File 1: stories/1/598.txt
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Dwayne hatte sich nach New Jersey teletransportiert und schlenderte eine dunkle, schmale Gasse entlang, an dessen Ende sich ein Lokal, das „Ice", befand. Indigos Recherchen hatten ergeben, dass die meisten als vermisst gemeldeten Personen zuvor in diesem Lokal gewesen waren, oder auf dem Weg dorthin. Ob da ein Zusammenhang bestand, war schwer zu sagen, da sich auch das Haus in diesem Viertel befand, welches Nico ausgekundschaftet hatte und von dem er glaubte, dass es mit der Arena zu tun hätte.

Doch das herauszufinden, mussten sie sich für später aufheben. Erst mal galt es Jace zu befreien. „Jace." Dwayne sagte diesen Namen ein paar Mal leise vor sich hin und stellte sich den Mann hinter dem Namen vor. Dwayne wünschte sich, Jace wenigstens ein Mal lächeln zu sehen, bevor er mit Nico gehen würde. „Nico. Er hat seine Krise also überwunden. Sicher war Jace der Grund und nun lebt der Cleaner bei den Wölfen. Als Indigo seine Spur verfolgte, war er vermutlich auf der Suche nach Jace gewesen."

„Wie kommt der alte Esel dazu, sich an einen jungen Wolf ran zumachen? Er ist bestimmt 1000 Jahre älter. Okay, man sieht es ihm nicht an. Keinem von uns sieht man das Alter an. Logisch. Aber trotzdem, Nico ist schon einiges älter als ich, aber ich bin auch um ein paar Hundert Jahre älter als Jace. Verdammt."

Diese zuvor verdrängte Erkenntnis, passte Dwayne gar nicht und er war richtig froh, dass sich gerade jetzt sein Mal meldete, mindestens zwei Sekhmet ankündigte und ihn somit aus seinen unsinnigen Gedanken holte.

Dwayne hatte seine Waffen zu Hause gelassen. Erstens brauchte er sie bei dieser Aktion nicht und besonders sein Schwert war ihm zu wertvoll, um es an einen Sekhmet zu verlieren.

Er registrierte, wie sich die Sekhmet lautlos an ihn heran schlichen und so ging er eine Spur langsamer. Da die Sekhmet einen Cleaner nicht von einem normalen Vampir unterscheiden konnten, lief Dwayne auch nicht Gefahr, erkannt zu werden und einen Augenblick später hatten sie ihn auch schon eingeholt. Dwayne musste sich sehr zurückhalten, um die zwei Monster nicht auf der Stelle anzugreifen, doch als ein Baseballschläger auf ihn nieder sauste, drehte er sich zumindest so geschickt, dass er seinen Kopf nur streifte.

'Offensichtlich liegen wir richtig', dachte Dwayne, während er sich fallen ließ und bewusstlos stellte. Die beiden Sekhmet packten ihn an Händen und Füßen und schleiften ihn rasch in eine Seitengasse. Von dort ging es weiter durch eine Tür und einen langen Flur, bis sie Dwayne offenbar in einen Keller schleiften. Eine schwere Metalltür wurde geöffnet und Dwayne flog über eine Treppe nach unten. Dann wurde die Tür wieder geschlossen.

Dwayne wartete noch einen Augenblick und lauschte, als sein Mal zu kribbeln anfing und er sofort wusste, wer anwesend war. „Hallo Jäger", sagte er und richtete sich auf.

„Hey Lord. Lustig, dass sie dich auch erwischt haben", kam es von Jace zurück.

Dwayne richtete sich auf und schaute in die Ecke, aus der die Stimme gekommen war. „Erwischen lassen", korrigierte er, „ich bin gekommen, um dich zu retten."

„Klasse, dann lass uns gehen", forderte Jace den Lord grinsend auf und der erwiderte ebenso grinsend. „Nur nicht hetzen, alles zu seiner Zeit."

