File 1: stories/1/536.txt
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„Würdest du gerne sehen, was William so treibt?", fragte Rudolf und zwinkerte Buffy zu.

Sofort beugte sich die Jägerin neugierig nach vorne. „Geht das denn?"

„Tut es", erklärte das Rentier. „siehst du die kleinen Knöpfe vorne am Schlitten? Drück mal den dritten von Rechts."

Buffy tat wie ihr geheißen. Plötzlich schob sich ein Stück der Holzverkleidung zur Seite, gab einen kleinen Bildschirm frei und Buffy sah Spike, der nun die Fülle des Weihnachtsmannes hatte und mit einem kleinen, dunkelhaarigen Jungen sprach, der ihn traurig anschaute.

„Keine Sorge, du hörst sie, aber sie können nicht hören, was wir reden. Der Kleine heißt David und hat einen besonderen Wunsch", erläuterte Rudolf. „Wir sind alle gespannt, wie William das hinkriegen wird."

Rudolf und die anderen Rentiere gaben kichernde Laute von sich, doch Buffy bemerkte es nicht, sondern konzentrierte sich ganz auf das Geschehen am Bildschirm.

„Sie kommen morgen, um das Weihnachtsfest mit uns zu feiern und ich mag ihn sicher nicht", erzählte der Kleine und hielt Santa Spike höflich das Milchglas hin.

Spike griff danach und nahm einen Schluck. „O-positiv?", murmelte er verwundert, schaute auf die weiße Flüssigkeit und versuchte vorsichtig noch mal. „Jepp, ich mag den Job", stellte er schmunzelnd fest und trank das Glas in einem Zug leer.

„Hörst du mir überhaupt zu?", fragte der Kleine empört und hatte sofort Spikes Aufmerksamkeit.


„Jepp, was denkst du denn? Ich kann Blu... ähm Milch trinken UND zuhören UND ich weiß von deinem Problem."

Spike wunderte sich kurz, warum er das plötzlich wusste, doch dann fiel ihm ein, wer er zurzeit war, und als Santa Claus wusste er natürlich über die Sorgen und Nöte der Kinder Bescheid, daher sprach er weiter. „Wie kannst du wissen, ob du ihn nicht magst, wenn du ihn gar nicht kennst?"

„Sicher mag er mich nicht", gab David nun kleinlaut zu und Santa Spike lächelte über das tatsächliche Problem des Kleinen, da er auch das wusste und daher erwiderte:„Ich bin ganz sicher, dass er dich mag. Er wünscht sich schon lange einen Bruder wie dich und ich weiß, dass du dir auch einen Bruder wünschst."

„Wenn meine Mutter seinen Vater heiratet, ist er aber trotzdem nicht mein richtiger Bruder", erklärte David altklug.

Bilder aus der Zukunft der Kinder tauchten vor Spikes Gesicht auf und er hob erstaunt seine vernarbte Augenbraue. 'Wie ich sehe, ist das auch besser so, ‘ dachte er, bevor er sagte: „Ein guter Freund kann oft mehr als Familie sein, aber das verstehst du jetzt noch nicht. Doch glaub mir, du wirst ihn mögen, sehr sogar. Ich kenne den kleinen James. Manchmal wird er dir mächtig auf die Nerven gehen, aber niemand wird wichtiger sein für ihn als du und er für dich. Und ihr werdet viel Spaß miteinander haben, immer zusammenhalten und ihr werdet gemeinsam viele Streiche aushecken. Du wirst sehen, er ist etwas ganz Besonderes, genauso wie du etwas ganz Besonderes bist. Du musst dir also keine Sorgen machen."

„Wirklich?", fragte David unsicher.

„Da kannst du verdammt sicher sein, Kleiner", erklärte Spike bestimmt.

„Das darf man nicht sagen."

„Was denn nicht, zur Hölle?", wollte Spike Stirn runzelnd wissen.

„Verdammt", flüsterte der Kleine und schaute sich unsicher um.

„Da hast du recht, also sag es nicht", erwiderte Spike lachend und zwinkerte dem Kleinen zu. Der lachte nun auch, ging plötzlich auf Santa Spike zu und umarmte ihn glücklich. „Ich bin froh, dass ich jetzt weiß, dass James mich mögen wird. Dankeschön, Santa Claus."

„Schon gut, schon gut." Spike klopfte dem Kleinen unbeholfen auf den Rücken.

„Jetzt Abmarsch ins Bett. Schließlich willst du morgen ausgeschlafen sein und ich muss noch den verflu... den ganzen Kram... also alles vorbereiten. Baum und so weiter."

Der Kleine nickte, drückte Spike ein Küsschen auf die Wange und rannte glückstrahlend die Treppe in sein Zimmer hoch.

„Na endlich, noch fünf Minuten und ich hätte ihn gegessen", brummelte Spike, nicht wirklich davon überzeugt, was er sich einzureden versuchte und lachte dann in typischer Santa Claus Manier.

Das erschreckte ihn sehr und er beschloss, sich wieder auf seine Arbeit zu konzentrieren, machte eine Handbewegung und schon stand ein geschmückter Baum im Zimmer. Rasch drapierte Spike die Geschenke herum und saß Sekunden später wieder neben Buffy im Schlitten.

„Was?", fragte er, da sie ihn so seltsam anschaute.

