File 1: stories/1/604.txt
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Als sie die Gruft wieder betraten, begann Dawn gleich auf sie einzureden. „Spikes Fernseher geht nicht. Wir haben keinen Strom und ich habe Hunger. Spike hatte nur ein paar Chips da. Die habe ich aufgefuttert und die zwei Schokoriegel, die ich in meinem Rucksack hatte, sind auch schon verputzt."

„Ich sagte doch, wir werden verhungern. Wir hätten mehr zum Essen mitnehmen sollen", warf Xander ein. „Und schweinekalt ist es hier auch."

„Das tut mir aber Leid. Wenn ich gewusst hätte, dass ich so hohen Besuch bekomme, hätte ich natürlich eine Zentralheizung eingebaut", entgegnete Spike bissig. „Das ist meine Gruft, verstanden? Wenn es dir hier nicht gefällt, dann geh doch."

Buffy hob beschwichtigend die Arme. „Das bringt doch nichts, Leute. Xander, halte dich bitte zurück."

Xander schnaubte. „Wieso schützt du den Blutsauger immer? Das verstehe ich echt nicht."

„Ach, nicht? Dann solltest du mal nachdenken. Er hat Dawn gerettet und auch dir schon mehr als einmal das Leben gerettet. Also hör endlich auf, ständig auf Spike rumzuhacken. Wir haben keine Zeit für diesen Mist." Als Spike etwas sagen wollte, stoppte Buffy auch ihn.

Spike schnaubte ungehalten, schnappte seinen Mantel und verließ die Gruft. Draußen atmete er erst mal tief durch. Es war ein echtes Glück, dass der Himmel voller Schneewolken war, und er so seine Gruft verlassen konnte. Von Giles wusste er, was sich ereignet hatte und er war sehr neugierig auf dieses veränderte Sunnydale.

Die Gaslaternen auf der Hauptstrasse brannten und Spike fühlte sich sofort in seine Jugend zurückversetzt. ‚Vielleicht funktioniert der Chip jetzt auch nicht mehr', dachte er hoffnungsvoll und schaute sich suchend um. Einen Versuch würde er auf jeden Fall wagen und keine Minute später hatte er sein Opfer gewählt. Die junge Frau trug einige Päckchen in ihren behandschuhten Händen und bog gerade in eine Nebengasse ab.

„Perfekt", brummte Spike grinsend und ging ihr geschmeidig hinterher, ganz der Jäger, der er nun mal war. In der Mitte der Gasse holte er sie ein und stellte sich ihr in den Weg. Die junge Frau stutzte kurz, runzelte die Stirn und machte ein paar Schritte zur Seite, bevor sie weiter ging.

„Hallo? Das gibt es doch nicht. Hast du mich nicht gesehen, du dumme Pute?" Spike eilte ihr nach und redete weiter auf sie ein. „Schau mich gefälligst an wenn ich mit dir rede. Das ist ein höfliches Jahrhundert. Da erschrickt man angemessen und stößt kleine, spitze Schreie aus, wenn man einem Dämon begegnet. Verstanden? Hey du Schlampe, ich rede mit dir", schrie Spike, doch sie beachtete ihn nach wie vor nicht.

Spike ließ sich an eine Hauswand sinken. „Was für ein verfluchter MIST geht hier ab? Verdammt noch mal, ich glaub das jetzt nicht. Und kann mal wer diese verflixte Schneemaschine abstellen? Das versaut mir meinen Mantel", brüllte er zornig in den Himmel.

~*~

Buffy hatte beschlossen, dass sie und die anderen Mädchen Spikes „Schlafzimmer" für sich in Beschlag nehmen würden und so standen sie nun in dem von Spike geschaffenen Raum.

„Wo hat er nur dieses riesige Bett her. Da ist mindestens Platz für drei", bemerkte Willow und Tara nickte. „Ja und sogar die Bettwäsche ist frisch. Wie macht er das nur? Ich habe hier keine Waschmaschine gesehen."

