File 1: stories/1/602.txt
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„Wo soll dieses tote Gestrüpp hin, Slayer?", fragte Spike, der gerade einen riesigen Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer schleppte.

„Gleich in den Ständer. Xander, hilf ihm bitte", entgegnete Buffy, während sie in den Kartons mit dem Weihnachtsschmuck kramte.

„Da fällt mir was Besseres ein. Spike soll ihn während der Feiertage halten. Zwei Tote im Wohnzimmer, geschmückt mit Kugeln, Glitterkram und Süßigkeiten, davon habe ich schon immer geträumt."

„Halt den Rand, Welpe, sonst landet dein Gipskopf auf der Baumspitze", knurrte Spike und knallte den Baum in den Ständer. „Mach schon fest das Ding, damit ich endlich das blöde, klebrige Zeug von den Fingern kriege."

„Baumharz an deinen ohnehin dreckigen Griffeln, das passt doch wie die Faust aufs Auge", maulte Xander weiter und Spike konterte. „Meine Faust passt auch genau auf dein Auge."

„Ja, das würde dir gefallen, aber der Chip. Kopfschmerzen, tierische Kopfschmerzen. Ein Hoch auf die Initiative."

„Das ist es mir wert, wenn du jetzt nicht endlich diese verdammten Schrauben fest machst, Obertrottel", knurrte Spike und zeigte sein dämonisches Gesicht.

„Wenn ihr jetzt nicht sofort aufhört, nagle ich euch Beide am Dach fest, als besondere Weihnachtsdekoration, verstanden? Ich werde mir von euch diese Weihnachten nicht ruinieren lassen. Ich träume schon seit Wochen davon. Von wunderschönem, perfektem, dämonenfreiem Weihnachten. Ich will, dass das Haus hübsch mit grünen Zweigen und roten Schleifen dekoriert ist, der Baum GERADE im Ständer steht und mit dem ganzen, schönen alten Weihnachtsschmuck meiner Mutter geschmückt ist. Ich will, dass ein Engel auf der Baumspitze steckt und ...."

Spike verzog angewidert sein Gesicht. „Das ist doch wohl nicht dein Ernst. Da lasse ich mich von dir zum Baumträger degradieren, schleppe die Kartons mit dem ganzen Tand vom Dachboden herunter und du setzt mir einen verdammten Engel vor die Nase?"

„Tja, so ist sie unsere Jägerin. Bei allen Untoten bist du nur zweite Wahl", bemerkte  Xander grinsend, der sofort wusste, worauf Spike anspielte.

„Halt die Klappe, Xander", riefen Buffy und Spike wie aus einem Mund und Buffy fügte hinzu, während sie Spike anschaute. „So ist es nicht. Engel sind...schön. Die weißen Flügel und das hübsche weiße Kleid mit den goldenen Rändern und....

Spike fing plötzlich schallend zu lachen an und hielt sich den Bauch.

„WAS?" fragte Buffy irritiert.

„Oh ja, Angel im Nachthemd, goldenen Löckchen um die grüblerische Stirn, weil der Heiligenschein drückt. Du hast dieses blöde Fest für mich gerettet, Slayer."  Spike lachte wieder und konnte sich nicht beruhigen. Selbst Xander stimmte bei der Vorstellung, die Spike von Angel schilderte, mit lautem Lachen ein. Aber Buffy schnaubte genervt. „Ihr zwei seid richtige Idioten. Hört auf mit dem Gegacker und macht endlich den Baum fertig. Und damit ihr euch wieder einkriegt, dürft ihr ihn auch gleich schmücken. Zusammen! Und wehe ihr streitet wieder. Das mit dem auf das Dach nageln ist noch nicht vom Tisch", sagte sie, beiden einen warnenden Blick zuwerfend.

Von da an hatten Spike und Xander zusammen richtig Spaß. Hauptsächlich, weil sie über Angel lästerten.

