File 1: stories/1/596.txt
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Dwayne hatte sich an einem jungen Mann gestärkt. Doch nicht einmal dazu hatte er richtig Lust gehabt und sich daher nur kurz genährt und nur soviel Blut genommen, wie er unbedingt brauchte.

Die Wärme seines Mals hatte sich in ein Gefühl der Leere verwandelt, mit dem Dwayne nicht umgehen konnte. Doch er hoffte, dass sich das änderte, sobald er Jagd auf die Sekhmet machte. „Sicher wäre es auch hilfreich, den Jäger endlich aus dem Kopf zu kriegen", murmelte er und beschloss, endlich jagen zu gehen. Die beste Möglichkeit, sich abzulenken.

Keine 20 Minuten später parkte er den Wagen in dem Mietcontainer. „Ich hätte ihn fragen sollen, wie er heißt. Ich kann ihn doch nicht immer nur Jäger nennen. Oder sage ich, wenn wir zufällig aufeinander treffen: „Hey Wolf, habe ich dir nicht gesagt, du sollst dich von unserem Revier fernhalten?" Dwayne verdrehte die Augen, musste dann aber grinsen. „Oder ich sage: „Na Wölfchen, wieder mal in einer Gegend, in der du nichts zu suchen hast?" Sicher killt er mich, wenn ich ihn so nenne, zumindest würde er es versuchen. Er ist ein guter Kämpfer und auf keinen Fall zu unterschätzen. Und er ist ein Lykanthrop. Das ist das, woran ich denken sollte, anstatt mir blödsinnige Namen für ihn auszudenken."

Dwayne war frustriert, wütend auf die Sekhmet, auf seinen Job, auf sich und auch gleich auf die ganze Welt. In diesem Zustand zog er sein Schwert und brüllte in die Nacht. „Wo seid ihr, ihr verfluchten Monster, wenn man euch braucht?"

Dwayne bemerkte nicht, dass er beobachtet wurde, während er die Docks entlang ging, auf der Suche nach den Feinden.

~ C ~

Jace betrachtete die kleine Narbe, die von der Kugel übrig geblieben war. Der Cleaner hatte ihm erzählt, dass die Frau, Martha, die er im Shelter gesehen hatte, dafür verantwortlich war, dass es ihm schon wieder so gut ging. 'Die Heilerin der Cleaner ist wirklich gut', dachte der Jäger. 'Normaler Weise hätte es drei bis vier Tage gedauert, damit die Narbe so klein wird.'

Jace stieg aus der Dusche und trocknete sich ab. Sein Blick fiel auf das T-Shirt, das er von dem Lord bekommen hatte und überlegte, ob er es mit den anderen Kleidungsstücken, die wegen der Blutspuren nicht mehr zu gebrauchen waren, wegwerfen sollte, entschied sich dann aber dagegen. Das Shirt war neu und von ausgezeichneter Qualität- 'Nur weil es von Dwayne ist, muss ich es nicht gleich entsorgen. Es riecht nicht mal nach ihm', brummte Jace und wusste, dass es gerade das war, was ihn störte. Dwayne roch für Jace fantastisch, das konnte und wollte er nicht leugnen.

Dennoch waren diese Gedanken absurd. Nicht nur, weil Dwayne ein reinblütiger Vampir war, sondern auch der Anführer der Cleaner. Soweit Jace wusste, blieben sie ausschließlich unter sich.

Jace schüttelte den Kopf über die irrsinnigen Gedanken, die er da hatte, und beschloss damit sofort auf zu hören.

Er hatte ein Ziel.

Eine Aufgabe.

Eine Bestimmung, die er erfüllen wollte. Nein. Musste! Und das war, den Mörder seiner Eltern zu finden und ihren Tod zu rächen. Nur aus diesem Grund hatte er seine Familie verlassen und lebte jetzt hier in New York unter den Menschen. Es gab zwar ein Cave in dieser Stadt, doch Jace hatte, als er hierher kam, keinen Kontakt zu dem Rudelführer aufgenommen. Wozu auch? Es war sein Kreuzzug, in den er keinen anderen hineinziehen wollte.

