File 1: stories/1/597.txt
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Gleich nachdem Nico das Gespräch mit Mangus beendet hatte, goss er sich ein Glas Cognac ein und nahm erstmal einen großen Schluck. Dann setzte er sich auf das Bett seines spartanisch eingerichteten Zimmers und seufzte tief. „War ja zu erwarten, dass der Junge Mist baut. Ihm kleben ja noch die Eierschalen hinter den Ohren. Ich hätte auf ihn aufpassen sollen, verdammt. Nur weil er so verflucht gut kämpft und einen Sekhmet nach dem anderen killt, habe ich angenommen, sie erwischen ihn nicht. Haben sie aber vermutlich doch und jetzt haben wir den Salat."

Nico fluchte noch eine Weile vor sich hin und schaute dabei aus dem Fenster, wartend darauf, dass es endlich dunkel wurde.

Als die Dämmerung endlich herein brach, bewaffnete er sich und verließ das kleine Hotel in der Nähe des Hafens, in dem er seit drei Monaten wohnte. Zu den Docks war es nicht weit und zehn Minuten später bezog er Stellung zwischen zwei Containern. „Bei meinem Glück taucht er ausgerechnet heute nicht auf", grummelte Nico und nahm eine Schachtel Zigarillos aus seiner Jackentasche. Er steckte sich eine an und inhalierte den Rauch. Der feine Duft stieg ihm in die Nase und beruhigte ihn ein wenig. Er hatte sich das Rauchen in Frankreich angewöhnt, ebenso wie den Cognac, den er inzwischen dem Whisky vorzog. Als er noch bei den Nomaden - Cleanern war, war Europa ihr Aufgabengebiet gewesen. Dort, wo vor über 1000 Jahren alles angefangen hatte, und in Frankreich, mit seiner Landschaft und Kultur, hatte es Nico am Besten gefallen. Aber all das war lange her und viel war inzwischen geschehen, was er nicht verdrängen konnte und das sein Leben drastisch verändert, ihn zum Einzelgänger gemacht hatte. Zwar hatte er ein paar Mal versucht das zu ändern, aber letztendlich hatte er es nirgends lange ausgehalten. Obwohl ihn alle Clans, selbst Mangus Schemanu und seine Wölfe, freundlich bei sich aufgenommen hatten, war er immer nach ein paar Monaten weiter gezogen.

Nico warf seine inzwischen aufgerauchte Zigarillo auf den Boden und trat sie mit dem Absatz seines Stiefels aus. Sein Mal am Unterarm meldete sich und er trat tiefer in den Schatten. Kurz darauf beobachtete er, wie ein Sekhmet sich an zwei Dockarbeiter heranschlich, die schwatzend den Pier entlang gingen und nicht bemerkten, in welcher Gefahr sie schwebten.

„Wird Zeit, dass du auftauchst, sonst habe ich wieder die ganze Arbeit", murmelte Nico und zog schon mal sein Schwert aus der Rückenscheide. Gerade wollte er sich seufzend aus seinem Versteck begeben, als ein Schatten hinter dem Sekhmet erschien und ihm, ohne lange zu fackeln, den Kopf von den Schultern trennte.

Nico beobachtete das ihm altbekannte Spiel, wie sich erst die Haut, dann die Muskeln und letztendlich die Knochen des Dämons auflösten und zu Staub zerfielen. Die zwei Dockarbeiter gingen schwatzend ihrer Wege und hatten von der ganzen Aktion nichts bemerkt.

„Du bist gut darin, deine Spuren zu verwischen", hörte Nico hinter sich plötzlich eine Stimme, die er zum Glück sofort erkannte. Dennoch war er überrascht, dass es Dwayne gelungen war, sich so nah an ihn heranzuschleichen, obwohl er eigentlich hätte wissen müssen, wie geschickt der Lord agieren konnte.

„Und du bist immer noch gut darin, mich zu täuschen", entgegnete Nico und drehte sich um.

„Du hast mich gesucht? Das trifft sich gut, ich dich auch."

„Okay, dann sollten wir uns unterhalten. Gehen wir." Ohne darauf zu achten, ob Nico ihm folgte, marschierte Dwayne los, auf den Container zu, in dem er sonst den Wagen stehen hatte. Diesmal war er jedoch leer, da sich Dwayne und Aaran zum Hafen teletransportiert hatten.

Aaran lehnte lässig an der Wand und grinste den Beiden entgegen. „Na? Sind wir gut?", sagte er an Nico gewandt, der in dem Augenblick wusste, dass Aaran ihn mit der Vernichtung des Sekhmet abgelenkt hatte, während Dwayne sich von hinten an ihn, Nico, angeschlichen hatte.