„Das sagst du nur, weil es besser klingt, als zugeben zu müssen, von den Sekhmet ausgetrickst worden zu sein", entgegnete Jace und lachte leise.

Dwayne stand auf und setzte sich neben Jace. „Ich soll dich übrigens von Nico und deinen Großeltern grüßen."

Diese Worte wischten Jace das Grinsen aus dem Gesicht und er stöhnte gequält auf. „Nicht auch das noch. Sag jetzt nicht, sie sind in New York. Bitte sag es nicht."

Nun war es Dwayne, der leise lachte. „Okay, ich sag's nicht."

Jace stöhnte erneut und verdrehte die Augen. „Wann kapieren sie endlich, dass ich erwachsen bin und meine Dinge selbst regle? Das ist wirklich peinlich."

„Das, was du da von dir gibst ist peinlich", konterte Dwayne ungehalten. „Du hast eine Familie, die sich um dich sorgt, Freunde, die sich um dich kümmern. Ein Mann sollte Hilfe annehmen, wenn er sie braucht. Das ist erwachsen."

Jace richtete sich auf, beugte sich zu Dwayne und der sah, wie seine Augen tiefgrün funkelten.

'Wow', war alles, was der Lord denken konnte und sein Mal sandte gleichzeitig warme Strahlen durch seinen ganzen Körper. Dieses Gefühl brachte ihn wieder zur Besinnung. 'Nein. Nein. Nein. Du irrst dich, verflucht', sandte er dem Mal gedanklich zu. Doch dieses blöde Ding wurde nur noch wärmer und Dwayne schloss kurz die Augen, um sich darauf zu konzentrieren, dieses Gefühl auszublenden. Leider war das nicht so einfach, aber zum Glück herrschte Jace ihn wütend an, was den Lord wenigstens ablenkte. „Jetzt hör mir mal gut zu. Ich bin 28 Jahre alt und weiß sehr wohl, was ich tue."

'Ein Kind. Ich bin drauf und dran mich in ein Kind...gütiger Himmel. Nein, da ist ja Nico. Vergiss das nie, Dwayne. Niemals! Dann kriegst du das auch geregelt.' Diese Gedanken halfen Dwayne sich wieder zu konzentrieren und er entgegnete spottend, weil ihm das half, den Abstand zu wahren: „Klar, wenn man so alt ist, weiß man natürlich genau, was man tut. Es war also pure Absicht, dass du hier gelandet bist."

Jace betrachtete Dwayne abschätzend von oben bis unten. „So viel älter als ich kannst du nicht sein, daher spar dir deine blöden Sprüche."

Dwayne musste lachen. „Du hast Recht, die paar Jährchen fallen kaum ins Gewicht."

Jace fiel plötzlich wieder ein, das er hier mit einem Vampir herum diskutierte. Bei dieser Spezies hatte das Alter eine andere Bedeutung. „Wie alt?", fragte er daher neugierig.

„Unwichtig, wir haben Besseres zu tun, als darüber zu reden", wiegelte Dwayne ab und fand sich selbst lächerlich. Vampire, besonders Cleaner, waren im Grunde stolz darauf, trotz ihrer Kämpfe gegen die Sekhmet so lange überleben. Wieso stellte er sich jetzt so kindisch an?

„Älter als Nico?"

Der entrüstete Blick Dwaynes traf Jace und der lachte leise. „Also nicht. Nun sag schon."

„Bei allen Erdgeistern. Ist das zu fassen? Wir sitzen hier in diesem Loch und alles, was dich interessiert, ist das Alter eines Vampirs? In den 800 Jahren, die ich auf dem Buckel habe, ist mir so etwas noch nie unter gekommen. Verliebte sind wirklich nicht ganz dicht. Wir werden vermutlich bald tot sein, also lassen Sie den Jungen nicht blöd sterben, Lord."

„Kalman?" Dwayne erhob sich rasch und ging auf die Ecke zu, aus der die Stimme gekommen war.

