File 1: stories/1/664.txt
- Schriftgröße +

Spike und Angel hatten sich gleich nach der Tatortbesichtigung getrennt, damit jeder wieder seiner Arbeit nachgehen konnte. Jetzt saß Angel wieder in seinem Büro. Er legte seine handschriftlichen Notizen in die Akte über die Brandanschläge. Er hatte vor, sie am Wochenende zu Hause zu überarbeiten und sie am Montag zu ergänzen, sobald er von Spike den Bericht der Forensiker des Bureau of Fire Investigation bekam.

Wenigstens gab es eine neue Erkenntnis. Der oder die Brandleger waren dieses Mal unvorsichtiger gewesen, denn Spike hatte einen Fußabdruck entdeckt und einen Stofffetzen am Rahmen eines Fensters, durch das der Täter offensichtlich eingestiegen war. Auch die Befragungen der Fabrikbesitzer, sowie des Wachpersonal standen noch aus. William hatte Angel versprochen, dabei sein zu dürfen, wenn er die Vernehmung vornahm.

„Ich hoffe, das bringt uns weiter. Mein Boss wird langsam ungeduldig. Wird Zeit, dass ich Ergebnisse liefere", murmelte Angel, packte die Akte in seine Tasche und verließ sein Büro. Er dachte mit Schaudern an das Wochenende. Das lag nicht an der Arbeit, die er sich mitnahm, sondern an seinem Freund Penn. Angel hatte sich so daran gewöhnt gehabt, dass Penn anwesend war, wenn er nach Hause kam und nun war er so gut wie nie mehr da. Meist kam er nur noch für ein paar Stunden, um seine Wäsche zu wechseln und für mehr als einen raschen Quicky reichte seine Zeit auch nicht.

Penn war allerdings auch in der Zeit, in der er ständig zu Hause rumhing, nie der große Kuschler gewesen. Ganz im Gegensatz zu Angel, der es liebte, einen ganzen Tag im Bett zu verbringen und das Liebesspiel über Stunden auszudehnen. Kerzen anzuzünden, im Bett zu essen, zu lesen, oder auch Fern zu sehen. Doch all das hatte Penn nie gemocht und Angel hatte es akzeptiert, Verständnis gezeigt und sich von ihm durch die Bars schleppen lassen. Penn brauchte das pulsierende Leben und Angel wollte nicht als Langweiler gelten.

Wieder dachte er über seine Beziehung mit Penn nach, während er sein Auto aufschloss. „Wir haben eigentlich so gut wie nichts gemeinsam. Er zieht gerne durch die Bars und Tanzschuppen. Mir ist das alles zu laut und tanzen kann ich nicht mal. Es ist ja nicht so, dass ich nicht gerne mal essen gehe, oder auch mal in eine gepflegte Bar, aber doch nicht jeden Tag." Angel seufzte. „Trotzdem, er fehlt mir. Ich mag einfach nicht mehr alleine sein. Vielleicht liegt es daran."

Das brachte ihn auf die Idee, William anzurufen, nachdem er sich ins Auto gesetzt hatte. Spontan wählte er dessen Nummer, doch noch während es läutete, kamen Angel Zweifel. 'Er wird keine Zeit haben und selbst wenn, wird er keine Lust haben, mit mir zu essen. Wahrscheinlich hat er ohnehin etwas anderes vor. Nein, das ist keine gute Idee', dachte Angel und wollte gerade auflegen, als Spike sich meldete. „Hi, Angel. Was gibt's?"

„Hallo, William", sagte Angel leise. „Ich..., nun ja, ich habe mich gefragt ob du wohl Lust hättest mit mir zu essen?"

Kurz überlegte Spike, denn Angel wieder zu sehen reizte ihn schon. Andererseits hatte er heute den ganzen Tag in den zwei Fabriken verbracht, um nach weiteren Beweisen zu suchen, nun aber schwebte ihm eher ein ruhiger, gemütlicher Abend vor und das sagte er Angel auch.

„Okay, das verstehe ich", entgegnete Angel und Spike hörte die Enttäuschung in seiner Stimme. Spike seufzte leise und dachte, 'was soll's', bevor er sagte: „Na gut, aber irgendwo, wo kein Wirbel ist, davon hatte ich heute genug. Mach einen Vorschlag, wo wir uns treffen. Ich brauche eine knappe Stunde, um zu duschen und so weiter."