„Und noch ein Geheimnis, das wir von Spike nicht kennen und das ich auch nicht wirklich wissen muss", stellte Buffy fest. „Dawn, du Willow und Tara, ihr schlaft im Bett. Anja und ich auf diesem Teppich hier. Der ist weich genug. Buffy rollte ihren Schlafsack aus und setzte sich drauf.  Dann seufzte sie. „Also die Weihnachten habe ich mir wirklich nicht gewünscht."

„Gewünscht? Du hast einen Wunsch ausgesprochen? DU bist also Schuld, dass wir hier in dieser, dieser ...Gruft gelandet sind", ereiferte sich Anja und schaute Buffy vorwurfsvoll an.

„Was? Nein. Ich würde doch niemals...Nein", wehrte sie ab. „Ich habe nur geträumt. Geträumt von ruhigen, schönen Weihnachten. Träume zählen nicht als Wunsch, oder?"

„Nein. Außer, du hast in deinem Traum einen Sgnall getroffen und mit ihm geredet. Aber ein Sgnall kommt nur dann in einen Traum, wenn man zwei bis drei Mal das gleiche träumt und das kommt äußerst selten vor. Dann allerdings stellt er sich sehr geschickt an, um den Wunsch so zu interpretieren, dass er Gültigkeit hat. Und er stellt Bedingungen, die nicht erfüllbar sind. Zumindest habe ich nie davon gehört, dass es jemanden gelungen ist." Anya zuckte die Schultern und rollte nun ihrerseits den Schlafsack aus.

Buffy hatte sich inzwischen auf ihren Schlafsack gesetzt und starrte nachdenklich vor sich hin. Nein, sie hatte keinen Traumdämon gesehen, das wäre ihr doch sicher aufgefallen. Außerdem hatten nur prophetische Träume bei ihr Bedeutung. So war es immer gewesen. Das war nur ein Traum über Weihnachten gewesen, weil halt bald Weihnachten war. Nichts anderes. Natürlich nicht. „Ähm...Anya? Wie sieht so ein Gnall denn aus?"

„Sgnall. Er heißt Sgnall und er hat keine fixe Gestalt. Er sieht einfach aus, wie er aussehen will."

„Auch wie ein Engel?", wollte Buffy nervös wissen.

Anya warf die Hände in die Luft. „Engel, Teufel. Jede Fantasiegestalt, die du dir vorstellen kannst."

„Oh", war alles, was Buffy heraus brachte, dann sprang sie auf und lief die Stufen hinauf. „Giles?"

Der Wächter saß auf Spikes Stuhl, ein Buch auf seinen Knien und als Buffy ihn ansprach, schaute er auf. Doch bevor sie weiter etwas sagen konnte, ging die Tür auf und Spike trat ein, zwei große Säcke in den Händen. „Der Weihnachtsvampir ist da", rief Spike fröhlich und stellte die Säcke ab.

„Was hast du da drin? Und vor allem, wo hast du es her?", wollte Buffy wissen und trat misstrauisch näher.

„Essen. Kleidung. Decken. Der Krümel hat Hunger und kalt ist ihr auch. Ich habe keine Lust auch noch Krankenschwester zu spielen", erklärte er brummig.

Giles richtete sich auf. „Nun, auch wenn ich es sehr begrüße, dass Sie diese Sachen besorgt haben, so frage ich mich doch, wie Sie das bewerkstelligen konnten."

Spike zuckte mit den Schultern. „Ich bin eben gut im Organisieren."

„Das kann man wohl sagen. Seht mal, was da alles drin ist." Xander packte gerade die Säcke aus und türmte Braten, Kuchen, Brot und Konfiseriewaren auf den kleinen Tisch.

Die Mädchen waren inzwischen ebenfalls herauf gekommen und Dawn wühlte in dem zweiten Sack. „Cool", sagte sie, als sie ein Samtkleid mit Puffärmeln entdeckte, das sie gleich für sich beschlagnahmte.

