File 1: stories/6/584.txt
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Josef klingelte einmal kurz und ließ sich danach selbst in Micks Appartement/ Büro. Er wusste, dass er da war. „Mick", rief er laut, steuerte direkt auf den Kühlschrank zu und lud sich auf ein Glas Blut ein.

 

„Was wäre, wenn ich einen Klienten hier gehabt hätte?"

 

„Dann hätte ich ihn oder sie eingeladen, doch ein Glas Traubensaft mit mir zu trinken."

 

„Was machst du hier?"

 

Josef prostete ihm mit seinem Glas zu. „Wonach sieht es aus?"

 

„Mich nerven. Ich muss arbeiten."

 

„Du arbeitest seit zwei Wochen durch?", harkte Josef nach.

 

„Es tut mir leid, wenn ich kaum Zeit für dich hatte, aber ich habe sehr viel zu tun." Mick wandte sich ab und floh in sein offenes Büro.

 

„Ich mag wirklich, was du aus dem Apartment gemacht hast", meinte Josef und folgte ihm auf dem Fuße. Er bereitete Mick und sich mit lockeren Banalitäten auf die Konfrontation vor. Er hatte sich gewünscht, Lola, die unberechenbare, schöne Lola würde vorbeischneien und ihn ablenken, von Mick, von seinen Gefühlen, von allem eben, aber natürlich war sie nicht aus dem Nichts aufgetaucht.

 

„Du hast mir ja auch die Inneneinrichterin empfohlen."

 

Josef nickte zufrieden. „Ich habe einen guten Geschmack."

 

Jetzt konnte sich Mick ein Grinsen nicht verkneifen und sah seinen Freund zum ersten Mal richtig an, seit der angekommen war. Er erkannte sofort, dass es ein Fehler gewesen. Stammelnd fing er an zu reden. „Wegen der Party... der Kuss... ähm."

 

Der ältere Vampir tat es ab. „Du musst nichts sagen. Ich brauchte Trost  und du hast mich getröstet. Es war meine Schuld, ich habe dich geküsst, nicht umgekehrt", hörte Josef sich selbst sagen. Genau deswegen war er doch gekommen! Und nun stellte er sich selbst ein Bein.

 

Mit Scham dachte Josef daran, was er für einen Eindruck gemacht haben musste, als Mick ihn völlig aufgelöst in der Badewanne vorgefunden hatte. Im Nachhinein war ihm furchtbar peinlich gewesen. Er hatte sich bisher niemals eine derartige Blöße gegeben, nicht einmal vor seinem besten Freund.

 

„Nein, nein, ich... es tut mir leid. Ich wollte für dich da sein. Ich habe mich hinreißen lassen. Ich meine, ich habe noch nie einen anderen... Mann geküsst." Mick wurde rot. Es war entzückend, dass ein so alter Vampir immer noch rot werden konnte. „Oh Gott, ich bin wirklich sehr altmodisch." Er lächelte verlegen.

 

Josef erwiderte das Lächeln. „Ich hoffe, das steht nicht zwischen uns. Ich will meinen besten Freund nicht verlieren."

 

„Du hast mich nicht verloren!"

 

„Gut. Schön." Unschlüssig überlegte Josef einen Moment. „Dann lasse ich dich in Ruhe weiterarbeiten."

 

Mick fiel nichts ein, was er erwidern, also ließ er ihn gehen. Sobald Josef draußen auf der Straße bei seinem Auto angekommen war, fluchte er und biss sich auf die Zunge. Er warf einen Blick hoch zu Micks Apartment und tatsächlich stand der jüngere Vampir am Fenster. Josef winkte ‚Auf Wiedersehen' und stieg schnell in sein Auto.

 

Während der Fahrt zu seinem Penthouse ermahnte er sich, warum er sich aus der Affäre gezogen hatte. Mick würde ihn niemals ansehen, wie er Coraline ansah. Selbst bei den Freshies bevorzuge er ausschließlich Frauen und ließ die männlichen Freshies links liegen. Auch in der Zeit als Sanitäter im Zweiten Weltkrieg hatte er nicht die Nähe eines Kameraden gesucht. Nein, soweit Josef es wusste, war Mick zu hundert Prozent heterosexuell.

 

Und er hatte nicht einmal die Gelegenheit genutzt, um sich über Coraline zu beschweren.

