File 1: stories/1/91.txt
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Angel erstarrte, als er die Geräusche hinter der Tür vernahm und löste in Zeitlupentempo seine Hand von dem Türknauf. Erschrocken stieß er die Luft aus die er nicht brauchte und dankte, wem auch immer, für sein Vampirgehör.

 

Langsam drehte er sich um und ging den Flur entlang. Er war nicht gerade erfreut über den Verlauf der Dinge, aber er wusste, dass es Cordelias Entscheidung war. Jedoch würde nun alles schwieriger, komplizierter werden. Lilah Morgen war nicht zu trauen und wie weit ihre Liebe zu Cordy reichte, wenn es um ihre Gier nach Macht und Einfluss ging, konnte er nicht beurteilen. Dass sie Cordy gerettet hatte, war möglicher Weise eine reine Reflexhandlung gewesen. Und Angel wollte diese Frau so schnell wie möglich aus dem Haus haben, denn es gab hier Papiere und Unterlagen, die sie auf keinen Fall zu Gesicht bekommen sollte und wenn sie einen unerwarteten Auftrag bekamen und rasch das Hotel verlassen mussten, würde die Anwältin alleine zurückbleiben.

Das musste er verhindern. Also sollte sie schnell wieder in ihre Wohnung. Er würde Gunn anrufen, damit er sie dorthin brachte. Das wiederum würde Streit mit Cordelia bedeuten, denn sie würde argumentieren, das Lilah dort nicht mehr sicher war, weil sie angeblich Wolfram & Hart verraten hatte, was er immer noch anzweifelte.

Angel seufzte frustriert. Er und die Frauen, das war schon immer ein schwieriges Kapitel gewesen. Doch es half nichts. Sobald die Beiden herunterkamen, musste es zu einem klärenden Gespräch kommen.

~*~

„Wir müssen aufstehen, Liebste", flüsterte Cordy und strich Lilah über das Haar, deren Kopf auf Cordelias Schulter ruhte.

„Ja, ich weiß", seufzte die Anwältin. So sehr sie sich auch wünschte für immer hier liegen bleiben zu können. Ihr war durchaus bewusst, dass sie sich nun dem Alltag stellen mussten und ein mulmiges Gefühl machte sich in ihrer Magengegend breit. Doch sie war immer schon eine Frau gewesen, die sich den gegebenen Tatsachen stellte und so setzte sie sich auf küsste Cordy noch einmal und stieg aus dem Bett, um sich sofort wieder hinzusetzten und sich benommen den Kopf zu halten.

„Was ist los?" Erschrocken krabbelte Cordelia auf sie zu und nahm sie in den Arm.

„Ich bin doch noch nicht so fit wie ich dachte", murmelte die Anwältin und ließ sich von Cordy halten, glücklich darüber, das sie nun jemand hatte der ihr Halt gab, wann immer sie ihn brauchte.

„Lass dir Zeit. Ich helfe dir beim Anziehen und wir machen schön langsam, ja?" Die Seherin drückte sie liebevoll an sich, gab ihr einen Kuss auf die Stirn, um dann aufzustehen und die Kleider auf dem Boden aufzusammeln. Sie lachte leise, während sie das tat.

„Was ist so lustig?", lachte nun auch Lilah und betrachtete den wundervollen, nackten Körper vor sich, der sich anmutig bewegte.

„Ich dachte gerade Lilah Morgan, die immer korrekt gekleidete Anwältin, schmeißt einfach ihre Sachen auf den Boden, und kümmert sich einen Dreck darum ob sie zerknittert oder staubig sind."

„Ja, wenn es um dich geht Liebste, höre ich eben auf zu denken", sagte Lilah weich und erhob sich langsam.

„Das ist schön." Cordy strahlte sie mit Augen voller Liebe an.

„Ja, das ist es, es ist wundervoll. Du bist wundervoll", murmelte Lilah, zog Cordelia an sich und küsste sie zärtlich.

„Jetzt müssen wir aber." Cordy schmiegte sich enger an Lilah.

„Ich wäre ja schon längst nach unten gegangen, aber du lässt mich ja nicht", kicherte Lilah wie ein Teenager und hielt Cordy ganz fest an sich gedrückt.

„Ach? Es ist also meine Schuld?", nuschelte die Seherin und bedeckte Lilahs Gesicht mit vielen kleinen Küssen.

