File 1: stories/1/609.txt
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Kaum hatte Willow die Worte ausgesprochen, drehte sich alles um sie herum und sie standen wieder am Brunnen. 

„Na großartig. Ich wusste es, verflucht“, schimpfte Spike und kramte seine Zigaretten aus der Tasche.

„Aber wieso?“ Buffy ließ hilflos die Schultern hängen und schaute sich um. Was sie sah, dämpfte ihre Stimmung noch mehr. Denn das Mädchen mit den Schwefelhölzern saß wieder an ihrer Ecke und gerade galoppierten die weißen Pferde mit der Schneekönigin vorbei.

„Wir sind wieder ganz am Anfang“, seufzte Willow, „und inzwischen glaube ich fast, es stimmt, was Anya gesagt hat, man kann die Rätsel des Sgnall nicht lösen.“

Buffy schaute noch immer dem Schlitten nach, dann drehte sie sich zu ihren Freunden um. „Nein. Ich habe Weltuntergänge verhindert und habe sogar eine Göttin besiegt. So ein Gnall kann mich nicht aufhalten.“

„Gut, dass die Jägerin durch Zuschlagen überlebt und nicht durch Dämonenkunde, denn sonst wären wir schon längst hinüber. Sgnall ist doch wirklich nicht so schwer zu merken“, maulte Spike leise, doch Tara hatte ihn gehört und kicherte hinter vorgehaltener Hand. Spike zwinkerte ihr zu, dann wandte er sich an Buffy. „Endlich hast du es geschnallt. „Killen. Umbringen. Abmurksen. Hinmachen. Ausrotten. Halsumdrehen. Genau das sollten wir tun. Also los, wo fangen wir an?“

Buffy atmete tief durch. „Okay, also was ist dieser Gnall, ein böser Dämon? Böse wollen Böses. Also wünscht er sich, dass etwas Böses passiert“, überlegte Buffy. „Glaube ich zumindest“, hing sie unsicher an.

„Fast richtig. Applaus für die Jägerin“, rief Spike emotionslos.

„Spar dir deinen Sarkasmus, Spike und tu nicht so, als ob du es besser wüsstest. Anya sagte...“

„Anya hat nur gesagt, was man über ihn sagt“, unterbrach Spike Buffy. „Nicht, was es für ein Dämon ist und mir ist inzwischen auch eingefallen, warum. Weil er für die Konkurrenz arbeitet“, erklärte Spike und warf seine aufgerauchte Zigarette in den Schnee.

„Willst du damit andeuten, dass D'Hoffryn nicht das einzige Rachegeschäft betreibt?“, fragte Willow erstaunt.

„Nicht so ganz. Man müsste eher sagen, es wird ihm ins Handwerk gepfuscht“, stellte Spike richtig.

„Wer ist es und woher weißt du das?“, wollte Buffy wissen.

„Die Ex von D'Hoffryn und ich hatten mal miteinander zu tun. Aber das ist eine lange Geschichte“, wiegelte Spike rasch ab. Es ging die Mädchen nichts an, was er mit Holly erlebt hatte. „Jedenfalls, soweit ich weiß, lagen sich D'Hoffryn und Holly immer in den Haaren. Manche sagen wegen der Methoden, die D'Hoffryn anwendete. Andere wieder sagen, D'Hoffryn sei erst nach der Trennung von Holly ins Rachegeschäft eingestiegen. Aber das alles ist so lange her, dass wahrscheinlich nur die Beiden noch wissen, wie es wirklich war. Jedenfalls macht jeder der Zwei seitdem sein eigenes Ding und die Sgnalls stehen unter Hollys Befehl.“

„Dann müssen wir im Grunde also diese Holly zufrieden stellen. Übrigens, ein ganz schön bescheuerter Name für einen Dämon“, stellte Buffy Kopf schüttelnd fest.

„...sagte die Jägerin mit dem Angst einflößenden Namen …Buffy“, murmelte Spike kaum hörbar und verdrehte die Augen.

