File 1: stories/1/89.txt
- Schriftgröße +
Lilah rannte los, schrie Cordelias Namen und lief auf sie zu. Cordy schreckte aus ihren Gedanken hoch, sah Lilah auf sich zulaufen, blieb stehen und blickte ihr verwirrt entgegen.

 

Sie hörte irgendjemanden ihren Namen rufen. Erkannte in 30 Metern Abstand Angel, der ebenso auf sie zulief, ein hellblauer Lichtstrahl erhellte plötzlich die Dunkelheit. Lilah warf sich auf Cordy und beide fielen zu Boden.

Angel erfasste die Situation sofort und handelte nach seiner Bestimmung. Die kurze Distanz zu dem Fahrzeug, vor dem der Dämon stand, wurde von ihm rasch überwunden, er packte den Dämon und schleuderte ihn an die Mauer eines Hauses. Immer wieder schlug er dessen Kopf an die Wand, bis der tot zusammenbrach und sich in eine blaue Masse auflöste. Knurrend drehte der Vampir sich um und fixierte Phil Logan mit gelben Augen, bevor er langsam auf ihn zuging. Der hastete in den Fond des Autos, brüllte den Fahrer an, der mit quietschenden Reifen losfuhr.

Angel versuchte sich zu beruhigen und zwang sich dazu, seinen Dämon zu beherrschen, bevor er sich zu den beiden Frauen drehte. Er hatte gesehen, wie der giftige Strahl auf Cordy zuschoss, und er hatte Angst vor dem Anblick, der sich ihm bieten würde. Zu genau wusste er über die Auswirkungen des Giftes Bescheid und der Gedanke an das langsame Sterben, das nun auf seine Angestellte und Freundin zukommen würde, schnürte ihm die Kehle zu. Langsam hob er seinen Blick, bevor er auf die Zwei zuging.

~*~

Wesley war inzwischen ins Hyperion zurückgekommen und setzte Kaffee auf, als gerade Gunn durch die Hintertür das Hotel betrat.

„Und?", fragend sah er den ehemaligen Wächter an.

„Nichts." Wes schüttelte betrübt den Kopf. „Alles was Lorne wusste ist, das ein Quertin-Dämon in der Stadt ist, der von einer Anwaltsfirma einen Auftrag hat, mehr wusste er leider nicht."

„Anwaltsfirma? Das kann nur Wolfram und Hart sein. Und wenn es um uns geht, dann steckt diese Hexe Lilah Morgan dahinter. Dieses hinterhältige Weibstück hat uns schon genug Schwierigkeiten bereitet. Irgendwer sollte sie zu Hölle jagen", schimpfte Gunn und schlug mit der Faust auf den Tisch.

„Es ist nicht gesagt, das der Dämon unseretwegen in der Stadt ist. W&H hat viele Gegner", versuchte Wesley Gunn zu beruhigen.

„Dein Wort in Gottes Ohr. Wollen wir es hoffen. Das können wir jetzt wirklich nicht gebrauchen, wo wir gerade mit der Vampir-Rockerbande genug am Hals haben. Meine Leute haben das Nest gefunden. Sie hausen in der alten Lederfabrik am Santa Monica Pier und wir müssen schnell handeln. Sie verwandeln täglich neue Menschen. Vermutlich wollen sie ihre Bande erheblich vergrößern. Sobald wir Cordelia gefunden haben, müssen wir uns darum kümmern." Charles nahm sich eine Tasse Kaffee und setzte sich zum Tresen.

„Hoffentlich hat Angel etwas erreicht", entgegnete Wes mit sorgenvoller Stimme.

~*~

„Cordy! Gott sei Dank. Dir ist nichts passiert." Erleichtert stieß Angel die Luft aus, die er nicht brauchte. Mit raschen Schritten war er bei den beiden Frauen und blickte auf die regungslose Lilah in Cordelias Armen. Lilah lag da, auf Cordys Schoß. Die Seherin strich ihr durchs Haar.

Der Anwältin gingen träge Gedanken durch den Kopf. ‚Wie in meinen Traum. Nur das ich hier liege, und das ist gut so. Einmal in meinem Leben habe ich etwas für einen anderen getan, und ich durfte es für Cordy tun. Ich fühle mich gut, soo gut', dachte sie, bevor sie das Bewusstsein verlor.

„Angel, bitte hilf mir."

Der Vampir hob erstaunt die Augenbrauen, als er die Verzweiflung in Cordelias Stimme bemerkte.

„Das ist Lilah, Cordy, sie wollte dir schaden. Warum also machst du dir Sorgen? Wenn du willst, rufe ich bei Wolfram und Hart an, die sollen sie abholen und wir gehen nach Hause." Er griff in seine Tasche nach seinem Handy.