Giles war inzwischen aufgestanden und zu Spike getreten. „Das meinte ich nicht und ich stelle auch nicht in Frage, dass Sie ein gewisses Talent haben, sich den Dingen zu....bemächtigen. Was ich wissen will, wie ist das möglich? Konnten Sie Menschen....nun...äh...beißen?"

„Keine Sorge, Wächter, alle haben ihr Blut noch. Leider." Spike seufzte tief. „Ich habe wirklich alles versucht. Ganz ehrlich. Aber sie ignorierten mich einfach. Ist das zu fassen? So als ob sie mich nicht sehen würden."

„Das kommt daher, dass sie Sie nicht gesehen haben. sie sehen keinen von uns. Was ich mich frage, diese Waren", Giles schaute auf den Haufen, „TEE. English Breakfast. Gute Güte." Giles stürzte sich sofort auf das Säckchen und nahm es an sich. Seine Frage schien er völlig vergessen zu haben.

„Typisch Engländer", murmelte Spike. „Gib ihnen vertrocknetes Kraut und heißes Wasser  und schon sind sie glücklich." Spike fasste in seine Jackentasche, holte eine Flasche Whiskeys heraus und verzog sich grinsend in eine Ecke. Als er herausgefunden hatte, dass er alles anfassen konnte, was nicht lebte, hatte es ihm tierischen Spaß gemacht, die Kaufleute zu bestehlen. Aber dass das ging, würde er den anderen erst später erzählen.  Wenigstens hatte er auf diese Weise etwas von seinem Frust abbauen können.

Die Mädchen hatten inzwischen die Kerzen gefunden, die in einem der Säcke waren, hatten sie im Raum verteilt aufgestellt und angezündet. Sie wärmten zwar nicht wirklich viel, aber ihr Schein schaffte eine angenehme Atmosphäre. In Decken gewickelt saßen sie am Boden und aßen. „Wir brauchen Geschirr, wenn wir länger hier sind", ließ Anya plötzlich verlauten. So ein Picknick ist ja hin und wieder ganz nett, aber auf Dauer nicht lustig."

„Und wir brauchen etwas, womit wir Wasser wärmen können. Wie soll ich sonst meinen Tee zubereiten?", kam es von Giles ziemlich frustriert, der mit einer Hand immer noch das Säckchen hielt, während er mit der anderen nach einem Kuchenstück griff.

„Das glaube ich jetzt nicht. Was muss ich denn noch alles tun, damit ihr zufrieden seid?" Spike runzelte plötzlich die Stirn. „Hab ich noch alle? Was geht es mich eigentlich an, ob ihr erfriert oder verhungert? Das muss an dem Zauber, oder was auch immer das ist, liegen. Aber jetzt sehe ich wieder klar und wisst ihr was? Von mir aus könnt ihr hier verrotten. Ich mach mich vom Acker." Doch bevor er die Gruft verlassen konnte, hielt Buffy ihn auf. „Ich weiß durchaus zu schätzen, was du für mich tust. Getan hast. Na, du weißt schon."

Spike schaute Buffy tief in die Augen. „Für dich immer." Dann straffte er plötzlich die Schultern. „Ich meine, ich mache alles, um euch endlich los zu werden."

„Dein Plan ist also, uns zu Tode zu füttern", stellte Buffy schmunzelnd fest.

Spike stieß ungehalten die Luft aus. „Na ja, beißen kann ich euch nicht, aber vielleicht platzt ihr ja, wenn ich genug von dem Zeug anschleppe. Wenigstens der Gipskopf könnte mir den Gefallen tun."

Buffy lächelte, dann wurde ihre Miene ernst. „Aber was ist mit dir? Gibt es hier eine Blutbank oder so was in der Art? Ich meine..."

„Keine Sorge", unterbrach er sie. „Ich war beim Fleischer. Hier gibt es auch einen, weißt du? Trotzdem habe ich die Schnauze voll von dem hier. Also, habt ihr schon herausgefunden, was uns hier festhält?"

