File 1: stories/1/603.txt
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Als Buffy erwachte, fiel ihr gleich wieder der Traum ein, den sie gehabt hatte. Der Baum, das schön geschmückte Zimmer, die Geschenke, der...Gnom. „Oder was auch immer das war. Ob das ein prophetischer Traum war?", überlegte sie laut, schüttelte dann aber den Kopf. „Wohl kaum. Das Ding sah einfach zu lächerlich aus. Vermutlich träume ich so einen Mist, weil ich komplett neben der Spur bin."

Seufzend quälte sie sich aus dem Bett und tapste ins Badezimmer. Kaum war sie fertig, als Dawn auch schon aufgeregt an die Tür klopfte und rief: „Buffy, komm schnell. Es ist total verrückt. Draußen ist..."

Buffy riss die Tür auf. „Was ist passiert?

„Es schneit und alles sieht total anders aus sonst." Sie packte die Hand ihrer Schwester und zerrte sie nach unten. „Komm, das musst du dir ansehen."

Alarmiert eilte Buffy hinter Dawn her und traf an der Tür auf Willow und Tara, die staunend auf die Strasse schauten.

„Was ist hier los?", fragte Buffy, nachdem sie hinter die beiden getreten war und eine völlig veränderte Landschaft vor sich sah.

„Keine Ahnung. Wir wollten zur Vorlesung, machen die Tür auf und dann war da  plötzlich", Willow machte eine ausholende Handbewegung, "... das."

„Ich sehe es, aber glauben kann ich es nicht. Wo ist die Straße hin und unser Haus steht ganz alleine. Die paar Häuser, die ich da vorne sehen kann, sehen aus wie im Mittelalter", mutmaßte Buffy.

Willow schüttelte den Kopf. „Eher 18. Jahrhundert würde ich sagen. Aber wieso? Als wir gestern nach Hause gekommen sind, war alles noch normal."

„Keine Ahnung. Rufen wir Giles an. Können wir Giles überhaupt anrufen? Ich versuch es am besten einfach." Buffy wandte sich um, lief zum Telefon und wählte die Nummer des Wächters. „Gehen Sie mal zur Tür, Giles", forderte sie ihn auf, „und sagen Sie mir, was Sie sehen."

„Buffy. Was soll diese Frage? Sprich nicht in Rätseln. Was ist geschehen? Sag es mir und schick mich nicht sinnlos ...Grundgütiger." Giles war zur Tür gegangen und hatte sie geöffnet.

„Bei Ihnen also auch? Na toll. Wissen Sie, was das zu bedeuten hat?"

„Nun, um ehrlich zu sein. Ich weiß es nicht. Wir...wir sollten uns unbedingt treffen, bevor sich noch mehr verändert, oder womöglich verschwindet, was ich befürchte, nach diesem ...Anblick vor meiner Tür. Ich schlage vor, wir treffen uns in dreißig Minuten in der Magic Box. Oder nein. Das ist vermutlich nicht möglich. Es ist zu befürchten, dass auch sie nicht mehr existiert, denn die Häuser und überhaupt alles sieht völlig anders aus in dieser...Welt. Und es schneit. Und...wir müssen uns treffen, und das so rasch als möglich, bevor sich noch mehr verändert und wir nicht mehr zusammenfinden."

„Sie glauben, das könnte passieren?", fragte Buffy alarmiert.

„Nun, ich weiß es natürlich nicht. Dennoch wäre es möglich, dass diese...Verwandlung noch nicht abgeschlossen ist. Daher ist vermutlich der einzige Platz...nun, ich denke der Friedhof. Meines Wissens bleiben Friedhöfe bei den meisten unnatürlichen Ereignissen verschont. Daher schlage daher vor, wir treffen uns bei Spike. Auch wenn ich davon nicht begeistert bin."

„Hoffentlich haben sie Recht. Aber das werden wir ja bald merken. Dann sehen wir uns in zwanzig Minuten bei Spike, wenn wir Glück haben. Ich rufe Xander an und sage ihm Bescheid", erklärte Buffy, doch Giles rief: „Moment noch. Nehmt ein paar Sachen mit. Warme Kleidung und Decken würde ich empfehlen, falls wir eine Nacht dort verbringen müssen."