Als Buffy später alleine vor dem herrlich geschmückten Baum stand und der Engel, der auf der Spitze prangte, sie lieblich anlächelte, seufzte sie glücklich. „Ja, das ist alles genauso, wie ich es mir gewünscht habe", sagte sie zu dem Engel.

Der lächelte, zwinkerte Buffy zu und gratulierte ihr zu ihrem Wunsch. Buffy lächelte zurück und bestätigte dem Engel, dass sie ganz seiner Meinung war. Dann ging sie in die Küche. Der Braten duftete im Ofen und der Geruch mischte sich mit frisch gebackenen Plätzchen. Dawn schichtete aufgeregt die Geschenkpakete unter den Baum, Tara und Willow deckten den Tisch besonders festlich. Giles saß auf der Couch und Spike rührte in der Bowle und...

Buffy schlug die Augen auf, schaute sich um und ließ sich wieder in das Kissen sinken. „Na toll, wieder nur ein Traum. Jetzt träume ich das schon das zweite Mal und bei meinem Glück wird es auch bei dem Traum bleiben. Hoffentlich. Zumindest, was einige Sequenzen angeht. Das mit Spike und Xander war echt gruselig." Buffy schüttelte sich, seufzte tief und zog sich frustriert die Decke über den Kopf.

 

~*~

Ein paar Stunden später betrat Buffy die Magic Box und lief die paar Stufen hinunter. „Hi Leute. Schon was gefunden?"

Giles seufzte, nahm seine Brille ab und begann sie zu putzen. „Nun, was auch immer diese Dämonenpopulation hervorgerufen hat, es hat nichts mit irgendeiner Prophezeiung zu tun. Zumindest konnten wir in den Büchern diesbezüglich nichts finden."

„Der Rat. Sie könnten Quentin anrufen. Vielleicht wissen sie ja was", schlug Buffy vor.

„Diese Idee ist mir ebenfalls gekommen. Aber auch der Rat konnte mir nichts sagen. Wir tappen im Dunkeln und das ist... nun ja, gefährlich."

„Wann ist es das nicht? Aber ich wüsste schon gerne, womit wir es zu tun haben. Also sucht bitte weiter, Freunde. Ich sorge inzwischen dafür, dass sich die Menge an Blutsaugern ein wenig reduziert."

Xander schloss das Buch, in dem er gelesen hatte. „Ich komme mit. In diesen Vorzeitschinken finden wir sowieso nichts."

„Das geht nicht", meldete sich Anya zu Wort. „Du hast mir versprochen, dass wir heute Geschenke kaufen gehen. Darauf freue ich mich schon die ganze Woche."

„Stimmt, das habe ich ganz vergessen, oder eher verdrängt", murmelte Xander leise hinterher.

„Xander Harris. Wie konntest du das nur vergessen? Wir haben zwei Mal davon gesprochen. Bevor und nachdem wir Sex hatten", schimpfte Anya und Xander eilte zu ihr.

„Anya, Schatz. Du hast mir doch versprochen, nicht mehr vor den anderen darüber zu reden, wenn wir ... du weißt schon ...", flüsterte er verlegen.

„Du denkst doch nicht ernsthaft, sie wissen es nicht?"

„ANYA!"

Anya verdrehte die Augen. „Ist ja schon gut und ich sage es auch nicht mehr, wenn du jetzt mit mir Geschenke kaufen gehst."

„So etwas nennt man Erpressung. Das tut man nicht", entgegnete Xander, doch Anya zuckte die Schultern. „Das wird zwar behauptet, aber trotzdem tun das alle und das schon seit tausenden von Jahren. Gehen wir jetzt?"

Xander seufzte geschlagen und nahm Anyas Hand. Sie lächelte, flüsterte ihm etwas ins Ohr, woraufhin Xander einen roten Kopf bekam und miteinander turtelnd gingen sie davon.

Buffy verdrehte die Augen, nahm Anyas Platz am Tisch ein und griff nach einem der Bücher.

„Ich hab da etwas", rief Willow aus und alle in der Runde schauten sie an.

„Vielleicht doch nicht", gab die Hexe gleich darauf zu und zog entschuldigend die Schultern ein.