„Genau der, Mylord", antwortete der Zwerg, kam auf Dwayne zu und umarmte ihn freundschaftlich. Dwayne tat es ihm gleich, obwohl er den alten Freund wegen seiner Bemerkungen am liebsten erwürgt hätte.

„Was machst du denn hier?", fragte Dwayne, nachdem sie sich wieder getrennt hatten.

„Nun, ich hatte gerade nichts zu tun und dachte mir, lass dich von den Blutmonstern fangen und kämpf ein bisschen um dein Leben", entgegnete Kalman und grinste.

Dwayne grinste ebenfalls. „Du weißt, was ich meine."

Der Zwerg nickte. „Ich wollte zu meiner Schwester. Dieses schusselige Frauenzimmer hat mir gemailt, dass sie zuwenig Yska - Pulver mitgenommen hat. Dabei hätte sie sich doch denken können, dass ihr andauernd mit Verletzungen daher kommt. Na, wie auch immer. Ich wollte die Gelegenheit nutzen und mir New York anzusehen und natürlich einkaufen. Da ich dachte, so eilig wird es mit dem Pulver schon nicht sein, wollte ich zuvor noch in dieses Lokal, von dem man sagt, dort gibt es noch echten Met und man trifft die interessantesten Typen. Doch statt Met bekam ich eines über die Rübe und da bin ich nun. Allerdings trifft man auch hier die interessantesten Typen. Aber ohne Met macht es gar keinen Spaß."

„Du wolltest ins Ice?", fragte Dwayne mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Aha, daher weht der Wind", erkannte Kalman sofort.

„Das vermuten wir zumindest. Eine von meinen Leuten hat heraus gefunden, dass die meisten Entführungen in der Nähe dieses Lokals statt gefunden haben. Kann aber auch daran liegen, dass die Sekhmet wissen, wer dort verkehrt."

„Kann mich mal jemand aufklären?", rief Jace, der die Unterhaltung der Beiden wohl verfolgt hatte, doch erst verdauen musste, was der Zwerg über diese Sache mit dem Verliebt sein von sich gegeben hatte. Jetzt hatte er sich wieder soweit im Griff, daher begab er sich zu den Beiden und schaute sie abwechselnd und fragend an.

Dwayne antwortete mit einer Gegenfrage. „Wo haben sie dich denn erwischt?"

„Nicht vor diesem besagten Lokal, das kenne ich nicht einmal. Ich bin einem Hinweis gefolgt, der mich zu einem Haus führt, das Arena heißt. Zumindest steht das auf dem Schild neben der Tür."

Dwayne nickte zustimmend. „Das ist genau die Gegend, in dem auch das Ice ist. Also kommt es hin. Wir observieren das Lokal, nachdem wir hier raus sind."

„Genau. Du holst uns ja hier raus", entgegnete Jace spottend.

„Worauf du deinen sü...worauf du wetten kannst", erwiderte Dwayne und war froh, noch die Kurve gekriegt zu haben, da er ursprünglich süßen Arsch hatte sagen wollen.

„Wie ist Ihr Plan, Mylord?", wollte Kalman sehr leise wissen und Dwayne winkte die beiden in eine leere Ecke des Raumes, denn inzwischen hatten sich die neun anderen Gefangenen neugierig genähert und Dwayne wollte natürlich nicht, dass Leute, die er nicht kannte, von seinem Fluchtplan erfuhren. Immerhin war es möglich, dass sie verraten wurden. Sei es, weil sich ein Spion unter ihnen befand, oder dass sich einer erhoffte, durch Informationen freigelassen zu werden.

Die Drei drängten sich also in die Ecke und Dwayne erläuterte. „Ich trage einen Sender. GPS, wenn ihr so wollt. Mit dem können unsere Leute mich orten."