„Also was sollen wir nun tun? Die Kinder retten?“, meldete sich Willow zu Wort.

Spike nickte. „Jepp, bis auf die Schneekönigin, die ist ein Dämon, die sollten wir kalt machen. Okay, sie ist schon kalt, also kälter? Am Kältesten? Egal. Wir killen sie einfach und fertig.“

„Gut, womit fangen wir an?“, fragte Buffy und beantwortete ihre Frage auch gleich selbst. „Mit dem Schwefelholzmädchen. Machen wir ihre Familie ausfindig und...“

„Nein. Alles falsch“, sagte Spike plötzlich, während er das Mädchen mit den Schwefelhölzern anstarrte.

Erstaunt schaute Buffy den Vampir an. „Nein? Was soll das jetzt heißen? Du gehst mir echt auf die Nerven mit deinem ewigen Hin und Her, Spike.“

„Leg mal eine neue Platte auf, die ist schon abgenutzt“, konterte Spike genervt. „Nein bedeutet, dass wir es völlig falsch angegangen sind. Der Sgnall sagte zu dir, erfülle mir meinen Wunsch, nicht Wünsche, oder?“

Buffy verdrehte die Augen. „Wunsch, Wünsche, wo ist da der Unterschied?“

„Das es nur um eine Person geht, das ist der Unterschied. Im Grunde geht es nur um das Mädchen mit den Schwefelhölzern. Sie müssen wir retten“, behauptete Spike überzeugt.

„Ach. Und das ist so, weil…?“

„Denk doch mal nach, Slayer. Die Kleine hat sich weder über das Geld noch über den Umhang gefreut, den Dawn ihr gegeben und den ich übrigens unter schwierigsten Umständen gestohl...organisiert habe, nur so nebenbei bemerkt. Nun, wie auch immer. Sie hätte vor Freude im Kreis springen müssen, hat sie aber nicht. Außerdem sieht sie jemanden ähnlich, den ich kenne, wie mir gerade aufgefallen ist.“

„Das stimmt“, warf Willow plötzlich ein. „Das Mädchen war traurig, so als hätte sie etwas anderes von uns erwartet.“

„Na toll, das bringt uns jetzt echt weiter“, brummte Buffy seufzend.

Doch Willow wandte sich an Spike. „Du sagtest, die Kleine erinnert dich an jemanden, den du kennst. Was genau meinst du damit?“

„Sie hat Ähnlichkeit mit...egal. Wenn ich richtig liege, dann weiß ich jetzt, wie wir den Zauber brechen können. Dazu muss erst mal die Schneekönigin weg. Solange sie da ist, kann die Kleine nicht zum Brunnen, jede Wette, da steckt D’Hoffrin irgendwie mit drin.  Allerdings glaube ich, dass nicht die Pechmarie in den Brunnen soll, sondern wir mit dem Zündholzmädchen. Was aber nicht geht, solange die Schneehexe den Weg blockiert.“

„Das klingt komplett irre, Spike“, erklärte Buffy Kopf schüttelnd. „Ich frage mich echt, was in deinem kranken Hirn vorgeht. Hast du schon einen Schneekoller, oder was?“

 

Spike stellte sich ganz dicht vor Buffy hin und knurrte wütend. „Ja, ich will hier weg, wie du auch. Und es ist ja nicht so, als hätte ich dir nicht schon oft geholfen. Also, wie wäre es, wenn du mir einfach glaubst, verdammt?“

Buffy schaute betreten zu Boden, dann blickte sie Spike wieder in die Augen und lächelte verlegen. „Wir drehen wohl alle langsam durch hier. Also, was schlägst du vor?“

„Entschuldigungsversuch angenommen“, brummte er immer noch wütend, doch so wie sie ihn anschaute, konnte er ihr einfach nicht böse sein und er seufzte theatralisch, bevor er erklärte. „Also wir machen Folgendes. Erst killen wir die Schneekönigin. Wenn wir die aus dem Weg geräumt haben, schnappen wir uns die Kleine und springen mit ihr in den Brunnen. Wenn es so ist, wie ich denke, das es ist, müssten wir dort weiterkommen und nicht gleich wieder am Brunnenrand landen.“

„Wir kommen zur Frau Holle?“, wollte Dawn wissen.