„Aaran Betillion Trehurne. Noch grün hinter den Ohren, trotzdem einer der besten Schwertkämpfer unter den Vampiren. Dein Ruf eilt dir voraus, junger Cleaner", bemerkte Nico wertschätzend, während er den Container betrat.

„Ich nehme den Teil mit dem besten Schwertkämpfer und das mit dem Ruf. Du kennst mich also, aber mit wem habe ich das Vergnügen? Dwayne hat mir natürlich mal wieder nichts gesagt, nur seine Anweisungen gegeben und weg war er", beschwerte Aaran sich sogleich.

„Kannst mich Nico nennen", bekam Aaran zur Antwort. Dessen Augen wurden groß. „Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt. Die Nadel im Heuhaufen."

Nico zog die Augenbrauen zusammen. „Muss ich das verstehen?" fragte er an Dwayne gewandt.

„Wie ich schon erwähnt habe, wir haben dich gesucht. Ich will dich in meiner Truppe haben", kam Dwayne gleich auf den Punkt.

Nico schüttelte den Kopf. „Es hat sich nichts geändert. Ich schließe mich den Cleanern nicht mehr an."

Dwayne ging auf diese Ablehnung nicht ein, das Thema wollte er sich für später aufheben. Außerdem musste er ohnehin erst herausfinden, ob Nico überhaupt noch zu den alten Werten stand. Daher bemerkte er nur: „Du bist aber nicht ohne Grund hier."

„Stimmt. Es geht um einen Freund. Er wird vermisst. Ich muss ihn finden und brauche eure Hilfe."

„Um wen geht es und wie soll unsere Hilfe aussehen?"

„Du hast ihn wie lange nicht gesehen? Hundert Jahre? Oder noch länger? Solltest du da nicht mehr Fragen stellen?", warf Aaran misstrauisch ein.

'Er hat natürlich recht, aber sollte Nico Böses im Schilde führen, wird er es wohl kaum verraten, also werde ich erstmal abwarten', dachte der Lord, bevor er laut sagte: „Nico mag nicht mehr zu einer Truppe gehören, doch er wird immer Cleaner bleiben und auch so handeln. Daher werden wir ihm die Hilfe geben, um die er bittet." Dwayne schaute Nico an, dessen Gesicht völlig ausdruckslos war. „Es geht um Jace, vom Clan der Schemanu - Wölfe. Er wird vermisst und ich glaube, ich weiß wo er zu finden ist. Aber alleine kann ich ihn da nicht rausholen."

„Rettet jetzt jeder Vampir Wölfe oder was?", brummte Aaran leise, doch Dwayne hatte ihn gehört und entgegnete vorwurfsvoll: „Nein. Manche schießen sie auch an."

„Das kriege ich jetzt wohl die nächsten hundert Jahre zu hören", bemerkte Aaran seufzend und Dwayne stimmte zu. „Allerdings. Doch jetzt sei endlich still, damit Nico uns alles erzählen kann. Wenn du ein Lokal hier irgendwo in der Nähe kennst, könnten wir..."

„Nein", unterbrach Nico. „Ich will nicht, dass irgendjemand etwas von unserem Gespräch mitbekommt und sei es nur zufällig. Wir reden hier. Die Vorgeschichte ist derzeit nicht relevant, daher komme ich gleich zum Wesentlichen. Jace vom Clan der Schemanu - Wölfen ist verschwunden und der Clanführer hat mich gebeten ihn zu suchen."

„Seit wann bittet ein Werwolf einen Vampir Angelegenheiten, die dessen Rudel betreffen, zu erledigen?", wollte Dwayne wissen.

„Mangus ist ein Freund und es sind Sekhmet im Spiel", gab Nico zurück.

„Das sind einleuchtende Argumente. Du hast einen Anhaltspunkt?"

Nico nickte, bevor er Dwayne antwortete. „Es gibt einen Anführer unter den Sekhmet, der Geld damit verdient, und zwar viel Geld, indem er Werwölfe, Vampire und andere, nicht menschliche Wesen, von seinen Leuten einfangen lässt, um sie in der sogenannten Arena gegeneinander kämpfen zu lassen. Bis zum Tod einer der Beiden, versteht sich."

„Okay, worauf warten wir noch? Gehen wir hin und hauen diesen Wolf raus." Aaran begann sogleich seine Waffen zu überprüfen, doch Nico schüttelte den Kopf. „So einfach ist das nicht, Grünschnabel. Ich weiß nicht, wo diese Arena ist. Sie wechseln ständig den Standort. Und selbst wenn ich es wüsste. Wir drei reichen nicht aus, um diesen Laden einfach so zu stürmen."