„Ich kann etwas kochen und du kommst zu mir. Oder ich könnte zu dir kommen und etwas mitbringen, dann musst du gar nicht erst außer Haus und...."

„Okay, jetzt hast du mich. Bei dem Vorschlag kann ich nicht widerstehen. Kein Stress für mich, nur für dich. Perfekt also", unterbrach Spike Angel lachend. Er gab seine Adresse durch und beide legten auf.

„Soviel zu meinem ruhigen Wochenende? Meine Serien kann ich jetzt vergessen und das Bett muss ich auch frisch beziehen. Bloody hell, hab ich sie noch alle? Wir sind so etwas wie Kollegen und vermutlich fällt ihm bloß die Decke auf den Kopf, weil sein Freund nicht da ist. Also vergesse ich das verfluchte Bett. Aber ein bisschen aufräumen wäre nicht schlecht", stellte Spike fest, als er sich in seinem Apartment umschaute. Er sammelte die Kleider auf, die in seinem Wohnzimmer verstreut herumlagen und ging damit ins Schlafzimmer und warf sie aufs Bett. „Fertig", stellte er zufrieden fest und eilte unter die Dusche.

~*~

„Spike scheint auch einer zu sein, der gerne andere für sich arbeiten lässt. Aber wieso rege ich mich auf. Ich war es doch, der den Vorschlag gemacht hat. Also habe ich auch kein Recht mich zu beschweren", brummte Angel, eilte aber trotzdem nervös zum Kühlschrank und inspizierte dessen Inhalt. Natürlich war er gut gefüllt, da Angel Penn am Wochenende erwartet hatte. Das meiste waren Fertiggerichte, die sein Liebster mochte. Aber Angel hatte auch einiges für sich eingekauft, was ihm jetzt besonders zu Gute kam. Als er die Zutaten, die er brauchte, auf die Arbeitsplatte legte, bekam er ein schlechtes Gewissen. „Unsinn. Es ist ja nicht so, dass ich Penn betrüge. William und ich arbeiten an demselben Fall. Es ist daher ein Arbeitsessen. Nichts weiter und ich habe jedes Recht auf einen netten, unterhaltsamen Abend." Nachdem sich Angel vor sich selbst und auch vor dem nicht anwesenden Penn gerechtfertigt hatte, machte er sich an die Arbeit.

~*~

„Ich platze gleich", erklärte Spike zwei Stunden später und schob den Teller von sich. „Das war das Beste, das ich seit langem gegessen habe."

Angel lächelte geschmeichelt und wusste nicht, was er sagen sollte. Penn war es immer egal gewesen, was auf dem Teller kam und verlor auch nie ein lobendes Wort über seine Bemühungen. Daher kochte Angel kaum noch für ihn und erst jetzt fiel ihm auf, wie viel Spaß es machte für jemanden zu kochen, der es auch zu würdigen wusste.

Spike erlaubte Angel nicht, beim Abräumen des Tisches zu helfen und er revidierte seine Ansicht über ihn, dass er immer nur andere arbeiten ließ. Als Gegenstück fiel Angel auch gleich wieder Penn ein, der noch nie den Tisch abgeräumt hatte. Selbst seine Wäsche machte Angel und plötzlich ärgerte er sich darüber, dass er sich so ausnutzen ließ. 'Es ist nicht Penns Schuld', dachte Angel. ' Schließlich ist er zu mir gezogen und ich war es ohnehin gewohnt, alles zu machen. Ganz automatisch. Das muss jetzt anders werden und ich bin sicher, Penn wird das verstehen.'

Angel sah sich in Spikes Apartment um. Es bestand offenbar aus mehreren Räumen, da von dem großen Ess - Wohnzimmer noch zwei Türen in andere Zimmer führten. Der Raum in dem er sich jetzt befand, war mit schnörkellosen Möbeln eingerichtet und die Wände hell gestrichen. Die wenigen Gegenstände, die im Raum verteilt waren, und einige Bilder an den Wänden gaben dem Ganzen eine persönliche Note. Durchaus ein Ort, an dem Angel sich wohl fühlte. Plötzlich fiel sein Blick auf ein Foto, das auf der Kommode stand. Es zeigte zwei junge Männer, die lachend in die Kamera schauten. Der Größere trug eine Brille und hatte dem Kleineren den Arm um die Schulter gelegt. Der wiederum seinen Arm um die Hüfte des Größeren. Erst als Angel genauer hinsah, erkannte er in dem Kleineren William, der auf dem Bild ganz anders aussah als heute.

