File 1: stories/1/607.txt
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Als die Mädchen in die Bibliothek kamen, fanden sie Tara und Giles hinter einem gewaltigen Stoß Büchern.

„Bücher, lauter Bücher und...", seufzte Giles, als Buffy zum Tisch trat. „Liegt vermutlich daran, dass wir hier in einer Bibliothek sind. Aber ich bin trotzdem erstaunt, das ausgerechnet von Ihnen zu hören."

Giles warf seine Brille auf den Bücherhaufen und rieb sich den Nasenrücken. „Wenn du mich hättest ausreden lassen, hätte ich dir sagen können, dass es sich hier ausschließlich um Märchenbücher handelt und das,...das ist völlig absurd. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass alles in dieser Stadt völlig absurd ist. So gesehen ist es doch nicht so abwegig, dass hier nur Märchenbücher zu finden sind. Dennoch bleibt die Frage..."

„Märchen. Genau, Giles. Das haben wir auch herausgefunden und das ganz ohne Bücher", unterbrach Buffy ihren Wächter, genervt von seinen endlosen Ausführungen.

„Tatsächlich? Nun das ist...jetzt bleibt noch die Frage, um welche es sich handelt. Hier in diesen Büchern sind sehr viele. Ich wage zu behaupten alle nur bekannten Märchen, die..."

„Die Schneekönigin, Frau Holle und das Mädchen mit den Zündern", unterbrach Buffy Giles erneut.

„Nun es heißt eigentlich Schwefelhölzer, aber, wie... wieso weißt du das?"

Buffy zuckte mit den Schultern. „Spike hat die Märchen identifiziert, oder wie man das nennen soll. Jetzt wäre es halt gut, wenn wir wüssten, was uns das nützt."

„Das kann ich dir leider auch nicht sagen. Doch durch das neue Wissen, können wir jetzt gezielt suchen. Jeder von euch nimmt sich ein paar Bücher und sucht nach genau diesen drei Märchen. Achtet darauf, ob ihr irgendetwas findet, das nicht in diese Märchen passt", wies Giles an.

„Dazu müsste ich diese Märchen erst mal genau kennen", murmelte Buffy kaum hörbar und schlug seufzend das erste Buch auf.

~*~

„Bist du völlig übergeschnappt? Das kannst du doch nicht klauen. Wie sollen wir dieses ganze Zeug überhaupt wegschleppen? Und außerdem, ich dachte wir wollten nur das Kleid für Anya und höchstens ein paar warme Stiefel mitnehmen. Und du Irrer willst fast einen ganzen Hausrat mitgehen lassen! Glaubst du ernsthaft, du kannst dich so bei Buffy noch mehr einschleimen? Vergiss es. Sie wird dich immer nur als das sehen, was du bist. Ein egoistisches Monster."

„Und du wirst immer der Looser bleiben, der du bist und der nichts schnallt. Aber in einem hast du Recht. Ich bin böse, egoistisch und ein Monster, das dich irgendwann killen wird, das ist so sicher, wie wir hier in einer Märchenwelt stecken. Aber bis es soweit ist, mache ich mir das Leben so angenehm wie möglich. Das bedeutet auch, dass ich gewisse Dinge in meiner Gruft haben will. DAS und nur das ist der Grund, wieso ich mir hier hole, was nicht angenagelt ist. Weil das in unserer Welt viel schwieriger ist! Ich mache das also NUR für mich, kapiert? Und nicht wegen Buffy oder sonst irgendwen. Ihr seid höchstens kurzfristige Nutznießer, bis dieses verfluchte Spektakel vorbei ist. Und jetzt halt die Klappe, ich muss das Schloss knacken", verlangte Spike und fummelte mit dem Dietrich im Türschloss herum. Gleich drauf hörte man ein knackendes Geräusch und Spike schob die Tür auf. „Jepp, ich bin verdammt gut", grinste er, stand auf und schlich in den Raum. Nach einigem Zögern folgte Xander ihm nach und dachte dabei, ‚er kann ohne Aufforderung in Wohnungen rein, das ist nicht gut. Das ist gar nicht gut. Sicher funktioniert hier auch der Chip nicht. Ich muss es Buffy sagen. Der Blutsauger hat irgendetwas vor. Oder noch schlimmer, er ist doch Schuld, dass wir hier gelandet sind. Ich muss rauskriegen, was er im Schilde führt. Daher ist es besser, ich mache gute Miene zu seinem hinterlistigen Spiel.'