„Nenn mich nicht Grünschnabel, nur weil du ein paar hundert Jahre älter bist", knurrte Aaran erbost und es machte den Anschein, als würde er auf Nico losgehen wollen.

Doch der lehnte nach wie vor entspannt an der Wand und entgegnete schmunzelnd. „1300, um genau zu sein, Mister Trehurne."

Aaran hob erstaunt die Augenbrauen und pfiff leise. „Das ist ganz schön alt."

„Danke", erwiderte Nico leise lachend.

„Das ist jetzt falsch rüber gekommen", beeilte Aaran sich zu sagen. „Ich meinte damit, du hast sicher viel erlebt und ich kann eine Menge von dir lernen, daher wäre es cool, wenn du dich uns anschließen würdest. Überleg es dir, aber nenn mich um Himmels Willen weder Trehurne noch Grünschnabel. Das wäre Wasser auf Indigos Mühlen." Aaran verdrehte die Augen und seufzte tief.

Dwayne hatte bisher nichts gesagt, nur zugehört und im Kopf schon angefangen, Pläne zu machen, als Nico ihn ansprach. „Du hast dir da ein cleveres Bürschchen geholt."

„Bürschchen? Das war's jetzt! Ich fordere dich zum Kampf", verlangte Aaran aufgebracht und zog sein Schwert.

Doch Nico klopfte ihm nur beruhigend auf die Schulter. „Ich versohle dir den Hintern später, Jungchen, sobald wir Jace da rausgeholt haben. Versprochen."

Aaran schnaubte, doch bevor er etwas erwidern konnte rief Dwayne scharf: „Schluss jetzt. Alle Beide!"

Aaran steckte wortlos sein Schwert weder weg. Er wusste, wenn Dwayne so ein Gesicht machte und diesen Ton anschlug wie jetzt, war es besser sich ganz ruhig zu verhalten.

Nico hob nur ganz minimal die Augenbrauen und dachte. 'Der Rat hat gut gewählt, Dwayne ist der geborene Anführer. Sogar ich würde ihn als solchen akzeptieren, wenn ich der Truppe angehören wollte, was ich aber nicht tue.'

Vollkommen ruhig wandte sich Dwayne Nico zu, entschlossen, seinen Standpunkt klarzumachen. „Du tauchst hier auf, Nico, und erwartest unsere Hilfe, obwohl du dich von unserem Volk abgewandt hast. Du setzt dich plötzlich für deine ärgsten Feinde, nach den Sekhmet, den Wölfen ein, was mir an und für sich schon mehr als suspekt ist. Aber gut, die Cleaner haben sich verpflichtet, jedem gegen die Sekhmet zu helfen. Doch du kannst uns weder sagen, wo wir ansetzen könnten, noch hast du sonst irgendwelche brauchbaren Informationen, außer dieser Behauptung, mit diesen entführten Leuten. Das ist alles sehr fadenscheinig. Du musst mir schon mehr liefern, damit ich dir glaube, was nicht heißt, dass ich dir traue."

'Ja, er ist definitiv der Richtige für diesen Job', dachte Nico erneut, bevor er laut entgegnete: „Das verstehe ich. Es gibt schließlich immer wieder Vampire, die sich auf die andere Seite schlagen, weil sie denken, mächtiger und reicher zu werden, als sie meist ohnehin schon sind. Doch zu denen gehöre ich nicht. Auch meine Einstellung zu den Wölfen hat sich inzwischen geändert. Ich habe sie besser kennen gelernt. Außerdem bin ich mit Jace auf besondere Weise verbunden. Das ist der Grund, wieso ich mich an dich gewandt habe. Ich muss den Jungen so schnell wie möglich finden, denn ich könnte es nicht ertragen, wenn er auch noch umkommt."

Dwayne sah Schmerz und echte Verzweiflung in Nicos Augen, doch bevor er in dessen Vergangenheit schauen konnte, fuhr Nico einen mentalen Schild hoch, der es Dwayne nicht erlaubte, Einsicht zu nehmen.

'Er kennt meine Gabe', dachte Dwayne frustriert, 'aber sein Schmerz ist echt. Dieser Jace bedeutet ihm sehr viel. Sein Geliebter vielleicht? So mancher Vampir ist beiden Geschlechtern zugetan, also könnte es gut sein. Wie auch immer, das geht mich nichts an.'

