File 1: stories/1/606.txt
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Xanders Aussage, dass die Schneedecke immer dicker wurde, brachte Buffy dazu einen Entschluss zu treffen. „Wir gehen wieder in die Stadt und sehen uns noch mal genau um. Ich glaube, dass wir dort die Lösung finden. Irgendetwas haben wir übersehen."

„Gute Idee", bemerkte Giles. „Ich werde die paar Bücher durchsehen, die ich mitgenommen habe. Vielleicht kann ich darin etwas finden."

„Wenn diese Schinken nicht reichen, können Sie ja immer noch in die Stadtbibliothek gehen", schlug Spike vor.

Giles schaute den Vampir mit großen Augen an. „Es gibt hier eine Bibliothek?"

„Bloody Hell, Wächter. Wie hat Buffy bei Ihrer Flexibilität nur so lange überlebt?", fragte Spike spottend.

Giles nahm seine Brille ab. „Nun, es war ja wohl kaum zu erwarten, dass...also wo ist sie?", wollte er dann ungehalten wissen.

„Gleich neben dem Coffeeshop. Oder vielmehr, wo er früher war. Eins der Mädels kann Sie ja am Händchen hinführen, damit Sie sich nicht verlaufen", fügte Spike grinsend hinzu.

Tara spürte, dass es gleich wieder zu einem Streit kommen würde, daher erhob sie sich. „Ich begleite Sie gerne, Mr. Giles. Ich bin sehr neugierig, wie die Bibliothek hier aussieht."

„Danke, Tara, sehr freundlich von dir. Vier Augen sehen immerhin mehr als zwei." Giles griff nach seiner Jacke und auch Tara legte ihren Umhang um die Schultern.

„Danke, Baby", flüsterte Willow ihrer Freundin ins Ohr und Tara lächelte sie an. Dann folgte sie Giles, der schon an der Tür stand. „Seid bitte vorsichtig, wir wissen nicht, was sich noch alles verändern, oder ereignen kann", warnte er und nachdem Buffy ihm versprach gut aufzupassen, ging er mit Tara davon.

„Okay, machen wir uns auf den Weg", verlangte Buffy und suchte ein paar Kleidungstücke heraus, die sie übereinander anziehen konnte. Dawn hatte schon alles angezogen, was sie hatte und hüpfte auf und ab, in der Hoffnung, dass ihr durch die Bewegung wärmer wurde. „Schnee ist doch nicht so cool, wie ich dachte", brummte sie und schlug die Arme um ihren Körper.

„Wir laufen ein Stück, dann wird es uns sicher wärmer, Süße", versuchte Buffy ihre Schwester aufzumuntern.

„Klar, von eiskalter Luft in den Lungen werde ich bestimmt nicht krank", gab sie brummig zurück.

Spike schaute Dawn an, zog die Augenbraue hoch, sagte aber nichts. Erst als die anderen aufbrachen, um die Gruft zu verlassen, meldete er sich zu Wort. „Und bleibt schöööön lange weg, damit ich wenigstens ein paar Stunden meine Ruhe habe."

„Du kommst mit, Spike", befahl Buffy und blieb bei der offenen Tür stehen. Die anderen standen schon draußen und warteten.

„Vergiss es, Jägerin. Keine Lust."

Buffy schnaufte genervt. Sie hatte jetzt echt keine Lust mit Spike herum zu streiten. Daher griff sie zu einer Taktik, die sie zwar nicht immer mochte, aber bei Spike immer seine Wirkung tat. „Bitte Spike, ich brauche dich. Vielleicht kannst du in dieser verdammten Stadt Dinge sehen oder fühlen, was uns verborgen bleibt. Außerdem hat diese Zeit doch Ähnlichkeit mit der, in der du gelebt hast, als du noch ein Mensch warst."

Spike legte seinen Kopf schief schaute Buffy an und grinste. „Du gibst es also zu ohne mich nichts geregelt zu bekommen?"

Buffy verschränkte die Arme vor der Brust und verdrehte die Augen. „Jetzt beweg schon deinen Hintern und nerv mich nicht, Spike."