Buffy stimmte mit einem „Okay", zu, legte auf und wollte Xanders Nummer wählen, als das Telefon läutete. Es war Xander. Sie  ließ seinen Wortschwall über sich ergehen, unterbrach ihn dann aber doch und erklärte ihm den vorläufigen Plan. Nachdem Xander unter Protest zugestimmt hatte, legte sie auf und wandte sich an die Mädchen. „Packt ein paar Sachen ein und nehmt Schlafsäcke mit. Sicherheitshalber. Giles sagt, es könnte sein, dass wir eine Nacht bei Spike verbringen müssen."

„Cool." Dawn strahlte über das ganze Gesicht und lief nach oben, um ihre Sachen zu packen. Buffy verdrehte die Augen. „Sie ist wohl die Einzige, die das findet."

„Ich finde es gruselig", warf Tara mit unsicherem Blick ein.

Willow nahm ihre Freundin in den Arm. „Vielleicht finden wir vorher eine Lösung, Baby,  und können heute Nacht wieder in unserem Bett schlafen."

Tara lächelte. „Das wäre schön, aber jetzt sollten wir packen."

Buffy schaute den zwei Hexen nach, als sie nach oben liefen. Tara war stark, stärker als es den Anschein hatte und sie war gut für Willow. Die Beiden waren ein glückliches Paar und sie hatten etwas zusammen, was sie, Buffy, nie haben würde. Buffy erlaubte sich kurz eine sentimentale Phase, doch dann riss sie sich zusammen und lief ebenfalls nach oben.

~*~

Buffy trat die Grufttür auf und die vier Mädchen traten ein. „Spike?", rief sie und legte ihre Sachen auf den Steinsarg.

Keine Minute später tauchte der Kopf des Vampirs in der Öffnung zu seinem Untergeschoss auf. „Was soll das werden? Pfadfinderausflug zu eurem Lieblingsvampir? Es ist früher Morgen, verflucht. Habt ihr nichts Besseres zu tun als meinen Schönheitsschlaf zu stören?" Spike stieg die Treppe hoch und schaute Buffy fragend an.

Doch sie war damit beschäftigt seinen nackten Oberkörper zu betrachten und brauchte einen Augenblick, um sich loszureißen. Als sie dann in sein Gesicht blickte, sah sie ihn grinsen. Rasch wandte sie sich ab und begann in der Gruft hin- und herzulaufen. „Wenn es keinen triftigen Grund geben würde, wären wir nicht da. Schon mal raus geguckt?

„Es ist Tag, Liebes, schon vergessen? Da schlafe ich, zumindest solange, bis eine wild gewordene Jägerin meine Tür eintritt. Schon wieder. Dabei dachte ich, das hätten wir hinter uns."

Buffy zuckte mit den Schultern. „Tut mir Leid. Macht der Gewohnheit."

Spike verdrehte die Augen. „Großartig. Dann gewöhn es dir wieder ab, verflucht. Ich habe keine Lust dauernd den Riegel zu reparieren. Wozu habt ihr diesen ganzen Krempel mit?", fragte er, als die Rucksäcke und Schlafrollen bemerkte.

„Gut, ihr seid schon da. Fehlt nur noch Giles. Mann, Spike, du solltest echt mal aufräumen." Xander stellte seine und Anjas Tasche ab, doch bevor Spike etwas erwidern konnte, trat Giles ein. „Es schneit noch immer, sehr ungewöhnlich. Ich bin kurz zur Magic Box und wie ich vermutet habe, existiert sie nicht."

„Was? Dann ist auch mein Geld weg? Wir müssen sofort etwas machen. Giles?" Anya stellte sich vor den Wächter und schaute ihn auffordernd an.

Der seufzte, nahm seine Brille ab und begann sie zu putzen, bevor er sagte: „Nun, ich bin sicher, es ist alles noch da, irgendwo."

„Klärt mich jetzt vielleicht mal irgendjemand auf, was ihr alle in meiner Wohnung zu suchen habt?" rief Spike ungehalten, der gerade wieder die Treppe hoch gekommen war und sich ein Shirt überzog.

„Wir wohnen ein paar Tage bei dir. Oder Wochen. Je nachdem, wie lange der Zauber anhält. Cool, oder?" Dawn hüpfte begeistert auf und ab, doch Spike riss erschrocken die Augen auf.