Noch bevor er das Foto genauer betrachten konnte, fragte Spike: „Noch Wein?"

Angel schüttelte den Kopf. „Nein, danke. Ich muss noch fahren und ich denke, ich sollte langsam aufbrechen."

„Bevor du gehst, musst du unbedingt noch meinen Spezialkaffee kosten. Du wirst ihn lieben und nie mehr einen anderen mögen. Versprochen. Dauert nicht lange." Spike eilte in seine kleine Küchenzeile und schaltete seine italienische Espressomaschine an. ‚Du musst unbedingt meinen Spezialkaffee kosten? Du wirst ihn lieben. Bla...bla.. Auch wenn es stimmt, was ist nur in mich gefahren? Bin ich wirklich schon so einsam, dass ich alles versuche, um nicht allein zu sein? Krieg dich wieder ein, Spike, du Idiot. Knall ihm die Brühe hin und Ende. Andererseits, was ist schon dabei, wenn wir noch Kaffee trinken? Es ist der Abschluss eines hervorragenden Essens. Und das wir uns gut verstehen, daran ist ja auch nichts auszusetzen. Wie.... Freunde. Genau.' Mit diesem abschließenden Gedanken durchaus zufrieden füllte Spike die Tassen und kehrte zum Tisch zurück.

Die beiden Männer unterhielten sich noch eine gute halbe Stunde über ihre Berufe, dann erhob sich Angel. „Wir telefonieren, sobald neue Erkenntnisse vorhanden sind und wegen der Befragungen?"

„Jepp", erwiderte Spike knapp und brachte Angel zur Tür.

~ * ~

Während Angel nach Hause fuhr, rief er sich das Foto ins Gedächtnis, das er bei Spike gesehen hatte. „Er hat offensichtlich einen Freund. Gut, ich auch, also können wir unbedarft miteinander arbeiten."

Angel wunderte sich, dass er sich darüber Gedanken machte. „Das ist doch völlig irrelevant. Unser Privatleben spielt keine Rolle. William ist sympathisch, kompetent was seine Arbeit angeht und wir verstehen uns gut. Daher ist nichts dagegen einzuwenden, wenn wir hin und wieder gemeinsam essen und über den Job reden. Wenn der Fall abgeschlossen ist, wird unser Kontakt ohnehin abbrechen, weil ich wahrscheinlich nicht in der Stadt bleiben werde." Dass Angel bei diesem Gedanken seufzte, registrierte er gar nicht.

~*~

„Da bist du ja endlich. Ich kann mein Jackett nicht finden und dabei habe ich in einer Stunde ein Treffen mit einem wichtigen Produzenten. Du hast es doch wohl aus der Reinigung geholt?"

„Was für eine nette Begrüßung. Freut mich auch dich zu sehen, Penn, obwohl es mich wundert, denn du wolltest erst Anfang nächster Woche kommen. Was vielleicht besser gewesen wäre, bei der Laune die du hast", entgegnete Angel wütend.

Penn merkte, dass er mit seinem Ton zu weit gegangen war und lenkte sofort ein. Er eilte auf Angel zu, umarmte ihn und drückte ihm einen raschen Kuss auf die Lippen. „Tut mir Leid, Süßer. Ich bin nervös. Es geht um eine Bombensache und die darf ich nicht vermasseln. Wenn ich das heute hin kriege, machen wir uns ein tolles Wochenende, okay?"

Obwohl Angel es hasste, Süßer genannt zu werden, hatte er einfach keine Lust deswegen einen Streit anzufangen. Daher nickte er vage, ging zum Schrank und holte das von Penn gesuchte Jackett heraus.

Penn lächelte erfreut. „Was würde ich nur ohne dich tun? Du bist der Beste." Rasch zog er es an, küsste Angel noch einmal flüchtig und rannte zur Tür hinaus, ohne sie zu zumachen. Genervt schloss Angel die Tür und das erste Mal, seit er mit Penn zusammen war, störte es Angel nicht, dass Penn gleich wieder gegangen war. Er beschloss einfach noch ein wenig zu arbeiten und begab sich zu seinem Schreibtisch. Als er das Durcheinander darauf bemerkte, runzelte er die Stirn. Seine Aktentasche war offen und die Papiere lagen auf dem Tisch verstreut.