 

~ * ~ * ~

 

Einen Tag später klopfte Mick an seiner Penthousetür. Josef hatte nicht mit ihm gerechnet, ließ ihn jedoch erfreut herein. Er hatte einen Möbelkatalog aufgeschlagen auf dem Unterarm. „Das einzige, wofür ich mich bisher entscheiden konnte, war das Sofa."

 

„Gibst du das Penthouse auf, wenn du in dein Hills House ziehst?", fragte Mick neugierig und folgte ihm zum Wohnzimmertisch, der über und über mit Katalogen zugepackt war.

 

„Ich habe mich noch nicht entschlossen. Aber eigentlich ist es ein Vorteil, eine Unterkunft mitten in der Innenstadt zu haben."

 

Gemeinsam setzten sie sich an den Tisch. Mick blätterte orientierungslos in einem Katalog.

 

„Weißt du, als Coraline uns einander vorgestellt hat - ich kannte sie schon aus meinen Zeiten in New York -", sinnierte Josef, „mochte ich dich gar nicht. Du warst naiv und wahrscheinlich das mieseste Vampirmaterial, das ich seit Jahrhunderten gesehen hatte. Ich hätte gewettet, dass du nicht einmal ein Jahr als Vampir schaffst."

 

„Ich bin immer noch ein ziemlich mieser Vampir."

 

„Und dazu Jazzmusiker. Mit Jazz kann und konnte ich nie etwas anfangen."

 

„Du wirst doch nicht sentimental auf deine alten Tage."

 

„Sehr witzig. Wenn du mich noch einmal alt nennst, bist du demnächst Fischfutter. Dabei bist du derjenige, der alt aussieht. Wie ein Detektiv aus einem dieser Romane, die in den Fünfzigern spielen. "

 

„Ich bin zufällig aus den Fünfzigern."

 

„Ich sage es ja, du siehst alt aus im Vergleich zu mir."

 

Mick neigte den Kopf leicht. Er sah Josef ernst an. „Hast du mit Coraline gesprochen? Ich habe das Gefühl, dass sie in letzter Zeit sehr aufgekratzt ist. Sehr wütend."

 

„So?", tat Josef unschuldig. Er war auf einmal mit einem Katalog beschäftigt. Nie hatte er ein richtig schlechtes Wort über Coraline gegenüber Mick verloren. Das war nicht sein Stil.

 

„Sie hat sich über irgendetwas aufgeregt, was du gesagt hast, aber sie wollte nicht mit der Sprache rausrücken." Mick zuckte mit den Schultern.

 

„Wir haben uns auf der Party kurz unterhalten..." Josef zögerte, ob er ihm erzählen sollte, dass Coraline ihn einige Tage danach aufgesucht hatte.

 

„Hast du... hast du ihr von dem Kuss erzählt?", fragte der jüngere Vampir besorgt.

 

„Natürlich nicht." Josef stand auf. „Ich bin ein schlechter Gastgeber. Möchtest du etwas trinken?"

 

Mick sprang auf und packte ihn am Handgelenk, um ihn davon anzuhalten, in die Küche zu gehen. „Nein, ich will nichts trinken." Er zögerte. „Es war seltsam, als du mich besucht hast. Ich war verwirrt und... und du hast mir alles ausgeredet."

 

„Ausgeredet?"

 

„Josef, du warst unberührbar. Du bist der Businessmann, immer cool, selbst in den blutigsten Situationen hast du stets deine Contenance, deinen kühlen Sarkasmus bewahrt."

 

Josef nickte schuldig. Er löste seine Krawatte, die er trug. Er hatte einen Kloß in seinem Hals, wollte sich freimachen. „Dinge laut auszusprechen war nie Teil unserer Freundschaft."

 

Mick sah ihn eindringlich an. Seine Hände redeten für ihn. „Du bist mein Freund, mein Bruder, mein Sire auf eine Art. Du bist da, wenn meine Frau mich im Stich lässt. Du hast mir gezeigt, was es bedeutet, ein Vampir zu sein. Ich schulde dir alles, was ich bin." Josef wollte etwas einwenden, aber Mick ließ ihn nicht sprechen. „Als ich dich in der Badewanne mit Tränen auf den Wangen sah... Ich habe dich nie zuvor so gesehen, so verletzlich. Meine Gefühle haben sich verselbstständigt."