„Darauf wollte ich gerade kommen. Hört mal her, Leute", forderte Buffy ihre Freunde auf, die sie daraufhin erwartungsvoll anblickten. Sie atmete tief durch. „Ich habe da etwas geträumt. Nichts Prophetisches", erklärte sie schnell, weil sie bemerkte, dass Giles etwas hatte sagen wollen. „Ich glaube zumindest, dass es kein so ein Traum war. Es ging um Weihnachten. Um schöne, friedvolle Weihnachten und in meinem Traum war so ein Kerl. Der sagte irgendetwas davon, dass er mir einen Wunsch erfüllen würde. Nicht dass ich mir etwas gewünscht hätte. Also nicht bewusst. Aber Anya sagte, das zählt auch, wenn es öfter passiert und..."

„Buffy du sprichst in Rätseln", warf Giles ein und auch die anderen nickten.

„Es geht um einen Sgnall - Dämon. Er schleicht sich in die Träume der Menschen. Das kann er aber nur, wenn ein Mensch einen Wunschtraum hat, der sich zwei bis drei Mal wiederholt. Dann kann der Sgnall seine Bedingungen stellen."  Anja erzählte, was sie zuvor schon Buffy erklärt hatte und fügte noch hinzu. „Das Blöde ist, dass dieser Dämon eine völlig abgedrehte Fantasie hat. Das ist auch der Grund, wieso seine Rätsel, oder wie man das auch immer nennen mag, bisher niemand lösen konnte."

„Dann sollten wir methodisch vor gehen und aufschreiben, was wir bisher wissen", verlangte Giles, warf Buffy aber einen vorwurfsvollen Blick zu.

„Guter Plan, nur blöd, dass wir nichts wissen", maulte Xander. „Aber das ist egal, denn wir werden erfrieren. Meine Zehen haben schon damit angefangen."

„Du bist ein Jammerlappen, Harris", behauptete Spike abfällig. „Ein bisschen Schnee und schon jammerst du wie ein altes Weib."

„Du hast keine Blutzirkulation, was weißt du schon von Kälte? Also halt die Klappe, Untoter."

„Du hast keine Ahnung, aber das ist nichts Neues, du Gipskopf."

Giles machte eine herrische Handbewegung. „Seid still. Alle Beide. Streitereien bringen  uns nicht weiter. Denkt nach, was ist euch aufgefallen, nachdem sich alles verändert hat, oder auch zuvor. Jeder Hinweis kann wichtig sein."

„Es schneit, obwohl wir in Kalifornien sind. Sind wir überhaupt in Kalifornien? Egal. Jedenfalls ist hier auch bald Weihnachten", plapperte Dawn und Willow nickte. „Dann hat es mit Weihnachten zu tun."

„Nicht unbedingt. Der Sgnall ist ein Meister der Täuschung. Als ich noch ein Dämon war, habe ich mal gesehen, wie er ein ganzes Dorf..."

„Das kannst du uns später erzählen, Anya", unterbrach Giles die Ex-Dämonin. „Buffy, berichte uns ganz genau, was sich in deinem Traum abgespielt hat."

Das tat sie dann auch und versuchte alles so genau wie möglich zu schildern und die Worte des Sgnalls genau wiederzugeben.

„Er will also, dass du seine Wünsche erfüllst? Wie sollst du denn wissen, was er sich wünscht?", wollte Giles irritiert wissen und Anya nickte heftig.

„Wie ich schon mehrmals gesagt habe. Das ist noch niemanden gelungen. Rechnet also damit, dass wir hier versauern."

„Auf keinen Fall. Wir finden eine Lösung und wenn ich jeden Stein umdrehen muss", erklärte Buffy vehement.

„Jeden Schneehaufen meinst du wohl. Wenn es so weiter geht, sind wir nämlich eingeschneit", stellte Xander fest, der aus dem Fenster schaute, das schon bis zur Hälfte mit Schnee zugedeckt war.