File 1: stories/1/595.txt
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Aaran kam angerannt. Sein Schwert noch immer in der Hand, beugte er sich neben Dwayne über den bewusstlosen Mann. „Mist, ich habe einen Zivilisten erschossen. Das wollte ich nicht. Ehrlich. Ich dachte, das ist auch ein Sekhmet, der irgendein Strafritual durchführt. Wie hätte ich wissen sollen, dass...."

„Er lebt noch, also sei still und hilf mir lieber, ihn nach Hause zu bringen", herrschte Dwayne seinen Freund an.

„Du willst ihn zu uns nach Hause mitnehmen? Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein. Wir wissen nicht, wer er ist und..."

Unwirsch schnitt Dwayne ihm das Wort ab. „Er ist ein Werwolf, unter dem Sekhmet Blut riecht man es kaum. Jedenfalls sollten wir alles tun, damit er überlebt, denn sonst kriegen wir arge Probleme mit seinem Rudel, wenn sie dahinter kommen, dass wir unsere Finger im Spiel hatten. Etwas, das wir wirklich nicht gebrauchen können."

„Was mischt er sich auch in unsere Arbeit ein?", maulte Aaran leise, teletransportierte sich aber sofort auf das Grundstück. Während er in die Garage lief, meldete sich sein schlechtes Gewissen. Er hatte gehandelt ohne nachzudenken und daher stimmte er Dwayne jetzt doch zu. Sie hatten die Pflicht, den Mann zu retten.

Dreißig Minuten später hielt der Van mit quietschenden Reifen vor dem Trockendock.

Dwayne hatte den Fremden bereits vor das Tor gebracht und Aaran fragte sich, wie es ihm gelungen war, das hohe Tor mit dem Mann auf seinen Armen zu überwinden. Doch um Fragen zu stellen, war später noch Zeit. Erst galt es, den Fremden so rasch wie möglich zu versorgen. Rasch öffnete Aaran daher die hintere Autotür und Dwayne legte den Mann auf den Rücksitz. Er setzte sich daneben und Aaran brauste auch schon los.

„Während ich hierher gefahren bin, habe ich Martha angerufen. Sie wartet schon auf uns", erklärte er, doch Dwayne hörte ihm nicht wirklich zu.

Er war zu sehr damit beschäftigt den Jäger zu betrachten. Er hatte ein markantes Kinn und eine gerade Nase, die man als griechisch - römisch bezeichnen konnte. Die Haut war gut gebräunt, glatt und makellos. Als Dwayne den Mund des Jägers betrachtete, unterdrückte er das Bedürfnis, über die vollen Lippen zu streichen. Sie waren blass, fast so wie die Haut, die inzwischen so aussah, als hätte sie alle Bräune verloren. Dwayne wusste, dass es an dem Blutverlust lag und er presste seine Hand auf die Schusswunde auf der rechten Seite der Brust des Jägers. Der Lord hatte dort einen notdürftigen Verband mit seinem Hemd angelegt, das inzwischen Blut durchtränkt war. „Halt durch, Junge. Gleich sind wir zu Hause und können dich ordentlich versorgen", flüsterte Dwayne und versuchte das Gefühl auf seinem Bauch zu ignorieren, das sich verstärkt hatte, seit er dem Jäger so nahe gekommen war.

Aaran bremste so abrupt, dass Dwayne den Jäger automatisch an den Schultern packte, damit er nicht vom Sitz fiel. Sogleich wurde das Mal wärmer. 'Jeder entscheidet und bestimmt selbst', sagte Dwayne sich drei Mal in Gedanken vor, als Aaran auch schon die Tür auf riss und seinem Lord half, den Jäger aus dem Wagen zu hieven.

Fünf Minuten später lag er im Bett eines der leeren Zimmer und Martha versorgte seine Schusswunde, die sich schon etwas geschlossen hatte.

„Kein Mensch", erkannte Martha, die gerade die Kugel aus der Wunde holte.

Aaran schüttelte den Kopf. „Werwolf. Was mich allerdings wundert, dass er immer noch bewusstlos ist. Eine normale Kugel dürfte ihm nicht so viel ausmachen."

„Es muss der Sturz gewesen sein. Durch die Verletzung in der Brust konnte er sich beim Sturz nicht abfangen und ist mit dem Kopf auf den Schiffsplanken aufgeschlagen." Dwayne hob den Kopf des Jägers vorsichtig an und so konnte man sehen, dass der Hinterkopf blutverschmiert war. Die Platzwunde war aber inzwischen fast gänzlich geschlossen.