„Ja, weil du so schön, so süß und so unglaublich sexy bist." Die Anwältin nahm Cordelias Gesicht in ihre Hände und blickte ihr tief in die Augen.

„So? Bin ich das?", meinte Cordy verlegen und wurde rot.

„Ja, das bist du und ich liebe dich. So und nun stellen wir uns dem Monster." Entschlossen nahm sie Cordelia bei der Hand und ging zur Tür.

„Monster? Welchem Monster denn?", fragte Cordy verständnislos.

„Angel!", flüsterte Lilah leise.

Cordy brach in schallendes Gelächter aus. „Angel ist kein Monster. Na ja, schon, irgendwie, aber nicht für jemanden, den er liebt. Für seine Freunde geht er durchs Feuer. Und er akzeptiert meine Entscheidung. Das hat er mir gesagt."

„Ich bin nicht sein Freund. Wir sind Feinde von Anfang an. Ich weiß natürlich, das ich nur durch ihn gerettet wurde, und durch dich natürlich mein Herz. Aber er hat es nur für dich getan. Ich bin sicher er wünscht mich zum Teufel und er würde mich sogar selbst dahin schicken, wenn du nicht wärst." Lilah machte sich nichts vor. Sie wusste genau wie Angel und die anderen von Angel Investigations über sie dachte.

„Okay, dann stellen wir uns eben dem Monster", meinte Cordy leise, und sie wusste Lilah hatte Recht, es würde schwer werden.

Sie schritten die Treppe hinab. Wesley sah kurz auf. „Hallo Cordy. Lilah", presste er den Namen der Anwältin hinterher. Diese nickte nur.

„Wo ist Angel?" Cordelia sah ihn fragend an.

„Hier bin ich." Angel kam aus seinem Büro, da er nicht wollte, das Lilah diesen Raum betrat. „Ich habe Gunn angerufen. Er wird gleich da sein und Lilah nach Hause fahren", sagte er in einem Ton der keinen Widerspruch duldete.

„Aber sie kann nicht zu sich nach Hause. Was wenn Wolfram & Hart jemanden dort hingeschickt haben um auf sie zu warten und..."

„Schon gut, Cordelia. Ich gehe." Lilah senkte die Augen unter Angels kaltem Blick. Sie konnte ihn verstehen. An seiner Stelle würde sie nicht anders handeln.

„Dann komme ich mit", meinte die Seherin entschlossen.

„Das ist deine Entscheidung. Wesley, schicke bitte Gunn zu mir wenn er kommt." Angel drehte sich um und ging ohne ein weiteres Wort an Cordy zurück in sein Büro.

„Aber er hat doch gesagt..." Cordelia sah verwirrt zu Wes.

„Nein, hat er nicht. Er hat dir geholfen, wie er es immer tut. Und er hat euch, beziehungsweise Lilah sein Blut gegeben. Mehr kannst du wirklich nicht erwarten." Wesley konnte Cordy einfach nicht verstehen. Das sie alles aufgab und sich ihrer Feindin zuwandte, das war zu viel für ihn. Tiefe Enttäuschung breitete sich in seiner Brust aus und er wandte sich, ohne die Frauen weiter zu beachten seinen Büchern zu.

Gunn betrat das Hotel und ging nach einem Gruß in Angels Büro, nachdem Wes ihm sagte, das Angel ihn sehen möchte.

„Schließ bitte die Tür, ich muss mit dir reden", sagte Angel, und Charles machte die Tür hinter ihm zu und setzte sich ihm gegenüber.

Wenig später kam er zurück in die Lobby.

„Los Mädels, wir können", sagte er und ging zum Ausgang. Wortlos folgten ihm die beiden Frauen.

Gunn steuerte zielsicher die Wohnung Lilahs an, hielt vor dem Haus und stieg aus. Verwundert sahen die Beiden ihn an.

„Ich komme mit, wollte immer schon mal ein Luxusapartment von innen sehen", grinste er und hielt ihnen die verchromte Glastür auf.

„Sie wünschen?" Der Portier des Hauses sah die drei fragend an.

„Sie sind neu hier, wie ich sehe. Ich will in meine Wohnung", erwiderte Lilah und ging zum Aufzug.