Deswegen hatte er sich eine kleine Wohnung gemietet, die weit weg von dem Cave der New Yorker Wölfe lag, um jeden Kontakt mit ihnen zu vermeiden.

Allerdings fühlte er sich in diesen Mauern überhaupt nicht wohl. Er vermisste die Bewegungsfreiheit, die er gewohnt war, seine Familie und seinen ganzen Clan, der ihn behandelte, als wäre er genau so wie sie.

Besonders Marema, seine Großmutter, fehlte ihm, die ihn bedingungslos liebte, sich um ihn sorgte und jeden zweiten Tag Mails an ihn schickte, seit er den Cave verlassen hatte. Sie schrieb ihm von den Vorkommnissen zu Hause, fragte ihn über New York aus und drohte in jeder Mail damit, ihn an den Ohren nach Hause zu schleifen, sollte er sich nicht mindestens einmal die Woche bei ihr melden.

Sie war nicht einverstanden mit seinem Rachefeldzug und schon gar nicht, dass er alleine auf diese Mission gegangen war. Und Jace konnte aus ihren Mails herauslesen, dass sie auf Mangus, seinen Großvater, immer noch böse war, weil er seinem Enkel die Wahrheit über den Tod seiner Eltern gesagt hatte.

Jace erinnerte sich ganz genau an das Gespräch mit seinem Großvater. Es war kurz nach seinem Übergang vom Jugendlichen zum Mann gewesen. Jace hatte den schmerzhaften Prozess noch nicht richtig verdaut gehabt, als Mangus seinen Enkel aufgefordert hatte, ihn zu begleiten.

Zwei Stunden waren sie durch den Wald gelaufen, bis sie eine kleine Lichtung erreicht hatten, auf deren Mitte zwei Bäume standen, dessen Stämme in ungewöhnlicher Form umeinander geschlungen waren, wie, wenn sie sich umarmen würden.

„Hier ruhen deine Eltern", hatte Mangus erklärt. „Ich habe diese Bäume gepflanzt, nachdem wir sie in die Erde gebettet haben. Damals waren die jungen Stämme noch biegsam und so konnte ich ihnen die Form geben, die sie jetzt haben."

Jace war tief bewegt gewesen. Nicht über die Grabstätte, obwohl er erkannte, wie ehrenvoll und mit wie viel Liebe dieser Platz ausgewählt und gepflegt wurde, sondern weil er sehen konnte, wie sehr sein Großvater noch immer litt, seinen Sohn verloren zu haben. Und offensichtlich hatte er auch seine Schwiegertochter gemocht, denn sonst hätte er die beiden Liebenden nicht auf diese Weise bestattet.

Jace wusste natürlich, dass seine Mutter keine Lykanthropin gewesen war, dennoch hatte man sie im Clan willkommen geheißen, denn einer von ihnen liebte sie von ganzem Herzen. Auch Jace, der Mischling, wurde behandelt wie einer von ihnen. Es wurde nie ein Unterschied gemacht. Das war typisch für die Wölfe. Wenn sie jemanden ins Herz schlossen, dann gehörte er zur Familie und hatte die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder andere des Clans. Jace hatte eine schöne Kindheit und Jugend gehabt, doch an diesem Tag, als sein Großvater ihn an das Grab seiner Eltern geführt hatte, veränderte sich sein Leben total, denn Mangus erzählte ihm, was vor 28 Jahren geschehen war und erweckte somit in seinem Enkel den Wunsch nach Rache.

~ C ~

Dwayne kehrte mit selbstsicheren Schritten in sein Shelter zurück. Seine Kleidung hing zwar in Fetzen an seinem Körper und er stank nach Sekhmetblut, aber er fühlte sich besser. Er hatte drei dieser Biester erledigt, seinen ganzen Zorn freigesetzt, von dem er eigentlich nicht wirklich wusste, woher er kam. Doch der Kampf hatte ihm gut getan. 'Eine heiße Dusche und ich bin wieder der Alte', dachte er überzeugt und begab sich von der Garage direkt in seine Wohnung. Sein Mal hatte bei der Jagd gute Dienste geleistet und das Gefühl der Leere war seitdem verschwunden. Das war gut und er beschloss, sich nie wieder von undefinierbaren Gefühlen ablenken zu lassen. Es war wichtig, einen klaren Kopf zu behalten. Schließlich trug er eine große Verantwortung. Nicht nur für seine Leute, sondern auch für die Menschen New Yorks.