Dwayne machte sich Sorgen. Das hatte selbstverständlich nichts damit zu tun, dass sein Mal auf den Jäger auf diese spezielle Weise reagierte. Natürlich nicht. Es lag daran, dass es einen Zusammenstoß mit dem Clan der Lykantrophen geben würde, sollte der Werwolf nicht überleben.

Der Jäger stöhnte plötzlich und seine Augenlider flatterten kurz, bevor er sie ganz öffnete und Dwayne stockte kurz der Atem, so intensiv war das Grün dieser Augen, dessen Lider sich gleich wieder schlossen.

„Keine Sorge, Mylord. Er wird wieder", bemerkte Martha, die das Verbandsende mit einem Pflaster verklebte, bevor sie eine Hand auf die Stirn und die andere auf die Brust des Jägers legte. Die nächste halbe Stunde erfüllte das Summen von Marthas Stimme den Raum und weder Dwayne noch Aaran wagten es, einen Ton von sich zu geben.

Als die Heilerin verstummte, schlug der Jäger unvermittelt die Augen auf. Mit einem Blick erfasste er die ihm fremde Umgebung, knurrte drohend und wollte sich aus dem Bett rollen, als auch schon Dwayne neben ihm stand und ihn an den Schultern zurück auf die Matratze drückte. Fasziniert von den leuchtend grünen Augen brauchte er einen Moment, bis er sprechen konnte. Dann räusperte er sich kurz. „Ganz ruhig, mein Junge. Du bist verletzt und musst dich schonen." Dwayne sagte es leise und mit beruhigender Vampirstimme, doch das schien den Jäger nicht zu beeindrucken, denn er erwiderte: „Erstens bin ich nicht dein Junge. Verstanden? Und Zweitens, versuch dieses Vampirgesülze erst gar nicht. Das funktioniert bei mir nicht. So, und nachdem wir das geklärt habe, will ich raus hier."

„Klar, damit du uns deine Hundemeute auf den Hals hetzen kannst", knurrte Aaran unfreundlich.

Der Jäger konterte spottend: „Angst, Blutsauger? Vielleicht hättest du erst denken und dann schießen sollen."

Überrascht schaute Aaran den Jäger an. „Woher...?"

Noch bevor der Jäger antworten konnte, erklärte Dwayne. „Er kann es riechen. Du weißt schon, die Verbrennungsrückstände beim Abfeuern einer..."

„Vielen Dank. Mylord. Jetzt kann ich mich gleich den Wölfen zum Fraß vorwerfen, nachdem du mich verraten hast."

„Pass auf, was du sagst", wies Dwayne den Cleaner zurecht. „Geht jetzt, du auch, Martha. Bitte", wandte er sich freundlich an die Heilerin und erklärte auch warum. „Ich will alleine mit dem Lykanthropen reden."

Martha nickte ihm verstehend zu und als sich die Tür hinter den Beiden schloss, ließ Dwayne die Schultern des Jägers los und ging auf Abstand, bevor er sagte: „Was passiert ist, war nicht geplant. Wir haben einfach nicht damit gerechnet, soweit von eurem Revier weg auf einen von euch zu treffen. Es tut mir Leid, was passiert ist. Wir wollen keinen Konflikt mit euch. Aber die Jagd auf die Sekhmet ist unsere Angelegenheit. Daher bist du nicht ganz unschuldig an den Geschehnissen. In Zukunft ist es daher besser, ihr haltet euch da raus."

Der Jäger richtete sich im Bett etwas auf und erklärte bestimmt. „Das werde ich sicher nicht tun. Ich habe mit diesen Monstern eine Rechnung offen und keiner wird mich daran hindern, sie zu begleichen, auch ihr Cleaner nicht."

Dwayne hob verwundert die Augenbrauen. „Woher weißt du von den Cleanern?"

„Wir sind uns schon aufeinander getroffen. Erinnerst du dich nicht? Auf den Containern", erwiderte der Jäger grinsend.