Kaum im Lager des Geschäftes führte Spike Xander weit nach hinten wo zwei Kisten und ein paar Säcke gestapelt waren. „Das kommt mit. Du nimmst die Säcke, ich die Kisten", wies Spike an und hob die Kisten hoch.

„Was ist da drin?", wollte Xander wissen und hievte sich die Säcke auf die Schultern.

„Verschiedener Kram und jetzt mach, wir sind noch nicht fertig", antwortete Spike und marschierte los.

Xander folgte dem Vampir zwar, aber er ließ nicht locker. „Entweder du sagst mir sofort, was da alles drin ist, oder ich schmeiß alles hin", drohte er.

„Verdammte Hölle, du blöder Trottel. Schau dich hier mal um. Was denkst du denn, was wir von hier mitnehmen? Das hier ist ein Lager für alles. Das war vor 200 Jahren so. Es gab Läden, wo man alles kriegte. Von Lebensmittel bis hin zu Kleidern, Schuhen und Geschirr. Genau das habe ich eingepackt und jetzt halt die Klappe und beweg dich", herrschte Spike Xander an.

Nachdem sie die halbe Strecke zur Gruft hinter sich gebracht hatten, schnaufte Xander unter der Last der Säcke und beschwerte sich auch dementsprechend.

„Als Hirn und Muskeln verteilt worden sind, hast du wohl bei keinem von beiden - „hier" - geschrieen. Gibt es überhaupt irgendetwas, das du kannst, Gipskopf?", fragte Spike sarkastisch.

Xander ließ die Säcke in den Schnee fallen und baute sich vor Spike auf. „Kann ich", knurrte er und schlug dem Vampir seine Faust auf die Nase.

Überrascht taumelte Spike zurück, bemüht die Kisten nicht fallen zu lassen, damit der kostbare Inhalt nicht kaputt ging. Schließlich wollte er, wenn dieser Albtraum vorbei war, den ganzen Krempel für gutes Geld verkaufen. In der Zeit, in der sie normaler Weise lebten, handelte man diese Dinge als Antiquitäten und wenn Spike die Stücke verkaufte, konnte er sich mehr leisten als nur einen Flachbildfernseher und einen DVD Player.

Daher stellte er die Kisten vorsichtig ab, nachdem er sich gefangen hatte und brüllte Xander an.

„Bist du irre? Das war dein Todesurteil. Jetzt bist du fällig." Spike nahm sein dämonisches Aussehen an, dachte sich, ‚Wenn ich ihn schon nicht beißen kann, dann soll er sich wenigstens in die Hosen machen vor Angst, wenigstens ein paar Sekunden.'  Dann ging er langsam auf Xander zu und sah mit Genugtuung, dass sich dessen Augen vor Schreck weiteten. Spike packte Xander an den Jackenaufschlägen, grinste diabolisch und entblößte seine Reißzähne. Plötzlich liess er Xander los, nahm wieder sein menschliches Aussehen an und trat einen Schritt zurück. „Nope, noch nicht. Dich hebe ich mir für eine besondere Gelegenheit auf", sagte er und griff wieder nach seinen Kisten, mit denen er davon ging.

Xander stand noch einige Minuten stocksteif da, dann murmelte er: „Er ist tot. Staub. Nein, ich brate ihn in der Sonne und schaue zu, wie er schreiend zerfällt. Ich schmeiße ihn in ein Becken mit Weihwasser. Nagle ihn an ein Kreuz. Trenne ihm mit der Flex seinen verfluchten Schädel von den Schultern. Ja, das alles mache ich mit ihm, sobald ich so stark wie Buffy bin. Oder ich sag der Jägerin, dass der Zahnlose nicht so zahnlos ist, wie er tut. Oder dieser Peroxyde Bastard macht mir was vor, und alle sind wütend auf den bösen Xander, weil Spike hat ja Dawn gerettet, also ist er ein Held. Und außerdem hat er ja den Chip und kann niemanden etwas tun. Bla, bla, bla...Ich muss gleich kotzen."  Xander nahm die Säcke wieder auf und stampfte Spike nach. „Von nun an bin ich dein Schatten, du seelenloses Monster. Ein falscher Schritt und ich hab dich am Arsch." Entschlossen lief Xander schneller, um Spike nicht aus den Augen zu verlieren.

