File 1: stories/1/661.txt
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Als Spike ins Lokal kam, deutete Joe, der Besitzer, auf einen Tisch in der Ecke, an dem ein hochgewachsener, braunhaariger Mann saß. Spike nickte dem Gastwirt zu, ging zu dem Tisch und streckte Angel die Hand entgegen, der sie ergriff und schüttelte. Sie fanden sich gleich auf Anhieb sympathisch und grinsten sich an.

„Bier?", fragte Spike und setzte sich. Nachdem Angel genickt hatte, hielt Spike zwei Finger hoch, ohne sich umzudrehen. Er wusste, Joe würde sofort reagieren und kurz darauf stellte der Wirt auch schon die Getränke auf den Tisch.

Beide nahmen einen Schluck und beide stießen einen wohligen Laut aus. Spike lachte zufrieden. „Schon alleine wegen des Gestensafts lohnt es sich, hierher zu kommen. Aber auch das Essen ist gut. Ich habe schon seit Tagen nichts Vernünftiges mehr zwischen die Zähne bekommen. Egal, reden wir über den Grund unseres Treffens und ich komme auch gleich auf den Punkt. Wir gehen von Brandstiftung aus. Die Beweise sind ziemlich eindeutig, aber wie du weißt, ist es erst amtlich, wenn der detaillierte Bericht vorliegt, den du Montag auf dem Tisch hast. Dann ist das für dich erledigt. Ich muss leider noch den Täter finden."

„Wieso besteht der Verdacht auf Brandstiftung?", wollte Angel wissen und bemerkte gleichzeitig, dass es ihn nicht im Mindesten störte, gleich per du angeredet zu werden, obwohl er das sonst nicht mochte, wenn er jemand nicht gut kannte. Doch bei diesem Fire Marshall hatte er das Gefühl, ihn schon ewig zu kennen. Warum das so war, konnte er nicht sagen, denn er wusste sicher, sie waren sich noch nie begegnet.

Auch Spike schien seinen Gedanken nachzuhängen, denn er hatte auf Angels Frage noch immer nicht geantwortet, da er gerade auf den Tisch starrte. Angel bemerkte allerdings nicht, dass der Marshal seine Hände betrachtete und dabei dachte, wie schön geformt sie doch waren.

„Pratt?" Angel berührte kurz Spikes Hand und der schaute erschrocken auf. „Huh?"

„Verdacht. Brandstiftung. Warum?" Angel lächelte und Spike verschlug es den Atem. 'Shit, für dieses Lächeln braucht er einen Waffenschein. Verfluchte Hölle, Spike. Jetzt reiß dich mal zusammen, sonst hält er dich für einen vollkommenen Trottel. Außerdem hast du dir selbst etwas versprochen.' Er räusperte sich, um überhaupt wieder sprechen zu können. „Kannst mich William nennen", bot er an, bevor er weiter erklärte: „Offensichtlich wurde im ganzen Haus Spiritus verteilt. Der Täter wollte offenbar ganz sicher gehen. Allerdings hätte es auch ausgereicht, wenn er die Kanister mit Spiritus, die massenhaft in der Kleiderfabrik gelagert waren, einfach umgekippt und einen dieser Fetzen angezündet hätte."

„Mit Fetzen meinst du wahrscheinlich die Kleider, von dem ein Stück ab 3000 Dollar aufwärts kostet", bemerkte Angel schmunzelnd.

„Jepp, und erwarte nicht, dass ich das verstehe. Frauen, die meist am Standesamt promoviert haben, schleifen ihre Titel, Adel, beziehungsweise Geld - Adel - tragenden Männer, die ihre Großväter sein könnten, in einen Raum. Auf ihren Stühlen hockend, verrenken sie sich die Hälse, bis sie Genickstarre kriegen, denn auf diesem breiten Brett, das sie Catwalk nennen... Catwalk? Keine Katze würde jemals so bescheuert sein. Also woher haben sie diese Bezeichnung? Na egal. Jedenfalls stelzen ein paar androgyne Hungerhaken darauf herum, auf die ein hoch gejubelter Schneider ein paar Stoffe gehängt hat. Er nennt sie Kreationen." Spike verdrehte die Augen, bevor er sich weiter ausließ. „Aber wie auch immer, diese „Schöpfungen" werden mit Ahs und Ohs bewundert und die alten Säcke zücken ihre Scheckbücher, damit ihre Suggarbabys sie weiterhin lieben."

Angel war indessen in lautes Lachen ausgebrochen und dieser Anblick gab Spike den Rest. 'Verfluchte Hölle, der Kerl kann mir echt gefährlich werden`, dachte Spike und versuchte seine Atmung unter Kontrolle zu kriegen. 'Nein, kann er nicht. Keiner kann das mehr', beschloss er und sofort konnte prompt wieder normal atmen.

„Du hältst offensichtlich nichts von Mode", bemerkte Angel, während er Spikes Outfit unauffällig betrachtete.