Der Zwerg schüttelte den Kopf. „Das können Sie vergessen. Wenn man von hier weggebracht wird, muss man seine Kleider gegen andere tauschen. Glauben sie mir, in dem Fummel, in den sie einen stecken, kann keiner einen Sender verstecken."

„Das dachte ich mir schon, daher, nicht in den Kleidern", gab Dwayne zwinkernd zurück.

Doch der Zwerg schüttelte wieder den Kopf. „Dann Schuhe. Auch sinnlos, wir müssen Barfuss antreten."

„Ich habe mir den Sender unter die Haut nähen lassen", klärte Dwayne die beiden grinsend auf. „Der beste Platz, dachte ich mir."

„Was?" Jace lachte leise. „Du bist ja verrückt, aber genial. Scheint als würden wir doch hier raus kommen."

„Darauf kannst du..."

„....meinen süßen Arsch verwetten. Ich weiß", unterbrach Jace Dwayne grinsend und der war erst mal sprachlos.

~ C ~

Am nächsten Tag im Hotel.

„Okay, ich weiß wo der Lord ist, aber wir wissen nicht, ob der Jäger bei ihm ist."

„Jace, er heißt Jace Schamanu", unterbrach Odan, die Cleanerin, belehrend.

„Gut, dann halt Jace Schamanu", entgegnete Indigo, genervt davon, sich mit solchen Kleinlichkeiten abgeben zu müssen. Doch Dwayne und der Mission zu Liebe hielt sie sich zurück. Sie hatte jetzt echt andere Sorgen. Zudem gab ihr Mal keine Ruhe, sobald Nico in ihrer Nähe war, was sie ganz nervös machte. Auf gute Art nervös, wie sie zugeben musste und sie brauchte das Mal überhaupt nicht, um diesen Vampir mehr als toll zu finden. Er war einfach umwerfend. Schön. Kraftvoll. Hinreißend. Düster. Sexy - düster. Es gab keine passenden Worte, um ihn zu beschreiben.

Indigo riskierte einen schnellen Blick unter gesenkten Wimpern auf den Mann ihrer Begierde und seufzte leise. Dann riss sie sich zusammen und kam wieder auf das Thema. „Also, wir wissen nicht ob...Jace, bei ihm ist und halten uns daher genau an den Plan des Lords. Er nimmt an, dass alle Gefangenen bei der nächsten Show in der Arena sein werden. Wo das sein wird, wissen wir nicht, aber das sagt uns das GPS. Die nächste Show ist morgen Abend. Da wir keine offiziellen Eintrittskarten haben, werden wir auch über den Ort nicht verständigt. Wie ich herausfinden konnte, wird es üblicher Weise so gehandhabt, dass man per Post die Tickets bekommt und einen Zettel, an dem der Ort und die Zeit steht. Wie vorsintflutlich. Aber clever. Wenn es per Mail oder SMS wäre, könnte ich es knacken, aber so müssen wir uns auf das GPS verlassen. Aaaber, ich habe die Tickets." Indigo grinste zufrieden. „Ein Hoch auf Photoshop und auf mich, weil ich echt gut bin. Danke für den Applaus", murmelte sie missmutig, weil weder von den Wölfen noch von Nico eine Reaktion kam. Daher verteilte sie die Tickets und erklärte weiter. „Seid morgen Abend bereit. In Abendkleidung bitte. Da ich herausfinden konnte, dass die Veranstaltung immer um 24 Uhr anfängt, werden wir euch um 23 Uhr abholen. Ach ja, und keine Waffen. Die haben Metalldetektoren. Paul bastelt gerade an welchen, die die Detektoren überlisten. Hoffentlich. Alles klar soweit?"

Sie schaute in die Runde und erntete zustimmendes Nicken. „Gut, dann bis Morgen", sagte sie zum Abschied und verließ das Hotelzimmer. Vor der Tür stieß sie die Luft aus. 'Kein Wunder, dass wir mit den Wölfen nicht können. Humorlose Langweiler', dachte sie und wollte gerade gehen, als sie hörte, wie einer der Wölfe, sie wusste nicht welcher, sagte: „Diese Vampirin ist ganz schön eingebildet."