„Wie ist ihr Name Miss?" Der Hauswächter lief ihr hinterher.

„Morgan, Lilah Morgan." Sie drückte auf den Liftknopf.

„Tut mir Leid meine Dame, aber hier wohnt keine Lilah Morgan."

„Das können sie nicht wissen. Ich wohne schon seit drei Jahren hier. Sehen sie auf ihre Liste", meinte Lilah ungehalten. „Immer diese Neuen", dachte sie genervt.

„Tut mir Leid Miss. Aber hier steht niemand mit diesem Namen", sagte er bedauernd.

„Was? Geben sie her, das muss ein Irrtum sein." Sie entriss ihm die Mappe und sah die Namen durch.

„Das geht nicht. Sie können nicht einfach...", protestierte der Portier.

„Doch sie kann", mischte sich Gunn ein. „Und nun halt die Füße still."

„Ich werde den Sicherheitsdienst rufen, wenn sie nicht sofort gehen", meinte der Wächter mit einem ängstlichen Blick auf Charles, der ihn finster musterte.

„Ich steh nicht drauf. Ich stehe tatsächlich nicht auf der Liste. Neben meiner Apartment Nummer steht... Phil Logan", keuchte Lilah wütend.

„Los, wir gehen", meinte Charles entschlossen, und schob die Zwei zum Ausgang.

Sie begaben sich zu Gunns Wagen und stiegen ein.

„Was mach ich jetzt?" Lilah war momentan völlig verunsichert, was eher selten vorkam.

„Wir fahren zu mir. Dann sehen wir weiter." Cordy strich ihr beruhigend über den Arm.

„Nein, tun wir nicht. Wir fahren zurück ins Hotel." Charles startete den Wagen und fuhr los.

„Nicht zurück ins Hotel, Angel--" Charles unterbrach Cordelia und sagte.

„Angel hat mich beauftragt euch sofort zurück zu bringen, wenn mir etwas verdächtig vorkommt. Und das ist verdächtig, mehr als das. Also keine Widerrede", befahl er bestimmend und gab Gas.

Die beiden Frauen blickten sich erstaunt an bis Cordy lächelte: "Siehst du?", flüsterte sie. „Mein Boss ist ein süßes Monster."

„Na, ich weiß nicht", murmelte Lilah leise, und verstand die Welt, insbesondere Angel, nicht mehr.

Kurze Zeit später betraten sie wieder das Hyperion. Demonstrativ hielt Cordy Lilahs Hand, als sie vor Angel standen, der mit verschränkten Armen Gunns Bericht lauschte. Als der fertig war, drehte er sich den beiden Frauen zu. „Gut. Es war ja zu erwarten, das W&H etwas unternehmen."

„Es ist Phil Logan, er steckt dahinter", meinte Lilah und sah Angel direkt in die Augen.

„Logan, dieser Dreckskerl, ich hätte ihn... Okay. Mach mir einen Vorschlag, Lilah. Was können wir tun?" Skeptisch blickte er die Anwältin an und wartete auf irgendeine lahme Ausrede, doch sie überrasche ihn.

„Ich würde gerne euren Laptop benutzen, wenn ich darf. Zuerst möchte ich meine Konten überprüfen, um zu sehen was er damit angestellt hat, denn er wird sich sicherlich nicht nur mit meiner Wohnung begnügen. Dann werden wir, falls die Codes noch nicht geändert sind, in ihr Computersystem eindringen, und Phil wird verfluchen mich unterschätzt zu haben.

Und anschließend werde ich euch alle Dämonen bekannt geben, von denen ich weiß, dass sie für Wolfram und Hart arbeiten. Jede Information kannst du von mir kriegen Angel, die nur im Entferntesten mit W&H, oder ihren Partnern zu tun haben und wenn du es erlaubst, würde ich gerne für Angel Investigations arbeiten. Ich bin eine gute Anwältin und kann sicher hilfreich sein. Ich gebe offen zu, ich tue das für Cordelia, und für meine Rache. Ich weiß natürlich, dass ihr alle mir nicht über den Weg traut, aber..."

„Ich schon", sagte Cordy mit fester Stimme, worauf Wesley die Augen verdrehte und Gunn lächelte.

„Danke", erwiderte Lilah gerührt, weil Cordy das offen vor all ihren Freunden sagte.