„Immer höflich und von ausgesuchter Ausdrucksweise. Das liebe ich so an dir." Sein Grinsen wurde breiter und galant überließ er ihr den Vortritt.

Als sie die Hauptstrasse entlang gingen, schaute sich jeder von ihnen aufmerksam um. Doch es hatte sich nichts verändert, seit sie die ersten beiden Male durch die Hauptstrasse gegangen waren.

„Eigentlich ist es so richtig romantisch hier", schwärmte Willow. „Schaut euch mal die Frauen an. Sie tragen so hübsche, bodenlange Kleider aus Samt und edel schimmernder Seide. So eines hätte ich auch gerne."

„Mir gefallen diese Pelzkappen, die sie tragen und schaut mal da." Buffy war vor einer Auslage stehen geblieben und schaute durch das Glas. „Ist das Cape nicht einfach der Hammer?" fragte sie und bewunderte einen königsblauen Umhang, der mit weißem Pelz verbrämt war. Alle vier Mädchen seufzten sehnsuchtsvoll und es gab plötzlich nur noch das Thema Mode.

„Ich finde diese flauschigen Dinger toll, in dem die Frauen ihre Hände stecken. Sicher sind die Hände dann ganz warm", mutmaßte Dawn.

Xander und Spike standen etwas von den Mädchen entfernt und verdrehten unisono die Augen. „Weiber", murmelte Xander und Spike stimmte zu. „Ausnahmsweise bin ich mal ganz deiner Meinung, Harris. Was ist das nur bei Frauen, dass sich ihr Hirn ausschaltet und sie sogar Schmerzen, oder auch den Tod auf sich nehmen, nur um sich in diese Fetzen zu zwängen."

Xander runzelte die Stirn und schaute Spike fragend an. Spike holte seine Zigaretten aus der Tasche, zündete sich eine an und inhalierte erst mal tief, bevor er mit verstellter Stimme Willow nachahmte. „Ich will auch so ein hübsches, bodenlanges Kleid, damit ich  den ganzen Dreck und die Bazillen aufwischen kann und eine noch hübschere Tuberkulose kriege. Dazwischen falle ich hin und wieder vornehm in Ohnmacht, aber das macht nichts, schnürt mir das Mieder nur noch enger. Es geht doch nichts über eine Wespentaille." Spike verdrehte die Augen und nahm wieder einen tiefen Zug aus seiner Zigarette und als Xander ihn immer noch verwirrt anschaute, erklärte er. „In Geschichte bist du offensichtlich kein Geistesblitz. Wundert mich nicht wirklich."

„Als ob du einer wärst. Du kennst dich nur aus, weil du in dieser Zeit gelebt hast. Also gib nicht so an. Untoter."

„Neidisch, Gipskopf?", fragte Spike grinsend.

„Aber sicher, du hast ja so ein tolles Leben, du großer, furchteinflößender Vampir. Ach nein, das bist du ja nicht mehr. Stimmt's Zahnloser?", konterte Xander sarkastisch. „Jetzt bist du ja nur noch das Schoßhündchen der Jägerin und anstatt sie zu killen, rennst du ihr schmachtend hinterher. Wie erbärmlich."

Spike trat ganz nahe an Xander heran, wechselte in sein dämonisches Aussehen und knurrte gefährlich leise. „Meine Stunde wird kommen und dann werde ich dir jeden Tropfen deines Blutes aus den Adern saugen. Dann mache ich dich zu dem, was du am meisten hasst, einen von meiner Art." Spike verwandelte sich zurück und erklärte plötzlich freundlich. „Das wird ein Spaß. Du und ich auf Jagd. Seite an Seite. Ich kann's kaum erwarten."

Xander Hals war plötzlich staubtrocken und er griff sich an den Hals. Doch als Spike ihn dreckig angrinste, siegte die Wut über seine Angst. „Solltest du den Chip jemals loswerden, wird sie dich zu Staub verarbeiten. Du weißt es und ich weiß es. Aber träum nur weiter, Spike. Was anderes hast du ja nicht. Schon traurig, oder?"