 

Josef wischte sich mit einer Hand über den Mund und murmelte etwas. „Ich dachte, ich wäre allein..." Er sprach nicht davon, allein im Badezimmer gewesen sein. Seit Herz hatte einen Satz gemacht, als Mick ihm praktisch gestanden hatte, dass er etwas für ihn fühlte.

 

„Du hättest etwas andeuten können. Ich hatte ja keine Ahnung, bis du mich geküsst hast." Der jüngere Vampir lachte nervös.

 

Er hatte versucht, sich alles Mögliche einzureden. Allem voran war seine Ehe mit Coraline seine beste Ausrede, jegliche aufkeimende Emotion im Keim zu ersticken. Er hatte ausgeschlossen, jemals einen Mann anziehend finden zu können. Das war nicht normal. Mick war in den Fünfzigern verankert, was aber nicht bedeutete, dass er ewig in der Konservendose seiner Zeit feststeckte. Dinge änderten sich, Menschen änderten sich. Er konnte sich in einem Mann verlieben, in Josef. Es war möglich. Nur meistens wollte und konnte sich Mick das nicht eingestehen.

 

„Ich hätte dich schon viel früher küssen sollen." Josef lächelte verschmitzt.

 

„Du hättest mit einer Umarmung oder so anfangen können...", schlug Mick vor.

 

„Wir hätten uns ein Freshies teilen können." Josef machte einen Schritt auf ihn zu. Federleicht legte seine Hände auf Micks Jackenarme.

 

„Und dann hättest du mich zufällig berühren können..."

 

Ihre Münder waren jetzt nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Josefs Blick lag auf seinen Lippen. „Ich bin verheiratet. Ich sollte nicht...", nuschelte Mick, aber es war zu spät, zu widersprechen. Josef ignorierte es und küsste ihn. Seine Zunge bewegte sich verdammt schnell zwischen Mick Lippen in seinen warmen Mund. Es hielt ihn jedoch nicht davon ab, den Kuss ebenso leidenschaftlich zu erwidern. Starke Hände packten Josefs Oberkörper, schoben über das Hemd und pressten ihn an sich.

 

„Ich kann verstehen, wenn sich eine Frau in dich verliebt. Du bist talentiert, intelligent, attraktiv, weise", faselte Mick atemlos, nachdem sie sich voneinander gelöst hatten.

 

„Weise? Jetzt machst du mich wirklich älter als ich bin."

 

Mick hatte ein kleines Lächeln auf den Lippen.

 

Josef blickte ihm tief in die Augen. „Du bereust den Kuss?", fragte er vorsichtig.

 

„Diesen oder den auf deiner Party?

 

„Antworte nur mit Ja oder Nein."

 

„Nein." Mick nahm erst jetzt Josefs Geruch war. Die Erregung, einen Hauch Parfum. Er wartete darauf, dass es wieder passierte, unfähig, etwas für oder dagegen zu tun. Mit seiner Hand berührte er Josefs Brust.

 

Josef sah ihn prüfend an. Er wollte sicher gehen, dass Mick es sich nicht anders überlegt hatte, doch Micks Augen glänzten begierig. Er lächelte. „Vorsichtig. Das Hemd habe mir heute erst gekauft. Es war teuer."

 

„Warum kaufst du dir teuere Sachen, wenn du damit rechnen musst, dass sie leicht kaputtgehen oder mit Blut besudelt werden?"

 

„Weil elegante Kleidung Stil und Klasse ausstrahlt."

 

Mit einer unglaublichen Langsamkeit knöpfte Mick sein weißes Hemd auf.

 

Josef seufzte. „Okay, vergiss es, ich kann mir mindestens zehn neue jeden Tag leisten." Er strich Micks Hände weg, navigierte ihn rückwärts zum Sofa und schubste ihn darauf. Die Krawatte, die schon halb geöffnet war, löste er mit einem einfachen Handgriff und schmiss sie hinter sich. Er riss sich dramatisch das Hemd vom Körper, die letzten zwei Knöpfe sprangen durch die Luft. Mick schaute ihm fasziniert dazu.

 

Er drückte Mick sachte zurück ins weiche Sofa. Dann platzierte Josef ein Knie zwischen Micks Beine. Mit nacktem Oberkörper beugte er sich über ihn und küsste seinen Hals. Josef lächelte in Micks Halsmulde, als er seine Hände auf seinem Körper spürte. Er registrierte Micks Erregung hart gegen sein Knie.