„Gut, wir werden sehen, wie weit es stimmt, was du sagst", sagte Angel noch nicht wirklich überzeugt: „Cordelia! Du lässt Lilah mit dem Laptop arbeiten und bleibst bei ihr. Ich verlass mich auf dich. Ich hab noch im Büro zu tun."

Er begab sich in sein Büro und Wesley sowie Gunn folgten ihm.

„Warum vertraust du mir? Ich an deiner Stelle würde es nicht tun." Lilah sah Cordelia fragend an.

„Doch, das würdest du. Ich denke über diese Frage sind wir inzwischen hinaus. Wir haben uns entschieden. Beide. Es ist wie es ist. Wir lieben uns. Das ist keine Frage, das ist eine Tatsache. Für mich jedenfalls, und..." Lilah zog sie mit Tränen in den Augen an sich. „Für mich auch. Ich liebe dich so sehr. Ich bin so dankbar, dass du mich liebst, dass ich dafür keine Worte finde. Ich bete dich an meine liebste, liebste Cordy. Und ich werde dich nicht enttäuschen, das verspreche ich, das schwöre ich", flüsterte sie und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Gott war ihr Zeuge. Sie würde alles tun, was in ihrer Macht stand damit dieses himmlische Wesen, das sie in ihren Armen halten durfte für immer bei ihr blieb, alles, damit sie auch weiterhin von ihr geliebt wurde. Sie hatte die Chance bekommen endlich etwas Nützliches mit ihrem Leben anzufangen, und das an der Seite des wundervollsten Menschen, den sie je in ihrem Leben getroffen hatte.

~*~

„Du traust ihr doch nicht etwa?", fragte Wesley, gleich nach dem er hinter Gunn die Tür von Angels Büro hinter ihnen geschlossen hatte.

„Nein, aber Cordelia tut es." Angel lehnte sich in seinem Sessel zurück.

„Cordy ist nicht zurechnungsfähig. Sie ist verliebt. In eine Frau, was schon absurd genug ist. Doch das sie es ausgerechnet in Lilah Morgan ist, lässt mich wirklich an ihrem Verstand zweifeln." Wesley war außer sich, das war deutlich zu merken.

„Es ist unwichtig ob Cordy eine Frau oder einen Mann liebt. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle. Es ist oft so, dass gleichgeschlechtliche Partner eine vollkommene Beziehung führen, weil sie gleiche Wünsche und Bedürfnisse haben. Wenn die Menschen mehr Verständnis und Toleranz diesbezüglich hätten, ginge es wesentlich friedlicher auf dieser Welt zu", sagte Angel mehr zu sich, als zu seinen beiden Mitarbeitern.

„Und das sagt Angel, der Vampir", lachte Gunn.

„Nein, das sage ich, weil ich in 250 Jahren schon so einiges gesehen und erlebt habe. Aber das tut hier nichts zur Sache. Was mir Sorgen macht, ist, dass sie sich ausgerechnet in Lilah verliebt hat. Wir werden Lilah nicht einen Augenblick alleine lassen, äh... ich meine hier unten in der Lobby. Sonst ist ja Cordy mit ihr..." Angel fiel ein, das er beinahe in Cordelias Zimmer geplatzt wäre, als die Beiden...

„Also wir passen auf und überprüfen alles, soweit es uns möglich ist, was sie uns an Informationen gibt. Dann werden wir ja sehen, ob sie die Wahrheit gesagt hat. Und danach können wir immer noch entscheiden, ob wir sie in unsere Crew aufnehmen."

„Ich bin dagegen", erklärte Wesley bestimmt.

„Ich denke sie ist ganz okay", sagte Gunn. Er und Wes sahen Angel fragend an und jeder hoffte für sich, das er ihnen zustimmen würde.

„Und ich sage, wir warten ab", erwiderte der Vampir ernst. „Und nun seid bitte so freundlich und holt ein paar Sachen aus Cordelias Wohnung. Kleidung und was die Beiden halt so brauchen. Ich möchte, dass sie hier bleiben, bis die Sache geklärt ist. Denn ich befürchte auch Cordys Wohnung wird von W&H überwacht."

Worauf Wes und Gunn wenig begeistert über ihren Auftrag das Büro, und letztendlich das Hotel verließen.