„Hat Penn in meinen Sachen gestöbert? Aber warum?", überlegte Angel nahm sich vor seinen Freund deswegen zu befragen, bevor er sich auf seinen Stuhl setzte. Er arbeitete noch eine Stunde, bevor er beschloss, schlafen zu gehen. Im Bett liegend ließ er den Tag Revue passieren und mit den Gedanken an den Abend mit William schlief er ein.

~*~

Spike bäumte sich der Hand entgegen, die seinen Schaft mit festem Druck streichelte. Er wimmerte, drückte seine Hüften hoch, keuchte, als er spürte, dass sein Orgasmus immer näher kam. „Angel", rief Spike leise, als er kam und schlug die Augen auf. „Na großartig. Verfluchter Mist, ich hab's wirklich nötig und dass ich von Angel träume, während ich mir selbst einen runterhole, darüber will ich gar nicht erst nachdenken. Mich hat's ja ordentlich erwischt, was wirklich, wirklich blöd ist. Aber das krieg ich schnell wieder in den Griff. Irgendwelche Fantasien hat man ja immer", beruhigte sich Spike schnell selbst. „Verdammt, mein Bett muss ich jetzt auch frisch beziehen. Ich hasse träumen, besonders von schönen, braunen Augen und weichen, großen Händen, die...Schluss. Aus. Ende. Angel ist besetzt und man kann mir viel nachsagen, aber ich spanne keinem Kerl seinen Freund aus. Natürlich könnte ich. Unbestritten. Ich bin verdammt sexy und wenn ich will, krieg ich jeden. Aber...nein. Kein Interesse. Nope, auf keinen Fall. Nie wieder." Sich jeden weiteren Gedanken diesbezüglich verbietend zog er die Bettwäsche ab und begab sich dann ins Badezimmer, um zu duschen.

~*~

Angel drehte sich seufzend auf den Rücken, während Penn aus dem Bett stieg und in die Küche lief, um den Kühlschrank zu plündern. Mampfend und mit einem beladenen Teller in der Hand kam er zurück. „Du hast die Kekse vergessen. Du weißt doch, wie gerne ich Oreos mag und Bagels sind auch keine da", sagte Penn vorwurfsvoll, während er sich aufs Bett setzte.

Angel war genervt. Penn war gegen vier Uhr Früh, also vor knapp einer Stunde, nach Hause gekommen und hatte rücksichtslos Krach gemacht, sodass Angel aufgewacht war. Der Sex, den sie daraufhin gehabt hatten, war schnell und unbefriedigend gewesen und Angel hatte das Gefühl, sein Freund hatte es nur schnell hinter sich bringen wollen, wie so oft in letzter Zeit. Zudem meckerte er über alles und jedes und Angel überlegte, ob es seine Schuld war, weil so gar nichts zwischen ihnen stimmte. 'Ich muss mehr Verständnis zeigen. Er hat jetzt einen anstrengenden Job und Penn ist nun mal kein Kuscheltyp und das er keine Ordnung halten kann, liegt sicher an seiner vertrackten Kindheit.'

Bei diesem Gedanken fiel Angel plötzlich die Unordnung auf seinem Schreibtisch ein. „Was ist eigentlich mit meiner Aktentasche passiert? Hat da eine Bombe eingeschlagen?", versuchte er zu scherzen und lächelte freundlich.

Doch Penn schien das anders aufzufassen und keifte los. „Glaubst du etwa, ich schnüffele in deinen Sachen rum? Außerdem kann dein Gekrakel sowieso keiner lesen."

„Fühl dich doch nicht immer gleich angegriffen. Mir ist nur aufgefallen, dass alles am Tisch verstreut war. Man sagt übrigens, ich hätte eine schöne Schrift", bemerkte Angel gekränkt.

Doch Penn interessierte es nicht, ob er Angels Gefühle verletzt hatte, sondern bluffte zurück: „Immer hältst du mir vor, nicht ordentlich genug zu sein. Ich bemühe mich wirklich, aber du hast immer etwas zu meckern. Nicht mal die kurze Zeit, die ich hier bin, kannst du es lassen mich anzupflaumen. Mir reicht es. Ich brauche jetzt ein bisschen Spaß. Du kannst ja inzwischen die Wohnung sterilisieren."

Penn schmiss den Teller auf das Bett und alles, was sich darauf befand, verteilte sich auf dem Laken. Doch das kümmerte ihn nicht. Er lief zum Schrank, nahm ein paar Kleidungsstücke heraus und ging damit ins Badezimmer. Angel schaute ihm fassungslos nach. Doch dann begann es langsam in ihm zu kochen. Gerade als er Penn nachgehen wollte, kam der auch schon aus dem Bad. „Warte nicht auf mich, kann spät werden", sagte er ungerührt und war auch schon aus der Wohnung verschwunden.