„Nein, Angel, bitte. Sie... sie hat sich schützend vor mich gestellt und W&H würden ihr das sicher nicht verzeihen und wer weiß was sie mit ihr anstellen. Bitte, Angel. Bitte. Ich möchte das sie mit ins Hotel kommt, ruf nicht an, bitte." Cordy war den Tränen nahe und Angel sah es mit Verwunderung. Er verlor jedoch kein Wort darüber, beugte sich hinunter und hob Lilah auf seine Arme.

„Was weißt du über Quertin-Dämonen?", fragte er vorsichtig, während sie auf das Hotel zugingen und bemerkte, das Cordy die Hand von Lilah hielt. Irgendetwas war zwischen den beiden Frauen und das bereitete ihm große Sorgen.

„Nichts, eigentlich. Ich habe heute das erste Mal so einen Dämon gesehen. Wie gefährlich ist es, was sie machen?"

„Äh, am Besten Wes erklärt dir das genau", sagte Angel, und schimpfte innerlich mit sich selbst, weil er zu feige war ihr zu sagen, was mit Lilah passieren würde. Aber es gab eine Verbindung zwischen den beiden Frauen, das fühlte er. Und so wollte er lieber abwarten und sehen wie sich alles entwickelte.

Sie erreichten nach wenigen Minuten das Hotel und Cordelia hielt Angel die Tür weit auf, sodass er ungehindert mit Lilah auf dem Arm das Gebäude betreten konnte.

„Was ist passiert? Hey, das ist ja die Anwaltstussi. Angel, wieso schleppst du sie hierher? Sie hat hier nichts zu suchen, macht nur Ärger, und..."

„Halt die Klappe, Gunn. Sie ist verletzt und braucht Hilfe, also halt einfach deinen Mund und geh aus dem Weg", motzte Cordy ihn an und folgte Angel die Treppe hinauf. „In mein Zimmer Angel, das ist das Beste, weil es bewohnbar ist. Später sehen wir weiter", sagte sie schnell, als Angel in das nächstbeste Zimmer gehen wollte.

Angel nickte und betrat das Zimmer der Seherin, um Lilah dort auf das Bett zu legen. Fürsorglich deckte Cordelia sie zu und Lilah öffnete plötzlich die Augen.

„Ich bleibe hier und komme dann später hinunter." Cordy sah Angel bittend an und er nickte wieder bevor er das Zimmer verließ.

Der Vampir ging in die Lobby und erklärte seinen beiden Mitarbeitern was geschehen war.

Wesley schüttelte besorgt den Kopf. „Das ist übel Angel, und du weißt das. Es gibt meines Wissens kein Gegenmittel, um die Strahlen eines Quertin-Dämons im Körper eines Menschen zu neutralisieren. Und was ich noch nicht verstehe, warum sorgt sich Cordelia so um Lilah Morgan?"

„Ja, warum?", fragte nun auch Gunn verständnislos. „Sie hat uns immer nur geschadet. Hat uns Schwierigkeiten bereitet, wo immer sie konnte. Was also soll das jetzt?"

„Das kann ich euch auch nicht sagen. Ich finde es selbst etwas eigenartig. Aber Cordy weiß was sie tut. Und sie wird uns sagen was los ist, wenn sie soweit ist", entgegnete Angel bestimmend und ging in sein Büro.

Gunn und Wes zuckten mit den Schultern. Angel hatte entschieden, und somit gab es nichts mehr zu sagen. Gunn ging nachdenklich hin und her und Wes beobachtete erstaunt das Tun des Freundes. „Was hast du Charles?", wollte er neugierig wissen.

„Nicht das ich es verstehe, aber wenn es für Cordy so wichtig ist, werd ich mich mit meinen Jungs umhören. Vielleicht finden wir irgendwelche Dämonen, die näheres über diesen Quertin wissen." Er nickte Wes zu und verließ das Hotel. Wesley setzte sich an seinen Schreibtisch, um vielleicht doch etwas in den Büchern über Quertin-Dämonen herauszufinden.

~*~

„Warum hast du das getan Lilah? Ich verstehe das nicht. Ich bin für dich doch nur eine arme, kleine Bürokraft, mit der du nur ein vergnügliches Wochenende hattest. Welche Hintergedanken trieben dich zu dieser Handlung? Der Strahl war für mich bestimmt, du wusstest das, und trotzdem..." Cordy würgte die aufsteigenden Tränen hinunter und blickte in Lilahs Augen, die sie verzweifelt anschauten und ihr versuchten etwas mitzuteilen.

Cordy seufzte, da sie nicht die geringste Ahnung hatte was sie tun sollte. Immer wieder rollte Lilah mit den Augen und hob und senkte die Lieder.

„Es tut mir leid, ich verstehe nicht was du mir sagen willst. Ich gehe schnell zu Wes, der weiß möglicherweise Bescheid. Bin gleich wieder da."