~*~

„Das gibt es doch nicht. Dieser hinterhältige Schuft. Ich habe nicht einen einzigen Cent mehr auf meinem Konto. Keine Kreditkarten, kein nichts. Mich gibt es praktisch nicht mehr. Das wird er mir büßen." Lilah hämmerte auf den Laptop ein und fragte ihre Konten nochmals ab, doch auch nach der zweiten Abfrage war sie arm wie eine Kirchenmaus.

„Willkommen im Club derer, die jeden Cent umdrehen müssen", lachte Cordelia leise.

„Das ist nicht witzig, Cordy", fauchte Lilah.

„Das weiß ich. Tut mir Leid", sagte Cordy geknickt. Schließlich wusste sie genau, wie es war, plötzlich kein Geld mehr zu haben. Sie erinnerte sich gut daran wie es damals war, in Sunnydale, als ihre Familie plötzlich pleite war.

„Nein mein Herz. Mir tut es Leid, das ich dich so angeschnauzt habe. Ich wusste natürlich, dass sie etwas unternehmen werden. Und es war mir auch völlig klar, das die Maßnamen gegen mich sehr drastisch ausfallen, aber ich bin trotzdem etwas geschockt." Lilah gab wieder irgendetwas auf dem Laptop ein.

„Du bereust es, nicht wahr?", fragte Cordelia leise und senkte den Kopf um Lilah nicht in die Augen sehen zu müssen. Sie wollte nicht sehen was darin stand.

Die Anwältin lachte fröhlich auf und umfasste Cordys Gesicht und zwang sie ihr in die Augen zu sehen. "Nein, meine allerliebste Cordelia. Ich bereue vieles in meinem Leben. Aber das sicher nicht. Das... nein, DU bist das Beste das mir jemals passieren konnte. Und ich bin jede Sekunde unendlich dankbar dafür. Alles andere was vorher war, hat keinen Wert mehr für mich. Kleider, Geld, Macht. Ich dachte das wäre das Wichtigste, das einzig Erstrebenswerte. Bis ich in deine Augen sah, damals, als der Septemberregen auf uns fiel, da fühlte ich das erste Mal, dass etwas in meinem Leben nicht stimmte. Das ich so nicht mehr leben wollte. Und wie du dann in Gefahr warst, weil der Quertin-Dämon dich angriff, zögerte ich keinen Augenblick, denn alles was ich wollte, wirklich und wahrhaftig wollte, war dich zu schützen mit allem was mir zur Verfügung stand. Und als du mir später sagtest, das du mich auch liebst... ich kann nicht mit Worten beschreiben wie ich mich gefühlt habe."

„Man schwebt, immerzu. Ständig klingen wundervolle Lieder im Kopf, und die Schmetterlinge im Bauch hören niemals auf zu flattern. Es genügt nur an den anderen zu denken und die Welt leuchtet in den wunderbarsten Farben. Ich... ich kann es auch nicht beschreiben...", brach Cordelia verlegen ab.

„Du hast es wundervoll beschrieben. Ich liebe dich so sehr, so sehr das es weh tut", flüsterte Lilah und küsste Cordelia so zärtlich, das sie alles um sich herum vergaßen.

~*~

Angel lächelte traurig. Er hatte gehört, was Lilah sagte und er gönnte den Beiden ihr Glück. Denn es war das Einzige, das wirklich Wert hatte. Das Einzige, das zählte. Die Liebe. Lilah hatte das erkannt und er war froh darüber, für Cordelia, denn sie hatte es verdient geliebt zu werden. Sie war wie eine kleine Schwester für ihn und er wünschte ihr alles Glück der Erde.

Und sein totes Herz zog sich zusammen, als er sich einen kurzen Augenblick erlaubte, sich seiner Einsamkeit und seiner Sehnsucht nach jemanden, der auch ihn liebte bewusst zu werden. Doch er wusste, das würde niemals geschehen. Seine Schuld an der Menschheit war zu groß, um jemals die Gnade der Liebe zu erfahren, um jemals geliebt zu werden, oder lieben zu dürfen. Mit einem tiefen Seufzer erhob er sich und ging hinaus in die Lobby.

„Ähm...", räusperte sich der Vampir, als er in die noch immer bestehende Umarmung der Beiden platzte.