Als sie das zweite Mal Waren in die Gruft schleppten, enthielt sich Xander jeden Kommentars, beobachtete aber jede Bewegung des Vampirs. Doch als Spike einen Ofen in einem der Häuser abmontierte und Xander das Ofenrohr in die Hand drückte, woraufhin der ganze Ruß über Xander rieselte, flippte er aus. Spike, der inzwischen lachend mit dem Ofen davon lief, wurde von einem wütenden Xander verfolgt, der das Ofenrohr wie eine Keule schwang und damit versuchte Spike zu treffen, während Xander Spike alle Schimpfnamen nachbrüllte, die ihm einfielen. Doch Spike war zu schnell und   wich Xander Attacken geschickt aus. Zudem sang der Vampir die ganze Zeit, „Wer hat Angst vor dem schwarzen Xandermann? Wer hat Angst vor dem schwarzen Xandermann? Niemand. Niemand."

Es wäre für Spike besser gewesen, nicht immer zurück zu schauen, dann wäre er nämlich nicht über den umgefallenen Grabstein gefallen und dann hätte ihm der rußgeschwärzte Racheengel das Ofenrohr nicht in den Bauch rammen können, bevor er den im Rohr verbliebenen Ruß auf den Vampir ausschüttete. Auch das anschließende Gerangel wäre dann wohl ausgeblieben. Aber auch das Lachen, das plötzlich beide überfiel, weil es einfach komisch war, wie sie aussahen, nass vom Schnee und Ruß verschmiert. Und letztendlich lagen sie neben einander im Schnee, Xander rang nach Luft und beide  beschimpften sich gegenseitig, ohne es wirklich ernst zu meinen.

Als sie nach einer Weile aufstanden und Ofen und Rohre zusammen sammelten, waren sie zwar keine Freunde, aber etwas zwischen ihnen hatte sich verändert. Von dieser Veränderung irritiert, trugen sie stumm die Teile in die Gruft. Sie arbeiteten wortlos, bauten sie den Ofen auf und heizten ihn ein. Spike war es dann, der das Wort ergriff. „Schon mal in einem Badehaus gewesen?", wollte er von Xander wissen und schaute ihn fragend an.

Xanders Gesichtsausdruck war ein Abbild des Entsetzens. „Wenn du mich in so ein Etablissement schleppen willst, wo alle nackt herumrennen, nein danke, ich verzichte. Da bleibe ich lieber schmutzig, oder reibe mich mit Schnee ab."

„Das was du meinst ist ein Badebordell. Auch nicht schlecht, aber nur wenn man auf Syphilis oder andere schöne Geschlechtskrankheiten steht. Ich kann ja nicht krank werden und bei dir wär's auch kein Verlust, wenn dir ein Körperteil wegfault. Aber ich dachte eher daran, sauber zu werden, statt noch dreckiger. Daher bin ich für eine kleine, aber feine Badestube. Zu deinem Glück habe ich bei meinen Erkundungsgängen eine entdeckt, die ich jetzt aufsuchen werde. Bleib dreckig oder komm mit, mir egal." Ohne eine Erwiderung von Xander abzuwarten lief Spike aus der Gruft und nach kurzem Überlegen folgte Xander ihm. Schließlich hatte er sich ja vorgenommen, den Blutsauger nicht aus den Augen zu lassen.

~*~

Giles und die Mädchen hatten die ganze Bibliothek nach Hinweisen durchsucht, aber alle drei Märchen hatten in jedem Buch den völlig identischen Text. Frustriert und hungrig hatten sie beschlossen erstmal zur Gruft zurück zu kehren, um etwas zu essen, bevor sie weitere Recherchen anstellen würden. Wobei sie nicht wußten, was sie noch recherchieren sollten.

Als sie sich Spikes Gruft näherten, bemerkten sie, dass feiner, weißer Rauch aus einem Oberlicht aufstieg. „Na toll. Jetzt brennt auch noch die einzige Behausung ab, die wir haben", rief Buffy und rannte los, um eventuell zu retten, was noch zu retten war. Die anderen folgten ihr eilig. Buffy stieß die Tür auf und blieb wie angewurzelt stehen, um fassungslos auf das Bild zu starren, das sich ihr bot. Noch bevor sie etwas sagen konnte, pflaumte Spike sie auch schon an. „Mach gefälligst die verdammte Tür zu. Meine Gruft soll warm werden und nicht der ganze, verfluchte Friedhof. Und da du schon stehst, kannst du auch gleich die Suppe umrühren."