„Doch, aber sie sollte tragbar sein. Levi Stauß, der hatte den Bogen raus. Georgio Armani, der kann es auch, oder das Genie, das meinen Mantel entworfen hat!"

Angel beschloss, zu dem Mantel besser nichts zu sagen, stimmte aber ansonsten zu. Ihre Diskussion wurde unterbrochen, als plötzlich Angels Handy läutete. Er entschuldigte sich kurz, bevor er ran ging. „Hi. Alles klar bei dir?"

Der andere Teilnehmer sagte irgendetwas, woraufhin sich Angels Mine verfinsterte. „Schon wieder? Nun gut, nicht zu ändern. Dann sehen wir uns erst wieder Montagabend." Nachdem er das Gespräch beendet hatte, nahm er einen kräftigen Schluck aus seinem Glas.

„Ärger im Paradies? Sorry, geht mich nichts an", sagte Spike schnell, nachdem Angel ihm einen giftigen Blick zu geworfen hatte. Doch dann hatte der Dunkelhaarige das Bedürfnis, mit jemanden zu reden und Spike, als fremde Person, schien ihm wesentlich geeigneter als einer seiner wenigen Freunde, die an seinem Geliebten ohnehin kein gutes Haar ließen. Daher berichtete er: „Mein Freund ist beruflich viel unterwegs. Seit einigen Wochen immer öfter und länger, um genau zu sein. Das nervt mich, ehrlich gesagt. Vor allem, weil er in letzter Zeit auch an den Wochenenden nicht nach Hause kommt. Andererseits verstehe ich, dass er in seinem Job weiter kommen will. Ohne Fleiß keinen Preis, sagt er auf einmal immer. Dabei hatte er, als ich ihn kennen lernte, den Ehrgeiz einer Drohne."

'Schwul, aber leider vergeben. Ich hab wirklich Pech, oder nennen wir es glückliche Fügung. Wie auch immer, es raschelt im Gebälk und wenn dieser Freund nicht aufpasst, ist sein Engel bald der Engel eines anderen. Allerdings müsste sein Geliebter ein vollkommener Trottel sein. Ich würde Angel jedenfalls nicht mehr aus den Krallen lassen. Wenn er mein Freund wäre, würde ich jede freie Minute mit ihm verbringen und ihn auch zwischendurch in irgendeine Ecke schleifen, um ihn zumindest zu küssen, wenn schon sonst nichts machbar wäre.' Spike verdrehte innerlich die Augen. ‚Verflucht. Ich hab's echt dringend nötig. Kein Wunder, es ist schon...' Spike rechnete kurz nach. 'Verdammt, das ist echt lange. Okay, hake es ab, Spike, du weißt, es kommt nie mehr in Frage. Zumindest nichts Festes und für was anderes ist der Hübsche einfach zu Schade. Ende und Aus. Außerdem ist er eh vergeben. Was natürlich gut ist, auch wenn es keine Rolle spielt, weil ich ohnehin nicht will, kann, was auch immer. Jetzt konzentriere dich endlich. Angel, er erwartet eine Antwort, was sag ich jetzt über diesen Trottel - Freund?'

„Vielleicht hast du auf deinen Freund abgefärbt. Du bist sehr gut in deinem Job und verdienst mächtig viel Kohle. Er will dir beweisen, dass er es wert ist", mutmaßte Spike.

Angel lachte. „Wohl kaum. Sein Ego ist dafür zu groß und er ist zu selbstverliebt. Aber wie kommst du auf deine Analyse über mich?"

Spike grinste Angel an. „Dein Anzug ist maßgeschneidert, du trägst handgenähte Schuhe und dein Haarschnitt hat mindestens 60 Dollar gekostet. Ergo hast du `ne menge Kröten. Zudem ist Wolfram & Hart bekannt dafür, nur die Besten einzustellen und auch dementsprechend zu bezahlen. Was das über mich aussagt? Ich bin ein verdammt guter Ermittler."

Wieder musste Angel lachen, auch wenn nicht ganz stimmte, was Pratt vermutete. Dennoch entgegnete er. „Das will ich wirklich nicht abstreiten. Was uns zu dem eigentlichen Grund unseres Treffens bringt. Es hat vor zwei Monaten einen fast identischen Fall gegeben."

„Nicht in meiner Stadt", warf Spike bestimmend ein.

„Nein. In San Francisco", erklärte Angel. „Aber das Feuer wurde auf die selbe Weise gelegt. Und die Fabrik war ebenfalls sehr hoch versichert."