Erschrocken fuhren die beiden Frauen auseinander.

„Es ist nicht so, wie.. ich meine...", stotterte Cordy und wusste nicht, wo sie hinschauen sollte.

„Doch, genau so ist es. Und es ist okay", lächelte Angel. Damit war das Thema für ihn erledigt und er wandte sich an Lilah. „Wie gut bist du mit dem Ding?" Er zeigte auf den Laptop, der für ihn eines der unerklärlichsten Dinge dieser Erde waren, und er staunte jedes Mal was man damit alles anstellen konnte.

„Ziemlich. Was willst du wissen?", fragte die Anwältin neugierig.

„Na ja. Ich dachte, wenn du die Codes, oder wie das heißt von Wolfram & Hart kennst und das alles, könntest du doch ein wenig Unordnung in ihr System bringen."

Lilahs Miene hellte sich auf: „Jaaa, und ich könnte es so aussehen lassen, als wenn mein spezieller Freund Logan daran Schuld hätte." Ein teuflischer Ausdruck überzog ihr Gesicht, und Angel dachte, ein bisschen bösartige Lilah ist gar nicht schlecht, wenn sie es richtig einsetzt. „Gut, dann mach mal. Es ist schon dunkel draußen, ich werde kurz auf Streife gehen." Mit diesen Worten verließ er das Haus und ließ die beiden Frauen allen.

„Hilfst du mir, mein Herz?" Lilah strahlte Cordy an.

„Wenn ich vorher einen Kuss kriege?", lächelte diese verführerisch.

„Ich würde dir so gerne viel mehr geben als das, aber wir müssen rasch arbeiten, bevor sie ihr System blockieren", meinte Lilah bedauernd.

„Ja, ich weiß", seufzte Cordelia frustriert und starrte auf Lilahs Mund, der sich dem ihren langsam näherte. Ihre Lippen trafen sich, berührten sich zärtlich. Cordys Zungenspitze glitt heraus, teilte bittend Lilahs Lippen und drang in ihre Mundhöhle, um sie zu erforschen. Ihre Zungen stießen aneinander, stupsten sich an, umschlangen sich voller Verlangen. Beide stöhnten leise in den Mund der anderen, sie pressten ihre Körper aneinander, drängend, fordernd, bis Lilah den Kuss unterbrach und Cordy von sich schob. „Geh weg, geh ganz weit weg, denn sonst weiß ich nicht mehr was ich tue", keuchte sie erregt. „Ach ja?", grinste Cordelia und strich ihr mit den Fingerspitzen über den Hals.

„Bitte Cordy, du machst mich verrückt, das halt ich einfach nicht mehr aus", murmelte die Anwältin und riss ihre Geliebte an sich um sie wieder leidenschaftlich zu Küssen. Doch diesmal war es Cordelia, die den Kuss unterbrach. „Du hast Recht. Wir müssen vernünftig sein, wir haben jede Menge Zeit, nachher. Es ist wie du sagst, wir müssen schnell handeln. Und damit wir nicht mehr übereinander herfallen, werde ich mich auf die andere Seite des Tisches setzen, so schwer es mir auch fällt. Sehen wir zu das wir das Ganze schnell hinter uns bringen", erwiderte sie entschlossen.

„Ich hasse das", grummelte Lilah und ließ sich frustriert auf den Stuhl fallen, worauf Cordy kicherte. Doch dann begannen die zwei Frauen zu arbeiten, professionell und konzentriert. Lilah hämmerte auf die Tasten, lud vom Netz, und Cordelia druckte aus, Blatt für Blatt.

Wes und Gunn kamen und brachten Cordelias Sachen, die beiden Frauen registrierten es kaum. Angel kam zurück, stellte ihnen frischen Kaffee hin, sie dankten mit einem Nicken, ohne von ihrer Arbeit aufzusehen, und Angel lächelte zufrieden. Langsam war er überzeugt, dass  s e i n e Cordelia eine gute Wahl getroffen hatte.

Wesley beäugelte die Beiden argwöhnisch. Er würde der Anwältin niemals trauen. Nach wie vor hielt er sie für eine Spionin von W&H, obwohl, er war sich nicht mehr so ganz sicher.