Spike grinste noch immer. „Was sagt dir eigentlich, dass ich dich hier nicht beißen kann. Wir sind hier in einer Art Vergangenheit. Da hatte ich noch keinen Chip. Ich an deiner Stelle würde kein Auge mehr zutun. Wirst du es aushalten, nicht mehr zu schlafen? Wir könnten für lange, sehr lange Zeit hier gefangen sein." Spike hob eine Augenbraue, zwinkerte Xander zu und ging davon.

Xander stellte sich nahe zu Buffy und klopfte ihr auf die Schulter, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Als sie ihn anschaute, fragte er besorgt. „Denkst du, Spikes Chip funktioniert hier auch?"

„Klar. Hat er doch erzählt. Die Leute hier können ihn nicht sehen und er kann sie auch nicht anfassen", entgegnete sie bestimmt.

„Die Leute hier schon, aber was ist mit uns?"

Buffy wurde einer Antwort enthoben, als sie plötzlich weichen Stoff auf ihren Schultern spürte. Verwundert drehte sie sich um und schaute in das grinsende Gesicht Spikes, der auch gleich sagte. „Halt mir jetzt bloß keine Moralpredigt, Slayer. Die haben noch mehr davon und wenn etwas fehlt, merken sie es nicht mal. Außerdem ist das eine Zauberwelt, oder was auch immer." Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte er sich Dawn zu und überreichte ihr einen Muff, der genauso aussah wie der, von dem sie geschwärmt hatte. „Für dich, Krümel", murmelte er.

Dawn kreischte begeistert und fiel Spike um den Hals. Spike genoss die Umarmung, doch dann machte er sich schnell los. „Jetzt kommt endlich. Wir haben zu tun, verdammt", verlangte er, um seine Verlegenheit zu überspielen und lief los.

„Spike schenkt seinen Frauen hübsche Sachen. Ich bin deine Freundin und du hast gar nichts für mich", bemerkte Anya schmollend.

Xander schnaubte wütend. „Um eines klar zu stellen, es sind NICHT seine Frauen. Klar? Und ich stehle nicht."

„Spike sagt aber, das ist kein Stehlen, weil wir hier in einer Zauberwelt sind", entgegnete sie bestimmt.

„Er ist ein Vampir, die lügen doch, sobald sie ihren Mund aufmachen", rief Xander erbost.

„Also eigentlich.."

„Anya!"

„Schon gut. Reg dich nicht gleich so auf. Frag ich halt Spike, ob er dieses süße Spitzenkleid für mich stiehlt."

Xander stöhnte nur noch entnervt, packte Anyas Hand und zog seine protestierende Freundin hinter sich her.

„Wow, was für ein schöner Schlitten. Da würde ich gerne mitfahren", sagte Dawn, da wieder die Frau in weißem Pelz an ihnen vorbei fuhr. Auch diesmal hatte der Junge seinen kleinen Schlitten an die Kufen gehangen und jauchzte vor Freude.

„Erinnert mich irgendwie an die Schneekönigin", bemerkte Willow nachdenklich.

Buffy schaute Willow an und nickte. „Ja, sie sieht wirklich wie eine Königin aus." Als sie sich wieder der Strasse zuwandte, war der Schlitten verschwunden und sie standen plötzlich vor dem Brunnen, in dem das Mädchen ihre Hände wusch.

Buffy beobachtete sie eine Weile, während sie über den weichen Samt ihres Capes strich. „Beides haben wir vorhin schon gesehen, als wir durch die Strasse gelaufen sind. Es passiert immer das Gleiche. Ob das so eine Art Zeitschleife ist?"

„Das ist Blut. Sie wäscht Blut von ihren Händen", murmelte Spike leise.

„Wieso weißt du das? Man kann ihre Hände doch gar nicht sehen", fragte Dawn.

Spike schaute sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Vampir?"

„Oh."

„Genau", bestätigte Spike daraufhin Schulter zuckend.

„Da drüben, das kleine Mädchen. Es verkauft Schwefelhölzer", bemerkte Willow und sofort schauten alle an die Stelle, an die Willow zeigte, außer Spike, der immer noch auf das Mädchen am Brunnen starrte.