„Da will euch einer wohl kräftig bluten lassen, oder die Modebranche schädigen. Wir sollten die Untersuchungsergebnisse der beiden Brände vergleichen. Vielleicht bringt das was. Aber jetzt brauche ich endlich etwas zwischen die Zähne. Steak?" Fragend schaute Spike Angel an und der nickte zustimmend. Nachdem sie ihre Bestellung aufgegeben hatten, dachte Spike, wieso Angel eigentlich bei seinem Trottel - Freund blieb. Denn so wie er ihn charakterisierte, war er nicht gerade ein Musterknabe. ‚Ganz einfach, er liebt ihn', dachte er, ‚oder, er ist verdammt gut im Bett. Solche Hörigkeiten kennt man ja und selbst der Intelligenteste ist da total verblödet. Gut, dass mir das nicht mehr passieren kann.' Spike war nicht sicher, ob das wirklich so gut war, daher lenkte er seine ganze Konzentration auf sein Steak, das gerade vor ihm abgestellt wurde.

~*~

Angel betrat seine Wohnung und schlüpfte aus den Schuhen. Das Essen mit dem Fire Marshall war nicht sehr informativ gewesen, aber Angel hatte diese Mittagsstunde sehr genossen. Er mochte die ungezwungene Art William Pratts. „Er bringt mich zum Lachen und er mag die Steaks so blutig wie ich. Mit Penn lache ich eigentlich nie und gutes Essen? Penn weiß nicht mal, was das ist. Oder vielmehr, für ihn gibt es nur Burger und Pizza. Ich akzeptiere das alles. Wieso eigentlich? Weil ich ihn liebe, passe ich mich an", beantwortete Angel seine Frage selbst.

Fast vier Monate war es jetzt her, seit Penn bei Angel eingezogen war. Sie hatten sich in einer Bar kennen gelernt und Penns Charme hatte ihn sofort gefangen genommen. Penn war ein Lebenskünstler und schlug sich als Agent für kaum bekannte Schauspieler und Models durchs Leben. Seit zwei Monaten schien sein Job gut zu laufen. Er hatte plötzlich immer Geld und gab es auch großzügig aus. Trotzdem kam Angel nach wie vor alleine für alles auf, was die Wohnung und alle anderen Kosten, die ihr Zusammenleben betraf.

Warum eigentlich?", fragte sich Angel wieder. Noch bevor er weiter darüber nachdenken konnte, läutete sein Handy.

„Es wurde wieder eine Fabrikhalle abgefackelt. Lust mitzukommen und in Ruß und Dreck zu stöbern?"

„William", sagte Angel, als er Spikes Stimme erkannte.

„Jepp. Treffer. Also, was ist. Kommst du?"

„Sicher. Warum nicht. Wo?"

Spike gab Angel die Adresse durch, dann sagte er noch: „Einen Schutzanzug kannst du von mir kriegen, aber ich rate dir trotzdem davon ab, in deinen Designerklamotten aufzutauchen. Und vielleicht hast du in deinem Schrank auch Schuhe, um die es nicht schade ist."

Angel lachte leise. „Sehr fürsorglich, William. Ich werde deine Tipps beachten."

„Guter Plan, Pet. Du kannst mich übrigens Spike nennen. Wir sehen uns in einer halben Stunde." Spike beendete das Gespräch und Angel eilte zu seinem Schrank. Er war froh über diese Ablenkung, auch wenn er sich über den neuen Brand Sorgen machte. Aber wenigstens musste er jetzt nicht alleine in der Wohnung hocken und über Dinge nachdenken, über die er nicht nachdenken wollte.

~*~

Wenig später schaute Angel skeptisch an sich herunter. Er war von Kopf bis Fuß in einen weißen, durchscheinenden Overall mit Kapuze gehüllt und auch über seinen Schuhen trug er weiße Schutzhüllen. „Ich sehe aus, als hätte ich ein.....ein...

„...riesiges Kondom an?", half ihm Spike, sich vor Lachen biegend, auf die Sprünge und Angel schnaubte. „Danke aber auch. Ich lache später, wenn du deines angezogen hast."

„Dann wirst du heute nicht zum Lachen kommen, denn ich würde nie im Leben so etwas Scheußliches anziehen", erklärte Spike immer noch grinsend, während er sich eine Zigarette ansteckte.

„Ich muss das gar nicht tragen?", erkannte Angel knurrend und schälte sich aus dem Schutzanzug.

Spike lachte inzwischen wieder lauthals. „Ich wusste doch, du bist ein schlaues Kerlchen! Und gib zu, es war witzig."

„Für dich vielleicht. Mir hat es weniger Spaß gemacht, mich zum Affen zu machen. Aber sei in Zukunft auf der Hut, ich bin nachtragend. Meine Rache wird fürchterlich sein." Angels Lächeln war diabolisch und Spike fand es einfach nur umwerfend. Das erschreckte ihn sehr.

„Du willst dich an Spike rächen? Fürchterlich? Ich bin dabei. Du kannst mich jederzeit anrufen." Xander hatte den Raum betreten und reichte Angel grinsend seine Visitenkarte, um sich gleich darauf kurz vorzustellen.

Spike jedoch lachte wieder. „Guter Plan, Welpe. Hilf ihm. Das wird lustig und zwar für mich." Aber diesmal ließ sich Xander nicht entmutigen. Ruhig packte er die Schläuche zusammen und sagte zu Angel gewandt: „Jederzeit."