„Nichts", antwortete die Jägerin und lächelte Spike liebevoll an.

Der zuckte irritiert die Schultern, murmelte „Weiber" und rief dann den Rentieren zu. „Rudolf, Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen, auf geht's."

So leerte sich der Schlitten schnell, wurde nach jeder Rückkehr zum Nordpol blitzartig wieder aufgeladen und es ging erneut los.

Buffy und Spike hatten jedes Zeitgefühl verloren und langsam stellte sich Müdigkeit bei den beiden ein.

„Eine Ladung noch, dann ist es geschafft", erklärte Phemoel nun wesentlich freundlicher, da er sehr zufrieden mit der Arbeit der beiden war. Während die Elfen den Schlitten beluden, verlangte Phenomel: „Wenn die letzte Fahrt erledigt ist, hast du, Buffy, deine Pflicht getan und dich, William, sehen wir im nächsten Jahr wieder."

„Ja, das weiß ich, verdammt. Du musst mich nicht daran erinnern", brummte Spike und griff nach den Zügeln.

Nicht lange und die Rentiere hielten am Dach des Hauses der Summers und Buffy riss überrascht die Augen auf.

„Endstation! Alles ausladen und aussteigen", verlangte Rudolf und kicherte leise.

Buffy hüpfte glücklich aus dem Schlitten, rannte nach vorn zu den Rentieren und umarmte jeden einzelnen. „Ich danke euch vielmals. Das war toll. Bitte grüß Santa und die anderen von mir und sag ihm, ich komme nächstes Jahr wieder", flüsterte sie Rudolf noch ins Ohr.

„Kommt ihr alleine zurück, ohne Spike? Ich will ihn nämlich behalten", erklärte sie noch, ebenso leise.

„Sicher, kein Problem", zwinkerte Rudolf ihr wissend zu.

Spike bekam von alledem nichts mit, da er die Pakete in den Kamin stopfte, wissend, dass sie ihren Platz neben dem Baum von selbst finden würden.

Gerade, als Spike sich wieder in den Schlitten schwingen wollte, wurde er von Buffy am Arm zurückgehalten. „Ich möchte, dass du mit mir, uns, Weihnachten feierst", sagte sie und lächelte Spike liebevoll an.

„Dir ist wohl der ganze Weihnachtskram zu Kopf gestiegen, Slayer. Falls du vergessen hast, was du mir immer wieder predigst. Ich Vampir, du Jägerin. Ich bin böse, du hasst mich und so weiter. Außerdem wollen mich deine Freunde nicht bei diesem Fest haben, sie wollen überhaupt nicht, dass ich da bin und das weißt du."

Spike hatte den Kopf gesenkt und schien sich nur für seine Stiefelspitzen zu interessieren, doch Buffy ließ sich davon nicht irritieren. Sie hatte inzwischen verstanden, was Flo versucht hatte zu erklären. Daher nahm sie sein Gesicht in beide Hände und zwang ihn, sie anzusehen. „ICH will dich aber Weihnachten bei mir haben. Dieses, nächstes, übernächstes und so weiter und auch die ganze Zeit dazwischen."

Spikes intensiver, forschender Blick verunsicherte Buffy plötzlich. „Ich meine nur, wenn du das auch willst. Ich kann verstehen, dass du nicht mehr willst, weil, schließlich habe ich Dinge gesagt und getan und... aber... das war, weil... also, was ich sagen will, ich war blöd und...!"

Spikes Kuss unterbrach Buffys Rede und auch denken konnte sie nicht mehr, denn Spike küsste sie so intensiv, dass sie alles um sich herum vergaß.

Beide bemerkten daher auch nicht, dass sich die Rentiere inzwischen in den Himmel erhoben hatten und nach Hause strebten.

„Wenn du deine Meinung aber wieder änderst, sorge ich dafür, dass du den Rest deines Lebens Puppengesicher anmalst, das schwöre ich dir", erklärte Spike sanft, nachdem sie den Kuss abgebrochen hatten.

„Wie meinst du das denn jetzt?", wollte Buffy verständnislos wissen.

„Ach vergiss es, Liebes, und hilf mir lieber aus diesem peinlichen Fummel, denn so setze ich keinen Fuß in dein Haus."

„Und wenn ich dich ganz lieb bitte?" Buffy klimperte mit den Wimpern.

„Nein, auf keinen verfluchten Fall. Nope."

Ich habe ja auch ein Elfenkostüm an und es stört mich nicht", versuchte sie Spike erneut zu überreden.

„Kein Wunder, du siehst ja auch atemberaubend darin aus", maulte Spike und zerrte an seinem Bart.

„Und du siehst unglaublich sexy in diesem roten Kostüm aus. Lass es an, Spike, ja? Für mich."

„Sexy? Unglaublich sexy?", fragte Spike nach und wackelte mit den Augenbrauen.

„Ja und wie", hauchte Buffy und schmiegte sich an Spike.

„Okay", seufzte Spike ergeben, knurrte dann jedoch warnend: „Aber wenn einer deiner Freunde lacht, ist er tot. Ich reiß demjenigen den Kopf ab. Mindestens. Ich schwöre! Ich bin böse, wie du weißt und..."

„Halt die Klappe, Spike, und küss mich einfach noch mal."

Ende!