'ER war das also', dachte Dwayne. 'Der starke Blutgeruch des Sekhmet, den er getötet hat, hat seinen Eigengeruch übertönt, deswegen war ich mir nicht sicher. Aber jetzt, wo ich seinen ganz besonderen, eigentümlichen Duft kenne, werde ich es immer wissen, wenn er in der Nähe ist und kann somit verhindern, dass er noch einmal verletzt wird. Was denke ich da? Er ist nicht mein...nein, ich bin nicht für ihn verantwortlich. Nun gut, ich kann ein Auge auf ihn haben. Sicherheitshalber. Unsinn. Er ist ein Lykanthrop. Eine genauso stolze Spezies, wie wir es sind, daher würde er es mir übel nehmen, wenn er bemerkt, dass ich mich als sein Beschützer aufspiele. Das kann ich gut verstehen. Ginge mir nicht anders. Also halte ich mich zurück. Dennoch sollten wir die Reviersituation klären und ich will wissen, wieso er von uns weiß.'

„Das beantwortet nicht meine Frage. Woher weißt du von den Cleanern?", wollte Dwayne erneut wissen.

Der Jäger setzte seine Füße auf den Boden und stand langsam auf. „"Von meinem Rudel, oder genauer gesagt, von einem Cleaner, der eine Weile bei uns gelebt hat."

„Was?" Perplex schaute Dwayne den Jäger an. „Kaum zu glauben. Wer ist das gewesen?"

„Ich könnte es dir sagen, aber danach müsste ich dich töten", entgegnete der Jäger grinsend, schloss aber dann kurz die Augen und hielt sich am Bettpfosten fest. Er schwankte bedenklich, da ihm offensichtlich schwindlig war.

Sofort war Dwayne bei ihm und fasste ihn stützend an den Schultern. „Besser du setzt dich wieder. Du musst dich stärken. Ich hole dir etwas." Dwayne wartete, bis sich der Jäger auf das Bett nieder gelassen hatte, dann ging er zur Tür. „Übrigens, den Film habe ich auch gesehen. Aber bei deinem Zustand besteht keine Gefahr für mich."

Noch bevor der Jäger etwas erwidern konnte, hatte der Lord das Zimmer verlassen.

Der Verletzte seufzte. „Arroganter Blutsauger, kennt die gleichen Filme wie ich", murmelte er verärgert darüber, dass der Vampir das Filmzitat sogleich verstanden hatte. „Wie auch immer. Ich muss hier raus, und das rasch. Wird aber nicht einfach werden. Ich muss mir einen Plan überlegen. Wobei ich gar nicht erst in der Situation wäre, wenn dieser vertrottelte Blutsauger nicht auf mich geschossen hätte. So blöd kann echt nur ein Vampir sein. Wozu hat er seine Sinne? Keinem von uns wäre so etwas passiert. Wir hätten richtig getroffen." Der Jäger grinste fies und griff sich an die Wunde, die kaum noch weh tat. „Eigenartig, wie schnell es heilt, aber gut für mich. So kann ich gleich Morgen überprüfen, ob es stimmt, was der Sekhmet verraten hat. Ja, ich bin gut im Foltern. Zum Glück sind die Cleaner erst aufgetaucht, nachdem ich mit diesem Monster fast fertig war. Daher spare ich es mir, ihnen mit meinem Clan zu drohen. Außerdem könnte sich das zu einem Eigentor entwickeln, wenn Mangus erfährt, was ich treibe. Oder noch schlimmer, wenn Marema dahinter kommt. Sie ist im Stande und legt mich heute noch übers Knie." Der Jäger seufzte lautlos. Mangus und Marema waren seine Großeltern und er liebte sie, aber ihre ständige Einmischung ging ihm manchmal auf die Nerven. „Besser sie wissen nichts, zumindest vorläufig. Ich muss ohnehin überprüfen, ob mich der Sekhmet nicht doch angelogen hat, was ich allerdings nicht glaube. Doch eines nach dem anderen. Jetzt schlage ich mir erst mal den Bauch voll, denn er hat Recht, ich brauche Kraft. Mal sehen, was die Blutsauger so anzubieten haben."

Der Jäger fühlte sich zwar schon wieder recht gut, doch eine Flucht würde trotzdem schwierig werden. Selbst, wenn er unverletzt gewesen wäre. Die Shelter der Vampire waren von der Außenwelt völlig abgeschottet. Sie waren Meister der Camouflage und wenn sie nicht wollten, kam man weder rein noch raus, falls man das Haus überhaupt fand. Das wusste der Jäger von dem Cleaner, der zwei Jahre bei ihnen gelebt hatte und der inzwischen ein Freund seines Clans war. „Aber raus kommt man überall leichter als rein", sagte er sich zuversichtlich und lehnte sich im Bett zurück. Kaum hatte er es sich bequem gemacht, wurde auch schon die Tür geöffnet. Ein großes Tablett balancierend trat der Lord ein und stellte es auf das Bett.