Der Morgen graute und Gunn, sowie Wes, verließen das Hotel um nach Hause zu gehen. Die Mädchen arbeiteten noch immer. Angel ging in seine Wohnung, um seinen vampirischen Trieb um Schlaf nachzugeben und endlich eine Stunde später schaltete Lilah den Laptop aus. „Fertig", murmelte sie erschöpft, aber glücklich.

„Ja, fix und fertig", meinte auch Cordy und streckte sich stöhnend. Sie erhob sich und trug die ausgedruckten Blätter in Angels Büro, kam rasch zurück und setzte sich wieder auf ihren Stuhl.

„Tut mir Leid Liebste, das es so lange gedauert hat, aber Wolfram & Hart ist ein großes Unternehmen und hat viele Partner und ich wollte es wirklich gründlich machen", lächelte Lilah entschuldigend.

„Das hast du. Es war ein Genuss dir zuzusehen und ich würde zu gerne Logans Gesicht sehen, wenn Holland ihn rufen lässt und sie das ganze Ausmaß des Chaos erkennen, das du beziehungsweise Logan angerichtet hat", kicherte Cordelia.

„Ja, ich bin ein böses, böses Mädchen", lachte Lilah leise.

„Ja, das bist du", hauchte Cordy und ging um den Tisch herum, auf ihre Geliebte zu. „Zeigst du mir wie böse du bist? In meinem Zimmer?", wisperte sie und streifte mit ihren Lippen leicht die von Lilah.

„Bist du nicht zu müde?", neckte sie die Anwältin.

„Dafür bin ich nie zu müde", kicherte Cordy, nahm sie bei der Hand und zog sie schnell die Treppe hoch in ihr Zimmer.

Rasch schloss sie die Tür hinter sich und sperrte sicherheitshalber ab, man wusste ja nie. Obwohl, es war ja nur Angel im Haus, und der würde niemals ihr Zimmer betreten, warum auch. Sie schubste Lilah auf das Bett und beugte sich über sie. „Aber du wirst müde sein. So fleißig wie du warst", ,vermutete Cordy mit einem hintergründigen Lächeln. Als Lilah protestieren wollte, legte ihr Cordy den Finger auf die Lippen. „Schh.. lass mich ausreden, mein Herz. Du wirst müde sein, und darum möchte ich, dass du dich entspannst und alles mir überlässt. Ich möchte dich verwöhnen, so wie du es gestern bei mir gemacht hast." Und das tat sie dann auch, bis ein lauter erlösender Schrei Lilahs Kehle entwich, und unten im Keller setzte sich ein Vampir erschrocken in seinem Bett auf.

„Verfluchtes Vampirgehör", murmelte er frustriert und stand auf. Bei diesem Krach war sowieso nicht mehr an Schlaf zu denken, und so stand er auf, um in seinem Büro noch etwas zu arbeiten. Er hoffte das würde ihn von seiner eigenen Einsamkeit ablenken. Arbeit half immer, meistens... manchmal...

„Ich liebe dich", flüsterte Lilah und kuschelte sich enger in Cordys Arme.

„Ich liebe dich auch", hauchte die Seherin und zog die Decke über sie beide.

Sich fest in den Armen haltend schliefen sie glücklich lächelnd ein, mit dem Wissen, das eine wundervolle Zukunft auf sie wartete.

Unten im Büro saß Angel und studierte den Berg Blätter den Cordelia auf seinen Schreibtisch gelegt hatte. „Ich wusste, das Lilah gut ist, aber das ist wesentlich mehr, als ich erwartet habe", murmelte er vor sich hin. Als er nach Stunden das letzte Blatt weglegte, lehnte er sich zufrieden zurück. Diese Blätter enthielten mehr Informationen über Dämonen und W&H als er jemals im Laufe der Jahre mit seinen Freunden zusammen tragen hätte können und ersparte ihnen eine Menge Zeit und Arbeit.

Wenn das alles stimmte und das nahm er an, und wenn Lilah weiterhin bereit war so offen zu sein, würde er sie gerne als neues Mitglied von Angel Investigations begrüßen, mit Vorbehalt, allerdings.

~*~

Mister Holland Manners drückte mit hochrotem Kopf die Taste der Gegensprechanlage zu seiner Sekretärin. „Informieren sie zwei Wachleute. Sie sollen mir diesen verdammten Logan herbringen.

Und zwar SOFORT."

Ende!