Hilflos und voller Zorn packte Angel den Teller und schmiss ihn wütend an die Wand. Gleichzeitig stieß er einen animalischen Schrei aus, um sich Luft zu machen. Als er sich etwas beruhigt hatte, räumte er die ganze Sauerei auf, holte sich einen Whiskey und setzte sich in seien Stuhl. Nach einem kräftigen Schluck begann er über seine Beziehung mit Penn genau nachdenken.

~*~

Spike war schon lange nicht mehr im Bronze gewesen. Seit einem Jahr, um genau zu sein. Aber er hatte es Wesley versprochen. An seinem Krankenbett, bevor er starb, hatte sein geliebter Wesley ihm das Versprechen abgenommen, ins Bronze zu gehen und ein Glas auf ihn zu trinken. Jedes Jahr an dessen Todestag. Heute war es das dritte Mal, dass Spike dieses Versprechen einlöste und so stellte er sich an den Tresen und bestellte zwei Gläser Single Malt. „Auf dich, Wes", murmelte er und trank das erste Glas in einem Zug leer. „Du fehlst mir, verdammt."

Fast zwei Jahre hatte es gedauert, bis Wesley den Kampf gegen den Krebs verloren hatte. Die ganze Zeit war Spike ihm nicht von der Seite gewichen, hatte sich vom Dienst freistellen lassen und seinen Geliebten bis zur letzten Stunde beigestanden. Es war ihm egal gewesen, dass er seine Wohnung aufgeben, seinen Wagen verkaufen und alle seine Ersparnisse auf brauchen musste, nur um bei Wes sein zu können. Bis zuletzt hatte Spike gehofft, dass ein Wunder geschieht, doch es traf nicht ein und nach seinem Tod legte sich Spike einen Schutzmantel zu. Äußerlich ebenso wie innerlich. Er färbte sich die Haare, trug Lederklamotten und Springerstiefel. Er nannte sich nun Spike, machte auf obercool, gab flapsige Sprüche von sich und erzeugte so den Eindruck, dass ihm alles am Arsch vorbei ging. So gewappnet ließ er sich nach New York versetzten, um sein neues Leben zu beginnen.

Unterstützt wurde Spike bei seinem Vorhaben von Rupert Giles, seinem ehemaligen Ausbilder und derzeitiger Chef des Bureau of Fire Investigation in New York.

Giles war einer der wenigen Leute, die Williams und Wesleys Geschichte kannte. Nicht nur deswegen war er auch sofort bereit gewesen, Spike in sein Team aufzunehmen. Giles machte sich zwar Sorgen um seinen ehemaligen Schützling und wollte ihn wieder glücklich sehen, doch er war auch froh, ihn als Fire Marshall bei sich zu haben, da er als der Beste in der Branche galt.

Nachdem Spike die zwei Gläser ausgetrunken hatte, verlangte er die ganze Flasche und suchte einen Tisch in einer der Nischen auf, da er vorhatte, sich traditionsgemäß zu betrinken. Während er trank, beobachtete er die Leute in der Bar. Ein blondhaariges Pärchen fiel Spike besonders auf. Die beiden turtelten auffällig miteinander und konnten kaum die Hände voneinander lassen. Die Frau nannte ihren Begleiter dauernd Blondibär und redete auf ihn ein. Spike kam diese nervige Stimme irgendwie bekannt vor, doch er konnte sich nicht erinnern, wo er sie schon einmal gehört hatte. Als er die junge Frau genauer anschaute, wusste Spike aber mit Sicherheit, sie noch niemals gesehen zu haben. „Nehmt euch endlich ein Zimmer", brummte Spike genervt, als der Mann seine Freundin hemmungslos küsste und sie anschließend hinter sich her zog. Das Mädchen kicherte und quietschte auf, als ihr Freund sie in den Hintern kniff, bevor sie die Bar verließen. „Na endlich. Ich dachte schon, er legt sie gleich hier flach." Spike betäubte das aufkommende Gefühl der Einsamkeit mit einem kräftigen Schluck. Trotzdem konnte er nicht verhindern, dass er sofort wieder an Wesley denken musste. Als er dann plötzlich Angels Gesicht vor seinem inneren Auge sah, nahm er erschrocken einen weiteren Schluck.