„Nun ja, sie hat aber auch wirklich was auf dem Kasten", erkannte Indigo Nicos Stimme.

Der Wolf sagte darauf: „Unbestritten. Dieser Lord hat ein Spitzenteam. Gut, dass du dich an ihn gewandt hast. Nur wozu dieser Aaran gut ist, weiß ich nicht."

„Warte, bis du ihn kämpfen siehst, dann weißt du es", entgegnete Nico und Indigo grinste. 'Geht doch', dachte sie und lief los.

~ C ~

Insgesamt waren es elf Personen, die in diesem Keller gefangen waren. Acht Vampire, zwei Werwölfe und der Zwerg Kalman.

Als der nächste Abend anbrach, öffnete sich die schwere Eisentür und ein paar vermummte, schwer bewaffnete Gestalten befahlen den Gefangenen ihnen zu folgen, wobei sie die Gefangenen in die Mitte nahmen.

Sie wurden durch einen schmalen, endlos scheinenden Flur geführt und Jace sprach aus, was Dwayne dachte. „Geschickt angelegt. Der Gang ist so schmal, dass gerade zwei Leute nebeneinander Platz haben. So hat man keine Chance anzugreifen, weil man sich da nicht rühren kann."

„Keine Sorge. Du bekommst schon noch die Gelegenheit, um dein Leben zu kämpfen", entgegnete Dwayne trocken und Jace, der neben ihm ging, warf ihm einen leidenden Blick zu. „Das macht mir auch keine Sorgen, schlimm, richtig schlimm wird es erst, wenn ich überlebe."

„Dein Großvater?"

„Schlimmer, meine Großmutter", erklärte Jace, tief auf seufzend.

Dwayne lachte und bekam gleich darauf einen Gewehrkolben ins Kreuz geschlagen. „Ruhe", wurde er angeschnauzt und der Lord beschloss sich daran zu halten, um nicht aufzufallen, denn das war unbedingt zu vermeiden.

Fast zehn Minuten später landeten sie in einer Kammer, in der an einer Wand Haken eingeschlagen waren. Darunter befand sich eine lange Bank, auf der breitere Lederstücke verteilt waren.

„Wow, eine Designergarderobe. Vornehm geht die Welt zugrunde", spottete Jace und handelte sich auch gleich einen derben Kolbenschlag ein. „Maul halten und umziehen", befahl einer der Wächter.

Kalman ging sogleich auf die Garderobe zu, begann sich zu entkleiden und die anderen folgten seinem Beispiel.

Nur Jace hob den Lederfleck erst mal in die Höhe und richtete dann seine Worte an den Zwerg. „Ist es das, was ich glaube, das es ist?"

Kalman nickte. „Die Leute wollen das ganze Programm. Schließlich zahlen sie viel Geld für viel nackte Haut und brutale Kämpfer. Wenn dann letztendlich noch einer um sein Leben bettelt, ist es ein gelungener Abend gewesen", erklärte der Zwerg bitter.

„Pervers", murmelte Jace, fügte sich dann aber in sein Schicksal und zog sich um.

Nur mit seinem knappen Lendenschurz bekleidet sah er einfach atemberaubend sexy aus, stellte Dwayne fest, während er an seinem Lederteil herumzupfte, in der irrigen Annahme, sich auf diese Weise mehr bedecken zu können.

Was er nicht wusste war, dass Jace fast dieselben Gedanken hatte, oder viel mehr nur ein Gedanke durch sein Hirn schoss, während er Dwayne unter halb geschlossenen Lidern betrachtete. 'WOW.'

~ C ~

Dwaynes Sender zeigte ab 22 Uhr permanent den gleichen Standort an und Indio stellte fest, dass es in Brick City war, New Jersey, Containerhafen.