Dann brüllte er: „WAS? Zum Henker... seid ihr jetzt alle verrückt geworden? Ihr könnt hier nicht einziehen. Geht  gefälligst nach Hause, oder sucht euch eine eigene Gruft. Was auch immer, aber verschwindet. Auf der Stelle." 

„Jetzt krieg dich wieder ein, Spike. Ich kann mir bei weitem einen besseren Ort vorstellen als den hier, aber das ist eine Notsituation. Irgendwo mussten wir uns treffen", erklärte Buffy.

„Also das verstehe ich jetzt nicht. Wenn es hier für dich nicht gut genug ist, wieso kommt ihr dann hier her? Und von welcher verdammten Notsituation redest du?"

Giles war es, der Spike die spärlichen Informationen gab, die sie hatten, und erklärte ihm auch, wieso sie seine Gruft als Treffpunkt ausgewählt hatten. „Es ist natürlich nicht gesagt, dass Buffys Haus sich verändert hat, oder verschwunden ist. Es handelt sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Nur hier konnten wir sichergehen aufeinander zu treffen."

„Wir brauchen deine Hilfe, Spike", erklärte Buffy eindringlich und sofort wurde Spikes Gesichtsausdruck milder. „In Ordnung. Ich helfe dir. Du und deine...Freunde können hier bleiben, solange es notwendig ist."

„Danke dir." Buffy lächelte Spike freundlich an. „Wir sehen uns erst mal in der Stadt um, vielleicht löst sich unser Problem schneller als wir befürchten."

„Ich bleibe bei Spike", entschied Dawn und hockte sich sogleich auf den Steinsarg.

„Spike?" Buffy schaute den Vampir fragend an und der nickte. „Keine Sorge, Liebes, ich pass gut auf den Krümel auf."

„Ich weiß." Sie nickte ihm zu und forderte dann die anderen auf, mit zu kommen.

Als sie den Friedhof verlassen hatten und die Straße hinunter gingen, waren sie in einer anderen Welt. Nichts erinnerte mehr an Sunnydale, wie sie es kannten. Die Menschen waren altertümlich gekleidet und trugen Päckchen. Pferdeschlitten fuhren durch die Hauptstrasse und die Häuser waren weihnachtlich geschmückt. An einer Ecke sass ein kleines Mädchen und verkaufte Schwefelhölzer. Und sie kamen auch an der ehemaligen Magic- Box vorbei, die jetzt ein Confiserie Geschäft war.

Buffy betrachtete die Hausfassaden. „Es ist Sunnydale, aber auch irgendwie wieder nicht, aber das haben wir ja schon bemerkt, als wir zum Friedhof gingen. Die Stadt ist im Grunde noch so vorhanden wie zuvor. Okay, ich gebe es zu, es sieht alles etwas anders aus. Aber trotzdem fühlt es sich wie Sunnydale an. Ich schlage vor, wir gehen mal zu meinem Haus", sagte Buffy und schlug auch schon den Weg dorthin ein.

Es war ja nicht weit, und ein paar Minuten später bogen sie Richtung Revello Drive ab. „Ich möchte wissen, wie das jetzt aussieht. Wobei ich mich frage, wieso wir uns nicht bei mir getroffen haben. Sicher, die Magic Box ist unsere Kommandozentrale, aber das heißt nicht, dass....oh."

Sie hatten den Revello Drive erreicht, oder vielmehr die Stelle, wo er sein sollte. Aber da war nichts zu sehen außer einer tief verschneiten Landschaft.

„Nun, das habe ich befürchtet. Daher auch mein Vorschlag mit dem Friedhof", erklärte Giles. „Dieser Zauber, oder was auch immer das ist, hat die Stadt verändert, weil....nun ich weiß es nicht. Aber ich glaube, es hat was mit dir zu tun, Buffy. Wahrscheinlich wollte der Dämon, oder derjenige, der den Zauber ausgesprochen hat, dass du, gemeinsam mit deinem Haus verschwindest, oder aber obdachlos wirst. O...oder. Grundgütiger. Meine Bücher. Die Kostbarsten sind in meiner Wohnung. Wie konnte ich das vergessen? Wenn sich alles verändert hat, was mit der Jägerin und offenbar auch mit ihren Freunden zu tun hat, dann sind sie für immer verloren. Ich muss...." Giles machte kehrt und eilte davon.