„Genau“, stimmte Spike zu.

„Cool. Vielleicht darf ich dann die Betten ausschütteln und es schneit in Sunnydale, wenn wir zurückkommen.“

„Klar, Krümel, genau deswegen machen wir den ganzen Scheiß, damit du die Betten machen darfst“, erwiderte Spike genervt, doch Dawn grinste ihn nur an.

„Diese Summers Frauen treiben mich noch vollkommen in den Wahnsinn“, murmelte er und stapfte über die Strasse. Dort beugte er sich über das Mädchen mit den Schwefelhölzern und hob sie ohne Umschweife hoch. Als er mit ihr auf den Armen die Strasse wieder überqueren wollte, brauste der Schlitten mit der Schneekönigin daher. Sofort änderte sich das Bild wieder und Spike stand bei den anderen am Brunnen, ohne das Mädchen. „Jepp, ich hatte verdammt Recht. Los, Slayer, killen wir sie.“

„Bist du überzeugt davon, dass die Königin ein Dämon ist?“ wollte Buffy unsicher wissen.

„Ja verflucht. Dreh ihr einfach den verdammten Kragen um. Ich halte die Pferde auf.“  Spike stellte sich an den Straßenrand und schaute gespannt in die Richtung, aus der der Schlitten kommen würde.

Buffy wies Dawn noch an, da zu bleiben und nicht in den Brunnen zu springen, woraufhin sie natürlich protestierte. Doch Buffy achtete nicht darauf, spannte ihre Muskeln an und machte sich bereit für Sprung auf den Schlitten. Und dann donnerten die Pferde auch schon heran. Spike lief in die Mitte der Strasse, packte die Zügel der Pferde und hielt sie mit aller Kraft zurück, sodass sie ihre Geschwindigkeit verringern mussten. Sofort sprang Buffy auf den Schlitten. Noch bevor die Schneekönigin reagieren konnte, hatte Buffy schon ihren pelzgeschmückten Kopf gepackt. Auf einen kräftigen Ruck folgte ein unheimliches Knacken und die Schneekönigin sackte auf dem Sitz zusammen. Zugleich verschwanden die Pferde, der Schlitten und der ganze Inhalt. Buffy und Spike fanden sich Schnee liegend wieder.

 

Beide rappelten sich auf und klopften den Schnee von ihrer Kleidung. Spike vergeudete keine Zeit, rannte auf das  Mädchen mit den Schwefelhölzern zu, hob sie auf die Arme und rannte zurück zum Brunnen. Buffy schubste die Pechmarie zur Seite und nachdem Spike im Brunnen verschwunden war, sprang sie ihm nach. Natürlich ließ sich Dawn nicht abhalten, den Beiden zu folgen und so blieb auch Tara und Willow nichts anderes übrig, als ebenfalls nach zu springen.

Sie fanden sich, wie das erste Mal, auf der Wiese wieder und als sie diesmal losmarschierten, wurden sie nicht wieder zurückgeschickt.

Das kleine Mädchen klammerte sich an Spike, blickte ihn aber dennoch ängstlich an. „Ich will nach Hause“, schniefte sie und versuchte ihre Tränen zurück zu halten.

Erst jetzt wurde sich Spike bewusst, dass er die Kleine ohne Erklärung aus der ihr bisher bekannten Welt gerissen hatte. „“Keine Angst, kleine Maus, bald bist du zu Hause. Dir wird nie mehr kalt sein und du wirst immer genug zu essen haben. Ich verspreche es.“

„Wirklich?“, die Kleine schaute Spike mit großen, fragenden Augen an, allerdings schien sie ihm nicht recht zu glauben.

 

„Ich schwöre. Bei meinem Chip“, entgegnete Spike ernsthaft.