Dem Jäger lief das Wasser im Mund zusammen, beim Anblick der vielen Köstlichkeiten, „Wow. Du musst ein sehr schlechtes Gewissen haben", bemerkte der Jäger und fing sofort an zu essen.

„Nein. Ich habe nur eine ausgezeichnete Köchin", gab Dwayne zurück.

„Unbestritten", stimmte der Jäger zwischen zwei Bissen zu und leerte nach und nach das Tablett.

Dwayne schaute ihm zu. Registrierte jede noch so kleine Bewegung. Beobachtete, wie der Jäger eine blauschwarze Strähne zurück strich, die aus dem Lederband gerutscht war, mit der er sein schulterlanges Haar im Nacken zusammengefasst hatte und wünschte sich, es wären seine Finger, die durch diese schwarze Seide glitten. Doch das würde nie passieren. Vampire und Lykanthropen waren zwar keine direkten Feinde mehr, aber Freunde würden sie niemals werden und schon gar nicht das, was Dwaynes Mal signalisierte. Ausgeschlossen. Das sein Herz derselben Meinung wie sein Mal zu sein schien, ignorierte der Lord einfach. Das war eine Sache der Vernunft.

Der Jäger schob das Tablett von sich. „Richte deiner Köchin meine Anerkennung aus. Sie hat den Rest eurer Schuld getilgt. So wie ihr mich behandelt habt, glaube ich, dass es keine Absicht von deinem Cleaner war, daher möchte ich jetzt gehen."

Dwayne antwortete nicht sofort und überlegte. Dieser Unfall hätte einen Konflikt mit den Lykanthropen auslösen können, doch der Jäger schien einsichtig zu sein und ebenfalls auf keinen Streit mit den Vampiren aus zu sein. Daher nickte Dwayne zustimmend. „Ich bin froh, dass du das so siehst. Trotzdem wirst du verstehen, dass ich dich nicht so einfach gehen lassen kann. Wir schützen unsere Shelter genauso wie ihr eure Caves. Gestatte daher, dass ich dich in einem unserer sicheren Wagen an einen Ort deiner Wahl bringe."

„Einverstanden. Am Besten gleich, wenn es recht ist", entgegnete der Jäger und erhob sich erneut aus dem Bett.

Dwayne bemerkte erleichtert, dass der Jäger nun wesentlich sicherer auf seinen Beinen stand. „Warte hier, ich bin in einer Minute zurück", verlangte er und so war es auch. Als er wieder kam, hielt er ein neues T-Shirt in der Hand, das noch in der Original Verpackung steckte und reichte es dem Jäger. „Wenn du noch duschen willst, das Badezimmer ist gleich..."

Der Jäger schüttelte den Kopf. Er wollte den Aufenthalt hier so kurz wie möglich halten, denn diesen Vampir musste er meiden, das sagte ihm sein Kopf deutlich, auch wenn sein Herz etwas ganz anderes sagte. „Mach ich zu Hause."

„Okay. Gehen wir. Allerdings muss ich dir die Augen verbinden. Ich kann nicht erlauben, dass du mehr siehst als unbedingt notwendig."

„Du erwartest doch nicht ernsthaft, dass ich das zulasse. Auf keinen Fall", erwiderte der Jäger aufgebracht und schaute Dwayne grimmig an.

Der seufzte, nicht nur weil er diese Reaktion nachvollziehen konnte, sondern weil es nun doch kompliziert werden würde. Dazu kam, dass sein Mal ständig dieses warme, prickelnde Gefühl von sich gab, was Dwayne schon ganz nervös machte, daher antwortete er ungehalten. „Mir ist klar, dass dir das nicht gefällt, aber ehrlich gesagt, es ist mir egal. Der Schutz meiner Leute ist mir zu wichtig, um das Risiko einzugehen. Wenn du das nicht akzeptieren kannst, muss ich dich bewusstlos schlagen und dich halt dann raus bringen. Deine Entscheidung."

Fassungslos schaute der Jäger Dwayne an, dann brach er in schallendes Gelächter aus. „Ihr Bluts...ich meine Vampire, glaubt wirklich, die Größten zu sein. Aber glaube es ruhig, gegen mich hättest du keine Chance."