„Giles. Warten Sie, wir kommen mit." Buffy rannte ihrem Wächter hinterher und auch die anderen folgten.

„Warum sollte ein Dämon wollen, dass mein Haus verschwindet? Das ist doch völlig absurd", meinte Buffy, während sie neben ihrem Wächter herlief.

„Möglicherweise, um dich von den anderen zu isolieren, oder um...ich weiß es nicht, Buffy. Ohne meine Bücher.... Wir müssen rasch zu meiner Wohnung." Giles lief schneller und auch Buffy beschleunigte ihre Schritte.

„Buffys Haus ist weg, die Magic Box und wahrscheinlich auch unsere Wohnung. Alles war besser, als ich noch ein Rachedämon war", stellte Anya unzufrieden fest.

„Aber dann hättest du mich nicht", hielt Xander entgegen.

„Anya blieb stehen und schaute ihren Freund an. „Das stimmt", entgegnete sie und strahlte ihn an.

Nach kurzer Zeit hatten sie die Wohngegend von Giles fast erreicht, als ein Pferdeschlitten auftauchte, der von zwei schneeweißen Rössern gezogen wurde und in rasender Fahrt die Straße entlang fuhr. Eine wunderschöne Frau in weißem Pelz gehüllt, saß in dem offenen Schlitten, an dessen hintern Kufen ein kleiner Junge seinen Schlitten befestigt hatte. Er lachte und genoss die rasende Fahrt ganz offensichtlich. Ein kleines Mädchen rief ihm warnend hinterher, doch er reagierte nicht.

Die Scoobies beobachteten die Szene kurz, dann machten sie sich wieder auf den Weg. Sie kamen zu dem Haus von Giles, beziehungsweise zu dem Gebäude, dass vor diesem Albtraum Giles Haus gewesen war, denn da befand sich jetzt ein Pferdestall. Geschockt schaute der Wächter auf die offen stehende Stalltüre. „Das ist...demütigend."

Buffy lachte verhalten. „Wieso? Passt doch. Sie sind das beste Pferd im Stall."

„Ja, ein toller Hengst, wie man so sagt", bemerkte Xander.

Willow runzelte die Stirn. „Heißt das nicht Hecht?"

„Hecht? Auch möglich." Xander zuckte mit den Schultern.

Giles seufzte genervt. „Hört auf. Das ist nicht komisch. Wir sollten..." Giles lief auf einen Mann zu, der seiner Meinung nach ein Stallknecht war und sprach ihn an. „Guter Mann, können sie mir sagen..."  Doch der Mann reagierte nicht. Offenbar sah er weder Giles noch die anderen.

Anya machte sofort auch einen Versuch und sprach eine Frau an. Ebenso Xander, doch die Beiden wurden genauso ignoriert wie zuvor Giles.

„Auch das noch. Wir sind unsichtbar. Was machen wir jetzt?"

Giles ergriff wieder das Wort. „Wir sollten erstmal zurück zum Friedhof. Ich habe ein paar Bücher in Spikes Gruft mitgenommen, die uns eventuell weiterhelfen. Außerdem sollten wir genau recherchieren, was in den letzten Tagen geschehen ist. Möglicher Weise liegt da der Auslöser."

„Und wenn nicht, werden wir wahrscheinlich verhungern, oder erfrieren, oder Beides, aber hey, dafür haben wir weiße Weihnachten", bemerkte Xander sarkastisch, während er neben den anderen herlief.

„Nein. Das werden wir verhindern. Leute, wir haben schon Schlimmeres durchgestanden. Wo kommt denn der Brunnen her?", fragte sie verwundert. „War der vorhin auch schon da? Na egal, ich würde meine Hände jedenfalls nicht da rein halten. Das Wasser ist sicher eisig", bemerkte Buffy und beobachtete kurz ein Mädchen, das offenbar irgendetwas in Brunnen wusch.

„Hier passieren lauter verrückte Dinge und da ist ein Dorfbrunnen noch etwas Harmloses. Es schneit immer stärker, wir sollten uns beeilen", verlangte Giles und lief schneller.