 

Die Kleine runzelte die Stirn. „Was ist ein Chip?“

 

„Ein Ding, das dich am Leben lässt. Okay, Holly ist auch ein Grund. DER Grund, um genau zu sein. Wie auch immer. Halt dich fest, wir müssen uns beeilen. Die anderen sind uns schon ein Stück voraus.“ Spike hatte sich auf die Kleine konzentriert und war langsamer gegangen, daher hatte er nicht bemerkt, dass Buffy und die anderen schon einige hundert Meter weit weg waren. Das kleine Mädchen krallte ihre Händchen fest in Spikes Mantel und der lief grinsend los. Im Nu hatte er die anderen eingeholt und der Kleinen gefiel es ganz offensichtlich von Spike getragen zu werden, denn sie lächelte glücklich.

So folgten sie dem Pfad, der sie zu einem Baum führte, der wie erwartet rief. „Rüttle mich, schüttle mich. Meine Äpfel sind schon reif.“

Dawn lief zu dem Apfelbaum und begann an ihm zu rütteln. Ein paar Äpfel fielen auch herunter, aber nicht sehr viele.

Spike reichte das kleine Mädchen an Buffy weiter und ging dann zu Dawn hin. „Lass mich mal, Krümel“, verlangte er und trat zwei Mal kräftig gegen den Stamm. „Geht doch“, brummte er zufrieden, als die Äpfel wie Schnee vom Baum rieselten. „Einsammeln müssen wir sie nicht. Um weitergehen zu können, genügt es, wenn wir die Hauptarbeit machen“, erklärte Spike und Buffy fragte neugierig. „Wieso weißt du das?“

„Hat mir mal jemand erzählt“, entgegnete er ausweichend, nahm Buffy das Mädchen gar nicht erst wieder ab, sondern lief weiter, den Pfad entlang. Die kleine Gruppe erreichte den Brotofen und auch hier holte Spike rasch das Brot heraus, nachdem er dazu  aufgefordert worden war.

Fünf Minuten später standen sie vor dem Haus der Frau Holle, die am Balkon stand. Als sie Spike und die Mädchen sah, stieß sie einen freudigen Schrei aus und gleich darauf hörte man sie die Treppe herunterlaufen. Sekunden später wurde die Tür aufgestoßen und die kleine, dickliche Frau lief die paar Stufen hinunter, um das kleine Mädchen, das ihr entgegenlief, in die Arme zu schließen. „Meine kleine Holly. Endlich habe ich dich wieder“, hörte Spike Frau Holle flüstern und auch die Kleine schien plötzlich zu wissen, dass sie in den Armen ihrer Mutter lag, denn sie wisperte. „Mami, meine Mami.“

„Ich danke euch. Ich danke euch vielmals, dass ihr mir meine Tochter gebracht habt. Viele Jahrhunderte habe ich auf diesen Augenblick gewartet und viele Krieger haben versucht, mir diesen Wunsch zu erfüllen, aber erst euch ist es gelungen. Als Dank werde ich jedem von euch einen Herzenswunsch erfüllen. Aber erst kommt herein. Ich habe heiße Schokolade und Kuchen. Spike, mein Böser, führ deine Damen ins Wohnzimmer, du weißt ja Bescheid“, sagte sie an den Vampir gewandt, warf allen einen gerührten Blick zu und herzte noch einmal ihre Tochter, die fröhlich auf ihre Mutter einredete.

„Du kennst Frau Holle, oder auch Holly, wie wir jetzt wissen, wohl ziemlich gut. Spike, mein Böser“, sagte Buffy spottend und ging hinter dem Vampir her, der ins Wohnzimmer trampelte und dort aus einem Schrank Tassen und Teller nahm. „Vergiss es, von mir erfährst du nichts“, knurrte Spike die Jägerin an und verlangte gleich darauf. „Hinsetzen. Holly kann es nicht leiden, wenn man blöd in der Gegend herumsteht.“ Das Kichern der Mädchen ignorierend, stellte er die Tassen auf den Tisch und knallte die Teller daneben.