Dwayne warf seine kaputte Kleidung in den Mülleimer, duschte rasch und lief dann über die Treppe hinunter in Indigos Kommandozentrale. Als er eintrat, sah er, dass Aaran der Kreolin einen Kuss auf die Wange drückte.

„Gibt es etwas, das ich wissen sollte?", wollte Dwayne wissen und schaute die Beiden fragend an.

„Ja, dein Freund ist nicht der Hellste", erklärte die Kreolin schmunzelnd.

Zu Dwaynes Verwunderung kam von Aaran keine flapsige Entgegnung. Er grinste über das ganze Gesicht und sagte stattdessen: „Alles Show. Sie liebt mich und ich kann es beweisen."

„Ach ja?" Dwaynes Gesicht war ein einziges Fragezeichen. Offenbar war etwas zwischen den Beiden passiert, das der Lord nicht mitbekommen hatte. Doch schon winkte Indigo ab. „Träum weiter, Schotte. Alles nur, damit du mir nicht auf den Geist gehst."

„Okay, Schluss mit der Rätselstunde. Was ist hier los?", verlangte Dwayne zu wissen.

„Hör nicht auf sie, sie liebt mich, denn sie hat mir die vier neuesten Spiele, die es erst seit kurzem auf dem Markt gibt, auf meinen Laptop geladen. Wenn das nicht Liebe ist!", erklärte Aaran, noch immer grinsend.

Indigo ging darauf nicht ein, denn sie wusste, dann würde diese Diskussion noch endlos dauern. Stattdessen sagte sie an Dwayne gewandt. „Wobei er schon längst hätte spielen können, aber er hat mich angemotzt, weil ich eure Laptops gekennzeichnet habe. Darum habe ich ihm auch nicht gesagt, dass ich es tat, damit er den Richtigen erwischt, mit den Spielen drauf. Sonst hätte er ihn nicht erst heute eingeschaltet."

„Das war hinterhältig, aber ich vergebe dir. Jetzt habe ich zu tun, Leute, also wenn nichts anliegt?" Aarans Blick fiel auf den Lord und der schüttelte den Kopf. Gleich darauf war Aaran verschwunden.

Dwayne setzte sich auf einen der Stühle. „Spiele?"

Indigo nickte. „Er liebt diese „Hau - drauf, schiess - ab" Sachen. Damit kann er sich Tage lang beschäftigen und geht somit mir nicht auf die Nerven."

„Kluge Taktik", bemerkte der Lord lachend.

„Er ist kindisch, unreif und scheint seine Pubertät nie abgelegt zu haben. Aber er hat schon recht, ich liebe ihn. Er ist wie der Bruder, den ich niemals hatte und wenn es darauf ankommt, kann ich mich 100 Prozent auf ihn verlassen. Ich vertraue ihm völlig und das in vielerlei Hinsicht", erwiderte Indigo ernsthaft.

„Besser hätte ich ihn auch nicht beschreiben können", stimmte Dwayne zu. „Außerdem braucht jede Truppe ihren Clown."

Beide mussten daraufhin lachen und das tat Dwayne gut.

Doch dann wurde Indigo wieder ernst. „Über Nicos Aufenthalt habe ich leider noch immer nichts rausfinden können. Er wurde von meinen Vampirkontakten in drei verschiedenen Bundesstaaten gesehen, aber er ist nirgends lange geblieben. In der letzten Meldung, die ich bekam, hieß es, er wäre hier, in New York, gesichtet worden, aber das ist auch schon drei Monate her."