„Okay", sagte Dwayne. „Dann sag mir alles, was du weißt, dann werde ich entscheiden, ob wir dir helfen."

„Das verstehe ich", entgegnete Nico. „Mir ist auch klar, dass es dir schwer fällt, mir zu glauben, denn ich kann nichts von all dem beweisen, was ich wegen dieser Arena gesagt habe. Der Vampir, der mir davon erzählte, ist jetzt irgendwo in Oregon. Er war hier in New York gewesen, um zu studieren. Eines Nachts haben ihn die Sekhmet verschleppt. Er ist ein einfacher Vampir und hat vom Kämpfen keine Ahnung, daher hat ihn sein Gegner auch gleich in der ersten Runde ausgeschaltet. Die Sekhmet dachten wohl, er sei tot, daher hatten sie ihn auf dem Dach einer Lagerhalle liegen gelassen, in der Annahme, die Mittagssonne würde den Rest erledigen.

Dass ich ihn gefunden hatte, war reiner Zufall. Ich war kurz nach Morgengrauen noch unterwegs und habe sein Blut gerochen. Wie auch immer. Als er gesund war, ist er gleich zurück nach Hause.

Er konnte mir nicht sagen, wo die Arena ist, da sie ständig den Standort wechseln. Das wusste er von den anderen Mitgefangenen. Es gibt allerdings ein Haus in New Jersey, wo sie die Frischlinge ein paar Tage gefangen halten, bis sie weiter transportiert werden."

Dwayne war noch immer misstrauisch, daher fragte er: „Hat der Vampir, den du gerettet hast, auch einen Namen?"

„Samuel Bliskin", antwortete Nico sofort. Er würde alles tun, um Dwayne zu überzeugen, denn Nico wusste, selbst wenn er Jace finden würde, um ihn zu befreien, brauchte er die Cleaner auf seiner Seite.

Dwayne nickte. „Gut, wir treffen uns morgen Abend, dann teile ich dir meine Entscheidung mit."

„Wir könnten uns in meinem Hotel treffen", bot Nico an, um seinen guten Willen zu zeigen.

Dwayne schaute Nico prüfend an, dann stimmte er zu und ließ sich die Adresse geben.

Die Drei verließen den Container und Nico sagte noch. „Du bist Jace schon einmal begegnet. Ich habe beobachtet, wie ihr vor ein paar Tagen auf einem der Containern aufeinander getroffen seid."

Nach diesen Worten teletransportierte sich der Cleaner.

„Der Jäger? Das ist Jace? Den werden wir wohl nie mehr los", bemerkte Aaran Kopf schüttelnd.

„Nach Hause", war alles, was Dwayne erwiderte, doch er folgte Aaran nicht gleich, als der sich teletransportierte, sondern starrte eine Weile vor sich hin. 'Jace ist der Jäger. Ich muss sagen, das ist eine Überraschung. Jace, das kommt von Jason, der mit dem goldenen Vlies. Ob seine Eltern den Namen deswegen ausgesucht haben? Könnte sein, dass sein Fell so weich ist und mit goldenen Fäden durchzogen, genauso wie sein Haar?'

Dwayne schüttelte diese Gedanken ab. „Ich weiß es nicht und es interessiert mich auch nicht. Was immer mir mein Mal auch sagen wollte, es hat nichts damit zu tun, dass ich mit Jace verbunden bin, denn sonst hätte ich spüren müssen, dass er in Gefahr ist, oder?" Dwayne schnaubte frustriert. „Ich weiß es nicht, darum habe ich mich nie gekümmert und das werde ich jetzt auch nicht tun, weil es irrelevant ist. Erstens, was immer mir das Mal sagen wollte, es ist nicht das, was ich dachte. Zweitens, offensichtlich gehört Jace zu Nico. Daher werde ich ihnen helfen und das war es dann."

Dwayne folgte Aaran und wenig später standen sie in Indigos Kommandozentrale.

Aaran hatte sie schon über das Wichtigste informiert und sie war bereits auf der Suche nach Samuel Bliskin.

Und Indigo bewies, wie gut sie war. Fünfzehn Minuten später hatte sie die Adresse und die geheime Telefonnummer des Vampirs.

Gleich darauf rief Dwayne an, erklärte, worum es ging und fand alle Angaben Nicos bestätigt.

„Er hat die Wahrheit gesagt, also werden wir ihm helfen", teilte der Lord seinen Freunden mit. „Es geht ja auch nicht nur darum, den Jäger dort heraus zu holen, sondern auch die ganzen anderen Wesen. Gleichzeitig vernichten wir die Sekhmet, als Bonus sozusagen. Für meinen Plan brauche ich ein paar Dinge. Daher müsst ihr mir einiges besorgen", verlangte Dwayne.