Buffy las ein paar Zeilen, dann schlug sie das Buch zu. „Okay. Da steht nichts von dem, was wir suchen. Ich sollte auf Patrouille gehen und Monster töten, bevor es noch mehr werden."

Giles nahm seine Brille ab und rieb sich die Nasenwurzel. „Dem stimme ich zu. Nimm ...nimm Spike mit. Bei der momentanen Menge an Dämonen, solltest du Unterstützung haben und Spike ist, nun, er ist hilfreich und...nimm ihn einfach mit."

„Geht klar", erwiderte Buffy. „Außerdem könnte ich ihn ohnehin nicht davon abhalten.

Meldet euch, falls ihr was findet. Bis dann." Buffy lief davon und die anderen beugten sich wieder seufzend über die Bücher.

Einige Stunden später, Anya und Xander waren inzwischen wieder zurück und halfen ebenfalls bei der Suche, schlug Giles das Buch, in dem er recherchiert hatte, frustriert zu.

„Es hat keinen Sinn. Darin finden wir einfach nichts", stellte er fest.

„Wünsche", rief Anya plötzlich. „Irgendjemand hat sich viele Vampire und Dämonen gewünscht."

„Spike, das war sicher Spike", hakte Xander ein und schaute beifallheischend in die Runde.

Giles nahm seine Brille ab und rieb sich die Nasenwurzel. „Nun. Das denke ich nicht. Er könnte keinen Vorteil daraus ziehen. Nein, es muss...machen wir Schluss für heute. Ich habe noch ein paar Bücher zu Hause, die vielleicht weiterhelfen. Ich werde sie durchgehen." Gedankenverloren stand der Wächter auf und ging zur Tür.

„Gute Nacht, Giles", rief Willow hinterher und die anderen stimmten ein.

Er blieb stehen und schaute sie irritiert an. „Was? Ach ja, euch auch. Euch auch."

„Wir müssen auch los. Dawn ist ganz alleine zu Hause und ich habe ihr versprochen, dass wir Kartons mit Geschenkpapier überziehen", erklärte Willow und Tara nickte zustimmend, während sie sich erhob und ihre Sachen zusammen packte.

„Xander darf auch ein Geschenk auspacken. Aber ich muss es vorher noch anziehen. Es wird ihm gefallen und dann haben wir Se..."

Xanders Hand legte sich über Anyas Mund und er lachte verlegen. „Oookay, Leute, dann sehen wir uns morgen." Er packte Anyas Hand und schleifte die protestierende Ex -Dämonin hinter sich her.

~*~

Buffys Patrouille verlief wie die anderen zuvor. Ihr Pflock war im Dauereinsatz. „Wenn das so weiter geht, dann verkokelt mein Pflock noch von der vielen Reibung", bemerkte sie und lehnte sich schnaufend an einen Grabstein.

„Du verstehst was von Physik? Hätte ich nicht vermutet", entgegnete Spike, der gerade einen Vampir pfählte.

„Willst du meine Intelligenz anzweifeln? Ich habe kein Problem damit, die Physik praktisch bei dir anzuwenden. Du weißt schon, Pflock trifft großmäuligen Vampir. Reaktion - Puff. Ergebnis - Staub. Physikalisches Gesetz."

„Bleib locker, Jägerin. Man wird doch wohl noch einen Spaß machen dürfen." Plötzlich runzelte Spike die Stirn. „Was soll das überhaupt? Du bedrohst mich? Nach allem, was ich für dich getan habe? Du erinnerst dich doch, oder soll ich deine Erinnerungen auffrischen. Glory. Dawn? Die Rettung der Welt."

„Die Welt haben wir zusammen gerettet", warf Buffy rasch ein, dann seufzte sie. „Und so wie es aussieht, steht der nächste Weltuntergang bevor. Wenn ich Pech habe, gehe ich drauf und das war's dann mit Weihnachten."

„Kann sein, außer du duckst dich."

„Was?"

„Ducken, Slayer", verlangte Spike erneut und seine Stimme klang dringlich.