„Er will nicht gefunden werden. Das habe ich befürchtet. Bleib bitte dran, vielleicht haben wir ja Glück. Aber vergiss nicht zu schlafen und zu essen", mahnte er sie noch zwinkernd, stand auf und verließ den Raum, um in die Küche zu gehen.

Martha war nicht da und so bediente sich Dwayne selbst aus dem Kühlschrank. Er häufte sich den Teller mit Fleisch, Reis und Gemüse voll. Dann stellte er ihn in die Mikrowelle. Während er auf das 'Ping' wartete, überlegte er, Travis anzurufen und ihn wegen Nico zu befragen. Doch dann verwarf er den Gedanken wieder. Travis und auch der Bund waren auf Nico nicht gut zu sprechen und wären sicher dagegen, dass Dwayne ihn in seine Truppe holen wollte. „Meine Entscheidung", brummte der Lord. „Wenn ich ihn finde und ihn dazu überreden kann bei mir einzusteigen, werde ich mich weder von Travis, noch von dem Rat davon abhalten lassen."

Die Mikrowelle meldete sich und Dwayne nahm den Teller heraus. Er stellte ihn auf den Tisch, holte sich Besteck und setzte sich. Während er einsam den Teller leerte, beschloss er, dass sich die Cleaner in Zukunft jeden Abend zum Essen treffen würden. Dwayne hielt es für notwendig, ein paar feste Regeln einzuführen und das gemeinsame Essen würde die Erste sein.

Auch für Martha würde es eine Erleichterung sein. Schließlich konnte man ihr nicht zumuten, ständig frisch gekochtes Essen im Kühlschrank zu haben, nur weil jeder auftauchte, wann immer er wollte.

„Bei aller Liebe, Mylord, aber so geht das nicht. Jeder kommt hier, wann er will und jetzt habe ich nichts Warmes für Sie zu Essen. Wenn Sie mir gesagt hätten, dass Sie kommen, hätte ich Ihnen etwas richten können. Ich will doch, dass Sie alles frisch und warm ..."

„Danke, Martha, lieb von dir. Gerade habe ich mir darüber Gedanken gemacht, Martha, und du hast völlig Recht", unterbrach Dwayne die Zwergin. „Du kannst und sollst auch nicht ständig in der Küche sein. Ab Morgen Abend werden wir um 20 Uhr das Hauptessen im Speisezimmer einnehmen. Zu den anderen Zeiten soll sich jeder selbst bedienen."

Martha seufzte erleichtert und holte einen Schokoladenkuchen aus der Speisekammer, von dem sie ein großes Stück abschnitt. „Das wäre mir sehr Recht, Mylord", entgegnete sie, während sie das Kuchenstück auf einen Teller legte und vor Dwayne hinstellte. „Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mache nichts lieber als kochen, das wissen Sie, aber wenn ich nicht ständig in der Küche sein muss, kann ich mich auch um andere Dinge kümmern. Ich bin ja auch eure Heilerin und will Tinkturen und Salben herstellen. Aus meinen eigenen, gezogenen Kräutern und Wurzeln, denn dieses gekaufte Zeug taugt überhaupt nichts."

„Ich bin sehr froh über deine Hilfe und dass du nach New York mitgekommen bist. Mir ist durchaus klar, dass die Entscheidung für dich und Paul nicht einfach war. Bestimmt fehlen euch die Wälder eurer Heimat."

„Das will ich gar nicht bestreiten. Aber hier ist es auch schön. Das Grundstück ist groß, mit schönen, alten Bäumen, die viel Wissen mit mir teilen. Der Boden ist sehr gut. Meine Kräuter gedeihen prächtig. Nein, es ist nicht schlecht hier. Das findet auch Paul und die Einkaufsmöglichkeiten in dieser Stadt, man kriegt hier alles, wirklich alles."

Dwayne sah wie Marthas Augen vor Begeisterung leuchteten und er wollte gar nicht wissen, wie viel glänzenden Tand sie schon in ihrer Wohnung gehortet hat. Zwerge liebten glänzende Dinge, doch sie sammelten nur Sachen von Wert. Vorzugsweise aus Gold oder Silber, wie Dwayne wusste, und er beschloss, ihr und Paul etwas Schönes aus seinem Geschäft mitzubringen, wenn er Travis aufsuchte. Das würde demnächst der Fall sein, denn sein Mentor erwartete, dass er sich hin und wieder blicken ließ.