„Sie wählen immer einen Ort am Hafen. Wieso?" Indigo starrte auf den Bildschirm, auf dem die letzten Standorte als Punkte markiert waren. „Das muss einen Grund haben. Aber das müssen wir später herausfinden, jetzt müssen wir dringend los." Sie übertrug die Daten rasch auf ihre speziell hergestellte Uhr und lief dann in ihr Zimmer, um sich fertig zu machen.

Als Indigo ein paar Minuten nach Mitternacht aus dem Wagen stieg, stockte Nico der Atem. Sein Hirn setzte aus, die Umgebung verschwand plötzlich und er sah nur noch sie. Doch damit nicht genug. Indigo kam auf ihn zu und hakte sich unter. Nicos Knie gaben nach und reflexartig hielt er sich am Autodach fest. 'Das. Ist. Nicht. Gut.', schoss es Nico durch den Kopf, doch als Indigo ihn anlächelte und mit sich zog, konnte er sich gar nichts Besseres vorstellen, als ihre Hand in seiner Armbeuge zu spüren. Willenlos folgte er ihr, half ihr galant über den Steg und erst, als sie das Oberdeck entlang liefen, fiel ihm auf, dass sie auf ein Schiff gegangen waren. In dem Augenblick begann sein Gehirn endlich wieder zu arbeiten, zumindest teilweise, denn er überlegte Stirn runzelnd: „Wir sind hier, weil? Jace, genau. JACE! Bei allen Göttern, wie konnte mir das entfallen?' Entsetzt über sich selbst, löste er sich von Indigo, entfernte sich ein paar Schritte, atmete tief durch und schloss kurz die Augen. 'Krieg dich wieder ein, Nico, verdammt. Du hast die Kontrolle über dich, also erinnere dich daran, lass dich nicht mehr ablenken und erledige deine Aufgabe.'

Er rekonstruierte schnell, was er unterbewusst von den letzten Minuten gespeichert hatte. Bevor sie die Gangway betreten konnten, mussten sie einen Metalldetektor passieren und ihre Tickets wurden kontrolliert. Indigo hatte ganze Arbeit geleistet, denn danach waren sie freundlich an Bord gebeten worden. Er und Indigo waren voran gegangen. Die anderen hatten sich unter die restlichen Besucher gemischt, da sie so weniger auffielen. Nun waren sie alle an Bord.

„Was ist los, Nico? Geht es dir nicht gut? Dein Verhalten fällt auf", flüsterte sie ihm zu und hakte sich wieder unter.

Gefasst lächelte er Indigo an. „Tut mir Leid. Ich war in Gedanken, aber jetzt bin ich wieder ganz da."

Indigo lächelte ebenfalls und schaute Nico in die Augen. Nur mit Mühe gelang es ihm, sich nicht in ihren wundervoll schimmernden Augen zu verlieren und er atmete erleichtert aus, als Mangus neben ihm zischte: „Wollt ihr hier Wurzeln schlagen? Los, geht endlich weiter. Wir fallen schon auf."

Beide zuckten zusammen und wurden sich schlagartig ihrer Mission bewusst. Indigo löste ihren Arm von Nicos. Sie wusste, nur wenn sie den Körperkontakt unterbrach, konnte sie vernünftig denken und handeln.

Daher begannen sie sich über die bevorstehende Show zu unterhalten und schauten sich  unauffällig um, während sie über das Deck schlenderten und registrierten, dass sie sich auf einem großen Frachtschiff befanden. Alle Besucher waren festlich gekleidet. Die Frauen trugen Designerkleider und teuren Schmuck. Die Männer protzige Uhren und so mancher von ihnen einen Diamantring am kleinen Finger.

„Dekadente Leute, die einen besonderen Kick suchen. Widerlich", knurrte Nico und Indigo nicke zustimmend. Dann schaute sie auf ihre Uhr. „Dwayne ist direkt unter uns", flüsterte sie.