Buffy reagierte rasch und verschwand hinter dem Grabstein. Der Stachel am Schwanz eines  P'snisk - Dämon ging ins Leere, Spike hechtete nach vorn, packte den Schwanz und schleuderte den Dämon im Kreis herum.

„Ein Schwert wäre jetzt gut, oder eine Axt", rief Spike schnaufend, sich immer noch im Kreis drehend.

„Du hast Recht. Mach weiter, ich hol schnell das Eine oder Andere", bemerkte Buffy trocken.

„Verflucht, Buffy, hilf mir gefälligst", brüllte Spike und ließ den Dämon an eine Gruft krachen.

Doch Buffy war ohnehin schon bereit gewesen, stürzte sich auf den P'snisk und packte ihn am Genick, während Spike den peitschenden Schwanz einfing und festhielt. Kurz darauf ertönte ein unangenehm knackendes Geräusch und der Dämon sackte in sich zusammen.

„Puh, das war knapp und eklig", bemerkte Buffy und wischte sich ihre Hände im Gras ab.

„Knapp? Knapp? Ich hätte beinahe einen Drehwurm gekriegt und der Stachel von dem Ding hat mich fast aufgeschlitzt. Sieh dir mal meinen Mantel an. Lauter Löcher und überall klebt dieser eklige, rosa Schleim. Das dauert Stunden, bis das Zeug runter ist. Und wessen Schuld ist das? Deine! Wie bescheuert kann man nur sein, wenn man ohne Waffen auf Dämonen Jagd geht, Jägerin!"

„Sagte der Vampir ohne Waffen", konterte Buffy.

Spike zeigte sein dämonisches Gesicht und erklärte triumphierend. „Ich habe meine Waffe immer dabei."

„Und wieso hast du dann diesem Nisk..."

P'snisk Liebes, er heißt P'snisk", besserte Spike aus.

„Wie auch immer. Was mich interessiert, wieso hast du diesem...Dämon nicht mit deiner Superwaffe in den Schwanz gebissen, statt mit ihm Ringelreihen zu spielen?"

„Damit du etwas hast, womit du mir auf die Nerven gehen kannst. Jetzt hilf mir gefälligst dieses Monster in die Kanalisation zu werfen", antwortete Spike brummig und packte den Dämon an einem Bein.

~*~

Nachdem sie den Dämon entsorgt hatten, schleppte sich Buffy nach Hause. Unter der Dusche schlief sie fast ein und nachdem sie sich dürftig abgetrocknet hatte, fiel sie völlig fertig ins Bett. Kaum hatte ihr Kopf das Kissen berührt, schlief sie auch schon. Und bald lächelte sie im Schlaf, als der schöne Weihnachtstraum wieder kam. Ein Fest, so wie sie es sich wünschte. Nicht nur für sich, sondern auch für Dawn. Ihre kleine Schwester hatte so viel mitmachen müssen in ihrem jungen Leben und hätte ein paar glückliche, sorgenfreie Stunden verdient. Der Engel an der Baumspitze lächelte sie wieder an. „So ein schöner Wunsch, der wird dich sicher glücklich machen."

„Ja, wenn er sich nur erfüllen würde", seufzte Buffy in ihrem Traum.

„Erfülle mir meine Wünsche, dann erfülle ich dir deinen."

„Was?" Buffy schoss aus dem Schlaf und schaute die eigenartige Gestalt irritiert an, die vor ihrem Bett stand, ständig das Aussehen wechselte und gerade die Augen verdrehte, sodass nur doch das Weiße zu sehen war.

„Was, was?", sagte die Gestalt. „Ist doch ganz einfach. Stell dir einfach vor, was mir gefallen würde. Soviel Fantasie wirst du doch wohl haben."

Die Jägerin war sich nicht sicher, ob sie immer noch träumte, doch die Gestalt ignorierte ihre Verdutztheit und lachte nur. „Das wird sicher lustig. Viel Spaß. Ich werde ihn auf jeden Fall haben."