„Es freut mich das zu hören. Also muss ich nicht befürchten, das ihr zurück wollt?" Dwayne schaute die Zwergin lächelnd an, sehr wohl wissend, wie ihre Antwort lauten würde und so war es dann auch. Sie schüttelte vehement den Kopf und verneinte bestimmt.

Dwayne drückte Martha daraufhin kurz, dann verabschiedete er sich, um noch ein paar Stunden zu schlafen.

~ C ~

Jace war zu nervös gewesen, um auf die Dunkelheit zu warten und daher eine Stunde vorher los gezogen. Er war ziemlich sicher, dass der Sekhmet die Wahrheit gesagt hatte. Jace konnte sehr gut mit dem Messer umgehen und hatte bisher immer die richtigen Antworten bekommen, wenn er es benutzte. Aus diesem Grund war er auch hier in New York gelandet, durch eine Information, die er seinem Messer zu verdanken hatte. Jetzt war er auf dem Weg nach New Jersey, um das Gebäude, das der Sekhmet ihm genannt hat, zu überprüfen.

Jace stieg aus dem Taxi, das ihn nach Jersey gebracht hatte, zahlte und lief die paar Blocks zu dem Haus, in dem er den Mörder seiner Eltern zu finden hoffte. Es handelte sich offenbar um einen Club, der sich Arena nannte. Zumindest hatte der Sekhmet das behauptet und Jace begab sich auf die Straßenseite gegenüber des besagten Hauses. Er stellte sich dort in einen Hauseingang und beobachtete das Gebäude, doch es tat sich einfach nichts. Niemand ging hinein, keiner kam heraus und auch keines der Fenster war beleuchtet. Gegen Mitternacht wurde es Jace zu dumm. Er überquerte die Straße, stieg die paar Stufen zur Eingangstür hoch und griff nach der Klinke, um sie hinunter zu drücken.

„Abgesperrt", knurrte er frustriert. „Dieses elende Monster hat mich angelogen. Verflucht noch mal. Jetzt bin ich wieder ganz am Anfang."

Jace war knapp davor seine Wut hinaus zu brüllen und beherrschte sich nur mit Mühe, nicht wenigstens gegen die Tür zu treten, denn das wäre wirklich kindisch gewesen.

Gerade als er die Stufen wieder hinunter gehen wollte, bemerkte er eine Bewegung in der Gasse, rechts des Hauses. Mit einem Satz sprang Jace von der Treppe, rannte um die Ecke und stellte fest, dass er sich nicht geirrt hatte. Ein paar Meter vor ihm lief ein Sekhmet die Gasse entlang.

Jace setzte zu einem Spurt an, als ihn ein heftiger Schlag auf den Kopf stoppte. Er fiel auf die Knie und versuchte sich um zudrehen, als er einen Baseballschläger auf sich zu kommen sah. Vom ersten Schlag noch ganz benommen, gelang es ihm nicht, den zweiten abzuwehren und so traf es ihn mit voller Wucht.

~ C ~

Mangus saß auf einem umgestürzten Baumstamm und dachte über seinen Enkel Jace nach. So lange war er nun schon fort und der Clanführer befürchtete, ihn nie wieder zu sehen. Er dachte zurück an die Zeit, als sein Junge durch die Wälder streifte. Lautlos und geschmeidig war er in seiner tierischen Gestalt durch die Schatten gelaufen und jede Deckung nützend, hatte er Hirsche gejagt und auch erfolgreich erlegt. Jace war der Stärkste und Geschickteste des Rudels. Wahrscheinlich lag es daran, dass er kein reiner Werwolf war und sich die Stärken seiner Eltern in ihm vereinten.