Automatisch ging Buffy zu dem Bollerofen und rührte die Kartoffelsuppe um, dessen köstlicher Duft ihr in die Nase stieg. Spike grinste und Xander schüttelte nur ungläubig den Kopf über Buffys Verhalten.

Gerade als Buffy bewusst wurde, was sie da tat und etwas sagen wollte, kamen die anderen in die Gruft und blieben ebenso wie Buffy zuvor, erstaunt an der Tür stehen.

„Tür zu, verdammt. Wir haben keine Lust noch mehr Holz und Kohle anzuschleppen", sagte Xander und Spike stimmte zu. „Genau."

Alle Anwesenden schauten Xander an und erst jetzt fiel ihm auf, dass er gerade wie Spike geredet hatte. „Ich bin zu viel mit ihm zusammen", murmelte Xander geschockt.

„Nicht meine Schuld, dass du so anhänglich bist wie ein Welpe", konterte Spike grinsend. „Aber sogar ich muss zugeben, wir hatten Spaß."

„Spaß? Du und Spike? Was meint er damit, Xander?", wollte Anya alarmiert wissen und baute sich vor ihrem Freund auf.

„Ja, was meint er damit, Xander?", fragte nun auch Buffy.

Xander hob abwehrend die Hände. „Wir haben nichts Böses getan. Okay, wir sind in ein Lager eingebrochen. Nicht ich, Spike war das", stellte er schnell richtig. „Aber es stimmt, was Spike sagte. Hier merkt das keiner. Und wir haben es für euch getan", fügte er noch verteidigend hinzu.

„Ich nicht", warf Spike schnell ein, doch das schien niemanden zu interessieren, wie er seufzend bemerkte.

Anya hatte sich inzwischen auf Xanders Schoß gesetzt, strich ihm mit der Hand über die Brust und lächelte ihn verführerisch an. „Hast du auch an mein Kleid gedacht?" Xander grinste und nickte. Doch bevor er etwas sagen konnte, runzelte die Ex-Dämonin die Stirn. „Du riechst so gut und deine Haare sind gewaschen. Habt ihr auch eine Badewanne gestohlen?"

„Nein, Anya, so ein Ding haben wir nicht auch noch angeschleppt. Wir waren in einem Badehaus und..."

„Badehaus?" Anya sprang auf und keifte ihren Freund an. „Alexander Harris, wie konntest du es wagen? Ich weiß genau, wie es in diesen Badehäusern zugeht. Die Frauen dort tun mehr als sich nur zu waschen."

„Beruhige dich, Anya. Dort waren nur Männer, ehrlich und..."

Doch Anja war alles andere als beruhigt. „Was? Du treibst es jetzt mit Männern? Etwa mit Spike?"

„Du bist wohl nicht ganz dicht. So pervers bin nicht mal ich, um es mit dem zu treiben", wehrte Spike vehement ab und verzog angewidert sein Gesicht.

„Genau, alleine schon die Vorstellung.... Nein, ich will mir das lieber nicht vorstellen." Xander schüttelte sich und weigerte sich, den Gedanken weiterzudenken und um davon abzulenken, erläuterte er. „Sie haben dort solche Abtrennungen. Holzgestelle mit Stoff dran."

„Paravent nennt man das, du ungebildeter Idiot", grummelte Spike und Xander konterte. „Gib nicht so an, du weißt das doch auch nur, weil du aus dieser mittelalterlichen Zeit stammst."

Spike verdrehte die Augen. „Pfff. Mittelalter. Ich sag ja, er ist ein Trottel."

„In so einem Badehaus treffen sich also Männer und Frauen, oder nur Männer, um...oh", erkannte Dawn und ihre Wangen färbten sich.

„Okay, Leute, Themawechsel", verlangte Buffy schnell. „Der Dämon, die Dämonen, oder wie auch immer. Wir wissen jetzt, dass es etwas mit den drei Märchen zu tun hat."

„Wow, ihr wisst jetzt das, was ich euch schon vor Stunden gesagt habe. Was für Genies ihr doch seid."

„Halt die Klappe, Spike", entgegnete Buffy und schaute ihn böse an, doch er grinste nur. „Eine Frage noch. Nachdem ihr das nun endlich wisst. Was wollt ihr Intelligenzbestien jetzt dagegen unternehmen?"