„Vergiss es Spike, du kannst sie nicht beißen", sagte Xander schadenfroh, der den Vampir ständig im Auge behielt, weil ihm die Worte von ihm nicht aus dem Kopf gingen, dass hier sein Chip eventuell nicht funktionierte.

„Du bist wirklich ein Idiot, Harris", erwiderte Spike. Dann schaute er zu dem kleinen Mädchen auf das Willow gezeigt hatte und wieder zurück zum Brunnen. „Irgendwie sind das alles Szenen aus Märchen. Das Mädchen mit den Schwefelhölzern. Die Schneekönigin und Frau Holle, tippe ich mal."

Xander fing plötzlich zu lachen an. „Wenn hier einer ein Trottel ist, dann wohl du. Märchen. So ein Schwachsinn." Er kicherte weiter, doch Buffy wandte sich Spike zu. „Wie kommst du auf diese Idee?"

„Willow hat es auch bemerkt. Du auch, irgendwie, als du die Zeitschleife erwähntest. Es ist zwar keine, trotzdem tauchen nur diese drei Bilder immer wieder auf. Jede Wette, wenn wir noch mal die Strasse entlang gehen, fährt die Schneekönigen mit ihrem Schlitten wieder vorbei. Machen wir einfach einen Versuch", verlangte Spike und lief auch schon los. Die anderen folgten ihm und tatsächlich, keine Minute später tauchte der Schlitten wieder auf.

„Und was machen wir jetzt?", wollte Xander wissen.

„Keine Ahnung. Vielleicht hat Giles etwas in der Bibliothek gefunden, das uns weiter helfen kann. Daher würde ich sagen, wir gehen hin und erzählen ihm, was wir herausgefunden haben", schlug Buffy vor.

„Guter Plan und ich komme nicht mit. Hab zu tun", erklärte Spike und bevor Buffy etwas einwenden konnte, ging er davon. Xander schaute ihm nach, dann wandte er sich an Buffy. „Besser, ich gehe ihm nach. Wer weiß, welchen Unsinn er sonst wieder anstellt."

„Ja pass nur gut auf, Xander ", meldete sich Dawn zu Wort. „Denn vielleicht besorgt er uns noch etwas zu essen und noch mehr Decken, dieser Schwerverbrecher."

Xander schaute Dawn kurz irritiert an, bemerkte ihren hochmütigen Blick und dass sie wütend mit dem Fuß in den Schnee klopfte. Daher sparte er sich eine Erwiderung und lief einfach Spike nach. Während er versuchte Spike einzuholen, dachte er an Dawns Worte und musste zugeben, dass sie Recht hatte. Und wenn er endlich ehrlich war und neutral betrachtete, was der Vampir in letzter Zeit alles für Buffy, Dawn und deren Freunde getan hat, war es eigentlich ungerecht, ihn nach wie vor ständig zu beschuldigen nur Böses im Sinn zu haben. Andererseits war da der Chip. Wer sagte, dass Spike nicht nur deshalb und aus puren Eigennutz so handelte, wie er es tat, weil er so zu Blut und auch ein bisschen Geld kam, das Buffy oder Giles ihm gab. Demgegenüber...

„Was schleichst du hinter mir her, Gipskopf? Sehnsucht nach mir gehabt?" Xander zuckte erschrocken zusammen. Er hatte Spike nicht bemerkt und jetzt stand er plötzlich neben ihm und grinste ihn an.

„Träum weiter, Spike. Ich pass nur auf, dass du nicht wieder Blödsinn machst", entgegnete Xander, gleich wieder in seine alte, feindliche Haltung verfallend.

Spike lachte trocken. „Glaubst du wirklich, ich wüsste nicht, wieso du mir hinterher rennst? Du willst Spaß haben und den hast du nicht, wenn du in den alten Büchern lesen musst. Mit mir aber schon. Vor allem hier, da du nicht mit Konsequenzen rechnen musst."

Xander verzog abfällig sein Gesicht und machte eine wegwerfende Handbewegung. „Du redest echt nur Unsinn. Ich hau wieder ab."

„Oder wir besorgen das Kleid, das deiner Ex - Dämonin so gut gefallen hat", entgegnete Spike lockend.