Doch nun hatten sie schon seit sechs Tagen nichts von Jace gehört und nicht nur Mangus machte sich große Sorgen. Marema ging es viel schlimmer, und so sehr Mangus sie liebte, er hatte ihre Vorwürfe nicht mehr ertragen und die Flucht ergriffen. Nun saß er hier im Wald und ihn plagte das schlechte Gewissen, dass er seine Frau in ihrem Kummer alleine gelassen hatte. Andererseits brauchte er dringend etwas Abstand, um in Ruhe nachdenken zu können. Er musste etwas unternehmen, soviel war klar. Nur was? Hals über Kopf nach New York zu reisen war sinnlos, denn es war nicht einmal sicher, dass Jace sich noch dort aufhielt. Und selbst wenn, sie wussten nicht, wo er wohnte, das hatte er ihnen verschwiegen, um seine Familie davon abzuhalten, unaufgefordert bei ihm aufzutauchen.

Mangus war zornig auf seinen Enkel und dessen Rücksichtslosigkeit, vor allem seiner Großmutter gegenüber, die genug gelitten hatte, als sie ihren Sohn, Jaces Vater, und zugleich auch ihre Schwiegertochter und ihren Bruder bei diesem grausamen Überfall vor 28 Jahren verloren hatte.

Jetzt war auch ihr Enkel verschollen und Mangus befürchtete, dass Marema es nicht überleben würde, sollte auch Jace etwas zustoßen.

Mangus Faust krachte auf den Baumstamm neben sich und er brüllte vor Wut.

„Es ist nicht deine Schuld, Lieber." Marema legte sanft ihre Hand auf seine Schulter und schaute ihn verständnisvoll an.

Doch Mangus schüttelte den Kopf. „Wenn ich ihm nie etwas gesagt hätte..."

„Dann hätte er es von jemand anderen erfahren", wurde er von seiner Frau unterbrochen.

„Ich hätte ihn nicht gehen lassen dürfen", widersprach Mangus erneut.

„Wir reden hier von Jace. Keiner hätte ihn aufhalten können. Und sag jetzt nicht, du hättest ihn begleiten sollen. Er hätte es nicht erlaubt. Du bist der Anführer unseres Clans und für dein Rudel verantwortlich. Da kannst du es nicht monatelang ohne deinen Schutz lassen. Mal ganz davon abgesehen, dass nach einiger Zeit die Kämpfe um deinen Rang stattfinden würden. Nein. Das wäre nicht richtig gewesen."

„Es war mein Sohn, der getötet wurde", schrie Mangus ungehalten.

„Er war auch mein Sohn und auch meinen Bruder haben sie umgebracht", schrie Marema zurück. „Wir haben alle Sekhmet damals ausgerottet, im ganzen Staat und trotzdem ist der entkommen, der für alles verantwortlich war, weil es so hatte sein sollen. Wir hatten unsere Rache, Mangus. Dieses Monster, das uns entkommen ist, gehört Jace. Ich weiß nicht warum, aber es hat einen Grund, davon bin ich fest überzeugt. Doch jetzt braucht er unsere Hilfe, das fühle ich. Daher Schluss mit den Selbstvorwürfen. Es wird Zeit, dass wir etwas unternehmen. Zeit, einen Freund um Hilfe zu bitten." Marema hielt ihrem Mann das Handy hin und Mangus starrte auf den Namen, den Marema vorgelegt hatte.

„Du bist eine kluge Frau", brummte er bewundernd und sie lächelte, während er die Wahltaste drückte.

Als sich der Teilnehmer am anderen Ende der Leitung meldete, kam Mangus gleich zur Sache und berichtete was sich zugetragen hatte.

Kurz war es still, dann bekam Mangus zur Antwort: „Ich habe Jace noch vor ein paar Tagen gesehen. Kann sein, dass er gefunden hat, was er sucht, denn ich bin diesem Dämon ebenfalls auf der Spur und er treibt sein Unwesen seit einiger Zeit hier in New York. Doch er hat inzwischen viele Sekhmet erschaffen. Alleine kann ich Jace da nicht rausholen. Aber ich kenne da jemanden, mit dessen Hilfe ich es könnte."