~ C ~

Mangus hatte seine Frau natürlich nicht davon abhalten können ihn zu begleiten, daher landeten sie am nächsten Nachmittag in Begleitung zwei weiterer Werwölfe auf dem JFK Flughafen in New York und wurden wenig später von Nico begrüßt. „Ich habe euch Zimmer in dem Hotel gebucht, in dem ich wohne", erklärte er, während sie zu Nicos Leihwagen gingen.

Der Cleaner hatte extra einen Van gewählt, das einzige Fahrzeug, in das sie alle rein passten ohne aneinander zu kleben.

Kaum saßen alle im Wagen, erzählte Nico von dem Treffen mit den Cleanern.

„Du denkst, wir brauchen sie?", fragte Odan, einer der Wölfe, der zusammen mit Baker für den Schutz Maremas zuständig war.

„Ja, und das nicht nur, weil sie ausgezeichnete Kämpfer sind, das seid ihr auch. Was mich bewog, mich an den Lord zu wenden, ist, dass er auch ein großartiger Stratege ist. Wie ich ihn kenne, wird er uns einen perfekten Plan vorlegen, wenn wir ihn morgen treffen."

„Du kennst ihn gut?", wollte Mangus wissen und der Cleaner nickte. „Könnte man sagen. Wir haben eine Zeit lang zusammen gearbeitet, als ich noch bei den Nomaden war und unser Anführer war immer gut beraten, wenn er auf Dwayne gehört hat."

„Mir ist es egal, wer uns hilft, Hauptsache, ich bekomme meinen Enkel wieder", meldete sich Marema besorgt zu Wort.

„Wir werden alles tun, was wir können."

„Ich weiß", entgegnete sie und lächelte Nico zaghaft an.

~ C ~

Noch bevor sie den Raum betreten hatten, machte das Mal Indigo auf die Anwesenheit der Wölfe aufmerksam. Sie wusste das deswegen so genau, weil es sich anders anfühlte, als wenn sie auf Sekhmet trafen.

Nico stellte die Wölfe vor, und Dwayne seine Vampire. Als Indigo an der Reihe war, trafen sich ihre und Nicos Blicke und Indigo hörte auf zu atmen. Ihr Mal sendete warme Strahlen durch ihren Körper und ihr Gehirn signalisierte ihr; Mein.

Doch Nico hatte sich schon wieder abgewandt und er trat einen Schritt zurück, näher an die Wölfe.

Sein Hotelzimmer war vollkommen ausgefüllt, seitdem die Cleaner eingetreten waren. Nur Dwayne war noch größer und hatte breitere Schultern als Odan und Baker, die offensichtlich genauso beeindruckt von dem Lord waren, wie alle anderen in dem Raum. Das lag nicht nur an seiner Erscheinung, sondern auch an dem Plan, den er gerade erläutert hatte.

„Dann hoffen wir, dass alles klappt", sagte Dwayne, hob die Hand zum Gruß und verließ den Raum.

„Habt ihr festliche Kleidung dabei?", wollte Indigo von den Wölfen wissen, die allesamt den Kopf schüttelten. Sie schaute auch noch Nico an, doch der erwiderte ihren Blick, zu ihrem Bedauern, nicht. 'Verständlich', dachte sie, 'er macht sich Sorgen um diesen Wolf. Und auch ich sollte mich um meine Arbeit kümmern. Alles andere wird sich ergeben, oder auch nicht.'

Entschlossen, sich ganz ihrer Aufgabe zu widmen, sagte sie daher: „Okay, dann müssen wir etwas besorgen. Du gehst mit ihnen, Aaran, ich muss Dwayne im Auge behalten."

Aaran maulte zwar ein bisschen, forderte aber dann die Wölfe auf, ihm zu folgen. Nico schloss sich ebenfalls an. Hauptsächlich, um wegzukommen. Weg von dieser Frau, die Gefühle in ihm weckte, die er nicht nur noch nie hatte, sondern auch nicht haben wollte und nie zulassen würde. Da passte es auch gut, dass Aaran seinen Schutz brauchte. Schließlich kannte er das lose Mundwerk des Cleaners, und Odan, sowie Baker hatten nicht die Spur von Humor. Außerdem hatten sie zu Vampiren ein sehr gespaltenes Verhältnis.

Auch wenn Mangus seine Leute gut im Griff hatte, Nico wollte nicht, dass durch ein Missverständnis die Mission gefährdet wurde.