 

Der jüngere Vampir ließ sich willig entblößen. Seine blanke Brust war ein Augenschmaus. Josef sah ihm in die Augen, während er sich an dessen Hose zu schaffen machen. Nachdem er den Reißverschluss geöffnet und die Hose ein Stück heruntergezogen hatte, rutschte Josef eine Etage tiefer auf den Teppichboden.

 

Mich ließ alles wie auf Autopilot mit sich geschehen. Als Josefs Mund sich seinen Weg über seinen Bauch nach unten arbeitete, hielt er gebannt seinen Atem an. Er fühlte sich an, als würden sich seine Härchen am ganzen Körper elektrisch aufstellen. Mick krallte sich in die weichen Polster, als Josef schließlich sein Glied mit seinem Mund berührte. Seine Lippen umschlossen Micks Eichel.

 

Er schien ein Vakuum mit seinem Mundhöhle um seinen Schwanz geschaffen zu haben. Der Druck und das Auf- und Abbewegen, hoch und runter an seinem Schaft war mehr als prickelnd. Mit geschlossenen Augen und dem Kopf im Nacken genoss Mick jede Sekunde. Fast automatisch schob er seine Hüfte Josef entgegen. „Josef... Oh Gott! Du musst auf- hören... Du-" Weiter kam er nicht.

 

Er blickte an sich hinab. Die Aussicht war fantastisch. Josefs Lippen an seinem Penis zu sehen erschien ihm gänzlich surreal und überwältigend zugleich. Sein eigener Mund stand offen, aber er brachte keine weiteren Ton hervor. Er konnte, wollte Josef auf keinen Fall aufhalten, auch wenn das bedeutete, dass er sehr bald vorbei war.

 

Josef gab ihm den letzten Kick, als dieser seine Kronjuwelen in die Hand nahm und sie leicht massierte. Mick kam, ohne dass er seinen Freund warnen konnte.

 

Josef schluckte überrascht alles herunter. Mit roten Lippen schaute er zum ihm. Mick war verklärt vom Orgasmus. Seine Hand tätschelte und strich über Josefs Haare.

 

„Ich... wir...", stammelte Mick, als müsste er irgendetwas erklären. Er schloss für den Augenblick seine Lider, um sich zu sammeln.

 

Josef lächelte glücklich. Er stand vom Boden auf und setzte sich seitlich neben Mick auf das Sofa. Seine Brust lehnte gegen Micks Schulter. Mit seinem Lippen küsste er den Bogen zwischen Hals und Schulter.

 

„Wir hätten das nicht tun sollen. Ich habe eine Ehefrau. Das ist falsch", sagte Mick. Er machte sich von Josef los und stand auf.

 

Der ältere Vampir schnaubte ungläubig. „Als ob Coraline das interessieren würde!"

 

„Aber mich interessiert das. Ich kann nicht. Nicht jetzt."

 

Josef griff seine Hand, als er merkte, dass Mick gehen wollte. „Was hast du vor?"

 

„Ich muss mit Coraline reden."

 

„Du willst mit ihr Schluss machen?"

 

Mick machte einen ernsten Eindruck. „Ich kann sie nicht hintergehen. Du kannst mich für blind und altmodisch halten, aber ich habe bemerkt, wie sich die Zeiten ändern. Freie Liebe, sexuelle Revolution und so weiter. Ich verzichte gerne darauf, ein Teil von Sodom und Gomorrah zu sein. Für mich ist die Ehe bindend. Ich habe Coraline ein Versprechen gegeben."

 

„Bis dass der Tod euch scheidet?", fragte Josef sarkastisch.

 

Mick schien selbst nicht zu wissen, wie er daraus kam. „Es tut mir leid, Josef."

 

„Technisch gesehen war die Ehe geschieden, als Coraline dich in einen Vampir verwandelt hat."

 

„Ich sollte gehen."

 

Josef biss sich auf die Unterlippe. Er beobachtete, wie Mick seine Hose zumachte und sein Hemd zuknöpfte. Coraline war Micks Droge. Er kam nicht von ihr los. Josef hatte keine Chance gegen sie.

 

„Wenn du gehst, kommst du nicht wieder", konstatierte Josef.