Dwayne schaute nach wie vor grimmig drein und erwiderte: „Auch wenn ich keinen Ärger mit euch Lykanthropen will, können wir es gerne darauf ankommen lassen. Also wenn du denkst, mich schlagen zu können, nur zu."

„Ich wusste es", entgegnete der Jäger abfällig. „Letztendlich kommt eure wahre Natur immer zum Vorschein. Wer nicht tut, was ihr wollt, wird bedroht. Typisch Vampir."

Dwayne Augen fingen plötzlich an zu glühen. „Du weißt gar nichts von unserer Rasse, daher ist es sinnlos noch weiter zu diskutieren. Aber vielleicht denkst du mal darüber nach, was du an meiner Stelle tun würdest, wenn die Situation umgekehrt wäre und du dein Cave schützen wolltest."

Der Jäger schaute Dwayne ein paar Augenblicke an, dann seufzte er. „Okay, her mit der blöden Augenbinde."

Dwayne sparte sich Bemerkungen wie, gute Entscheidung, - oder, endlich bist du vernünftig geworden. Er wusste, das würde die Diskussion nur erneut entfachen. Daher zog er wortlos einen dunkelgrauen Schal aus der Tasche und verband dem Jäger die Augen.

Beide sprachen kein Wort, während Dwayne seine Hand auf die Schulter des Jägers legte, ihn zum Aufzug führte und ihm dann in der Garage ins Auto half.

Bis auf die Anweisung des Jägers an Dwayne, ihn zum Hudson River zu fahren, schwiegen sie.

Dreißig Minuten später waren sie an dem Punkt, zu dem der Jäger wollte. Er nahm die Augenbinde ab und stieg aus.

Bleib auf deiner Seite des Flusses, Wolf", verlangte Dwayne, der ebenfalls ausgestiegen war.

„Vergiss es, Vampir. Ich sagte dir doch, ich habe mit diesen Monstern noch eine Rechnung offen. Man sieht sich, wie ich befürchte", sagte der Jäger und verschwand zwischen den Bäumen am Flussufer.

Dwayne schaute ihm nicht nach, sondern stieg wieder in den Wagen und fuhr sofort los.

Der Jäger kam hinter dem Baum hervor, hinter dem er gewartet hatte und starrte dem Wagen nach, bis in der Ferne die Rücklichter verschwanden. „Wenn die Umstände anders wären", murmelte er, schüttelte denn Kopf und wandte sich dem Fluss zu. Dann zog er die Luft durch die Nase, registrierte so, dass sich niemand in der Nähe befand.

Während er los lief, verwandelte er sich und verschwand als großer, schwarzer Schatten zwischen den Bäumen.

Dwayne lenkte sein Fahrzeug auf den nächsten Rastplatz, schaltete den Motor ab und starrte durch die Windschutzscheibe, ohne etwas zu sehen. Die Erkenntnis, die sein Mal ihm übermittelt hatte, konnte und wollte er nicht glauben. Es war zu absurd. Nicht weil der Jäger ein Mann war. Dwayne hatte schon immer Männer bevorzugt. Das Absurde war, es handelte sich um einen Lykanthropen. „Was, bitte schön, hat sich dieses blöde Mal nur dabei gedacht?", fragte Dwayne laut und lachte gleich darauf freudlos. „Ich drehe langsam durch. Es kann natürlich nicht denken und handelt nach...nach was eigentlich? Instinkt? Wie auch immer, es irrt sich in diesem Fall. Anders kann es nicht sein. Ein Vampir und ein Lykanthrop", Dwayne schüttelte den Kopf, „absolut undenkbar. Zwei dominante Wesen, das würde nie funktionieren. Abgesehen davon, weder seine noch meine Rasse würde das akzeptieren und der schwer ausgehandelte Friede wäre gefährdet. Dieses Risiko werde ich nicht eingehen. Ich trage Verantwortung. Es gibt also gute Argumente keinen weiteren Gedanken daran zu verschwenden. Und, dass er mich offenbar nicht leiden kann, erleichtert die Sache noch. Gut, Thema abgehackt."

Da Dwayne jedoch ganz bestimmte, tiefgrüne Augen nicht aus dem Kopf bekam, beschloss er sich mit dem abzulenken, was immer half. Frisches, warmes Menschenblut. Er stieg aus, schloss den Wagen ab und strebte dem nahe gelegenem Diner zu.