Was Buffy wirklich witzig fand, war der lange, weiße Rauschebart, der Spike bis über den Bauch hing und das wallende, lange weiße Haar, das unter der Mütze hervorquoll.

Spike knurrte: „Ich habe dich gewarnt. Sobald wir hier weg sind, bist du meine dritte tote Jägerin."

„Und wenn ich dir sage, dass du sehr se.."

„Sag jetzt nicht süß, Jägerin, sonst schwöre ich, bist du gleich Futter."

„Lass mich doch ausreden, sehr seriös und beeindruckend, nur ein bisschen zu dünn für deine Rolle, aber sonst, toll."

Die Kinder, die ihn sehen, werden ihn so wahrnehmen, wie sie sich einen Weihnachtsmann vorstellen", sagte Santa zu Buffy gewandt. Dann richtete er sein Wort an Spike. „Du darfst nicht vergessen, die Kekse zu essen und die Milch zu trinken. Das ist wichtig, sonst sind die Kleinen enttäuscht."

Spike verdrehte die Augen. „Toll, kann ich nicht...?"

„NEIN!", riefen Santa und Buffy synchron und Spike murmelte: „Ich frag ja nur."

*~*~*

„Wo bleibt denn dieser Vampir? Ich wusste, er ist nicht verlässlich!", schimpfte Phemoel und lief unruhig vor dem Schlitten auf und ab.

Florance stellte sich dem Elf in den Weg und lächelte ihm beruhigend zu. „Keine Sorge, er wird bestimmt bald da sein."

„Du bist nicht objektiv, was diesen Vampir betrifft, sicher hat er sich davon gemacht und..."

„Hat er nicht, sondern deinen Job erledigt, denn soweit ich weiß, wäre es deine Aufgabe gewesen, dafür zu sorgen, dass Buffy alles hat, was sie für die Reise braucht." Grimmig dreinschauend schritt Spike auf den Elf zu, der unwillkürlich die Schultern einzog, aber dennoch selbstsicher entgegnete: „Das habe ich getan. Es ist alles bereits im Schlitten. Die Pakete, der Baum und alles was dazu gehört."

„Halloho, ich sagte Reise. Deine Ohren müssten groß genug sein, um deutlich zu hören und deine Glubschaugen, um zu sehen, dass sie nicht weiter als dieses dünne Kostüm trägt. Wo sind die Felle, ihr Umhang, die Mütze? Soll ich sie als Eiszapfen zu Hause abliefern, oder was?"

„Oh, ..daaas, es... tut mir Leid", stotterte der Elf, und sowohl Buffy als auch Flo kicherten.

„Davon wird ihr auch nicht wärmer", maulte Spike weiter und breitete einige Felle im Schlitten aus. Dann reichte er Buffy einen Umhang, der innen mit warmem Pelz gefüttert war und außen die gleiche Farbe wie ihr Kostüm hatte.

Allerdings mied er es, Buffy dabei in die Augen zu schauen. Es war schon schlimm genug, dass er bei ihr zum absoluten Weichei mutierte, er wollte nicht auch noch den Spott in ihren Augen sehen. Umso verwunderter war er, als Buffy mit sanfter Stimme sagte: „Vielen Dank, Spike. Es ist schön, so verwöhnt zu werden."

„Kann keine kranke Jägerin, oder in dem Fall Weihnachtselfe gebrauchen", brummte Spike und setzte sich neben Buffy auf den Schlitten.

Buffy lächelte nur und kuschelte sich eng an Spike, der erst verwundet die Augenbrauen hob, sich dann aber dachte, die ungewohnte Nähe seiner Jägerin einfach zu genießen, auch wenn es vermutlich nur an der Weihnachtstimmung lag.

Er räusperte sich um seiner Stimme einen festen Klang zu geben, bevor er rief: „Los, Rudi und ihr anderen, trabt an, damit wir den ganzen schwachsinnigen Krempel so schnell wie möglich loswerden."

„Mehr Respekt, Vampir. Das ist eine ehrenvolle Aufgabe, die du verrichten darfst und ich erwarte..."

„Klappe, Wichtel, das ist das, was ich von dir erwarte." „Auf geht's Jungs", wandte sich Spike wieder an die Rentiere. „Und wenn ihr ganz zufällig diesen verkleideten Gartenzwerg niedertrampelt, bekommt ihr das beste Futter, das ich auftreiben kann. Ich verspreche es."

„Manchmal hat der Vampir richtig gute Ideen", murmelte Rudolf, dem Phenomels ständiger Befehlston ebenfalls auf die Nerven ging und die anderen Rentiere nickten dazu, bevor sie los galoppierten.

Mit rasender Geschwindigkeit ging es über den Sternenhimmel. Die Rentiere kannten den Weg und Buffy hakte jedes Mal den Namen auf ihrer langen Liste ab, nachdem Spike ein Paket in den Kamin geworfen hatte. Allerdings standen auf der Liste auch Kinder, denen sich Spike in seiner Verkleidung zeigen musste und darüber fluchte er ausführlich, bevor er im Kamin verschwand.

Buffy wäre zu gerne dabei gewesen, doch es gelang ihr einfach nicht, durch den Kamin zu schlüpfen, daher gab sie nach dem zweiten Versuch frustriert auf, machte sich aber so ihre Gedanken. Sie war zwar ziemlich sicher, dass Spike keinem der Kinder ein körperliches Leid zufügen würde, doch traute sie ihm durchaus zu, den Kleinen einen Schock fürs Leben zu versetzen, oder sie zumindest Schimpfwörter zu lehren, dass selbst die Eltern dieser Kinder rote Ohren bekamen.

Mit dem Wissen, leider nichts dagegen tun zu können, lehnte sie sich im Schlitten zurück und seufzte.

Tbc..