Als Lilah ihr einen flehenden Blick zuwarf, brach es Cordy fast das Herz.

„Ich beeile mich, versprochen. Obwohl ich für dich nur ein Spielzeug war, verspreche ich dir alles zu tun, um dir zu helfen", flüsterte die Sehrein und konnte nicht umhin, Lilah einen Kuss auf die Stirn zu drücken.

Mit raschen Schritten verließ sie ihr Zimmer und eilte in die Lobby.

„Wes? Wesley bist du da?", rief sie schon von der Treppe und war erleichtert, als er auf ihr Rufen antwortete.

Sie lief zu seinem Schreibtisch und setzte sich auf die Kante desselben. „Was weißt du über diesen blauen Dämonen, Quie.. Quewr.., oder so."

„Quertin, sie heißen Quertin", erklärte Wes ruhig.

„Wie auch immer, was kannst du mir über sie sagen, und wie kann man jemanden heilen, wenn der Strahl ihn getroffen hat", fragte sie ungeduldig.

„Man kann gar nichts tun. Es gibt keine Heilung, meines Wissens. Gut, das Lilah getroffen wurde und nicht du. Sie hat nur endlich bekommen was sie verdient. Und um ehrlich zu sein, nachdem was sie uns schon angetan hat, weine ich ihr keine Träne nach", erklärte Wesley hart.

„Wesley Wyndham Pryce, du bist ein egoistischer, gemeiner, bösartiger, verabscheuungswürdiger... Engländer, jawohl, das bist du und du solltest dich schämen, jemanden der Hilfe braucht so zu behandeln... und..."

Cordelia brach in Tränen aus und rannte zu Angel ins Büro, der ihr schon entgegenkam, weil er sie bereits gehört hatte, als sie zu schimpfen begonnen hatte. Behutsam nahm er sie in die Arme und strich ihr über den Rücken. „Sch, ist schon gut, wir werden schon eine Lösung finden, ganz ruhig, es wird schon wieder." Er warf Wesley einen bösen Blick zu, führte seine Seherin ins Büro und schloss die Tür.

„Was ist los Cordy, sprich mit mir, bitte", flüsterte der Vampir und wiegte sie hin und her.

„Es ist,.. ich hab..", schluchzte sie an seiner Brust.

„Beruhige dich erst mal, und dann erzähl es mir, wenn du willst. Okay?"

Cordy brauchte eine ganze Weile, bis sie sich beruhigt hatte, dann löste sie sich aus Angels Armen und begann stockend zu erzählen. Wie sie Lilah kennen gelernt hatte, das sie ein Wochenende zusammen verbracht hatten und das sie im Streit auseinander gegangen waren. Ihre Stimme wurde immer leiser, es war ihr sichtlich peinlich, Angel das alles zu erzählen, aber sie hatte niemanden, dem sie so vertraute wie ihm und es tat gut, sich alles von der Seele reden zu können.

Mit gesenktem hochrotem Kopf stand sie vor dem Vampir, der sie forschend anblickte.

„Du liebst sie?"

„Weiß nicht", flüsterte Cordy und sah ihn immer noch nicht an.

Angel hob ihr Kinn mit dem Zeigefinger hoch und sah ihr tief in die Augen.

„Du liebst sie!", stellte er ernst fest und seufzte.

Sie blickte ihn unsicher und verlegen an. „Vielleicht, aber sie liebt mich nicht, doch ich kann nicht anders, ich muss etwas für sie tun. Angel bitte, hilf mir", bat sie verzweifelt.

„Zum ersten Cordelia: Ich mag Lilah nicht. Das will ich gleich klarstellen. Sie ist gefährlich, arrogant, kalt und unberechenbar. Aber ich denke doch, das sie Gefühle für dich hat, gute Gefühle, denn eine Lilah Morgan würde niemals so etwas selbstloses tun und ihr eigenes Leben gefährden, um jemanden zu schützen, an dem ihr nichts liegt. Und ich bin absolut sicher, dass sie sehr wohl wusste, was dieser Dämon anrichtet. Und zum Zweiten, wird der alte Angel jetzt jemanden einen Besuch abstatten. Und du gehst jetzt zu deiner... was auch immer, und versuchst mit ihr zu reden. Stelle Fragen, die sie mit ja, oder nein beantworten kann. Denn mit den Augen kann sie sich verständlich machen. Zum Beispiel einmal die Augen schließen, heißt ja, zweimal, nein. Los Mädchen, tu was dein Boss sagt." Er lächelte sie beruhigend an, nahm seine Jacke und ging aus dem Büro.

Zur selben Zeit eilte Cordy die Treppe hinauf, um Lilah ein paar Fragen zu stellen.

Tbc...